Neben Dali, Picasso, Miro und Velasques gehört Francisco de Goya y Lucientes zu den besten und berühmtesten Malern Spaniens. Er wurde am 30.08.1746 in Fuendetodos in Aragon geboren. Der Ort, der heute 154 Einwohner hat, liegt etwa 44 Kilometer von Saragossa entfernt. Das Geburtshaus des spanischen Malers aus dem 18. Jahrhundert kann immer noch besichtigt werden. Er starb am 16.04.1828 in Bordeaux. Seine Schaffenszeit fällt somit in die Zeit der französischen Revolution und in die Zeit Napoleons, die sein Schaffen stark beeinflusste.
Kunsthistoriker nennen seine Arbeiten „einen universellen Wert spanischer Kunst“. Er schuf Vorlagen für Wandteppiche, malte Königsporträts und Kriegsbilder, fliegende Hexen, nackte Frauen und den Klerus als Esel. Goya arbeitete u.a. mit neuen Techniken, vor allem der Aquatinta Drucktechnik. Er war zeitlebens so stur wie ein Aragonese nur sein kann. Und seine Kunst wirkt bis heute erstaunlich zeitlos aber auch zum Teil sehr drastisch.
Sein Werdegang ist zumindest zu Anfang von einigen Aufs und Abs gekennzeichnet. Er konnte nicht in der Werkstatt seines Vaters, der ein angesehener Vergolder war, arbeiten, da sein älterer Bruder später die Werkstatt übernehmen sollte. Mit 14 Jahren begann Goya daher eine Lehre bei dem Barockmaler José Luzán (1710 bis 1785) in Saragossa. Hier blieb Goya vier Jahre. Über die Zeit bei José Luzan hieß es später, dass dieser ihm die Grundlagen des Zeichnens lehrte und wie man feinste Gavierungen kopierte. Mit 16 Jahren malte er zum Ende seiner Ausbildung einige Heilige in der Kuppel der einstigen Pfarrkirche von Fundetodos, die allerdings im spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde.
Anschließend ging er nach Madrid – angeblich nicht ganz freiwillig nach einer Schlägerei.
In Madrid bewarb er sich bei der angesehenen Real Academie de Belles Artes de San Fernando. Allerdings fiel er zweimal durch Aufnahmeprüfung. Paradoxer Weise wurde er später sogar selbst Leiter dieser Akademie. Nach dem Misserfolg 1766 reiste er nach Rom. Italien galt damals als das Zentrum der Kunst, viele Künstler aus allen Herren Ländern zog es dementsprechend auch dorthin. In Italien gewann er 1771 den zweiten Preis bei einem Gemäldewettbewerb, den die Stadt von Parma organisiert hatte.
Ab 1771 ist er wieder in Spanien, zunächst in Saragossa. Hier bekam er als selbständig arbeitender Künstler den Auftrag für Gemälde in der Catedral-Basilica de Nuestra Senora de Pilar, der größten Barockkirche Spaniens. Und hiermit begann dann auch sein künstlerischer Aufstieg. So malte er in der Folge viele Bilder in Kapellen und Klöstern. Bevor er dann Hofmaler in Madrid wurde, arbeitete er zunächst für die königliche Teppichmanifaktur mit Entwürfen über volkstümliche spanische Szenen, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren. 1780 verliert Goya die Arbeit in der Tapetenmanufaktur, da der Krieg zwischen Spanien und England die finanziellen Mittel des spanischen Königshauses an anderen Stellen banden. Es folgt eine Zeit als Porträtmaler, in der er sehr erfolgreich war und viele Kunden hatte. 1785 erfolgt die Beförderung zum Stellvertretenden Direktor für Gemälde der Königlichen Akademie. Das war eine lukrative Position, die Goya finanzielle Sicherheit bot. 1786 erfolgte dann die Ernennung zum Hofmaler des Königs durch Carlos III. Er behielt diese Position auch ab 1788 unter dessen Nachfolger Carlos IV. Die Position war nicht nur mit Prestige verbunden, sondern sicherte Goya finanziell weiter ab.
1792 erkrankte Goya schwer und als Folge seiner Krankheit litt er an Gehörlosigkeit. Wie stark diese Krankheit war, ist nicht genau bekannt. Aber er konnte sich mit dem König gut in Zeichensprache verständigen. 1800 begann Goya eines seiner berühmtesten Gemälde, das ein Porträt der Familie Karls IV. darstellte. Es hängt heute im Prado. Auf dem Gemälde selbst hat sich Goya im Hintergrund im Schatten selbst verewigt. Das Gemälde ist u.a. deshalb so berühmt, weil eine so realistische Darstellung der spanischen Königsfamilie dazu führte, dass ein zeitgenössischer Kritiker äußerste, das Königspaar sähe aus, wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn. Goya malte das Bild als subjektiver Beobachter der Familie des Königs am Hof. Darin ließ er sich von seinem Vorgänger Diego Velázquez beeinflussen, der als Hofmaler ähnlich vorging. Diese doch sehr realistische Darstellung, die die Königsfamilie nicht unbedingt im besten Licht darstellte – reich aber nicht sehr attraktiv, war schon auch eine mutige Arbeit, die aber ohne Folgen blieb. Es gibt Hinweise, dass die Dargestellten mit ihren Porträts sehr zufrieden waren. Dennoch lässt der Realismus im Blick des Hofmalers Goya vermuten, dass die Direktheit und ungeschönte Nüchternheit – man kann es teilweise Hässlichkeit nennen –, wie das Personal des Hofes dargestellt ist, nicht versehentlich geschah und eine gewisse Distanz Goyas zum Königshaus ausdrückte.
Wie vielfältig seine Kunst danach noch wurde, liegt nicht nur am Genie Goya, sondern auch an der turbulenten Zeit, in der er lebte: Mitten in die Idylle am Hof platzte die Besatzung durch französische Truppen. Joseph Bonaparte, der Bruder Napoleons Bonaparte wird, gestützt von französischen Militärkräften, zum spanischen König ernannt. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 erschossen französische Soldaten mehrere spanische Rebellen. Goya erstellte daraufhin sein Gemälde „Die Erschießung der Aufständischen“, das eine schreiende Anklage an den Krieg ist.
1814 kehrt dann König Ferdinand VII. auf den spanischen Thron zurück und Goya wurde wieder Hofmaler. Ein Bild von Francisco Goya sorgte dann 1815 für einen Skandal, für den er sich vor der Inquisition verantworten musste. Goya schuf zwischen 1801 und 1802 die bekleidete und nackte Maja, wobei „Die nackte Maya“ das erste Aktbild der spanischen Kunst ist, auf dem weibliche Schamhaare zu sehen waren. Ursprünglich waren die nackte und die bekleidete Maya mit Scharnieren verbunden, so dass die nackte Version mit der bekleideten Darstellung verdeckt werden konnte. Bei der „Maya“ handelt es sich um die Herzogin von Alba, die er mehrfach porträtierte.
Aber nicht nur das freizügige Werk erregte das Missfallen, auch die Bilderreihen „Caprichos“,und „Desastres“. Zwischen 1810 und 1820 entstanden die “Desastres de la Guerra”, die “Schrecken des Krieges”. Schonungslos zeigen die Bilder, mit welchen Gräueltaten Napoleon in Spanien vorging und welche Folgen die französische Fremdherrschaft hatte. “Los Caprichos” (“die Launen”) entstanden zwischen 1793 und 1799. Ganz aktuelle Probleme der Gesellschaft wurden auf rund 80 Blättern gezeigt: Armut, Aberglaube oder wie Adel und Klerus ihre Macht auch mit brutalen Mitteln zu erhalten versuchten. Es ist ein Horrorkabinett der Dummheit, der Willkür und des religiösen Wahnsinns. Goya hat die Welt nicht einfach dargestellt, er hat sie seziert und die Spannungen zwischen Vernunft und Wahnsinn, Gerechtigkeit und Grausamkeit, Hoffnung und Verzweiflung offengelegt. Und leider ist Goya hochgradig aktuell und hält uns einen Spiegel vor, von dem wir uns gewünscht hätten, dass wir ihn nie wieder aus der Schublade ziehen müssten.
Die Bilder erregten großen Anstoß, insbesondere bei Vertretern der Kirche. Nur das Eingreifen des spanischen Königs verhinderte eine Verurteilung Goyas durch die Inquisition.
Für die Bilderreihen verwendete er eine neue Technik, die erst in den 1760er Jahren erfunden worden war: Aquatinta. Dabei wird von einer Druckplatte mehrfach eine Schicht weggeätzt (mit einer scharfen Flüssigkeit abgetragen), sodass nachher beim Drucken verschiedene Grautöne entstehen. Mit dieser Technik konnte er dann auch die sehr düstere Stimmung der Bilder erzeugen.
Im Jahre 1819 zog sich der doch liberale Goya aufgrund der politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus Quinta del Sordo, das Haus des tauben Mannes, zurück. Er widmete sich vier Jahren der Bemalung der Wände seines Landhauses. Diese Bemalungen gingen als „Pinturas Negras“ (schwarze Bilder) in die Werkgeschichte Goyas ein. In ihnen scheinen sich düstere Phantasien des Malers mit den bedrückenden Zeitumständen vermischt zu haben. Sie wurden inzwischen abgenommen, auf Leinwand übertragen und dem Prado übergeben.
Die Situation in Spanien wurde für Goya aber immer prekärer. Er war liberal eingestellt, bezog Positionen gegen die Folter, Inquisition aber auch gegen den Absolutismus. Um politischen Verfolgungen zu entgehen, reiste er nach Frankreich, wo er ab 1824 in Bordeaux lebte. Dort arbeitete er an seinen letzten Radierungen, die verschiedene Stierkampfszenen zeigen. Sein letztes Bild ist “La Lechera de Burdeos“ (Das Milchmädchen von Bordeaux), das Ölgemälde einer schönen, entspannten jungen Französin, das im Gegensatz zu vielen seiner anderen Bilder eine ruhigen freundlichen Eindruck hinterlässt. Es gilt als ein Vorläufer des Impressionismus.
Goya starb schließlich, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hat, am 16. April 1828 in Bordeaux, wo er auch begraben wurde. Es dauerte bis 1901 bis sein Leichnam nach Spanien zurückkehrte. 1919 wird er in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid beigesetzt.
Francisco Goya wird einerseits zu den letzten der alten Meister aber auch als erster der modernen betrachte. Francisco Goya beeinflusste mit seinen Werken spätere Generationen von Künstlern, darunter Delacroix, Edouard Manet und auch Pablo Picasso. Vieles, was Goya malte, ist auf den ersten Blick schwer erträglich und noch schwerer interpretierbar, aber leider auch heute noch sehr real.