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Der Salime Stausee

Der Salime Stausee

Der Salime-Stausee (span.: Embalse de Salime) ist eine Talsperre des Río Navia im Westen Asturiens, die teilweise die Grenze zur galicischen Provinz Lugo bildet. Die Stauanlage wurde im Jahr 1954 eingeweiht und hat einen Stauraum von 265,60 Millionen Kubikmeter.

Nach Arbón und Doiras ist Salime die dritte Talsperre am Río Navia. Die Staumauer ist eine Gewichtsstaumauer mit einer Höhe von 128 m. Der Stausee nimmt eine Fläche von 685 ha ein, genutzt wird die Anlage hauptsächlich zur Energieerzeugung. Unter dem Stausee befinden sich die Stadt Salime, die ehemalige Hauptstadt der Region und zahlreiche Dörfer und Bauernhöfe.

Geschichte

Das Projekt wurde von Saltos del Navia en Comunidad initiiert, einer Gesellschaft, die 1945 gegründet zu gleichen Teilen drei Unternehmen. gehörte. Finanziellen Rückhalt bot die Banco Urquijo, die außerdem das Projekt und die technischen Studien ausarbeitete.

Als Architekt wurde Joaquín Vaquero Palacios engagiert, der das Projekt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg plante. 1946 begannen die Vorarbeiten, zwischen 1948 und 1953 wurden die Staumauer und das Kraftwerk gebaut, die Einweihung erfolgte 1954. Während einiger Zeit war Salime die größte Talsperre Spaniens und die Zweitgrößte Europas. Sie gilt als eines der ersten Projekte des Gigantismus der Franco-Ära, der Pate für viele ähnliche Projekte stand.

 

Für den Bau mussten enorme Schwierigkeiten überwunden werden: Spaniens Wirtschaft lag darnieder und litt außerdem unter dem Wirtschaftsembargo der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Das Projekt schien quasi unmöglich und nur durch größte Anstrengung konnte man der Mittelknappheit Herr werden. Die Turbinen lieferte England heimlich und unter Umgehung des UN-Embargos gegen Franco. Die vorbereitenden und flankierenden Maßnahmen hatten einen außerordentlichen Umfang: Es wurden Tunnel zur Umleitung des Flusses gebaut, Spundwände, Lager, Straßen, schräge Ebenen, Zementmühlen, eine 36 km lange Seilbahn zum Transport von Zementklinkern aus dem Hafen von Navia etc. 3500 Arbeiter aus anderen spanischen Regionen – hauptsächlich Andalusien – wurden angeworben. Für sie und ihre Familien wurden mehrere Arbeitersiedlungen angelegt. Ein Teil dieser Einrichtungen sind heute noch am Hang des Berges zu sehen und können auch besichtigt werden. Auch die Lebensmittelversorgung der Arbeiter war ein Problem in diesen Jahren des Mangels. Ungefähr 100 Arbeiter verloren ihr Leben in Arbeitsunfällen während des Talsperrenbaus.

 

Wasserkraftwerk Salime

Das Wasserkraftwerk (central hidroeléctrica) Salime befindet sich unter der Staumauer. Es verfügt über vier Generatorengruppen mit je 32 Megawatt, die zwischen 1953 und 1956 in Betrieb genommen wurden. Die Gesamtleistung beträgt 128 MW, im Jahresdurchschnitt erzeugt das Kraftwerk 350 Gigawatt. Die eingesetzten Francis-Turbinen haben einen Durchsatz von 152 m²/s, die erzeugte Energie wird über 132-Kilovolt-Netz abgeführt.

 

Etwas oberhalb des Stausees befindet sich ein Hotel, von dessen Terrasse man einen guten Überblick über die Anlage und den Stausee hat.

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Geographisches auf dem Via de la Plata

Das Iberische Schwein (spanisch Cerdo Ibéricoportugiesisch Porco ibérico) ist eine in Südwestspanien (besonders Andalusien und Extremadura) sowie in der Provinz Teruel (Aragón) und in Portugal (besonders im Alentejo) heimische, schwarzfarbige, pflegelos gehaltene Schweinerasse. Iberische Schweine wurden bereits von römischen Legionären gezüchtet, die sich in der Extremadura niedergelassen hatten. Das iberische Schwein lebt in der Extremadura in den Dehesas mit seinen Stein- und Korkeichenwäldern und ernährt sich von den Gräsern und Kräutern und was besonders wichtig ist von den Eicheln. Im Herbst beginnt für die mindestens 12 Monate alten Schweine die Mastform der „Montanera“. Die Tiere ernähren sich nun hauptsächlich von auf den Boden gefallenen Eicheln und müssen dazu große Strecken zurücklegen, denn das auch Pata Negra genannte Schwein frisst bis zu 10 kg Eicheln pro Tag, hinzu kommen nochmals bis zu 3 kg Kräuter und Gräser. Da aber die Kork- und Steineichen maximal 25 kg Eicheln tagen, müssen die Schweine pro Tag bis zu 12 km weit umherstreifen, um ausreichend Nahrung zu finden. Diese Kombination aus Ernährung und Bewegung macht den unverwechselbaren Geschmack und die hohe Qualität des Jambon Iberico aus. Außerdem ist das iberische Schwein eine einzigartige Spezies mit Eigenschaften, die es von anderen Tieren der gleichen Spezies unterscheiden, wie die Fähigkeit, Fett in den Muskel zu infiltrieren. Bei unseren Hausschweinen lagert sich das Fett ja nur in der Schwachte ab, auch bedingt durch die deutlich kürze Mästzeit.

Der Schinken der Extremadura gehört zu den besten der Welt und hat alle wichtigen Auszeichnungen gewonnen. In Deutschland wird er oft als Pata Negra angeboten. Die Regierung der Extremadura hat sich die Marke „Dehesa de Extremadura“ von der Europäischen Union schützen lassen, um die hohen Qualitätsstandards zu kontrollieren und billige Nachahmer zu enttarnen. Den Schinken gibt es seither in unterschiedlich hohen Qualitäten. Zur Königsklasse zählen die Stücke von Schweinen, die ausschließlich im Freien leben, und sich von Eicheln und Gräsern in der Dehesa ernähren. Die Eicheln geben dem Schinken eine nussige Würze und die öligen Eicheln sind fett und mästen die Tiere auf langsame aber sichere Art. Die Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und später langsam an Balken hängend luftgetrocknet, im teuersten Fall sogar zwei oder drei Jahre gereift. 

Nach den Rechtsvorschriften für die Herstellung von iberischem Schinken umfasst die Bezeichnung “iberisches Schwein” alle Schweine, deren Mutter 100% iberisch ist. Das ist im Herdbuch der iberischen Schweinerasse eingetragen. Die Nachkommen dieses Schweins und damit die daraus hergestellten Produkte können unterschiedliche Reinheitsgrade aufweisen: 50% d.h. die Mutter zu 100% ein iberisches Schwein und Vater nicht, 75% d.h. die Mutter zu 100% Vater zu 50% oder 100% d.h. beide zu 100% iberisches Schwein. Die Produkte, die wir von iberischen Schweinen erhalten können, müssen immer den Reinheitsgrad der Schweinerasse angeben, und wenn es um Schinken und Vorderschinken geht, müssen diese mit farbigen Banderolen entsprechend ihrer Ernährung identifiziert werden:

Das weiße Etikett bedeutet, dass das Schwein iberischer Rasse ist, aber in Gefangenschaft aufgezogen und mit Getreide gemästet wurde. Das grüne Etikett wird für iberische Schweine vergeben, die frei auf der Dehesa geweidet haben und sich ausschließlich von der natürlichen Weide ernährt haben. Das rote Etikett zeichnet die Schinken gemischtrassiger Schweine aus, die mit Eichelmast aufgezogen wurden. Das schwarze Etikett ist den Produkten der besten Qualität vorbehalten, den so genannten »Pata Negra«-Schinken, die von 100 % reinrassigen iberischen Schweinen aus Eichelmast stammen.

Kein anderes Fleisch hat in den vergangenen Jahren einen solchen Siegeszug durch deutsche und internationale Küchen erlebt wie das Schwarze Spanische Schwein. Pata-Negra-Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und langsam luftgetrocknet. Quelle: picture-alliance / dpa / Stockfo/stockfood und https://www.welt.de/lifestyle/article7146689/Ein-Schwein-wie-man-es-noch-nie-gegessen-hat.html

Schinken ist in Spanien allgegenwärtig. Die charakteristischen Schweinebeine incl. Schweinefuß hängen entweder in den Bars und Geschäften zum Teil zu Hunderten von der Decke oder warten in speziellen Spannvorrichtungen – so genannte „Jamoneros“ – darauf, von Hand in hauchdünne Scheiben geschnitten zu werden. Je dünner um so besser.

Ibérico-Schinken verschiedener Qualitätsstufen (sowie andere spanische Schinkenarten) bei einem Verkaufsstand in den La Boqueria-Markthallen in Barcelona Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Iberischer_Schinken

Neben dem „Jamon Iberico“ kennen wir vor allem den sogenannten „Jamon Serrano“. Der Serrano-Schinken ist nichts anderes als ein Bergschinken. Der Begriff kommt von „Sierra“, dem spanischen Wort für Berge. Denn in den Bergen Spaniens werden seit dem 1. Jh.v.Chr. Schweineschinken luftgetrocknet. Heute gibt natürlich spezielle industrielle Verfahren. Für Serrano-Schinken wird das Fleisch hellhäutiger Hausschweine verwendet, weshalb er in Spanien auch jamón de pata blanca („Schinken von der weißen Klaue“) genannt wird. 

 

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Dehesas – beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Dehesas - beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Geographisches auf dem Via de la Plata

Dehesa ist die spanische Bezeichnung für beweidete Eichenhaine (Hutewälder), die vor allem im Südwesten Spaniens (Autonomie Gemeinschaften Extremadura und Andalusien) und in Portugal ausgedehnte Flächen einnehmen.

Die Dehesas in der Extremadura umfassen heute 1,03 Millionen Hektor (0,53 Millionen Hektar in der Region Caceres, 0,50 Millionen Hektar in der Region Badajoz). Auch die Hälfte aller spanischen Kork- und Steineichen wächst in der Extremadura.

Entstehung der Dehesas

Dehesas werden erstmals im 7. Jh. urkundlich erwähnt. Dehesa ist vom altkastilischen Wort defesa abgeleitet und bedeutet Schutz bzw. Verteidigung. Die ursprünglich mit Steinwällen abgegrenzten Weideflächen standen ausschließlich der örtlichen Bevölkerung zur Verfügung. So schützte man sie vor der Überweidung freier Viehherden. Freie Hirten zogen mit Tausenden von Tieren auch durch die Extremadura.

Man nimmt an, dass die Iberer vor über 4000 Jahren begonnen haben, Wälder zu roden und in parkartige Stein- und Korkeichenlandschaften umzuwandeln. Entscheidend für die Entstehung und Verbreitung der Dehesas waren eine Zunahme der Entwaldung in der Römerzeit und die Entwicklung nach der Reconquista. Nach dem Sieg über die Mauren teilte die spanische Krone das wiedereroberte Land unter dem Hochadel, der Kirche und den Ritterorden auf, die extensive Viehhaltung betrieben. Damit war auch der bis heute prägende Großgrundbesitz in der Extremadura angelegt, der einer der Gründe für – nicht unbedingt positive -Veränderungen in der Region in der heutigen Zeit ist. (vgl. dazu auch die Ausführungen über die Arabisierung und Reconquista auf der Via Tolosana)

Dehesas sind entstanden, indem die ursprünglichen Stein- und Korkeichenwälder durch Schafe und Ziegen, später auch von Rindern, beweidet wurden. Durch ihre extensive Bestockung mit Eichen ermöglicht die Dehesa auch die Nutzung als Weidefläche für das Iberische Schwein, das sich in freier Natur von Gräsern, Wurzeln, Pilzen, Baumrinden, Beeren, Eicheln sowie von Insekten und Kleintieren ernährt. Auf den flachgründigen nährstoffarmen Böden waren die Voraussetzungen für Ackerbau schlecht, hier lohnte sich vor allem die Weidewirtschaft. So entstanden parkartige Baumbestände. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden den Weidetieren Schatten und liefern die für die Mast (in erster Linie der iberischen Schweine) geschätzten Eicheln.

Ökologische Bedeutung

Dehesas sind ein Beispiel für eine naturnahe Kulturlandschaft, die in dieser Form von besonderer Bedeutung ist. Die Bäume schützen den Boden, liefern Brennstoff oder Kork und Futter für die Weidetiere (Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen). Die Dehesa beheimatet jedoch nicht nur Korkeichen, Stiere und die berühmte iberische Schweinerasse sondern eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. 

Die traditionelle Dehesa-Bewirtschaftung brachte ein feinmaschiges Netz an stand- örtlichen Einheiten hervor. Unterschiede in Dichte und Alter der Bäume sowie der Wechsel zwischen offenen und von Eichen beschatteten Standorten ergibt eine große Biodiversität und dient als Lebensraum von Insekten-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten.

Den Dehesas kommt außerdem eine wichtige Bedeutung zu als großräumiges Brut- und Nahrungsgebiet für europa- und weltweit gefährdete Tierarten. Sie weisen eine hohe Vielfalt an Vogel -und Säugetierarten auf. Insgesamt weiß man von 42 Vogelarten, deren Überleben in hohem Maße von den Dehesas abhängig ist. Zu nennen ist hier u.a. der spanische Kaiseradler und die Mönchsgeier.

Es gibt noch andere Faktoren, die den Wert der Dehesas ausmachen. Hier ist zu nennen:

  • ein geringeres Risiko von Waldbränden
  • der Bodenschutz und Schutz der Wasservorräte
  • die Vorbeugung vor Desertifikation (Wüstenbildung/ Verschlechterung des Bodens) in Risikobereichen
  • die Funktion als CO2-Speicher
  • die Funktion als Freizeitgebiet und die Bedeutung für den Ökotourismus
  • die Funktion als Quelle von gesunden Qualitätsprodukten
  • die Bewahrung der Kulturlandschaft (Weidewirtschaft, Wanderschäferei etc.)

Entwicklungstendenzen

Es ist jedoch in verschiedenen Studien dokumentiert, dass die Bewirtschaftungs-tendenzen der letzten Jahre zu einem Verlust des Naturschutzwertes in den Dehesas führen und auf lange Sicht damit nicht nur die ökologischen sondern auch die ökonomische Nachhaltigkeit gefährden. So fand ein gewaltiger Umbruch im Nutzungssystem statt.

Verantwortlich dafür waren vor allem:

  • der Verfall der Preise für Wolle als klassisches Produkt der Dehesas
  • die Aufgabe der Nutzungsvielfalt
  • die intensivere Viehhaltung auch mit anderen Rinderrassen
  • die Umwandlung in Aufforstungsgebiete
  • die Ausweitung des Bewässerungsfeldbaus
  • die Ausweitung der jagdlichen Nutzung durch spezielle Betriebe
  • die Landflucht

Die Folgen sind unter anderem eine Verbuschung der Landschaft, keine ausgeglichene Altersstruktur bei den Bäumen mehr und eine einseitige Nutzung in den verschiedenen Bereichen und somit eine Verringerung der Biodiversität.

Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen, um die Dehesas und ihre ökologische Bedeutung zu erhalten. Aber es gibt natürlich auch unterschiedliche, z.T. gegensätzliche Einstellungen. Viele sehen in den Dehesas ein Parademodell eines differenzierten Landnutzungssystems, das gleichzeitig die Interessen des Naturschutzes und die Ressourcennutzung zu befriedigen mag. Andere sehen es als Anachronismus an, die Dehesas zu erhalten angesichts der modernen Prozesse der Produktionsintensivierung und der sozialen Missstände, die in diesen Gebieten herrschen u.a. mit einem großen Anteil an Großgrundbesitzern.

Die Dehesa ist aber eines der land- und forstwirtschaftlichen Systeme von hohem Naturschutzwert, dessen Bedeutung in vielen Veröffentlichungen beschrieben wurde. Ebenso wurden auch die Gefahren, die durch die aktuellen Bewirtschaftungstendenzen entstehen, aufgezeigt. Ich hoffe, dass durch Initiativen und Fördermaßnahmen der EU und Spaniens ein Weg gefunden wird, Ökologie und Ökonomie in einen vernünftigen Einklang zu bringen. Vielleicht haben solche Regionen im Rahmen des „Green Deal“ der EU wieder eine bessere Chance erhalten zu werden.

Wie so oft, wenn man sich mit Themen intensiver beschäftigt, entdeckt man plötzlich neue Dinge, die man sonst einfach übergangen oder übersehen hätte. So viel mir gerade u.a. ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf, der auf die ökologischen Vorteile von Agroforsten – und das sind die Dehesas ja – eingeht.

Es geht darum, dass man festgestellt hat, dass Gehölzstreifen nachweislich das Mikroklima des Bodens verbessern und somit  auch gerade für die durch den Klimawandel stärker betroffenen Böden Norddeutschlands von Interesse sein könnten. Bei Evaporation (Verdunstung von Wasser auf freien Land- und Wasserflächen) verdunstet das Wasser an der Bodenoberfläche, bei der Transpiration verdunstet es an der Blattunterseite. Die Hauptursache für Evaporation sind hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und Wind. Stehen Bäume mit auf der Fläche, so werden Temperatur und Wind so weit gesenkt, dass die geringere Bodenverdunstung den zusätzlichen Wasserverbrauch durch die Gehölze übersteigt. Somit haben die Pflanzen deutlich mehr Wasser zur Verfügung. Im Bereich um die Bäume ist im Winter die Temperatur um 2° wärmer und im Sommer um 2° kühler als in der weiteren Umgebung. Als weitere Vorteile haben Forscher eine Steigerung der Humusbildung festgestellt ebenso wie eine bessere Nährstoffversorgung und mehr Feuchtigkeit in Boden. Dies sind alles Faktoren, die langfristig die Bodenqualität und somit auch den Ertrag pro Fläche erhöhen. Zudem ist eine geringere Nitratbelastung des Grundwassers nachzuweisen. Zusätzlich binden Agroforste mehr Kohlendioxid und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel. Dies sind alles Erscheinungen, die wir ja oben bei den Dehesas bereits angesprochen haben. In Deutschland werden im Gegensatz zu einigen anderen Europäischen Ländern bislang aber nur 1000 ha mit Agroforsten bewirtschaftet.

In wieweit sich die Idee der Agroforste allerdings durchsetzen wird, ist abzuwarten.

Denn jeder landwirtschaftliche Betrieb bekommt momentan flächenbezogene Direktzahlungen. Bei einem Großteil der Agroforstsysteme werden die Gehölzkulturen jedoch herausgerechnet. Zusätzlich ist zu bedenken, dass – wie bei vielen neuen guten Innovationen – erst einmal eine Durststrecke zu überbrücken ist. Denn derartige Anlagen stellen in den ersten Jahren eine finanzielle Belastung für die Landwirte dar. Durch die verkleinerte Ackerfläche verringert sich zunächst die Ernte, Pflanzung und Pflege der Bäume verursachen Kosten und durch die langfristige Bindung von Fläche und Kapital kann der Betrieb weniger flexibel agieren. Der Erfolg der Maßnahme kommt logischerweise erst in ein paar Jahren voll zum Tragen. Es sind also jetzt gezielte Maßnahmen notwendig, um langfristig einen Wandel herbeizuführen und auch den Klimaveränderungen adäquat entgegen zu treten. Aber leider zeigt die Bundesregierung momentan leider keinerlei Interesse an einer Förderung von Agroforsten.

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte

Geographisches auf dem Via Podiensis

Das Aubrac ist eine Kulturlandschaft im südwestlichen Zentralmassiv in Frankreich, die als Natura 2000-Region anerkannt ist. Es gehört zu den drei Departements Cantal,  Aveyron und Lozère – und damit zu den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Das Dorf Aubrac und sein im 12. Jahrhundert gegründetes Hospiz waren namengebend.

Prägende Landschaft des Aubrac ist eine basaltische Hochfläche auf dem Urgestein aus Granit. Das Bergland bricht in steilen Abhängen ins Tal der Lot. Es ist der südlichste Vulkankomplex des Zentralmassivs. Die Hauptmerkmale dieser Landschaft ist ein beinahe baumloses, leicht gewelltes Hochplateau, die an eine Prärie erinnert und für Frankreich eher untypisch ist. Das Aubrac ist eine der einsamsten, kargsten und gleichwohl schönsten Landstrichen Frankreichs. Das Land wird beinahe ausschließlich zur Rinderzucht verwendet.

Die Rinder werden im Mai auf die Hochalmen getrieben. Die Weiden sind in ihrer Ausdehnung sehr weit und werden mit Stacheldrahtzäunen voneinander abgegrenzt. Man findet noch viele alte Sennhäuser, die sogenannten Burons. Diese viereckigen mit Schieferziegeln bedeckten Häuser dienten den Schafzüchtern, die man als Bouroniers bezeichnete, als Behausung. Sie stellten in diesen Hütten Käse aus Kuhmilch her.

Die Hochebene von Aubrac bietet über 2000 Pflanzenarten ein Zuhause einschließlich solchen Kräutern wie Thymian, Salbei, Kamille und Beifuß. Eine dieser Pflanzen, calaman genannt (auch bekannt als Aubrac Tee) wird sehr geschätzt wegen ihres an Minze erinnernden Aromas. Im Frühling und Sommer findet man Blumenteppiche aus wilden Narzissen, gelbem Enzian, Wildrosen, Stiefmütterchen, großblättrige Bergminze, Sonnentau und seltenen Orchideen.

Das Aubrac-Rind

Bereits 1868 wurden die Aubrac Rinder als eine der besten Rinderrassen in Frankreich beschrieben. In der damaligen Zeit war das Aubrac durch die enorm gute Bemuskelung und die Qualität des Fleisches am französischen Hof die berühmteste Rinderrasse. Das Aubrac-Rind ist somit eine über 150 Jahre alte robuste Rinderrasse, die aus der Kreuzung von Braunvieh und Maraichine-Rind entstand. Das karge Hochplateau hat die robuste Rasse geprägt, eine Rasse die sich durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit, enormen Genügsamkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Zudem sind die Aubrac Rinder eine schöne Rinderrasse mit ihren Hörnern und den schwarz umrandeten Augen. Die Aubrac Hirten sagen, die Augen der Aubrac seien schöner als die von Mädchen.

Die Aubrac sind durch ihren ausgeprägten Mutterinstinkt für die Mutterkuhhaltung besonders gut geeignet. Sie sind eher scheu, sehr ruhig und nervenstark. Dem Menschen gegenüber sind sie sehr gutmütig. Der Stier lebt in der Herde, ist aber kein „Streicheltier“, wenn junge Kälber am Feld sind. Auf Grund seiner Größe und Muskelmasse kommt man aber auch gar nicht auf diese Idee! Auf der Weide können die Rinder sehr temperamentvoll sein. Junge Kälber sind ab und zu ziemlich kampfeslustig. Aubrac Rinder lieben die Weide, im Stall drehen sie durch. Egal ob es regnet oder schneit, sie bleiben auf der Weide. Die Aubrac Rinder sind immer in Bewegung zwar ganz langsam aber dafür immer. Ein Rind – nicht der Stier – geht voran, die anderen folgen ruhig ohne Aufregung.

Das Aufwachsen auf der Hochweide mit viel Bewegung, viel Sonne, in sauberer Luft und mit gesundem Wasser bedingen beim Aubrac seine gute Fleischqualität. Diese gute gesundheitsfördernde Fleischqualität ist wohl nur mit so einer nachhaltigen ökologischen Wirtschaftsweise zu erzielen.

Auf unserer Wanderung waren die Stacheldrahtzäune immer eine Beruhigung, wenn man an den Herden vorbeiging. Aber zweimal mussten wir doch innerhalb der Weide aufsteigen. Alle Pilger gingen leise hineinander zügigen Schrittes am Rand der Weide entlang, immer ein Auge auf die Herde gerichtet, aber diese lag nur friedlich im Gras und schenkte uns keinerlei Beachtung – Gott sei Dank!

Das Aubrac und seine wunderbare Rindersorte
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Causses – herbe einsame Schönheit

Causses

Geographisches auf dem Via Podiensis

Der Jakobsweg führt hinter Figeac über 130 km durch die Causses. Wir wandern auf unserem Weg von Figeac nach Cahors über die Causse de Quercy, die Causse de Gramat und Causse de Limogne. Hier befindet sich auch der regionale Naturpark Causse du Quercy.

Die Causses zählen wegen ihrer herben Schönheit und der äußerst geringen Besiedlungsdichte zu den beeindruckendsten Landschaften Frankreichs. Causse ist die französische Bezeichnung für die großflächigen Kalkhochebenen im französischen Zentralmassiv. Die Bezeichnung Hochebene ist allerdings trügerisch, denn das Relief ist fast immer hügelig. Die einzelnen Causses sind durch tiefe Schluchten und Flusstäler der Dordogne, der Celée und der Lot voneinander getrennt.

Die Causses sind sehr arm an Wasser – das liegt aber nicht daran, dass es wenig Niederschläge gäbe, sondern daran, dass der Regen – wie in den meisten Karstgebieten – von der hier vorherrschenden dicken Jurakalksteinschicht nicht festgehalten werden kann, sondern fast direkt im Boden versickert. Dementsprechend wirken weite Gebiete steppen-   sogar fast wüstenartig. 

Man findet die typischen Karsterscheinungen wie bizarre Felsformationen, Höhlen und Naturschächte. Manchmal findet man auch sogenannte Dolinen, das sind Einsenkungen im Boden, die sich mit fruchtbarem Boden gefüllt haben. Dort wird dann auch intensiv Ackerbau betrieben. Ansonsten sind die Causses eine typische Trockengraslandschaft, auf der überwiegend Schafe weiden. Hier gedeihen sehr widerstandfähige Pflanzenarten wie Flechten und Fetthennen oder Pflanzen mit kurzer Lebensdauer wie das Sandkraut. Auf tieferen Böden findet man auch Orchideen und im Frühjahr und Sommer Narzissen. Außerdem gibt es  Eichen, Johannisbrotbaum, Ginster und Kreuzdorn.

Die Besiedlung ist sehr spärlich. So findet man wenige kleine Dörfer aus typischen Steinhäusern. Häufig sind die Gehöfte einzeln und verstreut auf der Hochebene. Viele sind auch aufgegeben. Nur der Tourismus und die Zweitwohnsitze bringen eine gewisse Belebung des Gebietes.

Die in den Tälern fließenden Gewässer sorgen dort für ein fruchtbares Land, das agrarisch genutzt wird. Sie beeindrucken mit ihrer grünen Vegetation und ihren leuchtenden Felswänden.

Die großen Täler haben eine strenge Abstufung nach dem Höhenschichtung. Jedem Niveau entspricht ein eigener Lebensbereich:

  • der Fluss selbst und seine Ufervegetation bilden ein spezielles Biotop, das aber auch von Mühlen und der Binnenschifffahrt genutzt wird
  • der Talboden, wo Überflutungen auftreten können, ist weitgehend unbesiedelt und meist nur für  Scheunen und  Tabaktrockenschuppen genutzt
  • die Terrassen dienen heute dem Verlauf von Verkehrswegen. Dieser bewohnte Sektor ist weitgehend gegen Hochwasser geschützt und dort wird  auch Landwirtschaft – vorwiegend Wein- und Obstbau –  betrieben
  • an den Talflanken – abwechselnd Felswände und bewaldete Abhänge – liegen die ursprünglichen Dörfer, die oft von Burgen flankiert oder überragt werden.

Wer sich ein wenig über das Leben auf den Causses in den letzten hundert Jahren erfahren will, dem empfehle ich das Buch von Christian Signol „Marie des Berbis“. In diesem Buch hat die Schäferin Marie des Berbis dem Autor Signol die Geschichte ihres langen Lebens diktiert. Es ist ein berührendes Buch, das auch vom Zauber der kleinen Dinge erzählt.

Quellen

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia

Die Flysch-Klippen von Zumaia

Flysch

Flysch bezeichnet in der Geologie eine marine sedimentäre Gesteinsschicht, die meistens durch eine Wechselfolge von Tonerden und grobkörnigerem Gestein (typischerweise Sandstein) gekennzeichnet ist. Die Sedimente sind oftmals nachträglich gefaltet. Flyschserien entstehen während gebirgsbildender Prozesse.

Die Flysch-Klippen von Zumaia

Zumaia liegt an der Küste von Guipúzcoa in der spanischen Autonomen Region Baskenland. Berühmt ist es für die sensationelle Geologie, die am Playa de Itzurum in Zumaia am deutlichsten zu sehen ist. Es handelt sich hier um Flysch Formationen von außergewöhnlicher Schönheit und Bedeutung. Häufig vertikal geschichtet ziehen sich die Schichten ungestört dahin über 13 km zwischen Mutriku, Deba und Zumaia. Die Sedimentabfolgen von Kalken, kalkhaltigen Tonen, Mergeln und grobkörnigeren Sandsteinen entstanden von der Kreide bis ins Paläogen, eine Zeitspanne von bis zu 100 Millionen Jahren.

In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und großer Katastrophen. Der Kreide-Paläogen-Übergang ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum größten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem auch zum Aussterben der Dinosaurier führte, wohl auf Grund eines Meteoriteneinschlages auf der Erde.

Die geologische Geschichte der Flyschklippen begann vor etwa 110 Millionen Jahren und ist verbunden mit dem Öffnen und Schließen des Golfs von Biskaya, der Bildung der Pyrenäen und der „jüngeren“ Erosion durch Meer und Regen.

Als sich die Öffnung des Golfs von Biskaya verlangsamte (Bild 2 oben), wurde das Gebiet, das heute ein Geopark ist, zum Boden eines tiefen und ruhigen Meeres, in dem sich Schichten aus Kalkstein, Mergel und Sandstein in horizontalen Schichten ablagerten. Dieses Sediment wurde zum Flysch, der heute zwischen Deba und Zumaia zu sehen ist. Durch die enorme Materialmenge entstand ein über 3000 m dicker Meeresboden. In ihm kann man lesen wie in einem großen Buch, dessen Seiten man einzeln umblättern kann, um mehr als 15 Millionen Jahre Erdgeschichte zu enthüllen. In den Schichten finden sich Spuren bedeutender Phänomene und großer Katastrophen. Der Kreide-Paläogen-Übergang ist der Zeitpunkt eines bedeutenden geologischen Ereignisses. Vor etwa 66 Mio. Jahren kam es zum größten Massensterben der Erdgeschichte, was unter anderem auch zum Aussterben der Dinosaurier führte, wohl auf Grund eines Meteoriteneinschlages auf der Erde.

Die Iberische Halbinsel drehte sich dann weiter gegen den Uhrzeigersinn, bis sie auf Eurasien stieß, wo sie den Golf von Biskaya endgültig abschloss und die Pyrenäen-Gebirgskette bildete (Bild 3 oben). Das marine Sediment faltete sich auf und es kam zu Brüchen und Verwerfungen.

Die Landformen, die man heute sieht, sind das Ergebnis eines Erosionsprozesses durch das Meer und den Regen in den letzten 5 Millionen Jahren (Bild 4 oben). Die Intensität und Art des Prozesses wurden mit den Klimaschwankungen in jüngster Zeit und mit Schwankungen des Meeresspiegels in Verbindung gebracht. In dieser Zeit kam es Entstehung bestimmter regionaler Erscheinungen, darunter die Entwicklung des Flussnetzes und die Schaffung von Flusstälern, die Bildung von Abriebplattformen und Stränden, das Auffüllen von Flussmündungen, die Karstbildung von Höhlen, Zinnen und Hohlräumen (Poljen) und schließlich das Auftreten von Vegetation und menschliche Siedlungen.

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Geographisches Geographisches Via Tolosana

Las Margas – eine bizarre Landschaft

Las Margas

bizarre Landschaft als Folge von Witterungs- und Erosionserscheinungen

Las Margas ist eine eigentümliche Landschaft aus grauen Erosionshügeln, auf denen nicht einmal ein Grashalm wächst. Die Erdhügel bestehen aus grauem, lehmigem, bröseligem Mergel aus dem Eozän. Mergel enthält sowohl Kalk als auch silikatische Bestandteile meist kleiner Korngröße (Ton und/oder Schluff). Gröberes Material (Sand und Kies) ist auch vorhanden. Mergel hat unterschiedliche Entstehungsbedingungen. Er entsteht, wenn gleichzeitig das feine Material (Ton und Schluff) abgelagert und Kalk ausgefällt oder ebenfalls abgelagert wird. Die heutige Form entsteht dann aus Verwitterungsprozessen und Erosionserscheinungen, die zu einer flächenhaften Abtragung führten. Der Boden wurde somit unfruchtbar und eine reine Schotterstruktur ist übriggeblieben.

Was geschieht bei der Verwitterung?

Die Erde in ihrer heutigen Oberflächengestaltung ist das Ergebnis der Entfaltung gewaltiger Kräfte, die ununterbrochen, wenn auch mit wechselnder Intensität auf sie einwirken. Die äußeren Kräfte sind die Witterung und die organische Welt, die alle Gesteine der Erdoberfläche verändern. Die Verwitterung ist darauf zurückzuführen, dass die meisten Gesteine unter Temperatur- und Druckverhältnissen entstanden sind, die von den an der Erdoberfläche herrschenden stark abweichen.

Wie wirken sich diese äußeren Kräfte nun aus?

Fortgesetzte Einwirkung von Temperaturwechsel (Hitze und Kälte), oft unterstützt durch Pflanzenwurzeln, lockern die festen Gesteinsverbände entlang der Oberfläche, zerstückeln sie dann zu Blöcken, grobem Schotter und schließlich zu dem feinkörnigen bis zu pulverigem Gestein.

Diese Gesteinszerstörung durch Temperaturwechsel, Frost, Feuchte bezeichnet man als mechanischer Verwitterung. Dazu kommt die chemische Verwitterung. Die Komponenten dazu sind vor allem Wasser in flüssiger Form, Luft (deren Sauerstoff- und Kohlensäuregehalt), dann auch noch die Lebenstätigkeit organischer Wesen. Der Vorgang der chemischen Verwitterung besteht einmal in der Lösungsfähigkeit des Wassers (Gips, Salze), die noch gesteigert werden durch Gehalt an CO2 (Kalkstein, weniger Dolomit). Aber auch die Aggressivität gegenüber Silikaten wird gesteigert. In der Hauptsache besteht die chemische Verwitterung in der chemischen Wasseraufnahme (Hydrolyse) und in Oxydation. Betroffen. werden davon auch Sedimentgesteinen, die unter Luftabschluss und hohem Druck gebildet wurden. Die Zersetzung des Mergels z.B. führte dann zu großen Tonablagerungen.

Was geschieht dann anschließend bei der Erosion?

Die zertrümmernden und abtragenden Kräfte der Verwitterung werden unterstützt durch die Erorion. Jedes fließende Wasser schleppt infolge seiner lebendigen Kraft Gesteinsteile mit sich. Auf dem Wege talwärts wirken diese noch rauhen, scharfkantigen und eckigen Gesteinstrümmer wie Feile, mit denen sie den Boden wegschaben (abschürfen, erodieren).

Bei Flussbetten aus lockeren Trümmergesteinen (Schotter, Sand, Ton) oder bei Festgesteinen, die in Wasser leicht zerfallen, wie manche Sandsteine, Mergel und Tonschiefer, genügt schon die wirbelnde und wälzende Wasserbewegung, da Gesteine wie Sandsteine mit tonigem Bindemittel, Mergel und Schiefer wasserundurchlässig sind und somit eine größere Erodierung aufweisen. Starke Regenfälle in Verbindung mit sehr erosionsanfälligen Böden in Hanglagen bedeuten eine hohes Risiko für ⁠Erosion. Teilweise sind auch linienförmige Erosionsformen wie Rillen und Rinnen zu beobachten. Diese Prozesse führen dann letztendlich zum Verlust von fruchtbarem Boden.

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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Vulkanismus im Massiv Central​

Vulkanismus im Massiv Central

Geologisches auf dem Via Podiensis

Unsere Wanderung führt uns im ersten Teil zwischen Le Puy en Velay und Cahors  durch das Zentralmassiv. Das Zentralmassiv – auch Zentralplateau und französisch Massiv Central genannt – ist  das ausgedehnteste Gebirge Frankreichs. Die gesamte Fläche des Zentralmassivs beträgt fast 90.000 km², damit nimmt das französische Mittelgebirge annähernd 15 % der gesamten Landfläche Frankreichs ein. Der Name des südfranzösischen Gebirgszugs mit seinen dünn besiedelten Naturlandschaften ist leicht erklärt, liegt es doch genau im Zentrum Frankreichs.
Das südfranzösische Gebirge ist keine geografische Einheit, Unterschiede im Klima und in den Bodenverhältnissen in einzelnen Gebirgsregionen des Zentralmassivs sorgen für teilweise völlig veränderte Landschaftsbilder und Vegetation. Zu den Regionen im Zentralmassiv gehören die Auvergne, das Land der Vulkane, die hohen rauen Cevennen, die kargen und doch schon mediterranen Kalkplateaus (Causses) und der bergige Teil des Languedoc-Roussillion mit den Montagne Noir.
Von besonderem Interesse ist, dass sich hier die jüngsten und besterhaltenen Vulkane des europäischen Festlandes befinden. Die frühesten Zeugen der vulkanischen Aktivität im Zentralmassiv sind ca. 60 Mio Jahre alt . In der Auvergne, die die Kernregion des Massiv Central bildet, setzte der Vulkanismus vor ca. 20 Mio Jahren ein. Vor rund 5.000 Jahren fand der Vulkanismus dann im Zentralmassiv sein – vorläufiges – Ende. Damals gab es noch Ausbrüche des Puy de Montcineyre und des Puy de Montchal.
Vulkanismus bezeichnet die Erscheinungen, die auftreten, wenn heißes, flüssiges Gestein (Magma) aus der Erdoberfläche austritt. Der Name stammt von der italienischen Insel Vulcano, die zu den Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer gehören. Bei den Römern galt die Insel als die Schmiede des Vulcanus, des Gottes des Feuers.

Die Erde ist so aufgebaut: Bei dem inneren Erdkern handelt es sich um eine glühend heiße aber feste Metallkugel, die überwiegend aus Eisen besteht. Umgeben ist dieser von einem flüssigen äußeren Erdkern. darüber befindet sich der Erdmantel und auf dem die dünne Erdkruste. Im Mittelpunkt herrschen Temperaturen von ca. 6000 ° Celsius. die Temperatur nimmt zur Erdkruste hin allmählich ab.

In der Tiefe der Erde in 100 km herrschen hohe Temperaturen von bis zu 1300 Grad Celsius. Im oberen Erdmantel und in der unteren Erdkruste befinden sich in verschiedenen Tiefen geschmolzene und gasreiche Gesteinsmassen, die aus dem Erdinneren aufgestiegen sind. Die Gesteine schmelzen hier zu zähflüssigem Magma. Die Stellen, an denen sich das Magma sammelt, nennt man Magmaherde, -diese liegen überwiegend im oberen Erdmantel in 60 – 100 km Tiefe. Beim Aufstieg aus den tieferen Erdschichten kühlt das Magma ab. Dabei werden Gase frei. Liegt der Magmaherd an einer Stelle, an der die feste Erdkruste dünn ist oder wo ein früheres Erdbeben die Gesteinsdecke zerbrochen hat, kann das gasreiche Magma, das einen ungeheuren Druck ausübt, die Gesteinsschichten über dem Magmaherd durchbrechen. Gerade an den Bruchstellen der verschiedenen Kontinentalplatten finden sich viele dieser Spalten und Klüfte. Das Magma steigt dann bis an die Erdoberfläche auf, die geschmolzenen Gesteinsmassen fließen aus, ein Vulkan entsteht. Bei einem Ausbruch treten vulkanische Laven, Staub und Asche sowie Gase durch einen Schlot aus. Am oberen Schlotende bildet sich eine trichter- oder kesselförmige Mündung, ein Krater.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Aufbau_der_Erde#/media/Datei:Aufbau_der_Erde_schematisch.svg
Ursache für den Vulkanismus im Zentralmassiv ist wahrscheinlich ein Hot Spot. Neben den typischen Vulkanen an den Plattengrenzen gibt es auch Vulkane mitten auf den Platten, die von den Geologen Hot Spots genannt werden. An diesen Stellen ist die Wärmekonzentration  in unter 100 km Tiefe besonders hoch. Hier kann dann heißes Material aus dem Erdmantel aufsteigen und die Kruste langsam schmelzen. Ein Vulkan entsteht. Ein Hot Spot ist ein relativ stationärer, sehr heißer Bereich. Die Platte über ihm aber ist in Bewegung, so dass sich der Hot Spot an mehreren Stellen in die Erdkruste einfräst. Dadurch entstehen dann mit der Zeit ganze Vulkanketten. Im Zentral Massiv finden wir z.B. die Vulkankette Chaine des Puys. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von ca. 30 Kilometern und umfasst an die hundert erloschene Vulkane. Auch die sich südlich bzw. südöstlich anschließenden Vulkan-Gebiete der Chaine du Montchal, des Mont-Dore, des Cézallier, des Cantal, des Aubrac, des Devès und des Velay besitzen eine große Vielfalt an vulkanischen und post-vulkanischen Erscheinungen.

Wo finden wir auf dem Weg deutliche vulkanische Erscheinungen?

Schon zu Beginn unserer Wanderung sind im Velay solche Formen zu bewundern.
Das  Velay ist eines der östlichen bedeutenden Vulkangebiete Frankreichs. Es befindet sich am Ostrand des Zentralmassivs und erstreckt sich über ca. 900 qkm. Das zwischen Loire und Allier gelegene Velay setzt sich aus Mézenc-Meygal im Osten, dem Becken von Le Puy in der Mitte und der Chaine du Devès im Westen zusammen. Einer der interessantesten Vulkane des Velay ist ohne Zweifel der in der Nähe von Le Puy-en-Velay liegende Denise, ein strombolianischer Kegel. Leider wurde der Vulkan inzwischen durch den  Puzzolan-Abbau weitgehend zerstört. Puzzolane werden als Zusatzstoffe zur Herstellung von Mörtel oder Beton verwendet, um die Festigkeit und Gefügedichtigkeit des Betons zu bewirken. Schon in der Antike wurden Puzzolane zur Festigung von Keramiken verwendet. In der Renaissance z.B. wurde rote oder schwarze Puzzolanerde als Beimischung zum Kalkputz unter Fresken benutzt. So verwendete beispielsweise Michelangelo die Puzzolanerde für seinen Putz für die Ausgestaltung der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.
Le Puy-en-Velay 
liegt im Departement Haute-Loire in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Die Kleinstadt liegt  625 Meter hoch auf einer Reihe von Felsen in einem Vulkankrater. Blickfang der Stadt sind die Basaltkuppen (Puys), ehemalige Vulkanschlote. Auf dem einen thront die Kirche Saint-Michel d’Aiguilhe (Heiliger Michael auf der Nadel). Auf dem benachbarten Vulkankegel, dem Rocher Corneille, steht die Statue der Notre-Dame de la France, 1860 in einer Grösse von 16 Metern errichtet aus dem Metall von 213 während des Krimkrieges bei Sewastopol erbeuteten Kanonen gegossen. Beide Kegel ragen besonders markant aus der Landschaft hervor, aber auch die anderen Hügel im Umland sind vulkanischen Ursprungs.
Panorama von Le Puy-en-Velay mit Kathedrale (r.) und Saint-Michel d’Aiguilhe (l.)
Panorama von Le Puy-en-Velay mit Kathedrale (r.) und Saint-Michel d’Aiguilhe (l.) // Quelle: Wikipedia
Bei unserer weiteren Wanderung durch das vulkanische Gebiet kommen wir natürlich an zahlreichen mehr oder weniger verwitterten bzw. abgebauten Vulkankratern vorbei. Viele der Erhebungen dienten später auch als idealer Standort für Burgen und Schlösser. Einige weitere bemerkenswerte Beispiele für den Vulkanismus seien noch genannt. Kurz nach Montbonnet erreichen wir das Hochmoor des kreisrunden ehemaligen Vulkansees Lac de l’OEuf. Diese Seen werden auch Maare genannt. Sie entstehen bei einer Explosion, wenn Wasser (Grund- oder Oberflächenwasser) auf heisses Magma trifft. Der davon verursachte Explosionsvorgang führt zu einem Auswurf von Tuffmaterial, das zu mindestens teilweise aus nichtvulkanischem Gestein besteht. Häufig sind die Seen mit Wasser, aber es gibt auch welche, die mit Gesteinsmaterial gefüllt sind. Zwischen St. Come-d’Olt und Espalion durchqueren wir dann noch einmal unmittelbar den Schlot eines ehemaligen Vulkans. Kurz nach Monistrol d’ Allier entdecken wir einen Basaltfächer, der die Form einer überdimensionalen Blume oder eines Palmwedels hat. Zwischen St. Come-d’Olt und Espalion durchqueren wir dann noch einmal unmittelbar den Schlot eines ehemaligen Vulkans. Wenn wir die Ortschaft Aubrac erreicht haben, verlassen wir so langsam das riesige Plateau in südwestliche Richtung und somit auch das Massiv Zentral. Von hier aus geht es über St. Chely d’ Aubrac und St.-Côme d’ Olt nach Estaing fast 1000 Meter hinab ins Tal der Lot. In Golinhac können wir noch einmal einen herrlichen Blick auf die Berge des Cantal und Aubrac werfen.
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