Asturien ist seit 1983 eine autonome Region im Nordwesten Spaniens. Sie erstreckt sich heute zwischen dem Kantabrischen Meer im Norden und dem Kantabrischen Gebirge im Süden. Die Nord-Süd-Ausdehnung erreicht max. 70 km Tiefe, die Länge von Ost nach West beträgt ca. 200 km. Politisch grenzt sie im Westen an Galicien, im Süden an Kastilien und Leon und im Osten an Kantabrien. Die größten Städte sind die Hafenstadt Gijon, die Hauptstadt Oviedo und die Industriestadt Aviles.
Asturien ist eine der Industrieregionen Spaniens, insbesondere aufgrund des vorherrschenden Bergbaus und der Schwerindustrie. Da diese Branchen eher zu den schrumpfenden gehören, befindet sich Asturien seit den 1970er Jahren in einem Strukturwandel. In den letzten vier Jahrzehnten lag die Wirtschaftswachstumsrate Asturiens hinter der anderer spanischer Gebiete zurück.
Die Landwirtschaft spielt in Asturien eine größere Rolle, da aufgrund des feuchten Klimas und mäßiger Temperaturen Agrarprodukte produziert werden können, die in anderen Regionen Spaniens nur mit höherem Aufwand angebaut werden können. Daneben gibt es (hauptsächlich inländischen) Tourismus.
Im Gegensatz zu heute hatte Asturien im Laufe der Geschichte eine zeitweise große Bedeutung für die Struktur und Entwicklung Spaniens.
Erste Zeichen menschlichen Lebens findet man in zahlreichen Höhlen mit steinzeitlichen Malereien, vor allem Tierdarstellungen, die ca. 15.000 Jahre alt sein sollen.
Die ersten Ansiedlungen werden den Iberern zugerechnet. Im 6 Jh. v.Chr. bildete sich durch die Mischung der einheimischen Völker mit den Kelten das Volk der Asturer, das aus vielen einzelnen Stämmen bestand. Das Gebiet umfasste Asturien, Teil Galiciens und Nordostportugals. Während der Großteil der Iberischen Halbinsel bereits 140 v.Chr. zum Römischen Reich gehörte, taten sich die Römer bei der Eroberung der Nordgebiete schwer (vgl. Kapitel Romanisierung Spaniens). Mit dem Ende des Kantabrischen Krieges wurde die Region 19 v.Chr. eingegliedert (größtenteils in die römische Provinz Gallaecia). Nun begann auch die Romanisierung der Nordvölker.
Als im 5 Jh. n.Chr. das Römische Reich unterging, fielen germanische Stämme in der Region ein. Zu diesen zählten die Vandalen und Sueben. Das Königreich der Sueben umfasste dann die heutigen Regionen Galicien, Asturien, Leon und Nordportugal. Im Jahr 585 wurde das Reich der Sueben von den Westgoten erobert. Aber es kam immer wieder zu Aufständen der Basken, Kantabrer und Asturer.
Nachdem die Araber im 7 Jh. die Westgoten fast vollständig vertrieben bzw. unterworfen hatten, wurde das Gebiet einem muslimischen Gouverneur unterstellt. Ein privater Streit mit dem für Asturien zuständigen Gouverneur Mumuza, der in Gijon residierte, war für den westgotischen Adeligen Pelago der Anlass zu Rebellion. Er sammelte Gleichgesinnte um sich und so gelang ihm in der Schlacht von Covadonga (722 oder 718) der erste Sieg über die Mauren. Dieses Ereignis wurde dann später als Ausgangspunkt der Reconquista hochstilisiert, obwohl es wohl eher ein Gefecht als eine Schlacht war. Trotzdem gelang es Pelago ein winziges Königreich Asturien zu gründen.
Unter Alfons I. (739-757) wurden erste Anstrengungen unternommen, das Gebiet zu erweitern. Dabei half ihm der Umstand, dass Hungersnöte und Seuchen zu einer Entvölkerung vieler Gebiete geführt hatten. Diese Gebiete waren daher für die Mauren von geringerem Interesse, so dass sie sich teilweise zurückzogen.
Nach den Angaben der wichtigsten Quelle, der „Chronik Alfons’ III.“, eroberte Alfons I. im Westen (Galicien und Nordportugal) u.a. die Städte Lugo und Porto, im Süden (dem späteren Königreich Leon) u.a. Salamanca, Zamora und Leon, im späteren Kastilien u.a. Segovia und Coruna del Conde. Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er die Muslime, die er dort vorfand, teilweise töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.
Wichtig ist allerdings anzumerken, dass es sich bei der „Chronik Alfons III“ um eine von Alfons III. bestellte oder von ihm verfasste Chronik handelt, die wie alle diese Quellen sicher mit Vorsicht zu behandeln ist, da sie in der Regel eine sehr subjektive Sicht wiedergeben. Später erfolgte je nach Fortschreiten der Reconquista in den Verwüstungsgürteln eine Repoblacion, d.h. die Wiederbesiedlung dieser Gebiete durch meist christliche Siedler.
Der Nachfolger Alfons I. Fruela I., der Grausame, (757-768), unterwarf dann ganz Galicien und verlegte den Sitz der Regierung von Cangas de Onis in die von ihm gegründete Stadt Oviedo. Unter seinen Nachfolgern herrschte Frieden mit den Mauren. Erst unter Alfons II., dem Keuchen, (792-842) wurde das Reich weiter vergrößert. Nun begann die eigentliche Blütezeit Asturiens. Die lange Regierungszeit Alfons II. war, da er anscheinend eine integre Herrscherpersönlichkeit war, der Garant für Stabilität und Wachstum im Land. Er sicherte zum einen Asturien nach außen ab, erweiterte es aber auch Richtung Süden. So erstreckte sich zu Beginn des 9. Jhs Asturien über große Teile Nordspaniens. In die Regierungszeit Alfons II. fällt auch die Auffindung des angeblichen Jakobsgrabes in Santiago de Compostela. Jakobus wurde dann auch zur Integrationsfigur des christlichen Spaniens hochstilisiert.
Alfons III. (866-910) dehnte das Herrschaftsgebiet weiter aus, unterwarf Navarra, drang nach Nordkastilien vor und weiter in den Süden Portugals. Das war der Höhepunkt der Macht und Ausdehnung Asturiens. Denn nach der Entmachtung Alfons III. teilten seine drei Söhne das Land unter sich auf. Im Jahr 924 wurde das Gebiet wieder vereint, hieß ab dann Königreich Leon. Die Hauptstadt war inzwischen von Oviedo nach Leon verlegt worden. Damit endete die wechselhafte Geschichte des einst unabhängigen Reiches Asturien. Das Königreich Leon ging dann wiederum im Jahr 1230 in Kastilien auf.
Die Erinnerung daran, dass Asturien als Wiege des neuzeitlichen Spaniens gilt, wird auch dadurch hochgehalten, dass der spanische Thronfolger seit dem Mittelalter bis heute den Titel „Prinz von Asturien“ trägt, allerdings dadurch keine besondere verfassungsrechtliche Stellung einnimmt. In Asturien gibt es auch den Spruch „Asturies ye Espana, lo demas tierra conquistade“, Asturien ist Spanien, der Rest ist erobertes Land.