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Ritterorden in Spanien
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Ritterorden in Spanien

Ritterorden in Spanien

Historisches auf dem Via de la Plata

Wenn man an die Ritterorden denkt, dann fällt einem wohl als erstes der Templerorden ein, den man als ältesten Ritterorden bezeichnen kann. Er und der Johanniterorden waren international agierende Orden, die vor allem bei den Kreuzzügen ins Heilige Land aktiv waren. Ihre wichtigsten Aufgabenbereiche lagen daher auch in dieser Region. Allerdings hatten sie natürlich auch einige Häuser in Spanien. Der Ritterorden vereinte die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche, bis dahin waren diese beiden Stände streng voneinander getrennt gewesen. Die Ritterorden waren durch ein ordensähnliches Gemeinschaftsleben in Armut, Gehorsam und Keuchheit gekennzeichnet, welches verknüpft war mit caritativen Aufgaben, bewaffnetem Pilgerschutz und militärischem Einsatz gegen äußere und gelegentlich auch innere Feinde der Christenheit. Sie waren streng hierarchisch organisiert. Hoch-bzw. Großmeister standen an ihrer Spitze. Aufgrund der Ordensregeln verpflichten sich die Mitglieder in allen Belangen zu absolutem Gehorsam gegenüber ihrem Großmeister. Einige geistliche Ritterorden, auch die spanischen und portugiesischen Ritterorden nach Ende der Reconquista wurden im 15./16. Jahrhundert dem jeweiligen König unterstellt, der die Großmeisterwürde erhielt und fortan vererbte.

Templer-Orden

Jahr der Gründung: 1118 Jerusalem / Sitz in Spanien: Castillo de Ponferrada (Kastilien-León) / International tätiger Ritterorden. Dem Templerorden folgte in Spanien der Montesa-Orden nach.

Orden de Hospital (Johanniterorden)

Jahr der Gründung: 1048 in Jerusalem / Sitz in Spanien: Castillo de Consuegra (Toledo, Kastilien-La Mancha) / International tätiger Ritterorden

Orden, die vor allem in Spanien agierten

Die spanischen Ritterorden, zu denen auch Ritter aus ganz Europa stießen, sahen ihre Aufgaben vor allem innerhalb Spaniens. Sie spielten gerade während der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens durch die christlichen Königreiche, eine besondere Rolle.

Zudem brachen Menschen aus aller Herren Länder auf, um am Grab des heiligen Apostels Jakobus in Compostela zu beten. Diese Pilger, jährlich Hunderttausende und mehr, sollten und mussten geschützt werden: vor Dieben, Wegelagerern, Räubern, aber auch und gerade vor den Mauren. Die spanischen Ritterorden waren infolge ihres Auftrags weniger dem Papst denn dem jeweiligen König verpflichtet.

Der älteste Ritterorden in Spanien ist der Orden de Calatrava (Calatrava-Orden), er wurde bereits im Jahre 1158 gegründet. Danach folgten weitere Gründungen von Ritterorden wie der Orden de Santiago (1170), Orden de Alcantara (1176) und der Orden von Montesa (1317).

Calatrava-Orden

Jahr der Gründung: 1158 / Königreich von Kastilien / Sitz: Castillo de Calatrava La Nueva (Ciudad Real, Kastilien-La Mancha) Gegründet wurde der große spanische Ritterorden Calatrava-Orden von Abt Raimundo Serrat im Jahre 1158. Der Orden von Calatrava hatte ursprünglich die Aufgabe, die Burg Calatrava vor den Mauren zu schützen. Eine Aufgabe, die zunächst 1147 zunächst den Templern übertragen worden war.

Alcantara-Orden

Jahr der Gründung: 1176 / Königreich León / Sitz: Convento San Benito (Cáceres, Extremadura) Der Alcántaraorden wurde zum Schutz des Ortes Ciudad Rodrigo im Jahre 1156 als Orden de San Julián de Pereiro gegründet. Erst im 13. Jahrhundert als der Ritterorden die Festung Alcántara übernahm und eine wichtige Römerbrücke über den Rio Tajo schützen sollte, folgte die Umbenennung.

Santiago-Orden

Jahr der Gründung: 1170 / Königreich León / Sitz: Monasterio de Uclés (Cuenca, Kastilien-La Mancha) / Auch der Santiagoorden wurde im Zuge der Reconquista gegründet und betätigte sich hauptsächlich auf der iberischen Halbinsel. Zunächst sahen die Mitglieder dieses Ritterordens ihre Hauptaufgabe im Schutz der Pilger nach Santiago de Compostela.

Montesa-Orden

Jahr der Gründung: 1317 / Königreich Aragón / Sitz: Castillo de Montesa (Valencia) / Der Orden von Montesa wurde erst 1316 von König Jakob II. von Aragón gegründet also nach der Auflösung des Templerordens und so wurde der Montesa-Orden mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Im neu gegründeten Orden fanden auch die nun ordenslosen Tempelritter Unterschlupf. 1400 wird der Montesa-Orden mit dem Orden von San Jorge de Alfama zusammengelegt, der neue Orden heißt nun Orden von Montesa und San Jorge de Alfama. ^

Orden von San Jorge de Alfama

Jahr der Gründung: 1201 / Alfama / Der Orden von San Jorge de Alfama wurde von König Peter II. von Aragón zu Ehren des heiligen Georg (San Jorge) 1201 gegründet. Vom Papst wurde der Orden von San Jorge de Alfama allerdings erst 1363 anerkannt. 1400 wurde der Orden mit dem Orden von Montesa vereinigt, der neue Orden hieß von nun an Orden von Montesa und San Jorge de Alfama.

Alle spanischen Ritterorden fühlten sich stärker den Königen als dem Papst verpflichtet. Trotzdem kam es im Laufe der Geschichte zu Unstimmigkeiten zwischen den Orden und der Krone, was sicherlich mit der zunehmenden Macht, dem Reichtum und der Unabhängigkeit der Orden zusammenhing. Die Orden erhielten als Anerkennung für militärische Leistungen zahlreiche Schenkungen und verfügte über ausgedehnte Ländereien und Privilegien sowie über hohe Geldbeträge, obwohl die Ritter sich u.a. beim Eintritt in den Orden der Armut verschrieben hatten. Da dies der spanischen Krone langfristig nicht gefiel, gingen die Ämter des Großmeisters nicht ganz freiwillig, sondern oft mit Unterstützung des Papstes nach und nach auf die spanische Krone über, die dann nur noch vererbt wurden.

  

Übrigens bestehen noch heute Ritterorden, die zum einen der Protektion des Heiligen Stuhls unterstehen ( Souveräner Malteserorden,  Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem) oder zum anderen als Ordensinstitution bestehen ( Deutscher Orden,  Mercedarierorden,  Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern).

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Kultur Kultur Via de la Plata

Salamanca – uralte, ewig junge Stadt

Salamanca

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Eine weitere Perle auf unserem Weg nach Santiago ist Salamanca mit seinen 160.000 Einwohnern. Salamanca ist eine Stadt, in der viele architektonische und künstlerische Stile vertreten sind. Die wichtigsten Beispiele des spanischen Plateresks: die Fassade der Universität (la fachada de la Universidad), das Kloster San Esteban (el Convento de San Esteban); aus der Romanik: die Alte Kathedrale (la Catedral Vieja); aus der Gotik: die Neue Kathedrale (la Catedral Nueva); aus der Renaissance: der Palast Monterrey; aus dem Barock: der Hauptplatz (la Plaza Mayor), die Kirche “la Clerecía”; vom Jugendstil: la Casa Lis. Dabei gibt es bei einzelnen Gebäuden selbst auch eine Mischung der Stile. So hat z.B. die gotische Kathedrale eine Fassade im plateresken Dekorationsstil.

Der Stein der Gebäude ist sehr charakteristisch für Salamanca. Er ist goldfarben und seine Farbe ändert sich mit dem Wetter. Der Stein stammt aus Villamayor (eine Stadt in der Nähe von Salamanca).

Nach der Krise des 14. Jh., die einen großen Teil des europäischen Kontinents erfasst hatte, und nach einem erbitterten Konflikt zwischen verschiedenen Adelsfamilien der Stadt im 15. Jh. erlebte Salamanca im 16. Jh. einen Aufschwung, der sie zur bedeutendsten Renaissance-Stadt der gesamten iberischen Halbinsel machen sollte. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wohlstand, der auf dem Handel, den Erträgen der Latifundien und der Wollverarbeitung beruhte, ließ die Einwohnerzahl auf bis zu 25.000 anwachsen. Salamanca erlebte einen regelrechten Bauboom – einschließlich des Baus der Neuen Kathedrale – der das Stadtbild vollkommen veränderte. Errichtet wurde eine große Anzahl von Palästen, Herrenhäusern, Klöstern, Kollegien und universitären Schulen, bei denen häufig ein Architekturstil vorherrschte: der platereske Stil.

In diese Zeit fiel dann auch die Glanzzeit der Universität, deren Keimzelle 1218  die Gründung des Studium generale war. Die Universität wurde zu einem wichtigen Zentrum mit großer Ausstrahlung. So kamen Tausende von Studenten aus aller Herren Länder sowie zahlreiche religiöse Orden, die von den intellektuellen und humanistischen Ideen angezogen wurden. Die Universität zählte zu den führenden Universitäten in Europa. Es handelt sich um die älteste Universität Spaniens. Auch heute ist sie mit 30.000 Studenten eine bedeutende Lehrstätte. Diese große Zahl von Studenten wirkt sich auch auf die Atmosphäre in der Stadt aus, die neben ihrem historischen Erbe sehr jung und lebendig erscheint.

Eine kleine Auswahl bedeutende Gebäude und Plätze:

  • Plaza Mayor, einer der schönsten Plätze Spaniens, im Barockstil aber auch in der Tradition des Herrera-Stils. Die dreistöckigen Häuser mit Arkaden bilden eine einheitliche Front rund um den Platz, aus der sich nur das Rathausgebäude an der Stirnseite abhebt. Unter den Arkaden rund um die Plaza gibt es zahlreiche Cafés, Bars und Läden. Bis ins 19. Jh. wurden hier Stierkämpfe ausgetragen.
  • Mercado Central unter einer gründerzeitlichen Stahlbedachung liegender Markt
  • Universität – an der Stirnseite das herrliche Plateresk-Portal der Universität mit reichem Ornament- und Wappenschmuck. Aus einem Totenkopf ist ein Frosch platziert als Allegorie auf die Ausschweifungen der Studenten. Bei diesen gilt er allerdings als Glücksbringer – vorausgesetzt, man findet ihn. Rechts neben dem Hauptportal die Fassade des Rektorats, in der der Übergang von der Gotik zur Renaissance zum Ausdruck kommt
  • Escuelas Menores – sind im Plateresk Stil errichtet. Hinter dem Portal eine schöne Vorhalle mit gotischer Kuppel und Plateresk-Balustrade
  • Museo de la Universidad – im Klosterhof mit dem berühmten „Ciela de Salamanca“ ein Fresko, das die Kuppel der alten Universitätsbibliothek bedeckte (1485-1490)
  • Die alte Kathedrale – Zutritt über die neue Kathedrale – im romanischen Stil als Wehrkirche in der Zeit der Neubesiedlung ab 1150 errichtet, überraschender und erfreulicher Weise wurde sie nicht abgerissen, um der neuen gotischen Kirche Platz zu machen – wie sonst meist üblich – sondern der neue Bau wurde einfach drangebaut.
  • Die neue Kathedrale – gotische Kirche aber auch mit Elementen der Renaissance und des Barocks Baubeginn 1513, Fertigstellung 1733, mit einer imposanten Größe – kein Gebäude ist annähernd so groß und hoch, Fassade im gotischen und plateresken Stil.
  • Convento de San Esteban de Dominicos – die große religiöse Lehranstalt hat viele bedeutende Gelehrte hervorgebracht
  • Los Claras und las Duenas – bedeutende Nonnenklöster mit schönem Kreuzgang
  • Casa de las Conchias – Muschelhaus, ein im Plateresk-Stil erbauter Stadtpalast, dessen Fassade mit mehr als 300 Jakobsmuscheln aus goldgelbem Sandstein geschmückt ist, Innenhof mit Mudéjarbögen,  Renaissance-Säulen aus Carrara-Marmor und zahlreiche muslimisch beeinflusste Ornamente
  • Puerto Romano eine durch die Römer erbaute Brücke über den Fluss, über die man noch heute gehen kann. 15 der 27 Bögen stammen noch aus der Römerzeit.
  • Palacio de Monterrey wurde ab 1539 erbaut. Mit seiner plateresken Dekoration und seinen Ecktürmen ist er ein typisches Beispiel für den Reichtum und die Macht des Adels im 16. Jh. Er wurde bis ins 20. Jh. oft von anderen Architekten kopiert.
  • La Clerecia – riesige kuppelgekrönte Jesuitenkirche im Barockstil neben der Casa de las Conchas
  • Iglesia de San Marcos – aus dem 12. Jh. mit einem kreisrunden Grundriss

siehe auch unten: Das kulturell andere Salamanca

Das kulturell andere Salamanca

Das Museum für Art Noveau und Art Deco

Das herrschaftliche Jugendstilhaus – die Casa Lis – fällt in Salamanca besonders ins Auge. Erbaut wurde es 1905 von dem Architekten und Mathematiker Joaquin de Vargas. Der Bau ist ein Vertreter der rationalistischen Architektur, was sich in der Verwendung neuer Materialien wie Gusseisen, Stahl und Glas widerspiegelt.

Heute ist hier das Museum für Art Noveau und Art Deco der Stiftung Ramos Andrade untergebracht. Sowohl die Kunstwerke als auch die Gestaltung der Räume mit dem bunten Kuppeldach und den farbigen Fenstern entführen den Besucher in die Zeit zu Anfang des 19. Jhs.  aus dem 12. Jh. mit einem kreisrunden Grundriss

Street Art Kunst in der Stadt

Neben dem historischen Kulturerbe gibt es aber auch ganz moderne Kunstelemente in der Stadt. Die Bilder der Street Art Künstler in Salamanca sind wirklich beeindruckend. Als Street Art werden verschiedene, meist nichtkommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet, die nach der Absicht der Verursacher durchaus dauerhaft dort verbleiben sollten. Unter Street Art versteht man zum großen Teil selbstautorisiert angebrachte Zeichen aller Art im urbanen Raum, die mit einem weiteren Personenkreis kommunizieren wollen.

Da die Künstler das kulturelle Erbe der Stadt respektieren, waren Street Art Bilder in der Innenstadt tabu. Sie wählten Flächen außerhalb des Innenstadtkerns und in den Vororten. Ihre Motivation liegt u.a. in der Möglichkeit, das eigene Umfeld auf kreative Weise visuell mitzugestalten sowie einen künstlerischen Gegenpol zur omnipräsenten Werbung oder Gentrifizierung zu schaffen. Sie wollen damit aber auch weniger attraktive Stadtviertel aufwerten. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Viertel Barrio del Oeste. El Barrio del Oeste liegt im Stadtzentrum und rund um die Plaza del Oeste befinden sich viele kleine Unternehmen, karitative Einrichtungen und eine Nachbarschaft, die gegenüber der Kunst auf der Straße sehr aufgeschlossen ist. Sehr viele Leute haben ihre Garagentore und Hauswände für Street Art zur Verfügung gestellt. Es begann mit regionalen Künstler und Künstlerinnen und dann kamen nach und nach immer mehr internationale Kreative – überproportional viele Frauen – aus verschiedenen Ländern dazu, die hier die Wände gestalteten. Zahlreiche Künstler kamen auch aus Südamerika. Das erklärt sich dadurch, das in den südamerikanischen Ländern die Wandmalereien eine lange Tradition hat, so dass wir die schönen bunten Wandbilder dort sowohl in den Städten als auch auf dem Lande finden.

Beispiele der Street Art Kunst auf Garagentoren oder an Hauswänden

Eine klAuswahl an Street Art Bildern
Eine kleine Auswahl an Street Art Bildern
Eine kleine Auswahl an Street Art Bildern
Eine kleine Auswahl an Street Art Bildern
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Kultur Kultur Via de la Plata

Zafra und Caceres – Perlen an der Via de la Plata

Zafra und Caceres

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Zafra

In Zafra, der Stadt, die uns auf unserem weiteren Weg entlang der Via de la Plata als erstes begegnet, ist eine Kleinstadt und eine Gemeinde von ca. 17.000 Einwohnern. Hier

finden wir jene Mischung aus Gotik, Mudéjar-Stil und Renaissance, die ja für die Entwicklung der Baustile in Spanien so typisch ist.

  • Das alte Zentrum der Stadt ist die im 15. Jahrhundert von den Mauren oder besser Mudéjares erbaute Plaza Chica („kleiner Platz“), deren von Ziegelsteinarkaden gesäumte Häuser einen Eindruck der Ruhe vermitteln.
  • Die im 16. Jahrhundert entstandene Plaza Grande („großer Platz“) ist ebenfalls von Arkadenhäusern umrahmt, doch ist der Platz deutlich größer und belebter.
  • Der festungsähnliche Palast (palacio) der Grafen bzw. Herzöge von Feria stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde im Desornamento-Stil erbaut; er wurde im 16. und 17. Jahrhundert umgebaut.
  • Unweit davon befindet sich die Kirche des Convento de Santa Clara aus der Mitte des 15. Jahrhunderts mit einem sehenswerten Barockaltar aus den 1670er Jahren.
  • Ursprünglich ein nobles Wohnhaus wurde das im Jahr 1438 erbaute Hospital de Santiago später als eine Krankenpflegeanstalt genutzt. Der in einer Sackgasse gelegene Bau besitzt ein schönes spätgotisches Portal und einen Innenhof mit Elementen des Mudéjarstils.
  • Zwei Tore (Arco de Jerez und Arco de Cubo) der mittelalterlichen Stadtmauer (muralla) haben sich erhalten.
  • Das bedeutendste Sakralbauwerk der Stadt ist die eintürmige und einschiffige Iglesia de la Candelaria aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie entstand an der Stelle einer nach der Vertreibung der Juden abgerissenen Synagoge und wurde im Jahr 1609 auf Betreiben des Herzogs von Feria in den Rang einer Kollegiatkirche erhoben. Blickfang im sterngewölbten Inneren ist das von gedrehten salomonischen Säulen gerahmte spätbarocke Altarretabel in der Hauptapsis.

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Caceres

Caceres ist nach Zafra und Merida die dritte Perle an der Via de la Plata, die einen ausführlicheren Besuch wert ist. Die 100.000 Einwohner große Universitätsstadt besitzt im Herzen eine Altstadt, die geprägt ist von einem original erhaltenen Ensemble aus Kirchen, Palästen und Herrschaftshäusern aus dem 14. – 16. Jh., umgeben von einer Ringmauer. Besonders schön ist hier ein abendlicher Spaziergang durch die nur dezent beleuchtete Altstadt. Man fühlt sich fast ins Mittelalter versetzt! Wunderschön!

Wie viele Städte wurde auch Caceres von den Römern erbaut und befestigt. Ebenso wurde sie von den Mauren erobert und im Rahmen der Reconquista von den Christen wiedererobert. Die freie Handelsstadt lockte daraufhin viele Kaufleute und später auch Adelige an. Sie versuchten sich mit ihren prächtigen Häusern, Palästen, die zum Teil fast kleinen Festungen glichen, sowie mit den Wehrtürmen gegenseitig zu übertreffen. Allerdings kam es nach der Reconquista zu Streitigkeiten.

Nachdem im 15. Jahrhundert Isabella I. von Kastilien den Streit mit Johanna von Kastilien um die Thronfolge in Kastilien gewonnen hatte, wollte sie die Macht des Adels in Caceres einschränken und ordnete an, alle Türme der Häuser, deren Besitzer sie nicht unterstützt hatten, abzureißen. Dadurch wurde Cáceres stark in Mitleidenschaft gezogen, nur zwei Paläste blieben unversehrt. Noch heute trägt Cáceres den Beinamen Enthauptete Hauptstadt.

Die Altstadt wurde zum Weltkulturerbe ernannt, da man hier auf engstem Raum die verschiedenen kulturellen Einflüsse findet – Gotik, Maurische Kultur und Renaissance. Die Einflüsse der Renaissance kamen relativ spät in die Extremadura, wo sich eine Zeit lang gotische Elemente mit Elementen der Renaissance vermischten. Im 15. Und 16. Jh. entstanden auch hier viele Paläste und Herrenhäuser dank des Goldes und Silbers aus Amerika. Auch die Kirchen gestalteten ihre Gebäude um und passten sie dem neuen Stil an.

Der Großteil der historischen Gebäude in Cáceres befindet sich innerhalb der historischen Stadtmauern. Hier eine kurze Aufzählung einiger bedeutender Bauwerke und Plätze:

  • Plaza Mayor – Marktplatz aus dem 13. Jh., das Bogenwerk mit Steinpfeilern und Rundbögen um den Platz stammt aus dem 16. Jh.. Er ist einer der größten Plätze Spaniens.
  • Torre de Bujaco – Turm aus dem 12 Jh. von den Mauren über einer römischen –Festung errichtet, später von Ritterorden von Santiago als Bastion genutzt
  • Puerta de la Estrella – Eingang zur mittelalterlichen Altstadt
  • Plaza de Santa Maria – Dom und Adelspaläste
  • Dom Santa Maria de Caceres – erbaut im 15./16. Jh. auf den Fundamenten einer älteren Kirche, das Sakristeiportal ein schönes Beispiel für den plateresken Stil, Evangelium-Portal aus der Romanik erhalten
  • Bischofspalast – aus dem 15./16. Jh. mit wunderschöner Fassade im Renaissance-Stil, älteste Teile des Palastes aus dem 13. Jh.
  • Palast von Hernando de Ovando – 1519 im Renaissance-Stil erbaut
  • Mayoralgo Palast – Fassade von 1537 enthält Elemente aus Gotik und Renaissance, im Inneren schöner Mudéjar-Hof aus dem 14. Jh.
  • Plaza de San Jorge – mit dem Palast der Adelsfamilie Los Golfines de Abajo aus dem 16. Jh. mit plateresker Fassade und gotischen Elementen
  • Iglesia de San Francisco Janvier – aus dem 18. Jh. im Barock-Stil
  • Kloster San Francisco – aus dem 15. Jh., Kreuzgang im Renaissance-Stil
  • Plaza de San Mateo
  • Gotische Kirche San Mateo aus dem 15. Jh. – Kapelle im Stil der Renaissance und platereskes Portal
  • Haus der Herren von Torreorgaz – mit herausragendem Turm aus dem 16. Jh.

Haus der Golfines de Arriba – aus dem 15. Jh. mit fünf Türmen

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Die Zeit der Renaissance in Spanien

Die Zeit der Renaissance in Spanien

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Kurzer gesellschaftlicher und geschichtlicher Hintergrund

Die Renaissance kennzeichnet teilweise den Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit. Dieser Prozess vollzog sich allerdings über eine lange Zeitperiode beginnend wohl mit dem Humanismus um 1300 und ausklingend mit der Aufklärung um 1700. Es sind einige neue naturwissenschaftliche bzw. technische  Erkenntnisse, die zu fundamentalen Veränderungen führten.  Zu nennen sind hier u.a.

  • Johannes Gutenberg erfand im Jahr 1440 den Buchdruck mit beweglichen Lettern.
  • Der Schlossermeister Peter Henlein baute um 1510 eine kleine Uhr aus Eisen mit Federantrieb, die Taschenuhr.
  • Das erste Mikroskop erfand das niederländische Vater-Sohn-Gespann Hans und Zacharias Janssen 1608.
  • Der Arzt und Domherr Nikolaus Kopernikus aus Thorn findet 1507 das mathematisch noch unbewiesene Heliozentrische Weltbild.
  • Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), reformiert als Arzt, Botaniker und Chemiker die Medizin.
  • Galileo Galilei 1564-1642) macht bahnbrechende, physikalische Entdeckungen. Im Jahre 1633 wird er wegen seines Eintretens für das kopernikanische Weltbild von der Inquisition zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.
  • Johannes Kepler fand Anfang des 17. Jhs. die drei Keplerschen Gesetze, die die fundamentalen Gesetzmäßigkeiten des Umlaufs der Planeten um die Sonne erläutern. 
  • Leonardo Da Vinci (1452-1519) ist berühmt für seine vielen herausragenden Leistungen als Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Mechaniker, Ingenieur, Philosoph und Naturwissenschaftler.

Ebenso wichtig wie die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind aber auch zahlreiche geschichtliche Ereignisse. Hier sind u.a. zu nennen

  • die Entdeckung der Neuen Welt,
  • die Blüte des Welthandels,
  • der Aufstieg der Städte und des Bürgertums,
  • der Beginn der uneingeschränkten Monarchie in Frankreich,
  • das sich ausdehnende Habsburgerreich unter Karl V.
  • die Reformation und Gegenreformation.

In diese Zeit fallen auch speziell für Spanien wichtige gesellschaftliche Veränderungen und Entdeckungen. Zu nennen sind hier u.a.

  • die Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragon,
  • das Ende der Reconquista durch die Einnahme von Granada 1492
  • die Inquisition und die Vertreibung der Araber und Juden aus Spanien
  • die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492
  • die Kolonialisierung der amerikanischen Besitzungen
  • die Beziehungen Spaniens zu Italien – der König von Aragon war auch König von Neapel
  • das Habsburgerweltreich mit seinem Mittelpunkt in Spanien unter Karl I. von Spanien ( als Karl V. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches)
  • die Entwicklung einer herausragenden Stellung Spaniens in der Weltpolitik
  • Einsetzung Philipp II. als Nachfolger Karls in Spanien, den Niederlanden, in den italienischen Besitzungen und in den überseeischen Kolonien
  • intensive Beziehungen Philipps II.  zu anderen italienischen Staaten und dem Papsttum.

Das Menschenbild der Renaissance

Die Entdeckung der Welt entspricht der Entdeckung des Menschen. Der Mensch als Einzelwesen, als Individuum wird interessant. Die Renaissance ist als ein Lebensgefühl zu verstehen. Der Gott des Mittelalters soll durch den Menschen als Maß aller Dinge ersetzt werden. Das Menschenbild ist durch einen kritischen Geist, Selbstbewusstsein, Weltläufigkeit und naturwissenschaftliche Offenheit gekennzeichnet. Traditionelle Kräfte wie die Religion oder Herrschaft werden hinterfragt und nicht unkritisch übernommen. Der moderne Mensch mit seinen Gaben und gestalterischen Fähigkeiten wird hervorgehoben.

Die Humanisten trugen der Tatsache Rechnung, dass der Mensch aus eigenem Antrieb fähig ist, sich und seine Welt zu begreifen, kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Der Mensch der Renaissance war selbstbewusst, er begriff sich als Künstler, als Schöpfer, als Herr der Künste. Er interessierte sich für technische Neuerungen, für die Kriegskunst, die Geschichte, Werke und Ästhetik der vielgerühmten Antike. Bilder, Statuen, Reliefs und Architektur sollten einem neuen Schönheitsideal und lebensbejahenden Menschenbild Rechnung tragen. Der Pessimismus, der in Europa nach der schrecklichen Pestepidemie des 14. Jhs., die über 25 Millionen Menschen dahinraffte, wurde überwunden. Eine gesteigerte Lebensfreude trat in den Vordergrund.

Die Künstler transportierten das neue Menschenbild der Gelehrten in ihre Werke und prägten bis ins 16. Jahrhundert hinein einen eigenen Stil und eine eigene Ästhetik der Renaissance. Sie feierten die Ideen und die Highlights der Antike und übersetzten sie in ihre Zeit, um sie für die Gegenwart, die Moderne, umsetzbar zu machen.

Berühmte Maler der Renaissance

Da die Malerei in der Renaissance eine besondere Bedeutung hat, ich im Folgenden aber vor allem auf die Architektur eingehe, sind hier einige der bedeutendsten Künstler aufgeführt. Die Berühmtheit der Maler ergibt sich auch daraus, dass im Gegensatz zum Mittelalter die Künstler nicht mehr anonym bleiben, sondern ihren wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft erhielten und von den großen Herrschern stark umworben wurden.

Leonardo da Vinci 

1452-1519

Michelangelo

1475-1564

Raffael

1483-1520

Lucas Cranach d.Ä

1472-1553

Hieronymus Bosch   

-1516

Tizian

1490-1576

Giorginoe

1478-1510

Jacopo Tintoretto

1518-1594

Sandro Botticelli

1445 –1510

Giovannni Bellini

1430-1516

Albrecht Dürer

1471-1528

Jan van Eyck

1390-1441

Albrecht Altdorfer

1480-1538

Matthias Grünewald

1470-1528

Die Bedeutung der Monarchie, der Kirche und des Adels für die Entwicklung der Renaissancearchitektur in Spanien

Die Verbreitung des Stils geschah durch das Mäzenatentum vor allem der herrschenden Klasse, die durch Diplomatie, Kriege und Heirat mit anderen Herrscherhäusern verbunden war und so in regem Kontakt zu einander standen. Was sich gegenüber dem Mittelalter änderte, war die Tatsache, dass auch die Künstler aus der Namenlosigkeit heraustraten. Wie die Namen ihrer fürstlichen Mäzene standen nun auch die Namen der Künstler im Mittelpunkt und um ihre Anwesenheit wurde zwischen den Fürstenhäusern gefeilscht.

Der politische Aufschwung in Spanien schlug sich auch in intensiver, künstlerischer Tätigkeit nieder, die von Adel, Kirche aber auch von Kaufleuten und Bankherren gefördert wurde. Zum einen gaben die Könige selbst bedeutende Bauwerke der Renaissance in Auftrag. Besonders ausgeprägt waren diese architektonischen Interessen schließlich bei Philipp II., der alle Pläne persönlich begutachtete, besonders jene des Escorial. Aber auch das Interesse des Adels war von großer Bedeutung, da er mit den Aufträgen für repräsentative Paläste die Renaissance in Spanien vorantrieb. Neben dem Adel ist es auch das Bürgertum in den prosperierenden Handelsstädten zu nennen, das inzwischen zu Wohlstand und Selbstbewusstsein gekommen ist. Es wurden aufwendige Rat-, Zunft- und Wohnhäuser in Auftrag gegeben. So gestaltete sich eine als „Palazzo“ genannte Bauform. Es entstanden geschlossene, um einen Innenhof herum gelegte Bauten, deren Räume an Flure gereiht und gern in Stockwerke gleicher Höhe geordnet wurden. Zur Straßenfront hin erhielten sie eine monumentale dekorative Fassade. Eine andere weltliche Bauaufgabe stellte die Villa dar, das vor den Stadtmauern gelegene Landhaus mit seiner Gartenarchitektur.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Humanismus in Spanien kam auch den Universitäten und Kollegien eine wachsende Bedeutung zu und somit auch der Architektur der Universitäten. Die Kollegien bildeten den ersten speziellen Bautyp unter den Universitätsgebäuden. Sie entstanden zunächst ohne feste Gestalt als Internate für arme Studenten und folgten in ihrer Organisation dem Vorbild der Klöster. Eine beschränkte Zahl von Stipendiaten lebte in enger Gemeinschaft unter der Aufsicht von Rektor und Dekanen. Durch Repetitionen und Vorträge gewannen sie allmählich den Rang von Lehrstätten mit wachsendem Einfluss auf den gesamten Lehrbetrieb.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden im Gebiet der iberischen Halbinsel viele Universitätsgebäude neu errichtet oder bereits bestehende umgebaut und erweitert. Dazu zählen z. B. die Universitäten von Salamanca, Alcalá de Henares, Burgo de Osma, Osuna und Oñate, sowie die Kollegien von Valladolid, Santiago de Compostela, Tortosa und Salamanca.

Die Renaissance und ihre Architekturstilrichtungen in Spanien

Die meisten Architekturhistoriker sehen den Ursprung der Renaissance im frühen 15. Jahrhundert in Florenz als Brunelleschi, basierend auf Ideen der römischen Antike, aber auch der Romanik – seine Idee der römischen Baukunst formulierte. Ausgehend von Florenz breitete sich der Renaissance-Stil erst über Italien, dann über ganz Europa aus. Bis 1450 hatte sich der neue Stil in Ferrara, Urbino, Neapel und Rom etabliert. Kurz darauf setzte sich dieser Stil auch in den Fürstentümern Rimini, Mantua und Mailand, sowie in den Republiken Siena und Venedig durch. Anders als Florenz, Siena und Venedig wurden die übrigen Städte bzw. Stadtstaaten von signori – also Fürsten, Herzögen, Königen und Grafen –regiert.

Dies wiederum erleichterte die Verbreitung des Stils im restlichen Europa, da  die Herrscher der Königreiche, Fürstentümer miteinander verknüpft waren. Es waren vorwiegend Mitglieder der herrschenden Klasse, die als Mäzene auftraten und Paläste und Grabdenkmäler im Renaissance-Stil errichten ließen.

In Spanien herrschten im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts die „Katholischen Könige“ Isabella und Ferdinand. Sie waren bestrebt, ein vereintes christliches Spanien zu schaffen. Um dieser Idee des Christentums in der Architektur symbolisch Ausdruck zu verleihen, schien ihnen allerdings die Formensprache der Gotik geeigneter als die der Renaissance, die – zumindest in Spanien – mit dem Heidentum in Verbindung gebracht wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass die „Katholischen Könige“, die Kirche und auch ein Großteil des spanischen Adels auf eine Erneuerung der tiefverwurzelten Tradition des gotischen Architektursystems bedacht waren. Dazu kommt, dass auf der iberischen Halbinsel sowohl die Renaissance als auch die Gotik als Ausdruck derselben Idee der Modernität galten.

So befand sich Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer Phase der stilistischen Unsicherheit oder Überlappung. Gotik, Mudéjar und Renaissance blieben lange Zeit gleichermaßen gültige Stile, die selbst bis in die Jahrhundertmitte in verschiedensten  Mischformen auftraten. So findet man sie häufig gemischt an Fassaden, in Innenhöfen und Kreuzgängen. Im Mudéjar-Stil vermischte sich abendländische Baukunst mit islamischen Elementen. Islamische Handwerker, die in den wiedereroberten Gebieten Spaniens zurückgeblieben waren, bauten vom 10. – Anfang des 16. Jhs. im Auftrag der Christen.

Die Geschichte der spanischen Renaissancearchitektur ist  anfangs vor allem eine Geschichte des Baudekors. Erst zur Mitte des Jahrhunderts hin begann man, weniger Schauwände und mehr Räume zu konzipieren. Die Baukunst in Spanien wurde zwar von der italienischen Renaissance beeinflusst, die spanischen Künstler hatten aber auch andere  Vorbilder, so dass nicht der italienische Stil starr kopiert wurde, sondern sich in Spanien eigene Bau- und Schmuckformen entwickelten. Regional waren die Anfänge der Renaissancebaukunst auf kleine Gebiete begrenzt, in Zentralspanien z.B. waren das Guadalajara und seine nähere Umgebung. Hier ist vor allem die Adelsfamilie der Mendozas zu nennen, die einen großen  Einfluss auf die Verbreitung des Stils hatte.

In Spanien unterscheidet man zwei Stilepochen der Renaissance:

  • den Platereske-Stil
  • den puristische oder Desornamentado-Stil

Der Platereske Stil verband die neuen italienischen Ideen der Renaissance mit der spanischen gotischen Tradition und starken maurischen Elementen. Er verband die maurische Flächenkunst mit den plastischen Vorstellungen der Italiener. Der Stil wurde Platereske genannt wegen der extrem dekorierten Fassaden, die an die überbordenden Dekorationen der damaligen Silberschmiedearbeiten, die Plateros, erinnern. Dieses starke Dekorationsbedürfnis war einerseits ein Erbe der islamischen Vergangenheit anderseits aber auch ein Ausdruck eines starken – manche sagen überbordenden –Selbstbewusstseins. Typisches Beispiel des Platereske-Stils ist u.a. die Universität von Salamanca.

Der Desornamentado-Stil dagegen ist der Ausdruck der dekorativen Nüchternheit und der architektonisch mächtigen Formen. Es ist ein Stil, der weitgehend ornament- und schmucklos und glattwandig ist. Er wird auch Herrera-Stil genannt. Denn Juan de Herrera erbaute in der asketisch-strengen Zeit  Philipps II. eine gewaltige Klosterburg, deren eine Hälfte dem königlichen Hofstaat, deren andere aber der Kirche gehörte. Die Anlage ist die Hofburg Spaniens, der Escorial.

Typische Merkmale der Architekturbauwerke der Renaissance

Die Stilepoche der Renaissance wurde ja als Wiedergeburt der Antike (ca. 800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.) bezeichnet. Die Architekten und Baumeister jener Zeit orientierten sich an der römischen Baukunst. Aufgegriffen wurden Bauelemente des alten Roms. Jedoch fanden sich in der Architektur der Renaissance auch Stilelemente der Romanik und Gotik und in Spanien des Mudéjar-Stils wieder.

Klare geometrische Strukturen, Symmetrie und harmonische Proportionen wurden im Renaissance-Baustil angestrebt, um ein vollkommenes Gleichgewicht zu erlangen. Die Schönheit dieser Gebäude beruht auf der ausgewogenen Beziehung aller Bauelemente zu einander. Als Ideal gilt der kuppelüberwölbte Zentralbau. Da diese Bauform bei den Kirchen aber den kultischen Bedürfnissen der Kirche – Isolierung des Altars vom Gemeinderaum – widersprach, findet man hier häufig auch die längsausgerichtete Form der Basilika und Hallenkirche.

Typische Bauteile und Gestaltungselemente in der Renaissance

  • Symmetrische Grundformen (polygonale, runde oder quadratische Elemente, um harmonische Proportionen zu erhalten)
  • Antike Säulenordnungen (dorische, ionische, korinthische),
    Zusammengesetzte Ordnung von ionischen Voluten (schmückende spiralförmige oder schneckenförmige Ornamente) und korinthischem Kapitell (oberer Abschluss einer Säule)
  • Kuppeln
  • Tonnen- und Kreuzgratgewölbe
  • Arkaden (Rundbögen, getragen von schlanken Säulen)
  • Rustikamauerwerk (grob behauenes Quadersteinmauerwerk mit tiefliegenden Fugen)
  • Fries und Gesims (horizontales Gestaltungselemente von Wandflächen und Fassaden)
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Zeittafel der Geschichte der Architektur in Spanien

Zeittafel der Geschichte der Architektur in Spanien vom 6. – 19. Jh.

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Auf Grund der geschichtlichen Entwicklung und der damit verbundenen unterschiedlichen Herrschaftssysteme in Spanien kann man hier keine einfache klassische Einteilung der baugeschichtlichen Phasen vornehmen wie vielleicht in Italien, Deutschland, Frankreich oder England. Denn neben der Tatsache, dass wir in Spanien auch eine unter den Mauren entwickelte und gestaltete Architektur haben, gibt es einige regionale Differenzierungen und eine zum Teil deutliche zeitliche Überlappung und Vermischung der Stile.

So kann man mit vielen zeitlichen Überlappungen und sicher auch gewissen Ungenauigkeiten, was die zeitliche Terminierung betrifft, in etwas folgende Baustile in Spanien unterscheiden:

6. –  8. Jh.

Westgotische Architektur (präromanischer Baustil des Westgotenreiches)

8. – 10. Jh.  

Asturische Architektur (präromanischer Stil speziell in Asturien, v.a. um Oviedo (s. dazu das Kapitel „Vorromanische asturische Kultur“) Camino Primitivo

9. – 11 Jh.

Mozarabische Architektur (Mozaraber waren Christen, die von der Kultur des Islam geprägt waren)                    ( s. Kapitel “Mozarabische vorromansiche Architektur”) 

8. – 15 Jh.

Maurische Architektur (je nach den Machtverhältnissen Umayyadische Architektur, Architektur der Taifazeit, almoravidische, almohadische, nasridische Architektur) s. dazu auch das Kapitel „Die Arabisierung Spaniens“ Via Tolosana

10. – 16. Jh.

Mudéjar Architektur – Islamische Handwerker und Künstler, die in den wiedereroberten Gebieten Spaniens geblieben sind, bauen im Auftrag von Christen  (s. Kapitel  “Der Mudéjar-Stil”)

1000 – 1240

Romanik (980 -1050 Frühromanik, 1020-1180 Hochromanik, 1180-1220 Spätromanik) (s. dazu das Kapitel „Romanik in Nordwestspanien“ )

1140 – 1550

Gotik (1150 – 1250 Frühgotik, 1200-1350 Hochgotik, 1350-1550 Spätgotik u.a. der Isabellastil 1480-1510)  (s. Kapitel “Gotik in Spanien”)

1480 – 1600

Renaissance (1480 – 1550 Platero-Stil, 1550 – 1600 Desornamentado-Stil) ( s. dazu das Kapitel „Zeit der Renaissance“ ) Via de la Plata

1600 – 1800

Barock und Rokoko

1800 – 1840

Klassizismus

1840 – 1880

Historismus

1880 – 1914

Jugendstil

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Geographisches auf dem Via de la Plata

Das Iberische Schwein (spanisch Cerdo Ibéricoportugiesisch Porco ibérico) ist eine in Südwestspanien (besonders Andalusien und Extremadura) sowie in der Provinz Teruel (Aragón) und in Portugal (besonders im Alentejo) heimische, schwarzfarbige, pflegelos gehaltene Schweinerasse. Iberische Schweine wurden bereits von römischen Legionären gezüchtet, die sich in der Extremadura niedergelassen hatten. Das iberische Schwein lebt in der Extremadura in den Dehesas mit seinen Stein- und Korkeichenwäldern und ernährt sich von den Gräsern und Kräutern und was besonders wichtig ist von den Eicheln. Im Herbst beginnt für die mindestens 12 Monate alten Schweine die Mastform der „Montanera“. Die Tiere ernähren sich nun hauptsächlich von auf den Boden gefallenen Eicheln und müssen dazu große Strecken zurücklegen, denn das auch Pata Negra genannte Schwein frisst bis zu 10 kg Eicheln pro Tag, hinzu kommen nochmals bis zu 3 kg Kräuter und Gräser. Da aber die Kork- und Steineichen maximal 25 kg Eicheln tagen, müssen die Schweine pro Tag bis zu 12 km weit umherstreifen, um ausreichend Nahrung zu finden. Diese Kombination aus Ernährung und Bewegung macht den unverwechselbaren Geschmack und die hohe Qualität des Jambon Iberico aus. Außerdem ist das iberische Schwein eine einzigartige Spezies mit Eigenschaften, die es von anderen Tieren der gleichen Spezies unterscheiden, wie die Fähigkeit, Fett in den Muskel zu infiltrieren. Bei unseren Hausschweinen lagert sich das Fett ja nur in der Schwachte ab, auch bedingt durch die deutlich kürze Mästzeit.

Der Schinken der Extremadura gehört zu den besten der Welt und hat alle wichtigen Auszeichnungen gewonnen. In Deutschland wird er oft als Pata Negra angeboten. Die Regierung der Extremadura hat sich die Marke „Dehesa de Extremadura“ von der Europäischen Union schützen lassen, um die hohen Qualitätsstandards zu kontrollieren und billige Nachahmer zu enttarnen. Den Schinken gibt es seither in unterschiedlich hohen Qualitäten. Zur Königsklasse zählen die Stücke von Schweinen, die ausschließlich im Freien leben, und sich von Eicheln und Gräsern in der Dehesa ernähren. Die Eicheln geben dem Schinken eine nussige Würze und die öligen Eicheln sind fett und mästen die Tiere auf langsame aber sichere Art. Die Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und später langsam an Balken hängend luftgetrocknet, im teuersten Fall sogar zwei oder drei Jahre gereift. 

Nach den Rechtsvorschriften für die Herstellung von iberischem Schinken umfasst die Bezeichnung “iberisches Schwein” alle Schweine, deren Mutter 100% iberisch ist. Das ist im Herdbuch der iberischen Schweinerasse eingetragen. Die Nachkommen dieses Schweins und damit die daraus hergestellten Produkte können unterschiedliche Reinheitsgrade aufweisen: 50% d.h. die Mutter zu 100% ein iberisches Schwein und Vater nicht, 75% d.h. die Mutter zu 100% Vater zu 50% oder 100% d.h. beide zu 100% iberisches Schwein. Die Produkte, die wir von iberischen Schweinen erhalten können, müssen immer den Reinheitsgrad der Schweinerasse angeben, und wenn es um Schinken und Vorderschinken geht, müssen diese mit farbigen Banderolen entsprechend ihrer Ernährung identifiziert werden:

Das weiße Etikett bedeutet, dass das Schwein iberischer Rasse ist, aber in Gefangenschaft aufgezogen und mit Getreide gemästet wurde. Das grüne Etikett wird für iberische Schweine vergeben, die frei auf der Dehesa geweidet haben und sich ausschließlich von der natürlichen Weide ernährt haben. Das rote Etikett zeichnet die Schinken gemischtrassiger Schweine aus, die mit Eichelmast aufgezogen wurden. Das schwarze Etikett ist den Produkten der besten Qualität vorbehalten, den so genannten »Pata Negra«-Schinken, die von 100 % reinrassigen iberischen Schweinen aus Eichelmast stammen.

Kein anderes Fleisch hat in den vergangenen Jahren einen solchen Siegeszug durch deutsche und internationale Küchen erlebt wie das Schwarze Spanische Schwein. Pata-Negra-Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und langsam luftgetrocknet. Quelle: picture-alliance / dpa / Stockfo/stockfood und https://www.welt.de/lifestyle/article7146689/Ein-Schwein-wie-man-es-noch-nie-gegessen-hat.html

Schinken ist in Spanien allgegenwärtig. Die charakteristischen Schweinebeine incl. Schweinefuß hängen entweder in den Bars und Geschäften zum Teil zu Hunderten von der Decke oder warten in speziellen Spannvorrichtungen – so genannte „Jamoneros“ – darauf, von Hand in hauchdünne Scheiben geschnitten zu werden. Je dünner um so besser.

Ibérico-Schinken verschiedener Qualitätsstufen (sowie andere spanische Schinkenarten) bei einem Verkaufsstand in den La Boqueria-Markthallen in Barcelona Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Iberischer_Schinken

Neben dem „Jamon Iberico“ kennen wir vor allem den sogenannten „Jamon Serrano“. Der Serrano-Schinken ist nichts anderes als ein Bergschinken. Der Begriff kommt von „Sierra“, dem spanischen Wort für Berge. Denn in den Bergen Spaniens werden seit dem 1. Jh.v.Chr. Schweineschinken luftgetrocknet. Heute gibt natürlich spezielle industrielle Verfahren. Für Serrano-Schinken wird das Fleisch hellhäutiger Hausschweine verwendet, weshalb er in Spanien auch jamón de pata blanca („Schinken von der weißen Klaue“) genannt wird. 

 

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Dehesas – beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Dehesas - beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Geographisches auf dem Via de la Plata

Dehesa ist die spanische Bezeichnung für beweidete Eichenhaine (Hutewälder), die vor allem im Südwesten Spaniens (Autonomie Gemeinschaften Extremadura und Andalusien) und in Portugal ausgedehnte Flächen einnehmen.

Die Dehesas in der Extremadura umfassen heute 1,03 Millionen Hektor (0,53 Millionen Hektar in der Region Caceres, 0,50 Millionen Hektar in der Region Badajoz). Auch die Hälfte aller spanischen Kork- und Steineichen wächst in der Extremadura.

Entstehung der Dehesas

Dehesas werden erstmals im 7. Jh. urkundlich erwähnt. Dehesa ist vom altkastilischen Wort defesa abgeleitet und bedeutet Schutz bzw. Verteidigung. Die ursprünglich mit Steinwällen abgegrenzten Weideflächen standen ausschließlich der örtlichen Bevölkerung zur Verfügung. So schützte man sie vor der Überweidung freier Viehherden. Freie Hirten zogen mit Tausenden von Tieren auch durch die Extremadura.

Man nimmt an, dass die Iberer vor über 4000 Jahren begonnen haben, Wälder zu roden und in parkartige Stein- und Korkeichenlandschaften umzuwandeln. Entscheidend für die Entstehung und Verbreitung der Dehesas waren eine Zunahme der Entwaldung in der Römerzeit und die Entwicklung nach der Reconquista. Nach dem Sieg über die Mauren teilte die spanische Krone das wiedereroberte Land unter dem Hochadel, der Kirche und den Ritterorden auf, die extensive Viehhaltung betrieben. Damit war auch der bis heute prägende Großgrundbesitz in der Extremadura angelegt, der einer der Gründe für – nicht unbedingt positive -Veränderungen in der Region in der heutigen Zeit ist. (vgl. dazu auch die Ausführungen über die Arabisierung und Reconquista auf der Via Tolosana)

Dehesas sind entstanden, indem die ursprünglichen Stein- und Korkeichenwälder durch Schafe und Ziegen, später auch von Rindern, beweidet wurden. Durch ihre extensive Bestockung mit Eichen ermöglicht die Dehesa auch die Nutzung als Weidefläche für das Iberische Schwein, das sich in freier Natur von Gräsern, Wurzeln, Pilzen, Baumrinden, Beeren, Eicheln sowie von Insekten und Kleintieren ernährt. Auf den flachgründigen nährstoffarmen Böden waren die Voraussetzungen für Ackerbau schlecht, hier lohnte sich vor allem die Weidewirtschaft. So entstanden parkartige Baumbestände. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden den Weidetieren Schatten und liefern die für die Mast (in erster Linie der iberischen Schweine) geschätzten Eicheln.

Ökologische Bedeutung

Dehesas sind ein Beispiel für eine naturnahe Kulturlandschaft, die in dieser Form von besonderer Bedeutung ist. Die Bäume schützen den Boden, liefern Brennstoff oder Kork und Futter für die Weidetiere (Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen). Die Dehesa beheimatet jedoch nicht nur Korkeichen, Stiere und die berühmte iberische Schweinerasse sondern eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. 

Die traditionelle Dehesa-Bewirtschaftung brachte ein feinmaschiges Netz an stand- örtlichen Einheiten hervor. Unterschiede in Dichte und Alter der Bäume sowie der Wechsel zwischen offenen und von Eichen beschatteten Standorten ergibt eine große Biodiversität und dient als Lebensraum von Insekten-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten.

Den Dehesas kommt außerdem eine wichtige Bedeutung zu als großräumiges Brut- und Nahrungsgebiet für europa- und weltweit gefährdete Tierarten. Sie weisen eine hohe Vielfalt an Vogel -und Säugetierarten auf. Insgesamt weiß man von 42 Vogelarten, deren Überleben in hohem Maße von den Dehesas abhängig ist. Zu nennen ist hier u.a. der spanische Kaiseradler und die Mönchsgeier.

Es gibt noch andere Faktoren, die den Wert der Dehesas ausmachen. Hier ist zu nennen:

  • ein geringeres Risiko von Waldbränden
  • der Bodenschutz und Schutz der Wasservorräte
  • die Vorbeugung vor Desertifikation (Wüstenbildung/ Verschlechterung des Bodens) in Risikobereichen
  • die Funktion als CO2-Speicher
  • die Funktion als Freizeitgebiet und die Bedeutung für den Ökotourismus
  • die Funktion als Quelle von gesunden Qualitätsprodukten
  • die Bewahrung der Kulturlandschaft (Weidewirtschaft, Wanderschäferei etc.)

Entwicklungstendenzen

Es ist jedoch in verschiedenen Studien dokumentiert, dass die Bewirtschaftungs-tendenzen der letzten Jahre zu einem Verlust des Naturschutzwertes in den Dehesas führen und auf lange Sicht damit nicht nur die ökologischen sondern auch die ökonomische Nachhaltigkeit gefährden. So fand ein gewaltiger Umbruch im Nutzungssystem statt.

Verantwortlich dafür waren vor allem:

  • der Verfall der Preise für Wolle als klassisches Produkt der Dehesas
  • die Aufgabe der Nutzungsvielfalt
  • die intensivere Viehhaltung auch mit anderen Rinderrassen
  • die Umwandlung in Aufforstungsgebiete
  • die Ausweitung des Bewässerungsfeldbaus
  • die Ausweitung der jagdlichen Nutzung durch spezielle Betriebe
  • die Landflucht

Die Folgen sind unter anderem eine Verbuschung der Landschaft, keine ausgeglichene Altersstruktur bei den Bäumen mehr und eine einseitige Nutzung in den verschiedenen Bereichen und somit eine Verringerung der Biodiversität.

Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen, um die Dehesas und ihre ökologische Bedeutung zu erhalten. Aber es gibt natürlich auch unterschiedliche, z.T. gegensätzliche Einstellungen. Viele sehen in den Dehesas ein Parademodell eines differenzierten Landnutzungssystems, das gleichzeitig die Interessen des Naturschutzes und die Ressourcennutzung zu befriedigen mag. Andere sehen es als Anachronismus an, die Dehesas zu erhalten angesichts der modernen Prozesse der Produktionsintensivierung und der sozialen Missstände, die in diesen Gebieten herrschen u.a. mit einem großen Anteil an Großgrundbesitzern.

Die Dehesa ist aber eines der land- und forstwirtschaftlichen Systeme von hohem Naturschutzwert, dessen Bedeutung in vielen Veröffentlichungen beschrieben wurde. Ebenso wurden auch die Gefahren, die durch die aktuellen Bewirtschaftungstendenzen entstehen, aufgezeigt. Ich hoffe, dass durch Initiativen und Fördermaßnahmen der EU und Spaniens ein Weg gefunden wird, Ökologie und Ökonomie in einen vernünftigen Einklang zu bringen. Vielleicht haben solche Regionen im Rahmen des „Green Deal“ der EU wieder eine bessere Chance erhalten zu werden.

Wie so oft, wenn man sich mit Themen intensiver beschäftigt, entdeckt man plötzlich neue Dinge, die man sonst einfach übergangen oder übersehen hätte. So viel mir gerade u.a. ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf, der auf die ökologischen Vorteile von Agroforsten – und das sind die Dehesas ja – eingeht.

Es geht darum, dass man festgestellt hat, dass Gehölzstreifen nachweislich das Mikroklima des Bodens verbessern und somit  auch gerade für die durch den Klimawandel stärker betroffenen Böden Norddeutschlands von Interesse sein könnten. Bei Evaporation (Verdunstung von Wasser auf freien Land- und Wasserflächen) verdunstet das Wasser an der Bodenoberfläche, bei der Transpiration verdunstet es an der Blattunterseite. Die Hauptursache für Evaporation sind hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und Wind. Stehen Bäume mit auf der Fläche, so werden Temperatur und Wind so weit gesenkt, dass die geringere Bodenverdunstung den zusätzlichen Wasserverbrauch durch die Gehölze übersteigt. Somit haben die Pflanzen deutlich mehr Wasser zur Verfügung. Im Bereich um die Bäume ist im Winter die Temperatur um 2° wärmer und im Sommer um 2° kühler als in der weiteren Umgebung. Als weitere Vorteile haben Forscher eine Steigerung der Humusbildung festgestellt ebenso wie eine bessere Nährstoffversorgung und mehr Feuchtigkeit in Boden. Dies sind alles Faktoren, die langfristig die Bodenqualität und somit auch den Ertrag pro Fläche erhöhen. Zudem ist eine geringere Nitratbelastung des Grundwassers nachzuweisen. Zusätzlich binden Agroforste mehr Kohlendioxid und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel. Dies sind alles Erscheinungen, die wir ja oben bei den Dehesas bereits angesprochen haben. In Deutschland werden im Gegensatz zu einigen anderen Europäischen Ländern bislang aber nur 1000 ha mit Agroforsten bewirtschaftet.

In wieweit sich die Idee der Agroforste allerdings durchsetzen wird, ist abzuwarten.

Denn jeder landwirtschaftliche Betrieb bekommt momentan flächenbezogene Direktzahlungen. Bei einem Großteil der Agroforstsysteme werden die Gehölzkulturen jedoch herausgerechnet. Zusätzlich ist zu bedenken, dass – wie bei vielen neuen guten Innovationen – erst einmal eine Durststrecke zu überbrücken ist. Denn derartige Anlagen stellen in den ersten Jahren eine finanzielle Belastung für die Landwirte dar. Durch die verkleinerte Ackerfläche verringert sich zunächst die Ernte, Pflanzung und Pflege der Bäume verursachen Kosten und durch die langfristige Bindung von Fläche und Kapital kann der Betrieb weniger flexibel agieren. Der Erfolg der Maßnahme kommt logischerweise erst in ein paar Jahren voll zum Tragen. Es sind also jetzt gezielte Maßnahmen notwendig, um langfristig einen Wandel herbeizuführen und auch den Klimaveränderungen adäquat entgegen zu treten. Aber leider zeigt die Bundesregierung momentan leider keinerlei Interesse an einer Förderung von Agroforsten.

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Geschichten Geschichten Via de la Plata

Eine Rose ist nicht nur eine Rose

Eine Rose ist nicht nur eine Rose

Geschichten auf dem Via de la Plata

In die Zeit unserer Wanderung fiel auch mein Geburtstag. In einem kleinen Laden deckten wir uns mit einigen Köstlichkeiten ein (u.a. Scrimps, Käse, Oliven etc.), um unterwegs ein kleines Geburtstagsmahl zu zelebrieren. Ein schattiger Platz am Waldrand, ein altes Holzbrett als Sitzunterlage, ein kleines Brett als Tisch – das schienen uns doch die idealen räumlichen Voraussetzungen für unser „opulentes“ Mittagsessen!  Als dann auch noch eine liebe SMS meines Mannes kam, war der Tag schon perfekt. Er zitierte darin u.a. Teile eines Gedichtes von Heinrich Heine „Wenn Du eine Rose schaust, sag, ich lass sie grüßen“!

Aber es kam noch besser. Nachdem wir wieder eine Zeit lang gewandert waren, kamen wir an einen kleinen Ort. Und im Garten des ersten Hauses nahe am Zaun stand — eine einzelne rote Rose. Marie Louise und ich schauten uns an und strahlten!

Natürlich rationell gesehen war es einfach Zufall, dass zu dieser Zeit im Oktober in einem Garten eine einzelne rote Rose blühte und dass wir gerade an dieser Rose vorbei gingen. Aber emotional hat uns der Anblick im Herzen getroffen. Wir waren berührt und gerührt, haben die Rose gegrüßt und dachten liebevoll an unsere daheim gebliebenen Männer! Eine Rose ist eben doch nicht einfach eine Rose!

Wen es interessiert, hier das vorständige Gedicht von Heinrich Heine – Leise zieht durch mein Gemüt (1830):

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen,
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich lass sie grüßen.

 

 

Der/die eine oder andere wird sich sicher auch an die Rosengedichte von Rainer Maria Rilke erinnern.

Rainer Maria Rilke, Les Roses/Die Rosen – Les Fenetres/Die Fenster,  Gedichte , Ars vivendi, Cadolzburg 2001

Oder an die schöne Geschichte vom kleinen Prinzen und seiner Rose!

Hier das Kapitel aus Antoine de Saint-Exupery , Der kleine Prinz:

Bald schon lernte ich diese Blume kennen. Es hatte schon immer auf dem Planeten des kleinen Prinzen Blumen gegeben, sehr einfache Blumen mit nur einem Kranz von Blütenblättern. Sie brauchten kaum Platz und störten niemanden. Sie erschienen eines Morgens im Gras und verschwanden am Abend wieder. Aber diese eine hatte eines Tages Wurzeln geschlagen aus einem Samen, der wer weiß woher gekommen war, und der kleine Prinz hatte diesen kleinen Sprössling, der ganz anders war als die anderen Sprösslinge, sehr genau beobachtet. Es konnte eine neue Art vom Affenbrotbaum sein. Aber bald schon hörte der Strauch zu wachsen auf und er begann, eine Blüte hervorzubringen. Der kleine Prinz spürte, während er die Entwicklung einer riesigen Knospe beobachtete, dass eine wunderbare Erscheinung aus ihr hervorgehen müsse. Aber die Blume wollte einfach nicht damit aufhören, sich vorzubereiten. Ihre Schönheit reifte geschützt in ihrer grünen Hülle. Sie wählte ihre Farben mit Bedacht. Sie kleidete sich langsam an, sie ordnete ihre Blütenblätter eins nach dem anderen. Sie wollte nicht so zerknittert aufgehen wie die Mondblumen. Sie wollte nur im vollen Glanz ihrer Schönheit erscheinen. Hey! Sie wollte hübsch sein! Ihre geheimnisvolle Toilette dauerte tagelang. Und eines Morgens, gerade bei Sonnenaufgang, enthüllte sie sich.

Und sie, die mit größter Präzision gearbeitet hatte, gähnte und sagte:

  • »Ah! Ich bin gerade aufgewacht … Es tut mir leid … Ich bin noch ziemlich zerzaust …«

Der kleine Prinz konnte seine Bewunderung gar nicht mehr zurückhalten:

  • »Wie schön du bist!«
  • »Nicht wahr«, erwiderte die Blume leise. »Und ich bin zur gleichen Zeit geboren wie die Sonne …«

Der kleine Prinz merkte sofort, dass sie nicht besonders bescheiden war, aber sie war so faszinierend!

  • »Ich glaube, es ist Zeit für das Frühstück«, nahm sie das Gespräch wieder auf, »hätten Sie die Güte, an mich zu denken …«

Da errötete der kleine Prinz, holte frisches Wasser und goss die Blume.

So quälte sie ihn recht bald mit ihrer etwas zerbrechlichen Eitelkeit. Eines Tages zum Beispiel sprach sie von ihren vier Dornen und sagte zum kleinen Prinzen:

  • »Sie können ruhig kommen, die Tiger, mit ihren Krallen!«
  • »Es gibt keine Tiger auf meinem Planeten«, entgegnete der kleine Prinz, »denn Tiger fressen kein Gras.«
  • »Ich bin kein Gras«, erwiderte hierauf die Blume in süßem Ton.
  • »Verzeihen Sie mir …«
  • »Vor Tigern habe ich keine Angst, aber mir graut es vor der Zugluft. Besitzen Sie denn keinen Wandschirm?«

»Angst vor Zugluft? … Das ist nicht besonders glücklich für eine Pflanze«, dachte der kleine Prinz. »Diese Blume ist sehr anspruchsvoll…«

  • »In der Nacht müssen sie mich schützen. Es ist sehr kalt bei Ihnen zu Hause. Es ist nicht richtig eingestellt. Da, wo ich herkomme …«

Da unterbrach sie sich. Sie erschien in Form eines Samenkorns. Sie hatte nichts von anderen Welten wissen können. Gedemütigt, dass sie bei einer so einfachen Lüge ertappt worden war, hustete sie zwei oder drei Mal, um den kleinen Prinzen ins Unrecht zu setzen:

  • »Der Wandschirm …?«
  • »Ich wollte ihn gerade herholen, aber sie sprachen noch mit mir!«

Dann zwang sie sich erneut zu einem Husten und wollte ihm damit Gewissenbisse einreden.

Trotz seiner aufrichtigen Liebe begann der kleine Prinz bald damit, an ihr zu zweifeln. Er hatte ihre belanglosen Worte ernst genommen und war sehr unglücklich darüber geworden. »Ich hätte nicht auf sie hören sollen«, erzählte er mir eines Tages. »Man sollte den Blumen nie zuhören. Wir müssen sie betrachten und ihren Duft einatmen. Meine Blume erfüllte meinen ganzen Planeten mit ihrem Duft, aber ich wurde nicht glücklich darüber. Diese Geschichte von den Krallen, die mich so sehr reizte, hätte mich mehr berühren sollen …«

Er sagte zu mir: »Ich war damals nicht in der Lage, das zu begreifen! Ich hätte sie nach ihren Taten und nicht nach ihren Worten beurteilen sollen. Sie duftete und erglühte für mich. Ich hätte niemals fortgehen dürfen! Ich hätte hinter ihren armen kleinen Tricks ihre Zuneigung erraten sollen. Blumen sind voller Widersprüche! Aber ich war zu jung, um zu wissen, dass ich sie liebe.«

8. Kapitel: Der kleine Prinz und seine Blume

Es geht hier wohl um die erste Liebe zwischen einem jungen Mädchen – der Rose – und einem jungen Mann – dem kleinen Prinz -, die  beide noch zu wenig von der Liebe verstehen, um zumindest zunächst zu einander zu finden.

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Geschichten Geschichten Via de la Plata

Keine Angst vor großen Hunden?!

Keine Angst vor großen Hunden?!

Geschichten auf dem Via de la Plata

Wir sind als Erste aus der Herberge in Tabara aufgebrochen. Nach ungefähr 15 min erreichten wir ein geschlossenes Viehgatter. Als wir es gerade öffnen wollten, kam ein großer Hund angelaufen – ich denke, es war ein Golden Retriever – und bellte uns an. Vorsichtig traten wir ein paar Schritte von Gatter zurück. Was machen wir jetzt – einfach reingehen? In manchen – zugegeben älteren Reiseberichten – war vor aggressiven Hunden auf dem Weg gewarnt worden. So waren wir doch ein wenig verunsichert. Da sahen wir zwei weitere Pilger – eine kleine Französin und ihren englischen Ehemann – auf uns zukommen. Wir beschlossen, einfach zu warten und zu schauen, wie die beiden das vermeintliche Problem lösten. Also ließen wir ihnen am Gatter „großzügig“ den Vortritt. Dort angekommen öffnete die kleine Französin das Tor, streichelte den Hund und dann gingen sie und ihr Ehemann ruhig weiter.  Und wir natürlich schnell hinterher! Kurze Zeit begleitete uns der Hund noch ganz friedlich und dann trollte er sich!

Um noch einmal auf die Warnungen zurückzukommen. Auf all unseren Wegen sind uns bislang keine freilaufenden aggressiven Hunde begegnet.  Also seid vorsichtig, aber lasst euch durch manche Erzählungen nicht zu sehr ängstigen.

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