Ein sichtbares Relikt der Städtgründungen aber auch der kriegerischen Zeiten des Mittelalters in Frankreich sind die Bastiden, die Wehrdörfer, denen wir immer wieder auf unserer Wanderung begegnen. Bastide (occitanisch: bastir = „bauen“) ist eigentlich die Bezeichnung für die im Mittelalter gegründeten und weitgehend in einem Zug erbauten Städte Okzitaniens, also des Südwesten Frankreichs. In der Zeit von 1222 bis 1373 (Beginn des 100jährigen Krieges) wurden hier zwischen 300 bis 500 neu gegründete Städte errichtet. Sie bildeten örtliche politische und wirtschaftliche Zentren mit Selbstverwaltung.
Gründer waren weltliche Seigneurs (u.a. auch die Könige von Frankreich und England sowie Grafen und lokale Fürsten als Lehnsherren) sowie kirchliche Herren (hier Bischöfe und Zisterzienserklöster), die mit den Grundherren spezielle notariell beglaubigte Verträge abschlossen.
Ziele waren zum einen die Grenzmarkierung von Herrschaftsgebieten zum anderen die Zuwanderung in entvölkerte Landstriche und dadurch die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen als Einkommensquelle für die Gründer sowie die Entwicklung von Märkten. U.a. durch die zunehmende Bevölkerungsentwicklung und die Seßhaftmachung der Halbnomaden in diesen Regionen konnten diese Gebiete besiedelt werden. Meist entstanden diese Bastiden an Orten ohne Vorgeschichte, bei aufgelassenen Dörfern, an Kreuzungen und in Gebieten mit guter Bodenqualität und Wasser. Sie wurden häufig verteidigungsstrategisch auf einer Kuppe oder einem Plateau errichtet und sollten der Landbevölkerung Schutz in Zeiten von kriegerischen Auseinandersetzungen geben. So wurden sie auch oft – allerdings meist erst einige Zeit nach ihrer Gründung – mit Stadtmauern befestigt. Raymond VII., Graf von Toulouse (1222-1249), sicherte so sein Reich mit dem Bau von Bastiden vor und nach dem Albigenser-Kreuzzug, wie die Katharer auch genannt werden. Alfons von Poitiers (1250-1270) setzte sein Werk fort und gründete gleich 54 Bastiden, um während der englisch-französischen Kriege seine Westgrenze zum Herzogtum Aquitanien abzusichern.
Der englische König Edward I. reagierte darauf mit dem Bau von Bastiden in seinem Reich. Als 1337 der 100-jährige Krieg zwischen England und Frankreich begann, läutete der das Ende des Bastiden-Booms ein. Labastide-d’Anjou in Aude gehörte zu den letzten, die vollendet wurde.
Ihr Aufbau ist geplant und besteht meist aus einem rechtwinkligen Straßenmuster mit einem zentralen Marktplatz, an dem die Kirche, das Rathaus und oft eine Markthalle liegen. Er wird von Häusern häufig mit Arkadengängen gesäumt. Man konnte bei einem Angriff von allen Häusern relativ schnell zur Stadtmauer gelangen, um von dort den Ort zu verteidigen. Gerade im 100jährigen Krieg konnten die befestigten Städte überleben, während viele andere unbefestigte Städte wieder zerstört wurden.
Um die Bevölkerung anzulocken, gab es eine Reihe von lokalen Privilegien, ohne das grundsätzliche Feudalsystem zu ändern:
An die Grundherren musste eine Grundsteuer gezahlt werden und ein Zehnt ging an die Pfarrei. Die Privilegien wurden auch beim Wechselspiel der Besitzverhältnisse zwischen den englischen und französischen Königen bestätigt und zum Teil ausgeweitet, um so die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.
Lauzerte entstand im Zuge des 100-jährigen Krieges, als die Grafschaften sich anschickten, ihre Grenzen und strategisch wichtigen Punkte durch befestigte Ortschaften vor den englischen Truppen zu schützen. Trotzdem wurde Lauzerte im 100- jährigen Krieg und auch in den Religionskriegen teilweise zerstört. Die Häuser um den Marktplatz mit ihren Fassaden aus dem Mittelalter und der Renaissance wurden renoviert.
Rund 270 Meter völlig intaktes Mauerwerk sowie ein Burggraben umschließen die wenigen Häuser sowie die Burg und die Burgruine. Noch immer verleihen die alten Häuser, die gleichzeitig die Festungsmauer bilden, dem Dorf ein mittelalterliches Flair. Die massive Wehrkirche St. Sigismund ist im Innern in ein romanisches und gotisches Schiff geteilt. Im 13. Jh. erhoben sowohl die französische wie auch die englische Krone Anspruch auf die Provinz Aquitanien. Um seinen Machtanspruch zu demonstrieren, ließ der französische König Larressingle und zahlreiche andere Siedlungen in der Region zu Bastiden ausbauen.
Zu den frühen Bastiden gehört auch Montréal-sur-Gers, das Alphonse de Poitier im Herzen der Gascogne 1255 auf einem Hügel oberhalb des Auzoue gründete, direkt am Pilgerweg Via Podiensis nach Santiago de Compostela. Dass bereits hier die Römer ein Oppidum namens Celtiberum hatten, verrät eine kleine archäologische Ausstellung, das auch die Funde der Villa von Séviac aus dem 4. Jahrhundert birgt.
Die Stadt ist eine typische gascognische Bastide aus dem 13. Jh. Im Jahre 1320 wurde sie wie viele andere Städte der Region an das Herzogtum Guyenne angeschlossen, das sich im Besitz der englischen Krone befand. Daraufhin belagerte 1350 Karl der Schreckliche, König von Navarra, den Ort und übergab ihn 1368 dem Comte d’Armagnac. Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind allerdings nur noch wenige Reste erhalten. Aber der Marktplatz, den bis heute die typischen Arkaden säumen, und die Straßen, die wie einst noch in Rechtecken angeordnet sind, sind noch in ihrer ursprünglichen Form vorhanden.
Das Dorf wurde 1276 durch den König von England als Bastide gegründet.