Da wir gestern neben dem Besuch des Klosters St. Jean de la Pena eine relative lange und anstrengende Wanderung hinter uns hatten, beschließen wir, es heute langsamer angehen zu lassen und nur eine kurze Strecke zu wandern. Dadurch erreichen wir unser Ziel – die Herberge in Arrés – schon um die Mittagszeit.
Arrés liegt wie die meisten Dörfer in dieser Region auf einem hier felsigen Bergrücken auf 632m Höhe. Es wurde als Wehrdorf angelegt. Die Kirche ist der heiligen Colomba geweiht.
Erstmalige Erwähnung findet er 850 in der Chronik des Klosters San Juan de la Pena. Ein Dokument vom 15. Mai 1090 berichtet vom Austausch einiger Besitzungen zwischen dem Kloster und König Sancho Ramírez, darunter Arrés. Es wechselte häufig den Besitzer. Für 1294 ist ein weiterer Wechsel bekannt: von Artal de Aragón ging es über an König Jaime II. von Aragon, Ende des 15. Jahrhunderts gehört es schließlich zum Kloster Nuestro Señorío de Rueda. Der nie große Ort zählte im 16. Jahrhundert drei Haushalte.
Im Lauf der 1990er Jahre bauten Freiwillige das ehemalige Dorfschullehrerhaus wieder auf und richteten dort eine Pilgerherberge ein. Der stete Durchstrom der Pilger seit Eröffnung der Herberge scheint dem Ort bei seiner Wiederbelebung zu helfen. Inzwischen wurden und werden auch andere Häuser wieder bewohnbar gemacht. Heute leben dort wieder ca. 35 Einwohner. Auf der Spitze des Hügels befindet sich die Bar-Restaurant El Granero del Conde.
Die Herberge hat 22 Betten, ist klein und einfach eingerichtet. Sie arbeiten hier auf Spendenbasis. Soviel zu den „nüchternen“ Daten.
Da wir schon zur Mittagszeit in Arrés ankommen, ist die Herberge noch geschlossen. So wandern wir hinauf zur Bar. Wir stellen einen Tisch der Bar auf ein kleines Plateau in die Sonne, holen uns Essen und Trinken in der Bar und genießen die Ruhe und die herrliche Aussicht über das unter uns liegende Tal und die Pyrenäen in der Ferne.
Nach und nach treffen weitere Pilger ein. So sind wir dann beim leckeren Abendessen fünf deutsche Pilger, ein Franzose, ein italienischer und ein spanischer Hospitalero. Es entwickelte sich in interessantes Gespräch mit einem Sprachengemisch aus deutsch, spanisch und französisch. Neben den üblichen Gesprächen über den Weg wird auch über die Geschichte Spaniens und über die Wunden, die der spanische Bürgerkrieg 1936-39 hinterlassen hat und die auch heute noch nachwirken. So wird auch in Spanien – wie auch in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg – ein wenig der Mantel des Schweigens über diese Zeit gelegt. Das gemütliche Beisammensein und die interessanten Gespräche in einer Herberge, das ist die Situation, die den Jakobsweg auch zu etwas Besonderem machen. Hier in Arrés haben wir sie gefunden. (Leider läuft es nicht in jeder Herberge so.) Anscheinend strömt diese Herberge eine besondere Atmosphäre aus, denn in den Forem finde ich aus 2023 u.a. folgende Bemerkung:
„A memorable evening with a wonderful dinner and companionship at the very welcoming Hospital de Peregrinos.“ Dem können wir uns nur anschließen!