Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung
Lage: auf einem Felssporn aus Granitgneis, vom Tajo umflossen
Römerzeit (bis 507)
– Gründung der Stadt 192 („Toletum“) –
– Einrichtung eines Erzbistums (4. Jh.)
– wirtschaftliche Blüte durch Eisenerzvorkommen
– Hochburg der Waffenschmiede („Toledostahl“)
Bauwerk der Römerzeit
– Alcántara Brücke (später mehrfach erneuert)
Westgotenreich (507-711)
– Hauptstadt des Westgotenreiches („Toledanisches Reich“) häufiger Tagungsort von Konzilien (589, 633, 636,638,646, 653, 681, 683, 688, 693, 694), dabei bedeutend: 3. Konzil 589 (Beschluss der Konversion vom Arianismus zum Katholizismus)
Ildefons Erzbischof von Toledo 557-567 wird in der orthodoxen und katholischen gleichermaßen als Heiliger verehrt
Islamische Epoche, Maurenzeit (711-1085)
• Emirat von Cordoba: Toledo – Hauptstadt der Mittleren Mark von Al-Andalus
als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft
• Taifenreich Toledo (1031-1085)
– zunehmende Arabisierung und Islamisierung
– Bevölkerung: Mozaraber (Christen unter
Muslimischer Herrschaft), Juden, Muslime
Bauwerke der Maurenzeit
– Altes Bisagra-Tor
– Santa Cristo de la Luz – Moschee, dann Kirche
Königreich Kastilien (1085-1469)
o – Eroberung Toledos 1085 durch
Kg. Alfons VI. im Rahmen der
Reconquista
o – Lage als kastilische Grenzstadt zum
Islamischen Süden
o – Hauptstadt bis 1561
• Kultursynthese (12./13. Jh.)
o – Arabisch als schriftliche Verkehrssprache
o – Mozaraber (arabisierte Christen)
o – Mudéjaren (Araber unter christlicher Herrschaft)
o – Juden: Vermittlung der überlegenen arabi-
schen Kultur und finanzielle Unterstützung der Könige
• sog. Übersetzerschule: wichtigstes Zentrum der
Wissensbewahrung und Wissensweitergabe
durch Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische
Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten.
Treffpunkt bedeutender Gelehrter der berühmten Universitäten
Paris, Bologna, Oxford
1. Phase: 12. Jahrhundert (1126-1187)
– Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische
– Gerhard von Cremona (1114-1187): Übersetzer
bedeutender antiker Werke (Euklid, Galen, Hippokrates,
Aristoteles, „Almagest“ des Ptolemäus)
– Dominicus Gundisalvus (ca. 1130-1180)
– auch Übersetzung von Werken des Islams in
das Lateinische
2. Phase: 13. Jahrhundert (1252-1284)
• – Alfons X., der Weise als besonderer Förderer
der Wissenschaften
• – Übersetzung ins Spanische – Entwicklung des
Spanischen zur Kultursprache
• – Dominanz astronomischer Werke
Bauwerke der Gotik
Kathedrale (1227-1493)
Bauwerke des Mudéjar-Stils
Kirche San Roman (1200)
Kirche Santiago del Arrabal (1265)
Martinsbrücke (1284)
Synagoge Santa Maria la Blanca (12./13. Jh.)
Synagoge El Transito
Puerta del Sol – Sonnentor (14. Jh.)
Minarett Santo Tomé
Toledo im Königreich Spanien (seit 1469)
• einerseits Niedergang und Intoleranz
• – Pogrome gegen Juden im 15. Jh., schließlich 1492 Vertreibung der Juden
• – Konversionszwang oder Exil der Muslime (1502)
• – Zentrum des Comunero-Aufstandes (1520-1522) gegen die Herrschaft Karls V
• – Verlegung der Hauptstadt nach Madrid (1561) unter Philipp II
• – Vertreibung der Morisken [zum Christentum zwangskonvertierte Mauren (1609)
• andererseits Glanzpunkte christlicher Kultur
• Katholische Könige: Franziskanerkloster, monumentale Grabeskirche geplant (Gräber jedoch in Granada)
• Umwandlung von Palästen in Kirchen und Klöster
• letzter kultureller Höhepunkt im signo de ora
• Wirkungsstätte des Malers El Greco (1541- 1614) ab 1577
Bauwerke der Spätgotik
San Juan de los Reyes 1476-1504 isabell. Stil
Bauwerke der Renaissance
Hospitals Santa Cruz 1514
Alcazar 1537, Wiederaufbau im 18. Jh.
Hospital de Tavera 1548
Neues Bisagra Tor 1562
Prägende Kunstepochen in Toledo
• Mudéjar-Stil (ca. 10. Jh. bis 16. Jh.): maurische Kunst unter christlicher Herrschaft, Mudéjares=Mauren, die unter den Christen arbeiten, Merkmale: Backstein, glasierte Ziegel (azulejos), Hufeisenbögen, Stern-Rippengewölbe, ornamentale Stuckdekoration, Artesonado-Decken (kunstvoll verzierte Holzdecken), minarettartige Türme. Toledo ist eine der Städte, wenn nicht die Stadt, mit der größten Vielfalt an Mudéjar-Kunst.
• Gotik (ca. 12.Jh.- 16.Jh.): Bau der Kathedrale (1227-1493)
• Isabellinischer Stil: (ca. 1480-1510) Sonderform der spanischen Gotik, Merkmale: blütenförmige Rippengewölbe, filigrane Ornamentik, Wappendekor
• Plateresker Stil: (ca. 1510-1560), spezieller Stil der spanischen Frührenaissance , Mischung aus gotischen, maurischen und Renaissance-Elementen, eine besonders feine Ausarbeitung der Fläche