Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte
Geographisches auf dem Via Podiensis
Das Aubrac ist eine Kulturlandschaft im südwestlichen Zentralmassiv in Frankreich, die als Natura 2000-Region anerkannt ist. Es gehört zu den drei Departements Cantal, Aveyron und Lozère – und damit zu den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Das Dorf Aubrac und sein im 12. Jahrhundert gegründetes Hospiz waren namengebend.
Prägende Landschaft des Aubrac ist eine basaltische Hochfläche auf dem Urgestein aus Granit. Das Bergland bricht in steilen Abhängen ins Tal der Lot. Es ist der südlichste Vulkankomplex des Zentralmassivs. Die Hauptmerkmale dieser Landschaft ist ein beinahe baumloses, leicht gewelltes Hochplateau, die an eine Prärie erinnert und für Frankreich eher untypisch ist. Das Aubrac ist eine der einsamsten, kargsten und gleichwohl schönsten Landstrichen Frankreichs. Das Land wird beinahe ausschließlich zur Rinderzucht verwendet.
Die Rinder werden im Mai auf die Hochalmen getrieben. Die Weiden sind in ihrer Ausdehnung sehr weit und werden mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt. Man findet noch viele alte Sennhäuser, die sogenannten Burons. Diese viereckigen mit Schieferziegeln bedeckten Häuser dienten den Schafzüchtern, die man als Bouroniers bezeichnete, als Behausung. Sie stellten in diesen Hütten Käse aus Kuhmilch her.
Die Hochebene von Aubrac bietet über 2000 Pflanzenarten ein Zuhause einschließlich solchen Kräutern wie Thymian, Salbei, Kamille und Beifuß. Eine dieser Pflanzen, calaman genannt (auch bekannt als Aubrac Tee) wird sehr geschätzt wegen ihres an Minze erinnernden Aromas. Im Frühling und Sommer findet man Blumenteppiche aus wilden Narzissen, gelbem Enzian, Wildrosen, Stiefmütterchen, großblättrige Bergminze, Sonnentau und seltenen Orchideen.
Das Aubrac-Rind
Bereits 1868 wurden die Aubrac Rinder als eine der besten Rinderrassen in Frankreich beschrieben. In der damaligen Zeit war das Aubrac durch die enorm gute Bemuskelung und die Qualität des Fleisches am französischen Hof die berühmteste Rinderrasse. Das Aubrac-Rind ist somit eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse, die aus der Kreuzung von Braunvieh und Maraichine-Rind entstand. Das karge Hochplateau hat die robuste Rasse geprägt, eine Rasse die sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit, enormen Genügsamkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Zudem sind die Aubrac Rinder eine schöne Rinderrasse mit ihren Hörnern und den schwarz umrandeten Augen. Die Aubrac Hirten sagen, die Augen der Aubrac seien schöner als die von Mädchen.
Die Aubrac sind durch ihren ausgeprägten Mutterinstinkt für die Mutterkuhhaltung besonders gut geeignet. Sie sind eher scheu, sehr ruhig und nervenstark. Dem Menschen gegenüber sind sie sehr gutmütig. Der Stier lebt in der Herde, ist aber kein „Streicheltier“, wenn junge Kälber am Feld sind. Auf Grund seiner Größe und Muskelmasse kommt man aber auch gar nicht auf diese Idee! Auf der Weide können die Rinder sehr temperamentvoll sein. Junge Kälber sind ab und zu ziemlich kampfeslustig. Aubrac Rinder lieben die Weide, im Stall drehen sie durch. Egal ob es regnet oder schneit, sie bleiben auf der Weide. Die Aubrac Rinder sind immer in Bewegung zwar ganz langsam aber dafür immer. Ein Rind – nicht der Stier – geht voran, die anderen folgen ruhig ohne Aufregung.
Das Aufwachsen auf der Hochweide mit viel Bewegung, viel Sonne, in sauberer Luft und mit gesundem Wasser bedingen beim Aubrac seine gute Fleischqualität. Diese gute gesundheitsfördernde Fleischqualität ist wohl nur mit so einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsweise zu erzielen.
Auf unserer Wanderung waren die Stacheldrahtzäune immer eine Beruhigung, wenn man an den Herden vorbeiging. Aber zweimal mussten wir doch innerhalb der Weide aufsteigen. Alle Pilger gingen leise hineinander zügigen Schrittes am Rand der Weide entlang, immer ein Auge auf die Herde gerichtet, aber diese lag nur friedlich im Gras und schenkte uns keinerlei Beachtung – Gott sei Dank!