Wir betreten durch das Tor San Pedro Lugo, die älteste Stadt Galiciens mit ca. 100.000 Einwohner. Hier beginnt dann auch schon unsere Zeitreise in die römische Vergangenheit der Stadt. Denn das Tor, wie einige andere, liegt in der alten römischen Stadtmauer, die die gesamte Altstadt umschließt. Sie ist die am vollständigsten erhaltene Mauer im gesamten Weströmischen Reich.
Paullus Fabius Maximus ließ im Jahr 13 v. Chr. im Namen des Kaisers Augustus die römische Stadt Lucus Augusti gründen, die aus einem römischen Lager hervorging, das immer stärker wuchs. Damit sollte der Nordwesten der iberische Halbinsel endgültig ins Römische Reich eingegliedert werden. Im 3. Jh. nach chr. wurde sie zur Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Superior. Eine früher errichtete erste Mauer wurde Ende des 3. Jahrhunderts durch die heute noch bestehende ersetzt. Der Neu- und Ausbau der Stadtmauer war notwendig, da das Imperium im Norden durch zahlreiche Überfälle von außen bedroht wurde. Die Mauer hat sich trotz der wechselhaften Geschichte Lugos u.a. unter der Herrschaft der Sueben und der Mauren und trotz der erforderlichen Ausbesserungs- und Ergänzungsarbeiten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt und ist seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe.
Die Mauer hat eine Länge von etwa 2100 m und umfasst eine Fläche von 34,4 ha. Diese Fläche umfasste damals neben den Wohngebäuden auch große Acker- und Brachflächen. Die Breite der Mauer beträgt 4,20 m und erreicht in einigen Abschnitten auch 7 m. Die Mauerhöhe variiert – geländebedingt – zwischen acht und zwölf Metern. Der Verlauf der Mauer bildet grob ein unregelmäßiges Viereck, wobei die Ecken abgerundet sind. In relativ kurzen Abständen – sie betragen zwischen 6,30 m und 13,50 m – sind nach außen meist halbkreisförmig Türme vorgebaut. Die Mauer hatte ursprünglich 85 Türme. Davon sind 46 noch erhalten, 39 wurden im Laufe der Zeit abgerissen oder zurückgebaut. Der Durchmesser der Türme variiert zwischen 9,80 m und 16,40 m. Auf dem vorhandenen Steg waren mindestens zwei weitere Stockwerke aufgebaut, die heute nicht mehr erhalten sind. Ein einziger Rest findet sich heute am Torre da Mosqueira mit seinen großen Fenstern mit Rundbögen. Als Fußgänger kann man auf der gesamten Mauer, wo einst die Wächter patrouillierten, entlang spazieren und so das alte Zentrum der Stadt umrunden, die Geschichte spüren und gleichzeitig das tägliche Treiben der Stadt beobachten.
Der Mauer vorgelagert war ein Graben. Er lag etwa 5 m vor den Türmen, war 20 m breit und 4 m tief. Davon sind heute nur wenige Spuren sichtbar. 1987 wurde der Graben durch archäologische Untersuchungen dokumentiert. Es wurde nachgewiesen, dass es sich nicht um einen durchgehenden Graben handelt, sondern dass er aus verschiedenen, voneinander unabhängigen Abschnitten bestand.
In römischer Zeit gab es fünf Tore, durch die man aus dem Umland die Stadt betreten konnte. Zwischen 1853 und 1921 wurden fünf weitere Tore durch die Mauer gebrochen, um den Anforderungen des wachsenden Verkehrs gerecht zu werden. Von den nun zehn bestehenden Toren dienen heute sechs ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Nur vier Tore dürfen von Kraftfahrzeugen durchfahren.
Weitere Sehenswürdigkeiten von Lugo sind:
Römische Thermen
Etwa einen Kilometer vor Lugo sind die Überreste römischer Thermen zu besichtigen. Sie entstanden im 1. und 2. Jh. und befinden sich heute unter dem Hotel Balneario de Lugo am Ufer des Flusses Mino. Die Ausgrabungen im Untergeschoss des Hotels sind für Besucher offen.
Stefanie Bisping, Gint Schwarzenburg, 100 Highlights Jakobswege in Spanien und Portugal, München 2021