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Die Epochen der portugiesischen Architektur von der Romanik bis heute

Die Epochen der portugiesischen Architektur von der Romanik bis heute

mit der Angabe wichtiger Bauwerke und deren Lage am Camino Portugues

Die Angaben in den Klammern geben an, welche Bauwerke am Camino liegen und bedeuten Camino Central L ab Lissabon, Caminos P alle Wege ab Porto, Camino Central P ab Porto, Camino Costal ab Porto.

Romanik (11.–13. Jh.)
Über die Jakobswege und die monastischen Orden kommend unter dem Einfluss der Romanik Galiciens und Frankreichs ist die portugiesische Romanik nüchtern, massiv und ländlich. Die Kathedralen von coimbra, Braga und Lissabon wirken wie
Festungen. Massive Kirchen mit dicken Mauern, Rundbögen, kleinen Fenstern und wehrhaftem Charakter entstanden. Die Gewölbe und Wände sind noch nicht optimal zusammengefügt. Gleichwohl besitzen die Gebäude Strebepfeiler und Rippengewölbe.
Der Norden Portugals zeichnet sich durch einen besonderen Reichtum an romanischen Bauten aus – am Douro und seinen Nebenflüssen Sousa und Tâmega entlang.
Es ist die Architektur eines Landes in seiner Entstehung, noch im Grenzkrieg.
Wichtige Bauten:
• Sé Velha de Coimbra, Coimbra (12. Jh.) – einer der bedeutendsten romanischen Kirchenbauten Portugals (Camino Central L)
• Sé do Porto, Porto (12.–13. Jh.) – romanischer Ursprung, später mehrfach verändert (Caminos P)
• Mosteiro de São Pedro de Rates, Póvoa de Varzim (12. Jh.) (Camino Costal)
• Mosteiro de Santa Maria de Pombeiro, Felgueiras (12.–13. Jh.)
• Mosteiro de Santa Cruz, Coimbra (1131) – ursprünglich romanisch, später stark umgestaltet (Camino Central L)

Mosteiro de Sao Pedro de Rates By PedroPVZ - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19637149

Gotik ( 13.–15. Jh)
In Portugal ist die Gotik stets gemäßigter in der Höhe und empfänglicher für das horizontale Licht als die Kathedralen Nordeuropas. Spitzbögen, größere Fenster, Kreuzrippengewölbe und stärker vertikal orientierte Kirchen sind typisch. Flexible Kreuzrippengewölbe ermöglichten die geraden Seitenwände mit großen Glasfenstern. Das neue Bauhüttenwesen, mit dem das Zusammenspiel der verschiedenen Handwerkszünfte und Bauprozesse organisiert wurde, ermöglichte neue Höhen und komplexere Bauten. Klöster und große Kirchen werden zu wichtigen Bautypen. Zudem brachte das Wachstum der Städte prestigeträchtige Bürgerhäuser und Rathäuser hervor.
Wichtige Bauten:
• Mosteiro de Alcobaça, Alcobaça (12.–13. Jh.) – einer der wichtigsten gotischen Bauten Portugals
• Sé de Évora, Évora (13.–14. Jh.) – monumentale Kathedrale zwischen Romanik und Gotik
• Mosteiro da Batalha, Batalha (1386–16. Jh.) – Höhepunkt der portugiesischen Spätgotik
• Igreja de Santa Maria do Olival, Tomar (13.–14. Jh.) (Camino Central L)
• Mosteiro de Santa Clara-a-Velha, Coimbra (14. Jh.) (Camino Central L)

Mosteiro d a Batalha, Von "Foto Wolfgang Pehlemann" direkt unter dem Bild mit Angabe "erweiterte Lizenz CC-by-sa  V. 3.0", wobei der Nutzer für dessen Nutzung a) Rechte oder Ansprüche Dritter prüfen und verantwortlich beachten sowie b) Motivveränderungen durch ihn als solche mit angeben muss., CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77496405

Manuelinik (um 1490–1540)
Es ist der erste Stil, den man wahrhaft portugiesisch nennen kann, verbunden mit der Herrschaft Manuel I. Auf eine spätgotische Struktur legten die Manuelinik eine nautische und naturalistische Ornamentik mit maritimen Symbolen, Seilen, Pflanzen, Wappen und Motiven aus der Entdeckungszeit, finanziert vom Reichtum der Expansion. Jerónimos und das Christuskloster in Tomar sind ihre Meisterwerke. (s. Kapitel Manuelinik-Stil) , Reich ornamentiert
Wichtige Bauten:
• Mosteiro dos Jerónimos, Lissabon/Belém (1501–16. Jh.) (Camino Central L)
• Torre de Belém, Lissabon (1514–20) (Camino Central L)
• Convento de Cristo, Tomar (Camino Central L)
• Mosteiro da Batalha – Claustro Real, Batalha – Spätgotik mit manuelinischen Elementen
• Igreja de Jesus, Setúbal – wichtiger Übergang zur Manuelinik

Von Heartshade - Eigenes Werk, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57404113 Mosteiro dos Jerónimos Lissabon

Renaissance (ca. 16.Jh.)
Mit dem Ende des Spätmittelalters, gegen 1500, begann die Frühe Neuzeit, zu der die vom 15. bis ins 16. Jahrhundert sich erstreckende Renaissance gehört. Die portugiesische Renaissance folgte zunächst wenig den italienischen Vorbildern, sondern kombinierte einen weiterentwickelten spätgotischen Formenstil mit portugiesischen Spezifika – der Manuelinik. Erst ab 1540 nahmen die Baumeister italienische und spanische Einflüsse auf. Lissabon, Coimbra und Évora wurden die portugiesischen Mittelpunkte der Renaissance. Die Renaissance in Portugal ist häufig weniger klar von der Manuelinik bzw. dem Manierismus zu trennen als etwa in Italien.
Wichtige Bauten:
• Convento de Cristo – Claustro de D. João III, Tomar (16. Jh.) (Camino Central L)
• Igreja da Graça, Évora (16. Jh.)
• Capela de São Miguel, Universidade de Coimbra (16. Jh.) (Camino Central L)
• Palácio das Necessidades, Lissabon – Renaissance-/klassizistische Einflüsse (Camino Central L)
• Sé Nova de Coimbra, Coimbra – Übergang zur manieristischen Architektur (Camino Central L)

Palacio de Necessidade Von João Carvalho - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2133117 Palacio de Nec

Portugiesischer Manierismus (ca. 1550 – 1650)
Die Gegenreformation bringt den verhaltenen Klassizismus des «schlichten Stils» (estilo chão). Es entsteht eine strengere, oft zurückhaltender Architektur mit klaren geometrischen Formen und monumentalen Kirchenanlagen. In Portugal wird der Manierismus besonders mit der jesuitischen Architektur und großen Klosteranlagen verbunden.
Wichtige Bauten:
• Sé Nova de Coimbra, Coimbra (1598–17. Jh.) (Camino Central L)
• Igreja de São Roque, Lissabon (16. Jh.) (Camino Central L)
• Igreja de São Vicente de Fora, Lissabon (1582–17. Jh.) (Camino Central L)
• Convento de São Gonçalo, Amarante (16.–17. Jh.)
• Convento de Cristo – Claustro de D. João III, Tomar (Camino Central L)

Sé Nova de Coimbra Por Oren Rozen - Obra do próprio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54998264

Barock (16.–18. Jh.)
Von Italien ausgehend, brachte der Barock zwischen etwa 1600 und 1760/1770 eine überschwängliche Architektur voller Gefühle und Herrlichkeit hervor: Schreiner fertigten für die Altäre hölzerne Schnitzereien, und die Baumeister ließen sie mit Blattgold überziehen. »Talha dourada« ist der Name der Portugiesen für solche Goldschnitzereien. Sie kombinierten sie mit Azulejos , den Fliesenbildern. So leuchtet der im 17./18. Jahrhundert neu aufgebaute Choralter der Kathedrale von Porto blau, weiß und goldfarben. Porto ist DIE Barockstadt und ihr historisches Zentrum.
Wichtige Bauten:
• Palácio Nacional de Mafra, Mafra (1717–1730)
• Torre e Igreja dos Clérigos, Porto (1732–49) (Caminos P)
• Igreja do Bom Jesus do Monte, Braga (18. Jh.) (Camino Central P)
• Igreja de Santa Engrácia / Panteão Nacional, Lissabon (17.–20. Jh.) (Camino Central L)
• Palácio de Mateus, Vila Real (18. Jh.) (Camino Interior)
• Igreja de São Roque – Innenraum, Lissabon – besonders bedeutende talha dourada (Camino Central L)

Palacio Nacional de Mafra Von "Wolfgang Pehlemann" direkt unter dem BildLizenz CC-by-sa V. 3.0/de unter Beachtung obiger Genehmigung, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74586933

Pombalinik (1755/Mitte 18. Jh.)
Das Erdbeben von 1755 erzwingt einen Bruch. Nach dem Erdbeben entstand ein rationalisiertes System des Wiederaufbaus: orthogonales Stadtgrundraster, standardisierte Gebäude und erdbebensichere Holzkonstruktion (gaiola pombalina) (s. Kapitel Die Pombalinik). Es ist eine besondere städtebauliche und architektonische Planungsleistung.
Wichtige Bauten:
• Lissabon . Baixa Pombalina (Camino Central L)

Hauptplatz Por Deensel - Lisbon main square, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62192653

Neoklassizismus (ca. 1770–1850)
Das portugiesische ‚Neoclassicismo‘ entspricht dem deutschen Begriff des ‚Klassizismus‘ und ist eine Gegenbewegung zum Barock. Die Architekturepoche zwischen 1770 und 1840 erinnert an antike, vor allem griechische Gebäudeformen sowie italienische Stile der Frührenaissance. Die einstmals starke Kolonialmacht Portugal war nach dem Lissaboner Erdbeben 1755 geschockt in die Ära des Neoklassizismus eingetreten.
Seitdem gibt es sehr viele klassizistische Gebäude in Lissabon.
Wichtige Bauten:
• Praça do Comércio, Lissabon (nach 1755) – zentraler Bestandteil des Wiederaufbaus (alle Camino Central L)
• Teatro Nacional de São Carlos, Lissabon (1793)
• Palácio Nacional da Ajuda, Lissabon (19. Jh.)
• Academia das Ciências de Lisboa, Lissabon
• Hospital de Santo António, Porto (18.–19. Jh.) (Camino Central P)

Von Thomas from Vienna, Austria - Teatro Nacional Sao Carlos, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6350288 Teatro Nacional Sao Carlos Lissabon

Romantik und Historismus (ca. 1830–1900)
Der Historismus ist ein Rückgriff auf vergangene Architekturstile, die die Baumeister oft im Vornherein kombinierten. Es kommt zur Wiederaufnahme historischer Stile: Neomanuelinik, Neugotik, Neoromanik usw. Dieser Eklektizismus bestimmte das 19. Jahrhundert und Teile des 20. Jahrhunderts. Die Kirche blieb neben dem Adel der größte Auftraggeber. Aber zunehmend bestimmen auch weltliche Bauten für die neue Bürgerschicht und den Adel das Stadtbild. Besonders interessant ist die Neomanuelinik. Man greift bewusst auf die Architektur der Entdeckungszeit zurück, um eine portugiesische nationale Identität auszudrücken.
Wichtige Bauten:
• Palácio Nacional da Pena, Sintra (1842–50)
• Quinta da Regaleira, Sintra (1904–10)
• Palácio de Monserrate, Sintra (19. Jh.)
• Palácio da Bolsa, Porto (1830er–50er) – Historismus (Caminos P)
• Estação de São Bento, Porto (1890er–1910) (Caminos P)

By Krzysztof Golik - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=88455447 Palacio da Bolsa Porto

Eisenarchitektur & frühe Moderne (ca. 1850–1910)
Um die Jahrhundertwende, zwischen 1884/1890 und 1914, zeigte sich die Belle Epoque – in einer politisch unruhigen Zeit in Portugal. Das Land wurde 1891 bankrott, und ihr letzter König, Emanuel II., ging 1910 ins Exil.
Der Baumeister Ventura Terra hatte von seinem Architekturstudium in Paris das Wissen von Beton, Eisen, Stahl- und Glas-Konstruktionen mit nach Lissabon gebracht. Diese neuen Materialien ermöglichten den Bau von attraktiven Bahnhöfe, Markthallen und große öffentliche Gebäude. Die Hauptstadt bekam breitere Straßen, und in den Häusern spiegelte sich die Standesordnung wider mit Balkonen, Erkerfenstern, Galerien und Dachgärten. Es ist Portugals Eintritt in die industrielle Architektur.
Wichtige Bauten:
• Ponte Maria Pia, Porto (1877) (Caminos P)
• Ponte Dom Luís I, Porto (1886) (Caminos P)
• Estação de São Bento, Porto (Caminos P)
• Estação do Rossio, Lissabon  Eisenkonstruktion hinter historisierender Fassade (Camino Central L)
• Elevador de Santa Justa, Lissabon (1902) (Camino Central L)
• Mercado Ferreira Borges, Porto (1888) (Caminos P)
• Mercado do Bolhão, Porto – ursprünglich ebenfalls stark von der Eisen-/Marktarchitektur des 19. Jahrhunderts geprägt (Caminos P)

Ponte Maria Pia Porto Von Christian Zimmermann - Selbst fotografiert, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5902075

Jugendstil und Art Deco (ca. 1896 – 1920)
Die im Portugiesischen ‚Arte Nova‘ genannte Neue Kunst zeigte sich von 1896 bis 1920 in dekorativen Fassadenelementen und bei der Innengestaltung. Sie verbreitete sich zeitverzögert in Portugal, gegenüber dem übrigen Europa. Auf Leuchten, Fenstern und schmiedeeisernen Balkonen erschienen pflanzliche Verzierungen. Zu in Stein gehauenen Blumendekors kamen Schleifenmotive und geometrische Ausschmückungen. In Portugal ist es oft mit Azulejos verbunden.
Wichtige Bauten:
• Museu / Casa-Major-Pessoa, Aveiro (1907–09)
• Museu-Residência Dr. Anastácio Gonçalves, Lissabon (1904–05)
• Livraria Lello, Porto (1906) (Caminos P)
• Casa dos Ovos Moles / ehemalige Fabrikgebäude in Aveiro – Beispiele für die Verbindung von Arte Nova und Azulejos
• Café Majestic, Porto (1921) – spätes Beispiel mit starken Jugendstil-/Beaux-Arts-Einflüssen (Caminos P)

By AntoniusJ - Self-photographed, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1564867 Cafe Majestic Porto

Estado-Novo-Architektur (ca. 1930er–1970er)
Unter der Franco-Diktatur entwickelt sich eine repräsentative, national orientierte Architektur. Monumentalität, Symmetrie und sogenannte „portugiesische“ Traditionen werden betont.
Wichtige Bauten:
• Exposição do Mundo Português / Praça do Império, Belém, Lissabon (1940)
• Padrão dos Descobrimentos, Lissabon (1940/1960)
• Estação Marítima de Alcântara, Lissabon (1943–44)
• Estação Marítima da Rocha do Conde de Óbidos, Lissabon
• Praça de Alvalade / Areeiro, Lissabon
• Igreja de Nossa Senhora do Rosário de Fátima, Lissabon (1934–38)
• Palácio da Justiça, Lissabon Universidade de Coimbra – Cidade Universitária, insbesondere die Neubauten der 1940er/50er Jahre
(alle Camino L)

Por João Carvalho - Obra do próprio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16659831 Estacao Maritima da Rocha do Conde de Obeidos Lissabon

Moderne 1930–1974
Portugal entwickelte trotz der politischen Situation eine bedeutende moderne Architektur, insbesondere in Lissabon und Porto. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Modernismus wieder deutlich an Bedeutung.
Wichtige Bauten:
• Capitólio, Lissabon (1931)
→ eines der frühen Schlüsselwerke des portugiesischen Modernismus
• Cineteatro Éden, Lissabon (1929–37)
• Hotel Vitória, Lissabon (1934–36)
• Instituto Superior Técnico, Lissabon
• Igreja de Nossa Senhora de Fátima, Lissabon (1934–38) (Alle Camino L)
• Casa de Serralves, Porto (1930er Jahre) (Caminos P)
• Piscinas de Marés, Leça da Palmeira /Matosinhos (1960–66) (Camino Costal)
• Casa de Chá da Boa Nova, Leça da Palmeira (1958–63) (Camino Costal)
• Faculdade de Arquitectura / Architekturbauten der Universität Porto, späteres 20. Jh. (Caminos P)
• Fundação Calouste Gulbenkian, Lissabon (1959–69) (Camino Central L)

Casa de Cha da Boa Nova Leca da Palmeira By Joaomorgado - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34194512

Zeitgenössische Architektur (ab 1974)
Nach der Nelkenrevolution entwickelt sich eine vielfältige Architektur zwischen internationaler Moderne, regionalen Traditionen und experimentellen Ansätzen.
Besonders interessant ist die sogenannte „Escola do Porto“.
Sie verbindet: moderne Architektur, traditionelle portugiesische Bauformen, Materialbewusstsein, Tageslicht und präzise Raumkomposition.
Wichtige Bauten:
• Bairro da Bouça, Porto (1973–77) (Caminos P)
• Quinta da Malagueira, Évora (1977–96)
• Faculdade de Arquitectura da Universidade do Porto, Porto (1986–93) (Caminos P)
• Centro Galego de Arte Contemporánea, Santiago de Compostela (1993) portugiesischer Kontext
• Pavilhão de Portugal, Lissabon (1998) (Camino Central L)
• Estação do Oriente, Lissabon (1998) (Camino Central L)
• Torre Vasco da Gama, Lissabon (1998) (Camino Central L)
• Casa da Música, Porto (2005) (Caminos P)
• Museu de Serralves, Porto (1999) (Caminos P)
• Estádio Municipal de Braga, Braga (2003) (Camino Central P)

Wie bei allen Architekturepochen überlebt jede Epoche in der nächsten, so dass eine scharfe zeitliche Trennung kaum möglich ist. Die portugiesische Architektur nahm Strömungen aus Italien, Griechenland und Frankreich auf, entwickelte aber auch typische ganz eigene Gestaltungsformen wie beim Pombalinik und beim Manuelinik.

Casa da Musica Von Marinhopaiva - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8053870Porto
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Klöster auf dem Camino Portugues (Küstenweg und Zentralweg)

Klöster auf dem Camino Portugues (Küstenweg und Zentralweg)

Im Folgenden werden getrennt nach den beiden Hauptrouten Camino Costal und Camino Central einige Klöster aufgelistet und beschrieben und mögliche Unterkunftsmöglichkeiten aufgeführt.

Exkurs

In den Beschreibungen der Klöster wird immer wieder das Jahr 1834 angesprochen.

Für die Ordensgemeinschaften und deren Klöstern war dieses Jahr mit einem großen Einschnitt in ihre Existenz in Portugal verbunden. In Ausübung u.a. seines Ministeramtes für Kirchenangelegenheiten erließ Joaquim António de Aguiar das berüchtigte Gesetz vom 30. Mai 1834, mit dem er „alle Klöster, Konvente, Kollegien, Hospize und sonstige Häuser regulärer Orden “ für aufgelöst erklärte und deren Vermögen säkularisierte und in die Staatskasse eingliederte. Aufgrund seines kirchenfeindlichen Charakters brachte ihm dieses Gesetz den Beinamen „ Mönchsmörder“ (mata-frades) ein. Während die männlichen Klöster sofort stillgelegt wurden, wurde den Frauenklöster die Aufnahme von Novizinnen verboten und sie wurden erst nach dem Tod der letzten Ordensschwester des Klosters geschlossen.

 Klöster auf dem Küstenweg – Camino Portugues da Costa

Etappe

Kloster

Lage am Camino

Übernachtung

Vila do Conde

Mosteiro de Santa Clara – Vila do Conde

Sehr nahe am Camino, im historischen Zentrum/oberhalb der Stadt

Keine Übernachtung im Kloster. Das zugehörige Albergue Santa Clara lag ca. 150 m vom Camino entfernt, ist aber seit März 2026 geschlossen. Eine Wiedereröffnung ist derzeit nicht zugesichert.

Neiva vor Esposende

Mosteiro de São Romão do Neiva – Neiva

Abseits der direkten Küstenroute, bei Neiva

Keine Klosterübernachtung gefunden. Das ehemalige Benediktinerkloster ist heute vor allem als historisches/religiöses Ensemble interessant.

Viana do Castelo

Convento do Carmo – Viana do Castelo

In Viana, gut mit dem Camino kombinierbar

Ja – Pilgerherberge „São João da Cruz dos Caminhos“ im Umfeld des Karmelitenkonvents. Für Pilger mit Credencial

Afife vor

Caminha

Convento de São João de Cabanas – Afife

Kleiner Abstecher vom Camino

Ja, aber keine Pilgerherberge: Das ehemalige Benediktinerkloster ist heute eine hochwertige Heritage-Gästeunterkunft mit 6 Suiten.

Oia

Monasterio de Santa María la Real – Oia

Direkt am Camino Português da Costa, unmittelbar am Atlantik

Keine Übernachtung im Kloster gefunden. In unmittelbarer Nähe gibt es jedoch mehrere Pilger-/Unterkunftsmöglichkeiten, u. a. das Hotel A Raiña direkt beim Kloster.

Poio

Monsterio de San Xoán de Poio – Poio

Am Camino / auf der Variante Espiritual sehr gut erreichbar

Ja –Hospedería des Klosters. Einzel-, Doppel- und Dreibettzimmer mit eigenem Bad; Frühstück wird angeboten.

Variante Espiritual

Armenteira

Monasterio de Santa María de Armenteira

Direkt an der Variante Espiritual

Ja – ausdrücklich Pilger-Hospedería.  Reservierung erforderlich.

Herbón/

Padrón

Convento de San Antonio de Herbón

Ca. 3 km Abstecher vom offiziellen Camino

Ja – echte Pilgerherberge im Franziskanerkonvent. 30 Plätze, ausschließlich für Pilger mit Credencial, keine Reservierung, Donativo.

 

By Joseolgon - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73383329

Vila do Conde – Mosteiro de Santa Clara

Das Kloster Santa Clara in Vila do Conde war eines der größten und reichsten Frauenklöster Portugals und wurde 1318 von Alfonso Sanches und seiner Frau Teresa Martins Telo gegründet. Bereits 1319 übergaben die Gründer das Kloster den Klarissen, also dem weiblichen Zweig des Franziskanerordens.
Es ist eine der interessanteren historischen Stationen relativ früh auf dem Coastal. Es thront über der Stadt und ist schon von weitem gut zu erkennen. Der weitläufige historische Komplex umfasst die gotische Kirche Santa Clara (1318), nahegelegene spätgotische Bauten im manuelinischen Stil sowie das heutige Kloster, das 1777 in der Frühphase des Neoklassizismus errichtet wurde. Das Kloster ist von hohen Mauern umgeben, die es im Osten schützen, sowie vom Aquädukt Santa Clara, dem zweitgrößten Aquädukt Portugals. Es gilt als ein bedeutendes Beispiel portugiesischer Gotik nördlich des Douro.
Geschichte
Es wurde 1318 auf Initiative von Afonso Sanches, dem unehelichen Sohn von König Dinis, und seiner Frau Teresa Martins gegründet. Es entwickelte sich zu einem bedeutenden spirituellen und sozialen Zentrum und zog adlige Frauen an, die sich dem klösterlichen Leben widmen wollten. Das Kloster erfuhr im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Veränderungen und Anpassungen. Im 15. Jahrhundert wurde es erweitert und renoviert und gewann dadurch eine noch wichtigere Rolle im religiösen Leben von Vila do Conde und der nördlichen Region Portugals. Später allerdings stand das Klostergebäude kurz vor dem Verfall und wurde 1777 teilweise wiederaufgebaut. Finanzielle Schwierigkeiten, die französischen Invasionen und der Liberale Krieg verhinderten jedoch die vollständige Fertigstellung des Projekts. Nach dem Tod der letzten Ordensschwester im Mai 1893 wurde das Kloster stillgelegt und sein Besitz ist an den Staat übergegangen. Das Gebäude wurde einige Zeit zivil genutzt. Vor einiger Zeit wurde das Gebäude restauriert und beherbergt heute das Fünfsterne Lince Santa Clara Historic Hotel. Dadurch ist das historische Kloster ist nicht einfach ein frei zugängliches Museum.
Kirche
Die Kirche ist ein schönes Beispiel für die gotische Bettelordensarchitektur Nordportugals. Außen wirkt sie ausgesprochen schlicht und wehrhaft – mit dicken Mauern, Strebepfeilern und einer großen Rosette. Sie zählt zu den architektonischen Juwelen der Gotik. Sie wurde mehrfach umgebaut und mit Elementen des Manuelinischen, Barock- und Rokokostils versehen. In ihr befinden sich die Gräber der Stifter (D. Afonso Sanches und seiner Frau D. Teresa Martins), sowie zahlreicher Adeliger.
Zugang
Die Zugänglichkeit hat sich durch die Restaurierung und neue Nutzung des Klosterkomplexes verändert. Die offizielle Denkmalbehörde nennt derzeit für die Igreja de Santa Clara folgende Öffnungszeiten Dienstag–Samstag 10:00–12:00 und 14:30–17:00, Sonntag 10:00–12:00 und 15:30–18:30, Montag geschlossen
https://conventosemosteiros.pt/en/monastery-of-saint-clare-in-vila-do-conde/

Das Aquädukt Santa Clara
Die im frühen 14. Jahrhundert gegründete Klostergemeinschaft Santa Clara de Vila do Conde kämpfte von Beginn an mit Wasserversorgungsproblemen. Damals wurde innerhalb der Klostermauern ein Wassertank errichtet, eine Lösung, die sich in den folgenden Jahrhunderten als unzureichend erwies.
1626 begann die Äbtissin des Klosters, Maria de Meneses, mit dem Bau eines Aquädukts, der Wasser von einer Quelle in Terroso zum Kloster transportieren sollte. Das benötigte Land wurde von der Äbtissin erworben, und Steinmetzmeister wurden mit den Arbeiten beauftragt. 1636 mussten diese aufgrund von Unebenheiten im Untergrund unterbrochen werden. Mehrmals wechselte der Baumeister. Erst im Oktober 1714 erreichte erstmals Wasser den Kreuzgang des Klosters.
Das Aquädukt bestand ursprünglich aus 999 perfekten Halbkreisbögen und überspannte ein Gebiet, das über die heutigen Grenzen der Gemeinde Vila do Conde hinausging. 1794 zerstörte jedoch ein Hurrikan einen Teil des Bauwerks. Im 20. Jahrhundert, zwischen 1929 und 1932, als die Kirche Santa Clara restauriert wurde, wurden einige Bögen absichtlich abgerissen, um einen besseren Blick auf die Apsis des Gotteshauses zu ermöglichen.
Das verbliebene Bauwerk besitzt einen Arkadengang, dessen Höhe und Spannweite abnehmen und der im oberen Bereich teilweise mit Fenstern versehen ist. Die lange Reihe der Aquäduktbögen, die vom Kloster in Richtung Stadt führt, ist eines der charakteristischsten Bilder von Vila do Conde.


Esposende

Por John Hayes from San Antonio, Texas, USA - Esposende–Viana do Castelo, June 6, 2024, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151530805


Neiva – Mosteiro de São Romão do Neiva

Das Mosteiro de São Romão do Neiva ist ein historischer Klosterort auf der Etappe von Esposende nach Viana do Castelo. Die Portugiesische Jakobusweg-Föderation führt es ausdrücklich unter den historischen Camino-Zeugnissen auf. Die Kirche ist der erhaltene Teil eines wesentlich größeren ehemaligen Klosterkomplexes.
Geschichte
Das Kloster São Romão de Neiva war ein Männerkloster und gehörte dem Benediktinerorden an. Kurz vor 1087 wurde es gemäß der Benediktinerregel vom Mönch Quendano gegründet; in diesem Jahr wurde auch die Abteikirche geweiht. Vermutlich handelt es sich um die Wiedergründung eines kleinen Klosters, das bereits 1022 oder früher an diesem Ort existierte.
Mit dem Dekret von 1834 wurde auch dieses Kloster aufgelöst. Das Kloster wurde 1916 oder 1917 von Manuel Gomes da Costa Castanho erworben und von acht seiner zwölf Kinder geerbt. Castanho war aus Vila Nova de Anha ausgewandert und kehrte wohlhabend aus Brasilien zurück. Er ersteigerte das Kloster, die Kirche (heute unter der Verwaltung des Bistums Viana do Castelo) und den Friedhof für 33 Contos (etwa 165 Euro) – damals ein Vermögen. Es befindet sich derzeit im Besitz derselben Familie.
Der Komplex besteht heute nur noch aus der Kirche, dem Wegkreuz und den Überresten des Klosters São Romão do Neiva.
https://pt.wikipedia.org/wiki/Mosteiro_de_S%C3%A3o_Rom%C3%A3o_de_Neiv

https://vianatv.pt/wp-content/uploads/2025/11/Convento-do-Carmo-3.jpg


Viana do Castelo – Convento do Carmo

Das Convento do Carmo in Viana do Castelo ist nicht nur ein historisches Bauwerk, sondern bis heute ein lebendiger Konvent der Unbeschuhten Karmeliten, Convento do Carmo / Frades Carmelitas Descalços. Es ist ein aktives Männerkloster.
Geschichte
Die Karmeliten kamen 1618 nach Viana do Castelo. Der Bau des heutigen Klosters begann 1621; 1625 zog die Gemeinschaft in den neuen Konvent ein. Die Arbeiten dauerten in den folgenden Jahren an, der Schlafsaal wurde 1628 fertiggestellt. Die Kirche entstand später, zwischen 1634 und 1647. Es ist also ein Kloster der Gegenreformation. Die Karmeliten sollten nicht nur ein geistliches Zentrum sein, sondern auch die katholische Spiritualität in einer bedeutenden Handelsstadt des Nordens stärken.
1834 mussten die Karmeliten das Kloster verlassen; der Staat übernahm das Gebäude. Danach wurde die Anlage unterschiedlich genutzt. Im 20. Jahrhundert kehrten die Unbeschuhten Karmeliten schließlich zurück. 1932 wurde die klösterliche Gemeinschaft wiederhergestellt, und ab 1951 entstand dort zusätzlich ein Karmeliten-Seminar.
Kirche
Die Kirche wirkt von außen ausgesprochen streng und zurückhaltend. Die Architektur entspricht dem reformierten Manierismus der Karmeliten – klare Linien, wenig Schmuck, starke Vertikalität. Dann kommt der Kontrast im Innern: vergoldete Holzschnitzereien (talha dourada), Azulejos und barocke Altäre. Besonders die Ausstattung des Hauptaltars entstand Ende des 17. Jahrhunderts; die Vergoldung wurde 1694 fertiggestellt.
Herberge
Das Convento do Carmo ist mit den Caminhos de Santiago verbunden und die Karmeliten führen eine eigene Pilgerunterkunft unter dem Namen Albergue São João da Cruz dos Caminhos. Die Gemeinschaft hält weiterhin regelmäßig Gottesdienste, Stundengebete und Beichten ab. Aktuell werden beispielsweise werktags Messen um 8:00 und 9:00 Uhr angeboten, sonntags um 8:00, 10:00, 11:30 und 18:00 Uhr. Auch Laudes und Vesper gehören zum Tagesablauf. ; aktuelle Aufnahmebedingungen/Preis sollten vorab direkt bestätigt werden.
Die Pforte ist derzeit Montag–Samstag 8:30–12:00 und 13:30–18:00 Uhr, sonntags 13:30–18:00 Uhr geöffnet.
https://viana.carmelitas.pt


Afife

Afife – Convento de São João de Cabanas

Das Convento de São João de Cabanas war ein Benediktinisches Männerkloster. Es besteht aus einer einschiffigen Kirche mit Glockenturm, Klostergebäuden, einem Kreuzgang und einer Sakristei, deren Architektur aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammt.
Geschichte
Es wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und hat bis heute sein ursprüngliches architektonisches Erscheinungsbild bewahrt. Es liegt in einer sehr schönen, abgeschiedenen Lage an einem Wasserlauf umgeben von Wald.
Das Anwesen wurde 1894 von der Familie des Schriftstellers Pedro Homem de Mello erworben und war in jüngerer Vergangenheit das Zuhause des Dichters. Nun gehört es Nathalie D’Ornano, einer ursprünglich aus der Schweiz stammenden Opernsängerin.
Sie beschloss nach zweijährigem Aufenthalt die Anlage für touristische Zwecke umzubauen.
Die Sanierungsarbeiten umfassen u.a. die Instandsetzung der Fliesen und des Altars der Sakristei, der Holzschnitzereien der Kirche sowie eines Fensters und eines Grabsteins aus dem 12. Jahrhundert. Außerdem entstand ein Hotel mit 5 Suiten und zahlreiche Räume für Veranstaltungen. Die Sanierung hat eine ehrenvolle Erwähnung beim Europäischen Architekturpreis Philippe Rotthier 2024 erhalten.
Aktuell ab etwa 280 € pro Zimmer/Nacht – also eher etwas für einen besonderen Klosteraufenthalt als für eine typische Pilgernacht.
Caminho do Barroso 63, Afife, Viana do Castelo, PT 4900-012
Telefon +351 935 863 342

https://pt.wikipedia.org/wiki/Convento_de_S%C3%A3o_Jo%C3%A3o_de_Cabanas
https://www.tsf.pt/cultura/artigo/cantora-lirica-escreve-nova-pagina-na-historia-do-convento-onde-viveu-pedro-homem-de-mello/15081847


Caminha

A Guarda

Por Saruska - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32032556


Oia – Monasterio de Santa María la Real

Das Kloster Santa María la Real de Oya ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert in Oya , Provinz Pontevedra in Galicien. Die Mönche lebten dort fast 700 Jahre lang, bis sie gewaltsam vertrieben wurden. Die Klosterkirche dient heute als Pfarrkirche für die Einwohner von Oya.
Geschichte
Die Gründung dieser Abtei lässt sich jedoch endgültig auf das Jahr 1149 datieren, als König Alfons VII den dort lebenden Mönchen „sub regula beatiti Benedicti“ alle königlichen Besitzungen von Mougás, Villadesuso und Pedornes übertrug. Im Jahr 1185 übernahm Oya die reformierte Regel des Heiligen Bernhard, die seinen strengen und schlichten Baustil prägte, der für die Zisterzienserarchitektur charakteristisch ist. Die imposanten Zinnenmauern des Klosters erinnern an eine Küstenfestung. So machte es die strategisch günstige Lage des Klosters im 17. Jahrhundert zu einer wichtigen Verteidigungsfestung gegen die damals in den galicischen Flussmündungen so häufigen Überfälle und Seeinvasionen. Ein Paradebeispiel dafür ist das Ereignis von 1624, als die Mönche vom Plaza de las Armas (Paradeplatz) aus ihr militärisches Können unter Beweis stellten, indem sie fünf türkische Piratenschiffe, die die Küste heimsuchten, versenkten und zur Flucht zwangen – eine Tat, die ihnen den Beinamen „Artilleriemönche“ einbrachte. Aufgrund dieser Heldentat verlieh Philipp IV. der Abtei neue Privilegien und Schenkungen, darunter die Bestätigung ihres Titels als Königliches und Kaiserliches Kloster Santa María de Oya, was mit ihrer größten wirtschaftlichen Blütezeit zusammenfiel.
Es ist interessant, dass die Mönche unter anderem die Zucht freilaufender Pferde in den zum Kloster gehörenden Bergen einführten. Diese Praxis, die in den Wäldern der Region bis heute erhalten geblieben ist, hat zu einem international bekannten Spektakel geführt: der Rapa das Bestas (dem Zusammentreiben der Wildpferde). Neben der Rodung von Land und dem Bau von Straßen führten die Mönche von Oya, nach dem Vorbild der französischen Zisterzienserabteien, den Weinbau ein. Heute können wir köstliche Weine der Herkunftsbezeichnung Rías Baixas genießen.
Im 16. Jahrhundert ereignete sich ein weiteres bedeutendes Ereignis in der Geschichte des Klosters: die Legende der Jungfrau vom Meer, der heutigen Schutzpatronin der Gemeinde Oya. Alles begann 1581, als einige Bauern in La Orejuda ein Marienbildnis auf einer Küstenklippe fanden. Das Bildnis war an einen Hund gekettet. Nachdem sie es gerettet hatten, trugen sie es in einer Prozession auf ihren Schultern zum Kloster. Dort angekommen, erklärten die Männer den verdutzten Mönchen voller Inbrunst, das Bildnis sei auf dem Rücken des Hundes, der ein Muschelhalsband trug, vom Meer dorthin gelangt. Die Mönche nahmen das Bildnis daraufhin selbst auf die Schultern und trugen es zur Klosterkirche. Sie betrachten es als ein Wunder, dass es nicht an den steilen Klippen der Gegend zerschellte, obwohl viele damals vielleicht nicht wussten, dass Tausende von Bildern auf dem Meer trieben, als Folge des Aufstiegs des Puritaners Cromwell in Großbritannien und seiner ikonoklastischen Wut, die die britischen Kirchen von Bildern leerte.
Die napoleonische Invasion und vor allem die Enteignungen und Plünderungen unter Mendizábal führten 1835 zur endgültigen Aufgabe des Klosters durch die Mönche, die aus ihrer seit dem 12. Jahrhundert bestehenden Heimat vertrieben wurden. Von diesem
Zeitpunkt an verliefen die Geschichte der Kirche und des Klosters sehr unterschiedlich. 1838 wurde die Kirche auf Anordnung des Bischofs von Tuy zur Pfarrkirche erhoben, während die Klostergebäude versteigert wurden und in Privatbesitz übergingen. Dies markierte den Beginn einer langen Zeit des Verfalls und der Vernachlässigung. 1910 pachteten die aus Portugal vertriebenen Jesuiten das Kloster, in dem eine Schule eingerichtet wurde. Der Orden blieb bis 1932 in Oya, als er aufgrund der Verstaatlichung des Vermögens der Gesellschaft Jesu und des Dekrets zu ihrer Ausweisung aus dem Land das Kloster verlassen musste. Dies fiel mit den Jahren des Bürgerkriegs zusammen, als das Kloster als Gefängnis für zahlreiche republikanische Gefangene, vorwiegend aus Katalonien, Valencia und Mallorca, diente. In den letzten Monaten des Jahres 1937 und von Februar bis Mai 1939 wurde es offiziell als Konzentrationslager des Franco-Regimes genutzt und beherbergte bis zu dreitausend Häftlinge. Die Inschriften an den Wänden verschiedener Räume zeugen davon. Die harten Haftbedingungen und die mangelnde Hygiene führten zu einer hohen Sterblichkeitsrate unter den Gefangenen; zudem wurden jeden Abend Gefangene abgeführt und in der Nähe des Friedhofs erschossen Während dieser Zeit schritt der Verfall des Klosters weiter voran und verschlimmerte sich sogar. Von da an wechselte das Kloster mehrmals den Besitzer, die schließlich innerhalb des Gebäudes lebten.
Architektur
Was den Klosterkomplex betrifft, so ist der unverwechselbare Charakter der im späten 12. Jahrhundert erbauten Kirche besonders hervorzuheben. Ihre robuste, kompakte und schmucklose Fassade spiegelte deutlich die von den reformorientierten Zisterziensermönchen gepredigte Strenge wider. Später wurde der Klosterkomplex mehrfach umgebaut, insbesondere im 16. Jahrhundert. Zu diesen Erweiterungen gehören der Prozessionsgang, das Zentrum des klösterlichen Lebens, das Kapitelhaus , die Sakristei und der obere Chor – allesamt wesentliche Räume für das religiöse Leben.

Bitte beachten: Das Kloster befindet sich in einem Zustand der Restaurierung und ist derzeit eine Art Ruine. Seit 2026 sind aber Besichtigungen außer montags möglich.
https://es.wikipedia.org/wiki/Real_Monasterio_de_Santa_Mar%C3%ADa_(Oya)


Baiona

Vigo

Redondela

Pontevedra ab hier Spirituelle Route

Por FreeCat / José Antonio Gil Martínez de Vigo, Galicia - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1321638


Poio – Monasterio de San Xoán de Poio

Das Kloster San Xoán de Poio in Spanien ist eine mittelalterliche Benediktinergründung, deren Gebäude überwiegend im Barockstil gehalten sind. Es spielte vom Mittelalter bis in die Neuzeit eine bedeutende Rolle im regionalen religiösen Leben.
Geschichte
Der lokalen Überlieferung zufolge geht das Kloster auf Fructuoso von Braga und seine Anhänger im 7. Jahrhundert zurück, erste Aufzeichnungen sind auf das Jahr 942 datiert.
Das 16. und 17. Jahrhundert waren geprägt von institutioneller und baulicher Aktivität. Zwischen 1548 und 1556 beherbergte das Kloster eine bedeutende theologische Hochschule, und 1613 nahm eine Ausbildungsstätte für Praktikanten ihren Betrieb auf, der bis zur Säkularisierung 1834 andauerte. Bedeutende Arbeiten an der heutigen Kirche und einem Prozessionskreuzgang begannen im späten 16. Jahrhundert und setzten sich im 17. und frühen 18. Jahrhundert fort.
1834 mussten die Benediktiner den Ort im Zuge der kirchlichen Enteignung verlassen. 1890 wurde der Komplex zum Sitz des Mercedarierordens, der das Kloster bis heute nutzt. Teile des Klosters dienen heute als Museum, und der Komplex wird auch für Veranstaltungen genutzt und bietet Hoteldienstleistungen an, während das klösterliche Leben fortbesteht.
Architektur
Das Kloster präsentiert sich als kompaktes Ensemble, dessen Gestaltung von spätbarocken Formen geprägt ist, die auf einem älteren mittelalterlichen Fundament ruhen. Die Hauptfassade des Klosters ist eine zurückhaltende barocke Komposition. Die Kirchenfront liegt zwischen zwei schlanken Türmen.
Im Inneren folgt die Kirche einem breiten, einschiffigen Grundriss, der zwar klassisch angelegt war, aber im Laufe der langen Bauzeit barocke Züge annahm. Die Hauptkapelle wird vom um 1735 fertiggestellten Hauptaltar dominiert. Die Wohnräume und Wege des Klosters spiegeln die verschiedenen Bauphasen wider. Ein rechteckiger Kreuzgang am Klostereingang, bekannt als Kreuzgang der Portería oder Orangenkreuzgang, erhebt sich drei Stockwerke im toskanischen Stil und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zusammen mit dem Haupttreppenhaus errichtet. Der Prozessionskreuzgang hat einen kompakten quadratischen Grundriss und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Klosterbibliothek ist umfangreich und beherbergt mehr als 150.000 Bände. Hinter dem Hauptkomplex befindet sich ein sehr großer galicischer Getreidespeicher, der Horreo, der für seine Dimensionen bekannt ist. Mehrere Klosterräume, darunter Kreuzgangkammern, die ehemalige Küche, der Kapitelsaal und der Speisesaal, wurden für Museumszwecke umgestaltet, während ein Großteil des Komplexes weiterhin für religiöse Zwecke genutzt wird.
Übernachtung
In der Anlage befindet sich ein Drei-Sterne-Hotel mit Cafe und Restaurant. Aktuelle Preise schwanken je nach Termin, aktuelle Buchungsangebote liegen ungefähr im Bereich 60–100 €+ pro Zimmer/Nacht.
https://www.ancient-history-sites.com/sites/san-xoan-de-poio-monastery/

Por FreeCat / José Antonio Gil Martínez de Vigo, Galicia - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1321659


Armenteira – Monasterio de Santa María

Zwischen den Flussmündungen von Pontevedra und Arousa, in der Region Salnés, liegt das alte Zisterzienserkloster Armenteira, das von einer Gemeinschaft von Nonnen desselben Ordens bewohnt wird. Die ersten Zisterziensermönche gründeten ihre Klöster häufig in Tälern; so liegt das Kloster Armenteira in einem wunderschönen, vom Wasser fruchtbaren Tal, einer Metapher für die Gnade Gottes, die in die Herzen ausgegossen wird.
Geschichte
Das Zisterzienserkloster wurde 1149 von dem Adligen Ero de Armenteira gegründet, der 1162 dem Zisterzienserorden beitrat. Es gehörte zum Verbund der ursprünglichen Abtei von Clairvaux. Um 1515 oder 1523 schloss es sich der kastilischen Zisterzienserkongregation an. Die Konfiszierung von Kirchenbesitz unter der Regierung Mendizabal führte 1837 zur Schließung des Klosters und damit zu seiner Säkularisierung. 1963 wurde ein Förderverein des Klosters gegründet. 1989 zog eine Gemeinschaft von Trappistinnen aus Alloz in Navarra in das Kloster ein; sie stellen Kosmetikprodukte her. Heute beherbergt das Kloster auch ein Gästehaus.
Architektur
Die Außenfassade der Kirche, die vom lokalen romanischen Stil beeinflusst wurde, wurde um 1167 begonnen und 1225 fertiggestellt. Der Baustil folgt den Prinzipien, die der auf formaler Strenge und funktionaler Klarheit basieren. Das Hauptschiff hat die Form eines lateinisches Kreuzes. Es besitzt drei Schiffe mit jeweils vier Bögen. Das Querschiff, das nicht breiter als das Hauptschiff ist, grenzt im Osten an eine halbrunde Seitenkapelle. Es wird von einem niedrigen Turm mit Pyramidendach und Kuppel bekrönt. Der Kreuzgang, der im 16. und 17. Jahrhundert in zwei Bauabschnitten errichtet wurde, befindet sich südlich (rechts) der Kirche. Die Kirche besitzt einen Turm im Westen, der aus dem Jahr 1778 stammt.
Übernachtung
Es gibt ein Gästehaus, das zwei Einzel- und elf Doppelzimmer bietet.
70 € Einzel / 110 € Doppel / 140 € Dreibett für eine Nacht „nur schlafen“.
Alternativ 2 Nächte mit Vollpension: 150/240/300 €
Email:info@monasteriodearmenteira.es Tel.:+34 886211700
36192 Armenteira (Santa María P.), Meis, Pontevedra
https://es.wikipedia.org/wiki/Monasterio_de_Santa_Mar%C3%ADa_de_Armenteira

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Vilanova de Arousa

Padrón – Monasterio San Antonio de Herbón
Das Franziskanerkloster San Antonio de Herbón liegt bei Padrón und ist eng mit der Pilgertradition verbunden. Es ist bekannt für seine einfache Pilgerherberge und die gemeinschaftliche Atmosphäre. Das Franziskanerkloster Herbón, auch bekannt als Kloster San Antonio de Herbón, ist dank seiner außergewöhnlichen Schönheit und reichen Geschichte zweifellos ein absolutes Muss in der Gemeinde Padrón. Es ist ein Paradebeispiel eines Franziskanerklosters und wurde Ende des 14. Jahrhunderts gegründet. Während der Sommermonate bietet das Kloster in Teilen seiner Einrichtungen Pilgern auf dem Jakobsweg Unterkunft. Es liegt ca. 3 km vom Camino entfernt.
Geschichte 
Das Franziskanerkloster Herbón wurde 1396 von Gonzalo Mariño und Pedro de Nemancos mit Hilfe von Spenden gegründet. Die Bedeutung des Gebäudes im Laufe der Zeit ermöglichte die Finanzierung verschiedener Renovierungs- und Bauphasen, sodass nur noch wenige Elemente der ursprünglichen Struktur erhalten sind. Im 17. Jahrhundert erfuhr das Kloster eine bedeutende Erweiterung und gewann dadurch an Macht und Autonomie. Das Kloster diente im Laufe der Zeit verschiedenen Zwecken. Ursprünglich der franziskanischen Observanz gewidmet, fungierte es später als Priesterseminar für Missionare (von 1701 bis 1985) und auch als Gefängnis für Liberale. Im 19. Jahrhundert war es zudem ein Knabenseminar.
Eine interessante Tatsache, die die Franziskaner zwar nicht beanspruchen, ist, dass sie laut Überlieferung die Paprikapflanze aus Amerika mitbrachten – den Ursprung eines der bekanntesten Produkte der Region, der Padrón-Paprika (auch Herbón-Paprika genannt). Diese Franziskaner verließen das Kloster 2013 nach sechs Jahrhunderten in der Gemeinde.
Architektur
Um zum Kloster zu gelangen, muss man eine lange, steile Rampe und mehrere Stufen hinabsteigen. Dort findet man die schlichte Fassade und den schönen Glockenturm. Das Gebäude stammt größtenteils aus dem 18. Jahrhundert; nur der Kreuzgang, der Speisesaal der Mönche und die Schlafsäle sind älter. Der Komplex ist von einer fast 825 Meter langen Mauer umgeben. Auch der Kreuzgang, die Gemächer des Erzbischofs und der wunderschöne Altar von Jacinto de Barrios sind bemerkenswerte Merkmale.
Im Inneren sind die Gambino-Skulpturen besonders bemerkenswert. Jean-François Gambino ist ein französischer Bildhauer, der 1966 in Paris geboren wurde, und sich zuletzt vor allem als Tierbildhauer einen Namen machte. Zu den weiteren Höhepunkten der Kirche zählen die Empore und die Orgel von 1732. Die Orgel wurde im 20. Jahrhundert restauriert.
Geführte Touren
Geführte Touren durch die Umgebung umfassen die Kirche selbst sowie verschiedene Teile des Klosters, seine Gärten und den Weg zu den Fischwehren des Flusses Ulla. Der Garten ist bekannt für seine Kamelien und eine große Palme, die als bemerkenswerter Baum Galiciens gilt. Ebenfalls sehenswert ist der San-Bieito-Brunnen (renoviert 1786) mit einer Figur des Heiligen Franziskus, aus dessen Brust Wasser sprudelt.
Übernachtung
Die im Juni 2009 eröffnete Herberge im Kloster liegt 2,5 Kilometer vom Jakobsweg entfernt. Die Abzweigung führt an der Kirche San Xulián de Pontecesures vorbei, bevor man die Brücke über den Fluss Ulla überquert. Der Weg ist gut ausgeschildert.
Saison 2026: 1. April–31. Oktober. Gemeinsames Abendessen und Frühstück auf Spendenbasis; täglich Pilgermesse/-segen um 20 Uhr. Von April bis Oktober täglich um 18:00 Uhr Führungen
Adresse : C/ Rego da Manga, 56 – Herbón, Padrón – La Coruña.
Telefon : (+34) 679 460 942
E-Mail : hospitality@amigosdelcamino.com
https://www.paxinasgalegas.es/fiestas/monasterio-franciscano-de-herbon-padron-5538.html

Klöster am Camino Portugues Central ab Porto

Während man auf dem Camino Costal noch einige erhaltene Klöster findet, die auch teilweise Übernachtungsmöglichkeiten anbieten, gibt es auf dem Camino Central deutlich weniger.

Etappe

Kloster / geistlicher Ort

Lage zum Camino

Übernachten

Vairão

Mosteiro de Vairão

direkt am Camino

Ja – Pilgerherberge im Kloster

  Rates 

Igreja/Mosteiro de São Pedro de Rates – wunderschöne romanische Kirche erhalten, erste Cluniazenserpriorat auf portugiesischem Gebiet

direkt am Weg

Nein

Ponte de Lima

Convento de Santo António

Nur noch Teile erhalten/ Ensemble mit Museu dos Terceiros, Ponte de Lima

direkt in Ponte de Lima

Nein

Ponte de Lima

Mosteiro de Refóios do Lima

ca. 5–7 km Abstecher

Nein

    

Valença

Mosteiro de Sanfins

ca. 10–15 km Abstecher

Nein

Tui

Kathedrale von Tui / ehemaliges Klosterumfeld

Romanisch/gotisches Gebäude auf einer Anhöhe über dem Rio Mino

direkt in Tui

Nein

Padrón

Convento de San Antonio de Herbón

s.o. Camino Costal

ca. 3–4 km Abstecher

Ja, Pilgerunterkunft

Vairao – Mosteiro de Vairao

Das Kloster Vairão wurde 974 gegründet und war 1021 eine gemeinsame Gemeinschaft von Mönchen und Nonnen. Anders als die uns aus der Neuzeit bekannten Klöster und Konvente waren religiösen Gemeinschaften zum Teil gemischtgeschlechtlich – ein Merkmal, das mit dem Fortschreiten des Mittelalters abnahm. In Vairao erfolgte die Trennung vermutlich Mitte des 12. Jahrhunderts, woraufhin es zu einer rein weiblichen Klostergemeinschaft wurde.
Geschichte
Die Archive des Klosters Vairão, die sich heute im Torre do Tombo (Nationalarchiv Portugals) befinden, zählen zu den ältesten Dokumenten in portugiesischer Sprache. 1141 verlieh König Afonso Henriques dem Kloster eine Privilegienurkunde mit einem sehr großen Gebiet und schenkte ihm außerdem seine königlichen Güter Crasto und Azevedo. König Manuel I. leitete 1517 eine Reform ein, die mehrere Ordensgemeinschaften in einem städtischen Umfeld zusammenfassen und sie so aus ihren ursprünglichen Klöstern entfernen sollte. Entgegen den Absichten des Königs konnte die Gemeinschaft von Vairão der Zusammenlegung entgehen und das Kloster weiterführen.
Entsprechend dem Edikt von 1834 endete die Benediktinerinnengemeinschaft des Klosters Vairão offiziell am 9. Dezember 1891 mit dem Tod ihrer letzten Nonne und Äbtissin.1895 ging das Kloster in den Besitz der Schwestern vom Heiligsten Herzen Mariens über, die dort ein Kolleg gründeten. Nach der Auflösung der Ordensgemeinschaft wurde das Klostergelände bis 1986 als Hochschule und Schule genutzt.
Übernachtung
Das Pilgerherbergsgebäude des Klosters Vairão, das 2013 eröffnet wurde, ist die erste Herberge am zentralen portugiesischen Jakobsweg für Pilger, die in Porto starten.
Convent Street, 21 4485-687 Vairão
Mobiltelefon 966 431 916 mosteirodevairao@gmail.com
2015 wurde das Pilgermuseum – das Interpretationszentrum des Jakobswegs – eröffnet .
https://www.visitviladoconde.pt/pages/825/?geo_article_id=3194
https://www.visitviladoconde.pt/pages/820?geo_article_id=2669

Por PedroPVZ - Obra do próprio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19637149

Rates – Mosteiro de São Pedro de Rates

Das Kloster São Pedro de Rates liegt in der gleichnamigen Stadt in der Gemeinde Póvoa de Varzim und beherbergt eine der ausdrucksstärksten Kirchen portugiesischer romanischer Architektur. Obwohl das mittelalterliche Kloster als aktive Gemeinschaft nicht mehr besteht, bewahrt das erhaltene Gotteshaus – oft einfach als Kirche São Pedro de Rates bezeichnet – die Erinnerung an eine der Gründungsphasen der nationalen
Klosterarchitektur: die Ankunft der Cluniazenser in dem Gebiet, das später Portugal werden sollte.
Geschichte
Der Überlieferung nach ist der Ort mit dem Kult des Heiligen Petrus von Rates verbunden, der als erster Bischof von Braga und Märtyrer gilt. Seine Beisetzung und Verehrung sollen hier ein religiöses Zentrum begründet haben, das der Romanik vorausging.
Der entscheidende Moment kam Ende des 11. Jahrhunderts, als Graf Heinrich von Burgund und Teresa von León das verfallene Kloster Rates dem Priorat La Charité-sur-Loire schenkten, das der mächtigen Abtei Cluny in Frankreich unterstand. So entstand das erste Cluniazenserpriorat auf portugiesischem Gebiet , das der Benediktinerregel folgte und in das europäische Netzwerk eingebunden war, das damals das religiöse Leben des Westens neu gestaltete.
Kirche
Der Bau der romanischen Kirche begann im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts und dauerte etwa ein Jahrhundert mit Unterbrechungen. Der Granitstein, das reich verzierte Westportal und der Skulpturenschmuck – historische Kapitelle, Kragsteine sowie pflanzliche und zoomorphe Motive – sind typische Merkmale des romanischen Stils in Portugal. Die Konstruktion der Kirche weist mehrere Unregelmäßigkeiten und Unsicherheiten auf, die die typische Phase konstruktiver Schwierigkeiten in der Romanik widerspiegeln – etwa die unterschiedlichen Breiten der Schiffe, die unregelmäßige Anordnung der Pfeiler oder das Vorhandensein vorgesetzter Säulen
Das Gebäude wurde im 15., 17. und 18. Jahrhundert erneut umgebaut, behielt aber stets seine romanische Einheitlichkeit, die Rates von vielen anderen mittelalterlichen Bauten unterscheidet, die in späteren Epochen stark verändert wurden. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Cluniazenserorden gilt Rates als Vorbild für andere bedeutende Benediktinerklöster der Region.
Der Zugang zur Kirche erfolgt durch das imposante axiale Portal mit fünf Archivoten und halbrunden Bögen, das in die leicht asymmetrische und mit Strebepfeilern versehene Fassade eingelassen ist. Besonders hervorzuheben ist der Skulpturenschmuck der Kapitelle und vor allem des Tympanons. Das Skulpturenensemble dieser Kirche zählt zu den bedeutendsten Beispielen portugiesischer romanischer Kunst.
Es gibt einen ca. 20 km langen Verbindungsweg zum Küstenweg.
https://patrimonios.pt/mosteiro-de-sao-pedro-de-rates/
https://pt.wikipedia.org/wiki/Igreja_de_S%C3%A3o_Pedro_de_Rates#

Por Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL - Igreja da Ordem dos Terceiros de Santo António - Ponte de Lima - Portugal, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78441350

Ponte de Lima – Convento de Santo António

Das Ensemble aus der Kirche Santo António de Frades Capuchos und der Kirche des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus umfasst die Kirche und den Kreuzgang des Klosters des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus sowie die angrenzendeKirche Santo Antonio dos Frades Capuchos, die Teil des Convento de Santo António war, das zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert abgerissen wurde und von dem nur noch ein Flügel erhalten ist.

Geschichte
Das Kloster, von dem heute nur noch die Kirche und ein Klosterflügel erhalten sind, wurde am1481 vom Bürgermeister von Ponte de Lima, Dom Leonel de Lima, und seiner Frau, Dona Filipa da Cunha, gegründet; die Gründung wurde durch eine Bulle von Sixtus IV. bestätigt. Mitte des 18. Jahrhunderts erfuhr der Klosterkomplex eine tiefgreifende Reform. Die heutige Fassade und der obere Chor stammen aus dieser Zeit, ebenso wie der Bau des angrenzenden Klosters und der Kirche des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. Ein Großteil des Klostergeländes wurde zwischen dem späten 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen. Es gibt nur noch einen Flügel auf der rechten Seite der Kirche.
1978 wurde das Museum des Dritten Ordens mit Werken sakraler Kunst eingerichtet. Das Gebäude grenzt an die später erbaute Kirche des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus , mit der es sich den Kirchhof teilt.
Kirche
Zwischen 1744 und 1747 wurde die Fassade der Kirche erhöht und die gesamte Kirche umgestaltet. Sie erhielt schlichte Linien, ein einziges Kirchenschiff mit einer Vorhalle Narthex) und einen hohen Chor mit Chorgestühl. Der Eingang zum Narthex, ein segmentbogiger, gepolsterter Bogen mit Metallgeländer, durchbricht die Fassade. Über der Öffnung befindet sich eine kleine Nische, über der sich das Chorfenster mit geradlinigem Profil erhebt, flankiert von zwei Nischen mit den Figuren des Heiligen Franziskus und des Heiligen Petrus von Alcántara. Über dem Fenster ist ein rundes Okulus angebracht.
Auf der rechten Seite ist leicht vorspringend ein zweistöckiger Glockenturm angebaut.
Die Kirche vereint Architekturstile des Manierismus, Barock und Rokoko.
https://pt.wikipedia.org/wiki/Igreja_de_Santo_Ant%C3%B3nio_dos_Frades_Capuchos
https://monumentosesitios.blogspot.com/2019/09/convento-de-santo-antonio-ponte-de-lima.html

visitepontedelima.pt

Ponte de Lima – Mosteiro de Refóios do Lima
Das Kloster Refóios do Lima , auch bekannt als Kloster Santa Maria de Refóios do Lima , Pfarrkirche Refóios de Lima oder Kirche Santa Maria , befindet sich in der Gemeinde Ponte de Lima. Das Kloster Refojos do Lima war das größte aller Klöster im Gebiet der heutigen Gemeinde Ponte de Lima.

Geschichte
Es wurde als Kloster gegründet, in dem Mitglieder des Augustinerordens bis 1834 wohnten als die religiösen Orden in Portugal abgeschafft wurden. Der Bau des Klosters begann im Jahr 1143 und wurde 1152 abgeschlossen. Dokumente bestätigen, dass Afonso Ansemondes und seine Frau dem Kloster im Jahr 1150 die Grafschaft Refoios mit Palast und Ländereien schenkten.
Die ersten größeren Umgestaltungen erfolgten im 14. Jahrhundert und später im 16. Jahrhundert mit dem Wiederaufbau der Kirche im Jahr 1581. Die Hauptfassade bewahrt Merkmale aus dem 16. Jahrhundert, wie beispielsweise den Portikus mit deutlichen Renaissancemotiven; der obere Teil wurde im 18. Jahrhundert umgestaltet. Der Glockenturm existierte bereits 1770 und wurde 1859 wiederaufgebaut, da er durch einen Blitzschlag teilweise zerstört worden war. Der verbliebene Klosterbereich beherbergt heute eine höhere Landwirtschaftliche Hochschule, das Polytechnische Institut von Viana do Castelo.
https://www.visitepontedelima.pt/pt/turismo/mosteiro-e-igreja-paroquial-de-refoios/

https://www.siradio.gal/2026/04/17/valenca-assinala-dia-internacional-dos-monumentos-e-sitios-com-visita-guiada-ao-mosteiro-de-sanfins/

Valenca – Mosteiro de Sanfins
Es ist eines der bemerkenswertesten Beispiele romanischer Architektur in Portugal und seit 1910 ein nationales Denkmal.

Geschichte

Das Kloster Sanfins war der Hauptsitz des ehemaligen Klosterguts Sanfins, das bis 1834 bestand. Aufgrund seiner Bedeutung erhielt es mehrere königliche Privilegien. Das Kloster Sanfins war zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert aktiv. Die ersten Gebäude dieses Benediktinerklosters für Männer stammen jedoch aus dem Jahr 604 n. Chr. Es war über Jahrhunderte ein bedeutendes religiöses Zentrum. Einer seiner berühmtesten Bewohner war der heilige Franz Borgia (1510–1572) vom Jesuitenorden.
Die Klosterruine ist abgeschieden und von einem üppigen Eichenwald umgeben. Sie liegt auf einer Höhe von 200 Metern, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf den Lapela-Turm und den Fluss Minho genießt.

Kirche
Die Klosterkirche, eines der bemerkenswertesten und bedeutendsten Beispiele romanischer Architektur in Portugal, wurde restauriert. In der Umgebung der Kirche kann man zwischen den Ruinen des Klosters, dem Aquädukt, den Nebengebäuden mit ihren Granitarkaden und einem kleinen Kreuzgang spazieren gehen. Die Wege, die zu den Wasserfällen führen, sind eine wunderbare Möglichkeit, dieses zauberhaften Ortes zu entdecken.
https://visitavalenca.pt/blog/mosteiros-de-portugal-conheca-o-mosteiro-de-sanfins/

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Der einzigartige portugiesische Manuelinik -Stil

Der einzigartige portugiesische Manuelinik -Stil

Die Manuelinik (auch Emanuelstil, Manuelinischer Stil oder Emanuelismus genannt) ist ein prunkvoller Architekturstil, der nur im Königreich Portugal des frühen 16. Jahrhunderts auftrat. Er dauerte kaum länger als eine Generation. Benannt ist die Manuelinik nach König Manuel I. (reg. 1495–1521), der während der wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit Portugals an der Macht war. Die Manuelinik ist mit der damaligen wirtschaftlichen Entwicklung und dem entstandenen Reichtum untrennbar verbunden und präsentiert den imperialen Anspruch des Landes auch an Kirchen und profanen Bauten.

Von Sailko - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61523380 Südportal und Fassade der Kirche Santa Maria de Belém, Mosteiro dos Jerónimos, Belém (Lissabon)

Stilkundliche Einordnung
Manche Kunsthistoriker ordnen die Manuelinik in die Spätgotik ein; andere bezeichnen sie als ersten Kolonialstil Portugals. Die Manuelinik kann als Sonderform der Spätgotik oder Mischstil zwischen Gotik und Renaissance angesehen werden.
Strukturell ist die Manuelinik gotisch mit Spitzbögen, Rippengewölben, Strebepfeilern.
Das Neue liegt in der Ornamentik. Über den gotischen Elementen wächst ein naturalistisches und maritimes Repertoire — Taue und Seemannsknoten, Anker, Armillarsphären, Korallen, Disteln und Laubwerk —, verflochten mit der königlichen Heraldik: das Kreuz des Christusordens und die Armillarsphäre, das persönliche Emblem des Königs. Teilweise wurden auch Elemente der Mudéjar -Kunst und der italienischen Frührenaissance übernommen, wie z. B. runde Bögen statt gotischer Spitzbögen (z. B. in Santa Maria de Belém oder der Conceiçao Velha in Lissabon) oder Säulen statt Pfeilern. Zuweilen wird auch ein afrikanischer oder indischer Einfluss angenommen.

Von Alejandro from Mexico City, MEXICO - Lisbon, Portugal, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70803166 Kreuzgang des Mosteiro dos Jerónimos, Belém

Inspiriert wurde der manuelinische Stil durch die Reisen der Seefahrer, deren Entdeckungen und Eroberungen Portugal seinerzeit einen besonderen Reichtum bescherten. Neben dem typischen gedrehten Tauwerk und den Seemannsknoten gibt es eine Reihe von charakteristischen Motiven, die häufig aus der Heraldik oder aus der christlichen und alchimistischen Symbolik stammen:

• Die Armillarspäre , ein astronomisches Instrument, das einen Anspruch auf die Weltherrschaft symbolisierte, und die ein Emblem der portugiesischen Könige Johann II. und Mauel I. war;
• das Kreuz der Christusritter des bedeutendsten Ritterordens in Portugal, der auch eine enge Verbindung zum portugiesischen Königshaus hatte;
• naturalistische Motive, wie Astwerk, Blattwerk (z. B. Lorbeer oder Efeu), Blumen, Distern, Artischocken, Früchte wie Granatäpfel u. ä.;
• maritime Motive wie Korallen, Muscheln oder Algen;
• Tiere und menschliche Figuren;
• fantastische oder groteske Figuren und Mischwesen, wie Nixen oder Sirenen u. a.

In der kunsthandwerklichen Ausführung all dieser Zierformen fällt eine Tendenz zum Weichen und Runden auf (nicht zum Hohen und Spitzen wie in der Gotik). Die üppige Ornamentik ziert vor allem Portale und Fenster, aber auch Wände und Dächer, sie schmückt Klöster, Kirchen und Paläste.

Von Marcio - Castelo dos Templários - Tomar, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32871990 Seefahrerornamentik im manuelinischen Stil in Tomar

Bauten
Ein Großteil der manuelinischen Bauten wurden beim großen Erdbeben von Lissabon 1755 zerstört. Als die bedeutendsten und prächtigsten Beispiele der Manuelinik gelten der Torre de Belém und das benachbarte Hieronymitenkloster mit seinem Kreuzgang in Lissabon, sowie das Kloster Batalha und Teile des Christusklosters in Tomar – hier ist u. a. ein berühmtes Fenster des Kapitelsaals außen wie innen reich mit plastischem, verflochtenem Schiffstauwerk und Naturmotiven verziert. Als eines der frühesten Beispiele der Manuelinik gilt außerdem die berühmte Kirche des Convento de Jesus in Setúbal, mit Pfeilern in Form riesiger gedrehter Schiffstaue. In Lissabon sind noch die Fassaden der Kirche Nossa Senhora da Conceição Velha und des Convento da Madre de Deus (heute:Museu Nacional do Azulejo ) in einem rein manuelinischen Stil erhalten, in Coimbra die Fassade der Capela de São Miguel der Universität und Teile desMosteiro de Santa Cruz , insbesondere das Kirchenportal und der Kreuzgang – letzterer ist jedoch wesentlich schlichter als die Kreuzgänge von Belém und Batalha. Besonders erwähnenswert sind auch die Hauptkirchen von Golega,Vila do Conde,Viana do Alentejo , und die Kirche São Julião in Setúbal, alle mit prächtigen, typisch manuelinischen Portalen. Darüber hinaus finden sich Beispiele für den manuelinischen Stil auch an kleineren Kirchen oder Bauwerken in ganz Portugal. Der manuelinische Stil lebt in den Verzierungen der portugiesischen, spanischen, mexikanischen und kolonial indischen Kunst weiter, die er beeinflusst hat.
Bedeutende Vertreter dieses Stils waren Joao de Castilho und Diogo Boitaca, die für das Klostergeviert des Hieronymitenkloster berühmt sind, sowie Francisco und Diogo de Arruda, die den Torre de Belém am Tejoufer in Lissabon entworfen haben.

Torre de Belém, Von Bert K. - originally posted to Flickr as Lisboa / Lisbon / Lissabon, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9489857Lissabon
Von Diego Delso, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20358552 Seitenportal der Kirche São Julião, Setúbal
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Der Bahnhof Sao Bento in Porto – einer der schönsten Bahnhöfe der Welt

Der Bahnhof Sao Bento in Porto - einer der schönsten Bahnhöfe der Welt

Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Mosteiro de Sao Bento de Ave-Maria gelegen, bietet der Bahnhof von Porto nicht nur eine beeindruckende Architektur, sondern vor allem auch über 20.000 Azulejos, die berühmten portugiesischen Keramikfliesen, auf denen die Geschichte Portugals dargestellt wird. Der Bau des Bahnhofs begann im Jahr 1900 und wurde 1916 abgeschlossen. Der Architekt des Projekts, José Marques da Silva, schuf ein Gebäude, das klassische europäische Architektur mit typisch portugiesischen Elementen vereint.

Von Jose Goncalves / Joseolgon in der Wikipedia auf Portugiesisch - Übertragen aus pt.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1821843 Empfangsgebäude

Die Kachelkunst von Jorge Colaço
Ein herausragendes Merkmal des Bahnhofs São Bento sind die Azulejos (Kacheln), die die Wände der Haupthalle schmücken. Diese Kacheln erzählen Geschichten aus der Geschichte Portugals und sind ein einzigartiges Beispiel für portugiesische Kunst. Sie wurden von dem renommierten Künstler Jorge Colaço entworfen und zwischen 1905 und 1916 installiert.
Über 20.000 Kacheln (551 Quadratmeter) zieren die Wände des Bahnhofs. Die Szenen auf den Azulejos stellen bedeutende historische Ereignisse dar, darunter die Schlacht von Valdevez und die Eroberung von Ceuta. Diese meisterhaft gestalteten Kunstwerke sind nicht nur von künstlerischem, sondern auch von historischem Wert und machen São Bento zu einer Sehenswürdigkeit, die weit über einen gewöhnlichen Bahnhof hinausgeht.
Die Paneele sind weit mehr als bloße Dekoration; sie sind versteinerte Erzählungen. Wer den Blick schweifen lässt, entdeckt zwei unterschiedliche Stilwelten: Ein mehrfarbiger Fries im oberen Bereich illustriert die Entwicklung des Transportwesens in Portugal bis hin zum Siegeszug der Eisenbahn. Darunter dominieren die klassischen blau-weißen Monochrom-Paneele, die entscheidende Wendepunkte der portugiesischen Geschichte verewigen. Zu den Highlights zählen die Schlacht von Valdevez (1140), die Begegnung des Ritters Egas Moniz mit König Alfons VII. von Kastilien, der festliche Einzug von Johann I. und Philippa von Lancaster anlässlich ihrer Hochzeit in Porto (1387) sowie die Eroberung von Ceuta (1415).

Von Otto Domes - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=109596844 Eingangshalle

Architektur und Design
Der Architekturstil von São Bento lässt sich als eine Mischung aus französischem Neoklassizismus und typisch portugiesischen Stilelementen beschreiben. Die Fassade des Bahnhofs ist in einem eleganten, aber funktionalen Stil gehalten, während die Kachelarbeiten im Inneren eine harmonische Verbindung zur Geschichte und Kultur Portugals schaffen.
Der Haupteingang des Bahnhofs ist besonders beeindruckend. Durch die großen, kunstvoll gestalteten Fenster fällt viel Licht in das Innere, was die Schönheit der Azulejos noch mehr zur Geltung bringt. Die Kombination von Licht, Raum und Kunst verleiht dem Bahnhof eine fast museale Atmosphäre.
Neben den historischen und künstlerischen Aspekten bietet der Bahnhof eine Vielzahl von praktischen Annehmlichkeiten, darunter Restaurants, Geschäfte und Verbindungen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der nahegelegene Praca da Liberdade und die berühmte Rua das Flores sind nur wenige Minuten zu Fuß entfernt und laden zum Entdecken ein.

https://minimalist.travel/transport/trains/porto-sao-bento-guide/
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Azulejo in Portugal – eine identitätsstiftende Kunstform

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By Ajay Suresh from New York, NY, USA - Sevilla-4-9, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79612918

Unter Azulejo versteht man ein Bild aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasierten Keramikfliesen, das seinen europäischen Ursprung in Spanien und Portugal hat und dort hergestellt wird. Diese wetterfesten Fliesen sind in diesen Ländern fester Bestandteil des Stadtbildes und werden an öffentlichen Monumenten und Gebäuden, Hausfassaden und Kirchen, aber auch an Innenwänden zu oftmals künstlerischen Wandbildern zusammengefügt. Häufig sind alte Blumen-, Vögel- und Schiffsmotive verarbeitet. In Wandverkleidungen aus Azulejos finden sich traditionell auch Ornamente der islamischen Kunst.

Cathedral of Porto By Georges Jansoone - Self-photographed, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1263584

Geschichte

Der Name Azulejo leitet sich von arabisch الزليج, az-zulaiǧ („Fayence“, „Kachelwerk“) ab.
Die Technik der Keramikherstellung stammt ursprünglich aus Mesopotamien und Persien.
Dort wurde Keramikgeschirr bereits um 500 v. Chr. hergestellt. Über Persien gelangte das Wissen in die islamischen Regionen Nordafrikas und mit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Araber um 800 n. Chr. ins heutige Spanien und Portugal.
Auf der Iberischen Halbinsel sind die Kacheln somit eine Hinterlassenschaft der Mauren. Die Technik der Herstellung wurde von einheimischen Handwerkern übernommen und weiterentwickelt. Zentrum der Herstellung war im 12./13. Jahrhundert Andalusien, dort vor allem Granada. Im 14. Jahrhundert war Valencia für seine Azulejos berühmt.

Am 2. Januar 1492 endete die sog. Reconquista, die Rückeroberung der maurisch beherrschten iberischen Halbinsel durch die katholischen Könige. Sechs Jahre danach reiste der König von Portugal,dom Manuel I. nach Spanien. Er besuchte die ehemals maurischen Paläste in Zaragoza, Toledo, Granada und Sevilla und war begeistert von den Tausenden von Kacheln und Fliesen, die die Innenräume mit ihren ornamentalen Strukturen verzierten. Dom Manuel wollte diese auch in seinen Palästen haben und so tauchte die andalusische Keramik Anfang 1500 zum ersten Mal in Portugal auf. Der Nationalpalast von Sintra, der als Residenz des Königs diente, ist eines der besten und originellsten Beispiele für diese ersten Fliesen. Die wurden noch 1503 aus Werkstätten in Sevilla importiert, erst danach begann man in Portugal, eigene Produktionsstätten hochzuziehen. Etwa ab dem 16./17. Jh. wurde Portugal Hauptproduzent für Azulejos.

CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=719687 Sevilla

Da die Herstellung und die kunstvolle Bemalung sehr aufwändig waren, konnten sich zunächst nur die Kirche, der Adel und wohlhabende Kaufleute diese teuren Kacheln leisten. So dekoriert man mit Azulejos zunächst nur die Innenräume von Palästen, Kirchen und Klöstern. Die figurativen Azulejos des 17. Jahrhunderts waren stark von Auftragsarbeiten geprägt. Kirche und Adel waren die beiden gesellschaftlichen Gruppen, die zu dieser Zeit Azulejos in Auftrag gaben und dabei die Figuration nutzten, um Botschaften zu vermitteln, ohne dabei den dekorativen Wert der Kompositionen zu vernachlässigen.
Wir sollten bedenken, dass in allen profanen Räumen, für die Azulejos in Auftrag gegeben wurden, sie den Geschmack der Eigentümer widerspiegeln und die doppelte Funktion haben, architektonische Räume zu schmücken und Botschaften sozialer und politischer Bestätigung zu verbreiten.

Erst mit der aufkommenden Industrialisierung im 19. Jh. und dem Siebdruckverfahren konnten Azulejos günstiger und teilweise in Massenproduktion hergestellt werden. So verließen die Azulejos die Innenräume und belebten als Fassaden das Bild der Städte, da dann auch ganze Häuserfassaden, städtische Bauwerke und auch Privathäuser mit Azulejos verkleidet wurden.
Die Expansion der Städte und die Entwicklung neuer Stadtgebiete führten, gepaart mit einer individualistischeren Mentalität in Bezug auf Erfolg und dem Zurschaustellen des erworbenen Status, zu einer zunehmenden Verwendung von Azulejos an Fassaden. Diese dienten dazu, ansonsten unauffällige Gebäude durch Merkmale hervorzuheben, die zum Teil direkt mit ihren Besitzern in Verbindung standen. Da es zunächst meist Neureiche waren, die sich diesen Luxus leisten konnten, war diese Modeströmung in der Bevölkerung zunächst gar nicht gut gelitten.
Die Beispiele schöner Gebäude mit Azulejos in Portugal sind zahllos und sie sind beliebter als je zuvor. Auch heute noch verschönern Architekten und Städtebauer mit Azulejos Häuser, Plätze, Brunnen oder auch moderne U-Bahn-Stationen.

By Nelson Rocha from Portugal - Igreja dos Congregados, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9781389 Porto

Techniken

Zu den frühesten Formen der Wanddekoration mit Azulejos zählen Wandmosaike. Verschiedenfarbige Fliesen werden dabei in Stücke gebrochen und zu einem Mosaik kombiniert. Noch heute wird diese Technik in Marokko und Algerien verwendet und schmückt Innenhöfe und Brunnen.
Die ersten glasierten Fliesen bestanden aus geometrischen Anordnungen zugeschnittener Fliesenstücke („Alicatado“). Die verwendeten Muster sind komplex und spiegeln die Vorliebe für Geometrie in der islamischen Welt wider. Allerdings ist das Alicatado- Verfahren nach wie vor kostspielig, da das Zuschneiden der Fliesen viel Handarbeit erfordert. Zudem entsteht dabei ein erheblicher Fliesenabfall. Um diese Nachteile zu überwinden, kamen die Handwerker schließlich auf die Idee, farbige Glasuren direkt auf die Tonfliesen aufzutragen, dabei aber verschiedene Bereiche zu trennen, um ein Vermischen der Farben zu vermeiden.
In Spanien wird dieses Verfahren „Cuerda Seca“ genannt.
Um 1500 wurde das Cuerda-Seca -Verfahren durch zwei ähnliche Techniken ersetzt. Bei Arista -Fliesen erfolgt die Unterteilung durch feine Tonrillen, bei Cuenca- Fliesen durch Rillen. In beiden Fällen wird eine mit dem Muster versehene Holzform verwendet, um die weiche Tonfliese zu prägen. Dadurch entsteht keine schwarze Linie mehr zwischen den verschiedenfarbigen Elementen. Diese beiden Techniken dienten der Herstellung preisgünstiger Alicatados .
Bereits im 14. Jahrhundert kommen bei kurvilinearen kalligraphischen Schriftbändern auch Techniken des Abritzens und Auskratzens vor – der eigentliche stets schwarze Schriftzug wurde dabei stehen gelassen, so dass der größere Teil der Kacheloberfläche abgekratzt oder mit einem feinen Metallstiche abgearbeitet wurde.
Im 16. Jahrhundert stießen die alten Handwerkskünste der Keramikbrenner auf neue europäische Majolika-Techniken vor allem aus Italien. Diese konnten den Wunsch der Auftraggeber nach bildhaften Darstellungen erfüllen. Während Alicatado- oder Cuerda-Seca-Fliesen von Handwerkern gefertigt wurden, werden Azulejo-Tafeln nun von Künstlern bemalt. Der Azulejo-Maler erlangte somit den Status eines Künstlers und signierte seine Tafeln häufig. Der Stil der Azulejos hat sich grundlegend gewandelt: Große, verzierte Tafeln zeigen figürliche und erzählerische Szenen, ganze Bildzyklen auf Kacheln gemalt und gebrannt.

By Gryffindor - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5330864 Segovia

Was ist das Besondere der portugiesischen Azulejos?

Eine der damals herausragenden Eigenschaften, obwohl sie ihre Wurzeln im vorangegangenen Jahrhunderten hatte, war die Art und Weise, wie sie als strukturierendes Element der Architektur eingesetzt wurde, und zwar in den oft monumentalen Verkleidungen, wobei die Azulejos-Muster eine Schlüsselrolle spielten.Die Kirche war die Hauptinstanz, die für die Beauftragung wiederholter Azulejos verantwortlich war, eine äußerst effektive Methode zur oft vollständigen Verkleidung der Mauern ihrer Kirchen.
Die Vielfalt der Lösungen und Vorschläge bei den portugiesischen Fliesenmustern dieser Zeit hat in anderen europäischen Produktionen kein Pendant. So kann man festhalten, dass einer der faszinierendsten Aspekte des kreativen Prozesses portugiesischer Keramikmaler über die Zeit ihre Fähigkeit ist, Themen und dekorative Motive verschiedener Herkunft zu erfinden und zu interpretieren, eine Verschmelzung von Einflüssen zu gestalten, die zur Schaffung einer einzigartigen Sprache führte und führt.

Wie schon in der Vergangenheit sucht das Azulejo unaufhörlich nach neuen Herausforderungen und ist bereits in einige der typischen Sprachen der heutigen Welt Eingang gefunden. Von den pixeligen Computerbildern (Azulejos im Ozeanarium Lissabon von Ivan Chermayeff, 1998) bis zur Subversion des Graffiti-Diskurses, über die märchenhafte Ausgelassenheit von Cartoons oder die Verfeinerung der Bilder in der Werbung oder im Design, zeigt es eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Anpassung und Neuerfindung, die in einer anderen Form des künstlerischen Ausdrucks schwer zu erreichen wäre.

By Vysotsky - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42384696 Azulejos des 21. Jh.
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Legenden : „Der Hahn von Barcelos „– eines der bekanntesten Symbole Portugals und „Vom Ursprung der Jakobsmuschel“

Legenden : „Der Hahn von Barcelos „– eines der bekanntesten Symbole Portugals und „Vom Ursprung der Jakobsmuschel“

Der “Galo de Barcelos” ist eines der bekanntesten Symbole Portugals. Er wird normalerweise als bunter Keramikhahn dargestellt, der mit vielfältigen Mustern, darunter Herzen und Blumen, verziert ist. Die leuchtenden Farben und die detaillierte Arbeit, die in jede Figur fließen, machen jeden Hahn einzigartig.
Die Figur des Hahns symbolisiert laut der Legende Glaube, Gerechtigkeit und Optimismus. Sie ist ein Zeichen für die Hoffnung in scheinbar ausweglosen Situationen und ein Appell an das Gewissen und die Gerechtigkeit. Darüber hinaus steht der Hahn als morgenländischer Vorbote für einen neuen Anfang und Positivität. Es ist eine typisch portugiesische Tradition, einen “Galo de Barcelos” als Glücksbringer zu kaufen oder zu verschenken.

Die Legende vom Hahn von Barcelos

Es war einmal ein Mann aus Galizien, der in die Stadt Barcelos kam. Er war aber nicht irgendein Mann, sondern ein braver Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela, um dort ein Gelübde zu erfüllen. Doch die Leute in Barcelos trauten ihm nicht und hielten ihn für einen Dieb. Obwohl er immer wieder beteuerte, unschuldig und nur ein frommer Pilger zu sein, glaubten sie ihm nicht und gaben ihn zur Strafe den Behörden ab.
Der Richter, der sein Urteil fällen sollte, war ein harter Mann, der nicht leicht zu überzeugen war. Auch als der arme Pilger vor ihm stand und seine Unschuld bekräftigte, blieb der Richter unbeeindruckt. Er wollte gerade mit seinen Freunden ein Festessen beginnen und hatte keine Zeit für die Beteuerungen des Pilgers. Doch der Pilger blieb standhaft und sagte dem Richter mit fester Stimme: “So wahr wie ich unschuldig bin, so wahr wird dieser gebratene Hahn auf deinem Tisch krähen, wenn ich gehängt werde.”
Natürlich lachten alle Anwesenden über diese Behauptung. Ein gebratener Hahn, der kräht? Das schien unmöglich. Doch dann geschah das Unglaubliche: Genau in dem Moment, als der Pilger gehängt werden sollte, erhob sich der gebratene Hahn auf dem Festmahlstisch des Richters und krähte laut. Alle waren sprachlos, allen voran der Richter. Er erkannte seinen Irrtum und rannte zum Stadtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Da sah er, dass ein Knoten im Strick das Zugehen desselben verhindert hat. Sofort ließ er den Pilger freilassen und entschuldigte sich bei ihm.
Einige Jahre später kehrte der Pilger nach Barcelos zurück und widmete der Stadt aus Dankbarkeit ein prächtiges Denkmal. Dieses Denkmal wurde später zu Ehren von Santiago und der Jungfrau Maria geweiht. Und so erinnert die Geschichte des Hahns von Barcelos noch heute an das Wunder, das sich einst in dieser Stadt ereignete.

https://www.portugalismo.de/barcelos/

Die Legende vom Hahn von Barcelos wird natürlich nicht wörtlich geglaubt, ist aber ein wichtiger Teil der portugiesischen Kultur aufgrund der moralischen Werte, die sie enthält. Die Legende handelt von einem immer wiederkehrenden portugiesischen Thema und berührt Aspekte des täglichen Lebens, wie Gerechtigkeit, Stolz, Schicksal und dialektischen Wunderglauben, die in Portugal hohe Wertschätzung genießen. Zugleich spiegelt die Legende den spielerischen und distanzierten Umgang der Portugiesen mit weltlichen und religiösen Hierarchien wider. So stehen hier die Menschlichkeit und der Humor der einfachen Bevölkerung gegen den ihr gegenüber distanzierten, oft willkürlich wirkenden Eliten.

https://img.ricardostatic.ch/images/1d562005-5a0e-4211-a3c5-d35c4f09a90e/t_1000x750/vintage-deco-hahn-skulptur-aus-messing

Der Hahn als Kämpfer

Man findet aber auch häufig Skulpturen von kämpfenden Hähnen. Das hat nichts mit dem Hahn von Barcelos zu tun, sondern gehört zu einer älteren und allgemeineren Symbolik des Hahns, die in Portugal auf besondere Weise mit Volkskunst und – historisch – auch mit Hahnenkämpfen als volkstümliche Unterhaltungstradition verbunden ist.
Der Hahn verkörpert traditionell Eigenschaften wie Mut, Stolz, Kampfgeist, Wachsamkeit und Revierverteidigung. Zwei aufeinander losgehende Hähne verstärken diese Bedeutung: Es geht um Konkurrenz, Ehre und die Auseinandersetzung zweier gleich starker Kräfte.

Man kann sagen:
Der bunte Hahn von Barcelos trägt eher die Botschaften:
Wahrheit – Gerechtigkeit – Glaube – Hoffnung – Rettung.
Die kämpfenden Hähne dagegen eher die Botschaften
Mut – Kraft – Stolz – Rivalität – Durchsetzungswillen.

Auf jeden Fall hat der Hahn in der portugiesischen Tradition immer eine starke Rolle gespielt.

Jakobsmuschel

Der Ursprung der Jakobsmuschel als Symbol der Pilgerschaft

Der Portugiesische Weg entlang der Küste erzählt die berühmte Legende vom Ritter der Muscheln. Die Jünger Athanasius und Theodore waren auf dem steinernen Floß mit den sterblichen Überresten des Apostels in Richtung Norden unterwegs, als sie auf der Höhe des Fischerdorfes Bouzas, heute einer der reizvollsten Stadtteile von Vigo, am Ufer auf die Feierlichkeiten einer Hochzeit stießen.
Die Teilnehmer spielten “abofardar”, ein Reiterspiel, das darin bestand, einen Speer oder “bofarda” (Lanze) in die Luft zu werfen und ihn zu Pferd im Galopp aufzufangen, bevor er auf dem Boden aufschlug. Als der Bräutigam an der Reihe war, lenkte eine Windböe den Speer ins Meer ab. Aber der junge Mann, fest entschlossen zu gewinnen, verfolgte ihn und versank dabei in den Wellen.
Die Zeit verging und weder der Bräutigam noch sein Reittier kamen aus dem Wasser, also schien alles darauf hinzudeuten, dass die Hochzeit in einer Tragödie enden würde. In diesem Moment näherte sich das Steinboot der Stelle, an der er versunken war, und das Wunder geschah: Beide tauchten mit Muschelschalen bedeckt aus dem Wasser auf.
Später erklärten die Jünger des Apostels, dass alle Menschen, die sich entschlossen, nach Santiago de Compostela zu pilgern, diese Muschel als Zeichen der Verehrung und in Erinnerung an dieses Wunder tragen sollten. So entstand eines der repräsentativsten Elemente des Jakobsweges. (s. auch Kapitel Jakobsmuschel)

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Einige Verhaltens- und Sprachtipps für Jakobspilger in Spanien

Einige Verhaltens- und Sprachtipps für Jakobspilger in Spanien

Hilfreiche Verhaltensweisen

Wenn Sie in Spanien unterwegs sind, gibt es einige hilfreiche Verhaltensweisen, die gut ankommen und helfen, respektvoll und entspannt aufzutreten und auch so behandelt zu werden.

• Freundliche Kontaktaufnahme
Spanier sind oft kontaktfreudig, herzlich und stolz. Ein freundliches „Hola“ oder „Buenos días“ beim Betreten eines Geschäfts, einer Bar, eines Restaurants, einer Herberge erleichtert auf jeden Fall die Kontaktaufnahme.
• Höflichkeit im Alltag
Bitte und Danke („por favor“, „gracias“) werden grundsätzlich geschätzt. Gerade in Restaurants, Hotels und Herbergen macht ein höflicher Ton viel aus.
• Gelassenheit mitbringen
In Spanien läuft manches entspannter als in Deutschland oder anderen Ländern. Man sieht das Leben nicht als Effizienzmaschine. Service kann manchmal langsamer sein – Geduld oder besser Duldsamkeit (d.h. Geduld, Nachsicht und Toleranz) hilft sehr im Umgang miteinander.
• Essenszeiten respektieren
Mittagessen („almuerzo“) gibt es oft erst ab 14 Uhr, Abendessen („cena“) häufig ab 21 Uhr. Viele Restaurants öffnen früher gar nicht richtig. Nehmen Sie sich Zeit fürs Essen, probieren Sie lokale Spezialitäten und hetzen Sie möglichst nicht. Seien Sie nicht verwundert, wenn die Bediensteten manchmal etwas ernst sind oder etwas vermeintlich Schroffes ausstrahlen. Sie schauen manchmal streng, meinen es aber gut mit den Essern!
• Trinkgeld geben?
Geldangelegenheiten werden mit Takt erledigt. Niemand wird Sie drängen, die Rechnung zu zahlen. Man rundet den Betrag nicht direkt beim Zahlen auf, sondern man bekommt das Wechselgeld meist auf einem Plastikschälchen gereicht. Sie sind dann frei, ein paar Münzen liegen zu lassen, viel muss es aber nicht sein.
• Der Platz an der Theke
Wenn man sich nur kurz in einer Bar aufhält, steht man meistens am Tresen (Hinsetzen ist teurer), erledigt Essen und Trinken, zahlt und geht hinaus. Es gehört zu den kulinarischen Besonderheiten, dass Alkohol nicht allein serviert wird, sondern dass ein paar Oliven, ein Tellerchen Nüsse oder Kartoffelchips, ein Happen Tortilla mit dabei sind. Gewöhnungsbedürftig ist, dass Olivenkerne, Zahnstocher, Papierservietten – alles darf auf den Boden geworfen werden. Irgendwann kommt jemand mit dem Besen und fegt alles wieder weg.
• Was man eher vermeiden sollte:
– Regionale Themen belehrend diskutieren
– Wenn, dann nur sehr sensibel über den spanischen Bürgerkrieg reden – es ging hier um einen Bruderkrieg – eine ideologische Kluft – und die Wunden sind teilweise noch nicht verheilt
– Klischees über Spanien erzählen, das Land ist viel zu vielfältig und schön
– Ungeduldig im Restaurant sein
– Sich über langsameres Tempo beschweren
– Nur Englisch oder Deutsch erwarten
• Besonders gut kommt an:
– Der Versuch, zumindest ein paar Worte spanisch zu sprechen
– Ein ehrliches „Qué bonito aquí“ (Wie schön hier)
– Viele Regionen haben starke eigene Identitäten, Interesse daran positiv.
– Interesse an Essen, Landschaft, Kultur

Wichtige Redewendungen
Ein paar wichtige spanische Redewendungen zu lernen, bevor Sie sich auf den Camino de Santiago de Compostela begeben, kann bereichern sein. So können Sie leichter mit Einheimischen in Kontakt kommen, sich besser orientieren und Respekt für die lokale Kultur zeigen. Ob es um Begrüßungen, Wegbeschreibungen oder das Bestellen von Essen geht – der Versuch, Spanisch zu sprechen, wird geschätzt, ganz unabhängig von der Grammatik und der Aussprache. Wenn sie spanisch sprechen oder es versuchen, öffnen sich Ihnen die spanischen Herzen!  “Animo” – Nur Mut!

Unten sind einige Redewendungen für unterwegs, in Unterkünften  und  in Cafes/Bars/Restaurants zusammen-gestellt.                                                     

 

Deutsch

Spanisch

Hallo

Hola

Guten Morgen

Buenos días

Guten Tag / Guten Abend

Buenas tardes

Gute Nacht

Buenas noches

Danke

Gracias

Bitte

Por favor

Guten Weg!

Buen Camino

Wo ist der Camino?

¿Dónde está el Camino?

Bin ich richtig nach Santiago?

¿Voy bien hacia Santiago?

Wie viele Kilometer fehlen noch?

¿Cuántos kilómetros faltan?

Gibt es ein Albergue in der Nähe?

¿Hay un albergue cerca?

Ich habe eine Reservierung

Tengo una reserva

Ein Bett für eine Nacht, bitte

Una cama para una noche, por favor

Wie viel kostet das?

¿Cuánto cuesta?

Wasser, bitte

Agua, por favor

Die Rechnung, bitte

La cuenta, por favor

Wo ist die Toilette?

¿Dónde está el baño?

Ich brauche Hilfe

Necesito ayuda

Mein Fuß tut weh

Me duele el pie

Können Sie langsamer sprechen?

¿Puede hablar más despacio?

Ich spreche nur wenig Spanisch

No hablo mucho español

Deutsch

Spanisch

Haben Sie ein freies Bett?

¿Tiene una cama libre?

Gibt es noch Platz?

¿Hay sitio?

Ich habe eine Reservierung.

Tengo una reserva.

Ein Bett für eine Nacht, bitte.

Una cama para una noche, por favor.

Wie viel kostet es?

¿Cuánto cuesta?

Wo ist das Badezimmer?

¿Dónde está el baño?

Gibt es eine Dusche?

¿Hay ducha?

Gibt es WLAN?

¿Hay wifi?

Wann ist Check-in?

¿A qué hora es el check-in?

Wann muss ich gehen?

¿A qué hora tengo que salir?

Kann ich meine Kleidung waschen?

¿Puedo lavar la ropa?

Wo kann ich mein Fahrrad abstellen?

¿Dónde puedo dejar la bicicleta?

 

Deutsch

Spanisch

Einen Kaffee, bitte.

Un café, por favor.

Ein Frühstück, bitte.

Un desayuno, por favor.

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Quellen

Paul Ingendaay, Gebrauchsanweisung für Spanien, München, 2. Aufl. 2024

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Camino del Norte Kultur Kultur

La Quinta de Selgas – ein Palast- und Gartenanwesen in El Pito/Cudillero

La Quinta de Selgas – ein Palast- und Gartenanwesen in El Pito/Cudillero

Camino del Norte zwischen Muros de Nalón und Soto de Luina

https://www.selgas-fagalde.com/wp-content/uploads/2018/05/86A7719-1024x683.jpg

Die Quinta de Selgas ist ein Palast- und Gartenwesen in El Pito, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Cudillero zwischen Muros de Nalón und soto de Luina. La Quinta ist der wohl prächtigste neoklassizistische Komplex Nordspaniens.
Er wurde zwischen 1880 und 1895 von den Brüdern Segas-Albuerne erbaut. Ezequiel, ein erfolgreicher Vergünstigter in Madrid, stellte die finanziellen Mittel für das Projekt bereit, während sein Bruder Fortunato, ein Historiker und Kunstliebhaber, für den Entwurf der Anlage verantwortlich war.

Das Herrenhaus hat seine ursprüngliche Dekoration nahezu vollständig erhalten. Äußerlich orientiert sich das Haus an französischen Herrenhäusern der frühen neoklassizistischen Epoche und folgt damit der im Europa des 19. Jahrhunderts weit verbreiteten Wiederbelebung vergangener Stile. Es besitzt einen rechteckigen Grundriss und besteht aus Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und einem Dachgeschoss. Die Hauptfassade ist vertikal in die dritte Ebene gegliedert, wobei die mittlere Ebene leicht zu einer Steintreppe vorspringt, die in den Garten hinabführt. Jedes Geschoss verfügt über drei Türen: Die Türen im Erdgeschoss sind mit Halbkreisbögen versehen, während die Türen in den Obergeschossen mit Stürzen (und schmiedeeisernen Balkonen) durch geschwungene Giebel verziert sind.
Das Gebäude verwaltet über 200 Gemälde großer Meister ua Goya und El Greco. Ergänzt wird die Sammlung durch eine vielfältige Auswahl an Möbeln, Textilien, Gold- und Silberarbeiten, Glaswaren sowie europäischem und orientalischem Porzellan.

Die Quinta ist vollständig von einer Mauer umgeben und besitzt zwei monumentale Tore. Das Haupttor ist nach Süden ausgerichtet und präsentiert sich als ein bemerkenswert hoher Triumphbogen mit einem darüber liegenden Halbkreis. Es weist drei mit Stürzen versehene Öffnungen auf: eine höhere, mittlere, die als eigentlicher Eingang dient, und zwei seitliche Öffnungen, die, mit Gittern auf einem Sockel verschlossen, wie Fenster wirken.

https://www.selgas-fagalde.com/wp-content/uploads/2018/05/86A7698-1024x683.jpg

Die wunderschönen Gärten rund um das Schloss wurden von Grandpont entworfen, einem Schüler von Le Nôtre und damals dem berühmtesten Gärtner Frankreichs. Rigoreau, ein exzellenter, in Versailles ausgebildeter Gärtner, wurde mit der Gestaltung des Parks beauftragt und ließ sich schließlich in der Nähe der Quinta de Selgas nieder, wo seine Nachkommen noch heute leben.
Die neun Hektar großen Gärten stellen ein Kompendium europäischer Landschaftsgestaltung dar und zählen zu den bedeutendsten in Spanien. Sie sind im Volksmund als das asturische Versailles bekannt. Der Garten ist in drei Zonen unterteilt, die jeweils nach den Prinzipien der drei wichtigsten Gartenstile der Moderne gestaltet wurden: dem italienischen, dem französischen und dem englischen. Somit stellt das Anwesen ein wahres Kompendium der europäischen Gartengeschichte dar.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-ingles/#

Der französische Garten befindet sich vor der Südfassade des Schlosses und besteht aus einer breiten Allee im Versailles-Stil in Form eines grünen Teppichs, der von Kamelienhecken gesäumt und mit Springbrunnen, Statuen und Vasen verziert ist. Der Französische Garten verdankt seinen Namen seiner unverwechselbaren Gestaltung mit markanten Skulpturen und Brunnen. Die breite Allee ist von geometrischen Elementen geprägt. Mauern aus geschnittenen Kamelien, ebene Rasenflächen und Buchsbaumparterres bilden eine Reihe gerader Linien, die sich zum Haupthaus hin vereinen, das eine Größe und Praxis annimmt.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-italiano/#

Der italienische Garten befindet sich auf der Rückseite des Palastes und wird an den Ecken von vier Pavillons begrenzt. In der Mitte befindet sich ein Teich in Form eines Kleeblattes und es gibt eine Reihe von Terrassen, Treppen und Balustraden. Zwei prächtige Araukarien bilden eine Hecke, die den Garten in einen geschlossenen, intimen und privaten Raum verwandelt. Er ist im Stil italienischer Villen gestaltet.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-frances/#

Schließlich befindet sich im östlichen Teil des Geländes der englische Garten mit einer unregelmäßigen Anlage und Anpflanzungen exotischer Bäume neben weiten Wiesen; Ein Fluss fließt durch diesen Bereich und bildet Seen, und er verwaltet auch einen klassischen Tempel in einer Felsengrotte mit Aquarien im Inneren. Weite, offene Wiesen, weiche, schmale, schattige Bereiche mit prächtigen Nadelbäumen. Ein Wald aus Küstenmammutbäumen, einer in Amerika heimischen Kunst, umschließt den Garten im Norden, während im Süden ein Fluss die Untermalung einer Landschaft liefert, die von Magnolien, japanischen Ahornen, Eukalyptusbäumen, Nadelbäumen und einem runden Pavillon, über einer Grotte geprägt ist.

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Camino de Levante Kultur Kultur Uncategorized

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Camino de Levante

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung
Lage: auf einem Felssporn aus Granitgneis, vom Tajo umflossen

Römerzeit (bis 507)

– Gründung der Stadt 192 („Toletum“) –
– Einrichtung eines Erzbistums (4. Jh.)
– wirtschaftliche Blüte durch Eisenerzvorkommen
– Hochburg der Waffenschmiede („Toledostahl“)

Bauwerk der Römerzeit
– Alcántara Brücke (später mehrfach erneuert)

 

Westgotenreich (507-711)

– Hauptstadt des Westgotenreiches („Toledanisches Reich“) häufiger Tagungsort von Konzilien (589, 633, 636,638,646, 653, 681, 683, 688, 693, 694), dabei bedeutend: 3. Konzil 589 (Beschluss der Konversion vom Arianismus zum Katholizismus)
Ildefons Erzbischof von Toledo 557-567 wird in der orthodoxen und katholischen gleichermaßen als Heiliger verehrt

Von Dan Vaquerizo Molina - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41962765 Alcántara Brücke

Islamische Epoche, Maurenzeit (711-1085)

• Emirat von Cordoba: Toledo – Hauptstadt der Mittleren Mark von Al-Andalus
als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft
• Taifenreich Toledo (1031-1085)
– zunehmende Arabisierung und Islamisierung
– Bevölkerung: Mozaraber (Christen unter
Muslimischer Herrschaft), Juden, Muslime

Bauwerke der Maurenzeit
– Altes Bisagra-Tor
– Santa Cristo de la Luz – Moschee, dann Kirche

Von Fernando - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161540627 Santa Cristo de la Luz

Königreich Kastilien (1085-1469)

o – Eroberung Toledos 1085 durch
Kg. Alfons VI. im Rahmen der
Reconquista
o – Lage als kastilische Grenzstadt zum
Islamischen Süden
o – Hauptstadt bis 1561

• Kultursynthese (12./13. Jh.)
o – Arabisch als schriftliche Verkehrssprache
o – Mozaraber (arabisierte Christen)
o – Mudéjaren (Araber unter christlicher Herrschaft)
o – Juden: Vermittlung der überlegenen arabi-
schen Kultur und finanzielle Unterstützung der Könige
• sog. Übersetzerschule: wichtigstes Zentrum der
Wissensbewahrung und Wissensweitergabe
durch Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische
Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten.
Treffpunkt bedeutender Gelehrter der berühmten Universitäten
Paris, Bologna, Oxford

1. Phase: 12. Jahrhundert (1126-1187)
 – Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische
 – Gerhard von Cremona (1114-1187): Übersetzer
     bedeutender antiker Werke (Euklid, Galen, Hippokrates,
    Aristoteles, „Almagest“ des Ptolemäus)
 – Dominicus Gundisalvus (ca. 1130-1180)
 – auch Übersetzung von Werken des Islams in
   das Lateinische

2. Phase: 13. Jahrhundert (1252-1284)
• – Alfons X., der Weise als besonderer Förderer
der Wissenschaften
• – Übersetzung ins Spanische – Entwicklung des
Spanischen zur Kultursprache
• – Dominanz astronomischer Werke

Bauwerke der Gotik
Kathedrale (1227-1493)

Bauwerke des Mudéjar-Stils
Kirche San Roman (1200)
Kirche Santiago del Arrabal (1265)
Martinsbrücke (1284)
Synagoge Santa Maria la Blanca (12./13. Jh.)
Synagoge El Transito
Puerta del Sol – Sonnentor (14. Jh.)
Minarett Santo Tomé

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Kathedrale von Toledo
By EmDee - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6746075 San Roman

Toledo im Königreich Spanien (seit 1469)


• einerseits Niedergang und Intoleranz
• – Pogrome gegen Juden im 15. Jh., schließlich 1492 Vertreibung der Juden
• – Konversionszwang oder Exil der Muslime (1502)
• – Zentrum des Comunero-Aufstandes (1520-1522) gegen die Herrschaft Karls V
• – Verlegung der Hauptstadt nach Madrid (1561) unter Philipp II
• – Vertreibung der Morisken [zum Christentum zwangskonvertierte Mauren (1609)

• andererseits Glanzpunkte christlicher Kultur

• Katholische Könige: Franziskanerkloster, monumentale Grabeskirche geplant (Gräber jedoch in Granada)
• Umwandlung von Palästen in Kirchen und Klöster
• letzter kultureller Höhepunkt im signo de ora
• Wirkungsstätte des Malers El Greco (1541- 1614) ab 1577

Bauwerke der Spätgotik
San Juan de los Reyes 1476-1504 isabell. Stil

Bauwerke der Renaissance
Hospitals Santa Cruz 1514
Alcazar 1537, Wiederaufbau im 18. Jh.
Hospital de Tavera 1548
Neues Bisagra Tor 1562

Von Querubin Saldaña Sanchez - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963473 San Juan de los Reyes
Von Carlos Delgado, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28428753 Alcázar de Toledo

Prägende Kunstepochen in Toledo
• Mudéjar-Stil (ca. 10. Jh. bis 16. Jh.): maurische Kunst unter christlicher Herrschaft, Mudéjares=Mauren, die unter den Christen arbeiten, Merkmale: Backstein, glasierte Ziegel (azulejos), Hufeisenbögen, Stern-Rippengewölbe, ornamentale Stuckdekoration, Artesonado-Decken (kunstvoll verzierte Holzdecken), minarettartige Türme. Toledo ist eine der Städte, wenn nicht die Stadt, mit der größten Vielfalt an Mudéjar-Kunst.
• Gotik (ca. 12.Jh.- 16.Jh.): Bau der Kathedrale (1227-1493)
• Isabellinischer Stil: (ca. 1480-1510) Sonderform der spanischen Gotik, Merkmale: blütenförmige Rippengewölbe, filigrane Ornamentik, Wappendekor
• Plateresker Stil: (ca. 1510-1560), spezieller Stil der spanischen Frührenaissance , Mischung aus gotischen, maurischen und Renaissance-Elementen, eine besonders feine Ausarbeitung der Fläche

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Die Architektur der Gotik und ihre besondere Geschichte in Frankreich

Die Architektur der Gotik und ihre besondere Geschichte in Frankreich - als die Kathedralen in den Himmel wuchsen

Via Podiensis

Begriff und zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung „Gotik“ entstand, wie die Namen anderer Stilepochen auch, nicht bereits mit ihrem ersten Auftreten, sondern erst fast 300 Jahre später. Auch wurde der Gotik-Begriff nicht etwa in Frankreich geprägt, wo die Wurzeln der gotischen Architektur liegen, sondern erstmals 1435 in einem Werk des italienischen Architekten und Schriftstellers Leon Battista Alberti erwähnt. Das Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, der Wiedergeburt der Antike, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur „glorreichen“ Antike Ausdruck zu verleihen.
Erst mit Goethe, der in seinem Werk „Von deutscher Baukunst“ über das gotische Münster in Straßburg schrieb, begann ein positiver Bedeutungswandel in Bezug auf den gotischen Architekturstil einzusetzen. Allerdings ist zu bemerken, dass Goethe irrtümlich diese Epoche zu einem deutschen Stil erklärte. Der Stil wurde dann im 19. Jahrhundert von europäischen nationalistischen und romantischen Bewegungen aufgewertet und verherrlicht. So wurde auch Mitte des 19. Jahrhundert Goethes Aussage eines „deutschen Stils“ durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung der Gotik Frankreich zugesprochen. Heute gilt die Gotik allgemein als einer der künstlerisch brillantesten Momente der westlichen Welt.

Eine zeitliche Einordnung der Gotik ist nicht ganz einfach, da der genau Zeitrahmen von den individuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern abhängt.

Die Gotik entstand um 1140 zunächst in Frankreich. Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo, Léon). In Italien wurde der gotische Baustil nach französischer oder mitteleuropäischer Art weder vollständig übernommen noch war er je alleine vorherrschend.

Aber natürlich gab es auch hier gotische Kathedralen wie z.B. den berühmten Mailänder Dom.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123840 Kathedrale (ehem. Abtei­kirche) Saint-Denis, vor 1140 (im 18. und 19. Jh. ver­ändert, Turmvertlust)

Historischer und philosophischer Hintergrund

Keine andere Strömung vor oder nach der Gotik verstand es, einen solch engen Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft herzustellen. Um nun aber zu verstehen, weshalb sich die gotische Architektur gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts aus der Romanik entwickelte, muss man zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten jener Zeit werfen.

Im Jahre 1108 übernahm der Kapetinger Ludwig VI. die königliche Herrschaft im territorial stark zersplitterten Land. Der französische Monarch hatte zu jener Zeit zwar großes Prestige, realiter jedoch nur wenig Macht. Diese lag u.a. in den Händen Heinrichs I., der durch geschickte Heiratspolitik nicht nur Herzog der Normandie, sondern gleichzeitig auch König von England war und so enorme politische, wirtschaftliche und militärische Mittel hinter sich vereinigen konnte. Auch die Grafen der Champagne waren, durch wichtige Messestädte in ihren Gebieten, reicher und dadurch letztlich mächtiger als der französische König. Wesentlich einflussreicher war auch der Graf von Flandern, der das größte Wirtschaftszentrum nördlich der Alpen, ein im 12. Jh. sehr reiches Land regierte. (s. auch Kapitel der 100-jährige Krieg).

Um seine Macht zu stärken und die des Feudaladel im Land zu schwächen, paktierte Ludwig VI. mit der Kirche, vor allem mit seinem engen Berater Suger, dem Abt von Saint-Denis, der zusammen mit ihm in der Klosterschule von St. Denis erzogen worden war. Die Kirche unterstützte das Machtstreben der französischen Monarchie. Der König förderte zudem die zunehmenden Ordensgründungen und holte die Bruderschaften zu sich in die Hauptstadt.

Außerdem wurden durch Freiheitsbriefe, die sich der König von der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde teuer bezahlen ließ, Feudalpflichten aufgehoben, die die wirtschaftliche Entwicklung stark eingeschränkt hatten. So standen diese Städte und einzelne Landgemeinden hinter dem König und gegen den sie früher ausbeutenden Feudaladel.

Mit dem Erstarken und der geographischen Ausweitung des französischen Kronlandes, also der Entwicklung zur zentralistischen Macht, breitete sich auch die für ‚das Neue’ stehende Architektur, die Gotik, aus. Gotische Sakralgebäude galten bald als ‚chic’, so dass jedes Land, jede Stadt und jede noch so kleine Gemeinde alle vorhandenen Mittel darauf verwendete, wenigstens eine etwas größere und neuere Kirche als die des Nachbarn zu bauen. Außerdem spielte auch die Parteinahme von Bündnispartnern in der Politik eine nicht unerhebliche Rolle bei der Expansion der Gotik. Wer innerhalb Frankreichs gotisch baute, bezeugte seine Gewogenheit gegenüber der französischen Krone. Die Baubewegung in Frankreich wurde vor allem in der Anfangszeit dadurch gefördert, dass das Volk und auch der Adel die Bautätigkeit mit finanziellen Mittel oder auch praktischer Arbeitstätigkeit unterstützten. So ist u.a. die große Zahl an Kirchen, Abteikirchen und Kathedralen in Frankreich zu erklären.

Gleichzeitig verbindet sich mit der Gotik eine ganz neue Einstellung zur Gestaltung des Lebens. Der Grund für eine solche Revolution ist die Veränderung der mittelalterlichen Mentalität über vorhandenes Wissen und vorhandene Wahrheit. Im 12. und 13. Jahrhundert wird Platons vom Heiligen Augustinus verteidigter Idealismus überwunden, der die philosophische Grundlage des frühen Mittelalters bildete. Die Philosophie des Aristoteles, die auf der Vorrangstellung der Sinne basierte, erlangte wieder eine große Bedeutung und  wurde von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Albert dem Großen und dem Heiligen Thomas von Aquin energisch verteidigt. Dieser Mentalitätswechsel führt in der Architektur dazu, dass sich der Baumeister (Architekt) beim Bauen nicht mehr an regelmäßige Formen halten (im Wesentlichen Kreise und Quadrate) muss, sondern dass er frei arbeiten kann, nicht mehr nur als Geometer, sondern als Ingenieur. Das bedeutete auch, dass man sich an neue Gestaltungselemente heranwagte und herantastete. Dieser technische Empirismus verhalf dazu, geniale tektonische Lösungen zu erfinden, um Räume von großer Höhe und Farbe zu schaffen. Die Art und Weise, das himmlische Jerusalem im 13. Jahrhundert zu symbolisieren, bestand darin, einen großen Raum aus Licht und Farbe zu schaffen. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten Metaphysik verwandeln. 

Außerdem war es eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Am Anfang der Epoche setzte eine Phase der generellen Umstrukturierung im Wirtschaftsleben des Landes ein. Die Wirtschaft entwickelte sich in bestimmten Regionen und in den Städten positiv. Der Handelsschwerpunkt verlagerte sich vom Land in die Stadt. Die Landbevölkerung strömte in die Städte (Landflucht). Durch das Wachstum der Städte entstand auch Bedarf an neuen Kirchenbauten und es sind auch die Städte, die die wirtschaftliche Kraft besitzen, um die aufwendigen Bauten der Gotik finanzieren und realisieren zu können. So entstanden sogenannte „Bauten der Macht“ in der Mitte der Stadt.

Es war auch die Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge dienten neben der Eroberung der Stadt Jerusalem vor allem auch der Verbreitung und der Verteidigung des christlichen Glaubens – der Einflussbereich der Muslime sollte zurückgedrängt werden. Es ging dem Papst aber auch um eine erneute macht-politische Stärkung der Kirche und des Papsttums. Die Erstarkung der Kirche zeigte sich auch in der zunehmenden Bedeutung der Ordensgemeinschaften neben den Benediktinern hier vor allem den Zisterziensern, deren Verbreitung für die Gotik eine besondere Bedeutung hat. 

So versuchten der König, der monarchisch orientierte Adel, Domkapitel, Bischöfe und Städte sich in dieser Konkurrenzsituation mit immer prächtigeren Bauten gegenseitig zu übertrumpfen – als Demonstration ihres Führungsanspruchs, aber auch aus echter frommer Begeisterung.

Die Gotik wurde in diesem Zusammenhang in Europa als willkommene Neuerung empfunden. Die neuen Techniken wurden voll Begeisterung übernommen, da durch sie auch die neue spirituelle Einstellung dargestellt werden konnte. England, Deutschland, Italien, Spanien und die anderen europäischen Länder wollten auch demonstrieren, dass sie die neue Kunst wenigstens so gut wie das Ursprungsland Frankreich beherrschten. Zudem verhalf die wachsende Bedeutung des Zisterzienserordens und seine strenge Durchstrukturierung einer weiteren Verbreitung der Gotik. All diese Fakten führten so zu einer breiten aber auch relativ einheitlichen Ausbreitung der Architekturkunst der Gotik.

Die Kathedrale des Mittelalters, das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Malerei und Glasmalerei gilt als besonderes Wahrzeichen der Gotik.  “Genie de Lieu “sagen die Franzosen, wenn ein Ort etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Das kann wohl für die gotischen Kathedralen im Besonderen gelten. Sie spiegeln die Wandlung des mittelalterlichen Weltbildes wider, das mit einer neuen Frömmigkeit und mystischen Strömung einhergeht.

Einen großen Aufschwung nahm auch die profane Baukunst zur Zeit der Gotik, v. a. in den Städten, wo sie die wachsende Macht des aufstrebenden Bürgertums verkörperte. Sie übernahm Formen und Motive der französischen Kathedralgotik. So entstanden Burgen und Befestigungsanlagen, Rathäuser, Zunfthäuser, Hospitäler und Bürgerhäuser im gotischen Stil.

Von Uoaei1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45346485 Notre Dame de Paris 2015

Spezielle Situation in Frankreich

Die zahlreichen Konflikte zwischen den theologischen Lehrmeinungen erhielten in Frankreich im 12. Jh. durch die Initiativen zweier sehr gegensätzlicher Äbte – den Zisterzienser Bernhard von Clairvaux und den Benediktiner Suger von Saint Denis – eine eminent politische Dimension: Als radikaler, nüchterner Reformer löste Bernhard anfallende Konflikte (Mauren, Türken) vornehmlich mit Waffengewalt. Ihm gelang es nicht nur, König Ludwig VII. zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug zu bewegen, sondern auch, die Eroberungsfeldzüge vom Papst sanktionieren zu lassen. Abt Suger hingegen stand im Dienst der Könige von Frankreich und konzentrierte sein Interesse v. a. auf die Neuerungen der Kunst.

Er war gemeinsam mit Ludwig VI. in St-Denis erzogen worden. Abt Sugers ganzes Streben galt der Stärkung der Macht des französischen Königs. Vom Bauernsohn war Suger zum Abt des wichtigsten französischen Klosters in St. Denis und zum engsten Berater zunächst Ludwigs VI. und dann Ludwigs VII. aufgestiegen. Als letzterer 1147 zum Kreuzzug aufbrach, ernannte er Suger zum Regenten Frankreichs. Um die neu erstarkte französische Königsmacht zu demonstrieren, griff er zu einem überaus publikumswirksamen Mittel, das symbolisch-imperialen Wert besaß: er veranlasste den teilweisen Neubau der Klosterkirche von Saint-Denis. Der Bau des gotischen Chors von St. Denis dauerte gerade einmal vier Jahren (1140–1144) und wird heute als Ausgangspunkt der Gotik gesehen. Diese wichtige Voraussetzung für die Ausdehnung der königlichen Herrschaft – und damit einhergehend der Kathedralarchitektur – war das enge Zusammenspiel zwischen geistlicher und weltlicher Macht in Frankreich. So wurden zwischen 1180 und 1270 in Frankreich rund 80 Kathedralen (städtische Bischofskirchen) gebaut. Dazu kommen noch unzählige Neubauten wie Abtei-, Kollegiats- und Pfarrkirchen. Da die französischen Könige, allen voran Philipp August (1180–1223) und Ludwig IX. (1226–1270), die Vormachtstellung Frankreichs in Europa ausbauten, wurde der Stil der französischen Kathedralgotik, die „französische Bauweise“, stilbildend.

Anders als in Deutschland spielte das langsam wieder erstarkende französische Königtum selbst auch als Auftraggeber großer gotischer Kathedralbauten eine wichtige Rolle. Die Abteikirche von St. Denis bei Paris war die Grablege der französischen Könige; Reims der Ort der Krönung, Chartres das bedeutendste Wallfahrtszentrum des Landes. Im Machtzentrum Paris entstanden mit der Kathedrale Notre-Dame und der Sainte-Chapelle, der königlichen Palastkapelle, gleichfalls herausragende kathedrale Bauten. Und auch die Bischofssitze, in denen Kathedralen errichtet wurden, wie Beauvais oder Laon, standen im direkten Einflussbereich der königlichen Macht.

Dass ihre symbolische Bedeutung der Kathedrale von Reims bis in dieses Jahrhundert reicht, zeigt sich an einem kleinen Beispiel: 1962 nahmen Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Kathedrale von Reims gemeinsam an einer Messe teil, um die deutsch-französische Freundschaft zu bekräftigen – eine symbolische Geste, die François Hollande und Angela Merkel 50 Jahre später wiederholten.

Fassade der Kathedrale von Reims Von Johan Bakker, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38255047
Adenauer und De Gaulle in der Kathedrale von Reims Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F013405-0016 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5451627

Phasen der Gotik in Frankreich

In der Gotik entstand ein neues Raumgefühl, dass jedoch nicht nur nach Höhe, sondern auch nach Licht und sanfter Helligkeit verlangte. Deshalb wurde die kompakte Mauer gleichsam aufgelöst und von hohen Fenstern und riesigen Fens­terrosetten zwischen den Strebepfeilern durchbrochen. Glasmalerei und Steinmetzkunst entwickelten sich zu hoher Blüte. Feingliedrige Strebepfeiler, Ziergiebel (Wimperge), Türmchen (Fialen) und gotisches Dekor wie Maßwerk und Kreuzblumen lassen die Fassaden wie steinernes Spitzenwerk erscheinen. Religiöse Figuren zieren Giebelfelder (Tympana) und Bogenläufe (Archivolten), Gewändefiguren wie Engel und Heilige lösen sich erstmalig aus der Mauer heraus.  

Um einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Gotik in Frankreich zu werfen, werden hier die Phasen der Gotik in diesem Land kurz angesprochen.

Gothique primitif       Gothique classique    Gothique rayonnant   Gothique flamoyant

1140-1190                  1190-ca.1230             1231-1350                  1350-1520     

Die erste Phase der Gotik in Frankreich wird als Gothique primitif bezeichnet.

Typisch für den Gothique primitif sind:

  • Emporenbasiliken
  • Runde Arkadensäulen mit korinthischen Kapitellen.
  • spitzbogige Kreuzrippengewölbe, über den Seitenschiffen vierfeldrig, über den Mittelschiffen oft als sechsfeldrige Doppeljoche, gleichsam als Reminiszenz des gebundenes System.

Die zweite Phase der Gotik in Frankreich wird Gothique classique genannt, klassische Gotik. 

  • Über den Seitenschiffen von Basiliken werden keine Emporen mehr angelegt. Zur Regel werden Basiliken mit Triforium in Form zum Mittelschiff geöffneter Zwerggalerien gebaut.
  • Binnenchor, Chorumgang und Kapellen schließen polygonal (vieleckig).
  • Die Vorlagen (Dienste) für Gurt- und Arkadenbögen beginnen an den Basen der Arkadenpfeiler, so dass die Mittelschiffe von durchgehenden Senkrechten geprägt sind.
  • Die Kreuzrippengewölbe sind auch über Mittelschiffen und Binnenchören vierfeldrig.

Als Initialbau der dritten Phase der Gotik in Frankreich, des Gothique rayonnant, der strahlenden Gotik, gilt gemeinhin der Chor der Kathedrale von Amiens, errichtet ab 1236, die entscheidenden befensterten Triforien aber wohl erst ab 1258. Vorher erschien diese Neuerung schon beim hochgotischen Umbau der Abteikirche von Saint-Denis ab 1231, davon der Chor bis 1245.

  • Der Gothique rayonnant zeichnet sich durch Vergrößerung der Fensterflächen aus.
  • Die Triforien bekommen Außenfenster oder werden den Obergaden zugeschlagen.
  • Internationale Bedeutung: Nach dem Muster der Kathedrale von Amiens wurde ab 1248 der Kölner Dom errichtet.

Die vierte Phase der Gotik in Frankreich wird als Gothique flambant – „flammende Gotik“ bezeichnet. Als Initialbau wird die 1388 als Schlosskapelle errichtete Sainte-Chapelle in Riom genannt.

  • Kennzeichen ist die kreative Ausweitung des Formenspektrums.
  • Weniger im allgemeinen Bewusstsein, aber auch typisch, sind um eigentlich rechteckige Fenster und Tore geschlungene Kielbögen
  • Die allgemeinen Erläuterungen zu den Stilelementen der Gotik sind weiter unten aufgeführt.
Kathedrale von Chartres Von Olvr - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16331210

Die wichtigsten frühgotischen Kathedralen der Île-de-France

Die gotische Baukunst entstand aus dem Baugefüge und den Formen romanischer Kirchen in Frankreich, genauer in der fruchtbaren Île-de-France (Paris und Umgebung). Zur ersten Blüte gelangte die Gotik mit dem frühgotischen Neubau der Abteikirche von Saint-Denis (1130/35–1144), der königlichen Grablege. Trotz des bewusst neuen Konzeptes besaß der Chor der Abteikirche von Saint-Denis anfangs keinen Modellcharakter. Aber man doch sagen, dass in St.-Denis die Gotik ihren Ausgangspunkt hatte. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde in Frankreich noch sehr viel experimentiert und variiert, bis man mit der Kathedrale von Chartres eine Lösung fand, die formal so überzeugend war, dass sie zum Vorbild für viele Nachfolgebauten wurde. In dieser experimentellen Phase entstanden in Frankreich zwischen 1140 und 1194 beispielsweise die frühgotischen Kathedralen von Sens und Laon, sowie wichtige Bauteile der Kathedralen von Soissons und Noyon und schlussendlich die Kathedrale Notre-Dame in Paris.

 

  • Paris, Abteikirche von St.Denis, 1137–1144 – der „Gründungsbau“ der gotischen Architektur
  • Sens (Yonne), Kathedrale Saint-Étienne, 1140–1168
  • Laon (Aisne), Kathedrale Notre-Dame, um 1160–1210
  • Noyon (Oise), Kathedrale Notre-Dame, um 1150
  • Soissons (Aisne), Kathedrale Saint-Gervais et Protais, um 1180/90
  • Paris, Notre-Dame, 1163–1182 Chor / bis 1196 Langhaus / Querhaus nach 1225 Vergrößerung der Fenster
Von ~~ - cropped from File:Frankreich 12. Jh (ohne Süd).png, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126089316

Beispiel für die Hochgotik in Frankreich

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden die Kathedralen von Chartres, Reims, Amiens (Langhaus) und Bourges, die der Hochgotik in Frankreich zugerechnet werden. Zu den Höhepunkten dieser Phase zählt der vollendete Umbau der Abteikirche von Saint-Denis (Langhaus), die königliche Pfalzkapelle Sainte-Chapelle in Paris, die Kathedrale von Troyes und die königliche Schlosskapelle Saint-Germain-en-Laye. Die tiefe Verankerung der Gotik in Frankreich zeigt sich in ihrem Weiterleben in der Nachgotik, die noch in der Renaissancezeit Bauten wie die Kathedrale von Orléan (ab 1601) oder Saint Eutache (1532–1649) hervorbrachte.

Kathedrale von Chartres                    1145 romanisch/1149 gotisch

Kathedrale von Reims                         1211-1275

Kathedrale von Amiens (Langhaus)   13. Jh. Hochgotik

Kathedrale von Bourges                     1195-1270

Saint-Denis- Umbau                           12./13. Jh.

Sainte Chapelle in Paris                       1244-1248

Kathedrale von Troyes                        ab 1208

Kathedrale von Amiens Von Jean-Pol GRANDMONT - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20453765
Von Karl Baedeker (Firm) - https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14759510006/Source book page: https://archive.org/stream/northernfranc00karl/northernfranc00karl#page/n86/mode/1up, No restrictions, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42713654

Regionale Differenzierung

Anders als in der Romanik bildeten sich innerhalb der gotischen Epoche nur geringfügige Unterschiede in den einzelnen Regionen Frankreichs heraus. Dies stand in engem Zusammenhang mit den politischen Einheitsbestrebungen der Kapetinger und dem sich von der Ile-de-France ausbreitenden Kathedralbauschema. Mit den wachsenden Herrschaftsansprüchen des Königshauses wurde auch die einheitliche Umsetzung des im königlichen Stammgebiet herausgebildeten Bauschemas im ganzen Land umgesetzt. Der gotische Sakralbau galt im 13. Jahrhundert als Zeugnis der königlichen Macht. In den nachfolgenden beiden Jahrhunderten erfuhr die Bedeutung dieses nationalen Kirchenbaus insofern eine Veränderung, als er nicht mehr die königliche Herrschaft, sondern das erstarkende Bürgertum den gotischen Kathedralbau für seine Zwecke in Anspruch nahm. Die großen Sakralgebäude wurden zum Wahrzeichen der Stadt, zum Versammlungsraum der Gemeinde, an dem sich der Bürgerstolz der Zünfte im Reichtum der Ausstattung zeigte.

Im beginnenden 13. Jahrhundert entbrannte zwischen den nordfranzösischen Städten ein Wettlauf um die größte Kathedrale. Doch die neue Technik stieß auch an ihre Grenzen. Der Mut aber auch Hochmut zeigten sich an der Mitte des 13. Jh. in Beauvais darin, dass man eine alles überra­genden Kirche schaffen wollte. 1204 hatte König Philipp II. die Normandie erobert. Die Grenze des Königreichs Frankreichs verschob sich bis an den Atlantik. Der Sieg über die Normannen machte aus der bis dahin strategisch wichtigen Grenzstadt Beauvais plötzlich eine friedvolle Enklave. Damit wurden die bischöflichen Mittel frei, die jahrelange Kriege an der Seite des französischen Königs gebunden hatten. Und so wollte man eine Kathedrale bauen, die alle anderen Kirchen in der Höhe übertrafen. 1247 begannen die Bauarbeiten, das Schiff erreichte eine Höhe von 48 m, das Dach war gedeckt, die Kirche eingeweiht. Doch im Jahr 1284 stürzten Teile des Chores ein. Erst nach einem halben Jahrhundert wurde der Chor wiederaufgebaut, die Struktur wurde durch zusätzliche Pfeiler verstärkt. Anschließend wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Erst im 16. Jahrhundert, von 1500 bis 1548, wurde das Querschiff gebaut. 1573 fiel der zentrale – mit etwa 150 Meter Höhe vermutlich viel zu groß geplante – Turm in sich zusammen. Ein Hauptschiff wurde nie errichtet. Zu dieser Zeit war die Gotik nicht mehr modern, auch war kein Geld mehr vorhanden.

Gotische Kathedralen auf der Via Podiensis

Le Puy -en-Velay        Cathédrale du Puy                  ab 12.Jh.

Cahors                            Cathédrale St. Etienne           1080 – 1135

Aire-sur-l´Adour        Cathédrale St.-Jean-Baptiste 11./12.Jh.          (Konkathedrale)

Fréjus                              Cathédrale Saint Léonce         12./13.Jh.          (Konkathedrale)

Condom                         Cathédrale Saint-Pierre         14.-16.Jh.           (ehemalige Kathedrale)

Eauze                              Ancienne C. St. Lupercus       2. Hälfte 15. Jh  (ehemalige Kathedrale)

Lectoure                         Ancienne C. St. Gervais          um 1325             (ehemalige Kathedrale)

Gotische Kathedralen auf der Via Tolosana und dem Camino Aragonés

Auch                           Cathédrale  St. Marie d´Auch   1489

Toulouse                    Cathédrale  St. Étiennne           1272                   (Typ Pilgerkirche)

Arles                            Cathédrale  St. Trophime         12.-15.Jh.          (ehemalige Kathedrale)

Oloron -St. Marie    Cathédrale  St. Marie                 12.-14. Jh.         (ehemalige Kathedrale)

Pamplona                   Catedral       St. Maria la Real   1392

Eine Kathedrale oder Kathedralkirche, auch Bischofskirche, ist eine Kirche, in der ein Bischof residiert und die die Kathedra als dessen Sitz enthält. Ehemalige Kathedralen sind also heute keine Bischofssitze mehr, bestehen aber zum Teil noch als Stadtkirchen. Erläuterungen zu den einzelnen Kathedralen an den Jakobswegen findest du in den Kapiteln zu den jeweiligen Städten.

Zahl der gotischen Kathedralen in Frankreich

Nach Wikipedia bestehen in Frankreich heute noch 96 Kathedralen, von denen mindestens 60 zur Zeit der Gotik entstanden sind, von den 12 Konkathedralen sind es 9 und von den 76 ehemaligen Kathedralen sind es 54. Das verdeutlicht, welche besondere Bedeutung die Gotik in diesem Land hatte und hat, sind doch die Kathedralen immer wieder aufs Neue bewundernswerte Bauwerke und immer eine Reise wert.am

Stilistische Merkmale der Gotik

Was genau verbirgt sich aber nun hinter diesem in der Geschichte so kontrovers betrachteten Begriff der Gotik?

Das Streben nach Höhe ist kennzeichnend für die gotische Architektur. Ebenso wie das Auflösen der massiven Wand, um Platz für große Fensterflächen zu schaffen, die den Kirchenraum erstrahlen lassen. Dazu wurden bestimmte bauliche Elemente – wie das Kreuzrippengewölbe, der Spitzbogen und das Strebewerk – verwandt, um diese Idee des himmlischen Jerusalem zu symbolisieren. Es sollten Räume von großer Höhe aus Licht und Farbe geschaffen werden. Durch das unten beschriebene neue Konstruktionssystem ergeben sich eine Betonung der Vertikalen sowie die Auflösung der Wandflächen, die durch große, farbige Fensterflächen gefüllt werden.

Kreuzrippengewölbe

Kreuzgratgewölbe gab es schon vor der Gotik in römischer Zeit oder im angelsächsischen Raum. Das Kreuzgratgewölbe – das typisch für die Romanik ist – war der Vorläufer des gotischen Kreuzrippengewölbes. Die Konstruktion entsteht durch die Durchdringung von zwei, im rechten Winkel, zu einander stehenden Tonnen von gleicher Höhe. Dadurch entstehen gekrümmten Schnittfläche, auch Grate genannt, die dem Gewölbe auch den Namen Kreuzgratgewölbe geben. Die Bautechnik kann nur durch die römische Technik des Mörtelgusses oder bei sehr kleinen Räumen verwendet werden, da ihr statische Grenzen gesetzt sind.

Demgegenüber werden beim Kreuzrippengewölbe die Grate durch die Rippen unterstützt. Die Neuerung bestand darin, dass beim Gewölbe mit einem viereckigen Grundriss zwei Rundbögen kreuzförmig über die beiden Diagonalen gestellt wurden, zumeist mit einem dekorativen Schlussstein an der Kreuzung. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes verbessert, und die Gewölbeschalen konnten dünner und damit leichter sein. Die Gurt- und Schildbögen über den vier Außenseiten wurden spitz nach oben gebaut und konnten so die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen erhalten. Mit Einführung des Spitzbogens erfuhr das Kreuzrippengewölbe eine Steigerung der Gestaltungsvielfalt. Außerdem wurden im Laufe der Jahrhunderte reichere Gewölbekonstruktionen entwickelt wie das Netz-, Stern- und Schlinggewölbe.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-k/kreuzrippengewoelbe.php

Spitzbogen

Der Spitzbogen gilt als ein zentrales Element der gotischen Baukunst, die deswegen früher auch als „Spitzbogenstil“ bezeichnet wurde. Spitzbögen sind zwar als Einzelelement bereits aus der Romanik bekannt, dort herrschte jedoch noch die Verwendung von Rundbögen vor. Der Spitzbogen ist konstruktiv eine Annäherung an die Bogenform, die dem günstigen statischen Kräfteverlauf einer Parabel entspricht. Spitzbögen bestimmen das Erscheinungsbild gotischer Bauten und finden sich praktisch durchgängig im Querschnitt aller Gewölbe, in der Form der Fenster- und Portalgewände sowie im Maßwerk. Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden (s.u.).

Strebewerk

Das Strebewerk ist ein weiteres zentrales konstruktives und gestalterisches Element der höher werdenden Kirchenbauten. Es ist ein statisches System, das sich in Strebepfeiler und Strebebogen unterteilen lässt und zur Lastabtragung der Kräfte beiträgt. Es dient bei einer Basilika dazu, den seitlichen Gewölbeschub und die Windlast von Mittelschiff und Hochchor aufzufangen. Die Stabilität der Strebepfeiler wird durch Auflasten erhöht, die als Zierelemente wie Fialen (schlanke, spitz zulaufende, flankierende Türmchen) gestaltet sein können. In das Strebewerk wurden auch die Abläufe für Regen- und Schmelzwasser integriert, das über Wasserspeier im Bogen vom Gebäude wegschießt und so von Mauerwerk und Fundamenten ferngehalten wurde. 

Die Schubkraft aus den Gewölben drückt schräg gegen die Hochschiffspfeiler, die ohne den Gegendruck der Strebebögen, einstürzen würden. Das Entgegenwirken der beiden diagonal verlaufenden Kräfte hebt ihre Kraftrichtungen auf, sodass der resultierende Kräfteverlauf vertikal im Pfeilerkern gehalten werden kann. Dies ermöglicht es die Pfeiler trotz der enormen Höhen so schlank auszugestalten. 

Der Strebebogen dient somit dem Weiterleiten des Gewölbe- und Winddrucks, letzterer nimmt aufgrund der ansteigenden Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu. Der Kräfteverlauf aus beiden Faktoren entspricht einer Parabelkurve, die bei Windstille steil ist, jedoch bei Windeinwirkung flacher wird. Dann sind zwei Strebebögen notwendig, um den auftretenden Horizontalschub widerstehen zu können. Der untere Strebebogen, der in Höhe des Obergadens ansetzt, leitet überwiegend den Gewölbeschub weiter. Der obere, der an der Traufe beginnt, ist wegen des Winddrucks angebracht worden.

Während das Strebewerk in der Frühzeit der Gotik vor allem statische Funktion hatte und nach innen verlagert war, entwickelte es sich später zu einem wichtigen baukünstlerischen Element und wird deutlich hervorgehoben und von außen sichtbar. Die Strebebögen werden ab 1160 bei Chören (Saint Germain des Pres in Paris) und ab 1180 beim Langhaus (Notre Dame in Paris) frei sichtbar oberhalb der Dachflächen angesetzt.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php
http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php

Auflösung der Wand

Bei der Gotik ermöglichten nun die leichtere Bauweise durch Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk und Strebepfeiler eine Verlagerung der tragenden Elemente in den Außenbau, eine starke Reduzierung der Mauerstärken sowie eine weitgehende Durchbrechung der Wände durch Fenster. Die statische Funktion der Bauglieder wird im Innenraum bewusst überspielt, um eine Illusion von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit der Architektur zu schaffen. Im Innenraum wird über den Arkaden zu den Seitenschiffen und zum Chorumgang hin ein als Triforium bezeichneter Laufgang in die Wand eingelassen. In die Außenwand wurde eine Vielzahl großflächiger Fenster eingelassen, die das Gebäude leicht und lichtdurchflutet erscheinen lassen. In der Hochgotik wird schließlich auch noch die Rückwand des Triforiums durchfenstert, sodass die Wand vollständig durchbrochen erscheint. Dennoch ist praktisch jedes Element eines gotischen Baukörpers tragend. Die Baumeister der Gotik schufen neue Konstruktionen durch evolutionäre Weiterentwicklung nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Deswegen stürzten einige Bauten schon während der Bauphase ein (z.B. die Kathedrale von Beauvais) oder mussten nachträglich aufgrund auftretender Risse mit weiteren kraftableitenden Elementen verstärkt werden. Es entsprach aber – wie oben erläutert – ganz dem damaligen Denken des technischen Empirismus, der auch Fehlschläge mit einkalkulierte.

Das Maßwerk und die Fenster

Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird. Das Maßwerk ist ein Element der gotischen Architektur und ist eines der wichtigsten Merkmale der Hoch- und Spätgotik, wo es ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster war. Diese Fenster aus Buntglas stellen abstrakte Bilder dar oder Szenen aus dem biblischen Leben.

In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff „Buntglas“ gewöhnlich Glas, dem bei der Herstellung lichtdurchlässige Farbe hinzugefügt wurde: ein Verfahren, das seinen Höhepunkt in der gotischen Architektur erreichte, in den malerischen erzählenden Fenstern der großen christlichen Kathedralen. Die Kunstfertigkeit der Glasmaler, die solche mittelalterlichen Meisterwerke wie die Fensterrose an der Westfassade der Kathedrale von Chartres schufen, ist in der Tat selten und außergewöhnlich.

Der Künstler (in der Praxis eine Gruppe von Künstlern) überwachte nicht nur den gesamten Produktionsprozess, um die Unversehrtheit und die richtige Pigmentierung des Glases zu gewährleisten, sondern war auch für die Gestaltung, die Komposition und die Effekte der Glasmalerei verantwortlich. Er begann in der Regel mit einer Reihe von Kohleskizzen oder Skizzen) des gewünschten Bildes. Daraus wurde eine Reihe von Entwurfsplänen in Originalgröße erstellt, die in der Regel direkt auf die Oberfläche aufgetragen wurden, die zum Schneiden, Malen und Zusammensetzen des Glasmosaiks verwendet wurde. Besonderes Augenmerk wurde auf die genauen Details und die Farbgebung der in der Glasmalerei dargestellten Bilderzählung gelegt. Es konnte sich dabei um die Darstellung einer biblischen Episode aus dem Alten oder Neuen Testament handeln, um das Leben von Propheten oder Heiligen, um ein Ereignis aus dem Leben Christi oder der Heiligen Familie.

Gewöhnlich wurden auch zusätzliche Symbole oder Motive eingefügt, die die Person oder die Zunft identifizierten, die für das Fenster bezahlt hatte. All dies erforderte eine sorgfältige Vorplanung, bevor der Produktionsprozess begann.

Um die optimale Farbgestaltung eines Glasfensters zu gewährleisten, musste der Künstler außerdem den Winkel, die Menge und die Intensität des einfallenden Lichts beurteilen. Helles Licht erfordert zum Beispiel hellere und dunklere Farben. Dies musste mit der Notwendigkeit eines Farbkontrasts sowie mit der Notwendigkeit, je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Lichtverhältnisse zu schaffen, in Einklang gebracht werden. Kurz gesagt, die Kunst der Glasmalerei umfasste architektonisches Design, Glasherstellung, Farbchemie, Cloisonné -Emaille und ein Dutzend anderer Künste und Handwerke.

Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54491069 Rosette Nord von Chartres
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=321662
Saint Chapelle oberer Teil Von Didier B (Sam67fr) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1109265

Skulpturen in der Gotik

Die Skulpturen wurden zunächst für Kathedralen gefertigt und dort entweder innen oder außen an den Mauern der Kathedrale angebracht. Die gotische Plastik entsteht zunächst aus dem Wunsch heraus, die Fassaden der Kathedralen mit Standbildern, Reliefs und Figuren zu schmücken, die die Heilsgeschichte symbolisieren. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu voll rund gearbeitet sind. Ein Ensemble aus Tympanon, Bogenfries, Säulen, Statuen und Fundamentverkleidung macht das historische gotische Portal aus. Unter den eingemeißelten Themen finden wir neben der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht auch Szenen aus dem Alten Testament, die typologisch mit denen des Neuen Testaments korrespondieren. 

So unmittelbar an die Architektur gebunden stehen die säulenhaften Figuren mit starrem Blick immer im Bezug zum Wandhintergrund, benötigen eine Konsole, auf der sie stehen und einen Baldachin über dem Kopf. Die Figuren wurden zunehmend individualisiert, das heißt, sie bekamen eine eigene Gestik und Mimik, sowie eine eigene Körperhaltung. Die Skulpturen in der Romanik haben keinen Schwung in sich, was bei den Skulpturen in der Gotik anders ist, denn sie haben eine bewegte Darstellung. Mit einer ungezwungenen Eleganz und mit einem weich fließenden Gewand wird die Haltung der Personen in einer leichten S-Kurve dargestellt, was man auch als S-Schwung bezeichnet. Auch an der Kleidung der Skulpturen wurde gearbeitet, denn sie bekamen einen ausgeprägten Faltenwurf, der die gesamte Skulptur lebendiger aussehen ließ. Noch dazu wurden den Skulpturen mehr Details verliehen, sodass sie insgesamt näher an der Realität sind als die Skulpturen der Romanik. Zunächst waren die Skulpturen noch relativ statisch. Doch in der zweiten Hälfe des 14. Jhs. regte ein neuer Realitätssinn dazu an, weitere Gestaltungsmerkmale zu verwenden. 

Westliche Portalanlage von Chartres Von Rolf Kranz - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85693799
Gewände des Mittelportals der Westfassade der Kathedrale von Reims Von Szeder László - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3734097

Auch auf dem Gebiet der Plastik war zunächst Frankreich führend. Berühmte Beispiele sind die West- und Querhausportalfiguren von Chartres – um 1145 – sowie die Figuren der Kathedralen in Reims, Paris und Amiens. Im 13. Jahrhundert zur Stauferzeit schufen auch die deutschen Künstler Meisterwerke der gotischen Plastik.

Allein die 33 lebensgroßen und 200 kleinen Figuren auf einer vergleichsweise kleinen Fläche an den drei großen Westportalen der Kathedrale von Reims zeugen von einer bewundernswerten Kreativität und einem großen handwerklichen Können. Die Säulenstatuen an den drei Westportalen der Kathedrale von Chartres gehören wohl zu den berühmtesten Werken der gotischen Bildhauerei überhaupt. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Sie machten harten Stein geschmeidig.

Und wenn man bedenkt, dass man solch wunderbare Sammlungen gotischer Skulpturen auf hunderten von ähnlichen Kirchen findet, so kann man nur die außergewöhnliche Produktivität der Steinmetze des 13. Und 14. Jhs. bewundern. Viele Leistungen der Künstler in Frankreich, Spanien, England und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender

Die neue Form der Bauhütten

Von besonderer Bedeutung für die Gotik war die Ausbildung von Bauhütten seit dem 13. Jahrhundert, ein Verband aller an einem großen Kirchenbau beteiligten Steinmetzen, Handwerkern und Bauleuten, die unabhängig von der städtischen Zunftordnung und mit einer eigenen strengen Ordnung arbeiteten. Vor allem waren sie an die „Arkandisziplin“ gebunden. Das Arkanprinzip (von lateinisch arcanum – „Geheimnis“) ist der Grundsatz, Informationen nur einem Kreis von Eingeweihten – hier den Mitgliedern der Bauhütte – zugänglich zu machen. Waren bisher überwiegend Mönche oder Priester in die Geheimnisse der Baukunst eingeweiht, so verlagerte sich das Wissen nun zu profanen Baumeistern (sie zeichneten die Pläne – allerdings nicht maßstabgetreu), sowie Steinmetzen, Malern und Bildhauern. Und eben alle diese weltlichen Handwerker, die am Bau eines Gotteshauses beschäftigt waren, schlossen sich zu einer Bauhütte zusammen. Aus dem Zusammenwirken in einer Bauhütte lässt sich u.a. der einheitliche Eindruck gotischen Kathedralen erklären.

Die Leiter der Bauausführung hießen oft Werkmeister (wercmeistere) oder Baumeister; sie gingen zumeist aus dem Steinmetzhandwerk hervor und waren die mittelalterlichen Architekten. Auch Bezeichnungen wie magister operis kamen vor. Bei der Ausführung hatten der Steinmetzmeister (magister lapicidae) und der Maurermeister (magister caementari) sowie der Sculptor  (Bildhauer) Bedeutung. Die Meister der Bauausführung wechselten bei jedem Bauwerk häufiger, schon auf Grund der langen Bauzeiten.

Die Baumeister waren im Grunde die mittelalterlichen Architekten und eigentlichen Schöpfer der Baukunst. Das neue Verständnis und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister zeigten sich auch darin, dass erstmals Baumeister und Künstler namentlich hervortraten. Kennen wir aus der Zeit der Romanik kaum einen Namen, so besaßen in der Gotik zahlreiche Baumeister einen besonderen Ruf und wurden gezielt mit der Errichtung von Kathedralen beauftragt.

Einige bekannte Grössen waren:

  • Meister Gerhard, Meister Arnold, Johannes von Köln, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus van Bueren und Konrad Kuene van der Hallen für den Kölner Dom
  • Wilhelm von Sens für die Kathedrale von Canterbury und von Sens
  • Michael Knab, Wenzel Parler, Hans Puchsbaum, Anton Pilgram und Jörg Öchsl für den Stephansdom in Wien
  • Baumeisterfamilie Parler, die gleich mehrere bekannte Kathedralen mitgestalteten, so das Basler, FreiburgerGmünder, Straßburger und Ulmer Münster sowie den Veitsdom in Prag
  • Werkmeister Guerin von der Kathedrale von St, Denis (13. Jh.), der wohl ersten gotischen Kathedrale
  • Werkmeister Hugues Liebergier (1229–1263) von der Abteikirche St.-Nicaise von Reimes
  • Werkmeister Pierre de Montreuil (um 1250) von der Kathedrale Notre-Dame de Paris
  • Juan Guas für die Kathedralen von Avila und Segovia
  • „Meister Enrique“ von Narbonne (Südfrankreich) für die Kathedralen von Léon und Burgos
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