Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Via de la Plata Via Podiensis Via Tolosana

Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Die meisten von uns kennen die Templer u.a. durch den Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown. Das Buch hat aber ehrlicherweise fast nichts mit der realen Geschichte der Templer zu tun. Außerdem spinnen sich auch einige Legenden und Verschwörungstheorien ohne stichhaltige Beweise um die Templer. Hier werden der Symbolismus, die Regeln und die Überzeugungen der Templer zweckentfremdet, um eigene moderne Ziele zu verfolgen.

Sie symbolisieren wohl etwas Exotisches, Sonderbares und Mysteriöses, das uns heute sowohl fremd als auch verlockend erscheint.

Daher ist es sinnvoll, hier eine kurze Geschichte der Templer zusammenzustellen.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Wer waren die Templer oder genauer die „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“?

 Nach dem Ersten Kreuzzug, als die muslimische Besatzung Jerusalems von der christlichen abgelöst wurde, gab es viele Pilger und Siedler, die in die Stadt zogen. Aber viele wurden auf dem Weg von Banditen überfallen und getötet. In Tagebüchern finden sich Beschreibungen von Leichen, die sich entlang der Straßen türmten, wo sie von Räubern überfallen und ermordet wurden. Um 1119 beschloss deshalb eine Gruppe von Rittern aus der Champagne eine Schutztruppe für Pilger zu gründen. Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war Abt war ein bekannter Kreuzzugprediger und Kirchenlehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. Nach anfänglicher Skepsis setzte er sich ab 1129 wortgewaltig für die Unterstützung des Templerordens ein, was für die Akzeptanz des Templerordens von großer Wichtigkeit war.

Die militärische Ausrichtung, die den Orden von Beginn an bestimmte, unterschied ihn von den beiden anderen religiösen Rittergemeinschaften des 12. Jahrhunderts, dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden. Der Templerorden entwickelte sich zu einer elitären, paramilitärischen Einheit in den Armeen der Kreuzzüge. Wichtig war, dass er vom Papst bestätigt wurde.  Auf dem Konzil in Troyes wurden ihnen aber 1128 strenge Regeln auferlegt, die Bernhard von Clairvaux entworfen hatte und die den Klosterregeln der Zisterzienser nachgebildet waren.

Die Tempelritter wurden von einem Großmeister angeführt, unter diesem bestanden drei Rangfolgen: Ritter, Kapläne und dienende Brüder. Nur die Ritter durften die Ordenstracht, einen weißen Mantel mit achtspitzigem rotem Kreuz auf der linken Brustseite, tragen.

Die Ritter unterwarfen sich den drei großen Prinzipien des Mönchtums: Keuschheit, Armut und Gehorsam. Doch ihren Weg zu Gott wollten sie nicht in der friedlichen Abgeschiedenheit eines Klosters suchen, sondern auf dem Schlachtfeld.

Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut bestätigt und der Orden wurde direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete er faktisch einen Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Die Templer waren der erste Orden dieser Art, der dann zum Vorbild für weitere Ordensgründungen wurde.

Auch wenn man bei den Templern von Mönchrittern sprach, waren die Mitglieder wie bereits gesagt weniger Mönche, obwohl sie ein mönchähnliches Leben führten, sondern mehr Ritter und Kämpfer. Zunächst waren sie besonders für die Sicherheit der Pilger zuständig, entwickelten sich aber dann zu einer wichtigen militärischen Macht während der Kreuzzüge.

 

Die Templer als wirtschaftliche Macht 

Schon in frühen Jahren erhielten sie zahlreiche materielle und finanzielle Spenden von Christen, die sich so Pluspunkte für ihr Seelenheil erhofften. Teilweise wurden den Templern ganze Güter vermacht. So bauten sie mit der Zeit ein Netzwerk aus Land- und Grundbesitz in Irland, England und Frankreich und in den Königreichen Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Deutschland und Zypern auf. Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9000 über ganz Europa verstreute Besitzungen (von denen nur ein geringer Teil eigenständige Komtureien/Niederlassungen waren). Die Besitzungen wurden streng ökonomisch verwaltet und sollten einen möglich hohen Gewinn erbringen. Außerdem waren die Templer nicht nur von der Steuer befreit, sondern durften selbst Steuern erheben. Der Orden häufte so mit der Zeit einen immensen Reichtum an Geld und Besitz an.

Zudem funktionierte der Orden auch als eine Art Kreditinstitut, indem er u.a. dem englischen und französischen König Geld verlieh – gegen Zinsen, was zwar verboten war, aber stillschweigend hingenommen wurde. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen dann zu einer regulären geschäftlichen Betätigung und wurden zu einer europaweiten Finanzmacht. Sie unterstützten z.B. finanziell die Könige bei den Kreuzzügen, wenn diesen das Geld ausging.

Sie erfanden auch eine eigene Art der Kreditbriefe (Vorläufer der heutigen Reiseschecks). Wer einen Betrag in einer ihrer vielen Komtureien in Europa einzahlte, konnte man z.B. die gefährliche Reise ins Heilige Land bargeldlos antreten. Der Reisende konnte mit der entsprechenden Quittung unterwegs in den Besitzungen der Templer jederzeit Geld abheben. So war er davor geschützt, bei einem Überfall sein ganzes Geld zu verlieren.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Untergang der Templer

1291 gingen die Gebiete der Kreuzfahrer im Heiligen Land verloren und die Templer wurden aus dem Land geworfen. Sie mussten sich umorientieren, aber der französische König wollte die Templer aufgrund ihrer großen finanziellen Macht ganz vernichten. So wurden die Templer 1305 schwerer Vergehen bezichtigt – von Ketzerei, Götzenanbetung und sogar Sodomie war die Rede. Am 14. Oktober 1307 wurden sämtliche Templer verhaftet auch mit Unterstützung des Papstes. Sie wurden gefoltert und ihnen wurde z.T. über Jahre der Prozess gemacht.

Allerdings war lange Zeit nicht bekannt, dass Papst Clemens V. den Templern im Jahr 1308 die Absolution erteilt hatte, nachdem sich diese für allerlei Missstände in ihrem Orden entschuldigt hatten. Zugleich nahm er sie wieder in die Kirchengemeinschaft auf. Damit stand fest, dass die Templer keine Ketzer waren und der Pontifex den Orden, der ihm allein unterstellt war, reformieren und erhalten wollte. Der gesundheitlich angeschlagene Clemens V. residierte seinerzeit in Avignon. So war er aber dem Druck des mächtigen französischen Königs Philipp des Schönen ausgesetzt, der die Templer vernichten wollte und eine Verleumdungskampagne gegen den Ritterorden entfesselt hatte. Daher wagte es der Papst nicht, sein Urteil zu veröffentlichen.

So wurden die Templer auf Betreiben Philipp des Schönen weiterverfolgt, eingekerkert und gefoltert. Philipp dem Schönen ging es darum, das Vermögen der Templer an sich zu reißen und die Kirche durch die Zerschlagung des Ordens zu schwächen. Auch konnte er sich so einer drückenden Geldschuld entledigen, die er bei den Templern hatte. Über 1000 Ordensniederlassungen fielen an die Krone. 1312 wurde der Orden endgültig aufgelöst und der Großmeister Jacques de Molay auf der Île de la Cité in Paris lebendig verbrannt. Nachdem es keinen Orden mehr gab, war kein Prozess mehr möglich; es blieb bei Ermittlungsverfahren. Die verbleibenden Templer kamen bei anderen Orden unter.

Die Besitzungen der Templer gingen aber nur teilweise an die Krone. Denn der Papst machte einen Strich durch die Rechnung Philipps des Schönen. Clemens übertrug Güter der Ordensgemeinschaft offiziell an die Johanniter/Hospitaliter, die als Brüder der Templer im Geiste ihre Arbeit bis 1789 fortführten. In Spanien knüpfte der spanische Ritterorden von Montesa unmittelbar nach der Auflösung des Templerordens an dessen Geschichte an. Der Orden von Montesa wurde 1316 von Jakob II. von Aragón gegründet und mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Dieser Orden wurde zunächst hauptsächlich zu dem Zweck gegründet, den Templern Unterschlupf zu bieten.

Es gibt noch eine vollständige Burg des alten Templerordens in Europa – die Burg von Ponferrada in Spanien-, alle anderen wurden zwischenzeitlich zerstört. Allerdings finden sich sowohl in Frankreich als auch in Spanien noch zahlreiche Türme und Burgruinen.

 

Von de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann at http://de.wikipedia.org/ - photo by de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1694223 Templerburg Ponferrada am Jakobsweg in Spanien
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Kultur Kultur Kultur

Die Eibe – ein Baum voller Magie

Die Eibe – ein Baum voller Magie

Camino del Norte / Camino Primitivo

Beschreibung

Die Eibe gilt als die älteste Baumart Europas. Schon vor 200 Millionen Jahren war der triassische Vorläufer der Gattung Taxus weit verbreitet. Die Europäische Eibe (Taxus baccata) entstand vor etwa 15 Millionen Jahren. Die langsam wachsende Eibe wurde einst als heiliger Baum verehrt.

Biologisch ist die Eibe ein immergrünes Nadelholz. Sie altert extrem langsam, ihr Holz ist langlebig, widerstandsfähig und gleichzeitig biegsam. Der immergrüne Baum kann mehrere tausend Jahre alt werden. Samen, Rinde und Nadelwerk der Eibe sind außerordentlich giftig. Alle Teile der Eibe (ausgenommen der Samenmantel) enthalten das giftige Taxin sowie die ebenfalls giftigen Stoffe Myricylalkohol und Taxicatin. Beim Menschen führt schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Beeren ist genießbar. Die Eibe ist bei uns selten geworden. Vom Altertum bis ins Mittelalter hat der Mensch einerseits dem wertvollen Holz dieser Baumart nachgestellt, u.a. um aus dem biegsamen aber harten Holz Pfeilbogen und Armbrust herzustellen. Anderseits wurde diese Baumart wegen der hohen Giftigkeit für Pferde durch Pferdehalter und Fuhrleute systematisch vernichtet. Und die Langsamkeit des Wachstums tut dann zusätzlich ihre Wirkung. Das seltene Holz ist heute sehr gesucht für Drechslerarbeiten, Möbelbau und für die Herstellung von Musikinstrumenten.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=457198

Mystische Bedeutung

Um die Eibe – den sogenannten Baum des Lebens – ranken sich jede Mende mystische Geschichten und Aberglauben. Seit dem Altertum gilt sie als Baum des Todes und der Ewigkeit und ist deshalb oft auf Friedhöfen zu finden. Andere sagen, der Teufel soll sich vor dem Gewächs fürchten, so wurde die Eibe als Schutz für die Toten angebaut. Auch Zauberkräfte sagte man ihr nach, sie wurde als Schutz vor Hexen und bösen Geistern ums Haus herum gepflanzt. Die Eibe bedeutete auch ein Symbol für ewiges Leben und sie besitzt durch ihre toxischen Säfte die Macht über Leben und Tod.

In Asturien ist die Eibe schon seit vorchristlicher Zeit einer der wichtigsten mythologischen Bäume. Als Tejo, Texu, Tixu oder Teixo ist die Eibe in Asturien bekannt (engl. Yew Tree). Die Kraft heiliger Eibenhaine und einzelner alter Eibenbäume wurde in Asturien schon von den Menschen der Bronzezeit und der Steinzeit dazu genutzt, über den Geist der Bäume Kontakt mit dem Jenseitigen aufzunehmen. Die Eiben waren Symbol der Verbindung zu den Ahnen. Unter den Eiben traf der Ältestenrat wichtige Entscheidungen. 

Für die Kelten war die Eibe ein heiliger Baum. Man sagt, sie stand für das Ende des keltischen Jahresrades, für den letzten Tag vor der Wintersonnenwende, der Neugeburt des Lichts. Aus Eibenholz wurden die Wahrsage- und Zauberstäbe der keltischen Druiden geschnitten. Man erzählt sich, dass die asturische und galicische Landschaften Landschaften der Märchen und Fabeln, Hexen und Zauberer, unerwarteter Erscheinungen und verzauberter Wälder, herumirrender Geister und keltischer Nebel sind.

Später errichteten die Christen an alten heiligen heidnischen Orten oft Kapellen, Kirchen und Klöster. Deshalb sind Eiben auch heute noch in Asturien neben vielen Kapellen, Kirchen und an alten gemeinschaftlich genutzten Plätzen zu finden. Man sagt, wer Kraftorte in Asturien entdecken möchte, der folge der Eibe. Die größten Eibenbestände der iberischen Halbinsel und einer der ältesten Eibenbestände Europas sind in der Sierra del Sueve erhalten geblieben. Der Naturraum des Sueve ist an der Küste begrenzt durch die Orte Ribadesella und Villaviciosa. Im Landesinneren markieren die Flusstäler des Río Piloña und Río Sella das Gebiet.

Von Nasenbär - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Kauk0r., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8869584

Wir finden die Eibe auf unserem Weg auf dem Camino Primitivo z.B.:

  • in Oviedo an der Kathedrale leider eine tote Eibe
  • in Vega bei Oviedo an der Einsiedelei Santa Ana
  • in Salas am Friedhof San Martin
  •  

Wer den Camino Primitivo in Villaviciosa startet oder hier auf dem Camino del Norte  vorbeikommt, der findet welche bei

  • San Martin de Valleslay
  • San Martin del Mar
  • Einsiedelei Santiago de Ballera
Von 4028mdk09 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7872044
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Kultur Kultur Kultur

Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Kloster mitten in der Natur

Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Koster mitten in der Natur

Das Kloster Santa Maria de Sobrado in der Gemeinde Sobrado dos Monxes ist ein ganz besonderes Etappenziel sowohl auf dem Camino Primitivo als auch auf dem Camino del Norte. Es ist wohl das spektakulärste Kloster auf den beiden Wegen.

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31253163

Das Kloster soll im 10. Jahrhundert von den Benediktinern gegründet worden sein. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war es verlassen. Im Jahr 1142 erfolgte die Wiedergründung als Zisterzienserkloster von der Primarabtei Clairvaux aus. Es ist das erste Zentrum des Zisterzienserordens in Spanien. Die kolossalen Gebäude in Mitten der Natur zeugen von der Macht und Bedeutung des Klosters. Dies zeigt sich auch darin, dass es als Tochter das Kloster Valdedios in Asturien gründete und ihm das Kloster Monfero in der Provinz A Coruna unterstellt wurde.

Aus dieser Blütezeit im 12. Und 13. Jh. sind nur noch wenige Räume erhalten. Dazu gehört die kleine Magdelena-Kapelle. Außerdem ist die beeindruckende Gewölbeküche, eine der wenigen noch erhaltenen Küchen aus dem Mittelalter mit ihrem besonderen Kamin in der Mitte des Raumes aus dieser Zeit zu bewundern ebenso wie der elegante Kapitelsaal.

Nach dieser Hochphase trat eine Zeit des Niedergangs ein. Durch den Beitritt der Klosters 1498 zur Zisterzienserkongregation von Kastilien kam es zu einer neuen Blütezeit, in der die meisten Klosterräume im Stil der Renaissance und des Barocks modernisiert wurden. Allein die Sakristei ist schon auf Grund der Größe eine der beeindruckendsten in Spanien. Sie wurde von Juan de Herrara gebaut, einem der bedeutendsten Architekten der Renaissance in Spanien. Er war auch maßgeblich am Bau der Kloster- und Schlossanlage El Escorial bei Madrid beteiligt.

Die vergangene Größe des Klosters lässt sich auch an der kunstvollen Barockfassade der Kirche erkennen. Es gibt wohl keine Barockkirche in Galicien, die sich mit Sobrado vergleichen lässt, sowohl was die Größe aber auch die architektonische Reichhaltigkeit betrifft. Die mehrfach überkuppelte monumentale Kirche wurde Ende des 17. Jh. erbaut und 1708 eingeweiht. Der Meisterarchitekt ist leider nicht bekannt.

Ein Zeichen des Reichtums des Klosters ist auch, das es drei Kreuzgänge besitzt, den reichen Kreuzgang der Medaillons, den großen Kreuzgang und den Kreuzgang der Hospederia.

Durch die Säkularisierung und Klosteraufhebung durch die Regierung Mendizabal im Jahr 1834 wurde das Kloster verlassen und verkauft. So kam es zum Verfall und zur Plünderung der Kunstschätze. Erst Mitte des 20. Jh. begann der Wiederaufbau. Ab 1996 lebt wieder eine Zisterziensergemeinschaft im Kloster, die auch die Pilgerherberge betreibt. Das Kloster war ja von Anfang an eine Pilgerstation auf dem Jakobsweg.

 

Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Willyman" title="User:Willyman">Willyman</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 4.0, Link
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Kultur Kultur Kultur

Steinkreuze/Cruceiros auf unserem Weg

Steinkreuze/Cruceiros auf unserem Weg

Wenn man auf den verschiedenen Pilgerwegen wandert, trifft man immer wieder auf eine Vielzahl von bemerkenswerten Steinkreuzen. Sie stehen an Kreuzungen, Plätzen, Straßenrändern und vor Kirchen und Kapellen. Besonders schön gestaltet und auffallend sind die Steinkreuze in Galicien, wo es zwischen 10.000 und 15.000 sogenannte Cruceiros geben soll.

Sie sind im Gegensatz zu den einfacheren Steinkreuzen größer und künstlerisch geformt.

Wie sieht so ein typisches Steinkreuz/Cruceiro aus?

Häufig steht der Sockel auf einer Plattform mit Stufen. Oft findet man hier auch eine Inschrift, die Auskunft gibt über den Auftragsteller oder den Zeitpunkt. So wollten die Spender für sich und ihre Angehörigen göttlichen Ablass erbitten. Auf dem Sockel steht die Säule, die teilweise verziert ist und darauf befindet sich das Kreuz. Dieses Kreuz ist – im Gegensatz zu vielen einfachen Kreuzen – beidseitig gestaltet. Auf der zum Hauptweg weisenden Seite befindet sich das Bild des gekreuzigten Christus und auf der gegenüberliegenden Seite eines der Jungfrau Maria oder eines Heiligen. Neben einzelnen Säulen gibt es auch Kompositionen von mehreren Säulen mit Figuren oder komplexen Szenen.

Die Funktionen der Steinkreuze sind vielfältig. Viele Steinkreuze wurden zur Heiligsprechung heidnischer Kultstätten verwendet. So wurden sie z.T. auf Menhiren oder römischen Meilensteinen aufgestellt. Außerdem markierten sie territoriale Grenzen und sollten Feldfrüchte und Vieh schützen. Den Pilgern dienen die am Rand der Wege stehenden Steinkreuze als Orientierung und als Platz, an dem man einmal innehalten kann.

Die ältesten Cruceiros stammen aus dem 14. Jh., es sind also gotische Kreuze. Sie breiten sich dann ab dem 16. Jh. weiter stark aus.

Luis Miguel Bugallo Sánchez (Lmbuga Commons)(Lmbuga Galipedia) - self made
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Historisches Historisches Historisches Uncategorized

Die Entstehung des Camino Primitivo und des Camino del Norte

Die Entstehung des Camino Primitivo und des Camino del Norte

Im Jahr 813 wurde im Wald von Lebredon an der Stelle des heutigen Santiago de Compostela ein Grab gefunden. Der zuständige Bischof Theodemir glaubte das Grab des Apostels Jakobus gefunden zu haben. Jakobus war einer der vertrautesten Jünger Jesu und der erste Märtyrer der Christenheit. Im Jahr 44 wurde er in Judäa auf Weisung des Königs Herodes enthauptet. Um den Umstand, wie sein Leichnam möglicherweise nach Spanien gekommen sein soll, ranken sich zahlreiche Legenden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Camino_de_la_Costa#/media/Datei:AM03-RutasJacobeasNorte.jpg

Alfons II von Asturien (791 -842), auch Alfons der Keuche genannt, war dann der erste königliche Pilger, der im Jahr 830 zum vermeintlichen Grab des Jakobus pilgerte. Die Strecke durch die Berge, die er damals zurücklegte, gilt heute als der ursprünglichste und älteste belegte Pilgerweg nach Santiago. Alfons der Keuche ging den Weg von seiner Hauptstadt Oviedo in Richtung Westen. Er führt von der alten asturischen Hauptstadt Oviedo auf 310 Kilometer in anspruchsvoller Weise durch dünn besiedeltes Bergland über das galicische Lugo nach Santiago de Compostela.

Alfons II war davon überzeugt, dass es sich um das Grab des Apostel Jakobus handelte und ordnete den Bau einer Grabeskirche an. Er gründete auch das erste Kloster, das sich um den Altar des Heiligen kümmerte: San Paio de Antealtares. Dies gab den endgültigen Anstoß für die dann einsetzende Pilgerbewegung.

Die Nachricht vom Fund des Leichnams breitete sich in für das Mittelalter rasanter Geschwindigkeit in Europa aus. Waren es zunächst die Menschen aus dem asturischen Königreich, die die Wallfahrt auf sich nahmen, folgten dann die Menschen aus dem gesamten Norden Spaniens und aus Portugal. Alfons III., der die zweite Basilika in Santiago initiierte, pilgerte selbst zweimal den Camino.

Die erste Hälfte der Strecke  des Camino Primitivo durch die Berge von Asturien ist spektakulär. Ihr überquert die Bergketten Tineo, Rañadoiro und San Isidro. Die Höhepunkte auf diesem Pilgerweg sind zahlreich, und stehen im Kontrast zu der geringen Anzahl an Dörfern und Restaurants. So geht man die meiste Zeit tatsächlich in der Natur und kann die Ruhe aber auch Einsamkeit dieser Region genießen. 

Nach dem Camino Primitivo gewann auch der Camino del Norte an Bedeutung. Relativ schnell nach der Entdeckung des Apostelgrabes im 9. Jh. begannen Pilger diesen Weg zu nutzen, da er außerhalb des von Mauren besetzten Gebietes verlief. Über ihn kamen dann auch Pilger aus Frankreich und aus anderen Ländern, die zum Teil auch den Seeweg über die Häfen Nordspaniens nutzten. Im späten Mittelalter erreichten die Pilgerfahrten zu See ihren Höhepunkt. Manche Pilger besuchten auch zuerst Oviedo als Ergänzung zu ihrer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela.

Der gesamte Camino del Norte führt von der Grenze zu Frankreich nach Santigao. Er ist mit 850 km der zweitlängste Pilgerweg (nur die Via de la Plata ist mit 1000 km länger) und läuft immer wieder direkt am Meer entlang, entweder entlang der über dem Meer verlaufenden Steilküste oder auch direkt am Strand mit atemberaubenden  Ausblicken und herrlichen Stränden. Man spürt jeden Tag den Sand unter den Füssen! Allerdings müssen auch einige Höhenmeter überwunden werden. Etwa 200 km vor Santiago nach der Stadt Ribadeo verlässt der Küstenweg das Meer und die Route führt landeinwärts durch die Täler von Vilanova de Lourenza und Mondoriedo sowie über die Ebenen von Vilalba und Guitiriz zum Zielort.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Historisches Historisches Historisches Uncategorized

Kurze Geschichte Asturiens

Kurze Geschichte Asturiens

Asturien ist seit 1983 eine autonome Region im Nordwesten Spaniens. Sie erstreckt sich heute zwischen dem Kantabrischen Meer im Norden und dem Kantabrischen Gebirge im Süden. Die Nord-Süd-Ausdehnung erreicht max. 70 km Tiefe, die Länge von Ost nach West beträgt ca. 200 km. Politisch grenzt sie im Westen an Galicien, im Süden an Kastilien und Leon und im Osten an Kantabrien. Die größten Städte sind die Hafenstadt Gijon, die Hauptstadt Oviedo und die Industriestadt Aviles.

Asturien ist eine der Industrieregionen Spaniens, insbesondere aufgrund des vorherrschenden Bergbaus und der Schwerindustrie. Da diese Branchen eher zu den schrumpfenden gehören, befindet sich Asturien seit den 1970er Jahren in einem Strukturwandel. In den letzten vier Jahrzehnten lag die Wirtschaftswachstumsrate Asturiens hinter der anderer spanischer Gebiete zurück.

Die Landwirtschaft spielt in Asturien eine größere Rolle, da aufgrund des feuchten Klimas und mäßiger Temperaturen Agrarprodukte produziert werden können, die in anderen Regionen Spaniens nur mit höherem Aufwand angebaut werden können. Daneben gibt es (hauptsächlich inländischen) Tourismus.

Im Gegensatz zu heute hatte Asturien im Laufe der Geschichte eine zeitweise große Bedeutung für die Struktur und Entwicklung Spaniens.

Erste Zeichen menschlichen Lebens findet man in zahlreichen Höhlen mit steinzeitlichen Malereien, vor allem Tierdarstellungen, die ca. 15.000 Jahre alt sein sollen.

Die ersten Ansiedlungen werden den Iberern zugerechnet. Im 6 Jh. v.Chr. bildete sich durch die Mischung der einheimischen Völker mit den Kelten das Volk der Asturer, das aus vielen einzelnen Stämmen bestand. Das Gebiet umfasste Asturien, Teil Galiciens und Nordostportugals. Während der Großteil der Iberischen Halbinsel bereits 140 v.Chr. zum Römischen Reich gehörte, taten sich die Römer bei der Eroberung der Nordgebiete schwer (vgl.  Kapitel Romanisierung Spaniens). Mit dem Ende des Kantabrischen Krieges wurde die Region 19 v.Chr. eingegliedert (größtenteils in die römische Provinz Gallaecia). Nun begann auch die Romanisierung der Nordvölker.

Als im 5 Jh. n.Chr. das Römische Reich unterging, fielen germanische Stämme in der Region ein. Zu diesen zählten die Vandalen und Sueben. Das Königreich der Sueben umfasste dann die heutigen Regionen Galicien, Asturien, Leon und Nordportugal. Im Jahr 585 wurde das Reich der Sueben von den Westgoten erobert. Aber es kam immer wieder zu Aufständen der Basken, Kantabrer und Asturer.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Covadonga#/media/Datei:Don_Pelayo.jpg

Nachdem die Araber im 7 Jh. die Westgoten fast vollständig vertrieben bzw. unterworfen hatten, wurde das Gebiet einem muslimischen Gouverneur unterstellt. Ein privater Streit mit dem für Asturien zuständigen Gouverneur Mumuza, der in Gijon residierte, war für den westgotischen Adeligen Pelago der Anlass zu Rebellion. Er sammelte Gleichgesinnte um sich und so gelang ihm in der Schlacht von Covadonga (722 oder 718) der erste Sieg über die Mauren. Dieses Ereignis wurde dann später als Ausgangspunkt der Reconquista hochstilisiert, obwohl es wohl eher ein Gefecht als eine Schlacht war. Trotzdem gelang es Pelago ein winziges Königreich Asturien zu gründen.

Unter Alfons I. (739-757) wurden erste Anstrengungen unternommen, das Gebiet zu erweitern. Dabei half ihm der Umstand, dass Hungersnöte und Seuchen zu einer Entvölkerung vieler Gebiete geführt hatten. Diese Gebiete waren daher für die Mauren von geringerem Interesse, so dass sie sich teilweise zurückzogen.

Nach den Angaben der wichtigsten Quelle, der „Chronik Alfons’ III.“, eroberte Alfons I. im Westen (Galicien und Nordportugal) u.a. die Städte Lugo und Porto, im Süden (dem späteren Königreich Leon) u.a. Salamanca, Zamora und Leon, im späteren Kastilien u.a. Segovia und Coruna del Conde. Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er die Muslime, die er dort vorfand, teilweise töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.

Wichtig ist allerdings anzumerken, dass es sich bei der „Chronik Alfons III“ um eine von Alfons III. bestellte oder von ihm verfasste Chronik handelt, die wie alle diese Quellen sicher mit Vorsicht zu behandeln ist, da sie in der Regel eine sehr subjektive Sicht wiedergeben. Später erfolgte je nach Fortschreiten der Reconquista in den Verwüstungsgürteln eine Repoblacion, d.h. die Wiederbesiedlung dieser Gebiete durch meist christliche Siedler.

Der Nachfolger Alfons I.  Fruela I., der Grausame, (757-768), unterwarf dann ganz Galicien und verlegte den Sitz der Regierung von Cangas de Onis in die von ihm gegründete Stadt Oviedo. Unter seinen Nachfolgern herrschte Frieden mit den Mauren. Erst unter Alfons II., dem Keuchen, (792-842) wurde das Reich weiter vergrößert. Nun begann die eigentliche Blütezeit Asturiens. Die lange Regierungszeit Alfons II. war, da er anscheinend eine integre Herrscherpersönlichkeit war, der Garant für Stabilität und Wachstum im Land. Er sicherte zum einen Asturien nach außen ab, erweiterte es aber auch Richtung Süden. So erstreckte sich zu Beginn des 9. Jhs Asturien über große Teile Nordspaniens. In die Regierungszeit Alfons II. fällt auch die Auffindung des angeblichen Jakobsgrabes in Santiago de Compostela. Jakobus wurde dann auch zur Integrationsfigur des christlichen Spaniens hochstilisiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Repoblaci%C3%B3n#/media/Datei:Asturias_in_800.svg

Alfons III. (866-910) dehnte das Herrschaftsgebiet weiter aus, unterwarf Navarra, drang nach Nordkastilien vor und weiter in den Süden Portugals. Das war der Höhepunkt der Macht und Ausdehnung Asturiens. Denn nach der Entmachtung Alfons III. teilten seine drei Söhne das Land unter sich auf. Im Jahr 924 wurde das Gebiet wieder vereint, hieß ab dann Königreich Leon. Die Hauptstadt war inzwischen von Oviedo nach Leon verlegt worden. Damit endete die wechselhafte Geschichte des einst unabhängigen Reiches Asturien. Das Königreich Leon ging dann wiederum im Jahr 1230 in Kastilien auf.

Die Erinnerung daran, dass Asturien als Wiege des neuzeitlichen Spaniens gilt, wird auch dadurch hochgehalten, dass der spanische Thronfolger seit dem Mittelalter bis heute den Titel „Prinz von Asturien“ trägt, allerdings dadurch keine besondere verfassungsrechtliche Stellung einnimmt. In Asturien gibt es auch den Spruch „Asturies ye Espana, lo demas tierra conquistade“, Asturien ist Spanien, der Rest ist erobertes Land.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Kultur Kultur Kultur Kultur Kultur Kultur Kultur Via de la Plata Via Podiensis Via Tolosana

Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die atlantische Jakobsmuschel, die Große Pilgermuschel (Pecten maximus) ist das begleitende Symbol aller Jakobspilger.

 

Der Legende nach hat das Symbol folgenden Ursprung:

Ein junger Adliger ritt einst dem Schiff entgegen, mit dem der Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien gebracht wurde. Unglücklicherweise versank er dabei im Meer; jedoch rettete Jakobus auf wundersame Weise sein Leben und half dem Ritter, das Ufer zu erreichen. Dadurch war sein Körper über und über von Muscheln bedeckt und aus diesem Grund wird die Muschel seitdem als Schutzzeichen getragen.

 

In den Frühzeiten der Pilgerbewegung wurde die Muschel als Nachweis der Ankunft ausgegeben und war somit ein Vorläufer der heutigen Pilgerurkunde. Die Muschel wurde am Wallfahrtsort verkauft und von den Pilgern am Hut oder Umhang getragen. Im Mittelalter ging man den Jakobsweg als Hin- und Rückweg. Die Pilgermuschel trugen somit nur Personen, die den Jakobsweg bereits auf dem Rückweg gingen. Der Verkauf war eine wichtige Einnahmequelle des Wallfahrtsortes. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Pilgerschaft nicht mehr mit der Muschel, sondern mit einer Urkunde beglaubigt.

 

Im Codex Calixtinus, einem Sammelwerk des Jakobuskult aus dem 12. Jh., wird schon die Bedeutung der Jakobsmuschel betont. Die beiden Schalen der Muschel, heißt es dort, stünden für die Gebote der christlichen Liebe, die es immer zu verteidigen gelte: Gott über allen Dingen zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Außerdem gleiche die Muschel einer Hand, die sich zur Verrichtung guter Werke öffne. Ob die Pilger heute noch der Muschel  diesen Sinngehalt zusprechen, ist sicher zu bezweifeln. Aber sie ist auf jeden Fall ein stolz getragenes Symbol zur Unterscheidung gegenüber landläufigen Wanderern. Deshalb wird sie heute auch schon zu Beginn des Jakobsweges an der Kleidung oder vor allem am Rucksack befestigt.

Stein vor der Kathedrale in Santiago de Compostela

In europäischen Gräbern vor allem aus dem 11. bis 14. Jahrhundert sind bis nach Skandinavien hinauf wiederholt Große Pilgermuscheln gefunden worden. Aus derartigen Grabfunden lassen sich alte Pilgertraditionen, ihre zeitliche Zuordnung und ihre lokale Bedeutung nachvollziehen. Man glaubt, dass die Pilger des Mittelalters mit der Muschel des Jakobswegs begraben wurden, um sich im Jenseits als Pilger zu identifizieren. So zeigten sie nach dem Leben, dass sie die in Compostela vollkommene Vergebung erhielten und glaubten daran, dass Jakobus der Ältere in der anderen Welt für sie Fürbitte hielt.

 

Die Jakobsmuschel dient auch als Wegweiser. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund zeigt an, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Sie dient uns als Orientierung und man findet sie oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen oder anderen Gegenständen am Weg. Dabei fungiert die Muschel teilweise sogar als eine Art Pfeil: Zeigt das Muschelende, also der dünnere Teil, nach links, so setzt sich der Jakobsweg in der linken Richtung fort und umgekehrt. Allerdings gibt es auch unterschiedliche Interpretationen. In Galicien wird es z.B. anders interpretiert als in Asturien. In Asturien wird sie als Sternsymbol verstanden wird, dessen geschlossenes Ende den Weg anzeigt, weil dem Stern der Schweif folgt und für sie alle Straßen nach Santiago führen. In Galicien ist es eine Muschel, deren offenes Ende nach Santiago de Compostela zeigt. Für die Galicier symbolisiert der geschlossene Teil der Muschel Santiago de Compostela und für sie beginnen alle Jakobuswege dort. Die Unterschiede kann man auf dem Camino Primitivo in Acebo an der Grenze zwischen Asturien und Galicien beobachten.

Zudem ist die Muschel ein kunsthistorisches Zeugnis auf den Wegen. Wenn man durch die Dörfer geht, durch die der Jakobsweg führt, findet man häufig Gebäude, Brunnen oder Skulpturen mit der Pilgermuschel. Wir erkennen die Muschel als Dekoration an Kirchenfassaden und -portalen. Auch findet man in den Kirchen am Weg viele Darstellungen des hl. Jakobs als Pilger mit Brotbeutel, Wanderstab und Muschel.

älteste erhaltene Steinskulptur des Apostels aus dem 11. Jh. an der Kirche Santa Marta de Tera in Santa Croya de Tera
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
1280px-Castro_de_Viladonga-vista_aerea
Die Castro-Kultur, ein Relikt aus der Eisenzeit
Die Castro-Kultur, ein Relikt aus der Eisenzeit Camino...
weiter lesen
Ventana2 (2)
Die Zeit der Renaissance in Spanien
Die Zeit der Renaissance in Spanien Kulturelles auf...
weiter lesen
Puente_la_Reina
Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)
Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche...
weiter lesen
Santo_Domingo_de_Silos_(27729942298)
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Al-Andalus-de-910
Die Arabisierung Spaniens
Die Arabisierung Spaniens ein kurzer Überblick –...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Geographisches Geographisches Geographisches Geographisches Geographisches Geographisches Uncategorized Via de la Plata Via Tolosana

Die Jakobswege und Regionen in Spaniens

Die Jakobswege und Regionen in Spanien

Hier sind die Jakobswege in Spanien mit ihrer Länge eingezeichnet. Man kann die langen Weg natürlich auch in Etappen gehen. Wir haben zum Beispiel die Via de la Plata aus Zeitgründen in drei Etappen eingeteilt: Sevilla bis Caceres, Caceres bis Zamora, Zamora bis Santiago de Compostela. Da das Eisenbahn- und Busnetz in Spanien sehr gut ausgebaut ist, kommt man auch  leicht wieder zum jeweiligen Ausgangspunkt

https://jakobsweg-lebensweg.de/jakobsweg-laenge/
https://jakobsweg-kuestenweg.com/laenge/spanien/

Als autonome Gemeinschaften werden 17 Gebietskörperschaften bezeichnet, die die Regionen Spaniens verkörpern

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien#/media/Datei:Gemeinden_Spanien_2023.png
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino Primitivo Geographisches Geographisches Uncategorized

Gold in Asturien und die spektakulären Las Médulas

Gold in Asturien und die spektakulären Las Médulas

Das Gebiet Hispania Tarraconensis wurde von Kaiser Augustus erobert. Die Römer befestigten die Region und waren vor allem an den Goldvorkommen in Asturien interessiert. So fanden sie z.B. bei Tineo im heutigen Gemeindeteil Navelgas Gold, das sie abbauten und zum Prägen von Münzen nutzten. Bis heute gilt der Ort als asturische Gold-Hauptstadt und besitzt ein Museum, das dem Gold gewidmet ist.

Der spektakulärste Ort aber, der das Erbe des römischen Goldabbaus dokumentiert, ist Las Medulas.

Die rötlichen Felsen und spitzen Gesteinsgebirge um die Las Médulas wirken wie von der Natur gebildet, sie sind aber in Wahrheit von Menschenhand geschaffen. Es bietet sich ein faszinierendes Panorama, aber eigentlich ist es ein Werk der Umweltzerstörung in römischen Zeiten. Die Mine Las Medulas zählt nämlich zu den altrömischen Minen in dieser Gegend und befindet sich im nordwestlichen Teil des Landes in Leon Kastilien in der Nähe von Ponferrada.

Schon vor der römischen Eroberung gewannen die Ureinwohner hier Gold. Die Historiker haben festgestellt, dass der Abbau der Mine noch im ersten Jahrhundert v.u.Z. begann und mehr als 300 Jahre dauerte. Die großtechnische Produktion begann aber erst in der zweiten Hälfte des 1. Jh. n.Chr.. Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia 70 n.Ch. über den Abbau und die Gefahren, die damit verbunden waren. Es handelt sich um eine hervorragende Technik und gleichzeitig um eine unmenschliche Aufgabe der Arbeiter.

Die hier verwendete Bergbautechnik hat die bezeichneten Titel „Ruina Montium“ (Zerstöre die Berge). Sie baut auf der zerstörerischen Kraft des Wassers auf. Um diese zu nutzen, wurde ein weitreichendes hydraulisches Netzwerk geschaffen. So wurde Wasser über eine Entfernung von über 100 Kilometer aus der Sierra de la Cabrera geleitet und in Staubecken gesammelt.

Gleichzeitig wurden sehr steile Tunnel und Schächte in den Fels getrieben, die auch miteinander verbunden wurden, so dass ein Netz von Kanälen den Berg durchzogen. Die Tunnel im Felsen brachten es in ihrer Gesamtheit auf etwa 100 Kilometer Länge. Dann wurden die Dämme der Stauseen geöffnet, so dass das Wasser durch die Tunnel schoss. Das Wasser hatte dann der Maßen viel Kraft, dass es den Fels regelrecht sprengte. Das Gold wurde dadurch aus dem Stein herausgelöst und mit nach draußen geschwemmt und in Sammelbecken geleitet. Über Wasserkanäle in Form von Holztreppen wurde das Gemisch aus Wasser und Gestein sortiert, bis nur noch das schwerste Element, das Gold, übrig blieb.

Knapp 100 Millionen Kubikmeter Erdreiche sollen so in knapp 2 Jh. gesprengt und weggespült worden sein. Unter Berücksichtigung der verbrauchten Wassermenge, der Länge und der Anzahl der Abzweigungen seiner Kanäle kann man das hydraulische System von Las Médulas als das spektakulärste bekannte System bezeichnen. Geblieben ist eine zerklüftete Landschaft von rund 20 Quadratkilometer Größe.

Plinus der Ältere behauptete, dass dort jedes Jahr fast 20.000 römische Pfund Gold gefördert wurden. Das bedeutet, dass ungefähr 1.635 t in der ganzen Zeit zu Tage gefördert wurden. 60.000 Arbeiter waren im Rahmen der Ausbeutung beschäftigt. Dabei handelte es sich um römische Sklaven und mehrere zehntausend Arbeiter aus Asturien. Viele sahen bei ihrer Arbeit unter Tage Monate lang kein Sonnenlicht. Viele Menschen ließen dabei ihr Leben, denn die Arbeit im Berg war auch deshalb sehr gefährlich, weil die Tunnel jederzeit einstürzen konnten. Man hat mehrere keltiberischen Fluchtsiedlungen ausgegraben, die in der Römerzeit wohl als “Werkssiedlungen” verwendet wurden. Selbst die Edelkastanien der Zone sind ein römisches Relikt, man pflanzte sie, um die Sklaven damit billig ernähren zu können.

Der massive Bergbau in Las Médulas und anderen römischen Stätten hatte erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt . Eisbohrkerndaten aus Grönland deuten darauf hin, dass die mineralische Luftverschmutzung in Spanien während der Römerzeit ihren Höhepunkt erreichte. Die atmosphärischen Bleiwerte aus dieser Zeit wurden erst wieder etwa 1.700 Jahre später mit derIndustriellen Revolution erreicht.

Die Aufnahme von Las Médulas als Weltkulturerbe 1997 war daher u.a. aus solchen Gründen umstritten. 

Las Medulas liegen nicht direkt auf dem Jakobsweg, aber wer genug Zeit, kann hier sicher etwas Einzigartiges besichtigen.

Eine der Galerien in den Las Medulas
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino Primitivo Kultur Kultur Uncategorized

Hórreros – die herrlichen Getreidespeicher in Asturien und Galicien

Hórreros – die herrlichen Getreidespeicher in Asturien und Galicien

Hórreros sind traditionelle Speicherbauten für Feldfrüchte (z.B. Mais), wie sie vornehmlich in Nordportugal und Nordspanien zu finden sind. Die kleinen Hórreros (auf unserem Weg meist in Galicien) wurden meist nur von ein oder zwei Familien genutzt, die längeren bzw. größeren (auf unserem Weg meist in Asturien) waren in der Regel dörfliche Gemeinschaftsspeicher.

 

Konstruktion

Hórreos  sind frei stehend und aus Holz oder Stein erbaut; das Charakteristische an ihnen ist der in der Regel ca. 80 bis 120 cm hohe Unterbau: auf zumeist steinernen Pfeilern liegen große Steinscheiben, auf denen dann der eigentliche – meist in Holzbauweise errichtete – Speicher aufliegt. Dieser kann – wie in Asturien – einen quadratischen oder – wie in Galicien und Leon – einen lang gestreckten rechteckigen Grundriss haben; die Wände und Türen sind mit Luftschlitzen versehen. Die ältesten noch erhaltenen Speicher stammen aus dem 16. Jahrhundert; der größte  – mit 35 m Länge – befindet sich in der Gemeinde Carnota im Nordwesten Galiciens.

Hintergrund für diese Bauweise sind die klimatischen Bedingungen im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Regenmengen von bis zu 2000 mm/Jahr sind in Galicien nicht selten; die daraus resultierende hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Vorräte bei schlechter Durchlüftung verrotten. Gleichzeitig dürfen aber keine Schädlinge (Mäuse, Ratten, Vögel) durch die notwendigen Lüftungsöffnungen eindringen. Diese sind klein genug angelegt, um die Kleintiere vom Lagergut fernzuhalten. Die Steinplatten bilden einen Überhang, der von den am Boden lebenden Nagern kaum zu überwinden ist. Das Dach kann aus Ziegelsteinen, Schiefer oder Stroh bestehen. Um den ganzen Bau zu nivellieren, werden unter den Pfeilern Steinplatten oder pilpayos eingeschoben.

In die Getreidekammer gelangt man über eine außen befindliche Steintreppe, den patín. Die Panera ist eine asturische Erweiterung des Hórreo, hat eine große Grundfläche, und hat eine umlaufende, überdachte Veranda. Diese Bauweise kam auf, als sich in Asturien der Anbau vonMais verbreitet und es somit reichliche Ernte gab, die aufbewahrt werden mußte. Verwendet wird sowohl Eichen als auch Kastanienholz. Als Nebengebäude des Hauses kann der Hórreo auf dem freien Gelände desselben oder in kleinen Gruppen auf beiden Seiten des Weges stehen. Oder man findet sie auch im Dorfzentrum. Manchmal teilen sich mehrere Personen einen Hórreo, und er kann dann verschiedene Eingangstüren haben.
Seitdem der Hórreo in Asturien im 14. Jahrhundert aufgekommen ist, hat er eigentlich nur kleine Veränderungen erfahren. Der asturische Hórreo ist auch das beste Beispiel für die vielfachen Holzkonstruktionen der asturischen Volksarchitektur. Ihre Verzierungen – Kreuze oder auch Figuren – sind ein spannendes Zeugnis der Vergangenheit und sollten die negativen Einflüsse von den gelagerten Waren fern halten.

Übrigens -Auch in anderen Ländern gibt diese Art der Volksarchitektur, so zum Beispiel in Rumänien, Slowenien, in der Schweiz, in Schweden und sogar in Japan.

Heutige Bedeutung

Die Hórreos sind heute als Speicher kaum noch im Gebrauch, werden aber zumeist gepflegt und erhalten, da sie für die Bevölkerung der genannten Regionen wichtige Kulturgüter darstellen und auch als touristische Attraktionen dienen. Ästhetisch sind sie reizvoll, weil sie jeden Garten, jede Wiese, jedes Dorf schöner aussehen lassen, funktional sind sie heute u.a. von Bedeutung, weil sie in Laufe der Zeit Ersatzfunktionen übernehmen konnten. Allein in Asturien soll es heute noch etwa 18.000 solcher Speicher geben. Ein Teil der größeren Hórreos wurden dabei als Wohnungen oder Ferienwohnung umgebaut.

 

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Translate »