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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Zwischen Bäumen und Blumen – zwei Pazos und ihre Gärten auf der Via de la Plata

Zwischen Bäumen und Blumen – zwei Pazos und ihre Gärten auf der Via de la Plata

Via de la Plata

Pazos sind die großen Herrenhäuser des galicischen Adels, in denen sich die Noblesse und Raffinesse des Adels mit der Kargheit der ländlichen Welt verbindet. Sie wurden hauptsächlich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erbaut und viele verfügen über herrliche Gärten. Allein neun dieser herrlichen Gärten liegen zwischen Vigo, Ourense und A Coruna. Hier unten sind zwei Gärten beschrieben, die in der Nähe oder direkt an der Via de la Plata liegen und sicher einen Besuch wert sind, vor allem natürlich für alle Freunde der Gärten in Europa.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Santa Cruz de Ribadulla

 Ganz in der Nähe von Oca finden wir den Pazo de Ortigueira , auch bekannt als Granja de Ortigueira oder Pazo de Santa Cruz de Ribadulla,  ein Herrenhaus mit herausragenden Gärten. Wir befinden uns in einer Gegend, in der jahrhundertelang die mächtigen Familien Santiagos Häuser und Pazos für ihre Sommerfrische gebaut haben. Vielleicht ist dieser hier in Santa Cruz de Ribadulla, in Vedra, der bedeutendste Pazo. Seine Ländereien verbinden weiterhin den ornamentalen Charakter der Gärten und Spazierwege mit dem produktiven Charakter der Obst- und Kamelienplantagen und der Viehzucht.

Das Gebäude und die Anlage stammt ursprünglich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und gehörte einem Adeligen namens Ortigueira.  Einige seiner Nachfolger erweiterten das Gebäude und die Gärten. Es war Ivan Armada, bekannt als “Onkel Ivan”, sein Besitzer am Ende des 19. Jahrhunderts, der den Gärten einen bleibenden Stempel aufgedrückte.  Ivan Armada y Fernandez de Cordoba (1845-1899), vergrößerte die Pflanzensammlung, insbesondere um Kamelien, erheblich. 

Der Garten verfügt heute über mehr als eine halbe Million Planzen von 400 verschiedenen Pflanzenarten, jahrhundertealte Bäume, Teiche und einen Weg, der als Camiño oder Paseo das Oliveiras (Pfad der Olivenhaine) bekannt ist. Dieser botanische Raum zeichnet sich durch seine Vielfalt und seinen Reichtum aus und gilt als „einer der faszinierendsten in Galizien“. Zu den bemerkenswertesten Arten gehören: Olivenbäume, Buchsbaum, Magnolien, Australischer Farn, Kryptomerie, Virginia-Tulpenbäume, Ombu (Elefantenbaum), Pyramideneiche und Washingtonia-Palme.  Es ist ein Kamelienexemplar erhalten, das mehr als zweihundert Jahre alt und neun Meter hoch ist. 

Dieser Pazo steuert die meisten Einträge zum galicischen Katalog der historischen Bäume bei und wird von vielen Fachleuten als wichtigster ornamentaler botanischer Komplex in Galicien angesehen. Hier befinden sich die ältesten Kamelien in Galicien, gepflanzt zwischen 1780 und 1820. Sein Olivenbaumweg besticht nicht nur mit seiner fotogenen Schönheit, sondern auch mit seiner Einzigartigkeit: etwa 500 Bäume, über 500 Jahre alt.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Oca

 

Der Pazo de Oca befindet sich in A Estrada, in der Nähe der Vía de la Plata. Die Harmonie, mit der hier Stein, Wasser und Vegetation verschmelzen, hat ihm den Spitznamen “Galicisches Versailles” eingebracht. In seinen herrlichen Gärten koexistieren die verschiedensten Stile, unter denen Renaissance, Barock und Romantik hervorstechen.

 

Das Oca-Herrenhaus liegt in der Terras do Ulla, nahe dem Zusammenfluss der Flüsse Boo und Mao. Es handelt sich um ein Anwesen, das in drei Bereiche gegliedert ist: Im ersten, innerhalb der Mauern, befinden sich das Herrenhaus, der Garten und der Obstgarten; Auf dem angrenzenden Grundstück befindet sich die Kirche San Antonio de Padua sowie mehrere Tagelöhnerhäuser; Dahinter liegt die agroforstwirtschaftliche Umgebung von Traga de la Cerrada, Caballeira de Ouriles und die Wiesen von Su Batan und Bardoucos. Die Kirche wurde zwischen 1731 und 1752 erbaut, möglicherweise das Werk des dominikanischen Architekten Fray Manuel de los Mártires.Die Gärten des Herrenhauses sind eines der besten Beispiele für Gartenkunst in Galizien.

Im Haupthof gibt es einen Brunnen mit Blumenbeeten, die von Buchsbaumhecken umgeben sind, sowie Plantagen mit Kamelien, Azaleen, Palmen und Rhododendren.

Um seine zwei Teiche herum stehen mehr als hundert Buchsbäume, die über 300 Jahre alt sind. Zwischen den Brunnen und Statuen, die der Anlage einen großen landschaftlichen Wert verleihen, befinden sich zahlreiche Kamelien, von denen einige mehr als acht Meter hoch sind. Und eine von prächtigen Linden gesäumte Allee teilt den Nutzgarten des Pazo in zwei Hälften.

 

https://www.greatgardensoftheworld.com/gardens/pazo-de-oca/
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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Puebla de Sanabria – ein zauberhafter mittelalterlicher Ort

Puebla de Sanabria – ein zauberhafter mittelalterlicher Ort

Via de la Plata

Puebla de Sanabria liegt auf einer Anhöhe über dem Zusammenfluss der Flüsse Tera und Castro. Diese strategisch günstige Lage machte den Ort im Laufe der Jahrhunderte zum Schauplatz vieler Schlachten.

Geschichte

Eine Pfarrkirche in Senapría wird erstmals im 7. Jahrhundert, also in westgotischer Zeit, erwähnt. Auf die islamische Eroberung (conquista) im 8. erfolgte die christliche Rückeroberung (reconquista) der Gebiete nördlich des Rio Duero im 9. und 10. Jahrhundert. Hier lag dann zunächst die Grenze zwischen der christlichen und muslimischen Einflusssphäre. (s. dazu auch die Kapitel über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista)

Eine Urkunde des späten 10. Jahrhunderts erwähnt bereits eine Stadt mit Namen Urbs Senabrie, doch eine Burg (castillo) ist erst für das Jahr 1132 belegt. Alfons IX. stattete den Ort im Jahr 1220 mit städtischen Privilegien (fueros) aus.

Im 15. Jahrhundert lag die Herrschaftsgewalt über Puebla in den Händen verschiedener Grafen, darunter auch denen von Benavente, den Erbauern der mächtigen Burg.

Die Burg 

Die Burganlage ist eine der besterhaltenen in Spanien. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist der Archetyp der mittelalterlichen Verteidigungsbauten. Das vom Grafen von Benavente errichtete Castillo de los Condes de Benavente steht in 960 m Höhe auf einer großen Fläche auf dem Gipfel des Hügels, an dem auch der Ort liegt und dominiert die Silhouette von Puebla. Die Burganlage ist komplett quadratisch angelegt und wurde fast vollständig restauriert. Sie ist durch eine Zugbrücke geschützt und in ihrem Zentrum steht ein großer Bergfried, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Umland hat. Das Innere der Burg kann besichtigt werden und es werden viele interessante Details über das Burgleben erläutert.

 

Die Kirche Nuestra Senora del Azogue

 In der Nähe der Burg befindet sich die Pfarrkirche Nuestra Señora del Azogue vom Ende des 12. Jahrhunderts. Der gesamte Kirchenbau mitsamt dem Figurenschmuck des Portals besteht aus behauenem Granitstein.

Bedeutendster Bauteil ist das erhöht liegende und nur über einen Treppenaufgang erreichbare spätromanische Westportal mit seinen vier erhaltenen Gewändefiguren, den Kapitellen und den Archivoltenbögen. Bei der Ausführung auf den ersten Blick eher klobig und ‚primitiv‘ wirkenden Figuren wurde sehr viel Wert auf Details (Haare, Gewänder etc.) gelegt. Die beiden Figuren im rechten Portalgewände sind durch ihre kronen-artige Kopfbedeckungen als König bzw. Königin charakterisiert; die Figuren auf der linken Seite sind dagegen barhäuptig. Drei der vier Figuren tragen Gefäße oder ähnliches in den Händen, die als Gaben oder Geschenke gedeutet werden können. Die sechs Kapitelle zeigen unterschiedliche Motive – darunter kleine Figuren sowie vegetabilische Formen oder beinahe geometrisch aussehende Flechtbänder. 

Zur Ausstattung gehören ein teilweise figürlich gestaltetes romanisches Taufbecken und eine ungewöhnliche schmiedeeiserne Kanzel mit einem geschnitzten Baldachin aus dem 18. Jahrhundert.

Von AdriPozuelo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21836061
Von User:Dantadd - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1910911

Das Stadtensemble

 Der Ort wurde zum Historischen Ensemble erklärt. Ein Großteil der Stadtmauer ist noch erhalten. Der Ort verfügt in seinen steilen Gassen über zahlreiche Herrenhäuser und -sitze, die mit Steinwappen geschmückt sind, etwa das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das an der Plaza Mayor steht. Das Zentrum besticht mit seinen traditionellen, mit Schiefer bedeckten massiven Steinhäusern und den hölzernen Balkonvorbauten. Der mittelalterliche Stil ist im ganzen Ort erhalten. Beim Spaziergang durch das Ortszentrum fühlt man sich in eine andere Epoche versetzt.

Außer seinem schönen Kern genießt der Ort auch eine privilegierte Umgebung, denn sein Gemeindegebiet liegt in der Nähe des Naturparks Sanabria-See. Dieser 368 Hektar große und 55 m tiefe See ist Spaniens größter eiszeitliche Gletschersee.

Von Guillermo Muñiz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16482855
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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Die Problematik der Eukalyptusplantagen
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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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Parador – die ungewöhnlichste Hotelkette der Welt

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Parador ist die Kurzform für “Parador nacional”. Es handelt sich um von der spanischen Regierung in (Luxus-)Hotels umgebaute Burgen und historische Gebäude sowie einige neue Luxus-Resorts, die alle in atemberaubender Lage oder an historisch bedeutsamen Orten liegen. 2022 betrug die Gesamtzahl der Einrichtungen 97 in Spanien und eine in Portugal mit insgesamt ca. 10.000 Betten. Die einzelnen Hotels liegen in der Regel nur bequeme Tagesetappen (mit dem Auto) voneinander entfernt.

Die Paradors hatten schon immer drei Ziele:

– das nationale historische und künstlerische Erbe, inklusive der wichtigsten Naturgebiete zu erhalten

– ein besonderes Image des spanischen Tourismus im Ausland zu schaffen

– Bewegung in Gebiete mit wenig Tourismus und geringerer Wirtschaftskraft zu bringen.

Um sich nur eine die Dimension der in Spanien existierenden Burgen und Schlösser zu machen, hier nur zwei Zahlen. Früher gab es über 10 000 Schlösser in Spanien. Auch wenn sich die Zahl auf heute 2500 reduziert hat gibt es immer noch endlos viele Möglichkeiten in den mysteriösen, historischen und romantischen Flair, von dem die spanischen Schlösser umgeben sind, einzutauchen. Dagegen macht sich die Zahl der Paradors klein aus, aber sie bieten doch die Chance, ein Gefühl für das Leben in diesen Gemäuern zu bekommen. Natürlich es bleibt wenn ein Gefühl für das Leben der Reichen und Mächtigen in diesem doch so bewegten Mittelalter in Spanien.

spainparador.com/map.htm
Parador de Cardona

Geschichte der Paradors

“Calidad, amabilidad, leyenda – desde 1928” steht auf den schweren Messingtafeln am Eingang zu jedem Parador. Qualität, Herzlichkeit, Legende – seit 1928. Die Idee zu den stilvollen Unterkünften geht auf das Jahr 1926 zurück, als man in Spanien einen “königlichen Kommissar für Tourismus” ernannte, den Marqués de Vega Inclán.

Der Marqués schlug Alfons XIII., dem König von Spanien, vor, in armen, aber landschaftlich durchaus interessanten Gebieten Spaniens Hotels zu errichten. Hiermit sollte sowohl der Bekanntheitsgrad dieser Regionen gefördert als auch die leeren Kassen der Gemeinden gefüllt werden. Im ersten Schritt sollten keine neuen Hotels gebaut sondern historisch und architektonisch bedeutsame Bauwerke zu Hotels umfunktioniert werden. Positiver Nebeneffekt dieser Idee war die Rettung einiger dieser Bauwerke vor dem drohenden Verfall.
Der König fand diesen Vorschlag bemerkenswert und wählte daraufhin das Gelände in der Sierra de Gredos selbst aus, auf dem man 1928 das erste – in Abwandlung der ursprünglichen Idee – neu errichtete staatliche Hotel mit 30 Betten eröffnete. Warum in dieser zwei Stunden von Madrid entfernten rückständigen Gegend? Die Sierra de Gredos war von je her das Jagdgebiet der spanischen Könige. Der Marqués war zunächst enttäuscht, weil hier ein neues Gebäude errichtet wurde. So ließ er zumindest als Eingang ein prächtiges Tor aus einem Herrschaftshaus einbauen.

Parador de Santiago de Compostela 15.Jh.

Nachdem der Parador – was auf kastilisch schlicht und einfach „Unterkunft“ bedeutet -, ein Erfolg wurde, folgten kurz darauf weitere Hotels, diesmal der Idee des Marqués de la Vega Inclán folgend in geschichtlich bedeutenden Gebäuden. So wurden beispielsweise Hotels in Oropesa (1930), Úbeda (1930), Cuidad Rodrigo (1931) und Merida (1933) eröffnet. Damit wurde der Beginn einer neuen Art des Reisens auf der iberischen Halbinsel eingeleitet. Es folgten 26 weitere Paradors. Durch diese Aktivitäten wurden wichtige historische Bauwerke Spaniens gerettet, die zum Teil schon dem Verfall preisgegeben waren.

Der spanische Bürgerkrieg stoppte dann zunächst die Entwicklung. Weil aber der Diktator Franco Interesse an den Paradors zeigte, wurden die Idee unter dem Tourismusminister Manuel Fraga weiterentwickelt. In diese Zeit fällt auch eine gewisse Europäisierung Spaniens, die besonders im einsetzenden Tourismusboom vor allem an der Südküste Spaniens ihren Ausdruck fand. 

Zwischen 1965 und 1976 entstanden 25 neue Paradors und einige andere wurden modernisiert. Bis 2012 stieg die Zahl der Paradors auf 93. Heute gibt es in Spanien insgesamt 97. Sie gehören einer im Staatseigentum befindliche Aktiengesellschaft. Interessanterweise sind immer noch 65% der Gäste Spanier und „nur“ 35% Ausländer. –

Parador de Zamora Historischer Palast 15. Jh.
Parador de Caceres Historischer Palast 14. Jh.
Parador de merida Kloster 18. Jh.

Gestaltung der Paradors

Die meisten der rund 100 Paradors befinden sich in Schlössern, Burgen, Klöstern oder Festungen, alle in atemberaubender Lage am Meer, in Naturschutzgebieten oder in bekannten Städten. Die historisch und architektonisch bedeutsamen Bauwerke erinnern einen auf Grund der Größe und Strenge an die Geschichte der einstigen Weltmacht Spanien. In dieser Hinsicht sind sie auch gerade für die spanischen Gäste von besonderer Bedeutung. Zudem ist jeder Parador anders und hat seinen eigenen Charakter abhängig von seiner Geschichte, seiner Lage, seiner ehemaligen architektonischen Gestaltung und seiner Anpassung an heutige Komfortansprüche.

Stilvolles Mobiliar, wertvolle Kunstgegenstände, Fresken oder Holzkassettendecken sind meist wichtige Details der gehobenen Ausstattung. Alle Paradors garantieren ein hohes Niveau, gleich mit wieviel Sternen sie ausgezeichnet sind.

Gleichzeitig bilden die Paradors ein Gegenstück zu den touristischen Betonburgen entlang der Küsten Spaniens. Sie zeigen die andere historisch und kulturell bedeutende Seite Spaniens.

Parador de Santiago de Compostela
Parador des Hondarribia

Auch wenn wir beim Pilgern das Leben bewusst auf das Wesentliche reduziert, so darf sich ein historisch und kulturell interessierter Pilger schon einmal das Vergnügen leisten, in einem Parador zu übernachten und tiefer in die Geschichte Spaniens einzutauchen. Die Kosten liegen allerdings zwischen ca. 90 – 300 € pro Nacht je nach Ort und Jahreszeit. Besucher über 55 Jahre sollten nach der 35% Ermäßigung fragen, die möglicherweise angeboten wird. Außerdem sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten der Paradors erkundigen, da nicht alle das ganze Jahr über geöffnet sind.

Eine Liste der Paradors und Bilder zu den einzelnen Hotels finden man u.a. hier https://www.abanico-reisen.de/paradores-verzeichnis.html

Parador de Zamora
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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

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Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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Transhumanz – traditionelle Weideform und wichtiger Beitrag zur Biodiversität

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Via de la Plata

Begriff

 

Transhumanz ist eine Form der Weidewirtschaft, bei der das Vieh (i.d.R. Schafe und Ziegen, aber auch Kühe und Pferde) im Sommer auf Höhenzügen und im Winter in schneefreien Niederungen steht. Im Gegensatz zum Nomadismus gehören die Herden einer sesshaften Bevölkerung und werden von Hirten zu den Weideplätzen, die sich im jahreszeitlichen Klimarhythmus ergänzen, begleitet. Bei der Transhumanz wird das Vieh im Unterschied zur Almwirtschaft in der Regel nicht eingestallt, da es klimatisch nicht notwendig ist. Die Eigentümer selbst betreiben Ackerbau oder gehen anderen Berufen nach.

Hauptverbreitungsgebiet der Transhumanz ist der Mittelmeerraum.

Von Ökologix - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32403478

Transhumanz in Spanien

 

In Spanien ist die saisonale Wanderschäferei über weite Strecken seit Jahrhunderten eine Tradition. Hier hat die regelmäßige saisonale Beweidung durch die Schafe eine einzigartige Kulturlandschaft mitgeschaffen.

Im Frühsommer, wenn weite Landschaften Zentral- und Südspaniens anfangen auszutrocknen, beginnt die Transhumanz in Spanien. Über Hunderte von Kilometern wurde/wird das Vieh aus Andalusien und der Extremadura in die gebirgigen, feuchteren Regionen der Provinzen León und Palencia getrieben. 

Bereits im zwölften Jahrhundert standen Wanderhirten unter dem besonderen Schutz der Könige. Für sie wurden eigens bis zu 75 Meter breite Viehwege mit Schutzhütten und Tränkestellen festgelegt. Auf den sogenannten Cañadas konnten Forscher mehr als vierzig Pflanzenarten pro Quadratmeter und mehr als hundert Schmetterlings- und andere Insektenarten nachweisen.

In Spanien trieben die Hirten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als vier Millionen Schafe,Rinder, Ziegen, Esel und Pferde in den Norden Spaniens und zurück. Damit schufen sie ein Wegenetz von mehr als 124.000 Kilometern durch das Land. Eine uralte und die Landschaft prägende Tradition, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in Spanien in den 1960er-Jahren fast in Vergessenheit geriet.

Diese Wende kam mit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft und der damit verbundenen EG-Supermarkt-Agrarpolitik, gegen die die spanischen Wanderhirten mit ihrer überlieferten, extensiven Viehzucht keine Chance hatten. Die Entkopplung der EU-Beihilfen und die Konkurrenz durch Importe aus dem Ausland haben zu einer massiven Aufgabe kleiner, extensiv arbeitender Betriebe geführt. Diese Schließung von Betrieben führt bei den großen Betrieben zu einer weiteren Intensivierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So befindet sich die extensive Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen, die zum Artenerhalt und für die Landschaftspflege in ganz Spanien von fundamentaler Bedeutung ist, an einem Scheideweg, der über die Zukunft der Natur und des ökologischen Gleichgewichts entscheidet. Gerade unter dem Eindruck der Klimakrise, der stärkeren Dürrperioden, der Austrocknung und Auslaugung der Böden sowie der gängigen Probleme einer intensiven Landwirtschaft ist hier ein Umdenken gefragt.

Die mangelnde Überlieferung von Generation zu Generation, die Modernisierung und die geringe Rentabilität der Verfahren und die heruntergekommenen Viehwege haben zu einem Niedergang der Transhumanz geführt, die sehr stark Gefahr läuft, in naher Zukunft völlig zu verschwinden. Zudem ist sie weiterhin eine wichtigste wirtschaftliche Tätigkeit in vielen ländlichen Bergregionen, wo die physischen Faktoren andere Arten der Landwirtschaft einschränken.

Mitunter geht es nicht nur auf Feldwegen, sondern auch Landstraßen zum nächsten Ziel der Transhumanz. Foto: Hilke Maunder "Mein Frankreich"

Bedeutung der Transhumanz für das ökologische Gleichgewicht

(u.a. am Beispiel der Dehesas)

  • Die Dehesas werden in der Trockenheitsphase nicht vertreten und bis zum letzten Halm abgefressen.
  • So wird eine Überweidung vermieden und der Lebensraum anderer Tiere (z.B. gefährdeter Steppenvögel) geschützt.
  • Immergrünen Weiden binden auch im Winter weiterhin Kohlendioxid (CO2) über die Pflanzen und speichern dies über die Wurzeln im Boden. 
  • Mehrschichtige und unbelastete Grünlandboden bindet zudem Schadstoffe wie übermäßigen Stickstoff und verhindert damit eine Nitratbelastung von Grundwasser, Flüssen und Seen.
  • Die Böden können im Herbst die Regenfälle besser aufnehmen.
  • So wird auch die Erosion der Böden verringert.
  • Das schützt wiederum die Artenvielfalt der Dehesas.
  • Der Arbeitsaufwand auf den Farmen wird durch die Abwesenheit der Schafe verringert.
  • Man spart sich das Kraftfutter für die Schafe, was zur Verminderung des CO2 -Fußabdruckes führt.
  • Auf den Bergweiden wird die Verbuschung vermieden und Weideflächen freigefressen.  indem die Weidetiere bestimmte Pflanzen immer wieder “verbeißen”, wo sonst mehrjährige Sträucher und Bäume bald alles zuwuchern würden. Dadurch sind in Europa einzigartige Kulturlandschaften entstanden.
  • So kann auch die Biodiversität (siehe Kapitel unten) gestärkt werden, da durch die Verbuschung bestimmte Tierarten wie der Braunbär, der Auerhahn oder der Bartgeier bedroht sind.
  • Untersuchungen aus Spanien haben aufgezeigt, dass mit dem Kot eines einzigen Schafes bis zu 6000 Samen am Tag ausgeschieden werden. Damit tragen Schafe nicht nur zur Artenvielfalt in der Landschaft bei, sie vernetzen auch wichtige Biotope untereinander. Auf manchen historischen Wanderwegen hat sich über die Jahrhunderte durch die Wanderschäferei eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt.
  • Außerdem wird die Waldbrandgefahr in den Bergen so reduziert.
  • Durch die Transhumanz werden außerdem viele Wanderwege, Canadas (bis zu 125.000 km Länge) erhalten, ein unschätzbares Natur- und Kulturerbe.

Politische und organisatorische Aktivitäten in Spanien

Seit den 1990ern bemühte sich eine Handvoll Hirten und Naturschützer um die Wiederbelebung der Transhumanz, und die Regierung stellte die Wege 1995 schließlich unter Schutz.

Als weiteres Ergebnis hat das Ministerium für die Umwelt, den ländlichen Raum und die Meeresumwelt (MARM) ein Förderprogramm für die Transhumanz über das nationale Netzwerk für ländliche Räume eingerichtet, das teilweise über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Das Programm unterstützt Hirten, die saisonal wandern, und sieht Maßnahmen vor, um der Öffentlichkeit die Bedeutung der Hirten bewusst zu machen. Dies umfasst u.a. Präsentationen, die Entwicklung von Unterrichtsmaterial für Schulen und den mittlerweile berühmten Schaftrieb durch Madrid.

Neben anderen Organisationen kümmert sich auch die Fundación Global Nature um die Biodiversität im ländlichen Raum. Um die Geschichte der Transhumanz lebendig zu halten, wurde die Fundación selbst zum Viehhalter und ging viele Jahre lang mit einer Herde von 2.200 Merinoschafen auf die Wanderreise. Im Moment arbeitet die Fundación Global Nature España im Wesentlichen daran, neue Möglichkeiten für die Transhumanz aufzuzeigen, um diese auch finanziell attraktiver zu machen. Dazu zählt die Haltung alter und gefährdeter Haustierrassen, die sich bestens an das Klima, die Sommerhitze und den kargen Boden anpassen und hervorragende Fleischprodukte aus ökologischer Viehzucht liefern können. Außderdem sollen neue Vermarktungsstrategien wie z.B. die Werbung für “Produkte aus der Transhumanz”  intensiver auszubauen werden.

Interessant zu wissen:

2026:   Ein Jahr im Zeichen der Transhumanz
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) hat 2026 als Internationales Jahr der Weidelandschaften und Pastoralisten (= Hirten und andere) ausgerufen.

Das IYRP soll das weltweite Verständnis für die Bedeutung von Weideland und Pastoralisten für die Ernährungssicherheit, die Wirtschaft, die Umwelt und das kulturelle Erbe verbessern, Wissenslücken über Weideland und Pastoralisten schließen helfen und eine evidenzbasierte Politik und Gesetzgebung fördern, die eine nachhaltige Weidewirtschaft in den Weidelandschaften ermöglicht. 

By Jpmgir - Own work: appareil numérique bon marché, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8287487

Was bedeutet eigentlich Biodiversität und warum ist sie so wichtig?

 Als Biodiversität bezeichnet die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme auf dem Land, im Süßwasser, in den Ozeanen sowie in der Luft. Biodiversität beinhaltet

  • die Vielfalt unterschiedlicher Arten als auch innerhalb einer Art (taxonomische Diversität)
  • die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten sowie die Diversität aller Organismen eines Lebensraums (genetische Diversität)
  • die Vielfalt an Biotopen und Ökosystemen sowie an Ökosystemfunktionen wie Bestäubung und Samenverbreitung (ökologische und funktionale Diversität)
  • die Vielfalt an Verhaltensweisen von Tieren (kulturelle Vielfalt)

Biodiversität ist das Rückgrat des Lebens. Sie ist für den Menschen ebenso wichtig wie für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie versorgt uns mit Nahrung, Süßwasser und sauberer Luft und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrung des natürlichen Gleichgewichts. Sie trägt dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten und verhindert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums hängt knapp die Hälfte des weltweiten BIP (rund 40 Billionen €) von der natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen ab. 

Menschliche Tätigkeiten, die Lebensräume verschmutzen und verändern, sowie der Klimawandel belasten Arten und Ökosysteme. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind derzeit weltweit eine Million Arten von Pflanzen, Insekten, Vögeln und Säugetieren vom Aussterben bedroht. Täglich sterben bis zu 200 Arten aus!

Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 ist der Eckpfeiler des Naturschutzes in der EU und ein Schlüsselelement des europäischen Grünen Deals. Man kann nur hoffen, dass die europäischen Staaten diese Strategie ernst nehmen und umsetzen und es nicht nur schön bedrucktes Papier bleibt. Die Zeit drängt!eigentlich

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Die Romanik in Nordwestspanien

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  1. Historische Gegebenheiten

 Die Entstehung und Ausprägung der romanischen Architektur ist in Spanien anders verlaufen als in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern, weil die historischen Voraussetzungen anders waren. Denn seit 711 herrschten die Araber über fast die gesamte iberische Halbinsel. Allein das asturische Königreich, das später im Königreich Kastilien und Leon aufging, war nicht besetzt. Es war das Zeitalter der Romanik, in dem die Reconquista – die Rückeroberung unter christlichen Vorzeichen – ihre ersten Erfolge verbuchte. Neben Asturien waren es die fränkische Mark Katalonien und die Königreiche Navarra und Aragon, die die Reconquista vorantrieben und die Rückeroberung Spaniens von den Arabern im Laufe der Zeit zu einem Anliegen der gesamten Christenheit machten. Die Reconquista erreichte Mitte des 11. Jhs. die Linie Ebro-Duero, zu Beginn des 12. Jhs. den Tajo und Anfang des 13. Jhs. den Guadiana (vgl hierzu auch die Texte über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista).

In der Folge dieser politischen Veränderungen kam es auch zunehmend zu kulturellen Entwicklungen. So wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela sehr stark forciert und in diesem Zusammenhang entstanden auf den Pilgerwegen dorthin zahlreiche Kirchen und Klöster. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand weitete sich der Kirchenbau dann auch nach Süden aus. Der Widerstreit zwischen den arabischen Herrschern im Süden und den christlichen Herrschern im Norden hatte eine kulturelle Zweiteilung der iberischen Halbinsel zur Folge. So ist die romanische Baukunst eigentlich nur im nördlichen Bereich zu finden, während im Süden teilweise noch bis ins 15. Jh. die arabische geprägte Architektur gepflegte wurde. Deshalb findet man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bauwerk_der_Romanik_in_Spanien  auch nur eine Aufstellung von Bauwerken der Romanik in den Regionen Aragon, Navarra, Kastilien-Leon, Galicien und Katalonien.

Marcel Durliat Romanisches Spanien
Kastilien/Leon Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25411646 Zamora
  1. Der vorwiegend französische Einfluss auf die romanische Baukunst in Nordwestspanien

 Die romanische Baukunst in Nordwestspanien weist anfänglich noch eine gewisse Eigenständigkeit auf. So ist der Übergang von der asturisch/mozarabischen Kunst zur Romanik fließend. Aber mit der zunehmenden Intensität der Pilgertätigkeit verstärkt sich zunehmend der Einfluss einer europäischen, besonders französisch geprägten Architektur. Für diese starke Anpassung an die französische Baukunst gibt es mehrere Gründe.

  1. Die Pilgerwege, entlang derer sich im Laufe der Zeit ein richtiges Baufieber entwickelte, bedingten eine stärkere kulturelle Offenheit. Zunächst entstanden nur wenige Hospize entlang der Wege. Dann bildeten sich größere Siedlungen heraus und Klostergemeinschaften kümmerten sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Die in diesem Zusammenhang neu errichteten Kirchenbauten orientierten sich an ausländischen Vorbildern. Hier ist auch der Einfluss des Benediktinerklosters in Cluny wichtig, wurden von dort aus doch zahlreiche Konvente in Spanien errichtet.
  2. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung des Zisterzienserordens. Denn die Gläubigen trauten den Zisterziensern im Laufe des 11. Jh. stärker als anderen zu, effizient für das Seelenheil der Verstorbenen zu sorgen. Deshalb förderten und unterstützten die verschiedenen Machthaber die Ansiedlung der Zisterziensermönche. Da der Orden aber in seiner ganzen Struktur sehr straff organisiert war, gab es intensive Wechselbeziehungen zu zahlreichen Klöstern in Europa und vor allem zur französischen Zentrale. Die Abtei Citeaux war das Mutterkloster aller Zisterzienserabteien.
  3. Die stark an der französischen Kultur orientierten Ritterorden, die ja auch im Rahmen der Pilgerbewegung und der Reconquista aktiv waren, förderten ebenfalls diese Entwicklung.
  4. Eine aktive Bevölkerungspolitik der Lokalherren mit der Vergabe von Privilegien an Fremde führte zu einer deutlichen Ansiedlung von neuen Bürgern in den Städten. So entstanden zahlreiche Frankenviertel, d.h. Viertel, in denen vorwiegend aus Frankreich kommende freie Bürger lebten.
  5. Auch ästhetische Gründe spielten eine Rolle. So wurde Ende des 12. Jhs. die französische Baukunst als vorbildlich empfunden, so dass sich Bauherren, die eine anspruchsvolle Kirche errichten wollten, an französischen Vorbildern orientierten.

Aber es wäre zu einseitig, den Einfluss nur in eine Richtung zu sehen. So ist die Romanik auf der Iberischen Halbinsel ohne den Einfluss der französischen Baukunst nicht denkbar, aber die spanische Romanik ist nicht nur ein Ableger der französischen sondern sie hat auch eigene Leistungen hervorgebracht und somit haben auch umgekehrt Anregungen aus Spanien Eingang in die französische Baukunst gefunden. Das intensive künstlerische Schaffen entlang der Pilgerwege war stets auch mit wechselseitigen Beeinflussungen verbunden.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361 Jaca Aragon
  1. Gestaltung der romanischen Baukunst in Spanien

 Geografische Einflüsse

Auf Grund der politischen Situation findet man vorwiegend im Norden und Westen Spaniens eine größere Zahl von romanischen Kirchen (s.oben). Dabei kann man die Romanik regional in zwei Bereiche aufteilen.

Der Osten mit der Landschaft Katalonien steht in 11. Jh. in starkem Austausch mit Oberitalien, konkret der Lombardei. Charakteristische Elemente der lombardisch ostromanischen Baukunst sind:

Wände aus einem nur grob zugehauenen Bruchstein geschichtet, aus dem Tür- und Fensteröffnungen wie ausgeschnitten erscheinen. Einziges Gliederungselement sind flach an die Wand aufgelegte Lisenen.

In den westlich von Katalonien gelegenen Landesteilen hat sich die westromanische Baukunst herausgebildet, die sich stärker an der französischen Kultur orientierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela und die damit verbunden Einflüsse. Charakteristische Elemente der westromanischen Baukunst seit dem 11. Jh. sind:

Glatt bearbeitete und sauber gefugte Quader und plastisch geformte Gliederungsteile wie man sie auch jenseits der Pyrenäen findet.

Allein in Aragon treffen der ost- und westromanische Baustil zusammen. Allerdings findet keine Vermischung statt, sondern es entstehen stilreine Bauten beider Richtungen. Zu nennen ist hier in Santa Cruz de la Seros die Kirche San Caprasio im lombardischen Stil und die Klosterkirche San Maria im westromanischen Stil.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der westromanischen Kirchen ist in vielen Orthaften häufig eher schlicht und angebunden an die lokalen Traditionen.

Viele der eher regionalen Hallenkirchen zeigen typische Merkmale:

  • mit halbrunden Apsiden und Querschiff,
  • längsmassive, wuchtige und geduckte Bauform, die außen wenig gegliedert ist,
  • kleine Fenster, dicke Mauern, Tonnengewölbe mit und ohne Gurtbögen,
  • Fenster und Eingänge mit Rundbögen überwölbt, Fenster häufig durch Zwischensäulen in mehrere Fensterbögen unterteilt,
  • oft wenig belichtete, höhlenartige Innenräume, runde, quadratische oder gegliederte Pfeiler,
  • Ornamentik dezent eingesetzt
  • häufig runde, quadratische oder rechteckige Türme, die an verschiedenen Teilen der Kirche – meist an den Seiten oder über dem Querschiff angebracht sind. Diese Platzierung war darauf zurückzuführen, dass die Bauherren die Türme, da sie aus Ziegeln gebaut waren (ein Material, das weniger beständig ist als Stein), im stärksten, widerstandsfähigeren Abschnitt (normalerweise an den Apsiden) aufstellen mussten. 

In die folgende Zeit bis Mitte des 13. Jhs. (Spätromanik) fällt der Bau vieler Klöster und Kirchen der Zisterzienser. Auf Grund des Glaubensverständnisses der Zisterzienser waren Einfachheit und Funktionalität Kriterien, die die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso kennzeichnen wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.  Die Verbote, die den Luxus betrafen, sahen außerdem für die Klosterkirche einen Bau ohne Krypta und Turm mit flachabschließendem Chor (keine Apsis) vor. Teilweise wurde im Inneren auf Ornamentik und Bauschmuck verzichtet.

Übergang zur Gotik als Baustil

In Spanien ist kein schrittweiser Übergang von der Romanik in die Gotik zu verzeichnen, sondern der neue Stil entstand „fast schlagartig“ in den 20iger Jahren des 12. Jhs. mit den Kathedralen von Toledo und Burgos. Diese sind im Prinzip Kopien von gotischen Kirchen in Frankreich. Die schnelle und vor allem einheitliche Entwicklung der Gotik im Land lässt sich dadurch erklären, dass von den zentralistischen Regierungen der Königreiche von Katalonien-Aragon und Kastilien-Leon ein gleichartiger Stil der Kirchen proklamiert wurde. Diese Entwicklung, wie wir sie ja auch aus dem zentralistischen Frankreich kennen, diente auch zur Demonstration der königlichen Macht im Lande und den veränderten Machtverhältnissen.

 

Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3370116 Ourense Galizien
  1. Baumeister, Steinmetze und Erbauer und Sponsoren

Im Mittelalter hat es den “Architekt“ – wie er von den Römern verstanden wurde – in dieser Form nicht gegeben. Die Aufgaben des ehemaligen Architekten werden von den Baumeistern durchgeführt. Der Baumeister war ein Künstler, der in den meisten Fällen mit einem Team von Arbeitern, die er unter seinem Kommando hatte, zusammen an den   Bauten arbeitete. Der Baumeister war derjenige, der die Arbeiten an den Gebäuden beaufsichtigte, aber gleichzeitig war er auch Handwerker, Bildhauer, Tischler oder Steinmetz. Diese Personen wurden normalerweise in Klöstern oder in Gruppen von gewerkschaftlich organisierten Freimaurerlogen ausgebildet.

Neben dem Baumeister gab es eine große Gruppe von Steinmetzen, Maurern, Bildhauern, Glasmachern, Tischlern und Malern und anderen Berufen. Diese Mannschaften bildeten Werkstätten, aus denen oft lokale Meister hervorgingen, die in der Lage waren, zahlreiche ländliche Kirchen zu bauen. Sie zogen in einem gewissen Umkreis (ca. 150 qkm) gemeinsam von einer Baustelle zur anderen. So erklärt sich auch die typische regionale Gestaltung von Kirchen.

Steinmetze bildeten den Großteil der Arbeiter bei der Errichtung der Gebäude. Die Anzahl der Steinmetze war abhängig von der Größe der sakralen Gebäude. Einige Zahlen sind bekannt, so waren beim Bau der Alten Kathedrale von Salamanca zwischen 25 und 30 Steinmetze angestellt. Diese Steinmetze und andere Arbeiter waren von Steuern befreit. Sie wurden entsprechend ihrer Spezialisierung in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe waren diejenigen, die Gebäudeteile von hochwertiger Qualität oder die geschnitzten Reliefs erstellten (echte Bildhauer) und die in ihrem eigenen Tempo arbeiteten. Sie hinterließen ihre fertige Arbeit auf dem Gelände. Diese Teile wurden dann erst später am oder im Gebäude platziert. Die zweite Gruppe bestand aus fest angestellten Mitarbeitern, die das Gesamtgebäude errichteten. Daneben gab es auch eine Gruppe ungelernter Arbeiter. In vielen Fällen boten diese Leute ihre Arbeit oder ihr Können an, weil sie als Christen stolz waren, an einem großartigen Projekt mitzuarbeiten, das ihrem Gott gewidmet war. Aber auch sie erhielten eine Vergütung entweder pro Tag oder pro Stück. 

Von besonderer Bedeutung für die Gestaltung der Kirchen waren natürlich die Bauherren, bestimmten sie doch neben der Größe der Kirche z.B. welche Themen und Heilige in den Skulpturen und Reliefs dargestellt werden sollten. Außerdem beriefen sie entsprechend den finanziellen Möglichkeiten die jeweiligen Baumeister und Künstler. Neben den Klöstern waren es in Nordwestspanien vor allem die Könige und ein Teil des Adels, die als Förderer des neuen romanischen Stils auftraten. Ein Teil der Kirchen am Pilgerweg waren königliche Stiftungen, woran sich das Interesse der Herrscher am Pilgerweg zeigt. Denn sie erhofften sich von den großen Pilgerströmen einerseits wirtschaftliche Prosperität, verbanden damit aber auch religiöse und spirituelle Hoffnungen.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María la Real, Sangüesa, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254324 Navarra

Exkurs: Die spirituelle Bedeutung der Kirchen für die Pilger

Vielleicht noch ein paar Worte zur Wirkung der Kirchen auch heute auf den Jakobswegen.

Kirchen sind nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägen als symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch. Gläubige machen hier eine besondere Erfahrung, das Gefühl einer besonderen Nähe zu Gott. Kirchen sind Metaphern für ein Welt- und Gottesverständnis, das sich immer wieder kulturell gewandelt hat. Diese kulturellen Veränderungen aber auch ihre unterschiedlichen regionalen Ausprägungen finden dann ihren sichtbaren Ausdruck in der baulichen Gestaltung der Kirchen.

Neben dieser religiösen Betrachtung gibt es noch weitere Bedeutungen. So schreibt Pascal Mercier einmal: „Dafür sind Kathedralen gebaut worden als Orte, an die man gehen kann, wenn die Dinge des Lebens einen überwältigen: Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod. Man braucht an nichts zu glauben. Der Raum allein genügt.“

Es sind auch Rückzugsorte, wenn man keine großen Probleme hat. Allein die Ruhe und das Stille berühren einen im Inneren. Sie regen zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Meditieren an. Es findet gerade hier noch einmal eine Entschleunigung statt, ein so wichtiges Gefühl beim Pilgern. Man genießt auch die Kühle der Kirche im Vergleich zur Hitze der Landschaft. Ja und gelegentlich wird man auch einfach eingefangen von der mystischen Atmosphäre einer Kirche.

Nooteboom spricht noch einen anderen Aspekt an. Er sagt, dass wir uns ja immer in der Geschichte befinden der gegenwärtigen und der von einst. Und Kirchen regen uns  dazu an, uns mit der Vergangenheit  auseinanderzusetzen. So können wir uns z.B.  in die Zeit des längst für immer verschwundenen Mittelalters versetzten und vielleicht auch die Mühen und Schwierigkeiten der damaligen Pilger reflektieren.

 

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Die Korkeiche – Europäischer Baum des Jahres 2018

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Via de la Plata

Die Korkeiche (Quercus suber L.), auch Pantoffelholzbaum oder Pantoffelbaum, ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums aus der Gattung der Eichen (Quercus). Sie wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt. Namensgebend sind die dicken Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern.

Schon in der frühen Antike kannten die Assyrer, Ägypter und Griechen den Korken. Zum Teil wurden Korkpfropfen auch als Verschluss für Amphoren verwendet. Zumeist waren jedoch Stöpsel aus Terrakotta (Ton) in Gebrauch, die mit Bindfaden befestigt und dann mit Lack, Ton oder Pech abgedichtet wurden.

 

Beschreibung

Die Korkeiche wächst als immergrüner Baum, der eine durchschnittliche Wuchshöhe von 10 bis 20 Metern oder in seltenen Fällen bis 25 Meter und Stammdurchmesser von 50 bis 90 Zentimeter erreicht. 

Charakteristisch für die Korkeiche sind die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Das Kambium der bei jungen Bäumen glatten Rinde bildet sehr früh eine Korkschicht, die drei bis fünf Zentimeter dick werden kann. Das leichte und schwammige Korkgewebe zeigt senkrechte Risse und ist an der Außenseite weiß, an der Innenseite rot bis rotbraun. Die Korkeiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es treten sowohl weibliche als auch männliche Blüten an einem Exemplar auf. Die Fruchtstände werden 0,5 bis 4 Zentimeter lang und tragen zwei bis acht Eicheln.

Die Bäume werden über 400 Jahre alt, geerntete Exemplare werden 150 bis 200 Jahre alt.

 

geschälte Korkeiche Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17050001

Verbreitungsgebiete und Standortansprüche

Dehesa heißen in Spanien die Korkeichenwälder, die sich in den Regionen Andalusien und Extremadura auf einer Fläche von über 500.000 Hektar erstrecken.  In Portugal bedecken natürliche und angepflanzte Bestände ein Gebiet von 750.000 Hektar. Auch in Frankreich, Italien und Nordafrika finden sich meist kleinere Gebiete mit Korkeichen (s. Karte).

Die Art ist sehr lichtbedürftig und kann in dichten Beständen nicht überleben. Sie ist wärmeliebend und in Mitteleuropa nicht winterhart.  Sie erträgt Dürre und überdauert sommerliche Trockenperioden durch die Reduzierung des Stoffwechsels. Korkeichen stellen geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und wachsen auch auf mageren, trockenen oder felsigen Standorten. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche#/media/Datei:Quercus_suber_range.svg

Ökologische Aspekte und Probleme

In natürlichen Umgebungen wächst die Korkeiche gemeinsam mit anderen Eichenarten z.B. der Steineiche. Die Korkeichenwälder dienen unter anderem als Weideland für die halbwild gehaltenen Ibérico-Schweine und stellen zudem wichtige Lebensräume für bedrohte Tier- und Vogelarten wie beispielsweise den Iberischen Luchs, den Spanischen Kaiseradler und den Mönchsgeier dar. (s. auch Artikel “Dehesas” und ” Das schwarze Ibero-Schwein”)

Die Korkeiche geht mit mehreren Pilzarten eine MykorrhizaSymbiose ein. Dabei ist das Feinwurzelsystem der Eiche in engem Kontakt mit dem Myzel des Pilzes. Die Eiche erhält vom Pilz Wasser und Nährsalze im Tausch für Produkte der Photosynthese.

Leider hat die Korkeiche auch mächtige Feinde. Mehrere Schmetterlingsarten, sprich ihre Raupen, schädigen die Korkeiche, die bedeutendste ist der Schwammspinner (Lymantria dispar). Wie bereits im Artikel „Dürre in der Extremadura“ ausgeführt breitet sich dieser Schädling gerade intensiv im Süden Andalusiens aus und bedroht auf Dauer auch die Korkeichen in der Extremadura und im angrenzenden Portugal.

(Foto: © APCOR / DKV).

Nutzung und Vorzüge

Die Korkeiche wird zur Gewinnung von Kork in mehreren Mittelmeerländern angebaut. Die Zentren der Korkproduktion liegen in Süd-Portugal und Süd-Spanien, wo auf weiten Flächen niedrige Bäume mit großen Kronen und starken Ästen angebaut werden, die den höchsten Ertrag an Kork liefern. Diese größtenteils extensiv bewirtschafteten Habitate werden in Spanien Dehesas und in Portugal Montandos genannt. Unter den Gesichtspunkten von Artenvielfalt und kulturellem Erbe werden sie als höchst wertvoll angesehen.

Die Korkeiche ist der einzige Baum, den man schälen kann, ohne dass er Schaden nimmt. Ehe es soweit ist, muss er mindestens zwanzig Jahre wachsen, um eine Höhe von 1,50 Metern und einen Mindestdurchmesser von siebzig Zentimetern zu erreichen. Im Folgenden kann die nachwachsende Rinde regelmäßig alle neun Jahre und bis zu einem Alter von etwa 150 Jahren frisch abgezogen werden. Je nach Alter des Baums liegt der Ertrag bei zwanzig bis sechzig Kilo Kork pro Schälung.

Korkeichen können nicht maschinell geerntet werden. Man benötigt dazu zwei spezialisierte Arbeiter, von denen einer fachkundig die Schnitte setzt und der andere die Schale von den Stämmen löst. Zurück bleibt ein nackter Baum, dessen Stamm dann rotbraun ausschaut. Er beginnt dann wieder, eine Rinde zu bilden. Erst ab der dritten Schälung – also etwa im Alter von vierzig Jahren – besitzt der Kork jedoch die Qualität, die zur Herstellung von Flaschenkorken erforderlich ist. Die Hälfte des weltweit vorrätigen Korks wird zu Korken verarbeitet. Die andere Hälfte wird u.a. in der Bauindustrie zu Isolierungszwecken und für Bodenbeläge oder in der Modebranche für die Herstellung von Schuhen und Taschen verwendet.

Der Herstellungsprozess zieht sich über mehrere Monate hin. Zunächst wird die Rinde zwischen 6 bis 24 Monate unter freiem Himmel zur Trocknung gelagert. Die Kork-schalen verlieren in diesem Bearbeitungsschritt ihre Wölbung und werden zu Platten. Nach weiteren Monaten der Lagerzeit wird der Kork zur Desinfektion in heißem Wasser für etwa eine Stunde gekocht. So gewinnt er auch eine höhere Elastizität, was für die Weiterverarbeitung von Nutzen ist. Nach nochmals dreimonatiger Trocknungszeit wird der Kork dann nach Qualität sortiert. Das beste Material wird für Korken verwendet. Allein Spanien produziert auf diese Weise jährlich rund 3 Milliarden Flaschenkorken; Portugal kommt im selben Zeitraum sogar auf die astronomisch klingende Zahl von 10 Milliarden Stück.

Natürlich gibt es die Diskussion über den Sinn der Verwendung von Flaschenkorken im Vergleich zu Drehverschlüssen.

Die einen plädieren für die Ganzstückkorken, also Korken, die aus einem Stück gefertigt werden, gerade bei Weinen mit einer langen Lagerzeit mit der Begründung, dass er sich in seiner Elastizität jeden Unebenheiten im Flaschenhals anpasst und dass seine Zellwände  immer noch einen minimalen Luftaustausch erlauben, der zur optimalen Reifung lang lagernder Weine wichtig ist. Ein luftdichter Schraubverschluss kann diesen Vorzug nicht bieten, auch wenn andere Meinungen sagen, ein Drehverschluss wäre genauso gut, da sich Luft bereits in der Flasche befinde. Außerdem würde man so der Gefahr es Ausschusses entgehen, was allerdings nur bedingt zutrifft, denn auch bei anderen Verschlussarten kommt es zu den sogenannten Weinfehltönen. Schraubverschlüsse sind aber (leider) deutlich billiger, aber ökologisch bedenklicher. Wahrscheinlich ist das Ganze auch eine Glaubens- und Stilfrage. Die spanischen Winzer bevorzugen auf jeden Fall noch den Korken.

Kork hat aber noch andere Vorzüge. Kork ist der einzige ökologisch unbedenkliche Verschluss und ein recycelbares Naturprodukt. Darum gibt es viele Initiativen, die Kork recyceln. Alte Korken werden gemahlen und beispielsweise als ökologischer Dämmstoff für die Isolierung von Außenwänden oder Dächern angeboten.

 

Zudem ist zu bedenken, dass nicht zuletzt die Verwendung von Naturkorken den Erhalt der artenreichen Ökosysteme und der einzigartigen Kulturlandschaft der Korkeichenwälder auf der iberischen Halbinsel unterstützen. Ohne ökonomischen Nutzen würden Dehesa und Montado möglicherweise verschwinden und ihre Flächen beispielsweise zu Olivenhainen umgewandelt werden. 

(Foto: © APCOR / DKV).
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Dürre in der Extremadura – ein ernstes Problem

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Die andauernde Trockenheit in Spanien macht sich besonders in der Region Extremadura bemerkbar. 

So sind zum einen die Ibérico-Schweine – und damit die Produktion des beliebten Iberischen Schinkens – in Gefahr. Durch die hohen Temperaturen und die Wasserknappheit tragen die Steineichen bis zu 25 Prozent weniger Früchte – allerdings sind die Eicheln zur Mast der Schweine für den sogenannten “Bellota-Schinken” ein Muss (s. auch den Artikel Das berühmte Ibero-Schein).

Eine Prognose des “Verbands der iberischen Schweine” geht davon aus, dass im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent weniger von den mit Eicheln gemästeten Schweinen geschlachtet werden können. Anders ausgedrückt: es wird rund 150.000 Tiere weniger geben, die die Qualitätsanforderungen für den beliebten Schinken erfüllen. In vier Jahren wird der Schinken wohl teurer und seltener werden.

 

Außerdem drohen bei der Getreideernte massive Ausfälle auf Grund der Dürre.

„Den Leuten ist nicht wirklich klar, wie schlimm die Lage ist. Alte Bauern erzählen mir von üblen Dürreperioden, in den 1930er Jahren zum Beispiel. Aber sie sagen, selbst damals gab es noch irgendetwas zu ernten. Dieses Jahr könnte das erste sein, in dem sie absolut gar nichts vom Feld holen“. Daniel Trenado ist Jungbauer und Biologe unweit von Badajoz in der Extremadura im Südwesten Spaniens. „Ich baue Gerste, Roggen, Erbsen an, das meiste ist als Viehfutter gedacht. Doch die Triebe sind fast alle vertrocknet, ich brauche die Erntemaschine nicht mal aus der Garage zu holen“. Die Getreideernte in Spanien scheint 2023 großenteils verloren, in der Extremadura, in Andalusien und in Castilla-La Mancha, in drei weiteren Regionen wird sie stark beeinträchtigt sein. Und das just in einem Jahr, da viele Landwirte wegen der Ukraine-Krise wieder auf Getreide und Sonnenblumen umstellten, weil sich da ein Markt auftat.

Eine weitere Gefahr, die momentan intensiv im Süden Andalusiens auftritt, aber wohl auch bald die Extremadura erreichen könnte, ist eine Raupe. Die chronische Dürre macht die Korkeichen anfälliger für Plagen und in Andalusien werden die Korkeichen gerade von einem Schmetterling – heimgesucht, dessen Raupen die Bäume zerfressen und absterben lassen. Der Übeltäter heißt lymantria dispar auf Latein, auf Spanisch lagarta peluda (behaarte Eidechse), auf Deutsch Schwammspinner. Er hat sich über Asien und Nordafrika schon vor Jahrzehnten auch in Südeuropa ausgebreitet, Trockenheit und höhere Temperaturen halfen ihm dabei. Die Raupen des Schwammspinners stürzen sich auf jeden Trieb und jedes Blatt, dadurch stellen die Korkeichen aus Notwehr das Wachstum der Rinde ein, es gibt dann auch keine Eicheln mehr. Der Baum stirbt. Momentan ist vor allem der Naturpark Los Alcornocales 40 km in der Region Cadiz betroffen rund 40 km in westlicher Richtung von der Casta del Sol entfernt. Man befürchtet, dass nur mit einer chemischen Keule die Ausbreitung der Raupe verhindert werden kann, was weitere Auswirkungen auf andere Insekten, sprich ihre Vernichtung, zur Folge haben könnte.

 

Foto: Entomologie (WSL)
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