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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Von Zumaia sollte unsere Etappe heute bis Arnope gehen. Obwohl die Strecke von Deba nach Arnope relativ steil bergauf ging und es leicht regnete, wollten wir nach Arnope, damit die Strecke am nächsten Tag nicht zu lang werden sollte.

Am Spätnachmittag kamen wir in Arnope an, einem Dorf, das nur aus wenigen Häusern besteht. Die Herberge selbst besteht aus einer umgebauten landwirtschaftlichen Lagerhalle mit 32 Plätzen in 2 Schafsälen (für Männlein und Weiblein getrennt) sowie einem Aufenthaltsraum und einer kleinen Bar. So wirklich gemütlich war es nicht, aber wir hatte, da nur wenige Leute hier übernachteten, den Schlafsaal für uns allein. Nach einem gemütlichen Abendessen und netten Gesprächen mit drei weiteren Pilgern, gingen wir schlafen, in der Hoffnung, dass uns der nächste Tag besseres Wetter bringen würde.

Kaum lagen wir in unseren Betten, da trommelte der Regen schon auf das Dach der Lagerhalle. Was für ein Lärm!  Wie ein ganzes Orchester aus Schlagzeugern und Trommlern. Als das Trommeln endlich etwas leiser wurde, schlief ich ein, um – gefühlsmäßig – kurze Zeit später wieder durch einen weiteren Regentrommelwirbel aufzuwachen. Und so ging es die ganze Nacht: Trommeln auf dem Dach, Ruhe und die Hoffnung, dass der Regen aufgehört hat und dann wieder Trommeln und die Befürchtung, wie wohl der nächste Tag werden würde.

Nach dieser ungemütlichen Nacht schauten wir am Morgen als erstes nach draußen. Und zu unserer Überraschung hatte es aufgehört zu regnen. Zwar war der Weg matschig und teilweise rutschig, aber wir wurden wenigstens nicht noch von oben nass! Später erzählten uns andere Pilger, dass nach dem Regen der Weg hinauf nach Arnope sehr glitschig und anstrengend gewesen sei.

Als Ergänzung im Outdoor-Führer steht:

Wenn der Pächter stimmt, sicher ein gutes Projekt, aber gemessen an der Einfachheit der Ausstattung und dem Raumangebot erscheinen die Preise hier einigen Pilgern bisher doch etwas überhöht. Übernachtung 13.- €, Menü 12.- €, Frühstückspaket 5.- €

Ich würde noch ergänzen und wenn es in der Nacht nicht Stein und Bein regnet!

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Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Wir waren schon ca. 16 km von Hondarribia in Richtung Pasaia unterwegs, da stießen wir auf eine Straße und der gelbe Pfeil wies den Weg entlang der Straße. Aber auf der anderen Seite der Straße war auch ein Schild nach Pasaia, das auf einen Pfad Richtung Meer verwies. Begeistert von den bisher schon entdeckten herrlichen Ausblicken auf das Meer wählten wir kurz entschlossen – ohne das Buch weiter zu konsultieren – diesen Weg. Er führt eine Zeitlang über grüne Wiesen, bis man endlich wieder an die Küstenfelsen stößt. Ca. eine Stunde lang folgten wir diesem Küstenkamm, der schroff ins Meer abbricht. Wir konnten uns nicht satt sehen am blauen Himmel, dem wilden blauen Meer, den steilen Felsen und den grünen Wiesen. Welch herrliche Landschaft! Spannend war auch zu beobachten, wie die Schiffe aus der Meeresenge von Pasaia auf das offene Meer fahren, denn sie müssen hier durch eine von Bergen umgebende Aus- bzw. Einfahrt, die sich erst später in Pasaia zum größten natürlichen Hafen des Baskenlandes weitet. Früher war dies ein perfekter Schutz gegen Überfälle.

 

Nach ca. einer Stunde wurde unser Weg immer schmaler. Er führte nun etwas unterhalb des

Felsenkammes entlang, rechts ging es steil bergauf, links recht steil bergab. Dann wurde der Weg so eng, dass wir Bedenken hatten, mit unseren Rucksäcken am Felsen hängen zu bleiben. Und auf der ganzen Strecke war uns kein einziger Wanderer begegnet. Also war guter Rat teuer! Weitergehen – wobei der weitere Weg nicht einsehbar war, da er um eine Felsenkante herumführte – oder umkehren – wieder eine Stunde zurück!

Nach langem Überlegen entschieden wir uns für das Umkehren. Es war der erste Tag unserer Wanderung auf dem Camino del Norte und wir wollten einfach kein Risiko eingehen. Einerseits ärgerten wir uns darüber, dass wir nicht mutig genug sind, anderseits sollte man in unserem Alter auch nicht übermütig werden .

Also liefen wir diesmal zügigen Schrittes den Weg bis zur Straße zurück. Trotz des flotten Tempos genossen wir wieder die faszinierenden Ausblicke auf das Meer und den Küstenstreifen. Ab der Straße folgten wir dann brav den gelben Pfeilen nach Pasaia.

Als wir kurz vor der Herberge waren, kam uns ein Spanier, wohl ein Einheimischer, entgegen, der uns erklärte, dass die Herberge bereits voll belegt sei. Hatte uns der Umweg die Übernachtung in der Herberge gekostet? Aber wir wollten uns erst einmal selber ein Bild von der Lage machen. Er nickte und begleitete uns bis zur Herberge. Er sollte Recht behalten, die Herberge war bereits voll. Daraufhin fing unser Begleiter an, mit dem Herbergsvater zu diskutieren, und schließlich bekamen wir zwar kein Bett in der Herberge, aber nach einem Telefonanruf die Adresse einer Privatunterkunft, wo gerade noch zwei Betten frei waren.

Unser „Führer“ winkte uns und wir folgten ihm durch zahlreiche verwinkelte Gassen hinunter in den Ort. Ob wir den Weg zu der Unterkunft allein gefunden hätten? Wohl schon, aber sicher mit Mühen, zumal an der Türe nur ein Namensschild stand und kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem sich unser Führer vergewissert hatte, dass wir hier wirklich übernachten konnten, verabschiedete er sich freundlich begleitet von unserem herzlichen Dankeschön.

Also auch Umwege führen mit Glück zum Ziel! Und ich darf sagen, wir haben auf den vielen Wegen, die wir gegangen sind, und trotz mancher Sprachbarriere fast nur hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen. Immer wieder eine schöne Erfahrung!

Aber natürlich geisterte unsere Entscheidung umzukehren doch noch in unseren Köpfen herum. Also besuchten wir am Abend die Hafeneinfahrt und versuchten „unseren“ Weg oben am Felsen zu finden. Nach unserer Einschätzung hätten wir wohl noch einige hundert Meter weitergehen müssen, dann wäre der Abstieg nach Pasaia gekommen. Aber was soll´s. Wir hatten eine gute Entscheidung getroffen und dann soll man auch nicht anderen Möglichkeiten nachjammern!

 

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Sand unter meinen Füssen

Sand unter meinen Füssen

Geschichten auf dem Camino del Norte

Auf dem Camino del Norte treffen wir ja immer wieder auf Wegstrecken, die über  Strände führen. Und egal wie schön oder ungemütlich das Wetter ist, es lohnt sich immer, die Schuhe auszuziehen und barfuß über den Strand zu gehen! Welch ein Genuss ist es, den Sand unter den Füssen zu spüren!!!

Hoppla, manchmal vergisst man es dann doch!!!!
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Wer schleicht sich denn da herein?

Wer schleicht sich denn da herein?

Geschichten auf dem Camino del Norte

Unsere nächste Etappe war Laredo. Wir wollten in der Herberge Buen Pastor der Missionsfranziskaner, einer kleinen privaten Herberge, übernachten. Nach einigem Suchen standen wir endlich vor der Herberge. Vor uns warteten bereits sechs Personen an der Rezeption. Es sind die vier österreichischen Männer aus St. Pölten, denen wir schon mehrmals begegnet sind und zwei österreichische Damen, die sich ihnen angeschlossen hatten. An der Rezeption saß eine nette alte Dame, die die Anmeldungen annahm und die sich trotz des „Andrangs“ nicht aus der Ruhe bringen ließ – heißt, es dauerte eine Zeit bis auch wir an der Reihe waren. Als „Belohnung“ bekamen wir ein schönes Doppelzimmer mit eigenem Duschbereich. Außer uns achten übernachtete niemand mehr in der Herberge, obwohl insgesamt 20 Betten zur Verfügung standen. Ob es daran lag, dass sich keine Pilger*in mehr anmeldete oder ob die Dame entschieden hatte, das reicht an Personen und Arbeit, wissen wir nicht so genau.

Marielouise und ich machten am Nachmittag einen Spaziergang zum mehr als vier Kilometer langen Strand Playa de la Salve, der sich in einem Bogen von der Altstadt Puebla Vieja bis nach El Puntal erstreckt.

Am Abend spazierten wir dann alle – die Österreicher*innen und wir – durch die Altstadt von Laredo mit ihren engen Gassen und den kleinen Palästen und Herrenhäusern, die teilweise als Wohntürme erbaut wurden. Wir fanden ein nettes Restaurant und verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend mit interessanten Gesprächen. Als wir in die Herberge zurückkamen, wurden wir von einer anderen noch älteren Dame empfangen, die uns zunächst auch freundlich begrüßte. Doch dann schoss sie plötzlich auf Marielouise zu und erklärte – soweit wir das verstanden haben -, dass Marielouise  hier nicht gemeldet sei. Sie schaute sie so böse an, dass Marielouise ganz verunsichert war und unsere Beteuerungen halfen zunächst auch nichts. Erst als ich ihr unseren Zimmerschlüssel zeigte und deutlich machen konnte, dass wir zusammen das Zimmer gemietet hatten, ließ sie sich mehr oder minder überzeugen, immer noch mit einem zweifelnden – Marielouise meinte – bösen Blick. Ob sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht hatte mit Leuten, die sich mit anderen hier eingeschlichen hatten – wir wissen es nicht. Aber wir konnten über den Vorfall schmunzeln, ich hatte etwas, um Marielouise aufzuziehen und wir haben in dem großen Doppelbett herrlich geschlafen.

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Vorsicht bei Vorurteilen

Vorsicht bei Vorurteilen

Geschichten auf dem Camino del Norte

Wir waren gerade in San Sebastian angekommen und liefen die Promenade entlang Richtung Jugendherberge. Da sprach uns plötzlich ein junger Mann an und fragte uns auf Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, welche Sprache wir sprächen. Wir reagierten erst nicht und nahmen an, da wolle uns jemand anbetteln. So schritten wir zügig weiter. Der junge Mann ließ aber nicht locker, bis ich endlich – mehr um ihn loszuwerden – etwas ungnädig sagte “deutsch“. Da sprach er uns dann fröhlich an, er sei auch Deutscher und ob wir so wie er auch Pilger auf dem Jakobsweg seien. So kamen wir  ins Gespräch. Er kam aus Leipzig, hatte gerade sein Abitur bestanden und wollte dann auf Lehramt studieren und vorher eben den Camino del Norte gehen.

Er hatte uns angesprochen, da er auch gerade auf dem Weg zur Herberge war und da diese nicht ganz so leicht zu finden war, wollte er uns einfach begleiten und uns den Weg zeigen. Und das tat er auch und noch mehr. Denn als wir bei der Herberge ankamen, war diese schon voll besetzt. So verhandelte er mit der Dame an der Rezeption auf Spanisch, ob sie eine Lösung für uns hätte. Und wirklich, sie konnte uns eine Pension etwas außerhalb von Santander vermitteln und die Pensionswirtin war sogar bereit, uns mit dem Auto abzuholen. Nochmals vielen Dank Jan für Deine Hilfe!!! Denn die Hotelpreise an diesem Wochenende lagen in San Sebastian bei über 200.- €!!!

Und ich habe mir vorgenommen, mit meinen Vorurteilen vorsichtiger umzugehen und erst einmal zu überprüfen, ob der ein oder andere Mensch wirklich in die von mir vermutete Schublade gehört!

Das Pilgern ist hier eine gute Möglichkeit, trifft man doch die unterschiedlichsten Menschen. Jeder begegnet den Mitpilgern so, wie er ist. Es ist nicht wichtig, welche soziale Stellung man zuhause hat, sondern es geht um das Verhalten und die Erlebnisse im hier und jetzt. Es ist die Erfahrung des Gemeinsamen in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Pilger. Es finden alle möglichen Arten von Interaktion statt, was wiederum zur eigenen Selbsterfahrung führen kann.

Es gibt schöne Sprüche dazu:

Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben!       Thomas Morus

Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit.       Mark Twain

Wie funktionieren eigentlich Vorurteile?

Von klein auf lernen wir Menschen in Schubladen zu stecken. Diese Einteilungen helfen uns, die Welt zu ordnen und den Überblick zu behalten. Aber die Kategorisierung hat noch einen anderen Zweck. Sie teilt die Menschen in „wir“ und „die“ ein. Die Mitglieder der Eigengruppe werden geschätzt, die der Fremdgruppe meist distanziert betrachtet. Dann werden diese Schubladen, in die man die Menschen gesteckt hat, etikettiert, d.h. sie werden mit einer positiven oder negativen Bewertung belegt. So wird aus einem zunächst (meist) nur falschem Stereotyp ein Vorurteil. Vorurteile sind somit verallgemeinernde, voreilige, fehlerhafte, pauschalierende Urteile über Menschen.

Durch eine kritische Wahrnehmung und eine offene Einstellung lassen sich Vorurteile auch wieder abbauen. Aber leider haben Vorurteile die Tendenz sich zu verfestigen. Durch eine Zustimmung meiner Bewertung in meiner Eigengruppe kommt es zu einer ersten Verfestigung. Zudem stärkt das gemeinsame Vorurteil das interne Gemeinschaftsgefühl und die bewusste Abgrenzung nach außen. Man fühlt sich anderen gegenüber überlegen. Also warum sollte man an seiner Bewertung zweifeln! Zudem bemerkt man die negativen Zuschreibungen deutlicher und man schenkt ihnen mehr Aufmerksamkeit als jenen Vorkommnissen, die z.T. sogar häufiger und eigentlich positiv zu bewerten wären. Man stuft diese einfach als Ausnahmen ein und kann so sein Vorurteil behalten. Auf Grund dieser Prozesse besteht natürlich keine Notwendigkeit, das Vorurteil in Frage zu stellen. Somit kann es sich weiter verfestigen und es dann sehr schwer, solche Vorurteile aufzubrechen.

Was kann man tun?

  • in uns gehen und versuchen, unsere Vorurteile zu erkennen
  • Kontakte zu Menschen anderer sozialer Gruppen herstellen in positiven druckfreien Situationen
  • auf die eigene Ausdrucksweise achten. gerade auch wenn Kinder dabei sind
  • aber auch eine übertriebene Toleranz zu vermeiden, da der Fokus auf Andersartigkeit und nicht auf Gemeinsamkeit gerichtet ist
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Be happy

Be happy !

Geschichten auf dem Camino del Norte

Jakobsweg Hintergrundwissen Smiley

Er gibt diese Begegnungen auf dem Jakobsweg, die manchmal nur ganz kurz sein mögen, die aber einen tiefen Eindruck hinterlassen und die einem soviel geben, von dem man auch später noch zehrt. So geht es uns mit der Begegnung mit einem  spanischen Pilger.

Wir waren jenem großen kräftigen Spanier schon mehrmals in den Herbergen auf unserer Wanderung begegnet. Wir hatten uns stets mit einem freundlichen Lächeln begrüßt aber sonst kein Wort miteinander gewechselt. Unser Spanisch war für eine Konversation zu schlecht und wir hörten ihn auch nur mit Spaniern reden. Am letzten Tag seiner Reise trafen wir ihn in Santander. Wir gingen gemeinsam aus der Herberge und so kamen wir – auf Englisch – ins Gespräch. Er sagte, dass er nun nach Hause fahre und zeigte uns noch ein Café in Bahnhofsnähe, dass sehr guten Kaffee habe. Dann trennten sich unsere Wege. Da dieses Café aber gerade an diesem Tag zu hatte, suchten wir weiter und fanden schließlich ein kleines Café. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch und dann entdeckten wir „unseren“ Spanier an der Bar, dem wir freundlich zuwinkten. Kurze Zeit später kam er an unseren Tisch, sagte sein Zug ginge gleich und dann fielen jene Worte, die uns noch heute mit Freude erfüllen. „I wish you bien camino, a good life and be happy!“ Da stand dieser fast 2 m große kräftige Mann vor uns und sagte so zarte berührende Worte! Schade, dass wir nicht schon früher miteinander gesprochen haben, es wären sicher interesssante Gespräche geworden. Aber schön, dass diese kurze Begegnung stattgefunden hat!

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