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Camino de Levante Geographisches Geographisches

Kastilien-La Mancha

Kastilien-La Mancha

Camino de Levante

Von Lourdes Cardenal - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50667

Kastilien-La Mancha gehört zu der historischen zentralspanischen Landschaft Kastilien und ist auch als Neukastilien bekannt. Traditionell gehörte auch die Provinz Madrid zu Neukastilien, diese bildet aber seit 1983 die Autonome Gemeinschaft Madrid. Kastilien-La Mancha umfasst die Provinzen Albacete, Cuidad Real, Cuenca, Guadalajara und Toledo. Hauptstadt ist Toledo.
Mehreren Theorien zufolge stammt der Ortsname „Mancha“ aus dem Arabischen, so bedeutet Manxa oder Al-Mansha „Land ohne Wasser“ und Manya „Hochebene“ oder „erhöhter Ort“.

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123105098

Mit 79.463 km² Landfläche ist Kastilien-La Mancha etwa so groß wie Tschechien. Es erstreckt sich damit über 15,7 % der spanischen Landmasse. Mit einer geringen Bevölkerungsdichte von 26,5 Einwohnern pro Quadratkilometer beheimatet Kastilien-La Mancha allerdings nur ca. 4,3 % der Einwohner Spaniens. Wirtschaftlich steht die Gemeinschaft nicht sonderlich gut da. So belegt Kastilien-La Mancha beim „Spanischen Index der Entwicklung“ (Lebenserwartungsindex+Bildungsindex+Lebensstandard) unter den 17 autonomen Gemeinschaften (ohne die beiden autonomen Städte Ceuta und Melilla) den vorletzten Platz (Kastilien-León 7. Stelle). Die Arbeitslosenquote liegt im Jahr 2024 bei 28 %, obwohl die Quote für Spanien insgesamt in den letzten Jahren deutlich gesunken ist.

Geschichte seit dem Mittelalter

Innerhalb der muslimischen Verwaltungsgliederung gab es im Inneren von al-Andalus Coras (Gebietseinheiten) und in den Grenzregionen Marken mit größerer militärischer Macht, um den Einfällen der christlichen Königreiche entgegenzutreten. Die heutige Region Kastilien-La Mancha lag innerhalb der sogenannten Mittleren Mark (al-Targ al-awsat) mit Zentrum in Toledo, wo der Gouverneur mit militärischer Macht residierte.
Unter der muslimischen Herrschaft blieb die Region weitgehend dünn besiedelt. Allerdings wurden an den Ufern des damaligen Wadi-al-Hayara und heutigen Río Henares damals zahlreiche Burgenvo und einige Städte entwickelt, wie Toledo oder Alcaraz , die zu wichtigen Zentren der Textilindustrie wurden . Die Araber leisteten dank ihrer fortschrittlichen Bewässerungstechniken auch einen großen Beitrag zur Landwirtschaft der Region sowie zur Viehzucht durch die Einführung des Merinoschafs.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Nach einer langen und wohlhabenden Zeit, in der nur interne Konflikte das Zusammenleben zwischen Muslimen, Juden und Mozarabern (oder Christen) manchmal erschwerten, eroberte Alfons VI. Toledo im Jahr 1085 und es begann eine Zeit, in der fast das gesamte heutige Kastilien-La Mancha unter Kämpfen zwischen Christen und Muslimen litt, die die Kontrolle über das Gebiet anstrebten. Es kam zu nahezu ununterbrochenen Vorstößen und Rückzügen auf beiden Seiten, bis sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts das gesamte Gebiet endgültig in christlicher Hand befand.
Nach 1212 geriet fast ganz Kastilien-La Mancha sowie das Guadalquivir-Tal endgültig unter kastilische Kontrolle, wobei der Wiederbesiedlung in Kastilien-Leon Vorrang vor der von Kastilien-La Mancha eingeräumt wurde, da bei letzterem ein Großteil des Gebietes unter der Herrschaft der Militärorden stand. Hier sind vor allem der Orden von Callatrava, der Johanniterorden und der Orden von Santiago zu nennen. Die Militärorden (Santiago, Calatrava und San Juan) spielten eine sehr wichtige Rolle, da sich diese Soldatenmönche im Kampf gegen den Islam als sehr effizient erwiesen. Im Gegenzug erhielten sie große Besitztümer und waren aber auch diejenigen, die die einige Städte in La Mancha gründeten.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Als Teil der Königreiche Toledo und Murcia (in seinem südöstlichen Teil), die beide in die Krone von Kastilien integriert waren, war La Mancha Schauplatz der kastilischen Bürgerkriege der folgenden Jahrhunderte und litt unter deren Folgen. Als Grenzgebiet Kastiliens zur Krone von Aragon war es u.a Schauplatz des ersten kastilischen Bürgerkriegs zwischen 1351 und 1369. Zu den Auswirkungen der Kriege auf die Bevölkerung kommen noch die Pestepedemien dazu, die im 14. Jahrhundert fast ganz Europa heimsuchten.
Im 15. Jahrhundert kam es in Kastilien-La Mancha zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen des Königreichs, die 1475 im Kastilischen Erbfolgekrieg gipfelten. Der Krieg endete 1479 mit dem Vertrag von Alcácovas, der den Sieg von Isabel und Ferdinand markierte, die Jahre später die Katholischen Könige genannt wurden.
In Laufe des 15. Jh. kam es in Kastilien-La Mancha aber auch zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Produktion, was die Gründung von Städten und Gemeinden begünstigte. Mit dem 16. Jahrhundert änderte sich das. Obwohl Karl I. Toledo zur Hauptstadt seines Reiches machte (und die Stadt ein wichtiges politisches und kommerzielles Zentrum blieb), erlebte sie bald einen Niedergang, als Philipp II. die Hauptstadt nach Madrid verlegte. Auch die übrigen Gebiete des heutigen Kastilien-Mancha-Gebiets erleben keine guten Zeiten und es kommt zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang infolge der Vertreibung der Juden (zuvor 1492) und der Morisken (zum Christentum konvertierte Muslime 1609), der Epidemien und Kriege in Europa und damit des wirtschaftlichen Niedergangs, insbesondere der Landwirtschaft, am Ende des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts.

Von diesem Erbe erholte sich die Region nicht mehr. Die große Trockenheit und extreme Temperaturen der weitgehend auf dem zentralen spanischen Hochplateau gelegenen Region macht gebietsweise den Weinbau und andere Landwirtschaft sehr schwierig. Die Landwirtschaft verliert an Bedeutung und viele Ländereien werden aufgegeben. Auch vor Kastilien-La Mancha machte die Reblausplage des 19. Jahrhunderts nicht halt, was dazu führte, dass nach einem großen Flächenverlust die weiße Airén in großem Stil angebaut wurde. Es bildet auch das weltgrößte zusammenhängende Weinanbaugebiet allerdings mit nicht sehr hochwertigem Wein. Wie in so vielen anderen Regionen begann erst in den 1990er Jahren eine Distanzierung von billigen Massenweinen. Viele dieser Faktoren führten zu einem  Bevölkerungsrückgang, da die Menschen in vielen ländlichen Gebieten ihre Dörfer verlassen, um in Industriegebieten anderer Regionen Arbeit zu suchen. Diese Entwicklung verstärkte sich noch einmal nach dem 2. Weltkrieg, wie die Karten unten aufzeigen. So erklärt sich auch die heutige schwierige Situation der Region, die zudem auf keine große Industrialisierung zurückgreifen kann.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Sehenswürdigkeiten

Wer Kastilien-La Mancha besucht, kommt an den allgegenwärtigen Windmühlen nicht vorbei. Die berühmten „Riesen“, die Miguel de Cervantes in seinem mythischen Werk „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ in Bezug auf die Windmühlen erwähnt, sind zu einem der großen Symbole von Kastilien-La Mancha geworden, mehr noch als seine Kathedralen und Burgen. Sie sind in verschiedenen Gegenden zu finden: Alcázar de San Juan, Consuegra, Campo de Criptana …

Die Heimat des Don Quijote ist allerdings nicht nur landwirtschaftlich geprägt von sanften Hügeln mit den typischen Mühlensilhouetten und dem weltweit bekannten Manchego-Käse, sondern es warten auch urbane Weltkulturerbe-Städte wie Toledo und Cuenca mit architektonischen, kulturellen und historischen Highlights.
Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, die Festung Alcázar, und die Kathedrale von Toledo sowie die mutig in den Fels gebauten „Hängenden Häuser“ (die Casas Colgadas) von Cuenca im Nordosten der Region sind hier insbesondere zu nennen.
In Guadalajara kann der prachtvolle Mendoza-Palast, der Palacio del Infantado besichtigt werden. Im Osten von Kastilien-La Mancha wartet mit der im 14. Jahrhundert erbauten Burg von Albacete eine der schönsten Burgen der Region und auch das Flusstal des blaugrünen, in ausgewaschene Sandsteinfelsen eingebetteten Rio Jucar, insbesondere das pittoreske Örtchen Alcalá del Júcar, ist einen Abstecher wert.
Zahlreiche Naturparks wie der Parque Natural del Alto Tajo bei Guadalajara und der Parque Natural Lagunas de Ruidera auf halber Strecke zwischen Real und Albacete sowie der Parque Valle de Alcudia y Sierra Madrona und der Parque Serrania de Cuenca zeigen die Artenvielfalt des mediterranen Waldes der iberischen Halbinsel. Zudem kann man mehr als 160 Vogelarten u.a. den Iberischen Kaiseradler oder den Mönchsgeier entdecken.

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Camino de Levante Geographisches Geographisches

Kastilien-León

Kastilien-León

Camino de Levante, Via de la Plata

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127016311

Im nordwestlichen Landesinnern liegt die flächenmäßig größte Region Spaniens – Kastilien-León übertrifft sogar das Nachbarland Portugal an Größe – mit sage und schreibe neun Nachbarregionen: Galicien, Asturien, Kantabrien, Baskenland, La Rioja, Aragon, Kastilien-La Mancha, Madrid und die Extremadura sowie Portugal im Westen. Regierungssitz ist das zentral gelegene Valladolid, eine Hauptstadt im eigentlichen Sinne besitzt das ehemalige Königreich nicht.

Kastilien und León umfasst die Nordmeseta eine zwischen 600 und 800 m Höhe liegende, von Randgebirgen begrenzte Hochebene im Nordwesten Zentralspaniens, die vom Duero entwässert wird. Der westliche Teil mit den Provincen León, Zamora und Salamanca bildet die historische Landschaft León; der als Altkastilien bekannte zentrale und östliche Teil gehört zur historischen Landschaft Kastilien.

Kastilien-Léon ist die flächenmäßig größte autonome Region Spaniens und zugleich die am dünnsten besiedelte. Sie erstreckt sich mit 94.218 km² Landfläche über 18,6 % der spanischen Landmasse, stellt jedoch mit einer Bevölkerungsdichte von 25 Einw./km² (Spanien: 95 Einw./km²) nur 5,7 % der Einwohner Spaniens dar. Für diese Situation ist vor allem die Landflucht ab den 50iger Jahren verantwortlich. So spricht Sergio del Molino in seinem Buch auch von dem „leeren Land“. (s. dazu hier das Kapitel „Leeres Land“)
Vergleicht man die Karten von 1857 und die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1950-81, so erkennt man, dass die bereits damals 1857 dünn besiedelten Gebiete später zusätzlich von einem bedeutenden Bevölkerungsrückgang betroffen waren.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Geschichte bis zur Entstehung des Spanischen Königreiches

Mit dem Untergang Roms wurde iberische Halbinsel von den Westgoten besetzt. Bei der folgenden Eroberung durch die Mauren blieb der äußerte Norden des Landes unbesetzt. Im Berggebiet des heutigen Asturien entstand ein kleines christliches Königreich, das sich der islamischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel widersetzte. Sie erklärten sich selbst zu Erben der letzten westgotischen Könige, die wiederum stark romanisiert worden waren. Dieser Widerstand westgotisch-römischen Ursprungs, unterstützt vom Christentum, wurde immer stärker und dehnte sich Richtung Süden aus, wobei Ordono II. seine Hauptstadt in die Stadt León verlegte und den Grundstein zum Königreich Leon legte. Um die Wiederbevölkerung der neu eroberten Länder zu fördern, erteilten die Monarchen Fueros oder Urkunden zur Wiederbevölkerung (s. auch Kapitel „Repoblación“). Der König unterstützte u.a. auch die Wiederbevölkerung von Valladolid und Zamora.
Die Reconquista (Wiedereroberung) begann mit fortschreitenden territorialen Vorstößen und Rückzügen, bis die Teilung mit der islamischen Macht auf der Halbinsel entlang der Duero-Linie erfolgte.
Zur gleichen Zeit begann eine Grafschaft dieses christlichen Königreichs León, Autonomie zu erlangen und zu expandieren. Dies war die ursprüngliche Grafschaft Kastilien, die sich zum Königreich Kastilien mit großer Macht unter den christlichen Königreichen der Halbinsel entwickeln sollte. 1065 spaltete sich Kastilien vom Königreich León ab und wurde selbst ein Königreich. Zwischen 1072 und 1157 war das Königreich Kastilien wieder mit dem Königreich León vereinigt, danach wieder von ihm getrennt.1230 wurden die Königreiche von Kastilien und León endgültig unter Ferdinand II, dem Heiligen, vereinigt. Dieses vereinigte Reich wird als Krone von Kastilien bezeichnet. Seine Könige eroberten unterstützt von den Königreichen Navarra und Aragon und Portugal in der Reconquista schrittweise den Süden der Iberischen Halbinsel von den muslimischen Herrschern (s. ausführlicher das Kapitel „Reconquista“).
Zwischen 1212 bis 1516 dominierten dann drei Königreiche den christlichen Teil der Halbinsel. Im Westen war aus einer zu León gehörenden Grafschaft das Königreich Portugal entstanden. Im Osten dehnte Aragón, mittlerweile mit Katalonien verbunden, zunehmend zum Mittelmeer aus. 1282 akzeptiert Peter III., seit 1276 auf dem aragonischen Thron, die ihm von den Adeligen der Insel angetragene Krone Siziliens. 1442 erobert ein Nachfolger Peters das Königreich Neapel und damit ganz Süditalien. Zur größten iberischen Landmacht aber entwickelt sich Kastilien (seit 1230 mit León verbunden), das vom 11. Jahrhundert an nach und nach den größten Teil der früheren maurischen Herrschaftsgebiete annektiert.

Die Vereinigung der Krone von Kastilien und der Krone von Aragon begann 1469 als Personalunion durch die Heirat der katholischen Könige, Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Sie wurde im Jahr 1516 vollendet, als der spätere Kaiser Karl V. durch Erbschaft König beider Reiche wurde und als Karl I. das Königreich Spanien begründete. Nach seinem Rückzug wurde das Reich Karls V. aufgeteilt. Sein Sohn Philipp erbte die Herrschaft in Spanien, sein Bruder Ferdinand trat die Nachfolge in Österreich an. Lange Zeit war die spanische Linie des Hauses Habsburg die mächtigere, denn Spanien war dank der überseeischen Besitzungen unermesslich reich.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Klima und Weinbau

Generell ist das Klima in Kastilien und León durch heiße, trockene Sommer und lange, kalte Winter geprägt, weiterhin machen große Tag- und Nachtschwankungen der Temperatur der Landwirtschaft zu schaffen.

Der Weinbau liegt mit 450 bis 1.000 m meist in größerer Höhe als sonst in Spanien, wobei die niedriger gelegenen Gebiete sich meist rund um Flüsse und deren Niederungen wie das Duero-Becken oder den Miño-Nebenfluss Sil befinden und die höher gelegenen im bergigen Hinterland der Flussebenen.

Auch wenn man das trocken-heiße Klima in Kastilien und León guten Gewissens als kontinental bezeichnen kann, ist die weitläufige Region dennoch von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Die dem Atlantik näheren Weinbaugebiete im Nordwesten, vor allem das an Galicien grenzende Bierzo, sind beispielsweise durch maritimeres, gemäßigteres Klima mit mehr Niederschlägen geprägt und viele Bereiche weisen recht spezielles Mikroklima auf, was zu kleinen Inseln besonderer Rebkultur führt, die sich teilweise von einem Tal zum nächsten bereits unterscheiden. Die Böden weisen wenig überraschend eine große Varianz auf. Heute ist z.B. der Name Ribera del Duero international bekannt und zahlreiche Bodegas machen von sich reden, allen voran die weltbekannten Weine des renommierten Weingutes Vega Sicilia.

https://www.vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien/kastilien-und-leon/

Sehenswürdigkeiten

Auch wenn Kastilien und León aufgrund der fehlenden Küstenlandschaft wohl nicht zu den Top-Tourismusregionen Spaniens zählt, gibt es eine ganze Menge sehenswerte Highlights, die vor allem eine Genussreise in die Region der sanften Hügel und historischen Orte lohnenswert machen.
Die mittelalterlichen Städte reihen sich aneinander wie auf einer Perlenkette: Von den Templerhochburgen und Pilgerstädten Ponferrada und Astorga im Nordwesten nahe Bierzo über die historische Stadt Salamanca , die romanische Stadt Zamora und das pittoreske Rueda-Örtchen Medina del Campo bis zu den sehenswerten Städten Ávila und Segovia im Südwesten nahe Madrid. Auch der Regierungssitz Valladolid mit seinen zahlreichen grünen Plätzen und alten Kirchen ist sehenswert. Noch weiter östlich nahe des Weinbaugebietes Arlanza locken Burgos und das Kloster Santa Maria de Bujedo mit geschichtsträchtiger Natur in wunderschöner Landschaft.
Ein ebenfalls besonderes Erlebnis sind die römischen Goldminen Las Médulas bei Astorga, ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe in spektakulärer, teils von Menschenhand durch die Bergbautätigkeit erschaffener Felslandschaft. Die Goldminen und Teile des einst 100 km langen Bewässerungssystems können besichtigt werden (s. auch das Kapitel “Las Medulas”)

Jakobswege
Große Teile des Französischen Jakobsweges und des Camino de Madrid führen durch  Kastilien-León. Auch Teile des Camino de Levante und der Via de la Plata liegen in diesem Gebiet.

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Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Camino de Levante

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung
Lage: auf einem Felssporn aus Granitgneis, vom Tajo umflossen

Römerzeit (bis 507)

– Gründung der Stadt 192 („Toletum“) –
– Einrichtung eines Erzbistums (4. Jh.)
– wirtschaftliche Blüte durch Eisenerzvorkommen
– Hochburg der Waffenschmiede („Toledostahl“)

Bauwerk der Römerzeit
– Alcántara Brücke (später mehrfach erneuert)

 

Westgotenreich (507-711)

– Hauptstadt des Westgotenreiches („Toledanisches Reich“) häufiger Tagungsort von Konzilien (589, 633, 636,638,646, 653, 681, 683, 688, 693, 694), dabei bedeutend: 3. Konzil 589 (Beschluss der Konversion vom Arianismus zum Katholizismus)
Ildefons Erzbischof von Toledo 557-567 wird in der orthodoxen und katholischen gleichermaßen als Heiliger verehrt

Von Dan Vaquerizo Molina - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41962765 Alcántara Brücke

Islamische Epoche, Maurenzeit (711-1085)

Emirat von Cordoba: Toledo – Hauptstadt der Mittleren Mark von Al-Andalus
als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft
Taifenreich Toledo (1031-1085)
– zunehmende Arabisierung und Islamisierung
– Bevölkerung: Mozaraber (Christen unter
Muslimischer Herrschaft), Juden, Muslime

Bauwerke der Maurenzeit
– Altes Bisagra-Tor
– Santa Cristo de la Luz – Moschee, dann Kirche

Von Fernando - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161540627 Santa Cristo de la Luz

Königreich Kastilien (1085-1469)

o – Eroberung Toledos 1085 durch
Kg. Alfons VI. im Rahmen der
Reconquista
o – Lage als kastilische Grenzstadt zum
Islamischen Süden
o – Hauptstadt bis 1561

• Kultursynthese (12./13. Jh.)
o – Arabisch als schriftliche Verkehrssprache
o – Mozaraber (arabisierte Christen)
o – Mudéjaren (Araber unter christlicher Herrschaft)
o – Juden: Vermittlung der überlegenen arabi-
schen Kultur und finanzielle Unterstützung der Könige
• sog. Übersetzerschule: wichtigstes Zentrum der
Wissensbewahrung und Wissensweitergabe
durch Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische
Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten.
Treffpunkt bedeutender Gelehrter der berühmten Universitäten
Paris, Bologna, Oxford

1. Phase: 12. Jahrhundert (1126-1187)
 – Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische
 – Gerhard von Cremona (1114-1187): Übersetzer
     bedeutender antiker Werke (Euklid, Galen, Hippokrates,
    Aristoteles, „Almagest“ des Ptolemäus)
 – Dominicus Gundisalvus (ca. 1130-1180)
 – auch Übersetzung von Werken des Islams in
   das Lateinische

2. Phase: 13. Jahrhundert (1252-1284)
• – Alfons X., der Weise als besonderer Förderer
der Wissenschaften
• – Übersetzung ins Spanische – Entwicklung des
Spanischen zur Kultursprache
• – Dominanz astronomischer Werke

Bauwerke der Gotik
Kathedrale (1227-1493)

Bauwerke des Mudéjar-Stils
Kirche San Roman (1200)
Kirche Santiago del Arrabal (1265)
Martinsbrücke (1284)
Synagoge Santa Maria la Blanca (12./13. Jh.)
Synagoge El Transito
Puerta del Sol – Sonnentor (14. Jh.)
Minarett Santo Tomé

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Kathedrale von Toledo
By EmDee - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6746075 San Roman

Toledo im Königreich Spanien (seit 1469)


einerseits Niedergang und Intoleranz
• – Pogrome gegen Juden im 15. Jh., schließlich 1492 Vertreibung der Juden
• – Konversionszwang oder Exil der Muslime (1502)
• – Zentrum des Comunero-Aufstandes (1520-1522) gegen die Herrschaft Karls V
• – Verlegung der Hauptstadt nach Madrid (1561) unter Philipp II
• – Vertreibung der Morisken [zum Christentum zwangskonvertierte Mauren (1609)

andererseits Glanzpunkte christlicher Kultur

• Katholische Könige: Franziskanerkloster, monumentale Grabeskirche geplant (Gräber jedoch in Granada)
• Umwandlung von Palästen in Kirchen und Klöster
• letzter kultureller Höhepunkt im signo de ora
• Wirkungsstätte des Malers El Greco (1541- 1614) ab 1577

Bauwerke der Spätgotik
San Juan de los Reyes 1476-1504 isabell. Stil

Bauwerke der Renaissance
Hospitals Santa Cruz 1514
Alcazar 1537, Wiederaufbau im 18. Jh.
Hospital de Tavera 1548
Neues Bisagra Tor 1562

Von Querubin Saldaña Sanchez - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963473 San Juan de los Reyes
Von Carlos Delgado, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28428753 Alcázar de Toledo

Prägende Kunstepochen in Toledo
Mudéjar-Stil (ca. 10. Jh. bis 16. Jh.): maurische Kunst unter christlicher Herrschaft, Mudéjares=Mauren, die unter den Christen arbeiten, Merkmale: Backstein, glasierte Ziegel (azulejos), Hufeisenbögen, Stern-Rippengewölbe, ornamentale Stuckdekoration, Artesonado-Decken (kunstvoll verzierte Holzdecken), minarettartige Türme. Toledo ist eine der Städte, wenn nicht die Stadt, mit der größten Vielfalt an Mudéjar-Kunst.
Gotik (ca. 12.Jh.- 16.Jh.): Bau der Kathedrale (1227-1493)
Isabellinischer Stil: (ca. 1480-1510) Sonderform der spanischen Gotik, Merkmale: blütenförmige Rippengewölbe, filigrane Ornamentik, Wappendekor
Plateresker Stil: (ca. 1510-1560), spezieller Stil der spanischen Frührenaissance , Mischung aus gotischen, maurischen und Renaissance-Elementen, eine besonders feine Ausarbeitung der Fläche

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Camino de Levante Geographisches Geographisches Geographisches Via de la Plata

Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Camino de Levante

Als Iberisches Meseta wird das im Zentrum Spaniens gelegene, über 200.000 km² große kastilische Hochland bezeichnet, welches zugleich die größte Hochebene Europas bildet. Es liegt durchschnittlich 660 Meter über dem Meeresspiegel. Sie stellt die älteste und komplexeste geologische Formation der Halbinsel dar.

Die Zentral-Meseta ist von Bergen umgeben, die dieses geografische Gebiet bilden und es vom Rest des Landes trennen. Sie wird im Norden vom Kantabrischen Gebirge, im Osten vom Iberischen Randgebirge und im Süden von der Sierra Morena begrenzt. Im Südwesten geht sie in die Extremadura über, mit der sie in geologischer Hinsicht eine Einheit bildet.
Das Plateau ist leicht nach Westen geneigt, was bedeutet, dass die Wasserwege, die es durchqueren, größtenteils in den Atlantischen Ozean münden. Die Flüsse, die durch die Meseta fließen, sind folgenden: Duero, Guadiana und Tajo sowie die Nebenflüsse der drei.

Die Kastilische Gebirge im Zentrum der Halbinsel unterteilen die Meseta Central in das Hochbecken der nördlichen Meseta (Kastilien-Léon) und die niedrigeren Hochebenen der südlichen Meseta (Kastilien-La Mancha und Extremadura). Die durchschnittliche Höhe des nördlichen Plateaus beträgt über 700 Meter und umfasst auch das Duero-Becken, die Höhe des südlichen Plateaus beträgt 600 Meter und wird durch die Montes de Toledo (zwischen den Becken der Flüsse Tajo und Guadiana) in zwei Teile geteilt.

Es gibt Unterschiede in der Vegetation und der Wirtschaft zwischen den westlichen Ausläufern kristalliner Gesteine mit kargen Böden und den östlichen Ebenen aus Kalkstein und Mergel, die die wichtigsten landwirtschaftlichen Zonen bilden.
Aufgrund der Höhenlage dieser Reliefeinheit herrscht ein mediterranes Klima.
Die Merkmale dieses Klimatyps sind: strenge Winter, heiße Sommer, unregelmäßige und geringe Niederschläge im Sommer und Dürren. Die Höchsttemperaturen reichen von etwa 39 °C in den wärmsten Monaten bis zu minus 12 °C in den Wintermonaten, wobei die Durchschnittstemperatur bei knapp 12 °C liegt. All dies ist das Ergebnis einer Reihe geografischer und dynamischer Faktoren (Breitengrad, Lage der Region, Geländegestaltung und Höhenlage). Niederschläge fallen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst. Im Sommer sind sie selten und wenn, dann oft in Form von Stürmen. Das Meseta-Gebiet wird auch „Trockenes Spanien“ genannt. Das früher wegen der geringen Niederschläge, der Baumarmut und der dünnen Besiedlung größtenteils ungenutzte Land wird durch den Bau von Stauseen stärker landwirtschaftlich genutzt. Besonders fruchtbare Gebiete sind die Getreideebenen Leóns bei Palencia, Valladolid und Zamora sowie in Nordkastilien die Mesa de Ocana.

RELIEF OF SPAIN.jpg

Nordmeseta
Die etwa 650 bis 900 m hohe „Nordmeseta“ (Meseta Norte) entspricht in etwa der autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon und umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und Léon. In ihrem inneren Teil befindet sich auf einer Höhe zwischen 800 und 850 Metern das Duero Becken. In der nördlichen Meseta wird auf großen Flächen Getreide angebaut, aber auch Weinbau – z. B. im Anbaugebiet Ribera del Duero – und Schafzucht spielen eine Rolle.
Größte Städte sind Burgos, Léon, Valladolid und Palencia..

Südmeseta
Die etwa 500 bis 700 m hohe „Südmeseta“ (Meseta Sur) ist durch einzelne Gebirgszüge zergliedert und gibt ein weniger einheitliches Bild ab als die Nordmeseta. Hier liegen auch die Becken des Tajo und des Guadiana auf einer Höhe zwischen 500 und 700 Metern.
Die südliche Meseta entspricht der historischen Landschaft Neukastilien und verteilt sich auf die autonomen Gemeinschaften Kastilien-La Macha und Madrid.
In ihrem westlichen Teil sind beweidete Steineichenwälder (dehesas) zu finden, ansonsten wird das Land vorwiegend für Wein- und Olivenanbau, aber auch für Getreide und Schafzucht genutzt.
Größte Städte sind Madrid, Toledo, Albacete und Cuidad Real.


Das Kastilische Gebirge
Historisch gesehen ist das Gebirge die Grenze zwischen Altkastilien im Norden und Neukastilien im Süden und teilt die Meseta in zwei Teile. Damit trennt das Iberische Scheidegebirge auch die Einzugsgebiete der Flüsse Duero und Tajo. Es besteht aus einer Reihe von Gebirgsketten, die sich über etwa 400 km von West nach Ost erstrecken und zwischen 35 und 40 km breit sind.
Hervorzuheben sind die Gebirgskette Gata, die Gebirgskette Gredos, die Gebirgskette Peña de Francia, die Gebirgskette Ayllón, die Gebirgskette Guadarrama und die Gebirgskette Somosierra. Die Höhe ist unterschiedlich und einige Gipfel liegen über 1.500 m. Die höchste Erhebung der Bergkette ist der Berg Pico Almancor mit 2592 m Höhe, der sich in der Sierre de Gredos befindet.

 

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Jakobswege

Das Herbe, oft Karge der spanischen Landschaften findet man gerade auf diesen Wegen intensiv. Es hat gleichzeitig etwas Kraftvolles, das schon von vielen Reisenden beschrieben wurde. Wer dafür empfänglich ist, der verliebt sich in Spanien rettungs- und bedingungslos. Es ist ein Puzzleteil des Phänomens “Camino”, das uns nicht mehr losläßt und immer wieder in dieses Land zieht.

Durch den nördlichen Teil der Nordmeseta verläuft in Ost-West-Richtung ein längerer Teil des Camino Frances
Von Süden nach Norden durch die Mesetas und das kastilische Gebirge verlaufen u.a. die Ruta de Lana (Alicante – Burgos), der Camino de Levante (Valencia – Zamora), der Camino de Madrid (Madrid – Sahagun) und die Via de la Plata (Sevilla – Santiago).

Auf dem Camino de Levante ist das Gebirge über den Pass Puerto de El Boquerón (1315 m) zu überwinden, um nach Avila zu gelangen.
Auf dem Camino de Madrid ist das Gebirge über den Pass Puerto de la Fuenfria (1796 m) zu meistern, um Segovia zu erreichen. Er ist der höchste Pass auf allen Jakobswegen.

 

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Camino de Levante Historisches Historisches

Eine kurze Geschichte Toledos

Eine kurze Geschichte Toledos

Camino de Levante

Toledo Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16570610

Die Geschichte der heutigen Stadt Toledo reicht recht weit zurück. Eine erste durchgängige Besiedlung des heutigen Stadtgebiets zeigen mehrere Burgen aus der Zeit der Keltiberer vor 200 v.Chr. Aus dieser Zeit sind einige interessante archäologische Funde erhalten, diese sind im Museo de Santa Cruz zu bestaunen. Von einer zeitweisen Besiedlung muss jedoch seit der Bronzezeit ausgegangen werden. Die Bronzezeit währte in Mitteleuropa etwa von 2.200 bis 800 v. Chr. Vorangegangen war die Kupferzeit und darauf folgte die Eisenzeit.

Römische Herrschaft
Im Jahre 192 v. Chr. unterwarf Marco Fulbio Nobilior die Siedlung gegen heftigen Widerstand des hier siedelnden Hirtenstamms der Karpetaner und gründete den römischen
Vorposten Toletum. Durch seine Eisenerzvorkommen entwickelte sich Toledo zu einer bedeutenden Siedlung, die auch eigene Münzen prägte. Zahlreiche Villen, deren Reste ausgegraben wurden, bezeugen eine durchgreifende Romaniserung der Siedlung.
In der Epoche unter Kaiser Augustus wurde ein monumentales Bauprogramm in Angriff genommen, das die Stadt zu einer echten römischen Urbs machen sollte. Heute ist allerdings nicht bekannt, wo sich das Forum und die Tempel sich befanden, man vermutet unter dem Alcázan oder im Bereich des Rathauses. Bekannt sind die Lage des Zirkus und des Theaters (im Carmelitas-Park), des Amphitheaters (Covachuelas), des Aquädukts und der Alcántara-Brücke. Im 5. Jh. kam es dann zum Niedergang des römischen Reiches.

Toledo Von Diliff - Own work by Diliff, original image, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1584823

Die Geschichte Toledos im Mittelalter kann man in drei Phasen einteilen:
1. Die westgotische Herrschaft vom 5. bis zum 8. Jahrhundert, die die Stadt zur Hauptstadt ihres Königreiches machte
2. Die muslimische Herrschaft, zunächst unter der Macht der Emire und Kalifen von Córdoba in Al-Andalus und dann unter einer eigenen Taifa (kleines Königreich)
3. Die christlichen Herrscher, die im Rahmen der Reconquista die Stadt eroberten und sie bis 1561 zur Hauptstadt Spaniens machen.

Die westgotische Herrschaft
Seit Beginn des 5. Jh. drangen barbarische Völker wie die Sueben, Vandalen und Alanen und ab 415 schließlich die Westgoten nach Spanien vor. Unter dem Druck der Franken verließen die Westgoten Gallien und siedelten sich auf der Iberischen Halbinsel an. Toledo wurde von ca. 531 bis 711 Hauptstadt des Westgoten-Reichs. Toledo war aber nicht nur ein politisches sondern auch ein religiöses Zentrum. Die Westgoten machten die Stadt zum Sitz eines arianischen Erzbistums. 589 konvertierte ihr König zum Katholizismus. Die religiöse Bedeutung der Stadt unterstreicht die Tatsache, dass zwischen 400 und 702 achtzehn Konzilien hier tagten. Der Erzbischof von Toledo ist bis heute Primas der katholischen Kirche Spaniens und war lange Zeit einer der mächtigsten Fürstbischöfe Spaniens, der im Mittelalter über eigene Truppen verfügte. Er war der unmittelbare Bevollmächtigte des Papstes, und als solcher spielte er früher eine wichtige Rolle in der Geschichte Spaniens.
In der Folge dieser Entwicklung unter den Westgoten erlebte die Stadt eine weitere Blütephase.

Von Medievalista - File:Hispania_700_AD.PNG, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15985938

Die maurische Herrschaft
Die Mauren eroberten die Hauptstadt des Westgotenreiches im Jahr 712. Seine Blütezeit erlebte Toledo zur Zeit der Maurenherrschaft als Tolaitola während des Kalifats von Córdoba und als Hauptstadt der Taifa vor allem während der Dhun-Nuniden-Dymnastie. Nach der politischen Abhängigkeit vom Kalifat von Cordoba folgte in dem Taifa-Königreich eine größere Bedeutung von Toledo (ca. 1016-1085). Um 1032/33 schuf dann in der Taifa Toledo die Familie Banu Di-I-Nun eine neue Herrschaftsdynastie. Die Stadt wurde durch sie zu einem intellektuellen und künstlerischen Zentrum ersten Ranges.
Unter den herausragenden Mathematikern, Geometern, Astronomen und Ärzten des Königreichs Toledo ragt Azarquiel hervor, das Rückgrat der europäischen Astronomie bis zu Kopernikus. Eine seiner größten Leistungen war die Anpassung der bis dahin verwendeten astronomischen Tabellen an die Koordinaten von Toledo. Diese Tabellen wurden als Toledo-Tabellen bekannt. Es handelt sich um astronomische Datensammlungen, die zur Berechnung der Positionen, der Planeten, von Finsternissen und zur Kalenderrechnung nützliche Tabellen umfassen. Sie gelten heute als allgemeine Referenz für die Astronomie in ganz Europa. Wahrscheinlich haben auch anderen arabische Astronomen daran gearbeitet. Auch die Medizin hatte zu dieser Zeit ein hohes Niveau. Einer der bedeutendsten Ärzte war Ibn al-Bagunis. Der beste Arzt in Toledo und einer der bedeutendsten in Al-Andalus war jedoch ohne Zweifel Ibn Wafid in Toledo. Aufgrund seines guten Rufs wurden seine prestigeträchtigen Werke ins Lateinische übersetzt und in ganz Europa verbreitet. Er legte für seinen Herrscher u.a. einen botanischen Versuchsgarten an. Seine Schüler setzten seine wissenschaftlichen Arbeiten fort.
In der maurischen Zeit erwarb sich Toledo zusätzlich einen hervorragenden Ruf für seine Schwerter und anderer Stahlprodukte, wie Messer etc.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Christliche Herrschaft im Mittelalter
Nach mehrmonatiger Belagerung ergab sich das muslimische Toledo im Frühjahr 1085 kampflos dem Heer des kastilisch-leonesischen Königs Alfons VI. Als Alfons VI. die Stadt am 25. Mai 1085 betrat, gab es auf Grund der symbolischen und historischen Bedeutung – Toledo galt als Erbe des ehemaligen westgotischen Königsreichs – ein großes Aufsehen in der christlichen und muslimischen Welt des 11. Jhs. So ist es nicht überraschend, dass Toledo 1087 Residenz der Königreichs Kastilien wurde und bis 1561 Hauptstadt Spaniens blieb.

Die Bedingungen zur Übergabe waren äußerst günstig: Alle muslimischen und jüdischen Einwohner, die bereit waren, unter kastilischer Herrschaft zu leben, durften ihr gesamtes Eigentum behalten und ihren Glauben weiterhin frei ausüben, mussten nun allerdings Steuern an den neuen Herrn entrichten. Wer auswandern wollte, konnte mit ganzer Habe Toledo verlassen. Selbst die Hauptmoschee der Stadt sollte nach dem Willen Alfons VI. dem Islam erhalten bleiben. Als sie aber in seiner Abwesenheit zur christlichen Kirche umgewidmet wurde, verhinderte ein islamischer Gelehrter eine Eskalation.

„Stadt der drei Kulturen“ wird Toledo auch genannt. Denn hier begegneten sich Christentum, Judentum und Islam in Toleranz und inspirierten sich. Die seit 1085 kastilisch beherrschte Stadt wurde mehrheitlich von einer – auch der romanischen Volkssprache mächtigen – arabischsprachigen Bevölkerung bewohnt, die aus Muslimen (unter christlicher Herrschaft Mudejaren genannt), Juden und Christen (unter muslimischer Herrschaft Mozaraber genannt) bestand. Hinzu kamen im Zuge der Eroberung Kastilier, aber auch Franzosen, die vielleicht als die eigentliche imperiale Elite bezeichnet werden können. Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten. Begünstigt durch das Nebeneinander verschiedener Hochsprachen (Hocharabisch, Hebräisch, Lateinisch, Französisch) und Volkssprachen (Arabisch-Andalusisch, Romanisch-Kastilisch) und die Mehrsprachigkeit besonders der mozarabischen und jüdischen Bevölkerung wurde Toledo im 12. und 13 Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische und Romanische und spielte dadurch eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung arabischer Philosophie und Wissenschaft und ihrer griechisch-antiken Quellen in Europa. Ihrer Arbeit ist es so zu verdanken, dass das Abendland Zugang zu dem großen Wissensschatz der arabischen Welt bekam. Raimund von Toledo, dem Benediktiner-Orden angehörig, war Erzbischof von Toledo (1125-1152) und gründete die erste Übersetzerschule von Toledo.

Juden waren schon immer in Toledo zu Hause. Während der Herrschaft der Mauren aus Nordafrika waren sie Vermittler zwischen diesen und den Christen. Sie lebten ihren Glauben und bereicherten das intellektuelle und künstlerische Leben, von dem noch zwei erhaltene Synagogen aus dem Mittelalter zeugen: Santa María la Blanca – heute ein Museum – und die Synagoga del Tránsito, die Teil des Sephardischen Museums ist, das die Geschichte des spanischen Judentums erzählt.
Ende des 14. Jahrhunderts erschütterten Pogrome die Gemeinde. 100 Jahre später zerstörte das katholische Herrscherpaar Isabella und Ferdinand das Nebeneinander der Religionen vollends. Mit großer Brutalität verfolgten sie Juden und Muslime. Diejenigen, die sich nicht taufen ließen, wurden aus Spanien vertrieben. Im Zuge der spanischen Inquisition wurde auch in Toledo ein Inquisitionsgericht eingesetzt.

Krone von kastilien um 1400 Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Neuzeit
Auf der Iberischen Halbinsel kam es im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zu einer Reihe tiefgreifender Veränderungen, die den Übergang vom Mittelalter zur Moderne markieren. Vor allem die Katholischen Könige Isabel und Fernando förderten ab 1474 in Kastilien die Konzentration und Zentralisierung verschiedener administrativer, legislativer und ökonomischer Bereiche zugunsten der Monarchie. Königliche Bestrebungen nach mehr Einfluss gab es zwar bereits im 12. Jahrhundert, die Katholischen Könige wandten ihre Reformen aber erstmals auf alle Städte Kastiliens an und nicht nur auf einzelne Orte. So griffen sie unter anderem immer stärker in die Administration der Städte ein. Die Stadträte verloren damit nach und nach ihre Autonomie. Gleichzeitig bildete sich eine starke städtische Oligarchie heraus, die den von den Königen gelenkten Stadtrat besetzte.
Toledo war im 15. Jahrhundert eine wichtige Residenzstadt der kastilischen Könige und zählte zu den einwohnerstärksten Städten Kastiliens. Ende des 15. Jahrhunderts lag die Bevölkerungszahl Toledos bei ca. 35.000 Einwohnern. Bereits seit 1135 wurden hier die Königskrönungen vorgenommen. Erst 1561 büßte die Stadt ihre Bedeutung ein, als der Regierungssitz dauerhaft nach Madrid verlegt wurde. Seit 1520 bestand eine Königliche Universität von Toledo, die 1845 aufgelöst wurde.
Die Klingenfabrikation von Toledo fand ihr Entstehen schon im frühen Mittelalter durch die Mauren, denen sie auch ihren späteren hohen Ruhm verdankt. Abderhaman II. gestaltete in den Jahren 822 bis 852 die dortige Industrie vollständig um, ein Unternehmen, welches von ungemeinem Erfolg begleitet war. Am Ende des 15. Jhs. stritt Toledo mit Passau und Brescia um den Vorrang in der Klingenfabrikation. Dazu trug auch der Maure Julian del Rey außerordentlich bei, einer der berühmtesten Meister der spanischen Klingenindustrie, der u.a. in Toledo arbeitete.
Zu Beginn des 16. Jhs. kamen die besten Degenklingen aus Toledo. Toledaner Klingen hatten wegen der Elastizität der Waffen einen besonderen Ruf. Sie wurden, um ihre unübertreffliche Elastizität zu demonstrieren, auch kreisförmig eingebogen in den Handel gebracht. Neben ausgezeichneten Degenklingen wurden in der königlichen Waffenfabrik nahe des Tajo auch Säbel, Bajonette, Messer etc. verfertigt.

Wirtschaftlich war die Stadt im 16. Jahrhundert neben dem Metallhandwerk bekannt für Marzipan und ein Zentrum der Seidenherstellung. Eine 1748 gegründete Gesellschaft betrieb Maulbeerplantagen und Seidenraupenzucht. Seit der Maurenherrschaft wird in Toledo auch traditionell Marzipan hergestellt. Zwar gab es in Spanien schon zuvor große Felder mit Mandelbäumen, doch gab es noch keinen Zucker — ein weiterer wichtiger Bestandteil des Marzipans. Innerhalb von fünfzig Jahren nach Beginn der Maurenherrschaft schossen in Südspanien überall Zuckerrohrfelder aus dem Boden. Um das 11. Jahrhundert herum war Marzipan bereits eine Spezialität Toledos und seither erfreut es jeden Kenner. In Toledo findet man viele Spezialgeschäfte für Marzipan, das oft in Form kleiner Figuren erhältlich ist.

Ein berühmter Künstler der Stadt ist El Greco, der wie der Name schon sagt eigentlich Grieche war. Er wurde 1540 in Candia auf Kreta geboren, das damals zur Republik Venedig gehörte. Für  1576 ist die Anwesenheit El Grecos in Spanien nachgewiesen. Da er durch einen Freund mehrere Aufträge in Toledo bekam, zog er von Madrid nach Toledo. Dort lebte er mit einigen Unterbrechungen bis zu seinem Tod im Jahr 1614. 

20. Jahrhundert
Im Spanischen Bürgerkrieg war Toledo Schauplatz der Belagerung des Alcázars durch die Truppen Francos, der daraus einen faschistischen Mythos begründete.
Die Einwohnerzahl stieg im 20. Jahrhundert von ca. 23.000 auf ca. 68.000 Personen. Seither stieg sie weiter an auf über 85.000 Personen. Allerdings verliert die Altstadt kontinuierlich an Einwohnern, da es kaum Parkmöglichkeiten gibt und die Einkaufszentren und größeren Geschäfte in der der Neustadt zu finden sind.

Von El Greco - 7gGVJQ5lD6l6kw at Google Cultural Institute, zoom level maximum, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29846305
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Camino de Levante Historisches Historisches Historisches Via de la Plata

Repoblación – Wiederbesiedlung in Spanien im Anschluß an die Reconquista

Repoblacion – Wiederbesiedlung in Spanien im Anschluß an die Reconquista

Camino de Levante, Via de la Plata

Repoblacion ist ein spanischer Begriff für die Wiederbesiedlung eroberter Gebiete auf der iberischen im Rahmen der mittelalterlichen Reconquista. Diese Gebiete waren im Verlauf der Kämpfe zwischen Christen und Muslimen teilweise oder ganz verwüstet und entvölkert worden. Nach ihrer Besetzung durch christliche Truppen wurden dort Christen neu angesiedelt oder nahmen aus eigener Initiative Land in Besitz.

 

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Entvölkerung
Anfänglich ging die Repoblación vom Königreich Asturien aus, das sich im frühen 8. Jahrhundert (711–719) als erster christlicher Staat nach der muslimischen Eroberung der Iberischen Halbinsel gebildet hatte. Schon vor der muslimischen Invasion war in der Endphase des Westgotenreichs ein erheblicher Bevölkerungsrückgang durch Seuchen und Hungersnöte eingetreten. Der Norden der Pyrenäenhalbinsel wurde nach der arabisch-berberischen Eroberung durch kleine, meist aus Berbern bestehende Besatzungen gesichert. Viele dieser Berber zogen bei dem Berberaufstand von ca. 740/741 wieder nach Süden, um dort die Araber zu bekämpfen. Eine schwere Hungersnot führte in den Jahren 748–753 zu weiterer Entvölkerung des Nordens. Daher stieß König Alfons I. von Asturien (reg. 739–757) auf relativ wenig Widerstand, als er von seinem Reich aus weit nach Westen, Süden und Osten ins Tal des Duero und zum Oberlauf des Ebros vorstieß.
Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er alle Muslime, die er dort vorfand, töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.
Das Ausmaß des Wiederbesiedlungsphänomens, sowohl in seiner räumlichen Ausdehnung als auch während seiner Dauer, führte zu unterschiedlichen Formen der Besetzung und Eigentumsverteilung, je nach Raum und Zeit, in der es stattfand, und es wird wichtige soziale und wirtschaftliche Folgen für die christlichen Königreiche der Halbinsel haben, die z.T. bis heute wirken.

 

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

Vier Hauptmodelle der Wiederbevölkerung:
1. Presura 8.-11.Jh.
2. Repoblation consejil
3. Ordenes Militares
4. Repartimientos

Erste Bewegungen (8. – 11. Jh.) – „Presura“
Mönche und freie Männer ließen sich in den kargen Gebieten des nördlichen Duero-Tals und der unteren Pyrenäen nieder. Während die Wiederbesiedlung Galicien bereits im 8. Jh. begann, setzte die Repoblacion in Asturien erst Mitte des 9. Jh. an. Unter Ordoño wurden die Städte León und Astorga besiedelt, unter seinem Sohn Alfons III. Zamora, Simancas und das Gebiet zwischen Palencia und Medina del Campo, unter Ramiro II. (931–951) Salamanca und Ledesma. Hier wurden besonders viele aus dem arabischen Gebiet emigrierte Christen angesiedelt, unter denen auch Mönche eine wesentliche Rolle spielten. In Kastilien kam die Wiederbesiedlung immer wieder ins Stocken, da der muslimische Widerstand hier deutlich größer war.

Die Wiederbevölkerung wurde von der Monarchie gesteuert, vor allem durch Adelige und Klöster, die die ersten großen Ländereien schufen, aber auch durch freie Männer, denen individuelles Ackerland angeboten wurde. Die germanische Tradition schrieb dem Monarchen den Besitz des gesamten unfruchtbaren Landes zu. Der König konnte seinen Untertanen die Besetzung eines Teils dieser Ländereien gestatten. Alles, was nötig war, war, dass eine Gruppe von Siedlern ein Gebiet mit Wasser fand, in dem sie sich niederlassen und das leere Land bearbeiten konnten. Die Folge war eine Dominanz kleiner und mittelgroßer Immobilien. Im Verlaufe der Kolonisierung konnten die Siedler zu Eigentümern bzw. Pächtern ihrer Parzellen werden, wurden aber dafür schrittweise in das feudale System von Abgaben und Zwangsleistungen eingebunden.
Mit dieser Struktur entstand eine freie Bauernschaft, die jedoch in späteren Perioden (im Zuge der Grundherrschaft im 14. Jahrhundert) zu Vasallen wurde. Wichtig bei der Besiedlung war allerdings, dass die Männer bereit waren, das Land gegen muslimische Angriffe zu verteidigen. Wegen der ständigen Bedrohung durch die Muslime hatte die Besiedlung einen militärischen Charakter; die Ortschaften wurden befestigt und dienten der ländlichen Bevölkerung als Fluchtburgen.

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Entwicklung und Stärkung von Städten (12. Jh.) – „Repoblacion concejil“
Im der zweiten Hälfte des 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert wurden viele städtische Zentren entweder durch Neuerrichtung oder durch die Eroberung vorher von Muslimen besetzter Städte wieder entwickelt. Die Wiederbevölkerung erreichte Kastilien, das Guadalquivirtal, die Gegend um Tarragona, das Ebrotal, Levante und Südportugal. Es geht nicht mehr darum, Brachland zu besetzen, sondern die Kontrolle über eroberte besiedelte Gebiete zu sichern.
Große Gemeinden entstanden vor allem zwischen den Flüssen Duero und Tejo sowie im Ebro-Tal. Nach der Eroberung Toledos (1085) begann auch im Süden Kastiliens (Neukastilien, Kastilien-La Mancha) die Wiederbesiedlung. Nun kamen viele Einwanderer aus Südfrankreich ins Land; ihre Ansiedlung wurde von König Alfons VI. von Kastilien (1072–1109) gefördert.
Die Monarchen erteilten den Siedlern, die sich in diesen großen Gemeindegebieten konzentrierten, umfassende Regeln, die alle Aspekte des Gemeindelebens regelten. In diese Städte kommen freie Männer, Adlige, insbesondere Ritter usw.
Im Gegenzug erklären sich die Städte bereit, städtische Milizen für die Armee des Königs zu bewaffnen. Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros- s. Abschnitt unten). Parallel zur Wiederbevölkerung der Städte kam es auch zu einer Wiederbevölkerung der Dörfer mit Kernen von etwa zehn Einwohnern. Den neuen Siedlern des Gebietes wurde ein Stück Land und Ackerland zugeteilt, das nach einigen Jahren in ihren Besitz überging. Ebenso konnten sie gemeinschaftliches Land und Eigentum nutzen. Die daraus resultierende Eigentumsstruktur war durch das Überwiegen des freien Mittelbesitzes und den Überfluss an Gemeindeland gekennzeichnet. Im sozialen Bereich entsteht eine komplexe urbane Realität, in der das Bürgertum eine große Bedeutung erlangt.

Die Bedeutung der Militärorden (Mitte des 12. Jahrhunderts – Anfang des 13. Jahrhunderts) – „Ordenes Militares“

Diese Orden waren im Becken des mittleren Guadiana und im Becken der Flüsse Guadalope (Nebenfluss des Ebro) und Guadalaviar oder Turia tätig. Die Militärorden waren eine Art Bruderschaft von Mönchsrittern, deren Aufgabe es war, die Muslime zu bekämpfen. Während dieser Zeit wurde die Wiederbesiedlung der eroberten Gebiete den Militärorden anvertraut. Die bekanntesten waren die von Calatrava in Kastilien, die von Alcántara und Santiago in León und die von Montesa in der Krone von Aragon. In der Veraltung dieser Orden entstanden große Ländereien, auf denen sie für zahlreiche bäuerliche Vasallen verantwortlich waren. Der Besitz gelangte somit in die Hände des Hochadels und die freien Bauern verschwanden. Die Eigentumsstrukturen bestanden damals aus großen Anwesen, die der Viehzucht gewidmet waren, der geeignetsten Lösung für ein Gebiet mit viel Platz, aber gleichzeitig einem Mangel an Arbeitskräften.

Gezielte Verteilungen des Landes an die Eroberer (13. Jahrhundert) – „Repartimientos“

Auf diese Weise werden Andalusien, Extremadura, Murcia und ein Teil Valencias neu besiedelt. Mit der Wiederbevölkerung blieb das System der Großgrundbesitze bestehen und es entstanden große Adelsgüter, sowohl weltliche als auch kirchliche. Die neu eroberten Ländereien wurden nach dem Repartimiento-System aufgeteilt, d. h. die Könige gaben die den Muslimen abgenommenen Ländereien und Besitztümer an diejenigen weiter, die an der Eroberung beteiligt waren. So entstand eine systematische, genau geregelte Aufteilung von Ländereien. Große Grundstücke (Repartimentos, Donadíos…) gingen an Militärorden, Adel oder den König selbst. Dadurch entstand ein Eigentumstypus großer und mittlerer Grundbesitzer, dessen Größe und Wert vom sozialen Rang des Berechtigten abhing. Die Eigentumsverhältnisse waren ähnlich wie in der vorherigen Phase. In der dritten und vierten Phase treten die für das feudale Gesellschaftsmodell typischen Verhältnisse persönlicher Abhängigkeit (Vasallität) auf. Die Vasallität basiert auf dem Prinzip der absoluten Kontrolle und Macht des Lehnsherrn über den Vasallen und ist ein starres und unflexibles System.

Fueros
Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros), deren Zweck im Allgemeinen darin bestand, das lokale Leben zu regeln, indem sie eine Reihe von Rechtsnormen, Rechten und Privilegien festlegten , die vom König dem Landesherrn oder dem Rat selbst gewährt wurden , also die Gesetze eines Ortes. Es handelte sich um ein System lokalen Rechts das seit dem Mittelalter auf der Iberischen Halbinsel Anwendung fand und die wichtigste Quelle des spanischen Rechts im Hochmittelalter darstellte
Die muslimische Eroberung der Iberischen Halbinsel bedeutete auf rechtlicher Ebene den Bruch mit der Einheit, die im Westgotenreich durch das Liber Ludiciorum erreicht worden war, unbeschadet der eventuellen Ausübung einiger anderer als der im besagten Rechtstext genannten Bräuche.
Angesichts dieser Situation fiel die rechtliche Reaktion unterschiedlich aus, je nach den Umständen, die in den einzelnen Regionen des Landes auftraten.
Der Beginn der Reconquista führte zur Bildung verschiedener christlicher Königreiche und zur Formulierung eines neuen , pluralistischen und vielfältigen Rechts in ihnen , das sich im Allgemeinen dadurch auszeichnete, dass es sich im Wesentlichen um ein lokales Recht handelte .
Das Unternehmen der Rückeroberung bedeutete nicht nur, die Muslime militärisch zu besiegen , sondern auch, die eroberten Gebiete neu zu bevölkern. In den Gebieten, die aufgrund ihres wirtschaftlichen oder strategischen Werts für eine Wiederbesiedlung interessant waren , begannen die christlichen Könige und die weltlichen und geistlichen Herren eine Reihe von Privilegien zu gewähren , um Siedler zur Ansiedlung zu bewegen und so die Grenzgebiete grundsätzlich zu sichern und sie wirtschaftlich wiederzubeleben. Die Urkunden, in denen derartige Privilegien und Befreiungen festgehalten wurden, hießen Stadtrechte oder auch Bevölkerungsrechte ( chartae populationis ).
Die Urheber der Urkunden waren die jeweiligen Landesherren – christliche Könige , weltliche oder kirchliche Herren –, die aus eigener Initiative (oder als Beauftragte des Königs) oder manchmal auf Ersuchen ihrer eigenen Untertanen handelten. Im letzteren Fall verlieh es diesen Vereinbarungen einen gewissen paktartigen Charakter .Die ältesten erhaltenen Briefe stammen aus dem 9. Jahrhundert.
Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts begann man, lokales Recht schriftlich niederzulegen. Dabei wurden Regeln aus verschiedenen Quellen gesammelt, die im Allgemeinen dem Ersteller der ersten Bevölkerungsurkunde zugeschrieben wurden. Dieser Prozess führte zu neuen Urkunden, die die Form königlicher Privilegien annahmen und unter einer vielfältigen Nomenklatur präsentiert wurden – unter anderem chartae fori , chartae libertatis , confirmationis , privilegii .

Inhalt
In den Urkunden waren die Bräuche der einzelnen Orte sowie die ihnen von den Königen gewährten Privilegien zusammengefasst und es waren Bestimmungen enthalten, die den Adel, den Klerus und die Vasallen eines Gebiets schützten.
Es handelte sich um einen feierlichen Pakt zwischen den Siedlern und dem König und im weiteren Sinne auch um die Gesetze, die für eine bestimmte Region oder einen bestimmten Ort galten.
Für den Abschluss des oben genannten Pakts war stets die Unterschrift des Königs erforderlich, denn selbst wenn derartige Ansprüche mit einem Adligen niedrigeren Ranges besprochen wurden, war es der König, der schwor, die beanspruchten Rechte zu respektieren und durchzusetzen.
Urkunden, wie etwa die Cartas Pueblas, sind eine Reihe von Gesetzen und Freiheiten, die den Siedlern einer Stadt gewährt werden, also einer Bevölkerung ohne Herrschaft oder deren Herrschaft dem König gehörte. Diese Gesetze legten die Freiheiten im Einzelnen fest, wie etwa die Wahl eines Bürgermeisters, Tribute an die Krone, die Verpflichtung, die königliche Armee mit Bauern und Rittern zu unterstützen, und viele Vorrechte, die den Mann in der Stadt freier machten als den Bauern im Feudalregime.

 

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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien

Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien - als die Kathedralen in den Himmel wuchsen -

Via Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Francés

Begriff und zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung „Gotik“ entstand, wie die Namen anderer Stilepochen auch, nicht bereits mit ihrem ersten Auftreten, sondern erst fast 300 Jahre später. Auch wurde der Gotik-Begriff nicht etwa in Frankreich geprägt, wo die Wurzeln der gotischen Architektur liegen, sondern erstmals 1435 in einem Werk des italienischen Architekten und Schriftstellers Leon Battista Alberti erwähnt. Das Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, der Wiedergeburt der Antike, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur glorreichen Antike Ausdruck zu verleihen.
Erst mit Goethe, der in seinem Werk „Von deutscher Baukunst“ über das gotische Münster in Straßburg schrieb, begann ein positiver Bedeutungswandel in Bezug auf den gotischen Architekturstil einzusetzen. Allerdings ist zu bemerken, dass Goethe irrtümlich diese Epoche zu einem deutschen Stil erklärte. Der Stil wurde dann im 19. Jahrhundert von europäischen nationalistischen und romantischen Bewegungen aufgewertet und verherrlicht. So wurde auch Mitte des 19. Jahrhundert Goethes Aussage eines „deutschen Stils“ durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung der Gotik Frankreich zugesprochen. Heute gilt die Gotik allgemein als einer der künstlerisch brillantesten Momente der westlichen Welt.

Eine zeitliche Einordnung der Gotik ist nicht ganz einfach, da der genau Zeitrahmen von den individuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern abhängt. Die Gotik entstand um 1140 zunächst in Frankreich. Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo, Léon). In Italien wurde der gotische Baustil nach französischer oder mitteleuropäischer Art weder vollständig übernommen noch war er je alleine vorherrschend. Aber natürlich gab es auch hier gotische Kathedralen wie z.B. den berühmten Mailänder Dom.

Von User:Liesel - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2894483 Kathedrale von Burgos

Phasen der Gotik

In der Architektur wird unterschieden in Früh-, Hoch- und Spätgotik, die sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich entwickelten:

Frankreich

Gothique primitif
1140–1190

Gothique classique
1190–ca. 1230

Gothique rayonnant
1231–1350

Gothique flamoyant
1350–1520

England

Early English
1170–1250

Decorated
1250–1350

Perpendicular
1350–1485

Tudor Style
1485–1603 ff.

Italien

 

seit 1200

Deutschland,
Mitteleuropa

Spanien s.u.

Frühgotik, einschl. Romano-Gotik
1180–ca. 1290 (überlappend)

Hochgotik
1235 oder 1248–1350

Spätgotik
1350–ca. 1520 ff.

Die zeitlichen Abgrenzungen gelten ausschließlich für die Architektur. Bei Malerei und Plastik ist eine klare Abgrenzung nicht möglich.
 

Von Uoaei1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45346485 Notre Dame de Paris 2015

Historischer und philosophischer Hintergrund

Keine andere Strömung vor oder nach der Gotik verstand es, einen solch engen Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft herzustellen. Um nun aber zu verstehen, weshalb sich die gotische Architektur gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts aus der Romanik entwickelte, muss man zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten jener Zeit werfen.

Es war eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Es war auch die Zeit der Kreuzzüge und einer erstarkenden Kirche, die Zeit, in der das Heilige Römische Reich langsam zerfiel und das französische Königshaus immer mehr an Macht gewann.

Im Jahre 1108 übernahm der Kapetinger Ludwig VI. die königliche Herrschaft im territorial stark zersplitterten Land. Der französische Monarch hatte zu jener Zeit zwar großes Prestige, realiter jedoch nur wenig Macht. Diese lag u.a. in den Händen Heinrichs I., der durch geschickte Heiratspolitik nicht nur Herzog der Normandie, sondern gleichzeitig auch König von England war und so enorme politische, wirtschaftliche und militärische Mittel hinter sich vereinigen konnte. Auch die Grafen der Champagne waren, durch wichtige Messestädte in ihren Gebieten, reicher und dadurch letztlich mächtiger als der französische König. Wesentlich einflussreicher war auch der Graf von Flandern, der das größte Wirtschaftszentrum nördlich der Alpen, ein im 12. Jh. sehr reiches Land regierte. (s. auch Kapitel der 100-jährige Krieg).

Um seine Macht zu stärken und die des Feudaladel im Land zu schwächen, paktierte Ludwig VI. mit der Kirche, vor allem mit seinem engen Berater Suger, dem Abt von Saint-Denis, der zusammen mit ihm in der Klosterschule von St. Denis erzogen worden war. Die Kirche unterstützte das Machtstreben der französischen Monarchie. Der König förderte zudem die zunehmenden Ordensgründungen und holte die Bruderschaften zu sich in die Hauptstadt.

Außerdem wurden durch Freiheitsbriefe, die sich der König von der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde teuer bezahlen ließ, Feudalpflichten aufgehoben, die die wirtschaftliche Entwicklung stark eingeschränkt hatten. So standen diese Städte und einzelne Landgemeinden hinter dem König und gegen den sie früher ausbeutenden Feudaladel.

Mit dem Erstarken und der geographischen Ausweitung des französischen Kronlandes, also der Entwicklung zur zentralistischen Macht, breitete sich auch die für ‚das Neue’ stehende Architektur, die Gotik, aus. Gotische Sakralgebäude galten bald als ‚chic’, so dass jedes Land, jede Stadt und jede noch so kleine Gemeinde alle vorhandenen Mittel darauf verwendete, wenigstens eine etwas größere und neuere Kirche als die des Nachbarn zu bauen. Außerdem spielte auch die Parteinahme von Bündnispartnern in der Politik eine nicht unerhebliche Rolle bei der Expansion der Gotik. Wer innerhalb Frankreichs gotisch baute, bezeugte seine Gewogenheit gegenüber der französischen Krone. Die Baubewegung in Frankreich wurde vor allem in der Anfangszeit dadurch gefördert, dass das Volk und auch der Adel die Bautätigkeit mit finanziellen Mittel oder auch praktischer Arbeitstätigkeit unterstützten. So ist u.a. die große Zahl an Kirchen, Abteikirchen und Kathedralen (fast 20) in Frankreich zu erklären.

Gleichzeitig verbindet sich mit der Gotik eine ganz neue Einstellung zur Gestaltung des Lebens. Der Grund für eine solche Revolution ist die Veränderung der mittelalterlichen Mentalität über vorhandenes Wissen und vorhandene Wahrheit. Im 12. und 13. Jahrhundert wird Platons vom Heiligen Augustinus verteidigter Idealismus überwunden, der die philosophische Grundlage des frühen Mittelalters bildete. Die Philosophie des Aristoteles, die auf der Vorrangstellung der Sinne basierte, erlangte wieder eine große Bedeutung und  wurde von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Albert dem Großen und dem Heiligen Thomas von Aquin energisch verteidigt. Dieser Mentalitätswechsel führt in der Architektur dazu, dass sich der Architekt beim Bauen nicht mehr an regelmäßige Formen halten (im Wesentlichen Kreise und Quadrate) muss, sondern dass er frei arbeiten kann, nicht mehr nur als Geometer, sondern als Ingenieur. Das bedeutete auch, dass man sich an neue Gestaltungselemente heranwagte und herantastete. Dieser technische Empirismus verhalf dazu, geniale tektonische Lösungen zu erfinden, um Räume von großer Höhe und Farbe zu schaffen. Die Art und Weise, das himmlische Jerusalem im 13. Jahrhundert zu symbolisieren, bestand darin, einen großen Raum aus Licht und Farbe zu schaffen. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten Metaphysik verwandeln. 

Außerdem war es eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Am Anfang der Epoche setzte eine Phase der generellen Umstrukturierung im Wirtschaftsleben des Landes ein. Die Wirtschaft entwickelte sich in bestimmten Regionen und in den Städten positiv. Der Handelsschwerpunkt verlagerte sich vom Land in die Stadt. Die Landbevölkerung strömte in die Städte (Landflucht). Durch das Wachstum der Städte entstand auch Bedarf an neuen Kirchenbauten und es sind auch die Städte, die die wirtschaftliche Kraft besitzen, um die aufwendigen Bauten der Gotik finanzieren und realisieren zu können. So entstanden sogenannte „Bauten der Macht“ in der Mitte der Stadt.

Es war auch die Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge dienten neben der Eroberung der Stadt Jerusalem vor allem auch der Verbreitung und der Verteidigung des christlichen Glaubens – der Einflussbereich der Muslime sollte zurückgedrängt werden. Es ging dem Papst aber auch um eine erneute macht-politische Stärkung der Kirche und des Papsttums. Die Erstarkung der Kirche zeigte sich auch in der zunehmenden Bedeutung der Ordensgemeinschaften neben den Benediktinern hier vor allem den Zisterziensern, deren Verbreitung für die Gotik eine besondere Bedeutung hat. 

So versuchten der König, der monarchisch orientierte Adel, Domkapitel, Bischöfe und Städte sich in dieser Konkurrenzsituation mit immer prächtigeren Bauten gegenseitig zu übertrumpfen – als Demonstration ihres Führungsanspruchs, aber auch aus echter frommer Begeisterung.

Die Gotik wurde in diesem Zusammenhang in Europa als willkommene Neuerung empfunden. Ausgehend von Frankreich entstehen Kirchen, die alle bisherigen Maßstäbe sprengen. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. Es werden Gotteshäuser gebaut, die zu ihrer Zeit die größten Gebäude überhaupt sind. Die neuen Techniken wurden voll Begeisterung übernommen, da durch sie auch die neue spirituelle Einstellung dargestellt werden konnte. England, Deutschland, Italien, Spanien und die anderen europäischen Länder wollten auch demonstrieren, dass sie die neue Kunst wenigstens so gut wie das Ursprungsland Frankreich beherrschten. Zudem verhalf die wachsende Bedeutung des Zisterzienserordens und seine strenge Durchstrukturierung einer weiteren Verbreitung der Gotik. All diese Fakten führten so zu einer breiten aber auch relativ einheitlichen Ausbreitung der Architekturkunst der Gotik.

Die Kathedrale des Mittelalters, das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Malerei und Glasmalerei gilt als besonderes Wahrzeichen der Gotik. “Genie de Lieu” sagen die Franzosen, wenn ein Ort etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Das kann wohl für die gotischen Kathedralen im Besonderen gelten. Sie spiegeln die Wandlung des mittelalterlichen Weltbildes wider, das mit einer neuen Frömmigkeit und mystischen Strömung einhergeht.

Einen großen Aufschwung nahm auch die profane Baukunst zur Zeit der Gotik, v. a. in den Städten, wo sie die wachsende Macht des aufstrebenden Bürgertums verkörperte. Sie übernahm Formen und Motive der französischen Kathedralgotik. So entstanden Burgen und Befestigungsanlagen, Rathäuser, Zunfthäuser, Hospitäler und Bürgerhäuser im gotischen Stil. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. 

Stilistische Merkmale der Gotik

Was genau verbirgt sich aber nun hinter diesem in der Geschichte so kontrovers betrachteten Begriff der Gotik?

Das Streben nach Höhe ist kennzeichnend für die gotische Architektur. Ebenso wie das Auflösen der massiven Wand, um Platz für große Fensterflächen zu schaffen, die den Kirchenraum erstrahlen lassen. Dazu wurden bestimmte bauliche Elemente – wie das Kreuzrippengewölbe, der Spitzbogen und das Strebewerk – verwandt, um diese Idee des himmlischen Jerusalem zu symbolisieren. Es sollten Räume von großer Höhe aus Licht und Farbe geschaffen werden. Durch das unten beschriebene neue Konstruktionssystem ergeben sich eine Betonung der Vertikalen sowie die Auflösung der Wandflächen, die durch große, farbige Fensterflächen gefüllt werden. Auch biblisch bedeutsame Zahlen wie die Drei (Dreieinigkeit Gottes), sieben (Wochentage, Todsünden), sowie zwölf (Apostel) wurden sinnbildlich umgesetzt.

Kreuzrippengewölbe

Kreuzgratgewölbe gab es schon vor der Gotik in römischer Zeit oder im angelsächsischen Raum. Das Kreuzgratgewölbe – das typisch für die Romanik ist – war der Vorläufer des gotischen Kreuzrippengewölbes. Die Konstruktion entsteht durch die Durchdringung von zwei, im rechten Winkel, zu einander stehenden Tonnen von gleicher Höhe. Dadurch entstehen gekrümmten Schnittfläche, auch Grate genannt, die dem Gewölbe auch den Namen Kreuzgratgewölbe geben. Die Bautechnik kann nur durch die römische Technik des Mörtelgusses oder bei sehr kleinen Räumen verwendet werden, da ihr statische Grenzen gesetzt sind.

Demgegenüber werden beim Kreuzrippengewölbe die Grate durch die Rippen unterstützt. Die Neuerung bestand darin, dass beim Gewölbe mit einem viereckigen Grundriss zwei Rundbögen kreuzförmig über die beiden Diagonalen gestellt wurden, zumeist mit einem dekorativen Schlussstein an der Kreuzung. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes verbessert, und die Gewölbeschalen konnten dünner und damit leichter sein. Die Gurt- und Schildbögen über den vier Außenseiten wurden spitz nach oben gebaut und konnten so die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen erhalten. Mit Einführung des Spitzbogens erfuhr das Kreuzrippengewölbe eine Steigerung der Gestaltungsvielfalt. Außerdem wurden im Laufe der Jahrhunderte reichere Gewölbekonstruktionen entwickelt wie das Netz-, Stern- und Schlinggewölbeb

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-k/kreuzrippengewoelbe.php

Spitzbogen

Der Spitzbogen gilt als ein zentrales Element der gotischen Baukunst, die deswegen früher auch als „Spitzbogenstil“ bezeichnet wurde. Spitzbögen sind zwar als Einzelelement bereits aus der Romanik bekannt, dort herrschte jedoch noch die Verwendung von Rundbögen vor. Der Spitzbogen ist konstruktiv eine Annäherung an die Bogenform, die dem günstigen statischen Kräfteverlauf einer Parabel entspricht. Spitzbögen bestimmen das Erscheinungsbild gotischer Bauten und finden sich praktisch durchgängig im Querschnitt aller Gewölbe, in der Form der Fenster- und Portalgewände sowie im Maßwerk. Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden (s.u.).

Strebewerk

Das Strebewerk ist ein weiteres zentrales konstruktives und gestalterisches Element der höher werdenden Kirchenbauten. Es ist ein statisches System, das sich in Strebepfeiler und Strebebogen unterteilen lässt und zur Lastabtragung der Kräfte beiträgt. Es dient bei einer Basilika dazu, den seitlichen Gewölbeschub und die Windlast von Mittelschiff und Hochchor aufzufangen. Die Stabilität der Strebepfeiler wird durch Auflasten erhöht, die als Zierelemente wie Fialen (schlanke, spitz zulaufende, flankierende Türmchen) gestaltet sein können. In das Strebewerk wurden auch die Abläufe für Regen- und Schmelzwasser integriert, das über Wasserspeier im Bogen vom Gebäude wegschießt und so von Mauerwerk und Fundamenten ferngehalten wurde. 

Die Schubkraft aus den Gewölben drückt schräg gegen die Hochschiffspfeiler, die ohne den Gegendruck der Strebebögen, einstürzen würden. Das Entgegenwirken der beiden diagonal verlaufenden Kräfte hebt ihre Kraftrichtungen auf, sodass der resultierende Kräfteverlauf vertikal im Pfeilerkern gehalten werden kann. Dies ermöglicht es die Pfeiler trotz der enormen Höhen so schlank auszugestalten. 

Der Strebebogen dient somit dem Weiterleiten des Gewölbe- und Winddrucks, letzterer nimmt aufgrund der ansteigenden Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu. Der Kräfteverlauf aus beiden Faktoren entspricht einer Parabelkurve, die bei Windstille steil ist, jedoch bei Windeinwirkung flacher wird. Dann sind zwei Strebebögen notwendig, um den auftretenden Horizontalschub widerstehen zu können. Der untere Strebebogen, der in Höhe des Obergadens ansetzt, leitet überwiegend den Gewölbeschub weiter. Der obere, der an der Traufe beginnt, ist wegen des Winddrucks angebracht worden.

Während das Strebewerk in der Frühzeit der Gotik vor allem statische Funktion hatte und nach innen verlagert war, entwickelte es sich später zu einem wichtigen baukünstlerischen Element und wird deutlich hervorgehoben und von außen sichtbar. Die Strebebögen werden ab 1160 bei Chören (Saint Germain des Pres in Paris) und ab 1180 beim Langhaus (Notre Dame in Paris) frei sichtbar oberhalb der Dachflächen angesetzt.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php
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Auflösung der Wand

Bei der Gotik ermöglichten nun die leichtere Bauweise durch Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk und Strebepfeiler eine Verlagerung der tragenden Elemente in den Außenbau, eine starke Reduzierung der Mauerstärken sowie eine weitgehende Durchbrechung der Wände durch Fenster. Die statische Funktion der Bauglieder wird im Innenraum bewusst überspielt, um eine Illusion von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit der Architektur zu schaffen. Im Innenraum wird über den Arkaden zu den Seitenschiffen und zum Chorumgang hin ein als Triforium bezeichneter Laufgang in die Wand eingelassen. In die Außenwand wurde eine Vielzahl großflächiger Fenster eingelassen, die das Gebäude leicht und lichtdurchflutet erscheinen lassen. In der Hochgotik wird schließlich auch noch die Rückwand des Triforiums durchfenstert, sodass die Wand vollständig durchbrochen erscheint. Dennoch ist praktisch jedes Element eines gotischen Baukörpers tragend. Die Baumeister der Gotik schufen neue Konstruktionen durch evolutionäre Weiterentwicklung nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Deswegen stürzten einige Bauten schon während der Bauphase ein (z.B. die Kathedrale von Beauvais) oder mussten nachträglich aufgrund auftretender Risse mit weiteren kraftableitenden Elementen verstärkt werden. Es entsprach aber – wie oben erläutert – ganz dem damaligen Denken des technischen Empirismus, der auch Fehlschläge mit einkalkulierte.

Das Maßwerk und die Fenster

Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird. Das Maßwerk ist ein Element der gotischen Architektur und ist eines der wichtigsten Merkmale der Hoch- und Spätgotik, wo es ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster war. Diese Fenster aus Buntglas stellen abstrakte Bilder dar oder Szenen aus dem biblischen Leben. Die Lichtmystik inspiriert Baumeister dazu, großflächige Fenster einzubauen, die Innenräume erhellen und den Besuch der Kathedralen zu einem, im wahrsten Sinne des Wortes, erhellenden Erlebnis machen.

In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff „Buntglas“ gewöhnlich Glas, dem bei der Herstellung lichtdurchlässige Farbe hinzugefügt wurde: ein Verfahren, das seinen Höhepunkt in der gotischen Architektur erreichte, in den malerischen erzählenden Fenstern der großen christlichen Kathedralen. Die Kunstfertigkeit der Glasmaler, die solche mittelalterlichen Meisterwerke wie die Fensterrose an der Westfassade der Kathedrale von Chartres schufen, ist in der Tat selten und außergewöhnlich.

Der Künstler (in der Praxis eine Gruppe von Künstlern) überwachte nicht nur den gesamten Produktionsprozess, um die Unversehrtheit und die richtige Pigmentierung des Glases zu gewährleisten, sondern war auch für die Gestaltung, die Komposition und die Effekte der Glasmalerei verantwortlich. Er begann in der Regel mit einer Reihe von Kohleskizzen oder Skizzen) des gewünschten Bildes. Daraus wurde eine Reihe von Entwurfsplänen in Originalgröße erstellt, die in der Regel direkt auf die Oberfläche aufgetragen wurden, die zum Schneiden, Malen und Zusammensetzen des Glasmosaiks verwendet wurde. Besonderes Augenmerk wurde auf die genauen Details und die Farbgebung der in der Glasmalerei dargestellten Bilderzählung gelegt. Es konnte sich dabei um die Darstellung einer biblischen Episode aus dem Alten oder Neuen Testament handeln, um das Leben von Propheten oder Heiligen, um ein Ereignis aus dem Leben Christi oder der Heiligen Familie. Gewöhnlich wurden auch zusätzliche Symbole oder Motive eingefügt, die die Person oder die Zunft identifizierten, die für das Fenster bezahlt hatte. All dies erforderte eine sorgfältige Vorplanung, bevor der Produktionsprozess begann.

Um die optimale Farbgestaltung eines Glasfensters zu gewährleisten, musste der Künstler außerdem den Winkel, die Menge und die Intensität des einfallenden Lichts beurteilen. Helles Licht erfordert zum Beispiel hellere und dunklere Farben. Dies musste mit der Notwendigkeit eines Farbkontrasts sowie mit der Notwendigkeit, je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Lichtverhältnisse zu schaffen, in Einklang gebracht werden. Kurz gesagt, die Kunst der Glasmalerei umfasste architektonisches Design, Glasherstellung, Farbchemie, Cloisonné -Emaille und ein Dutzend anderer Künste und Handwerke.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=321662
Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54491069 Rosette Nord von Cahrtres

Die neue Form der Bauhütten

Von besonderer Bedeutung für die Gotik war die Ausbildung von Bauhütten seit dem 13. Jahrhundert, ein Verband aller an einem großen Kirchenbau beteiligten Steinmetzen, Handwerkern und Bauleuten, die unabhängig von der städtischen Zunftordnung und mit einer eigenen strengen Ordnung arbeiteten. Vor allem waren sie an die „Arkandisziplin“ gebunden. Das Arkanprinzip (von lateinisch arcanum – „Geheimnis“) ist der Grundsatz, Informationen nur einem Kreis von Eingeweihten – hier den Mitgliedern der Bauhütte – zugänglich zu machen. Waren bisher überwiegend Mönche oder Priester in die Geheimnisse der Baukunst eingeweiht, so verlagerte sich das Wissen nun zu profanen Baumeistern ( sie zeichneten die Pläne – allerdings nicht maßstabgetreu), sowie Steinmetzen, Malern und Bildhauern. Und eben alle diese weltlichen Handwerker, die am Bau eines Gotteshauses beschäftigt waren, schlossen sich zu einer Bauhütte zusammen. Aus dem Zusammenwirken in einer Bauhütte lässt sich u.a. der einheitliche Eindruck gotischen Kathedralen erklären.

Die Leiter der Bauausführung hießen oft Werkmeister (wercmeistere) oder Baumeister; sie gingen zumeist aus dem Steinmetzhandwerk hervor und waren die mittelalterlichen Architekten. Auch Bezeichnungen wie magister operis kamen vor. Bei der Ausführung hatten der Steinmetzmeister (magister lapicidae) und der Maurermeister (magister caementari) sowie der Sculptor  (Bildhauer) Bedeutung. Die Meister der Bauausführung wechselten bei jedem Bauwerk häufiger, schon auf Grund der langen Bauzeiten.

Die Baumeister waren im Grunde die mittelalterlichen Architekten und eigentlichen Schöpfer der Baukunst. Sie waren Universalgenies, Menschen, die über ein enormes Wissen verfügten, Meister der Baukunst, aber auch der Physik, Mathematik und Chemie. Träger von Wissen, das sie geheim hielten. Das neue Verständnis und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister zeigten sich darin, dass erstmals Baumeister und Künstler namentlich hervortraten. Kennen wir aus der Zeit der Romanik kaum einen Namen, so besaßen in der Gotik zahlreiche Baumeister einen besonderen Ruf und wurden gezielt mit der Errichtung von Kathedralen beauftragt.

Einige bekannte Grössen waren:

  • Meister Gerhard, Meister Arnold, Johannes von Köln, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus van Bueren und Konrad Kuene van der Hallen für den Kölner Dom
  • Wilhelm von Sens für die Kathedrale von Canterbury und von Sens
  • Michael Knab, Wenzel Parler, Hans Puchsbaum, Anton Pilgram und Jörg Öchsl für den Stephansdom in Wien
  • Baumeisterfamilie Parler, die gleich mehrere bekannte Kathedralen mitgestalteten, so das Basler, FreiburgerGmünder, Straßburger und Ulmer Münster sowie den Veitsdom in Prag
  • Werkmeister Guerin von der Kathedrale von St, Denis (13. Jh.), der wohl ersten gotischen Kathedrale
  • Werkmeister Hugues Liebergier (1229–1263) von der Abteikirche St.-Nicaise von Reimes
  • Werkmeister Pierre de Montreuil (um 1250) von der Kathedrale Notre-Dame de Paris
  • Juan Guas für die Kathedralen von Avila und Segovia
  • „Meister Enrique“ von Narbonne (Südfrankreich) für die Kathedralen von Léon und Burgos
Von David Jiménez Llanes - Eigenes WerkBenton, Janetta Rebold (2002) Art of the Middle Ages, World of Art, Thames & Hudson, S. 228–230 ISBN: 978-0-500-20350-7., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31695037 Kathedrale von León

Skulpturen in der Gotik

Die Skulpturen wurden zunächst für Kathedralen gefertigt und dort entweder innen oder außen an den Mauern der Kathedrale angebracht. Die gotische Plastik entsteht zunächst aus dem Wunsch heraus, die Fassaden der Kathedralen mit Standbildern, Reliefs und Figuren zu schmücken, die die Heilsgeschichte symbolisieren. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu voll rund gearbeitet sind. Ein Ensemble aus Tympanon, Bogenfries, Säulen, Statuen und Fundamentverkleidung macht das historische gotische Portal aus. Unter den eingemeißelten Themen finden wir neben der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht auch Szenen aus dem Alten Testament, die typologisch mit denen des Neuen Testaments korrespondieren. 

So unmittelbar an die Architektur gebunden stehen die säulenhaften Figuren mit starrem Blick immer im Bezug zum Wandhintergrund, benötigen eine Konsole, auf der sie stehen und einen Baldachin über dem Kopf. Die Figuren wurden zunehmend individualisiert, das heißt, sie bekamen eine eigene Gestik und Mimik, sowie eine eigene Körperhaltung. Die Skulpturen in der Romanik haben keinen Schwung in sich, was bei den Skulpturen in der Gotik anders ist, denn sie haben eine bewegte Darstellung. Mit einer ungezwungenen Eleganz und mit einem weich fließenden Gewand wird die Haltung der Personen in einer leichten S-Kurve dargestellt, was man auch als S-Schwung bezeichnet. Auch an der Kleidung der Skulpturen wurde gearbeitet, denn sie bekamen einen ausgeprägten Faltenwurf, der die gesamte Skulptur lebendiger aussehen ließ. Noch dazu wurden den Skulpturen mehr Details verliehen, sodass sie insgesamt näher an der Realität sind als die Skulpturen der Romanik. Zunächst waren die Skulpturen noch relativ statisch. Doch in der zweiten Hälfe des 14. Jhs. regte ein neuer Realitätssinn dazu an, weitere Gestaltungsmerkmale zu verwenden. 

Westliche Portalanlage von Chartres Von Rolf Kranz - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85693799
Gewände des Mittelportals der Westfassade der Kathedrale von Reims Von Szeder László - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3734097

Auch auf dem Gebiet der Plastik war zunächst Frankreich führend. Berühmte Beispiele sind die West- und Querhausportalfiguren von Chartres – um 1145 – sowie die Figuren der Kathedralen in Reims, Paris und Amiens. Im 13. Jahrhundert zur Stauferzeit schufen auch die deutschen Künstler Meisterwerke der gotischen Plastik.

Allein die 33 lebensgroßen und 200 kleinen Figuren auf einer vergleichsweise kleinen Fläche an den drei großen Westportalen der Kathedrale von Reims zeugen von einer bewundernswerten Kreativität und einem großen handwerklichen Können. Die Säulenstatuen an den drei Westportalen der Kathedrale von Chartres gehören wohl zu den berühmtesten Werken der gotischen Bildhauerei überhaupt. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Sie machen harten Stein geschmeidig.

Und wenn man bedenkt, dass man solch wunderbare Sammlungen gotischer Skulpturen auf hunderten von ähnlichen Kirchen findet, so kann man nur die außergewöhnliche Produktivität der Steinmetze des 13. Und 14. Jhs. bewundern. Viele Leistungen der Künstler in Frankreich, Spanien, England und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender.

Gotische Architektur in Spanien

Phasen:     1150 – 1250 Frühgotik, 1200-1350 Hochgotik, 1350-1550 Spätgotik (u.a. der Isabellastil) 1480-1510

Viel mehr noch als die romanische Bauweise hat sich die gotische Architektur in Spanien zuerst im Norden über den Jakobsweg in Richtung Westen ausgebreitet. In dieser Zeit entstanden einige der reinsten gotischen Kathedralen Spaniens, die der deutschen und französischen Gotik am nächsten standen.

Der gotische Baustil kam erst Ende des 12. Jh. mit der spanischen Architektur in Berührung. So kam es zu einer Übergangsphase mit einer Mischung des romanischen und gotischen Stils. Im 13. Jh. machte die Romanik schließlich den Weg für die reine Gotik frei. Mit dem Erfolg der Rückeroberung, dem Wachsen des spanischen Reiches und der später zufälligen aber dennoch lukrativen Entdeckung Amerikas fiel die gotische Architektur mit einer der erfolgreichsten Epochen der spanischen Geschichte zusammen. Sie ist auch hier voll von spektakulären und atemberaubenden Bauten besonderer Größe und Pracht.

Die Ausbreitung der gotischen Architektur in Spanien hatte drei Hauptgründe.

Der erste Grund war die enge Verbindung nach Frankreich. Ursache hierfür war, dass der Bezug zu Frankreich geographisch und vor allem politisch immer näher gelegen hatte. Schon in der Phase der Stabilisierung der christlichen spanischen Reiche während des 11. Jahrhunderts, die sich noch bis 1492 mit der muslimischen Herrschaft auf dem Südteil der Halbinsel auseinandersetzen mussten, war die Orientierung an französischer Kultur ein wichtiges Mittel gewesen, um Spanien wieder in das christliche Abendland zu integrieren. Entlang des Pilgerwegs ins galicische Santiago spielte die französische Kultur eine besonders große Rolle, denn auf dem camino francés waren nicht nur die Pilger aus Frankreich besonders zahlreich, sondern es gab dort auch eine Reihe von Städten, die ganz oder teilweise von französischstämmigen Einwohnern besiedelt waren.

Der zweite Grund ist die Ausbreitung des Zisterzienserordens und die damit verbundene straffe einheitliche Architektur, die zum Aufbau der großen Konvente des reformierten Ordens führten. Zuvor bestanden schon intensive Kontakte zum Kloster von Cluny, wurde doch die riesige Kirche von Cluny mit Geldern aus den Tributzahlungen der Mauren an die christlichen Herrscher mitfinanziert.

Der dritte Grund liegt in Heiratsverhalten der Könige von Kastilien und Leon begründet, da die Ehen mehrerer Könige mit Prinzessinnen aus den Häusern von Anjou, Burgund und Plantagenet die Einführung der französischen Gotik stark beeinflussten.

So ist nicht verwunderlich, dass die frühen großen gotischen Kathedralen Spaniens in Burgos, Toledo und León noch deutlich den französischen Vorbildern folgten; erst ab etwa 1300 beginnt eine größere Eigenständigkeit der spanischen Sakralarchitektur. Auf die verschiedenen Stile der spanischen Gotik wie Flamboyant-Stil oder isabellinischer Stil wird hier nicht genauer eingegangen.

Zu erwähnen ist noch als Besonderheit Spaniens, dass sich parallel zur Gotik der sogenannte Mudéjar-Stil entwickelte, der seinen Höhepunkt im 14.-16. Jh. hatte. So wurden mancherorts Pfarrkirchen oder andere Bauwerke von Mudéjares errichtet, bei denen die islamische Bautradition und romanische oder gotische Baukunst miteinander verschmolzen wurden. Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker nach der Reconquista in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind und hier ihr Handwerk ausüben durften. (s. Kapitel Mudéjar-Stil)

Hier werden einige der wichtigsten Kathedralen Spaniens aufgeführt, dabei wird nur der Beginn der Bauten angegeben, da die Fertigstellungen sich oft lange hinzogen (am Kölner Dom wurde 632 Jahre lang gebaut!) und es dadurch auch teilweise zu Überformungen mit anderen Stilen kam. Übrigens eine Kirche ist dann eine Kathedrale, wenn in ihr ein Bischof seinen Sitz hat. Auf die einzelnen Kathedralen muss gesondert eingegangen werden. Die Kathedrale von Santiago de Compostela wird nicht aufgeführt, da in ihr romanische und barocke Elemente deutlich überwiegen und nur kleine Bereiche (z.B. der Kreuzgang) gotisch sind. Auf die einzelnen Kathedralen kann auf Grund der Fülle der Informationen nur in eigenen Kapiteln eingegangen werden.

Cuenca                       ab 1196   Frühgotik

Burgos                       ab 1221  erste rein gotische Kathedrale in Spanien (Camino Francés)

Toledo                        ab 1226   (Camino de Levante)

Palma de Mallorca  ab 1229

Burgo de Osma        ab 1232

León                             ab 1255  (Camino Francés)

Barcelona                   ab 1298

Oviedo                        ab ca. 1300 (Camino del Norte und Camino Primitivo)

Girona                         ab 1312   breitestes Gewölbe der Gotik  (Camino de Gerona)

Pamplona                   ab 1391    (Camino Francés)

Sevilla                          ab 1401   größte gotische Kirche der Welt (Via de la Plata)

Salamanca                  ab 1513   (Via de la Plata)

Cordoba                      ab 1523   Einbau eines gotischen Kirchenschiffs in die ehemalige Moschee  (Camino Mozarabe)

Segovia                        ab 1525   letzte gotische Kirche in Spanien  (Camino de Madrid)

Von Ingo Mehling - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37545223 Kathedrale von Sevilla
Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088120 Kathedralevon Segovia
Westfassade Kathedrale von ToledoCC BY-SA 3.0, htts://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Westfassa
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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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