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Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Hier kommt die Zuordnung

Wer war dieser Elias Valina Sompredo (* 2. Februar 1929; † 11. Dezember 1989)?
Elias Valina Sampedro ist der Visionär, der in den 70iger Jahren des 20. Jhs. den Jakobsweg wiederbelebte und die Pilgerfahrt, wie wir sie heute kennen, ins Leben rief. Er wurde 1929 in der Nähe von Sarria geboren. Mit einer fundierten Ausbildung war Elías promovierter Theologe und Experte für Kirchenrecht. Nach der Priesterweihe wurde er 1959 im Alter von 30 Jahren Pfarrer in O Cebreiro, einem einfachen abgelegenen Bergdorf direkt am Eingang des Französischen Weges in Galicien. Ein Erklärung, warum er, der auf Grund seiner Qualifikation für ein höheres kirchliches Amt prädestiniert war, nach O Ceibreiro versetzt wurde, konnte ich nicht finden. Er verstarb am 11. Dezember 1989 in O Cebreiro, wo er in seiner Basilika Santa Maria Real begraben wurde. Vor dem Gotteshaus erinnert eine Statue an diesen Mann, der die verschiedenen Förderer des Jakobswegs maßgeblich prägte und vielen noch heute als Vorbild dient. Valiña starb mit Mitte sechzig und konnte die Früchte seiner Arbeit und seines Engagements für die Wiederentdeckung, Förderung und Verbreitung des Jakobswegs nur teilweise miterleben. Ob er allerdings mit der heutigen Entwicklung des von ihm favorisierten Camino Francés zufrieden wäre, ist zumindest zweifelhaft

Von vicky_petereit - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1333101

Persönlich zeichnete sich Elias Valina wohl durch eine bemerkenswerte Einfachheit, Offenheit und Klarheit in Denken und Handeln aus. Er wird als unermüdlich beschrieben, als ein geborener Arbeiter an allen Fronten, der sich auch nicht vor Konfrontationen mit der amtlichen Kirche scheute. Für sein Handeln war die Vision einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Pilgerfahrt von entscheidender Bedeutung. Leider gibt es bis heute kein umfassendes, abgerundetes und im Kontext der damaligen Zeit erstelltes Porträt von Elías Valiña. So bleiben einige Aussagen doch recht vage und bestimmte Ungereimtheiten lassen sich nicht klären. Eine Zusammenstellung von Artikeln, Dokumentationen, Bildern und eine Dokumentarfilm über Elias Valina findet man unter: https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

Sein Weg
Nachdem Elias Valiña nach O Cebreiro versetzt wurde, wurde er sofort aktiv und begann den Ort grundlegend zu verändern. Er rettete die baufällige vorromanische Kirche vor dem Einsturz und renovierte die Nebengebäude. Außerdem sorgte er durch seinen Einsatz bei Regierung, Kirche und Versorgungsunternehmen für Wasser, Strom und Verkehrsanbindung in der Gemeinde.
Aber er war nicht nur Priester, sondern auch Historiker, Forscher und Schriftsteller. Er war besonders an der Geschichte des Jakobsweges interessiert und verfasste kultur-wissenschaftliche Schriften zum Jakobsweg, zu denen u.a. seine Dissertationsschrift von 1965 El Camino de Santiago. Estudio histórico-jurídico gehört, und den Guia del Peregrino, den ersten modern Pilgerführer für den Camino Francés. Seine Doktorarbeit, die er 1965 an der Päpstlichen Universität Salamanca verteidigte, wurde mit dem angesehenen Antonio-de-Nebrija-Preis des CSIC ausgezeichnet.

Neben seinen Forschungen verfolgte Elías eine ganz persönliche Mission: dem alten Jakobspilgerweg in Nordspanien, der damals stark in Vergessenheit geraten war, neues Leben einzuhauchen. Er bereiste den heute „Camino Francés“ genannten Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zu Fuß und im Kleinbus und orientierte sich dabei anhand historischer Karten, verfallener Kirchen und Ortsnamen. So restaurierte er zahlreiche verlorene Abschnitte dieser Route von Frankreich bis Galicien und markierte den Weg mit dem gelben Pfeil. Dabei wurde er von Bürgermeistern, Pfarreien und Pilgervereinen unterstützt. Dies geschah Ende der 70er und Anfang der 80iger Jahre. Unterwegs knüpfte er Freundschaften mit Menschen und baute so langfristig ein Netzwerk von Unterstützern auf, die wie er die Idee des Jakobsweges wiederbeleben wollten. Ihm verdankt die iberische Halbinsel somit nicht nur die Belebung der Jakobspilgerschaft sondern auch den Wiederaufbau eines Pilgerherbergsnetzes entlang des Camino Santiago. Die treibende Kraft hinter der weiteren Wiederbelebung waren auch die aufstrebenden spanischen und europäischen Jakobinervereinigungen, die Elías Valina unermüdlich als Verteidiger des Weges und seiner Werte gefördert hatte. Diese Vereinigungen, in denen Elias Valiña von 1985 bis 1987 als Kommissar des Jakobswegs fungierte, legten auf dem renommierten Ersten Internationalen Jakobinerkongress im September 1987 den Grundstein. Dieser Kongress fiel zeitlich mit der Erklärung des Jakobswegs zur Ersten Europäischen Kulturroute durch den Europarat zusammen.

Der gelbe Pfeil
Eines der bekanntesten Vermächtnisse von Elías Valiña ist der gelbe Pfeil als Wegweiser für Pilger. Er selbst, mit Pinsel und der Hilfe von Freiwilligen, malte Hunderte davon von Roncesvalles bis Santiago. Auch wenn nicht sicher ist, ob er der erste war, so war er doch derjenige, der die gelben Pfeile verbreitete und als Symbol des Weges etablierte. Es gibt eine legendäre Geschichte, wonach er in den Pyrenäen von der Guardia Civil beim Pfeile malen aufgegriffen wurde. Auf die Frage, wer er sei und was er da mache, soll er denen, die ihn als Kollaborateur der ETA verdächtigten, provokativ geantwortet haben: „Ich bereite eine Invasion vor“. Betrachtet man die Entwicklung der Jakobsbewegung gerade auch in den letzten Jahren, kann man ihn mit Fug und Recht als Visionär bezeichnen.
Neben den praktischen Tätigkeiten prägte er auch eine Vision des Weges als spirituellen, kulturellen und menschlichen Begegnungsraum. 1966 eröffnete er in O Cebreiro eine Herberge und ein Gasthaus für Pilger. Seine Herberge setzte Maßstäbe für viele gemeinnützige Pilgerherbergen.

„Boletín del Camino de Santiago“
Ab 1985 förderte er als Koordinator des Jakobswegs die Gründung der meisten spanischen Jakobusvereine und leitete in der Anfangsphase das „ Camino de Santiago Bulletin“ .
Zwischen 1985 und 1987 verfasste und redigierte Valiña persönlich das Bulletin eine handgemachte, aber wichtige Publikation zur Wiederbelebung des Weges. Ihr Ziel war es, Menschen, die sich für den Jakobsweg engagierten, zu vernetzen, Neuigkeiten, Erfahrungen und Initiativen zu teilen und die junge Jakobusbewegung zu stärken.

Elías-Valiña-Preis
1996 rief die Xunta de Galicia den Elías-Valiña-Preis ins Leben, um Personen und Organisationen auszuzeichnen, die sich besonders für die Erhaltung und Förderung des Jakobswegs eingesetzt haben. Dieser jährlich vergebene Preis ehrt sein Andenken und würdigt jene, die seinem Beispiel folgen – ein Aufruf, den Geist des Jakobswegs, den er wiederbelebte, lebendig zu halten.
So kann man hoffen, dass gerade der französische Weg, der ihm ja so am Herzen lag, sich nicht zu einer reinen touristischen Attraktion entwickelt – eine Gefahr, die mit dem Verlust der religiösen oder zumindest spirituellen Komponente der Route einhergeht, und zur fortschreitenden Kommerzialisierung und Trivialisierung des Erlebnisses führt.

Übrigens:

Santiago de Compostela, Spanien, 9. Februar 2026 – Die Xunta de Galicia hat bekannt gegeben, dass die Jakobusbruderschaft Kroatien mit dem 26. Elías-Valiña-Preis ausgezeichnet wurde. Sie gehört damit zu einer ausgewählten Gruppe von Pilgerorganisationen, die sich für den Erhalt der Werte des Jakobswegs einsetzen.Der Jakobsweg ist seit jeher eine gemeinsame europäische Reise, auf der Pilger aus ganz Europa seit über tausend Jahren nach Santiago de Compostela und wieder zurück wandern. Kroatiens Jakobsweg-Tradition reicht bis ins Jahr 1203 n. Chr. zurück, archäologische Funde deuten sogar auf noch ältere jakobinische Traditionen hin. Heute führt Kroatiens 2.400 km langes Wegenetz des Jakobswegs dieses Erbe fort und verbindet kulturelles Erbe, atemberaubende Landschaften und authentische Gastfreundschaft.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39386121 Teil seines Wohnhauses
Von amaianos - originally posted to Flickr as O Cebreiro, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9397322 Kirche Santa Maria in O Cebreiro
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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

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Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Die Architektur der Gotik und ihre besondere Geschichte in Frankreich

Die Architektur der Gotik und ihre besondere Geschichte in Frankreich - als die Kathedralen in den Himmel wuchsen

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Begriff und zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung „Gotik“ entstand, wie die Namen anderer Stilepochen auch, nicht bereits mit ihrem ersten Auftreten, sondern erst fast 300 Jahre später. Auch wurde der Gotik-Begriff nicht etwa in Frankreich geprägt, wo die Wurzeln der gotischen Architektur liegen, sondern erstmals 1435 in einem Werk des italienischen Architekten und Schriftstellers Leon Battista Alberti erwähnt. Das Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, der Wiedergeburt der Antike, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur „glorreichen“ Antike Ausdruck zu verleihen.
Erst mit Goethe, der in seinem Werk „Von deutscher Baukunst“ über das gotische Münster in Straßburg schrieb, begann ein positiver Bedeutungswandel in Bezug auf den gotischen Architekturstil einzusetzen. Allerdings ist zu bemerken, dass Goethe irrtümlich diese Epoche zu einem deutschen Stil erklärte. Der Stil wurde dann im 19. Jahrhundert von europäischen nationalistischen und romantischen Bewegungen aufgewertet und verherrlicht. So wurde auch Mitte des 19. Jahrhundert Goethes Aussage eines „deutschen Stils“ durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung der Gotik Frankreich zugesprochen. Heute gilt die Gotik allgemein als einer der künstlerisch brillantesten Momente der westlichen Welt.

Eine zeitliche Einordnung der Gotik ist nicht ganz einfach, da der genau Zeitrahmen von den individuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern abhängt.

Die Gotik entstand um 1140 zunächst in Frankreich. Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo, Léon). In Italien wurde der gotische Baustil nach französischer oder mitteleuropäischer Art weder vollständig übernommen noch war er je alleine vorherrschend.

Aber natürlich gab es auch hier gotische Kathedralen wie z.B. den berühmten Mailänder Dom.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123840 Kathedrale (ehem. Abtei­kirche) Saint-Denis, vor 1140 (im 18. und 19. Jh. ver­ändert, Turmvertlust)

Historischer und philosophischer Hintergrund

Keine andere Strömung vor oder nach der Gotik verstand es, einen solch engen Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft herzustellen. Um nun aber zu verstehen, weshalb sich die gotische Architektur gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts aus der Romanik entwickelte, muss man zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten jener Zeit werfen.

Im Jahre 1108 übernahm der Kapetinger Ludwig VI. die königliche Herrschaft im territorial stark zersplitterten Land. Der französische Monarch hatte zu jener Zeit zwar großes Prestige, realiter jedoch nur wenig Macht. Diese lag u.a. in den Händen Heinrichs I., der durch geschickte Heiratspolitik nicht nur Herzog der Normandie, sondern gleichzeitig auch König von England war und so enorme politische, wirtschaftliche und militärische Mittel hinter sich vereinigen konnte. Auch die Grafen der Champagne waren, durch wichtige Messestädte in ihren Gebieten, reicher und dadurch letztlich mächtiger als der französische König. Wesentlich einflussreicher war auch der Graf von Flandern, der das größte Wirtschaftszentrum nördlich der Alpen, ein im 12. Jh. sehr reiches Land regierte. (s. auch Kapitel der 100-jährige Krieg).

Um seine Macht zu stärken und die des Feudaladel im Land zu schwächen, paktierte Ludwig VI. mit der Kirche, vor allem mit seinem engen Berater Suger, dem Abt von Saint-Denis, der zusammen mit ihm in der Klosterschule von St. Denis erzogen worden war. Die Kirche unterstützte das Machtstreben der französischen Monarchie. Der König förderte zudem die zunehmenden Ordensgründungen und holte die Bruderschaften zu sich in die Hauptstadt.

Außerdem wurden durch Freiheitsbriefe, die sich der König von der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde teuer bezahlen ließ, Feudalpflichten aufgehoben, die die wirtschaftliche Entwicklung stark eingeschränkt hatten. So standen diese Städte und einzelne Landgemeinden hinter dem König und gegen den sie früher ausbeutenden Feudaladel.

Mit dem Erstarken und der geographischen Ausweitung des französischen Kronlandes, also der Entwicklung zur zentralistischen Macht, breitete sich auch die für ‚das Neue’ stehende Architektur, die Gotik, aus. Gotische Sakralgebäude galten bald als ‚chic’, so dass jedes Land, jede Stadt und jede noch so kleine Gemeinde alle vorhandenen Mittel darauf verwendete, wenigstens eine etwas größere und neuere Kirche als die des Nachbarn zu bauen. Außerdem spielte auch die Parteinahme von Bündnispartnern in der Politik eine nicht unerhebliche Rolle bei der Expansion der Gotik. Wer innerhalb Frankreichs gotisch baute, bezeugte seine Gewogenheit gegenüber der französischen Krone. Die Baubewegung in Frankreich wurde vor allem in der Anfangszeit dadurch gefördert, dass das Volk und auch der Adel die Bautätigkeit mit finanziellen Mittel oder auch praktischer Arbeitstätigkeit unterstützten. So ist u.a. die große Zahl an Kirchen, Abteikirchen und Kathedralen in Frankreich zu erklären.

Gleichzeitig verbindet sich mit der Gotik eine ganz neue Einstellung zur Gestaltung des Lebens. Der Grund für eine solche Revolution ist die Veränderung der mittelalterlichen Mentalität über vorhandenes Wissen und vorhandene Wahrheit. Im 12. und 13. Jahrhundert wird Platons vom Heiligen Augustinus verteidigter Idealismus überwunden, der die philosophische Grundlage des frühen Mittelalters bildete. Die Philosophie des Aristoteles, die auf der Vorrangstellung der Sinne basierte, erlangte wieder eine große Bedeutung und  wurde von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Albert dem Großen und dem Heiligen Thomas von Aquin energisch verteidigt. Dieser Mentalitätswechsel führt in der Architektur dazu, dass sich der Baumeister (Architekt) beim Bauen nicht mehr an regelmäßige Formen halten (im Wesentlichen Kreise und Quadrate) muss, sondern dass er frei arbeiten kann, nicht mehr nur als Geometer, sondern als Ingenieur. Das bedeutete auch, dass man sich an neue Gestaltungselemente heranwagte und herantastete. Dieser technische Empirismus verhalf dazu, geniale tektonische Lösungen zu erfinden, um Räume von großer Höhe und Farbe zu schaffen. Die Art und Weise, das himmlische Jerusalem im 13. Jahrhundert zu symbolisieren, bestand darin, einen großen Raum aus Licht und Farbe zu schaffen. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten Metaphysik verwandeln. 

Außerdem war es eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Am Anfang der Epoche setzte eine Phase der generellen Umstrukturierung im Wirtschaftsleben des Landes ein. Die Wirtschaft entwickelte sich in bestimmten Regionen und in den Städten positiv. Der Handelsschwerpunkt verlagerte sich vom Land in die Stadt. Die Landbevölkerung strömte in die Städte (Landflucht). Durch das Wachstum der Städte entstand auch Bedarf an neuen Kirchenbauten und es sind auch die Städte, die die wirtschaftliche Kraft besitzen, um die aufwendigen Bauten der Gotik finanzieren und realisieren zu können. So entstanden sogenannte „Bauten der Macht“ in der Mitte der Stadt.

Es war auch die Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge dienten neben der Eroberung der Stadt Jerusalem vor allem auch der Verbreitung und der Verteidigung des christlichen Glaubens – der Einflussbereich der Muslime sollte zurückgedrängt werden. Es ging dem Papst aber auch um eine erneute macht-politische Stärkung der Kirche und des Papsttums. Die Erstarkung der Kirche zeigte sich auch in der zunehmenden Bedeutung der Ordensgemeinschaften neben den Benediktinern hier vor allem den Zisterziensern, deren Verbreitung für die Gotik eine besondere Bedeutung hat. 

So versuchten der König, der monarchisch orientierte Adel, Domkapitel, Bischöfe und Städte sich in dieser Konkurrenzsituation mit immer prächtigeren Bauten gegenseitig zu übertrumpfen – als Demonstration ihres Führungsanspruchs, aber auch aus echter frommer Begeisterung.

Die Gotik wurde in diesem Zusammenhang in Europa als willkommene Neuerung empfunden. Die neuen Techniken wurden voll Begeisterung übernommen, da durch sie auch die neue spirituelle Einstellung dargestellt werden konnte. England, Deutschland, Italien, Spanien und die anderen europäischen Länder wollten auch demonstrieren, dass sie die neue Kunst wenigstens so gut wie das Ursprungsland Frankreich beherrschten. Zudem verhalf die wachsende Bedeutung des Zisterzienserordens und seine strenge Durchstrukturierung einer weiteren Verbreitung der Gotik. All diese Fakten führten so zu einer breiten aber auch relativ einheitlichen Ausbreitung der Architekturkunst der Gotik.

Die Kathedrale des Mittelalters, das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Malerei und Glasmalerei gilt als besonderes Wahrzeichen der Gotik.  “Genie de Lieu “sagen die Franzosen, wenn ein Ort etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Das kann wohl für die gotischen Kathedralen im Besonderen gelten. Sie spiegeln die Wandlung des mittelalterlichen Weltbildes wider, das mit einer neuen Frömmigkeit und mystischen Strömung einhergeht.

Einen großen Aufschwung nahm auch die profane Baukunst zur Zeit der Gotik, v. a. in den Städten, wo sie die wachsende Macht des aufstrebenden Bürgertums verkörperte. Sie übernahm Formen und Motive der französischen Kathedralgotik. So entstanden Burgen und Befestigungsanlagen, Rathäuser, Zunfthäuser, Hospitäler und Bürgerhäuser im gotischen Stil.

Von Uoaei1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45346485 Notre Dame de Paris 2015

Spezielle Situation in Frankreich

Die zahlreichen Konflikte zwischen den theologischen Lehrmeinungen erhielten in Frankreich im 12. Jh. durch die Initiativen zweier sehr gegensätzlicher Äbte – den Zisterzienser Bernhard von Clairvaux und den Benediktiner Suger von Saint Denis – eine eminent politische Dimension: Als radikaler, nüchterner Reformer löste Bernhard anfallende Konflikte (Mauren, Türken) vornehmlich mit Waffengewalt. Ihm gelang es nicht nur, König Ludwig VII. zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug zu bewegen, sondern auch, die Eroberungsfeldzüge vom Papst sanktionieren zu lassen. Abt Suger hingegen stand im Dienst der Könige von Frankreich und konzentrierte sein Interesse v. a. auf die Neuerungen der Kunst.

Er war gemeinsam mit Ludwig VI. in St-Denis erzogen worden. Abt Sugers ganzes Streben galt der Stärkung der Macht des französischen Königs. Vom Bauernsohn war Suger zum Abt des wichtigsten französischen Klosters in St. Denis und zum engsten Berater zunächst Ludwigs VI. und dann Ludwigs VII. aufgestiegen. Als letzterer 1147 zum Kreuzzug aufbrach, ernannte er Suger zum Regenten Frankreichs. Um die neu erstarkte französische Königsmacht zu demonstrieren, griff er zu einem überaus publikumswirksamen Mittel, das symbolisch-imperialen Wert besaß: er veranlasste den teilweisen Neubau der Klosterkirche von Saint-Denis. Der Bau des gotischen Chors von St. Denis dauerte gerade einmal vier Jahren (1140–1144) und wird heute als Ausgangspunkt der Gotik gesehen. Diese wichtige Voraussetzung für die Ausdehnung der königlichen Herrschaft – und damit einhergehend der Kathedralarchitektur – war das enge Zusammenspiel zwischen geistlicher und weltlicher Macht in Frankreich. So wurden zwischen 1180 und 1270 in Frankreich rund 80 Kathedralen (städtische Bischofskirchen) gebaut. Dazu kommen noch unzählige Neubauten wie Abtei-, Kollegiats- und Pfarrkirchen. Da die französischen Könige, allen voran Philipp August (1180–1223) und Ludwig IX. (1226–1270), die Vormachtstellung Frankreichs in Europa ausbauten, wurde der Stil der französischen Kathedralgotik, die „französische Bauweise“, stilbildend.

Anders als in Deutschland spielte das langsam wieder erstarkende französische Königtum selbst auch als Auftraggeber großer gotischer Kathedralbauten eine wichtige Rolle. Die Abteikirche von St. Denis bei Paris war die Grablege der französischen Könige; Reims der Ort der Krönung, Chartres das bedeutendste Wallfahrtszentrum des Landes. Im Machtzentrum Paris entstanden mit der Kathedrale Notre-Dame und der Sainte-Chapelle, der königlichen Palastkapelle, gleichfalls herausragende kathedrale Bauten. Und auch die Bischofssitze, in denen Kathedralen errichtet wurden, wie Beauvais oder Laon, standen im direkten Einflussbereich der königlichen Macht.

Dass ihre symbolische Bedeutung der Kathedrale von Reims bis in dieses Jahrhundert reicht, zeigt sich an einem kleinen Beispiel: 1962 nahmen Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Kathedrale von Reims gemeinsam an einer Messe teil, um die deutsch-französische Freundschaft zu bekräftigen – eine symbolische Geste, die François Hollande und Angela Merkel 50 Jahre später wiederholten.

Fassade der Kathedrale von Reims Von Johan Bakker, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38255047
Adenauer und De Gaulle in der Kathedrale von Reims Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F013405-0016 / Steiner, Egon / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5451627

Phasen der Gotik in Frankreich

In der Gotik entstand ein neues Raumgefühl, dass jedoch nicht nur nach Höhe, sondern auch nach Licht und sanfter Helligkeit verlangte. Deshalb wurde die kompakte Mauer gleichsam aufgelöst und von hohen Fenstern und riesigen Fens­terrosetten zwischen den Strebepfeilern durchbrochen. Glasmalerei und Steinmetzkunst entwickelten sich zu hoher Blüte. Feingliedrige Strebepfeiler, Ziergiebel (Wimperge), Türmchen (Fialen) und gotisches Dekor wie Maßwerk und Kreuzblumen lassen die Fassaden wie steinernes Spitzenwerk erscheinen. Religiöse Figuren zieren Giebelfelder (Tympana) und Bogenläufe (Archivolten), Gewändefiguren wie Engel und Heilige lösen sich erstmalig aus der Mauer heraus.  

Um einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Gotik in Frankreich zu werfen, werden hier die Phasen der Gotik in diesem Land kurz angesprochen.

Gothique primitif       Gothique classique    Gothique rayonnant   Gothique flamoyant

1140-1190                  1190-ca.1230             1231-1350                  1350-1520     

Die erste Phase der Gotik in Frankreich wird als Gothique primitif bezeichnet.

Typisch für den Gothique primitif sind:

  • Emporenbasiliken
  • Runde Arkadensäulen mit korinthischen Kapitellen.
  • spitzbogige Kreuzrippengewölbe, über den Seitenschiffen vierfeldrig, über den Mittelschiffen oft als sechsfeldrige Doppeljoche, gleichsam als Reminiszenz des gebundenes System.

Die zweite Phase der Gotik in Frankreich wird Gothique classique genannt, klassische Gotik. 

  • Über den Seitenschiffen von Basiliken werden keine Emporen mehr angelegt. Zur Regel werden Basiliken mit Triforium in Form zum Mittelschiff geöffneter Zwerggalerien gebaut.
  • Binnenchor, Chorumgang und Kapellen schließen polygonal (vieleckig).
  • Die Vorlagen (Dienste) für Gurt- und Arkadenbögen beginnen an den Basen der Arkadenpfeiler, so dass die Mittelschiffe von durchgehenden Senkrechten geprägt sind.
  • Die Kreuzrippengewölbe sind auch über Mittelschiffen und Binnenchören vierfeldrig.

Als Initialbau der dritten Phase der Gotik in Frankreich, des Gothique rayonnant, der strahlenden Gotik, gilt gemeinhin der Chor der Kathedrale von Amiens, errichtet ab 1236, die entscheidenden befensterten Triforien aber wohl erst ab 1258. Vorher erschien diese Neuerung schon beim hochgotischen Umbau der Abteikirche von Saint-Denis ab 1231, davon der Chor bis 1245.

  • Der Gothique rayonnant zeichnet sich durch Vergrößerung der Fensterflächen aus.
  • Die Triforien bekommen Außenfenster oder werden den Obergaden zugeschlagen.
  • Internationale Bedeutung: Nach dem Muster der Kathedrale von Amiens wurde ab 1248 der Kölner Dom errichtet.

Die vierte Phase der Gotik in Frankreich wird als Gothique flambant – „flammende Gotik“ bezeichnet. Als Initialbau wird die 1388 als Schlosskapelle errichtete Sainte-Chapelle in Riom genannt.

  • Kennzeichen ist die kreative Ausweitung des Formenspektrums.
  • Weniger im allgemeinen Bewusstsein, aber auch typisch, sind um eigentlich rechteckige Fenster und Tore geschlungene Kielbögen
  • Die allgemeinen Erläuterungen zu den Stilelementen der Gotik sind weiter unten aufgeführt.
Kathedrale von Chartres Von Olvr - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16331210

Die wichtigsten frühgotischen Kathedralen der Île-de-France

Die gotische Baukunst entstand aus dem Baugefüge und den Formen romanischer Kirchen in Frankreich, genauer in der fruchtbaren Île-de-France (Paris und Umgebung). Zur ersten Blüte gelangte die Gotik mit dem frühgotischen Neubau der Abteikirche von Saint-Denis (1130/35–1144), der königlichen Grablege. Trotz des bewusst neuen Konzeptes besaß der Chor der Abteikirche von Saint-Denis anfangs keinen Modellcharakter. Aber man doch sagen, dass in St.-Denis die Gotik ihren Ausgangspunkt hatte. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde in Frankreich noch sehr viel experimentiert und variiert, bis man mit der Kathedrale von Chartres eine Lösung fand, die formal so überzeugend war, dass sie zum Vorbild für viele Nachfolgebauten wurde. In dieser experimentellen Phase entstanden in Frankreich zwischen 1140 und 1194 beispielsweise die frühgotischen Kathedralen von Sens und Laon, sowie wichtige Bauteile der Kathedralen von Soissons und Noyon und schlussendlich die Kathedrale Notre-Dame in Paris.

 

  • Paris, Abteikirche von St.Denis, 1137–1144 – der „Gründungsbau“ der gotischen Architektur
  • Sens (Yonne), Kathedrale Saint-Étienne, 1140–1168
  • Laon (Aisne), Kathedrale Notre-Dame, um 1160–1210
  • Noyon (Oise), Kathedrale Notre-Dame, um 1150
  • Soissons (Aisne), Kathedrale Saint-Gervais et Protais, um 1180/90
  • Paris, Notre-Dame, 1163–1182 Chor / bis 1196 Langhaus / Querhaus nach 1225 Vergrößerung der Fenster
Von ~~ - cropped from File:Frankreich 12. Jh (ohne Süd).png, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126089316

Beispiel für die Hochgotik in Frankreich

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstanden die Kathedralen von Chartres, Reims, Amiens (Langhaus) und Bourges, die der Hochgotik in Frankreich zugerechnet werden. Zu den Höhepunkten dieser Phase zählt der vollendete Umbau der Abteikirche von Saint-Denis (Langhaus), die königliche Pfalzkapelle Sainte-Chapelle in Paris, die Kathedrale von Troyes und die königliche Schlosskapelle Saint-Germain-en-Laye. Die tiefe Verankerung der Gotik in Frankreich zeigt sich in ihrem Weiterleben in der Nachgotik, die noch in der Renaissancezeit Bauten wie die Kathedrale von Orléan (ab 1601) oder Saint Eutache (1532–1649) hervorbrachte.

Kathedrale von Chartres                    1145 romanisch/1149 gotisch

Kathedrale von Reims                         1211-1275

Kathedrale von Amiens (Langhaus)   13. Jh. Hochgotik

Kathedrale von Bourges                     1195-1270

Saint-Denis- Umbau                           12./13. Jh.

Sainte Chapelle in Paris                       1244-1248

Kathedrale von Troyes                        ab 1208

Kathedrale von Amiens Von Jean-Pol GRANDMONT - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20453765
Von Karl Baedeker (Firm) - https://www.flickr.com/photos/internetarchivebookimages/14759510006/Source book page: https://archive.org/stream/northernfranc00karl/northernfranc00karl#page/n86/mode/1up, No restrictions, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42713654

Regionale Differenzierung

Anders als in der Romanik bildeten sich innerhalb der gotischen Epoche nur geringfügige Unterschiede in den einzelnen Regionen Frankreichs heraus. Dies stand in engem Zusammenhang mit den politischen Einheitsbestrebungen der Kapetinger und dem sich von der Ile-de-France ausbreitenden Kathedralbauschema. Mit den wachsenden Herrschaftsansprüchen des Königshauses wurde auch die einheitliche Umsetzung des im königlichen Stammgebiet herausgebildeten Bauschemas im ganzen Land umgesetzt. Der gotische Sakralbau galt im 13. Jahrhundert als Zeugnis der königlichen Macht. In den nachfolgenden beiden Jahrhunderten erfuhr die Bedeutung dieses nationalen Kirchenbaus insofern eine Veränderung, als er nicht mehr die königliche Herrschaft, sondern das erstarkende Bürgertum den gotischen Kathedralbau für seine Zwecke in Anspruch nahm. Die großen Sakralgebäude wurden zum Wahrzeichen der Stadt, zum Versammlungsraum der Gemeinde, an dem sich der Bürgerstolz der Zünfte im Reichtum der Ausstattung zeigte.

Im beginnenden 13. Jahrhundert entbrannte zwischen den nordfranzösischen Städten ein Wettlauf um die größte Kathedrale. Doch die neue Technik stieß auch an ihre Grenzen. Der Mut aber auch Hochmut zeigten sich an der Mitte des 13. Jh. in Beauvais darin, dass man eine alles überra­genden Kirche schaffen wollte. 1204 hatte König Philipp II. die Normandie erobert. Die Grenze des Königreichs Frankreichs verschob sich bis an den Atlantik. Der Sieg über die Normannen machte aus der bis dahin strategisch wichtigen Grenzstadt Beauvais plötzlich eine friedvolle Enklave. Damit wurden die bischöflichen Mittel frei, die jahrelange Kriege an der Seite des französischen Königs gebunden hatten. Und so wollte man eine Kathedrale bauen, die alle anderen Kirchen in der Höhe übertrafen. 1247 begannen die Bauarbeiten, das Schiff erreichte eine Höhe von 48 m, das Dach war gedeckt, die Kirche eingeweiht. Doch im Jahr 1284 stürzten Teile des Chores ein. Erst nach einem halben Jahrhundert wurde der Chor wiederaufgebaut, die Struktur wurde durch zusätzliche Pfeiler verstärkt. Anschließend wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Erst im 16. Jahrhundert, von 1500 bis 1548, wurde das Querschiff gebaut. 1573 fiel der zentrale – mit etwa 150 Meter Höhe vermutlich viel zu groß geplante – Turm in sich zusammen. Ein Hauptschiff wurde nie errichtet. Zu dieser Zeit war die Gotik nicht mehr modern, auch war kein Geld mehr vorhanden.

Gotische Kathedralen auf der Via Podiensis

Le Puy -en-Velay        Cathédrale du Puy                  ab 12.Jh.

Cahors                            Cathédrale St. Etienne           1080 – 1135

Aire-sur-l´Adour        Cathédrale St.-Jean-Baptiste 11./12.Jh.          (Konkathedrale)

Fréjus                              Cathédrale Saint Léonce         12./13.Jh.          (Konkathedrale)

Condom                         Cathédrale Saint-Pierre         14.-16.Jh.           (ehemalige Kathedrale)

Eauze                              Ancienne C. St. Lupercus       2. Hälfte 15. Jh  (ehemalige Kathedrale)

Lectoure                         Ancienne C. St. Gervais          um 1325             (ehemalige Kathedrale)

Gotische Kathedralen auf der Via Tolosana und dem Camino Aragonés

Auch                           Cathédrale  St. Marie d´Auch   1489

Toulouse                    Cathédrale  St. Étiennne           1272                   (Typ Pilgerkirche)

Arles                            Cathédrale  St. Trophime         12.-15.Jh.          (ehemalige Kathedrale)

Oloron -St. Marie    Cathédrale  St. Marie                 12.-14. Jh.         (ehemalige Kathedrale)

Pamplona                   Catedral       St. Maria la Real   1392

Eine Kathedrale oder Kathedralkirche, auch Bischofskirche, ist eine Kirche, in der ein Bischof residiert und die die Kathedra als dessen Sitz enthält. Ehemalige Kathedralen sind also heute keine Bischofssitze mehr, bestehen aber zum Teil noch als Stadtkirchen. Erläuterungen zu den einzelnen Kathedralen an den Jakobswegen findest du in den Kapiteln zu den jeweiligen Städten.

Zahl der gotischen Kathedralen in Frankreich

Nach Wikipedia bestehen in Frankreich heute noch 96 Kathedralen, von denen mindestens 60 zur Zeit der Gotik entstanden sind, von den 12 Konkathedralen sind es 9 und von den 76 ehemaligen Kathedralen sind es 54. Das verdeutlicht, welche besondere Bedeutung die Gotik in diesem Land hatte und hat, sind doch die Kathedralen immer wieder aufs Neue bewundernswerte Bauwerke und immer eine Reise wert.am

Stilistische Merkmale der Gotik

Was genau verbirgt sich aber nun hinter diesem in der Geschichte so kontrovers betrachteten Begriff der Gotik?

Das Streben nach Höhe ist kennzeichnend für die gotische Architektur. Ebenso wie das Auflösen der massiven Wand, um Platz für große Fensterflächen zu schaffen, die den Kirchenraum erstrahlen lassen. Dazu wurden bestimmte bauliche Elemente – wie das Kreuzrippengewölbe, der Spitzbogen und das Strebewerk – verwandt, um diese Idee des himmlischen Jerusalem zu symbolisieren. Es sollten Räume von großer Höhe aus Licht und Farbe geschaffen werden. Durch das unten beschriebene neue Konstruktionssystem ergeben sich eine Betonung der Vertikalen sowie die Auflösung der Wandflächen, die durch große, farbige Fensterflächen gefüllt werden.

Kreuzrippengewölbe

Kreuzgratgewölbe gab es schon vor der Gotik in römischer Zeit oder im angelsächsischen Raum. Das Kreuzgratgewölbe – das typisch für die Romanik ist – war der Vorläufer des gotischen Kreuzrippengewölbes. Die Konstruktion entsteht durch die Durchdringung von zwei, im rechten Winkel, zu einander stehenden Tonnen von gleicher Höhe. Dadurch entstehen gekrümmten Schnittfläche, auch Grate genannt, die dem Gewölbe auch den Namen Kreuzgratgewölbe geben. Die Bautechnik kann nur durch die römische Technik des Mörtelgusses oder bei sehr kleinen Räumen verwendet werden, da ihr statische Grenzen gesetzt sind.

Demgegenüber werden beim Kreuzrippengewölbe die Grate durch die Rippen unterstützt. Die Neuerung bestand darin, dass beim Gewölbe mit einem viereckigen Grundriss zwei Rundbögen kreuzförmig über die beiden Diagonalen gestellt wurden, zumeist mit einem dekorativen Schlussstein an der Kreuzung. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes verbessert, und die Gewölbeschalen konnten dünner und damit leichter sein. Die Gurt- und Schildbögen über den vier Außenseiten wurden spitz nach oben gebaut und konnten so die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen erhalten. Mit Einführung des Spitzbogens erfuhr das Kreuzrippengewölbe eine Steigerung der Gestaltungsvielfalt. Außerdem wurden im Laufe der Jahrhunderte reichere Gewölbekonstruktionen entwickelt wie das Netz-, Stern- und Schlinggewölbe.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-k/kreuzrippengewoelbe.php

Spitzbogen

Der Spitzbogen gilt als ein zentrales Element der gotischen Baukunst, die deswegen früher auch als „Spitzbogenstil“ bezeichnet wurde. Spitzbögen sind zwar als Einzelelement bereits aus der Romanik bekannt, dort herrschte jedoch noch die Verwendung von Rundbögen vor. Der Spitzbogen ist konstruktiv eine Annäherung an die Bogenform, die dem günstigen statischen Kräfteverlauf einer Parabel entspricht. Spitzbögen bestimmen das Erscheinungsbild gotischer Bauten und finden sich praktisch durchgängig im Querschnitt aller Gewölbe, in der Form der Fenster- und Portalgewände sowie im Maßwerk. Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden (s.u.).

Strebewerk

Das Strebewerk ist ein weiteres zentrales konstruktives und gestalterisches Element der höher werdenden Kirchenbauten. Es ist ein statisches System, das sich in Strebepfeiler und Strebebogen unterteilen lässt und zur Lastabtragung der Kräfte beiträgt. Es dient bei einer Basilika dazu, den seitlichen Gewölbeschub und die Windlast von Mittelschiff und Hochchor aufzufangen. Die Stabilität der Strebepfeiler wird durch Auflasten erhöht, die als Zierelemente wie Fialen (schlanke, spitz zulaufende, flankierende Türmchen) gestaltet sein können. In das Strebewerk wurden auch die Abläufe für Regen- und Schmelzwasser integriert, das über Wasserspeier im Bogen vom Gebäude wegschießt und so von Mauerwerk und Fundamenten ferngehalten wurde. 

Die Schubkraft aus den Gewölben drückt schräg gegen die Hochschiffspfeiler, die ohne den Gegendruck der Strebebögen, einstürzen würden. Das Entgegenwirken der beiden diagonal verlaufenden Kräfte hebt ihre Kraftrichtungen auf, sodass der resultierende Kräfteverlauf vertikal im Pfeilerkern gehalten werden kann. Dies ermöglicht es die Pfeiler trotz der enormen Höhen so schlank auszugestalten. 

Der Strebebogen dient somit dem Weiterleiten des Gewölbe- und Winddrucks, letzterer nimmt aufgrund der ansteigenden Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu. Der Kräfteverlauf aus beiden Faktoren entspricht einer Parabelkurve, die bei Windstille steil ist, jedoch bei Windeinwirkung flacher wird. Dann sind zwei Strebebögen notwendig, um den auftretenden Horizontalschub widerstehen zu können. Der untere Strebebogen, der in Höhe des Obergadens ansetzt, leitet überwiegend den Gewölbeschub weiter. Der obere, der an der Traufe beginnt, ist wegen des Winddrucks angebracht worden.

Während das Strebewerk in der Frühzeit der Gotik vor allem statische Funktion hatte und nach innen verlagert war, entwickelte es sich später zu einem wichtigen baukünstlerischen Element und wird deutlich hervorgehoben und von außen sichtbar. Die Strebebögen werden ab 1160 bei Chören (Saint Germain des Pres in Paris) und ab 1180 beim Langhaus (Notre Dame in Paris) frei sichtbar oberhalb der Dachflächen angesetzt.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php
http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php

Auflösung der Wand

Bei der Gotik ermöglichten nun die leichtere Bauweise durch Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk und Strebepfeiler eine Verlagerung der tragenden Elemente in den Außenbau, eine starke Reduzierung der Mauerstärken sowie eine weitgehende Durchbrechung der Wände durch Fenster. Die statische Funktion der Bauglieder wird im Innenraum bewusst überspielt, um eine Illusion von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit der Architektur zu schaffen. Im Innenraum wird über den Arkaden zu den Seitenschiffen und zum Chorumgang hin ein als Triforium bezeichneter Laufgang in die Wand eingelassen. In die Außenwand wurde eine Vielzahl großflächiger Fenster eingelassen, die das Gebäude leicht und lichtdurchflutet erscheinen lassen. In der Hochgotik wird schließlich auch noch die Rückwand des Triforiums durchfenstert, sodass die Wand vollständig durchbrochen erscheint. Dennoch ist praktisch jedes Element eines gotischen Baukörpers tragend. Die Baumeister der Gotik schufen neue Konstruktionen durch evolutionäre Weiterentwicklung nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Deswegen stürzten einige Bauten schon während der Bauphase ein (z.B. die Kathedrale von Beauvais) oder mussten nachträglich aufgrund auftretender Risse mit weiteren kraftableitenden Elementen verstärkt werden. Es entsprach aber – wie oben erläutert – ganz dem damaligen Denken des technischen Empirismus, der auch Fehlschläge mit einkalkulierte.

Das Maßwerk und die Fenster

Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird. Das Maßwerk ist ein Element der gotischen Architektur und ist eines der wichtigsten Merkmale der Hoch- und Spätgotik, wo es ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster war. Diese Fenster aus Buntglas stellen abstrakte Bilder dar oder Szenen aus dem biblischen Leben.

In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff „Buntglas“ gewöhnlich Glas, dem bei der Herstellung lichtdurchlässige Farbe hinzugefügt wurde: ein Verfahren, das seinen Höhepunkt in der gotischen Architektur erreichte, in den malerischen erzählenden Fenstern der großen christlichen Kathedralen. Die Kunstfertigkeit der Glasmaler, die solche mittelalterlichen Meisterwerke wie die Fensterrose an der Westfassade der Kathedrale von Chartres schufen, ist in der Tat selten und außergewöhnlich.

Der Künstler (in der Praxis eine Gruppe von Künstlern) überwachte nicht nur den gesamten Produktionsprozess, um die Unversehrtheit und die richtige Pigmentierung des Glases zu gewährleisten, sondern war auch für die Gestaltung, die Komposition und die Effekte der Glasmalerei verantwortlich. Er begann in der Regel mit einer Reihe von Kohleskizzen oder Skizzen) des gewünschten Bildes. Daraus wurde eine Reihe von Entwurfsplänen in Originalgröße erstellt, die in der Regel direkt auf die Oberfläche aufgetragen wurden, die zum Schneiden, Malen und Zusammensetzen des Glasmosaiks verwendet wurde. Besonderes Augenmerk wurde auf die genauen Details und die Farbgebung der in der Glasmalerei dargestellten Bilderzählung gelegt. Es konnte sich dabei um die Darstellung einer biblischen Episode aus dem Alten oder Neuen Testament handeln, um das Leben von Propheten oder Heiligen, um ein Ereignis aus dem Leben Christi oder der Heiligen Familie.

Gewöhnlich wurden auch zusätzliche Symbole oder Motive eingefügt, die die Person oder die Zunft identifizierten, die für das Fenster bezahlt hatte. All dies erforderte eine sorgfältige Vorplanung, bevor der Produktionsprozess begann.

Um die optimale Farbgestaltung eines Glasfensters zu gewährleisten, musste der Künstler außerdem den Winkel, die Menge und die Intensität des einfallenden Lichts beurteilen. Helles Licht erfordert zum Beispiel hellere und dunklere Farben. Dies musste mit der Notwendigkeit eines Farbkontrasts sowie mit der Notwendigkeit, je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Lichtverhältnisse zu schaffen, in Einklang gebracht werden. Kurz gesagt, die Kunst der Glasmalerei umfasste architektonisches Design, Glasherstellung, Farbchemie, Cloisonné -Emaille und ein Dutzend anderer Künste und Handwerke.

Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54491069 Rosette Nord von Chartres
Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=321662
Saint Chapelle oberer Teil Von Didier B (Sam67fr) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1109265

Skulpturen in der Gotik

Die Skulpturen wurden zunächst für Kathedralen gefertigt und dort entweder innen oder außen an den Mauern der Kathedrale angebracht. Die gotische Plastik entsteht zunächst aus dem Wunsch heraus, die Fassaden der Kathedralen mit Standbildern, Reliefs und Figuren zu schmücken, die die Heilsgeschichte symbolisieren. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu voll rund gearbeitet sind. Ein Ensemble aus Tympanon, Bogenfries, Säulen, Statuen und Fundamentverkleidung macht das historische gotische Portal aus. Unter den eingemeißelten Themen finden wir neben der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht auch Szenen aus dem Alten Testament, die typologisch mit denen des Neuen Testaments korrespondieren. 

So unmittelbar an die Architektur gebunden stehen die säulenhaften Figuren mit starrem Blick immer im Bezug zum Wandhintergrund, benötigen eine Konsole, auf der sie stehen und einen Baldachin über dem Kopf. Die Figuren wurden zunehmend individualisiert, das heißt, sie bekamen eine eigene Gestik und Mimik, sowie eine eigene Körperhaltung. Die Skulpturen in der Romanik haben keinen Schwung in sich, was bei den Skulpturen in der Gotik anders ist, denn sie haben eine bewegte Darstellung. Mit einer ungezwungenen Eleganz und mit einem weich fließenden Gewand wird die Haltung der Personen in einer leichten S-Kurve dargestellt, was man auch als S-Schwung bezeichnet. Auch an der Kleidung der Skulpturen wurde gearbeitet, denn sie bekamen einen ausgeprägten Faltenwurf, der die gesamte Skulptur lebendiger aussehen ließ. Noch dazu wurden den Skulpturen mehr Details verliehen, sodass sie insgesamt näher an der Realität sind als die Skulpturen der Romanik. Zunächst waren die Skulpturen noch relativ statisch. Doch in der zweiten Hälfe des 14. Jhs. regte ein neuer Realitätssinn dazu an, weitere Gestaltungsmerkmale zu verwenden. 

Westliche Portalanlage von Chartres Von Rolf Kranz - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85693799
Gewände des Mittelportals der Westfassade der Kathedrale von Reims Von Szeder László - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3734097

Auch auf dem Gebiet der Plastik war zunächst Frankreich führend. Berühmte Beispiele sind die West- und Querhausportalfiguren von Chartres – um 1145 – sowie die Figuren der Kathedralen in Reims, Paris und Amiens. Im 13. Jahrhundert zur Stauferzeit schufen auch die deutschen Künstler Meisterwerke der gotischen Plastik.

Allein die 33 lebensgroßen und 200 kleinen Figuren auf einer vergleichsweise kleinen Fläche an den drei großen Westportalen der Kathedrale von Reims zeugen von einer bewundernswerten Kreativität und einem großen handwerklichen Können. Die Säulenstatuen an den drei Westportalen der Kathedrale von Chartres gehören wohl zu den berühmtesten Werken der gotischen Bildhauerei überhaupt. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Sie machten harten Stein geschmeidig.

Und wenn man bedenkt, dass man solch wunderbare Sammlungen gotischer Skulpturen auf hunderten von ähnlichen Kirchen findet, so kann man nur die außergewöhnliche Produktivität der Steinmetze des 13. Und 14. Jhs. bewundern. Viele Leistungen der Künstler in Frankreich, Spanien, England und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender

Die neue Form der Bauhütten

Von besonderer Bedeutung für die Gotik war die Ausbildung von Bauhütten seit dem 13. Jahrhundert, ein Verband aller an einem großen Kirchenbau beteiligten Steinmetzen, Handwerkern und Bauleuten, die unabhängig von der städtischen Zunftordnung und mit einer eigenen strengen Ordnung arbeiteten. Vor allem waren sie an die „Arkandisziplin“ gebunden. Das Arkanprinzip (von lateinisch arcanum – „Geheimnis“) ist der Grundsatz, Informationen nur einem Kreis von Eingeweihten – hier den Mitgliedern der Bauhütte – zugänglich zu machen. Waren bisher überwiegend Mönche oder Priester in die Geheimnisse der Baukunst eingeweiht, so verlagerte sich das Wissen nun zu profanen Baumeistern (sie zeichneten die Pläne – allerdings nicht maßstabgetreu), sowie Steinmetzen, Malern und Bildhauern. Und eben alle diese weltlichen Handwerker, die am Bau eines Gotteshauses beschäftigt waren, schlossen sich zu einer Bauhütte zusammen. Aus dem Zusammenwirken in einer Bauhütte lässt sich u.a. der einheitliche Eindruck gotischen Kathedralen erklären.

Die Leiter der Bauausführung hießen oft Werkmeister (wercmeistere) oder Baumeister; sie gingen zumeist aus dem Steinmetzhandwerk hervor und waren die mittelalterlichen Architekten. Auch Bezeichnungen wie magister operis kamen vor. Bei der Ausführung hatten der Steinmetzmeister (magister lapicidae) und der Maurermeister (magister caementari) sowie der Sculptor  (Bildhauer) Bedeutung. Die Meister der Bauausführung wechselten bei jedem Bauwerk häufiger, schon auf Grund der langen Bauzeiten.

Die Baumeister waren im Grunde die mittelalterlichen Architekten und eigentlichen Schöpfer der Baukunst. Das neue Verständnis und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister zeigten sich auch darin, dass erstmals Baumeister und Künstler namentlich hervortraten. Kennen wir aus der Zeit der Romanik kaum einen Namen, so besaßen in der Gotik zahlreiche Baumeister einen besonderen Ruf und wurden gezielt mit der Errichtung von Kathedralen beauftragt.

Einige bekannte Grössen waren:

  • Meister Gerhard, Meister Arnold, Johannes von Köln, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus van Bueren und Konrad Kuene van der Hallen für den Kölner Dom
  • Wilhelm von Sens für die Kathedrale von Canterbury und von Sens
  • Michael Knab, Wenzel Parler, Hans Puchsbaum, Anton Pilgram und Jörg Öchsl für den Stephansdom in Wien
  • Baumeisterfamilie Parler, die gleich mehrere bekannte Kathedralen mitgestalteten, so das Basler, FreiburgerGmünder, Straßburger und Ulmer Münster sowie den Veitsdom in Prag
  • Werkmeister Guerin von der Kathedrale von St, Denis (13. Jh.), der wohl ersten gotischen Kathedrale
  • Werkmeister Hugues Liebergier (1229–1263) von der Abteikirche St.-Nicaise von Reimes
  • Werkmeister Pierre de Montreuil (um 1250) von der Kathedrale Notre-Dame de Paris
  • Juan Guas für die Kathedralen von Avila und Segovia
  • „Meister Enrique“ von Narbonne (Südfrankreich) für die Kathedralen von Léon und Burgos
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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

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Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Moissac – nicht nur eine Hochburg der romanischen Kunst

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Camino Podiensis

Geschichte der Abtei und Stadt

Moissac die Stadt am Zusammenfluss von Tarn und Garonne entwickelte sich um die Benediktinerabtei St Pierre und ist eine der bedeutendsten Stationen auf dem Camino Podiensis. Mit über 13.000 Einwohnern ist Moissac die zweitgrößte Stadt im Département Tarn-et-Garonne.

Eine erste Gründung der Abtei Sankt Peter soll es um das Jahr 500 durch den Merowinger -König Chlodwig gegeben haben. Dies konnte aber durch die Wissenschaft nicht belegt werden. Erst in der Mitte des 7. Jahrhunderts ist die erste Gründung durch den heiligen Didier (den Bischof von Cahors) belegt. Sie fand während der Eroberungszüge der Araber und Normannen statt. Im 11. Jh. stand die Abtei kurz vor dem Ruin. 1030 stürzte das Dach ein und 12 Jahre später wurde die Abtei durch den Vizegrafen niedergebrannt, dem das Kloster als weltlicher Abt unterstellt war. Dies führte aber zu einer Gegenreaktion. Das Kloster wurde dem Kloster von Cluny, der mächtigsten Abtei im Abendland, unterstellt. Da Cluny direkt dem Papst unterstellt war, hatte die Abtei in Moissac Immunität gegenüber den weltlichen Mächten und erhielt sein Vermögen und seine Ländereien zurück. 1047 wird Durandus von Cluny als Abt in Moissac eingesetzt. Wenig später wurde er auch Bischof von Toulouse. Er nimmt den Wiederaufbau der Abteikirche in Angriff. Im Jahre 1063 wurde die neue Kirche prunkvoll eröffnet. 1100 wird durch den Abt Ansquitil der Kreuzgang fertiggestellt, dessen Skulpturen auf Kapitellen und Pfeilern einen der Höhepunkte der romanischen Kunst darstellen. Mit dem Aufschwung, den das Kloster nahm, entwickelte sich auch der Ort im Schatten der Abtei. Das goldene Zeitalter von Abtei und Stadt währte aber nur bis zum 14. Jh.

Der Hundertjährige Krieg, in dessen Verlauf Moissac zweimal von den Engländern besetzt wurde, setzte der Abtei schwer zu. Kurz nach der Belagerung und Einnahme der Stadt durch ein englisches Heer wurde die romanische Kirche 1188 bei einem Stadtbrand zerstört. Erst etwa hundert Jahre später begann der Wiederaufbau, nun in gotischem Stil und in Backstein, und dauerte in mehreren Bauphasen bis weit ins 15. Jahrhundert. Auch die Hugenottenkriege belasteten Abtei und Stadt schwer. Während der Französischen Revolution werden 1792 die Archive und Kunstschätze des Klosters geplündert oder zerstört. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entgeht die Abtei nur knapp der völligen Zerstörung, denn Kreuzgang und Konvent sollen dem Bau der Bahnlinie Bordeaux – Sète weichen. Einer Initiative des Denkmalschutzes ist es zu verdanken, dass die Pläne nicht ausgeführt wurden.

Die ersten Einwohner waren Fischer, später wurde die Stadt jedoch zu einem wichtigen Hafen für die Verschiffung von Maismehl nach Bordeaux. Die Moulin de Moissac (s.auch unten) beschäftigte einst etwa zwei Drittel der Stadtbevölkerung. Mit der Einführung der Eisenbahn und dem anschließenden Zusammenbruch des Flusshandels schrumpfte jedoch die Bevölkerung der Stadt. Heute ist die Stadt ein Touristenmagnet und eine der wichtigsten Stationen auf dem Camino Podiensis.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

Die Abteikirche St. Pierre

Nach dem Anschluss an Cluny begann die Errichtung der neuen Kirche (Moissac I) 1063, die Mitte des 12 Jh.s umgewandelt wurde (Moissac II). Der Bau wurde zu Beginn des 13. Jh.s niedergebrannt. Wie durch ein Wunder überlebte das Portal die Feuersbrunst. Erst nach Ende des Hundertjährigen Krieges entstand die Abteikirche aufs Neue, diesmal in Gestalt eines Saalraums mit gotischem Kreuzrippengewölbe (Moissac III). Der Raum ist nicht besonders attraktiv, die Architektur von Moissac spielt deshalb keine Rolle. Nach dem herrlichen romanischen Portal ist das Kircheninnere eher eine Enttäuschung. Daher richtet sich das Augenmerk voll und ganz auf das Portal (1110-1131) und den Kreuzgang (1059-1131) mit ihren herrlichen romanischen Skulpturen, die zu den europäischen Meisterwerken ihrer Zeit zählen (s. auch das Kapitel „Französische Romanik“).

Das Portal

Das Portal ist mit zahlreichen Reliefszenen geschmückt und gilt daher als bedeutendstes Zeugnis romanischer Bildhauerkunst in Südwestfrankreich. Das berühmte Stufenportal öffnet sich zur Südseite in einer tiefen Vorhalle. Es erscheint als eigener, der Kirche zugewandter Baukörper.

Das Tympanon wird auf 1120/30 datiert und ist damit eines der ältesten figürlichen Tympana überhaupt. Getragen wird es von dem Trumeaupfeiler in der Mitte des Eingangs. An den Seitenwänden der Portalvorhalle befinden sich weitere Relieffiguren. Die Portalanlage gehört mit denjenigen von Beaulieu-sur-Dordogne, Conques, Vezelay und Autun zu den Meisterwerken der romanischen Bildhauerei in Frankreich.

In der Mitte des Bogenfeldes dominiert Christus. Ihn umgeben die vier Evangelistensymbole und zwei schlanke Engelsgestalten, über dem Haupt Christi erkennt man die Andeutung einer Mandorla (Aura um die ganze Figur). Den übrigen Raum nehmen, im Bedeutungsmaßstab verkleinert und in drei Registern übereinander angeordnet, die 24 Ältesten der Apokalypse ein. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem Thema der Wiederkunft Christi auf Erden. Das Wellenband zu Füßen Christi deuten die Wogen des Gläsernen Meeres an. Der seltsame, aus Bestienmäulern wachsende Mäander am Rand des Bogenfeldes wird als Fessel des Höllenhundes Cerberus gedeutet. Unterfangen wird das Tympanon vom Türsturz mit Blütenrosetten. Sie werden als „Feuerräder“ gedeutet, die das höllische Feuer der Apokalypse symbolisierten oder in ihrer Rotation ein Sinnbild der ewigen göttlichen Kraft seien. Für die Sündhaftigkeit der irdischen Welt stehen die zahllosen Tiere, die zu Seiten des Portals in mehreren Zügen emporkriechen.

Wie vor der Wand schwebend erscheinen neben den beiden Türöffnungen Reliefstatuen Petrus und Jesaja. Ein Meisterwerk für sich ist der an allen vier Seiten skulptierte Trumeau (Pfeiler in der Türöffnung).

Auf die Nennung der einzelnen Bildinhalte wird hier nur teilweise eingegangen. Abgesehen von der theologischen Aussage legt dieses Portal eindringlich Zeugnis ab vom Gottesverständnis des 12. Jh.s.  Selbst eine genauere Darstellung kann für uns nur einen Teil des tiefen Symbolgehalts anreißen.

Es gibt einen Spruch, der besagt , »Qui n’a pas vu le portail de Moissac, celui-là n’a rien vu!« Der nicht das Portal von Moissac gesehen hat, der hat nicht gesehen.

Von Membeth - Own photography by Membeth; originally from de.wikipedia; description page is/was here.(Originaltext: selbst photographiert), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2303705
Von 13okouran - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62172528

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang nimmt einen ähnlich hohen Stellenwert in der mittelalterlichen Kunst ein wie das Portal. Das Jahr 1100 als Zeitpunkt der Fertigstellung kann aufgrund einer Gravierung in einem Mittelpfeiler genau angegeben werden. Daraus ergibt sich, dass Moissac mit seinen 76 Arkaden nicht nur den größten, sondern auch den ältesten mit skulptierten Kapitellen geschmückte Kreuzgang besitzt. Mit seinen zehn Marmorreliefs an den Eckpfeilern und seinen ehemals 88 Kapitellen ist er nicht nur einer der umfassendsten, ältesten und schönsten in Frankreich, sondern zugleich der größte und am reichsten ausgestattete Kreuzgang der gesamten Romanik.

76 Kapitelle schmücken die Säulen bzw. Doppelsäulen, die wechselweise zur Stütze der 20 Arkaden angeordnet sind. Die Kapitelle der Säulen zeigen eine umfangreiche Sammlung von Szenen und Figuren des Alten und des Neuen Testaments sowie den Taten und Leiden der Heiligen. Wie nachgewiesene Farbspuren zeigen, waren zumindest teilweise farbig gefasst.

Die Forschung hat nicht weniger als sechs verschiedene Künstler identifiziert, die möglicherweise im Zentrum in Toulouse tätig waren. Auf eine eingehende Würdigung jedes einzelnen Kapitells wird hier verzichtet, aber man sollte sich Zeit lassen, um dieses Meisterwerk in seiner Schönheit zu betrachten und zu würdigen.

Es stimmt schon, was Nooteboom sagt, nämlich dass aus diesem Lehrstück für die damalige Bevölkerung ein Kunstwerk für uns geworden ist, dessen tiefere Bedeutung uns verborgen bleibt. Aber dieser „genie de lieu“, das Eigene und Besondere dieser Orte, fängt auch uns bei der Betrachtung ein und hinterlässt bei jedem von uns – gerade vielleicht auch als Pilger – tiefergehende Emotionen.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027
Kreuzgang von Moissac Abtei Saint-Pierre
Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

Moissac und sein Art Déco Viertel

Moissac hat neben der Abtei aber noch weitere Sehenswürdigkeiten. Die Stadt verblüfft mit einer der höchsten Konzentrationen an Art Déco-Gebäuden in ganz Südwestfrankreich! Grund hierfür ist jedoch ein Drama: 1930 zerstörte eine Überschwemmung des Flusses Tarn einen Teil des Stadtzentrums von Moissac, forderte 120 Todesopfer und machte Tausende von Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau begann mit einem Dutzend Architekten aus Toulouse, inspiriert vom Stil ihrer Zeit, dem Art Déco: geometrische Formen, klar definierte Winkel, kühne Öffnungen, Eisenarbeiten, Wandfresken. Vom Viertel Sainte-Blanche bis zum Rand des Tarn findet man im Art Déco-Stil u.a. den kuriosen Pavillon de l’Uvarium mit einem bunten Freskengewölbe, die Konzerthalle der Stadt, ein Geschenk der Stadt Paris namens Hall de Paris und weitere schöne Gebäude.

 

Hafenflair – der Kanalhafen und die Kanalbrücke

Die Stadt Moissac liegt am rechten Ufer der Tarn und wird darüber hinaus vom Garonne-Seitenkanal, den Verlängerungen des Canal du Midi, erschlossen. Etwa 1,5 km flussaufwärts vom Jachthafen überquert der Garonne-Kanal den Tarn über die majestätische 365 Meter lange Kanalbrücke „Pont Canal du Cacor“. Diese um 1845 erbaute Kanalbrücke stellt durch ihre Dimensionen, die Klarheit ihrer Linien, die harmonische Verwendung des Steins von Quercy und des „Ziegels von Toulouse“ ein wichtiges architektonisches Element der Region dar. Der „Canal latéral à la Garonne“ bildet zusammen mit dem Canal du Midi einen Wasserweg vom Atlantik (Bordeaux) ins Mittelmeer (Sète). Der Garonne-Seitenkanal hat heute für die Binnenschifffahrt keine Bedeutung mehr, wird aber als touristische Wasserstraße genutzt.

 

www.tourisme-tarnetgaronne.fr/en/offers/le-pont-canal-moissac-en-3227650/

Moissac – Zufluchtsort für Hunderte jüdische Kinder im 2. Weltkrieg

Entlang des Flusses befindet sich auch ein Hotel in der „Le Moulin de Moissac“ mit einer reichen Geschichte. Die Mühle wurde 1474, kurz nach dem Ende des 100-jährigen Krieges, auf den Ruinen einer anderen Mühle errichtet, die kurz zuvor niedergebrannt war. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte entwickelte sich die Mühle zur größten im Südwesten Frankreichs und ihr Mehl galt als ausgezeichnet. Sie war der größte Arbeitgeber der Stadt. Doch im Ersten Weltkrieg brannte die Mühle und das Gelände wurde aufgegeben. In den Goldenen Zwanzigern wurde die Mühle zu einem Luxushotel gestaltet, das jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs geschlossen wurde.

Danach stößt man auf ein Stück Geschichte, das einen sehr bewegt: 

Hier in Moissac fanden im Zweiten Weltkrieg Hunderte von jüdischen Kindern Zuflucht. Die Stadt und ihre Menschen boten diesen Kindern während des Krieges einen Zufluchtsort. Hier waren Kinder untergebracht, deren Eltern bereits deportiert waren oder die ihre Kinder in die Hände von sozialen Einrichtungen gaben, um sie zu retten. Sie wussten nie, ob sie sich wiedersehen!

Das von den jüdischen Pfadfindern (Éclaireurs Israélites de France, EIF) in der Mühle eröffnete große Kinderheim gewann sehr bald doppelte Bedeutung: als Heimstatt für Hunderte von bedrohten jüdischen Kindern und als einer der lokalen organisatorischen Knotenpunkte der jüdischen Résistance. Anfang Juni 1940, wenige Tage vor der Besetzung von Paris, verlegte der Generalsekretär der jüdischen Pfadfinder, Simon Lévitte, das Generalsekretariat der EIF nach Moissac. Im Spätherbst 1940 begannen Simon Lévitte und seine Frau Denise dort mit dem Aufbau eines geheimen jüdischen Dokumentationszentrums, und bald wurden in Moissac auch gefälschte Papiere für die Flüchtlinge hergestellt. Denn seit dem Judenstatut vom Oktober 1940 verschärften sich die Maßnahmen der Verfolgung in atemberaubendem Tempo.

Im August 1942 war, wie viele andere, auch das Heim in Moissac von einer Razzia betroffen. Zwar erfuhr die Heimleitung rechtzeitig davon und konnte die gesamte Bewohnerschaft für einige Tage nach Bourganeuf im Department Creuse evakuieren. Aber von diesem Zeitpunkt an standen auch in Moissac die Zeichen auf Auflösung der Heime. Die Kinder mussten verteilt werden. Die Pfadfinderorganisation brachte die jüdischen Kinder und Jugendliche dann illegal in nichtjüdischen Kinderheimen oder bei nichtjüdischen Familien in Moissac und in der Umgebung unter, die bereit waren, sie aufzunehmen.

Da diese Kinder zum Teil Schwierigkeiten hatten, sich in den katholischen Familien zurecht zu finden, und oft einen fremden Akzent sprachen, barg ihr Aufenthalt große Risiken. Deshalb wurde beiderseits der französisch-schweizerischen Grenze eine Fluchthilfe organisiert. Kleine Gruppen von Kindern wurden in nächtlichen Reisen durch Südfrankreich etappenweise über die Grenze in die Schweiz gebracht. Drei bis vier dieser heimlichen Kindertransporte gingen wöchentlich bis 1944 in Richtung Schweizer Grenze. In den Dokumentationen wird hier immer wieder der Name Marianne Cohn erwähnt.  Sie lebte zeitweise in Moissac und begleitete u.a. viele der Kindertransporte. Als sie am 31. Mai 1944 die 28 Kinder ihres letzten Konvois übernahm, hatte Marianne Cohn schon viele dieser in dichter Folge an die Schweizer Grenze gebrachten Transporte begleitet. Die Zahl der Kinder, denen sie das Leben gerettet hat, wird auf 200 geschätzt. Sie wurde verhaftet, gefoltert und kurze Zeit später im Alter vom 22 Jahren ermordet.

Die Esplanade des Justes entlang des Tarn wurde zu Ehren der Stadt und ihrer heldenhaften Bürger errichtet.

Die Mühle von Moissac ist nicht die einzige Zufluchsstätte in Frankreich, in der jüdische Kinder aufgenommen wurden. Ich möchte hier nur noch zwei Beispiele erinnern, an das traurige Schicksal der Kinder in Izieu, die ein halbes Jahr vor Kriegsende noch verraten, deportiert und in Auschwitz ermordet wurden und das von den jüdischen Jugendlichen in La Hille, die trotz des Schutzes des Roten Kreuzes verhaftet wurden, aber noch einmal gerettet wurden und auch heimlich in die Schweiz gebracht wurden. Viele dieser Hilfen wären aber ohne die anonyme Hilfe und Unterstützung der französischen Bevölkerung nicht möglich gewesen. Auch ihrer sollte man an in Dankbarkeit gedenken.

https://www.thelocalbuzzmag.com/the-quiet-appeal-of-moissac/

Exkurs

Die Schweizer Seite

Die „Oeuvre de Secours aux Enfants“ war eine jüdische Organisation, die im besetzten Frankreich jüdische Kinder, die deportiert werden sollten, versteckte. Als das immer gefährlicher wurde, schleuste sie die Kinder außer Landes, nach Spanien und hauptsächlich in die Schweiz. Dafür wurden Papiere gefälscht, typisch jüdische Namen ersetzt, das Alter der Kinder angepasst – Kinder unter 16 durften nicht zurückgeschickt werden.

Freiwillige Helfer brachten die Kinder in der Regel nach Annemasse, die letzte Bahnstation vor der Schweiz in der Nähe des Genfer Sees. Die kleine Stadt war bei Jugendgruppen als Fe­rien­ort beliebt, fremde Kinder fielen dort kaum auf. Für die letzte Strecke über die Grenze waren bezahlte Schlepper zuständig, Einheimische, die sich auskannten und vor dem Krieg vielleicht schon Waren geschmuggelt hatten. Die Preise lagen zwischen drei- und fünftausend Francs pro Kind. Das Risiko war groß: Nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz drohten Gefängnisstrafen. 1944 verstärkten die Deutschen die Grenzkontrollen, die Passagen wurden zu gefährlich.

Offiziell konnte und wollte man sich von Schweizer Seite auch der des Roten Kreuzes (SRK) nicht gegen die Anordnungen der deutschen und französischen Vichy-Regierung stellen, um die Neutralität der Schweiz nicht zu gefährden. Damit entstand eine Kluft zwischen den politischen Auffassungen, die am Sitz des SRK in Bern vertreten wurden, und der düsteren Realität, mit der die humanitären Helfer vor Ort konfrontiert waren. Die Ermahnung des Exekutivkomitees an die in Frankreich tätigen Mitarbeiter bringt die Unvereinbarkeit der beiden Positionen gut zum Ausdruck: “Die Gesetze und Dekrete der französischen Regierung sind genauestens zu befolgen. Sie haben nicht zu beurteilen, ob diese Ihren persönlichen Überzeugungen widersprechen……” Trotzdem leisteten einige MitarbeiterInnen weiterhin unter großen Risiken Fluchthilfe für die Kinder in die Schweiz und konnten so noch viele Kinder und Jugendliche vor dem sicheren Tod bewahren.

 

Die Chasselas-Traube aus Moissac

Bei der Traubensorte Chasselas de Moissac handelt es sich um eine frische Tafeltraube mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP = Appellation d’Origine Protégée). Ihren Namen hat die Traube von ihrem Ursprungsort Moissac. Sie wird besonders für ihr süßes Aroma und die knackige Fruchtschale geschätzt und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Da die Traube sehr robust ist und sich gut aufbewahren lässt, findet man sie von September bis Dezember im Handel.

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Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Via Tolosana

Begriff

Die Baskenmütze ist eine traditionell aus Wolle gewalkte Mütze in der Art eines Baretts. Sie hat keinen Schirm und keine Krempe. Ihre Besonderheit ist die flache Form, die nach innen gebogene Kopföffnung und der ca. ein bis zwei Zentimeter lange Zipfel in der Mitte (baskisch txertena, ‚Schwänzchen‘), der beim Filzvorgang entsteht, und auch als Schlinge gearbeitet sein kann. In Frankreich nennt man sie bérets und in Spanien boinas, auf baskisch txapela (was eigentlich Hut heißt). Die Hirten waschen ihre Mütze nicht, sondern es heißt ausschütteln, abklopfen, aufsetzen nach dem Motto “la vie continue”!

Während die ursprüngliche Baskenmütze entweder marineblau oder rot war, ist sie heute in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Man findet es beim Militär, bei Schülern und in den Kollektionen namhafter Designer. Schon früh drückte es aber auch eine Geisteshaltung seiner Träger aus.

Geschichte

Eine Art Baskenmütze wurde schon um das Jahr 1000 herum zuerst von Geistlichen als Schutz gegen Sonnen- und Mückenstiche getragen. Erst waren wie aus der Wolle der Schafe gestrickt. Seit dem Hochmittelalter gab es in Europa Walkmühlen, einfache Mühlen aus Holz, die die Wolle durch Druck zu Filz pressten. So wurde damals auch der Rohstoff für die Mützen hergestellt. 

So entwickelte sich wahrscheinlich um 1570/1580 aus dem in Euroüa verbreiteten Barett die Baskenmütze zur Kopfbedeckung der Bauern und Hirten in den Pyrenäen, insbesondere im Béarn. Von dort gelangte sie ins benachbarte Baskenland, wo vor allem blaue und schwarze Baskenmützen insbesondere von Fischern und Seeleuten getragen wurden. Quellen legen nahe, dass die Baskenmütze auf diese Weise seit dem 16. Jahrhundert im Baskenland weit verbreitet war. Deshalb schwelt im Südwesten seit Jahrhunderten die ewige Streitfrage, ob die wirklich bérets basques waren − oder etwa doch bérets béarnais.

Der Legende nach sprach Napoleon III. eher versehentlich das entscheidende Machtwort: Als er um 1855 nach den Baufortschritten an seinem Sommerpalast in Biarritz sah, staunte er laut über die „baskischen Hauben“ der arbeitenden Männer. Niemand wagte es, den Kaiser zu berichtigen und so war die ‚Baskenmütze‘ geboren.

Künstler und Kämpfer trugen Baskenmütze

Fest steht, dass die Baskenmütze im Frankreich des 19. und vor allem des frühen 20. Jahrhundert viel von Intellektuellen und Künstlern getragen wurde, darunter Rodin, Pablo Picasso, Monet, Cezanne, Ernest Hemingway, Richard Wagner und Heinrich Böll. Bevor dieser Hype unter Künstlern begann, fand man sie bereits auf Selbstporträts der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt. Seit etwa 1927 ist sie immer wieder als modisch-sportliche Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht in Gebrauch. So ließ sich etwa Marlene Dietrich in den 1930er Jahren häufig mit Baskenmütze ablichten,  Greta Gabor trug sie privat,  Lisa Fonssagrives war 1950 auf dem Cover der amerikanischen Vogue mit roter Baskenmütze und Baguette im Arm zu sehen. 1967 trug  Faye Dunaway als Bonnie im Film Bonnie und Clyde Baskenmütze. In der Mode wurde die Baskenmütze unter anderem von Louis Viutton und Sonia Rykiel neu interpretiert. Erst im 20. Jh. wurde die Baskenmütze in den angelsächsischen Ländern zu einem Symbol, das mit dem Image der Franzosen in Verbindung gebracht wird, obwohl sie eigentlich ein typisches Attribut des ganzen Baskenlandes ist.

Im Zweiten Weltkrieg war das Barett dann die Kopfbedeckung des französischen Widerstandes. Die Baskenmütze war eines der Symbole der Résistance. Aber auch die Gegner der Résistance, insbesondere die Miliz, trugen die Baskenmütze, allerdings auf eine andere, steifere Art und Weise. Später wurde die Baskenmütze zum Symbol verschiedener Widerstandsbewegungen und der Volksbefreiung. “Che” Guevara machte sie in den 60iger Jahren zu einem der Symbole der Revolution.

1975 bestellte aber auch die irakische Armee eine Million Baskenmützen. Die Mitglieder der ETA zeigten sich ebenfalls häufig mit Baskenmütze. Zudem bekommen im Baskenland traditionell die Sieger oder Siegerinnen von Wettbewerben eine Baskenmütze aufgesetzt und werden txapeldun genannt. Die Fans von Athletic Bilbao tragen häufig Baskenmützen als Teil ihrer Fankleidung. Man sieht, die Baskenmütze hat im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen.

 

Das „béret basque“ hat damit das geschafft, was weltweit nur wenigen Kleidungsstücken gelingt:

Gleichzeitig ein Symbol für Widerstand und Revolution, Teil einer Uniform, ein modisches Statement und ein nationales Symbol zu sein!

Herstellung

Die Herstellung von Baskenmützen, die in Frankreich einst blühte, wurde von der Krise der Textilindustrie und der Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Baskenmütze zudem heute an Bedeutung verloren hat, gibt es nur noch wenige Fabriken, die die echten Baskenmützen herstellen. In dem kleinen Ort Oloron-Sainte-Marie sitzt die 1830 gegründete Firma Laulhère, der letzte große Baskenmützenproduzent Frankreichs. Laulhère ist übrigens eine Ableitung von ouélhé oder aoulhé, was im Béarnais „Hirte“ bedeutet. Es gibt auch kleine Manufakturen, wie Après La Pluie im Badeort Saint-Jean-de-Luz, die neben Laulhère die Mütze herstellen. Die einzige Fabrik, die im spanischen Baskenland noch existiert, ist die Firma Elosegui, die Boinas in Tolosa produziert.

Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär. Das Militär verzichtet aber auf typische “Schwänzchen”, in Frankreich cabillou genannt. Die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes.

Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt für einige Sekunden.

Und wie trägt man nun die Baskenmütze?

Man kann sie tragen, wie es einem gefällt. Es gibt keine festen Vorgaben. Je nach Anlass, persönlicher  Stimmung, eigener Kopfform oder Modetrend kann man den Sitz der Mütze auf dem Kopf variieren. Viel Spaß beim Probieren!

Übrigens: die Baskenmützen sind der angesagteste Modetrend für 2022 – laut Influencer:innen und der Zeitschrift „Elle“ . Allerdings entsprechen diese Modeaccesscoirs nur noch in der Form ihren Wurzeln. Ansonsten kommen sie jetzt in ausgefallenen Ausführungen u.a. in Webpelz- oder Häkel-Optik und in leuchtenden Farben wie rosa und grün.

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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Pastel – das blaue Gold von Okzitanien

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Via Podiensis

Pays de Cocagne – Land des Pastel

Die Via Podiensis läuft von Figeac über Cahors, Moissac, Lectoure bis Condom entlang der Nordwestgrenze der Region Okzitanien.  In Frankreich ist das fruchtbare Dreieck zwischen Toulouse, Albi und Carcassonne auch unter dem Namen „Pays de Cocagne” bekannt.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden jährlich aus den Blättern dem rund einen Meter hohen Pastel oder auch Färberwaids, der im Frühling die Landschaft in ein gelbes Blütenmeer verwandelte, die begehrteste Farbe des Mittelalters gewonnen: Blau. Und damit war der Reichtum der Region begründet.

Wissen Sie, woher der Ausdruck “Pays de Cocagne” stammt? Er bedeutet in etwa “Land des Überflusses” oder „Schlaraffenland“. Als “cocagnes” bezeichnete man die Bündel aus getrockneten Blättern des Pastels, die aus Okzitanien über den Fluss Garonne nach ganz Europa exportiert wurden und so den Reichtum Okzitaniens im Mittelalter ausmachten. In Toulouse sowie in Albi zeugen die Stadtpalais der Pastelhändler von der Opulenz dieses goldenen Zeitalters. In Toulouse bestehen heute noch etwa 20 solcher herrschaftlichen Bauten im opulenten Renaissancestil. Aber nicht nur die Waidbauern und –händler profitierten von der starken Nachfrage nach diesem Farbstoff, sondern auch für Müller, Färber, Mauleseltreiber, Schiffer u.a. florierten deshalb damals die Geschäfte.

Prachtvolles Pastell-Palais: das Hôtel de Bernuy. Foto: Hilke Maunder

Pastel, jene Pflanze, die man auch unter der Bezeichnung “Färberwaid” oder “Deutscher Indigo” kennt, hat zwar gelbe Blüten, aber schon in der Renaissance färbte sie die Kleidung der Könige royalblau! Blau war die edelste Farbe des Mittelalters. Nur Könige, reiche Adeligen und der hohe Klerus konnten sie sich leisten. Denn bis zur Entdeckung des Indigos aus Asien im Jahr 1560 gab es nur ein einziges Verfahren – und eine einzige Pflanze – um den Rohstoff zum Färben zu erhalten. Das ist jener zweijähriger Kreuzblüter, der bis zu einem Meter hoch auf den Feldern des Pays de Cocagne  blühte: Isatis tinctoria, zu Deutsch Färberwaid oder Pastell.

Gewinnung aus heimischem Färberwurz

War die Pflanze ein Jahr alt, stießen die Pastelbauern einst mit dem Waideisen die langen, dicken Blätter ab. Nur sie enthalten das farblose Pigment Glycosid Indican, dass sich beim stundenlangen Färben ins Blau verwandelt.

In den Indigopflanzen findet sich nirgends ein blauer Farbstoff. Alle Teile der Pflanze und vor allem die Blätter enthalten eine Vorstufe des Indigos, die Zuckerverbindung Indican. Zur Gewinnung von Indigo aus Färberwaid zerstampften die Bauern früher die Waidblätter in einer Waidmühle. Das zerquetschte Material schichteten sie auf einen Haufen und ließen es zwei Wochen lang gären. Aus dem vergorenen Brei formten sie kleine Bällchen, sogenannte Waidkugeln. Diese wurden von den Waidhändlern auf den Märkten gekauft. Eine sehr übelriechende Tätigkeit übernahmen die Angestellten der Waidhändler, die Waidknechte: Sie feuchteten die Waidkugeln mit Urin an und setzten sie erneut einer Gärung aus. Nach einer Lagerzeit von etwa zwei Jahren kam der vergorene Waid in die Färbehäuser. Dort wurde er nochmals mit Urin und Pottasche bei 60°C verrührt. Erst nach drei Tagen entstand eine Brühe, die Küpe, welche zum Färben geeignet war. Die Textilien wurden für eine Stunde in die Küpe getaucht. Beim Herausziehen der gefärbten Stoffe waren diese zunächst gelb eingefärbt. Erst an der Luft entwickelte sich durch eine Oxidation der blaue Farbton des Indigos.

Pastel wurde ursprünglich als Färbemittel für Kleider genutzt, kaum für die Malerei. Die Reste aus den Bottichen der Färber nutzte man allerdings, um Karren und Fensterläden damit zu bemalen als Schutz gegen Pilze und selbst die Hörner der Rinder wurden blau gefärbt, was Mücken fernhalten sollte. Heute verdanken wir Künstlern mit einer Leidenschaft für Pastel eine ganze Bandbreite von Kunstwerken und Textilien in den 13 Nuancen des okzitanischen Blautons (Künstlern wie Delcroix, Boudin, Millet, Szafrans, Picasso) Die Farbnuancen wurden im 17. Jahrhundert festgelegt und variieren vom sehr hellen “Blauweiß” (bleu blanc) über “Höllenblau” (bleu d’enfer), das schon beinahe ins Grau/Schwarz geht, bis hin zu “Königsblau” (bleu de roi) und “Königinblau” (bleu de reine).

Die Pflanze wird seit der Antike auch als Heilpflanze eingesetzt. Schon Hippokrates verwendete die Blätter des Färberwaids zur Wundbehandlung. Da die Pflanze reich an Omega 3, 6 und 9 ist, werden die dermatologischen Eigenschaften der Färberpflanze auch heute genutzt, um Naturkosmetik herzustellen.

Gewinnung aus dem indischen Indigo

Die Pastelpflanze wurde dann aber Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Indigopflanze ersetzt. Der portugiesische Forschungsreisende Vasco da Gama entdeckte im 15. Jahrhundert in Asien eine Pflanze, die 30x mehr Blau enthielt als die Färberwaide. Diese Pflanze erhielt den Namen Indigofera Tinctoria und das daraus gewonnene Blau den Namen Indigo.

Die Indigopflanze ist ein Schmetterlingsblütler; sie wächst in Indien, Afrika und China. Mit der Gründung der ostindischen Handelsgesellschaft im Jahr 1602 durch die Holländer war der Untergang des europäischen Indigos besiegelt: Die holländischen Seefahrer begannen, Indigo aus Indien zu importieren. 

Die Pflanzenteile wurden nicht per Schiff eingeführt, sondern in Indien vor Ort verarbeitet. Zur Gärung legte man sie in große, in den Boden eingelassene Becken. Hierbei wandelte sich das Indican in Indoxyl und Traubenzucker um. Nach etwa 15 Stunden wurde die gelbe Flüssigkeit in ein tiefergelegenes Becken gelassen, in das durch einfaches Schlagen oder mit Hilfe von Schaufelrädern Luft hinzugefügt wurde. Der durch das Schlagen in die Becken eingebrachte Sauerstoff oxidierte das wasserlösliche, gelbe Indoxyl zu blauem Indigo. Der so gewonnene Farbstoff war nicht mehr wasserlöslich und setzte sich am Boden ab. Er wurde getrocknet und danach zu Blöcken verarbeitet.

Mit der Entwicklung von industriellen Syntheseverfahren zur Herstellung der blauen Farbe gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die großtechnische und kostengünstige Produktion von Indigo, worauf der Markt für natürliches Indigo zusammenbrach., Picassozu

Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10507607
Von Frédéric Neupont au Muséum du Pastel de Toulouse-Labège - Eigenes Werk avec l'aimable collaboration du Muséum du Pastel de Toulouse-Labège, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=122796740Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10507607

Renaissance des Pastel in Ozitanien

Beinahe in Vergessenheit geraten, erlebt das “blaue Gold” von Okzitanien nun eine wahre Renaissance! Diese ausgesprochen dauerhafte Naturfarbe, die sehr wasch- und lichtbeständig ist, ist erneut gefragt und kann nun dank moderner Verfahren einfacher hergestellt werden kann.

Die Renaissance des Pastels im Gers im Nordwesten von Toulouse begann mit dem Belgier Henri Lambert und seiner US-amerikanischen Frau Denise, die 1994 in der alten Gerberei von Pont de Pile die Firma Bleu de Lectoure gründeten und gemeinsam mit der École Nationale de Chimie de Toulouse neue Verfahren der Verarbeitung und des Färbens entwickelten.

Zu den Pionieren der Pastel-Revolution gehören auch die Deutsch-Französin Annette Hardouin und ihr Mann Yves. Das Duo kreiert bereits seit 2005 in der Atelier-Boutique im Toulouser Minimes-Viertel Kleidung und Accessoires aus Naturstoffen.

Am 16. September 2022 eröffnete Terre de Pastel seine Maison du Pastel in einem der schönsten Herrenhäuser aus der Renaissance an der Place d’Assézat 9 in Toulouse. Drinnen findet man eine breite Palette an Pastell-Produkten sowie einen Museumsbereich, in dem man die Geschichte des Färberwaids und seine Verbindungen zu Toulouse kennenlernen kann.

Das Chateau de Magrin, der einstige Stammsitz eines Pastelhändlers aus dem Tarn, liegt zwischen Lavaur und Puylaurens. Auf 400 qm wird in diesem Pastelmuseum die Geschichte der Pflanze von der Herstellung bis zum Handel erzählt und dokumentiert.

Annette-Hardouin. Foto: Marie Lise Gauthier (Pressefoto Ducasse-Schetter PR)

Ursprung der Redewendung “blau machen”

Dazu erzählt man sich folgende Geschichte: Die Redewendung “blau machen” kommt ursprünglich vom “Blauen Montag”. Der blaue Montag war nämlich ein freier Tag, ganz ohne Arbeit. Das ist allerdings schon lange her und war damals bei Färbern gebräuchlich. Die legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Färbebad, in dem die Farbe in das Gewebe einwirken sollte.

Montags wurde die gefärbte Wolle dann aus dem Bad genommen und an der Luft getrocknet. Die zunächst gelbe Farbe zeigte dann eine chemische Reaktion mit der Luft – und wurde blau.

Während die Wolle an der Luft trocknete und blau wurde, hatten die Färbergesellen nichts zu tun – schließlich mussten sie warten, bis die Wolle fertig  gefärbt war. Also konnten sie ganz in Ruhe “blau machen” – und zwar die Wolle.

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Die herrlichen Flusstäler der Lot und Célé

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Via Podiensis

Wenn wir auf der Via Podiensis pilgern, begegnen wir immer wieder den beiden Flüssen, dem Lot und dem Célé. Wir wandern zum Teil entlang ihrer Täler, durch ihre Schluchten und besuchen einige Städte und Dörfer an ihren Ufern oder Hochufern. In Figeac entscheidet man sich dann, welchen der beiden Alternativen des Jakobsweges man wählen möchte und damit auch an welchem Fluss man entlang geht und welche der schönen Dörfer man besucht. Unten sind die am jeweiligen Weg liegenden Orte angegeben.

 

Der Lot

Der Lot ist ein Fluss im Südwesten Frankreichs, der in den Regionen Okzitanien und Novelle-Aquitaine verläuft. Er entspringt am Mont Lozère im Zentralmassiv, entwässert generell in westlicher Richtung, durchquert die Weinlagen bei Cahors und mündet nach rund 485 Kilometern bei Aigullion als rechter Nebenfluss in die Garonne. Der Fluss mäandriert stark in seinem Verlauf.

An seinem Ufer befinden sich einige Orte der Via Podiensis. Außerdem verläuft er an der südwestlichen Grenze des  Regionalen Nationalparks Aubrac und durchquert in seinem Unterlauf den Regionalen Naturpark Causses du Quercy.

Trotz seiner starken Strömungen wurde er ab dem 16. Jahrhundert zu einer wichtigen Verkehrsader für  den Handel. Auf den gabar(r)es, flachgehenden Booten, transportieren die Binnenschiffer Holz, Wein und Kohle zwischen dem Quercy und Aquitanien. Die ersten Stauwehre entlang des Lot entstanden, um Mühlen anzutreiben. Ein Teil dieser Mühlen ist heute noch erhalten, zum Beispiel die Mühle von Coty in Cahors. Die Wehre waren mit Stauschleusen versehen, um talfahrende Schiffe oder Flöße mit der Strömung passieren zu lassen. Bergfahrende Schiffe mussten mit Schiffswinden über das Wehr gezogen werden.

Nachdem Bahn und Straßenverkehr die Rolle des Transportes übernahmen, wurde der Lot wieder der Natur überlassen.

Da die Schleusen nicht mehr Instand gehalten wurden, verfielen sie zum Teil, soweit sie nicht für den Bau von Wasserkraftwerken umgerüstet wurden. Erst 1990 begann die schrittweise Wiederherstellung für die Sport- und Freizeitschifffahrt. Mittlerweile sind vier Abschnitte des Lot befahrbar, die allerdings untereinander nicht verbunden sind.

Foto: Hilke Maunder
Von Sylvain Crouzillat - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2806820

Der Célé

Der Célé verläuft in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Der Name Célé leitet sich vom lateinischen celer ab und bedeutet so viel wie schnell.

Der Célé entspringt im Gemeindegebiet von Calvinet, entwässert generell Richtung Südwesten, erreicht in seinem Unterlauf den Regionalpark Causses de Quercy und mündet nach rund 104 Kilometern im Gemeindegebiet von Bouziés als rechter Nebenfluss in den Lot. Auf seinem Weg durchquert er die Départements Cantal und Lot. Auf seinen letzten ca. 50 Flusskilometern verläuft der Fluss in spektakulären Schleifen zwischen hohen Kalksteinwänden, an die sich Dörfer schmiegen.

 

Zwei Varianten der Via Podiensis

Für die Variante über das Vallée de Célé benötigt man in der Regel drei Tage für insgesamt 76 km bis nach Bach, wo sich die Wege wieder treffen. Auf ihrem Weg berührt die Variante folgende Orte des Jakobsweges:

Figeac                         s. Artikel Figeac                                 

Marcilhac-sur-Célé      ist ein altes Pilgerdorf am Jakobsweg. Angelegt wurde es um eine Benediktinerabtei, deren Bau zeitgleich mit Conques Ende des 11. Jahrhunderts begann. Neben den Ruinen der Abtei hat die romanische Kirche ihre strenge Schönheit bewahrt.

Pech Merle     Tropfsteinhöhle mit jungpaläolithischer Höhlenmalerei. Das Alter der ältesten Zeichnungen wird auf ca. 20.000 Jahre datiert. Man findet Zeichnungen von Pferden, Wisenten, Mammuts, Fische und acht Silhouetten von Frauen. Außerdem findet man Handnegative, vorwiegend von Frauen- und Kinderhänden.  Die Zeichnungen sind mit Holzkohle ausgeführt.

Bouzies            Bei Bouzies fließt die Célé in den Lot. Die beiden Ortsteile von Bouziès (Bouziès-Bas und Conduché) liegen etwa einen Kilometer voneinander entfernt auf beiden Seiten des Flusses Lot, den der Pont de Conduché überspannt. Hier befindet sich bei Ganil ein in den Fels geschlagener Treidelpfad an der Lot.

St-Cirq-Lapopie          ist auch ein Ort auf der Variante Vallée de Célé und liegt auf einem Felsen oberhalb der Lot. In dem malerischen Felsendorf säumen gotische Häuser seine steilen Gassen, in denen einst Holzdrechsler und Binnenschiffer lebten. Hier verlässt der Jakobsweg zunächst die Lot und trifft in Bach auf die andere Variante. Gemeinsam führt der Weg dann nach Cahors.( s. unten)

 

Wer seinem Weg von Figeac über Cajare nach Cahors wählt, benötigt bis Bach 65.5 km, wo sich die beiden Wege wieder vereinen, es aber keine Übernachtungsmöglichkeit gibt! Auf diesem Weg berührt man folgende Orte des Pilgerweges:

Livinhac-le-Haut         Eingerahmt von den Ufern des Lot liegt der Ort in einer malerischen Flussschleife. Er liegt noch auf dem gemeinsamen Weg als letzte Station vor Figeac.

(Figeac)                       liegt an der Célé. Hier trennen sich die beiden Wegalternativen. (s. Artikel Figeac)

Cajare                         Hier treffen wir das erste Mal wieder auf den Lot. Der Ort liegt direkt an seinem Ufer in einer Flussschleife. Er war seit Mitte des 13.Jh. mit seinem Hospiz eine wichtige Etappe auf dem Jakobsweg. In der Neuzeit wurde er dadurch bekannt, dass Georges Pompidou hier ein Ferienhaus hatte. Im Maison des Arts Georges und Claude Pompidou gibt es Ausstellungen zu zeitgenössischen Künstlern. Wenig später verlassen wir den Lot, steigen hinauf auf die Causses und treffen erst bei Cahors wieder auf den Fluss.

Cahors                        Der Lot umschließt die Altstadt in einer großen, engen Schleife. (s. Artikel  Pont Valentré und Cahors)

 

Bouziès im Tal des Lot. Foto: Hilke Maunder
Von HTO, User:Kersti Nebelsiek - Eigenes Werk (photo of HTO, changes by Kersti Nebelsiek), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19817397
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