Unsere heutige Wanderung führte uns über 27 km von Pimbo zur Abbaye de Sauvelade. Der letzte Teil der Etappe zog sich durch einen dunklen Wald ziemlich langweilig dahin und wir hofften, bald unser Ziel zu erreichen. Auf den letzten Kilometern war an einzelnen Bäumen die Werbung für eine Herberge in der Nähe der Abbey ausgehängt. Marielouise wies mich mehrmals daraufhin. „Schau da gibt es einen Swimingpool. Das wäre doch herrlich.“ Ich blieb ziemlich stur, denn dann hätten wir noch weitere 5 km laufen müssen und wir waren doch müde genug. Endlich erblickten wir die Kapelle von Sauvelage und die Herberge. Frohgemut fragten wir nach einer Übernachtungsmöglichkeit, aber der Wirt schüttelte nur bedauernd den Kopf. Alles belegt! Erschöpft und bedröppelt setzten wir uns hin, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Dabei müssen wir so niedergeschlagen ausgesehen haben, dass der Wirt uns zunächst etwas zu trinken gab und dann anbot, bei einer Kollegin anzurufen, ob sie ein Zimmer frei habe. Er kam mit der Nachricht zurück: Ja es sei noch ein Zimmer frei! und unser Zustand hatte ihn anscheinend dazu veranlasste, die Herbergswirtin zu überreden, uns doch abzuholen.
Und damit begann unser Abenteuer und es wurde der schönste Abend unserer Wanderung. Nach knapp 10 min schoss ein Auto auf den Parkplatz, eine Frau in Shorts mit einem lustigen Hut auf dem Kopf sprang aus dem Auto und rief „Je suis Nadine!“ Das war also unsere Wirtin. Wir packten unsere Rucksäcke und eilten zu ihr. Nachdem sie verschiedenste Kisten und Sachen im Kofferraum umgelagert hatte, konnten wir endlich unsere Rucksäcke dort verstauen. Marielouise stieg als erste ins Auto und fing an zu lachen. Mitten im Auto steckte ein Stock, der das Dach nach oben abstützte. Na das konnte ja heiter werden, wo waren wir da hingekommen – wenn die Herberge auch so ausschaut………..Nach einer rasanten Fahrt kamen wir nach 5 km in der Herberge Gite Nadette an und trauten unseren Augen nicht. Was für ein herrliches gepflegtes Haus aus grauen Steinen und mit blauen Fensterrahmen! Und was dazukam, wir erkannten das Haus wieder, denn es war jenes auf den Werbezetteln an den Bäumen. Also kam Marielouise auch noch in den Genuss eines Swimungpools!!!! Wir konnten unser Glück kaum fassen. Also schnell in unsere kleine gemütliche Dachkammer, Sachen waschen, Badeanzug anziehen und nichts wie in den Pool. Wie gut das Wasser tat nach der langen anstrengenden Wanderung! Allerdings dauerte das Vergnügen nicht so lange, denn plötzlich kam ein Gewitter auf und wir schafften es gerade noch, unsere nassen Sachen von der Leine zu holen und ins Haus zu stürmen und schon brach das Gewitter mit voller Macht los. Aus unserem Dachfenster schauend sahen wir, wie die Bäume unter dem Druck von Wind und Regen hin und her geschüttelt wurden. Dazwischen wurde das Schauspiel durch zahlreiche Blitze erhellt. Nach einer guten halben Stunde war dann der Spuk vorbei.
Bald ging es zum Abendessen, bei dem eine bunt gemischten Gruppe – 2 Franzosen, 1 Flame, 2 australische Paare, eine Holländerin und eine Deutsche- zusammentrafen. Das Essen war vorzüglich und es fand eine muntere Unterhaltung statt. Englisch, Französisch, Deutsch, Holländisch – eine buntes Sprachgemisch ging am Tisch hin und her und es wurde viel gelacht. Aber der Höhepunkt kam noch. Nach dem Essen setzte sich Nadine zu uns an den Tisch und erzählte von ihrem Haus, den Gästen und ihrem ehemaligen Leben als Sängerin, das sie viel in der Welt rumkommen ließ. Und dann stand sie plötzlich auf, zog ihre Schürze aus, rückte ihr Kleid zurecht und dann sag sie: “Weil ihr so sympathisch seid, sing ich für Euch!“ Und sie trug zwei baskische Lieder vor – und wir waren einfach begeistert!
Es war einer der schönsten überraschendsten Tage unserer Wanderungen und wir erzählen uns heute noch oft von dem Glück, das wir an diesem Tag hatten, obwohl es doch zunächst ganz anders ausgesehen hatte.