Der Jakobsweg und sein Bezug zur Geschichte, Kultur und Geographie
An den Anfang diese Blogs möchte ich einige Gedanken stellen, die mich neben dem ganz persönlichen Vergnügen die Vielschichtigkeit der Jakobswege zu entdecken, bewegt haben, diesen Blog zu schreiben.
Klaus Herberts, ein bekannter deutscher Historiker, sagte einmal sinngemäß, viele Pilger übersehen, dass Politik, Kultur, Geschichte und Frömmigkeit schon seit dem Anfang des Jakobskultes eng miteinander verknüpft waren und man diese Facetten auf dem Weg nicht ausblenden sollte.
Und Nooteboom, ein holländischer Schriftsteller und Spanienfreund, meinte,
„wer nicht versucht hat, sich in der labyrinthischen Vielschichtigkeit seiner (Spaniens) Geschichte zu verlieren, weiß nicht wirklich, welches Land er bereist.“ Wenn man es aber versucht, wird es „eine Liebe fürs ganze Leben, das Staunen hört nie auf“.
Macht man sich diese Aussagen ein wenig zu eigen und versteht den Jakobsweg nicht allein als eine Wanderung, auf der man Distanzen zurücklegt, um sich etwas zu beweisen, dann beginnt eine interessante Pilgerreise in die beiden vielschichtigen Länder Spanien und auch Frankreich, auf die ich mich hier beschränke.
Seit ich mich näher mit dem geschichtlichen, kulturellen und geographischen Hintergrund des Jakobsweges beschäftige, hat sich meine Sicht und mein Erleben auf dem Weg grundsätzlich geändert. Ich bin aufmerksamer, ich entdecke Dinge in der Natur, an denen ich vielleicht vorbei gegangen wäre, ich habe eine Vorfreude auf Gebäude, die ich unbedingt besichtigen möchte, ich verstehe vieles besser, weil ich den historischen Hintergrund kenne und vor allem ich genieße es, mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen.
Um die Idee meines Blogs ein wenig zu verdeutlichen, hier einige Beispiele.
Ich war mir zum Beispiel nicht bewusst, dass der Mudéjar-Stil, dem man auf den Wegen an so vielen religiösen und weltlichen Bauten findet, so einzigartig ist. Viele arabische Handwerker blieben nach der Reconquista in Spanien. So konnte sich zwischen dem 12 – 16. Jh. aus dem Zusammentreffen von christlichem und islamischem Kunsthandwerk und Architektur der neue Stil entwickeln, der Materialien, Bauformen sowie Dekor aus der islamischen Architektur mit den Stilelementen der Romanik, Gotik und Renaissance verbindet. Der Mudéjar-Stil ist quasi eine kulturelle Verschmelzung von Ost und West, ein Stil, der nur in Spanien vorkommt. Auf Grund seiner “Universalität, Einzigartigkeit und Authentizität” wurde er 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe. (Im Blog „Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer Architekturstil“)
Ein weiteres Beispiel sind die zahlreichen Eukalytuswälder, die mir z.B. in Galicien begegnet sind. Ich habe den herrlichen Duft genossen, war mir aber am Anfang der potentiellen Gefahren gar nicht bewusst. So brennt der Eukalyptus aufgrund seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Öle, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Galicien ist eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens! Ich denke, wir erinnern uns alle noch an die verheerenden Waldbrände im Jahr 2025! (Im Blog „Die Problematik der Eukalyptusplantagen“)
Dann gibt es diesen Ort – das Kloster San Juan de la Pena auf dem aragonesischen Weg -, an dem Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenspielen und sich vereinen und ihn zu einem einzigartigen mystischen Ort machen. „Genie de Lieu“ nennen die Franzosen so einen Ort, der etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Solch ein Ort ist für mich dieses einsame Kloster in den Bergen. (Im Blog „Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur“)
Im Blog greife ich einige mir wichtig und interessant erscheinende Themen heraus. Die Kapitel sind kurzgefasst und als Einführung in verschiedene Themen zu verstehen z.B. „Die Architektur der Gotik und ihre besondere Geschichte in Frankreich“ bzw. „ihre Geschichte in Spanien“, „Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia“, „Die Arabisierung Spaniens“,„Der Geisterbahnhof von Canfranc“, „Die Unberührbaren – die Cagots“. Vielleicht regen sie dazu an, sich bewusster mit den Jakobswegen auseinanderzusetzen. Meine persönliche Auswahl werde ich fortlaufend ergänzen, in der Hoffnung, dass der ein oder andere Aspekt auch für Sie/Dich interessant ist. Über Anregungen würde ich mich freuen!
Viel Spaß beim Lesen!