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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Geographisches auf dem Via Podiensis

Das Aubrac ist eine Kulturlandschaft im südwestlichen Zentralmassiv in Frankreich, die als Natura 2000-Region anerkannt ist. Es gehört zu den drei Departements Cantal,  Aveyron und Lozère – und damit zu den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Das Dorf Aubrac und sein im 12. Jahrhundert gegründetes Hospiz waren namengebend.

Prägende Landschaft des Aubrac ist eine basaltische Hochfläche auf dem Urgestein aus Granit. Das Bergland bricht in steilen Abhängen ins Tal der Lot. Es ist der südlichste Vulkankomplex des Zentralmassivs. Die Hauptmerkmale dieser Landschaft ist ein beinahe baumloses, leicht gewelltes Hochplateau, die an eine Prärie erinnert und für Frankreich eher untypisch ist. Das Aubrac ist eine der einsamsten, kargsten und gleichwohl schönsten Landstrichen Frankreichs. Das Land wird beinahe ausschließlich zur Rinderzucht verwendet.

Die Rinder werden im Mai auf die Hochalmen getrieben. Die Weiden sind in ihrer Ausdehnung sehr weit und werden mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt. Man findet noch viele alte Sennhäuser, die sogenannten Burons. Diese viereckigen mit Schieferziegeln bedeckten Häuser dienten den Schafzüchtern, die man als Bouroniers bezeichnete, als Behausung. Sie stellten in diesen Hütten Käse aus Kuhmilch her.

Die Hochebene von Aubrac bietet über 2000 Pflanzenarten ein Zuhause einschließlich solchen Kräutern wie Thymian, Salbei, Kamille und Beifuß. Eine dieser Pflanzen, calaman genannt (auch bekannt als Aubrac Tee) wird sehr geschätzt wegen ihres an Minze erinnernden Aromas. Im Frühling und Sommer findet man Blumenteppiche aus wilden Narzissen, gelbem Enzian, Wildrosen, Stiefmütterchen, großblättrige Bergminze, Sonnentau und seltenen Orchideen.

Das Aubrac-Rind

Bereits 1868 wurden die Aubrac Rinder als eine der besten Rinderrassen in Frankreich beschrieben. In der damaligen Zeit war das Aubrac durch die enorm gute Bemuskelung und die Qualität des Fleisches am französischen Hof die berühmteste Rinderrasse. Das Aubrac-Rind ist somit eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse, die aus der Kreuzung von Braunvieh und Maraichine-Rind entstand. Das karge Hochplateau hat die robuste Rasse geprägt, eine Rasse die sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit, enormen Genügsamkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Zudem sind die Aubrac Rinder eine schöne Rinderrasse mit ihren Hörnern und den schwarz umrandeten Augen. Die Aubrac Hirten sagen, die Augen der Aubrac seien schöner als die von Mädchen.

Die Aubrac sind durch ihren ausgeprägten Mutterinstinkt für die Mutterkuhhaltung besonders gut geeignet. Sie sind eher scheu, sehr ruhig und nervenstark. Dem Menschen gegenüber sind sie sehr gutmütig. Der Stier lebt in der Herde, ist aber kein „Streicheltier“, wenn junge Kälber am Feld sind. Auf Grund seiner Größe und Muskelmasse kommt man aber auch gar nicht auf diese Idee! Auf der Weide können die Rinder sehr temperamentvoll sein. Junge Kälber sind ab und zu ziemlich kampfeslustig. Aubrac Rinder lieben die Weide, im Stall drehen sie durch. Egal ob es regnet oder schneit, sie bleiben auf der Weide. Die Aubrac Rinder sind immer in Bewegung zwar ganz langsam aber dafür immer. Ein Rind – nicht der Stier – geht voran, die anderen folgen ruhig ohne Aufregung.

Das Aufwachsen auf der Hochweide mit viel Bewegung, viel Sonne, in sauberer Luft und mit gesundem Wasser bedingen beim Aubrac seine gute Fleischqualität. Diese gute gesundheitsfördernde Fleischqualität ist wohl nur mit so einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsweise zu erzielen.

Auf unserer Wanderung waren die Stacheldrahtzäune immer eine Beruhigung, wenn man an den Herden vorbeiging. Aber zweimal mussten wir doch innerhalb der Weide aufsteigen. Alle Pilger gingen leise hineinander zügigen Schrittes am Rand der Weide entlang, immer ein Auge auf die Herde gerichtet, aber diese lag nur friedlich im Gras und schenkte uns keinerlei Beachtung – Gott sei Dank!

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Causses – herbe einsame Schönheit

Causses

Geographisches auf dem Via Podiensis

Der Jakobsweg führt hinter Figeac über 130 km durch die Causses. Wir wandern auf unserem Weg von Figeac nach Cahors über die Causse de Quercy, die Causse de Gramat und Causse de Limogne. Hier befindet sich auch der regionale Naturpark Causse du Quercy.

Die Causses zählen wegen ihrer herben Schönheit und der äußerst geringen Besiedlungsdichte zu den beeindruckendsten Landschaften Frankreichs. Causse ist die französische Bezeichnung für die großflächigen Kalkhochebenen im französischen Zentralmassiv. Die Bezeichnung Hochebene ist allerdings trügerisch, denn das Relief ist fast immer hügelig. Die einzelnen Causses sind durch tiefe Schluchten und Flusstäler der Dordogne, der Celée und der Lot voneinander getrennt.

Die Causses sind sehr arm an Wasser – das liegt aber nicht daran, dass es wenig Niederschläge gäbe, sondern daran, dass der Regen – wie in den meisten Karstgebieten – von der hier vorherrschenden dicken Jurakalksteinschicht nicht festgehalten werden kann, sondern fast direkt im Boden versickert. Dementsprechend wirken weite Gebiete steppen-   sogar fast wüstenartig. 

Man findet die typischen Karsterscheinungen wie bizarre Felsformationen, Höhlen und Naturschächte. Manchmal findet man auch sogenannte Dolinen, das sind Einsenkungen im Boden, die sich mit fruchtbarem Boden gefüllt haben. Dort wird dann auch intensiv Ackerbau betrieben. Ansonsten sind die Causses eine typische Trockengraslandschaft, auf der überwiegend Schafe weiden. Hier gedeihen sehr widerstandfähige Pflanzenarten wie Flechten und Fetthennen oder Pflanzen mit kurzer Lebensdauer wie das Sandkraut. Auf tieferen Böden findet man auch Orchideen und im Frühjahr und Sommer Narzissen. Außerdem gibt es  Eichen, Johannisbrotbaum, Ginster und Kreuzdorn.

Die Besiedlung ist sehr spärlich. So findet man wenige kleine Dörfer aus typischen Steinhäusern. Häufig sind die Gehöfte einzeln und verstreut auf der Hochebene. Viele sind auch aufgegeben. Nur der Tourismus und die Zweitwohnsitze bringen eine gewisse Belebung des Gebietes.

Die in den Tälern fließenden Gewässer sorgen dort für ein fruchtbares Land, das agrarisch genutzt wird. Sie beeindrucken mit ihrer grünen Vegetation und ihren leuchtenden Felswänden.

Die großen Täler haben eine strenge Abstufung nach dem Höhenschichtung. Jedem Niveau entspricht ein eigener Lebensbereich:

  • der Fluss selbst und seine Ufervegetation bilden ein spezielles Biotop, das aber auch von Mühlen und der Binnenschifffahrt genutzt wird
  • der Talboden, wo Überflutungen auftreten können, ist weitgehend unbesiedelt und meist nur für  Scheunen und  Tabaktrockenschuppen genutzt
  • die Terrassen dienen heute dem Verlauf von Verkehrswegen. Dieser bewohnte Sektor ist weitgehend gegen Hochwasser geschützt und dort wird  auch Landwirtschaft – vorwiegend Wein- und Obstbau –  betrieben
  • an den Talflanken – abwechselnd Felswände und bewaldete Abhänge – liegen die ursprünglichen Dörfer, die oft von Burgen flankiert oder überragt werden.

Wer sich ein wenig über das Leben auf den Causses in den letzten hundert Jahren erfahren will, dem empfehle ich das Buch von Christian Signol „Marie des Berbis“. In diesem Buch hat die Schäferin Marie des Berbis dem Autor Signol die Geschichte ihres langen Lebens diktiert. Es ist ein berührendes Buch, das auch vom Zauber der kleinen Dinge erzählt.

Quellen

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Historisches Historisches Via de la Plata

Römische Relikte auf der Via de la Plata – Italica/Capalla/Merida

Römische Relikte auf der Via de la Plata

Italica/Capalla/Merida

Die Via de la Plata verläuft in Teilen entlang einer in der Römerzeit  entstandenen Nord-Südverbindung durch die Extremadura (siehe auch Artikel zur Romanisierung). Diese Verbindung spielte damals eine wichtige Rolle, verband diese sogenannte „Silberstraße“ doch die Erzminen Kastiliens und Galiciens mit Andalusien und dem Süden. 800 Kilometer lang war dieser Handelsweg. Deshalb treffen wir auf unserer Wanderung auch immer wieder auf Relikte aus der Römerzeit. Neben vielen Meilensteinen am Wegesrand, Teilstücken des alten gepflasterten Römerweges sowie zahlreichen kleinen und größeren Brücken (z.B. die Römerbrücke bei Aldea del Cano oder die Brücke nach Salamanca) sind es vor allem die Ausgrabungsstätten von Italica und  Capalla  sowie die vielen römischen Bauwerke in der Stadt Merida die unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Italica (heute Santiponce)

Die ehemalige Römerstadt Italica vor den Toren Sevillas (10 km nördlich von Sevilla) ist die erste Station auf der Via de la Plata, die uns verstärkt die Zeit der Römer in Spanien verdeutlicht. Italica war eine berühmte Stadt des römischen Reiches. Sie geht zurück auf die Gründung eines Lazaretts für römische Krieger nach der Schlacht von Ilipa im 2. Punischen Krieg (206 v. Ch.)  und wurde dann zu einem Militärposten ausgebaut als Bollwerk gegen die Angriffe der Karthager. Italica wurde ein wichtiges Verwaltungs-zentrum, von dem auch später eine verstärkte Romanisierung des Landes ausging.

Spätestens unter Caesar erhielt die Stadt den Status zum Municipium. In der Kaiserzeit, beginnend bereits mit Caesar erhielten auch Städte in den Provinzen außerhalb Italiens (allerdings fast nur im Westen des Reiches) das Recht eines Municipiums. Das bedeutete, dass den Bürger die vollen Bürgerrechte zugestanden wurden, also auch das Stimm- und Wahlrecht. Die damalige Bedeutung der Stadt lässt sich auch an ihrem Reichtum ablesen. Belege dafür sind das noch teilweise erhaltene Amphitheater und zahlreiche wunderschöne Fußbodenmosaike. Leider ist von den anderen Gebäuden relativ wenig übriggeblieben, da die Stadt später verlassen und als „Steinbruch“ verwendet wurde.

Ihre besondere Stellung zeigt sich auch darin, dass die römischen Kaiser Trajan und Hadrian dort beheimatet waren.

Für Cineasten vielleicht noch interessant: Der Ort diente auch als Drehort der Drachengrube aus dem Finale der 7. Staffel der Serie „Game of Thrones“.

Die Römerstadt Caparra und der Arco de Caparra

Auf dem Weg von Carcobos und Banos de Montemayor treffen wir auf den Arco de Caparra, ein stattliches Tor der einst monumentalen Römerstadt Caparra. Nachdem Caparra 74 n.Chr. unter Kaiser Vespasian die Stadtrechte (Municipium) erhielt, begann – begünstigt auch durch die Lage an der Verbindungsstraße zwischen Merida und Astorga der wirtschaftliche Aufschwung. Als Station an der stark frequentierten Handelsroute profitierte es von den fahrenden Händlern und Reisenden. Die Stadt hatte bald eine Ausdehnung von ca. 15-16 Hektar. Ihre Blütezeit lag im 2. und 3. Jh. n.Chr. Viele bedeutende Gebäude wie ein Amphitheater, ein riesiges Forum und Thermen wurden errichtet.

Leider sind nur noch die Grundrisse der Gebäude auf dem Ausgrabungsgelände nachvollziehbar. Überlebt hat all die Jahre der Arco de Caparra aus dem 1. Jh. n.Chr. Das in Spanien einzigartige vierbogige Tor ist aber kein Triumphbogen, wie man meinen könnte, sondern ein von Marcus Fidius Maar zu Ehren seiner Eltern gestifteter Gedenkbogen. Damals stand er mitten in der Stadt, heute steht er etwas verloren mitten in der Landschaft.

Merida

Das prachtvolle Kulturerbe Méridas läßt den Besucher in die römische Antike eintauchen. Die Hauptstadt der spanischen Extremadura bietet prachtvolle römische Bauwerke, darunter ein Theater, einen Zirkus, eine Pferderennbahn, zwei Aquädukte, eine intakte Brücke. Das Museo Nacional de Arte Romano besitzt eine Sammlung von unschätzbarem Wert— kurzum alles, was einen Römerfan in Entzückung versetzen kann. 

Merida ist heute die Hauptstadt der Autonomen Region Extremadura. Im Römischen Reich war die Stadt unter dem Namen „Emerita Augusta“ die Hauptstadt der Provinz Lusitania. Der Name „Eremita“ (lat. für verdient/ausgedient) deutet schon auf den Ursprung der Stadt hin. Die Stadt wurde Ende des Jahres 25 v.Chr. im Auftrag des Kaisers Augustus gegründet. Er ließ die Stadt als Kolonie für die Veteranen der römischen Legionen V Alandae und X Gemina errichten. Es entstanden zahlreiche repräsentative Einrichtungen: Bäderlandschaften, ein Theater, ein Amphitheater, ein Circus, Tempel, Brücken und Aquädukte, die zum großen Teil heute noch zu besichtigen sind. Seine Blütezeit erlebte Merida – wie viele römische Stadtgründungen in der Region – in den ersten beiden Jahrhunderten n.Chr.. Im Gegensatz zu den beiden anderen Stätten, die ja mehr oder weniger Ruinenstädte sind, kann man in Merida von dem früheren Glanz noch eine ganze Menge sehen. In Mérida kann man Spanien vergessen und zwei, drei Tage lang vollkommen ins Römische abtauchen; dafür sorgt schon das einmalige Ensemble an Bauwerken. 

Wichtige Gebäude aus dieser Zeit, die man besichtigen sollte, sind:

  • die Puente Romano – das weltweit größte erhaltene antike Brückenbauwerk mit 721 Metern und 60 Bögen
  • das Amphitheater – Schauplatz für Gladiatoren- und Tierkämpfe für 15.000 – 20.000 Zuschauer
  • das Teatro Romano – Ort für die Ausführungen von griechischen Tragödien und Komödien mit einem Zuschauerraum für 6.000 Menschen und einem Bühnenkomplex mit Bühnenhaus und der eigentlichen Bühne
  • der Circus – langgestreckte Arena, in der in erster Linie Wagenrennen und seltener Tierkämpfe stattfanden mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern
  • der Tempel der Diana – zwischen dem 1. Und 2. Jh. gebaut, wurde nicht zur Anbetung der Göttin der Jagd genutzt sondern zur Huldigung des Gott gleichen Kaiser Augustus
  • das Aquädukt Los Milagros – s. die Ausführungen unten

Als Hauptstadt der römischen Provinz Lusitanien entwickelte sich Mérida zu einer der blühendsten Städte des Römischen Reiches. Während der Ausbreitung des Christentums stellte es einbedeutendes religiöses Zentrum dar. Unter westgotischer Herrschaft behielt die Stadt noch eine Zeit lang ihre Rolle als Hauptstadt des Reiches, bis sie diesen Titel an Toledo abgeben mußte. 

Die römische Wasserversorgung

Von besonderer Bedeutung ist auch die römische Wasserversorgung der Stadt. In ihrer Konstruktion und technischen Ausführung ist sie auch heute noch ein wahres Wunderwerk. Dafür errichteten die Römer zwischen 100 und 150 n. Chr. eigens einen Staudamm im etwa 6 km entfernten Prosperina. Seine Dimensionen setzen uns heute noch in Erstaunen.  Die Mauer ist 400 Meter lang und bis zu 21 m hoch und das Reservoir hat ein Fassungsvermögen von 5 Millionen qm. Von hier aus wurde das Wasser über eine etwa 10 km lange Wasserleitung und über insgesamt sieben Aquädukte weitergeleitet, wovon das monumentale “Los-Milagros”-Aquädukt am Rand von Merida das größte ist. Endstation in der Stadt war das “Castellum aquae”, das Wasserreservoir auf dem heutigen ‘Cerro del Calvario’. Wie erstaunlich die Bauleistung ist, lässt sich daraus ermessen, dass das Wasser u.a. einen ins Granitgestein geschlagenen Tunnel durchläuft und zudem ein ganz spezielles Gefälle hat. Die Neigung beträgt durchgehend einen Meter auf zwei Kilometer, die maximale Durchflussmenge beträgt somit 150 Liter pro Sekunde. Welch eine technische Meisterleistung!

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Die Romanisierung Hispaniens

Die Romanisierung Hispaniens

Hintergrundwissen

Kurze Vorgeschichte

Schon vor etwa 12.000 v. Chr. war Spanien bereits besiedelt. Höhlenmalereien belegen dies eindeutig. Die ältesten Hinweise finden sich in der Höhle von Altamira (s. dazu meine Ausführungen auf dem Camino del Norte). Zu den Ureinwohnern Spaniens zählen die Völker der Iberer und der Kelten, die im 5. und 4. Jh. v. Chr. miteinander verschmolzen, sowie die Basken (s. dazu Geschichte der Basken in meinen Ausführungen auf dem Camino del Norte).

Im 11. Jh. v.Chr. siedelten sich die Phönizier an der Südküste an. Später setzen sich die Griechen an der Küste fest. Nach dem 1. Punischen Krieg (237 – 219) eroberten die Karthager den Süden und Osten der iberischen Halbinsel.

Der Prozess der Romanisierung

Die erste Phase - die Zeit des 2. punischen Krieges

Nach dem 2. Punischen Krieg wurden die Karthager von den Römern aus der iberischen Halbinsel vertrieben. So wurde für diese der Weg frei, um ab dieser Zeit Iberien Stück für Stück für das römische Reich einzunehmen. Es dauerte aber mehrere Jahre und mehrere Auseinandersetzungen mit den Karthagern bis diese erste Eroberung erfolgreich war.

Zwischen 210-209 v.Chr. eroberte Publius Cornelius Scipio Africanus zunächst das mediterrane östliche Spanien. Der Hauptgegner im südlichen Spanien war dann Karthago. Diese griff er in der Stadt Cartagena an. Die Stadt war für die Karthager von besonderer strategischer Bedeutung. Von hier aus kam der Nachschub aus Afrika, hier in der Nähe lagerten reiche Silberminen und hier gab es einen Hafen, der auch eine große Flotte aufnehmen konnte. Scipio konnte die Karthager vernichtend schlagen und die Stadt erobern.

Die zweite wichtige Schlacht fand dann im Jahr 208 v.Chr. wahrscheinlich bei der Stadt Bäcula (heute Ubeda) statt, wo die Karthager ca. 8000 Mann verloren. Scipio setzte nach den beiden Schlachten jeweils eine geschickte Taktik ein. Er entließ die mit den Karthagern verbündeten Iberer in die Freiheit und schickte nur die Afrikaner in die Sklaverei. So versuchte er unter den Iberern neue Verbündete zu gewinnen. Außerdem überließ er seinen iberischen Mitkämpfern einen Teil der Beute. So konnte er auf der iberischen Halbinsel Unterstützer finden, die die römische Herrschaft festigen sollten.

Im Jahr 206 kam es dann zu der letzten und entscheidenden Schlacht gegen die Karthager und zur endgültigen Einnahme des südlichen Spaniens. Diese entscheidende Schlacht fand bei der Stadt Ilipa (Alcala de Rio) unweit von Cadiz statt, bei der die Karthager endgültig geschlagen und aus Spanien vertrieben wurden.

Die Römer waren nun an Teilen der Küste Spaniens und im Süden präsent. Die nördliche Mittelmeerküste, also die Regionen am und nördlich des Ebro, Aragonien und Katalonien waren als erstes von den Römern erobert worden. Mit dem Sieg über die Karthager fielen ihnen nun auch die Küsten Valencias, Murcias sowie das Binnenland Andalusiens (das Guadalquivirbecken) in die Hände. Man kann hier aber nur von ersten Ansätzen einer Romanisierung sprechen, denn zunächst handelte es sich mehr um eine Ansammlung von Quartieren des römischen Heeres. Es entstanden nur erste kleine Städte. Durch die Heirat von römischen Soldaten und iberischen Frauen kam es in der Folge zu einer ersten Durchmischung der Bevölkerung.

Die zweite Phase - die Zeit des Widerstandes und der Aufstände

Nach dem Sieg gegen die Karthager versuchten die Römer Spanien endgültig unter ihre Herrschaft zu bringen. Der Unabhängigkeitswille und die Konkurrenz zwischen den einzelnen keltiberischen Stämmen führte dazu, daß sie in ständiger Furcht voreinander lebten, weil sie immer wieder übereinander herfielen. Man könnte meinen, dies ließe es den Römern leicht werden, die Stämme nacheinander zu besiegen. Doch es dauerte über 200 Jahre, bis ihnen alle Stämme der Iberischen Halbinsel zu Füßen lagen.

Auf die einzelnen Aufstände und Überfälle gehe ich im Folgenden nicht explizit ein. Zwischen 197-133 v. Chr. kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen der römischen Besatzung und den einheimischen Völkern der Iberer und Lusitanier. Dabei gingen die Römer z.T. mit äußerster Brutalität vor, um die einheimischen Völker einzuschüchtern. Trotzdem konnten sie zunächst nur den Süden und Südwesten der Halbinsel besetzen. Es kam immer wieder zu Überfällen und Kämpfen mit verschiedenen Gruppen der Iberer und es dauerte bis 133 v. Chr. bis mit der Niederlage der Iberer bei Numuntia eine zeitweise Ruhe zwischen den Römern und den Völkern Hispanias herrschte. Allerdings hielt dieser Frieden nicht lang, sondern es kam immer wieder zu neuen Auseinandersetzungen mit Aufständischen, zum Teil auch bedingt durch die Schwächung der Römer auf Grund des in Italien geführten Bürgerkrieges.  Insgesamt konnten in dieser Zeit das Binnenland, das heutige Kastilien-La Mancha und Kastilien-Leon sowie einige kleine Regionen erobert werden. Die Regionen im Norden,  Asturien, Galicien und Kantabrien, konnten sich auf Grund der topografischen Lage noch dem römischen Einfluss entziehen.

Die dritte Phase - die endgültige Eroberung des gesamten Landes

Erst Julius Caesar, der 61 v. Chr. als Proprätor die Provinz Hispanien Ulterior leitete, gelang es, den Widerstand der lusitanischen Stämme zu brechen und so das heutige Nordportugal und Galicien zu erobern. Allerdings konnte auch er den Nordwesten der Halbinsel nicht beherrschen. Erst unter Augustus wurde auch diese Region befriedet. Er teilte das Land nicht wie bisher in Hispania Citerior (näherliegend) im Osten und Hispania Ulterior (weiter entfernt) im Süden und Westen, sondern er gestaltete drei Provinzen Lusitania im Westen, Baetica im Süden und Traconensis im restlichen Bereich. Die Basken im Norden behielten ihre Unabhängigkeit. Nach der endgültigen Eroberung Spaniens kam es zu keinen nennenswerten Aufständen mehr und es folgte eine Zeit des Friedens, der Pax Romana.

Bedeutung der Romanisierung

Hispanien war das erste große Territorium außerhalb Roms, das von den Römern eingenommen wurde. Hier konnten sie sozusagen ihre Kolonialisierung anderer Länder erproben. Trotz der vielen Kämpfe und Auseinandersetzungen mit den einheimischen Völkern wurde die Eroberung dadurch erleichtert, dass es in Spanien kein einheitliches Staatsgebilde gab und die einzelnen Völker Spaniens leicht gegen einander ausgespielt werden konnten. Die Eroberung des ganzen Landes war auch deshalb für die Römer von Interesse, da sie so an Produkten wie Wein und Öl vor allem aber an die reichen Eisenerz- und Goldvorkommen im Norden und an die Silberbergwerke im Süden Spaniens kamen.

Nach der Eroberung bekam das ganze Land nun zur militärischen Sicherung zahlreiche Kastelle. Ein System von neuen Handelswegen wurde aufgebaut, um den Abbau und Transport der Bodenschätze und den Export landwirtschaftlicher Produkte wie Wein, Öl und Getreide nach Rom zu erleichtern. Der Ausbau des Straßennetzes trug gleichzeitig zur schnelleren Romanisierung der Bevölkerung bei. Die modernen Verkehrswege zwischen den spanischen Großstädten folgen noch heute teilweise dem Verlauf der römischen Verbindungswege.

Durch die Verschmelzung der einheimischen Oberschicht mit den römischen Machthabern wurde die Halbinsel allmählich ein wichtiges Zentrum römischer Kultur.

Wer in die neuen spanischen Provinzen Roms versetzt wurde, suchte die kulturellen Errungenschaften und Gepflogenheiten römischen Lebens so gut wie möglich beizubehalten.  So entstanden in den Städten u.a. Theater, Amphitheater und zahlreiche Tempel.  Zudem errichteten wohlhabende Bürger repräsentative Wohnhäuser nach römischem und griechischem Vorbild.

Die römische Provinz stellte sogar römische Kaiser wie Trajan (53-117 n.Chr.) und Hadrian (76-138 n.Chr.). Auch so angesehene Schriftsteller wie Seneca, Lucan und Martial kamen von hier. Die römische Religion wurde im Land etabliert aber neben der offiziellen Religion bestanden die alten Götter – allerdings unter neuem Namen – weiter.

Der hohe kulturelle und technologische Entwicklungsstand der Römer veränderte tiefgreifend die soziokulturellen Grundlagen der angestammten Bevölkerung im Zuge einer sukzessiven Anpassung. Die Annahme römischer Lebensweisen und Wirtschaftsformen führte zu einer Zurückdrängung traditioneller iberischer und keltischer Kulturformen wie die Gütergemeinschaft, des endogamischen Heiratsverhaltens (soziale Norm  in der eigenen sozialen Gruppe oder Sippe zu heiraten) oder der starken Bindung an den eigenen Stamm oder die Sippe. Allerdings entzogen sich die in den unzugänglichen Gebirgsgegenden lebenden Stämme – so auch die Basken – weitgehend der Romanisierung. In den von den Römern eroberten Gebieten, in denen sich die römische Kultur durchsetzt, kam es zur Urbanisierung, Intensivierung des Ackerbaus und Bürokratisierung. Die nachhaltigste Hinterlassenschaft aus der Römerzeit ist jedoch zweifellos die Sprache. Die auf der Iberischen Halbinsel und im gallischen Raum angestammten Sprachen wurden sukzessive und nahezu flächendeckend durch das Lateinische verdrängt, aus dem sich wiederum in den folgenden Jahrhunderten die verschiedenen romanischen Sprachen entwickelten

Anfang des 5.Jhs. n.Chr. zerfiel das römische Reich und die Westgoten ergriffen aus Norden kommend die Herrschaft in Spanien.

Kritische Betrachtung der Geschichtsschreibung der damaligen Zeit

Kurz möchte ich noch auf die Probleme der Geschichtsschreibung eingehen. Denn da es fast keine karthagischen und iberischen Quellen gibt, stammen die meisten Informationen über die Eroberung Hispaniens aus römischen Quellen. Hierbei handelt es sich somit um eine Siegergeschichtsschreibung. Eine solche Geschichtsschreibung beinhaltet in der Regel eine Fülle subjektiver Darstellungen und Bewertungen – wir kennen dies ja bis in unsere heutigen Tage. So ist es die schwierige Aufgabe der Historiker, Belege für richtige und falsche Aussagen zu finden. Bei jeder nur einseitigen Darstellung von Geschehnissen ist die Gefahr von – wir würden heute sagen – Fake News gegeben und wohl auch sehr wahrscheinlich.

Hier noch eine aktuelle Ergänzung:

Eine interaktive Karte zeigt das römische Straßennetz so umfassend wie nie zuvor und enthüllt die wahre Länge dieser antiken Routen. Die Römerstraßen erstreckten sich demnach über mehr als 299.170 Kilometer Länge, fast doppelt so viel wie bislang angenommen.

Die Römerstraßen waren in der Antike wichtige Verkehrsadern, über die WarenMenschen und Ideen von einem Ende des riesigen Römischen Reichs zum anderen gelangten. Typisch für diese Straßen war ein Fundament aus Steinbrocken, Kies und Sand oder Lehm, auf dem das in der Mitte gewölbte Straßenpflaster gelegt wurde. Ähnlich wie heute waren die Fernstraßen breiter, von Meilensteinen gesäumt und besser ausgebaut. Regionale und lokale Straßen unterstanden den Provinzen uns waren meist einfacher konstruiert. (s. weitere Erläuterungen unter Itiner-e Altas Media/MINERVA und de Soto et al. Scientific Data CC-by4.0. Die Karte von 2025 ist im Internet frei zugänglich)

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Sand unter meinen Füssen

Sand unter meinen Füssen

Geschichten auf dem Camino del Norte

Auf dem Camino del Norte treffen wir ja immer wieder auf Wegstrecken, die über  Strände führen. Und egal wie schön oder ungemütlich das Wetter ist, es lohnt sich immer, die Schuhe auszuziehen und barfuß über den Strand zu gehen! Welch ein Genuss ist es, den Sand unter den Füssen zu spüren!!!

Hoppla, manchmal vergisst man es dann doch!!!!
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Wer schleicht sich denn da herein?

Wer schleicht sich denn da herein?

Geschichten auf dem Camino del Norte

Unsere nächste Etappe war Laredo. Wir wollten in der Herberge Buen Pastor der Missionsfranziskaner, einer kleinen privaten Herberge, übernachten. Nach einigem Suchen standen wir endlich vor der Herberge. Vor uns warteten bereits sechs Personen an der Rezeption. Es sind die vier österreichischen Männer aus St. Pölten, denen wir schon mehrmals begegnet sind und zwei österreichische Damen, die sich ihnen angeschlossen hatten. An der Rezeption saß eine nette alte Dame, die die Anmeldungen annahm und die sich trotz des „Andrangs“ nicht aus der Ruhe bringen ließ – heißt, es dauerte eine Zeit bis auch wir an der Reihe waren. Als „Belohnung“ bekamen wir ein schönes Doppelzimmer mit eigenem Duschbereich. Außer uns achten übernachtete niemand mehr in der Herberge, obwohl insgesamt 20 Betten zur Verfügung standen. Ob es daran lag, dass sich keine Pilger*in mehr anmeldete oder ob die Dame entschieden hatte, das reicht an Personen und Arbeit, wissen wir nicht so genau.

Marielouise und ich machten am Nachmittag einen Spaziergang zum mehr als vier Kilometer langen Strand Playa de la Salve, der sich in einem Bogen von der Altstadt Puebla Vieja bis nach El Puntal erstreckt.

Am Abend spazierten wir dann alle – die Österreicher*innen und wir – durch die Altstadt von Laredo mit ihren engen Gassen und den kleinen Palästen und Herrenhäusern, die teilweise als Wohntürme erbaut wurden. Wir fanden ein nettes Restaurant und verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend mit interessanten Gesprächen. Als wir in die Herberge zurückkamen, wurden wir von einer anderen noch älteren Dame empfangen, die uns zunächst auch freundlich begrüßte. Doch dann schoss sie plötzlich auf Marielouise zu und erklärte – soweit wir das verstanden haben -, dass Marielouise  hier nicht gemeldet sei. Sie schaute sie so böse an, dass Marielouise ganz verunsichert war und unsere Beteuerungen halfen zunächst auch nichts. Erst als ich ihr unseren Zimmerschlüssel zeigte und deutlich machen konnte, dass wir zusammen das Zimmer gemietet hatten, ließ sie sich mehr oder minder überzeugen, immer noch mit einem zweifelnden – Marielouise meinte – bösen Blick. Ob sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht hatte mit Leuten, die sich mit anderen hier eingeschlichen hatten – wir wissen es nicht. Aber wir konnten über den Vorfall schmunzeln, ich hatte etwas, um Marielouise aufzuziehen und wir haben in dem großen Doppelbett herrlich geschlafen.

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Vorsicht bei Vorurteilen

Vorsicht bei Vorurteilen

Geschichten auf dem Camino del Norte

Wir waren gerade in San Sebastian angekommen und liefen die Promenade entlang Richtung Jugendherberge. Da sprach uns plötzlich ein junger Mann an und fragte uns auf Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, welche Sprache wir sprächen. Wir reagierten erst nicht und nahmen an, da wolle uns jemand anbetteln. So schritten wir zügig weiter. Der junge Mann ließ aber nicht locker, bis ich endlich – mehr um ihn loszuwerden – etwas ungnädig sagte “deutsch“. Da sprach er uns dann fröhlich an, er sei auch Deutscher und ob wir so wie er auch Pilger auf dem Jakobsweg seien. So kamen wir  ins Gespräch. Er kam aus Leipzig, hatte gerade sein Abitur bestanden und wollte dann auf Lehramt studieren und vorher eben den Camino del Norte gehen.

Er hatte uns angesprochen, da er auch gerade auf dem Weg zur Herberge war und da diese nicht ganz so leicht zu finden war, wollte er uns einfach begleiten und uns den Weg zeigen. Und das tat er auch und noch mehr. Denn als wir bei der Herberge ankamen, war diese schon voll besetzt. So verhandelte er mit der Dame an der Rezeption auf Spanisch, ob sie eine Lösung für uns hätte. Und wirklich, sie konnte uns eine Pension etwas außerhalb von Santander vermitteln und die Pensionswirtin war sogar bereit, uns mit dem Auto abzuholen. Nochmals vielen Dank Jan für Deine Hilfe!!! Denn die Hotelpreise an diesem Wochenende lagen in San Sebastian bei über 200.- €!!!

Und ich habe mir vorgenommen, mit meinen Vorurteilen vorsichtiger umzugehen und erst einmal zu überprüfen, ob der ein oder andere Mensch wirklich in die von mir vermutete Schublade gehört!

Das Pilgern ist hier eine gute Möglichkeit, trifft man doch die unterschiedlichsten Menschen. Jeder begegnet den Mitpilgern so, wie er ist. Es ist nicht wichtig, welche soziale Stellung man zuhause hat, sondern es geht um das Verhalten und die Erlebnisse im hier und jetzt. Es ist die Erfahrung des Gemeinsamen in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Pilger. Es finden alle möglichen Arten von Interaktion statt, was wiederum zur eigenen Selbsterfahrung führen kann.

Es gibt schöne Sprüche dazu:

Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben!       Thomas Morus

Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit.       Mark Twain

Wie funktionieren eigentlich Vorurteile?

Von klein auf lernen wir Menschen in Schubladen zu stecken. Diese Einteilungen helfen uns, die Welt zu ordnen und den Überblick zu behalten. Aber die Kategorisierung hat noch einen anderen Zweck. Sie teilt die Menschen in „wir“ und „die“ ein. Die Mitglieder der Eigengruppe werden geschätzt, die der Fremdgruppe meist distanziert betrachtet. Dann werden diese Schubladen, in die man die Menschen gesteckt hat, etikettiert, d.h. sie werden mit einer positiven oder negativen Bewertung belegt. So wird aus einem zunächst (meist) nur falschem Stereotyp ein Vorurteil. Vorurteile sind somit verallgemeinernde, voreilige, fehlerhafte, pauschalierende Urteile über Menschen.

Durch eine kritische Wahrnehmung und eine offene Einstellung lassen sich Vorurteile auch wieder abbauen. Aber leider haben Vorurteile die Tendenz sich zu verfestigen. Durch eine Zustimmung meiner Bewertung in meiner Eigengruppe kommt es zu einer ersten Verfestigung. Zudem stärkt das gemeinsame Vorurteil das interne Gemeinschaftsgefühl und die bewusste Abgrenzung nach außen. Man fühlt sich anderen gegenüber überlegen. Also warum sollte man an seiner Bewertung zweifeln! Zudem bemerkt man die negativen Zuschreibungen deutlicher und man schenkt ihnen mehr Aufmerksamkeit als jenen Vorkommnissen, die z.T. sogar häufiger und eigentlich positiv zu bewerten wären. Man stuft diese einfach als Ausnahmen ein und kann so sein Vorurteil behalten. Auf Grund dieser Prozesse besteht natürlich keine Notwendigkeit, das Vorurteil in Frage zu stellen. Somit kann es sich weiter verfestigen und es dann sehr schwer, solche Vorurteile aufzubrechen.

Was kann man tun?

  • in uns gehen und versuchen, unsere Vorurteile zu erkennen
  • Kontakte zu Menschen anderer sozialer Gruppen herstellen in positiven druckfreien Situationen
  • auf die eigene Ausdrucksweise achten. gerade auch wenn Kinder dabei sind
  • aber auch eine übertriebene Toleranz zu vermeiden, da der Fokus auf Andersartigkeit und nicht auf Gemeinsamkeit gerichtet ist
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Be happy

Be happy !

Geschichten auf dem Camino del Norte

Jakobsweg Hintergrundwissen Smiley

Er gibt diese Begegnungen auf dem Jakobsweg, die manchmal nur ganz kurz sein mögen, die aber einen tiefen Eindruck hinterlassen und die einem soviel geben, von dem man auch später noch zehrt. So geht es uns mit der Begegnung mit einem  spanischen Pilger.

Wir waren jenem großen kräftigen Spanier schon mehrmals in den Herbergen auf unserer Wanderung begegnet. Wir hatten uns stets mit einem freundlichen Lächeln begrüßt aber sonst kein Wort miteinander gewechselt. Unser Spanisch war für eine Konversation zu schlecht und wir hörten ihn auch nur mit Spaniern reden. Am letzten Tag seiner Reise trafen wir ihn in Santander. Wir gingen gemeinsam aus der Herberge und so kamen wir – auf Englisch – ins Gespräch. Er sagte, dass er nun nach Hause fahre und zeigte uns noch ein Café in Bahnhofsnähe, dass sehr guten Kaffee habe. Dann trennten sich unsere Wege. Da dieses Café aber gerade an diesem Tag zu hatte, suchten wir weiter und fanden schließlich ein kleines Café. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch und dann entdeckten wir „unseren“ Spanier an der Bar, dem wir freundlich zuwinkten. Kurze Zeit später kam er an unseren Tisch, sagte sein Zug ginge gleich und dann fielen jene Worte, die uns noch heute mit Freude erfüllen. „I wish you bien camino, a good life and be happy!“ Da stand dieser fast 2 m große kräftige Mann vor uns und sagte so zarte berührende Worte! Schade, dass wir nicht schon früher miteinander gesprochen haben, es wären sicher interesssante Gespräche geworden. Aber schön, dass diese kurze Begegnung stattgefunden hat!

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Kulinarisches Baskenland

Kulinarisches Baskenland

Sterneköche, Pintxos und Txokos

Sterneköche

Im Baskenland gibt es nach Kyoto die meisten Michelin Sterne-Köche pro Einwohner weltweit gibt. Schon allein in und um die kulinarische Hochburg San Sebastian glänzen stolze 16 Sterne. Kultstatus haben vor allem die altbewährten Dreisternerestaurants Arzak, Akelarre und Martin Berasategui.

Den ersten Meilenstein für eine neue „cocina vasca“ legten bereits die Pioniere Juan Mari Arzak und Pedro Subijana, als sie in den 70er Jahren aus Frankreich zurückkehrten. Sie hatten mit dem renommierten Chef Paul Bocuse gekocht und brachten eine radikal neue Vision der „nouvelle cuisine“ mit, die revolutionär war. Der „Patriarch“ unter den baskischen Chefs war jedoch Luis Irizar mit seiner neuartigen Schule für Hotel- und Gaststättengewerbe Euromar. Die jungen ambitionierten Köche konnten sich dort kreativ entwickeln und mit dem Einfluss des katalanischen Kollegen Ferrán Adrià hat sich nach und nach eine neue Philosophie der modernen Küche etabliert.

In Bilbao sind die berühmtesten Sterneköche sind neben Azurmendi etwa Mina, Etxanobe, Nerua, Aizian, Andre Mari, Zarate und Etxabarri.

In San Sebastian sind die Sternerestaurants Arzak, Akelarre, Martin Bersategen, Muraritz, Kokotxa, Mirador de Ulia, Basque Culinary Center.

Pintxos

Neben diesen Spitzenrestaurants, die nicht unbedingt für jeden Geldbeutel geeignet sind, gibt es für jedermann jene Kunstwerke in Miniaturform.

Ein wahrer Augenschmaus sind die „Pintxos“, die baskischen Tapas. Sie zeigen fantasievolle Kunstwerke in Miniaturform, die an unzähligen Tabernentheken angepriesen werden. Für die Einheimischen sind das allerdings Appetithäppchen vor der eigentlichen Mahlzeit. Das Sozialleben findet auf der Straße und in den Bars statt, man zieht um die Häuser, von Kneipe zu Kneipe. „Poteo“ nennen es die Basken.

Die Pintxos sind in sämtlichen kleinen Kneipen, Bars und Restaurants allgegenwärtig. Pintxos sind ein wesentlicher Bestandteil der baskischen Esskultur und spiegeln die gesamte Bandbreite der baskischen Kulinarik wider. Der Name stammt vom spanischen Verb „pinchar“, was „aufspießen“ bedeutet. Dieser Vorgang beschreibt das Pintxo schon recht gut: Kleine kulinarische Köstlichkeiten werden mit einem Zahnstocher auf einem Stück gerösteten Brot aufgespießt. Aber auch andere leckere Kleinigkeiten ohne Brot fallen unter den Sammelbegriff.

Generell ist bei der Zubereitung Fantasie gefragt, denn Pintxos leben von der kreativen und teilweise extravaganten Kunst der Kombination verschiedener Zutaten. So verwundert es nicht, dass das Angebot in baskischen Bars riesig ist – auf dem Tresen findet man oft eine große Auswahl traditioneller Pintxos z.B. Sardellen auf Serrano-Schinken und Ziegenkäse, Glasaal auf mit gekochtem Ei, gefüllter Zucchini, Fisch wie Seehecht, Thunfisch, Kabeljau, oder auch Kartoffelomelett, gefüllte Paprika, Kroketten aber es gibt auch außergewöhn-lichere Zubereitungen. Üblicherweise isst man ein oder zwei Pintxos und zieht dann in die nächste Bar weiter. 

Wie bestellt man Pintxos? Üblicherweise gehen Sie in der Bar an die Theke und bitten den Kellner oder Barmann um einen Teller. Darauf stapeln Sie sich eine Auswahl der Pintxos. Je nach Bar zeigen Sie entweder dem Kellner anschließend Ihre Auswahl, der diese dann abrechnet oder es werden Ihnen zum Schluss die Anzahl der übriggebliebenen Zahnstocher berechnet. 

Pintxos Baskische Küche

Txokos

Doch nicht nur die Gastronomie floriert im Baskenland, auch private Kochvereine sind hier seit jeher weit verbreitet und zeugen davon, wie tief die Kulinarik in der Region verwurzelt ist: Viele Basken treffen sich in sogenannten “Txokos”, eigenständigen Gesellschaften zum gemeinsamen Kochen und Genießen. 1870 begann diese Tradition, die lange Zeit ausschließlich baskischen Männern vorbehalten war und deren Mitgliedschaft von Vater zum Sohn weitervererbt wurde. Die Txokos, übersetzt in etwa Winkel oder Refugium, sind traditionelle Männerclubs aus der Nachbarschaft eines Viertels, die sich zum Kochen, Fluchen, natürlich Trinken und Albern sein treffen. Frauen hatten und haben hier i.d.R. keinen Zutritt. Soziologen erklären das Phänomen als einen Ausgleich zum traditionellen baskischen Matriarchat. Denn in den Fischerhütten und den Arbeitersiedlungen hatte die Frau die Schürze und darunter die Hose an.

Baskisches Cafe
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Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die Flysch-Klippen von Zumaia

Flysch

Flysch bezeichnet in der Geologie eine marine sedimentäre Gesteinsschicht, die meistens durch eine Wechselfolge von Tonerden und grobkörnigerem Gestein (typischerweise Sandstein) gekennzeichnet ist. Die Sedimente sind oftmals nachträglich gefaltet. Flyschserien entstehen während gebirgsbildender Prozesse.

Die Flysch-Klippen von Zumaia

Zumaia liegt an der Küste von Guipúzcoa in der spanischen Autonomen Region Baskenland. Berühmt ist es für die sensationelle Geologie, die am Playa de Itzurum in Zumaia am deutlichsten zu sehen ist. Es handelt sich hier um Flysch Formationen von außergewöhnlicher Schönheit und Bedeutung. Häufig vertikal geschichtet ziehen sich die Schichten ungestört dahin über 13 km zwischen Mutriku, Deba und Zumaia. Die Sedimentabfolgen von Kalken, kalkhaltigen Tonen, Mergeln und grobkörnigeren Sandsteinen entstanden von der Kreide bis ins Paläogen, eine Zeitspanne von bis zu 100 Millionen Jahren.

In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und großer Katastrophen. Der Kreide-Paläogen-Übergang ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum größten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem auch zum Aussterben der Dinosaurier führte, wohl auf Grund eines Meteoriteneinschlages auf der Erde.

Die geologische Geschichte der Flyschklippen begann vor etwa 110 Millionen Jahren und ist verbunden mit dem Öffnen und Schließen des Golfs von Biskaya, der Bildung der Pyrenäen und der „jüngeren“ Erosion durch Meer und Regen.

Als sich die Öffnung des Golfs von Biskaya verlangsamte (Bild 2 oben), wurde das Gebiet, das heute ein Geopark ist, zum Boden eines tiefen und ruhigen Meeres, in dem sich Schichten aus Kalkstein, Mergel und Sandstein in horizontalen Schichten ablagerten. Dieses Sediment wurde zum Flysch, der heute zwischen Deba und Zumaia zu sehen ist. Durch die enorme Materialmenge entstand ein über 3000 m dicker Meeresboden. In ihm kann man lesen wie in einem großen Buch, dessen Seiten man einzeln umblättern kann, um mehr als 15 Millionen Jahre Erdgeschichte zu enthüllen. In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und großer Katastrophen. Der Kreide-Paläogen-Übergang ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum größten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem auch zum Aussterben der Dinosaurier führte, wohl auf Grund eines Meteoriteneinschlages auf der Erde.

Die Iberische Halbinsel drehte sich dann weiter gegen den Uhrzeigersinn, bis sie auf Eurasien stieß, wo sie den Golf von Biskaya endgültig abschloss und die Pyrenäen-Gebirgskette bildete (Bild 3 oben). Das marine Sediment faltete sich auf und es kam zu Brüchen und Verwerfungen.

Die Landformen, die man heute sieht, sind das Ergebnis eines Erosionsprozesses durch das Meer und den Regen in den letzten 5 Millionen Jahren (Bild 4 oben). Die Intensität und Art des Prozesses wurden mit den Klimaschwankungen in jüngster Zeit und mit Schwankungen des Meeresspiegels in Verbindung gebracht. In dieser Zeit kam es Entstehung bestimmter regionaler Erscheinungen, darunter die Entwicklung des Flussnetzes und die Schaffung von Flusstälern, die Bildung von Abriebplattformen und Stränden, das Auffüllen von Flussmündungen, die Karstbildung von Höhlen, Zinnen und Hohlräumen (Poljen) und schließlich das Auftreten von Vegetation und menschliche Siedlungen.

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