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Die Romanik in Nordwestspanien

Die Romanik in Nordwestspanien

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  1. Historische Gegebenheiten

 Die Entstehung und Ausprägung der romanischen Architektur ist in Spanien anders verlaufen als in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern, weil die historischen Voraussetzungen anders waren. Denn seit 711 herrschten die Araber über fast die gesamte iberische Halbinsel. Allein das asturische Königreich, das später im Königreich Kastilien und Leon aufging, war nicht besetzt. Es war das Zeitalter der Romanik, in dem die Reconquista – die Rückeroberung unter christlichen Vorzeichen – ihre ersten Erfolge verbuchte. Neben Asturien waren es die fränkische Mark Katalonien und die Königreiche Navarra und Aragon, die die Reconquista vorantrieben und die Rückeroberung Spaniens von den Arabern im Laufe der Zeit zu einem Anliegen der gesamten Christenheit machten. Die Reconquista erreichte Mitte des 11. Jhs. die Linie Ebro-Duero, zu Beginn des 12. Jhs. den Tajo und Anfang des 13. Jhs. den Guadiana (vgl hierzu auch die Texte über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista).

In der Folge dieser politischen Veränderungen kam es auch zunehmend zu kulturellen Entwicklungen. So wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela sehr stark forciert und in diesem Zusammenhang entstanden auf den Pilgerwegen dorthin zahlreiche Kirchen und Klöster. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand weitete sich der Kirchenbau dann auch nach Süden aus. Der Widerstreit zwischen den arabischen Herrschern im Süden und den christlichen Herrschern im Norden hatte eine kulturelle Zweiteilung der iberischen Halbinsel zur Folge. So ist die romanische Baukunst eigentlich nur im nördlichen Bereich zu finden, während im Süden teilweise noch bis ins 15. Jh. die arabische geprägte Architektur gepflegte wurde. Deshalb findet man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bauwerk_der_Romanik_in_Spanien  auch nur eine Aufstellung von Bauwerken der Romanik in den Regionen Aragon, Navarra, Kastilien-Leon, Galicien und Katalonien.

Marcel Durliat Romanisches Spanien
Kastilien/Leon Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25411646 Zamora
  1. Der vorwiegend französische Einfluss auf die romanische Baukunst in Nordwestspanien

 Die romanische Baukunst in Nordwestspanien weist anfänglich noch eine gewisse Eigenständigkeit auf. So ist der Übergang von der asturisch/mozarabischen Kunst zur Romanik fließend. Aber mit der zunehmenden Intensität der Pilgertätigkeit verstärkt sich zunehmend der Einfluss einer europäischen, besonders französisch geprägten Architektur. Für diese starke Anpassung an die französische Baukunst gibt es mehrere Gründe.

  1. Die Pilgerwege, entlang derer sich im Laufe der Zeit ein richtiges Baufieber entwickelte, bedingten eine stärkere kulturelle Offenheit. Zunächst entstanden nur wenige Hospize entlang der Wege. Dann bildeten sich größere Siedlungen heraus und Klostergemeinschaften kümmerten sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Die in diesem Zusammenhang neu errichteten Kirchenbauten orientierten sich an ausländischen Vorbildern. Hier ist auch der Einfluss des Benediktinerklosters in Cluny wichtig, wurden von dort aus doch zahlreiche Konvente in Spanien errichtet.
  2. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung des Zisterzienserordens. Denn die Gläubigen trauten den Zisterziensern im Laufe des 11. Jh. stärker als anderen zu, effizient für das Seelenheil der Verstorbenen zu sorgen. Deshalb förderten und unterstützten die verschiedenen Machthaber die Ansiedlung der Zisterziensermönche. Da der Orden aber in seiner ganzen Struktur sehr straff organisiert war, gab es intensive Wechselbeziehungen zu zahlreichen Klöstern in Europa und vor allem zur französischen Zentrale. Die Abtei Citeaux war das Mutterkloster aller Zisterzienserabteien.
  3. Die stark an der französischen Kultur orientierten Ritterorden, die ja auch im Rahmen der Pilgerbewegung und der Reconquista aktiv waren, förderten ebenfalls diese Entwicklung.
  4. Eine aktive Bevölkerungspolitik der Lokalherren mit der Vergabe von Privilegien an Fremde führte zu einer deutlichen Ansiedlung von neuen Bürgern in den Städten. So entstanden zahlreiche Frankenviertel, d.h. Viertel, in denen vorwiegend aus Frankreich kommende freie Bürger lebten.
  5. Auch ästhetische Gründe spielten eine Rolle. So wurde Ende des 12. Jhs. die französische Baukunst als vorbildlich empfunden, so dass sich Bauherren, die eine anspruchsvolle Kirche errichten wollten, an französischen Vorbildern orientierten.

Aber es wäre zu einseitig, den Einfluss nur in eine Richtung zu sehen. So ist die Romanik auf der Iberischen Halbinsel ohne den Einfluss der französischen Baukunst nicht denkbar, aber die spanische Romanik ist nicht nur ein Ableger der französischen sondern sie hat auch eigene Leistungen hervorgebracht und somit haben auch umgekehrt Anregungen aus Spanien Eingang in die französische Baukunst gefunden. Das intensive künstlerische Schaffen entlang der Pilgerwege war stets auch mit wechselseitigen Beeinflussungen verbunden.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361 Jaca Aragon
  1. Gestaltung der romanischen Baukunst in Spanien

 Geografische Einflüsse

Auf Grund der politischen Situation findet man vorwiegend im Norden und Westen Spaniens eine größere Zahl von romanischen Kirchen (s.oben). Dabei kann man die Romanik regional in zwei Bereiche aufteilen.

Der Osten mit der Landschaft Katalonien steht in 11. Jh. in starkem Austausch mit Oberitalien, konkret der Lombardei. Charakteristische Elemente der lombardisch ostromanischen Baukunst sind:

Wände aus einem nur grob zugehauenen Bruchstein geschichtet, aus dem Tür- und Fensteröffnungen wie ausgeschnitten erscheinen. Einziges Gliederungselement sind flach an die Wand aufgelegte Lisenen.

In den westlich von Katalonien gelegenen Landesteilen hat sich die westromanische Baukunst herausgebildet, die sich stärker an der französischen Kultur orientierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela und die damit verbunden Einflüsse. Charakteristische Elemente der westromanischen Baukunst seit dem 11. Jh. sind:

Glatt bearbeitete und sauber gefugte Quader und plastisch geformte Gliederungsteile wie man sie auch jenseits der Pyrenäen findet.

Allein in Aragon treffen der ost- und westromanische Baustil zusammen. Allerdings findet keine Vermischung statt, sondern es entstehen stilreine Bauten beider Richtungen. Zu nennen ist hier in Santa Cruz de la Seros die Kirche San Caprasio im lombardischen Stil und die Klosterkirche San Maria im westromanischen Stil.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der westromanischen Kirchen ist in vielen Orthaften häufig eher schlicht und angebunden an die lokalen Traditionen.

Viele der eher regionalen Hallenkirchen zeigen typische Merkmale:

  • mit halbrunden Apsiden und Querschiff,
  • längsmassive, wuchtige und geduckte Bauform, die außen wenig gegliedert ist,
  • kleine Fenster, dicke Mauern, Tonnengewölbe mit und ohne Gurtbögen,
  • Fenster und Eingänge mit Rundbögen überwölbt, Fenster häufig durch Zwischensäulen in mehrere Fensterbögen unterteilt,
  • oft wenig belichtete, höhlenartige Innenräume, runde, quadratische oder gegliederte Pfeiler,
  • Ornamentik dezent eingesetzt
  • häufig runde, quadratische oder rechteckige Türme, die an verschiedenen Teilen der Kirche – meist an den Seiten oder über dem Querschiff angebracht sind. Diese Platzierung war darauf zurückzuführen, dass die Bauherren die Türme, da sie aus Ziegeln gebaut waren (ein Material, das weniger beständig ist als Stein), im stärksten, widerstandsfähigeren Abschnitt (normalerweise an den Apsiden) aufstellen mussten. 

In die folgende Zeit bis Mitte des 13. Jhs. (Spätromanik) fällt der Bau vieler Klöster und Kirchen der Zisterzienser. Auf Grund des Glaubensverständnisses der Zisterzienser waren Einfachheit und Funktionalität Kriterien, die die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso kennzeichnen wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.  Die Verbote, die den Luxus betrafen, sahen außerdem für die Klosterkirche einen Bau ohne Krypta und Turm mit flachabschließendem Chor (keine Apsis) vor. Teilweise wurde im Inneren auf Ornamentik und Bauschmuck verzichtet.

Übergang zur Gotik als Baustil

In Spanien ist kein schrittweiser Übergang von der Romanik in die Gotik zu verzeichnen, sondern der neue Stil entstand „fast schlagartig“ in den 20iger Jahren des 12. Jhs. mit den Kathedralen von Toledo und Burgos. Diese sind im Prinzip Kopien von gotischen Kirchen in Frankreich. Die schnelle und vor allem einheitliche Entwicklung der Gotik im Land lässt sich dadurch erklären, dass von den zentralistischen Regierungen der Königreiche von Katalonien-Aragon und Kastilien-Leon ein gleichartiger Stil der Kirchen proklamiert wurde. Diese Entwicklung, wie wir sie ja auch aus dem zentralistischen Frankreich kennen, diente auch zur Demonstration der königlichen Macht im Lande und den veränderten Machtverhältnissen.

 

Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3370116 Ourense Galizien
  1. Baumeister, Steinmetze und Erbauer und Sponsoren

Im Mittelalter hat es den “Architekt“ – wie er von den Römern verstanden wurde – in dieser Form nicht gegeben. Die Aufgaben des ehemaligen Architekten werden von den Baumeistern durchgeführt. Der Baumeister war ein Künstler, der in den meisten Fällen mit einem Team von Arbeitern, die er unter seinem Kommando hatte, zusammen an den   Bauten arbeitete. Der Baumeister war derjenige, der die Arbeiten an den Gebäuden beaufsichtigte, aber gleichzeitig war er auch Handwerker, Bildhauer, Tischler oder Steinmetz. Diese Personen wurden normalerweise in Klöstern oder in Gruppen von gewerkschaftlich organisierten Freimaurerlogen ausgebildet.

Neben dem Baumeister gab es eine große Gruppe von Steinmetzen, Maurern, Bildhauern, Glasmachern, Tischlern und Malern und anderen Berufen. Diese Mannschaften bildeten Werkstätten, aus denen oft lokale Meister hervorgingen, die in der Lage waren, zahlreiche ländliche Kirchen zu bauen. Sie zogen in einem gewissen Umkreis (ca. 150 qkm) gemeinsam von einer Baustelle zur anderen. So erklärt sich auch die typische regionale Gestaltung von Kirchen.

Steinmetze bildeten den Großteil der Arbeiter bei der Errichtung der Gebäude. Die Anzahl der Steinmetze war abhängig von der Größe der sakralen Gebäude. Einige Zahlen sind bekannt, so waren beim Bau der Alten Kathedrale von Salamanca zwischen 25 und 30 Steinmetze angestellt. Diese Steinmetze und andere Arbeiter waren von Steuern befreit. Sie wurden entsprechend ihrer Spezialisierung in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe waren diejenigen, die Gebäudeteile von hochwertiger Qualität oder die geschnitzten Reliefs erstellten (echte Bildhauer) und die in ihrem eigenen Tempo arbeiteten. Sie hinterließen ihre fertige Arbeit auf dem Gelände. Diese Teile wurden dann erst später am oder im Gebäude platziert. Die zweite Gruppe bestand aus fest angestellten Mitarbeitern, die das Gesamtgebäude errichteten. Daneben gab es auch eine Gruppe ungelernter Arbeiter. In vielen Fällen boten diese Leute ihre Arbeit oder ihr Können an, weil sie als Christen stolz waren, an einem großartigen Projekt mitzuarbeiten, das ihrem Gott gewidmet war. Aber auch sie erhielten eine Vergütung entweder pro Tag oder pro Stück. 

Von besonderer Bedeutung für die Gestaltung der Kirchen waren natürlich die Bauherren, bestimmten sie doch neben der Größe der Kirche z.B. welche Themen und Heilige in den Skulpturen und Reliefs dargestellt werden sollten. Außerdem beriefen sie entsprechend den finanziellen Möglichkeiten die jeweiligen Baumeister und Künstler. Neben den Klöstern waren es in Nordwestspanien vor allem die Könige und ein Teil des Adels, die als Förderer des neuen romanischen Stils auftraten. Ein Teil der Kirchen am Pilgerweg waren königliche Stiftungen, woran sich das Interesse der Herrscher am Pilgerweg zeigt. Denn sie erhofften sich von den großen Pilgerströmen einerseits wirtschaftliche Prosperität, verbanden damit aber auch religiöse und spirituelle Hoffnungen.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María la Real, Sangüesa, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254324 Navarra

Exkurs: Die spirituelle Bedeutung der Kirchen für die Pilger

Vielleicht noch ein paar Worte zur Wirkung der Kirchen auch heute auf den Jakobswegen.

Kirchen sind nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägen als symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch. Gläubige machen hier eine besondere Erfahrung, das Gefühl einer besonderen Nähe zu Gott. Kirchen sind Metaphern für ein Welt- und Gottesverständnis, das sich immer wieder kulturell gewandelt hat. Diese kulturellen Veränderungen aber auch ihre unterschiedlichen regionalen Ausprägungen finden dann ihren sichtbaren Ausdruck in der baulichen Gestaltung der Kirchen.

Neben dieser religiösen Betrachtung gibt es noch weitere Bedeutungen. So schreibt Pascal Mercier einmal: „Dafür sind Kathedralen gebaut worden als Orte, an die man gehen kann, wenn die Dinge des Lebens einen überwältigen: Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod. Man braucht an nichts zu glauben. Der Raum allein genügt.“

Es sind auch Rückzugsorte, wenn man keine großen Probleme hat. Allein die Ruhe und das Stille berühren einen im Inneren. Sie regen zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Meditieren an. Es findet gerade hier noch einmal eine Entschleunigung statt, ein so wichtiges Gefühl beim Pilgern. Man genießt auch die Kühle der Kirche im Vergleich zur Hitze der Landschaft. Ja und gelegentlich wird man auch einfach eingefangen von der mystischen Atmosphäre einer Kirche.

Nooteboom spricht noch einen anderen Aspekt an. Er sagt, dass wir uns ja immer in der Geschichte befinden der gegenwärtigen und der von einst. Und Kirchen regen uns  dazu an, uns mit der Vergangenheit  auseinanderzusetzen. So können wir uns z.B.  in die Zeit des längst für immer verschwundenen Mittelalters versetzten und vielleicht auch die Mühen und Schwierigkeiten der damaligen Pilger reflektieren.

 

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Die Eibe – ein Baum voller Magie

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Camino del Norte / Camino Primitivo

Beschreibung

Die Eibe gilt als die älteste Baumart Europas. Schon vor 200 Millionen Jahren war der triassische Vorläufer der Gattung Taxus weit verbreitet. Die Europäische Eibe (Taxus baccata) entstand vor etwa 15 Millionen Jahren. Die langsam wachsende Eibe wurde einst als heiliger Baum verehrt.

Biologisch ist die Eibe ein immergrünes Nadelholz. Sie altert extrem langsam, ihr Holz ist langlebig, widerstandsfähig und gleichzeitig biegsam. Der immergrüne Baum kann mehrere tausend Jahre alt werden. Samen, Rinde und Nadelwerk der Eibe sind außerordentlich giftig. Alle Teile der Eibe (ausgenommen der Samenmantel) enthalten das giftige Taxin sowie die ebenfalls giftigen Stoffe Myricylalkohol und Taxicatin. Beim Menschen führt schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Beeren ist genießbar. Die Eibe ist bei uns selten geworden. Vom Altertum bis ins Mittelalter hat der Mensch einerseits dem wertvollen Holz dieser Baumart nachgestellt, u.a. um aus dem biegsamen aber harten Holz Pfeilbogen und Armbrust herzustellen. Anderseits wurde diese Baumart wegen der hohen Giftigkeit für Pferde durch Pferdehalter und Fuhrleute systematisch vernichtet. Und die Langsamkeit des Wachstums tut dann zusätzlich ihre Wirkung. Das seltene Holz ist heute sehr gesucht für Drechslerarbeiten, Möbelbau und für die Herstellung von Musikinstrumenten.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=457198

Mystische Bedeutung

Um die Eibe – den sogenannten Baum des Lebens – ranken sich jede Mende mystische Geschichten und Aberglauben. Seit dem Altertum gilt sie als Baum des Todes und der Ewigkeit und ist deshalb oft auf Friedhöfen zu finden. Andere sagen, der Teufel soll sich vor dem Gewächs fürchten, so wurde die Eibe als Schutz für die Toten angebaut. Auch Zauberkräfte sagte man ihr nach, sie wurde als Schutz vor Hexen und bösen Geistern ums Haus herum gepflanzt. Die Eibe bedeutete auch ein Symbol für ewiges Leben und sie besitzt durch ihre toxischen Säfte die Macht über Leben und Tod.

In Asturien ist die Eibe schon seit vorchristlicher Zeit einer der wichtigsten mythologischen Bäume. Als Tejo, Texu, Tixu oder Teixo ist die Eibe in Asturien bekannt (engl. Yew Tree). Die Kraft heiliger Eibenhaine und einzelner alter Eibenbäume wurde in Asturien schon von den Menschen der Bronzezeit und der Steinzeit dazu genutzt, über den Geist der Bäume Kontakt mit dem Jenseitigen aufzunehmen. Die Eiben waren Symbol der Verbindung zu den Ahnen. Unter den Eiben traf der Ältestenrat wichtige Entscheidungen. 

Für die Kelten war die Eibe ein heiliger Baum. Man sagt, sie stand für das Ende des keltischen Jahresrades, für den letzten Tag vor der Wintersonnenwende, der Neugeburt des Lichts. Aus Eibenholz wurden die Wahrsage- und Zauberstäbe der keltischen Druiden geschnitten. Man erzählt sich, dass die asturische und galicische Landschaften Landschaften der Märchen und Fabeln, Hexen und Zauberer, unerwarteter Erscheinungen und verzauberter Wälder, herumirrender Geister und keltischer Nebel sind.

Später errichteten die Christen an alten heiligen heidnischen Orten oft Kapellen, Kirchen und Klöster. Deshalb sind Eiben auch heute noch in Asturien neben vielen Kapellen, Kirchen und an alten gemeinschaftlich genutzten Plätzen zu finden. Man sagt, wer Kraftorte in Asturien entdecken möchte, der folge der Eibe. Die größten Eibenbestände der iberischen Halbinsel und einer der ältesten Eibenbestände Europas sind in der Sierra del Sueve erhalten geblieben. Der Naturraum des Sueve ist an der Küste begrenzt durch die Orte Ribadesella und Villaviciosa. Im Landesinneren markieren die Flusstäler des Río Piloña und Río Sella das Gebiet.

Von Nasenbär - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Kauk0r., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8869584

Wir finden die Eibe auf unserem Weg auf dem Camino Primitivo z.B.:

  • in Oviedo an der Kathedrale leider eine tote Eibe
  • in Vega bei Oviedo an der Einsiedelei Santa Ana
  • in Salas am Friedhof San Martin
  •  

Wer den Camino Primitivo in Villaviciosa startet oder hier auf dem Camino del Norte  vorbeikommt, der findet welche bei

  • San Martin de Valleslay
  • San Martin del Mar
  • Einsiedelei Santiago de Ballera
Von 4028mdk09 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7872044
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Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Kloster mitten in der Natur

Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Koster mitten in der Natur

Das Kloster Santa Maria de Sobrado in der Gemeinde Sobrado dos Monxes ist ein ganz besonderes Etappenziel sowohl auf dem Camino Primitivo als auch auf dem Camino del Norte. Es ist wohl das spektakulärste Kloster auf den beiden Wegen.

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31253163

Das Kloster soll im 10. Jahrhundert von den Benediktinern gegründet worden sein. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war es verlassen. Im Jahr 1142 erfolgte die Wiedergründung als Zisterzienserkloster von der Primarabtei Clairvaux aus. Es ist das erste Zentrum des Zisterzienserordens in Spanien. Die kolossalen Gebäude in Mitten der Natur zeugen von der Macht und Bedeutung des Klosters. Dies zeigt sich auch darin, dass es als Tochter das Kloster Valdedios in Asturien gründete und ihm das Kloster Monfero in der Provinz A Coruna unterstellt wurde.

Aus dieser Blütezeit im 12. Und 13. Jh. sind nur noch wenige Räume erhalten. Dazu gehört die kleine Magdelena-Kapelle. Außerdem ist die beeindruckende Gewölbeküche, eine der wenigen noch erhaltenen Küchen aus dem Mittelalter mit ihrem besonderen Kamin in der Mitte des Raumes aus dieser Zeit zu bewundern ebenso wie der elegante Kapitelsaal.

Nach dieser Hochphase trat eine Zeit des Niedergangs ein. Durch den Beitritt der Klosters 1498 zur Zisterzienserkongregation von Kastilien kam es zu einer neuen Blütezeit, in der die meisten Klosterräume im Stil der Renaissance und des Barocks modernisiert wurden. Allein die Sakristei ist schon auf Grund der Größe eine der beeindruckendsten in Spanien. Sie wurde von Juan de Herrara gebaut, einem der bedeutendsten Architekten der Renaissance in Spanien. Er war auch maßgeblich am Bau der Kloster- und Schlossanlage El Escorial bei Madrid beteiligt.

Die vergangene Größe des Klosters lässt sich auch an der kunstvollen Barockfassade der Kirche erkennen. Es gibt wohl keine Barockkirche in Galicien, die sich mit Sobrado vergleichen lässt, sowohl was die Größe aber auch die architektonische Reichhaltigkeit betrifft. Die mehrfach überkuppelte monumentale Kirche wurde Ende des 17. Jh. erbaut und 1708 eingeweiht. Der Meisterarchitekt ist leider nicht bekannt.

Ein Zeichen des Reichtums des Klosters ist auch, das es drei Kreuzgänge besitzt, den reichen Kreuzgang der Medaillons, den großen Kreuzgang und den Kreuzgang der Hospederia.

Durch die Säkularisierung und Klosteraufhebung durch die Regierung Mendizabal im Jahr 1834 wurde das Kloster verlassen und verkauft. So kam es zum Verfall und zur Plünderung der Kunstschätze. Erst Mitte des 20. Jh. begann der Wiederaufbau. Ab 1996 lebt wieder eine Zisterziensergemeinschaft im Kloster, die auch die Pilgerherberge betreibt. Das Kloster war ja von Anfang an eine Pilgerstation auf dem Jakobsweg.

 

Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Willyman" title="User:Willyman">Willyman</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 4.0, Link
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Steinkreuze/Cruceiros auf unserem Weg

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Wenn man auf den verschiedenen Pilgerwegen wandert, trifft man immer wieder auf eine Vielzahl von bemerkenswerten Steinkreuzen. Sie stehen an Kreuzungen, Plätzen, Straßenrändern und vor Kirchen und Kapellen. Besonders schön gestaltet und auffallend sind die Steinkreuze in Galicien, wo es zwischen 10.000 und 15.000 sogenannte Cruceiros geben soll.

Sie sind im Gegensatz zu den einfacheren Steinkreuzen größer und künstlerisch geformt.

Wie sieht so ein typisches Steinkreuz/Cruceiro aus?

Häufig steht der Sockel auf einer Plattform mit Stufen. Oft findet man hier auch eine Inschrift, die Auskunft gibt über den Auftragsteller oder den Zeitpunkt. So wollten die Spender für sich und ihre Angehörigen göttlichen Ablass erbitten. Auf dem Sockel steht die Säule, die teilweise verziert ist und darauf befindet sich das Kreuz. Dieses Kreuz ist – im Gegensatz zu vielen einfachen Kreuzen – beidseitig gestaltet. Auf der zum Hauptweg weisenden Seite befindet sich das Bild des gekreuzigten Christus und auf der gegenüberliegenden Seite eines der Jungfrau Maria oder eines Heiligen. Neben einzelnen Säulen gibt es auch Kompositionen von mehreren Säulen mit Figuren oder komplexen Szenen.

Die Funktionen der Steinkreuze sind vielfältig. Viele Steinkreuze wurden zur Heiligsprechung heidnischer Kultstätten verwendet. So wurden sie z.T. auf Menhiren oder römischen Meilensteinen aufgestellt. Außerdem markierten sie territoriale Grenzen und sollten Feldfrüchte und Vieh schützen. Den Pilgern dienen die am Rand der Wege stehenden Steinkreuze als Orientierung und als Platz, an dem man einmal innehalten kann.

Die ältesten Cruceiros stammen aus dem 14. Jh., es sind also gotische Kreuze. Sie breiten sich dann ab dem 16. Jh. weiter stark aus.

Luis Miguel Bugallo Sánchez (Lmbuga Commons)(Lmbuga Galipedia) - self made
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Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die atlantische Jakobsmuschel, die Große Pilgermuschel (Pecten maximus) ist das begleitende Symbol aller Jakobspilger.

 

Der Legende nach hat das Symbol folgenden Ursprung:

Ein junger Adliger ritt einst dem Schiff entgegen, mit dem der Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien gebracht wurde. Unglücklicherweise versank er dabei im Meer; jedoch rettete Jakobus auf wundersame Weise sein Leben und half dem Ritter, das Ufer zu erreichen. Dadurch war sein Körper über und über von Muscheln bedeckt und aus diesem Grund wird die Muschel seitdem als Schutzzeichen getragen.

 

In den Frühzeiten der Pilgerbewegung wurde die Muschel als Nachweis der Ankunft ausgegeben und war somit ein Vorläufer der heutigen Pilgerurkunde. Die Muschel wurde am Wallfahrtsort verkauft und von den Pilgern am Hut oder Umhang getragen. Im Mittelalter ging man den Jakobsweg als Hin- und Rückweg. Die Pilgermuschel trugen somit nur Personen, die den Jakobsweg bereits auf dem Rückweg gingen. Der Verkauf war eine wichtige Einnahmequelle des Wallfahrtsortes. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Pilgerschaft nicht mehr mit der Muschel, sondern mit einer Urkunde beglaubigt.

 

Im Codex Calixtinus, einem Sammelwerk des Jakobuskult aus dem 12. Jh., wird schon die Bedeutung der Jakobsmuschel betont. Die beiden Schalen der Muschel, heißt es dort, stünden für die Gebote der christlichen Liebe, die es immer zu verteidigen gelte: Gott über allen Dingen zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Außerdem gleiche die Muschel einer Hand, die sich zur Verrichtung guter Werke öffne. Ob die Pilger heute noch der Muschel  diesen Sinngehalt zusprechen, ist sicher zu bezweifeln. Aber sie ist auf jeden Fall ein stolz getragenes Symbol zur Unterscheidung gegenüber landläufigen Wanderern. Deshalb wird sie heute auch schon zu Beginn des Jakobsweges an der Kleidung oder vor allem am Rucksack befestigt.

Stein vor der Kathedrale in Santiago de Compostela

In europäischen Gräbern vor allem aus dem 11. bis 14. Jahrhundert sind bis nach Skandinavien hinauf wiederholt Große Pilgermuscheln gefunden worden. Aus derartigen Grabfunden lassen sich alte Pilgertraditionen, ihre zeitliche Zuordnung und ihre lokale Bedeutung nachvollziehen. Man glaubt, dass die Pilger des Mittelalters mit der Muschel des Jakobswegs begraben wurden, um sich im Jenseits als Pilger zu identifizieren. So zeigten sie nach dem Leben, dass sie die in Compostela vollkommene Vergebung erhielten und glaubten daran, dass Jakobus der Ältere in der anderen Welt für sie Fürbitte hielt.

 

Die Jakobsmuschel dient auch als Wegweiser. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund zeigt an, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Sie dient uns als Orientierung und man findet sie oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen oder anderen Gegenständen am Weg. Dabei fungiert die Muschel teilweise sogar als eine Art Pfeil: Zeigt das Muschelende, also der dünnere Teil, nach links, so setzt sich der Jakobsweg in der linken Richtung fort und umgekehrt. Allerdings gibt es auch unterschiedliche Interpretationen. In Galicien wird es z.B. anders interpretiert als in Asturien. In Asturien wird sie als Sternsymbol verstanden wird, dessen geschlossenes Ende den Weg anzeigt, weil dem Stern der Schweif folgt und für sie alle Straßen nach Santiago führen. In Galicien ist es eine Muschel, deren offenes Ende nach Santiago de Compostela zeigt. Für die Galicier symbolisiert der geschlossene Teil der Muschel Santiago de Compostela und für sie beginnen alle Jakobuswege dort. Die Unterschiede kann man auf dem Camino Primitivo in Acebo an der Grenze zwischen Asturien und Galicien beobachten.

Zudem ist die Muschel ein kunsthistorisches Zeugnis auf den Wegen. Wenn man durch die Dörfer geht, durch die der Jakobsweg führt, findet man häufig Gebäude, Brunnen oder Skulpturen mit der Pilgermuschel. Wir erkennen die Muschel als Dekoration an Kirchenfassaden und -portalen. Auch findet man in den Kirchen am Weg viele Darstellungen des hl. Jakobs als Pilger mit Brotbeutel, Wanderstab und Muschel.

älteste erhaltene Steinskulptur des Apostels aus dem 11. Jh. an der Kirche Santa Marta de Tera in Santa Croya de Tera
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Hórreros – die herrlichen Getreidespeicher in Asturien und Galicien

Hórreros – die herrlichen Getreidespeicher in Asturien und Galicien

Hórreros sind traditionelle Speicherbauten für Feldfrüchte (z.B. Mais), wie sie vornehmlich in Nordportugal und Nordspanien zu finden sind. Die kleinen Hórreros (auf unserem Weg meist in Galicien) wurden meist nur von ein oder zwei Familien genutzt, die längeren bzw. größeren (auf unserem Weg meist in Asturien) waren in der Regel dörfliche Gemeinschaftsspeicher.

 

Konstruktion

Hórreos  sind frei stehend und aus Holz oder Stein erbaut; das Charakteristische an ihnen ist der in der Regel ca. 80 bis 120 cm hohe Unterbau: auf zumeist steinernen Pfeilern liegen große Steinscheiben, auf denen dann der eigentliche – meist in Holzbauweise errichtete – Speicher aufliegt. Dieser kann – wie in Asturien – einen quadratischen oder – wie in Galicien und Leon – einen lang gestreckten rechteckigen Grundriss haben; die Wände und Türen sind mit Luftschlitzen versehen. Die ältesten noch erhaltenen Speicher stammen aus dem 16. Jahrhundert; der größte  – mit 35 m Länge – befindet sich in der Gemeinde Carnota im Nordwesten Galiciens.

Hintergrund für diese Bauweise sind die klimatischen Bedingungen im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Regenmengen von bis zu 2000 mm/Jahr sind in Galicien nicht selten; die daraus resultierende hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Vorräte bei schlechter Durchlüftung verrotten. Gleichzeitig dürfen aber keine Schädlinge (Mäuse, Ratten, Vögel) durch die notwendigen Lüftungsöffnungen eindringen. Diese sind klein genug angelegt, um die Kleintiere vom Lagergut fernzuhalten. Die Steinplatten bilden einen Überhang, der von den am Boden lebenden Nagern kaum zu überwinden ist. Das Dach kann aus Ziegelsteinen, Schiefer oder Stroh bestehen. Um den ganzen Bau zu nivellieren, werden unter den Pfeilern Steinplatten oder pilpayos eingeschoben.

In die Getreidekammer gelangt man über eine außen befindliche Steintreppe, den patín. Die Panera ist eine asturische Erweiterung des Hórreo, hat eine große Grundfläche, und hat eine umlaufende, überdachte Veranda. Diese Bauweise kam auf, als sich in Asturien der Anbau vonMais verbreitet und es somit reichliche Ernte gab, die aufbewahrt werden mußte. Verwendet wird sowohl Eichen als auch Kastanienholz. Als Nebengebäude des Hauses kann der Hórreo auf dem freien Gelände desselben oder in kleinen Gruppen auf beiden Seiten des Weges stehen. Oder man findet sie auch im Dorfzentrum. Manchmal teilen sich mehrere Personen einen Hórreo, und er kann dann verschiedene Eingangstüren haben.
Seitdem der Hórreo in Asturien im 14. Jahrhundert aufgekommen ist, hat er eigentlich nur kleine Veränderungen erfahren. Der asturische Hórreo ist auch das beste Beispiel für die vielfachen Holzkonstruktionen der asturischen Volksarchitektur. Ihre Verzierungen – Kreuze oder auch Figuren – sind ein spannendes Zeugnis der Vergangenheit und sollten die negativen Einflüsse von den gelagerten Waren fern halten.

Übrigens -Auch in anderen Ländern gibt diese Art der Volksarchitektur, so zum Beispiel in Rumänien, Slowenien, in der Schweiz, in Schweden und sogar in Japan.

Heutige Bedeutung

Die Hórreos sind heute als Speicher kaum noch im Gebrauch, werden aber zumeist gepflegt und erhalten, da sie für die Bevölkerung der genannten Regionen wichtige Kulturgüter darstellen und auch als touristische Attraktionen dienen. Ästhetisch sind sie reizvoll, weil sie jeden Garten, jede Wiese, jedes Dorf schöner aussehen lassen, funktional sind sie heute u.a. von Bedeutung, weil sie in Laufe der Zeit Ersatzfunktionen übernehmen konnten. Allein in Asturien soll es heute noch etwa 18.000 solcher Speicher geben. Ein Teil der größeren Hórreos wurden dabei als Wohnungen oder Ferienwohnung umgebaut.

 

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Römische Stadt Lugo

Römische Stadt Lugo

Wir betreten durch das Tor San Pedro Lugo, die älteste Stadt Galiciens mit ca. 100.000 Einwohner. Hier beginnt dann auch schon unsere Zeitreise in die römische Vergangenheit der Stadt. Denn das Tor, wie einige andere, liegt in der alten römischen Stadtmauer, die die gesamte Altstadt umschließt. Sie ist die am vollständigsten erhaltene Mauer im gesamten Weströmischen Reich.

Paullus Fabius Maximus ließ im Jahr 13 v. Chr. im Namen des Kaisers Augustus die römische Stadt Lucus Augusti gründen, die aus einem römischen Lager hervorging, das immer stärker wuchs.  Damit sollte der Nordwesten der iberische Halbinsel endgültig ins Römische Reich eingegliedert werden. Im 3. Jh. nach chr. wurde sie zur Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Superior. Eine früher errichtete erste Mauer wurde Ende des 3. Jahrhunderts durch die heute noch bestehende ersetzt. Der Neu- und Ausbau der Stadtmauer war notwendig, da das Imperium im Norden durch zahlreiche Überfälle von außen bedroht wurde. Die Mauer hat sich trotz der wechselhaften Geschichte Lugos u.a. unter der Herrschaft der Sueben und der Mauren und trotz der erforderlichen Ausbesserungs- und Ergänzungsarbeiten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt und ist seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe.

Von Malopez 21 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73731317
Von Cecilio Pizarro - (1850-10-06). "Muralla romana de Lugo". Semanario Pintoresco Español (40): 313. ISSN 2171-0538., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67290999

Die Mauer hat eine Länge von etwa 2100 m und umfasst eine Fläche von 34,4 ha. Diese Fläche umfasste damals neben den Wohngebäuden auch große Acker- und Brachflächen. Die Breite der Mauer beträgt 4,20 m und erreicht in einigen Abschnitten auch 7 m. Die Mauerhöhe variiert – geländebedingt – zwischen acht und zwölf Metern. Der Verlauf der Mauer bildet grob ein unregelmäßiges Viereck, wobei die Ecken abgerundet sind. In relativ kurzen Abständen – sie betragen zwischen 6,30 m und 13,50 m – sind nach außen meist halbkreisförmig Türme vorgebaut. Die Mauer hatte ursprünglich 85 Türme. Davon sind 46 noch erhalten, 39 wurden im Laufe der Zeit abgerissen oder zurückgebaut. Der Durchmesser der Türme variiert zwischen 9,80 m und 16,40 m.  Auf dem vorhandenen Steg waren mindestens zwei weitere Stockwerke aufgebaut, die heute nicht mehr erhalten sind. Ein einziger Rest  findet sich heute am Torre da Mosqueira mit seinen großen Fenstern mit Rundbögen. Als Fußgänger kann man auf der gesamten Mauer, wo einst die Wächter patrouillierten, entlang spazieren und so das alte Zentrum der Stadt umrunden, die Geschichte spüren und gleichzeitig das tägliche Treiben der Stadt beobachten.

Der Mauer vorgelagert war ein Graben. Er lag etwa 5 m vor den Türmen, war 20 m breit und 4 m tief. Davon sind heute nur wenige Spuren sichtbar. 1987 wurde der Graben durch archäologische Untersuchungen dokumentiert. Es wurde nachgewiesen, dass es sich nicht um einen durchgehenden Graben handelt, sondern dass er aus verschiedenen, voneinander unabhängigen Abschnitten bestand.

In römischer Zeit gab es fünf Tore, durch die man aus dem Umland die Stadt betreten konnte. Zwischen 1853 und 1921 wurden fünf weitere Tore durch die Mauer gebrochen, um den Anforderungen des wachsenden Verkehrs gerecht zu werden. Von den nun zehn bestehenden Toren dienen heute sechs ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Nur vier Tore dürfen von Kraftfahrzeugen durchfahren.

Weitere Sehenswürdigkeiten von Lugo sind:

  • die romanisch-gotische Kathedrale Santa Maria. Sie wurde im 12. Jh. erbaut, erhielt aber später gotische, barocke und neoklassische Bauteile dazu. Die Bauarbeiten dauerten über hundert Jahre an, wobei später wunderschöne Elemente, wie die neoklassische Fassade, welche unter dem Namen Santiago-Tor bekannt ist, hinzugefügt wurden. Die ursprünglichen romanischen Züge dieses Baus sind noch am Hauptandachtskreuz, dem größten Teil des Hauptschiffs sowie an den Seitenflügeln zu erkennen. Der gotischen Stilrichtung entstammen Elemente, wie das Deambulatorium, die Hauptkapelle oder der nördliche Säulengang, wohingegen die Sakristei, der Kreuzgang oder die Kapelle der Jungfrau Virgen de los Ojos Grandes im Barockstil gehalten sind. Im Innenbereich sind der prachtvolle in Nussholz geschnitzte Chor aus dem 17. Jahrhundert sowie das Retabel, welches der Schutzpatronin der Stadt gewidmet ist und als eines der Meisterwerke des galicischen Barocks angesehen wird, hervorzuheben. Die Kathedrale erhielt vom Papst das besondere Privileg, das Heilige Sakrament dauerhaft zu zeigen.
  • Der Barockbau des bischöflichen Palastes. Dieser Barockbau aus dem 18. Jahrhundert erhebt sich auf dem ehemaligen Standort des Turms der Grafen von Lemos.
  • Rund um die mit Säulengängen versehene Praza do Campo, welche in früheren Zeiten ein Forum Romanum und ein mittelalterlicher Markt war, erstreckt sich eine Vielzahl an belebten Einkaufsstraßen. Ganz in der Nähe erhebt sich die San Pedro-Kirche, ein wunderschönes Exemplar mittelalterlicher Architektur, welche Teil des ehemaligen San Francisco-Klosters war und heute Sitz des Provinzialmuseums, eines der bedeutendsten Museen der Provinz Lugo, ist.
  • Park Rosalia de Castro Will man sich nach der Wanderung ein wenig ausruhen, so bietet sich ein Besuch im Park Rosalia de Castro an.  Er wurde zu Beginn des 20. Jhs. angelegt und hat seinen Namen von der großen galicischen Schriftstellerin, die mit einer Skulptur geehrt wird. Mehrere Teiche sind von schönen Rosensträuchern umgeben. Von einem Aussichtspunkt an der Westseite kann man den vorbeifließenden Mino Fluss beobachten. In diesem Park befinden sich mehr als hundert unterschiedliche Arten von riseigen Bäumen: Riesenmammutbäume,  Ahorne, Spanische Tannen, Blaufichten, Atlaszedern etc.
  • Die römische Brücke von Lugo stammt aus dem 1. Jh. und verband Lucus Augusti mit Braga (Portugal) über die römische Straße. Die Brücke ist über einhundert Meter lang und vier Meter breit. Trotz zahlreicher Renovierungen blieb die ursprüngliche Gestalt erhalten. Heute ist sie nur für Fußgänger zugänglich und bietet einen herrlichen Spaziergang über den Fluss Mino.

Römische Thermen

Etwa einen Kilometer vor Lugo sind die Überreste römischer Thermen zu besichtigen. Sie entstanden im 1. und 2. Jh. und befinden sich heute unter dem Hotel Balneario de Lugo am Ufer des Flusses Mino. Die Ausgrabungen im Untergeschoss des Hotels sind für Besucher offen.

Quellen

Stefanie Bisping, Gint Schwarzenburg, 100 Highlights Jakobswege in Spanien und Portugal,  München 2021

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Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der Mudéjar-Stil - ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der spanische Islam zeigte häufig eine große Toleranz gegenüber anderen Religionen (vgl. die Ausführungen zur Islamisierung und zur Reconquista – Via Tolosana). Nicht selten mietete er sich in christliche Kirchen ein, so dass dasselbe Gebäude zeitweise gleichzeitig von den Christen als Kirche und von den Muslimen als Moschee genutzt wurden. Außerdem konnten die mozarabischen Christen zum Teil ungehindert auf islamischem Territorium Kirchen erbauen. Andererseits bauten islamische Bauherren auch jüdische Synagogen. Nach der Reconquista entwickelte sich dann bei Neubauten von Kirchen und Profanbauten ein neuer Baustil, der Mudéjar-Stil .

 

Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind. Sie durften zwar ihre Religion frei ausüben, mussten sich aber ihrer christlichen Umgebung anpassen und besaßen auch nicht die gleichen Rechte wie jedermann. Unter ihnen befanden sich viele Handwerker, Tischler, Maurer, Töpfer und Gärtner, deutlich mehr als in den unteren christlichen Schichten. Aus dem Zusammentreffen von christlichem und islamischem Kunsthandwerk und der Architektur entwickelte sich der neue Stil. Er wurde Mudéjar genannt und bedeutet so viel wie »die, die bleiben durften«.

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudejaren#/media/Datei:Cimborrio_Mud%C3%A9jar_Catedral_de_Teruel.png

Der Mudéjarstil begann im ausgehenden 12. Jahrhundert und erreichte vom 14. bis 16. Jahrhundert seine Blüte. Wie die Karte zeigt, verbreitete sich der Madejarstil in fast ganz Spanien. Viele der bemerkenswerten weltlichen und religiösen Bauten stehen auf der Weltkulturliste der Unesco. Die Madéjaren erstellten im Auftrag christlicher Bauherren zahlreiche Bauten und übten so als Baumeister einen erheblichen Einfluss auf die Baukunst in Spanien aus.

Der Mudéjarstil bildete keine neuen Strukturen oder Formen heraus (wie etwa Gotik oder Romanik). Vielmehr handelte es sich um eine Neuauslegung der westlichen Baustile unter dem Einfluss moslemischer Architektur. Das Nebeneinander und die Symbiose von Techniken eines unterschiedlichen Architekturverständnisses, die ihren Ursprung im Zusammenleben der jüdischen, moslemischen und christlichen Kultur hatten, brachten diesen Mudéjar-Stil hervor.

Toledo gilt als Geburtsstätte des Mudéjarstils mit seiner spezifischen Bau- und Zierweise (vor allem Zierrat aus Gips und Ziegelstein). Von Toledo aus gelangt der Stil Richtung Norden (León, Ávila, Segovia,…), und wird bald ‘Románico de Ladrillo’ (Backstein-Romanik) genannt. 

Da die maurische Kunst in Spanien allgegenwärtig war, griffen natürlich auch christliche Künstler auf diese Anregungen zurück. Der Mudéjar-Stil ist quasi eine kulturelle Verschmelzung von Ost und West, eine über Jahrhunderte entwickelte Kunst. Auf Grund seiner “Universalität, Einzigartigkeit und Authentizität” wurde er  2001 zum UNESCO Weltkulturerbe. Er kommt nur in Spanien vor.

Mudéjar_architecture_in_Spain_&_Portugal.png

Was macht den Mudéjar-Stil so besonders?

Der Mudéjar-Stil verwendet viele „»weiche« Materialien wie Ziegel, Gips, Keramik und Holz. Mit ihnen lassen sich besonders gut dekorative Elemente gestalten. Bestimmte architektonische Elemente und dekorative Themen tauchen im Mudéjar-Stil immer wieder auf. Die verwendeten Materialien sind zwar bescheiden, doch durch ihre kunstvolle Verwendung und Zusammenstellung zu schachbrettartigen und Fischgrät-Mustern, Rundbögen, Friesen, Rauten und christlichen Kreuzen entfalten sie eine besondere Wirkung. Bemalte Holzdecken sind repräsentativ für den Mudéjar-Stil.

Es wurden somit Materialien, Bauformen sowie Dekor aus der islamischen Architektur mit den Stilelementen der Romanik, Gotik und Renaissance verbunden.

Typische islamische Stilelemente, die integriert wurden, sind:

  • Backstein, glasierte Ziegeln
  • Hufeisenbögen
  • Rippengewölbe
  • Artesonado-Decken, d.h. kunstvoll verzierte Holzdecken
  • Stuck, Fayencen, emaillierte stilisierte Pflanzen
  • Arabische Schriftzeichen zum Lob Allahs in christlichen Kirchen

Die eigentliche Epoche der Mudejarstils endete im 16. Jahrhunderts. Allerdings erlebt der Stil im 19. Jh. eine Renaissance. Der sogenannte Neo-Mudéjar wird geboren. Vor allem öffentliche Bauten wie Bahnhöfe, Verwaltungsgebäude und Stierkampfarenen erhalten Holzelemente, arabeske Strukturen und bunte Keramikfliesen. Heute findet man den Stil noch in Hotelbauten im typisch »spanischen Stil

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Asturische vorromanische Architektur

Asturische (vorromanische) Architektur

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56670939

Die Vorromanik umfasst im europäischen Raum die Epoche des Frühmittelalters vom 5. – 11. Jh.. Es bezeichnet den Übergang von der Spätantike zur Romanik und wird vor allem in der Baukunst verwendet. Auch für die Kirchen des asturischen Stils wird oft der Begriff Vorromanik oder Präromanik verwendet. Allerdings wird dadurch ein Bezug zur Romanik suggieriert, der so nicht existiert.

Asturiens frühe Kirchen in und um Oviedo und in den Bergen bis an die heutige Grenze von León stellen einen besonderen Typus frühmittelalterlicher Architektur dar. Unter der Bedingung eines auf sich gestellten Kulturraumes und in ständiger Konfrontation mit der ganz anders gearteten maurischen Zivilisation entstand hier seit Mitte des 8. Jh ein eigenes eigenwilliges Kirchenbauprogramm, das sich bis heute erhalten hat. Die asturischen Kirchen stehen in ihrer Strenge und dekorativen Kraft für sich allein.

Wenn wir auf dem Camino Primitivo wandern, können wir die Wegalternative über Santa Maria del Naranco und San Miguel de Lillo wählen und so zwei der wichtigsten vorromanischen Bauwerke bewundern. Startet man am Zubringer zum Camino Primitivo, so kann man auch die Kirche San Salvador de Valdediós in Villaviciosa besichtigen. Sie liegt zudem nicht weit vom Camino del Norte entfernt. Auf dem Camino del Norte kommen wir auf jeden Fall an der Kirche San Salvador de Priesca vorbei.

https://temasycomentariosartepaeg.blogspot.com/2016/04/arte-prerromanico.html planta de Iglesia de San Julián de Prados

Asturische Präromanik – Stilelemente

Für die asturischen präromanischen Kirchen übernahm man die Bauweise der römischen Basiliken mit rechteckig-dreischiffigem Grundriss und Vorhalle. Rundbogenarkaden trennen Haupt- und Seitenschiffe, ein weiteres Querhaus ist dem dreigeteilten Chorhaupt vorgelagert.

Im Osten der Kirchen gaben die Asturier die bei den Westgoten nicht seltenen halbrunden Apsiden auf und wählten einen geraden Abschluß für den Chor, wie wir ihn auch bei den angelsächsischen und normannischen Kirchen Englands finden. Hervorstechend ist die häufige Verwendung von Backsteinen. In Verbindung mit den Natursteinen wirken sie als dekorative Elemente.

Fresken schmücken die Innenwände. In den Kapitellmotiven und den Durchbruchmustern der steinernen Fensterfüllungen wird häufig der Einfluss des Orients deutlich. Vor der Einführung von Glasfenstern wurden Transennen zum Verschluss von Fensteröffnungen verwendet. Sie finden sich häufig in den vorromanischen Kirchen Asturiens.  Korinthisierende Kapitelle, die schon westgotische Kirchen schmückten, sind in fast allen asturischen Bauten anzutreffen, mehr oder weniger stilisiert.

Maurischer Bauschmuck wird zunächst von der asturischen Dynastie in Oviedo weitgehend vermieden, verständlich bei der politischen und religiösen Gegnerschaft. Aber später wurden Elemente der mozarabischen Kunst eingefügt. Voraussetzung war, dass die christliche, »mozarabische« Bevölkerung im arabischen Teil Spaniens zunehmend bedrängt wurde und nach Norden auswich. Unter ihrem Einfluss entstand dort ein neuer Baustil, bei dem sich ältere lokale Elemente mit arabischen vermischten, die ihrerseits noch Römisches und Byzantinisches enthielten. Der Reichtum der Bauornamentik nahm  deutlich zu. Auf die so genannte “mozarabische Architektur” wird in einem Extrakapitel eingegangen (s. Mozarabische Architektur in Kastilien und Leon und im Serrablo de Huesca).

Kurzer Exkurs:
Vorromanische Bauten greifen, wie oben erläutert, antike Vorbilder auf, transformieren sie und bereiten die Formen der Romanik vor. Die Kirchenbauten folgten beispielsweise öfter dem römischen Bautyp der dreischiffigen Basilika (deutsch ‚Königshalle‘), die in der Antike zum einen als Audienzhalle eines Herrschers, andererseits aber auch als Gerichts- oder Markthalle Verwendung fand. Der Grund, warum keine Tempel zum Vorbild für die Kirchen genommen wurden, sondern Versammlungshäuser, ist in der christlichen Liturgie zu suchen, denn die Gottesdienste fanden unter Einbezug der Gemeinde statt, während in der antiken römischen Religion die Opferzeremonie vor dem Tempel stattfand, während nur die Priester den Innenraum des Tempels betreten durften.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16775828

Präromanik als künstlerischer Ausdruck der asturischen Monarchie

Die asturische Architektur ist einzigartig in Spanien, die durch die Kombination von Elementen anderer Stilrichtungen ( westgotische, lokale und mozarabische Traditionen) ihre eigene Persönlichkeit und Charakteristika schuf und sie entwickelte dabei nicht nur baulich ein beträchtliches Maß an Verfeinerung erreichte, sondern auch in Bezug auf Dekoration und Goldverzierung . Dieser letzte Aspekt ist in so wichtigen Werken wie dem Engelskreuz, dem Siegeskreuz, der Achatkiste (in der Heiligen Kammer der Kathedrale von Oviedo untergebracht), dem Reliquienschrein in der Kathedrale von Astorga und dem Kreuz von Santiago zu sehen.
Als Hofarchitektur folgten die vorromanischen Baudenkmäler teilweise den verschiedenen Standorten der jeweiligen Reichshauptstadt; von ihrem ursprünglichen Standort in Cangas de Onis (Ost-Asturien) über Pravia (westlich der zentralen Küste) bis zu ihrem endgültigen Standort in Oviedo , dem geografischen Zentrum der Region. Die Entwicklung der asturische Vorromanik war eng mit der politischen Entwicklung des Königreichs verbunden. So kann man fünf Perioden unterschieden, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll. 

Dabei werden die Kirchen genauer dargestellt, die nicht direkt am Jakobsweg liegen. Die Gebäude, die wir auf unserer Wanderung besuchen können, werden ausführlicher in eigenen Kapiteln behandelt.
Dies sind:
– Die heilige Kammer in Oviedo
– Santa Maria del Naranco am Camino del Norte bei Oviedo (s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Miguel de Lillo am Camino del Norte bei Oviedo ( s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Salvador de Valdediós in Villaviciosa am Camino Primitivo (nah bei Camino del Norte) vor Gijón (s. Kapitel Juwele der präromanischen Architektur)
– San Salvador de Priesca am Camino del Norte vor Gijón (s. Kapitel (Juwele der präromanischen Architektur)

Copyright 2004 von Mikel González . Aufgenommen mit Yashica FX-3. | Mikel GonzálezCredit: Santianes de Pavia

Die politische Entwicklung in Asturien und ihre wichtigsten Bauwerke

Erste Periode (737 bis 791)

Eine erste Periode (737 – 791) gehörte zur Regierungszeit der Könige Fáfila, Alfionso I.,Fruela I., Aurelio, Silo, Mauregato und Vermundo I.
Aus der Zeit des Aufstiegs und der Konsolidierung des jungen Königreichs sind zwei Kirchen zu nennen. Die Kirche Santa Cruz (737) lag am ursprünglichen Standort des Hofes, Cangas de Onís, von der wir nur schriftliche Erwähnungen haben, da sie 1936 zerstört wurde.
Das zweite Bauwerke ist die Kirche San Juan Apóstol y Evangelista Santianes de Pravia (zwischen 774 und 783) in Santianes. Sein Bau ist auf den Umzug des königlichen Hofes von Cangas de Onis nach Pravia zurückzuführen, einer alten römischen Siedlung (Flavium Navia), die an einer wichtigen Straßenkreuzung lag. Die zwischen 774 und 783 erbaute Kirche weist bereits einige Elemente auf, die auf die asturische Vorromanik schließen ließen; nach Osten ausgerichtet, Grundriss einer Basilika (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe ) , getrennt durch drei Halbkreisbögen, Querschiff zum Mittelschiff hin mit der gleichen Länge wie die Breite der drei Schiffe. Es verfügt außerdem über eine einzige halbkreisförmige Apsis und eine äußere Eingangshalle mit einer Holzdecke über dem Kirchenschiff.
In der Sakristei, wo sich ein Museum befindet, sind mehrere skulpturale Dekorationselemente mit floralen und geometrischen Mustern (etwas, das in der späteren Vorromanik üblich war) ausgestellt. Erhalten ist ein Kalksteinfragment mit Stifterinschrift, die als Kreuzwortlabyrinth gestaltet ist und die aus den Worten besteht: „Silo Princeps Fecit“ (König Silo hat es gemacht).

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Julián de los Prados, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018399
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Pedro de Nora, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17015433 San Pedro de Nora
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María de Bendones, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018361

Zweite Periode  (791 bis 842)

Eine zweite Phase umfasst die Regierungszeit von Alfons II. (791–842), die eine Phase der stilistischen Definition war.
Alfons II., bekannt als „der Keusche“ (vielleicht hatte er deshalb keine Nachkommen), war ein entscheidender König in der asturischen Monarchie. Aus militärischer Sicht etablierte er das Königreich endgültig gegen die Muslime (in der berühmten Schlacht von Lutos errang er einen bedeutenden Sieg), in der Verwaltung verlegte er den Hof an seinen endgültigen Standort nach Oviedo und in der Politik richtete er stabile Beziehungen zu Kaiser Karl dem Großen ein.
Was das Mäzenatentum anbelangte, so förderte Alfons II. die meisten vorromanischen Bauwerke, die die Merkmale dieses Stils prägten. Mit dem königlichen Architekten Tioda baute er die Kirchen San Tirso, San Julián de los Prados, Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora sowie den heute verschwundenen Palastkomplex in Oviedo, bestehend aus Kirchen von San Salvador, Santa María und dem angrenzenden Palast und der Kapelle (heute die Heilige Kammer der Kathedrale von Oviedo, das einzige, was noch übrig ist), die Reliquien wie die Heilige Bundeslade und Juwelen wie das Engelskreuz enthält. Außerhalb Asturiens, mit der Legende von der Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus in Galizien, an einem Ort, der als Campus Stellae ( Compostela ) bekannt wurde, ließ Alfons II. die erste Kirche zu Ehren des Heiligen errichten (Jahr 892).

Als die Kirche San Julian de los Prados oder Santullano erbaut wurde (ca. zwischen 812 und 842), war sie Teil einer Reihe königlicher Gebäude. Die Kirche hatte einen Basilika-Grundriss (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe). Die beiden Seitenschiffe sind durch drei Rundbögen auf Säulenkapitellen und quadratischen Säulen getrennt. Bemerkenswert ist die Existenz eines Querschiffs zwischen den Seitenschiffen und der Apsis, das in der Höhe das Mittelschiff übersteigt.
Schließlich gibt es eine gerade Apsis, die in drei Kapellen unterteilt ist, und über der Hauptkapelle, die nur von außen zugänglich ist, befindet sich ein Raum, über dessen Funktion noch immer Vermutungen angestellt werden. Vielleicht war er als Schutzraum gedacht. Was das Dach betrifft, so verfügt die Kirche über eine interessante Eichendecke mit geschnitzten Schnitzereien in verschiedenen geometrischen Mustern.
Aus ornamentaler Sicht sind die Wand- und Deckengemälde dieser Kirche die am besten erhaltenen Gemälde des Mittelalters in Spanien. Die verwendete Technik ist die Freskenmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung des Kalks werden die Pigmente stabil in den Putz eingebunden. Die dekorativen Gestaltungen zeigen einen deutlichen Einfluss der Wandmalerei aus der Römerzeit. Es gibt zahlreiche dekorative Elemente: Marmorimitationen, Rechtecke, Bänder, Webereien, Quadrate, imitierte Säulen, mit Pflanzenmotiven verzierte Medaillons, architektonische Muster, Vorhänge. Interessant ist, dass jegliche Darstellung biblischer oder religiöser Szenen fehlt, mit Ausnahme des Anastasis-Kreuzes (Alpha und Omega) als Symbol königlicher Macht. Der Mangel an figurativen Darstellungen wird als Anikonismus bezeichnet und wurde in späteren vorromanischen Kirchen nicht beibehalten.

In der Kirche San Tirso, die sich neben der Kathedrale von Oviedo befindet, ist von ihrem ursprünglichen Bau nur noch die Stirnwand der Apsis erhalten, da sie im 16. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde.

In der Entwicklung der vorromanischen Kunst in der zweiten Periode sind die letzten beiden die Kirchen Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora zu nennen. Die erste befindet sich nur fünf Kilometer von der Hauptstadt entfernt in südöstlicher Richtung in Richtung des Narón- Tals und war eine Schenkung von König Alfons III. und seiner Frau Jimena an die Kathedrale San Salvador am 20. Januar 905. Sie ist Santullano sehr ähnlich, obwohl der Grundriss nicht der typische Basilika der vorromanischen Kirchen ist, sondern drei Einfriedungen am westlichen Ende aufweist, die mittlere als Eingangshalle und zwei Seitenbereiche, möglicherweise zur Unterbringung von Gemeindemitgliedern oder Geistlichen. Dieser Eingang führt in ein einziges Kirchenschiff mit einer Holzdecke und einem interessanten Dach, das genauso lang ist wie die Eingangsbereiche. An das Kirchenschiff schließen sich zwei rechteckige Seitenbereiche an, ebenfalls mit einer Holzdecke, deren Nutzung mit den liturgischen Riten dieser Zeit in Zusammenhang zu stehen scheint. Dieses Kirchenschiff ist mit dem Altarraum durch drei halbkreisförmige Ziegelbögen verbunden, von denen jeder in die entsprechende Kapelle führt, von der nur der Haupt- oder Mittelbogen mit einem Tonnengewölbe aus Ziegeln und die anderen beiden mit Holzdecken bedeckt ist.
Oberhalb der Hauptkapelle befindet sich die „typische“ Kammer, die nur von außen durch ein Kleeblattfenster mit den typischen vorromanischen Elementen zugänglich ist. Der Mittelbogen ist größer als die Seitenbögen und ruht auf zwei freistehenden Kapitellen mit Seilzierleisten. Das obere Rechteck ist von einfachen Zierleisten eingerahmt.

Die Kirche San Pedro de Nora liegt am Fluss Nora, etwa zwölf Kilometer von Oviedo entfernt. Diese Kirche weist den in Santullano etablierten Baustil auf: nach Osten ausgerichtet, vom Hauptgebäude getrenntes Vestibül, Grundriss im Stil einer Basilika, Mittelschiff höher als die Seitenschiffe, mit sich kreuzendem Holzdach und durch Fenster mit Steingitter beleuchtet. Der gerade Altarraum ist in drei Apsiden mit Tonnengewölben unterteilt. Als differenzierendes Element waren die Apsiden durch die Trennwände durch halbkreisförmige Türen miteinander verbunden. Wie alle Kirchen dieser Zeit befand sich über der Apsis ein Raum, der nur von außen durch ein Kleeblattfenster zugänglich war. Der Glockenturm, der wie in Santa Maria de Bendones von der Kirche getrennt ist, gehört nicht zum ursprünglichen Bau und geht auf eine Initiative des Architekten und großen Restaurators der asturischen Vorromanik, Luis Menéndez Pidal y Alvarez , in den siebziger Jahren zurück .

Die Heilige Kammer wurde als Palastkapelle für Alfons II. und die Kirche San Salvador erbaut (der Palastkomplex und die Kirche wurden im 14. Jahrhundert abgerissen, um die heutige gotische Kathedrale zu errichten). Die Kammer neben dem vorromanischen Turm von San Miguel diente auch dazu, Reliquien aufzubewahren, die nach dem Fall des Westgotenreiches aus Toledo mitgebracht wurden . Es besteht aus zwei überlappenden Gängen mit Tonnengewölbe; Die Krypta oder das Untergeschoss hat eine Höhe von 2,30 Metern und ist der heiligen Leocadia gewidmet. Sie enthält mehrere Gräber anderer Märtyrer.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39385146 Santa Maria del Navanco

Dritte Periode (842 bis 866)

Diese Periode fällt mit der Regierungszeit von Ramiro I. und Ordoño I. zusammen. Der erste, Ramiro I Sohn von Vermudo I., trat die Nachfolge von Alfons II. an, als dieser ohne Nachkommen starb, und übernahm die Leitung eines schnell wachsenden Königreichs. Er wurde von Chronisten als Virga justitiae (Stab der Gerechtigkeit) beschrieben, weil er sich zwei internen Aufständen der Adligen stellen musste und weil er sich für die Jagd auf Magie und die schwarzen Künste begeisterte, die zu dieser Zeit in Asturien weit verbreitet waren. Er kämpfte auch erfolgreich gegen die Normannen und besiegte sie in Gijón und A Coruna. Auf der anderen Seite erlebte er eine Zeit des Friedens mit seinen traditionellen Feinden, den Muslimen, was ihm aus künstlerischer Sicht erlaubte, die Architektur und den dekorativen Stil der Vorromanik grundlegend zu erneuern.

Tatsächlich wurde während der kurzen Regierungszeit von Ramiro II. (842-850) eine Reihe von Gebäuden errichtet (mindestens drei sind erhalten geblieben), deren Qualität die davor und danach errichteten Gebäude deutlich übertraf. Diese Gebäude sind:

Santa María del Naranco.
San Miguel de Lillo.
Heilige Christina von Lena.
Die Bedeutung dieser drei Denkmäler ist so groß, dass dieser Gruppe ein spezifischer Name gegeben wurde: „Ramirense-Architektur“.

Nachfolger von Ramiro I. wurde sein Sohn Ordoño I., der ein militärisch sehr solides Königreich erbte, eine Bedingung, die es ihm ermöglichte, verlassene Städte auf der anderen Seite des Gebirges wie Tui , Astorga und León wieder zu besiedeln. Er kämpft auch gegen die Araber mit unterschiedlichem Erfolg; In der Schlacht von Clavijo (Jahr 859) besiegte er sie mit Leichtigkeit, doch sechs Jahre später, bei Hoz de la Morcuera, erlitt seine Armee eine Niederlage, wodurch die intensive Wiederbesiedlungsarbeit gestoppt wurde.

Das erste Bauwerk aus dieser Zeit, der Palast Santa Maria de Naranco (848), beinhaltete eine bedeutende stilistische, morphologische, konstruktive und dekorative Weiterentwicklung der Vorromanik. Der als Erholungspalast erbaute Palast befindet sich auf der der Stadt zugewandten Südseite des Monte Naranco und war ursprünglich Teil einer Reihe königlicher Gebäude am Stadtrand. Sein Charakter als ziviles Gebäude änderte sich im 12. Jahrhundert, als er in eine Marienkirche umgewandelt wurde.
Was die Chronisten viele Jahrhunderte lang bewunderten, waren seine Proportionen und schlanken Formen, seine reiche und vielfältige Verzierung und die Einführung von länglichen Tonnengewölben dank der Querbögen, die eine Stützung ermöglichten und Holzdecken überflüssig machten.

Die Kirche San Miguel de Lillo wurde im Jahr 848 von Ramiro I. und seiner Frau Paterna geweiht. Sie war ursprünglich der Heiligen Maria geweiht, später dann dem hl Michael.
Ursprünglich hatte es den Grundriss einer Basilika, drei Gänge mit Tonnengewölbe, obwohl ein Teil der ursprünglichen Struktur verschwunden ist, als das Gebäude im 12. oder 13. Jahrhundert verfiel. Heutzutage ist die westliche Hälfte aus dieser Zeit erhalten, zusammen mit mehreren Elementen im Rest der Kirche, wie den fantastischen Pfosten im Vestibül oder dem außergewöhnlichen Gitter am Fenster der Südwand, das aus einem einzigen Stück Stein gemeißelt ist.

Ausführliche Beschreibung der beiden Gebäude s. Kapitel “Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur –  Santa María de Naranco und San Miguel de Lillo”

Die letzte Kirche aus dieser Zeit ist Santa Cristina de Lena (um 850) liegt im Bezirk Lena , etwa 25 km südlich von Oviedo, an einer alten Römerstraße. Die Kirche hat einen anderen Grundriss als die traditionelle Basilika der Vorromanik. Es handelt sich um einen einzelnen rechteckigen Raum mit Tonnengewölbe und vier angrenzenden Baukörpern in der Mitte jeder Fassade. Der erste dieser Anbauten ist das typisch asturische präromanische Vestibül mit einer königlichen Tribüne im oberen Teil, zu der man über eine Treppe gelangt. Im Osten befindet sich die Einfriedung mit dem Altar, mit einer einzigen Apsis, die auf die traditionelle asturische vorromanische Dreiapsis verzichtet und auf westgotische Einflüsse zurückgeht. Im Norden bzw. im Süden befinden sich zwei weitere Einfassungen mit Rundbögen und Tonnengewölben, deren Nutzung mit der bis zum 11. Jahrhundert in Spanien praktizierten hispano-westgotischen Liturgie in Verbindung gebracht wurde.
Eines der charakteristischsten Elemente von Santa Cristina de Lena ist das über dem Boden liegende Presbyterium im letzten Abschnitt des Mittelschiffs, das durch drei Bögen auf Marmorsäulen vom für die Gemeinde bestimmten Bereich getrennt ist. Diese Trennung, die auch in anderen asturischen Kirchen auftritt, wird in keiner anderen mit einer ähnlichen Struktur wiederholt. Sowohl die Gitter über den Bögen als auch die Mauer, die den Mittelbogen umschließt, wurden im 7. Jahrhundert aus westgotischen Ursprüngen wiederverwendet. (848

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254184 Santa Cristina de Lenae

Vierte Periode (866 bis 910)

Dies umfasst die Regierungszeit von Alfons III., der im Alter von 18 Jahren nach dem Tod seines Vaters Ordoño I. den Thron bestieg, und markierte damit den Höhepunkt des Königreichs Asturien. Die Expansion gegen die muslimischen Gebiete gipfelte darin, dass er Porto und Coimbra im heutigen Portugal eroberte. Er erweiterte die Grenzen des Königreichs bis zum Fluss Mondego in Portugal und ließ Zamora, Simancas, Toro und das gesamte als Campos Góticos bekannte Gebiet neu besiedeln. Die Idee des asturischen Königreichs als Fortsetzung des Westgotenreichs in Toledo wurde bewusst übernommen, was die Verpflichtung zur Rückeroberung aller von Muslimen besetzten Gebiete beinhaltete. 

Die fortschreitende Expansion und wachsende Macht des Königreichs entfachte auch den Ehrgeiz der drei Söhne Alfons III. ( García I., Ordono II. und Fruela II.), die, ermutigt von einer Reihe von Adligen, den König absetzten und ihn in der Stadt Boiges (Boides-Tal) einsperrten (heutiges Valdediós). Dennoch erlaubten sie ihm, einen letzten Feldzug gegen die Muslime in Zamora zu führen, wo er erneut siegreich war. Er starb bei seiner Rückkehr im Dezember des Jahres 910. Dem König gelang es somit nicht, das asturische Königreich, das unter ihm die größte Expansion erreicht hatte, zu konsolidieren. Es wurde unter seinen Söhnen in drei Teile geteilt. Asturien, Galizien und Kastilien-León, was letztendlich das Ende des asturischen Königreiches bedeutete.

San Salvador de Valdediós und Santo Adriano de Tuñón sind die beiden unter diesem Monarchen erbauten Kirchen, zusätzlich zum Foncalada-Brunnen ( fonte incalata ) im Zentrum von Oviedo und den bereits erwähnten Goldartefakten des Siegeskreuz und der Achatdose .

Die Kirche San Salvador de Valdediós steht im Boides-Tal ( Villaviciosa ), dem Ort, an dem Alfonso III. festgehalten wurde, als er von seinen Söhnen entmachtet wurde, und wo sich einst ein altes Kloster befand. Dies war vom Benediktinerorden gegründet worden und dann im 13. Jahrhundert von den Zisterziensern übernommen. Die als „Bischofskapelle“ bekannte Kirche wurde am 16. September 893 im Beisein von sieben Bischöfen geweiht und steht auf einem klassischen Basilika-Grundriss mit einem dreifachen Altarraum, der das Mittelschiff durch vier Halbkreisbögen von den Seitenschiffen trennt.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche San Adriano de Tunon liegt am Ufer des Flusses Trubia, neben einer alten Römerstraße. Die am 24. Januar 891 gegründete Kirche hat den Grundriss einer klassischen Basilika, wurde jedoch im 17. und 18. Jahrhundert um ein Kirchenschiff am westlichen Ende und einen Glockengiebel erweitert. Die Außengemälde dieser Kirche sind die einzigen Überreste der Arbeit mozarabischer Maler in einer asturischen Kunstwerkstatt.

Schließlich wurde der Foncalada-Brunnen, das einzige erhaltene zivile Bauwerk des oberen Mittelalters in Spanien, außerhalb der Stadtmauern von Oviedo errichtet, mit Steinblöcken und einem sich kreuzenden Dach, Tonnengewölbe und rechteckigem Grundriss. Der Schnittpunkt des Daches ist mit einem dreieckigen Giebel gekrönt, auf dem das für Alfons III. charakteristische Siegeskreuz abgebildet ist und unter dem die typische Inschrift des Königreichs Asturien steht:

HOC SIGNO TVETVR PIVS, HOC SIGNO VINCITVR INIMICVS

„Durch dieses Zeichen wird der Fromme beschützt, durch dieses Zeichen wird der Feind besiegt.“

De Nachosan - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23240930 San Salvador de Valdedios

Fünfte Periode (910 bis 925)

Die fünfte und letzte Periode fällt mit der Verlegung des Hofes nach Leon, dem Verschwinden des Königreichs Asturien und der asturischen Vorromanik zusammen.
Mit dem Tod Alfons III. und der Aufteilung des Königreichs Asturien unter seinen Söhnen erreichte die asturische Architektur mit zwei Bauten ihre letzte Phase. Die erste davon ist die Kirche San Salvador de Priesca (wenige Kilometer von Valdediós entfernt), die am 24. September 921 geweiht wurde und architektonisch und dekorativ auf das von Santullano festgelegte Modell und nicht auf spätere Werke zurückgreift.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche Santiago de Gobiendes , in der Nähe von Colunga , am Meer und am Sueve-Gebirge gelegen , ist die letzte der vorromanischen Kirchen und folgt wie die vorherige dem Baumodell von Santullano. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden bedeutende Reformen durchgeführt, bei denen der Eingang, die Fassade sowie die Haupt- und Seitenkapellen verändert wurden.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Salvador de Priesca, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018315
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Die Zeit der Renaissance in Spanien

Die Zeit der Renaissance in Spanien

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Kurzer gesellschaftlicher und geschichtlicher Hintergrund

Die Renaissance kennzeichnet teilweise den Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit. Dieser Prozess vollzog sich allerdings über eine lange Zeitperiode beginnend wohl mit dem Humanismus um 1300 und ausklingend mit der Aufklärung um 1700. Es sind einige neue naturwissenschaftliche bzw. technische  Erkenntnisse, die zu fundamentalen Veränderungen führten.  Zu nennen sind hier u.a.

  • Johannes Gutenberg erfand im Jahr 1440 den Buchdruck mit beweglichen Lettern.
  • Der Schlossermeister Peter Henlein baute um 1510 eine kleine Uhr aus Eisen mit Federantrieb, die Taschenuhr.
  • Das erste Mikroskop erfand das niederländische Vater-Sohn-Gespann Hans und Zacharias Janssen 1608.
  • Der Arzt und Domherr Nikolaus Kopernikus aus Thorn findet 1507 das mathematisch noch unbewiesene Heliozentrische Weltbild.
  • Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), reformiert als Arzt, Botaniker und Chemiker die Medizin.
  • Galileo Galilei 1564-1642) macht bahnbrechende, physikalische Entdeckungen. Im Jahre 1633 wird er wegen seines Eintretens für das kopernikanische Weltbild von der Inquisition zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.
  • Johannes Kepler fand Anfang des 17. Jhs. die drei Keplerschen Gesetze, die die fundamentalen Gesetzmäßigkeiten des Umlaufs der Planeten um die Sonne erläutern. 
  • Leonardo Da Vinci (1452-1519) ist berühmt für seine vielen herausragenden Leistungen als Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Mechaniker, Ingenieur, Philosoph und Naturwissenschaftler.

Ebenso wichtig wie die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind aber auch zahlreiche geschichtliche Ereignisse. Hier sind u.a. zu nennen

  • die Entdeckung der Neuen Welt,
  • die Blüte des Welthandels,
  • der Aufstieg der Städte und des Bürgertums,
  • der Beginn der uneingeschränkten Monarchie in Frankreich,
  • das sich ausdehnende Habsburgerreich unter Karl V.
  • die Reformation und Gegenreformation.

In diese Zeit fallen auch speziell für Spanien wichtige gesellschaftliche Veränderungen und Entdeckungen. Zu nennen sind hier u.a.

  • die Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragon,
  • das Ende der Reconquista durch die Einnahme von Granada 1492
  • die Inquisition und die Vertreibung der Araber und Juden aus Spanien
  • die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492
  • die Kolonialisierung der amerikanischen Besitzungen
  • die Beziehungen Spaniens zu Italien – der König von Aragon war auch König von Neapel
  • das Habsburgerweltreich mit seinem Mittelpunkt in Spanien unter Karl I. von Spanien ( als Karl V. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches)
  • die Entwicklung einer herausragenden Stellung Spaniens in der Weltpolitik
  • Einsetzung Philipp II. als Nachfolger Karls in Spanien, den Niederlanden, in den italienischen Besitzungen und in den überseeischen Kolonien
  • intensive Beziehungen Philipps II.  zu anderen italienischen Staaten und dem Papsttum.

Das Menschenbild der Renaissance

Die Entdeckung der Welt entspricht der Entdeckung des Menschen. Der Mensch als Einzelwesen, als Individuum wird interessant. Die Renaissance ist als ein Lebensgefühl zu verstehen. Der Gott des Mittelalters soll durch den Menschen als Maß aller Dinge ersetzt werden. Das Menschenbild ist durch einen kritischen Geist, Selbstbewusstsein, Weltläufigkeit und naturwissenschaftliche Offenheit gekennzeichnet. Traditionelle Kräfte wie die Religion oder Herrschaft werden hinterfragt und nicht unkritisch übernommen. Der moderne Mensch mit seinen Gaben und gestalterischen Fähigkeiten wird hervorgehoben.

Die Humanisten trugen der Tatsache Rechnung, dass der Mensch aus eigenem Antrieb fähig ist, sich und seine Welt zu begreifen, kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Der Mensch der Renaissance war selbstbewusst, er begriff sich als Künstler, als Schöpfer, als Herr der Künste. Er interessierte sich für technische Neuerungen, für die Kriegskunst, die Geschichte, Werke und Ästhetik der vielgerühmten Antike. Bilder, Statuen, Reliefs und Architektur sollten einem neuen Schönheitsideal und lebensbejahenden Menschenbild Rechnung tragen. Der Pessimismus, der in Europa nach der schrecklichen Pestepidemie des 14. Jhs., die über 25 Millionen Menschen dahinraffte, wurde überwunden. Eine gesteigerte Lebensfreude trat in den Vordergrund.

Die Künstler transportierten das neue Menschenbild der Gelehrten in ihre Werke und prägten bis ins 16. Jahrhundert hinein einen eigenen Stil und eine eigene Ästhetik der Renaissance. Sie feierten die Ideen und die Highlights der Antike und übersetzten sie in ihre Zeit, um sie für die Gegenwart, die Moderne, umsetzbar zu machen.

Berühmte Maler der Renaissance

Da die Malerei in der Renaissance eine besondere Bedeutung hat, ich im Folgenden aber vor allem auf die Architektur eingehe, sind hier einige der bedeutendsten Künstler aufgeführt. Die Berühmtheit der Maler ergibt sich auch daraus, dass im Gegensatz zum Mittelalter die Künstler nicht mehr anonym bleiben, sondern ihren wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft erhielten und von den großen Herrschern stark umworben wurden.

Leonardo da Vinci 

1452-1519

Michelangelo

1475-1564

Raffael

1483-1520

Lucas Cranach d.Ä

1472-1553

Hieronymus Bosch   

-1516

Tizian

1490-1576

Giorginoe

1478-1510

Jacopo Tintoretto

1518-1594

Sandro Botticelli

1445 –1510

Giovannni Bellini

1430-1516

Albrecht Dürer

1471-1528

Jan van Eyck

1390-1441

Albrecht Altdorfer

1480-1538

Matthias Grünewald

1470-1528

Die Bedeutung der Monarchie, der Kirche und des Adels für die Entwicklung der Renaissancearchitektur in Spanien

Die Verbreitung des Stils geschah durch das Mäzenatentum vor allem der herrschenden Klasse, die durch Diplomatie, Kriege und Heirat mit anderen Herrscherhäusern verbunden war und so in regem Kontakt zu einander standen. Was sich gegenüber dem Mittelalter änderte, war die Tatsache, dass auch die Künstler aus der Namenlosigkeit heraustraten. Wie die Namen ihrer fürstlichen Mäzene standen nun auch die Namen der Künstler im Mittelpunkt und um ihre Anwesenheit wurde zwischen den Fürstenhäusern gefeilscht.

Der politische Aufschwung in Spanien schlug sich auch in intensiver, künstlerischer Tätigkeit nieder, die von Adel, Kirche aber auch von Kaufleuten und Bankherren gefördert wurde. Zum einen gaben die Könige selbst bedeutende Bauwerke der Renaissance in Auftrag. Besonders ausgeprägt waren diese architektonischen Interessen schließlich bei Philipp II., der alle Pläne persönlich begutachtete, besonders jene des Escorial. Aber auch das Interesse des Adels war von großer Bedeutung, da er mit den Aufträgen für repräsentative Paläste die Renaissance in Spanien vorantrieb. Neben dem Adel ist es auch das Bürgertum in den prosperierenden Handelsstädten zu nennen, das inzwischen zu Wohlstand und Selbstbewusstsein gekommen ist. Es wurden aufwendige Rat-, Zunft- und Wohnhäuser in Auftrag gegeben. So gestaltete sich eine als „Palazzo“ genannte Bauform. Es entstanden geschlossene, um einen Innenhof herum gelegte Bauten, deren Räume an Flure gereiht und gern in Stockwerke gleicher Höhe geordnet wurden. Zur Straßenfront hin erhielten sie eine monumentale dekorative Fassade. Eine andere weltliche Bauaufgabe stellte die Villa dar, das vor den Stadtmauern gelegene Landhaus mit seiner Gartenarchitektur.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Humanismus in Spanien kam auch den Universitäten und Kollegien eine wachsende Bedeutung zu und somit auch der Architektur der Universitäten. Die Kollegien bildeten den ersten speziellen Bautyp unter den Universitätsgebäuden. Sie entstanden zunächst ohne feste Gestalt als Internate für arme Studenten und folgten in ihrer Organisation dem Vorbild der Klöster. Eine beschränkte Zahl von Stipendiaten lebte in enger Gemeinschaft unter der Aufsicht von Rektor und Dekanen. Durch Repetitionen und Vorträge gewannen sie allmählich den Rang von Lehrstätten mit wachsendem Einfluss auf den gesamten Lehrbetrieb.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden im Gebiet der iberischen Halbinsel viele Universitätsgebäude neu errichtet oder bereits bestehende umgebaut und erweitert. Dazu zählen z. B. die Universitäten von Salamanca, Alcalá de Henares, Burgo de Osma, Osuna und Oñate, sowie die Kollegien von Valladolid, Santiago de Compostela, Tortosa und Salamanca.

Die Renaissance und ihre Architekturstilrichtungen in Spanien

Die meisten Architekturhistoriker sehen den Ursprung der Renaissance im frühen 15. Jahrhundert in Florenz als Brunelleschi, basierend auf Ideen der römischen Antike, aber auch der Romanik – seine Idee der römischen Baukunst formulierte. Ausgehend von Florenz breitete sich der Renaissance-Stil erst über Italien, dann über ganz Europa aus. Bis 1450 hatte sich der neue Stil in Ferrara, Urbino, Neapel und Rom etabliert. Kurz darauf setzte sich dieser Stil auch in den Fürstentümern Rimini, Mantua und Mailand, sowie in den Republiken Siena und Venedig durch. Anders als Florenz, Siena und Venedig wurden die übrigen Städte bzw. Stadtstaaten von signori – also Fürsten, Herzögen, Königen und Grafen –regiert.

Dies wiederum erleichterte die Verbreitung des Stils im restlichen Europa, da  die Herrscher der Königreiche, Fürstentümer miteinander verknüpft waren. Es waren vorwiegend Mitglieder der herrschenden Klasse, die als Mäzene auftraten und Paläste und Grabdenkmäler im Renaissance-Stil errichten ließen.

In Spanien herrschten im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts die „Katholischen Könige“ Isabella und Ferdinand. Sie waren bestrebt, ein vereintes christliches Spanien zu schaffen. Um dieser Idee des Christentums in der Architektur symbolisch Ausdruck zu verleihen, schien ihnen allerdings die Formensprache der Gotik geeigneter als die der Renaissance, die – zumindest in Spanien – mit dem Heidentum in Verbindung gebracht wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass die „Katholischen Könige“, die Kirche und auch ein Großteil des spanischen Adels auf eine Erneuerung der tiefverwurzelten Tradition des gotischen Architektursystems bedacht waren. Dazu kommt, dass auf der iberischen Halbinsel sowohl die Renaissance als auch die Gotik als Ausdruck derselben Idee der Modernität galten.

So befand sich Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer Phase der stilistischen Unsicherheit oder Überlappung. Gotik, Mudéjar und Renaissance blieben lange Zeit gleichermaßen gültige Stile, die selbst bis in die Jahrhundertmitte in verschiedensten  Mischformen auftraten. So findet man sie häufig gemischt an Fassaden, in Innenhöfen und Kreuzgängen. Im Mudéjar-Stil vermischte sich abendländische Baukunst mit islamischen Elementen. Islamische Handwerker, die in den wiedereroberten Gebieten Spaniens zurückgeblieben waren, bauten vom 10. – Anfang des 16. Jhs. im Auftrag der Christen.

Die Geschichte der spanischen Renaissancearchitektur ist  anfangs vor allem eine Geschichte des Baudekors. Erst zur Mitte des Jahrhunderts hin begann man, weniger Schauwände und mehr Räume zu konzipieren. Die Baukunst in Spanien wurde zwar von der italienischen Renaissance beeinflusst, die spanischen Künstler hatten aber auch andere  Vorbilder, so dass nicht der italienische Stil starr kopiert wurde, sondern sich in Spanien eigene Bau- und Schmuckformen entwickelten. Regional waren die Anfänge der Renaissancebaukunst auf kleine Gebiete begrenzt, in Zentralspanien z.B. waren das Guadalajara und seine nähere Umgebung. Hier ist vor allem die Adelsfamilie der Mendozas zu nennen, die einen großen  Einfluss auf die Verbreitung des Stils hatte.

In Spanien unterscheidet man zwei Stilepochen der Renaissance:

  • den Platereske-Stil
  • den puristische oder Desornamentado-Stil

Der Platereske Stil verband die neuen italienischen Ideen der Renaissance mit der spanischen gotischen Tradition und starken maurischen Elementen. Er verband die maurische Flächenkunst mit den plastischen Vorstellungen der Italiener. Der Stil wurde Platereske genannt wegen der extrem dekorierten Fassaden, die an die überbordenden Dekorationen der damaligen Silberschmiedearbeiten, die Plateros, erinnern. Dieses starke Dekorationsbedürfnis war einerseits ein Erbe der islamischen Vergangenheit anderseits aber auch ein Ausdruck eines starken – manche sagen überbordenden –Selbstbewusstseins. Typisches Beispiel des Platereske-Stils ist u.a. die Universität von Salamanca.

Der Desornamentado-Stil dagegen ist der Ausdruck der dekorativen Nüchternheit und der architektonisch mächtigen Formen. Es ist ein Stil, der weitgehend ornament- und schmucklos und glattwandig ist. Er wird auch Herrera-Stil genannt. Denn Juan de Herrera erbaute in der asketisch-strengen Zeit  Philipps II. eine gewaltige Klosterburg, deren eine Hälfte dem königlichen Hofstaat, deren andere aber der Kirche gehörte. Die Anlage ist die Hofburg Spaniens, der Escorial.

Typische Merkmale der Architekturbauwerke der Renaissance

Die Stilepoche der Renaissance wurde ja als Wiedergeburt der Antike (ca. 800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.) bezeichnet. Die Architekten und Baumeister jener Zeit orientierten sich an der römischen Baukunst. Aufgegriffen wurden Bauelemente des alten Roms. Jedoch fanden sich in der Architektur der Renaissance auch Stilelemente der Romanik und Gotik und in Spanien des Mudéjar-Stils wieder.

Klare geometrische Strukturen, Symmetrie und harmonische Proportionen wurden im Renaissance-Baustil angestrebt, um ein vollkommenes Gleichgewicht zu erlangen. Die Schönheit dieser Gebäude beruht auf der ausgewogenen Beziehung aller Bauelemente zu einander. Als Ideal gilt der kuppelüberwölbte Zentralbau. Da diese Bauform bei den Kirchen aber den kultischen Bedürfnissen der Kirche – Isolierung des Altars vom Gemeinderaum – widersprach, findet man hier häufig auch die längsausgerichtete Form der Basilika und Hallenkirche.

Typische Bauteile und Gestaltungselemente in der Renaissance

  • Symmetrische Grundformen (polygonale, runde oder quadratische Elemente, um harmonische Proportionen zu erhalten)
  • Antike Säulenordnungen (dorische, ionische, korinthische),
    Zusammengesetzte Ordnung von ionischen Voluten (schmückende spiralförmige oder schneckenförmige Ornamente) und korinthischem Kapitell (oberer Abschluss einer Säule)
  • Kuppeln
  • Tonnen- und Kreuzgratgewölbe
  • Arkaden (Rundbögen, getragen von schlanken Säulen)
  • Rustikamauerwerk (grob behauenes Quadersteinmauerwerk mit tiefliegenden Fugen)
  • Fries und Gesims (horizontales Gestaltungselemente von Wandflächen und Fassaden)
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