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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Camino Aragonés

Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Die herrlichen Flusstäler der Lot und Célé

Die herrlichen Flusstäler der Lot und Célé

Via Podiensis

Wenn wir auf der Via Podiensis pilgern, begegnen wir immer wieder den beiden Flüssen, dem Lot und dem Célé. Wir wandern zum Teil entlang ihrer Täler, durch ihre Schluchten und besuchen einige Städte und Dörfer an ihren Ufern oder Hochufern. In Figeac entscheidet man sich dann, welchen der beiden Alternativen des Jakobsweges man wählen möchte und damit auch an welchem Fluss man entlang geht und welche der schönen Dörfer man besucht. Unten sind die am jeweiligen Weg liegenden Orte angegeben.

 

Der Lot

Der Lot ist ein Fluss im Südwesten Frankreichs, der in den Regionen Okzitanien und Novelle-Aquitaine verläuft. Er entspringt am Mont Lozère im Zentralmassiv, entwässert generell in westlicher Richtung, durchquert die Weinlagen bei Cahors und mündet nach rund 485 Kilometern bei Aigullion als rechter Nebenfluss in die Garonne. Der Fluss mäandriert stark in seinem Verlauf.

An seinem Ufer befinden sich einige Orte der Via Podiensis. Außerdem verläuft er an der südwestlichen Grenze des  Regionalen Nationalparks Aubrac und durchquert in seinem Unterlauf den Regionalen Naturpark Causses du Quercy.

Trotz seiner starken Strömungen wurde er ab dem 16. Jahrhundert zu einer wichtigen Verkehrsader für  den Handel. Auf den gabar(r)es, flachgehenden Booten, transportieren die Binnenschiffer Holz, Wein und Kohle zwischen dem Quercy und Aquitanien. Die ersten Stauwehre entlang des Lot entstanden, um Mühlen anzutreiben. Ein Teil dieser Mühlen ist heute noch erhalten, zum Beispiel die Mühle von Coty in Cahors. Die Wehre waren mit Stauschleusen versehen, um talfahrende Schiffe oder Flöße mit der Strömung passieren zu lassen. Bergfahrende Schiffe mussten mit Schiffswinden über das Wehr gezogen werden.

Nachdem Bahn und Straßenverkehr die Rolle des Transportes übernahmen, wurde der Lot wieder der Natur überlassen.

Da die Schleusen nicht mehr Instand gehalten wurden, verfielen sie zum Teil, soweit sie nicht für den Bau von Wasserkraftwerken umgerüstet wurden. Erst 1990 begann die schrittweise Wiederherstellung für die Sport- und Freizeitschifffahrt. Mittlerweile sind vier Abschnitte des Lot befahrbar, die allerdings untereinander nicht verbunden sind.

Foto: Hilke Maunder
Von Sylvain Crouzillat - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2806820

Der Célé

Der Célé verläuft in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Der Name Célé leitet sich vom lateinischen celer ab und bedeutet so viel wie schnell.

Der Célé entspringt im Gemeindegebiet von Calvinet, entwässert generell Richtung Südwesten, erreicht in seinem Unterlauf den Regionalpark Causses de Quercy und mündet nach rund 104 Kilometern im Gemeindegebiet von Bouziés als rechter Nebenfluss in den Lot. Auf seinem Weg durchquert er die Départements Cantal und Lot. Auf seinen letzten ca. 50 Flusskilometern verläuft der Fluss in spektakulären Schleifen zwischen hohen Kalksteinwänden, an die sich Dörfer schmiegen.

 

Zwei Varianten der Via Podiensis

Für die Variante über das Vallée de Célé benötigt man in der Regel drei Tage für insgesamt 76 km bis nach Bach, wo sich die Wege wieder treffen. Auf ihrem Weg berührt die Variante folgende Orte des Jakobsweges:

Figeac                         s. Artikel Figeac                                 

Marcilhac-sur-Célé      ist ein altes Pilgerdorf am Jakobsweg. Angelegt wurde es um eine Benediktinerabtei, deren Bau zeitgleich mit Conques Ende des 11. Jahrhunderts begann. Neben den Ruinen der Abtei hat die romanische Kirche ihre strenge Schönheit bewahrt.

Pech Merle     Tropfsteinhöhle mit jungpaläolithischer Höhlenmalerei. Das Alter der ältesten Zeichnungen wird auf ca. 20.000 Jahre datiert. Man findet Zeichnungen von Pferden, Wisenten, Mammuts, Fische und acht Silhouetten von Frauen. Außerdem findet man Handnegative, vorwiegend von Frauen- und Kinderhänden.  Die Zeichnungen sind mit Holzkohle ausgeführt.

Bouzies            Bei Bouzies fließt die Célé in den Lot. Die beiden Ortsteile von Bouziès (Bouziès-Bas und Conduché) liegen etwa einen Kilometer voneinander entfernt auf beiden Seiten des Flusses Lot, den der Pont de Conduché überspannt. Hier befindet sich bei Ganil ein in den Fels geschlagener Treidelpfad an der Lot.

St-Cirq-Lapopie          ist auch ein Ort auf der Variante Vallée de Célé und liegt auf einem Felsen oberhalb der Lot. In dem malerischen Felsendorf säumen gotische Häuser seine steilen Gassen, in denen einst Holzdrechsler und Binnenschiffer lebten. Hier verlässt der Jakobsweg zunächst die Lot und trifft in Bach auf die andere Variante. Gemeinsam führt der Weg dann nach Cahors.( s. unten)

 

Wer seinem Weg von Figeac über Cajare nach Cahors wählt, benötigt bis Bach 65.5 km, wo sich die beiden Wege wieder vereinen, es aber keine Übernachtungsmöglichkeit gibt! Auf diesem Weg berührt man folgende Orte des Pilgerweges:

Livinhac-le-Haut         Eingerahmt von den Ufern des Lot liegt der Ort in einer malerischen Flussschleife. Er liegt noch auf dem gemeinsamen Weg als letzte Station vor Figeac.

(Figeac)                       liegt an der Célé. Hier trennen sich die beiden Wegalternativen. (s. Artikel Figeac)

Cajare                         Hier treffen wir das erste Mal wieder auf den Lot. Der Ort liegt direkt an seinem Ufer in einer Flussschleife. Er war seit Mitte des 13.Jh. mit seinem Hospiz eine wichtige Etappe auf dem Jakobsweg. In der Neuzeit wurde er dadurch bekannt, dass Georges Pompidou hier ein Ferienhaus hatte. Im Maison des Arts Georges und Claude Pompidou gibt es Ausstellungen zu zeitgenössischen Künstlern. Wenig später verlassen wir den Lot, steigen hinauf auf die Causses und treffen erst bei Cahors wieder auf den Fluss.

Cahors                        Der Lot umschließt die Altstadt in einer großen, engen Schleife. (s. Artikel  Pont Valentré und Cahors)

 

Bouziès im Tal des Lot. Foto: Hilke Maunder
Von HTO, User:Kersti Nebelsiek - Eigenes Werk (photo of HTO, changes by Kersti Nebelsiek), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19817397
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Armagnac – der ältere Bruder des Cognac

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Via Podiensis

Geschichte und Herkunft

Auf der Via Podiensis kommen wir auch durch das Baise-Armagnac zur Stadt Condom, die auch häufig Condom-en-Armagnac genannt wird, und in der Region liegt, in der der berühmte Armagnac hergestellt wird.

Armagnac wird oft als kleiner Bruder der berühmteren Cognac bezeichnet. Allerdings reicht die Cognac-Herstellung nur in das 17. Jahrhundert zurück. Das Brennen von Armagnac hingegen wurde bereits 1461 urkundlich erwähnt, als im Gebiet des heutigen Département Landes eine Brennerei seine Erzeugung genehmigt wurde. Ab 1909 ist der Armagnac als geschützte Herkunftsbezeichnung mit AOC (Appellation d´origine controlée) eingetragen.

Für diese frühe Kultur der Branntweinherstellung waren drei Kulturkreise verantwortlich: die Römer mit ihren Weinbaukenntnissen, die Gallier mit ihrer Handwerkskunst der Fassherstellung und die Mauren mit der Destillationstechnik. Zu dieser Zeit wurde Armagnac noch als Medizin verwendet und hauptsächlich schmerzlindernd und desinfizierend eingesetzt. Der Name des Weinbrands leitet sich von seiner Ursprungsregion ab, der alten Grafschaft Armagnac.

Das Anbaugebiet für Weintrauben, die zur Armagnac-Produktion genutzt werden, ist auf rund 15.000 Hektar begrenzt. Es umfasst Teile der Departements Gers, Landes und Lot-et-Garonne. Das Gebiet wird dabei in drei weitere Bereiche unterteilt, anhand derer die Lage der Weinberge bezeichnet wird:

  • Bas-Armagnac (niedriges Armagnac)
  • Haut-Armagnac (hohes Armagnac)
  • Armagnac-Ténarèze
https://gentlemans-attitude.de/genuss/armagnac/

Herstellung und Kategorien

Der Wein wird in kupfernen, geschlossenen Brennblasen durch einen einzigen Brennvorgang destilliert. Hierin besteht der Unterschied zum Cognac, der nach der Methode der Destillation Charentaise zweimal in aufeinanderfolgenden Durchgängen gebrannt wird.

Bei der Méthode Armagnac werden dagegen Rohbrand und Feinbrand in einem einzigen Brennprozess kombiniert. 

Die Lagerung erfolgt in Fässern mit 225 bis 420 Liter Inhalt, die aus der typischen Gascogner Schwarzen Eiche hergestellt werden. Für die Fertigung der Holzfässer aus der Steineiche der Gascogne wird das Holz sechs Jahre lang gelagert, bevor es verarbeitet wird. Im Gegensatz zu den oft uralten Cognac-Fässern, die immer wieder neu eingesetzt werden, benutzt man für den Armagnac für jede Ernte neue Fässer. Dieses Holz verleiht dem Branntwein sein unverwechselbares Bukett und seine typische Bernsteinfarbe.

Sobald der Armagnac das richtige Alter – mindestens ein Jahr, in der Regel sechs bis acht Jahre – erreicht hat, wird er in die traditionelle bauchige Flasche mit dem langen Hals – ähnlich einem fränkischen Bocksbeutel – abgefüllt.

Beim Armagnac ist seit 2010 die Einteilung in vier Kategorien gebräuchlich:

(1) V.S./*** (Very Special/trois étoiles, drei Sterne),

(2) V.S.O.P (Very superior old pale),

(3) X.O./Hors d’Âge (Extra Old/extra alt) sowie

(4) Millésime.

Armagnacs der Kategorie (1) sind am jüngsten und mindestens ein Jahr lang im Eichenfass gereift, die Klasse (2) verspricht mindestens vier Jahre, die Klasse (3) mindestens 10 Jahre Reifung. Bei Blends (Verschnitten) wird die Kategorie anhand des jüngsten enthaltenen Bestandteils des fertigen Armagnacs bestimmt. Die Bezeichnung Millésine kennzeichnet hingegen, dass der Armagnac aus Weinen eines einzigen Jahrgangs gebrannt wurde, was aber relativ selten vorkommt.

Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Jibi44" title="User:Jibi44">Jibi44</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 3.0, Link

Prestigeproblem

Die hohe Qualität, die handwerklich einwandfreie Herstellung, die strenge Reglementierung, der Export in immerhin 132 Länder und die im Gegensatz zu Cognac deutlich geringere Produktionsmenge würden den Armagnac eigentlich zu einem begehrten Luxusprodukt prädestinieren, tatsächlich aber leidet er seit den Nachkriegsjahren unter deutlichen Prestigeproblemen. Damals war er besonders begehrt und verzeichnete eine extrem hohe Nachfrage, was schließlich zu einem Verfall der Qualität, zu einem Ruin des Images und im Bewusstsein der Verbraucher dazu führte, Armagnac als kleinen oder schlechteren Cognac anzusehen – eine Ansicht, die teilweise noch heute vorherrscht.

 

Wie trinkt man ihn am besten?

  1. Als Digestif am Ende einer Mahlzeit

Die alten Armagnacs werden meistens als Verdauungsschnaps nach einer Mahlzeit pur getrunken.
Es wird empfohlen, ihn bei Raumtemperatur zu trinken, vorzugsweise aus einem kleinen Glas (6 bis 9 cl), das nach oben hin leicht geschlossen ist, damit sich die Aromen unten im Glas konzentrieren. Sie können das Glas auch in der Hand wärmen, damit sich die Aromen voll entfalten.

  1. Frappé

Die weißen Armagnacs oder Hauts-Armagnacs können wie alle weißen Schnäpse pur getrunken werden: Stellen Sie die Flasche vor dem Servieren kurz in den Kühlschrank oder servieren Sie ihn im Glas „on the rocks‟ (mit Eiswürfeln).

  1. Als Longdrink

Man kann die Armagnacs auch als Longdring trinken. Dazu werden sie mit stillem oder kohlensäurehaltigem Wasser, einem Softdrink oder Fruchtsaft zum Cocktail verlängert.

 

  1. Was ich schon von meinen Eltern kannte und auch selber liebe ist „Pflaumen in Armagnac“. Hmm welch ein Genuss! Man kann ihn auch selber machen:

2 Kilo Pflaumen waschen, entsteinen und vierteln, mit 400 Gramm Kandis in einem Glas schichten und mit einer Flasche Armagnac übergießen und verschließen. Mindestens 8 Wochen durchziehen lassen, als Likör anbieten—-aber viel besser: nach einem deftigen Essen über Walnußeis servieren.

 

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Jakobswege in Frankreich – Pèlerinages de Saint-Jaques de Compostelle

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Als Wege der Jakobspilger gelten in Frankreich lediglich die vier Hauptwege,

  • Via Turonensis
  • Via Lemovicensis
  • Via Podiensis
  • Via Tolosana

die bereits im 12. Jh. im Pilgerführer Erwähnung gefunden haben.

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ways_of_St._James_in_Europe.png

Die Via Turonensis, benannt nach der Stadt Tours, ist der nördlichste und längste der vier historischen Jakobswege in Frankreich. Ursprünglich begann der Weg in Orléans, heute gilt Paris als Startpunkt. Der Verlauf entspricht weitgehend dem Fernwanderweg GR 655. Zwischen Paris und Tours gibt es zwei Varianten. Die östliche Route führt über Orléans, die westliche über Chartres.

Die Via Turonensis führt von Paris durch Orléans, Tours, Poitiers und Bordeaux nach Ostabat in der Nähe der spanischen Grenze. Hier vereingt sich die Via Turonensis mit den nördlicher verlaufenden Pilgerwegen Via Podiensis und Via Lemovicensis vereinigt.

 

Von GIRAUD Patrick - Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=949405 Orleans

Die Via Lemovicensis verläuft über Limoges, daher der Name, der Versammlungs- und Startort ist jedoch Vézelay mit seiner Abtei de la Madeleine.

Auf seinem ersten Stück hat dieser Jakobsweg zwei Varianten: die eine nördlich über La Charité-sur-Loire mit der Kirche Notre-DameBourges und Châteauroux, südlich die, die über NeversChâteaumeillant und die Stiftskirche von Neuvy-Saint-Sépulchre führt. Beide vereinigen sich in Gargilesse-Dampierre an der Creuse.

Von dort führt die Via Lemovicensis südwestlich über Saint-Léonard-de-Noblat, Limoges und Périgueux. Bei Sainte-Foy-la-Grande überquert sie die Dordogne, in La Réole die Gironde, und an der Abtei Saint-Sever die Adour. Im baskischen Ostabat trifft sie auf die Via Turonensis (von Paris kommend) und die Via Podiensis (von Le Puy-en-Velay kommend).

Vezelay Von Nikater - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8543134

Die Via Podiensis ( via = Weg, podium = Le Puy (dt. ‚Bergkuppe‘))deckt sich heute im Wesentlichen mit dem Fernwanderweg GR65.

Ausgangspunkt der Via Podiensis ist die Kathedrale Notre-Dame von Le Puy-en-Velay in der Auvergne. Sie führt zunächst über das Zentralmassiv zur Abtei von Aubrac, im Gemeindegebiet von Saint-Chély-d’Aubrac, und erreicht dann die Klosterkirche Sainte-Foy in Conques. Nächstes wichtiges Ziel ist die Benediktiner-Abtei von Figeac. Mit einem Abstecher kann man von dort aus das etwas nördlich liegende Rocamadour mit den Überresten des heiligen Amadour besuchen.

Der Weg folgt dem Lot bis nach Cahors, wo er sich nach Süden wendet. Weitere Klöster am Weg waren in Moissac und La Romieu. In der Gascogne werden Condom und Aire-sur-l’Adour durchquert. Südlich der Gave de Pau geht es in die Pyrenäen nach Ostabat, wo sich die Via Podiensis mit den nördlicher verlaufenden Pilgerwegen Via Turonensis und Via Lemovicensis vereinigt. Hinter Saint-Jean-Pied-de-Port überquert sie die Grenze nach Spanien am Col de Roncevaux.  

Le Puy en Velay Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16758296

Via Tolosana (frz. voie toulousaine) ist der lateinische Name des südlichsten der vier Jakobswege in Frankreich.

Er berührt Toulouse, hat aber seinen Sammelpunkt und Beginn in Arles, und überquert die Pyrenäen am Col du Somport. Auf spanischer Seite heißt er Camino Aragonés bis nach Puente la Reina, wo er auf den Camino Navarro trifft, der nichts anderes ist als die Fortsetzung der drei übrigen französischen Jakobswege. Ab hier heißt der Weg dann Camino francés.

Der auch als Voie d’Arles bekannte Jakobsweg beginnt in Arles in der Provence, führt über Montpellier zu den Ausläufern der Cevennen und längs des Canal du Midi nach Toulouse.

Dann verläuft die Route durch die sanfte Hügellandschaft der Gascogne und das grüne Pyrenäenvorland im Département Béarn zum Pyrenäenübergang auf dem Somport Pass auf 1632 m Höhe. Hier findet der zuletzt alpine Wanderweg Anschluss an den spanischen Camino Aragones, der nahe Pamplona auf den Camino Francés mündet.

Toulouse Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61571986
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Die Pyrenäen – wilde Berge zwischen Frankreich und Spanien

Die Pyrenäen - wilde Berge zwischen Frankreich und Spanien

Die Pyrenäen sind ein Faltengebirge an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, wobei die Grenze meist auf dem Gebirgskamm verläuft. Dabei liegen zwei Drittel der Fläche in Spanien, ein Drittel in Frankreich. Das Gebirge erstreckt sich über 430 km von der Atlantikküste (Golf von Biscaja) bis zum Mittelmeer (Golf de Roses).

Geographisch lassen sich die Pyrenäen in verschiedene, klimatisch und räumlich abgegrenzte Regionen einteilen. Im Westen sind die Pyrenäen relativ flach und gehen in das Kantabrische Gebirge über. So gibt es die westlichen Küstengebiete am Atlantik mit den Städten Biarritz und Bayonne auf französischer und San Sebastian auf spanischer Seite, sozusagen die baskische Küste als Gesamtgebiet, denn das Baskenland ist ja grenzübergreifend. Im Osten grenzt das Gebirge an das Mittelmeer ungefähr bei Perpignan. Im östlichen Teil an der Küste haben sie noch mittelgebirgsähnlichen Charakter, doch dann steigen sie nach knapp 50 km schon auf fast 3000 m Höhe an.

https://www.easyvoyage.de/spanien/die-tierwelt-der-pyrenaeen-4167

Im Zentrum befinden sich die Haute Pyrenees, auf französischer Seite um Tarbes, Garvanie und Lourdes und auf spanischer Seite die Pyrenäen von Aragon mit den höchsten Gipfeln des Gebirges und den beiden spanischen Nationalparks. Mittig liegt der Kleinstaat Andorra, eingebettet zwischen Frankreich und Spanien. Das zentrale Gebirge zwischen dem Col de Puymorens und dem Col du Somport ist der höchste und wildeste Abschnitt der Pyrenäen. Mit dem Pico d´Aneto auf spanischer Seite erreichen sie auf 3404 m ihre größte Höhe. Aber es gibt weitere 200 Berge, die eine Höhe über 3000 m besitzen. Einige sind noch vergletschert. Sie haben allerdings schon viel der einstigen Größe verloren.

Die von Osten nach Westen verlaufende Pyrenäen-Kette entstand aufgrund der Kontinental-kollision zwischen dem Mikrokontinent Iberia und dem südwestlichen Ausläufer der Eurasischen Platte (Südfrankreich). Die Annäherung der beiden Kontinente erfolgte während des Känozoikums im Zusammenhang mit der großen alpidischen Orogenese (Gebirgsbildung) ab dem Beginn der Oberkreide (Albium/Cenomanium) vor rund 100 Millionen Jahren und führte im Verlauf des Paläogens (Eozän/Oligozän) zwischen 55 und 25 Millionen Jahren zur Heraushebung des Gebirges. Seit diesem Zeitpunkt unterliegt es neben isostatischen Ausgleichsbewegungen hauptsächlich starker Erosion. Man kann also sagen, die Pyrenäen sind ein echter Grenzfall: Hier endet Europa – und beginnt Afrika. Zumindest für die Geologen – denn hier knallt unsere Kontinental-Platte an das afrikanische Schild. Das Urgestein wurde hochgeschoben, geknickt, gefaltet – schroff und steil zum Felsriegel der Pyrenäen.

Im Pyrenäenraum gibt es drei Nationalparks. In Frankreich ist es der “Französische Pyrenäen Nationalpark oder Parc National de Pyrenees”. Er umfasst das Gebiet zwischen dem Valle d’ Aspee und dem Valle d’ Aure. Dieser Park zieht sich über immerhin fast 100 km an der spanischen Grenze entlang. Das Highlight ist dabei der berühmte Cirque de Garvanie. einer von drei Felskesseln. Er hat einen Durchmesser von 2 km und die ihn umgebenden Berge ragen mehr als 1500 m über den Rand des Kessels auf. Von einer fast senkrechten Felswand stürzen die Gavarnie-Fälle herab, die zu den höchsten Wasserfällen Europas zählen. Sie sind als Weltkulturerbe eingestuft.

Der bekanntere der beiden spanischen Nationalparks ist der Ordesa Nationalpark, mit zahlreichen imposanten Schluchten und Wasserfällen. Man nennt ihn auch Parque National de Ordesa y Monte Perdido nach dem höchsten Berg der Region, dem Monte Perdido (verlorener Berg), der mit 3355 Metern der dritthöchste Berg der gesamten Pyrenäen ist. Weiter östlich, ebenfalls auf spanischem Boden, befindet sich der Nationalpark Aigüestortes mit seiner schier unglaublichen Vielzahl an Flüssen, Seen und Wasserfällen. 

 

Flora und Fauna

Im Pyrenäengebiet wachsen über 3300 verschiedene Pflanzenarten, 150 davon sind endemisch. Endemisch bedeutet das ausschließliche Vorkommen von Pflanzen oder Tieren in einem begrenzten Gebiet. Einige besonders schöne Blumenarten sind Pyrenäen-Hahnenfuß, Narzisse, Schwertlilie und auch Enzian. Unter den endemischen Pflanzen gibt es die Pyrenäen-Lilie und den Pyrenäen-Felsenteller sowie spezielle Arten von Astern, Glockenblumen, Ginster und Ramondia.

 

Unter den zahlreichen Tierarten besonders hervorzuheben ist der Braunbär. Das heute seltene Tier (von dem es in den Pyrenäen nur noch 20 bis 25 Exemplare gibt, weitere leben im kantabrischen Gebirge) war in den vergangenen Jahrhunderten in dieser Gegend ausgesprochen zahlreich vertreten. 2004 war die letzte Bärin Frankreichs von der angeblich verirrten Kugel eines Wildschwein-Jägers getötet worden. Der Nachschub aus Slowenien, fünf Tier und genetisch dem Pyrenäenbär sehr ähnlich, hat sich so gut eingelebt, dass heute rund 40 Bären in den Départements Pyrénées-Atlantiques, Hautes-Pyrénées, Haute-Garonne und Ariège leben.

Natürlich trifft man in den Pyrenäen auch noch andere Säugetierarten an, so zum Beispiel Gämsen, Rehe, Wildziegen, Wölfe, Füchse, Eichhörnchen, Wildschweine und etwa 40 Arten von Kleinsäugern. Es kommen unzählige Vogelfamilien vor, darunter Greifvögel (Eulen, Bussarde, Adler und Falken) sowie Aasfresser wie Aas- und Schmutzgeier. Die Könige unter den Vögeln sind hier jedoch der Königsadler und der Bartgeier. Die Kolonien, die letzterer in den Pyrenäen gebildet hat, stellen die größte und leider auch eine der wenigen verbliebenen Ansammlungen der Art in Europa dar.

 

Geschichte

Das Gebirge ist zum Teil sehr dürftig erschlossen. Im Gegensatz zu den Alpen verlaufen die meisten Täler quer zum Hauptkamm und lassen somit eine bequeme Überschreitung der Berge nur an wenigen Stellen möglich. Die Griechen und Römer hatten vorwiegend Stützpunkte an der katalonischen Küste, hatten aber kein Interesse an den Bergen. Auch die Germanenstämme der Sueben, Vandalen und Westgoten nutzten ab dem 5. Jh. die Pyrenäen als Übergang zu den fruchtbareren Ebenen. Als die Mauren dann Spanien eroberten, flohen die Bewohner der Ebene zum Teil in die Berge und machten die dortigen Täler urbar. Die dortigen Feudalherren führten immer wieder Angriffe gegen die Mauren durch, um Beute zu machen. Das gewonnen Raubgut bot einen finanziellen Rückhalt. Außerdem ermöglichte es auch den Bau zahlreicher romanischer Kirchen. Im Vall de Boi befindet sich die schönste und größte Ansammlung der fast 1000 Jahre alten Kirchen. Oft liegen sie in wenigen Kilometern Entfernung.

Heute sind die Pyrenäen eher eine Abwanderungsregion. Allein der Tourismus bringt eine gewisse wirtschaftliche Entwicklung.

 

Querung der Pyrenäen auf dem Jakobsweg

Wir überqueren die Pyrenäen auf der Via Tolosana über den Somport-Pass. Der Col du Somport / Puerto de Somport (Höhe 1640 m) ist einer der ältesten Pyrenäenübergänge. Er liegt am westlichen Ende der Zentralpyrenäen. Sein Name ist die abgeschliffene Form von lateinischen summus portus = höchster (Pyrenäen-)Übergang, was er tatsächlich jahrhundertelang war. Er war schon immer für den Jakobsweg ein wichtiger Übergang. Kurz unterhalb des Passes finden sich noch die Ruinen des alten Pilgerhospitals Santa Cristina de Somport aus dem 11. Jahrhundert.

Wenn man auf den anderen Jakobswegen aus Frankreich (Via Podiensis von Le Puy en Velay, Via Turonensis von Paris, Via Lemovicensis von Vezelay) unterwegs ist, dann überquert man die Pyrenäen in der Regel über den Ibañetapass von St. Jean Pied de Port nach Roncevalles. Dort trifft man dann auf den Camino Frances nach Santiago de Compostela.

 

Wer Tucholsky mag, dem empfehle ich das Buch „Ein Pyrenäenbuch“. Die Aufzeichnungen sind lebendige und humorvolle Impressionen seiner Begegnungen und Erlebnisse und geistreiche und kritische Reflexionen über Alltagssituationen zur damaligen Zeit, die auch heute noch zum Nachdenken anregen. Interessant ist auch, dass Tucholsky damals wegen dieses Buches von völkischen Kreisen als „Franzosenliebling“ und „Undeutscher“ bezeichnet wurde!

Vielleicht gefällt Ihnen ja auch das Buch von Paulo Coelho, Der Dämon und Fräulein Prym, Zürich 2001.

 

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Geographisches auf dem Via Podiensis

Das Aubrac ist eine Kulturlandschaft im südwestlichen Zentralmassiv in Frankreich, die als Natura 2000-Region anerkannt ist. Es gehört zu den drei Departements Cantal,  Aveyron und Lozère – und damit zu den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Das Dorf Aubrac und sein im 12. Jahrhundert gegründetes Hospiz waren namengebend.

Prägende Landschaft des Aubrac ist eine basaltische Hochfläche auf dem Urgestein aus Granit. Das Bergland bricht in steilen Abhängen ins Tal der Lot. Es ist der südlichste Vulkankomplex des Zentralmassivs. Die Hauptmerkmale dieser Landschaft ist ein beinahe baumloses, leicht gewelltes Hochplateau, die an eine Prärie erinnert und für Frankreich eher untypisch ist. Das Aubrac ist eine der einsamsten, kargsten und gleichwohl schönsten Landstrichen Frankreichs. Das Land wird beinahe ausschließlich zur Rinderzucht verwendet.

Die Rinder werden im Mai auf die Hochalmen getrieben. Die Weiden sind in ihrer Ausdehnung sehr weit und werden mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt. Man findet noch viele alte Sennhäuser, die sogenannten Burons. Diese viereckigen mit Schieferziegeln bedeckten Häuser dienten den Schafzüchtern, die man als Bouroniers bezeichnete, als Behausung. Sie stellten in diesen Hütten Käse aus Kuhmilch her.

Die Hochebene von Aubrac bietet über 2000 Pflanzenarten ein Zuhause einschließlich solchen Kräutern wie Thymian, Salbei, Kamille und Beifuß. Eine dieser Pflanzen, calaman genannt (auch bekannt als Aubrac Tee) wird sehr geschätzt wegen ihres an Minze erinnernden Aromas. Im Frühling und Sommer findet man Blumenteppiche aus wilden Narzissen, gelbem Enzian, Wildrosen, Stiefmütterchen, großblättrige Bergminze, Sonnentau und seltenen Orchideen.

Das Aubrac-Rind

Bereits 1868 wurden die Aubrac Rinder als eine der besten Rinderrassen in Frankreich beschrieben. In der damaligen Zeit war das Aubrac durch die enorm gute Bemuskelung und die Qualität des Fleisches am französischen Hof die berühmteste Rinderrasse. Das Aubrac-Rind ist somit eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse, die aus der Kreuzung von Braunvieh und Maraichine-Rind entstand. Das karge Hochplateau hat die robuste Rasse geprägt, eine Rasse die sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit, enormen Genügsamkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Zudem sind die Aubrac Rinder eine schöne Rinderrasse mit ihren Hörnern und den schwarz umrandeten Augen. Die Aubrac Hirten sagen, die Augen der Aubrac seien schöner als die von Mädchen.

Die Aubrac sind durch ihren ausgeprägten Mutterinstinkt für die Mutterkuhhaltung besonders gut geeignet. Sie sind eher scheu, sehr ruhig und nervenstark. Dem Menschen gegenüber sind sie sehr gutmütig. Der Stier lebt in der Herde, ist aber kein „Streicheltier“, wenn junge Kälber am Feld sind. Auf Grund seiner Größe und Muskelmasse kommt man aber auch gar nicht auf diese Idee! Auf der Weide können die Rinder sehr temperamentvoll sein. Junge Kälber sind ab und zu ziemlich kampfeslustig. Aubrac Rinder lieben die Weide, im Stall drehen sie durch. Egal ob es regnet oder schneit, sie bleiben auf der Weide. Die Aubrac Rinder sind immer in Bewegung zwar ganz langsam aber dafür immer. Ein Rind – nicht der Stier – geht voran, die anderen folgen ruhig ohne Aufregung.

Das Aufwachsen auf der Hochweide mit viel Bewegung, viel Sonne, in sauberer Luft und mit gesundem Wasser bedingen beim Aubrac seine gute Fleischqualität. Diese gute gesundheitsfördernde Fleischqualität ist wohl nur mit so einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsweise zu erzielen.

Auf unserer Wanderung waren die Stacheldrahtzäune immer eine Beruhigung, wenn man an den Herden vorbeiging. Aber zweimal mussten wir doch innerhalb der Weide aufsteigen. Alle Pilger gingen leise hineinander zügigen Schrittes am Rand der Weide entlang, immer ein Auge auf die Herde gerichtet, aber diese lag nur friedlich im Gras und schenkte uns keinerlei Beachtung – Gott sei Dank!

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Causses – herbe einsame Schönheit

Causses

Geographisches auf dem Via Podiensis

Der Jakobsweg führt hinter Figeac über 130 km durch die Causses. Wir wandern auf unserem Weg von Figeac nach Cahors über die Causse de Quercy, die Causse de Gramat und Causse de Limogne. Hier befindet sich auch der regionale Naturpark Causse du Quercy.

Die Causses zählen wegen ihrer herben Schönheit und der äußerst geringen Besiedlungsdichte zu den beeindruckendsten Landschaften Frankreichs. Causse ist die französische Bezeichnung für die großflächigen Kalkhochebenen im französischen Zentralmassiv. Die Bezeichnung Hochebene ist allerdings trügerisch, denn das Relief ist fast immer hügelig. Die einzelnen Causses sind durch tiefe Schluchten und Flusstäler der Dordogne, der Celée und der Lot voneinander getrennt.

Die Causses sind sehr arm an Wasser – das liegt aber nicht daran, dass es wenig Niederschläge gäbe, sondern daran, dass der Regen – wie in den meisten Karstgebieten – von der hier vorherrschenden dicken Jurakalksteinschicht nicht festgehalten werden kann, sondern fast direkt im Boden versickert. Dementsprechend wirken weite Gebiete steppen-   sogar fast wüstenartig. 

Man findet die typischen Karsterscheinungen wie bizarre Felsformationen, Höhlen und Naturschächte. Manchmal findet man auch sogenannte Dolinen, das sind Einsenkungen im Boden, die sich mit fruchtbarem Boden gefüllt haben. Dort wird dann auch intensiv Ackerbau betrieben. Ansonsten sind die Causses eine typische Trockengraslandschaft, auf der überwiegend Schafe weiden. Hier gedeihen sehr widerstandfähige Pflanzenarten wie Flechten und Fetthennen oder Pflanzen mit kurzer Lebensdauer wie das Sandkraut. Auf tieferen Böden findet man auch Orchideen und im Frühjahr und Sommer Narzissen. Außerdem gibt es  Eichen, Johannisbrotbaum, Ginster und Kreuzdorn.

Die Besiedlung ist sehr spärlich. So findet man wenige kleine Dörfer aus typischen Steinhäusern. Häufig sind die Gehöfte einzeln und verstreut auf der Hochebene. Viele sind auch aufgegeben. Nur der Tourismus und die Zweitwohnsitze bringen eine gewisse Belebung des Gebietes.

Die in den Tälern fließenden Gewässer sorgen dort für ein fruchtbares Land, das agrarisch genutzt wird. Sie beeindrucken mit ihrer grünen Vegetation und ihren leuchtenden Felswänden.

Die großen Täler haben eine strenge Abstufung nach dem Höhenschichtung. Jedem Niveau entspricht ein eigener Lebensbereich:

  • der Fluss selbst und seine Ufervegetation bilden ein spezielles Biotop, das aber auch von Mühlen und der Binnenschifffahrt genutzt wird
  • der Talboden, wo Überflutungen auftreten können, ist weitgehend unbesiedelt und meist nur für  Scheunen und  Tabaktrockenschuppen genutzt
  • die Terrassen dienen heute dem Verlauf von Verkehrswegen. Dieser bewohnte Sektor ist weitgehend gegen Hochwasser geschützt und dort wird  auch Landwirtschaft – vorwiegend Wein- und Obstbau –  betrieben
  • an den Talflanken – abwechselnd Felswände und bewaldete Abhänge – liegen die ursprünglichen Dörfer, die oft von Burgen flankiert oder überragt werden.

Wer sich ein wenig über das Leben auf den Causses in den letzten hundert Jahren erfahren will, dem empfehle ich das Buch von Christian Signol „Marie des Berbis“. In diesem Buch hat die Schäferin Marie des Berbis dem Autor Signol die Geschichte ihres langen Lebens diktiert. Es ist ein berührendes Buch, das auch vom Zauber der kleinen Dinge erzählt.

Quellen

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Vulkanismus im Massiv Central​

Vulkanismus im Massiv Central

Geologisches auf dem Via Podiensis

Unsere Wanderung führt uns im ersten Teil zwischen Le Puy en Velay und Cahors  durch das Zentralmassiv. Das Zentralmassiv – auch Zentralplateau und französisch Massiv Central genannt – ist  das ausgedehnteste Gebirge Frankreichs. Die gesamte Fläche des Zentralmassivs beträgt fast 90.000 km², damit nimmt das französische Mittelgebirge annähernd 15 % der gesamten Landfläche Frankreichs ein. Der Name des südfranzösischen Gebirgszugs mit seinen dünn besiedelten Naturlandschaften ist leicht erklärt, liegt es doch genau im Zentrum Frankreichs.
Das südfranzösische Gebirge ist keine geografische Einheit, Unterschiede im Klima und in den Bodenverhältnissen in einzelnen Gebirgsregionen des Zentralmassivs sorgen für teilweise völlig veränderte Landschaftsbilder und Vegetation. Zu den Regionen im Zentralmassiv gehören die Auvergne, das Land der Vulkane, die hohen rauen Cevennen, die kargen und doch schon mediterranen Kalkplateaus (Causses) und der bergige Teil des Languedoc-Roussillion mit den Montagne Noir.
Von besonderem Interesse ist, dass sich hier die jüngsten und besterhaltenen Vulkane des europäischen Festlandes befinden. Die frühesten Zeugen der vulkanischen Aktivität im Zentralmassiv sind ca. 60 Mio Jahre alt . In der Auvergne, die die Kernregion des Massiv Central bildet, setzte der Vulkanismus vor ca. 20 Mio Jahren ein. Vor rund 5.000 Jahren fand der Vulkanismus dann im Zentralmassiv sein – vorläufiges – Ende. Damals gab es noch Ausbrüche des Puy de Montcineyre und des Puy de Montchal.
Vulkanismus bezeichnet die Erscheinungen, die auftreten, wenn heißes, flüssiges Gestein (Magma) aus der Erdoberfläche austritt. Der Name stammt von der italienischen Insel Vulcano, die zu den Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer gehören. Bei den Römern galt die Insel als die Schmiede des Vulcanus, des Gottes des Feuers.

Die Erde ist so aufgebaut: Bei dem inneren Erdkern handelt es sich um eine glühend heiße aber feste Metallkugel, die überwiegend aus Eisen besteht. Umgeben ist dieser von einem flüssigen äußeren Erdkern. darüber befindet sich der Erdmantel und auf dem die dünne Erdkruste. Im Mittelpunkt herrschen Temperaturen von ca. 6000 ° Celsius. die Temperatur nimmt zur Erdkruste hin allmählich ab.

In der Tiefe der Erde in 100 km herrschen hohe Temperaturen von bis zu 1300 Grad Celsius. Im oberen Erdmantel und in der unteren Erdkruste befinden sich in verschiedenen Tiefen geschmolzene und gasreiche Gesteinsmassen, die aus dem Erdinneren aufgestiegen sind. Die Gesteine schmelzen hier zu zähflüssigem Magma. Die Stellen, an denen sich das Magma sammelt, nennt man Magmaherde, -diese liegen überwiegend im oberen Erdmantel in 60 – 100 km Tiefe. Beim Aufstieg aus den tieferen Erdschichten kühlt das Magma ab. Dabei werden Gase frei. Liegt der Magmaherd an einer Stelle, an der die feste Erdkruste dünn ist oder wo ein früheres Erdbeben die Gesteinsdecke zerbrochen hat, kann das gasreiche Magma, das einen ungeheuren Druck ausübt, die Gesteinsschichten über dem Magmaherd durchbrechen. Gerade an den Bruchstellen der verschiedenen Kontinentalplatten finden sich viele dieser Spalten und Klüfte. Das Magma steigt dann bis an die Erdoberfläche auf, die geschmolzenen Gesteinsmassen fließen aus, ein Vulkan entsteht. Bei einem Ausbruch treten vulkanische Laven, Staub und Asche sowie Gase durch einen Schlot aus. Am oberen Schlotende bildet sich eine trichter- oder kesselförmige Mündung, ein Krater.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Aufbau_der_Erde#/media/Datei:Aufbau_der_Erde_schematisch.svg
Ursache für den Vulkanismus im Zentralmassiv ist wahrscheinlich ein Hot Spot. Neben den typischen Vulkanen an den Plattengrenzen gibt es auch Vulkane mitten auf den Platten, die von den Geologen Hot Spots genannt werden. An diesen Stellen ist die Wärmekonzentration  in unter 100 km Tiefe besonders hoch. Hier kann dann heißes Material aus dem Erdmantel aufsteigen und die Kruste langsam schmelzen. Ein Vulkan entsteht. Ein Hot Spot ist ein relativ stationärer, sehr heißer Bereich. Die Platte über ihm aber ist in Bewegung, so dass sich der Hot Spot an mehreren Stellen in die Erdkruste einfräst. Dadurch entstehen dann mit der Zeit ganze Vulkanketten. Im Zentral Massiv finden wir z.B. die Vulkankette Chaine des Puys. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von ca. 30 Kilometern und umfasst an die hundert erloschene Vulkane. Auch die sich südlich bzw. südöstlich anschließenden Vulkan-Gebiete der Chaine du Montchal, des Mont-Dore, des Cézallier, des Cantal, des Aubrac, des Devès und des Velay besitzen eine große Vielfalt an vulkanischen und post-vulkanischen Erscheinungen.

Wo finden wir auf dem Weg deutliche vulkanische Erscheinungen?

Schon zu Beginn unserer Wanderung sind im Velay solche Formen zu bewundern.
Das  Velay ist eines der östlichen bedeutenden Vulkangebiete Frankreichs. Es befindet sich am Ostrand des Zentralmassivs und erstreckt sich über ca. 900 qkm. Das zwischen Loire und Allier gelegene Velay setzt sich aus Mézenc-Meygal im Osten, dem Becken von Le Puy in der Mitte und der Chaine du Devès im Westen zusammen. Einer der interessantesten Vulkane des Velay ist ohne Zweifel der in der Nähe von Le Puy-en-Velay liegende Denise, ein strombolianischer Kegel. Leider wurde der Vulkan inzwischen durch den  Puzzolan-Abbau weitgehend zerstört. Puzzolane werden als Zusatzstoffe zur Herstellung von Mörtel oder Beton verwendet, um die Festigkeit und Gefügedichtigkeit des Betons zu bewirken. Schon in der Antike wurden Puzzolane zur Festigung von Keramiken verwendet. In der Renaissance z.B. wurde rote oder schwarze Puzzolanerde als Beimischung zum Kalkputz unter Fresken benutzt. So verwendete beispielsweise Michelangelo die Puzzolanerde für seinen Putz für die Ausgestaltung der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.
Le Puy-en-Velay 
liegt im Departement Haute-Loire in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Kleinstadt liegt  625 Meter hoch auf einer Reihe von Felsen in einem Vulkankrater. Blickfang der Stadt sind die Basaltkuppen (Puys), ehemalige Vulkanschlote. Auf dem einen thront die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe (Heiliger Michael auf der Nadel). Auf dem benachbarten Vulkankegel, dem Rocher Corneille, steht die Statue der Notre-Dame de la France, 1860 in einer Grösse von 16 Metern errichtet aus dem Metall von 213 während des Krimkrieges bei Sewastopol erbeuteten Kanonen gegossen. Beide Kegel ragen besonders markant aus der Landschaft hervor, aber auch die anderen Hügel im Umland sind vulkanischen Ursprungs.
Panorama von Le Puy-en-Velay mit Kathedrale (r.) und Saint-Michel d’Aiguilhe (l.)
Panorama von Le Puy-en-Velay mit Kathedrale (r.) und Saint-Michel d’Aiguilhe (l.) // Quelle: Wikipedia
Bei unserer weiteren Wanderung durch das vulkanische Gebiet kommen wir natürlich an zahlreichen mehr oder weniger verwitterten bzw. abgebauten Vulkankratern vorbei. Viele der Erhebungen dienten später auch als idealer Standort für Burgen und Schlösser. Einige weitere bemerkenswerte Beispiele für den Vulkanismus seien noch genannt. Kurz nach Montbonnet erreichen wir das Hochmoor des kreisrunden ehemaligen Vulkansees Lac de l’OEuf. Diese Seen werden auch Maare genannt. Sie entstehen bei einer Explosion, wenn Wasser (Grund- oder Oberflächenwasser) auf heisses Magma trifft. Der davon verursachte Explosionsvorgang führt zu einem Auswurf von Tuffmaterial, das zu mindestens teilweise aus nichtvulkanischem Gestein besteht. Häufig sind die Seen mit Wasser, aber es gibt auch welche, die mit Gesteinsmaterial gefüllt sind. Zwischen St. Come-d’Olt und Espalion durchqueren wir dann noch einmal unmittelbar den Schlot eines ehemaligen Vulkans. Kurz nach Monistrol d’ Allier entdecken wir einen Basaltfächer, der die Form einer überdimensionalen Blume oder eines Palmwedels hat. Zwischen St. Come-d’Olt und Espalion durchqueren wir dann noch einmal unmittelbar den Schlot eines ehemaligen Vulkans. Wenn wir die Ortschaft Aubrac erreicht haben, verlassen wir so langsam das riesige Plateau in südwestliche Richtung und somit auch das Massiv Zentral. Von hier aus geht es über St. Chely d’ Aubrac und St.-Côme d’ Olt nach Estaing fast 1000 Meter hinab ins Tal der Lot. In Golinhac können wir noch einmal einen herrlichen Blick auf die Berge des Cantal und Aubrac werfen.
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