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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Sie sind schon älter, aber noch ganz fit!

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Wir waren nach einem längeren Marsch gut in der Herberge in Ministrol d´Allier angekommen. Am Eingang der Herberge stand ein Tisch mit herrlichen selbstgemachten Kuchen, die uns natürlich verlockten. Nachdem wir geduscht und unsere Betten belegt hatten und obwohl es nicht mehr sehr lange bis zum Abendessen war, konnten wir der Versuch nicht wiederstehen. Jede bestellte sich ein Stück dieser leckeren Kuchen. Hmmm, welch ein Genuss!

Da wir feststellten, dass die Herbergen auf dem Weg immer recht belegt waren, baten wir dann einen der beiden Wirte, doch für uns in der nächsten Herberge in La Clauze zwei Betten zu reservieren. Mein Französisch ist zwar so lala, aber telefonieren ist doch noch einmal etwas anderes. Also rief unser Wirt für uns an. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass nur noch zwei Betten frei wären. Das seien aber die oberen Betten in zwei Stockbetten, die wir dann nehmen müssten. Wir nickten eifrig, Hauptsache wir hatten eine Übernachtung. Daraufhin musterte uns unser Wirt einen Moment, um dann zum anderen Wirt in La Clauze zu sagen: „Das geht schon. Es sind zwar zwei ältere Damen, aber sie sind noch ganz fit!“ Danke für die nette Einschätzung!

Sein Satz wurde für uns zum running Gag. Immer wenn es auf dem Weg einmal anstrengend wurde, dann lachten wir: „Wir sind zwar schon älter, aber noch ganz fit!“ und schon ging es schwungvoller weiter.

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Es kann auch mal ein Campingwagen sein!

Es kann auch mal ein Campingwagen sein!

Als wir in Air sur l´Adour ankamen, war die Herberge bereits belegt. Da wir – wie meist – nicht vorgebucht hatten, musste eine andere Lösung her. Die Dame im Tourismusbüro bot uns mehrere Unterkünfte an u.a. eine auf dem Campingplatz. Marielouise war sofort begeistert. Sie wollte schon immer einmal auf einem Campingplatz übernachten. Ich war eher skeptisch. Was für eine verrückte Idee! Aber ich ließ mich überreden.

 

 

Also ging es ab zum Campingplatz Les Ombrages de l´Adour, der wunderschön direkt am Ufer des Flusses l´Adour gelegen war. Das war doch schon immerhin etwas! Dann inspizierten wir den Campingwagen, der uns angeboten wurde. Als der Campingplatzbesitzer unsere skeptischen Blicke auf das schmale Bett sah, bot er uns an, noch einen weiteren Campingwagen dazu zu nehmen. Das lehnten wir aber dankend ab.

Nach einem leckeren Abendessen im Ort und einem Glas Wein vor unserem Campingwagen starteten wir unser Abenteuer Schlafen im Wohnwagenbett.

 

 

Noch lachend und bester Laune legten wir uns in das schmale Bett. Allerdings zweifelten wir daran, dass wir gut schlafen würden. Aber oh Wunder, wir schliefen wie die Murmeltiere, besser als in den Herbergen zuvor! Als der Wecker klingelte, wollten wir erst gar nicht aufstehen. Aber es lag eine lange Strecke bei sehr warmem Wetter vor uns. Aber wir können sagen, eine Übernachtung im Campingwagen ist durchaus empfehlenswert.

Ausgeschlafen und nach einem guten Frühstück im Freien ging unsere Wanderung weiter nach Arzacq-Arraziguet.

 

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Heiß, heißer, es geht nicht mehr!

Heiß, heißer, es geht nicht mehr!

Es war einer jener heißen Tage auf unserer Wanderung. Wir waren auf dem Weg von Lauzerte nach Moissac. 25 km bei mindestens 35° Grad lagen vor uns und das meist auf kleinen Straßen, die auch noch die Hitze abstrahlten. Im Buch stand außerdem: keine Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Auch ausreichend Wasser muss mitgeführt werden.

Obwohl wir vorgewarnt waren, hatten wir doch unsere Probleme mit dem Wasservorrat. Kurz vor Espis war unser Vorrat zu Ende, die Sonne brannte nur so vom Himmel und es waren noch über 5 km auf einer kleinen Straße bis Moissac. Wir waren schon recht verzweifelt, da erinnerte ich mich, dass im Buch unter Espis ein Trinkbrunnenzeichen dargestellt war. Und als wir am Friedhof des Ortes vorbeikamen, wurde uns klar, hier musste es Wasser geben. Also bogen wir auf den Friedhof ab.

Oh wie erfrischend war das Wasser! Erst löschten wir unseren Durst und dann hielt uns nichts mehr und wir steckten unsere Köpfe unter die Wasserleitung.  Auch wenn wir wie zwei begossene Pudel aussahen, kümmerte uns das nicht und wir genossen einfach die Abkühlung!

Als wir allerdings weitere zwei Kilometer gegangen waren, war von der Erfrischung leider nichts mehr zu spüren. Erschöpft und müde setzten wir uns auf die Balustrade an einem Haus. Mairelouise meinte, wie sähen aus wie zwei gerupfte Hühner auf der Stange. Als ein Auto kam, hielten wir den Daumen raus. Und wirklich ein junger Mann hielt an und nahm uns mit ins Zentrum von Moissac. Wie dankbar waren wir, denn der Rest des Weges wäre ohne Schatten durch ein Industriegebiet gegangen.  Nach einer Dusche in der Herberge konnten wir dann gegen Abend diesen herrlichen Ort mit seiner wunderschönen Kathedrale genießen.

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Geschichten Geschichten Via Podiensis

Ein mystischer Moment

Ein mystischer Moment

Geschichten auf dem Via Podiensis

Unsere Wanderung begann in le Puy-en-Velay. Bevor wir die erste Etappe in Angriff nahmen, wollte ich unbedingt nach die Kapelle Saint Michel d`Arguilhe (Heiliger Michal auf der Nadel) auf dem 85 Meter hohen Vulkanschlot aufsuchen. Die Kapelle ist dem Erzengel Michael geweiht, dem Schutzpatron der Berggipfel und Höhen. Sie wurde 969 erbaut und im 12. Jh. erweitert. Da Marielouise ein wenig Probleme mit einem Knie hatte, scheute sie gerade am Amfang unseres Jakobsweges die 268 Stufen hinauf zur Kapelle und natürlich auch die 268 Stufen wieder hinunter. Also stieg ich allein hinauf und außer mir war auch niemand dort unterwegs. Ich wollte mich ein wenig beeilen, nahm ziemlich flott die Stufen nach oben und betrat die Kapelle.

Und plötzlich war ich in einer anderen Welt. Mich umfing eine ganz eigene Atmosphäre. Es war als ob die Zeit plötzlich stehen geblieben wäre und eine tiefe innere Ruhe eingekehrt sei. Das Zusammenspiel von gedämpftem Licht, Kerzenschein, leiser Kirchenmusik, der Schlichtheit des Raumes mit seinen Fresken verströmten eine so mystische Atmosphäre, die mich zutiefst berührte. Auf einer Bank sitzend genoss ich diesen einzigartigen Moment, in dem man ganz bei sich ist. Ich hätte noch Stunden hier verweilen können! Gleichzeitig empfand ich aber auch ein tiefes Glücksgefühl, dass ich gleich wieder mit meiner Freundin auf dem Jakobsweg unterwegs sein durfte.

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Geschichten Geschichten Via Podiensis

Das beste Baguette der Region

Das beste Baguette der Region

Geschichten auf dem Via Podiensis

Wir waren gerade aus Lauzerte, das ja auf einem Hügel liegt, herabgestiegen und suchten den weiteren Weg, als wir von einem Mann angesprochen wurden. Ob wir denn schon das beste Baguette der Region getestet hätten. Als wir verneinten, zeigte er auf ein kleines einstöckiges Gebäude mit zwei Türen hinter uns und meinte, dort sei die Bäckerei mit dem besten Baguette. Das konnten wir uns ja nicht entgehen lassen, bedankten uns und gingen zu dem unscheinbaren Gebäude. Kein Schild wies auf die Bäckerei hin und prompt nahmen wir die falsche Türe und standen mitten in der Bäckerei. Hitze und ein herrlicher Duft schlugen uns entgegen. Nachdem der Bäcker auf die nächste Tür gewiesen hatte, betraten wir den Verkaufsraum. Alle Regale waren voll mit „tausenden“ Baguettes.

Wir kauften zwei und als der Bäcker sie uns gab, hätten wir uns fast die Hände verbrannt trotz des schützenden Papiers. Draußen probierten wir natürlich sofort das herrlich duftende knusprige Baguette – welch ein Genuss! Den Rest steckten wir seitlich in unsere Rucksacktaschen und er wärmte noch eine Zeitlang unseren Rücken. Wir waren überrascht über den kleinen Verkaufsraum und die vielen Baguettes. Aber dann fiel uns ein, dass wir schon mehrmals Bäckereifahrzeuge gesehen hatten. Mit diesen wurden die Leute auf dem Lande mit ihren bestellten Baguettes und Broten beliefert – ein perfekter Service.

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Geschichten Geschichten Via Podiensis

In der Not muss man auch mal tricksen

In der Not muss man auch mal tricksen

Geschichten auf dem Via Podiensis

Nachdem die Herberge in Uzan geschlossen hatte, schafften wir es nach 28 km und bei großer Hitze  (Marielouise hatte sich sogar ein Ohr leicht verbrannt)endlich Pomps zu erreichen. Der Schlafsaal der Herberge war in einem niedrigen Gebäude untergebracht – klein, eng, heiß und stickig, aber Weitergehen war keine Alternative.
Also akzeptierten wir zunächst die beiden Betten in der „Hundehütte“, wir hatten ja keine andere Wahl! Aber die Hitze staute sich in der niedrigen Baracke und ich konnte mir nicht vorstellen, dort die Nacht zu verbringen. Aber draußen war auch nur asphaltierter Boden – also auch keine Schafoption. Also bin ich losgezogen und habe das größere Gebäude, in dem die Küche und die Duschen untergebracht waren, inspiziert. Da war zum einen eine große Turnhalle, aber die war auch schrecklich aufgeheizt und später stellte sich heraus, dass abends eine Mannschaft dort Basketballtraining hatte. Dann entdeckte ich gegenüber der Halle ein Zimmer mit drei Betten, das überraschend kühl war. Also schnell zur Wirtin, bevor jemand anderes das Zimmer bekommt. Auf meine Frage, ob wir das Zimmer haben könnten, sagte sie erst nein, es würden ja alle Pilger in der Baracke schlafen. Außerdem kämen nachher noch die Basketballer in die Halle. Als ich dann einen Erstickungsanfall simulierte und ich ihr erklärte, dass ich die Nacht in der Baracke nicht durchhalten würde, ließ sie sich doch erweichen. Marielouise, der ich nichts von dem Zimmer gesagt hatte, um keine falschen Hoffnungen zu wecken, stand bei dem Gespräch mit der Wirtin nur ganz still und mit großen Augen neben mir und dachte, was ist denn jetzt mit ihr los! Hitzeschlag?! Anschließend meinte sie nur, dass sie gar nicht gewusst habe, wie gut ich schauspielern könnte. Aber wir hatten unser Zimmer!! Auch die Tatsache, dass  halb im Zimmer nur durch einen Vorhang getrennt noch Duschen waren und wir uns nicht sicher waren, ob die Basketballer später dort duschen würden, tat unserer Freude über uns ruhiges, kühles Zimmer keinen Abbruch. Wir würden uns einfach schlafend stellen. Doch diese Überraschung blieb uns – Gott sein Dank – erspart!
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Geschichten Geschichten Via Podiensis

Fahrkartenlösen in Frankreich – ein Abenteuer

Fahrkartenlösen in Frankreich - ein Abenteuer

Geschichten auf dem Via Podiensis

Das Fahrkartenlösen in Frankreich ist eine Kunst! Wir hatten beschlossen von Moissac aus wegen der großen Hitze (untertags bis zu 40° C) eine Etappe des Weges zu überspringen und direkt mit Zug und Bus nach Lectoure zu fahren.
Nachdem der Fahrkartenschalter geschlossen war, wir aber auch nicht schwarzfahren wollten, marschierten wir mutig zum Fahrkartenautomaten. Nach einigen Versuchen gelang es uns Abfahrtsort und Zielort einzugeben (bzw. durch Drehen des Knopfes an die richtige Stelle zu scrollen). Dann wurde uns der Betrag angezeigt und wir wollten voll Freude bezahlen. Leider aber nehmen die französischen Automaten keine Scheine an! Also Kleingeld raussuchen und durchzählen. Leider waren 16,30 Euro genau 70 Cent zu viel für unseren Geldbeutel, soviel Kleingeld hatten wir leider nicht, obwohl wir verzweifelt alle Portemonnaies, Taschen und Hosentaschen durchsuchten. Ein französischer Pilger, der auch am Bahnsteig wartete, hatte unseren Kampf mit dem Automaten beobachtet und half uns dankenswerter Weise mit 1 Euro aus. 30 Cent bekam er dafür von uns! Guter Tausch! Um sicher zu sein, dass jetzt alles passte, stellte sich Marie-Louise vor mich und ich zählte ihr in jede Hand 8,15 Euro. Passte! Inzwischen war natürlich der Automat wieder zurückgesprungen und die Eingabeprozedur, die jetzt aber schon etwas routinierter ging, begann von vorne. Und mit einem glücklichen Ende, denn wir bekamen wir unsere zwei Fahrscheine. Jetzt hieß es nur noch 20 Minuten auf den Zug warten. 10 Minuten vor Zugabfahrt hörten wir dann das Geräusch eines sich öffnenden Rollos, der Fahrkartenschalter war offen und wir hätten uns eine Menge Aufregung sparen können. Aber wer kennt sich in Frankreich schon mit so etwas aus!!!???
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Nadine, die singende Herbergsmutter

Nadine, singende Herbergsmutter

Geschichten auf dem Via Podiensis

Unsere heutige Wanderung führte uns über 27 km von  Pimbo zur Abbaye de Sauvelade. Der letzte Teil der Etappe zog sich durch einen dunklen Wald ziemlich langweilig dahin und wir hofften, bald unser Ziel zu erreichen. Auf den letzten Kilometern war an einzelnen Bäumen die Werbung für eine Herberge in der Nähe der Abbey  ausgehängt. Marielouise wies mich mehrmals daraufhin. „Schau da gibt es einen Swimingpool. Das wäre doch herrlich.“ Ich blieb ziemlich stur, denn dann hätten wir noch weitere 5 km laufen müssen und wir waren doch müde genug. Endlich erblickten wir die Kapelle von Sauvelage und die Herberge. Frohgemut fragten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit, aber der Wirt schüttelte nur bedauernd den Kopf. Alles belegt! Erschöpft und bedröppelt setzten wir uns hin, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Dabei müssen wir so niedergeschlagen ausgesehen haben, dass der Wirt uns zunächst etwas zu trinken gab und dann anbot, bei einer Kollegin anzurufen, ob sie ein Zimmer frei habe. Er kam mit der Nachricht zurück: Ja es sei noch ein Zimmer frei! und unser Zustand hatte ihn anscheinend dazu veranlasste, die Herbergswirtin zu überreden, uns doch abzuholen.
Und damit begann unser Abenteuer und es wurde der schönste Abend unserer Wanderung. Nach knapp 10 min schoss ein Auto auf den Parkplatz, eine Frau in Shorts mit einem lustigen Hut auf dem Kopf sprang aus dem Auto und rief „Je suis Nadine!“ Das war also unsere Wirtin. Wir packten unsere Rucksäcke und eilten zu ihr. Nachdem sie verschiedenste Kisten und Sachen im Kofferraum umgelagert hatte,  konnten wir endlich unsere Rucksäcke dort verstauen. Marielouise stieg als erste ins Auto und fing an zu lachen. Mitten im Auto steckte ein Stock, der das Dach nach oben abstützte. Na das konnte ja heiter werden, wo waren wir da hingekommen – wenn die Herberge auch so ausschaut………..Nach einer rasanten Fahrt kamen wir nach 5 km in der Herberge Gite Nadette an und trauten unseren Augen nicht. Was für ein herrliches gepflegtes Haus aus grauen Steinen und mit blauen Fensterrahmen! Und was dazukam, wir erkannten das Haus wieder, denn es war jenes auf den Werbezetteln an den Bäumen. Also kam Marielouise auch noch in den Genuss eines Swimungpools!!!! Wir konnten unser Glück kaum fassen. Also schnell in unsere kleine gemütliche Dachkammer, Sachen waschen, Badeanzug anziehen und nichts wie in den Pool. Wie gut das Wasser tat nach der langen anstrengenden Wanderung! Allerdings dauerte das Vergnügen nicht so lange, denn plötzlich kam ein Gewitter auf und wir schafften es gerade noch, unsere nassen Sachen von der Leine zu holen und ins Haus zu stürmen und schon brach das Gewitter mit voller Macht los. Aus unserem Dachfenster schauend sahen wir, wie die Bäume unter dem Druck von Wind und Regen hin und her geschüttelt wurden. Dazwischen wurde das Schauspiel durch zahlreiche Blitze erhellt. Nach einer guten halben Stunde war dann der Spuk vorbei.
Bald ging es zum Abendessen,  bei dem eine bunt gemischten Gruppe – 2 Franzosen, 1 Flame, 2 australische Paare, eine Holländerin und eine Deutsche- zusammentrafen. Das Essen war vorzüglich und es fand eine muntere Unterhaltung statt. Englisch, Französisch, Deutsch, Holländisch – eine buntes Sprachgemisch ging am Tisch hin und her und es wurde viel gelacht. Aber der Höhepunkt kam noch. Nach dem Essen setzte sich Nadine zu uns an den Tisch und erzählte von ihrem Haus, den Gästen und ihrem ehemaligen Leben als Sängerin, das sie viel in der Welt rumkommen ließ. Und dann stand sie plötzlich auf, zog ihre Schürze aus, rückte ihr Kleid zurecht und dann sag sie: “Weil ihr so sympathisch seid, sing ich für Euch!“ Und sie trug zwei baskische Lieder vor – und wir waren einfach begeistert!
Es war einer der schönsten überraschendsten Tage unserer Wanderungen und wir erzählen uns heute noch oft von dem Glück, das wir an diesem Tag hatten, obwohl es doch zunächst ganz anders ausgesehen hatte.

Hinweis: Wenn ihr Nadine auch kennen lernen wollt besucht doch ihre Herberge: Gitenadette

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