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Santa Maria de Eunate – ein mystischer Ort

Santa Maria de Eunate – ein mystischer Ort

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Die Kirche liegt im freien Feld ohne direkten Bezug zu einer Siedlung, einige Kilometer von dem Marktflecken Muruzábal entfernt und östlich von Puente la Reina, wo die beiden Jakobswege über die Pyrenäenpässe von Somport (Aragon) und von Roncesvalles zusammentreffen. Die kleine Kapelle ist irgendwie anders als andere Kirchen.

Die Kirche wurde Ende des 12. Jhs. im romanischen Stil mit mozarabischen Einflüssen erbaut. Es handelt sich um einen oktogonalen (achteckigen) Kirchenbau, wie er auch bei den Templern sehr beliebt war. Deren Vorliebe orientierte sich dabei an der Grabeskirche in Jerusalem. In den alten Archiven des Ordens taucht die romanische Kapelle leider nicht auf, so dass keine gesicherten Aussagen gemacht werden können Nicht geklärt ist die ursprüngliche Funktion als Taufkirche, Wallfahrtskirche oder Pilgerhospiz. Die offizielle Erläuterung findet man in der Broschüre der Tourismusbehörde. Für sie besagt eine weitaus glaubwürdigere These, auch unterstützt aus mittelalterlichen Dokumenten, ihre Entstehung verdanke Santa Maria de Eunate einer alten Bruderschaft von Einwohner aus den umliegenden Dörfern. Die Bruderschaft wird durchgängig als Eigentümer der Kapelle, dem dazugehörigen Gebäude sowie der darunter liegenden Grundstücke erwähnt, seit 1219 auch schriftlich dokumentiert. Sie blieb bis ins Jahr 1816 aktiv, als der letzte Bruder verstarb. Die Bruderschaft wurde 1997 wieder erneuert und zählt heute ca. 600 Mitglieder, die sich jedes Jahr ende Mai auf eine Wallfahrt nach Santa Maria de Eunate machen.

Die freistehende Kirche ist ein kompaktes Steingebäude mit einem harmonischen, zentralen oktogonalen Grundriss, der sich an der Ostseite zu einer halbrunden Apsis öffnet. Sie wird von einem oben offenen Arkadengang umsäumt, der zumindest jetzt nicht mehr mit der Kirche verbunden ist. Die Kapitelle sind stark beschädigt. es gibt Pflanzendekoration, kämpfende Löwen und das Bild bärtiger Männer, welches, wenn man es umdreht,  Dämonen  in Form von Ziegen mit langen Hörnern zeigt.

Der Arkadengang hat dem Bauwerk möglicherweise seinem Namen gegeben (baskisch: Eunate hundert Tore, hunderttorig), andere behaupten, es heiße „das gute Tor“ – je nachdem, wie man den Namen aus dem Baskischen herleitet.

Wie könnte es zu dem Namen gekommen sein? Natürlich hat diese winzige Kapelle keine hundert Türen. Zählt man die Bögen des Kreuzgangs als Pforten, so kommt man auf dreiunddreißig. Es heißt, die gläubigen Pilger sollen die Kirche barfuß dreimal umrunden, bevor sie durch die Hauptpforte eintreten und sich in die Mitte der Kapelle hinstellen, also 3 x 33 + 1=100. Dann sollen sie die Kapelle auf sich wirken lassen. Eine besondere Energie soll von hier ausgehen – einfach ein mystischer Ort.

Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Eunate, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4671186

Der Innenraum ist durch ein hohe Gewölbe charakterisiert, das von mächtigen Säulen gebildet wird, die aus den Ecken des Achtecks entstehen. In das Innere fällt ein mildes Licht durch die schmalen Alabasterfenster. Der Grundriss ist leicht asymmetrisch. Die Säulen und Bögen sind alle doppelt. Das Oktogon besitzt zudem zwei reich verzierte Portale. Außerdem befindet sich hier die Reproduktion der Jungfrau Maria von Eunate, die seit Baubeginn der Kirche als Beschützerin des Ortes gilt, zu deren Ehren die Bruderschaft gegründet wurde.

Dieses Kleinod lädt zum Verweilen ein, die äußere Form und der schlichte Innenraum stahlen eine tiefe Ruhe aus. Es ist einer jener Stätten, die den Pilger wieder einmal innehalten lässt und ihm einen tiefen Frieden geben kann. Genie de lieu nennen die Franzosen einen Ort, der etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet.

Eine Anregung am Eingang der Kapelle:

Diese Mauern umfangen die Stille,
Dies ist Dein Ort zum Nachdenken,
Und hier kannst Du beten.
Öffne Deine Augen nicht nur wie ein Tourist,
Oder all Deine Sinne wie ein Pilger,
Öffne Dein Herz als ein Mensch auf der Suche.
Trete ein mit Bedacht und Respekt,
Zwischen diesen Steinen stecken unzählige Jahrhunderte ,
Jahrhunderte anhaltender Stille,
Und Jahrhunderte voller Gebete.

(frei übersetzt von Petra aus inreiselaune)

Von I, Vicky petereit, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2310209
Von I, Vicky petereit, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2310209

Wer Legenden mag, hier eine zur Kapelle Eunate, gefunden bei Petra in ihrem Blog „inreiselaune“, indem die Kapelle auch ausführlich beschrieben wird:

Die Legende um das fliegende Portal

Santa María de Eunate befand sich bereits kurz vor der Einweihung, als der Baumeister eine ominöse Mitteilung erhielt, die ihn umgehend zum Aufbruch zwang. Er bat seine Auftraggeber um Nachsicht und versprach eine baldige Rückkehr. Doch Tage und Wochen zogen ins Land, ohne eine Nachricht oder ein Lebenszeichen des Baumeisters. Der Abt wurde ungeduldig. Ihm lag sehr daran, das Gotteshaus endlich mit liturgischem Leben zu füllen. Da einzig das Portal auf seine Fertigstellung wartete, beschloss er diesen Auftrag in die Hände eines alteingesessenen Steinmetzes aus der Nachbarschaft zu vergeben. Der Jentilak, man nannte ihn so, weil er mit seiner Größe und seinen außerordentlichen Kräften dem Riesen aus der baskischen Mythologie ähnelte, erschuf innerhalb von nur drei Tagen ein künstlerisch einzigartiges Portal. Die Mönche waren begeistert und verschwendeten keinen Gedanken mehr an den abtrünnigen Baumeister.


Doch siehe da, nur kurze Zeit später kehrte dieser überraschend zurück, um sein angefangenes Werk zu vollenden. Beim Anblick des fertig gestellten Portals, stellte er den Abt zur Rede und verlangte die Einhaltung des abgeschlossenen Vertrags. Die Mönche berieten sich eingehend, waren sie doch mit dem jetzigen Portal überaus zufrieden. Andererseits fühlten sie sich verpflichtet, zu ihrem einst gegebenen Wort zu stehen. Sie boten dem Steinmetz deshalb folgenden Kompromiss an: Sollte er in der Lage sein, in derselben Zeit wie der Jentilak, ein neues Portal anzufertigen, wären sie bereit, es gegen das alte auszuwechseln. Nolens volens nahm der Baumeister den Vorschlag an.

Nach eingehender Begutachtung des mit Ornamenten und Figuren reich geschmückten Werkes seines Kontrahenten, verlor der Steinmetz jegliche Hoffnung den Auftrag der Mönche erfüllen zu können. Nur ein Zauber konnte ihm aus der ausweglosen Situation helfen.

Also wandte sich der Baumeister an eine Hexe, die ihm verriet, wie er den Mönchen fristgerecht sein Werk abliefern konnte. Sie hieß ihn, sich in der Johannisnacht an die Ufer des Río Robo zu begeben. Dort träfe er auf eine Schlange, die jedes Jahr die besonderen Mächte dieser Nacht für eine rituelle Waschung nutze. Diese Schlange, so erklärte die Hexe, würde einen Mondstein aus ihrem Schlund heraufwürgen und in Ufernähe ablegen. Diesen magischen Mondstein gelte es vorsichtig in einen goldenen, mit Wasser gefüllten Kelch zu legen. Das Wasser dürfe sich dabei auf keinen Fall bewegen. Danach müsse der Baumeister nur den nächsten Tag abwarten. Mit diesen Worten entließ die Hexe den verdutzten Mann.

Gesagt, getan. Alles spielte sich exakt so ab, wie die Hexe prophezeit hatte. Die Schlange erschien, spie den verführerisch weiß-bläulich schimmernden Mondstein aus, den der Baumeister aufsammelte und vor Ehrfurcht zitternd in dem mit Wasser gefüllten goldenen Kelch platzierte. Der Baumeister konnte noch beobachten, wie unter der Oberfläche des bewegten Wassers das Portal Formen annahm, als ihn eine plötzliche Müdigkeit überkam. Kaum hatte er sich niedergelegt, war er auch schon eingeschlafen.

Am nächsten Morgen weckten ihn lautstarkes Gemurmel und emsiges Treiben. Die gesamte Mönchsgemeinschaft hatte sich um ihn versammelt und bewunderte sein meisterlich gefertigtes Portal. Doch als alle genauer hinsahen, erkannten sie, dass es sich um eine exakte Kopie des bereits an der Kirche befindlichen Portals handelte. Mit einer Ausnahme, es war spiegelverkehrt. Als der Abt die Frage stellte, ob der Baumeister tatsächlich wünsche, dass man das Portal des Jentilak gegen sein Spiegelbild austauschen soll, geriet der Steinmetz außer sich vor Wut. Er versetzte seinem Werk einen kräftigen Tritt, sodass das Portal bis in den Nachbarort Olcoz flog, wo es noch heute die Kirche schmückt.

 

 

Von Josep Renalias - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3163691
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Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Die meisten von uns kennen die Templer u.a. durch den Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown. Das Buch hat aber ehrlicherweise fast nichts mit der realen Geschichte der Templer zu tun. Außerdem spinnen sich auch einige Legenden und Verschwörungstheorien ohne stichhaltige Beweise um die Templer. Hier werden der Symbolismus, die Regeln und die Überzeugungen der Templer zweckentfremdet, um eigene moderne Ziele zu verfolgen.

Sie symbolisieren wohl etwas Exotisches, Sonderbares und Mysteriöses, das uns heute sowohl fremd als auch verlockend erscheint.

Daher ist es sinnvoll, hier eine kurze Geschichte der Templer zusammenzustellen.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Wer waren die Templer oder genauer die „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“?

 Nach dem Ersten Kreuzzug, als die muslimische Besatzung Jerusalems von der christlichen abgelöst wurde, gab es viele Pilger und Siedler, die in die Stadt zogen. Aber viele wurden auf dem Weg von Banditen überfallen und getötet. In Tagebüchern finden sich Beschreibungen von Leichen, die sich entlang der Straßen türmten, wo sie von Räubern überfallen und ermordet wurden. Um 1119 beschloss deshalb eine Gruppe von Rittern aus der Champagne eine Schutztruppe für Pilger zu gründen. Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war Abt war ein bekannter Kreuzzugprediger und Kirchenlehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. Nach anfänglicher Skepsis setzte er sich ab 1129 wortgewaltig für die Unterstützung des Templerordens ein, was für die Akzeptanz des Templerordens von großer Wichtigkeit war.

Die militärische Ausrichtung, die den Orden von Beginn an bestimmte, unterschied ihn von den beiden anderen religiösen Rittergemeinschaften des 12. Jahrhunderts, dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden. Der Templerorden entwickelte sich zu einer elitären, paramilitärischen Einheit in den Armeen der Kreuzzüge. Wichtig war, dass er vom Papst bestätigt wurde.  Auf dem Konzil in Troyes wurden ihnen aber 1128 strenge Regeln auferlegt, die Bernhard von Clairvaux entworfen hatte und die den Klosterregeln der Zisterzienser nachgebildet waren.

Die Tempelritter wurden von einem Großmeister angeführt, unter diesem bestanden drei Rangfolgen: Ritter, Kapläne und dienende Brüder. Nur die Ritter durften die Ordenstracht, einen weißen Mantel mit achtspitzigem rotem Kreuz auf der linken Brustseite, tragen.

Die Ritter unterwarfen sich den drei großen Prinzipien des Mönchtums: Keuschheit, Armut und Gehorsam. Doch ihren Weg zu Gott wollten sie nicht in der friedlichen Abgeschiedenheit eines Klosters suchen, sondern auf dem Schlachtfeld.

Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut bestätigt und der Orden wurde direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete er faktisch einen Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Die Templer waren der erste Orden dieser Art, der dann zum Vorbild für weitere Ordensgründungen wurde.

Auch wenn man bei den Templern von Mönchrittern sprach, waren die Mitglieder wie bereits gesagt weniger Mönche, obwohl sie ein mönchähnliches Leben führten, sondern mehr Ritter und Kämpfer. Zunächst waren sie besonders für die Sicherheit der Pilger zuständig, entwickelten sich aber dann zu einer wichtigen militärischen Macht während der Kreuzzüge.

 

Die Templer als wirtschaftliche Macht 

Schon in frühen Jahren erhielten sie zahlreiche materielle und finanzielle Spenden von Christen, die sich so Pluspunkte für ihr Seelenheil erhofften. Teilweise wurden den Templern ganze Güter vermacht. So bauten sie mit der Zeit ein Netzwerk aus Land- und Grundbesitz in Irland, England und Frankreich und in den Königreichen Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Deutschland und Zypern auf. Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9000 über ganz Europa verstreute Besitzungen (von denen nur ein geringer Teil eigenständige Komtureien/Niederlassungen waren). Die Besitzungen wurden streng ökonomisch verwaltet und sollten einen möglich hohen Gewinn erbringen. Außerdem waren die Templer nicht nur von der Steuer befreit, sondern durften selbst Steuern erheben. Der Orden häufte so mit der Zeit einen immensen Reichtum an Geld und Besitz an.

Zudem funktionierte der Orden auch als eine Art Kreditinstitut, indem er u.a. dem englischen und französischen König Geld verlieh – gegen Zinsen, was zwar verboten war, aber stillschweigend hingenommen wurde. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen dann zu einer regulären geschäftlichen Betätigung und wurden zu einer europaweiten Finanzmacht. Sie unterstützten z.B. finanziell die Könige bei den Kreuzzügen, wenn diesen das Geld ausging.

Sie erfanden auch eine eigene Art der Kreditbriefe (Vorläufer der heutigen Reiseschecks). Wer einen Betrag in einer ihrer vielen Komtureien in Europa einzahlte, konnte man z.B. die gefährliche Reise ins Heilige Land bargeldlos antreten. Der Reisende konnte mit der entsprechenden Quittung unterwegs in den Besitzungen der Templer jederzeit Geld abheben. So war er davor geschützt, bei einem Überfall sein ganzes Geld zu verlieren.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Untergang der Templer

1291 gingen die Gebiete der Kreuzfahrer im Heiligen Land verloren und die Templer wurden aus dem Land geworfen. Sie mussten sich umorientieren, aber der französische König wollte die Templer aufgrund ihrer großen finanziellen Macht ganz vernichten. So wurden die Templer 1305 schwerer Vergehen bezichtigt – von Ketzerei, Götzenanbetung und sogar Sodomie war die Rede. Am 14. Oktober 1307 wurden sämtliche Templer verhaftet auch mit Unterstützung des Papstes. Sie wurden gefoltert und ihnen wurde z.T. über Jahre der Prozess gemacht.

Allerdings war lange Zeit nicht bekannt, dass Papst Clemens V. den Templern im Jahr 1308 die Absolution erteilt hatte, nachdem sich diese für allerlei Missstände in ihrem Orden entschuldigt hatten. Zugleich nahm er sie wieder in die Kirchengemeinschaft auf. Damit stand fest, dass die Templer keine Ketzer waren und der Pontifex den Orden, der ihm allein unterstellt war, reformieren und erhalten wollte. Der gesundheitlich angeschlagene Clemens V. residierte seinerzeit in Avignon. So war er aber dem Druck des mächtigen französischen Königs Philipp des Schönen ausgesetzt, der die Templer vernichten wollte und eine Verleumdungskampagne gegen den Ritterorden entfesselt hatte. Daher wagte es der Papst nicht, sein Urteil zu veröffentlichen.

So wurden die Templer auf Betreiben Philipp des Schönen weiterverfolgt, eingekerkert und gefoltert. Philipp dem Schönen ging es darum, das Vermögen der Templer an sich zu reißen und die Kirche durch die Zerschlagung des Ordens zu schwächen. Auch konnte er sich so einer drückenden Geldschuld entledigen, die er bei den Templern hatte. Über 1000 Ordensniederlassungen fielen an die Krone. 1312 wurde der Orden endgültig aufgelöst und der Großmeister Jacques de Molay auf der Île de la Cité in Paris lebendig verbrannt. Nachdem es keinen Orden mehr gab, war kein Prozess mehr möglich; es blieb bei Ermittlungsverfahren. Die verbleibenden Templer kamen bei anderen Orden unter.

Die Besitzungen der Templer gingen aber nur teilweise an die Krone. Denn der Papst machte einen Strich durch die Rechnung Philipps des Schönen. Clemens übertrug Güter der Ordensgemeinschaft offiziell an die Johanniter/Hospitaliter, die als Brüder der Templer im Geiste ihre Arbeit bis 1789 fortführten. In Spanien knüpfte der spanische Ritterorden von Montesa unmittelbar nach der Auflösung des Templerordens an dessen Geschichte an. Der Orden von Montesa wurde 1316 von Jakob II. von Aragón gegründet und mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Dieser Orden wurde zunächst hauptsächlich zu dem Zweck gegründet, den Templern Unterschlupf zu bieten.

Es gibt noch eine vollständige Burg des alten Templerordens in Europa – die Burg von Ponferrada in Spanien-, alle anderen wurden zwischenzeitlich zerstört. Allerdings finden sich sowohl in Frankreich als auch in Spanien noch zahlreiche Türme und Burgruinen.

 

Von de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann at http://de.wikipedia.org/ - photo by de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1694223 Templerburg Ponferrada am Jakobsweg in Spanien
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Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die atlantische Jakobsmuschel, die Große Pilgermuschel (Pecten maximus) ist das begleitende Symbol aller Jakobspilger.

 

Der Legende nach hat das Symbol folgenden Ursprung:

Ein junger Adliger ritt einst dem Schiff entgegen, mit dem der Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien gebracht wurde. Unglücklicherweise versank er dabei im Meer; jedoch rettete Jakobus auf wundersame Weise sein Leben und half dem Ritter, das Ufer zu erreichen. Dadurch war sein Körper über und über von Muscheln bedeckt und aus diesem Grund wird die Muschel seitdem als Schutzzeichen getragen.

 

In den Frühzeiten der Pilgerbewegung wurde die Muschel als Nachweis der Ankunft ausgegeben und war somit ein Vorläufer der heutigen Pilgerurkunde. Die Muschel wurde am Wallfahrtsort verkauft und von den Pilgern am Hut oder Umhang getragen. Im Mittelalter ging man den Jakobsweg als Hin- und Rückweg. Die Pilgermuschel trugen somit nur Personen, die den Jakobsweg bereits auf dem Rückweg gingen. Der Verkauf war eine wichtige Einnahmequelle des Wallfahrtsortes. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Pilgerschaft nicht mehr mit der Muschel, sondern mit einer Urkunde beglaubigt.

 

Im Codex Calixtinus, einem Sammelwerk des Jakobuskult aus dem 12. Jh., wird schon die Bedeutung der Jakobsmuschel betont. Die beiden Schalen der Muschel, heißt es dort, stünden für die Gebote der christlichen Liebe, die es immer zu verteidigen gelte: Gott über allen Dingen zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Außerdem gleiche die Muschel einer Hand, die sich zur Verrichtung guter Werke öffne. Ob die Pilger heute noch der Muschel  diesen Sinngehalt zusprechen, ist sicher zu bezweifeln. Aber sie ist auf jeden Fall ein stolz getragenes Symbol zur Unterscheidung gegenüber landläufigen Wanderern. Deshalb wird sie heute auch schon zu Beginn des Jakobsweges an der Kleidung oder vor allem am Rucksack befestigt.

Stein vor der Kathedrale in Santiago de Compostela

In europäischen Gräbern vor allem aus dem 11. bis 14. Jahrhundert sind bis nach Skandinavien hinauf wiederholt Große Pilgermuscheln gefunden worden. Aus derartigen Grabfunden lassen sich alte Pilgertraditionen, ihre zeitliche Zuordnung und ihre lokale Bedeutung nachvollziehen. Man glaubt, dass die Pilger des Mittelalters mit der Muschel des Jakobswegs begraben wurden, um sich im Jenseits als Pilger zu identifizieren. So zeigten sie nach dem Leben, dass sie die in Compostela vollkommene Vergebung erhielten und glaubten daran, dass Jakobus der Ältere in der anderen Welt für sie Fürbitte hielt.

 

Die Jakobsmuschel dient auch als Wegweiser. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund zeigt an, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Sie dient uns als Orientierung und man findet sie oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen oder anderen Gegenständen am Weg. Dabei fungiert die Muschel teilweise sogar als eine Art Pfeil: Zeigt das Muschelende, also der dünnere Teil, nach links, so setzt sich der Jakobsweg in der linken Richtung fort und umgekehrt. Allerdings gibt es auch unterschiedliche Interpretationen. In Galicien wird es z.B. anders interpretiert als in Asturien. In Asturien wird sie als Sternsymbol verstanden wird, dessen geschlossenes Ende den Weg anzeigt, weil dem Stern der Schweif folgt und für sie alle Straßen nach Santiago führen. In Galicien ist es eine Muschel, deren offenes Ende nach Santiago de Compostela zeigt. Für die Galicier symbolisiert der geschlossene Teil der Muschel Santiago de Compostela und für sie beginnen alle Jakobuswege dort. Die Unterschiede kann man auf dem Camino Primitivo in Acebo an der Grenze zwischen Asturien und Galicien beobachten.

Zudem ist die Muschel ein kunsthistorisches Zeugnis auf den Wegen. Wenn man durch die Dörfer geht, durch die der Jakobsweg führt, findet man häufig Gebäude, Brunnen oder Skulpturen mit der Pilgermuschel. Wir erkennen die Muschel als Dekoration an Kirchenfassaden und -portalen. Auch findet man in den Kirchen am Weg viele Darstellungen des hl. Jakobs als Pilger mit Brotbeutel, Wanderstab und Muschel.

älteste erhaltene Steinskulptur des Apostels aus dem 11. Jh. an der Kirche Santa Marta de Tera in Santa Croya de Tera
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Er ist ein fantastisches Kunstwerk der Natur: der Las Bardenas Reales Nationalpark in Navarra 100 km südlich von Pamplona. Die bizarren Formationen aus ockerfarbigem Kreide- und Tongestein, die über Millionen von Jahren durch Erosion entstanden sind, faszinieren immer wieder aufs Neue.

Wir kommen leider am Jakobsweg hier nicht direkt vorbei, aber wer vielleicht  ein wenig Zeit in Pamplona hat, der könnte sich diesen Ausflug wirklich überlegen.

Las Bardenas Reales ist eine Halbwüste, die eine Fläche von 415 qkm umfasst. Charakteristisch für die Bardenas Reales ist eine bizarre Landschaft aus großenteils ockerfarbigem Lehm. Dieser ist das Sediment eines urzeitlichen Meeres, das durch tektonische Hebung der Iberischen Platte verlandete. Neben dem Lehm finden sich auch härtere Sandstein- und Kalksteinschichten. Durch den Abfluss von Wasser aus den Pyrenäen in das Mittelmeer erodierten die Sedimentschichten in unterschiedlicher Weise. So bildeten sich die typischen Barrancos (ausgetrocknete Flussbetten) und bizarren Bergformen heraus.

Der größte Teil der Bardenas Reales ist seit 1999 als Naturpark geschützt und 2000 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt worden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bardenas_Reales#/media/Datei:LaPisquerra.jpg

Vielleicht wird Ihnen das alles auch irgendwie bekannt vorkommen. Das mag daran liegen, dass die Bardenas Reales schon mehrfach die Kulisse für bekannte Film- und Fernsehproduktionen gestellt haben. Serien wie „Game of Thrones“ und Filme wie „The Counselor“ oder „Die Welt ist nicht genug spielen“ teilweise in dieser Landschaft. Aber keine Angst: Drachen brauchen Sie nicht zu befürchten. Dafür kann man über 20 verschiedene Vogelartenbeobachten, die in den Lüften der Bardenas ihre Runden drehen, wie der Königsuhu, der Schmutz- oder der Gänsegeier.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bardenas_Reales#/media/Datei:Bardeak.jpg

Wer Spaß an Legenden hat, hier eine, in der die las Bardenas Reales eine Rolle spielen:

 

Die Legende von Sanchicorrota:

Sancho de Rota oder Sanchicorrota war bekannt als der König von Bardenas, der „Robin Hood“ in dieser Gegend. Er war auf der Flucht vor der Justiz und verbarg sich in seiner Schutzhütte, mitten in den wüstenhaften Landschaften der Hochebenen und vom Wasser und Wind geformten Schluchten. Dieses Gebäude auf einem Berg in der Nähe von Piskerra trägt heute seinen Namen. Es heißt, der Bandit bestahl die Reichen und gab seine Beute den weniger Begünstigten, aber es gibt auch Geschichten, nach denen er nicht wirklich so gütig war. Darin soll er zunächst als Müller tätig gewesen sein. Dann aber nach einem Streit, in dem er seinen Nachbar tötete, hat er sich Straßenräubern anschlossen, die in diesem verlassenen Gebiet zahlreiche Verstecke fanden.

Nachdem er jahrelang die Wache von König Juan II. von Aragon überlistet hatte, wurde er der Legende nach in die Enge getrieben und beendete 1452 mit dem Dolch sein Leben, bevor sie ihn erwischten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bardenas_Reales#/media/Datei:Bardena_Blanca.JPG
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Die Mallos de Riglos

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Die Mallos de Riglos sind eine Reihe von Konglomerat-Felsformationen in der Gemeinde Las Peñas de Riglos in der Comarca Hoya de Huesca in Aragon, Spanien. Sie befinden sich in der Nähe von Las Peñas de Riglos, etwa 45 km nordwestlich der Stadt Huesca.

 

https://es.wikipedia.org/wiki/Mallos_de_Riglos

Durch die Erosion ergeben sich am Fuß der Pyrenäen interessante Formationen. Ein Beispiel sind die Mallos de Riglos. Sie entstanden als erodiertes Material von den Hängen der Pyrenäen abgewaschen und durch Kalkstein zusammengeklebt wurde. Im Laufe der Zeit wurde diese Mischung zu einer Masse von Konglomerationsgestein verdichtet. Schließlich verschleiste die Erosion die weicheren, poröseren Teile des Konglomerats. Das widerstandsfähigere Gestein blieb erhalten und wurde zu den als Mallos de Riglos bekannten Formationen.

Die Mallos de Riglos und die Burg Loarre liegen nicht unmittelbar am Jakobsweg, doch wenn man genug Zeit hat, sind sie auf jeden Fall einen Abstecher wert.

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Die Pyrenäen – wilde Berge zwischen Frankreich und Spanien

Die Pyrenäen - wilde Berge zwischen Frankreich und Spanien

Die Pyrenäen sind ein Faltengebirge an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, wobei die Grenze meist auf dem Gebirgskamm verläuft. Dabei liegen zwei Drittel der Fläche in Spanien, ein Drittel in Frankreich. Das Gebirge erstreckt sich über 430 km von der Atlantikküste (Golf von Biscaja) bis zum Mittelmeer (Golf de Roses).

Geographisch lassen sich die Pyrenäen in verschiedene, klimatisch und räumlich abgegrenzte Regionen einteilen. Im Westen sind die Pyrenäen relativ flach und gehen in das Kantabrische Gebirge über. So gibt es die westlichen Küstengebiete am Atlantik mit den Städten Biarritz und Bayonne auf französischer und San Sebastian auf spanischer Seite, sozusagen die baskische Küste als Gesamtgebiet, denn das Baskenland ist ja grenzübergreifend. Im Osten grenzt das Gebirge an das Mittelmeer ungefähr bei Perpignan. Im östlichen Teil an der Küste haben sie noch mittelgebirgsähnlichen Charakter, doch dann steigen sie nach knapp 50 km schon auf fast 3000 m Höhe an.

https://www.easyvoyage.de/spanien/die-tierwelt-der-pyrenaeen-4167

Im Zentrum befinden sich die Haute Pyrenees, auf französischer Seite um Tarbes, Garvanie und Lourdes und auf spanischer Seite die Pyrenäen von Aragon mit den höchsten Gipfeln des Gebirges und den beiden spanischen Nationalparks. Mittig liegt der Kleinstaat Andorra, eingebettet zwischen Frankreich und Spanien. Das zentrale Gebirge zwischen dem Col de Puymorens und dem Col du Somport ist der höchste und wildeste Abschnitt der Pyrenäen. Mit dem Pico d´Aneto auf spanischer Seite erreichen sie auf 3404 m ihre größte Höhe. Aber es gibt weitere 200 Berge, die eine Höhe über 3000 m besitzen. Einige sind noch vergletschert. Sie haben allerdings schon viel der einstigen Größe verloren.

Die von Osten nach Westen verlaufende Pyrenäen-Kette entstand aufgrund der Kontinental-kollision zwischen dem Mikrokontinent Iberia und dem südwestlichen Ausläufer der Eurasischen Platte (Südfrankreich). Die Annäherung der beiden Kontinente erfolgte während des Känozoikums im Zusammenhang mit der großen alpidischen Orogenese (Gebirgsbildung) ab dem Beginn der Oberkreide (Albium/Cenomanium) vor rund 100 Millionen Jahren und führte im Verlauf des Paläogens (Eozän/Oligozän) zwischen 55 und 25 Millionen Jahren zur Heraushebung des Gebirges. Seit diesem Zeitpunkt unterliegt es neben isostatischen Ausgleichsbewegungen hauptsächlich starker Erosion. Man kann also sagen, die Pyrenäen sind ein echter Grenzfall: Hier endet Europa – und beginnt Afrika. Zumindest für die Geologen – denn hier knallt unsere Kontinental-Platte an das afrikanische Schild. Das Urgestein wurde hochgeschoben, geknickt, gefaltet – schroff und steil zum Felsriegel der Pyrenäen.

Im Pyrenäenraum gibt es drei Nationalparks. In Frankreich ist es der “Französische Pyrenäen Nationalpark oder Parc National de Pyrenees”. Er umfasst das Gebiet zwischen dem Valle d’ Aspee und dem Valle d’ Aure. Dieser Park zieht sich über immerhin fast 100 km an der spanischen Grenze entlang. Das Highlight ist dabei der berühmte Cirque de Garvanie. einer von drei Felskesseln. Er hat einen Durchmesser von 2 km und die ihn umgebenden Berge ragen mehr als 1500 m über den Rand des Kessels auf. Von einer fast senkrechten Felswand stürzen die Gavarnie-Fälle herab, die zu den höchsten Wasserfällen Europas zählen. Sie sind als Weltkulturerbe eingestuft.

Der bekanntere der beiden spanischen Nationalparks ist der Ordesa Nationalpark, mit zahlreichen imposanten Schluchten und Wasserfällen. Man nennt ihn auch Parque National de Ordesa y Monte Perdido nach dem höchsten Berg der Region, dem Monte Perdido (verlorener Berg), der mit 3355 Metern der dritthöchste Berg der gesamten Pyrenäen ist. Weiter östlich, ebenfalls auf spanischem Boden, befindet sich der Nationalpark Aigüestortes mit seiner schier unglaublichen Vielzahl an Flüssen, Seen und Wasserfällen. 

 

Flora und Fauna

Im Pyrenäengebiet wachsen über 3300 verschiedene Pflanzenarten, 150 davon sind endemisch. Endemisch bedeutet das ausschließliche Vorkommen von Pflanzen oder Tieren in einem begrenzten Gebiet. Einige besonders schöne Blumenarten sind Pyrenäen-Hahnenfuß, Narzisse, Schwertlilie und auch Enzian. Unter den endemischen Pflanzen gibt es die Pyrenäen-Lilie und den Pyrenäen-Felsenteller sowie spezielle Arten von Astern, Glockenblumen, Ginster und Ramondia.

 

Unter den zahlreichen Tierarten besonders hervorzuheben ist der Braunbär. Das heute seltene Tier (von dem es in den Pyrenäen nur noch 20 bis 25 Exemplare gibt, weitere leben im kantabrischen Gebirge) war in den vergangenen Jahrhunderten in dieser Gegend ausgesprochen zahlreich vertreten. 2004 war die letzte Bärin Frankreichs von der angeblich verirrten Kugel eines Wildschwein-Jägers getötet worden. Der Nachschub aus Slowenien, fünf Tier und genetisch dem Pyrenäenbär sehr ähnlich, hat sich so gut eingelebt, dass heute rund 40 Bären in den Départements Pyrénées-Atlantiques, Hautes-Pyrénées, Haute-Garonne und Ariège leben.

Natürlich trifft man in den Pyrenäen auch noch andere Säugetierarten an, so zum Beispiel Gämsen, Rehe, Wildziegen, Wölfe, Füchse, Eichhörnchen, Wildschweine und etwa 40 Arten von Kleinsäugern. Es kommen unzählige Vogelfamilien vor, darunter Greifvögel (Eulen, Bussarde, Adler und Falken) sowie Aasfresser wie Aas- und Schmutzgeier. Die Könige unter den Vögeln sind hier jedoch der Königsadler und der Bartgeier. Die Kolonien, die letzterer in den Pyrenäen gebildet hat, stellen die größte und leider auch eine der wenigen verbliebenen Ansammlungen der Art in Europa dar.

 

Geschichte

Das Gebirge ist zum Teil sehr dürftig erschlossen. Im Gegensatz zu den Alpen verlaufen die meisten Täler quer zum Hauptkamm und lassen somit eine bequeme Überschreitung der Berge nur an wenigen Stellen möglich. Die Griechen und Römer hatten vorwiegend Stützpunkte an der katalonischen Küste, hatten aber kein Interesse an den Bergen. Auch die Germanenstämme der Sueben, Vandalen und Westgoten nutzten ab dem 5. Jh. die Pyrenäen als Übergang zu den fruchtbareren Ebenen. Als die Mauren dann Spanien eroberten, flohen die Bewohner der Ebene zum Teil in die Berge und machten die dortigen Täler urbar. Die dortigen Feudalherren führten immer wieder Angriffe gegen die Mauren durch, um Beute zu machen. Das gewonnen Raubgut bot einen finanziellen Rückhalt. Außerdem ermöglichte es auch den Bau zahlreicher romanischer Kirchen. Im Vall de Boi befindet sich die schönste und größte Ansammlung der fast 1000 Jahre alten Kirchen. Oft liegen sie in wenigen Kilometern Entfernung.

Heute sind die Pyrenäen eher eine Abwanderungsregion. Allein der Tourismus bringt eine gewisse wirtschaftliche Entwicklung.

 

Querung der Pyrenäen auf dem Jakobsweg

Wir überqueren die Pyrenäen auf der Via Tolosana über den Somport-Pass. Der Col du Somport / Puerto de Somport (Höhe 1640 m) ist einer der ältesten Pyrenäenübergänge. Er liegt am westlichen Ende der Zentralpyrenäen. Sein Name ist die abgeschliffene Form von lateinischen summus portus = höchster (Pyrenäen-)Übergang, was er tatsächlich jahrhundertelang war. Er war schon immer für den Jakobsweg ein wichtiger Übergang. Kurz unterhalb des Passes finden sich noch die Ruinen des alten Pilgerhospitals Santa Cristina de Somport aus dem 11. Jahrhundert.

Wenn man auf den anderen Jakobswegen aus Frankreich (Via Podiensis von Le Puy en Velay, Via Turonensis von Paris, Via Lemovicensis von Vezelay) unterwegs ist, dann überquert man die Pyrenäen in der Regel über den Ibañetapass von St. Jean Pied de Port nach Roncevalles. Dort trifft man dann auf den Camino Frances nach Santiago de Compostela.

 

Wer Tucholsky mag, dem empfehle ich das Buch „Ein Pyrenäenbuch“. Die Aufzeichnungen sind lebendige und humorvolle Impressionen seiner Begegnungen und Erlebnisse und geistreiche und kritische Reflexionen über Alltagssituationen zur damaligen Zeit, die auch heute noch zum Nachdenken anregen. Interessant ist auch, dass Tucholsky damals wegen dieses Buches von völkischen Kreisen als „Franzosenliebling“ und „Undeutscher“ bezeichnet wurde!

Vielleicht gefällt Ihnen ja auch das Buch von Paulo Coelho, Der Dämon und Fräulein Prym, Zürich 2001.

 

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Die Jakobswege und Regionen in Spaniens

Die Jakobswege und Regionen in Spanien

Hier sind die Jakobswege in Spanien mit ihrer Länge eingezeichnet. Man kann die langen Weg natürlich auch in Etappen gehen. Wir haben zum Beispiel die Via de la Plata aus Zeitgründen in drei Etappen eingeteilt: Sevilla bis Caceres, Caceres bis Zamora, Zamora bis Santiago de Compostela. Da das Eisenbahn- und Busnetz in Spanien sehr gut ausgebaut ist, kommt man auch  leicht wieder zum jeweiligen Ausgangspunkt

https://jakobsweg-lebensweg.de/jakobsweg-laenge/
https://jakobsweg-kuestenweg.com/laenge/spanien/

Als autonome Gemeinschaften werden 17 Gebietskörperschaften bezeichnet, die die Regionen Spaniens verkörpern

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien#/media/Datei:Gemeinden_Spanien_2023.png
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Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der Mudéjar-Stil - ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der spanische Islam zeigte häufig eine große Toleranz gegenüber anderen Religionen (vgl. die Ausführungen zur Islamisierung und zur Reconquista – Via Tolosana). Nicht selten mietete er sich in christliche Kirchen ein, so dass dasselbe Gebäude zeitweise gleichzeitig von den Christen als Kirche und von den Muslimen als Moschee genutzt wurden. Außerdem konnten die mozarabischen Christen zum Teil ungehindert auf islamischem Territorium Kirchen erbauen. Andererseits bauten islamische Bauherren auch jüdische Synagogen. Nach der Reconquista entwickelte sich dann bei Neubauten von Kirchen und Profanbauten ein neuer Baustil, der Mudéjar-Stil .

 

Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind. Sie durften zwar ihre Religion frei ausüben, mussten sich aber ihrer christlichen Umgebung anpassen und besaßen auch nicht die gleichen Rechte wie jedermann. Unter ihnen befanden sich viele Handwerker, Tischler, Maurer, Töpfer und Gärtner, deutlich mehr als in den unteren christlichen Schichten. Aus dem Zusammentreffen von christlichem und islamischem Kunsthandwerk und der Architektur entwickelte sich der neue Stil. Er wurde Mudéjar genannt und bedeutet so viel wie »die, die bleiben durften«.

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudejaren#/media/Datei:Cimborrio_Mud%C3%A9jar_Catedral_de_Teruel.png

Der Mudéjarstil begann im ausgehenden 12. Jahrhundert und erreichte vom 14. bis 16. Jahrhundert seine Blüte. Wie die Karte zeigt, verbreitete sich der Madejarstil in fast ganz Spanien. Viele der bemerkenswerten weltlichen und religiösen Bauten stehen auf der Weltkulturliste der Unesco. Die Madéjaren erstellten im Auftrag christlicher Bauherren zahlreiche Bauten und übten so als Baumeister einen erheblichen Einfluss auf die Baukunst in Spanien aus.

Der Mudéjarstil bildete keine neuen Strukturen oder Formen heraus (wie etwa Gotik oder Romanik). Vielmehr handelte es sich um eine Neuauslegung der westlichen Baustile unter dem Einfluss moslemischer Architektur. Das Nebeneinander und die Symbiose von Techniken eines unterschiedlichen Architekturverständnisses, die ihren Ursprung im Zusammenleben der jüdischen, moslemischen und christlichen Kultur hatten, brachten diesen Mudéjar-Stil hervor.

Toledo gilt als Geburtsstätte des Mudéjarstils mit seiner spezifischen Bau- und Zierweise (vor allem Zierrat aus Gips und Ziegelstein). Von Toledo aus gelangt der Stil Richtung Norden (León, Ávila, Segovia,…), und wird bald ‘Románico de Ladrillo’ (Backstein-Romanik) genannt. 

Da die maurische Kunst in Spanien allgegenwärtig war, griffen natürlich auch christliche Künstler auf diese Anregungen zurück. Der Mudéjar-Stil ist quasi eine kulturelle Verschmelzung von Ost und West, eine über Jahrhunderte entwickelte Kunst. Auf Grund seiner “Universalität, Einzigartigkeit und Authentizität” wurde er  2001 zum UNESCO Weltkulturerbe. Er kommt nur in Spanien vor.

Mudéjar_architecture_in_Spain_&_Portugal.png

Was macht den Mudéjar-Stil so besonders?

Der Mudéjar-Stil verwendet viele „»weiche« Materialien wie Ziegel, Gips, Keramik und Holz. Mit ihnen lassen sich besonders gut dekorative Elemente gestalten. Bestimmte architektonische Elemente und dekorative Themen tauchen im Mudéjar-Stil immer wieder auf. Die verwendeten Materialien sind zwar bescheiden, doch durch ihre kunstvolle Verwendung und Zusammenstellung zu schachbrettartigen und Fischgrät-Mustern, Rundbögen, Friesen, Rauten und christlichen Kreuzen entfalten sie eine besondere Wirkung. Bemalte Holzdecken sind repräsentativ für den Mudéjar-Stil.

Es wurden somit Materialien, Bauformen sowie Dekor aus der islamischen Architektur mit den Stilelementen der Romanik, Gotik und Renaissance verbunden.

Typische islamische Stilelemente, die integriert wurden, sind:

  • Backstein, glasierte Ziegeln
  • Hufeisenbögen
  • Rippengewölbe
  • Artesonado-Decken, d.h. kunstvoll verzierte Holzdecken
  • Stuck, Fayencen, emaillierte stilisierte Pflanzen
  • Arabische Schriftzeichen zum Lob Allahs in christlichen Kirchen

Die eigentliche Epoche der Mudejarstils endete im 16. Jahrhunderts. Allerdings erlebt der Stil im 19. Jh. eine Renaissance. Der sogenannte Neo-Mudéjar wird geboren. Vor allem öffentliche Bauten wie Bahnhöfe, Verwaltungsgebäude und Stierkampfarenen erhalten Holzelemente, arabeske Strukturen und bunte Keramikfliesen. Heute findet man den Stil noch in Hotelbauten im typisch »spanischen Stil

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Die Silberdistel – Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Die Silberdistel - Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Auf unserm Weg durch das Baskenland finden wir sowohl auf der französischen wie auf der spanischen Seite immer wieder Bauernhöfe oder Häuser, deren Haustüren eine Silberdistel ziert. Dabei hatte die Silberdistel ursprünglich mehrere Funktionen.

Die Silberdistel als Wetterbarometer

 

Silberdisteln sind Barometerpflanzen. Sie spüren Veränderungen im Druck und im Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Die silbrig-weißen Hüllblätter der Silberdistel sind hygroskopisch, d.h. sie schließen sich bei feuchter Luft, bei Nässe und kalter Witterung, um die das Körbchen füllenden Blüten vor dem Regen, die Früchtchen vor dem Verkleben ihrer Flugschirmchen zu schützen – daher auch der bei uns bezeichnende Pflanzenname “Wetterdistel”. Das Schließen der Hüllblätter wird dadurch bewirkt, dass ein Streifen dickwandiger, auf der Rückseite der Hüllblätter verlaufender Zellen mehr Feuchtigkeit aufnimmt und sich dadurch stärker streckt als die nach innen gewanden Teile des Zellgewebes. Dadurch erfolgt ein Zusammenbiegen nach innen. Demzufolge misst die Barometerpflanze den Luftdruck und den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre und übertrifft in ihrer “Vegetabilischen Barometrik” kurzfristig sogar an Genauigkeit die der modernen technischen Hilfsmittel unserer Zeit.

Die Silberdistel als Schutzsymbol gegen Hexen

 

Das Weltbild der baskischen Mythologie weist Bezüge zum Sonnenkult auf. Die Mythologie ist schwer zugänglich, da die Mythen durch die Inquisition im späten Mittelalter aus der Religion in den Bereich der Volksmärchen verdrängt wurden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Götter nur in sehr verschwommener Form in Erinnerung geblieben sind. Man kann aber sagen, dass die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich waren. Die Silberdistel ist ein bis heute im Baskenland bekanntes Symbol für die weibliche Sonne. Sonnendistel, baskisch Eguzkilore, bedeutet „Blume der Sonne“.

 

Diese „Blume der Sonne“ war in der baskischen Mythologie zudem ein bedeutsames Schutzsymbol gegen Dämonen und Hexen. Die Silberdistel an der Türe erzwingt nämlich ein Ritual, bei dem die Hexen erst alle Stacheln der Silberdistel zählen müssen, bevor sie ins Haus dürfen. Da dieses Auszählen aber „ewig“ dauert, dämmert es bereits, bis sie fertig sind, so dass sie sich dringend ein Versteck suchen müssen und somit das Haus vor ihrem Eindringen geschützt ist.

 

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Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Neben Dali, Picasso, Miro und Velasques gehört Francisco de Goya y Lucientes zu den besten und berühmtesten Malern Spaniens. Er wurde am 30.08.1746 in Fuendetodos in Aragon geboren. Der Ort, der heute 154 Einwohner hat, liegt etwa 44 Kilometer von Saragossa entfernt. Das Geburtshaus des spanischen Malers aus dem 18. Jahrhundert kann immer noch besichtigt werden. Er starb am 16.04.1828 in Bordeaux. Seine Schaffenszeit fällt somit in die Zeit der französischen Revolution und in die Zeit Napoleons, die sein Schaffen stark beeinflusste.

Kunsthistoriker nennen seine Arbeiten „einen universellen Wert spanischer Kunst“. Er schuf Vorlagen für Wandteppiche, malte Königsporträts und Kriegsbilder, fliegende Hexen, nackte Frauen und den Klerus als Esel. Goya arbeitete u.a. mit neuen Techniken, vor allem der Aquatinta Drucktechnik. Er war zeitlebens so stur wie ein Aragonese nur sein kann. Und seine Kunst wirkt bis heute erstaunlich zeitlos aber auch zum Teil sehr drastisch.

 

Sein Werdegang ist zumindest zu Anfang von einigen Aufs und Abs gekennzeichnet. Er konnte nicht in der Werkstatt seines Vaters, der ein angesehener Vergolder war, arbeiten, da sein älterer Bruder später die Werkstatt übernehmen sollte. Mit 14 Jahren begann Goya daher eine Lehre bei dem Barockmaler José Luzán (1710 bis 1785) in Saragossa. Hier blieb Goya vier Jahre. Über die Zeit bei José Luzan hieß es später, dass dieser ihm die Grundlagen des Zeichnens lehrte und wie man feinste Gavierungen kopierte. Mit 16 Jahren malte er zum Ende seiner Ausbildung einige Heilige in der Kuppel der einstigen Pfarrkirche von Fundetodos, die allerdings im spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde.

Anschließend ging er nach Madrid – angeblich nicht ganz freiwillig nach einer Schlägerei.

In Madrid bewarb er sich bei der angesehenen Real Academie de Belles Artes de San Fernando. Allerdings fiel er zweimal durch Aufnahmeprüfung. Paradoxer Weise wurde er später sogar selbst Leiter dieser Akademie. Nach dem Misserfolg 1766 reiste er nach Rom. Italien galt damals als das Zentrum der Kunst, viele Künstler aus allen Herren Ländern zog es dementsprechend auch dorthin. In Italien gewann er 1771 den zweiten Preis bei einem Gemäldewettbewerb, den die Stadt von Parma organisiert hatte.

Ab 1771 ist er wieder in Spanien, zunächst in Saragossa. Hier bekam er als selbständig arbeitender Künstler den Auftrag für Gemälde in der Catedral-Basilica de Nuestra Senora de Pilar, der größten Barockkirche Spaniens. Und hiermit begann dann auch sein künstlerischer Aufstieg. So malte er in der Folge viele Bilder in Kapellen und Klöstern. Bevor er dann Hofmaler in Madrid wurde, arbeitete er zunächst für die königliche Teppichmanifaktur mit Entwürfen über volkstümliche spanische Szenen, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren. 1780 verliert Goya die Arbeit in der Tapetenmanufaktur, da der Krieg zwischen Spanien und England die finanziellen Mittel des spanischen Königshauses an anderen Stellen banden. Es folgt eine Zeit als Porträtmaler, in der er sehr erfolgreich war und viele Kunden hatte. 1785 erfolgt die Beförderung zum Stellvertretenden Direktor für Gemälde der Königlichen Akademie. Das war eine lukrative Position, die Goya finanzielle Sicherheit bot. 1786 erfolgte dann die Ernennung zum Hofmaler des Königs durch Carlos III. Er behielt diese Position auch ab 1788 unter dessen Nachfolger Carlos IV. Die Position war nicht nur mit Prestige verbunden, sondern sicherte Goya finanziell weiter ab.

1792 erkrankte Goya schwer und als Folge seiner Krankheit litt er an Gehörlosigkeit. Wie stark diese Krankheit war, ist nicht genau bekannt. Aber er konnte sich mit dem König gut in Zeichensprache verständigen. 1800 begann Goya eines seiner berühmtesten Gemälde, das ein Porträt der Familie Karls IV. darstellte. Es hängt heute im Prado. Auf dem Gemälde selbst hat sich Goya im Hintergrund im Schatten selbst verewigt. Das Gemälde ist u.a. deshalb so berühmt, weil eine so realistische Darstellung der spanischen Königsfamilie dazu führte, dass ein zeitgenössischer Kritiker äußerste, das Königspaar sähe aus, wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn. Goya malte das Bild als subjektiver Beobachter der Familie des Königs am Hof. Darin ließ er sich von seinem Vorgänger Diego Velázquez beeinflussen, der als Hofmaler ähnlich vorging. Diese doch sehr realistische Darstellung, die die Königsfamilie nicht unbedingt im besten Licht darstellte – reich aber nicht sehr attraktiv, war schon auch eine mutige Arbeit, die aber ohne Folgen blieb. Es gibt Hinweise, dass die Dargestellten mit ihren Porträts sehr zufrieden waren. Dennoch lässt der Realismus im Blick des Hofmalers Goya vermuten, dass die Direktheit und ungeschönte Nüchternheit – man kann es teilweise Hässlichkeit nennen –, wie das Personal des Hofes dargestellt ist, nicht versehentlich geschah und eine gewisse Distanz Goyas zum Königshaus ausdrückte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_de_Goya#/media/Datei:La_familia_de_Carlos_IV,_por_Francisco_de_Goya.jpg

Wie vielfältig seine Kunst danach noch wurde, liegt nicht nur am Genie Goya, sondern auch an der turbulenten Zeit, in der er lebte: Mitten in die Idylle am Hof platzte die Besatzung durch französische Truppen. Joseph Bonaparte, der Bruder Napoleons Bonaparte wird, gestützt von französischen Militärkräften, zum spanischen König ernannt. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 erschossen französische Soldaten mehrere spanische Rebellen. Goya erstellte daraufhin sein Gemälde „Die Erschießung der Aufständischen“, das eine schreiende Anklage an den Krieg ist.

1814 kehrt dann König Ferdinand VII. auf den spanischen Thron zurück und Goya wurde wieder Hofmaler. Ein Bild von Francisco Goya sorgte dann 1815 für einen Skandal, für den er sich vor der Inquisition verantworten musste. Goya schuf zwischen 1801 und 1802 die bekleidete und nackte Maja, wobei „Die nackte Maya“ das erste Aktbild der spanischen Kunst ist, auf dem weibliche Schamhaare zu sehen waren. Ursprünglich waren die nackte und die bekleidete Maya mit Scharnieren verbunden, so dass die nackte Version mit der bekleideten Darstellung verdeckt werden konnte. Bei der „Maya“ handelt es sich um die Herzogin von Alba, die er mehrfach porträtierte.

https://www.wikiart.org/de/francisco-de-goya/die-nackte-maja-1800

Aber nicht nur das freizügige Werk erregte das Missfallen, auch die Bilderreihen „Caprichos“,und „Desastres“. Zwischen 1810 und 1820 entstanden die “Desastres de la Guerra”, die “Schrecken des Krieges”. Schonungslos zeigen die Bilder, mit welchen Gräueltaten Napoleon in Spanien vorging und welche Folgen die französische Fremdherrschaft hatte. “Los Caprichos” (“die Launen”) entstanden zwischen 1793 und 1799. Ganz aktuelle Probleme der Gesellschaft wurden auf rund 80 Blättern gezeigt: Armut, Aberglaube oder wie Adel und Klerus ihre Macht auch mit brutalen Mitteln zu erhalten versuchten. Es ist ein Horrorkabinett der Dummheit, der Willkür und des religiösen Wahnsinns. Goya hat die Welt nicht einfach dargestellt, er hat sie seziert und die Spannungen zwischen Vernunft und Wahnsinn, Gerechtigkeit und Grausamkeit, Hoffnung und Verzweiflung offengelegt. Und leider ist Goya hochgradig aktuell und hält uns einen Spiegel vor, von dem wir uns gewünscht hätten, dass wir ihn nie wieder aus der Schublade ziehen müssten.

Die Bilder erregten großen Anstoß, insbesondere bei Vertretern der Kirche. Nur das Eingreifen des spanischen Königs verhinderte eine Verurteilung Goyas durch die Inquisition.

Für die Bilderreihen verwendete er eine neue Technik, die erst in den 1760er Jahren erfunden worden war: Aquatinta. Dabei wird von einer Druckplatte mehrfach eine Schicht weggeätzt (mit einer scharfen Flüssigkeit abgetragen), sodass nachher beim Drucken verschiedene Grautöne entstehen. Mit dieser Technik konnte er dann auch die sehr düstere Stimmung der Bilder erzeugen.

Im Jahre 1819 zog sich der doch liberale Goya aufgrund der politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus Quinta del Sordo, das Haus des tauben Mannes, zurück. Er widmete sich vier Jahren der Bemalung der Wände seines Landhauses. Diese Bemalungen gingen als „Pinturas Negras“ (schwarze Bilder) in die Werkgeschichte Goyas ein. In ihnen scheinen sich düstere Phantasien des Malers mit den bedrückenden Zeitumständen vermischt zu haben. Sie wurden inzwischen abgenommen, auf Leinwand übertragen und dem Prado übergeben.

Die Situation in Spanien wurde für Goya aber immer prekärer. Er war liberal eingestellt, bezog Positionen gegen die Folter, Inquisition aber auch gegen den Absolutismus. Um politischen Verfolgungen zu entgehen, reiste er nach Frankreich, wo er ab 1824 in Bordeaux lebte. Dort arbeitete er an seinen letzten Radierungen, die verschiedene Stierkampfszenen zeigen. Sein letztes Bild ist “La Lechera de Burdeos“ (Das Milchmädchen von Bordeaux), das Ölgemälde einer schönen, entspannten jungen Französin, das im Gegensatz zu vielen seiner anderen Bilder eine ruhigen freundlichen Eindruck hinterlässt. Es gilt als ein Vorläufer des Impressionismus. 

Goya starb schließlich, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hat, am 16. April 1828 in Bordeaux, wo er auch begraben wurde. Es dauerte bis 1901 bis sein Leichnam nach Spanien zurückkehrte. 1919 wird er in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid beigesetzt.

Francisco Goya wird einerseits zu den letzten der alten Meister aber auch als erster der modernen betrachte. Francisco Goya beeinflusste mit seinen Werken spätere Generationen von Künstlern, darunter Delacroix, Edouard Manet und auch Pablo Picasso. Vieles, was Goya malte, ist auf den ersten Blick schwer erträglich und noch schwerer interpretierbar, aber leider auch heute noch sehr real.

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