Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Via de la Plata Via Tolosana

Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Hier kommt die Zuordnung

Die Geschichte des Christentums in Spanien zwischen 500 und 1500 ist geprägt von politischen Umbrüchen, religiösen Konflikten und kultureller Vielfalt. In dieser Zeit entwickelte sich das Christentum unter wechselnden Herrschaften und im Spannungsfeld mit dem Islam und dem Judentum.
Und wie kommt es, dass Spanien dann ein Land wurde, wo die Vereinheitlichung des katholischen Christentums im Vergleich zu anderen Ländern so stark war?


1. Westgotisches Reich (ca. 500 – 711)
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches übernahmen die Westgoten die Kontrolle über große Teile der Iberischen Halbinsel. Die Westgoten wanderten um 500 von Südfrankreich, aus dem sie vertrieben wurden, nach Spanien ein, besiegten die Römer und breiteten sich über fast die ganze Halbinsel aus. In Toledo etablierten sie die Hauptstadt ihres Reiches, das auch Toledanisches Reich genannt wurde.
Anfangs waren sie Anhänger des Arianismus, einer vom römischen Christentum abweichenden Glaubensrichtung, die Jesus nicht als gleichwertig mit Gott anerkannte. So gab es zunächst zwei Religionsrichtungen, der westgotische Adel, der arianisch war, und die römische Bevölkerung, die katholisch war. Das führte zunächst zu Spannungen. Der Wendepunkt kam dann als König Rekkared I. 589 zum Katholizismus übertrat, eine Entscheidung, die beim 2. Konzil von Toledo offiziell gekannt gemacht wurde.
Das war wichtig, da dadurch eine religiöse Einheit im Land geschaffen wurde. Kirche und Staat waren eng miteinander verbunden und die Bischöfe gewannen großen Einfluss. Unter der Herrschaft Rekkareds kam es allerdings auch zu einer unerbittlichen Kampagne gegen alle Nichtchristen, vor allem die Juden. Einst eine tolerierte Minderheit, die mit den Römern ins Land kam und erfolgreiche Händler hervorbrachte, wurde nun verfolgt, ihrer Rechte und Besitzungen beraubt und gezwungen zum Christrum zu konvertieren.

= Es entstand so in Spanien ein starkes vom Staat gestütztes Christentum.

https://www.oteripedia.de/images/thumb/3/36/Map_Westgotenreich.jpg/800px-Map_Westgotenreich.jpg

2. Islamische Herrschaft (711 – ca. 1300)
Die Invasion muslimischer Truppen unter Tariq ibn Ziyad (711) und der anschließende Feldzug unter Musa ibn Nusayr zerschlugen das westgotische Königreich innerhalb weniger Jahre. Die Ursachen waren komplex: innere Thronfolgekonflikte, eine geschwächte Aristokratie und eine durch politische Spannungen zerrissene Kirche. Um 1000 war fast ganz Spanien von den Mauren besetzt und wurde zu „Al Andalus“.
Es folgte zunächst eine Zeit der friedlichen Koeistenz der Religionen. Diese Periode wird auch als „la convivencia“ bezeichnet, eine Zeit, in der die drei Religionen relativ friedlich miteinander lebten und von der Anwesenheit der anderen Religionen profitierten. Bildung, Wissenschaft und Fortschritt florierten. Besonders im Kalifat von Córdoba (10. Jh.) war die Gesellschaft relativ tolerant und kulturell hochentwickelt (Wissenschaft, Philosophie).

Wie lebten Christen unter muslimischer Herrschaft?
Christen wurden zu sogenannten Mozarabern, unter dem Islam lebende Christen.
Ihre Rechte waren allerdings eingeschränkt. Auf der einen Seite durften sie ihren Glauben ausüben und ihre Kirchen behalten, allerdings keine neuen bauen, anderseits mussten sie Sondersteuern zahlen und eine politische Unterordnung akzeptieren. Viele Christen übernahmen im Laufe der Zeit auch die arabische Sprache und Lebensweise. Je nachdem welche muslimische Herschaftsdymnastie in Spanien herrschte war das Zusammenleben mehr oder weniger konfliktbehaftet und auch die religiösen Einschränkungen größer oder kleiner.
Die Mozaraber entwickelten ein System kirchlicher Selbstverwaltung unter Fremdherrschaft (Dhimmi-Status), das in Westeuropa ohne Parallele ist. Während fränkische, angelsächsische oder germanische Kirchen mit christlichen Fürsten verhandelten, musste die iberische Kirche ihre Existenz gegenüber einem islamischen Staat rechtfertigen. Die iberische Theologie musste sich permanent mit islamischen Gotteskonzeptionen und dem Koran auseinandersetzen. Dies führte zum einen zu einer Aptation von Einflüssen zum anderen aber auch zu einer innerkirchlichen Auseinandersetzung gegen diese Einflüsse.

Die verschiedenen Bezeichnungen der religiösen Zuordnung weisen auf diese kulturelle gewisse Durchmischung hin.
Muladies: zum Islam konvertierte Christen („zwischen zwei Welten geboren“)
Moriscos: zum Christentum konvertierte Muslime („maurisch“)
Mozarabes: unter dem Islam lebende Christen („arabisiert“)
Mudéjares: unter dem Christentum lebende Muslime („jemand, dem das Bleiben gestattet ist)

= Es entstand eine Mischkultur aus Islam, Christentum und Judentum, aber das Christentum war unter islamischer Herrschaft eingeschränkt.

https://agustinadearagonschool.blogspot.com/2017/05/life-in-al-andalus.html

3. Die Reconquista und die Entstehung der christlichen Königreiche (718–c. 1100)

Die Keimzelle im Norden
Im Jahr 722 – so die christliche Überlieferung – soll die Schlacht von Covadonga stattgefunden haben, in der ein westgotischer Adliger namens Pelayo muslimische Truppen besiegte. Historisch ist dieses Ereignis wohl stark mythologisiert, doch es markierte symbolisch die Entstehung des Königreichs Asturien im kantabrischen Bergland – der ersten dauerhaften christlichen Herrschaft nach dem westgotischen Zusammenbruch.
Die asturischen Könige verstanden sich bewusst als Erben der Westgoten (Neo-Gotismus) und beanspruchten die Wiederherstellung des alten Hispaniens als ideologisches Programm. Dies verlieh der Reconquista eine religiöse und dynastische Legitimation, die weit über reine Territorialpolitik hinausging. Aus dem Königreich Asturien gingen später durch Teilungen und Heiraten die Reiche León, Kastilien, Navarra und Aragonien hervor, während im Nordosten die Katalanischen Grafschaften unter fränkischem Einfluss entstanden.

Die Rolle der Kirche im Wiederaufbau
Die Reconquista wird zwar oft als religiös motivierter „Kreuzzug“ der Christen gegen die Muslime dargestellt. Eine kritische Analyse zeigt jedoch, dass Religion zwar eine wichtige Rolle spielte, aber eng mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren verflochten war. Mit der territorialen Expansion nach Süden gingen intensive Kirchengründungen und Klosterbauten einher. Besonders bedeutsam war:
Die Entdeckung des vermeintlichen Apostelgrabes in Santiago de Compostela (9. Jahrhundert): Das Grab des Apostels Jakobus (Sanctus Iacobus) wurde zur mächtigsten religiösen Legitimationsressource der Reconquista. Santiago entwickelte sich zum dritten Hauptpilgerziel der Christenheit nach Rom und Jerusalem und verband die iberische Kirche nun fest mit dem lateinischen Westen.
Das Klosterwesen – unter den Benediktinern und vor allem den Zisterziensern – wurde zum Zentrum von Schriftkultur, Landerschließung und wirtschaftlichem Aufbau.

= Das Christentum wurde wieder politisch aktiv und expandierend.

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

4. Hochphase der Reconquista (1100–1300)

Jetzt wurde der Konflikt klar religiös aufgeladen. Das zeigt sich z.B. darin, dass im Verlauf der Reconquista das Bild des „Santiago Matamoros“ (Maurentöter) entstand. Legenden berichteten, Jakobus sei in Schlachten erschienen und habe den Christen zum Sieg verholfen. Diese Darstellung hatte eine klare Funktion: Sie legitimierte den Kampf religiös und motivierte Kämpfer, indem sie den Krieg als göttlich unterstützt darstellte. Herrscher nutzten den Jakobus-Kult gezielt, um ihre Macht zu stärken. Die Verbindung von Religion und Herrschaft verlieh militärischen Unternehmungen zusätzliche Legitimität. Zudem wurden die Christlichen Königreiche – unterstützt durch Ritter aus ganz Europa -stärker und besser organisiert.
Ein wichtiges Ereignis in der Reconquista war die Rückeroberung Toledos im Jahr 1085 durch den kastilischen König Alfons VI. Als ehemalige Hauptstadt des Westgotenreiches war die Einnahme ein symbolischer Sieg für die Christen.1088 bestätigte Papst Urban II. den Erzbischof von Toledo als Primas der spanischen Kirche.
Die Schlacht bei Las Navas de Tolosa war dann der entscheidende Wendepunkt. 1212 wurden die Almohaden (eine muslimische Dynastie in Nordafrika und Spanien) von den vereinigten Armeen Kastiliens, Aragons, Navarras und Portugals vernichtend geschlagen. Danach schrumpfte innerhalb weniger Jahrzehnte das islamisch beherrschte Gebiet auf das Emirat von Granada zusammen.

Religiöse Veränderungen werden deutlich.
In eroberten Gebieten wurden Moscheen zu Kirchen umgewandelt. Die Kathedrale von Toledo, ein bedeutendes gotische Bauwerk, wurde ab 1226 an der Stelle einer früheren Hauptmoschee errichtet. Die Umwandlung der berühmten Moschee von Cordoba (Mezquita) in eine Kathedrale erfolgte 1236 nach der Eroberung der Stadt. Es wurden neue Bistümer gegründet. In den eroberten und teilweise entleerten Gebieten wurden christliche Siedler aus ganz Europa, vornehmlich aus Frankreich, angesiedelt. War der Umgang mit Muslimen und Juden anfänglich noch friedlich, kam es später zu einer zunehmenden Diskriminierung und in größerem Maße zu Zwangsbekehrungen.

Im Kontext der gregorianischen Kirchenreform und unter starkem Druck Roms sowie des Kluniazenserordens (Benediktiner aus Cluny) wurde die iberische Kirche tiefgreifend umgestaltet. Die erstrebte Herauslösung der dem Papst untergebenen Kirche aus der Abhängigkeit von weltlichen Gewalten ging mit einer innerkirchlichen Stärkung der Stellung des Papsttums und einer starken Zentralisierung der Kirchenorganisation einher.
In Spanien war die Ablösung der mozarabischen Liturgie durch den römischen Ritus ein Schlüsselereignis, denn es bedeutete die vollständige Integration der iberischen Kirche in die lateinische Christenheit (Latinitas) und somit den Bruch mit einer jahrhundertealten eigenständigen Tradition und die Unterordnung unter die päpstliche Autorität.

= Das Christentum in Spanien wird in die europäische lateinische Christenheit eingegliedert.

https://www.espanaguide.com/images/cordoba/mezquita.jpg

5. Wandel im Spätmittelalter und religiöse Vereinheitlichung (1300–1500)
Gegen Ende der Reconquista – besonders unter Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón – gewann Religion stärker an Bedeutung. So setzte die Eroberung Granada 1492 einen Schlusspunkt der maurischen Herrschaft in Spanien. Die Spanische Inquisition wurde eingerichtet (1478), um religiöse Einheit durchzusetzen. Die zunehmende religiöse Vereinheitlichung mit dem Ziel die „Reinheit des Glaubens“ in Spanien zu sichern ging einher mit einer massiven Intoleranz gegenüber Juden und Muslimen. Sie wurden vor die Wahl gestellt entweder Taufe oder Exil. Aber auch wenn sie konvertiert waren, wurden sie mit Mistrauen bedacht. Die Katholischen Könige, stets geschickte Taktiker, nutzten dieses Gefühl aus. 1478 erwirkten sie erstmals eine päpstliche Bulle von Sixtus IV. zur Gründung die Inquisition, um gegen Konvertiten vorzugehen, deren Bekehrung als unaufrichtig galt.
Denn die sogenannten „Conversos“ standen unter dem Verdacht, nicht wirklich bekehrt zu sein und heimlich religiöse Handlungen ihrer abgelegten Überzeugung zu vollziehen. Der Reichtum der Konvertiten weckte Neid und ihre unsicheren Bekehrungen Hass in einer Bevölkerung, die sich traditionell als Verteidiger des Christentums gegen die Ungläubigen sah. Die Förderung einer einheitlichen katholischen Religionsausübung blieb in den folgenden Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Staat und Kirche. Die Reformation konnte sich in Spanien nicht durchsetzen; keine andere Nation blieb gegenüber den Ideen der Reformation weniger empfänglich.
Übrigens, die Inquisition existierte formal von 1478 – mit Unterbrechungen zu Beginn des 19. Jhs. – bis 1834.

= Spanien wurde offiziell ein streng katholisches Königreich.

Wichtige Entwicklungen im Überblick


• Vor 711 war Spanien überwiegend christlich unter den Westgoten.
• Nach der muslimischen Eroberung entstand Al-Andalus. Über mehrere Jahrhunderte konvertierten viele Christen zum Islam, sodass Muslime zeitweise wahrscheinlich die Mehrheit bildeten.
• Juden lebten sowohl unter christlicher als auch unter muslimischer Herrschaft als bedeutende Minderheit, meist zwischen 2 % und 5 %.
• Mit der christlichen Reconquista wurden Muslime und Juden zunehmend verdrängt oder zwangskonvertiert.
• 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben; 1609 folgte die Vertreibung der Moriscos (zwangschristianisierte Muslime). Dies führte zu einer dominierenden und ausschließlichen Staatsreligion.


Diese Entwicklung war eng verbunden mit Kriegen, politischer Macht, kulturellem Wandel und gesellschaftlicher Entwicklung. Dabei ist wichtig, dass Spanien im Mittelalter das einzige multiethnisches und multireligiöses Land Westeuropas war. Ein Großteil der Entwicklung der spanischen Zivilisation in Religion, Literatur, Kunst und Architektur im späten Mittelalter wurzelte in dieser Tatsache.

Die genauen Anteile der Religionen in Spanien im Mittelalter lassen sich nicht exakt angeben. Die groben Schätzungen von Historiker ergeben folgendes Bild:

Zeitraum

Christen

Muslime

Juden

ca. 500 (Westgotenreich)

~95–99 %

0 %

~1–5 %

ca. 750 (kurz nach der muslimischen Eroberung)

~85–90 %

<10 %

~2–5 %

ca. 1000 (Blütezeit von al-Andalus)

~35–50 %

~45–60 %

~5 %

ca. 1100

~20–35 %

~60–80 %

~5 %

ca. 1300 (Reconquista weit fortgeschritten)

~70–80 %

~15–25 %

~3–5 %

1492 (Fall Granadas)

~90 %+

kleine Minderheit

~1–2 %

nach 1609

fast ausschließlich Christen

offiziell 0 %

offiziell 0 %

Das iberische Christentum als Sonderfall in Europa

Spanien ist deshalb ein Sonderfall in der christlichen Gemeinschaft, weil:
es über Jahrhunderte multireligiös war
• Religion eng mit Krieg, Herrschaftslegitimation und Identität verbunden wurde
• es am Ende eine der strengsten religiösen Vereinheitlichungen Europas entwickelte.

Während viele Regionen Europas langsam christianisiert wurden, war Spanien ein Ort von
Konflikt, Austausch und schließlich radikaler Vereinheitlichung. Die dauerhaften Spannungen zwischen den Religionen, den Kulturen, den militärischen Positionen erzeugten eine religiöse Identität, die intensiver, kämpferischer, eigenständiger und gleichzeitig kultureller war als die der kontinentalen Schwesterkirchen. Diese Identität, die u.a. auch auf dem Verständnis der „Reinheit des Blutes“ beruhte, ging im späten 15. Jahrhundert mit der Reconquista-Vollendung (1492), der Inquisition und dem entstehende Kastensystem in den Kolonien der Neuen Welt in eine neue, welthistorische Phase über, die wiederum ohne das mittelalterliche Erbe nicht denkbar ist.

Die Verteilung der Religionen in Spanien heute

Ungefähr sieht die Verteilung derzeit so aus:
• etwa 55–56 % Katholiken
o davon nur rund 15–20 % praktizierend
o der größere Teil bezeichnet sich als „kulturell“ oder nicht praktizierend katholisch
• ca. 39–40 % konfessionslos
o darunter Atheisten, Agnostiker und religiös Indifferente
• etwa 3–5 % andere Religionen
o vor allem Muslime, außerdem Protestanten, Orthodoxe, Buddhisten und Juden

Wichtige Trends in den letzten 50 Jahren:
• Spanien war bis in die 1970er fast vollständig katholisch (über 70%).
• Seitdem nimmt die Säkularisierung stark zu.
• Besonders junge Menschen sind oft konfessionslos.
• Gleichzeitig wächst die religiöse Vielfalt durch Einwanderung.

Im Gegensatz zu den Zahlen sind viele Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit weiterhin präsent, oft verbunden mit lokalen Festen. Zahlreiche katholische Kulturpraktiken sind in der Bevölkerung präsent, wie katholische Taufen und Beerdigungen, Prozessionen in der Karwoche, Pilgerfahrten (wie der Jakobsweg ), Verehrung von Schutzheiligen und Feste.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Kultur Kultur Kultur Kultur Kultur Kultur Via de la Plata Via Tolosana

Einige Verhaltens- und Sprachtipps für Jakobspilger in Spanien

Einige Verhaltens- und Sprachtipps für Jakobspilger in Spanien

Hilfreiche Verhaltensweisen

Wenn Sie in Spanien unterwegs sind, gibt es einige hilfreiche Verhaltensweisen, die gut ankommen und helfen, respektvoll und entspannt aufzutreten und auch so behandelt zu werden.

Freundliche Kontaktaufnahme
Spanier sind oft kontaktfreudig, herzlich und stolz. Ein freundliches „Hola“ oder „Buenos días“ beim Betreten eines Geschäfts, einer Bar, eines Restaurants, einer Herberge erleichtert auf jeden Fall die Kontaktaufnahme.
Höflichkeit im Alltag
Bitte und Danke („por favor“, „gracias“) werden grundsätzlich geschätzt. Gerade in Restaurants, Hotels und Herbergen macht ein höflicher Ton viel aus.
Gelassenheit mitbringen
In Spanien läuft manches entspannter als in Deutschland oder anderen Ländern. Man sieht das Leben nicht als Effizienzmaschine. Service kann manchmal langsamer sein – Geduld oder besser Duldsamkeit (d.h. Geduld, Nachsicht und Toleranz) hilft sehr im Umgang miteinander.
Essenszeiten respektieren
Mittagessen („almuerzo“) gibt es oft erst ab 14 Uhr, Abendessen („cena“) häufig ab 21 Uhr. Viele Restaurants öffnen früher gar nicht richtig. Nehmen Sie sich Zeit fürs Essen, probieren Sie lokale Spezialitäten und hetzen Sie möglichst nicht. Seien Sie nicht verwundert, wenn die Bediensteten manchmal etwas ernst sind oder etwas vermeintlich Schroffes ausstrahlen. Sie schauen manchmal streng, meinen es aber gut mit den Essern!
Trinkgeld geben?
Geldangelegenheiten werden mit Takt erledigt. Niemand wird Sie drängen, die Rechnung zu zahlen. Man rundet den Betrag nicht direkt beim Zahlen auf, sondern man bekommt das Wechselgeld meist auf einem Plastikschälchen gereicht. Sie sind dann frei, ein paar Münzen liegen zu lassen, viel muss es aber nicht sein.
Der Platz an der Theke
Wenn man sich nur kurz in einer Bar aufhält, steht man meistens am Tresen (Hinsetzen ist teurer), erledigt Essen und Trinken, zahlt und geht hinaus. Es gehört zu den kulinarischen Besonderheiten, dass Alkohol nicht allein serviert wird, sondern dass ein paar Oliven, ein Tellerchen Nüsse oder Kartoffelchips, ein Happen Tortilla mit dabei sind. Gewöhnungsbedürftig ist, dass Olivenkerne, Zahnstocher, Papierservietten – alles darf auf den Boden geworfen werden. Irgendwann kommt jemand mit dem Besen und fegt alles wieder weg.
Was man eher vermeiden sollte:
– Regionale Themen belehrend diskutieren
– Wenn, dann nur sehr sensibel über den spanischen Bürgerkrieg reden – es ging hier um einen Bruderkrieg – eine ideologische Kluft – und die Wunden sind teilweise noch nicht verheilt
– Klischees über Spanien erzählen, das Land ist viel zu vielfältig und schön
– Ungeduldig im Restaurant sein
– Sich über langsameres Tempo beschweren
– Nur Englisch oder Deutsch erwarten
Besonders gut kommt an:
– Der Versuch, zumindest ein paar Worte spanisch zu sprechen
– Ein ehrliches „Qué bonito aquí“ (Wie schön hier)
– Viele Regionen haben starke eigene Identitäten, Interesse daran positiv.
– Interesse an Essen, Landschaft, Kultur

Wichtige Redewendungen
Ein paar wichtige spanische Redewendungen zu lernen, bevor Sie sich auf den Camino de Santiago de Compostela begeben, kann bereichern sein. So können Sie leichter mit Einheimischen in Kontakt kommen, sich besser orientieren und Respekt für die lokale Kultur zeigen. Ob es um Begrüßungen, Wegbeschreibungen oder das Bestellen von Essen geht – der Versuch, Spanisch zu sprechen, wird geschätzt, ganz unabhängig von der Grammatik und der Aussprache. Wenn sie spanisch sprechen oder es versuchen, öffnen sich Ihnen die spanischen Herzen!  “Animo” – Nur Mut!

Unten sind einige Redewendungen für unterwegs, in Unterkünften  und  in Cafes/Bars/Restaurants zusammen-gestellt.                                                     

 

Deutsch

Spanisch

Hallo

Hola

Guten Morgen

Buenos días

Guten Tag / Guten Abend

Buenas tardes

Gute Nacht

Buenas noches

Danke

Gracias

Bitte

Por favor

Guten Weg!

Buen Camino

Wo ist der Camino?

¿Dónde está el Camino?

Bin ich richtig nach Santiago?

¿Voy bien hacia Santiago?

Wie viele Kilometer fehlen noch?

¿Cuántos kilómetros faltan?

Gibt es ein Albergue in der Nähe?

¿Hay un albergue cerca?

Ich habe eine Reservierung

Tengo una reserva

Ein Bett für eine Nacht, bitte

Una cama para una noche, por favor

Wie viel kostet das?

¿Cuánto cuesta?

Wasser, bitte

Agua, por favor

Die Rechnung, bitte

La cuenta, por favor

Wo ist die Toilette?

¿Dónde está el baño?

Ich brauche Hilfe

Necesito ayuda

Mein Fuß tut weh

Me duele el pie

Können Sie langsamer sprechen?

¿Puede hablar más despacio?

Ich spreche nur wenig Spanisch

No hablo mucho español

Deutsch

Spanisch

Haben Sie ein freies Bett?

¿Tiene una cama libre?

Gibt es noch Platz?

¿Hay sitio?

Ich habe eine Reservierung.

Tengo una reserva.

Ein Bett für eine Nacht, bitte.

Una cama para una noche, por favor.

Wie viel kostet es?

¿Cuánto cuesta?

Wo ist das Badezimmer?

¿Dónde está el baño?

Gibt es eine Dusche?

¿Hay ducha?

Gibt es WLAN?

¿Hay wifi?

Wann ist Check-in?

¿A qué hora es el check-in?

Wann muss ich gehen?

¿A qué hora tengo que salir?

Kann ich meine Kleidung waschen?

¿Puedo lavar la ropa?

Wo kann ich mein Fahrrad abstellen?

¿Dónde puedo dejar la bicicleta?

 

Deutsch

Spanisch

Einen Kaffee, bitte.

Un café, por favor.

Ein Frühstück, bitte.

Un desayuno, por favor.

Ein Sandwich / Bocadillo, bitte.

Un bocadillo, por favor.

Wasser ohne / mit Kohlensäure

Agua sin gas / con gas

Was empfehlen Sie?

¿Qué me recomienda?

Ich hätte gern das Tagesmenü.

Quisiera el menú del día.

Die Rechnung, bitte.

La cuenta, por favor.

Kann ich mit Karte zahlen?

¿Puedo pagar con tarjeta?

Haben Sie etwas Vegetarisches?

¿Tiene algo vegetariano?

Wo ist die Toilette?

¿Dónde está el baño?

Quellen

Paul Ingendaay, Gebrauchsanweisung für Spanien, München, 2. Aufl. 2024

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Historisches Via de la Plata Via Podiensis Via Tolosana

Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Hier kommt die Zuordnung

Wer war dieser Elias Valina Sompredo (* 2. Februar 1929; † 11. Dezember 1989)?
Elias Valina Sampedro ist der Visionär, der in den 70iger Jahren des 20. Jhs. den Jakobsweg wiederbelebte und die Pilgerfahrt, wie wir sie heute kennen, ins Leben rief. Er wurde 1929 in der Nähe von Sarria geboren. Mit einer fundierten Ausbildung war Elías promovierter Theologe und Experte für Kirchenrecht. Nach der Priesterweihe wurde er 1959 im Alter von 30 Jahren Pfarrer in O Cebreiro, einem einfachen abgelegenen Bergdorf direkt am Eingang des Französischen Weges in Galicien. Ein Erklärung, warum er, der auf Grund seiner Qualifikation für ein höheres kirchliches Amt prädestiniert war, nach O Ceibreiro versetzt wurde, konnte ich nicht finden. Er verstarb am 11. Dezember 1989 in O Cebreiro, wo er in seiner Basilika Santa Maria Real begraben wurde. Vor dem Gotteshaus erinnert eine Statue an diesen Mann, der die verschiedenen Förderer des Jakobswegs maßgeblich prägte und vielen noch heute als Vorbild dient. Valiña starb mit Mitte sechzig und konnte die Früchte seiner Arbeit und seines Engagements für die Wiederentdeckung, Förderung und Verbreitung des Jakobswegs nur teilweise miterleben. Ob er allerdings mit der heutigen Entwicklung des von ihm favorisierten Camino Francés zufrieden wäre, ist zumindest zweifelhaft

Von vicky_petereit - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1333101

Persönlich zeichnete sich Elias Valina wohl durch eine bemerkenswerte Einfachheit, Offenheit und Klarheit in Denken und Handeln aus. Er wird als unermüdlich beschrieben, als ein geborener Arbeiter an allen Fronten, der sich auch nicht vor Konfrontationen mit der amtlichen Kirche scheute. Für sein Handeln war die Vision einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Pilgerfahrt von entscheidender Bedeutung. Leider gibt es bis heute kein umfassendes, abgerundetes und im Kontext der damaligen Zeit erstelltes Porträt von Elías Valiña. So bleiben einige Aussagen doch recht vage und bestimmte Ungereimtheiten lassen sich nicht klären. Eine Zusammenstellung von Artikeln, Dokumentationen, Bildern und eine Dokumentarfilm über Elias Valina findet man unter: https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

Sein Weg
Nachdem Elias Valiña nach O Cebreiro versetzt wurde, wurde er sofort aktiv und begann den Ort grundlegend zu verändern. Er rettete die baufällige vorromanische Kirche vor dem Einsturz und renovierte die Nebengebäude. Außerdem sorgte er durch seinen Einsatz bei Regierung, Kirche und Versorgungsunternehmen für Wasser, Strom und Verkehrsanbindung in der Gemeinde.
Aber er war nicht nur Priester, sondern auch Historiker, Forscher und Schriftsteller. Er war besonders an der Geschichte des Jakobsweges interessiert und verfasste kultur-wissenschaftliche Schriften zum Jakobsweg, zu denen u.a. seine Dissertationsschrift von 1965 El Camino de Santiago. Estudio histórico-jurídico gehört, und den Guia del Peregrino, den ersten modern Pilgerführer für den Camino Francés. Seine Doktorarbeit, die er 1965 an der Päpstlichen Universität Salamanca verteidigte, wurde mit dem angesehenen Antonio-de-Nebrija-Preis des CSIC ausgezeichnet.

Neben seinen Forschungen verfolgte Elías eine ganz persönliche Mission: dem alten Jakobspilgerweg in Nordspanien, der damals stark in Vergessenheit geraten war, neues Leben einzuhauchen. Er bereiste den heute „Camino Francés“ genannten Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zu Fuß und im Kleinbus und orientierte sich dabei anhand historischer Karten, verfallener Kirchen und Ortsnamen. So restaurierte er zahlreiche verlorene Abschnitte dieser Route von Frankreich bis Galicien und markierte den Weg mit dem gelben Pfeil. Dabei wurde er von Bürgermeistern, Pfarreien und Pilgervereinen unterstützt. Dies geschah Ende der 70er und Anfang der 80iger Jahre. Unterwegs knüpfte er Freundschaften mit Menschen und baute so langfristig ein Netzwerk von Unterstützern auf, die wie er die Idee des Jakobsweges wiederbeleben wollten. Ihm verdankt die iberische Halbinsel somit nicht nur die Belebung der Jakobspilgerschaft sondern auch den Wiederaufbau eines Pilgerherbergsnetzes entlang des Camino Santiago. Die treibende Kraft hinter der weiteren Wiederbelebung waren auch die aufstrebenden spanischen und europäischen Jakobinervereinigungen, die Elías Valina unermüdlich als Verteidiger des Weges und seiner Werte gefördert hatte. Diese Vereinigungen, in denen Elias Valiña von 1985 bis 1987 als Kommissar des Jakobswegs fungierte, legten auf dem renommierten Ersten Internationalen Jakobinerkongress im September 1987 den Grundstein. Dieser Kongress fiel zeitlich mit der Erklärung des Jakobswegs zur Ersten Europäischen Kulturroute durch den Europarat zusammen.

Der gelbe Pfeil
Eines der bekanntesten Vermächtnisse von Elías Valiña ist der gelbe Pfeil als Wegweiser für Pilger. Er selbst, mit Pinsel und der Hilfe von Freiwilligen, malte Hunderte davon von Roncesvalles bis Santiago. Auch wenn nicht sicher ist, ob er der erste war, so war er doch derjenige, der die gelben Pfeile verbreitete und als Symbol des Weges etablierte. Es gibt eine legendäre Geschichte, wonach er in den Pyrenäen von der Guardia Civil beim Pfeile malen aufgegriffen wurde. Auf die Frage, wer er sei und was er da mache, soll er denen, die ihn als Kollaborateur der ETA verdächtigten, provokativ geantwortet haben: „Ich bereite eine Invasion vor“. Betrachtet man die Entwicklung der Jakobsbewegung gerade auch in den letzten Jahren, kann man ihn mit Fug und Recht als Visionär bezeichnen.
Neben den praktischen Tätigkeiten prägte er auch eine Vision des Weges als spirituellen, kulturellen und menschlichen Begegnungsraum. 1966 eröffnete er in O Cebreiro eine Herberge und ein Gasthaus für Pilger. Seine Herberge setzte Maßstäbe für viele gemeinnützige Pilgerherbergen.

„Boletín del Camino de Santiago“
Ab 1985 förderte er als Koordinator des Jakobswegs die Gründung der meisten spanischen Jakobusvereine und leitete in der Anfangsphase das „ Camino de Santiago Bulletin“ .
Zwischen 1985 und 1987 verfasste und redigierte Valiña persönlich das Bulletin eine handgemachte, aber wichtige Publikation zur Wiederbelebung des Weges. Ihr Ziel war es, Menschen, die sich für den Jakobsweg engagierten, zu vernetzen, Neuigkeiten, Erfahrungen und Initiativen zu teilen und die junge Jakobusbewegung zu stärken.

Elías-Valiña-Preis
1996 rief die Xunta de Galicia den Elías-Valiña-Preis ins Leben, um Personen und Organisationen auszuzeichnen, die sich besonders für die Erhaltung und Förderung des Jakobswegs eingesetzt haben. Dieser jährlich vergebene Preis ehrt sein Andenken und würdigt jene, die seinem Beispiel folgen – ein Aufruf, den Geist des Jakobswegs, den er wiederbelebte, lebendig zu halten.
So kann man hoffen, dass gerade der französische Weg, der ihm ja so am Herzen lag, sich nicht zu einer reinen touristischen Attraktion entwickelt – eine Gefahr, die mit dem Verlust der religiösen oder zumindest spirituellen Komponente der Route einhergeht, und zur fortschreitenden Kommerzialisierung und Trivialisierung des Erlebnisses führt.

Übrigens:

Santiago de Compostela, Spanien, 9. Februar 2026 – Die Xunta de Galicia hat bekannt gegeben, dass die Jakobusbruderschaft Kroatien mit dem 26. Elías-Valiña-Preis ausgezeichnet wurde. Sie gehört damit zu einer ausgewählten Gruppe von Pilgerorganisationen, die sich für den Erhalt der Werte des Jakobswegs einsetzen.Der Jakobsweg ist seit jeher eine gemeinsame europäische Reise, auf der Pilger aus ganz Europa seit über tausend Jahren nach Santiago de Compostela und wieder zurück wandern. Kroatiens Jakobsweg-Tradition reicht bis ins Jahr 1203 n. Chr. zurück, archäologische Funde deuten sogar auf noch ältere jakobinische Traditionen hin. Heute führt Kroatiens 2.400 km langes Wegenetz des Jakobswegs dieses Erbe fort und verbindet kulturelles Erbe, atemberaubende Landschaften und authentische Gastfreundschaft.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39386121 Teil seines Wohnhauses
Von amaianos - originally posted to Flickr as O Cebreiro, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9397322 Kirche Santa Maria in O Cebreiro
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Historisches Historisches Historisches Historisches Via de la Plata Via Tolosana

Warum ist das maurische Erbe auf unseren Wegen sichtbarer als das jüdische?

Warum ist das maurische Erbe auf unseren Wegen sichtbarer als das jüdische?

Hier kommt die Zuordnung

Auf unserer Pilgerschaft begegnen wir immer wieder Elementen der muslimischen Kultur (z.B. Alcazare, Paläste, die Mudéjar-Kunst), aber in kaum einer Stadt gibt es noch sichtbare Objekte des jüdischen Erbes. Man fragt sich, voran liegt das?
(s. dazu auch die Ausführungen im Kapitel „Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien“)

Das maurische Erbe ist in Spanien sichtbarer als das jüdische, weil historische Dauer, Machtverhältnisse, Vertreibungspolitik und materielle Hinterlassenschaften sehr unterschiedlich waren. Die wichtigsten Gründe im Überblick:

1. Politische Macht, Dauer und Erbe
• Die muslimische-maurische Herrschaft (al-Andalus) dauerte rund 700-800 Jahre (711-1492) über fast die ganze iberische Halbinsel
Muslime stellten über lange Zeit die politische und kulturelle Elite: Emirate, Kalifate, Königreiche
• Wer herrscht, demonstriert seine Macht mit sichtbaren Monumenten: Palästen, Moscheen, Städten
• Die Juden dagegen lebten fast immer als Minderheit ohne politische Macht, auch wenn sie zeitweise großen Einfluss als Gelehrte, Ärzte oder Verwaltungsbeamte hatten.
Das Maurische Erbe war sichtbar, monumental und spektakulär.
Das Jüdische Erbe war mehr immateriell – intellektuell (Philosophie, Medizin, Übersetzungen, Recht). Zudem gingen viele Texte verloren oder wurden durch aus Spanien vertriebene Juden im Exil weitergeführt.

Alcazar von Granada Von Jebulon - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9846975

2. Architektur und materielle Kultur
• Das maurische Erbe ist architektonisch spektatulär, z.B. die Alhambra (Granada), die Mezquita (Cordoba), die Giralda (Sevilla) oder die vielen Alcazare (Burgen)
• Diese Bauwerke waren zu groß, zu wertvoll und zu funktional, um sie komplett zu zerstören; oft wurden sie auch für christliche Nutzung umfunktioniert.
• Jüdisches Leben hinterließ weniger monumentale Bauten.
Synagogen waren eher kleiner, wurden teilweise zerstört oder umgebaut.
Juderías (jüdische Viertel) sind architektonisch wenig sichtbar im Stadtbild

Mezquita -Kathedrale von Cordoba Von Richard Mortel from Riyadh, Saudi Arabia - Great Mosque of Cordoba, interior, 8th - 10th centuries (38), CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69778364

3. Vertreibung und gezielte Auslöschung
• 1492 – das Alhambra—Edikt mit seinen Konsequenzen für die Juden -Zwangskonversion, Exil oder Tod – führten zu einer massiven Vertreibung der Juden.
• Die Inquisition mit ihrem brutalen Vorgehen gegen die „Conversos“ (die getauften Juden) und die systematische Vernichtung jüdischer Symbole, Bücher und Rituale führte zu einer Zerstörung sichtbaren jüdischen Lebens.
• Ziel war die systematische Vernichtung des jüdischen Erbes – die Auslöschung einer jüdischen Identität. Juden wurden stärker mit „Unreinheit“ und Verrat assoziiert als Muslime und Jüdisches wurde theologisch als gefährlich eingestuft.

4. Umgang mit dem maurischen Erbe nach der Reconquista
• Auch Muslime wurden verfolgt und schließlich vertrieben. Moriscos – Muslime unter christlicher Herrschaft – wurden 1492 zur Konversion gezwungen und zwischen 1609-1614 systematisch vertrieben
• Aber:
Maurische Architektur wurde als „exotisch“ und „kunstvoll“ eingeschätzt
Der Mudéjar-Stil – die Mischung aus christlichen und maurischen Elementen bei christlichen und profanen Bauwerken – wurde ein Teil der christlich-spanischen Identität. Er findet sich auch heute nur in Spanien.
• Das maurische Erbe wurde später im Europa der 19. Jhs. romantisiert.

Das maurische Erbe ist sichtbarer, weil es von Herrschern geschaffen, architektonisch monumentaler, weniger vollständig zerstörbar und kulturell akzeptiert wurde.
Das jüdische Erbe hingegen wurde gezielt zerstört, entmachtet und aus dem nationalen Gedächtnis verdrängt.

Wo ist jüdisches Leben des Mittelalters heute noch entlang der Jakobswege gut sichtbar?

Die Judenviertel (Judérias) lagen meist innerhalb der Mauern, aber am Rande der Altstadt, oft wegen des Handels in der Nähe eines Stadttores. Typische sind sehr enge verwinkelte Gassen und Sackgassen, damit das Viertel nachts relativ leicht geschlossen werden konnte. Die Häuser hatten eine schlichte Fassade und einen Innenhof, da das Leben eher nach inneren gerichtet war. Einige Synagogen wurden in Kirchen umgewandelt.

Toledo (Camino de Levante / Camino del Sureste)
Toledo entwickelte sich nach der christlichen Eroberung zu einem einzigartigen Ort des Wissenstransfers. In der sogenannten Übersetzerschule von Toledo arbeitete ein Kollegium von Mozarabern, Juden und lateinischen Autoren daran, wissenschaftliche und philosophische Schriften aus der Antike ( u.a. Aristoteles, Platon) aber auch genuin arabische Schriften aus dem Arabischen ins Lateinische zu übersetzen. Jüdische Gelehrten lieferten hier auf Grund ihrer Mehrsprachigkeit einen großen Beitrag. Toledo war eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens im mittelalterlichen Kastilien.
• Hier stehen zwei mittelalterliche Synagogen: Santa María la Blanca und El Tránsito (auch Sephardisches Museum) – heute als Monumente erhalten.
• Die historische Judería mit engen Gassen ist gut erkennbar.

Synagoge von Corduba By © José Luiz Bernardes Ribeiro, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25181308

Cordoba (Camino Mozárabe /andalusischer Jakobsweg)
Cordoba war im 10. Jh. eines der wichtigsten Zentren jüdisch-arabischer Kultur. Hier lebten Gelehrte, Ärzte und Dichter in enger Nachbarschaft zu muslimischen Eliten.
• Eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Synagogen Spaniens befindet sich in Córdoba.
• Sie gehört zu den bedeutendsten gotisch-mudéjarischen Bauwerken jüdischer Architektur.
• Die Judería ist noch deutlich mit ihren engen Gassen zu erkennen.

Von Menesteo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7674241

Segovia (Camino de Madrid)
Segovia war ebenfalls eine wichtige jüdische Gemeinde im Mittelalter.
• Diese Stadt verfügt über ein prächtiges saniertes Jüdisches Viertel mit einem didaktischen Zentrum Centro Didáctico de la Judería.
• Die Alte Hauptsynagoge im ehemaligen jüdischen Viertel ist heute als Fronleichnamskirche erhalten, wurde aber restauriert und zeigt die mittelalterliche Struktur.
• „El Pinarillo“,der alte jüdische Friedhof, liegt sehr schön, enthält allerdings keine Grabsteine mehr.

Barrio de Santa Cruz ehemals jüdisches Viertel in Sevilla CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1624393

Sevilla (Via de la Plata, Camino Mozárabe)
war durch eine große, kulturell und wirtschaftlich bedeutende Gemeinde geprägt mit dem Viertel Barrio Santa Cruz. Es beherbergte das größte jüdische Viertel in Andalusien und das zweitwichtigste im Königreich Kastilien.
• Das Judenviertel Santa Cruz ist Zeugnis der Geschichte mit einem Besucherzentrum
• Ehemalige Synagoge, heute die Kirche Santa Maria la Blanca

Sagunto (Camino de Levante)
Sagunto lag im Mittelalter der der Nähe wichtiger Pilger- und Handelswege.
• gut erhaltener jüdischer Stadtteil. Die Straßenführung ist praktisch genauso erhalten, wie sie von den ab dem 1. Jh. in Sagunto lebenden Sepharden angelegt wurde.
• jüdischer Friedhof

Tudela (Navarra) (Camino del Ebro)
Tudela war ein bedeutendes jüdisches Zentrum Navarras mit mindestens drei Synagogen im alten und zwei im neuen Judenviertel.
• alte Judería erkennbar im Stadtbild durch die eindeutig jüdische Prägung der Gassen sowie die Häuser aus Lehmziegeln und Backsteinen mit Verzierungen im Mudéjar-Stil
• keine große Synagoge mehr erhalten

Lorca (Region Murcia) (Camino del Sureste)
Dank archäologischer Ausgrabungen in der Burg von Lorca ist erkennbar, dass es an der Ostseite der Burg ein Judenviertel gab.
• Archäologische Reste einer mittelalterlichen Synagoge im ehemaligen Judenviertel wurden freigelegt.
• Es wurden mehrere Häuser entdeckt, aus denen verschiedene Objekte ins Städtische Museum für Archäologie gebracht wurden.

Von vielen weiteren bedeutenden jüdischen Siedlungen in verschiedenen Städten Spaniens sind heute wenige sichtbare Überreste erhalten.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen

Sagunto (Camino de Levante)
lag im Mittelalter der der Nähe wichtiger Pilger- und Handelswege.
• gut erhaltener jüdischer Stadtteil. Die Straßenführung ist praktisch genauso erhalten, wie sie von den ab dem 1. Jh. in Sagunto lebenden Sepharden angelegt wurde.
• jüdischer Friedhof

Tudela (Navarra) (Camino del Ebro)
Tudela war ein bedeutendes jüdisches Zentrum Navarras mit mindestens drei Synagogen im alten und zwei im neuen Judenviertel.
• alte Judería erkennbar im Stadtbild durch die eindeutig jüdische Prägung der Gassen sowie die Häuser aus Lehmziegeln und Backsteinen mit Verzierungen im Mudéjar-Stil
• keine große Synagoge mehr erhalten

Lorca (RegionMurcia) (Camino del Sureste)

Dank archäologischer Ausgrabungen in der Burg von Lorca ist erkennbar, dass es an der Ostseite der Burg ein Judenviertel gab.
• Archäologische Reste einer mittelalterlichen Synagoge im ehemaligen Judenviertel wurden freigelegt.
• Es wurden mehrere Häuser entdeckt, aus denen verschiedene Objekte ins Städtische Museum für Archäologie gebracht wurden.

Von vielen weiteren bedeutenden jüdischen Siedlungen in verschiedenen Städten Spaniens sind heute wenige sichtbare Überreste erhalten.

Categories
Camino de Levante Historisches Historisches Historisches Historisches Via de la Plata

Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien – eine wechselhafte Geschichte

Die Situation der Juden im Mittelalter in Spanien – eine wechselhafte Geschichte

Hier kommt die Zuordnung

Die Geschichte der Juden in Spanien reicht mehr als 2000 Jahre bis in die Zeit des Römischen Reichs zurück. Über viele Jahrhunderte hinweg entwickelte sich auf der iberischen Halbinsel ein reiches jüdisches Leben, das im Mittelalter unter islamischer und später auch christlicher Herrschaft kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich große Bedeutung erlangte. Diese lange Geschichte war jedoch keineswegs gradlinig: Zeiten relativer Sicherheit und Blüte wechselten mit Phasen der Diskriminierung, Verfolgung und Gewalt ab. Ihren dramatischen Endpunkt fand diese Entwicklung im Jah1492 mit dem „Alhambra-Edikt“ der katholischen Könige Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon, das Juden zur Konversion oder zur Emigration zwang. Danach war offenes jüdisches Leben in Spanien über Jahrhunderte hinweg nicht mehr möglich.

Von Medievalista - File:Hispania_700_AD.PNG, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15985938

Von der römischen zur westgotischen Herrschaft

Unter römischer Herrschaft lebten die Juden in Spanien vergleichsweise ruhig und waren in die städtischen Strukturen integriert. Diese Situation änderte sich jedoch grundlegend nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches und der Machtübernahme der Westgoten. Besonders nachdem diese zum katholischen Christentum übergetreten waren, verschlechterte sich die Lage der jüdischen Bevölkerung erheblich.
Auf mehreren Reichskonzilen in Toledo, die unter direktem Einfluss der westgotischen Könige standen, wurden zunehmend scharfe antijüdische Maßnahmen beschlossen. Sie reichten von Sondersteuern und wirtschaftlichen Einschränkungen über das Verbot zentraler religiöser Praktiken wie der Beschneidung, der Sabbatruhe und der Feier jüdischer Feste bis hin zu Zwangstaufen und Vertreibungen. Ziel dieser Politik war eine schrittweise Eliminierung des Judentums aus dem westgotischen Reich.
Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass die Eroberung Hispaniens durch muslimische Truppen ab dem Jahr 711 von vielen Juden als Befreiung empfunden wurde. Für andere bedeutete sie sogar die Möglichkeit zur Rückkehr aus dem Exil.

Maimonides war ein bedeutender jüdischerGelehrter Von Dr. Manuel at de.wikipedia - Transferred from w:de:Bild:Maimonides-Statue.jpeg; own work, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3983444

Jüdisches Leben unter maurischer Herrschaft

Toleranz im modernen, aufklärerischen Sinn kannte das Mittelalter nicht. Dennoch gab es in al-Andalus – dem islamisch beherrschten Teil Spaniens – Phasen relativer religiöser Koexistenz, in denen Juden, Christen und Muslime friedlich nebeneinander lebten. Besonders ausgeprägt war diese Phase während der Umayyadenherrschaft in Córdoba (756–1031). Auch während der frühen christlichen Reconquista gab es bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts solche Phasen.
Juden und Christen galten im islamischen Recht als „Schriftbesitzer“ und wurden als sogenannte ahl al-dhimma (geschütztes Volk) unter den Schutz der muslimischen Herrschaft gestellt. Dieser Schutz war jedoch an Bedingungen geknüpft: Sie waren rechtlich nicht gleichgestellt, zahlten eine Sondersteuer (Dschizya), waren vom Militärdienst ausgeschlossen und galten als dem muslimischen Staatsvolk untergeordnet. Zugleich konnten sie ihre Religion – wenn auch nicht öffentlich – ausüben, ihre Gemeinden selbst verwalten und Synagogen unterhalten. Einzelne Herrscher gewährten zudem bestimmten Gruppen wie Händlern, Ärzten oder Gelehrten besondere Privilegien.

Die frühe islamische Zeit wird häufig als „Goldenes Zeitalter“ der jüdischen Kultur in Spanien bezeichnet. Tatsächlich bot al-Andalus günstige Bedingungen für kulturelle und wissenschaftliche Entfaltung, sodass sogar Juden aus anderen Regionen nach Spanien einwanderten. Durch den engen Kontakt mit der arabischen Gelehrtenwelt erhielten jüdische Denker Zugang zu den überlieferten Schriften der Antike, etwa zu den Werken von Aristoteles und Platon. „Sepharad“ – der hebräische Name für Spanien – entwickelte sich zu einem Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit.
Viele jüdische Intellektuelle übernahmen die arabische Sprache und Schrift, ohne ihre religiöse Identität aufzugeben, und stiegen teils bis in hohe Verwaltungsämter am Hof des Kalifats von Córdoba auf. Das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen wird oft mit dem Begriff Convivencia beschrieben – ein Miteinander, das keineswegs konfliktfrei war, aber einen intensiven kulturellen Austausch ermöglichte.
Juden spielten in dieser Zeit eine herausragende Rolle in Verwaltung, Medizin, Wissenschaft und Literatur. Viele waren mehrsprachig: Arabisch diente als Alltagssprache, Hebräisch als Sprache der Religion und Gelehrsamkeit, während Latein oder die romanischen Volkssprachen für den Kontakt mit Christen genutzt wurden. Diese Mehrsprachigkeit machte jüdische Gelehrte zu wichtigen kulturellen Vermittlern und Übersetzern zwischen den verschiedenen religiösen und politischen Machtzentren der Halbinsel.
Mit dem politischen Zerfall von al-Andalus im 11. Jahrhundert endete diese vergleichsweise stabile Phase. In den zahlreichen dann folgenden Taifa-Reichen hing das Schicksal der jüdischen Gemeinden nun stark vom jeweiligen Herrscher ab. Während Juden in manchen Reichen hohe Ämter bekleideten, wurden sie anderswo nur geduldet. Mit dem Vordringen der Almoraviden und vor allem der streng religiösen und fanatischen Almohaden ab ca. 1147 verschlechterte sich die Lage drastisch. Zwangskonversionen, Verfolgungen und Gewalt führten dazu, dass viele Juden entweder zum Christentum übertraten oder in den christlichen Norden Spaniens bzw. nach Nordafrika flohen.

ehemalige Synagoge Ibn Shushan, dann Kirche Santa Maria la Blanca , heute Museum in Toledo

Jüdisches Leben unter christlicher Herrschaft

Auch in den christlichen Reichen der Iberischen Halbinsel war die Stellung der Juden ambivalent. In einer Region, die über Jahrhunderte von militärischen und politischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen geprägt war, galten Juden als eine Minderheit, die keine unmittelbare Bedrohung für die jeweilige Herrschaft darstellte. Ihre Fähigkeiten als Händler, Ärzte, Diplomaten und Verwaltungsfachleute machten sie für christliche Könige zu wertvollen Akteuren.
Mit der Ausdehnung der christlichen Herrschaft nach Süden im Zuge der Reconquista behielten viele jüdische Eliten ihre Funktionen als Hofärzte, Steuereinnehmer, Diplomaten oder Schreiber. Die christlichen Könige aber auch Adel und Klerus zeigten ein ausgeprägtes Interesse an intellektuellem und kulturellem Wissenstransfers. Juden niedrigerer sozialer Schichten waren fest in das städtische Leben integriert und arbeiteten als Handwerker und Kaufleute. Sie unterhielten vielfältige wirtschaftliche und soziale Beziehungen zu ihren christlichen und muslimischen Nachbarn. Ihre Fähigkeit, als diplomatische und wirtschaftliche Vermittler zu fungieren, trug dazu bei, sie unter sowohl muslimischer als auch christlicher Herrschaft – mindestens zeitweise – als geschätzte – und damit geschützte – Minderheit zu etablieren.
Ein herausragendes Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit stellt die Übersetzungsbewegung des Hochmittelalters dar. Besonders in Toledo entstand im 12. und 13. Jahrhundert ein Netzwerk von Gelehrten, das wissenschaftliche Werke aus dem Arabischen ins Lateinische, Hebräische und in romanische Sprachen übertrug. Jüdische Übersetzer spielten hierbei eine Schlüsselrolle, da sie häufig sowohl Arabisch als auch Hebräisch und Latein beherrschten. Die sogenannte „Schule der Übersetzer von Toledo“ war keine feste Institution, sondern eine Vielzahl von Projekten unter kirchlicher und königlicher Förderung. Diese gemeinschaftliche Anstrengung der Übersetzung und kulturellen Vermittlung hatte eine tiefgreifende Wirkung auf das Verständnis der Wissenschaften auf der iberischen Halbinsel und im ganzen christlichen Europa.

Verteibung der Juden aus Sevilla Gemälde von Von Joaquín Turina y Areal - [2], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.o rg/w/index.php?curid=60025695

Verfolgung, Zwangskonversion und Vertreibung

Auch wenn die jüdische Bevölkerung zunächst unter dem Schutz der Krone stand, verschärfte sich mit der Konsolidierung der christlichen Herrschaft ab dem späten 13. Jh. vor allem der religiöse Druck auf die jüdische Bevölkerung. Die Kirche betrachtete das Judentum zunehmend als Bedrohung für die christliche Einheit. Antijüdische Predigten, diskriminierende Gesetze und wirtschaftliche Konkurrenz schürten Ressentiments in der Bevölkerung.
Diese Spannungen entluden sich im Jahr 1391 in einer Welle von Pogromen, die langfristig zu einer Zerstörung des spanischen Judentums führten. Im Frühjahr und Sommer jenes Jahres kulminierten der wachsende christliche Groll gegen den Status und den Reichtum der Juden sowie ein paralleler Anstieg der religiösen Volksfrömmigkeit. Tausende Juden wurden ermordet oder zur Taufe gezwungen. Die daraus entstandene Gruppe der Conversos – der „Neuchristen“ – geriet bald in den Verdacht, ihren früheren Glauben heimlich weiter auszuüben. Der Vorwurf der „Unreinheit des Blutes“ (limpieza de sangre) führte erstmals in Europa zu einer Form der Diskriminierung, die nicht mehr allein religiös, sondern quasi rassisch begründet war. Hinter diesen vordergründigen Argumenten wie Religion und Blut spielen aber auch Faktoren – Machteinfluss, soziale Stellung, Reichtum der Juden und der damit verbundene Neid anderer gesellschaftlicher Akteure – eine wichtige Rolle in diesem Diskriminierungsprozess. Die Juden waren eigentlich im Gegensatz zu den Muslimen nie eine Bedrohung für die christliche Gesellschaft.
Die Verfolgung der Conversos mündete 1478 in die Gründung der Spanischen Inquisition, die ein Klima der Angst und Denunziation schuf. Das Emirat Granada, das letzte muslimische Reich auf der Halbinsel, wurde zum Zufluchtsort vieler Juden – doch auch dieser fiel 1492 an die Christen. Im selben Jahr erließen die katholischen Könige das sogenannte „Alhambra-Edikt“, das Juden und Muslime zwang, entweder zum Christentum überzutreten oder Spanien zu verlassen. Historiker schätzen, dass damals zwischen 130.000 und 300.000 Juden – etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung – betroffen waren.
Die Folge war eine systematische Enteignung und Vertreibung. Mit dem Alhambra-Edikt verschwand das offizielle jüdische Leben aus Spanien. Synagogen wurden zu Kirchen oder Profanbauten umgewandelt, jüdische Friedhöfe zerstört, Juderías umbenannt und in gewöhnliche Stadtviertel integriert. Die Orte blieben, doch ihre jüdische Bedeutung wurde ausgelöscht. Danach war offenes jüdisches Leben in Spanien über Jahrhunderte hinweg nicht mehr möglich.
Viele jüdische Flüchtlinge fanden Aufnahme im Osmanischen Reich, andere in Städten wie Amsterdam oder Hamburg. Wie später auch die Hugenotten in Westeuropa trugen sie in ihren neuen Heimatländern oft maßgeblich zu wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung bei.

Schlussbetrachtung

Die Geschichte der Juden in Spanien ist weder eine einfache Erfolgsgeschichte der Toleranz noch eine durchgehende Leidensgeschichte. Sie zeigt vielmehr, wie produktiv religiöse Vielfalt sein kann – und wie fragil. Wenn die Zusammenarbeit für die Mehrheitsgruppe/die Herrschenden von Vorteil war, dann waren die Gesetze für Minderheiten lax und die Kontakte stabil und umgekehrt. Koexistenz war möglich, aber stets abhängig von politischen Machtverhältnissen, religiösen und gesellschaftlichen Ideologien und ökonomischen Interessen.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Camino del Norte Camino Primitivo Geschichten Geschichten Geschichten Geschichten Geschichten Geschichten Geschichten Via de la Plata Via Podiensis Via Tolosana

Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Geschichten Geschichten

Wie bereichernd ist es, wenn sich verschiedene Erfahrungen verknüpfen lassen!

Wie bereichernd ist es, wenn sich verschiedene Erfahrungen verknüpfen lassen!

Camino Aragonés

Auf unsere Rückreise haben wir Station in Saragossa gemacht. Natürlich gehörte zur Stadtbesichtigung auch ein Besuch des Goya-Museums dazu. Francisco de Goya (1747-1828) war ein berühmter spanischer Maler und Graphiker des Barock. In einem seiner Aquatinto-Zeichnungen stoßen wir auf  Bilder von Äsop.
Wer war Äsop? Äsop war ein antiker griechischer Dichter von Fabeln und Gleichnissen, der wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. Die Fabeln sind von aufgrund der von ihnen vermittelten Lebensweisheiten bis in die heutige Zeit ein allgemein beliebter Lesestoff geblieben.
Für Goya hatte dieser Dichter anscheinend eine besondere Bedeutung, sonst hätte er ihn wohl kaum gezeichnet. Normalerweise wären wir wohl achtlos an dem Bild vorbeigegangen. Doch einige Tage zuvor ist mir eine Fabel von Äsop eingefallen, die viele von uns schon einmal gehört haben und die – so finde ich – noch immer  sehr aktuell ist. Fairer Weise muss ich zugeben, dass ich damals auch erst googeln musste, von wem diese Fabel, die ich im Kopf hatte, stammte.

By Francisco de Goya after Diego Velázquez - This file was donated to Wikimedia Commons as part of a project by the National Gallery of Art. Please see the Gallery's Open Access Policy., CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81978750

Hier die Geschichte:
Wir kamen auf unserem Weg an einer hohen Steinmauer vorbei, an der sich ein Kletterwein mit Trauben hochrankte. Da die unteren Trauben schon geerntet waren, hingen nur noch ganz oben einige blaue Früchte. Leider waren wir zu klein, um sie zu erwischen. Bei unseren missglückten Versuchen fiel mir dann diese Fabel vom Fuchs und den Trauben ein.

Von John Rae - http://www.gutenberg.org/files/24108/24108-h/images/11,1.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10759200

Der Fuchs und die Trauben

(hier übernommen von Christiane Lochmann , https://www.zitronenbande.de/der-fuchs-und-die-trauben/)

An einem warmen Tag im Spätsommer streifte ein Fuchs stolz durch die Landschaft. Sein rotbrauner Pelz glänzte in der Sonne und ein leichter Wind wehte durch die umstehenden Büsche.

Links und rechts zwitscherten ein paar Vögel in den Bäumen und alles schien friedlich und ruhig. Der Fuchs war auf der Suche nach etwas Essbarem und ließ seinen Blick aufmerksam durch die Gegend schweifen.

Sein Magen grummelte fürchterlich, da er den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatte. „Ich brauche unbedingt etwas zu Essen, sonst verhungere ich noch!“, dachte der Fuchs.

Plötzlich erblickte er eine prächtige Weinrebe, die am Dach des alten Bauernhofs wuchs. Die unzähligen Weintrauben daran funkelten in kräftigem Blau in der Sonne. „Oh ja – das ist jetzt genau das Richtige!“, jauchzte der Fuchs und rannte zum Bauernhof. 

Dort angekommen konnte er beobachten, wie die kleinen Meisen und Amseln eine Traube nach der anderen naschten. Die kleinen Vögel konnten überhaupt nicht genug von den Trauben bekommen – so gut schienen sie ihnen zu schmecken.

„Na warte – jetzt hole ich mir auch ein paar Trauben. Das ist doch eine Leichtigkeit für mich!“, dachte der Fuchs und nahm einige Schritte Anlauf. Mit einem großen Satz sprang er in die Höhe und griff mit seiner Pfote nach den Trauben. 

Doch der Fuchs sprang nicht hoch genug. Er verfehlte die leuchtend blauen Trauben und landete mit leeren Pfoten wieder auf dem Boden. 

„Da habe ich wohl zu wenig Anlauf genommen.“, dachte er. „Noch zwei, drei Schritte mehr und ich werde die ganze Weinrebe in meinen Pfoten halten“

Und so nahm der Fuchs erneut Anlauf und sprang in die Höhe. Doch auch beim nächsten Versuch griffen seine Pfoten wieder ins Leere. Erneut landete er ohne Weintrauben auf dem Boden. Verärgert versuchte es der Fuchs wieder und wieder. Doch jeder seiner Versuche ein paar Trauben von der Weinrebe zu pflücken missglückte. 

Eine halbe Stunde später hatte der Fuchs unzählige Versuche gewagt und war vollkommen außer Atem. Doch seine Pfoten blieben leer. Voller Wut und Trotz schnaubte er: „Pah! Wenn die Trauben wenigstens reif und süß wären, würde ich mich ja richtig anstrengen. Aber diese sauren Trauben sind meine Mühe überhaupt nicht wert!“

Die Meisen und Amseln waren die ganze Zeit über vollkommen unbeirrt vom Treiben des Fuchses und naschten eine Traube nach der anderen. Der stolze Fuchs wandte sich mit leeren Pfoten und grummelndem Magen ab und streifte weiter durch die Landschaft. 

die zitronenbande.de

Was ist die Moral der Fabel “Der Fuchs und die Trauben”?


Was ist also die belehrende Absicht dieser Fabel? Zum einen zeigt sie, dass es für uns ganz natürlich ist, etwas abzulehnen oder zu verachten, das nicht in unserer Reichweite ist oder sogar dass man oft das hasst, was man nicht haben kann. Manchmal muss man aber akzeptieren, dass Dinge außerhalb unserer Reichweite liegen.

Zum anderen wird verdeutlicht, dass manche Menschen ihr Scheitern im Nachhinein lieber auf die Umstände schieben, als die wahren Ursachen zu benennen.
Manchmal schieben wir viel zu schnell die Verantwortung für unseren Misserfolg auf andere, um nicht über unseren Anteil nachdenken zu müssen. Der Mechanismus hilft uns mit dem Gefühl des Scheiterns umzugehen. In der Psychologie wird ein solches Schönreden eines Versagens auch als Rationalisierung oder Kognitive-Dissonanz-Reduktion bezeichnet.

Die Geschichte betont somit die Bedeutung von Selbstreflexion und die Wichtigkeit, gegebenenfalls unsere Ziele zu überdenken. Sie ermutigt uns auch Misserfolge zu akzeptieren und daraus zu lernen, um so mit Enttäuschungen umzugehen. 

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Trauben

www.zitronenbande.de/der-fuchs-und-die-trauben/)

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Geschichten Geschichten Via Tolosana

Die „unheimlichen“ Margas oder wie unterschiedlich wir manchmal die Welt wahrnehmen!

Die „unheimlichen“ Margas oder wie unterschiedlich wir manchmal die Welt wahrnehmen!

Camino Aragones

Marie Louise und ich kommen auf unserer Wanderung zu den Margas, jener bizarren Mondlandschaft aus grauen kegelförmig erodierten und verbackenen Steinen zwischen Arrés und Artieda.
Las Margas ist eine eigentümliche Landschaft aus grauen Erosionshügeln, auf denen nicht einmal ein Grashalm wächst. Die Erdhügel bestehen aus grauem, lehmigem Mergel aus dem Eozän. Die heutige Form entsteht dann aus Verwitterungsprozessen und Erosionserscheinungen, die zu einer flächenhaften Abtragung führten. Der Boden wurde somit unfruchtbar und eine reine feste Schotterstruktur ist übriggeblieben

Ich bin fasziniert von diesen geologischen Formen und den Prozessen, die eine solche Formation geschaffen haben. Teilweise sehen die vielen Erdhügel wie riesige Dinosaurierfüße aus. Ich betrete eines der Hügel und schlage vor, dort Pause zu machen. Aber Marie Louise weigert sich standhaft. Für sie strahlen diese Hügel etwas Unheimliches aus. Sie hat das Gefühl, wenn sie darauf treten würde, würde sie wie im Treibsand einsinken und verschwinden. Obwohl der Boden ganz hart ist und man definitiv nicht einsinkt, wollen wir es doch nicht riskieren ;)! Also setzen wir unsere Wanderung fort und eine von uns ist ganz froh, als wir die Karstformationen verlassen und sich die Landschaft wieder in grünen und braunen Farben zeigt.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Geschichten Geschichten Via Tolosana

Arrés – eine Herberge mit besonderer Atmosphäre

Arrés – eine Herberge mit besonderer Atmosphäre

Camino Aragones

Da wir gestern neben dem Besuch des Klosters St. Jean de la Pena eine relative lange und anstrengende Wanderung hinter uns hatten, beschließen wir, es heute langsamer angehen zu lassen und nur eine kurze Strecke zu wandern. Dadurch erreichen wir unser Ziel – die Herberge in Arrés – schon um die Mittagszeit.

Arrés liegt wie die meisten Dörfer in dieser Region auf einem hier felsigen Bergrücken auf 632m Höhe. Es wurde als Wehrdorf angelegt. Die Kirche ist der heiligen Colomba geweiht.
Erstmalige Erwähnung findet er 850 in der Chronik des Klosters San Juan de la Pena. Ein Dokument vom 15. Mai 1090 berichtet vom Austausch einiger Besitzungen zwischen dem Kloster und König Sancho Ramírez, darunter Arrés. Es wechselte häufig den Besitzer. Für 1294 ist ein weiterer Wechsel bekannt: von Artal de Aragón ging es über an König Jaime II. von Aragon, Ende des 15. Jahrhunderts gehört es schließlich zum Kloster Nuestro Señorío de Rueda. Der nie große Ort zählte im 16. Jahrhundert drei Haushalte.
Im Lauf der 1990er Jahre bauten Freiwillige das ehemalige Dorfschullehrerhaus wieder auf und richteten dort eine Pilgerherberge ein. Der stete Durchstrom der Pilger seit Eröffnung der Herberge scheint dem Ort bei seiner Wiederbelebung zu helfen. Inzwischen wurden und werden auch andere Häuser wieder bewohnbar gemacht. Heute leben dort wieder ca. 35 Einwohner. Auf der Spitze des Hügels befindet sich die Bar-Restaurant El Granero del Conde.
Die Herberge hat 22 Betten, ist klein und einfach eingerichtet. Sie arbeiten hier auf Spendenbasis. Soviel zu den „nüchternen“ Daten.

Da wir schon zur Mittagszeit in Arrés ankommen, ist die Herberge noch geschlossen. So wandern wir hinauf zur Bar. Wir stellen einen Tisch der Bar auf ein kleines Plateau in die Sonne, holen uns Essen und Trinken in der Bar und genießen die Ruhe und die herrliche Aussicht über das unter uns liegende Tal und die Pyrenäen in der Ferne.
Nach und nach treffen weitere Pilger ein. So sind wir dann beim leckeren Abendessen fünf deutsche Pilger, ein Franzose, ein italienischer und ein spanischer Hospitalero. Es entwickelte sich in interessantes Gespräch mit einem Sprachengemisch aus deutsch, spanisch und französisch. Neben den üblichen Gesprächen über den Weg wird auch über die Geschichte Spaniens und über die Wunden, die der spanische Bürgerkrieg 1936-39 hinterlassen hat und die auch heute noch nachwirken. So wird auch in Spanien – wie auch in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg – ein wenig der Mantel des Schweigens über diese Zeit gelegt. Das gemütliche Beisammensein und die interessanten Gespräche in einer Herberge, das ist die Situation, die den Jakobsweg auch zu etwas Besonderem machen. Hier in Arrés haben wir sie gefunden. (Leider läuft es nicht in jeder Herberge so.) Anscheinend strömt diese Herberge eine besondere Atmosphäre aus, denn in den Forem finde ich aus 2023 u.a. folgende Bemerkung:
„A memorable evening with a wonderful dinner and companionship at the very welcoming Hospital de Peregrinos.“ Dem können wir uns nur anschließen!

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Geschichten Geschichten Uncategorized Via Tolosana

“Animo!” — “Nur Mut!” Angst lebt im Kopf, Mut im Herzen. Es kommt nur darauf an, von einem zum anderen zu kommen!

"Animo!" -- "Nur Mut"!

Camino Aragones

Bevor wir den Camino Aragones in Angriff nahmen, hatte ich versucht meine Spanischkenntnisse ein wenig aufzufrischen. Aber ehrlich gesagt, sie blieben ziemlich rudimentär. Also nahmen wir einen kleinen Sprachführer mit, der uns die nötigen Hilfestellungen geben sollte. Als ich am ersten Abend den Führer ganz willkürlich an einer Stelle aufschlug, sprang mir ein Wort ins Auge „Animo“ übersetzt mit „Nur Mut“. Überraschend, dass ein solches Wort in einem allgemeinen Sprachführer erwähnt wird. Doch es passte so gut zu unserer Wanderung, dass „Animo“ zum Leitspruch unseres Caminos wurde.

Bedingt durch unser Alter, die doch schwierigen persönlichen Veränderungen in unserem Leben, die im Gegensatz zu den anderen Caminos geringe körperliche Vorbereitung wurde auf dem Camino Aragones manchmal einiges an Konzentration, Anstrengung und auch Mut von uns abverlangt.
In den Pyrenäen war der Weg aufgrund des vielen Starkregens in den Tagen und Wochen zuvor zum Teil recht ausgewaschen, so dass schmale Wege, viele glitschige Steine und große Tritte nach unten schon eine rechte Herausforderung waren.
Auch der Abstieg vom Kloster St Jean de la Pena war nicht ohne! Da in den Foren schon auf die Schwierigkeit hingewiesen wurde, hatten wir zunächst vor, die Straße zu benutzen. Dies wäre aber ein großer Umweg gewesen also dachten wir: „Nur Mut“. So sind wir den kleinen Fußweg abwärts gegangen, der wirklich sehr steinig, schmal und an einigen Stellen vorsorglich mit Seilen gesichert war. Dank unserer Bergerfahrung war es nicht einfach aber doch gut zu meistern.

Und manchmal ist es auch die eigene Überschätzung, die einen nötigten mit animo weiterzugehen, um die letzten Kilometer bis zur Herberge zurückzulegen. Waren wir, was die Distanzen zwischen unseren Etappen betraf, am Anfang noch recht vorsichtig, trauten wir uns von Tag zu Tage mehr zu, zumal auch der Rucksack plötzlich viel leichter wurde, obwohl sich am Inhalt nichts geändert hatte! So dehnten wir die Länge unserer Etappen zwar aus, ohne allerdings genau das Höhenprofil anzuschauen. Kilometer ist halt leider nicht im gleich Kilometer, was die Anstrengungen und Herausforderungen betrifft!
Gerade diese Herausforderungen sind es, die den Weg ausmachen und ein fröhliches „Animo“, das wir uns dann zuriefen, ließ uns jede Anstrengung gut meistern.

Hier vielleicht noch eine Anmerkung: wenn ich manchmal die Fragen in den Foren lese und die Ängste und Unsicherheiten anschaue, die Menschen bei der Planung eines Camino bewegen, dann denke ich oft, „Nur Mut!“, ihr schafft das schon, aber ihr könnt nicht alles absichern und vorausplanen. Pilgern heißt doch auch das Vertraute zu verlassen und Veränderung zuzulassen. Jeder Weg hat seine Unwägsamkeiten – und das ist gut so, denn das macht den Weg aus. Es ist einfach Hunderten von Leuten hinterherzulaufen, aber es verlangt Mut, seinen eigenen Weg zu gehen und spontan mit Schwierigkeiten klar zu kommen. Je mehr einem das gelingt, um so stärker kommt man von diesem Weg zurück, umso mehr Zutrauen hat zu sich und dem Leben!
Ich habe in einem Buch folgenden Spruch gelesen, der mir aus dem Herzen spricht:

                                                                         Angst lebt im Kopf, Mut im Herzen.
                                            Es kommt nur darauf an, von einem zum anderen zu kommen!    

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Translate »