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Heiß, heißer, es geht nicht mehr!

Heiß, heißer, es geht nicht mehr!

Es war einer jener heißen Tage auf unserer Wanderung. Wir waren auf dem Weg von Lauzerte nach Moissac. 25 km bei mindestens 35° Grad lagen vor uns und das meist auf kleinen Straßen, die auch noch die Hitze abstrahlten. Im Buch stand außerdem: keine Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Auch ausreichend Wasser muss mitgeführt werden.

Obwohl wir vorgewarnt waren, hatten wir doch unsere Probleme mit dem Wasservorrat. Kurz vor Espis war unser Vorrat zu Ende, die Sonne brannte nur so vom Himmel und es waren noch über 5 km auf einer kleinen Straße bis Moissac. Wir waren schon recht verzweifelt, da erinnerte ich mich, dass im Buch unter Espis ein Trinkbrunnenzeichen dargestellt war. Und als wir am Friedhof des Ortes vorbeikamen, wurde uns klar, hier musste es Wasser geben. Also bogen wir auf den Friedhof ab.

Oh wie erfrischend war das Wasser! Erst löschten wir unseren Durst und dann hielt uns nichts mehr und wir steckten unsere Köpfe unter die Wasserleitung.  Auch wenn wir wie zwei begossene Pudel aussahen, kümmerte uns das nicht und wir genossen einfach die Abkühlung!

Als wir allerdings weitere zwei Kilometer gegangen waren, war von der Erfrischung leider nichts mehr zu spüren. Erschöpft und müde setzten wir uns auf die Balustrade an einem Haus. Mairelouise meinte, wie sähen aus wie zwei gerupfte Hühner auf der Stange. Als ein Auto kam, hielten wir den Daumen raus. Und wirklich ein junger Mann hielt an und nahm uns mit ins Zentrum von Moissac. Wie dankbar waren wir, denn der Rest des Weges wäre ohne Schatten durch ein Industriegebiet gegangen.  Nach einer Dusche in der Herberge konnten wir dann gegen Abend diesen herrlichen Ort mit seiner wunderschönen Kathedrale genießen.

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Die Silberdistel – Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Die Silberdistel - Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Auf unserm Weg durch das Baskenland finden wir sowohl auf der französischen wie auf der spanischen Seite immer wieder Bauernhöfe oder Häuser, deren Haustüren eine Silberdistel ziert. Dabei hatte die Silberdistel ursprünglich mehrere Funktionen.

Die Silberdistel als Wetterbarometer

 

Silberdisteln sind Barometerpflanzen. Sie spüren Veränderungen im Druck und im Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Die silbrig-weißen Hüllblätter der Silberdistel sind hygroskopisch, d.h. sie schließen sich bei feuchter Luft, bei Nässe und kalter Witterung, um die das Körbchen füllenden Blüten vor dem Regen, die Früchtchen vor dem Verkleben ihrer Flugschirmchen zu schützen – daher auch der bei uns bezeichnende Pflanzenname “Wetterdistel”. Das Schließen der Hüllblätter wird dadurch bewirkt, dass ein Streifen dickwandiger, auf der Rückseite der Hüllblätter verlaufender Zellen mehr Feuchtigkeit aufnimmt und sich dadurch stärker streckt als die nach innen gewanden Teile des Zellgewebes. Dadurch erfolgt ein Zusammenbiegen nach innen. Demzufolge misst die Barometerpflanze den Luftdruck und den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre und übertrifft in ihrer “Vegetabilischen Barometrik” kurzfristig sogar an Genauigkeit die der modernen technischen Hilfsmittel unserer Zeit.

Die Silberdistel als Schutzsymbol gegen Hexen

 

Das Weltbild der baskischen Mythologie weist Bezüge zum Sonnenkult auf. Die Mythologie ist schwer zugänglich, da die Mythen durch die Inquisition im späten Mittelalter aus der Religion in den Bereich der Volksmärchen verdrängt wurden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Götter nur in sehr verschwommener Form in Erinnerung geblieben sind. Man kann aber sagen, dass die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich waren. Die Silberdistel ist ein bis heute im Baskenland bekanntes Symbol für die weibliche Sonne. Sonnendistel, baskisch Eguzkilore, bedeutet „Blume der Sonne“.

 

Diese „Blume der Sonne“ war in der baskischen Mythologie zudem ein bedeutsames Schutzsymbol gegen Dämonen und Hexen. Die Silberdistel an der Türe erzwingt nämlich ein Ritual, bei dem die Hexen erst alle Stacheln der Silberdistel zählen müssen, bevor sie ins Haus dürfen. Da dieses Auszählen aber „ewig“ dauert, dämmert es bereits, bis sie fertig sind, so dass sie sich dringend ein Versteck suchen müssen und somit das Haus vor ihrem Eindringen geschützt ist.

 

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Geschichten Geschichten Via Podiensis

Ein mystischer Moment

Ein mystischer Moment

Geschichten auf dem Via Podiensis

Unsere Wanderung begann in le Puy-en-Velay. Bevor wir die erste Etappe in Angriff nahmen, wollte ich unbedingt nach die Kapelle Saint Michel d`Arguilhe (Heiliger Michal auf der Nadel) auf dem 85 Meter hohen Vulkanschlot aufsuchen. Die Kapelle ist dem Erzengel Michael geweiht, dem Schutzpatron der Berggipfel und Höhen. Sie wurde 969 erbaut und im 12. Jh. erweitert. Da Marielouise ein wenig Probleme mit einem Knie hatte, scheute sie gerade am Amfang unseres Jakobsweges die 268 Stufen hinauf zur Kapelle und natürlich auch die 268 Stufen wieder hinunter. Also stieg ich allein hinauf und außer mir war auch niemand dort unterwegs. Ich wollte mich ein wenig beeilen, nahm ziemlich flott die Stufen nach oben und betrat die Kapelle.

Und plötzlich war ich in einer anderen Welt. Mich umfing eine ganz eigene Atmosphäre. Es war als ob die Zeit plötzlich stehen geblieben wäre und eine tiefe innere Ruhe eingekehrt sei. Das Zusammenspiel von gedämpftem Licht, Kerzenschein, leiser Kirchenmusik, der Schlichtheit des Raumes mit seinen Fresken verströmten eine so mystische Atmosphäre, die mich zutiefst berührte. Auf einer Bank sitzend genoss ich diesen einzigartigen Moment, in dem man ganz bei sich ist. Ich hätte noch Stunden hier verweilen können! Gleichzeitig empfand ich aber auch ein tiefes Glücksgefühl, dass ich gleich wieder mit meiner Freundin auf dem Jakobsweg unterwegs sein durfte.

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Geschichten Geschichten Via Podiensis

Das beste Baguette der Region

Das beste Baguette der Region

Geschichten auf dem Via Podiensis

Wir waren gerade aus Lauzerte, das ja auf einem Hügel liegt, herabgestiegen und suchten den weiteren Weg, als wir von einem Mann angesprochen wurden. Ob wir denn schon das beste Baguette der Region getestet hätten. Als wir verneinten, zeigte er auf ein kleines einstöckiges Gebäude mit zwei Türen hinter uns und meinte, dort sei die Bäckerei mit dem besten Baguette. Das konnten wir uns ja nicht entgehen lassen, bedankten uns und gingen zu dem unscheinbaren Gebäude. Kein Schild wies auf die Bäckerei hin und prompt nahmen wir die falsche Türe und standen mitten in der Bäckerei. Hitze und ein herrlicher Duft schlugen uns entgegen. Nachdem der Bäcker auf die nächste Tür gewiesen hatte, betraten wir den Verkaufsraum. Alle Regale waren voll mit „tausenden“ Baguettes.

Wir kauften zwei und als der Bäcker sie uns gab, hätten wir uns fast die Hände verbrannt trotz des schützenden Papiers. Draußen probierten wir natürlich sofort das herrlich duftende knusprige Baguette – welch ein Genuss! Den Rest steckten wir seitlich in unsere Rucksacktaschen und er wärmte noch eine Zeitlang unseren Rücken. Wir waren überrascht über den kleinen Verkaufsraum und die vielen Baguettes. Aber dann fiel uns ein, dass wir schon mehrmals Bäckereifahrzeuge gesehen hatten. Mit diesen wurden die Leute auf dem Lande mit ihren bestellten Baguettes und Broten beliefert – ein perfekter Service.

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Geographisches auf dem Via Podiensis

Das Aubrac ist eine Kulturlandschaft im südwestlichen Zentralmassiv in Frankreich, die als Natura 2000-Region anerkannt ist. Es gehört zu den drei Departements Cantal,  Aveyron und Lozère – und damit zu den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Das Dorf Aubrac und sein im 12. Jahrhundert gegründetes Hospiz waren namengebend.

Prägende Landschaft des Aubrac ist eine basaltische Hochfläche auf dem Urgestein aus Granit. Das Bergland bricht in steilen Abhängen ins Tal der Lot. Es ist der südlichste Vulkankomplex des Zentralmassivs. Die Hauptmerkmale dieser Landschaft ist ein beinahe baumloses, leicht gewelltes Hochplateau, die an eine Prärie erinnert und für Frankreich eher untypisch ist. Das Aubrac ist eine der einsamsten, kargsten und gleichwohl schönsten Landstrichen Frankreichs. Das Land wird beinahe ausschließlich zur Rinderzucht verwendet.

Die Rinder werden im Mai auf die Hochalmen getrieben. Die Weiden sind in ihrer Ausdehnung sehr weit und werden mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt. Man findet noch viele alte Sennhäuser, die sogenannten Burons. Diese viereckigen mit Schieferziegeln bedeckten Häuser dienten den Schafzüchtern, die man als Bouroniers bezeichnete, als Behausung. Sie stellten in diesen Hütten Käse aus Kuhmilch her.

Die Hochebene von Aubrac bietet über 2000 Pflanzenarten ein Zuhause einschließlich solchen Kräutern wie Thymian, Salbei, Kamille und Beifuß. Eine dieser Pflanzen, calaman genannt (auch bekannt als Aubrac Tee) wird sehr geschätzt wegen ihres an Minze erinnernden Aromas. Im Frühling und Sommer findet man Blumenteppiche aus wilden Narzissen, gelbem Enzian, Wildrosen, Stiefmütterchen, großblättrige Bergminze, Sonnentau und seltenen Orchideen.

Das Aubrac-Rind

Bereits 1868 wurden die Aubrac Rinder als eine der besten Rinderrassen in Frankreich beschrieben. In der damaligen Zeit war das Aubrac durch die enorm gute Bemuskelung und die Qualität des Fleisches am französischen Hof die berühmteste Rinderrasse. Das Aubrac-Rind ist somit eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse, die aus der Kreuzung von Braunvieh und Maraichine-Rind entstand. Das karge Hochplateau hat die robuste Rasse geprägt, eine Rasse die sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit, enormen Genügsamkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Zudem sind die Aubrac Rinder eine schöne Rinderrasse mit ihren Hörnern und den schwarz umrandeten Augen. Die Aubrac Hirten sagen, die Augen der Aubrac seien schöner als die von Mädchen.

Die Aubrac sind durch ihren ausgeprägten Mutterinstinkt für die Mutterkuhhaltung besonders gut geeignet. Sie sind eher scheu, sehr ruhig und nervenstark. Dem Menschen gegenüber sind sie sehr gutmütig. Der Stier lebt in der Herde, ist aber kein „Streicheltier“, wenn junge Kälber am Feld sind. Auf Grund seiner Größe und Muskelmasse kommt man aber auch gar nicht auf diese Idee! Auf der Weide können die Rinder sehr temperamentvoll sein. Junge Kälber sind ab und zu ziemlich kampfeslustig. Aubrac Rinder lieben die Weide, im Stall drehen sie durch. Egal ob es regnet oder schneit, sie bleiben auf der Weide. Die Aubrac Rinder sind immer in Bewegung zwar ganz langsam aber dafür immer. Ein Rind – nicht der Stier – geht voran, die anderen folgen ruhig ohne Aufregung.

Das Aufwachsen auf der Hochweide mit viel Bewegung, viel Sonne, in sauberer Luft und mit gesundem Wasser bedingen beim Aubrac seine gute Fleischqualität. Diese gute gesundheitsfördernde Fleischqualität ist wohl nur mit so einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsweise zu erzielen.

Auf unserer Wanderung waren die Stacheldrahtzäune immer eine Beruhigung, wenn man an den Herden vorbeiging. Aber zweimal mussten wir doch innerhalb der Weide aufsteigen. Alle Pilger gingen leise hineinander zügigen Schrittes am Rand der Weide entlang, immer ein Auge auf die Herde gerichtet, aber diese lag nur friedlich im Gras und schenkte uns keinerlei Beachtung – Gott sei Dank!

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Causses – herbe einsame Schönheit

Causses

Geographisches auf dem Via Podiensis

Der Jakobsweg führt hinter Figeac über 130 km durch die Causses. Wir wandern auf unserem Weg von Figeac nach Cahors über die Causse de Quercy, die Causse de Gramat und Causse de Limogne. Hier befindet sich auch der regionale Naturpark Causse du Quercy.

Die Causses zählen wegen ihrer herben Schönheit und der äußerst geringen Besiedlungsdichte zu den beeindruckendsten Landschaften Frankreichs. Causse ist die französische Bezeichnung für die großflächigen Kalkhochebenen im französischen Zentralmassiv. Die Bezeichnung Hochebene ist allerdings trügerisch, denn das Relief ist fast immer hügelig. Die einzelnen Causses sind durch tiefe Schluchten und Flusstäler der Dordogne, der Celée und der Lot voneinander getrennt.

Die Causses sind sehr arm an Wasser – das liegt aber nicht daran, dass es wenig Niederschläge gäbe, sondern daran, dass der Regen – wie in den meisten Karstgebieten – von der hier vorherrschenden dicken Jurakalksteinschicht nicht festgehalten werden kann, sondern fast direkt im Boden versickert. Dementsprechend wirken weite Gebiete steppen-   sogar fast wüstenartig. 

Man findet die typischen Karsterscheinungen wie bizarre Felsformationen, Höhlen und Naturschächte. Manchmal findet man auch sogenannte Dolinen, das sind Einsenkungen im Boden, die sich mit fruchtbarem Boden gefüllt haben. Dort wird dann auch intensiv Ackerbau betrieben. Ansonsten sind die Causses eine typische Trockengraslandschaft, auf der überwiegend Schafe weiden. Hier gedeihen sehr widerstandfähige Pflanzenarten wie Flechten und Fetthennen oder Pflanzen mit kurzer Lebensdauer wie das Sandkraut. Auf tieferen Böden findet man auch Orchideen und im Frühjahr und Sommer Narzissen. Außerdem gibt es  Eichen, Johannisbrotbaum, Ginster und Kreuzdorn.

Die Besiedlung ist sehr spärlich. So findet man wenige kleine Dörfer aus typischen Steinhäusern. Häufig sind die Gehöfte einzeln und verstreut auf der Hochebene. Viele sind auch aufgegeben. Nur der Tourismus und die Zweitwohnsitze bringen eine gewisse Belebung des Gebietes.

Die in den Tälern fließenden Gewässer sorgen dort für ein fruchtbares Land, das agrarisch genutzt wird. Sie beeindrucken mit ihrer grünen Vegetation und ihren leuchtenden Felswänden.

Die großen Täler haben eine strenge Abstufung nach dem Höhenschichtung. Jedem Niveau entspricht ein eigener Lebensbereich:

  • der Fluss selbst und seine Ufervegetation bilden ein spezielles Biotop, das aber auch von Mühlen und der Binnenschifffahrt genutzt wird
  • der Talboden, wo Überflutungen auftreten können, ist weitgehend unbesiedelt und meist nur für  Scheunen und  Tabaktrockenschuppen genutzt
  • die Terrassen dienen heute dem Verlauf von Verkehrswegen. Dieser bewohnte Sektor ist weitgehend gegen Hochwasser geschützt und dort wird  auch Landwirtschaft – vorwiegend Wein- und Obstbau –  betrieben
  • an den Talflanken – abwechselnd Felswände und bewaldete Abhänge – liegen die ursprünglichen Dörfer, die oft von Burgen flankiert oder überragt werden.

Wer sich ein wenig über das Leben auf den Causses in den letzten hundert Jahren erfahren will, dem empfehle ich das Buch von Christian Signol „Marie des Berbis“. In diesem Buch hat die Schäferin Marie des Berbis dem Autor Signol die Geschichte ihres langen Lebens diktiert. Es ist ein berührendes Buch, das auch vom Zauber der kleinen Dinge erzählt.

Quellen

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Der Geisterbahnhof von Canfranc

Der Geisterbahnhof von Canfranc

Bahnhof Canfranc

Anfang des letzten Jahrhunderts wollten die Regierungen von Frankreich und Spanien eine Zugfernverbindung zwischen Madrid und Paris errichten. Zunächst wurde dazu zwischen 1901 und 1927 die Bahnstrecke zwischen Pau und Saragossa gebaut. Für das Vorhaben wurden Flüsse umgeleitet, Bahndämme aufgeschüttet und Dutzende von Tunneln gegraben. Zur selben Zeit entstand der als Estation Internacional de Confranc bezeichnete Grenzbahnhof, der 1928 fertiggestellt wurde und vom spanischen König Alfons XIII und dem damaligen französischen Staatspräsidenten Gaston Donnergue eröffnet wurde. Der für das Äußere gewählte eklektische Beaux-Arts-Stil wurde von der Kultur der französischen Palastarchitektur inspiriert. Der Bahnhof besaß eine doppelte Nationalität. Er befand sich zwar 8 Kilometer von der Grenze entfernt auf spanischem Boden, da aber auf französischer Seite keine ausreichend große Fläche für einen Bahnhof vorhanden war, wurde er auch von den Franzosen mitgenutzt.

Der Bahnhof hat auf 1195 m Höhe liegend enorme Dimensionen. Mit fast 250 m Länge des Hauptgebäudes, 365 Fenstern und 150 Türen war er zur damaligen Zeit der zweitgrößte Bahnhof Europas !– nach Leipzig. Auf der einen Seite des Gebäudes lagen die Gleise für die Züge aus Frankreich, die die normale europäische Spurbreite von 1435 mm hatten. Auf der anderen Seite fuhren die spanischen Züge auf den Gleisen mit einer Spurbreite von damals 1668 mm. Also mussten alle Passagiere und Güter von der einen Seite des Gebäudes zur anderen Seite wechseln. So gingen die Passagiere durch das Bahnhofsgebäude und erledigten gleichzeitig die Zollformalitäten.

Tausende Reisende sollten hier täglich abgefertigt werden – so war der Plan.

Allerdings zeichnete sich sehr schnell ab, dass dies eine völlig unrealistische Planung war. Dafür waren wohl mehrere Gründe verantwortlich. Zum einen wirkte sich 1929 die Weltwirtschaftskrise auf den Handel aus, so dass weniger Waren transportiert wurden. Zudem waren die Züge durch die vielen Steil – und Kurvenstrecken (auf französischer Seite mit Steigungen bis zu 43%) zu langsam. Des weiteren wurde die Strecke mehrmals geschlossen – während des spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939 und dann in der Zeit von 1944 bis 1948. Franco ließ die Bahnlinie damals für mehrere Jahre schließen. Er fürchtete, dass spanische Partisanen aus Frankreich nachrücken könnten. Nach dem 2. Weltkrieg fuhren nur noch wenige Züge pro Tag, so das die Strecke eigentlich unrentabel war. 1970 kam für die Strecke das wohl endgültige Aus. Auf der französischen Seite versagten bei einem Güterzug die Bremsen, und die Waggons stürzten mitsamt der Brücke von L´Estanguet in einen kleinen Fluss. Für die Franzosen war dies ein willkommener Anlass, die defizitäre Linie stillzulegen.

Geblieben ist der monströse Geisterbahnhof, einer jener Lost Places in Europa mit seinen immensen Ausmaßen und seiner vielschichtigen Geschichte.

Es ist aber interessant, sich die Geschichte der Strecke und des Bahnhofs genauer anzuschauen, denn sie birgt zahlreiche Geheimnisse grausame und berührende und zeigt seine gerade im zweiten Weltkrieg besondere strategische Bedeutung.

Eines dieser Geheimnisse entdeckte der Busfahrer Jonathan Diaz auf, Fahrer des Linienbusses zwischen Canfranc und dem französischen Städtchen Oloron-Sainte-Marie. Im November des Jahres 2001 schlenderte der Franzose über die von Gras und Büschen überwucherten Gleise der Station. Bis zur Abfahrt seines Busses blieb noch etwas Zeit. Er kam an einem Haufen alter Unterlagen aus den verlassenen Zollbüros vorbei und steckte sich eine Hand voll dieser Papiere in die Jackentasche, machte sich zunächst über den Fund keine weiteren Gedanken. Daheim sah er sich die Zollpapiere aus der Kriegszeit dann genauer an.

Da fiel sein Blick auf die Eintragung: “Drei Tonnen Goldbarren.” Nun wurde ihm plötzlich klar, dass seine Entdeckung von größter Brisanz sein könnte. Denn der Busfahrer hatte die Leute in Canfranc schon häufiger davon munkeln hören, dass Raubgold des deutschen Hitler-Regimes über die Grenzstation nach Spanien und Portugal verschoben worden sei. Noch in derselben Nacht setzte er sich in sein Auto, fuhr über die Grenze nach Canfranc und sammelte in Plastiktüten weitere Papiere auf. Vorsichtig untersuchte Diaz die Unterlagen. Das Pergamentpapier war vergilbt und teilweise vermodert oder von Ratten und Insekten angefressen. Der Zoll hatte darauf alle jene Güter registriert, die die Grenze passierten.

Der 40-Jährige hielt ein Stück brisanter Geschichte in den Händen. Die von ihm eingesammelten Dokumente belegen, dass zwischen Juni 1942 und Dezember 1943 in Canfranc 86,6 Tonnen Gold die Grenze passierten. Davon gelangten 74,5 Tonnen nach Portugal und 12,1 nach Spanien. Weitere Dokumente, die in Archiven gefunden worden, gehen von mehr als 100 Tonnen Gold aus.

Die Papiere sind zwar nur Durchschriften, aber ihre Echtheit wird von niemandem angezweifelt. Wo die Originale sind, weiß niemand. Die Entdeckung bedeutete eine Sensation. Bisher hatte nämlich kein Wissenschaftler von den Goldtransporten über Canfranc gewusst. In den bisherigen Expertengutachten über die Gold-Lieferungen taucht der Name des Pyrenäendorfes nirgends auf. Die Papiere belegen, dass Spanien und Portugal mehr Raubgold vom Nazi-Regime erhielten, als bisher bekannt war. Wie kam es dazu?

Die Bahnstation wurde im zweiten Weltkrieg zum Umschlagsplatz für Handelsgüter neben Lebensmitteln und Textilien vor allem von Wolfram-Erzen aus Portugal und Spanien nach Deutschland und als Gegenleistung von Gold aus Deutschland via Schweiz nach Spanien/Portugal. Die Rohstoffe von der iberischen Halbinsel wurden von den Deutschen dabei mit sogenanntem Raubgold bezahlt. Von den insgesamt 184 Tonnen Gold, die während des zweiten Weltkrieges von 1942-44 über den Schweizer Grenzort Bellegarde und durch Frankreich nach Spanien und Portugal gingen, sind rund 86,7 Tonnen in Canfranc verschoben worden.

Der Grund für die Goldtransporte lag darin, dass die im zweiten Weltkrieg „neutralen“ Länder Spanien und Portugal sich weigerten, Reichsmark für ihre Produkte anzunehmen, da diese für ihren Handel mit den Alliierten wertlos war. Also wurden nur Schweizer Franken und Gold als Zahlungsmittel akzeptiert. Für die Deutschen war der Handel mit Spanien und Portugal aber kriegswichtig, da beide Länder ja das für die Waffenproduktion wichtige Wolfram lieferten. Es wird vermutet, dass ohne die Wolframlieferungen aus diesen Ländern Deutschland den Krieg nicht so lange hätte fortsetzen können.

In Spanien und Portugal herrschten zur damaligen Zeit Francesco Franco und Antonio Oliveira Salazar, zwei den Nazis gewogene faschistische Diktatoren, die aber stets ihre Neutralität erklärten und so den Krieg dazu benutzten, von beiden Seiten – von den Nazis und von den Alliierten – zu profitieren. Allgemein kann man wohl feststellen, dass im 2. Weltkrieg sogenannte neutrale Länder u.a. auf Grund ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten mit Deutschland den Verlauf des Krieges mit beeinflussten. Das geschah nicht nur durch die Lieferung von Wolfram aus Spanien und Portugal, sondern auch durch die Lieferung von Chrom und Kohle aus der Türkei und von Eisenerz aus Schweden. Auch die Schweiz hatte durch den Tausch von Nazigold in Schweizer Franken und durch den Transport von Nazigold nach Spanien einen nicht unerheblichen Einfluss.

Zwar behaupteten beide Länder -Spanien und Portugal – nach dem Weltkrieg, nichts von der Herkunft des Goldes gewusst zu haben, doch musste es beiden ebenso wie der Schweizer Nationalbank klar gewesen sein, dass das Gold keineswegs nur aus Goldreserven der deutschen Regierung bestehen konnte. Das Nazigold stammte wohl zum einen aus den Tresoren eroberter Länder und zum anderen von Opfern in den Konzentrationslagern und von enteigneten Bürgern und Verfolgten. Es war somit zumindest teilweise sogenanntes „Totengeld“. Mit dem Gold wurden dann entweder die Spanier und Portugiesen direkt bezahlt oder es wurde an die Schweizer Nationalbank im Gegenzug für Schweizer Franken oder portugiesische Escudos verkauft.

Als sich die Niederlage Hitlers abzeichnete, konnten sich einige der schlimmsten Naziverbrecher u.a. über den Bahnhof Canfranc nach Südamerika absetzen. Zudem  dienten wohl Goldreserven der Nazis in Portugal, Spanien und auch Argentinien dazu, dass sich einige Nazigrößen später ein gutes Leben in Südamerika leisten konnten. Nach Kriegsende ließen sich ca. 80.000 Deutsche und Österreicher in Lateinamerika nieder, unter ihnen mindestens 800 hochrangige Nazis und 200 gesuchte Kriegsverbrecher.

Paradoxerweise diente in den Jahren davor dieselbe Bahnhofstrecke vielen Flüchtlingen als Fluchtweg vor dem Nazis–Regime und als Zwischenstation auf ihrem Weg ins Exil über Lissabon nach Nord- oder Südamerika.

In Spanien verfolgte die Franco-Diktatur gegenüber den Flüchtlingen eine zwiespältige Linie. Einerseits ließ das Regime Juden über Spanien nach Nordafrika oder nach Lissabon und von dort nach Amerika entkommen. Denn Franco war auf die Öllieferungen von Briten und Amerikanern angewiesen. Andererseits stand der Diktator beim NS-Regime in der Schuld, weil Hitler ihn im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) unterstützt hatte. Um die Nazis nicht zu verärgern, sorgte Franco dafür, dass der Flüchtlingsstrom nicht zu sehr anwuchs.

Zudem wehte 1942 die Hakenkreuzfahne über dem Bahnhof.  Die Wehrmacht hatte den Süden Frankreichs besetzt und war auch in das Pyrenäendorf eingerückt – und das, obwohl der Ort acht Kilometer weit auf spanischem Gebiet liegt und Spanien nicht am Krieg beteiligt war. Als Vorwand für den Einmarsch diente den NS-Truppen die Tatsache, dass der Bahnhof nicht nur spanischer, sondern auch französischer Souveränität unterstand. Durch die Dorfstraßen patrouillierten spanische Polizisten, spanische Soldaten und deutsches Militär. Canfranc ist die einzige spanische Gemeinde, die von den Nazis besetzt wurde!

Bei der schwierigen Flucht von Juden und anderer Verfolgter spielte Albert Le Lay, Chef des Zolls auf französischer Seite, eine wichtige Rolle. Lange Zeit blieb sein Handeln unbekannt, denn er hatte seiner Familie nach dem 2. Weltkrieg verboten, über seine Tätigkeiten zu berichten. Erst durch die Recherchen von José Antonio Blanco und Manuel Priede González, die gemeinsam einen Dokumentarfilm mit dem Titel „El Rey de Canfranc“  produziert haben, brach einer der Enkel das Schweigen. So muss Le Lay Tausende von Flüchtlingen die Flucht nach Spanien ermöglicht haben, zum Teil indem er sie in bestimmte präparierte Hohlräume in den Zügen versteckte und so der Kontrolle entzog. Einige der bekanntesten Flüchtlinge über den Bahnhof Canfranc sind Marc Chagall, Max Ernst (s. Exkurs unten) und Josephine Baker. Dankesschreiben aus der ganzen Welt u.a. aus Japan und von der amerikanischen Botschaft belegen die Hilfsaktivitäten Le Lays. Er selbst führte u.a. ein Register, in dem er die Namen derer aufzeichnete, die ihm vor dem Grenzübertritt ihr französisches Geld überlassen hatten. Albert Le Lay verwendete die angesammelte Summe, um eine Schule in Canfranc zu eröffnen. Außerdem war er ein Verbindungsmann zwischen den französischen Widerstandskämpfern und den Alliierten.

Der auch als König von Canfranc bezeichnete Le Lay wurde dann aber durch die Gestapo entlarvt. Auf Grund eines Tipps konnte er sich allerdings mit einer abenteuerlichen Flucht nach Algerien rechtzeitig der Verhaftung entziehen. Nach dem Krieg kehrte er in seine Gemeinde zurück, ohne aber je wieder über seine Aktivitäten zu sprechen. Im Jahr 1988 starb er hier.

Zudem wurde der Bahnhof auch von den Spionen der Alliierten genutzt, die über ein Spionagenetz Informationen an Frankreich und Spanien weitergaben, um so unter anderem auch den französischen Widerstand, la Résistance, zu unterstützen. Es ist anzunehmen, dass natürlich auch die Nazis hier ihre Spione hatten, um genau das zu verhindern.

Wer mehr über die schwierige Flucht jüdischer Intellektueller aus Frankreich über Spanien und Portugal nach Übersee wissen möchte, dem empfehle ich das Buch von Uwe Wittstock “Marseille 1940”, die große Flucht der Literatur; München 2024 . Unter diesen Flüchtlingen waren Alma Mahler-Werfel, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Heinrich Mann und seine Frau Nelly, Golo Mann, Thomas Manns Sohn, Lion Feuchtwanger und seine Frau Marta , Walter Benjamin, um nur einige Namen zu nennen, die allerdings auf anderen Fluchtwege die Pyrenäen überquerten.

Exkurs:

Max Ernst hat allerdings den Übergang von Canfranc genutzt. Wittstock erzählt dazu folgende Episode.

Juni 1941 versucht Max Ernst über den Grenzbahnhof von Canfranc nach Spanien zu kommen, obwohl seine Ausreisepapiere unvollständig sind. Man benötigte ein Ausreisegenehmigung von Frankreich und ein Transitvisa für Spanien und Portugal, wobei das Vichy-Regime sehr restriktiv mit den Ausreisevisas umging. Max Ernst packt also seine Bilder zusammen, einige Leinwände rollt er zusammen, andere in Keilrahmen schnürt er zu einem großen Paket. Dann leiht er sich fünfzig Dollar Reisegeld, denn er hat inzwischen kein Geld mehr und fährt über Toulouse und Pau in die Pyrenäen. Der Beamte, der seine Papiere überprüft, bemerkt, dass sein Ausreisevisum ungültig ist und beschlagnahmt seinen Pass. Ohne Pass kann Max Ernst jederzeit von der Polizei aufgegriffen werden und in ein Internierungslager gebracht werden. Trotzdem geht er auf die andere Seite des Bahnhofs zu den spanischen Kontrollen. Hier rollt er seine Leinwände aus und breitet seine Arbeiten in der Bahnhofshalle aus. Die Zöllner und auch die anderen Passagiere schauen sich bewundernd seine Bilder an. Durch die Unruhe im Bahnhof aufmerksam geworden, kommt auch der französische Grenzer in die Halle. Lange betrachtet er die Bilder. Dann bittet er Max Ernst in sein Büro. Hier zeigt er sich beeindruckt vom Talent und den Bilder von Max Ernst. Dann gibt er ihm den Pass zurück, zeigt ihm den richtigen Zug nach Spanien und verschwindet. Max Ernst packt seine Bilder wieder zusammen und steigt in den Zug nach Madrid und Lissabon ein. 1953 kehrt Max Ernst – jetzt allerdings als anerkannter und geehrter Künstler des Surrealismus – nach Frankreich zurück und lebte dort bis zu seinem Tod in Paris im Jahr 1976.

 

Heutige Situation des Bahnhofs

Inzwischen gibt es viele Initiativen und Aktionen, um den Bahnhof und seine Gebäude wieder zu aktivieren und den Ort touristisch aufzuwerten, bislang allerdings ohne großen Erfolg. 

Diese Aussage von 2018 trifft inzwischen nicht mehr zu. Nachdem der Bahnhof 2002 zum Kulturgut erklärt wurde und zum historischen Kulturerbe der Eisenbahn sind sowohl die Aktivitäten der Eisenbahn als auch der Gemeinde Canfranc nun von Erfolg gekrönt. Der Bahnhof wurde von der Barcelo Hotel Group in einem jahrelangen Prozess liebevoll und sehr aufwendig restauriert und erstrahlt in neuem Glanz. Im Januar 2023 eröffnete das fünf Sterne Royal Hideway Hotel Confranc. Bei der Innengestaltung ist eine wunderschöne Symbiose zwischen modernen Ansprüchen und historischen Elementen, die sich an der Blütezeit des Bahnhofs orientieren, gelungen. 

Die Gemeinde erhofft sich nun eine weitere Belebung des Tourismus. Im März 2023 wurde auch ein neues Pilgerbüro am Bahnhof eingerichtet. Zudem soll auch der Bahnverkehr aktiviert werden. Bislang kommen nur spanische Züge an der spanischen Grenze an. Man hofft aber, dass bis 2026 die Eisenbahnstrecke zwischen Spanien und Frankreich reaktiviert wird.

Im Somport-Eisenbahntunnel befindet sich auch das Laboratorio subterráneo de Canfranc (LSC, dt. Unterirdisches Labor von Canfranc). Es ist eine unterirdische Versuchsstation für Experimente der Teilchenphysik. Die drei Experimentierhallen haben durch das Bergmassiv eine Abschirmung vor kosmischer Strahlung, die 700, 1.400 bzw. 2.450 m Wasser entspricht.

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RHCE_EXT_9 Hotelhomepage
Nach der Restaurierung RHCE_INT_26 Hotelhomepage
Vor der Restaurierung 230203110519-01-body-confrranc-station
Nach der Restaurierung RHCE_INT_26 Hotelhomepage
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Camino del Norte Historisches Historisches Historisches Via Podiensis

Die Unberührbaren

Die Unberührbaren - die Cagots

Cagots – von Frankreich und Spanien und die Funktion von Vorurteilen

Gesicht eines Cagots

In einem Kriminalroman aus der Baztan-Trilogie von Dolores Redondo wurde die Gruppe der Cagots mehrmals erwähnt. Mir sagte das zunächst nichts. Aber wie das ja häufig der Fall ist, wird man erst einmal auf etwas aufmerksam, dann findet man plötzlich mehr Informationen, über die man normalerweise hinweggegangen wäre. So stieß ich auf einer Seite von www.mein-frankreich.com auf einen Artikel über die Cagots und  auch im Buch von Arno Geiger “Reise nach Laredo” spielt ein Cagot  Geschwisterpaar eine wichtige Rolle. So entschloss ich mich, hier darüber zu berichten. Auch wenn die Geschichte der Cagots vielleicht Vergangenheit ist, so ist es das Thema der Diskriminierung von Menschen sicher nicht.

Name und Verbreitungsgebiet

Als Cagots (baskisch Agotak) bezeichnete man eine Personengruppe, die vom 13. bis 19. Jahrhundert in Frankreich und Spanien diskriminiert wurde. Obwohl sie jahrhundertelang auf Beziehungen untereinander reduziert waren, bildeten sie keine geschlossene Gruppe, sondern sie lebten in kleinen Gruppen von mehreren Familien am Rande von Städten und Dörfern.

Cagots gab es in Frankreich von der Gascogne bis ins Baskenland, im Armagnac, im Bearn und in den Pyrenäentälern, in Spanien in Aragon, im Süden Navarras, im Baskenland und in Asturien. Im Bereich der Pyrenäen war die Bezeichnung Cagot oder Cahet üblich, aber es sonst auch andere Bezeichnungen wie Agots, Capins, Kognards (wegen der Entenfüße, die sie z.T. tragen mussten) oder Chretien oder Chretias.

Über Ihre Herkunft gibt es keine gesicherten Aussagen. Die einen vermuten, dass die Cagots von den arianischen Westgoten abstammen, andere halten sie für Nachfahren der Sarazenen und vor allem im Baskenland für eingewanderte Romas.

Ausgrenzungsgründe

Worauf die Abgrenzung beruht, ist auf Grund der Literaturlage nur teilweise nachvollziehbar. Es gibt erste Information über sie im 10. Jh., aber wirklich bekannt wurden sie erst ab dem 12. Jh.

Sie lebten am Rande der Dörfer und Städte als segregierte Gemeinschaft. Eigentlich unterschieden sie sich nicht von ihren Nachbarn in Sprache, Ethik oder Religion, aber auf Grund ihrer Historie wurden sie mit der Krankheit Lepra in Verbindung gebracht. Die Ängste in der Bevölkerung  bezüglich Lepra drückten sich dann in fantastischen Vorwürfen gegen dieser Gruppe aus, die keineswegs der Realität entsprachen. Wenn es zunächst vielleicht Leprakranke waren, die sich am Rande der Dörfer ansiedelten, so wurden dann die späteren Nachfahren mit dem Stigma der Krankheit belegt, obwohl sie keine Kranken oder Überträger mehr waren, was sogar um 1600 offiziell von Ärzten der Universität Toulouse bestätigt wurde. Trotzdem wurde der Begriff weiter als nicht sichtbares Abgrenzungsmerkmal verwendet. Zusätzlich spielte auch die wirtschaftliche Situation eine Rolle. Da die Cagots nur bestimmte Berufe ausüben konnten und diese gesellschaftlich meist als  minderwertig erachtet wurden, waren die Cagots meist arm. Aber Armut wurde in der gesellschaftlichen Entwicklung im stärker diskriminiert. So führte eine Kombination von ihrem marginalen Status, ungeachtet der wirklichen Gesundheit, und Armut zu einer Verstärkung der Marginalisierung.

Sie wurden als Aussätzige behandelt und das über sechs Jahrhunderte!  So mussten sie zum Teil ein markantes Erkennungszeichen tragen, nämlich Krähen- oder Entenfüße aus rotem Stoff auf der Kleidung. Die Krähenfüße sehen ähnlich wie ein Feigenblatt aus. Das Feigenblatt war im neuen Testament ein Stigmatisierungszeichen für Leprakranke und gleichzeitig ein Hinweis auf ein Heilmittel gegen Lepra. Durch diese Stigmatisierung waren sie die Unberührbaren.

Interessant ist aber die Tatsache, dass Cagots nie Opfer von Gewalt in der Gesellschaft wurden wie z.B. die Juden oder die fahrenden Völker. Das zeugt von einer gewissen Integration in die Gemeinden, obwohl sie segregiert waren. Sie waren – wenn auch ein verachteter und unangenehmer – Teil einer Gemeinschaft. Dies verlangte Kontrolle über sie, aber nicht Bestrafung oder Vernichtung.

Diskriminierungen

Diese Marginalisierung mit ihrer vielfältige Ausgrenzung kann über Jahrhunderte nachgewiesen werden.

  • Sie mussten in eigenen Stadtvierteln leben. Sie hatten eigene Brunnen und eigene Waschhäuser. Es war ihnen nicht erlaubt, die der „Normalen Bewohner“ zu benutzen. Sie durften nichts anfassen, was auch „Nicht Cagots“ anfassten. Tiere durften nur für den Eigenbedarf gehalten werden und keinesfalls verkauft werden.
  • In den Kirchen hatten sie einen eigenen niedrigen Seiteneingang. Die Kommunion wurde ihnen nur mit einem langen Löffel gereicht. Sie mussten einen eigenen Friedhof benutzen. Auf der Taufurkunde stand nur der Vorname und dann Cagot.
  • Sie durften nicht mit „Nicht Cagots“ zusammen essen. Außerdem war es ihnen verboten, „Nicht Cagots“ zu heiraten. So suchten sie sich ihre Partner in anderen Familien außerhalb ihrer eigenen Wohngemeinschaften um Inzucht zu vermeiden, was wohl nicht immer gelang.
  • Außerdem bestand ein Verbot für die Ausübung der meisten Berufe. Da man glaubte, dass Holz und Eisen keine Leprakrankheiten übertrugen, waren die Berufe, die sie ausüben konnten, vor allem Tischler, Schreiner, Holzfäller, Totengräber und Schmiede aber auch Korbmacher und Schneider. Da sie Experten für Holzbau waren, sind nachweislich viele Kirchen in den Pyrenäen von ihnen mitgestaltet worden. Sie werden als freundliche und fleißige Handwerker beschrieben.

Integration

Die Diskriminierung richtete sich gegen die Cagots allein aufgrund des Makels ihrer Verarmung, des Stigmas der Segregation und der über Generationen hinweg verkrusteten negativen Stereotype. Seit mindestens dem 13. Jahrhundert waren die Cagots Diskriminierung ausgesetzt, allein weil sie Cagots waren. Als eigenständiges Phänomen existierten sie nur so lange, wie sie marginalisiert wurden.

Es war die Französische Revolution, die es ihnen ermöglichte, in Frankreich endgültig Vollbürger zu werden. De facto wurden die Cagots jedoch vielerorts noch lange danach diskriminiert; besonders aus der Bretagne wanderten viele von ihnen nach Amerika aus, um dort ein neues Leben zu beginnen. 

In Spanien dauerte es bis 1819, bis das Parlament die Marginalisierung von Cagots ausdrücklich untersagte.

Die Diskriminierung definierte die Cagots, und als sie nachließ, verschwanden sie. Aber wie sieht es heute wirklich aus?

Hilke schreibt in ihrem Blog www.mein-frankreich.com dazu:

Ich verzichte bewusst auf die Darstellung der diskriminierten Menschen. Inzwischen habe ich einige von ihnen persönlich kennengelernt. Einstimmig berichteten sie, dass die cagots bis heute nicht vollständig in der Gesellschaft akzeptiert und integriert sind.

Und ein englischer Reporter, der eine Frau, die von den Cagots abstammt, interviewte, wollte sie und ihre Kinder fotografieren. Sie hat das für sich akzeptiert, aber ihre Kinder wollte sie nicht fotografieren lassen. Hier ihre Begründung:

“I’m sorry but no. It is OK for me to admit where I come from. But if people knew about my children’s background, it might be difficult for them.”

She gazes out of the window, at the distant green Pyrenees. “In some places, the hatred lingers. Even now. The Cagots may be silent but I can still hear it.”

Aber es gibt auch eine Erinnerungskultur. So befindet sich das Musée des Cagots in dem Städtchen Arreau in den Hautes Pyrenées. Allerdings versteckt sich das musée des cagots im Château d’Arreau im ersten Stock und besteht aus einem einzigen Saal. Außerdem weisen gelegentliche Straßenschilder auf ihre frühere Anwesenheit hin. Ab und zu findet man auch an den Kirchen noch die kleinen Seiteneingänge für die damaligen Cagots. Manche dieser Eingänge sind inzwischen auch zugemauert.

Die Cagots und ihr Name mögen verschwunden sein, aber ihre Geschichte sollte nicht aus Scham verdrängt werden. Denn die Erinnerung an ihre Geschichte birgt auch die Chance, das Thema Marginalisierung und Diskriminierung und die Problematik von Vorurteilen zu thematisieren. Denn Vorurteile sind zu jeder Zeit – also auch heute – ein wichtiges gesellschaftliches Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte. Daher sind unten einige grundsätzlichen Erkenntnisse zu Vorurteilen zusammengestellt

Quellen

Wie funktionieren eigentlich Vorurteile?

Von klein auf lernen wir Menschen in Schubladen zu stecken. Diese Einteilungen helfen uns, die Welt zu ordnen und den Überblick zu behalten. Aber die Kategorisierung hat noch einen anderen Zweck. Sie teilt die Menschen in „wir“ und „die“ ein. Die Mitglieder der Eigengruppe werden geschätzt, die der Fremdgruppe meist distanziert betrachtet. Dann werden diese Schubladen, in die man die Menschen gesteckt hat, etikettiert, d.h. sie werden mit einer positiven oder negativen Bewertung belegt. So wird aus einem zunächst (meist) nur falschem Stereotyp ein Vorurteil. Vorurteile sind somit verallgemeinernde, voreilige, fehlerhafte, pauschalierende Urteile über Menschen.

Ein Vorurteil ist eine ungerechtfertigte und in der Regel negative Einstellung gegenüber einer Gruppe und ihren Mitgliedern. Vorurteile beinhalten also stereotype Überzeugungen, negative Gefühle und die Bereitschaft zu diskriminierendem Verhalten. Ein Vorurteil ist somit eine Einstellung, die einen Menschen prädisponiert, von einer Gruppe oder ihren einzelnen Mitgliedern in günstiger oder ungünstiger Weise zu denken, eine Einstellung, die einen Menschen prädisponiert, wahrzunehmen, zu fühlen und zu handeln. Der Ausdruck Vorurteil betont dabei den emotionalen, wahrnehmungsmäßigen und kognitiven Gehalt der inneren Prädispositionen und Erfahrungen eines Individuums. Das Verhalten muss nicht notwendigerweise mit diesen Erfahrungen übereinstimmen. (Stangl, 2026).

Als Maße für die Stärke von Vorurteilen können sowohl tatsächlich ausgedrückte Emotionen als auch die Konsistenz in verschiedenen Situationen herangezogen werden, am häufigsten wird jedoch der Grad von positivem (oder negativem) Gefühl gegenüber einer bestimmten und oft ethnisch definierten Gruppe herangezogen. Meist beziehen sich Vorurteile auf negative, abwertende Einstellungen gegenüber Außengruppen bzw. Minoritäten. Die kognitive Komponente der Vorurteile das subjektive Wissen bzw. die Meinungen über die Außengruppe wird dann als Stereotyp bezeichnet. Soziale Vorurteile sind extrem änderungsresistent, daher stereotyp, als sie bei hoher Verschiedenartigkeit der Situationen minimale Unterschiede in den Urteilen zeigen und auf umfangreichere, soziologisch definierte Klassen von Personen bezogen sind. Vorurteile beinhalten dabei immer Gefühle und ein System mehr oder weniger deutlicher Überzeugungen. Vorurteile implizieren im Alltag oft eine ablehnende oder sogar feindselige Haltung gegenüber einer Person, die zu einer Gruppe gehört, der man die zu beanstandenden Eigenschaften zuschreibt. (Stangl, 2026).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2026, 6. Jänner). Vorurteil. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik.
https://lexikon.stangl.eu/4678/vorurteil

Durch eine kritische Wahrnehmung und eine offene Einstellung lassen sich Vorurteile auch wieder abbauen. Aber leider haben Vorurteile die Tendenz sich zu verfestigen. Durch eine Zustimmung meiner Bewertung in meiner Eigengruppe kommt es zu einer ersten Verfestigung. Zudem stärkt das gemeinsame Vorurteil das interne Gemeinschaftsgefühl und die bewusste Abgrenzung nach außen. Man fühlt sich anderen gegenüber überlegen. Also warum sollte man an seiner Bewertung zweifeln! Zudem bemerkt man die negativen Zuschreibungen deutlicher und man schenkt ihnen mehr Aufmerksamkeit als jenen Vorkommnissen, die z.T. sogar häufiger und eigentlich positiv zu bewerten wären. Man stuft diese einfach als Ausnahmen ein und kann so sein Vorurteil behalten. Auf Grund dieser Prozesse besteht natürlich keine Notwendigkeit, das Vorurteil in Frage zu stellen. Somit kann es sich weiter verfestigen und es dann sehr schwer, solche Vorurteile aufzubrechen.

Quellen

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Historisches Historisches Via Podiensis

Das Quercy

Das Quercy

als Beispiel für die wechselhafte Geschichte einer Landschaft im Vorfeld und während des 100jährigen Krieges

Quercy ist eine alte Provinz und liegt zwischen den beiden Flüssen Dordogne (im Norden) und Tarn (im Süden).  Sie grenzt im Norden an das Limousin, im Westen ans Périgord und Agenais, im Süden an die Gascogne und das Languedoc, sowie im Osten an Rouergue und die Auvergne. Das heutige Departemente Lot (46) und etwa die Hälfte des Departements Tarn et Garonne (..) entsprechen in etwa dem alten Quercy. 

Zur Zeit der Römer war die Provinz Quercy ein Teil von Aquitania prima. Im 4. Jahrhundert wurde die Region christianisiert. Zwei Jahrhunderte später fiel die Provinz an die Franken und im 9. Jahrhundert wurde sie ein Teil des fränkischen Königreichs Aquitanien. Ende des 10. Jahrhunderts waren seine Herren die mächtigen Grafen von Toulouse. Im Mittelalter führte die Via Podiensis über Figeac, Cahors und Moissac quer durch das Quercy, das mit Rocamadour eines der wichtigsten Pilgerziele Frankreichs besaß.

Während des 100-jährigen Krieges zwischen England und Frankreich besetzten die Engländer 1156 das Quercy und errichteten verschiedene Garnisonen. Durch den Frieden von Abbeville 1259 kam die Provinz Quercy unter englische Oberhoheit. Die genaue Abgrenzung erfolgte aber erst 1285. Zwischen 1292 und 1302 beschlagnahmte der König von Frankreich wiederum das Gebiet. Durch den Frieden von Bretigny 1360 fiel die Provinz an England, in den Jahren 1373–1380 eroberte Bertrand du Guesclin das Gebiet für die französische Krone zurück, dann ging es wieder an die Engländer. 1389 wurde das Rocamadour-Heiligtum von den Engländern eingenommen und geplündert, aber 1440 wurden sie schließlich definitiv aus dem Quercy vertrieben. Zwischen 1259 und 1453, d.h. während des englischen Besitztums, hieß das Königreich Aquitanien Guyenne, zudem eben auch das Quercy gehörte. Während dieses ganzen Hin und Her der Besitzverhältnisse bestätigten und erweiterten sowohl die Monarchen von England wie auch die Könige von Frankreich die Privilegien der Städte und Distrikte, beide in der Hoffnung, die Einwohner auf ihre Seite ziehen zu können.

Quercy
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Historisches Historisches Via Podiensis

Die Bastiden

Die Bastiden

als Zeichen von Städtgründungen und kriegerischen Auseinandersetzungen

Ein sichtbares Relikt der Städtgründungen aber auch der kriegerischen Zeiten des Mittelalters in Frankreich sind die Bastiden, die Wehrdörfer, denen wir immer wieder auf unserer Wanderung begegnen. Bastide (occitanisch: bastir = „bauen“) ist eigentlich die Bezeichnung für die im Mittelalter gegründeten und weitgehend in einem Zug erbauten Städte Okzitaniens, also des Südwesten Frankreichs. In der Zeit von 1222 bis 1373 (Beginn des 100jährigen Krieges) wurden hier zwischen 300 bis 500 neu gegründete Städte errichtet. Sie bildeten örtliche politische und wirtschaftliche Zentren mit Selbstverwaltung.

Gründer waren weltliche Seigneurs (u.a. auch die Könige von Frankreich und England sowie Grafen und lokale Fürsten als Lehnsherren) sowie kirchliche Herren (hier Bischöfe und Zisterzienserklöster), die mit den Grundherren spezielle notariell beglaubigte Verträge abschlossen.

Ziele waren zum einen die Grenzmarkierung von Herrschaftsgebieten zum anderen die Zuwanderung in entvölkerte Landstriche und dadurch die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen als Einkommensquelle für die Gründer sowie die Entwicklung von Märkten. U.a. durch die zunehmende Bevölkerungsentwicklung und die Seßhaftmachung der Halbnomaden in diesen Regionen konnten diese Gebiete besiedelt werden. Meist entstanden diese Bastiden an Orten ohne Vorgeschichte, bei aufgelassenen Dörfern, an Kreuzungen und in Gebieten mit guter Bodenqualität und Wasser. Sie wurden häufig verteidigungsstrategisch auf einer Kuppe oder einem Plateau errichtet und sollten der Landbevölkerung Schutz in Zeiten von kriegerischen Auseinandersetzungen geben. So wurden sie auch oft – allerdings meist erst einige Zeit nach ihrer Gründung – mit Stadtmauern befestigt.  Raymond VII., Graf von Toulouse (1222-1249), sicherte so sein Reich mit dem Bau von Bastiden vor und nach dem Albigenser-Kreuzzug, wie die Katharer auch genannt werden. Alfons von Poitiers (1250-1270) setzte sein Werk fort und gründete gleich 54 Bastiden, um während der englisch-französischen Kriege seine Westgrenze zum Herzogtum Aquitanien abzusichern.

Der englische König Edward I.  reagierte darauf mit dem Bau von Bastiden in seinem Reich. Als 1337 der 100-jährige Krieg zwischen England und Frankreich begann, läutete der das Ende des Bastiden-Booms ein. Labastide-d’Anjou in Aude gehörte zu den letzten, die vollendet wurde.

Ihr Aufbau ist geplant und besteht meist aus einem rechtwinkligen Straßenmuster mit einem zentralen Marktplatz, an dem die Kirche, das Rathaus und oft eine Markthalle liegen. Er wird von Häusern häufig mit Arkadengängen gesäumt. Man konnte bei einem Angriff von allen Häusern relativ schnell zur Stadtmauer gelangen, um von dort den Ort zu verteidigen. Gerade im 100jährigen Krieg konnten die befestigten Städte überleben, während viele andere unbefestigte Städte wieder zerstört wurden.

Um die Bevölkerung anzulocken, gab es eine Reihe von lokalen Privilegien, ohne das grundsätzliche Feudalsystem zu ändern:

  • Steuererleichterungen
  • Gleichheit der Landverteilung
  • Rechtliche Gleichstellung
  • Freiheit für Leibeigene
  • Marktrechte für den Ort

An die Grundherren musste eine Grundsteuer gezahlt werden und ein Zehnt ging an die Pfarrei. Die Privilegien wurden auch beim Wechselspiel der Besitzverhältnisse zwischen den englischen und französischen Königen bestätigt und zum Teil ausgeweitet, um so die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Welche Bastiden liegen u.a. auf dem Weg der Via Podiensis?

Lauzerte

Lauzerte entstand im Zuge des 100-jährigen Krieges, als die Grafschaften sich anschickten, ihre Grenzen und strategisch wichtigen Punkte durch befestigte Ortschaften vor den englischen Truppen zu schützen. Trotzdem wurde Lauzerte im 100- jährigen Krieg und auch in den Religionskriegen teilweise zerstört. Die Häuser um den Marktplatz mit ihren Fassaden aus dem Mittelalter und der Renaissance wurden renoviert.

Larressingle

Rund 270 Meter völlig intaktes Mauerwerk sowie ein Burggraben umschließen die wenigen Häuser sowie die Burg und die Burgruine. Noch immer verleihen die alten Häuser, die gleichzeitig die Festungsmauer bilden, dem Dorf ein mittelalterliches Flair. Die massive Wehrkirche St. Sigismund ist im Innern in ein romanisches und gotisches Schiff geteilt. Im 13. Jh. erhoben sowohl die französische wie auch die englische Krone Anspruch auf die Provinz Aquitanien. Um seinen Machtanspruch zu demonstrieren, ließ der französische König Larressingle und zahlreiche andere Siedlungen in der Region zu Bastiden ausbauen.

Montreal-du-Gers

Zu den frühen Bastiden gehört auch Montréal-sur-Gers, das Alphonse de Poitier im Herzen der Gascogne 1255 auf einem Hügel oberhalb des Auzoue gründete, direkt am Pilgerweg Via Podiensis nach Santiago de Compostela. Dass bereits hier die Römer ein Oppidum namens Celtiberum hatten, verrät eine kleine archäologische Ausstellung, das auch die Funde der Villa von Séviac aus dem 4. Jahrhundert birgt.

Die Stadt ist eine typische gascognische Bastide aus dem 13. Jh. Im Jahre 1320 wurde sie wie viele andere Städte der Region an das Herzogtum Guyenne angeschlossen, das sich im Besitz der englischen Krone befand. Daraufhin belagerte 1350 Karl der Schreckliche, König von Navarra, den Ort und übergab ihn 1368 dem Comte d’Armagnac. Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind allerdings nur noch wenige Reste erhalten. Aber der Marktplatz, den bis heute die typischen Arkaden säumen, und die Straßen, die wie einst noch in Rechtecken angeordnet sind, sind noch in ihrer ursprünglichen Form vorhanden.

Montreal-du-Gers Marktplatz

Miramont-Sensacq

Das Dorf wurde 1276 durch den König von England als Bastide gegründet.

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