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Die Küste der Dinosaurier – von Ribadesella bis Gijon

Die Küste der Dinosaurier - von Ribadesella bis Gijon

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vor mehr als 150 Millionen Jahren, in der Jurazeit, bevölkerten die Dinosaurier die Erde. Es dauerte noch 63 Millionen Jahre, bis der Mensch auf der Erde erschien! Vom Durchzug dieser Kreaturen durch die asturischen Gebiete gibt es auch heute noch zahlreiche Spuren an der Ostküste.

Als Küste der Dinosaurier wird die nordspanische Atlantikküste zwischen Gijon und Ribadesella im Osten von Asturien bezeichnet. Entlang an einem etwa 65 km langen Küstenstreifen sind zwischen herrlichen weiten Sandstränden und Steilküste unzählige Spuren von Sauriern im Gestein verborgen. Die Küste der Dinosaurier ist charakterisiert durch eindrucksvolle Knochenfunde und versteinerte Spuren aus der Zeit der Dinosaurier vor 150 bis 200 Millionen Jahren. Der gute Zustand, die breite morphologische Vielfalt und die hohe Anzahl erhaltener Spuren tragen mit dazu bei, dass die asturischen Ichnitenfunde (versteinerte Fußabdrücke) zu den wichtigsten europäischen Fundstätten dieser Art gehören. Ein hervorragendes Dinosaurier-Museum befindet sich in der Nähe von Lastres, nicht weit von der Playa La Griega (Colunga).

Sauropode des Oberjura Von Creator:Dmitry Bogdanov - dmitrchel@mail.ru, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4012480

Die Abdrücke der Dinosaurier

Wenn sich die Dinosaurier über den Schlamm oder Sand der Gegend bewegten, hinterließen sie Fußabdrücke, die auch als Ichniten bekannt sind. Die Sedimentationsbedingungen sind sehr günstig für die Erhaltung von Fußabdrücken und Knochen von Dinosauriern und anderen Reptilien der damaligen Zeit, wie Plesiosauriern, Pterosauriern, Ichthyosauriern und Krokodilen. Als sich die Ichniten bildeten, war der Boden weich.  Aufgrund der Sedimentbedingungen mit den entsprechenden Flut-, Delta- und Seekonditionen wurden sie zu hartem Fels und sind bis heute fast intakt erhalten geblieben.

https://www.turismoasturias.es/de/descubre/naturaleza/espacios-protegidos/monumento-natural-de-los-yacimientos-de-icnitas

Die Ichniten der asturischen Küste weisen eine Reihe von Merkmalen auf, die sie zu einem einzigartigen Beispiel machen, wenn es darum geht, das Leben einer Gemeinschaft von erstaunlichen Lebewesen zu rekonstruieren. Sie sind ein Beweis für den Reichtum und die Vielfalt der Dinosaurier, die Asturien während der Jurazeit bewohnten. Aus ihrer Untersuchung geht hervor, dass sowohl zweibeinige Dinosaurier (Tropopoden und Ornithopoden) als auch Vierbeiner (vor allem Sauropoden) in diesem Gebiet lebten. Nach der Größe dieser Fußabdrücke zu urteilen, gab es in Asturien Dinosaurier von sehr unterschiedlicher Größe: von sehr klein, etwa so groß wie ein Vogel, bis hin zu riesig, wie im Fall der Brachiosauriden. Die Ichniten vom Strand von La Griega sind die größten in Spanien und gehören zu den größten der Welt. Der größte Abtritt misst hier 1,20 Meter im Durchmesser und ist damit der zweitgrößte, der weltweit jemals gefunden wurde. Unten sind die Dinosaurier dargestellt, deren Fußabdrücke man an der asturischen Küste gefunden hat.

Kurz Erläuterung:

Tropoden sind eine systematische Gruppe, die traditionell den Echsenbeckensaurier (Saurischia) zugeordnet wird. Die fossilen Vertreter bewegten sich zweibeinig und waren zum größten Teil Fleischfresser. Kladistisch gesehen umfassen die Theropoden auch die Vögel, die im Jura nachweislich aus nicht flugfähigen Theropoden hervorgingen.

Die Ornithopoden sind eine Unterordnung der Dinosaurier innerhalb der Vogelbeckensaurier. Ihre Angehörigen waren fast ausschließlich zweibeinige.

Die Sauropoden sind eine Gruppe von Echsenbeckensauriern und waren eine  der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Gruppen vierfüßigen pflanzenfressender Dinosaurier. Sie gehören zu den in der Populärkultur am häufigsten dargestellten Dinosauriern und treten in vielen Dokumentar- und Spielfilmen auf. 

 

https://www.ferienwohnungen-spanien.de/Colunga/artikel/costa-de-los-dinosaurios-die-kuste-der-dinosaurier-asturien Dinosaurier an der spanischen Nordküste

Route der Fundstätten

Es gibt eine überraschende Route zur Entdeckung der Fundstätten, der man durch drei Gemeinden folgen kann.

In Villaviciosa sollte man den Strand von Merón, die Steilküste von Oles und den Leuchtturm und Hafen von Tazones besuchen;

in Colunga die Steilküste von Llastres und den Strand von La Griega;  

in Ribadesella den Strand von Vega, die Steilküste von Tereñes und den Strand von Ribadesella/Ribeseya.

Zum Einstieg in die Zeiten von Tyrannosaurus und Co. empfiehlt sich Ribadesella. Das asturische Örtchen verfügt über einen lang gezogenen Sandstrand, die Playa de Santa Marina. Östlich davon wechselt der Untergrund von sandig auf felsig. Graublaue und lehmiggrüne Felswände bauen sich auf. Dann plötzlich, in etwa sieben Meter Höhe, sind deutlich zentimetertiefe Fußspuren zu erkennen, klobige, rundliche Dinofußspuren.

Aber warum auf einer schrägen, beinahe senkrechten Felswand? Die asturischen Dinosaurier konnten natürlich weder die Schwerkraft aushebeln, noch hatten sie Saugnäpfe unter den Sohlen. Die Antwort: Durch Gesteinsverschiebungen im Lauf der Erdgeschichte wurden die einstigen Trampelpfade der mitunter gewaltigen Landwirbeltiere in die Vertikale befördert

Kurz hinter Ribadesella erreicht man auf asphaltierter Straße den Weiler Tereñes. Ein Hinweisschild “Rastros de dinosaurios” weist Richtung Meer.

Auf einem Trampelpfad geht es etwa 500 Meter in Richtung Küste. Das schroffe Ufer, genannt Acantilados de Tereñes, steht bei Flut unter Wasser. Hier hat ein Urzeitlebewesen eine rund 15 Meter lange, inzwischen versteinerte Spur hinterlassen. 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

In Colunga, einer typischen asturischen Provinzstadt mit altem Ortskern, folgt man den Hinweisschildern zum Playa de la Griega. Nach etwa einem Kilometer ist auf einer Anhöhe bereits das Museum zu erkennen. Doch statt nach links dorthin abzubiegen, nehmen Dino-Wanderer zunächst den kleinen Weg Richtung Playa de la Griega.

Der Playa de la Griega ist nicht nur wegen seiner idyllischen Lage eine echte Attraktion. Unweit des Sandstrands fanden Forscher vor wenigen Jahren im grauen Fels ein paar der größten Dinosaurierfußspuren, die jemals vermessen wurden.

In Villaviciosa ist der Strand von Meron von Interesse. Die Merón-Dinosaurier-Fußabdruckstätte befindet sich auf der westlichen Seite des Strandes. 

 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html
http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

Museo del Jurásico de Asturias

Vom Playa de la Griega sind es schließlich noch knapp über zwei Kilometer, bis das Asturische Jura-Museum – natürlich in Form eines Dino-Fußabtritts errichtet – erreicht ist. Über 8000 Fossilien aus dem Trias, dem Jura und der Kreidezeit sind hier zu bestaunen, außerdem ragen gigantische Sauriermodelle bis zur Decke hoch.

 

Der größte Saurier Europas

Übrigens wurde der bislang größte Saurier Europas (30 m lang und 48 Tonnen schwer) ebenso in Spanien gefunden, allerdings nicht in Asturien, sondern in der Provinz La Rioja, weiter östlich. Der 150 Millionen Jahre alte Sauropode (Turiasaurus riodevensi) wurde 2006 von spanischen Paläontologen entdeckt. Es wurden riesige Knochenreste ausgegraben, sein Oberschenkel allein war so groß wie ein Mensch.

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Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Aragonés

Der Olivenbaum (Olea europaea), von lateinisch oliva, auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. An ihm wächst als Frucht die einsamige Steinfrucht, die Olive. Olivenbäume wachsen sehr schnell und tragen nach 5 -10 Jahren die ersten Früchte. Bei sorgfältiger Pflege werden Olivenbäume einige hundert Jahre alt und in Einzelfällen bis zu 20 Meter hoch. Im Schnitt bringt ein Olivenbaum pro Jahr etwa 20 Kilogramm Oliven ein. Das entspricht ungefähr drei bis vier Litern Olivenöl.

Die Olive ist somit eine mediterrane Steinfrucht, die allerdings wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar ist, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Obwohl schon mehrmals versucht wurde, mechanisierte Erntemethoden zu entwickeln, werden die Oliven für die besten Öle immer noch von Hand gepflückt. Meistens werden sie mit einem Stock vom Baum abgeschlagen und fallen auf ein Netz, das auf dem Boden liegt

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seiner engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. 

Das Olivenöl wird im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen also nicht aus Samen sondern aus der Frucht, der Olive, gewonnen. Das deutsche Wort Öl stammt von dem Lateinischen Oleus. Olivenöl ist auch als „flüssiges Gold» bekannt, seit Homer es vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal so nannte.

Das Öl verändert sich je nach Reifegrad der Oliven. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember geerntete Oliven ergeben ein kräftigeres, fruchtigeres, leicht grünliches Öl. Später geerntete Oliven ergeben mildere Öle. Im Allgemeinen werden die besten Öle aus Oliven hergestellt, die zwischen ein und zwei Dritteln schwarz sind, also früh geerntet wurden, zwischen Mitte November und Anfang Dezember.

Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa 1,36 Mio. Tonnen (2020) jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit. Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Kastilien-La Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

Von Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.di

Geschichte des Olivenöls

Man geht auf Grund von Funden davon aus, das Olivenöl seit mindestens 8000 Jahren, ausgehend vom östlichen Mittelmeerraum, hergestellt wird. Im Alten Griechenland erlangten dann die Olive und das Olivenöl die Bedeutung, die sie heute haben. 

Seine damalige Bedeutung zeigt sich schon darin, dass bei den Olympischen Spielen den Athleten Kronen aus Olivenzweigen überreicht wurden. Auch auf religiöser Ebene sind der Olivenbaum und das Öl in die Volkskultur integriert worden. Nach der griechischen Mythologie ist Aristaios, der Sohn des Gottes Apoll und der Nymphe Kyrene, ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Angeblich wurde er damit beauftragt, die Olive auf dem Balkan, in der Ägäis und anschließend auf Sardinien und Sizilien zu verbreiten.

 Es waren wohl die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten. Die Römer spielten dann eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von dem, was wir heute als Olivenöl verstehen, denn sie verbesserten sowohl die Anbautechniken als auch die Lagerung des Olivenöls. Die Römer gehörten zu den größten Konsumenten von Oliven und Olivenölen aus Hispania, insbesondere aus Baetica (dem heutigen Andalusien). Das Öl aus Hispania war aufgrund seiner hervorragenden Qualität das am höchsten geschätzte Öl im gesamten Römischen Reich. Schätzungen zufolge exportierte Hispania während dieser Epoche über 30 Millionen Amphoren mit Olivenöl, und in regelmäßigen Abständen wurden Tausende von ihnen in die Hauptstadt des Römischen Reichs transportiert.

Nachdem das Römische Reich seinen Fußabdruck in der spanischen Olivenöl- Produktion hinterlassen hatte und für einen hervorragenden Ruf des grünen Goldes gesorgt hatte, wurde der Anbau und die Produktion durch die Araber noch einmal verfeinert. Der arabische Einfluss in der spanischen Olivenöl-Welt kann man auch aus dem Namen ablesen. Nicht der lateinische Name wurde übernommen, sondern das spanische Wort „aceite“ (Öl) wurde aus dem arabischen „az-zait“ abgeleitet und das Wort „aceituna“ (Olive) kommt vom arabischen „zei´tuna“.

Wir wissen, dass das Olivenöl schon im Mittelalter nicht nur als Nahrungsmittel genutzt wurde, sondern für verschiedene andere Zwecke, so zum Beispiel für die Herstellung von Seifen, für bestimmte Schönheitsbehandlungen oder auch für die Beleuchtung von Häusern. Aber immer stand seine Nutzung als Nahrungsmittel im Vordergrund. 

Später, im 19. Jahrhundert erlebte der Anbau von Oliven in Spanien, dank des Baus des Schienennetzes, einen großen Aufschwung. So wurde Spanien zum weltweit größten Olivenanbaugebiet. Im 20. Jahrhundert kam es in Spanien zu einer technologischen Revolution, die es ermöglichte, exzellente Öle herzustellen, die jedes Jahr mit den weltweit bedeutendsten Preisen ausgezeichnet werden. Spanien steht heutzutage an der internationalen Spitze der größten Produktion und besten Qualität von Olivenölen.

Ökonomische Bedeutung und Probleme

 Größte Olivenölproduzenten (2020)

Rang     Land                         Menge (in t)

  1. Spanien                       1.356.411
  2. Tunesien                        373.100
  3. Italien                             330.879
  4. Griechenland               308.000 
  5. Türkei                             240.100 
  6. Marokko                        164.600 
  7. Syrien                             138.217 
  8. Algerien                         113.600 
  9. Portugal                         107.000 
  10. Ägypten                          36.000

Summe Top Ten                    3.167.907

 Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 führte Spanien innerhalb der EU über 640.000 t aus, davon ging mehr als die Hälfte nach Italien, 21,3 % nach Portugal, 14,7 % nach Frankreich und 3,7 % nach Deutschland. Italien führte hingegen 124.500 t aus, davon aber 35,4 % nach Deutschland (!), 27,5 % nach Frankreich, 8,9 % nach Spanien. 

Allerdings ist zu beachten, italienische Firmen kaufen nach Pressemitteilungen in der Mittelmeerregion Olivenöl auf, füllen es ab, und vertreiben es weltweit. So wird griechisches Olivenöl aufgekauft, um es in Deutschland als „italienisches“ zu verkaufen, da die Konsumenten bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Bei der Abfüllung in Italien wird häufig griechisches Olivenöl guter Qualität nicht mit weniger gutem Olivenöl gemischt und in Deutschland verkauft.

Leider gehört der Lebensmittelbetrug bei Olivenöl in der EU zur gängigen Praxis, dem man versucht mit Stichprobenkontrollen zu begegnen. Der Betrug besteht in der Regel darin, dass minderwertiges Olivenöl als hochwertiges verkauft wird. Wichtig ist zu kontrollieren, ob eine Regionsbezeichnung angeben ist. Die genaue Ursprungsbezeichnung ist oft nur im Kleingedruckten des Etiketts zu lesen. Es sollte die geschützte geografische Angabe darauf stehen. Das heißt, eine der drei Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss in dem bezeichneten Gebiet erfolgen und im Ruf besonderer Qualität stehen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung bedeutet: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt sein.

Und natürlich spielt der Preis eine Rolle. Gutes Olivenöl und preiswert das geht nicht zusammen!

Sorten und Qualität von Olivenöl

 Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch MarteñaLopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus.    Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Malaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extrematura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Qualität

 Qualitätsbeeinflussende Faktoren:

 Die geschmackliche Qualität ergibt sich aus

  • der Olivensorte
  • dem Zustand der Oliven wie Reife oder Wasserversorgung beim Wuchs
  • dem Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchten
  • der Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespänen
  • der Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
  • der Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere bei Rückständen von älteren Chargen
  • der Sauerstoff-Exposition während der Verarbeitung
  • der Weiterbehandlung nach der Pressung
Von Klejdi Shtrepi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73107730

Folgende Güteklassen für Olivenöl gibt es:

 Auf den Tisch kommen normalerweise nur Öle der Kategorien (s. unten) eins, zwei und fünf (dieses in Deutschland nicht erhältlich). Dieses Öl wird entweder durch mechanisches Pressen oder nach dem Zentrifugier-Verfahren gewonnen. Diese drei Öltypen sind immer kaltgepresst und ohne übermäßige Temperatureinwirkung hergestellt.

Kategorie

Produktbezeichnungen

Herstellungsverfahren

Eigenschaften, Qualität und Verwendung

1

natives Olivenöl Extra

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 0,8 %, ohne sensorische Fehler, für den Verzehr geeignet.

2

natives Olivenöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 2 %, leichte Fehler, für den Verzehr geeignet

3

Lampantöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt > 2 %, deutlich fehlerhaft
darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss raffiniert werden

4

raffiniertes Olivenöl

 

Säuregehalt ≤ 0,3 %, typische Geschmacks- und Geruchsanteile des Olivenöls fehlen; darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Olivenöl“ (Kategorie 5) verarbeitet werden.

5

Olivenöl

Mischungen aus raffiniertem Olivenöl (Kategorie 4) mit nativem Olivenöl der Kategorien 1 oder 2

Säuregehalt ≤ 1 %, Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

6

rohes Oliventresteröl

Aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung/Extraktion der Oliven übrig bleibt, wird mit Hilfe von Lösungsmitteln (Hexan) das nach der ersten Pressung noch verbleibende Öl extrahiert.

Das Öl ist zum Verzehr nicht geeignet und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Raffiniertem Oliventresteröl“ (Kategorie 7) verarbeitet werden.

7

raffiniertes Oliventresteröl

aus rohem Oliventresteröl durch Raffination hergestellt

Säuregehalt ≤ 0,3 %, das Öl ist ohne Geschmack und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Oliventresteröl “ (Kategorie 8) verarbeitet werden.

8

Oliventresteröl

raffiniertes Oliventresteröl (Kategorie 7), das mit nativem Öl (Kategorie 1 oder 2) gemischt wird

Säuregehalt ≤ 1 %, zum Verzehr geeignet. Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

Ökologische Bedeutung der Olivenproduktion

Die Art der Olivenölproduktion wirkt sich auf den ökologischen Wert und den Landschaftsschutz in einer so hoch entwickelten Kulturlandschaft, wie sie der Mittelmeerraum darstellt, überaus stark aus. Die Bäume wachsen oftmals auf steinigen, steilen und im Sommer heißen und trockenen Hängen bis ca. 500 m über dem Meeresspiegel. Sie benötigen wenig Wasser und Düngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorität, Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Diese sind allerdings viel stärker brandgefährdet.

Allerdings hat die ökologische Bedeutung bei der Produktion der Oliven in Spanien keinen so großen Stellenwert, da sie meist in großen Plantagen angebaut werden. Das liegt leider auch an einer falschen EU Politik. Die EU-Subventionen erfolgen kontraproduktiv nur durch Zahlungen pro Hektar Land oder pro Liter produzierten Öls statt pro Olivenbaum. Damit werden große Produktionsmengen und hohe Gewinne auf Großplantagen und intensive Monokulturen gefördert und zahlreiche kleinbäuerliche und umweltgerechte Produktionsstätten ruiniert. Darüber hinaus werden dadurch großflächige Bewässerungsprojekte notwendig, was in Gebieten mit geringen Wasserreservoirs Engpässe auslöst und den Grundwasserspiegel absenkt. Auch droht die Ausrichtung auf Mengenproduktion weniger ergiebige Sorten zu verdrängen, was sich wiederum zu Lasten der Vielfalt, aber auch der Resistenz gegen Krankheiten und klimatische Veränderungen auswirkt.

So gab es in Spanien 2023 wegen der großen Dürre auch bei den Olivenproduktion Probleme. Die anhaltende Trockenheit ist das Hauptproblem. Nur etwa ein Viertel der spanischen Olivenhaine werden bewässert. Der Rest ist auf Regen angewiesen. Wenn es nicht regnet, sterben die Bäume nicht ab, aber sie passen sich an und tragen weniger Früchte. Eine einfache stärkere Bewässerung ist aber aus ökologischen aber auch aus Kostengründen nicht sinnvoll. Aber es gibt erste Alternativen.

So versuchen es einige Bauern über die Tröpfchenbewässerung. Es entsteht dabei ein runder, feuchter Fleck um den Baum herum. Aber durch Hitze und Wind verdunstet davon auch wieder ein Teil. Der neue Weg besteht darin, die Tröpfchenbewässerung unter die Erde zu legen, um so noch sparsamer mit dem Wasser umzugehen. Diese Form der Bewässerung ist aber nur bei Olivenplantagen sinnvoll. Die Bauern aber, die noch alte Olivenhaine besitzen, sind dann wieder wie oben gesehen benachteiligt.  Vielleicht ändert sich dies noch, denn Trockenheit und Dürre sind ein Problem, das nach Aussagen der Wissenschaften im Rahmen der Klimakrise in den nächsten Jahren noch zunimmt.

Momentan ist es aber auf jeden Fall so, dass auf Grund der oben genannten Problematik, wie bereits auch für Italien angekündigt, der Preis für hochwertiges Olivenöl 2024 stark steigen wird. In den spanischen Supermärkten ist 2023 ein Liter gutes Olivenöl kaumunter 10 Euro zu bekommen. So hat sich das Öl seit März 2012 um 136,6% verteuert! Zwei schlechte Ernten hintereinander haben das bewirkt. Aber seien wir ehrlich, ein Hauptgrund für die Preissteigerung ist sicher die Problematik von Wassermangel, Dürre und Hitze, aber Spekulation und Profitdenken spielen bestimmt auch eine Rolle. In der Produktions- und Vertriebskette versuchen offenbar viele Beteiligte, Profit aus der Situation zu schlagen

Von G.steph.rocket - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46572374

Die mediterrane Küche und der Gesundheitsaspekt

Die Beobachtungsstudie SUN ‘Seguimiento Universidad de Navarra’, die die mediterrane Ernährung analysiert, bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der mediterranen Küche und einer guten mentalen und emotionalen Gesundheit gibt. Die Mittelmeer-Diät, die auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländeer wie Spanien basiert, ist reich an Gemüse, Wein, Früchten, Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze bilden zusätzlich die Grundlage der Ernährung. Olivenöl spielt in der Ernährung eine ganz besondere Rolle. Denn es ist die Hauptfettquelle, im Gegensatz zu anderen Ernährungsformen, bei denen gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs überwiegen.

Warum ist Olivenöl so wichtig für die mediterrane Ernährung?

Olivenöl hat zahlreiche gesundheitliche Eigenschaften. Dank seiner Lipidzusammensetzung und seines Gehalts an Antioxidantien wirkt es sich unter anderem positiv auf die Vorbeugung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen aus und ist dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hilfreich für die Gesundheit des Darms und des Immunsystems. 

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Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

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In diesem Kapitel möchte ich Euch einige Beispiele der avantgardistischen Architektur u.a. entlang der Jakobswege vorstellen. Es sind zum Teil visionäre Bauwerke, die aber leider nicht immer den Erfolg gebracht haben, den man sich von ihnen erwartete. Unten erfolgt eine kurze Darstellung der baulichen Struktur. (Die Texte zu den Bauten entnehme ich z.T. dem Aufsatz „Arquitectura-contemp“). Neben der Faszination der Bauten soll aber auch kurz auf einige Probleme und nicht erfüllte Hoffnungen eingegangen werden.

Bilbao:                                             Guggenheim-Museum

                                                           Arena Bilbao

Oviedo:                                            Kongresspalast

San Sebastian:                                Kongresszentrum

Santander:                                       Centro Botin

Avilé:                                                  Niemeyer-Zentrum

Santiago de Compostela:             Cidade da Cultura de Galicia 

Leon                                                   Museum Musac

Burgos                                                Museum der Evolutionsgeschichte der Menschen

Sevilla                                                 Caixaforum

                                                              Metropol Parasol

Guggenheim-Museum

Bilbao – GUGGENHEIM-MUSEUM

Wie ein vor Anker gegangener Ozeandampfer aus Titan liegt dieses Museum an der Ría von Bilbao und versetzt Sie in Staunen, wenn Sie es von einem der großartigen Boulevards aus sehen, die zur Brücke La Salve führen. Dank der komplexen Formgebung des kanadischen Architekten Frank Gehry sind alle Seitenansichten des Museums vollkommen unterschiedlich. Das Gebäude wurde 1997 fertiggestellt und ist für seinen dekonstruktivistischen Baustil berühmt. Das Gebäude wurde als „Signalmoment in der Architekturkultur“ gefeiert, weil es „einen dieser seltenen Momente darstellt, in denen sich Kritiker, Akademiker und die breite Öffentlichkeit über etwas völlig einig waren“. Eine skulpturale Struktur, die sich perfekt in das Stadtbild von Bilbao und die Umgebung einfügt und zu einem unbestreitbaren Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Einmal drinnen, entdecken Sie ein weltweit einzigartiges Museum. Um das zentrale Atrium sind die drei Ebenen angeordnet, in die das Guggenheim unterteilt ist. Titan, Glas und Kalkstein sind in Gehrys Händen eine willkommene Möglichkeit, die verschiedenen Räume mit geschwungenen Gängen, Aufzügen und Treppentürmen zu verbinden.

Bilbao Arena

Bilbao – ARENA

Schauen Sie sich dieses moderne Symbol der bioklimatischen Architektur an und entdecken Sie, wie es sich in die Umgebung einfügt. Das verwendete Baumaterial wird der Natur gerecht, in die es eingebettet ist. Der Stein spiegelt das Felsgestein wider, das hier ehemals im Bergbau gefördert wurde, und die Stützen, auf denen das gesamte Gebäude mit dem Grün seiner Fassade ruht, stehen für den großen Baumbestand des Miribilla-Viertels. Das Gebäude ist ein Sportzentrum, Basketballstadion und Konferenzzentrum und wurde von den Architekten Javier Pérez Uribarri und Nicolás Espinsa Barrientos entworfen. Sie und ihr Team haben verschiedene Systeme kombiniert wie die Kraft-Wärme-Kopplung, die Wiederverwendung von Regenwasser, ökologische Dächer oder eine innovative recycelbare Außenwand, um einen Meilenstein in der nachhaltigen Baugestaltung zu setzen

Oviedo Kongresszentrum

Oviedo  – KONGRESSPALAST

Santiago Calatrava, einer der international aktivsten Architekten Spaniens, der für seine durchgehend originellen und überraschenden Entwürfe bekannt ist, ist der Architekt dieses beeindruckenden Gebäudes. Besuchen Sie dieses Bauwerk, das in Oviedo als „die Meeresspinne“ bezeichnet wird, weil es eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Krebstier besitzt, und lassen Sie sich von seinen weißen und organischen Formen mitreißen. Das Gebäude ist eine einzigartige Skulptur, die sich auf einem großen Platz befindet. Dieser liegt inmitten einer Gartenanlage, die sich ideal zum Spazierengehen eignet und je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Ansichten des Bauwerks bietet. Die elliptische Form dieses mit einem Glas- und Stahldach versehenen Gebäudes wurde gewählt, um eine bessere Akustik und eine maximale Klangqualität während der Konzerte zu erzielen, die im großen Konzertsaal veranstaltet werden, diesem Raum, der für das Verständnis der Größe dieses Projekts unerlässlich ist.

San Sebastian Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7027766

San Sebastian – KONGRESSZENTRUM

Zwischen der Mündung des Urumea Flusses in die Biskaya, dem Strand von Zurriola und dem Stadtteil Gros erheben sich diese beiden Kuben aus lichtdurchlässigem Glas, die mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis für zeitgenössische Architektur ausgezeichnet wurden. Diese „beiden gestrandeten Felsen“, wie sie von ihrem Schöpfer, dem Pritzker-Preisträger für Architektur Rafael Moneo, bezeichnet wurden, sind zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Sowohl tagsüber als auch nachts, wenn sie wunderschön erleuchten, haben sie das Stadtbild von San Sebastian verändert. In ihnen finden das berühmte Filmfestival, internationale Kongresse und alle Arten von kulturellen Aktivitäten statt. Bestaunen Sie die Leistungen von Moneo. Ihm ist es gelungen, das Natürliche und das Künstliche harmonisch in Einklang zu bringen, einen großen Konzertsaal und Mehrzwecksäle von außerordentlicher Funktionalität zu schaffen, und eine behagliche Atmosphäre im Inneren zu erzeugen.

Von Angel de los Rios from Valladolid, Spain - Centro Botín, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65354598

Santander – CENTRO BOTIN

Es gibt Gebäude wie dieses Zentrum für zeitgenössische Kunst, die in der Luft zu schweben scheinen, so, als würden sie jeden Moment davonfliegen. Die Vermittlung dieses Eindrucks ist Renzo Piano hier gelungen. In Zusammenarbeit mit dem spanischen Büro Luis Vidal + Architects hat Piano in diesem Projekt eine erstaunliche Leichtigkeit erreicht. Dieser über dem Meer vorspringende Bau befindet sich in einer privilegierten Lage in Santander und wird von Pfeilern und Säulen in der Höhe der Kronen der Bäume der Pereda-Gärten getragen.

Die Fassade ist mit rund 280.000 hellen, halbrunden Keramikkacheln bedeckt, die das Tageslicht schillernd zurückwerfen. Jeder Gebäudeteil verfügt an den Stirnflächen zum Wasser sowie zur Landseite über große Glasflächen, die viel Licht nach innen hereinlassen und von außen die Leichtigkeit der Konstruktion betonen.

Dies sind die großen architektonischen Leistungen, die Sie bei einem Spaziergang in der Gegend bewundern können: die vollständige Integration in die Landschaft und die Verbindung des Stadtzentrums mit den historischen Gärten und dem Golf von Biskaya.

By SurfAst - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14935056 Centro Niemeyer

Avilé – NIEMEYER-ZENTRUM

Auf einem leeren Blatt Papier begann der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer Kurven zu zeichnen, um Asturien, wo er 1989 mit dem renommierten Prinz-von-Asturien-Preis für Kunst ausgezeichnet wurde, ein wundervolles Geschenk zu machen.

Es war eines der letzten Werke des greisen Architekten und sein größtes Projekt in Europa überhaupt. So genial und mutig wie der brasilianische Altmeister der modernen Baukunst muss man schon sein, um einem derart abweisenden Umfeld Paroli zu bieten. Dabei ist seine Handschrift unverkennbar: Bögen und Kurven, Spiralen, Wellen und kühne Schwünge bestimmen das Ensemble, das vier Gebäude umfasst: eine kuppelförmige Ausstellungshalle, einen gläsernen Turm mit Restaurant, eine langgestreckte Mehrzweckhalle und als Krönung ein Auditorium mit schwungvoll skizzierten Konturen. Fast alle Fassaden hat der Architekt in Weiß gehalten, nur das Auditorium hebt sich mit optimistischen gelben und roten Tupfern ab.

Zum Glück hat Oscar Niemeyer sein Projekt nicht als isolierte kulturelle Insel installiert, sondern zugleich eine Brücke geschlagen ins Zentrum der Stadt auf der anderen Seite des Flusses – mit einer Fußgängerbrücke, die sein Bauwerk mit der historischen Altstadt von Avilés verbindet. 

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19973697 Santiago de Compostela Kulturzentrum

Santiago de Compostela – CIDADE DA CULTURA DE GALICIA (Galicische Zentrum für zeitgenössische Kunst) 

1999 veranstaltete das Parlament von Galacia einen internationalen Architekturwettbewerb, der von dem amerikanischen Architekten Peter Eismann gewonnen wurde. Sein Entwurf knüpfte an die Form der Jakobsmuschel der Santiago-Pilger an und soll sanfte Hügel darstellen. Es befindet sich auf einem windgepeitschten Hügel außerhalb von Santiago de Compostella und besteht aus einer äußerst komplizierten Reihe von Gebäuden. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Der Eisenmann Entwurf wurde aber  aus Kostengründen nur teilweise realisiert.

By Ion Jaureguialzo Sarasola from Vitoria-Gasteiz, España - MUSAC, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17695180 Leon Mueseum Musac

Leon – MUSEUM MUSAC

Direkt an der Avenida de los Reyes Leoneses erwartet Sie das von Bäumen umstandene Museum für Zeitgenössische Kunst von Kastilien-León (MUSAC) mit seiner originellen Fassade aus bunten Fenstern. Diese Originalität war auch einer der Gründe dafür, warum das Architekturbüro Mansilla + Tuñón Arquitectos den renommierten Mies van der Rohe Award 2007 erhalten hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie die Farben ausgewählt wurden: durch Digitalisierung eines Bildes einer der Glasfenster der Kathedrale von León. Als ein in seiner Gänze mit nur einem Grundriss mit Mauern aus weißem Beton errichtetes Gebäude wurde das Museum als Raum konzipiert, in dem die zeitgenössische Kunst im Mittelpunkt steht. Erkunden Sie das Innere und entdecken Sie seinen eigentümlichen Grundriss, bei dem sich die Architekten von der Geometrie einiger römischer Mosaiken haben inspirieren lassen und der eine Kombination aus quadratischen und rautenförmigen Formen aufweist.

By Jardoz - Own work,CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15795315 Burgos Museum für

Burgos – MUSEUM DER EVOLUTIONSGESCHICHTE DES MENSCHEN,

In der Provinz Burgos liegt die Sierra de Atapuerca, wo eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Welt gefunden wurde. Das Museum der Evolutionsgeschichte des Menschen (MEH), ein Werk des spanischen Architekten, Bildhauers und Malers Juan Navarro Baldeweg, wurde in Burgos errichtet, um einige der Funde über die Herkunft des Menschen auszustellen und zu erklären. Wir empfehlen Ihnen, sich zuerst zur Fundstätte und dann zum Museum zu begeben. So erkennen Sie, wie das Äußere des Gebäudekomplexes direkt von der Landschaft des Gebirgszuges inspiriert ist, die durch die auf Terrassen verteilte, sich bis zum Fluss Arlanzón erstreckende einheimische Vegetation gekennzeichnet ist. Beim Betreten des Hauptgebäudes stellt sich bei Ihnen sogleich ein Gefühl der Weitläufigkeit ein, denn durch die Glaswände ist der Innenraum mit der Außenwelt verbunden. Sie werden überrascht sein von dem riesigen lichtdurchfluteten Raum dieses großen Lichtkastens, der durch sein Volumen und seine Helligkeit besticht.

Sevilla Caixa ForumBy Zarateman - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126293925 Sevilla Caixa

Sevilla – CAIXA-FORUM

Das erste, was die Aufmerksamkeit dieses einzigartigen Gebäudes auf sich zieht, ist sein markantes Dach aus Aluminiumschaum. Dieses Material verdeutlicht den innovativen Ansatz des Architekten Guillermo Vázquez Consuegra, der sich der Herausforderung gestellt hat, das alte Pódium Gebäude an eine neue Funktion anzupassen, die eines Museums und eines Kulturzentrums. Unweit des architektonischen Ensembles der Weltausstellung von 1992 gelegen, ist der Komplex das Ergebnis einer Kombination aus unterirdischen Ausstellungsräumen und einem offenen, öffentlichen Raum, der den Zugang zum Zentrum ermöglicht. Dank eines ausgeklügelten Lichtspiels erinnert der Innenraum an eine Kathedrale, denn das Licht, das durch die Decke dringt, ähnelt dem Licht, das in gotischen Kathedralen durch die Buntglasfenster einfällt.

Von Anual - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17308935 Setas de Sevilla

Sevilla – METROPOL PARASOL („SETAS DE SEVILLA“)

In kürzester Zeit ist dieses als größte Holzkonstruktion der Welt erachtete Bauwerk zu einem Wahrzeichen der andalusischen Hauptstadt geworden. Das von dem Deutschen Jürgen Mayer entworfene und als „Setas de Sevilla“ (Pilze von Sevilla) bezeichnete Bauwerk hat dem Plaza de la Encarnación einen neuen Anstrich gegeben und ihn in das 21. Jahrhundert geführt.

Die Konstruktion besteht aus sechs sonnenschirmartigen Strukturen mit pilzähnlicher Form, die stellenweise miteinander zu einem Sonnenschutz verbunden sind. Inspiriert wurde das Bauwerk durch die Säulen der Kathedrale von Sevilla und durch die Birkenfeigenbäume auf dem nahegelegenen Plaza del Cristo de Burgos.

Das netzartige Design und die Fähigkeit Mayers, mehrere Funktionen in eine einzige Struktur zu integrieren, werden Sie in Staunen versetzen. Zu den Parasoles bzw. den Sonnenschirmen gehören das Archäologische Museum im Untergeschoss, eine Markthalle, Restaurants, ein erhöhter Platz und ein Aussichtspunkt mit herrlichem Blick auf Sevilla.

 

Mammutprojekte und die Probleme mit dem Bilbao-Effekt

Viele Städte hatten wohl auf den sogenannten Bilbao-Effekt gehofft nach dem Motto ein berühmter Stararchitekt und ein visionäres Gebäude und schon sind die Besuchermassen da. Aber dieser Effekt tritt eben so einfach nicht ein. Im Kapitel über das Guggenheim Museum und den Bilbao-Effekt habe ich aufgezeigt, dass mehr dazu gehört, damit aus einer Konzeption auch ein Erfolg wird. Einige der oben dargestellten Projekte hatten und haben mit Problemen zu kämpfen. Denn in den 90iger und Anfang der 20iger Jahre lebte Spanien in einer Blase, die mit einem enormen Bauboom einherging. Da Geld scheinbar keine Rolle spielte, wollte jede Region in Spanien ihre eigene Version des äußerst erfolgreichen Guggenheim-Museums in Bilbao. Und die Regionen an der Nordküste waren nicht anders. Das Wallstreet Journal schlug schon 2008 vor, den Bilbao-Effekt als Bilbao-Anomalie zu bezeichnen, „denn die ikonische Chemie zwischen der Gestaltung eines Gebäudes, seinem Image und der Öffentlichkeit erweist sich als eher selten.“ 

Was bei einigen der oben aufgeführten Gebäude oft nur bleibt, sind architektonische Meisterleistungen, ohne dass sich die Hoffnung, als Magnet für Besuchermassen zu dienen, erfüllten. Was oft fehlte war ein Gesamtkonzept für die Städte. Wir als Besucher können uns natürlich trotzdem an den architektonischen Meisterwerken erfreuen.

 

Auf einige Probleme der großen Projekte möchte ich kurz eingehen.

So gab es z.B. beim Kongresspalast in Oviedo massive Probleme. Der Kongresspalast wurde 2011 eingeweiht. Während der Bauphase waren 2006 wegen eines Konzeptionsfehlers Dachteile des «Palacio de Congresos» eingestürzt. Allein dies führte damals zu Mehrkosten von 3,4 Millionen Euro. Außerdem hatte die Baufirma Jovellanos XXI auch 6,95 Millionen Euro für das von Santiago Calatrava konzipierte mobile Dach ausgegeben, das am Ende aufgrund von Problemen mit dem hydraulischen Schiebesystem unbeweglich bleiben musste. So musste der Stararchitekt Calatrava tief in die Tasche greifen: Das Oberste Gericht in Madrid hat den damals 64-Jährigen wegen Mängeln am Kongresspalast zur Zahlung eines hohen Schadenersatzes verurteilt. Der berühmte Architekt hatte wegen hoher Kostenvoranschläge und Baumängeln schon mehrfach Ärger.

Mit dem Niemeyer-Zentrum in Avilés sollte ebenfalls nach dem erfolgreichen Modell des Guggenheim Museums  auch in der sterbenden Industriestadt Avilés ein architektonischer Blickfang und kultureller Magnet geschaffen werden, mit dem man Hunderttausende von Besuchern anlocken wollte. Bei seiner Eröffnung im Frühjahr 2011 erhielt das Centro Niemeyer dann auch überschwängliches Lob von allen Seiten.

Doch dann kam alles ganz anders: Streitereien zwischen den Betreibern des Zentrums, der Stadtverwaltung und der Regionalregierung von Asturien führten schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung zum Chaos. Die Aktivitäten wurden zunächst teilweise eingestellt, der Komplex dann ganz geschlossen, anschließend vorübergehend unter anderem Namen neu eröffnet. Inzwischen funktioniert er wieder als Centro Niemeyer, allerdings auf Sparflamme. Anders als geplant haben die Ausstellungen kein internationales Niveau, Konzerte und Filme stehen nur unregelmäßig auf dem Programm, die Besichtigung der Innenräume ist auf wenige Stunden pro Woche beschränkt. Im Außenbereich zeigen sich schon erste desolate Ecken. Niemand wundert sich deswegen, dass die erwarteten Besuchermassen ausbleiben; vom „Guggenheim-Effekt“ jedenfalls ist nicht viel zu erkennen. 

Die City of Culture von Galicien bei Santiago de Compostela ist das größte und ambitionierteste Projekt von Peter Eisenman in Europa. Ende der 1990er Jahre formulierte die konservative Landesregierung Galiciens unter Präsident Manuel Fraga Iribarne (ein Veteran der Franco-Ära) ihre Vision des künftigen Santiago in Form einer lose definierten City of Culture, die auf der Kuppe des etwa drei Kilometer von Altstadthügel und Kathe­drale gelegenen Monte Gaias entstehen sollte. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Mehr als 700.000 Quadratmeter Grund wollte man so bebauen lassen. Der Eisenman-Entwurf ist auf Grund von massiven Kostenüberschreitungen nur teilweise umgesetzt worden. Der Bau der letzten beiden geplanten Gebäude wurde 2013 endgültig gestoppt. So ist der Eisenman-Entwurf für die City of Culture kaum zur Hälfte umgesetzt. Das geplante Theater- und Kunstzentrum wurde vor einigen Jahren gestrichen und an seiner Stelle befindet sich derzeit ein neues Gebäude für die örtlichen Universitäten. Trotz der sicher interessanten Architektur finden nur wenige Besucher den Weg auf den Hügel gerade auch im Vergleich zu den Massen an Pilgern, die jedes Jahr Santiago de Compostela aufsuchen.sc

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Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vielleicht ist Euch auch schon aufgefallen, dass zahlreiche Dörfer an der Nordküste in ihrem Wappen einen Wal dargestellt haben. Die Frage ist allerdings warum? Nein, sie waren nicht ein Symbol für Größe oder Stärke (wie der Löwe z.B. in Deutschland), sondern sie waren über Jahrhunderte eines der wichtigsten Alltagsgüter!

Walfang an der Nordküste Spaniens

Nur wenige Seemeilen vor der Nordküste, von den Häfen und Stränden entfernt, bewegen sich bis heute Wale, die größten Säugetiere der Welt. Allerdings direkt vor der Küste – wie bis vor 120 Jahren – sind die Wale nicht mehr zu finden.

Nordspanische Fischer hatten als erste das riesige Potential der vor den Küsten schwimmenden Fett- und Proteinquellen erkannt und schon im 11. Jahrhundert mit dem Walfang begonnen. Vor allem die langsam schwimmenden Bartenwale wie Nordkaper, Buckelwale und Grauwale des Ostatlantiks waren leicht erreichbar. Die Jagd dieser Meeresriesen war Jahrhunderte lang eine wesentliche Grundlage für die Volkswirtschaft der spanischen Regionen entlang der Biskaya und maßgebend für die Entwicklung der Fischerorte an der Nordküste. Viele der repräsentativen Häuser in den Fischer- und Touristendörfern an der Küste sind auf den Reichtum aus dem Walfang zurückzuführen.

Von Archival Photograph by Mr. Sean Linehan -

Die bloße Erscheinung der Wale ruft heute große Begeisterung und Faszination hervor. Wir bewundern diese großen Meeressäuger und versuchen, sie zu schützen und zu erhalten. Zwischen dem 11. und dem 18. Jahrhundert allerdings waren sie ein hochgeschätztes und teures Alltagsgut.

Wenn Wale von verschiedenen Wehrtürmen gleichzeitig gesichtet wurden, setzten sich aus den entsprechenden Küstenorten die Ruderer zu gleicher Zeit in Bewegung, es entstand eine heftige Konkurrenz. Dutzende von Fischern warfen sich in ihre Txalupa-Boote und ruderten gegen die Wellen und gegen die Zeit. Denn nur wer zuerst ankam, und dessen Harpune getroffen hatte, dem gehörte die wichtige Beute. Wenn sich also verschiedene Txalupa-Boote dem Wal näherten, ruderten sie so schnell es auch nur ging. Konsequenz waren häufige Streitereien zwischen den Nachbardörfern. Denn genaue Grenzen im Meer gab es nicht.

Der relativ große Gewinn, der beim Walfang zu machen war, war für die Seeleute der Ansporn, sich zur Jagd in die Boote zu werfen. Ein Teil der Gewinne mussten den Landherren entrichtet werden und auch die katholische Kirche bekam ihren Teil ab.Abgesehen vom hohen Verdienst war der Walfang alles andere als ein Zuckerschlecken. Im Gegenteil, es bedeutete akute Lebensgefahr,

Es wurden vor allem die Franca-Wale gejagt, die Eubalaena Glacialis oder Glattwale. Diese Glattwale waren vor der gesamten „kantabrischen Küste“ heimisch. Diese „Cornisa Cantabrica“ erstreckt sich von der Grenze zu Frankreich über die baskischen Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia und die beiden Regionen Kantabrien und Asturien bis nach Galicien. Irgendwann wurden die Tiere seltener, weil zu viele erlegt wurden. Lange, wenn auch in beschränktem Umfang ging der Walfang auch an der Küste weiter, bis 1901 vor der Hafenstadt Orio in Gipuzkoa das letzte Exemplar eines heimischen Wals gefangen wurde.

Von Hines, Bob - WO-ART-81-CDHines1Derived from the following image: United States Fish & Wildlife Service, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=422334

Wale im Stadtwappen

Über die Jahrhunderte lange Tradition ist der Walfang für viele Orte der Nordküste zu einem Symbol geworden, das bis heute präsent ist. Die Bevölkerung vieler Küstenorte lebte vom Walfang und der daraus resultierenden Verarbeitung. Aus diesem Grund wurden die Walfische in einigen dieser Anliegerorte ins Stadtwappen aufgenommen, um ihre Bedeutung in den mittelalterlichen Gesellschaften zu würdigen.

In Bizkaia (mit Bilbao als Hauptstadt) haben Bermeo, Lekeitio und Ondarroa den Walfisch in ihren Wappen. In Kantabrien erscheint er im Symbol von Castro Urdiales. In Gipuzkoa (mit San Sebastian als Hauptstadt) ist der Meeressäuger in den Wappen von Hondarribia, Zarautz, Getaria und Mutriku zu finden.

Von Heralder - and [1] and Image, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32699544 Wappen von Hondarribia
Von Heralder - [1][2], CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40370168 Wappen von Zarautz

Nutzung der Tiere

 Wie kaum ein anderes Beutetier konnten Wale komplett verwertet werden, kein Teil des wertvollen Fangs blieb ohne Nutzung.

Das Walfett war eine wertvolle Beute, die in Öl umgewandelt wurde, das legendäre Saín-Fischfett. Dieses Saín war eine ideale Flüssigkeit, um Uhren zu ölen. Vor allem aber diente es dazu, die Straßenlampen in halb Europa am Leuchten zu halten. Das Besondere an jenem Öl war, dass es keinen Geruch hinterließ und keinen Rauch produzierte. „Ein Fass mit 200 Litern wurde für umgerechnet 5.000 Euro verkauft.

Das Fett wurde zudem zur Herstellung von Kosmetik und Medikamenten verwendet. Die großen Knochen kamen als Balken bei Baugerüsten zum Einsatz, außerdem wurden sie zur Herstellung von Möbeln benutzt. Die Barten aus dem Walmaul waren elastisch, deshalb wurden aus ihnen Sonnenschirme und Kämme gemacht, auch Korsette in Form von Fächerstäben. Letztere werden heute aus anderen Materialien produziert, dennoch werden sie nach wie vor „Walbein“ genannt.

Doch war aus dem Walkörper noch anderes nutzbar. Das Sperma war ein teurer Rohstoff, um Salben und Balsam herzustellen. Auch das Fleisch selbst wurde verzehrt, zwar nicht im Baskenland, hier wurde es nicht konsumiert. Zu seiner Konservierung wurde es gesalzen und exportiert, vor allem nach Frankreich. Kostbarster Teil des Walkörpers überhaupt war die Zunge. Hochgestellte Persönlichkeiten pflegten sie zu verspeisen, sie ließen sich direkt beliefern.

Von HgrobeVektorisierung: Mrmw - Eigenes Werk, basierend auf: Whale products-d hg.png:, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101193521

Ausdehnung der Fanggebiete

Nachdem die Populationen vor der eigenen Küste dezimiert war, weitete man die Jagd auf die arktische Region aus. Es kamen Nachrichten aus Kanada, aus dem Gebiet von Terranova (Neufundland). Dort sollte es Mengen von Kabeljau geben (bask: makailaoa, span: bacalao). Viele Fischer beschlossen, dorthin zu fahren, nicht zuletzt, weil sie keine andere Wahl hatten. Eher zufällig wurde entdeckt, dass es dort oben im Nordwesten auch Wale gab. Mit schnelleren Schiffen und besseren Fangmethoden wurden ab dem 19 Jh. die großen und schnellen Blau-, Finn- und Seiwale gejagt und proportional zu ihrer Größe dezimiert. In zwei Jahrhunderten wurden rund 20.000 dieser Säuger erlegt. Die Fischer zogen im Frühjahr los und kamen vor dem Winter wieder zurück. Sie fischten in Neufundland aber auch in den Meeren Richtung Island. Man muss ehrlicherweise anmerken, dass es also die Europäer waren, die zum großen Teil an der massiven Dezimierung der Wale beteiligt waren!

Heutige Situation des Walfangs und die Probleme des Klimawandels

Seit 1948 wurde der Walfang mit der Einrichtung der internationalen Walfangkommission stark eingeschränkt und 1986 auf Null gesetzt. Heute fangen drei Nationen weiter Großwale (über 10 m Länge), die sich der Kommission nicht angeschlossen haben bzw. wieder ausgetreten sind: Island und Norwegen und seit Ende 2018 auch Japan. Extra geregelt und meist gar nicht erwähnt wird dabei der Fang der kleineren Arten.

Eine Bedrohung der Walpopulation stellen heute vor allem der Klimawandel und die Meeresverschmutzung dar. Durch den Klimawandel wird es zu Veränderungen der Wassertemperatur, des Meeresspiegels, der Meereisbedeckung, des Salz- und Säuregehaltes des Meerwassers, der Niederschlagsverteilung, der Windgeschwindigkeiten und des Wellengangs kommen. Die exakten Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben der Wale sind nur schwer vorauszusagen.

Auf einige Klimaveränderungen, wie zum Beispiel den Temperaturanstieg reagieren die Meeressäuger direkt mit Veränderungen in ihrem Verbreitungsgebiet. Einige Arten verlassen ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet und weichen in andere Gebiete aus. Aber nicht alle Walarten können sich so den veränderten Bedingungen in ihrem Lebensraum entziehen.

Der Klimawandel wird aber auch indirekte Auswirkungen auf die Wale haben; wie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Umweltverschmutzungen. Auch Veränderungen in der Häufigkeit und Verteilung der Nahrungsressourcen, werden vor allem Walarten beeinträchtigen, die auf bestimmte Nahrung spezialisiert sind.

Wale sind neben dem Klimawandel jetzt schon zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt durch die Verschmutzung der Meere, chemische Abfälle und Lärm, industrielle Fischerei, Zusammenstöße mit Schiffen, militärische Aktivitäten, Veränderungen ihrer Nahrungssituation durch die Einführung fremder Arten und durch die Netze der Fischereiflotten, in denen sie oft ungewollt als Beifang verenden.

Warum sind Wale wichtig für Klima und Umwelt?

Der Schutz der Wale ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn Wale spielen eine wichtige Rolle in den marinen Ökosystemen. Ihre Ausscheidungen an der Meeresoberfläche dienen als Nährstoffe für Phytoplankton und Fische, bei ihren Tauchgängen befördern sie weitere Nährstoffe aus der Tiefe nach oben und wenn Wale sterben, ernährt ihr Körper zahlreiche Meeresbewohner. Die Wale speichern aufgrund ihrer Größe hohe Mengen Kohlenstoff. Außerdem entzieht das durch sie produzierte Phytoplankton der Atmosphäre CO2 und bindet es ebenfalls als Kohlenstoff.

Wie eine Studie hervorhebt, verbessern die riesigen Meeressäuger aufgrund ihrer langen Lebenserwartung langfristig die Stabilität der marinen Ökosysteme. Denn einige Walarten erreichen vermutlich ein Alter von etwa 100 Jahren und mehr. Allerdings schrumpfen die Bestände der großen Walarten wie Blau-, Grau- oder Buckelwal drastisch. Dies hat wahrscheinlich schon jetzt die Struktur der Ozeane verändert. Die Hoffnung besteht darin, dass weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet die unverzichtbaren Vorteile der Wale hervorheben und so auch den Walschutz und das Ansteigen der Walpopulationen fördern.

Von Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

Blauwale in Galicien heute

Wie der Guardian berichtet, werden in Galicien jedoch seit 2017 wieder jährlich einzelne Blauwale gesichtet. Wissenschaft ist sich uneinig, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.

Der Meeresbiologe Bruno Díaz vermutet, die Wale könnten zurückgekehrt sein, da sie sich immer noch an die Heimat ihrer Vorfahren erinnern. Neueren Erkenntnissen zufolge sind für Migrationsbewegungen von Walen offenbar weniger Umweltfaktoren als Erinnerungen ausschlaggebend. Der Meeresbiologe Alfredo López nimmt dagegen an, dass der Klimawandel die Wale nordwärts treibt. Das wäre ein schlechtes Zeichen, da es zeigen würde, dass die Erwärmung der Meere den Lebensraum der Blauwale zunehmend einschränkt.

Blauwale sind wieder in Galicien, da sie in spanischen Gewässern viel Krill finden.

Von Juli bis Ende Oktober ernähren sich die Blauwale vor der galicischen Küste von Plankton. Davon gibt es sehr viel in der Gegend der Rías Baixas. Rías Baixas (galizisch: Untere Rías, spanisch Rías Bajas) ist die Sammelbezeichnung für vier schmale, tief ins Land reichende Meeresbuchten im Südwesten von Galizien, die aus überfluteten Flusstälern hervorgegangen sind. Das Gebiet reicht vom Cap Finistere bis zur portugiesischen Grenze. Das aus den Tiefen des Atlantiks aufsteigende Wasser ist sehr kalt, was das Planktonwachstum fördert.

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Llanes – ein reizvolles Fischerdorf, Colombres – Auswanderermuseum, San Antolin de Bedón

Llanes - ein reizvolles Fischerdorf

Camino del Norte

Das Küstenstädtchen liegt in einer grünen Landschaft malerisch zu Füßen des Gebirgszugs der Sierra de Cuera. Der Ort wurde gern als Kulisse für Filme und Serien genutzt. Vielleicht ist es ein Glück für den Küstenort, dass die Altstadt und die moderne Feriensiedlung jeweils einen eigenen Bereich bilden. Außerdem besitzt die Gemeinde, die sich über 30 km entlang der Küste erstreckt, über 30 kleiner und größere Strände.

Der Hafen

Seine besondere Atmosphäre hat es dem alten Hafen zu verdanken, der inmitten des Stadtkerns liegt und über einen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Von hier aus starteten früher die Walfänger hinaus auf den Atlantik. Llanes war einer der ersten Walfanghäfen außerhalb des Baskenlandes und Skandinaviens (s. auch das Kapitel über die Walfänger). Der traditionelle Fischereihafen ist bis heute in Betrieb. Schön sind die vielen kleinen Fischerboote.

Am Hafen findet man auch das Werk des baskischen Malers Augustin Ibarolla, Los Cubos de la Memoria. Er hat die Betonquader, die den Hafen als Wellenbrecher vor der Brandung schützen, mit kräftigen Farben bemalt. Sie sollen als Gedächtniswürfel dienen und setzen sich mit der Geschichte und Kultur in der Region von prähistorischer Zeit bis ins 19. Jh. auseinander. Das Werk besteht aus Gemälden auf Würfeln, die harmonisch ineinander übergehen, Kanten auflösen und durch die Verbindung der Würfel mit Farben neue Formenspiele erzeugen. So entstehen durch eine nicht-figurative Bildsprache neue Volumen und Oberflächen.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52146781
Von GoaSkin - eigenes Foto, Bild-frei, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1955611

Sehenswürdigkeiten

Teile der erhaltenen Stadtmauer stammen noch aus dem Jahr 1206, dem Jahr, in dem der Ort von König Alfons IX. die Stadtprivilegien erhielt. Sehenswert sind Reste der mittelalterlichen Burg mit der Burgturm Torre del Castillo. Es handelt sich um einen Wehrturm in der mittelalterlichen Stadtmauer, dessen Fundament bis ins  13. Jahrhundert zurückreicht. Dieser Turm diente als Wehrturm und später als Gefängnis. Der Turm besteht aus Kalkstein und hat einen kreisförmigen Grundriss. 

Der Palacio de los Duques de Estrada wurde im Mittelalter erbaut und bewahrt den Aguilar de San Jorge-Turm aus dem 11. Jahrhundert. Das Gebäude wurde im 14. Jahrhundert umgebaut und erhielt sein heutiges Aussehen mit der Errichtung seiner heutigen Fassade im 18. Jahrhundert. Das heutige Gebäude ist also im Barockstil gehalten, wobei die Fassade von zwei Türmen mit viereckigem Querschnitt flankiert wird. Seit dem Brand im Jahr 1809 ist es allerdings eine Ruine. 

Der Palacio de Gastañaga oder San Nicolás-Palast, das ehemalige Herrenhaus von Rivero, ist eines der wenigen Beispiele ziviler Architektur aus dem 14. und 15. Jahrhundert in Asturien. Es befindet sich in der Calle Mayor, neben dem fehlenden Tor San Nicolás, das den Durchgang von der Mauer zum Fischerviertel verschloss. Der Palast ist in zwei unabhängige Körper gegliedert, die durch zwei Luftdurchgänge verbunden sind, die die noblen Stockwerke beider Gebäude verbinden. An der Hauptfassade sind die ursprünglichen, unregelmäßig verteilten Rundbogenöffnungen, Zwillingsbögen usw. erhalten. 

De Zarateman - Trabajo propio, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52146560
De Caguat - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16610274

Beeindruckend sind auch weitere überraschend repräsentative Bauten, da in früheren Zeiten mit Walfang viel Geld verdient wurde. Außerdem siedelten sich auch „Indianos“ an, reichgewordene Emigraten, die aus Südamerika in ihre Heimat zurückkehrten. Zu nennen ist hier u.a. das Rathaus. Es handelt sich hierbei um ein Gebäude im neoklassizistischen Stil, das Ende des 19. Jh. errichtet wurde. Es wurde allerdings in den 2oer Jahren umgestaltet.

Auch der kleine Palast von 1910, der früher der Sitz des Kasino-Theaters war, ist bemerkenswert.

Die frühgotische Kirche Santa Maria ist eine weitere Sehenswürdigkeit des Ortes. Die Basilica minor Santa María del Conceyu ist ein gotisches Bauwerk aus dem 14. und 15. Jahrhundert, weist aber im Inneren noch spätromanische Elemente wie das Westportal und mehrere Kapitelle auf.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130600 Casino
https://www.the-vegan-travelers.com/de/europa/spanien/llanes-paradiesbucht.html Rathaus

Die Bufones de Arenillas

In der Nähe von Llanes befinden sich die Bufones de Arenillas (Narren von Arenillas), sogenannte Meerwassergeysire. Sie erzeugen bei starkem Wellengang bis zu 40 m (Bufón de Santiuste) hohe Wasserfontänen.

Ein Narr besteht aus Bergkalkfelsen, der auf einer Klippe liegt und vom Meer unten und dem Regen- oder Flusswasser oben erodiert wird. Durch diese Erosion entstehen Karsthöhlen . Wenn die Flut steigt, füllt er die Lücke, die durch das Heraustauchen über die Klippe entsteht, wodurch ein Meerwasserspritzer entsteht, der von einem charakteristischen Geräusch begleitet wird, was ihm den Namen Narr gibt.

Ein Bufón entsteht also dadurch, dass durch den Druck der Meeresbrandung Wasser durch natürliche Röhren im porösen Kalkstein gepresst wird. Bufones können überall dort entstehen, wo Karstlandschaften ans Meer grenzen, hier die Picos de Europa.

De sitomon - Trabajo propio, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1908556
De sitomon - Trabajo propio, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1908556

Aeródromo de Llanes

Südöstlich von Llanes, am Südrand des Ortsteils Cués, befand sich während des Bürgerkrieges ein Feldflughafen. Dieser wurde zunächst durch die Luftstreitkräfte der Republik Spanien benutzt. Nach Eroberung der von Osten vorrückenden nationalistischen Truppen des Generals Franco im September 1937 lag Llanes im von Franco kontrolliertem Gebiet des Landes. Der Platz wurde umgehend durch die Truppen Francos und die deutsche Legion Condor beim weiteren Vormarsch während des Krieges im Norden benutzt. Hier lagen Jagdflieger der nationalsozialistischen Jagdflieger 88 (J/88) (s. auch das Kapitel über Guernika). Heute sieht man von dem Flughafen nichts mehr. Hier befindet sich nun ein Golfplatz.

Das Migrationsmuseum in Colombres

Auf unserer Wanderung auf dem Camino del Norte sollte man vor Llanes in Colombres anhalten, gleich hinter der kantabrisch-asturischen Grenze, um das beeindruckende Migrations-Museum zu sehen. Sowohl das Museumsgebäude selbst, als auch die historische Ausstellung sind sehenwert. Die dargestellte Geschichte schildert praktisch und einleuchtend die Realität der früheren Bewohnerinnen der Regionen an der Nordküste der Iberischen Halbinsel. Diese Geschichte gilt nicht nur für Asturien, das Museum könnte genau so gut auch im Baskenland oder in Galicien stehen, denn in den vergangenen Jahrhunderten waren Leute aus allen Regionen aufgrund ihrer Existenzbedingungen dazu gezwungen, in Übersee, vor allem in Südamerika ihr Glück zu suchen. Manchmal war es auch pure Abenteuerlust.

San Antolin de Bedón

San Antolín de Bedón war ein aufgelassenes Benediktinerkloster in der Gemeinde Llanes, am westlichen Ende der Gemeinde, in einem grünen Tal, nur wenige hundert Meter vom gleichnamigen Strand von San Antolín entfernt. Das Kloster San Antolín de Bedón wurde an der Mündung des Flusses Bedón errichtet.

Rund um die Kirche stehen noch einige zerstörte Häuser. Die Kirche selber aber wurde in den letzten Jahren renoviert. Das Baujahr ist unbekannt, aber dem Stil nach stammt sie aus der Spätromanik im Übergang zur Gotik, was man an der Verwendung der Spitzbögen erkennen kann.

Seine gesamte Architektur ist sehr ausgewogen und harmonisch. Die Dekoration außen ist  sehr schlicht und beschränkt sich auf einige wunderschöne Konsolen (einige restauriert), wo viele figurative Motive in unterschiedlichem Erhaltungszustand vorkommen.

Der Grundriss entspricht der Form einer Basilika mit drei unterschiedlich hohen Schiffen, die durch Spitzbögen getrennt sind, die von einfachen Pfeilern gestützt werden. Der Kirchenraum endet in drei halbkreisförmigen Apsiden, die an der Außenseite hervorgehoben und mit einem Viertelkugelgewölbe bedeckt sind. Das Dachsystem ist hierarchisch aufgebaut, da die Kirchenschiffe ein Holzgerüst haben, während das Querschiff mit einem Kreuzrippen- und Spitztonnengewölbe bedeckt ist.

Die Kirche hat zwei Portale; das westliche Portal hat fünf spitze Archivolten und ein Gesims, das mit schönen anthropomorphen (Jäger), tierischen (Vögel) und pflanzlichen Kragsteinen verziert ist. Das südliche Portal hat eine sehr ähnliche Struktur und Verzierung. Eines von ihnen diente dazu, die Kirche mit dem Kloster zu verbinden.

By Ramón - originally posted to Flickr as San Antolín de Bedón - 39, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4690322

Quellen

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Comillas – Jugendstil trifft auf Historismus

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Camino del Norte

Die Stadt Comillas ist einer der symbolträchtigsten Orte der nordspanischen Region Kantabrien und aus architektonischer Sicht einer der interessantesten. Comillas hat zwar mittelalterliche Wurzeln, aber es wird von Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils dominiert, darunter der Sobrellano-Palast und das Pantheon de Sobrellano, die Päpstliche Universität und natürlich das brillante El Capricho des katalanischen Architekten Antoni Gaudi.

 Wie die Königsfamilie nach Comillas kam

Antonio Lopez y Lopez war 1931 nach Kuba emigriert, wo er sich dank zahlreicher Firmengründungen, zu deren Geschäften leider vermutlich auch der Sklavenhandel gehörte, und der zwischenzeitlichen Heirat mit der reichen Katalanin Luisa Bru Lassús, großen Wohlstand aneignete. Mit Tabakproduktion und -handel aber auch mit Banken und einer transatlantischen Schifffahrtslinie hat er seinen Erfolg gemacht. (s. auch das Kapitel „Die Witwen der Lebenden und Toten“)

Zurückgekehrt als reicher Geschäftsmann und Freund der spanischen Krone beschließt er, sich seiner Heimatstadt Comillas zuzuwenden und diese zu gestalten. Er lädt König Alfonso XII ein, dort seinen Sommerurlaub zu verbringen. Durch die wiederholten Besuche der Königsfamilie zieht Comillas die Aufmerksamkeit zahlreicher Aristokraten und reicher Bürger auf sich, was die weitere Entwicklung der Stadt und ihrer architektonischen Gestaltung beträchtlich beeinflussen wird.

Um den Besuch des Königs gebührend zu zelebrieren, wird Comillas als erste Stadt Spaniens mit elektrischer Straßenbeleuchtung ausgestattet und das, nachdem die Beleuchtung erst ein Jahr vorher von Thomas Edison patentiert wurde! Das Mäzenatentum des mittlerweile zum Marqués de Comillas ernannten Antonio Lopez y Lopez´ und seines Sohnes bringt Künstler der Modernismus wie Antonio Gaudí oder Luís Domènech i Montaner in die Stadt. Es entstehen Bauwerke wie der Palacio de Sobrellano, das Capricho de Gaudí oder die Antigua Universidad Pontificia.

Durch diese “königliche Aufwertung” des Ortes wurde Comillas zu einem  beliebten Badeort der spanischen Aristokratie. Auch heute noch sind die Badeorte in Asturien im Sommer beliebte Ferienorte der Madrilenen.

Von Nacho Castejón Martínez - originally posted to Flickr as Comillas, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001466

Die Sehenswürdigkeiten:

 Palacio de Sabrellano und Panteón de Sobranello

Der Sobrellano-Palast, auch bekannt als Palast des Marquis von Comillas, war das Werk des katalanischen Architekten Joan Martorell, der ihn im Auftrag des ersten Marquis von Comilla erbaute. Martorell war ein Kommilitone von Antoni Gaudi. Der Palast ist leicht verwittert und wirkt mit seinen rötlichen Steinen ein wenig geheimnisvoll. Die Arbeiten wurden 1888 abgeschlossen. Das mächtige neogotische Gebäude enthält englische, venezianische und mozarabische Details und diese Mischung gefällt nicht unbedingt jedem Kunstliebhaber. Das Gebäude hat einen rechteckigen Grundriss und ist im Inneren mit Möbeln von Antoni Gaudi und Gemälden von Eduard Llores ausgestattet. Draußen gibt es Skulpturen vom Barockkünstler Joan Roig. Neben dem Palast befindet sich das Panteón de Sobranello, eine Kapelle errichtet ebenfalls von Martorell. Die Einrichtung stammt vom jungen Antoni Gaudi.

De Sandstein - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7741310 Palacio de Sobrellano
De Anais Goepner Melendez - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28635889 Pantheon

Antigua Universidad Pontificia

Sie ist eine päpstliche Universität, die durch den Heiligen Stuhls errichtet wurde und unter dessen direkter Aufsicht steht, und eine der berühmtesten akademischen Institutionen in Spanien. Die Gründung erfolgte am 16. Dezember 1890 durch Papst Leo XIII. als katholisches Seminar für die Priesterausbildung.

Im Jahr 1968 wurde der vollständige Umzug der Einrichtung nach Madrid entschieden. In Comillas behält die Universität aber zwei Campus-Einrichtungen, eine im 1908 gegründeten Instituto Católico de Artes e Industrias  (ICAI), das als Zentrum für technische Studiengänge fungiert, und eine im Instituto Católico de Administratión e Dirección  de Empresas (ICADE), dem Zentrum für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit rund 13.000 Studierenden.

De Universidad_Pontificia_Comillas.jpg: Nacho Castejón Martínezderivative work: Tony Rotondas (talk) - Universidad_Pontificia_Comillas.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001787

Die Villa Quijano,

Die Villa Quijano, auch bekannt unter dem Namen El Capricho („Die Laune“), ist ein bekanntes Bauwerk des Architekten Antoni Gaudi.

Bei diesem Bauwerk handelt es sich um ein Sommerlandhaus. Auftraggeber war der vermögende Geschäftsmann Don Máximo Díaz de Quijano, der es aber leider nicht vollendet sah, da er kurz vor der Fertigstellung starb. Das Gebäude wurde von 1883 bis 1885 errichtet und zeigt neben einigen frühen Elementen des Modernisme vor allem deutliche Anleihen an den Mudéjar-Stil.

Herausstechendes Merkmal der Villa ist der zylinderförmige Aussichtsturm über dem Eingangsportal, das wiederum auf vier runden Säulen ruht. Der Turm ist mit bunten Keramikfliesen verkleidet. Die Fliesen mit ihrem Sonnenblumen-Muster finden sich auch auf der übrigen Fassade wieder, wo sie das Sichtziegelmauerwerk als waagerechte Bänder gliedern. In der Symbolik des Gebäudes sind aber nicht nur Anspielungen an die Natur, sondern auch an die Musik zu finden. So sind z. B. an den Gegengewichten der Vertikal-Schiebefenster Metallblättchen befestigt, die beim Bewegen Musik ertönen lassen. So liegt immer ein leises Klingeln in der Luft.

Gaudí hat die Villa nie selbst gesehen und überließ die Ausführungen vor Ort seinem Studienfreund Cristóbal Cascante.

De Anual - Trabajo propio, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16126112

Friedhof von Comillas

Der Friedhof, von Luis Domenech y Montaner 1893 gestaltet, befindet sich auf den Ruinen einer alten Kirche. Der Architekt entwarf die Friedhofsmauer mit ihrem Haupteingang, den Türmchen und Kreuzen. Die Marmorskulptur des Vernichtungsengels stammt von José Llimona (1894-1985). Der Ángel Exterminador gilt als das Wahrzeichen von Comillas.

Iglesia de San Christóbal

Der Bau der Kirche begann Mitte es 17. Jh.s, wurde aber erst 1831 fertiggestellt. San Christóbal hat eine besondere Geschichte. Die Bürger der Stadt nehmen ihre Einrichtung nämlich kurzerhand selber in die Hand, nachdem das Gefolge des Herzogs von Infantado sich geweigert hatte, beim Gottesdienst eine Bank mit ihnen zu teilen. So stellte jeder Bürger, der dazu in der Lage war, seine Arbeitskraft einmal in der Woche zur Verfügung. Außerdem kümmerten sich die Bürger auch um die Finanzierung. Überraschend für die Besucher ist der schlichte weiße Innenraum ohne irgendwelche Dekorationselemente.

Zusätzlich findet man in Comillas zahlreiche Gebäude der „Indianos“, jener Gruppe von Auswanderer, die in Südamerika reich geworden, wieder in ihre Heimat zurückkehrte ebenso wie prächtige Häuser spanischer Aristokraten und Großbürger.

De Universidad_Pontificia_Comillas.jpg: Nacho Castejón Martínezderivative work: Tony Rotondas (talk) - Universidad_Pontificia_Comillas.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001787
De Cosal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50082563 San christobal
De Ismaelromero - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21490938
De Cantabrucu - Trabajo propio, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82897635
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Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda – ein einzigartiger römischer Tempel

Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda - ein einzigartiger römischer Tempel

Camino Primitivo

Direkt am Camino Primitivo im Ort Santa Eulalia de Bóveda, in der Nähe der Stadt Lugo, ist ein weltweit einzigartiges Bauwerk erhalten: ein besonderer römische Tempel, welcher der Göttin Kybele geweiht wurde. Er wurde als Heiligtum und Orakel angesehen. Später wurde der Tempel als christliche Kirche genutzt und der Heiligen Eulalia geweiht, eine der berühmtesten Heiligen Spaniens. Man sollte den Ort unbedingt aufsuchen (Achtung manchmal leider geschlossen) . Es ist nur ein kleiner Raum unter einer kleinen Kirche aber von besonderer Schönheit durch die herrlichen Fresken, die noch erhalten sind.

Der eventuell aus dem 4. Jahrhundert stammende Bau wurde erst 1926 „entdeckt” – er war jahrhundertelang verschüttet gewesen. Nur so konnten sich die gemalten Motive erhalten. Aber der Zustand des feuchten Raums verschlechtert sich, der Schimmel macht schnelle Fortschritte.

Der Kybele Kult

Kybele war eine Göttin der Natur und Fruchtbarkeit und wurde in Rom als die Große Mutter der Götter verehrt. Als Schöpferin der Seelen schützte sie vor dem Geist des Bösen, denn voller Güte half sie denen, die sie anriefen. Ihr Kult erlangte in Rom Bedeutung, nachdem Augustus eine besondere Verehrung für sie empfand. Ein besonderer Aspekt von Kybele ist, dass sie Orakel gibt und Ekstase hervorruft, sowohl um Prophezeiungen zu fördern als auch um Schmerzen und sogar den Tod zu lindern. Ihre Heiligtümer im Reich hatten eine spezifische Architektur, um sich an die Durchführung ihrer Riten und insbesondere der Taufe oder des Tauroboliums anzupassen.

In der Antike gab es für Kybele viele Heiligtümer, bei denen es sich um Orakel handelte, in denen die Sibyllen residierten. Diese ermöglichten es den Priestern der Göttin, die Zukunft zu interpretieren. Die Sibyllen galten als prophetische, körperlose und zeitlose Stimmen. Diese Stimmen stammten von Vögeln, die mit dem Kybele-Kult in Verbindung gebracht wurden. Hähne, Enten, Gänse, Fasane, Wachteln usw. Der Flug der Vögel, ihr Gesang und ihr Kreischen enthielten die Prophezeiungen der Sibyllen.

Architektur 

Das Gebäude hatte zwei Stockwerke, obwohl heute nur noch das Untergeschoss bzw. die Krypta erhalten ist, die bis auf den zentralen Teil des Gewölbes, der beim Abriss der alten christlichen Kapelle im Obergeschoss verloren ging, fast in ihrer ursprünglichen Form erhalten ist. Von der oberen Etage ist nur noch ein Teil der Wand übrig, an der das Dachgewölbe aus Keramikziegeln beginnt.

Vor der christlichen Kapelle diente dieser zweite Stock als Taurobolio. Das Taurobolio war im antiken Rom das rituelle Opfern eines Stiers im Kybele Kult. Es war seit dem 1. Jh. n. Chr. bekannt. Ursprünglich diente es dazu, die Lebenskraft des Opfertiers zu übertragen. Das Taurobolium wird oft als eine kunstvolle Zeremonie dargestellt, in der sich der Stier auf einem Holzgitter befand und der zu Weihende darunter in einer Grube, so dass er während der Opferung vom Blut des Opfertiers durchnässt wurde, welches in ein Becken im Untergeschoss tropfte. Die Opferung eines Tieres die Götter ist Teil einer religiösen Handlung. Der Glaube an die heilende Wirkung der Bluttaufe war als Praxis in der Antike, insbesondere im 2. und 3. Jahrhundert, weit verbreitet.

Sobald das Tier tot war, ließen die Priester einen Behälter mit den Geschlechtsorganen des Stieres über eine Kommunikationstreppe an der Westwand hinab und stellten ihn in die Nischen in den Wänden der Krypta auf beiden Seiten des Beckens. Eingeweide geopferter Tiere werden oft auch für die Hieroskopie verwendet, ein Verfahren des Wahrsagens aus Opfergaben. Auch die unten erläuterte Darstellung von Vögeln weist auf ein Orakel hin. Als der Ritus des Taurobolio mit der Annahme des Christentums verboten wurde, verlor dieses zweite Stockwerk seine ursprüngliche Funktion und wurde in eine Kapelle umgewandelt, während das Erdgeschoss zur Krypta wurde. 

Sie besteht aus einem rechteckigen Raum mit einem kleinen Becken in der Mitte und einem Tonnengewölbe. An der Außenseite geht der Fassade ein kleines Atrium mit zwei Säulen voraus, in das sich eine Tür mit einem Hufeisenbogen öffnet, eine Typologie, die später von den Westgoten übernommen wurde. Es ist der älteste Hufeisenbogen, der in der spanischen Architektur als Strukturelement existiert, da er zuvor nur in der Dekoration einiger römischer Stelen vorkam. Das Heiligtum der Kybele gilt als „Unikat“, das bedeutet, im gesamten vom Römischen Reich besetzten Gebiet gibt es kein anderes Gebäude mit denselben Merkmalen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by Igrexas, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11293241

Wandgemälde im Innern

Im Inneren der Krypta ist ein wunderbarer Wandgemäldekomplex erhalten, der bedeutendste von denen, die es in ganz Hispanien gibt. Die bildliche Darstellung nimmt unmittelbar Bezug auf die Beziehung, die die Vögel und ihre Gesänge zum Heiligtum und seiner Funktion als Orakel hatten. Die lebenden Vögel blieben vor den Augen der Gläubigen verborgen und ihre prophetischen Lieder hallten über die Gewölbemalereien in der Krypta wider. Diese Gemälde befinden sich im Gewölbe und stellen die Sibyllen in Form von Vögeln dar und sind hervorragend erhalten. Das Set besteht aus Rebhühnern, Fasanen, Hühnern, Pfauen (Symbol der Göttin), Tauben, einer Gans und einer Ente sowie stilisierten Pflanzenmotiven, die den heiligen Baum von Attis (Attis ist in der griechischen und phrygischen Mythologie der Sohn der Flussnymphe Nana, den sie aus dem Samen eines Mandelbaumes empfing),  sowie die Kiefer und ihre Früchte darstellen. Es sind Fresken mit wunderbaren Farben, die einen tief beeindrucken. Die unteren Wandgemälde verschwanden, als das Heiligtum christianisiert wurde, und stellten sicher einen Bezug zu den Mysterien der Göttin her.

De freecat - flickr.com, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8574404

Außenfassade

An der Außenfassade der Krypta und des Atriums sind mehrere symmetrisch angeordnete Granitskulpturen zu sehen. Es handelt sich um Darstellungen von Tänzen, zwei Figuren mit verkrüppelten Beinen bzw. Armen, und es wird angenommen, dass Behinderte eine der sozialen Gruppen waren, die sich durch den Kybele-Kult Linderung oder Heilung erhofften. Außergewöhnlich ist auch ein astronomisches Relief, in dem ein Planet und sein Mond erscheinen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by HombreDHojalata, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11300664
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Kultur Kultur Via Podiensis

Moissac – nicht nur eine Hochburg der romanischen Kunst

Moissac – nicht nur eine Hochburg der romanischen Kunst

Camino Podiensis

Geschichte der Abtei und Stadt

Moissac die Stadt am Zusammenfluss von Tarn und Garonne entwickelte sich um die Benediktinerabtei St Pierre und ist eine der bedeutendsten Stationen auf dem Camino Podiensis. Mit über 13.000 Einwohnern ist Moissac die zweitgrößte Stadt im Département Tarn-et-Garonne.

Eine erste Gründung der Abtei Sankt Peter soll es um das Jahr 500 durch den Merowinger -König Chlodwig gegeben haben. Dies konnte aber durch die Wissenschaft nicht belegt werden. Erst in der Mitte des 7. Jahrhunderts ist die erste Gründung durch den heiligen Didier (den Bischof von Cahors) belegt. Sie fand während der Eroberungszüge der Araber und Normannen statt. Im 11. Jh. stand die Abtei kurz vor dem Ruin. 1030 stürzte das Dach ein und 12 Jahre später wurde die Abtei durch den Vizegrafen niedergebrannt, dem das Kloster als weltlicher Abt unterstellt war. Dies führte aber zu einer Gegenreaktion. Das Kloster wurde dem Kloster von Cluny, der mächtigsten Abtei im Abendland, unterstellt. Da Cluny direkt dem Papst unterstellt war, hatte die Abtei in Moissac Immunität gegenüber den weltlichen Mächten und erhielt sein Vermögen und seine Ländereien zurück. 1047 wird Durandus von Cluny als Abt in Moissac eingesetzt. Wenig später wurde er auch Bischof von Toulouse. Er nimmt den Wiederaufbau der Abteikirche in Angriff. Im Jahre 1063 wurde die neue Kirche prunkvoll eröffnet. 1100 wird durch den Abt Ansquitil der Kreuzgang fertiggestellt, dessen Skulpturen auf Kapitellen und Pfeilern einen der Höhepunkte der romanischen Kunst darstellen. Mit dem Aufschwung, den das Kloster nahm, entwickelte sich auch der Ort im Schatten der Abtei. Das goldene Zeitalter von Abtei und Stadt währte aber nur bis zum 14. Jh.

Der Hundertjährige Krieg, in dessen Verlauf Moissac zweimal von den Engländern besetzt wurde, setzte der Abtei schwer zu. Kurz nach der Belagerung und Einnahme der Stadt durch ein englisches Heer wurde die romanische Kirche 1188 bei einem Stadtbrand zerstört. Erst etwa hundert Jahre später begann der Wiederaufbau, nun in gotischem Stil und in Backstein, und dauerte in mehreren Bauphasen bis weit ins 15. Jahrhundert. Auch die Hugenottenkriege belasteten Abtei und Stadt schwer. Während der Französischen Revolution werden 1792 die Archive und Kunstschätze des Klosters geplündert oder zerstört. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entgeht die Abtei nur knapp der völligen Zerstörung, denn Kreuzgang und Konvent sollen dem Bau der Bahnlinie Bordeaux – Sète weichen. Einer Initiative des Denkmalschutzes ist es zu verdanken, dass die Pläne nicht ausgeführt wurden.

Die ersten Einwohner waren Fischer, später wurde die Stadt jedoch zu einem wichtigen Hafen für die Verschiffung von Maismehl nach Bordeaux. Die Moulin de Moissac (s.auch unten) beschäftigte einst etwa zwei Drittel der Stadtbevölkerung. Mit der Einführung der Eisenbahn und dem anschließenden Zusammenbruch des Flusshandels schrumpfte jedoch die Bevölkerung der Stadt. Heute ist die Stadt ein Touristenmagnet und eine der wichtigsten Stationen auf dem Camino Podiensis.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

Die Abteikirche St. Pierre

Nach dem Anschluss an Cluny begann die Errichtung der neuen Kirche (Moissac I) 1063, die Mitte des 12 Jh.s umgewandelt wurde (Moissac II). Der Bau wurde zu Beginn des 13. Jh.s niedergebrannt. Wie durch ein Wunder überlebte das Portal die Feuersbrunst. Erst nach Ende des Hundertjährigen Krieges entstand die Abteikirche aufs Neue, diesmal in Gestalt eines Saalraums mit gotischem Kreuzrippengewölbe (Moissac III). Der Raum ist nicht besonders attraktiv, die Architektur von Moissac spielt deshalb keine Rolle. Nach dem herrlichen romanischen Portal ist das Kircheninnere eher eine Enttäuschung. Daher richtet sich das Augenmerk voll und ganz auf das Portal (1110-1131) und den Kreuzgang (1059-1131) mit ihren herrlichen romanischen Skulpturen, die zu den europäischen Meisterwerken ihrer Zeit zählen (s. auch das Kapitel „Französische Romanik“).

Das Portal

Das Portal ist mit zahlreichen Reliefszenen geschmückt und gilt daher als bedeutendstes Zeugnis romanischer Bildhauerkunst in Südwestfrankreich. Das berühmte Stufenportal öffnet sich zur Südseite in einer tiefen Vorhalle. Es erscheint als eigener, der Kirche zugewandter Baukörper.

Das Tympanon wird auf 1120/30 datiert und ist damit eines der ältesten figürlichen Tympana überhaupt. Getragen wird es von dem Trumeaupfeiler in der Mitte des Eingangs. An den Seitenwänden der Portalvorhalle befinden sich weitere Relieffiguren. Die Portalanlage gehört mit denjenigen von Beaulieu-sur-Dordogne, Conques, Vezelay und Autun zu den Meisterwerken der romanischen Bildhauerei in Frankreich.

In der Mitte des Bogenfeldes dominiert Christus. Ihn umgeben die vier Evangelistensymbole und zwei schlanke Engelsgestalten, über dem Haupt Christi erkennt man die Andeutung einer Mandorla (Aura um die ganze Figur). Den übrigen Raum nehmen, im Bedeutungsmaßstab verkleinert und in drei Registern übereinander angeordnet, die 24 Ältesten der Apokalypse ein. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem Thema der Wiederkunft Christi auf Erden. Das Wellenband zu Füßen Christi deuten die Wogen des Gläsernen Meeres an. Der seltsame, aus Bestienmäulern wachsende Mäander am Rand des Bogenfeldes wird als Fessel des Höllenhundes Cerberus gedeutet. Unterfangen wird das Tympanon vom Türsturz mit Blütenrosetten. Sie werden als „Feuerräder“ gedeutet, die das höllische Feuer der Apokalypse symbolisierten oder in ihrer Rotation ein Sinnbild der ewigen göttlichen Kraft seien. Für die Sündhaftigkeit der irdischen Welt stehen die zahllosen Tiere, die zu Seiten des Portals in mehreren Zügen emporkriechen.

Wie vor der Wand schwebend erscheinen neben den beiden Türöffnungen Reliefstatuen Petrus und Jesaja. Ein Meisterwerk für sich ist der an allen vier Seiten skulptierte Trumeau (Pfeiler in der Türöffnung).

Auf die Nennung der einzelnen Bildinhalte wird hier nur teilweise eingegangen. Abgesehen von der theologischen Aussage legt dieses Portal eindringlich Zeugnis ab vom Gottesverständnis des 12. Jh.s.  Selbst eine genauere Darstellung kann für uns nur einen Teil des tiefen Symbolgehalts anreißen.

Es gibt einen Spruch, der besagt , »Qui n’a pas vu le portail de Moissac, celui-là n’a rien vu!« Der nicht das Portal von Moissac gesehen hat, der hat nicht gesehen.

Von Membeth - Own photography by Membeth; originally from de.wikipedia; description page is/was here.(Originaltext: selbst photographiert), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2303705
Von 13okouran - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62172528

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang nimmt einen ähnlich hohen Stellenwert in der mittelalterlichen Kunst ein wie das Portal. Das Jahr 1100 als Zeitpunkt der Fertigstellung kann aufgrund einer Gravierung in einem Mittelpfeiler genau angegeben werden. Daraus ergibt sich, dass Moissac mit seinen 76 Arkaden nicht nur den größten, sondern auch den ältesten mit skulptierten Kapitellen geschmückte Kreuzgang besitzt. Mit seinen zehn Marmorreliefs an den Eckpfeilern und seinen ehemals 88 Kapitellen ist er nicht nur einer der umfassendsten, ältesten und schönsten in Frankreich, sondern zugleich der größte und am reichsten ausgestattete Kreuzgang der gesamten Romanik.

76 Kapitelle schmücken die Säulen bzw. Doppelsäulen, die wechselweise zur Stütze der 20 Arkaden angeordnet sind. Die Kapitelle der Säulen zeigen eine umfangreiche Sammlung von Szenen und Figuren des Alten und des Neuen Testaments sowie den Taten und Leiden der Heiligen. Wie nachgewiesene Farbspuren zeigen, waren zumindest teilweise farbig gefasst.

Die Forschung hat nicht weniger als sechs verschiedene Künstler identifiziert, die möglicherweise im Zentrum in Toulouse tätig waren. Auf eine eingehende Würdigung jedes einzelnen Kapitells wird hier verzichtet, aber man sollte sich Zeit lassen, um dieses Meisterwerk in seiner Schönheit zu betrachten und zu würdigen.

Es stimmt schon, was Nooteboom sagt, nämlich dass aus diesem Lehrstück für die damalige Bevölkerung ein Kunstwerk für uns geworden ist, dessen tiefere Bedeutung uns verborgen bleibt. Aber dieser „genie de lieu“, das Eigene und Besondere dieser Orte, fängt auch uns bei der Betrachtung ein und hinterlässt bei jedem von uns – gerade vielleicht auch als Pilger – tiefergehende Emotionen.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027
Kreuzgang von Moissac Abtei Saint-Pierre
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Moissac und sein Art Déco Viertel

Moissac hat neben der Abtei aber noch weitere Sehenswürdigkeiten. Die Stadt verblüfft mit einer der höchsten Konzentrationen an Art Déco-Gebäuden in ganz Südwestfrankreich! Grund hierfür ist jedoch ein Drama: 1930 zerstörte eine Überschwemmung des Flusses Tarn einen Teil des Stadtzentrums von Moissac, forderte 120 Todesopfer und machte Tausende von Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau begann mit einem Dutzend Architekten aus Toulouse, inspiriert vom Stil ihrer Zeit, dem Art Déco: geometrische Formen, klar definierte Winkel, kühne Öffnungen, Eisenarbeiten, Wandfresken. Vom Viertel Sainte-Blanche bis zum Rand des Tarn findet man im Art Déco-Stil u.a. den kuriosen Pavillon de l’Uvarium mit einem bunten Freskengewölbe, die Konzerthalle der Stadt, ein Geschenk der Stadt Paris namens Hall de Paris und weitere schöne Gebäude.

 

Hafenflair – der Kanalhafen und die Kanalbrücke

Die Stadt Moissac liegt am rechten Ufer der Tarn und wird darüber hinaus vom Garonne-Seitenkanal, den Verlängerungen des Canal du Midi, erschlossen. Etwa 1,5 km flussaufwärts vom Jachthafen überquert der Garonne-Kanal den Tarn über die majestätische 365 Meter lange Kanalbrücke „Pont Canal du Cacor“. Diese um 1845 erbaute Kanalbrücke stellt durch ihre Dimensionen, die Klarheit ihrer Linien, die harmonische Verwendung des Steins von Quercy und des „Ziegels von Toulouse“ ein wichtiges architektonisches Element der Region dar. Der „Canal latéral à la Garonne“ bildet zusammen mit dem Canal du Midi einen Wasserweg vom Atlantik (Bordeaux) ins Mittelmeer (Sète). Der Garonne-Seitenkanal hat heute für die Binnenschifffahrt keine Bedeutung mehr, wird aber als touristische Wasserstraße genutzt.

 

www.tourisme-tarnetgaronne.fr/en/offers/le-pont-canal-moissac-en-3227650/

Moissac – Zufluchtsort für Hunderte jüdische Kinder im 2. Weltkrieg

Entlang des Flusses befindet sich auch ein Hotel in der „Le Moulin de Moissac“ mit einer reichen Geschichte. Die Mühle wurde 1474, kurz nach dem Ende des 100-jährigen Krieges, auf den Ruinen einer anderen Mühle errichtet, die kurz zuvor niedergebrannt war. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte entwickelte sich die Mühle zur größten im Südwesten Frankreichs und ihr Mehl galt als ausgezeichnet. Sie war der größte Arbeitgeber der Stadt. Doch im Ersten Weltkrieg brannte die Mühle und das Gelände wurde aufgegeben. In den Goldenen Zwanzigern wurde die Mühle zu einem Luxushotel gestaltet, das jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs geschlossen wurde.

Danach stößt man auf ein Stück Geschichte, das einen sehr bewegt: 

Hier in Moissac fanden im Zweiten Weltkrieg Hunderte von jüdischen Kindern Zuflucht. Die Stadt und ihre Menschen boten diesen Kindern während des Krieges einen Zufluchtsort. Hier waren Kinder untergebracht, deren Eltern bereits deportiert waren oder die ihre Kinder in die Hände von sozialen Einrichtungen gaben, um sie zu retten. Sie wussten nie, ob sie sich wiedersehen!

Das von den jüdischen Pfadfindern (Éclaireurs Israélites de France, EIF) in der Mühle eröffnete große Kinderheim gewann sehr bald doppelte Bedeutung: als Heimstatt für Hunderte von bedrohten jüdischen Kindern und als einer der lokalen organisatorischen Knotenpunkte der jüdischen Résistance. Anfang Juni 1940, wenige Tage vor der Besetzung von Paris, verlegte der Generalsekretär der jüdischen Pfadfinder, Simon Lévitte, das Generalsekretariat der EIF nach Moissac. Im Spätherbst 1940 begannen Simon Lévitte und seine Frau Denise dort mit dem Aufbau eines geheimen jüdischen Dokumentationszentrums, und bald wurden in Moissac auch gefälschte Papiere für die Flüchtlinge hergestellt. Denn seit dem Judenstatut vom Oktober 1940 verschärften sich die Maßnahmen der Verfolgung in atemberaubendem Tempo.

Im August 1942 war, wie viele andere, auch das Heim in Moissac von einer Razzia betroffen. Zwar erfuhr die Heimleitung rechtzeitig davon und konnte die gesamte Bewohnerschaft für einige Tage nach Bourganeuf im Department Creuse evakuieren. Aber von diesem Zeitpunkt an standen auch in Moissac die Zeichen auf Auflösung der Heime. Die Kinder mussten verteilt werden. Die Pfadfinderorganisation brachte die jüdischen Kinder und Jugendliche dann illegal in nichtjüdischen Kinderheimen oder bei nichtjüdischen Familien in Moissac und in der Umgebung unter, die bereit waren, sie aufzunehmen.

Da diese Kinder zum Teil Schwierigkeiten hatten, sich in den katholischen Familien zurecht zu finden, und oft einen fremden Akzent sprachen, barg ihr Aufenthalt große Risiken. Deshalb wurde beiderseits der französisch-schweizerischen Grenze eine Fluchthilfe organisiert. Kleine Gruppen von Kindern wurden in nächtlichen Reisen durch Südfrankreich etappenweise über die Grenze in die Schweiz gebracht. Drei bis vier dieser heimlichen Kindertransporte gingen wöchentlich bis 1944 in Richtung Schweizer Grenze. In den Dokumentationen wird hier immer wieder der Name Marianne Cohn erwähnt.  Sie lebte zeitweise in Moissac und begleitete u.a. viele der Kindertransporte. Als sie am 31. Mai 1944 die 28 Kinder ihres letzten Konvois übernahm, hatte Marianne Cohn schon viele dieser in dichter Folge an die Schweizer Grenze gebrachten Transporte begleitet. Die Zahl der Kinder, denen sie das Leben gerettet hat, wird auf 200 geschätzt. Sie wurde verhaftet, gefoltert und kurze Zeit später im Alter vom 22 Jahren ermordet.

Die Esplanade des Justes entlang des Tarn wurde zu Ehren der Stadt und ihrer heldenhaften Bürger errichtet.

Die Mühle von Moissac ist nicht die einzige Zufluchsstätte in Frankreich, in der jüdische Kinder aufgenommen wurden. Ich möchte hier nur noch zwei Beispiele erinnern, an das traurige Schicksal der Kinder in Izieu, die ein halbes Jahr vor Kriegsende noch verraten, deportiert und in Auschwitz ermordet wurden und das von den jüdischen Jugendlichen in La Hille, die trotz des Schutzes des Roten Kreuzes verhaftet wurden, aber noch einmal gerettet wurden und auch heimlich in die Schweiz gebracht wurden. Viele dieser Hilfen wären aber ohne die anonyme Hilfe und Unterstützung der französischen Bevölkerung nicht möglich gewesen. Auch ihrer sollte man an in Dankbarkeit gedenken.

https://www.thelocalbuzzmag.com/the-quiet-appeal-of-moissac/

Exkurs

Die Schweizer Seite

Die „Oeuvre de Secours aux Enfants“ war eine jüdische Organisation, die im besetzten Frankreich jüdische Kinder, die deportiert werden sollten, versteckte. Als das immer gefährlicher wurde, schleuste sie die Kinder außer Landes, nach Spanien und hauptsächlich in die Schweiz. Dafür wurden Papiere gefälscht, typisch jüdische Namen ersetzt, das Alter der Kinder angepasst – Kinder unter 16 durften nicht zurückgeschickt werden.

Freiwillige Helfer brachten die Kinder in der Regel nach Annemasse, die letzte Bahnstation vor der Schweiz in der Nähe des Genfer Sees. Die kleine Stadt war bei Jugendgruppen als Fe­rien­ort beliebt, fremde Kinder fielen dort kaum auf. Für die letzte Strecke über die Grenze waren bezahlte Schlepper zuständig, Einheimische, die sich auskannten und vor dem Krieg vielleicht schon Waren geschmuggelt hatten. Die Preise lagen zwischen drei- und fünftausend Francs pro Kind. Das Risiko war groß: Nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz drohten Gefängnisstrafen. 1944 verstärkten die Deutschen die Grenzkontrollen, die Passagen wurden zu gefährlich.

Offiziell konnte und wollte man sich von Schweizer Seite auch der des Roten Kreuzes (SRK) nicht gegen die Anordnungen der deutschen und französischen Vichy-Regierung stellen, um die Neutralität der Schweiz nicht zu gefährden. Damit entstand eine Kluft zwischen den politischen Auffassungen, die am Sitz des SRK in Bern vertreten wurden, und der düsteren Realität, mit der die humanitären Helfer vor Ort konfrontiert waren. Die Ermahnung des Exekutivkomitees an die in Frankreich tätigen Mitarbeiter bringt die Unvereinbarkeit der beiden Positionen gut zum Ausdruck: “Die Gesetze und Dekrete der französischen Regierung sind genauestens zu befolgen. Sie haben nicht zu beurteilen, ob diese Ihren persönlichen Überzeugungen widersprechen……” Trotzdem leisteten einige MitarbeiterInnen weiterhin unter großen Risiken Fluchthilfe für die Kinder in die Schweiz und konnten so noch viele Kinder und Jugendliche vor dem sicheren Tod bewahren.

 

Die Chasselas-Traube aus Moissac

Bei der Traubensorte Chasselas de Moissac handelt es sich um eine frische Tafeltraube mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP = Appellation d’Origine Protégée). Ihren Namen hat die Traube von ihrem Ursprungsort Moissac. Sie wird besonders für ihr süßes Aroma und die knackige Fruchtschale geschätzt und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Da die Traube sehr robust ist und sich gut aufbewahren lässt, findet man sie von September bis Dezember im Handel.

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Via Tolosana

Die Yesa-Talsperre (Embalse de Yesa)

Die Yesa-Talsperre (spanisch: Embalse de Yesa) staut den Fluss Aragon in den spanischen Vorpyrenäen zu einem bei Vollstau 2089 Hektar großen See auf.

Der wegen seines immensen Speichervolumens von 450 Millionen Kubikmetern Wasser und einer Länge von 18 Kilometern mit dem Spitznamen „Meer der Pyrenäen“ bedachte Stausee wurde 1959 fertiggestellt. Die 74 m hohe Staumauer befindet sich zwei Kilometer östlich des Ortes Yesa an der Grenze der autonomen Gemeinschaften Navarra und Aragon.

Die Talsperre wird vom Aragón und mehreren Nebenflüssen, darunter dem aus Richtung Norden zufließenden Esca, gespeist. Aufgefüllt wird der Speicherraum hauptsächlich in den Monaten Oktober bis Mai, wobei die Talsperre dem Hochwasserschutz dient, während in den trockenen Monaten Juni bis September Wasser zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen abgegeben werden kann. 

Allerdings forderte das ambitionierte und bis heute umstrittene Bauprojekt seinen Tribut. Die Weiler Ruesta, Tiermas und Escó fielen dem Stausee zum Opfer. Alle drei Ortschaften wurden mitsamt ihren fruchtbaren Talflächen und ihrem kulturellen Erbe in den 1960 Jahren geflutet. Die insgesamt 1500 Einwohner siedelte man um.

Im August 2006 kam es zu einem Erdrutsch auf der linken Talseite. Die Erdmassen ergossen sich nicht in den See, sondern auf ein noch ungefülltes, zur Erweiterung des Sees geplantes Territorium. Dadurch blieben eine Flutwelle und eine Katastrophe für die Anwohner der Umgebung aus. Das Unglück wurde acht Monate lang geheim gehalten. Das lag vielleicht auch daran, dass es bei dem Staudamms Itoiz in der Nähe immer wieder zu Problemen und Widerständen kam. Denn erst als am benachbarten Staudamm Yesa an der linken Talseite 3,5 Millionen Kubikmetern Erde abgerutscht sind, wird die Gefahr ernster genommen, dass eine Flutwelle unterhalb des Staudamms von Itoiz vielen Menschen das Leben kosten könnte. Das Problem wird verstärkt, da der Staudamm anscheinend seit dem Beginn der Befüllung ständig Erdbeben induziert. Namhafte Gutachter haben die “nicht zu korrigierenden Mängel” schon beschrieben.

Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4671098

Das Geisterdorf Ruesta

Das Dorf Ruesta, an dem der Jakobsweg vorbeiführt, ist nur noch eine Ruinendorf. Da sie ihre Existenzgrundlage verloren hatten, verließen die Einwohner den Ort. Die Häuser sind verfallen und die Natur holt sich so langsam das Terrain zurück. Allein zwei ganzjährig geöffnete Herbergen und ein Kulturzentrum mit Ausstellungsraum und Bibliothek wurden renoviert und ragen aus den Ruinen heraus.

Dabei war Ruesta einmal eine wichtige Station auf dem Jakobsweg. Ruesta war, nachdem die Mauren zu Beginn des 10. Jahrhundert aus diesem Landstrich zurückgedrängt wurden, lange Zeit eine strategisch bedeutende Grenzfestung zwischen den Königreichen Aragón und Navarra. Zunächst sorgte der König von Navarra für den Wiederaufbau der von den maurischen Eroberern zurückgelassenen Burganlage, bevor sie 1050 an den aragonischen Herrscher abgetreten wurde. In diesem Zeitraum begann die Besiedlung des Weilers um die militärische Anlage herum. Selbstverständlich durften als Station auf dem Jakobsweg auch Kloster und Kirche nicht fehlen. Ruesta war zweifellos von großer strategischer Bedeutung, denn als die Grenzstreitigkeiten um das fruchtbare Land im ausgehenden 13. Jahrhundert wieder zunahmen, ließ der König sogar die Stadt selbst befestigen. Ab dem 15. Jahrhundert verlieren sich die Aufzeichnungen über das Kastell. Heute sind noch der 25 Meter hohe, monumentale Torre del Homenaje und der Wohnturm als Ruine erhalten. Sie sind die letzten Zeugen der Festungsanlage, die sich einst über das ganze Plateau von fast eintausend Quadratmetern erstreckte.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Stausees befand sich die Ortschaft Tiermas. Hier sind noch die Überreste eines Thermalbades zu finden, das bereits bei den Römer beliebt war. Das 35° Grad warme Schwefelwasser kann bei niedrigem Wasserstand in den Tümpeln genutzt werden. Außerdem treten dann auch die Ruinen des ansonsten vom Stausee komplett überspülten Dorfes langsam ans Tageslicht. Eine kleine Geisterstadt!

https://www.inreiselaune.de/ruesta-geisterstadt/
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Ermita de San Juan de Ruesta

 Etwa einen Kilometer außerhalb von Ruesta trifft man auf die Überreste einer romanischen Einsiedelei. Ihre Entstehung fällt vermutlich in das 12. Jahrhundert, doch vielleicht ist sie auch Bestandteil der gleichnamigen Klosteranlage, welche bereits 200 Jahre zuvor in Betrieb genommen wurde.

Wie oben erwähnt: die Gegend ist reich an Geschichte. Es handelt sich um eine Grenzregion. Iberer, Westgoten und Römer besetzten schon das Gebiet. Den Grundstein für das, was heute ist, legten aber die Auseinandersetzungen zwischen den katholischen und muslimischen Königreichen in der Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert. Deren Dörfer wachten über den Flusslauf und prägten das Gebiet durch ihre Architektur. In einem Ra­dius von wenigen Kilometern finden sich so islamische Festungen und katholische Klöster und Siedlungen auf den Bergeshöhen.

Die Kapelle befand sich in einem ruinösen Zustand. Schuld daran war der Bau des Yesa-Stausees und das Versagen der verantwortlichen Stellen. Eine historische Fotodokumentation zeigt, dass sich das Gebäude bis vor zwanzig Jahren noch fast in seinem ursprünglichen Zustand befand, obwohl es wegen der Vegetation unzugänglich war. 2001 stürzte jedoch ein großer Teil der Außenmauern ein, wodurch das Dach fast vollständig einbrach. Die Kapelle war einst berühmt für die Wandmalereien in ihrer Apsis, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehörten. Beim Bau des Staubeckens wurden die wertvollen Fresken, die als eine der bedeutendsten Sammlungen romanischer Malerei des 12. Jahrhunderts in Spanien gelten, zur Konservierung entfernt und befinden sich heute im Diözesanmuseum von Jaca.

Eine Kette von Begebenheiten hat der Kapelle neues Leben eingehaucht, wodurch sie auch in Zukunft erhalten bleibt. Die Revitalisierung der einst ruinösen Pilgerkapelle San Juan de Ruesta war Bestandteil einer Ausgleichsmaßnahme zur Erhaltung des Kulturerbes der Region, die von dem Archtiekten Sebastián Arquitectos aus Saragossa durchgeführt wurde.

Der Bau ruht auf sieben Metallrahmen, die dieselbe Form aufweisen wie das ursprüngliche Bauwerk. Werksteinblöcke ergänzen das Jahrhundertealte Bruchsteinmauerwerk. Rund 60% der Bruchsteinmauer musste erneuert werden. Die Anspielungen auf die landestypische Architektur, wie beispielsweise das für die Gegend typische Steindach oder die Rekonstruktion der ursprünglichen Öffnung in der Hauptfassade werden verbunden mit der Neugestaltung des Gebäudes. San Juan de Ruesta ist ein Überbleibsel der Geschichte, Teil einer Pilgerroute und für die Pilgernden immer offen. 

 

https://www.detail.de/de_de/sebastian-arquitectos-sanieren-eremitage-in-aragon
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Hondaribbia (baskisch, spanisch Fuenterrabía, französisch Fontarabie)

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Camino del Norte

Hondarribia gehört zum historischen Territorium Gipuzkoas, einer der spanischen baskischen Provinzen. Die Hafenstadt liegt nordwestlich von Irun an der Mündung des Flusses Bidasoa, der hier die Grenze zu Frankreich bildet. Auf der anderen Seite der Flussmündung liegt die französische Stadt Hendaye. Vom Meeresbucht Txingudi aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf das Meer und auf die Nachbarortschaft Hendaia im Hintergrund. Spektakulär ist auch der kleine Flughafen, dessen Start- und Landebahnen direkt am Meer liegen, so dass der Anflug/Abflug über das Meer erfolgt!

Von Dr. med. Mabuse - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7876524

Die Burganlage, in der Altstadt mit Blick zur Mündung des Flusses Bidasoa liegend, wurde im 10. Jahrhundert von Sancho II., König von Navarra, in den frühen Tagen der christlichen Rückeroberung erbaut. Der mächtige Kalif Al-Mansur stellte damals eine ständige Bedrohung für die Gegend dar, aber König Sancho Abarca und die Burg von Hondarribia blieben verschont, weil der König dem Kalifen eine seiner Töchter zur Frau gegeben hatte – das gab es schon immer Vorteile, wenn man „alles in der Familie behält!“ Eigentlich ist ja die Heirat zwischen einem Muslim und einer Christin verboten, aber die Realität sah oft anders aus. Außerdem war es durchaus typisch für die damalige Zeit, dass es trotz der Auseinandersetzungen auch zahlreiche Kooperationen zwischen Christen und Mauren gab. (s. auch die Kapitel Islamisierung Spaniens und Reconquista)

Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert von Kaiser Karl V. umgebaut. Die fensterlose Fassade zum Platz (Plaza de Armas) vor der Burg entstand in dieser Zeit. Nach umfangreichen Renovierungsmaßnahmen wurde 1968 von General Franco in der Burg der Parador „El Emperador“, ein Vier-Sterne-Hotel, eingeweiht. Die Mauern der Säle und die Gänge sind mit Hellebarden, Schwertern und Wandteppichen geschmückt

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16779008

Bemerkenswert ist der historische, von einer komplett erhaltenen Stadtmauer umgebene Altstadtkern mit seinen im baskischen Stil errichteten Herrenhäuser aus der Zeit der Renaissance und des Barocks, der zum historischen Ensemble erklärt wurde. Die Calle mayor mit der großen Barockfassade des Rathauses (18. Jahrhundert) und die Plaza de Guipuzcoa sind hier besonders merkenswert ebenso wie die Burganlage am Rande der zentralen Arma Plaza. In der Umgebung liegt die Pfarrkirche Santa María de la Asunción. Sie wurde im 15. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet und hat einen barocken Turm aus dem 18. Jahrhundert. 

Außerhalb der Stadtmauern liegt der vermutlich älteste Stadtteil, La Marina, ein pittoreskes Fischerviertel mit seinen alten, farbenfrohen und blumengeschmückten Fischerhäusern. Besonders beliebt ist das Sträßchen San Pedro Kalea mit zahlreichen Restaurants und Tapas-Bars. 

Von Tomada por JMSE el 6 de Julio de 2003 y cedida a Wikipedia. - From Spanish Wikipedia [1], CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=905003
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