Der “Galo de Barcelos” ist eines der bekanntesten Symbole Portugals. Er wird normalerweise als bunter Keramikhahn dargestellt, der mit vielfältigen Mustern, darunter Herzen und Blumen, verziert ist. Die leuchtenden Farben und die detaillierte Arbeit, die in jede Figur fließen, machen jeden Hahn einzigartig.
Die Figur des Hahns symbolisiert laut der Legende Glaube, Gerechtigkeit und Optimismus. Sie ist ein Zeichen für die Hoffnung in scheinbar ausweglosen Situationen und ein Appell an das Gewissen und die Gerechtigkeit. Darüber hinaus steht der Hahn als morgenländischer Vorbote für einen neuen Anfang und Positivität. Es ist eine typisch portugiesische Tradition, einen “Galo de Barcelos” als Glücksbringer zu kaufen oder zu verschenken.
Die Legende vom Hahn von Barcelos
Es war einmal ein Mann aus Galizien, der in die Stadt Barcelos kam. Er war aber nicht irgendein Mann, sondern ein braver Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela, um dort ein Gelübde zu erfüllen. Doch die Leute in Barcelos trauten ihm nicht und hielten ihn für einen Dieb. Obwohl er immer wieder beteuerte, unschuldig und nur ein frommer Pilger zu sein, glaubten sie ihm nicht und gaben ihn zur Strafe den Behörden ab.
Der Richter, der sein Urteil fällen sollte, war ein harter Mann, der nicht leicht zu überzeugen war. Auch als der arme Pilger vor ihm stand und seine Unschuld bekräftigte, blieb der Richter unbeeindruckt. Er wollte gerade mit seinen Freunden ein Festessen beginnen und hatte keine Zeit für die Beteuerungen des Pilgers. Doch der Pilger blieb standhaft und sagte dem Richter mit fester Stimme: “So wahr wie ich unschuldig bin, so wahr wird dieser gebratene Hahn auf deinem Tisch krähen, wenn ich gehängt werde.”
Natürlich lachten alle Anwesenden über diese Behauptung. Ein gebratener Hahn, der kräht? Das schien unmöglich. Doch dann geschah das Unglaubliche: Genau in dem Moment, als der Pilger gehängt werden sollte, erhob sich der gebratene Hahn auf dem Festmahlstisch des Richters und krähte laut. Alle waren sprachlos, allen voran der Richter. Er erkannte seinen Irrtum und rannte zum Stadtplatz, um die Hinrichtung zu stoppen. Da sah er, dass ein Knoten im Strick das Zugehen desselben verhindert hat. Sofort ließ er den Pilger freilassen und entschuldigte sich bei ihm.
Einige Jahre später kehrte der Pilger nach Barcelos zurück und widmete der Stadt aus Dankbarkeit ein prächtiges Denkmal. Dieses Denkmal wurde später zu Ehren von Santiago und der Jungfrau Maria geweiht. Und so erinnert die Geschichte des Hahns von Barcelos noch heute an das Wunder, das sich einst in dieser Stadt ereignete.
Die Legende vom Hahn von Barcelos wird natürlich nicht wörtlich geglaubt, ist aber ein wichtiger Teil der portugiesischen Kultur aufgrund der moralischen Werte, die sie enthält. Die Legende handelt von einem immer wiederkehrenden portugiesischen Thema und berührt Aspekte des täglichen Lebens, wie Gerechtigkeit, Stolz, Schicksal und dialektischen Wunderglauben, die in Portugal hohe Wertschätzung genießen. Zugleich spiegelt die Legende den spielerischen und distanzierten Umgang der Portugiesen mit weltlichen und religiösen Hierarchien wider. So stehen hier die Menschlichkeit und der Humor der einfachen Bevölkerung gegen den ihr gegenüber distanzierten, oft willkürlich wirkenden Eliten.
Der Hahn als Kämpfer
Man findet aber auch häufig Skulpturen von kämpfenden Hähnen. Das hat nichts mit dem Hahn von Barcelos zu tun, sondern gehört zu einer älteren und allgemeineren Symbolik des Hahns, die in Portugal auf besondere Weise mit Volkskunst und – historisch – auch mit Hahnenkämpfen als volkstümliche Unterhaltungstradition verbunden ist.
Der Hahn verkörpert traditionell Eigenschaften wie Mut, Stolz, Kampfgeist, Wachsamkeit und Revierverteidigung. Zwei aufeinander losgehende Hähne verstärken diese Bedeutung: Es geht um Konkurrenz, Ehre und die Auseinandersetzung zweier gleich starker Kräfte.
Man kann sagen:
Der bunte Hahn von Barcelos trägt eher die Botschaften:
Wahrheit – Gerechtigkeit – Glaube – Hoffnung – Rettung.
Die kämpfenden Hähne dagegen eher die Botschaften
Mut – Kraft – Stolz – Rivalität – Durchsetzungswillen.
Auf jeden Fall hat der Hahn in der portugiesischen Tradition immer eine starke Rolle gespielt.
Der Ursprung der Jakobsmuschel als Symbol der Pilgerschaft
Der Portugiesische Weg entlang der Küste erzählt die berühmte Legende vom Ritter der Muscheln. Die Jünger Athanasius und Theodore waren auf dem steinernen Floß mit den sterblichen Überresten des Apostels in Richtung Norden unterwegs, als sie auf der Höhe des Fischerdorfes Bouzas, heute einer der reizvollsten Stadtteile von Vigo, am Ufer auf die Feierlichkeiten einer Hochzeit stießen.
Die Teilnehmer spielten “abofardar”, ein Reiterspiel, das darin bestand, einen Speer oder “bofarda” (Lanze) in die Luft zu werfen und ihn zu Pferd im Galopp aufzufangen, bevor er auf dem Boden aufschlug. Als der Bräutigam an der Reihe war, lenkte eine Windböe den Speer ins Meer ab. Aber der junge Mann, fest entschlossen zu gewinnen, verfolgte ihn und versank dabei in den Wellen.
Die Zeit verging und weder der Bräutigam noch sein Reittier kamen aus dem Wasser, also schien alles darauf hinzudeuten, dass die Hochzeit in einer Tragödie enden würde. In diesem Moment näherte sich das Steinboot der Stelle, an der er versunken war, und das Wunder geschah: Beide tauchten mit Muschelschalen bedeckt aus dem Wasser auf.
Später erklärten die Jünger des Apostels, dass alle Menschen, die sich entschlossen, nach Santiago de Compostela zu pilgern, diese Muschel als Zeichen der Verehrung und in Erinnerung an dieses Wunder tragen sollten. So entstand eines der repräsentativsten Elemente des Jakobsweges. (s. auch Kapitel Jakobsmuschel)