Römische Stadt Lugo

Wir betreten durch das Tor San Pedro Lugo, die älteste Stadt Galiciens mit ca. 100.000 Einwohner. Hier beginnt dann auch schon unsere Zeitreise in die römische Vergangenheit der Stadt. Denn das Tor, wie einige andere, liegt in der alten römischen Stadtmauer, die die gesamte Altstadt umschließt. Sie ist die am vollständigsten erhaltene Mauer im gesamten Weströmischen Reich.

Paullus Fabius Maximus ließ im Jahr 13 v. Chr. im Namen des Kaisers Augustus die römische Stadt Lucus Augusti gründen, die aus einem römischen Lager hervorging, das immer stärker wuchs.  Damit sollte der Nordwesten der iberische Halbinsel endgültig ins Römische Reich eingegliedert werden. Im 3. Jh. nach chr. wurde sie zur Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Superior. Eine früher errichtete erste Mauer wurde Ende des 3. Jahrhunderts durch die heute noch bestehende ersetzt. Der Neu- und Ausbau der Stadtmauer war notwendig, da das Imperium im Norden durch zahlreiche Überfälle von außen bedroht wurde. Die Mauer hat sich trotz der wechselhaften Geschichte Lugos u.a. unter der Herrschaft der Sueben und der Mauren und trotz der erforderlichen Ausbesserungs- und Ergänzungsarbeiten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt und ist seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe.

Von Malopez 21 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73731317
Von Cecilio Pizarro - (1850-10-06). "Muralla romana de Lugo". Semanario Pintoresco Español (40): 313. ISSN 2171-0538., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67290999

Die Mauer hat eine Länge von etwa 2100 m und umfasst eine Fläche von 34,4 ha. Diese Fläche umfasste damals neben den Wohngebäuden auch große Acker- und Brachflächen. Die Breite der Mauer beträgt 4,20 m und erreicht in einigen Abschnitten auch 7 m. Die Mauerhöhe variiert – geländebedingt – zwischen acht und zwölf Metern. Der Verlauf der Mauer bildet grob ein unregelmäßiges Viereck, wobei die Ecken abgerundet sind. In relativ kurzen Abständen – sie betragen zwischen 6,30 m und 13,50 m – sind nach außen meist halbkreisförmig Türme vorgebaut. Die Mauer hatte ursprünglich 85 Türme. Davon sind 46 noch erhalten, 39 wurden im Laufe der Zeit abgerissen oder zurückgebaut. Der Durchmesser der Türme variiert zwischen 9,80 m und 16,40 m.  Auf dem vorhandenen Steg waren mindestens zwei weitere Stockwerke aufgebaut, die heute nicht mehr erhalten sind. Ein einziger Rest  findet sich heute am Torre da Mosqueira mit seinen großen Fenstern mit Rundbögen. Als Fußgänger kann man auf der gesamten Mauer, wo einst die Wächter patrouillierten, entlang spazieren und so das alte Zentrum der Stadt umrunden, die Geschichte spüren und gleichzeitig das tägliche Treiben der Stadt beobachten.

Der Mauer vorgelagert war ein Graben. Er lag etwa 5 m vor den Türmen, war 20 m breit und 4 m tief. Davon sind heute nur wenige Spuren sichtbar. 1987 wurde der Graben durch archäologische Untersuchungen dokumentiert. Es wurde nachgewiesen, dass es sich nicht um einen durchgehenden Graben handelt, sondern dass er aus verschiedenen, voneinander unabhängigen Abschnitten bestand.

In römischer Zeit gab es fünf Tore, durch die man aus dem Umland die Stadt betreten konnte. Zwischen 1853 und 1921 wurden fünf weitere Tore durch die Mauer gebrochen, um den Anforderungen des wachsenden Verkehrs gerecht zu werden. Von den nun zehn bestehenden Toren dienen heute sechs ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Nur vier Tore dürfen von Kraftfahrzeugen durchfahren.

Weitere Sehenswürdigkeiten von Lugo sind:

  • die romanisch-gotische Kathedrale Santa Maria. Sie wurde im 12. Jh. erbaut, erhielt aber später gotische, barocke und neoklassische Bauteile dazu. Die Bauarbeiten dauerten über hundert Jahre an, wobei später wunderschöne Elemente, wie die neoklassische Fassade, welche unter dem Namen Santiago-Tor bekannt ist, hinzugefügt wurden. Die ursprünglichen romanischen Züge dieses Baus sind noch am Hauptandachtskreuz, dem größten Teil des Hauptschiffs sowie an den Seitenflügeln zu erkennen. Der gotischen Stilrichtung entstammen Elemente, wie das Deambulatorium, die Hauptkapelle oder der nördliche Säulengang, wohingegen die Sakristei, der Kreuzgang oder die Kapelle der Jungfrau Virgen de los Ojos Grandes im Barockstil gehalten sind. Im Innenbereich sind der prachtvolle in Nussholz geschnitzte Chor aus dem 17. Jahrhundert sowie das Retabel, welches der Schutzpatronin der Stadt gewidmet ist und als eines der Meisterwerke des galicischen Barocks angesehen wird, hervorzuheben. Die Kathedrale erhielt vom Papst das besondere Privileg, das Heilige Sakrament dauerhaft zu zeigen.
  • Der Barockbau des bischöflichen Palastes. Dieser Barockbau aus dem 18. Jahrhundert erhebt sich auf dem ehemaligen Standort des Turms der Grafen von Lemos.
  • Rund um die mit Säulengängen versehene Praza do Campo, welche in früheren Zeiten ein Forum Romanum und ein mittelalterlicher Markt war, erstreckt sich eine Vielzahl an belebten Einkaufsstraßen. Ganz in der Nähe erhebt sich die San Pedro-Kirche, ein wunderschönes Exemplar mittelalterlicher Architektur, welche Teil des ehemaligen San Francisco-Klosters war und heute Sitz des Provinzialmuseums, eines der bedeutendsten Museen der Provinz Lugo, ist.
  • Park Rosalia de Castro Will man sich nach der Wanderung ein wenig ausruhen, so bietet sich ein Besuch im Park Rosalia de Castro an.  Er wurde zu Beginn des 20. Jhs. angelegt und hat seinen Namen von der großen galicischen Schriftstellerin, die mit einer Skulptur geehrt wird. Mehrere Teiche sind von schönen Rosensträuchern umgeben. Von einem Aussichtspunkt an der Westseite kann man den vorbeifließenden Mino Fluss beobachten. In diesem Park befinden sich mehr als hundert unterschiedliche Arten von riseigen Bäumen: Riesenmammutbäume,  Ahorne, Spanische Tannen, Blaufichten, Atlaszedern etc.
  • Die römische Brücke von Lugo stammt aus dem 1. Jh. und verband Lucus Augusti mit Braga (Portugal) über die römische Straße. Die Brücke ist über einhundert Meter lang und vier Meter breit. Trotz zahlreicher Renovierungen blieb die ursprüngliche Gestalt erhalten. Heute ist sie nur für Fußgänger zugänglich und bietet einen herrlichen Spaziergang über den Fluss Mino.

Römische Thermen

Etwa einen Kilometer vor Lugo sind die Überreste römischer Thermen zu besichtigen. Sie entstanden im 1. und 2. Jh. und befinden sich heute unter dem Hotel Balneario de Lugo am Ufer des Flusses Mino. Die Ausgrabungen im Untergeschoss des Hotels sind für Besucher offen.

Quellen

Stefanie Bisping, Gint Schwarzenburg, 100 Highlights Jakobswege in Spanien und Portugal,  München 2021

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