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Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Hier kommt die Zuordnung

Die Geschichte des Christentums in Spanien zwischen 500 und 1500 ist geprägt von politischen Umbrüchen, religiösen Konflikten und kultureller Vielfalt. In dieser Zeit entwickelte sich das Christentum unter wechselnden Herrschaften und im Spannungsfeld mit dem Islam und dem Judentum.
Und wie kommt es, dass Spanien dann ein Land wurde, wo die Vereinheitlichung des katholischen Christentums im Vergleich zu anderen Ländern so stark war?


1. Westgotisches Reich (ca. 500 – 711)
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches übernahmen die Westgoten die Kontrolle über große Teile der Iberischen Halbinsel. Die Westgoten wanderten um 500 von Südfrankreich, aus dem sie vertrieben wurden, nach Spanien ein, besiegten die Römer und breiteten sich über fast die ganze Halbinsel aus. In Toledo etablierten sie die Hauptstadt ihres Reiches, das auch Toledanisches Reich genannt wurde.
Anfangs waren sie Anhänger des Arianismus, einer vom römischen Christentum abweichenden Glaubensrichtung, die Jesus nicht als gleichwertig mit Gott anerkannte. So gab es zunächst zwei Religionsrichtungen, der westgotische Adel, der arianisch war, und die römische Bevölkerung, die katholisch war. Das führte zunächst zu Spannungen. Der Wendepunkt kam dann als König Rekkared I. 589 zum Katholizismus übertrat, eine Entscheidung, die beim 2. Konzil von Toledo offiziell gekannt gemacht wurde.
Das war wichtig, da dadurch eine religiöse Einheit im Land geschaffen wurde. Kirche und Staat waren eng miteinander verbunden und die Bischöfe gewannen großen Einfluss. Unter der Herrschaft Rekkareds kam es allerdings auch zu einer unerbittlichen Kampagne gegen alle Nichtchristen, vor allem die Juden. Einst eine tolerierte Minderheit, die mit den Römern ins Land kam und erfolgreiche Händler hervorbrachte, wurde nun verfolgt, ihrer Rechte und Besitzungen beraubt und gezwungen zum Christrum zu konvertieren.

= Es entstand so in Spanien ein starkes vom Staat gestütztes Christentum.

https://www.oteripedia.de/images/thumb/3/36/Map_Westgotenreich.jpg/800px-Map_Westgotenreich.jpg

2. Islamische Herrschaft (711 – ca. 1300)
Die Invasion muslimischer Truppen unter Tariq ibn Ziyad (711) und der anschließende Feldzug unter Musa ibn Nusayr zerschlugen das westgotische Königreich innerhalb weniger Jahre. Die Ursachen waren komplex: innere Thronfolgekonflikte, eine geschwächte Aristokratie und eine durch politische Spannungen zerrissene Kirche. Um 1000 war fast ganz Spanien von den Mauren besetzt und wurde zu „Al Andalus“.
Es folgte zunächst eine Zeit der friedlichen Koeistenz der Religionen. Diese Periode wird auch als „la convivencia“ bezeichnet, eine Zeit, in der die drei Religionen relativ friedlich miteinander lebten und von der Anwesenheit der anderen Religionen profitierten. Bildung, Wissenschaft und Fortschritt florierten. Besonders im Kalifat von Córdoba (10. Jh.) war die Gesellschaft relativ tolerant und kulturell hochentwickelt (Wissenschaft, Philosophie).

Wie lebten Christen unter muslimischer Herrschaft?
Christen wurden zu sogenannten Mozarabern, unter dem Islam lebende Christen.
Ihre Rechte waren allerdings eingeschränkt. Auf der einen Seite durften sie ihren Glauben ausüben und ihre Kirchen behalten, allerdings keine neuen bauen, anderseits mussten sie Sondersteuern zahlen und eine politische Unterordnung akzeptieren. Viele Christen übernahmen im Laufe der Zeit auch die arabische Sprache und Lebensweise. Je nachdem welche muslimische Herschaftsdymnastie in Spanien herrschte war das Zusammenleben mehr oder weniger konfliktbehaftet und auch die religiösen Einschränkungen größer oder kleiner.
Die Mozaraber entwickelten ein System kirchlicher Selbstverwaltung unter Fremdherrschaft (Dhimmi-Status), das in Westeuropa ohne Parallele ist. Während fränkische, angelsächsische oder germanische Kirchen mit christlichen Fürsten verhandelten, musste die iberische Kirche ihre Existenz gegenüber einem islamischen Staat rechtfertigen. Die iberische Theologie musste sich permanent mit islamischen Gotteskonzeptionen und dem Koran auseinandersetzen. Dies führte zum einen zu einer Aptation von Einflüssen zum anderen aber auch zu einer innerkirchlichen Auseinandersetzung gegen diese Einflüsse.

Die verschiedenen Bezeichnungen der religiösen Zuordnung weisen auf diese kulturelle gewisse Durchmischung hin.
Muladies: zum Islam konvertierte Christen („zwischen zwei Welten geboren“)
Moriscos: zum Christentum konvertierte Muslime („maurisch“)
Mozarabes: unter dem Islam lebende Christen („arabisiert“)
Mudéjares: unter dem Christentum lebende Muslime („jemand, dem das Bleiben gestattet ist)

= Es entstand eine Mischkultur aus Islam, Christentum und Judentum, aber das Christentum war unter islamischer Herrschaft eingeschränkt.

https://agustinadearagonschool.blogspot.com/2017/05/life-in-al-andalus.html

3. Die Reconquista und die Entstehung der christlichen Königreiche (718–c. 1100)

Die Keimzelle im Norden
Im Jahr 722 – so die christliche Überlieferung – soll die Schlacht von Covadonga stattgefunden haben, in der ein westgotischer Adliger namens Pelayo muslimische Truppen besiegte. Historisch ist dieses Ereignis wohl stark mythologisiert, doch es markierte symbolisch die Entstehung des Königreichs Asturien im kantabrischen Bergland – der ersten dauerhaften christlichen Herrschaft nach dem westgotischen Zusammenbruch.
Die asturischen Könige verstanden sich bewusst als Erben der Westgoten (Neo-Gotismus) und beanspruchten die Wiederherstellung des alten Hispaniens als ideologisches Programm. Dies verlieh der Reconquista eine religiöse und dynastische Legitimation, die weit über reine Territorialpolitik hinausging. Aus dem Königreich Asturien gingen später durch Teilungen und Heiraten die Reiche León, Kastilien, Navarra und Aragonien hervor, während im Nordosten die Katalanischen Grafschaften unter fränkischem Einfluss entstanden.

Die Rolle der Kirche im Wiederaufbau
Die Reconquista wird zwar oft als religiös motivierter „Kreuzzug“ der Christen gegen die Muslime dargestellt. Eine kritische Analyse zeigt jedoch, dass Religion zwar eine wichtige Rolle spielte, aber eng mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren verflochten war. Mit der territorialen Expansion nach Süden gingen intensive Kirchengründungen und Klosterbauten einher. Besonders bedeutsam war:
Die Entdeckung des vermeintlichen Apostelgrabes in Santiago de Compostela (9. Jahrhundert): Das Grab des Apostels Jakobus (Sanctus Iacobus) wurde zur mächtigsten religiösen Legitimationsressource der Reconquista. Santiago entwickelte sich zum dritten Hauptpilgerziel der Christenheit nach Rom und Jerusalem und verband die iberische Kirche nun fest mit dem lateinischen Westen.
Das Klosterwesen – unter den Benediktinern und vor allem den Zisterziensern – wurde zum Zentrum von Schriftkultur, Landerschließung und wirtschaftlichem Aufbau.

= Das Christentum wurde wieder politisch aktiv und expandierend.

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

4. Hochphase der Reconquista (1100–1300)

Jetzt wurde der Konflikt klar religiös aufgeladen. Das zeigt sich z.B. darin, dass im Verlauf der Reconquista das Bild des „Santiago Matamoros“ (Maurentöter) entstand. Legenden berichteten, Jakobus sei in Schlachten erschienen und habe den Christen zum Sieg verholfen. Diese Darstellung hatte eine klare Funktion: Sie legitimierte den Kampf religiös und motivierte Kämpfer, indem sie den Krieg als göttlich unterstützt darstellte. Herrscher nutzten den Jakobus-Kult gezielt, um ihre Macht zu stärken. Die Verbindung von Religion und Herrschaft verlieh militärischen Unternehmungen zusätzliche Legitimität. Zudem wurden die Christlichen Königreiche – unterstützt durch Ritter aus ganz Europa -stärker und besser organisiert.
Ein wichtiges Ereignis in der Reconquista war die Rückeroberung Toledos im Jahr 1085 durch den kastilischen König Alfons VI. Als ehemalige Hauptstadt des Westgotenreiches war die Einnahme ein symbolischer Sieg für die Christen.1088 bestätigte Papst Urban II. den Erzbischof von Toledo als Primas der spanischen Kirche.
Die Schlacht bei Las Navas de Tolosa war dann der entscheidende Wendepunkt. 1212 wurden die Almohaden (eine muslimische Dynastie in Nordafrika und Spanien) von den vereinigten Armeen Kastiliens, Aragons, Navarras und Portugals vernichtend geschlagen. Danach schrumpfte innerhalb weniger Jahrzehnte das islamisch beherrschte Gebiet auf das Emirat von Granada zusammen.

Religiöse Veränderungen werden deutlich.
In eroberten Gebieten wurden Moscheen zu Kirchen umgewandelt. Die Kathedrale von Toledo, ein bedeutendes gotische Bauwerk, wurde ab 1226 an der Stelle einer früheren Hauptmoschee errichtet. Die Umwandlung der berühmten Moschee von Cordoba (Mezquita) in eine Kathedrale erfolgte 1236 nach der Eroberung der Stadt. Es wurden neue Bistümer gegründet. In den eroberten und teilweise entleerten Gebieten wurden christliche Siedler aus ganz Europa, vornehmlich aus Frankreich, angesiedelt. War der Umgang mit Muslimen und Juden anfänglich noch friedlich, kam es später zu einer zunehmenden Diskriminierung und in größerem Maße zu Zwangsbekehrungen.

Im Kontext der gregorianischen Kirchenreform und unter starkem Druck Roms sowie des Kluniazenserordens (Benediktiner aus Cluny) wurde die iberische Kirche tiefgreifend umgestaltet. Die erstrebte Herauslösung der dem Papst untergebenen Kirche aus der Abhängigkeit von weltlichen Gewalten ging mit einer innerkirchlichen Stärkung der Stellung des Papsttums und einer starken Zentralisierung der Kirchenorganisation einher.
In Spanien war die Ablösung der mozarabischen Liturgie durch den römischen Ritus ein Schlüsselereignis, denn es bedeutete die vollständige Integration der iberischen Kirche in die lateinische Christenheit (Latinitas) und somit den Bruch mit einer jahrhundertealten eigenständigen Tradition und die Unterordnung unter die päpstliche Autorität.

= Das Christentum in Spanien wird in die europäische lateinische Christenheit eingegliedert.

https://www.espanaguide.com/images/cordoba/mezquita.jpg

5. Wandel im Spätmittelalter und religiöse Vereinheitlichung (1300–1500)
Gegen Ende der Reconquista – besonders unter Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón – gewann Religion stärker an Bedeutung. So setzte die Eroberung Granada 1492 einen Schlusspunkt der maurischen Herrschaft in Spanien. Die Spanische Inquisition wurde eingerichtet (1478), um religiöse Einheit durchzusetzen. Die zunehmende religiöse Vereinheitlichung mit dem Ziel die „Reinheit des Glaubens“ in Spanien zu sichern ging einher mit einer massiven Intoleranz gegenüber Juden und Muslimen. Sie wurden vor die Wahl gestellt entweder Taufe oder Exil. Aber auch wenn sie konvertiert waren, wurden sie mit Mistrauen bedacht. Die Katholischen Könige, stets geschickte Taktiker, nutzten dieses Gefühl aus. 1478 erwirkten sie erstmals eine päpstliche Bulle von Sixtus IV. zur Gründung die Inquisition, um gegen Konvertiten vorzugehen, deren Bekehrung als unaufrichtig galt.
Denn die sogenannten „Conversos“ standen unter dem Verdacht, nicht wirklich bekehrt zu sein und heimlich religiöse Handlungen ihrer abgelegten Überzeugung zu vollziehen. Der Reichtum der Konvertiten weckte Neid und ihre unsicheren Bekehrungen Hass in einer Bevölkerung, die sich traditionell als Verteidiger des Christentums gegen die Ungläubigen sah. Die Förderung einer einheitlichen katholischen Religionsausübung blieb in den folgenden Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Staat und Kirche. Die Reformation konnte sich in Spanien nicht durchsetzen; keine andere Nation blieb gegenüber den Ideen der Reformation weniger empfänglich.
Übrigens, die Inquisition existierte formal von 1478 – mit Unterbrechungen zu Beginn des 19. Jhs. – bis 1834.

= Spanien wurde offiziell ein streng katholisches Königreich.

Wichtige Entwicklungen im Überblick


• Vor 711 war Spanien überwiegend christlich unter den Westgoten.
• Nach der muslimischen Eroberung entstand Al-Andalus. Über mehrere Jahrhunderte konvertierten viele Christen zum Islam, sodass Muslime zeitweise wahrscheinlich die Mehrheit bildeten.
• Juden lebten sowohl unter christlicher als auch unter muslimischer Herrschaft als bedeutende Minderheit, meist zwischen 2 % und 5 %.
• Mit der christlichen Reconquista wurden Muslime und Juden zunehmend verdrängt oder zwangskonvertiert.
• 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben; 1609 folgte die Vertreibung der Moriscos (zwangschristianisierte Muslime). Dies führte zu einer dominierenden und ausschließlichen Staatsreligion.


Diese Entwicklung war eng verbunden mit Kriegen, politischer Macht, kulturellem Wandel und gesellschaftlicher Entwicklung. Dabei ist wichtig, dass Spanien im Mittelalter das einzige multiethnisches und multireligiöses Land Westeuropas war. Ein Großteil der Entwicklung der spanischen Zivilisation in Religion, Literatur, Kunst und Architektur im späten Mittelalter wurzelte in dieser Tatsache.

Die genauen Anteile der Religionen in Spanien im Mittelalter lassen sich nicht exakt angeben. Die groben Schätzungen von Historiker ergeben folgendes Bild:

Zeitraum

Christen

Muslime

Juden

ca. 500 (Westgotenreich)

~95–99 %

0 %

~1–5 %

ca. 750 (kurz nach der muslimischen Eroberung)

~85–90 %

<10 %

~2–5 %

ca. 1000 (Blütezeit von al-Andalus)

~35–50 %

~45–60 %

~5 %

ca. 1100

~20–35 %

~60–80 %

~5 %

ca. 1300 (Reconquista weit fortgeschritten)

~70–80 %

~15–25 %

~3–5 %

1492 (Fall Granadas)

~90 %+

kleine Minderheit

~1–2 %

nach 1609

fast ausschließlich Christen

offiziell 0 %

offiziell 0 %

Das iberische Christentum als Sonderfall in Europa

Spanien ist deshalb ein Sonderfall in der christlichen Gemeinschaft, weil:
es über Jahrhunderte multireligiös war
• Religion eng mit Krieg, Herrschaftslegitimation und Identität verbunden wurde
• es am Ende eine der strengsten religiösen Vereinheitlichungen Europas entwickelte.

Während viele Regionen Europas langsam christianisiert wurden, war Spanien ein Ort von
Konflikt, Austausch und schließlich radikaler Vereinheitlichung. Die dauerhaften Spannungen zwischen den Religionen, den Kulturen, den militärischen Positionen erzeugten eine religiöse Identität, die intensiver, kämpferischer, eigenständiger und gleichzeitig kultureller war als die der kontinentalen Schwesterkirchen. Diese Identität, die u.a. auch auf dem Verständnis der „Reinheit des Blutes“ beruhte, ging im späten 15. Jahrhundert mit der Reconquista-Vollendung (1492), der Inquisition und dem entstehende Kastensystem in den Kolonien der Neuen Welt in eine neue, welthistorische Phase über, die wiederum ohne das mittelalterliche Erbe nicht denkbar ist.

Die Verteilung der Religionen in Spanien heute

Ungefähr sieht die Verteilung derzeit so aus:
• etwa 55–56 % Katholiken
o davon nur rund 15–20 % praktizierend
o der größere Teil bezeichnet sich als „kulturell“ oder nicht praktizierend katholisch
• ca. 39–40 % konfessionslos
o darunter Atheisten, Agnostiker und religiös Indifferente
• etwa 3–5 % andere Religionen
o vor allem Muslime, außerdem Protestanten, Orthodoxe, Buddhisten und Juden

Wichtige Trends in den letzten 50 Jahren:
• Spanien war bis in die 1970er fast vollständig katholisch (über 70%).
• Seitdem nimmt die Säkularisierung stark zu.
• Besonders junge Menschen sind oft konfessionslos.
• Gleichzeitig wächst die religiöse Vielfalt durch Einwanderung.

Im Gegensatz zu den Zahlen sind viele Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit weiterhin präsent, oft verbunden mit lokalen Festen. Zahlreiche katholische Kulturpraktiken sind in der Bevölkerung präsent, wie katholische Taufen und Beerdigungen, Prozessionen in der Karwoche, Pilgerfahrten (wie der Jakobsweg ), Verehrung von Schutzheiligen und Feste.

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Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Hier kommt die Zuordnung

Wer war dieser Elias Valina Sompredo (* 2. Februar 1929; † 11. Dezember 1989)?
Elias Valina Sampedro ist der Visionär, der in den 70iger Jahren des 20. Jhs. den Jakobsweg wiederbelebte und die Pilgerfahrt, wie wir sie heute kennen, ins Leben rief. Er wurde 1929 in der Nähe von Sarria geboren. Mit einer fundierten Ausbildung war Elías promovierter Theologe und Experte für Kirchenrecht. Nach der Priesterweihe wurde er 1959 im Alter von 30 Jahren Pfarrer in O Cebreiro, einem einfachen abgelegenen Bergdorf direkt am Eingang des Französischen Weges in Galicien. Ein Erklärung, warum er, der auf Grund seiner Qualifikation für ein höheres kirchliches Amt prädestiniert war, nach O Ceibreiro versetzt wurde, konnte ich nicht finden. Er verstarb am 11. Dezember 1989 in O Cebreiro, wo er in seiner Basilika Santa Maria Real begraben wurde. Vor dem Gotteshaus erinnert eine Statue an diesen Mann, der die verschiedenen Förderer des Jakobswegs maßgeblich prägte und vielen noch heute als Vorbild dient. Valiña starb mit Mitte sechzig und konnte die Früchte seiner Arbeit und seines Engagements für die Wiederentdeckung, Förderung und Verbreitung des Jakobswegs nur teilweise miterleben. Ob er allerdings mit der heutigen Entwicklung des von ihm favorisierten Camino Francés zufrieden wäre, ist zumindest zweifelhaft

Von vicky_petereit - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1333101

Persönlich zeichnete sich Elias Valina wohl durch eine bemerkenswerte Einfachheit, Offenheit und Klarheit in Denken und Handeln aus. Er wird als unermüdlich beschrieben, als ein geborener Arbeiter an allen Fronten, der sich auch nicht vor Konfrontationen mit der amtlichen Kirche scheute. Für sein Handeln war die Vision einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Pilgerfahrt von entscheidender Bedeutung. Leider gibt es bis heute kein umfassendes, abgerundetes und im Kontext der damaligen Zeit erstelltes Porträt von Elías Valiña. So bleiben einige Aussagen doch recht vage und bestimmte Ungereimtheiten lassen sich nicht klären. Eine Zusammenstellung von Artikeln, Dokumentationen, Bildern und eine Dokumentarfilm über Elias Valina findet man unter: https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

Sein Weg
Nachdem Elias Valiña nach O Cebreiro versetzt wurde, wurde er sofort aktiv und begann den Ort grundlegend zu verändern. Er rettete die baufällige vorromanische Kirche vor dem Einsturz und renovierte die Nebengebäude. Außerdem sorgte er durch seinen Einsatz bei Regierung, Kirche und Versorgungsunternehmen für Wasser, Strom und Verkehrsanbindung in der Gemeinde.
Aber er war nicht nur Priester, sondern auch Historiker, Forscher und Schriftsteller. Er war besonders an der Geschichte des Jakobsweges interessiert und verfasste kultur-wissenschaftliche Schriften zum Jakobsweg, zu denen u.a. seine Dissertationsschrift von 1965 El Camino de Santiago. Estudio histórico-jurídico gehört, und den Guia del Peregrino, den ersten modern Pilgerführer für den Camino Francés. Seine Doktorarbeit, die er 1965 an der Päpstlichen Universität Salamanca verteidigte, wurde mit dem angesehenen Antonio-de-Nebrija-Preis des CSIC ausgezeichnet.

Neben seinen Forschungen verfolgte Elías eine ganz persönliche Mission: dem alten Jakobspilgerweg in Nordspanien, der damals stark in Vergessenheit geraten war, neues Leben einzuhauchen. Er bereiste den heute „Camino Francés“ genannten Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zu Fuß und im Kleinbus und orientierte sich dabei anhand historischer Karten, verfallener Kirchen und Ortsnamen. So restaurierte er zahlreiche verlorene Abschnitte dieser Route von Frankreich bis Galicien und markierte den Weg mit dem gelben Pfeil. Dabei wurde er von Bürgermeistern, Pfarreien und Pilgervereinen unterstützt. Dies geschah Ende der 70er und Anfang der 80iger Jahre. Unterwegs knüpfte er Freundschaften mit Menschen und baute so langfristig ein Netzwerk von Unterstützern auf, die wie er die Idee des Jakobsweges wiederbeleben wollten. Ihm verdankt die iberische Halbinsel somit nicht nur die Belebung der Jakobspilgerschaft sondern auch den Wiederaufbau eines Pilgerherbergsnetzes entlang des Camino Santiago. Die treibende Kraft hinter der weiteren Wiederbelebung waren auch die aufstrebenden spanischen und europäischen Jakobinervereinigungen, die Elías Valina unermüdlich als Verteidiger des Weges und seiner Werte gefördert hatte. Diese Vereinigungen, in denen Elias Valiña von 1985 bis 1987 als Kommissar des Jakobswegs fungierte, legten auf dem renommierten Ersten Internationalen Jakobinerkongress im September 1987 den Grundstein. Dieser Kongress fiel zeitlich mit der Erklärung des Jakobswegs zur Ersten Europäischen Kulturroute durch den Europarat zusammen.

Der gelbe Pfeil
Eines der bekanntesten Vermächtnisse von Elías Valiña ist der gelbe Pfeil als Wegweiser für Pilger. Er selbst, mit Pinsel und der Hilfe von Freiwilligen, malte Hunderte davon von Roncesvalles bis Santiago. Auch wenn nicht sicher ist, ob er der erste war, so war er doch derjenige, der die gelben Pfeile verbreitete und als Symbol des Weges etablierte. Es gibt eine legendäre Geschichte, wonach er in den Pyrenäen von der Guardia Civil beim Pfeile malen aufgegriffen wurde. Auf die Frage, wer er sei und was er da mache, soll er denen, die ihn als Kollaborateur der ETA verdächtigten, provokativ geantwortet haben: „Ich bereite eine Invasion vor“. Betrachtet man die Entwicklung der Jakobsbewegung gerade auch in den letzten Jahren, kann man ihn mit Fug und Recht als Visionär bezeichnen.
Neben den praktischen Tätigkeiten prägte er auch eine Vision des Weges als spirituellen, kulturellen und menschlichen Begegnungsraum. 1966 eröffnete er in O Cebreiro eine Herberge und ein Gasthaus für Pilger. Seine Herberge setzte Maßstäbe für viele gemeinnützige Pilgerherbergen.

„Boletín del Camino de Santiago“
Ab 1985 förderte er als Koordinator des Jakobswegs die Gründung der meisten spanischen Jakobusvereine und leitete in der Anfangsphase das „ Camino de Santiago Bulletin“ .
Zwischen 1985 und 1987 verfasste und redigierte Valiña persönlich das Bulletin eine handgemachte, aber wichtige Publikation zur Wiederbelebung des Weges. Ihr Ziel war es, Menschen, die sich für den Jakobsweg engagierten, zu vernetzen, Neuigkeiten, Erfahrungen und Initiativen zu teilen und die junge Jakobusbewegung zu stärken.

Elías-Valiña-Preis
1996 rief die Xunta de Galicia den Elías-Valiña-Preis ins Leben, um Personen und Organisationen auszuzeichnen, die sich besonders für die Erhaltung und Förderung des Jakobswegs eingesetzt haben. Dieser jährlich vergebene Preis ehrt sein Andenken und würdigt jene, die seinem Beispiel folgen – ein Aufruf, den Geist des Jakobswegs, den er wiederbelebte, lebendig zu halten.
So kann man hoffen, dass gerade der französische Weg, der ihm ja so am Herzen lag, sich nicht zu einer reinen touristischen Attraktion entwickelt – eine Gefahr, die mit dem Verlust der religiösen oder zumindest spirituellen Komponente der Route einhergeht, und zur fortschreitenden Kommerzialisierung und Trivialisierung des Erlebnisses führt.

Übrigens:

Santiago de Compostela, Spanien, 9. Februar 2026 – Die Xunta de Galicia hat bekannt gegeben, dass die Jakobusbruderschaft Kroatien mit dem 26. Elías-Valiña-Preis ausgezeichnet wurde. Sie gehört damit zu einer ausgewählten Gruppe von Pilgerorganisationen, die sich für den Erhalt der Werte des Jakobswegs einsetzen.Der Jakobsweg ist seit jeher eine gemeinsame europäische Reise, auf der Pilger aus ganz Europa seit über tausend Jahren nach Santiago de Compostela und wieder zurück wandern. Kroatiens Jakobsweg-Tradition reicht bis ins Jahr 1203 n. Chr. zurück, archäologische Funde deuten sogar auf noch ältere jakobinische Traditionen hin. Heute führt Kroatiens 2.400 km langes Wegenetz des Jakobswegs dieses Erbe fort und verbindet kulturelles Erbe, atemberaubende Landschaften und authentische Gastfreundschaft.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39386121 Teil seines Wohnhauses
Von amaianos - originally posted to Flickr as O Cebreiro, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9397322 Kirche Santa Maria in O Cebreiro
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Warum ist das maurische Erbe auf unseren Wegen sichtbarer als das jüdische?

Warum ist das maurische Erbe auf unseren Wegen sichtbarer als das jüdische?

Hier kommt die Zuordnung

Auf unserer Pilgerschaft begegnen wir immer wieder Elementen der muslimischen Kultur (z.B. Alcazare, Paläste, die Mudéjar-Kunst), aber in kaum einer Stadt gibt es noch sichtbare Objekte des jüdischen Erbes. Man fragt sich, voran liegt das?
(s. dazu auch die Ausführungen im Kapitel „Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien“)

Das maurische Erbe ist in Spanien sichtbarer als das jüdische, weil historische Dauer, Machtverhältnisse, Vertreibungspolitik und materielle Hinterlassenschaften sehr unterschiedlich waren. Die wichtigsten Gründe im Überblick:

1. Politische Macht, Dauer und Erbe
• Die muslimische-maurische Herrschaft (al-Andalus) dauerte rund 700-800 Jahre (711-1492) über fast die ganze iberische Halbinsel
Muslime stellten über lange Zeit die politische und kulturelle Elite: Emirate, Kalifate, Königreiche
• Wer herrscht, demonstriert seine Macht mit sichtbaren Monumenten: Palästen, Moscheen, Städten
• Die Juden dagegen lebten fast immer als Minderheit ohne politische Macht, auch wenn sie zeitweise großen Einfluss als Gelehrte, Ärzte oder Verwaltungsbeamte hatten.
Das Maurische Erbe war sichtbar, monumental und spektakulär.
Das Jüdische Erbe war mehr immateriell – intellektuell (Philosophie, Medizin, Übersetzungen, Recht). Zudem gingen viele Texte verloren oder wurden durch aus Spanien vertriebene Juden im Exil weitergeführt.

Alcazar von Granada Von Jebulon - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9846975

2. Architektur und materielle Kultur
• Das maurische Erbe ist architektonisch spektatulär, z.B. die Alhambra (Granada), die Mezquita (Cordoba), die Giralda (Sevilla) oder die vielen Alcazare (Burgen)
• Diese Bauwerke waren zu groß, zu wertvoll und zu funktional, um sie komplett zu zerstören; oft wurden sie auch für christliche Nutzung umfunktioniert.
• Jüdisches Leben hinterließ weniger monumentale Bauten.
Synagogen waren eher kleiner, wurden teilweise zerstört oder umgebaut.
Juderías (jüdische Viertel) sind architektonisch wenig sichtbar im Stadtbild

Mezquita -Kathedrale von Cordoba Von Richard Mortel from Riyadh, Saudi Arabia - Great Mosque of Cordoba, interior, 8th - 10th centuries (38), CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69778364

3. Vertreibung und gezielte Auslöschung
• 1492 – das Alhambra—Edikt mit seinen Konsequenzen für die Juden -Zwangskonversion, Exil oder Tod – führten zu einer massiven Vertreibung der Juden.
• Die Inquisition mit ihrem brutalen Vorgehen gegen die „Conversos“ (die getauften Juden) und die systematische Vernichtung jüdischer Symbole, Bücher und Rituale führte zu einer Zerstörung sichtbaren jüdischen Lebens.
• Ziel war die systematische Vernichtung des jüdischen Erbes – die Auslöschung einer jüdischen Identität. Juden wurden stärker mit „Unreinheit“ und Verrat assoziiert als Muslime und Jüdisches wurde theologisch als gefährlich eingestuft.

4. Umgang mit dem maurischen Erbe nach der Reconquista
• Auch Muslime wurden verfolgt und schließlich vertrieben. Moriscos – Muslime unter christlicher Herrschaft – wurden 1492 zur Konversion gezwungen und zwischen 1609-1614 systematisch vertrieben
• Aber:
Maurische Architektur wurde als „exotisch“ und „kunstvoll“ eingeschätzt
Der Mudéjar-Stil – die Mischung aus christlichen und maurischen Elementen bei christlichen und profanen Bauwerken – wurde ein Teil der christlich-spanischen Identität. Er findet sich auch heute nur in Spanien.
• Das maurische Erbe wurde später im Europa der 19. Jhs. romantisiert.

Das maurische Erbe ist sichtbarer, weil es von Herrschern geschaffen, architektonisch monumentaler, weniger vollständig zerstörbar und kulturell akzeptiert wurde.
Das jüdische Erbe hingegen wurde gezielt zerstört, entmachtet und aus dem nationalen Gedächtnis verdrängt.

Wo ist jüdisches Leben des Mittelalters heute noch entlang der Jakobswege gut sichtbar?

Die Judenviertel (Judérias) lagen meist innerhalb der Mauern, aber am Rande der Altstadt, oft wegen des Handels in der Nähe eines Stadttores. Typische sind sehr enge verwinkelte Gassen und Sackgassen, damit das Viertel nachts relativ leicht geschlossen werden konnte. Die Häuser hatten eine schlichte Fassade und einen Innenhof, da das Leben eher nach inneren gerichtet war. Einige Synagogen wurden in Kirchen umgewandelt.

Toledo (Camino de Levante / Camino del Sureste)
Toledo entwickelte sich nach der christlichen Eroberung zu einem einzigartigen Ort des Wissenstransfers. In der sogenannten Übersetzerschule von Toledo arbeitete ein Kollegium von Mozarabern, Juden und lateinischen Autoren daran, wissenschaftliche und philosophische Schriften aus der Antike ( u.a. Aristoteles, Platon) aber auch genuin arabische Schriften aus dem Arabischen ins Lateinische zu übersetzen. Jüdische Gelehrten lieferten hier auf Grund ihrer Mehrsprachigkeit einen großen Beitrag. Toledo war eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens im mittelalterlichen Kastilien.
• Hier stehen zwei mittelalterliche Synagogen: Santa María la Blanca und El Tránsito (auch Sephardisches Museum) – heute als Monumente erhalten.
• Die historische Judería mit engen Gassen ist gut erkennbar.

Synagoge von Corduba By © José Luiz Bernardes Ribeiro, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25181308

Cordoba (Camino Mozárabe /andalusischer Jakobsweg)
Cordoba war im 10. Jh. eines der wichtigsten Zentren jüdisch-arabischer Kultur. Hier lebten Gelehrte, Ärzte und Dichter in enger Nachbarschaft zu muslimischen Eliten.
• Eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Synagogen Spaniens befindet sich in Córdoba.
• Sie gehört zu den bedeutendsten gotisch-mudéjarischen Bauwerken jüdischer Architektur.
• Die Judería ist noch deutlich mit ihren engen Gassen zu erkennen.

Von Menesteo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7674241

Segovia (Camino de Madrid)
Segovia war ebenfalls eine wichtige jüdische Gemeinde im Mittelalter.
• Diese Stadt verfügt über ein prächtiges saniertes Jüdisches Viertel mit einem didaktischen Zentrum Centro Didáctico de la Judería.
• Die Alte Hauptsynagoge im ehemaligen jüdischen Viertel ist heute als Fronleichnamskirche erhalten, wurde aber restauriert und zeigt die mittelalterliche Struktur.
• „El Pinarillo“,der alte jüdische Friedhof, liegt sehr schön, enthält allerdings keine Grabsteine mehr.

Barrio de Santa Cruz ehemals jüdisches Viertel in Sevilla CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1624393

Sevilla (Via de la Plata, Camino Mozárabe)
war durch eine große, kulturell und wirtschaftlich bedeutende Gemeinde geprägt mit dem Viertel Barrio Santa Cruz. Es beherbergte das größte jüdische Viertel in Andalusien und das zweitwichtigste im Königreich Kastilien.
• Das Judenviertel Santa Cruz ist Zeugnis der Geschichte mit einem Besucherzentrum
• Ehemalige Synagoge, heute die Kirche Santa Maria la Blanca

Sagunto (Camino de Levante)
Sagunto lag im Mittelalter der der Nähe wichtiger Pilger- und Handelswege.
• gut erhaltener jüdischer Stadtteil. Die Straßenführung ist praktisch genauso erhalten, wie sie von den ab dem 1. Jh. in Sagunto lebenden Sepharden angelegt wurde.
• jüdischer Friedhof

Tudela (Navarra) (Camino del Ebro)
Tudela war ein bedeutendes jüdisches Zentrum Navarras mit mindestens drei Synagogen im alten und zwei im neuen Judenviertel.
• alte Judería erkennbar im Stadtbild durch die eindeutig jüdische Prägung der Gassen sowie die Häuser aus Lehmziegeln und Backsteinen mit Verzierungen im Mudéjar-Stil
• keine große Synagoge mehr erhalten

Lorca (Region Murcia) (Camino del Sureste)
Dank archäologischer Ausgrabungen in der Burg von Lorca ist erkennbar, dass es an der Ostseite der Burg ein Judenviertel gab.
• Archäologische Reste einer mittelalterlichen Synagoge im ehemaligen Judenviertel wurden freigelegt.
• Es wurden mehrere Häuser entdeckt, aus denen verschiedene Objekte ins Städtische Museum für Archäologie gebracht wurden.

Von vielen weiteren bedeutenden jüdischen Siedlungen in verschiedenen Städten Spaniens sind heute wenige sichtbare Überreste erhalten.

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Sagunto (Camino de Levante)
lag im Mittelalter der der Nähe wichtiger Pilger- und Handelswege.
• gut erhaltener jüdischer Stadtteil. Die Straßenführung ist praktisch genauso erhalten, wie sie von den ab dem 1. Jh. in Sagunto lebenden Sepharden angelegt wurde.
• jüdischer Friedhof

Tudela (Navarra) (Camino del Ebro)
Tudela war ein bedeutendes jüdisches Zentrum Navarras mit mindestens drei Synagogen im alten und zwei im neuen Judenviertel.
• alte Judería erkennbar im Stadtbild durch die eindeutig jüdische Prägung der Gassen sowie die Häuser aus Lehmziegeln und Backsteinen mit Verzierungen im Mudéjar-Stil
• keine große Synagoge mehr erhalten

Lorca (RegionMurcia) (Camino del Sureste)

Dank archäologischer Ausgrabungen in der Burg von Lorca ist erkennbar, dass es an der Ostseite der Burg ein Judenviertel gab.
• Archäologische Reste einer mittelalterlichen Synagoge im ehemaligen Judenviertel wurden freigelegt.
• Es wurden mehrere Häuser entdeckt, aus denen verschiedene Objekte ins Städtische Museum für Archäologie gebracht wurden.

Von vielen weiteren bedeutenden jüdischen Siedlungen in verschiedenen Städten Spaniens sind heute wenige sichtbare Überreste erhalten.

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Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien – eine wechselhafte Geschichte

Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien – eine wechselhafte Geschichte

Hier kommt die Zuordnung

Die Geschichte der Juden in Spanien reicht mehr als 2000 Jahre bis in die Zeit des Römischen Reichs zurück. Über viele Jahrhunderte hinweg entwickelte sich auf der iberischen Halbinsel ein reiches jüdisches Leben, das im Mittelalter unter islamischer und später auch christlicher Herrschaft kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich große Bedeutung erlangte. Diese lange Geschichte war jedoch keineswegs gradlinig: Zeiten relativer Sicherheit und Blüte wechselten mit Phasen der Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt ab. Ihren dramatischen Endpunkt fand diese Entwicklung im Jah1492 mit dem „Alhambra-Edikt“ der katholischen Könige Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon, das Juden zur Konversion oder zur Emigration zwang. Danach war offenes jüdisches Leben in Spanien über Jahrhunderte hinweg nicht mehr möglich.

Von Medievalista - File:Hispania_700_AD.PNG, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15985938

Von der römischen zur westgotischen Herrschaft

Unter römischer Herrschaft lebten die Juden in Spanien vergleichsweise ruhig und waren in die städtischen Strukturen integriert. Diese Situation änderte sich jedoch grundlegend nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches und der Machtübernahme der Westgoten. Besonders nachdem diese zum katholischen Christentum übergetreten waren, verschlechterte sich die Lage der jüdischen Bevölkerung erheblich.
Auf mehreren Reichskonzilen in Toledo, die unter direktem Einfluss der westgotischen Könige standen, wurden zunehmend scharfe antijüdische Maßnahmen beschlossen. Sie reichten von Sondersteuern und wirtschaftlichen Einschränkungen über das Verbot zentraler religiöser Praktiken wie der Beschneidung, der Sabbatruhe und der Feier jüdischer Feste bis hin zu Zwangstaufen und Vertreibungen. Ziel dieser Politik war eine schrittweise Eliminierung des Judentums aus dem westgotischen Reich.
Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass die Eroberung Hispaniens durch muslimische Truppen ab dem Jahr 711 von vielen Juden als Befreiung empfunden wurde. Für andere bedeutete sie sogar die Möglichkeit zur Rückkehr aus dem Exil.

Maimonides war ein bedeutender jüdischerGelehrter Von Dr. Manuel at de.wikipedia - Transferred from w:de:Bild:Maimonides-Statue.jpeg; own work, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3983444

Jüdisches Leben unter maurischer Herrschaft

Toleranz im modernen, aufklärerischen Sinn kannte das Mittelalter nicht. Dennoch gab es in al-Andalus – dem islamisch beherrschten Teil Spaniens – Phasen relativer religiöser Koexistenz, in denen Juden, Christen und Muslime friedlich nebeneinander lebten. Besonders ausgeprägt war diese Phase während der Umayyadenherrschaft in Córdoba (756–1031). Auch während der frühen christlichen Reconquista gab es bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts solche Phasen.
Juden und Christen galten im islamischen Recht als „Schriftbesitzer“ und wurden als sogenannte ahl al-dhimma (geschütztes Volk) unter den Schutz der muslimischen Herrschaft gestellt. Dieser Schutz war jedoch an Bedingungen geknüpft: Sie waren rechtlich nicht gleichgestellt, zahlten eine Sondersteuer (Dschizya), waren vom Militärdienst ausgeschlossen und galten als dem muslimischen Staatsvolk untergeordnet. Zugleich konnten sie ihre Religion – wenn auch nicht öffentlich – ausüben, ihre Gemeinden selbst verwalten und Synagogen unterhalten. Einzelne Herrscher gewährten zudem bestimmten Gruppen wie Händlern, Ärzten oder Gelehrten besondere Privilegien.

Die frühe islamische Zeit wird häufig als „Goldenes Zeitalter“ der jüdischen Kultur in Spanien bezeichnet. Tatsächlich bot al-Andalus günstige Bedingungen für kulturelle und wissenschaftliche Entfaltung, sodass sogar Juden aus anderen Regionen nach Spanien einwanderten. Durch den engen Kontakt mit der arabischen Gelehrtenwelt erhielten jüdische Denker Zugang zu den überlieferten Schriften der Antike, etwa zu den Werken von Aristoteles und Platon. „Sepharad“ – der hebräische Name für Spanien – entwickelte sich zu einem Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit.
Viele jüdische Intellektuelle übernahmen die arabische Sprache und Schrift, ohne ihre religiöse Identität aufzugeben, und stiegen teils bis in hohe Verwaltungsämter am Hof des Kalifats von Córdoba auf. Das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen wird oft mit dem Begriff Convivencia beschrieben – ein Miteinander, das keineswegs konfliktfrei war, aber einen intensiven kulturellen Austausch ermöglichte.
Juden spielten in dieser Zeit eine herausragende Rolle in Verwaltung, Medizin, Wissenschaft und Literatur. Viele waren mehrsprachig: Arabisch diente als Alltagssprache, Hebräisch als Sprache der Religion und Gelehrsamkeit, während Latein oder die romanischen Volkssprachen für den Kontakt mit Christen genutzt wurden. Diese Mehrsprachigkeit machte jüdische Gelehrte zu wichtigen kulturellen Vermittlern und Übersetzern zwischen den verschiedenen religiösen und politischen Machtzentren der Halbinsel.
Mit dem politischen Zerfall von al-Andalus im 11. Jahrhundert endete diese vergleichsweise stabile Phase. In den zahlreichen dann folgenden Taifa-Reichen hing das Schicksal der jüdischen Gemeinden nun stark vom jeweiligen Herrscher ab. Während Juden in manchen Reichen hohe Ämter bekleideten, wurden sie anderswo nur geduldet. Mit dem Vordringen der Almoraviden und vor allem der streng religiösen und fanatischen Almohaden ab ca. 1147 verschlechterte sich die Lage drastisch. Zwangskonversionen, Verfolgungen und Gewalt führten dazu, dass viele Juden entweder zum Christentum übertraten oder in den christlichen Norden Spaniens bzw. nach Nordafrika flohen.

ehemalige Synagoge Ibn Shushan, dann Kirche Santa Maria la Blanca , heute Museum in Toledo

Jüdisches Leben unter christlicher Herrschaft

Auch in den christlichen Reichen der Iberischen Halbinsel war die Stellung der Juden ambivalent. In einer Region, die über Jahrhunderte von militärischen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen geprägt war, galten Juden als eine Minderheit, die keine unmittelbare Bedrohung für die jeweilige Herrschaft darstellte. Ihre Fähigkeiten als Händler, Ärzte, Diplomaten und Verwaltungsfachleute machten sie für christliche Könige zu wertvollen Akteuren.
Mit der Ausdehnung der christlichen Herrschaft nach Süden im Zuge der Reconquista behielten viele jüdische Eliten ihre Funktionen als Hofärzte, Steuereinnehmer, Diplomaten oder Schreiber. Die christlichen Könige aber auch Adel und Klerus zeigten ein ausgeprägtes Interesse an intellektuellem und kulturellem Wissenstransfers. Juden niedrigerer sozialer Schichten waren fest in das städtische Leben integriert und arbeiteten als Handwerker und Kaufleute. Sie unterhielten vielfältige wirtschaftliche und soziale Beziehungen zu ihren christlichen und muslimischen Nachbarn. Ihre Fähigkeit, als diplomatische und wirtschaftliche Vermittler zu fungieren, trug dazu bei, sie unter sowohl muslimischer als auch christlicher Herrschaft – mindestens zeitweise – als geschätzte – und damit geschützte – Minderheit zu etablieren.
Ein herausragendes Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit stellt die Übersetzungsbewegung des Hochmittelalters dar. Besonders in Toledo entstand im 12. und 13. Jahrhundert ein Netzwerk von Gelehrten, das wissenschaftliche Werke aus dem Arabischen ins Lateinische, Hebräische und in romanische Sprachen übertrug. Jüdische Übersetzer spielten hierbei eine Schlüsselrolle, da sie häufig sowohl Arabisch als auch Hebräisch und Latein beherrschten. Die sogenannte „Schule der Übersetzer von Toledo“ war keine feste Institution, sondern eine Vielzahl von Projekten unter kirchlicher und königlicher Förderung. Diese gemeinschaftliche Anstrengung der Übersetzung und kulturellen Vermittlung hatte eine tiefgreifende Wirkung auf das Verständnis der Wissenschaften auf der iberischen Halbinsel und im ganzen christlichen Europa.

Verteibung der Juden aus Sevilla Gemälde von Von Joaquín Turina y Areal - [2], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.o rg/w/index.php?curid=60025695

Verfolgung, Zwangskonversion und Vertreibung

Auch wenn die jüdische Bevölkerung zunächst unter dem Schutz der Krone stand, verschärfte sich mit der Konsolidierung der christlichen Herrschaft ab dem späten 13. Jh. vor allem der religiöse Druck auf die jüdische Bevölkerung. Die Kirche betrachtete das Judentum zunehmend als Bedrohung für die christliche Einheit. Antijüdische Predigten, diskriminierende Gesetze und wirtschaftliche Konkurrenz schürten Ressentiments in der Bevölkerung.
Diese Spannungen entluden sich im Jahr 1391 in einer Welle von Pogromen, die langfristig zu einer Zerstörung des spanischen Judentums führten. Im Frühjahr und Sommer jenes Jahres kulminierten der wachsende christliche Groll gegen den Status und den Reichtum der Juden sowie ein paralleler Anstieg der religiösen Volksfrömmigkeit. Tausende Juden wurden ermordet oder zur Taufe gezwungen. Die daraus entstandene Gruppe der Conversos – der „Neuchristen“ – geriet bald in den Verdacht, ihren früheren Glauben heimlich weiter auszuüben. Der Vorwurf der „Unreinheit des Blutes“ (limpieza de sangre) führte erstmals in Europa zu einer Form der Diskriminierung, die nicht mehr allein religiös, sondern quasi rassisch begründet war. Hinter diesen vordergründigen Argumenten wie Religion und Blut spielen aber auch Faktoren – Machteinfluss, soziale Stellung, Reichtum der Juden und der damit verbundene Neid anderer gesellschaftlicher Akteure – eine wichtige Rolle in diesem Diskriminierungsprozess. Die Juden waren eigentlich im Gegensatz zu den Muslimen nie eine Bedrohung für die christliche Gesellschaft.
Die Verfolgung der Conversos mündete 1478 in die Gründung der Spanischen Inquisition, die ein Klima der Angst und Denunziation schuf. Das Emirat Granada, das letzte muslimische Reich auf der Halbinsel, wurde zum Zufluchtsort vieler Juden – doch auch dieser fiel 1492 an die Christen. Im selben Jahr erließen die katholischen Könige das sogenannte „Alhambra-Edikt“, das Juden und Muslime zwang, entweder zum Christentum überzutreten oder Spanien zu verlassen. Historiker schätzen, dass damals zwischen 130.000 und 300.000 Juden – etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung – betroffen waren.
Die Folge war eine systematische Enteignung und Vertreibung. Mit dem Alhambra-Edikt verschwand das offizielle jüdische Leben aus Spanien. Synagogen wurden zu Kirchen oder Profanbauten umgewandelt, jüdische Friedhöfe zerstört, Juderías umbenannt und in gewöhnliche Stadtviertel integriert. Die Orte blieben, doch ihre jüdische Bedeutung wurde ausgelöscht. Danach war offenes jüdisches Leben in Spanien über Jahrhunderte hinweg nicht mehr möglich.
Viele jüdische Flüchtlinge fanden Aufnahme im Osmanischen Reich, andere in Städten wie Amsterdam oder Hamburg. Wie später auch die Hugenotten in Westeuropa trugen sie in ihren neuen Heimatländern oft maßgeblich zu wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung bei.

Schlussbetrachtung

Die Geschichte der Juden in Spanien ist weder eine einfache Erfolgsgeschichte der Toleranz noch eine durchgehende Leidensgeschichte. Sie zeigt vielmehr, wie produktiv religiöse Vielfalt sein kann – und wie fragil. Wenn die Zusammenarbeit für die Mehrheitsgruppe/die Herrschenden von Vorteil war, dann waren die Gesetze für Minderheiten lax und die Kontakte stabil und umgekehrt. Koexistenz war möglich, aber stets abhängig von politischen Machtverhältnissen, religiösen und gesellschaftlichen Ideologien und ökonomischen Interessen.

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Kastilien – Land der Festungen und Burgen

Kastilien – Land der Festungen und Burgen

Camino de Levante

Kastilien (spanisch Castilla) – diese Bezeichnung geht auf das gleichnamige mittelalterliche Königreich „Kastilien“zurück. Kastilien hieß bis um 800 Bardulien (nach dem Stamm der dort lebenden Bardulier). Der Name Kastilien ist erstmals in einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 800 bezeugt, wo von einer Kirche in territorio Castelle („im Burgenland“) die Rede ist. Diesen Namen wiederum verdankte die Region den zahlreichen Burgen (castillos), die bis heute die Landschaft prägen.

Vor allem die Eroberung großer Teile Spaniens durch die Araber oder Mauren, deren reiche architektonische Hinterlassenschaft sowie die Jahrhunderte später erfolgte Rückeroberung (Reconquista) und die erneute Umgestaltung gab vielen Festungen, Burgen, Schlösser und Paläste in Kastilien ihr heutiges, interessantes Aussehen und Innenleben. Eroberungen und Feldzüge im Land selbst oder zwischen benachbarten Königreichen und deren Herrschern trugen wesentlich zum Bau immer neuer oder zum Um- und Ausbau bestehender Schlösser und Paläste zu Festungen oder Burgen bei. Bis heute sind viele eindrucksvolle architektonische Meisterwerke erhalten. Allein in Kastilien finden sich über 300 solcher Bauwerke.

Wie oben angesprochen beruht die Entstehung der Burgen in Kastilien-Leon beruht nicht auf einem erklärenden Faktor, sondern es ergaben sich im Laufe der Zeit mehrere Entwicklungen, die ihr Lage, ihre Gestaltung und ihre Ausstattung bestimmt haben. Auf der Karte sind einige der bedeutenden Anlagen und ihr Entstehungshintergrund aufgeführt.

Ausstellung im Castillo de la Mota

 

Im 9 Jh. begannen im Rahmen der Reconquista die ersten Unternehmungen, die die Burgen nach Süden vorrücken ließen, so dass im 10. Jh. der Fluss Duero erreicht wurde. Hier wurden dann entlang der Grenzen der verschiedenen historischen Reiche Spaniens Burgen errichtet, um die Grenze gegen die Mauren zu sichern. Dabei wurde teilweise auf maurische Vorgänger zurückgriffen (s. die blauen Punkte). Beispiel auf unserem Weg u.a. der Alcázar von Avila und Toro, das Castillo de Zamora und von Escalona
Die Trennung von Portugal (Vertrag von Zamora 1141) erzeugte eine weitere Grenze und neue Befestigungen, insbesondere in der Salamanca-Zone, die als La Raya Seca bekannt ist, da sie an keinen markanten Flussläufen entlanglief (die roten Punkte).
Auch innere Spannungen zwischen den einzelnen Königreichen in Spanien führten zu weiteren Grenzen und der Befestigung, da es hier immer wieder zu Konflikten kam. So entstanden auch Burgen an der Grenze zwischen Leon und Kastilien. (die schwarzen Punkte)
In einer nächsten Phase ließ der Aufstieg des Adels viele beeindruckende Schlösser und Burgen entstehen. So konnte der Adel seine politische Macht demonstrieren. (die grünen Punkte) Auf unserem Weg z.B. das Castillo de la Corcera und das von Arévalo
In einer letzten Entwicklung kam es dann zu einer Anpassung der Burgen und Schlösser an die neuen Bedürfnisse u.a. der neuen Kriegsführung (Artillerie). So findet man häufig unterschiedliche Teile in den Burganlagen (s. gelbe Punkte). Auf unserem Weg z.B. das Castello de la Mota.

Auf dem Camino de Levante treffen wir allein auf dem Stück zwischen Toledo und Zamora auf zehn solcher Bauwerke!

Alcazar de Toledo
Burg von Barciencia
Castillo de Maqueda
Castillo de Escalona
Castillo de la Corcera in San Martin Valdeigelesias
Castillo del Alcazar sowie Stadtmauer in Avila
Castillo de Arévalo
Castillo de la Mota in Medina del Campo
Castillo de Alcazar de Toro
Castillo de Zamora

By Carlos Delgado, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28428753 Alcázar de Toledo

Alcazar de Toledo
Der Alcázar von Toledo oder Königlicher Alcázar von Toledo ist eine zivile und militärische Festung in einem der höchstgelegenen Teile von Toledo. Seine privilegierte Lage machte es zu einem Ort von großem strategischem Wert, den die verschiedenen Völker, die sich dort niederließen, nutzten. Sein Name geht auf einen seiner Herrscher zurück: die Araber, die es „Al Qasar“ القصر nannten, was „Festung“ bedeutet.
Der Bau ging aus einer römischen Anlage hervor und wurde im Mittelalter mehrfach renoviert. Die heutige Anlage geht auf einen Plan von Alonso de Covarrubias aus dem Jahr 1537 während der Regierungszeit Karls I. zurück. Der Bau ist ein Beispiel für den Desornamentado-Stil der Spätrenaissance.
Es handelt sich um ein großes, viereckiges Gebäude mit einer Seitenlänge von 60 Metern, das von vier großen, 60 Meter hohen Türmen eingerahmt wird, die jeweils von der typischen Schieferspitze gekrönt werden.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69055034 Castillo de Barciencia

Castillo de Barciencia
Das Schloss Barcience erhebt sich auf einem Hügel oberhalb der Stadt Barcience in der Provinz Toledo. Der Zugang zum Schloss erfolgt über einen Feldweg neben dem Friedhof, der durch einen kleinen Kiefernwald führt .
Die Burg wurde im 15. Jh. gebaut und im 16. Jh. mit Artillerie und einer Garnison ausgestattet. Anschließend weist das Schloss zahlreiche Besitzer auf. Ende des 19. Jhs. verkaufte der Papst Leo XIII. das Gebiet und die Stadt an eine Privatperson. Cirilo Calderón, einen Geschäftsmann erwarb das Schloss Barcience zusammen mit dem riesigen Anwesen Barcience. Im Laufe der Zeit verwandelte Cirilo Calderón Barcience in ein Agrarimperium. Heute liegt dieser große landwirtschaftliche Betrieb in den Händen von Luis Calderón, dem Erben von Cirilo Calderón.
Es gibt keine Dokumente, die auf eine Beteiligung dieser Burg an militärischen Aktionen schließen lassen, sodass sie über die Jahrhunderte hinweg hauptsächlich als Herrenhaus genutzt wurde.
Das Schloss Barcience hat einen nahezu quadratischen Grundriss. Auffällig ist sein quadratischer Bergfried. In die Außenwand ist ein riesiger, aufgerichteter Löwe eingraviert. An den hinteren Ecken befinden sich zwei uylindrische Türme. Auf der Vorderseite befindet sich auf der einen Seite der Bergfried und auf der anderen Seite ein größerer rechteckiger Turm. Das Innere der Burg ist völlig zerstört, es gibt jedoch Hinweise auf die Existenz von zwei Stockwerken und Wehrgängen, die entlang der Mauern von einem Turm zum anderen verlaufen.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141388602 Castillo de Maqueda

Castillo de Maqueda
Das Schloss Vela oder Schloss Maqueda ist ein Schloss in der spanischen Gemeinde Marqueda. Man vermutet, dass sich an dieser Stelle in der Antike ein römischer Wachturm befunden hat. Sicher ist jedoch, dass um das Jahr 981 der Architekt Fath ben Ibrahim, der Erbauer der großen Moscheen von Gebal Berida und Adabegin in Toledo, eine bereits bestehende Festung erweiterte und perfektionierte. Im Jahr 1083 fiel es ohne großen Widerstand in die Hände von Alfons VI. von Leon. Im Mittelalter hatte die Festung dann wechselnde Besitzer u.a. auch den Orden von Calatrava. Das auf den Fundamenten der früheren arabischen Festung errichtete Castello Vela wurde zumindest innen nie fertiggestellt. Im 15. Jahrhundert wurde es umgebaut und erweitert. Als die Besitzer der Burg in die Gemeinde Torrijos bei Toledo zogen, geriet die Festung außer Gebrauch und verfiel, blieb jedoch bis zum 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Cárdenas. Heute ist es Eigentum des Innenministeriums und beherbergte eine Kaserne der Guardia Civil.
Das Schloss hat einen rechteckigen Grundriss und erstreckt sich über zwei unterschiedliche Ebenen. Seine Mauern sind 3,5 Meter dick und werden auf zwei Seiten durch Gräben woie drei Rundtürme an den Ecken im Süden und der Hälfte der Ostmauer geschützt. Später wurde ein weiterer Turm hinzugefügt.

Por Jim Anzalone - Flickr: Castillo de Escalona 3, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30337553

Castillo de Escalona
Der Burgpalast von Escalona besteht aus der Festung selbst und einem weitläufigen Mudeja-Palast. Strategisch günstig auf einem Plateau am Fluss Alberche zwischen Ávila und Toledo gelegen, war es von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung gegen Angriffe der Almoraviden und Almohaden in den Jahren 1131, 1137 und 1196. Ursprünglich handelte es sich um eine römische Festung, die später von den Muslimen besetzt wurde. Im 11. Jahrhundert wurde die Burg kurz vor dem Fall Toledos von König Alfons VI. von Leon eingenommen. Während dieser und der folgenden Herrschaftszeiten waren die Gegend um Escalona und ihre Burg Angriffen der Mauren ausgesetzt.
Im Jahr 1424 schenkte König Johann II. die Burg dem Ritter und Günstling Ávaro de Luna. Dieser vergrößerte sie und erbaute den Palast, den er zum Mittelpunkt seines Besitzes machte. Die Palastfestung wurde durch mehrere Brände zerstört, einige davon bereits während der Zeit von Álvaro de Luna. Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges (1808-14) wurde es von französischen Truppen niedergebrannt.
Heute ist es eine Ruine, obwohl es teilweise restauriert wurde. Lange Zeit blieb es in Privatbesitz, doch im August 2024 kaufte es die Stadt Escalona mit dem Ziel, es in einen Touristenkomplex umzuwandeln.

Por Malopez 21 - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52005791 Castillo de la Coracera

Castillo de la Coracera in San Martin de Valdeiglesias
Der offiziellen Version zufolge wurde die Burg Coracera im 15. Jahrhundert von Don Álvaro de Luna, dem Günstling von König Johann II., erbaut. Im Jahr 1434 kaufte er für 30.000 Maravedis die Stadt und Herrschaft San Martín de Valdeiglesias von den Mönchen des nahegelegenen Klosters Santa María la Real, den Eigentümern der Abteiländereien, zu denen die gesamte Region gehörte. Früher befand sich hier schon ein mittelalterlicher Turm.
Nach der standrechtlichen Hinrichtung von Don Álvaro de Luna in Valladolid ging die Burg in den Besitz eines Chronisten der Katholischen Könige über, dann in den Besitz des herzoglichen Hauses Infantado.
Während des Unabhängigkeitskrieges wurde es von napoleonischen Truppen besetzt und während des Bürgerkriegs beherbergte es die berüchtigte Legion Condor. Die Legion Condor war ein deutscher Luftwaffen-Verband im Spanischen Bürgerkrieg, der ohne deutsche Uniformen oder Hoheitszeichen eingesetzt wurde. Er kämpfte unter General Francisco Franco auf der Seite der gegen die spanische Republik putschenden Nationalisten. Er wurde 1936 unter strengster Geheimhaltung mit Freiwilligen aufgebaut, griff in mehreren bedeutenden Schlachten ein und hatte maßgeblichen Anteil am Sieg der Putschisten.
Während des gesamten 20. Jahrhunderts gehörte das Schloss verschiedenen Eigentümern, die es für private Zwecke nutzten, bis im Jahr 2003 die Stadtverwaltung von San Martín de Valdeiglesias und José Fernando Cornejo Pablos, die jeweils 50 % des Anwesens besitzen, eine Stiftung gründeten, die das Eigentum an dem Schloss hält.

Die Festung ist aus Berroqueña-Stein (einem speziellen Granit aus der Region Madrid) erbaut. Sie hat einen quadratischen Grundriss und ist um drei große, kreisförmige Baukörper herum gebaut, unter denen der Bergfried und ein Turm, der als Bergfried fungiert, hervorstechen. Der Komplex ist von einer Barbakane (Die Barbakane ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk in Form einer runden Bastei) umgeben die etwa vier Meter hoch ist und sich etwa fünf Meter vom Hauptkern entfernt befindet.
Hier befindet sich auch ein Weinmuseum und eine Weinkellerei.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=538049 Puerta de Alcázar Avila

Castillo de Alcázar de Avila
Der Alcázar von Ávila, der sich an der Stelle befindet, die wir heute als Adolfo-Suárez-Platz kennen, war eine große Festung, die Teil des Verteidigungsrahmens der Stadtmauer war. Das Gebäude hatte einen viereckigen Grundriss mit zwei durch einen Zwischenerker getrennten Innenhöfen, war dreigeschossig und ragte über die Mauer hinaus.
Der Ursprung des Alcázar lässt sich auf das 12.-13. Jahrhundert zurückführen, allerdings gibt es erst ab dem 15. Jahrhundert Belege und es gibt Stimmen, die ihm sogar einen muslimischen Ursprung zuschreiben. Es war eine Garnison und ein Militärlager unter dem Kommando des Alcaide des Alcázar , der die militärische Macht der Stadt innehatte.
Obwohl es sich um die große Festung der Stadt handelte, waren immer wieder Reparaturen, Renovierungen oder Restaurierungen nötig, die jedoch aufgrund fehlender Mittel nicht immer durchgeführt werden konnten. Aus diesem Grund war es nicht der Ort, an dem illustre Persönlichkeiten willkommen waren. Zu diesem Zweck wurden Paläste der Adligen von Avila in der Stadt ausgewählt, die zweifellos komfortabler waren als die spartanische Festung, die z.B. von Kaiserin Isabella oder Karl V. im Jahr 1541 bewohnt wurden.
Die Funktion des Alcázar änderte sich im Laufe der letzten Jahrhunderte und aus dem königlichen Alcázar wurde eine Militärkaserne, ein Provinzmuseum und ein Atelier, bis er zwischen 1927 und 1931 auf Anordnung des Stadtverwaltung von Ávila abgerissen wurde.. Die Bank von Spanien baute hier u.a. ihr Gebäude. Heute gibt es aber wieder archäologische Ausgrabungen, die einen Teil der Grundrisse des Alcázar offenlegen.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112324825 Castillo de Arevalo

Castillo de Arévalo
Die Festung wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut und auf den Überresten eines Tores innerhalb der Stadtmauer von Arévalo aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Sie befindet sich im äußersten Teil des Plateaudreiecks, das durch den Zusammenfluss der Flüsse Adaja und Arevalillo gebildet wird, die als Verteidigungsgräben dienen. Seine architektonische Bedeutung liegt in seiner fortschrittlichen Bauweise, die als Modell für den Übergang zwischen mittelalterlichen Burgen und den Verteidigungsfestungen späterer Jahrhunderte gilt. Es handelt sich möglicherweise um das erste Bauwerk im Mudéjar-Stil in Kastilien und ist an seinem unregelmäßigen fünfeckigen Grundriss zu erkennen,
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde auf Befehl von Álvaro de Zúniga der Wiederaufbau begonnen, doch zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als die Festung in den Händen der Katholischen Könige (Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon) lag, wurden wichtige Reformen durchgeführt. Durch diese Veränderungen wurde der quadratische Grundriss zu dem charakteristischen fünfeckigen Grundriss.
Von diesem Moment an bestand die wichtigste Funktion des Gebäudes darin, als Gefängnis für berühmte Gefangene zu dienen. Philipp Wilhelm von Oranien-Nassau war einer der wichtigsten Geiseln der Burg während der Herrschaft Philipps IV. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg dann in ein richtiges Gefängnis umgewandelt
In den letzten Jahrhunderten gehörte die Burg zur Gemeinde Arévalo, doch im 19. Jahrhundert wurde sie zeitweise verlassen und als Friedhof und Steinbruch genutzt. Aus wirtschaftlichen Gründen und unter der Bedingung, dass es als Getreidesilo genutzt wird, überließ die Gemeinde das Anwesen Mitte des 20. Jahrhunderts dem Nationalen Weizendienst (SNT) des Landwirtschaftsministeriums, der verschiedene Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten durchführte. Die neuen Anlagen wurden 1955 in Betrieb genommen und verfügen über eine Lagerkapazität von 1.080 Tonnen.

Das Schloss Arévalo hat somit etwas unregelmäßigen polygonalen Grundriss, der aus der Kombination eines rechteckigen und eines dreieckigen Abschnitts besteht. An jeder Ecke steht ein runder Turm, mit Ausnahme der Ecke, die dem riesigen Bergfried entspricht, der einen rechteckigen Grundriss hat und von außen umgeben ist.
Das Schloss Arévalo ist ein Mudéjar-Bauwerk, das mit Quadersteinen begonnen und mit Anbauten und Veredelungen aus Ziegeln versehen wurde. Der imposante Bergfried ist ein Wahrzeichen dieser Burg, in dem u.a. Pedro I. der Grausame um 1353 seine Frau Blanca de Borbón gefangen hielt, um mit deiner Geliebten zusammenzuleben.

Von Garijo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21046064 Castillo de la Mota in Medina del Campo

Castillo de la Mota in Medina del Campo
Seit der Herrschaft von Pedro I. (1350-1369) gibt es Hinweise auf eine Festung auf dem Gipfel des La Mota. Über diesen Bau ist jedoch wenig bekannt, da die Burg, die wir heute kennen, aus dem 15. Jahrhundert stammt. Während der Herrschaft von Johann II. von Kastilien (1419-1454) begannen die Bauarbeiten an der heutigen Burg, deren Mauern an die alten mittelalterlichen Mauern aus dem 12. Jahrhundert angepasst und von diesen gestützt wurden. König Heinrich IV. schloss die Arbeiten im Inneren der Burg ab und beendete die Arbeiten am großen Bergfried. 1483 statteten die Katholischen Könige die Burg mit einer großen Verteidigungsanlage mit einem modernen unterirdischen Schießstand aus und ließen den Burggraben ausheben, der das gesamte Bauwerk umgibt. Und genau diese Arbeit machte die Burg La Mota zu einem Maßstab unter allen Festungen ihrer Zeit. Sie war eine der ersten Burgen in ganz Europa, die für den Einsatz von Artillerie umgebaut wurde.
Neben seiner Funktion als militärisch strategischer Standort dienten seine Räume auch als Archiv (wo einige Dokumente der Krone aufbewahrt wurden) und als Gefängnis für so berühmte Gefangene wie Hernando Pizarro und César Borgia. Dieser war 1504 auf Druck von König Ferdinand II. von Aragonien in Neapel gefangen genommen und nach Spanien gebracht worden. Nachdem er ein Jahr in Einzelhaft im Castillo de Chincilla de Montearagón verbracht hatte, wurde er 1505 in das Castillo de La Mota verlegt. Im Oktober 1506 gelang ihm eine spektakuläre Flucht aus dem Gefängnisturm mithilfe einer seidenen Schnur.
Mit der Zeit wurde das Schloss nicht mehr genutzt, wodurch die ursprünglichen Innenräume verloren gingen. Nach der Erklärung zum Nationaldenkmal im Jahr 1904 begannen verschiedene Restaurierungs- und Umbauarbeiten am Innengebäude, in dem seit den 1940er Jahren die Frauenorganisation der Partei Francos untergebracht war. Heute ist die Festung Eigentum der Regionalregierung von Kastilien und León.

Die Festung hat eine trapezförmige Form mit zwei starken Mauern (der inneren und der äußeren Barriere oder Barbakane). Der Haupteingang erfolgt über zwei Brücken (nur die zweite war eine Zugbrücke) durch einen großen Bogen, der mit dem Wappen der Katholischen Könige aus dem Jahr 1483, dem Jahr der Fertigstellung der Burg, gekrönt ist.
Um die Sperre herum verläuft ein tiefer Graben, und unter der Erde befinden sich Artillerie-Schießstollen mit Kasematten. Die innere Anlage der Festung besteht aus fünf Türmen und dem Exerzierplatz. Der größte davon ist der Bergfried mit 40 Metern Höhe und fünf Stockwerken (die beiden oberen Stockwerke sind aus dem 15. Jahrhundert erhalten).

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72652321 Castillo de Toro

Castillo de Toro
Der Alcázar (auch Königlicher Alcázar von Toro genannt) ist ein quadratisches Verteidigungsgebäude in der Stadt Toro. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 10. Jahrhundert , die zahlreichen Rekonstruktionen zeigen jedoch, dass es sich um ein jüngeres Gebäude handelt. Es liegt in der Nähe des Flussufers auf einem Hügel, verfügt über Verteidigungsmauern, die von sieben Türmen flankiert werden, und war Teil der Mauergruppe, die die Stadt verteidigte und umgab. Der Alcázar war die Residenz der Katholischen Könige.

Der Alcázar von Toro ist eher wegen seiner historischen Ereignisse als wegen seiner optischen Schönheit von Bedeutung. Er muss Ende des 9. Jahrhunderts mit der Wiederbesiedlung der Stadt durch das Königreich Asturien erbaut worden sein. Im 12. Jahrhundert wurde es in etwa seiner heutigen Form wiederaufgebaut: ein Rhomboid mit runden Türmen an den Ecken und in der Mitte jedes Abschnitts, mit Ausnahme im Norden, wo sich ein quadratischer Bergfried befand, der im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Das heutige Erscheinungsbild ist eher dürftig und von bescheidener Höhe, da die Türme und Mauern gekürzt wurden und ihre Zinnen verloren haben.
Aus historischer Sicht ist es jedoch von großem Interesse, da es Protagonist zahlreicher historischer Ereignisse war. Hier wurde Ferdinand III., König von Kastilien, auch König von León. Zu Zeiten von Alfons XI. und Pedro I. fanden hier berühmte Gefangene und Hinrichtungen statt. Außerdem beherbergte es im Bürgerkrieg zwischen Juana und Isabel im Jahr 1476 portugiesische Truppen.

Por Tamorlan - Trabajo propio, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15547740 Castillo de Zamora

Castillo de Zamora
Es handelt sich um eines der bedeutendsten Bauwerke innerhalb der ummauerten Stadt selbst sowie im kastilischen und leonischen Kontext im Allgemeinen. Es liegt auf einer natürlichen Anhöhe, die ihm, wenn möglich, eine noch größere Verteidigungskraft verleihen würde. Es handelt sich also um eine Burg im romanischen Stil und eines der besten Beispiele für Gebäude aus dieser Zeit in der Provinz. Die Stadt Zamora war für die christlichen Königreiche im Prozess der Rückeroberung eine tragende Säule. Tatsächlich wird die Eroberung dieser Stadt von den Arabern in ihren Chroniken als schrecklicher Rückschlag beschrieben.
Man geht davon aus, dass der Bau aus der Mitte des 11. Jahrhunderts stammt. Aus dieser Zeit sind aber nur sehr wenige Überreste erhalten. Die Festung, deren Bau Ferdinand I. in Auftrag gab, war nie eine palastartige Burg, sondern eine Festung, die ihm und der Stadt Schutz bot.
Die Burg von Zamora erlebte im Mittelalter eine Zeit großer Pracht und wurde im 18. Jahrhundert grundlegend umgebaut, um sie in eine Artilleriefestung umzuwandeln und sie an die neuen Angriffs- und Verteidigungsmethoden der Städte anzupassen.
Der Umfang der Burg ist heute noch erhalten und von einem fast intakten Burggraben umgeben. Auch die wichtigsten Mauern, der Exerzierplatz und der Bergfried sind bis heute erhalten geblieben. Auf Felsen eingebettet und natürlich an das unebene Gelände angepasst, bietet es hervorragende Bedingungen, da die Burg auf dem höchsten Punkt des Hügels sitzt.
Die Burg von Zamora hat einen rautenförmigen Grundriss. Sie verfügt über drei Türme (zwei mit fünf Spitzen und einer mit sieben Spitzen). Das gesamte Gebäude ist von einem sehr tiefen Wassergraben umgeben, der aufgrund der enormen Mauerstärke von durchschnittlich über zwei Metern für Sicherheit sorgt. Um dorthin zu gelangen, führt eine Brücke, die einst eine Zugbrücke war, zu einer Tür mit einem Spitzbogen.

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Ávila – mittelalterlich und kastilisch

Ávila – mittelalterlich und kastilisch

Camino de Levante

Von Anual - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7703456

Die Stadt Ávila ist die höchstgelegene Stadt Spaniens auf einer Höhe von 1.131 m.
Es liegt auf einem nach drei Seiten abfallenden Hügelrücken inmitten einer vom Adaja durchströmten baumlosen Hochebene, die von hohen Gebirgen umschlossen und nur nach Norden offen ist. Der Reichtum an mittelalterlichen Bauten und die alte das Stadtzentrum umschließende Mauer machen Ávila zu einer der sehenswertesten Städte Spaniens.

Geschichte
Seine strategische Lage auf einem Hügel mit Blick auf die Ebenen von Avila und die Berge des Zentralsystems veranlasste die Römer zur Gründung der ersten Stadt. Seitdem haben alle Kulturen in Ávila ihre Spuren hinterlassen, aber es war das Mittelalter, das sein universellstes Symbol hinterließ: die romanische Mauer. Dieser prächtige, zweieinhalb Kilometer lange Ring mit 87 Türmen und neun Toren umschließt ein historisches Zentrum.

Die Gegend um Ávila (Obila oder Abula) war schon von den keltischen Stämmen der Arevaker und Vettonen besiedelt. Spätestens seit der römischen Zeit war die Stadt ununterbrochen bewohnt. Unter den Westgoten gehörte sie aufgrund ihrer Nähe zur Hauptstadt Toledo zu den wichtigsten Städten des Königreichs.
Anfang des 8. Jhs. wurde Ávila durch die Araber unter Tarik erobert. Sie rissen die römischen Befestigungen nieder und bauten selber neue Stadtmauern. Unter Alfons I. wurde die Stadt wieder durch die Christen erobert (742). 785 wurde es erneut von den Mauren eingenommen. In den folgenden Jahrhunderten wechselte Ávila mehrmals den Besitzer und ist abwechselnd Arabisch und Christlich.
Die Lage im umkämpften Grenzland zwischen moslemischer und christlicher Welt verhinderte eine wirtschaftliche Blüte. Dies änderte sich erst, als die Gegend unter dem König Alfonso VI. unter kastilische Herrschaft kam. 1085 wurde Avila im Rahmen der Eroberung Toledos ebenfalls wieder christlich. Wenige Jahre später ab 1090 begann die systematische Befestigung der Stadt und die Ansiedlung neuer Bewohner in der fast menschenleeren nördlichen Meseta. Mit der Vorrückung der Grenze rückte Ávila wie andere antike Städte wie Salamanca, Segovia, Sepúlveda usw. in die Nachhut vor, wurde aber gleichzeitig gestärkt, indem es strategische Verteidigungspositionen an dieser vorgeschobenen Grenze einnahm. Alfons VI. befahl Don Raimundo de Borgoña , diese Städte mit Menschen aus verschiedenen nördlichen Regionen neu zu bevölkern. Die Wiederbevölkerung der Stadt Ávila und ihrer Umgebung erfolgte nach einem systematischen Plan, der darauf ausgelegt war, wichtige königliche Privilegien zu berücksichtigen. Es beginnt eine Art Exodus für Menschen unterschiedlichster Herkunft in Richtung dieser Grenzgebiete. Leonesen, Burgalesen, Kantabrer, Asturier, Galizier, Franken und sogar gefangene Mauren bildeten eine Fusion, die der Stadt enorme Vitalität verlieh. Damit beginnt eine Zeit unaufhörlicher Wiederbevölkerung und Bautätigkeit, die eine völlig neue Gesellschaft entstehen lässt aus Christen, Juden und Mauren.
Im 15. Jh. war Ávila im Sommer ein beliebter Rückzugsort der katholischen Könige Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Sie residierten im Kloster San Tomas. Leider inszenierten sie von hier aus das leidliche Instrument der Inquisition und die Vertreibung der Juden und Morisken (konvertierte Muslime). Das hatte einen dramatischen Verlust an kulturellem und wirtschaftlichem Wissen für Spanien zu Folge.
Im 16. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit. Vor allem durch Textilhandwerk gelangt Ávila zu großer wirtschaftlicher Bedeutung. Außerdem kamen viele Eroberer aus Südamerika zurück und errichteten hier prächtige Paläste.
Die Pest, die Vertreibung der Juden und der Morisken, die Auswanderung vieler Menschen nach Mittel- und Südamerika und die Abwanderung des Adels in die neue Hauptstadt Madrid bewirkten Ávilas allmählichen Verfall, von dem sich die Stadt seit dem 19. Jahrhundert nur langsam erholt hat.

By Choniron - Own work, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21391963

Stadtrundgang

Bekanntestes Bauwerk der Stadt ist die komplett erhaltene romanische Stadtmauer aus dem 11. bis 14. Jahrhundert mit ihren 88 Türmen und neun Stadttoren. Sie ist 2557 Meter lang, im Durchschnitt 12 Meter hoch, 3 Meter. Bis auf die Tortürme vom Rastro-Tor, dem Santa Theresa-Tor und dem Carmen-Tor treten alle Türme rund aus der Mauer hervor. Bei der Besichtigung der Stadtmauern fällt auf, dass sich keinerlei Schießscharten in den Mauern und Türmen befinden. Die Verteidigung scheint ausschließlich von den Wehrgängen der Mauern und Türme geführt worden zu sein. Die Wehranlagen gehören heute zu den besterhaltenstens und vollständigsten mittelalterlichen Stadtbefestigungen des 11. Jahrhunderts auf der Welt und war damals wohl die mächtigste Befestigungsanlage des mittelalterlichen Europas.

Von Selbymay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21772171 Basilika San Vicente

Das San Vicente-Tor wurde als erstes erbaut und hat seinen militärischen Charakter bewahrt. Es liegt gegenüber der wunderschönen Basilika San Vicente, einem der schönsten Beispiele der Romanik und Gotik.
Wer den Mauerbogen überquert, betritt ein urbanes Labyrinth voller Überraschungen, bis er den Domplatz erreicht. Die imposante Kirche mit befestigter Anlage wird von den Palästen Velada und Valderrábanos flankiert. Der Bau der Basilika Salvador de Ávila begann im Jahr 1170. Sie ist die älteste gotische Kirche Spaniens. Französische Baumeister und flämische Künstler waren an der Gestaltung beteiligt. Die Bautätigkeit an der Kathedrale zog sich allerdings über Jahrhunderte hin. Dies hat zur Folge, dass die unterschiedlichsten Stilepochen von der Romanik bis zu Einflüssen der toskanischen Renaissance vertreten sind. Das Besondere der Kathedrale ist, dass das Gebäude deutliche Züge einer Festungsanlage aufweist und Teile (Apsis und Chorpartien) in den Mauergürtel der Altstadt integriert sind. Beeindruckend ist die Kombination von Strenge und Pracht in der Kirche. Sehenswert ist die Gemäldegalerie mit Werken u. a. von El Greco im Museum der Kathedrale.

Von www.pmrmaeyaert.com - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21376850 Basilika San Salvador

Ein ruhiger Spaziergang durch die Straßen der Stadt führt zum mit Arkaden gesäumten Platz Mercado Chico, einem Ort, an dem einst die verschiedenen Zünfte ihren Sitz hatten und an dem heute das prächtige Gebäude mit den städtischen Ämtern thront.
In der Nähe befindet sich der Platz Corral de las Campanas, auf dem der Guzmanes-Turm hervorsticht, der derzeit Sitz des Provinzrats ist. Dieses Renaissancegebäude verfügt über einen prächtigen Innenhof mit zwei Galerien und Säulengang, und im Untergeschoss ist eine Dauerausstellung zur vorrömischen vettonischen Kultur untergebracht.
Nur hundert Meter entfernt befindet sich einer der mystischsten Orte der Stadt: die Plaza de la Santa. Hier befindet sich das Kloster der Heiligen Teresa, das angeblich an der Stelle ihres Geburtsortes errichtet wurde. Die Basilika, das Klostermuseum der Heiligen mit einer interessanten Reliquiensammlung und das Kryptamuseum der Heiligen mit einer der größten Sammlungen schriftlicher Werke und Gegenstände der Heiligen Teresa bilden einen der wichtigen Bezugspunkte der Stadt. Teresa von Ávila war (1515–1582) Karmelitin, Mystikerin, Kirchenlehrerin und ist eine Heilige der katholischen Kirche. Sie gründete noch zu ihren Lebzeiten 18 Karmeliterklöster in Spanien.

Wenn man die Stadtmauer durch das Alcázar-Tor, das zweitälteste der Stadt, verlässt, erreichen man den Großen Marktplatz. Am anderen Ende der Mauer zeugt die romanische Kirche San Pedro von der politischen Bedeutung der Stadt in der Vergangenheit, denn in ihrem Atrium schworen die Monarchen, die Gesetze Kastiliens zu respektieren. Da der ummauerte Teil von Ávila schon schnell zu wenig Fläche bot, liegen einige sehenswerte Kirchen wie San Vicente, San Pedro, San Andrés und San Segundo etwas außerhalb der Altstadt.

Typisch für die deftigen Gerichte der Gegend sind Koteletts (Chuletón de Ávila) der einheimischen schwarzen Rinder, Gerichte mit großen weißen Bohnen (Judías del Barco) sowie die Süßigkeit Yemas de Ávila (oder de Santa Teresa).

Von Håkan Svensson - Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1307510 Convento de sta Theresa
Von Selbymay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21772413 Kirche San Pedro
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Eine kurze Geschichte Toledos

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Camino de Levante

Toledo Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16570610

Die Geschichte der heutigen Stadt Toledo reicht recht weit zurück. Eine erste durchgängige Besiedlung des heutigen Stadtgebiets zeigen mehrere Burgen aus der Zeit der Keltiberer vor 200 v.Chr. Aus dieser Zeit sind einige interessante archäologische Funde erhalten, diese sind im Museo de Santa Cruz zu bestaunen. Von einer zeitweisen Besiedlung muss jedoch seit der Bronzezeit ausgegangen werden. Die Bronzezeit währte in Mitteleuropa etwa von 2.200 bis 800 v. Chr. Vorangegangen war die Kupferzeit und darauf folgte die Eisenzeit.

Römische Herrschaft
Im Jahre 192 v. Chr. unterwarf Marco Fulbio Nobilior die Siedlung gegen heftigen Widerstand des hier siedelnden Hirtenstamms der Karpetaner und gründete den römischen
Vorposten Toletum. Durch seine Eisenerzvorkommen entwickelte sich Toledo zu einer bedeutenden Siedlung, die auch eigene Münzen prägte. Zahlreiche Villen, deren Reste ausgegraben wurden, bezeugen eine durchgreifende Romaniserung der Siedlung.
In der Epoche unter Kaiser Augustus wurde ein monumentales Bauprogramm in Angriff genommen, das die Stadt zu einer echten römischen Urbs machen sollte. Heute ist allerdings nicht bekannt, wo sich das Forum und die Tempel sich befanden, man vermutet unter dem Alcázan oder im Bereich des Rathauses. Bekannt sind die Lage des Zirkus und des Theaters (im Carmelitas-Park), des Amphitheaters (Covachuelas), des Aquädukts und der Alcántara-Brücke. Im 5. Jh. kam es dann zum Niedergang des römischen Reiches.

Toledo Von Diliff - Own work by Diliff, original image, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1584823

Die Geschichte Toledos im Mittelalter kann man in drei Phasen einteilen:
1. Die westgotische Herrschaft vom 5. bis zum 8. Jahrhundert, die die Stadt zur Hauptstadt ihres Königreiches machte
2. Die muslimische Herrschaft, zunächst unter der Macht der Emire und Kalifen von Córdoba in Al-Andalus und dann unter einer eigenen Taifa (kleines Königreich)
3. Die christlichen Herrscher, die im Rahmen der Reconquista die Stadt eroberten und sie bis 1561 zur Hauptstadt Spaniens machen.

Die westgotische Herrschaft
Seit Beginn des 5. Jh. drangen barbarische Völker wie die Sueben, Vandalen und Alanen und ab 415 schließlich die Westgoten nach Spanien vor. Unter dem Druck der Franken verließen die Westgoten Gallien und siedelten sich auf der Iberischen Halbinsel an. Toledo wurde von ca. 531 bis 711 Hauptstadt des Westgoten-Reichs. Toledo war aber nicht nur ein politisches sondern auch ein religiöses Zentrum. Die Westgoten machten die Stadt zum Sitz eines arianischen Erzbistums. 589 konvertierte ihr König zum Katholizismus. Die religiöse Bedeutung der Stadt unterstreicht die Tatsache, dass zwischen 400 und 702 achtzehn Konzilien hier tagten. Der Erzbischof von Toledo ist bis heute Primas der katholischen Kirche Spaniens und war lange Zeit einer der mächtigsten Fürstbischöfe Spaniens, der im Mittelalter über eigene Truppen verfügte. Er war der unmittelbare Bevollmächtigte des Papstes, und als solcher spielte er früher eine wichtige Rolle in der Geschichte Spaniens.
In der Folge dieser Entwicklung unter den Westgoten erlebte die Stadt eine weitere Blütephase.

Von Medievalista - File:Hispania_700_AD.PNG, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15985938

Die maurische Herrschaft
Die Mauren eroberten die Hauptstadt des Westgotenreiches im Jahr 712. Seine Blütezeit erlebte Toledo zur Zeit der Maurenherrschaft als Tolaitola während des Kalifats von Córdoba und als Hauptstadt der Taifa vor allem während der Dhun-Nuniden-Dymnastie. Nach der politischen Abhängigkeit vom Kalifat von Cordoba folgte in dem Taifa-Königreich eine größere Bedeutung von Toledo (ca. 1016-1085). Um 1032/33 schuf dann in der Taifa Toledo die Familie Banu Di-I-Nun eine neue Herrschaftsdynastie. Die Stadt wurde durch sie zu einem intellektuellen und künstlerischen Zentrum ersten Ranges.
Unter den herausragenden Mathematikern, Geometern, Astronomen und Ärzten des Königreichs Toledo ragt Azarquiel hervor, das Rückgrat der europäischen Astronomie bis zu Kopernikus. Eine seiner größten Leistungen war die Anpassung der bis dahin verwendeten astronomischen Tabellen an die Koordinaten von Toledo. Diese Tabellen wurden als Toledo-Tabellen bekannt. Es handelt sich um astronomische Datensammlungen, die zur Berechnung der Positionen, der Planeten, von Finsternissen und zur Kalenderrechnung nützliche Tabellen umfassen. Sie gelten heute als allgemeine Referenz für die Astronomie in ganz Europa. Wahrscheinlich haben auch anderen arabische Astronomen daran gearbeitet. Auch die Medizin hatte zu dieser Zeit ein hohes Niveau. Einer der bedeutendsten Ärzte war Ibn al-Bagunis. Der beste Arzt in Toledo und einer der bedeutendsten in Al-Andalus war jedoch ohne Zweifel Ibn Wafid in Toledo. Aufgrund seines guten Rufs wurden seine prestigeträchtigen Werke ins Lateinische übersetzt und in ganz Europa verbreitet. Er legte für seinen Herrscher u.a. einen botanischen Versuchsgarten an. Seine Schüler setzten seine wissenschaftlichen Arbeiten fort.
In der maurischen Zeit erwarb sich Toledo zusätzlich einen hervorragenden Ruf für seine Schwerter und anderer Stahlprodukte, wie Messer etc.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Christliche Herrschaft im Mittelalter
Nach mehrmonatiger Belagerung ergab sich das muslimische Toledo im Frühjahr 1085 kampflos dem Heer des kastilisch-leonesischen Königs Alfons VI. Als Alfons VI. die Stadt am 25. Mai 1085 betrat, gab es auf Grund der symbolischen und historischen Bedeutung – Toledo galt als Erbe des ehemaligen westgotischen Königsreichs – ein großes Aufsehen in der christlichen und muslimischen Welt des 11. Jhs. So ist es nicht überraschend, dass Toledo 1087 Residenz der Königreichs Kastilien wurde und bis 1561 Hauptstadt Spaniens blieb.

Die Bedingungen zur Übergabe waren äußerst günstig: Alle muslimischen und jüdischen Einwohner, die bereit waren, unter kastilischer Herrschaft zu leben, durften ihr gesamtes Eigentum behalten und ihren Glauben weiterhin frei ausüben, mussten nun allerdings Steuern an den neuen Herrn entrichten. Wer auswandern wollte, konnte mit ganzer Habe Toledo verlassen. Selbst die Hauptmoschee der Stadt sollte nach dem Willen Alfons VI. dem Islam erhalten bleiben. Als sie aber in seiner Abwesenheit zur christlichen Kirche umgewidmet wurde, verhinderte ein islamischer Gelehrter eine Eskalation.

„Stadt der drei Kulturen“ wird Toledo auch genannt. Denn hier begegneten sich Christentum, Judentum und Islam in Toleranz und inspirierten sich. Die seit 1085 kastilisch beherrschte Stadt wurde mehrheitlich von einer – auch der romanischen Volkssprache mächtigen – arabischsprachigen Bevölkerung bewohnt, die aus Muslimen (unter christlicher Herrschaft Mudejaren genannt), Juden und Christen (unter muslimischer Herrschaft Mozaraber genannt) bestand. Hinzu kamen im Zuge der Eroberung Kastilier, aber auch Franzosen, die vielleicht als die eigentliche imperiale Elite bezeichnet werden können. Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten. Begünstigt durch das Nebeneinander verschiedener Hochsprachen (Hocharabisch, Hebräisch, Lateinisch, Französisch) und Volkssprachen (Arabisch-Andalusisch, Romanisch-Kastilisch) und die Mehrsprachigkeit besonders der mozarabischen und jüdischen Bevölkerung wurde Toledo im 12. und 13 Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische und Romanische und spielte dadurch eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung arabischer Philosophie und Wissenschaft und ihrer griechisch-antiken Quellen in Europa. Ihrer Arbeit ist es so zu verdanken, dass das Abendland Zugang zu dem großen Wissensschatz der arabischen Welt bekam. Raimund von Toledo, dem Benediktiner-Orden angehörig, war Erzbischof von Toledo (1125-1152) und gründete die erste Übersetzerschule von Toledo.

Juden waren schon immer in Toledo zu Hause. Während der Herrschaft der Mauren aus Nordafrika waren sie Vermittler zwischen diesen und den Christen. Sie lebten ihren Glauben und bereicherten das intellektuelle und künstlerische Leben, von dem noch zwei erhaltene Synagogen aus dem Mittelalter zeugen: Santa María la Blanca – heute ein Museum – und die Synagoga del Tránsito, die Teil des Sephardischen Museums ist, das die Geschichte des spanischen Judentums erzählt.
Ende des 14. Jahrhunderts erschütterten Pogrome die Gemeinde. 100 Jahre später zerstörte das katholische Herrscherpaar Isabella und Ferdinand das Nebeneinander der Religionen vollends. Mit großer Brutalität verfolgten sie Juden und Muslime. Diejenigen, die sich nicht taufen ließen, wurden aus Spanien vertrieben. Im Zuge der spanischen Inquisition wurde auch in Toledo ein Inquisitionsgericht eingesetzt.

Krone von kastilien um 1400 Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Neuzeit
Auf der Iberischen Halbinsel kam es im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zu einer Reihe tiefgreifender Veränderungen, die den Übergang vom Mittelalter zur Moderne markieren. Vor allem die Katholischen Könige Isabel und Fernando förderten ab 1474 in Kastilien die Konzentration und Zentralisierung verschiedener administrativer, legislativer und ökonomischer Bereiche zugunsten der Monarchie. Königliche Bestrebungen nach mehr Einfluss gab es zwar bereits im 12. Jahrhundert, die Katholischen Könige wandten ihre Reformen aber erstmals auf alle Städte Kastiliens an und nicht nur auf einzelne Orte. So griffen sie unter anderem immer stärker in die Administration der Städte ein. Die Stadträte verloren damit nach und nach ihre Autonomie. Gleichzeitig bildete sich eine starke städtische Oligarchie heraus, die den von den Königen gelenkten Stadtrat besetzte.
Toledo war im 15. Jahrhundert eine wichtige Residenzstadt der kastilischen Könige und zählte zu den einwohnerstärksten Städten Kastiliens. Ende des 15. Jahrhunderts lag die Bevölkerungszahl Toledos bei ca. 35.000 Einwohnern. Bereits seit 1135 wurden hier die Königskrönungen vorgenommen. Erst 1561 büßte die Stadt ihre Bedeutung ein, als der Regierungssitz dauerhaft nach Madrid verlegt wurde. Seit 1520 bestand eine Königliche Universität von Toledo, die 1845 aufgelöst wurde.
Die Klingenfabrikation von Toledo fand ihr Entstehen schon im frühen Mittelalter durch die Mauren, denen sie auch ihren späteren hohen Ruhm verdankt. Abderhaman II. gestaltete in den Jahren 822 bis 852 die dortige Industrie vollständig um, ein Unternehmen, welches von ungemeinem Erfolg begleitet war. Am Ende des 15. Jhs. stritt Toledo mit Passau und Brescia um den Vorrang in der Klingenfabrikation. Dazu trug auch der Maure Julian del Rey außerordentlich bei, einer der berühmtesten Meister der spanischen Klingenindustrie, der u.a. in Toledo arbeitete.
Zu Beginn des 16. Jhs. kamen die besten Degenklingen aus Toledo. Toledaner Klingen hatten wegen der Elastizität der Waffen einen besonderen Ruf. Sie wurden, um ihre unübertreffliche Elastizität zu demonstrieren, auch kreisförmig eingebogen in den Handel gebracht. Neben ausgezeichneten Degenklingen wurden in der königlichen Waffenfabrik nahe des Tajo auch Säbel, Bajonette, Messer etc. verfertigt.

Wirtschaftlich war die Stadt im 16. Jahrhundert neben dem Metallhandwerk bekannt für Marzipan und ein Zentrum der Seidenherstellung. Eine 1748 gegründete Gesellschaft betrieb Maulbeerplantagen und Seidenraupenzucht. Seit der Maurenherrschaft wird in Toledo auch traditionell Marzipan hergestellt. Zwar gab es in Spanien schon zuvor große Felder mit Mandelbäumen, doch gab es noch keinen Zucker — ein weiterer wichtiger Bestandteil des Marzipans. Innerhalb von fünfzig Jahren nach Beginn der Maurenherrschaft schossen in Südspanien überall Zuckerrohrfelder aus dem Boden. Um das 11. Jahrhundert herum war Marzipan bereits eine Spezialität Toledos und seither erfreut es jeden Kenner. In Toledo findet man viele Spezialgeschäfte für Marzipan, das oft in Form kleiner Figuren erhältlich ist.

Ein berühmter Künstler der Stadt ist El Greco, der wie der Name schon sagt eigentlich Grieche war. Er wurde 1540 in Candia auf Kreta geboren, das damals zur Republik Venedig gehörte. Für  1576 ist die Anwesenheit El Grecos in Spanien nachgewiesen. Da er durch einen Freund mehrere Aufträge in Toledo bekam, zog er von Madrid nach Toledo. Dort lebte er mit einigen Unterbrechungen bis zu seinem Tod im Jahr 1614. 

20. Jahrhundert
Im Spanischen Bürgerkrieg war Toledo Schauplatz der Belagerung des Alcázars durch die Truppen Francos, der daraus einen faschistischen Mythos begründete.
Die Einwohnerzahl stieg im 20. Jahrhundert von ca. 23.000 auf ca. 68.000 Personen. Seither stieg sie weiter an auf über 85.000 Personen. Allerdings verliert die Altstadt kontinuierlich an Einwohnern, da es kaum Parkmöglichkeiten gibt und die Einkaufszentren und größeren Geschäfte in der der Neustadt zu finden sind.

Von El Greco - 7gGVJQ5lD6l6kw at Google Cultural Institute, zoom level maximum, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29846305
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Repoblación – Wiederbesiedlung in Spanien im Anschluß an die Reconquista

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Camino de Levante, Via de la Plata

Repoblacion ist ein spanischer Begriff für die Wiederbesiedlung eroberter Gebiete auf der iberischen im Rahmen der mittelalterlichen Reconquista. Diese Gebiete waren im Verlauf der Kämpfe zwischen Christen und Muslimen teilweise oder ganz verwüstet und entvölkert worden. Nach ihrer Besetzung durch christliche Truppen wurden dort Christen neu angesiedelt oder nahmen aus eigener Initiative Land in Besitz.

 

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Entvölkerung
Anfänglich ging die Repoblación vom Königreich Asturien aus, das sich im frühen 8. Jahrhundert (711–719) als erster christlicher Staat nach der muslimischen Eroberung der Iberischen Halbinsel gebildet hatte. Schon vor der muslimischen Invasion war in der Endphase des Westgotenreichs ein erheblicher Bevölkerungsrückgang durch Seuchen und Hungersnöte eingetreten. Der Norden der Pyrenäenhalbinsel wurde nach der arabisch-berberischen Eroberung durch kleine, meist aus Berbern bestehende Besatzungen gesichert. Viele dieser Berber zogen bei dem Berberaufstand von ca. 740/741 wieder nach Süden, um dort die Araber zu bekämpfen. Eine schwere Hungersnot führte in den Jahren 748–753 zu weiterer Entvölkerung des Nordens. Daher stieß König Alfons I. von Asturien (reg. 739–757) auf relativ wenig Widerstand, als er von seinem Reich aus weit nach Westen, Süden und Osten ins Tal des Duero und zum Oberlauf des Ebros vorstieß.
Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er alle Muslime, die er dort vorfand, töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.
Das Ausmaß des Wiederbesiedlungsphänomens, sowohl in seiner räumlichen Ausdehnung als auch während seiner Dauer, führte zu unterschiedlichen Formen der Besetzung und Eigentumsverteilung, je nach Raum und Zeit, in der es stattfand, und es wird wichtige soziale und wirtschaftliche Folgen für die christlichen Königreiche der Halbinsel haben, die z.T. bis heute wirken.

 

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

Vier Hauptmodelle der Wiederbevölkerung:
1. Presura 8.-11.Jh.
2. Repoblation consejil
3. Ordenes Militares
4. Repartimientos

Erste Bewegungen (8. – 11. Jh.) – „Presura“
Mönche und freie Männer ließen sich in den kargen Gebieten des nördlichen Duero-Tals und der unteren Pyrenäen nieder. Während die Wiederbesiedlung Galicien bereits im 8. Jh. begann, setzte die Repoblacion in Asturien erst Mitte des 9. Jh. an. Unter Ordoño wurden die Städte León und Astorga besiedelt, unter seinem Sohn Alfons III. Zamora, Simancas und das Gebiet zwischen Palencia und Medina del Campo, unter Ramiro II. (931–951) Salamanca und Ledesma. Hier wurden besonders viele aus dem arabischen Gebiet emigrierte Christen angesiedelt, unter denen auch Mönche eine wesentliche Rolle spielten. In Kastilien kam die Wiederbesiedlung immer wieder ins Stocken, da der muslimische Widerstand hier deutlich größer war.

Die Wiederbevölkerung wurde von der Monarchie gesteuert, vor allem durch Adelige und Klöster, die die ersten großen Ländereien schufen, aber auch durch freie Männer, denen individuelles Ackerland angeboten wurde. Die germanische Tradition schrieb dem Monarchen den Besitz des gesamten unfruchtbaren Landes zu. Der König konnte seinen Untertanen die Besetzung eines Teils dieser Ländereien gestatten. Alles, was nötig war, war, dass eine Gruppe von Siedlern ein Gebiet mit Wasser fand, in dem sie sich niederlassen und das leere Land bearbeiten konnten. Die Folge war eine Dominanz kleiner und mittelgroßer Immobilien. Im Verlaufe der Kolonisierung konnten die Siedler zu Eigentümern bzw. Pächtern ihrer Parzellen werden, wurden aber dafür schrittweise in das feudale System von Abgaben und Zwangsleistungen eingebunden.
Mit dieser Struktur entstand eine freie Bauernschaft, die jedoch in späteren Perioden (im Zuge der Grundherrschaft im 14. Jahrhundert) zu Vasallen wurde. Wichtig bei der Besiedlung war allerdings, dass die Männer bereit waren, das Land gegen muslimische Angriffe zu verteidigen. Wegen der ständigen Bedrohung durch die Muslime hatte die Besiedlung einen militärischen Charakter; die Ortschaften wurden befestigt und dienten der ländlichen Bevölkerung als Fluchtburgen.

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Entwicklung und Stärkung von Städten (12. Jh.) – „Repoblacion concejil“
Im der zweiten Hälfte des 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert wurden viele städtische Zentren entweder durch Neuerrichtung oder durch die Eroberung vorher von Muslimen besetzter Städte wieder entwickelt. Die Wiederbevölkerung erreichte Kastilien, das Guadalquivirtal, die Gegend um Tarragona, das Ebrotal, Levante und Südportugal. Es geht nicht mehr darum, Brachland zu besetzen, sondern die Kontrolle über eroberte besiedelte Gebiete zu sichern.
Große Gemeinden entstanden vor allem zwischen den Flüssen Duero und Tejo sowie im Ebro-Tal. Nach der Eroberung Toledos (1085) begann auch im Süden Kastiliens (Neukastilien, Kastilien-La Mancha) die Wiederbesiedlung. Nun kamen viele Einwanderer aus Südfrankreich ins Land; ihre Ansiedlung wurde von König Alfons VI. von Kastilien (1072–1109) gefördert.
Die Monarchen erteilten den Siedlern, die sich in diesen großen Gemeindegebieten konzentrierten, umfassende Regeln, die alle Aspekte des Gemeindelebens regelten. In diese Städte kommen freie Männer, Adlige, insbesondere Ritter usw.
Im Gegenzug erklären sich die Städte bereit, städtische Milizen für die Armee des Königs zu bewaffnen. Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros- s. Abschnitt unten). Parallel zur Wiederbevölkerung der Städte kam es auch zu einer Wiederbevölkerung der Dörfer mit Kernen von etwa zehn Einwohnern. Den neuen Siedlern des Gebietes wurde ein Stück Land und Ackerland zugeteilt, das nach einigen Jahren in ihren Besitz überging. Ebenso konnten sie gemeinschaftliches Land und Eigentum nutzen. Die daraus resultierende Eigentumsstruktur war durch das Überwiegen des freien Mittelbesitzes und den Überfluss an Gemeindeland gekennzeichnet. Im sozialen Bereich entsteht eine komplexe urbane Realität, in der das Bürgertum eine große Bedeutung erlangt.

Die Bedeutung der Militärorden (Mitte des 12. Jahrhunderts – Anfang des 13. Jahrhunderts) – „Ordenes Militares“

Diese Orden waren im Becken des mittleren Guadiana und im Becken der Flüsse Guadalope (Nebenfluss des Ebro) und Guadalaviar oder Turia tätig. Die Militärorden waren eine Art Bruderschaft von Mönchsrittern, deren Aufgabe es war, die Muslime zu bekämpfen. Während dieser Zeit wurde die Wiederbesiedlung der eroberten Gebiete den Militärorden anvertraut. Die bekanntesten waren die von Calatrava in Kastilien, die von Alcántara und Santiago in León und die von Montesa in der Krone von Aragon. In der Veraltung dieser Orden entstanden große Ländereien, auf denen sie für zahlreiche bäuerliche Vasallen verantwortlich waren. Der Besitz gelangte somit in die Hände des Hochadels und die freien Bauern verschwanden. Die Eigentumsstrukturen bestanden damals aus großen Anwesen, die der Viehzucht gewidmet waren, der geeignetsten Lösung für ein Gebiet mit viel Platz, aber gleichzeitig einem Mangel an Arbeitskräften.

Gezielte Verteilungen des Landes an die Eroberer (13. Jahrhundert) – „Repartimientos“

Auf diese Weise werden Andalusien, Extremadura, Murcia und ein Teil Valencias neu besiedelt. Mit der Wiederbevölkerung blieb das System der Großgrundbesitze bestehen und es entstanden große Adelsgüter, sowohl weltliche als auch kirchliche. Die neu eroberten Ländereien wurden nach dem Repartimiento-System aufgeteilt, d. h. die Könige gaben die den Muslimen abgenommenen Ländereien und Besitztümer an diejenigen weiter, die an der Eroberung beteiligt waren. So entstand eine systematische, genau geregelte Aufteilung von Ländereien. Große Grundstücke (Repartimentos, Donadíos…) gingen an Militärorden, Adel oder den König selbst. Dadurch entstand ein Eigentumstypus großer und mittlerer Grundbesitzer, dessen Größe und Wert vom sozialen Rang des Berechtigten abhing. Die Eigentumsverhältnisse waren ähnlich wie in der vorherigen Phase. In der dritten und vierten Phase treten die für das feudale Gesellschaftsmodell typischen Verhältnisse persönlicher Abhängigkeit (Vasallität) auf. Die Vasallität basiert auf dem Prinzip der absoluten Kontrolle und Macht des Lehnsherrn über den Vasallen und ist ein starres und unflexibles System.

Fueros
Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros), deren Zweck im Allgemeinen darin bestand, das lokale Leben zu regeln, indem sie eine Reihe von Rechtsnormen, Rechten und Privilegien festlegten , die vom König dem Landesherrn oder dem Rat selbst gewährt wurden , also die Gesetze eines Ortes. Es handelte sich um ein System lokalen Rechts das seit dem Mittelalter auf der Iberischen Halbinsel Anwendung fand und die wichtigste Quelle des spanischen Rechts im Hochmittelalter darstellte
Die muslimische Eroberung der Iberischen Halbinsel bedeutete auf rechtlicher Ebene den Bruch mit der Einheit, die im Westgotenreich durch das Liber Ludiciorum erreicht worden war, unbeschadet der eventuellen Ausübung einiger anderer als der im besagten Rechtstext genannten Bräuche.
Angesichts dieser Situation fiel die rechtliche Reaktion unterschiedlich aus, je nach den Umständen, die in den einzelnen Regionen des Landes auftraten.
Der Beginn der Reconquista führte zur Bildung verschiedener christlicher Königreiche und zur Formulierung eines neuen , pluralistischen und vielfältigen Rechts in ihnen , das sich im Allgemeinen dadurch auszeichnete, dass es sich im Wesentlichen um ein lokales Recht handelte .
Das Unternehmen der Rückeroberung bedeutete nicht nur, die Muslime militärisch zu besiegen , sondern auch, die eroberten Gebiete neu zu bevölkern. In den Gebieten, die aufgrund ihres wirtschaftlichen oder strategischen Werts für eine Wiederbesiedlung interessant waren , begannen die christlichen Könige und die weltlichen und geistlichen Herren eine Reihe von Privilegien zu gewähren , um Siedler zur Ansiedlung zu bewegen und so die Grenzgebiete grundsätzlich zu sichern und sie wirtschaftlich wiederzubeleben. Die Urkunden, in denen derartige Privilegien und Befreiungen festgehalten wurden, hießen Stadtrechte oder auch Bevölkerungsrechte ( chartae populationis ).
Die Urheber der Urkunden waren die jeweiligen Landesherren – christliche Könige , weltliche oder kirchliche Herren –, die aus eigener Initiative (oder als Beauftragte des Königs) oder manchmal auf Ersuchen ihrer eigenen Untertanen handelten. Im letzteren Fall verlieh es diesen Vereinbarungen einen gewissen paktartigen Charakter .Die ältesten erhaltenen Briefe stammen aus dem 9. Jahrhundert.
Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts begann man, lokales Recht schriftlich niederzulegen. Dabei wurden Regeln aus verschiedenen Quellen gesammelt, die im Allgemeinen dem Ersteller der ersten Bevölkerungsurkunde zugeschrieben wurden. Dieser Prozess führte zu neuen Urkunden, die die Form königlicher Privilegien annahmen und unter einer vielfältigen Nomenklatur präsentiert wurden – unter anderem chartae fori , chartae libertatis , confirmationis , privilegii .

Inhalt
In den Urkunden waren die Bräuche der einzelnen Orte sowie die ihnen von den Königen gewährten Privilegien zusammengefasst und es waren Bestimmungen enthalten, die den Adel, den Klerus und die Vasallen eines Gebiets schützten.
Es handelte sich um einen feierlichen Pakt zwischen den Siedlern und dem König und im weiteren Sinne auch um die Gesetze, die für eine bestimmte Region oder einen bestimmten Ort galten.
Für den Abschluss des oben genannten Pakts war stets die Unterschrift des Königs erforderlich, denn selbst wenn derartige Ansprüche mit einem Adligen niedrigeren Ranges besprochen wurden, war es der König, der schwor, die beanspruchten Rechte zu respektieren und durchzusetzen.
Urkunden, wie etwa die Cartas Pueblas, sind eine Reihe von Gesetzen und Freiheiten, die den Siedlern einer Stadt gewährt werden, also einer Bevölkerung ohne Herrschaft oder deren Herrschaft dem König gehörte. Diese Gesetze legten die Freiheiten im Einzelnen fest, wie etwa die Wahl eines Bürgermeisters, Tribute an die Krone, die Verpflichtung, die königliche Armee mit Bauern und Rittern zu unterstützen, und viele Vorrechte, die den Mann in der Stadt freier machten als den Bauern im Feudalregime.

 

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Castro-Kultur (prtugiesisch: Cultura Castreja, galicisch: Cultura Castrexa, spanisch: Cultura Castreña) ist eine zusammenfassende archäologische Bezeichnung für eisenzeitliche Kulturen auf der nordwestlichen Iberischen Halbinsel, die seit dem Ende der Bronzezeit (1.Jahrtausend v.Chr.) bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bestanden. Sie wurde nach den charakteristischen Castros, den befestigten Siedlungen, benannt, die meist auf Hügeln mit guter Sicht angelegt wurden.

Castro de Viladonga De {{{1}}}, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62343224 Castro

Geschichte

Die Castro-Kultur begann sich am Ende der Bronzezeit aufgrund kultureller Einflüsse der zentraleuropäischen und mediterranen Kulturen zu entwickeln. In der anschließenden Periode, die bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. reichte, breiteten sich die Castros vom Süden nach Norden und von der Küste ins Innere der Iberischen Halbinsel aus. Die Expansion setzte sich  fort, bis im 2. Jahrhundert v. Chr. der Einfluss des Römischen Reiches stärker wurde. Mit der Gründung der römischen Provinz Gallaecia war dann das Ende der Castro-Kultur besiegelt. Für die Römer spielten die Vorkommnisse von Gold und anderen Metallen im Norden der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle bei der Eroberung. Diese wurden dann auch in den folgenden Jahrhunderten hier ausgebeutet. So wurden z.B. viele der römischen Münzen mit dem Gold aus Spanien geprägt. Nach einer Übergangsphase war die Castro-Kultur im 4. Jahrhundert n. Chr. verschwunden.

Von Froaringus - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11799792 Schwerpunkt der Castro-Kultur in Galicien

Regionale Verteilung

Die Castro- oder Castrexa-Kultur entwickelte sich im Nordwesten der Iberischen Halbinsel.

Das Gebiet umfasste mit seinem Zentrum im heutigen Galicien zudem den Norden des heutigen Portugals sowie die zentralen und westlichen Gebiete Asturiens und kleine Gebiete weiter südlich bis zum Fluss Duero.

Eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten der portugiesischen, galicischen und asturischen Castros ist ihre exponierte Lage. Die meisten von ihnen befinden sich auf Hügeln, Bergkuppen oder Anhöhen und boten so einen optimalen Schutz gegen Angriffe. Diese Dörfer oder Kleinstädte (manchmal mehr als 1000 Einwohner) waren zudem von Mauern oder Wällen geschützt. Im Innern finden sich meist runde oder auch rechteckige Steinhäuser und schmale Gassen.

Castro de Coana Von Markus Braun - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1304407

Einige Beispiele:

  • Das größte bisher ausgegrabene befestigte Castro de Viladonga  liegt in der Region Lugo. Es nimmt eine Fläche von ca. 4 Hektar innerhalb der Mauern ein, davon umfasst  der Croa (der höchste Teil der Festung)  10.000 qm mit einer unregelmäßigen viereckigen Form ein.
  • Castro Borana in der Nähe der Gemeinde Porto do Son in Galicien ist eines der besterhaltenen und besonders spektakulär liegenden Castros. Es befindet sich auf einer nur über eine tief liegende Landenge verbundenen kleinen Halbinsel direkt am Meer.
  • Das Castro de Coana in Asturien liegt nahe der Stadt Navia und somit in der Nähe des Camino del Norte. Sehr gut erhalten sind die fast 100 meist kreisrunde Fundamente der Steinhäuser der auf einer Bergkuppe gelegenen Siedlung.
  • Am Castro Teso de las Catedrales in Salamanca an der Via de la Plata wurden die Ausgrabungen erst in den letzten Jahren intensiviert.
Von L.Miguel Bugallo Sánchez (http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Lmbuga) - self made, http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Castro_de_BaroNa.Galiza.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2761701
Castro de Barona Von AnaisGoepner - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59339819
Lage zweier Castros in Salamanca

Lebensform

Die Castro-Wirtschaft basierte auf der Landwirtschaft mit Getreide wie Weizen, Hirse, Hafer und Gerste, Hülsenfrüchten wie Bohnen und Kichererbsen, Kohl, Rüben usw. und Viehwirtschaft mit Kühen, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen. Sie jagten aber auch Hirsche und Wildschweine, fischten und sammelten Muscheln.

Der Abbau von Gold, Eisen, Kupfer, Zinn und Blei spielte ebenfalls eine Rolle. Die Erze wurden von den Castro-Metallurgen zu Werkzeugen und Schmuck verarbeitet. Zahlreiche Funde von Silber- und Goldreifen, Ohrringen und Ringen weisen auf Prunk- und Schaustücke für die Elite in der Hierarchie der Stämme hin. Die typischen keltischen Torques (offene Halsringe) machen die keltische Zugehörigkeit der Castro-Bevölkerung wahrscheinlich.

Die Skulptur war vor allem in den südlichen Gebieten weit verbreitet. Unter den Waffen stechen die Kurzschwerter und die „Antennen“-Dolche hervor, die allerdings in ihrer Anzahl selten sind.

https://viladonga.xunta.gal/en/museo/coleccions/pezas/torques-or-rigid-collar-open
Von Joseolgon - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19085340
Von Xemenendura - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16347577
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Ihre allgemeine Bedeutung

Die Klöster im Mittelalter waren wohl mit einer der wichtigsten, wenn nicht vielleicht sogar die wichtigsten religiösen Institutionen. Sie wurden von verschiedenen Orden geführt. Unter einem Orden versteht man eine Gemeinschaft von Männern oder Frauen, die nach bestimmten, festgelegten Regeln leben und sehr häufig ein Ordensgewand, den Habit, tragen. Zentral und für ihre spirituelle Ausrichtung entscheidend sind dabei drei Lebensprinzipien: Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam.

Als Kultur- und Bildungszentren bewahrten und vermittelten die Ordensgemeinschaften das Wissen der Antike, trieben selbst Forschung und schufen Handschriften und Kunstwerke, die noch heute staunen lassen. Außerdem ist die romanische Kunst ohne den Einfluss der Orden der Benediktiner und Zisterzienser kaum zu verstehen.

Teilweise als Eigentum von Königen, Adligen oder Bischöfen aber auch später eigenständig nur dem Papst unterstellt waren sie z.T. eng mit dem politischen Geschehen verknüpft. Als Großgrundbesitzer und Landwirte versorgten sie zudem in den wenig entwickelten Gegenden, in denen viele der Klöster lagen, das Umfeld mit Nahrung und Gütern oder boten Arbeitspätze für die Einheimischen.

Auch für die Entwicklung des Pilgerwesens waren sie von besonderer Bedeutung. So beherbergten Klöster und ihre karitativen Einrichtungen entlang dieser Routen die Pilger. Die Verpflichtung zur Aufnahme von Gästen ist teilweise in den Ordensregeln festgeschrieben und findet sich – gut nachvollziehbar für den Benediktinerorden – in deren Regeln, in Kapitel 53, welche die Aufnahme von Gästen der von Jesu gleichstellt. Mit der Reformation wurden viele Klöster aufgelöst und ihre karitativen Aufgaben mussten von den zivilen Behörden übernommen werden. Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, waren im Mittelalter unzählige Menschen unterwegs. Die Pilger durften  – wie auch heute noch größtenteils – meist nur für einen Tag unter sicherer Obhut übernachten.

In Spanien kam noch hinzu, dass die Klöster im Rahmen der Reconquista ein wichtiger Faktor waren für die Wiederbesiedlung und Stabilisierung unfruchtbarer oder umstrittener Gebiete zwischen Mauren und Christen. Hier sind – wie unten noch aufgezeigt wird – die Zisterzienser von besonderer Bedeutung.

Bildnis von Giovanni Bellini 15. Jh. Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52066438

Die Vorgeschichte und die Bedeutung des heiligen Benedikt, des „Vaters der mittelalterlichen Klöster“

Schon kurz nach Gleichstellung der Religionen durch die Mailänder Vereinbarung von 313 zieht es damals Scharen frommer Frauen und Männer in die Wüsten Ägyptens, Syriens und Palästinas. Fern von der übrigen christlichen Gemeinde und den Verführungen der Städte wollten sie als Einsiedler (Eremiten, griech. eremos, Wüste) oder Teil einer Eremitenkolonie (Koninobiten, griech. koinos, gemeinsam) ein bedingungslos frommes Leben, die Vita religiosa, führen. Harte körperliche Arbeit und Kontemplation, Askese und Abgeschiedenheit prägten den Alltag der Aussteiger. Um dem gemeinsamen Leben eine Ordnung zu geben, unterwarfen sie sich bald verbindlichen Regeln. Das ist die Geburtsstunde des ersten Mönchsordens.

Der wahre „Vater“ des westlichen mittelalterlichen Klosters war der Heilige Benedikt von Nursia. Der heilige Benedikt gründete nach einem intensiven Ordensleben, darunter drei Jahre Eremitenleben, das Kloster Monte Cassino in der Provinz Frosinone in Italien. Dort verfasste er um das Jahr 540 seine berühmten Regeln, die Demut, Selbstverleugnung und Gehorsam als Grundpfeiler des Mönchslebens festlegen. Beim Eintritt in die Gemeinschaft verlässt man die Welt, indem man die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams akzeptiert, da das Klostermodell von San Benito die Klausur als eine Möglichkeit zur Wahrung der moralischen Integrität etabliert.

Ein weiterer wichtigster Grundsatz der Benediktinerregeln, die für die Entwicklung der mittelalterlichen Welt von grundlegender Bedeutung sein wird, war die Aufforderung:

„Ora et labora“ .

Dies ist von grundlegender Bedeutung, da mittelalterliche Klöster im Allgemeinen und romanische Klöster im Besonderen Zentren der Spiritualität waren. Das „labora“ bezieht sich zum einen auf die landwirtschaftliche Produktion, denn jedes Kloster musste seinen Unterhalt selber verdienen. Zum anderen bezog es sich auch auf die handwerkliche und künstlerische Produktion, insbesondere in den Bereichen Eboraria (Kunst der Elfenbeinskulptur), Emailverarbeitung, Goldschmiedekunst und Buchmalerei.

Der Benediktinerorden (Ordenskürzel OSB für Ordo Sancti Benedicti) darf wohl als der älteste, traditionsreichste und wirkmächtigste Orden des Christentums gelten. Sie sind heute noch an ihrem komplett schwarzen Ordensgewand erkennbar.

Nordansicht und Grundriss im späten 17./frühen 18. Jh. des Klosters Cluny

Die Cluniazensklöster

In Nordspanien existierten im 8. und 9. Jh. bis ins 10. Jh. zahlreiche Klöster, die dann nach und nach die Regeln des hl. Benedikt übernahmen. Dabei handelte es sich um kleine Klöster, die von bescheidenen Spendern unterstützt wurden. Doch im Laufe der Jahrhunderte geriet die radikale Ausrichtung an der Lebensweise Jesu auch im Mönchtum immer wieder in Vergessenheit und es kam zu einer häufig problematischen Beziehung zu den weltlichen Herrschern, die sich nicht nur als Stifter eines Klosters betätigten, sondern nicht selten auch im weiteren Verlauf massiv in die Geschicke des Klosters im eigenen Interesse eingriffen, z. B. bei der Bestimmung des Abtes oder bei der Kriegspflicht. Auch die Mönche selbst wurden durch den wachsenden Reichtum in ihrer Lebensweise lax, lebten zum Teil nicht mehr von ihrer Hände Arbeit, sondern von Spenden und Zustiftungen und frönten einer ausschweifenden Lebensweise. Die Ausbildung des Lehnswesens, der Reichtum an Land und Leuten, der sich in den Klöstern angehäuft hatte, schob die Interessen der Bildung und Erziehung, der Religion und Wissenschaft in den Hintergrund, und Interessen weltlicher Art traten vor.

Nach mehreren Reformbewegungen wird die Entwicklung des Benediktinerordens im französischen Cluny im 11. Jh. zum Schlüssel der erneuerten klösterlichen Entwicklung in ganz Europa. Von seinem ersten Gründungsmoment an erlangte der Orden von Cluny absolute Unabhängigkeit von jeglicher weltlichen oder kirchlichen Macht und war nur noch gegenüber dem Papst verantwortlich. Dies galt für Cluny und alle seine am Ende des 13. Jhs. etwa 1200 in ganz Europa mit ihm verbundenen Klöster. Dabei handelt es sich sowohl um Männer- als auch Frauenklöster.

Der andere Faktor, der die Vergrößerung des Ordens von Cluny ermöglichte, war die erfolgreiche Schaffung einer zentralisierenden organischen Struktur im Vergleich zu der üblichen Zerstreuung und Auflösung, die die Benediktinerklöster bis dahin erlebt hatten. Dies war nur möglich dank der internationalen Immunität gegenüber Königen und Adligen, die ihm die päpstliche Abhängigkeit ermöglicht hatte.

Die wesentlichen organisatorischen, politischen und religiösen Aspekte der „Schwarzen Mönche“ lassen sich in folgenden Punkten kurz zusammenfassen:

  • Exklusives Vasallentum an Rom und Verteidigung seines moralischen Vorrangs
  • Das Vorherrschen einer pyramidenförmigen hierarchischen Struktur zwischen Prioraten, untergeordneten Abteien und angeschlossenen Abteien.
  • Mönche aus der Aristrokratie und Unterstützung der feudalen Gesellschaft der Zeit, Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Adligen und Bischöfen (trotz seiner Immunität gegenüber ihnen)
  • Entscheidende Verschärfung der Klerikalisierung(d.h. mehr Einflussnahme der Kirche auf das öffentliche Leben in Staat und Region). Cluny vervielfachte die Zahl der Priester unter seinen Mitgliedern.
  • Verbreitung des liturgischen Gebets und der Chorfeier der Eucharistie im klösterlichen Leben im Vergleich zu manueller Arbeit, die irrelevant wurde und von untergeordnetem Personal (u.a. Laienbrüdern und – schwestern) ausgeführt wurde.
  • Erhaltung und Verbreitung der Kultur dank der Arbeit ihrer Skriptorien, in denen ständig Manuskripte kopiert wurden.
  • Die Ländereien und die darauf erhobenen Abgaben sicherten der von der weltlichen Steuer befreiten Kirche eine wirtschaftliche Unabhängigkeit und eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben
https://www.rdklabor.de/w/index.php?curid=10098 Das idealisierte Benediktinerkloster hier St. Gallen

Kunst und Architektur

Ohne Clunys Beitrag ist die romanische Kunst nicht zu verstehen. Das von Cluniazensermönchen in ganz Europa betriebene Netzwerk von Klöstern und die Kommunikation zwischen den europäischen Königreichen internationalisierten eine künstlerische, kulturelle und religiöse Manifestation, die sich mit großer Einheit im gesamten Westen verbreitete. Gefördert wurde dies noch durch die Unterstützung der Pilgerfahrten durch die Benediktiner.

Die entstehenden Klöster wurden nach einem bestimmten System gestaltet. Der im Äußeren des Klosters am stärksten hervortretende Teil ist auch der Idee nach der erhabenste: die Kirche. Ihr geistiger Mittelpunkt ist der Hauptaltar, von dem aus sich die übrige Anlage entwickelt. Die weitaus vorherrschende, aus der altchristlichen Kunst übernommene Basilika weist vom 8. Jh. an in Bezug auf Grundriss und Aufbau große Mannigfaltigkeit auf.

Wie die mittelalterliche Klosterkirche, so ist auch das zugehörige Klaustrum, der Klosterhof, eine Neuschöpfung der Benediktiner im Anschluss an antike Vorbilder. Die Übernahme des antiken Säulenhof im Klosterbau erwuchs aus der Notwendigkeit, die regulären Räume untereinander und mit der Kirche zusammenzuschließen, um das gemeinsame Leben für eine große Zahl von Mönchen zu ermöglichen. 

An den um die Kirche gruppierten rechteckigen Wohnbezirk des Baus sind die Wirtschaftsgebäude so angeschlossen, dass aus dem Ganzen ein zweites Rechteck entsteht. Für Schuster, Sattler, Gerber, Walker, Schwertfeger, Schildmacher, Bildhauer und Goldschmiede sind besondere Gebäude vorgesehen.

Den ganzen Klosterbezirk umgab die äußere Ringmauer und bildete somit einen Komplex an Einheit und Geschlossenheit. 

Neben dem Klosterbau ist auf die besondere Bedeutung der Benediktiner für die Bilderhauerkunst hinzuweisen. Die Skulpturendarstellung entwickelte sich zu einem beeindruckenden Bauelemente der Romanik. Auch auf die Gemälde an den Wänden der Kirchen, die leider heute nur noch fragmentarisch zu finden sind, sind zu beachten. Es gibt Autoren, die argumentieren, dass die Explosion historischer Skulpturen und Gemälde das Ergebnis eines vorsätzlichen Projekts der Cluniazenser sei, die sich bewusst waren, dass Menschen, meist Analphabeten, aus Bildern lernen mussten, was sie in der Heiligen Schrift nicht lesen konnten.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santo Domingo de Silos, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71843978
Abtei Santo Domingo de Silos Von Ugliku - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35447200 Kapitell mit Fabelwesen in

Die Krise des Ordens von Cluny kam in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts. Die Gründe für den Niedergang des Ordens in diesen Jahren lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:

  • Übermäßige Starrheit der eigenen Struktur, die die Flexibilität zwischen den verschiedenen Häusern erschwerte und so die gesamte Ordnung lähmte.
  • Dank Steuererleichterungen und Schenkungen wuchsen die Klöster und ihr Reichtum, so dass die Mönche im Laufe des Mittelalters immer weniger körperliche Arbeit verrichten mussten, da sie sich nun auf die Arbeit von Laienbrüdern, Lohnarbeitern oder Leibeigenen (unfreien Arbeitern) verlassen konnten.
  • Die sich daraus teilweise ergebenden Ausschweifungen in Cluny bezüglich Lebensweise und Hybris im Kirchen- und Klosterbau
  • Massive Eingliederung aufstrebender Adliger ohne Berufung, die von den Privilegien des klösterlichen Lebens profitieren wollten und ihre Klöster als Versorgungsanstalten aufsuchten. Wir müssen bedenken, dass die Rekrutierung von Mönchen in Klöstern in den meisten Fällen adeligen Ursprungs war. Die zweiten Söhne dieser Adligen, die den Familientitel nicht erbten, wurden Mönche und nahmen einen Teil des Erbes mit, das sie dem Kloster schenkten.
  • Daraus ergab die Erschlaffung des Eifers für das klösterliche Leben und für wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit, den Grundlagen des benediktinischen Mönchtums.
  • Eine neue fortschreitende Orientierung des westlichen Mönchtums im 12. Jahrhundert hin zu eremitischen und asketischen Aspekten, die die Entstehung neuer Orden wie den der Zisterzienser beeinflusste, und den Benediktiner immer stärker den besten Nachwuchs entzogen.
  • Die Ausbreitung dieser neuen Ordenszweigen, vornehmlich der Zisterzienser, und die Entstehung der Bettelorden im 13. Jhd. taten dem Einfluss des Ordens großen Abbruch, während er bei wachsendem Reichtum immer mehr verweltlichte. 
  • Zudem litt der Orden gerade im Bereich der Wissenschaft sehr durch die Rivalität der beinahe allmächtig gewordenen Jesuiten.
  • Die Reformationszeit hinterließen dann tiefe Spuren im Benediktinerorden.

Von den insgesamt 15.107 Klöstern des 15. Jhs. lässt die Reformation nur etwa 5000 übrig. Im 14. Jahrhundert gehörten dem Orden 37.000 Mitglieder an, im 15. Jahrhundert nur noch knapp halb so viele, zur Reformationszeit zählte die Ordensfamilie gerade noch 5000 Mitglieder.

 

Zunächst aber wurde Cluny zum geistigen Oberhaupt eines europäischen Netzwerks von Klöstern und Prioraten. Cluny muss als wichtiger Einflussfaktor in religiöser, sozialer, wirtschaftlicher und künstlerischer Hinsicht für das Europa des 10. und 11. Jahrhunderts anerkannt werden:

die endgültige Einführung eines strukturierten Benediktinerordens, der viel für die am stärksten benachteiligten Schichten der Gesellschaft tat,

die Förderung von Pilgerfahrten – insbesondere auch nach Santiago de Compostela–, der fruchtbare Austausch von Ideen, Wissen und Techniken zwischen den europäischen Gebieten,

die Vereinheitlichung der Liturgie und

die Förderung jener großen gesamteuropäischen Kunst führte, die wir heute Romanik nennen

Einige wichtige Benediktinerklöster entlang der Caminos (Angaben aus wikipedia plus Ergänzungen):

  • Kloster San Juan de la Pena (920-1798)   Camino Aragonés
  • Kloster San Salvador de Leyre (848 bis 1273, dann bis 1836 Zisterzienser, ab 1945 wieder Benediktiner       Camino Aragonés
  • Kloster Santa Maria la Real de Irache bei Estella (914-1824, aufgehoben)      Camino francés
  • Kloster Santa Domingo de Silos (929, bestehend) gilt wegen ihres romanischen Kreuzgangs als „eines der berühmtesten und kunsthistorisch bedeutendsten Klöster Spaniens“            Camino del Cid, Ruta de la Lana
  • Kloster Santo Toribio de Liebana (1125? – 1835, seit 1961 Franziskaner)      Camino Lebaniego nahe Camino del Norte
  • Kloster Sobrados dos Moxes (10.-12.Jh., 1142-1835 Zisterzienser, seit 1966 Trappisten      Camino Francés, Camino Primitivo
  • Santa Maria de Real de Nájera (1052, 1079-1486 Benediktiner, ab 1895 Franziskaner)       Camino Francés
  • Kloster von Samos, Kloster de San Julián y Sante Basilisa (5./6.Jh. eines der ältesten Klöster der Welt, 10./11. Jh. -1835 Benediktiner ab 1880 wieder)        Camino Francés

 

Der Zisterzienserorden

 Geschichte

Bevor Robert von Molesme, ein Mönch und Förderer des Zisterzienserordens, im Jahr 1075 das Kloster Molestes gründete, war Cluny der einflussreichste Orden in Europa. Aber die oben genannten Gründe führten wieder zu neuen Reformbewegungen, unter denen die Zisterzienser die bedeutendste war. 1098 legte Robert von Molesme den Grundstein für diesen Orden mit der Gründung des Klosters von Citeaux in einer Einöde in der Nähe von Dijon. Alberich und Stephan Harding, zwei Äbte, die ihm folgten, gaben dem Orden wenig später seine Verfassung. Doch ohne den hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153) hätte diese Neugründung (erkennbar an ihrem weißen Untergewand mit dem schwarzen Skapulier darüber) höchstwahrscheinlich allein personell die Anfangsjahre nicht überstanden. Zunächst entstanden in waldigen Einöden La Ferté (Firmitas), Pontigny (Pontis nidus), Clairveaux (Clara vallis) und Morimond (Mors mundi). Von diesen fünf Klöstern leiteten sich später alle weiteren ab. Mit seiner fesselnden, charismatischen Art brachte Bernhard, Abt von Clairveaux, nicht nur bereits bei seinem Eintritt knapp 30 Verwandte und Freunde mit in den Orden, sondern gründete im Laufe seines Lebens 165 Filiationen (Töchterklöster, die ihrem Mutterkloster verbunden blieben), was die Hälfte aller damals bestehenden Zisterzen ausmachte. Dabei sollten neue Zisterzen für Mönche zunächst nur in unbewohnten und wasserreichen Gegenden erbaut werden und die Möglichkeit für eine ausgedehnte Landwirtschaft im Eigenbau bieten.

Von Chabacano - Own work based on Image:BlankMap-Europe no boundaries.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1647214

Die Ausbreitung der Zisterzienser im 12. Und 13. Jh.

Die Ausbreitung der Zisterzienser auf ganz Europa erfolgte schrittweise durch die Tochterabteien, die im 12. und 13. Jahrhundert errichtet wurden. Die vier Gründerhäuser aller anderen Zisterzienserklöster waren somit Citeaux, La Ferté, Pontigny, Morimond und Clairvaux. Die übrigen Abteien sind Töchter oder Tochtergesellschaften ersten, zweiten oder dritten Grades. Dabei konnte die Gründung der Klöster auf drei verschiedenen Arten geschehen, erstens durch Neugründungen meist in entlegenen Gebieten, zweitens durch die Übernahme von bestehenden Einsiedlergemeinschaften und drittens durch die Übernahme bereits bestehender Klöster durch den Zisterzienserorden. So lässt sich erklären, warum einige der oben genannten Benediktinerklöster später von Zisterziensern geleitet wurden.

Wir können davon ausgehen, dass das Ende des 13. Jahrhunderts mit der größten Verbreitung des Ordens zusammenfiel und 700 Abteien erreichte. Der Orden hatte Niederlassungen in allen Ländern Westeuropas. Frankreich, das Mutterhaus der Zisterzienser, hatte mit 244 Abteien die größte Zahl. Es folgten Italien mit 98, das Heilige Römische Reich mit 71, England mit 65 und Spanien mit 57. Der Rest verteilte sich auf die Niederlande, Polen, Schweden, Österreich, Böhmen, Ungarn, Portugal und Irland. Es ist anerkannt, dass interessanter Weise dem galicischen Kloster Sobrado im Westen Spaniens der Anspruch zusteht, das älteste Zisterzienserkloster der Iberischen Halbinsel zu sein.

Die regulative Strenge der Zisterzienser hielt allerdings nicht lange an, und gegen Ende des 13. Jhds. wurde allgemein über die Verweltlichung auch dieses Ordens geklagt. Reichtum und Laxheit wurden schon im 15. Jhd. so arg, dass auch hier viele Mönche für die ursprüngliche Strenge auftraten, neue unabhängige Orden gründeten und dadurch das Ansehen immer mehr schwächten. Die Reformation schwächte den Orden zusätzlich. Letztendlich brachte die Säkularisierung nahezu den Untergang des Ordens.

Der Hauptgrund für den schlechten Zustand, in dem sich viele Zisterzienserklosterkomplexe befinden – bis hin zu den fortgeschrittenen Ruinen –, ist genau ihre abgelegene Lage von städtischen Zentren. Nach der Beschlagnahmung von Mendizábal im 19. Jahrhundert wurden diese Klöster aufgegeben oder gelangten in private Hände, die kaum in der Lage oder willens waren, sie zu unterhalten.

Während wir den Cluniazensern zahlreiche Beiträge zum Aufbau Europas verdanken, werden die Zisterzienser durch eine stärker auf Armut und Arbeit ausgerichtete Religiosität gekennzeichnet, die sich – neben vielen anderen Errungenschaften – in der Rodung und Erschließung von für die Landwirtschaft unwirtlichem Land niederschlug. Die Zisterzienserorden brachten viele Anregungen und Fortschritte auf dem wirtschaftlich-technischen Gebiet des Acker – und Gartenbau ein. Damit beeinflusste er maßgeblich das Siedlungswesen im Hochmittelalter und war als Kultivator des Bodens von entscheidendem Einfluss für die Landwirtschaft.

s. Jaspert Zisterzienserklöster in Spanien und Portugal (nach LEKAl)

Besonderheiten in Spanien

Insbesondere in den hispanisch-christlichen Gebieten spendeten die Könige Land für die Gründung von Zisterzienserklöstern in unbesiedelten und zerklüfteten Gebieten nahe der Grenze zu den Muslimen, da sie wussten, dass sie in der Lage waren, karge Gebiete zum Leben zu erwecken. Darüber hinaus weigerten sie sich nicht, sich zu opfern, wenn die gegnerischen Armeen sie angriffen.

Für die Klöster in Spanien gab es noch zwei weitere Besonderheiten gegenüber denen in anderen Ländern. Hier ist zum einen die Königsnähe der Zisterzienser zu nennen. Viele Gründungen gingen auf Initiative der verschiedenen Königshäuser zurück, zum Teil erkennbar auch an den Grablegungen der Königsdynastien in den Zisterzienserklöstern.

Zum anderen ist seine institutionelle Verknüpfung mit den spanischen Ritterorden zu nennen. Diese lässt sich bereits beim ältesten iberischen Ritterorden, dem Calatravaorden, beobachten. Die zunehmende Monastisierung der Ordensritter, ihre Integration in bestehende Formen und Strukturen religiösen Lebens zeigt sich bei dem Calatravaorden in einem komplexen Prozess von der Aufnahme der Ritter im Jahre 1164 — also als Konversen — bis  zur förmlichen Affiliation des Jahres 1187 und der Unterstellung unter Morimond. Dies war zunächst einer besonderen Situation geschuldet:

Als im Herbst des Jahres 1157 die Templerbesatzung der Burg Calatrava in der Mancha, also im südlichen Kastilien, vom vermeintlichen Anrücken eines bedeutenden muslimischen Kontingents erfuhr, beschloss sie, diesen militärischen Vorposten in die Hände des kastilischen Königs zurückzugeben. In dieser Ausnahmesituation formierte sich auf Initiative des zusammen mit dem kastilischen König Sancho III. erzogenen, ehemaligen Ritters und nunmehrigen Zisterzienserbruders Diego Veläzquez unter der Führung des Abtes Raimund aus dem Kloster Fitero eine Bruderschaft christlicher Ritter, um die Feste zu halten. Im Januar 1158 übertrug König Sancho Burg und Ortschaft von Calatrava den Zisterziensern mit dem Auftrag, sie zu verteidigen und das Christentum gegenüber den Muslimen auszubreiten.

Die Tradition, neu gegründete Ritterorden den Zisterziensern zu unterstellen, endete keineswegs mit dem 13. Jahrhundert, denn die beiden bedeutendsten Neuschöpfungen des 14. Jahrhunderts waren ebenfalls zisterziensischer Observanz: Nach der Auflösung des Templerordens riefen die Könige von Portugal und Aragon mit dem Christusorden und dem Orden von Montesa (1317) zwei neue Ritterorden ins Leben, welche die Besitzungen der Templer übernahmen. Insgesamt lassen sich auf der Iberischen Halbinsel nicht weniger als acht Ritterorden zisterziensischer Ausrichtung — die Orden von Calatrava, San Julian de Pereiro-Alcäntara, Evora-Avis, Montjoie, Trujillo, Santa Maria de Espana, Montesa und Christus — identifizieren, eine wahrhaft beeindruckende Zahl.

Dabei ging die Initiative nicht vom Zisterzienserorden aus, sondern die Ritter wandten sich an die Mönche, bzw. einzelne Zisterziensermönche übernahmen die geistliche Betreuung der Kämpfer. Den Mönchen fiel also die Betreuung und Juridiktion der Ritterorden und ihrer Mitglieder zu.

Zur Ergänzung damit kein falscher Eindruck entsteht, der Zisterzienserorden besaß neben den Männerklöstern auch eine große Zahl von Nonnenklöstern in Spanien.

https://www.rdklabor.de/w/index.php?curid=28031 typischer Grundriss eines Zisterzienserklosters

Architektur

Die meisten Zisterzienserbauten sind im Wesentlichen romanisch, weisen jedoch in vielen Fällen als Neuheit das einfache Kreuzrippengewölbe und häufig auch den Spitzbogen auf.

Bis vor wenigen Jahren galt die Zisterzienserarchitektur als eigenständiger Stil, der als Übergangsglied zwischen der Romanik und der Gotik diente. In diesem Sinne wurde sie manchmal als protogotische Architektur bezeichnet. Heutzutage wird allerdings nicht mehr angenommen, dass die Gotik als bloße Evolution oder Weiterentwicklung der Romanik zu sehen ist, sondern vielmehr, dass die gotische Architektur als ein Sprung in der Mentalität und im architektonischen Verständnis entstand. Zisterzienserbauten können daher nicht als Glied dieser Kette betrachtet werden.

Die Zisterzienserarchitektur ist für ihre ornamentale Nüchternheit bekannt. Aufgrund der vom Heiligen Bernhard geforderten „Trunkenheit der Nüchternheit“ sind die Kapitelle, Konsolen und anderen Räume der Zisterzienserkirchen und Klostergebäude überwiegend durch pflanzliche oder geometrische Motive belebt. Diese absichtliche ornamentale Strenge war als Maßnahme gedacht, um den Mönch in seiner Meditation und seinem Gebet zu isolieren, damit er nicht durch Gemälde, Skulpturen oder bunte Glasmalereien abgelenkt werden konnte. Sie sollte aber nicht auf einfache Dorfkirchen übertragen werden.

Die Sparsamkeit der Gestaltung sollte aber nicht mit Armut verwechselt werden, denn wenn diese geometrischen und pflanzlichen Motive auftauchen, sind sie von großer plastischer Qualität und hinter ihnen sind große Künstler zu sehen. Die schmucklose Strenge der Zisterzienserbauten ging in der Regel nicht mit baulichen Einschränkungen einher. Häufig kam es vor, dass, nachdem sich die Mönchsgemeinschaften etabliert hatten, monumentale Bauprojekte initiiert wurden, bei denen perfektes Quadermauerwerk zum Einsatz kam. Im christlichen Spanien beispielsweise waren im 12. Jahrhundert, abgesehen von einigen Kathedralen, zweifellos die Zisterzienserklosteranlagen die größten Gebäude.

Die Zisterzienser entwickelten ein eigenes Bauprogramm. Das Herz der Anlage war der Kreuzgang, der nur der klösterlichen Gemeinschaft vorbehalten war. Um diesen gruppierten sich die wichtigen Räume der Mönche wie Kapitelsaal, Bibliothek, Skriptorium, das Refektorium und die Schlafsäle.

Außerhalb des Kreuzgangs befanden sich je nach Größe des Klosters Nebengebäude. 

Das waren so unterschiedliche Einrichtungen wie das Gasthaus, die Krankenstation, die Mühle, die Schmiede, den Taubenschlag, den Bauernhof, die Werkstätten und alles, was einer autarken Gemeinschaft diente, umfasste. Darüber hinaus wurden die notwendigen Einrichtungen reserviert, um die Armen und Pilger mit Großzügigkeit zu empfangen, wie es die Regel des Heiligen Benedikt vorsieht.

Ornamentale Strukturen arteguias.com Kloster Valdedios

Einige wichtige Zisterzienserklöster an den Caminos:

Kloster Valdedíos in Villaviciosa (1200-1836, 1992-2008)          Camino del Norte

Kloster Zenarruza 1379-19.Jh. Kollegiatstift (d.h. keine Ordensgemeinschaft) seit 1988 Trappisten

                                                                                                                      Camino del Norte

Kloster Oseira 1141-1835, seit 1923 Trappisten                                Via de la Plata

Kloster Sobrado in Sobrado (1142-1835, ab 1966 Trappisten)     Camino Fransés/Camino Primitivo

Kloster Mareruela in Granja de Mareruela (1131/33 – ?)               Via de la Plata

Kloster Santa María de Jesús in Salamanca (1552-1958)               Via de la Plata

Kloster San Isidoro del Campo nahe Sevilla

(1301-15. Jh.,Hieronymus-Orden Auflösung 1836, restauriert)    Via de la Plata

Kurze Erläuterung: Zisterzienser der strengen Observanz, kurz Trappisten genannt, gehören zu den strengsten Orden der katholischen Kirche.

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31253163 Sobrado dos Monxes

Bedeutung der Nonnenklöster im Mittelalter

Kurz eine Bemerkung zu den Nonnenklöstern. Sie haben eine lange Tradition. Schon im 5. Jh. bildeten Frauen erste religiöse Gemeinschaften. Die Gründe für den Eintritt in ein Kloster waren vielfältig:
– religiöse Überzeugung
– Spiritualität
– Flucht vor einer Zwangsehe
– Abschiebung durch die Familie
– Zugang zu höherer Bildung
– soziale Absicherung oder
– die Chance, sich familiären Normen zu entziehen.

Sie führten hinter hohen Klostermauern nicht nur ein zurückgezogenes Leben, sondern beschäftigten sich auch mit weltlichen Angelegenheiten und sie hatten oft auch große politische Macht (z.B. Elisabeth von Wetzikon). Zum Ende des Mittelalters kam es allerdings zu einem rapiden Abfall der Sitten. Generell kann man sagen, dass die Frauen oder zumindest die Nonnen im Mittelalter literarisch entwickelter und akzeptierter waren als in der Aufklärung. Es gibt heute noch zahlreiche Zisterzienserinnenklöster in Spanien.

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