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Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

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Begriff

Die Baskenmütze ist eine traditionell aus Wolle gewalkte Mütze in der Art eines Baretts. Sie hat keinen Schirm und keine Krempe. Ihre Besonderheit ist die flache Form, die nach innen gebogene Kopföffnung und der ca. ein bis zwei Zentimeter lange Zipfel in der Mitte (baskisch txertena, ‚Schwänzchen‘), der beim Filzvorgang entsteht, und auch als Schlinge gearbeitet sein kann. In Frankreich nennt man sie bérets und in Spanien boinas, auf baskisch txapela (was eigentlich Hut heißt). Die Hirten waschen ihre Mütze nicht, sondern es heißt ausschütteln, abklopfen, aufsetzen nach dem Motto “la vie continue”!

Während die ursprüngliche Baskenmütze entweder marineblau oder rot war, ist sie heute in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Man findet es beim Militär, bei Schülern und in den Kollektionen namhafter Designer. Schon früh drückte es aber auch eine Geisteshaltung seiner Träger aus.

Geschichte

Eine Art Baskenmütze wurde schon um das Jahr 1000 herum zuerst von Geistlichen als Schutz gegen Sonnen- und Mückenstiche getragen. Erst waren wie aus der Wolle der Schafe gestrickt. Seit dem Hochmittelalter gab es in Europa Walkmühlen, einfache Mühlen aus Holz, die die Wolle durch Druck zu Filz pressten. So wurde damals auch der Rohstoff für die Mützen hergestellt. 

So entwickelte sich wahrscheinlich um 1570/1580 aus dem in Euroüa verbreiteten Barett die Baskenmütze zur Kopfbedeckung der Bauern und Hirten in den Pyrenäen, insbesondere im Béarn. Von dort gelangte sie ins benachbarte Baskenland, wo vor allem blaue und schwarze Baskenmützen insbesondere von Fischern und Seeleuten getragen wurden. Quellen legen nahe, dass die Baskenmütze auf diese Weise seit dem 16. Jahrhundert im Baskenland weit verbreitet war. Deshalb schwelt im Südwesten seit Jahrhunderten die ewige Streitfrage, ob die wirklich bérets basques waren − oder etwa doch bérets béarnais.

Der Legende nach sprach Napoleon III. eher versehentlich das entscheidende Machtwort: Als er um 1855 nach den Baufortschritten an seinem Sommerpalast in Biarritz sah, staunte er laut über die „baskischen Hauben“ der arbeitenden Männer. Niemand wagte es, den Kaiser zu berichtigen und so war die ‚Baskenmütze‘ geboren.

Künstler und Kämpfer trugen Baskenmütze

Fest steht, dass die Baskenmütze im Frankreich des 19. und vor allem des frühen 20. Jahrhundert viel von Intellektuellen und Künstlern getragen wurde, darunter Rodin, Pablo Picasso, Monet, Cezanne, Ernest Hemingway, Richard Wagner und Heinrich Böll. Bevor dieser Hype unter Künstlern begann, fand man sie bereits auf Selbstporträts der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt. Seit etwa 1927 ist sie immer wieder als modisch-sportliche Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht in Gebrauch. So ließ sich etwa Marlene Dietrich in den 1930er Jahren häufig mit Baskenmütze ablichten,  Greta Gabor trug sie privat,  Lisa Fonssagrives war 1950 auf dem Cover der amerikanischen Vogue mit roter Baskenmütze und Baguette im Arm zu sehen. 1967 trug  Faye Dunaway als Bonnie im Film Bonnie und Clyde Baskenmütze. In der Mode wurde die Baskenmütze unter anderem von Louis Viutton und Sonia Rykiel neu interpretiert. Erst im 20. Jh. wurde die Baskenmütze in den angelsächsischen Ländern zu einem Symbol, das mit dem Image der Franzosen in Verbindung gebracht wird, obwohl sie eigentlich ein typisches Attribut des ganzen Baskenlandes ist.

Im Zweiten Weltkrieg war das Barett dann die Kopfbedeckung des französischen Widerstandes. Die Baskenmütze war eines der Symbole der Résistance. Aber auch die Gegner der Résistance, insbesondere die Miliz, trugen die Baskenmütze, allerdings auf eine andere, steifere Art und Weise. Später wurde die Baskenmütze zum Symbol verschiedener Widerstandsbewegungen und der Volksbefreiung. “Che” Guevara machte sie in den 60iger Jahren zu einem der Symbole der Revolution.

1975 bestellte aber auch die irakische Armee eine Million Baskenmützen. Die Mitglieder der ETA zeigten sich ebenfalls häufig mit Baskenmütze. Zudem bekommen im Baskenland traditionell die Sieger oder Siegerinnen von Wettbewerben eine Baskenmütze aufgesetzt und werden txapeldun genannt. Die Fans von Athletic Bilbao tragen häufig Baskenmützen als Teil ihrer Fankleidung. Man sieht, die Baskenmütze hat im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen.

 

Das „béret basque“ hat damit das geschafft, was weltweit nur wenigen Kleidungsstücken gelingt:

Gleichzeitig ein Symbol für Widerstand und Revolution, Teil einer Uniform, ein modisches Statement und ein nationales Symbol zu sein!

Herstellung

Die Herstellung von Baskenmützen, die in Frankreich einst blühte, wurde von der Krise der Textilindustrie und der Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Baskenmütze zudem heute an Bedeutung verloren hat, gibt es nur noch wenige Fabriken, die die echten Baskenmützen herstellen. In dem kleinen Ort Oloron-Sainte-Marie sitzt die 1830 gegründete Firma Laulhère, der letzte große Baskenmützenproduzent Frankreichs. Laulhère ist übrigens eine Ableitung von ouélhé oder aoulhé, was im Béarnais „Hirte“ bedeutet. Es gibt auch kleine Manufakturen, wie Après La Pluie im Badeort Saint-Jean-de-Luz, die neben Laulhère die Mütze herstellen. Die einzige Fabrik, die im spanischen Baskenland noch existiert, ist die Firma Elosegui, die Boinas in Tolosa produziert.

Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär. Das Militär verzichtet aber auf typische “Schwänzchen”, in Frankreich cabillou genannt. Die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes.

Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt für einige Sekunden.

Und wie trägt man nun die Baskenmütze?

Man kann sie tragen, wie es einem gefällt. Es gibt keine festen Vorgaben. Je nach Anlass, persönlicher  Stimmung, eigener Kopfform oder Modetrend kann man den Sitz der Mütze auf dem Kopf variieren. Viel Spaß beim Probieren!

Übrigens: die Baskenmützen sind der angesagteste Modetrend für 2022 – laut Influencer:innen und der Zeitschrift „Elle“ . Allerdings entsprechen diese Modeaccesscoirs nur noch in der Form ihren Wurzeln. Ansonsten kommen sie jetzt in ausgefallenen Ausführungen u.a. in Webpelz- oder Häkel-Optik und in leuchtenden Farben wie rosa und grün.

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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Via Tolosana

Auch wenn der Weg nach San Juan de la Pena und Santa Cruz de la Seros ein „Umweg“ ist, so sollte man sich doch als Pilger – wenn möglich – für diese Variante entscheiden, um diese Kleinode auf dem Jakobsweg aufzusuchen.

Das mittelalterliche Kloster befindet sich südwestlich der Stadt Jaca in der sogenannten Sierra San Juan de la Peña. Das Berggebiet wurde 1920 zum Landschaftsschutzgebiet ernannt. Hier in einer engen Schlucht unter einem weit herausragenden Bergüberhang liegt versteckt das Kloster. Die Anlage öffnet sich in etwa nach Norden, so dass sie kaum direktes Sonnenlicht erhält. Diese Lage unter einem Felsüberhang ist einzigartig. Das anstehende Gestein ist ein sehr weiches rötlichen Konglomerat, das das Ausschwemmen von Höhlen und die Bildung der Überhänge begünstigte und das somit auch gut bearbeitbar war.

Von Juan Carlos Gil - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21646482

Geschichtliche Entwicklung

 Unter einem großen Felsüberhang liegt versteckt und vor der Witterung geschützt das ehemalige Kloster des hl. Johannes vom Felsen. Westgotische Flüchtlinge verschanzten sich hier nach der Zerstörung ihres Reiches (711) und errichteten eine bescheidene Festung, die aber von den Mauren wieder zerstört wurde. Im 8. Jh. soll sich hier der Eremit Juan de Atares zurückgezogen haben. Wie so häufig schlossen sich solchen Eremiten andere Gläubige an. Und so soll es seit der Mitte des 9. Jh. hier ein Benediktinerkloster gegeben haben. Sancho Garces III. (1030 – 1050) förderte das Kloster und ein großer Teil der heute noch erhaltenen Gebäude wurden in dieser Zeit errichtet. Seit dem 10. Jh. wurden hier auch zunächst die Herrscher Navarras beigesetzt.

Im 11. Jh.  erstarkte die Abtei und wurde u.a. auch durch Schenkungen der Könige von Navarra zu einem mächtigen Kloster. San Juan de la Peña war damals ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Aragonien. Besonders bedeutend war das Skriptorium des Klosters. Hier entstand in dieser Zeit unter anderem eine 194 Blatt umfassende Abschrift der Bibel auf Pergament, das älteste erhaltene Bibelmanuskripts aus Aragon. Am Ende des 11. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte Bedeutung. Nun wurde es auch zur Begräbnisstätte der Könige von Aragon, während seit dem 10. Jh. hier bereits die Herrscher Navarras beigesetzt wurden.

 

https://anthrowiki.at/index.php?curid=206811

Gestaltung

 Die alte Höhlenkirche des Klosters ist zweistöckig. Die beiden Ebenen sind aber nicht miteinander verbunden. Jede der Ebenen bildet einen eigenen Kirchenraum. Die untere mozarabische Kirche wurde um ca. 920 erbaut und ist zweischiffig mit zwei Apsiden. Die mozarabische Architektur bezeichnet den Baustil präromanischer Gebäude, die von Mozarabern errichtet werden. Mozaraber sind Christen, die von der Kultur des Islams geprägt waren. In der Kirche finden sich auch noch Reste romanischer Wandmalereien aus dem 11. Jh. Vor der Unterkirche liegt das Dormitorium, der Schlaftrakt der Mönche, der im 11. Jh. dazukam.

 

Von Jl FilpoC - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75806442

Die über der alten Kirche liegende Oberkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jhs. Es wird angenommen, dass die Zahl der Pilger, die hier am Jakobsweg Halt machten, so groß war, dass man eine weitere Kirche errichtete. Der Ostteil dieser hohen einschiffigen Kirche mit drei Apsiden ist in den gewachsenen Felsen gehauen. Die Decke wird ebenfalls teilweise aus dem gewachsenen Stein gehauen. So ist hier eine Kirche entstanden, in der von der Natur geformter Stein mit von Menschen aufgebauten Teilen zusammenfließt. Licht fällt nur durch ein großes Fenster an der Westseite in die Kirche. Die leichte Bogenkonstruktion, die die Apsiden umläuft und sie miteinander verbindet, lässt einen fast vergessen, dass man sich unterhalb einer überhängenden Felswand befindet.

 

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. Der Kreuzgang, der aus dem 12. Jh.  stammt, liegt ganz wettergeschützt unter dem Felsüberhang, der ihm als Gewölbe dient und besteht nur aus Bogengalerien. Die Kapitelle des Kreuzgangs sind bedeutende Kunstwerke der Romanik. Die ältesten stammen vom Ende des 11. Jh. und zeigen fantastische Tiere sowie geometrische und pflanzliche Motive. Die zweite Gruppe von Kapitellen stammt vom „Meister von San Juan de la Pena“. Sein Name ist uns nicht bekannt. Die Kapitelle wurden Ende des 12. Jhs geschaffen und zeigen verschiedene Szenen aus der Bibel. Sie sind voll ausgestaltet, die Figuren sind sehr kompakt mit zum Teil stark betonten Augen und Mündern. Der Eindruck wurde ehemals durch kräftige farbliche Fassungen noch verstärkt.

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. An den Kreuzgang sind zwei Kapellen angeschlossen, eine im Stil der Spätgotik, die andere im klassizistischen Stil. Die Königsgruft ist ebenfalls eine zweigeschossige Anlage. Zahlreiche Könige von Aragon und von Navarra wurden dort über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten bestattet. Später blieben nur die Grablege der aragonesischen Könige an diesem Ort.

 

Es handelt sich bei dem alten Kloster um einen einzigartigen mystischen Ort, an dem Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenspielen und sich vereinen. „Genie de lieu“ nennen die Franzosen so einen Ort, der etwas ganz eigenes und Besonderes atmet. Mir gefällt dieser Ausdruck! Für Nooteboom ist es einer der Ort, die er noch einmal sehen wollte, bevor er sterbe.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39406213

Die Kapitelle erzählen den Mönchen, die hier im Kreuzgang meditierten, religiöse Geschichten. Romanische Kapitelle und Tympana sowie andere Schnitzereien erzählen Geschichten, aber eigentlich rufen sie Geschichten hervor, die der Betrachter bereits kennen sollte. Der Steinmetze, der das Kapitell schnitzt oft unter Anleitung des ranghöchsten geistlichen Beamten, der die Arbeit in Auftrag gibt, vermittelt wichtige visuelle Elemente einer Geschichte. Die Erzählung ist in einer Szene oder einem Tableau zusammengefasst und erinnert den Betrachter an eine bestimmte Botschaft, die für seinen Glauben wichtig ist.

Hier eine kurze Beschreibung der drei Kapitelle, die auf dem ersten Bild zu sehen sind:

Auferstehung des Lazarus
Hier ist eine Darstellung der Auferweckung des Lazarus durch Christus. An der kreuzförmigen Heiligenscheinfigur in der rechten Ecke erkennen Sie, dass es sich um Christus handelt. In seiner linken Hand trägt er einen Stab mit einem Kreuz darauf und gestikuliert mit seiner rechten Hand segnend. Die beiden Figuren hinter dem Leichnam sind Maria und Martha. Ihre Hände gestikulieren zum Gebet. Der Leichnam des Lazarus ruht auf einem Sarkophag und ist in ein Leichentuch gehüllt.

Einzug in Jerusalem
Dieses Kapitell zeigt den Einzug in Jerusalem (von den Christen als Palmsonntag gefeiert), bei dem Christus auf einem Esel in die Stadt reitet und von seinen Anhängern wie ein zurückkehrender König behandelt wird. In der Mitte des Kapitells legt ein Anhänger seinen Mantel vor dem Weg des Esels nieder. Es ist eine Geste der Demut, des Dienstes, des „Wegesbereitens“, die bei den Mönchen Anklang gefunden haben dürfte.

Das letzte Abendmahl
Beim letzten Abendmahl sehen wir, wie Jesus einen Apostel füttert, während er versucht, den Fisch auf dem Tisch zu fangen. Der heilige Johannes erscheint auf Christus liegend.

Neben weiteren Szenen aus dem neuen Testament, u.a. noch die Fußwaschung eines Leprakranken oder die Verkündigung, gibt es auch Szenen aus dem alten Testament wie der gefallene Adam oder Adam und Eva., die arbeiten. Eine genaue Beschreibung des Klosters und der Kapitelle im Kreuzgang findet man bei diezarnal.com.

 

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3940621
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Sagen und Legenden

 Das ist sicher auch ein Grund, warum im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Legenden um dieses Kloster entstanden sind. Unter anderem versuchen einige Historiker mit eher pseudowissenschaftlichen Erläuterungen zu belegen, dass sich im Kloster San Juan de la Pena im Mittelalter der heilige Gral befunden haben soll. Laut den Klosterurkunden, deren älteste aus dem Jahre 1134 stammt, verehrten die Pilger an diesem Ort die Reliquie des Santo Caliz als den Heiligen Gral, hier in Form eines Kelches, der heute in Valencia aufbewahrt wird. Angeblich gibt es zwischen dem Ort und Kloster San Juan de la Pena und der Gralsburg, an dem sich der Heilige Gral befinden soll, zahlreiche Parallelen. Hierbei wird von einigen Historikern auf die Beschreibung von Wolfram von Eschenbach in seinem Parsifal zurückgegriffen. Allerdings beanspruchen auch andere Orte in England und Frankreich das Recht, der Ort zu sein, an dem sich der Gral befindet. Zudem ist weiterhin umstritten, um was für einen Gegenstand es sich bei dem Gral überhaupt handelt – ist es ein Kelch, ein einfaches Trinkgefäß oder ein Stein?

 

Das neue Kloster

 Wegen der ungünstigen Lage des alten Klosters (Düsteres Licht, Feuchtigkeit, schadhafte Stellen) wurde es nach einem verheerenden zweiten Brand im Jahre 1675 nicht mehr am historischen Ort aufgebaut, sondern etwa 100 m höher, auf der über dem Überhang gelegenen Hochfläche von San Indalecio, die klimatisch günstiger war und auch sehr viel mehr Platz bot. Das neue 1714 fertig gestellte Kloster wurde auf dem Hochplateau über dem alten Kloster in barocken Stil erbaut, reich ausgestattet und mit zahlreichen Nebengebäuden versehen. Es besaß neben den üblichen Einrichtungen für die Mönche einige Schreibzimmer, umfangreichen Gästezimmern, eine Krankenstation, eine Apotheke sowie Kornkammern und Weinkeller. Durch den spanischen Unabhängigkeitskrieg und die Säkularisation der Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts ist heute davon nicht mehr viel übrig. Von 1999 bis 2007 wurde die übrig gebliebenen Gebäude grundlegend saniert: Ein Luxushotel, ein Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon und eines zur Geschichte des Klosters entstanden in den alten Mauern.

 

Besonders schön ist der alte markierte Pilgerweg, der hinter Santa Cruz beginnt und durch den Wald und unter Felsen dorthin führt. Die Wahrscheinlichkeit, hier Bartgeier, Steinadler und Alpenkrähen zu sehen, ist ziemlich groß, die Aussicht auf die Pyrenäenkette wunderschön. Allerdings müssen hierbei ca. 600 hm überwunden werden.

Ebenso anstrengend und lohnend ist auch der Anstieg von Jaca über Arres aus. Auf jeden Fall muss man, wenn man San Juan de la Pena besuchen will, einen zusätzlichen – aber lohnenden – Tag auf diesem Pilgerweg einplanen.

Von FRANCIS RAHER - CS 22082009 #123630 #45624.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44280806
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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

Parador ist die Kurzform für “Parador nacional”. Es handelt sich um von der spanischen Regierung in (Luxus-)Hotels umgebaute Burgen und historische Gebäude sowie einige neue Luxus-Resorts, die alle in atemberaubender Lage oder an historisch bedeutsamen Orten liegen. 2022 betrug die Gesamtzahl der Einrichtungen 97 in Spanien und eine in Portugal mit insgesamt ca. 10.000 Betten. Die einzelnen Hotels liegen in der Regel nur bequeme Tagesetappen (mit dem Auto) voneinander entfernt.

Die Paradors hatten schon immer drei Ziele:

– das nationale historische und künstlerische Erbe, inklusive der wichtigsten Naturgebiete zu erhalten

– ein besonderes Image des spanischen Tourismus im Ausland zu schaffen

– Bewegung in Gebiete mit wenig Tourismus und geringerer Wirtschaftskraft zu bringen.

Um sich nur eine die Dimension der in Spanien existierenden Burgen und Schlösser zu machen, hier nur zwei Zahlen. Früher gab es über 10 000 Schlösser in Spanien. Auch wenn sich die Zahl auf heute 2500 reduziert hat gibt es immer noch endlos viele Möglichkeiten in den mysteriösen, historischen und romantischen Flair, von dem die spanischen Schlösser umgeben sind, einzutauchen. Dagegen macht sich die Zahl der Paradors klein aus, aber sie bieten doch die Chance, ein Gefühl für das Leben in diesen Gemäuern zu bekommen. Natürlich es bleibt wenn ein Gefühl für das Leben der Reichen und Mächtigen in diesem doch so bewegten Mittelalter in Spanien.

spainparador.com/map.htm
Parador de Cardona

Geschichte der Paradors

“Calidad, amabilidad, leyenda – desde 1928” steht auf den schweren Messingtafeln am Eingang zu jedem Parador. Qualität, Herzlichkeit, Legende – seit 1928. Die Idee zu den stilvollen Unterkünften geht auf das Jahr 1926 zurück, als man in Spanien einen “königlichen Kommissar für Tourismus” ernannte, den Marqués de Vega Inclán.

Der Marqués schlug Alfons XIII., dem König von Spanien, vor, in armen, aber landschaftlich durchaus interessanten Gebieten Spaniens Hotels zu errichten. Hiermit sollte sowohl der Bekanntheitsgrad dieser Regionen gefördert als auch die leeren Kassen der Gemeinden gefüllt werden. Im ersten Schritt sollten keine neuen Hotels gebaut sondern historisch und architektonisch bedeutsame Bauwerke zu Hotels umfunktioniert werden. Positiver Nebeneffekt dieser Idee war die Rettung einiger dieser Bauwerke vor dem drohenden Verfall.
Der König fand diesen Vorschlag bemerkenswert und wählte daraufhin das Gelände in der Sierra de Gredos selbst aus, auf dem man 1928 das erste – in Abwandlung der ursprünglichen Idee – neu errichtete staatliche Hotel mit 30 Betten eröffnete. Warum in dieser zwei Stunden von Madrid entfernten rückständigen Gegend? Die Sierra de Gredos war von je her das Jagdgebiet der spanischen Könige. Der Marqués war zunächst enttäuscht, weil hier ein neues Gebäude errichtet wurde. So ließ er zumindest als Eingang ein prächtiges Tor aus einem Herrschaftshaus einbauen.

Parador de Santiago de Compostela 15.Jh.

Nachdem der Parador – was auf kastilisch schlicht und einfach „Unterkunft“ bedeutet -, ein Erfolg wurde, folgten kurz darauf weitere Hotels, diesmal der Idee des Marqués de la Vega Inclán folgend in geschichtlich bedeutenden Gebäuden. So wurden beispielsweise Hotels in Oropesa (1930), Úbeda (1930), Cuidad Rodrigo (1931) und Merida (1933) eröffnet. Damit wurde der Beginn einer neuen Art des Reisens auf der iberischen Halbinsel eingeleitet. Es folgten 26 weitere Paradors. Durch diese Aktivitäten wurden wichtige historische Bauwerke Spaniens gerettet, die zum Teil schon dem Verfall preisgegeben waren.

Der spanische Bürgerkrieg stoppte dann zunächst die Entwicklung. Weil aber der Diktator Franco Interesse an den Paradors zeigte, wurden die Idee unter dem Tourismusminister Manuel Fraga weiterentwickelt. In diese Zeit fällt auch eine gewisse Europäisierung Spaniens, die besonders im einsetzenden Tourismusboom vor allem an der Südküste Spaniens ihren Ausdruck fand. 

Zwischen 1965 und 1976 entstanden 25 neue Paradors und einige andere wurden modernisiert. Bis 2012 stieg die Zahl der Paradors auf 93. Heute gibt es in Spanien insgesamt 97. Sie gehören einer im Staatseigentum befindliche Aktiengesellschaft. Interessanterweise sind immer noch 65% der Gäste Spanier und „nur“ 35% Ausländer. –

Parador de Zamora Historischer Palast 15. Jh.
Parador de Caceres Historischer Palast 14. Jh.
Parador de merida Kloster 18. Jh.

Gestaltung der Paradors

Die meisten der rund 100 Paradors befinden sich in Schlössern, Burgen, Klöstern oder Festungen, alle in atemberaubender Lage am Meer, in Naturschutzgebieten oder in bekannten Städten. Die historisch und architektonisch bedeutsamen Bauwerke erinnern einen auf Grund der Größe und Strenge an die Geschichte der einstigen Weltmacht Spanien. In dieser Hinsicht sind sie auch gerade für die spanischen Gäste von besonderer Bedeutung. Zudem ist jeder Parador anders und hat seinen eigenen Charakter abhängig von seiner Geschichte, seiner Lage, seiner ehemaligen architektonischen Gestaltung und seiner Anpassung an heutige Komfortansprüche.

Stilvolles Mobiliar, wertvolle Kunstgegenstände, Fresken oder Holzkassettendecken sind meist wichtige Details der gehobenen Ausstattung. Alle Paradors garantieren ein hohes Niveau, gleich mit wieviel Sternen sie ausgezeichnet sind.

Gleichzeitig bilden die Paradors ein Gegenstück zu den touristischen Betonburgen entlang der Küsten Spaniens. Sie zeigen die andere historisch und kulturell bedeutende Seite Spaniens.

Parador de Santiago de Compostela
Parador des Hondarribia

Auch wenn wir beim Pilgern das Leben bewusst auf das Wesentliche reduziert, so darf sich ein historisch und kulturell interessierter Pilger schon einmal das Vergnügen leisten, in einem Parador zu übernachten und tiefer in die Geschichte Spaniens einzutauchen. Die Kosten liegen allerdings zwischen ca. 90 – 300 € pro Nacht je nach Ort und Jahreszeit. Besucher über 55 Jahre sollten nach der 35% Ermäßigung fragen, die möglicherweise angeboten wird. Außerdem sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten der Paradors erkundigen, da nicht alle das ganze Jahr über geöffnet sind.

Eine Liste der Paradors und Bilder zu den einzelnen Hotels finden man u.a. hier https://www.abanico-reisen.de/paradores-verzeichnis.html

Parador de Zamora
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Die Kathedrale von Jaca und der Sarkophag der Dona Sancha – erste wichtige Zeugnisse der Romanik in Spanien

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Via Tolosana

Wenn wir auf der Via Tolosana von Frankreich aus die Pyrenäen über den Somport-Pass überqueren, erreichen wir auf der Südseite Jaca, die erste größere Stadt auf der iberischen Halbinsel. Jaca war der Legende zu Folge die einzige Stadt der iberischen Halbinsel, welche die Mauren nie besetzten. Nach der römischen, westgotischen und fränkischen Herrschaft erhob Ramiro I.  Aragon 1035 – nach der Trennung von Navarra – zum selbständigen Königreich. 1054 stieg Jaca zur Hauptstadt des jungen christlichen Königreiches auf und war eine wichtige Pilgerstation am Jakobsweg. Dieser Position verdankt Jaca auch zahlreiche repräsentative Bauten. Zwar verlor Jaca seine Hauptstadtposition relativ bald an Huesca, aber es hatte als grenznaher Stützpunkt lange eine große Bedeutung. 1571 ließ Philipp II. am Rande der Stadt eine bedeutende Zitadelle errichten, die noch heute zu bewundern ist.

Die Kathedrale von Jaca

Die Kathedrale San Pedro (ca. 1040-1080) gilt als erste romanische Kathedrale und eine der wichtigsten romanischen Sakralbauten in Nordspanien. Der Grundriss wurde Vorbild für zahlreiche romanische Kirchen Aragons und beeinflusste noch die Baukunst Altkastiliens im 12. Jh..Welche Wirkung die Kathedrale auf Besucher machen kann, zeigt vielleicht am besten die Aussage von Nooteboom. Für ihn ist es eine der Gebäude, die er als letztes noch einmal sehen wollte, wenn er nicht mehr reisen dürfte!

Es handelt sich um einen dreischiffigen Quaderbau, dessen Querschiff nicht über die Flucht der Seitenschiffe hinausragte, und eine Dreiapsidenanlage im Osten. Der zunächst offene hölzerne Dachstuhl erhielt in der Spätgotik seine Einwölbung. Im 15. bis 18. Jahrhundert erfolgten starke Umbauten und Erweiterungen. Von einer der ersten bedeutenden romanischen Kirchen Spaniens stammen aus der Zeit bis 1130 der Glockenturm, die Außenmauern, die Pfeiler und Säulen der Schiffe und die südliche Chorkapelle sowie das Haupt- und Südportal.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361

Das Tympanon

Das Tympanon des Westportals zeigt ein achtstrahliges, mit Blüten verziertes Christusmonogramm, ein seit der Spätantike auf Kapitellen, Grabstelen und Sarkophagen verbreitetes Symbol für Christus, bestehend aus den griechischen Buchstaben X (Ch), P (R) und S(S). An den waagerechten Enden des Kreuzes befinden sich die Buchstaben Alpha und Omega – Symbole für den Anfang und das Ende. Zwei Löwen flankieren das Christusmonogramm. Wir betrachten diese Darstellungen als wunderbare Kunst der Romanik. Wir sollten uns aber auch vergegenwärtigen, dass die Darstellungen zur damaligen Zeit Lehrstücke waren, um den Menschen die Lehren des Christentums nahe zu bringen und sie zu einem gottesfürchtigen Leben aufzufordern. Daher hier ein paar Ausführungen zu der dargestellten Symbolik. 

In der Romanik ist die Bedeutung des Löwen stets ambivalent sowohl als Symbol des Guten als auch als Zeichen der negativen Gewalt. Der linke stellt sich schützend über einen Menschen, der eine Schlange hält. Die Inschrift lautet: „Der Löwe weiß den Flehenden zu verschonen, wie Christus den Bittenden“ – der Mensch als Sünder überwindet mit Hilfe Christi seine Laster. Rechts hält der Löwe einen Bären und einen Basilisken, ein Fabelwesen, halb Drache, halb Hahn. Die Inschrift besagt: „Der starke Löwe zertritt das Reich des Todes“ – Christus überwindet hier das Böse in Form eines Bären und Basilisken. Die kreisförmige Inschrift verweist auf die Dreieinigkeit und jene am unteren Rand lautet: „Wenn Du leben willst, der du den Gesetzen des Todes unterliegst, komme hierher und flehe, verweigere die vergiftete Nahrung der Welt, reinige dein Herz von den Lastern, damit du nicht eines zweiten Todes stirbst.“ Wären diese Schriften nicht mit eingraviert, würden wir uns heute wohl schwertun, die Bildplastik richtig zu verstehen. Im Mittelalter gab es aber typische Bilder, die zum Teil eine wörtliche Übertragung von Versen aus bestimmten Psalmen sind. Hier ist es der 13. Vers aus dem 91. Psalm in dem es heißt: über Löwen und Otter wirst du gehen, junge Löwen und Drachen niedertreten – eine in der Romanik so wie in der Gotik oft zitierte Sequenz. Das im Portal von Jaca statt eines jungen Löwen ein Bär dargestellt ist, ist damit zu erklären, dass sich die Menschen in den Pyrenäen zur damaligen Zeit sehr vor den dort lebenden Bären fürchteten

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36944320

Die Steinmetzarbeiten des Meisters von Jaca

Einige Kapitelle des Südportals werden dem Meister von Jaca zugeschrieben. Die Steinmetze signierten ihre Werke im Mittelalter selten, weshalb man sie nach dem Ort ihres Hauptwerks benennt. Der Meister von Jaca arbeitete am Bau der Kathedrale und an der Bauplastik bis 1096. Diese ist besonders zu beachten, da die sichere Erfassung der menschlichen Anatomie und die Gestaltung der Gewänder ein für das 11. Jh. bemerkenswert hohes Niveau erreichen. Bemerkenswert sind der starke Realismus und die genaue Wiedergabe der Details und Gestaltungsmerkmale. Er orientierte sich hier wohl an der körperlichen und gestenreichen spätantiken Sarkophagplastik, typisch hierfür ist auch die Darstellung der „Opferung des Isaak“ im Inneren der Kathedrale. Die Opferung des nackten Isaak gilt als erste nachantike Aktdarstellung – und das im 11. Jh. in Spanien! Auch bemerkenswert  ist die Darstellung des musizierenden David (Original im Dommuseum): Der König spielt auf einer Handgeige, umgeben von Tempelmusikern.

Von Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg: Ecelanderivative work: Escarlati (talk) - Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7561355

Der Sarkophag der Dona Sancha

Von besonderer Bedeutung ist auch der Sarkophag der Dona Sancha aus dem 12. Jh., ein Werk der hohen Romanik, der sich in der Klosterkapelle San Salvador y San Ginésy des Benediktinerinnenklosters befindet. Hier wurden drei Töchter Ramiros I., die in das Kloster von Santa Cruz de la Seros eingetreten waren, beigesetzt. Dona Sancha war die Gründerin eines Klosters im nahen Santa Cruz de la Seros. Er lässt sich auf das Jahr 1097 datieren.

Der Sarkophag der Dona Sancha zählt zu den bedeutendsten nicht architekturgebundenen romanischen Skulpturen Spaniens. Er ist an allen vier Seiten mit Reliefs verziert u.a. mit Christus als Weltenrichter, der Sterbeszene der im Kindsbett verstorbenen Königin, bei der die Engel die Seele der Königin nach byzantinischem Vorbild als Kind in Empfang nehmen, trauernd von zwei Begleitern gestützt steht der König daneben. Außerdem findet man die Anbetung der Heiligen Drei Könige und den Kindermord in Bethlehem ebenso wie das Gleichnis der fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen, das im Mittelalter immer wieder als mahnendes Beispiel betont wird.

Das Gleichnis der 10 Jungfrauen war im Mittelalter eines der populärsten Gleichnisse (Matthäus 25,1-13). Nach der Deutung der glossa ordinaria (mittelalterliche Standarderklärungen zu Bibeltexten) symbolisieren die klugen Jungfrauen, die sich rechtzeitig mit Öl für ihre Öllampen versorgt haben, die christlichen Seelen, die sich in fünffacher Weise tugendhaft Gott zuwenden, die törichten Jungfrauen, die zwar Öllampen haben, aber kein Öl, symbolisieren fünf Arten der fleischlichen Lust und Verdammnis.

https://www.jaca.com/sarcofagodonasancha.php

Quellen

Thorsten Droste, Joseph S. Martin, Der Jakobsweg, München 2004

Dietrich, Höllhuber, Werner Schäftke, Der spanische Jakobsweg, Landschaft, Geschichte und Kunst, Köln 2008

Cees Nooteboom, Umweg nach Santiago, 5. Aufl. 2020

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El Cid – eine Legende, die weiterlebt

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Viele Länder haben einen Nationalhelden, z. B. Frankreich Jeanne d´Arc, Indien Mahatma Ghandi, Südafrika Nelson Mandela, die Schweiz vielleicht Wilhelm Tell und Spanien eben El Cid. Er gilt u.a. als Symbol für die Einheit Spaniens, für den Sieg der Christenheit über den Islam auf der Iberischen Halbinsel, für selbstlose kriegerische Tapferkeit. War er das wirklich oder ist El Cid nur ein Mythos?

Wer ist dieser “El Cid”,  mit eigentlichem Namen Rodrigo de Vivar?

Herkunft und Aufstieg

Er wird um 1043 geboren, in dem Ort Vivar in der Nähe von Burgos in Kastilien. Das genaue Datum seiner Geburt ist nicht bekannt. Dank seines Vaters, der von niedrigem Adel ist, genießt er eine gute Erziehung, neben Jagen, Reiten und Waffengebrauch gehört auch Schreiben und Lesen dazu. Seine Karriere beginnt er 1058 als Page am Hof von König Ferdinand I. von Kastilien und hier wird er auch in den Ritterstand erhoben.

Nach dem Tod von Ferdinand 1065 wird das Reich unter seine drei Söhne aufgeteilt. Der Freund und Förderer Rodrigos Sanchos II. besteigt den Thron Kastiliens, Alfons wird König von Leon und Garcia erhält das unbedeutendere Galicien. Allerdings kommt es schon bald zu einem mörderischen Krieg zwischen den Brüdern mit dem Ergebnis, dass Sanchos die Teilbereiche 1071 wieder unter seine Herrschaft vereinigt. Rodrigo hat als militärischer Berater des Königs und als Ausbilder der Milizen großen Anteil am Sieg Sanchos.

Dieser stirbt allerdings relativ bald durch einen Verräter und sein Bruder Alphons VI. übernimmt die Herrschaft in Kastilien. Rodrigo bleibt zunächst am Königshof, obwohl er nicht mehr der Bannenträger des Königs ist, da dieser ihm misstraut. Er heiratet mit Billigung des Königs im Jahr 1075 die asturische Adelige Jimena, was für ihn gleichzeitig mit einem gesellschaftlichen Aufstieg verbunden ist.

Entgegen der späteren Geschichtsschreibung gibt es zu dieser Zeit noch keine gezielte Reconquista. Vielmehr bekämpfen sich die christlichen Reiche untereinander ebenso wie die muslimischen Taifas. Sie gehen auch zur Durchsetzung ihrer Ziele gegenseitige christlich-muslimische Bündnisse ein. Das erklärt auch die folgenden Ereignisse.

By photographer: ElCaminodeSantiago09 2006 - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Monumento_al_Cid_%28Burgos%29_01.jpg, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27939493

Verbannung

Im Jahr 1081 kommt es zu einer entscheidenden Wende im Leben Rodrigos. Er wird von Alfons VI. aus dem Königreich Kastilien verbannt, da er einige eigenmächtige Entscheidungen getroffen hat, u.a. da er eigenmächtig das maurische Königreich von Toledo angegriffen hat, das ein Vasall des kastilischen Königs ist, und da er zudem den Schwager des Königs, Graf Ordonez, düpiert hat, der sich mit Verleumdungen gegen Rodrigos rächt.

Allerdings findet Rodrigo schnell wieder einen Dienstherrn, den Muslim al Mu´tamin, den Herrscher des Staates Zaragoza. Er hat bereits früher Kontakt zu diesen gehabt. Der Herrscher von Zaragossa ist 1063 ein Verbündeter Kastiliens bei einem Feldzug gewesen.

Die in der spanischen Geschichtsschreibung häufig zu findende Trennung in brave Christen und gefährliche Muslime traf im Mittelalter keineswegs zu. Die Allianzen zwischen den Herrschaften wurden in der Regel nach realpolitischen Kriterien vorgenommen und nicht aufgrund der Religionszugehörigkeit. Erst später mit dem Eintritt der puritanischen und fanatischen Almoraviden und dem Vormarsch der Reconquista änderte sich dies.

Rodrigo kämpft nun fünf Jahre lang für das muslimische Zaragossa mit einer eigenen Söldnertruppe sowohl gegen Mauren als auch Christen, aber nie gegen seinen früheren Herren. Bei diesen Feldzügen ist er nicht nur siegreich, sondern er wird durch Plünderungen auch reich. Seine Erfolge bringen ihm den Respekt der Mauren ein, so dass diese ihn Al Cid („der Herr“) nennen.

Alfons VI. ist in dieser Zeit bei seinen Feldzügen ebenfalls sehr erfolgreich und kann 1085 Toledo einnehmen. Die Taifa-Fürstentümer rufen nun die Almoraviden in Nordafrika zur Hilfe. Dadurch änderten sich die Machtstrukturen in Hispania. Die Almoraviden, eine fanatisch-religiöse Berberdynastie aus dem Norden Afrikas, die nach Spanien vordringen, schlagen das Heer von Alfons in der Schlacht von Sagrajas vernichtend. Gerade 100 christliche Ritter und der verwundete König können sich retten. So kommt es zur Annäherung zwischen Rodrigo und dem König, der dringend einen erfolgreichen Feldherrn benötigt. Er hebt die Verbannung Rodrigos auf und gesteht ihm das Privileg zu, alle Gebiete, die er von den Mauen einnimmt, als erbliches Lehen zu behalten. Aber das Bündnis zwischen Alfons und Rodrigo hält nicht lange.

By Té y kriptonita - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4774388

Eroberung Valencias

In der Folge beginnt Rodrigo seine Strategie, das muslimische Königreich Valencia unter seine Herrschaft zu bringen. Nach Siegen gegen den christlichen Grafen von Barcelona und die muslimischen Almoraviden erobert er nach dreijähriger Belagerung 1094 Valencia.  Offiziell verwaltet nun El Cid Valencia als oberster Richter und Herr (Señor) für König Alfonso VI, aber faktisch hat der König dort nichts zu sagen.

Zunächst ist El Cid gleich streng und gerecht zu den muslimischen und den christlichen Einwohnern Valencias. Er regiert die Stadt mit Hilfe jüdischer Beamten aus Valencia. Aber im Laufe der Zeit wird sein Regiment doch rigider. Gegner des Regimes werden der Stadt verwiesen und müssen sich außerhalb der Mauern in der Vorstadt Alcúdia ansiedeln, während wohlhabende Parteigänger des Cid ihre Besitzungen und innerstädtischen Häuser behalten dürfen. Zeitgleich wird der Status des Cid zum „Prinzen“ aufgewertet, weil seine Töchter in einflussreiche Familien einheiraten. 

In der Zeit seiner Herrschaft in Valencia gelingt es Rodrigo mehrmals die bislang unbesiegten Almoraviden zu besiegen und so sein Reich, das ja von feindlichen Territorien umgeben ist,  zu sichern. In den Augen von immer mehr spanischen Christen wird der Ritter, der gegen alle Wahrscheinlichkeiten eine Stadt tief im Feindesgebiet hält, zu einem Streiter Gottes, der im Namen des Kreuzes gegen den Islam zu Felde zieht.

Im Jahr 1099 stirbt er wohl nach einer Pfeilverletzung. Auch um seinen Tod rangt sich eine Legende. Angeblich nimmt er seinen Gefolgsleuten auf dem Sterbebett das Versprechen ab, den Feind erneut anzugreifen. Seinem Wunsch entsprechend bindet man den sorgfältig geschminkten Leichnam vor der Schlacht in voller Rüstung aufs Pferd. Sein Hengst Babieca trägt den Toten mit dem Schwert in der Hand ins Getümmel voran. Auf diese Weise motiviert, errangen seine Leute einen glänzenden Sieg über die von der Erscheinung des Totgeglaubten erschreckten Berber. Die ganzen Mühen und Bestrebungen des Cid um Valencia sind allerdings auf Dauer vergeblich. Seine Witwe konnte die Stadt noch drei Jahre gegen die Übermacht der Almoraviden halten. Als sie aufgeben muss, greift Alfons in die Auseinandersetzungen ein. Gegen die Übermacht der Mauren lässt der Monarch die Stadt in Flammen aufgehen, um sie nicht den Feinden zu überlassen, ehe er mit Jimena, dem Leichnam El Cids und seinem Gefolge den Rückweg nach Kastilien antritt. El Cid und seine Gemahlin werden in der Kathedrale von Burgos beigesetzt. Schon zur damaligen Zeit verbreitet sich von den Schreibstuben der iberischen Klöster ausgehend der Mythos von “El Cid” – dem loyalen Untertanen und Helden der Christenheit.

Chronik aus dem 16. Jh. Public Domain, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=23298444

Der Mythos El Cid

Für die einen ist er ein skrupelloser Opportunist, dem es vor allem um Ruhm und Reichtum geht. Für die anderen ist er das ritterliche Idol des Mittelalters, ein selbstloser Streiter für die christliche Sache, der Kämpfer für die Reconquista — also ein Held des christlichen Spaniens. Diese letzte Vorstellung ist wohl die, die sich durch die Literatur zu El Cid verfestigt hat. Es ist interessant und  auch irgendwie überraschend, dass man von diesem „spanischen Helden“ erzählt, aber trotzdem den Namen, den die Araber ihm gegeben haben, „El Cid“ ( Der Herr) beibehält und weniger den spanische Ehrentitel „El Campeador“ (Meister des Schlachtfeldes). Er war auf jeden Fall der Meister wechselnder Allianzen und somit ein Symbol für diese verwirrenden Jahrhunderte Spaniens, in denen sich die Grenzen und die Tributpflicht der Emirate und der christlichen Fürsten vielfach veränderten.

Im 12. Jahrhundert kommt das epische Gedicht „El Cantar de mio Cid“ auf, in dem der Cid erstmals namentlich erwähnt und zum Helden des Kreuzzugs gegen die Moslems stilisiert wird. Die mündliche Überlieferung soll im Jahr 1140 entstanden sein, die ein Pere Abat dann 1207 zu Papier gebracht hat, welches aber verschollen ist. Eine Abschrift namens Poema del Cid datiert aus dem Jahr 1235 oder 1309. Sie gehört zu den ältesten und wichtigsten literarischen Werken Spaniens und wird in der Spanischen Nationalbibliothek in Madrid aufbewahrt.

In dem Werk wird der Cid als die Idealfigur spanischen Rittertums verherrlicht und (unhistorisch) als Verfechter oder Vorreiter der Kreuzzugsidee dargestellt. Deshalb wird großzügig darüber hinweggesehen, dass der Cid lange Zeit im Dienste maurischen  Fürsten stand, denn er soll als Verteidiger der Christenheit und als Sieger über die Mauren erscheinen. Das Heldenepos ist eines der großen Werke der spanischen mittelalterlichen Literatur und macht mengenmäßig mehr als die Hälfte der überlieferten spanischen Heldenepik aus. Ab dem späteren Mittelalter wird der literarische Stoff des Cantar zum Sujet  einer Vielzahl von nachgedichteten Ritterromanen, Chronistenberichten und Erzählungen.

Der Stoff und die Figur des Cid beschäftigte Autoren und Komponisten (Il gran Cid von Niccolo Piccini 1766, Die Infantin von Zamora von Johann AndréIl gran Cid von Giovanni Paisiello 1775, Der Cid von Théodore Gouvy 1862, Le Cid von Jules Massenet 1885 und Rodrigue et Chimène von Claude Debussy 1893) bis in die jüngste Zeit hinein. So veröffentlichte auch Herder 1805 eine Ballade über den spanischen Ritter , die besonders in der Romantik großen Anklang fand. In Spanien erschien 1929 das viel beachtete historische Standardwerk La España del Cid (deutsch Das Spanien des Cid, München 1936–1937) des Philologen und Historikers Ramón Menéndez Pidal (1869–1968). Trotz seines wissenschaftlichen Ansatzes trug er mit seinem teilweise verklärten Blick stark zur Überhöhung der Figur zum “Nationalhelden” und zum Weiterleben der Vorstellung von El Cid als einem ritterlichen Helden „ohne Furcht und Tadel“ bei.

Das Leben Rodrigos wurde bislang zwei Mal verfilmt. 1910 drehte Mario Caserini seinen “Il Cid”. Weitaus bekannter ist der von Anthony Mann im Jahre 1961 gedrehte Historienfilm El Cid mit Charlton Heston und Sophia Loren in den Hauptrollen. Im April 2005 kam der spanische Zeichentrickfilm El Cid – Die Legende (2003, Originaltitel: El Cid: La Leyenda) in die deutschen Kinos. Für Prime Video entstand 2020 die fünfteilige Serie El Cid als Geschichtsdrama. 2021 kam die Fortsetzung in einer 2. Staffel, ebenfalls bestehend aus 5 Folgen.

Die Vorstellung: „El Cid kämpfte nie für persönlichen Reichtum oder Ruhm, er kämpfte um die Vergebung seines Königs und für seine Ehre“ wird in all diesen Darstellungen reproduziert.  Dass dies offensichtlich wenig mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat, interessiert dabei kaum. So wird der Mythos „El Cid“ bis in die heutige Zeit weiter verfestig

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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens

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Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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Die Romanik in Nordwestspanien

Die Romanik in Nordwestspanien

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  1. Historische Gegebenheiten

 Die Entstehung und Ausprägung der romanischen Architektur ist in Spanien anders verlaufen als in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern, weil die historischen Voraussetzungen anders waren. Denn seit 711 herrschten die Araber über fast die gesamte iberische Halbinsel. Allein das asturische Königreich, das später im Königreich Kastilien und Leon aufging, war nicht besetzt. Es war das Zeitalter der Romanik, in dem die Reconquista – die Rückeroberung unter christlichen Vorzeichen – ihre ersten Erfolge verbuchte. Neben Asturien waren es die fränkische Mark Katalonien und die Königreiche Navarra und Aragon, die die Reconquista vorantrieben und die Rückeroberung Spaniens von den Arabern im Laufe der Zeit zu einem Anliegen der gesamten Christenheit machten. Die Reconquista erreichte Mitte des 11. Jhs. die Linie Ebro-Duero, zu Beginn des 12. Jhs. den Tajo und Anfang des 13. Jhs. den Guadiana (vgl hierzu auch die Texte über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista).

In der Folge dieser politischen Veränderungen kam es auch zunehmend zu kulturellen Entwicklungen. So wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela sehr stark forciert und in diesem Zusammenhang entstanden auf den Pilgerwegen dorthin zahlreiche Kirchen und Klöster. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand weitete sich der Kirchenbau dann auch nach Süden aus. Der Widerstreit zwischen den arabischen Herrschern im Süden und den christlichen Herrschern im Norden hatte eine kulturelle Zweiteilung der iberischen Halbinsel zur Folge. So ist die romanische Baukunst eigentlich nur im nördlichen Bereich zu finden, während im Süden teilweise noch bis ins 15. Jh. die arabische geprägte Architektur gepflegte wurde. Deshalb findet man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bauwerk_der_Romanik_in_Spanien  auch nur eine Aufstellung von Bauwerken der Romanik in den Regionen Aragon, Navarra, Kastilien-Leon, Galicien und Katalonien.

Marcel Durliat Romanisches Spanien
Kastilien/Leon Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25411646 Zamora
  1. Der vorwiegend französische Einfluss auf die romanische Baukunst in Nordwestspanien

 Die romanische Baukunst in Nordwestspanien weist anfänglich noch eine gewisse Eigenständigkeit auf. So ist der Übergang von der asturisch/mozarabischen Kunst zur Romanik fließend. Aber mit der zunehmenden Intensität der Pilgertätigkeit verstärkt sich zunehmend der Einfluss einer europäischen, besonders französisch geprägten Architektur. Für diese starke Anpassung an die französische Baukunst gibt es mehrere Gründe.

  1. Die Pilgerwege, entlang derer sich im Laufe der Zeit ein richtiges Baufieber entwickelte, bedingten eine stärkere kulturelle Offenheit. Zunächst entstanden nur wenige Hospize entlang der Wege. Dann bildeten sich größere Siedlungen heraus und Klostergemeinschaften kümmerten sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Die in diesem Zusammenhang neu errichteten Kirchenbauten orientierten sich an ausländischen Vorbildern. Hier ist auch der Einfluss des Benediktinerklosters in Cluny wichtig, wurden von dort aus doch zahlreiche Konvente in Spanien errichtet.
  2. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung des Zisterzienserordens. Denn die Gläubigen trauten den Zisterziensern im Laufe des 11. Jh. stärker als anderen zu, effizient für das Seelenheil der Verstorbenen zu sorgen. Deshalb förderten und unterstützten die verschiedenen Machthaber die Ansiedlung der Zisterziensermönche. Da der Orden aber in seiner ganzen Struktur sehr straff organisiert war, gab es intensive Wechselbeziehungen zu zahlreichen Klöstern in Europa und vor allem zur französischen Zentrale. Die Abtei Citeaux war das Mutterkloster aller Zisterzienserabteien.
  3. Die stark an der französischen Kultur orientierten Ritterorden, die ja auch im Rahmen der Pilgerbewegung und der Reconquista aktiv waren, förderten ebenfalls diese Entwicklung.
  4. Eine aktive Bevölkerungspolitik der Lokalherren mit der Vergabe von Privilegien an Fremde führte zu einer deutlichen Ansiedlung von neuen Bürgern in den Städten. So entstanden zahlreiche Frankenviertel, d.h. Viertel, in denen vorwiegend aus Frankreich kommende freie Bürger lebten.
  5. Auch ästhetische Gründe spielten eine Rolle. So wurde Ende des 12. Jhs. die französische Baukunst als vorbildlich empfunden, so dass sich Bauherren, die eine anspruchsvolle Kirche errichten wollten, an französischen Vorbildern orientierten.

Aber es wäre zu einseitig, den Einfluss nur in eine Richtung zu sehen. So ist die Romanik auf der Iberischen Halbinsel ohne den Einfluss der französischen Baukunst nicht denkbar, aber die spanische Romanik ist nicht nur ein Ableger der französischen sondern sie hat auch eigene Leistungen hervorgebracht und somit haben auch umgekehrt Anregungen aus Spanien Eingang in die französische Baukunst gefunden. Das intensive künstlerische Schaffen entlang der Pilgerwege war stets auch mit wechselseitigen Beeinflussungen verbunden.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361 Jaca Aragon
  1. Gestaltung der romanischen Baukunst in Spanien

 Geografische Einflüsse

Auf Grund der politischen Situation findet man vorwiegend im Norden und Westen Spaniens eine größere Zahl von romanischen Kirchen (s.oben). Dabei kann man die Romanik regional in zwei Bereiche aufteilen.

Der Osten mit der Landschaft Katalonien steht in 11. Jh. in starkem Austausch mit Oberitalien, konkret der Lombardei. Charakteristische Elemente der lombardisch ostromanischen Baukunst sind:

Wände aus einem nur grob zugehauenen Bruchstein geschichtet, aus dem Tür- und Fensteröffnungen wie ausgeschnitten erscheinen. Einziges Gliederungselement sind flach an die Wand aufgelegte Lisenen.

In den westlich von Katalonien gelegenen Landesteilen hat sich die westromanische Baukunst herausgebildet, die sich stärker an der französischen Kultur orientierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela und die damit verbunden Einflüsse. Charakteristische Elemente der westromanischen Baukunst seit dem 11. Jh. sind:

Glatt bearbeitete und sauber gefugte Quader und plastisch geformte Gliederungsteile wie man sie auch jenseits der Pyrenäen findet.

Allein in Aragon treffen der ost- und westromanische Baustil zusammen. Allerdings findet keine Vermischung statt, sondern es entstehen stilreine Bauten beider Richtungen. Zu nennen ist hier in Santa Cruz de la Seros die Kirche San Caprasio im lombardischen Stil und die Klosterkirche San Maria im westromanischen Stil.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der westromanischen Kirchen ist in vielen Orthaften häufig eher schlicht und angebunden an die lokalen Traditionen.

Viele der eher regionalen Hallenkirchen zeigen typische Merkmale:

  • mit halbrunden Apsiden und Querschiff,
  • längsmassive, wuchtige und geduckte Bauform, die außen wenig gegliedert ist,
  • kleine Fenster, dicke Mauern, Tonnengewölbe mit und ohne Gurtbögen,
  • Fenster und Eingänge mit Rundbögen überwölbt, Fenster häufig durch Zwischensäulen in mehrere Fensterbögen unterteilt,
  • oft wenig belichtete, höhlenartige Innenräume, runde, quadratische oder gegliederte Pfeiler,
  • Ornamentik dezent eingesetzt
  • häufig runde, quadratische oder rechteckige Türme, die an verschiedenen Teilen der Kirche – meist an den Seiten oder über dem Querschiff angebracht sind. Diese Platzierung war darauf zurückzuführen, dass die Bauherren die Türme, da sie aus Ziegeln gebaut waren (ein Material, das weniger beständig ist als Stein), im stärksten, widerstandsfähigeren Abschnitt (normalerweise an den Apsiden) aufstellen mussten. 

In die folgende Zeit bis Mitte des 13. Jhs. (Spätromanik) fällt der Bau vieler Klöster und Kirchen der Zisterzienser. Auf Grund des Glaubensverständnisses der Zisterzienser waren Einfachheit und Funktionalität Kriterien, die die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso kennzeichnen wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.  Die Verbote, die den Luxus betrafen, sahen außerdem für die Klosterkirche einen Bau ohne Krypta und Turm mit flachabschließendem Chor (keine Apsis) vor. Teilweise wurde im Inneren auf Ornamentik und Bauschmuck verzichtet.

Übergang zur Gotik als Baustil

In Spanien ist kein schrittweiser Übergang von der Romanik in die Gotik zu verzeichnen, sondern der neue Stil entstand „fast schlagartig“ in den 20iger Jahren des 12. Jhs. mit den Kathedralen von Toledo und Burgos. Diese sind im Prinzip Kopien von gotischen Kirchen in Frankreich. Die schnelle und vor allem einheitliche Entwicklung der Gotik im Land lässt sich dadurch erklären, dass von den zentralistischen Regierungen der Königreiche von Katalonien-Aragon und Kastilien-Leon ein gleichartiger Stil der Kirchen proklamiert wurde. Diese Entwicklung, wie wir sie ja auch aus dem zentralistischen Frankreich kennen, diente auch zur Demonstration der königlichen Macht im Lande und den veränderten Machtverhältnissen.

 

Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3370116 Ourense Galizien
  1. Baumeister, Steinmetze und Erbauer und Sponsoren

Im Mittelalter hat es den “Architekt“ – wie er von den Römern verstanden wurde – in dieser Form nicht gegeben. Die Aufgaben des ehemaligen Architekten werden von den Baumeistern durchgeführt. Der Baumeister war ein Künstler, der in den meisten Fällen mit einem Team von Arbeitern, die er unter seinem Kommando hatte, zusammen an den   Bauten arbeitete. Der Baumeister war derjenige, der die Arbeiten an den Gebäuden beaufsichtigte, aber gleichzeitig war er auch Handwerker, Bildhauer, Tischler oder Steinmetz. Diese Personen wurden normalerweise in Klöstern oder in Gruppen von gewerkschaftlich organisierten Freimaurerlogen ausgebildet.

Neben dem Baumeister gab es eine große Gruppe von Steinmetzen, Maurern, Bildhauern, Glasmachern, Tischlern und Malern und anderen Berufen. Diese Mannschaften bildeten Werkstätten, aus denen oft lokale Meister hervorgingen, die in der Lage waren, zahlreiche ländliche Kirchen zu bauen. Sie zogen in einem gewissen Umkreis (ca. 150 qkm) gemeinsam von einer Baustelle zur anderen. So erklärt sich auch die typische regionale Gestaltung von Kirchen.

Steinmetze bildeten den Großteil der Arbeiter bei der Errichtung der Gebäude. Die Anzahl der Steinmetze war abhängig von der Größe der sakralen Gebäude. Einige Zahlen sind bekannt, so waren beim Bau der Alten Kathedrale von Salamanca zwischen 25 und 30 Steinmetze angestellt. Diese Steinmetze und andere Arbeiter waren von Steuern befreit. Sie wurden entsprechend ihrer Spezialisierung in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe waren diejenigen, die Gebäudeteile von hochwertiger Qualität oder die geschnitzten Reliefs erstellten (echte Bildhauer) und die in ihrem eigenen Tempo arbeiteten. Sie hinterließen ihre fertige Arbeit auf dem Gelände. Diese Teile wurden dann erst später am oder im Gebäude platziert. Die zweite Gruppe bestand aus fest angestellten Mitarbeitern, die das Gesamtgebäude errichteten. Daneben gab es auch eine Gruppe ungelernter Arbeiter. In vielen Fällen boten diese Leute ihre Arbeit oder ihr Können an, weil sie als Christen stolz waren, an einem großartigen Projekt mitzuarbeiten, das ihrem Gott gewidmet war. Aber auch sie erhielten eine Vergütung entweder pro Tag oder pro Stück. 

Von besonderer Bedeutung für die Gestaltung der Kirchen waren natürlich die Bauherren, bestimmten sie doch neben der Größe der Kirche z.B. welche Themen und Heilige in den Skulpturen und Reliefs dargestellt werden sollten. Außerdem beriefen sie entsprechend den finanziellen Möglichkeiten die jeweiligen Baumeister und Künstler. Neben den Klöstern waren es in Nordwestspanien vor allem die Könige und ein Teil des Adels, die als Förderer des neuen romanischen Stils auftraten. Ein Teil der Kirchen am Pilgerweg waren königliche Stiftungen, woran sich das Interesse der Herrscher am Pilgerweg zeigt. Denn sie erhofften sich von den großen Pilgerströmen einerseits wirtschaftliche Prosperität, verbanden damit aber auch religiöse und spirituelle Hoffnungen.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María la Real, Sangüesa, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254324 Navarra

Exkurs: Die spirituelle Bedeutung der Kirchen für die Pilger

Vielleicht noch ein paar Worte zur Wirkung der Kirchen auch heute auf den Jakobswegen.

Kirchen sind nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägen als symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch. Gläubige machen hier eine besondere Erfahrung, das Gefühl einer besonderen Nähe zu Gott. Kirchen sind Metaphern für ein Welt- und Gottesverständnis, das sich immer wieder kulturell gewandelt hat. Diese kulturellen Veränderungen aber auch ihre unterschiedlichen regionalen Ausprägungen finden dann ihren sichtbaren Ausdruck in der baulichen Gestaltung der Kirchen.

Neben dieser religiösen Betrachtung gibt es noch weitere Bedeutungen. So schreibt Pascal Mercier einmal: „Dafür sind Kathedralen gebaut worden als Orte, an die man gehen kann, wenn die Dinge des Lebens einen überwältigen: Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod. Man braucht an nichts zu glauben. Der Raum allein genügt.“

Es sind auch Rückzugsorte, wenn man keine großen Probleme hat. Allein die Ruhe und das Stille berühren einen im Inneren. Sie regen zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Meditieren an. Es findet gerade hier noch einmal eine Entschleunigung statt, ein so wichtiges Gefühl beim Pilgern. Man genießt auch die Kühle der Kirche im Vergleich zur Hitze der Landschaft. Ja und gelegentlich wird man auch einfach eingefangen von der mystischen Atmosphäre einer Kirche.

Nooteboom spricht noch einen anderen Aspekt an. Er sagt, dass wir uns ja immer in der Geschichte befinden der gegenwärtigen und der von einst. Und Kirchen regen uns  dazu an, uns mit der Vergangenheit  auseinanderzusetzen. So können wir uns z.B.  in die Zeit des längst für immer verschwundenen Mittelalters versetzten und vielleicht auch die Mühen und Schwierigkeiten der damaligen Pilger reflektieren.

 

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Dürre in Spanien – ein großes Problem heute und in Zukunft!

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Jakobswege in Spanien

Die Situation 2023

Der staatliche meteorologische Dienst hat gerade die Daten für Spanien für den vergangenen Monat veröffentlicht: Der April 2023 war der heißeste April, seitdem seit 1961 in Spanien darüber Buch geführt wird. Der Spitzenwert wurde am 27. April in Córdoba gemessen: 38,8 Grad. Das sind August-Temperaturen. Und die Niederschlagsmenge lag bei weniger als einem Viertel eines gewöhnlichen Aprils. Seit Februar regnete es in ganz Spanien kaum noch, mit einigen wenigen Ausnahmen wie Galicien und den östlichen Kanarischen Inseln. Die Klimakrise ist ganz akut zu spüren.

Akkumulierte Niederschläge in Spanien vom 1. Januar bis 8. Mai 2023 in Prozent zum Mittel der vergangenen 20 Jahre. © Aemethttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html

Wenn es nur ein trockenes Frühjahr gewesen wäre! Das Problem ist, dass die Trockenheit schon auf ein Jahr mit sehr wenig Regen und hohen Temperaturen folgt.

Andalusien ist nicht die einzige von der Dürre geplagte Region in Spanien: Katalonien, Teile Aragóns, Murcia, die Extremadura, fast die gesamte Mancha sowie Teile beider Kastiliens, ländliche Bereiche der Hauptstadtregion Madrid, sogar der Süden von Asturien und Kantabrien sowie der Süden und das Hinterland der Region Valencia gehören auch dazu, über die Hälfte des Territorium des Landes. Das gleiche gilt übrigens auch für den Nachbarn Portugal, wo gerade für 40 Prozent des Landes der Dürre-Notstand ausgerufen wurde.

Die Wasserspeicher in Spanien, Stauseen und für Trinkwasser geeignete Flüsse sind nur zu 48 Prozent gefüllt, nochmals mehrere Punkte unter dem Stand des Vorjahres und der nasse Norden dabei bereits eingeschlossen. Der größte Stausee Spaniens, La Serena im Süden der westspanischen Extremadura, ist zu 17 Prozent gefüllt, der zweitgrößte, Alcántara im Norden derselben Region, noch zu 77 Prozent.

Die Abwärtstendenz bei den Regenmengen, zunehmende Verdunstung durch erhöhte Temperaturen, gleichbleibende Verschwendung und mehr Bedarf für Landwirtschaft und Tourismus – die zusammen rund 80 Prozent des Wassers verbrauchen – bringen Spaniens Trinkwasser-Kreislauf an den Rand eines Infarkts. Kompetenzwirrwarr und Investitionsstau verschlimmern die Lage. Das ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass z.B. die Andalusier über die Jahre hunderte Millionen Euro Investitionsabgaben über ihre Wasserrechnungen angespart haben, die aber nicht zweckbestimmt eingesetzt wurden. Den Problemen der Klimakrise muss schnellst möglich entgegengetreten werden.

 

Durchschnittliche Sonnenstunden in Spanien, April der letzten 40 Jahre. © Aemet/Eumetsathttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html
Situation im Jahr 2023 An vielen Orten in Spanien sind Stauseen fast oder ganz ausgetrocknet, in manchen Regionen müssen Dörfer aus Tanklastern mit Trinkwasser versorgt werden. © JORGE GUERRERO / AFP

Die Situation im Sommer 2025

Spanien stöhnt nach der Hitzewelle im Juni unter der zweiten Hitzewelle des Sommers. Die Temperaturen klettern zum Teil deutlich über 40 Grad.

Die neue Hitzewelle trifft Spanien mit voller Wucht: Bereits am Montag wurden in vielen Teilen des Zentrums, Südens und Westens des Landes Temperaturen über 40 Grad erreicht. In 12 der insgesamt 17 sogenannten Autonomen Gemeinschaften rief AEMET Warnstufen aus. In Andalusien, Madrid, Kastilien-La Mancha, Extremadura und Galicien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange.

Eine offizielle Hitzewelle des staatlichen, spanischen Wetterdienstes wird dann verhängt, wenn die Temperaturen mehr als drei Tage deutlich über dem langjährigen Mittel liegen, gesundheitsgefährdende Spitzenwerte erreicht werden und mehr als nur eine Region betroffen ist. Gewarnt wird nicht, um „Panik zu verbreiten“ oder einer „Klimaagenda“ zu folgen, sondern um Kinder, ältere und kranke Menschen vor Hitzeschlägen und anderen Gesundheitsrisiken zu schützen, aber auch, um Veranstaltungen, Exkursionen etc. sicher planen zu können. Nicht zuletzt werden bei Hitzewellen auch gewisse Protokolle in Gang gesetzt, wie „Kühlinseln“ in Städten eröffnet oder die Waldbrandwarnstufe erhöht.

August 2025 Situation noch nicht ganz unter Kontrolle

Der Einfluss des Klimawandels auf die Dürrevorhersage
Der Klimawandel dominiert weiterhin die Agenda bei Dürreprognosen.Der globale Trend deutet auf eine Zunahme extremer Ereignisse hin, darunter intensivere und länger anhaltende Dürren sowie Hitzewellen, die jedes Jahr neue Temperaturrekorde brechen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich die Häufigkeit sogenannter „planetarer Wellen“ – atmosphärischer Muster, die Regenfälle wochenlang blockieren können – seit den 50er Jahren verdreifacht hat. Dies trägt dazu bei, dass in manchen Regionen Sommer mit anhaltend geringen Niederschlägen auftreten, während andere in kurzen Zeiträumen intensive Niederschläge verzeichnen, was das Überschwemmungsrisiko erhöht. Die Flutkatastrophe in Valencia, Andalusien und Murcia im Oktober 2024 sind uns noch gut in Erinnerung!

Die Schwierigkeit, diese Phänomene vorherzusagen, bleibt eine Herausforderung für Meteorologen, da Faktoren wie atmosphärische Instabilität oder der Einfluss globaler Phänomene wie El Niño können die erwarteten Muster völlig verändern.Eine kontinuierliche Überwachung und laufende Modellaktualisierungen sind unerlässlich, um unerwünschte Ereignisse vorherzusehen und sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Lösungsansätze

Weitere 1,6 Milliarden Euro will Sánchez bis 2026 an die Autonomen Gemeinschaften (Länder) überweisen, für den Ausbau und die Verfeinerung der Aufbereitung von Trinkwasser, das Auffangen von Regenwasser, Projekte der Effizienz, Digitalisierung, Reparatur von Leitungsnetzen sowie den Bau sogenannter „Wasserautobahnen“ von einem Stausee zum anderen, um Defizite untereinander ausgleichen zu können. Außerdem sind Maßnahmen wie die Meerwasserentsalzung und die vermehrte Nutzung von geklärtem Brauchwasser geplant. Zusätzliche 2,15 Milliarden Euro verspricht Sánchez für die Modernisierung der Bewässerungssysteme und Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft, wobei hier auch Know How aus Kalifornien, Israel und von der Arabischen Halbinsel eingesetzt werden soll, die schon lange gute Anbauergebnisse unter widrigen klimatischen Bedingungen erzielen, – allerdings auch mit den richtigen Pflanzen.

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