Die Korkeiche – Europäischer Baum des Jahres 2018

Via de la Plata

Die Korkeiche (Quercus suber L.), auch Pantoffelholzbaum oder Pantoffelbaum, ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums aus der Gattung der Eichen (Quercus). Sie wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt. Namensgebend sind die dicken Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern.

Schon in der frühen Antike kannten die Assyrer, Ägypter und Griechen den Korken. Zum Teil wurden Korkpfropfen auch als Verschluss für Amphoren verwendet. Zumeist waren jedoch Stöpsel aus Terrakotta (Ton) in Gebrauch, die mit Bindfaden befestigt und dann mit Lack, Ton oder Pech abgedichtet wurden.

 

Beschreibung

Die Korkeiche wächst als immergrüner Baum, der eine durchschnittliche Wuchshöhe von 10 bis 20 Metern oder in seltenen Fällen bis 25 Meter und Stammdurchmesser von 50 bis 90 Zentimeter erreicht. 

Charakteristisch für die Korkeiche sind die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Das Kambium der bei jungen Bäumen glatten Rinde bildet sehr früh eine Korkschicht, die drei bis fünf Zentimeter dick werden kann. Das leichte und schwammige Korkgewebe zeigt senkrechte Risse und ist an der Außenseite weiß, an der Innenseite rot bis rotbraun. Die Korkeiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es treten sowohl weibliche als auch männliche Blüten an einem Exemplar auf. Die Fruchtstände werden 0,5 bis 4 Zentimeter lang und tragen zwei bis acht Eicheln.

Die Bäume werden über 400 Jahre alt, geerntete Exemplare werden 150 bis 200 Jahre alt.

 

geschälte Korkeiche Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17050001

Verbreitungsgebiete und Standortansprüche

Dehesa heißen in Spanien die Korkeichenwälder, die sich in den Regionen Andalusien und Extremadura auf einer Fläche von über 500.000 Hektar erstrecken.  In Portugal bedecken natürliche und angepflanzte Bestände ein Gebiet von 750.000 Hektar. Auch in Frankreich, Italien und Nordafrika finden sich meist kleinere Gebiete mit Korkeichen (s. Karte).

Die Art ist sehr lichtbedürftig und kann in dichten Beständen nicht überleben. Sie ist wärmeliebend und in Mitteleuropa nicht winterhart.  Sie erträgt Dürre und überdauert sommerliche Trockenperioden durch die Reduzierung des Stoffwechsels. Korkeichen stellen geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und wachsen auch auf mageren, trockenen oder felsigen Standorten. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche#/media/Datei:Quercus_suber_range.svg

Ökologische Aspekte und Probleme

In natürlichen Umgebungen wächst die Korkeiche gemeinsam mit anderen Eichenarten z.B. der Steineiche. Die Korkeichenwälder dienen unter anderem als Weideland für die halbwild gehaltenen Ibérico-Schweine und stellen zudem wichtige Lebensräume für bedrohte Tier- und Vogelarten wie beispielsweise den Iberischen Luchs, den Spanischen Kaiseradler und den Mönchsgeier dar. (s. auch Artikel “Dehesas” und ” Das schwarze Ibero-Schwein”)

Die Korkeiche geht mit mehreren Pilzarten eine MykorrhizaSymbiose ein. Dabei ist das Feinwurzelsystem der Eiche in engem Kontakt mit dem Myzel des Pilzes. Die Eiche erhält vom Pilz Wasser und Nährsalze im Tausch für Produkte der Photosynthese.

Leider hat die Korkeiche auch mächtige Feinde. Mehrere Schmetterlingsarten, sprich ihre Raupen, schädigen die Korkeiche, die bedeutendste ist der Schwammspinner (Lymantria dispar). Wie bereits im Artikel „Dürre in der Extremadura“ ausgeführt breitet sich dieser Schädling gerade intensiv im Süden Andalusiens aus und bedroht auf Dauer auch die Korkeichen in der Extremadura und im angrenzenden Portugal.

(Foto: © APCOR / DKV).

Nutzung und Vorzüge

Die Korkeiche wird zur Gewinnung von Kork in mehreren Mittelmeerländern angebaut. Die Zentren der Korkproduktion liegen in Süd-Portugal und Süd-Spanien, wo auf weiten Flächen niedrige Bäume mit großen Kronen und starken Ästen angebaut werden, die den höchsten Ertrag an Kork liefern. Diese größtenteils extensiv bewirtschafteten Habitate werden in Spanien Dehesas und in Portugal Montandos genannt. Unter den Gesichtspunkten von Artenvielfalt und kulturellem Erbe werden sie als höchst wertvoll angesehen.

Die Korkeiche ist der einzige Baum, den man schälen kann, ohne dass er Schaden nimmt. Ehe es soweit ist, muss er mindestens zwanzig Jahre wachsen, um eine Höhe von 1,50 Metern und einen Mindestdurchmesser von siebzig Zentimetern zu erreichen. Im Folgenden kann die nachwachsende Rinde regelmäßig alle neun Jahre und bis zu einem Alter von etwa 150 Jahren frisch abgezogen werden. Je nach Alter des Baums liegt der Ertrag bei zwanzig bis sechzig Kilo Kork pro Schälung.

Korkeichen können nicht maschinell geerntet werden. Man benötigt dazu zwei spezialisierte Arbeiter, von denen einer fachkundig die Schnitte setzt und der andere die Schale von den Stämmen löst. Zurück bleibt ein nackter Baum, dessen Stamm dann rotbraun ausschaut. Er beginnt dann wieder, eine Rinde zu bilden. Erst ab der dritten Schälung – also etwa im Alter von vierzig Jahren – besitzt der Kork jedoch die Qualität, die zur Herstellung von Flaschenkorken erforderlich ist. Die Hälfte des weltweit vorrätigen Korks wird zu Korken verarbeitet. Die andere Hälfte wird u.a. in der Bauindustrie zu Isolierungszwecken und für Bodenbeläge oder in der Modebranche für die Herstellung von Schuhen und Taschen verwendet.

Der Herstellungsprozess zieht sich über mehrere Monate hin. Zunächst wird die Rinde zwischen 6 bis 24 Monate unter freiem Himmel zur Trocknung gelagert. Die Kork-schalen verlieren in diesem Bearbeitungsschritt ihre Wölbung und werden zu Platten. Nach weiteren Monaten der Lagerzeit wird der Kork zur Desinfektion in heißem Wasser für etwa eine Stunde gekocht. So gewinnt er auch eine höhere Elastizität, was für die Weiterverarbeitung von Nutzen ist. Nach nochmals dreimonatiger Trocknungszeit wird der Kork dann nach Qualität sortiert. Das beste Material wird für Korken verwendet. Allein Spanien produziert auf diese Weise jährlich rund 3 Milliarden Flaschenkorken; Portugal kommt im selben Zeitraum sogar auf die astronomisch klingende Zahl von 10 Milliarden Stück.

Natürlich gibt es die Diskussion über den Sinn der Verwendung von Flaschenkorken im Vergleich zu Drehverschlüssen.

Die einen plädieren für die Ganzstückkorken, also Korken, die aus einem Stück gefertigt werden, gerade bei Weinen mit einer langen Lagerzeit mit der Begründung, dass er sich in seiner Elastizität jeden Unebenheiten im Flaschenhals anpasst und dass seine Zellwände  immer noch einen minimalen Luftaustausch erlauben, der zur optimalen Reifung lang lagernder Weine wichtig ist. Ein luftdichter Schraubverschluss kann diesen Vorzug nicht bieten, auch wenn andere Meinungen sagen, ein Drehverschluss wäre genauso gut, da sich Luft bereits in der Flasche befinde. Außerdem würde man so der Gefahr es Ausschusses entgehen, was allerdings nur bedingt zutrifft, denn auch bei anderen Verschlussarten kommt es zu den sogenannten Weinfehltönen. Schraubverschlüsse sind aber (leider) deutlich billiger, aber ökologisch bedenklicher. Wahrscheinlich ist das Ganze auch eine Glaubens- und Stilfrage. Die spanischen Winzer bevorzugen auf jeden Fall noch den Korken.

Kork hat aber noch andere Vorzüge. Kork ist der einzige ökologisch unbedenkliche Verschluss und ein recycelbares Naturprodukt. Darum gibt es viele Initiativen, die Kork recyceln. Alte Korken werden gemahlen und beispielsweise als ökologischer Dämmstoff für die Isolierung von Außenwänden oder Dächern angeboten.

 

Zudem ist zu bedenken, dass nicht zuletzt die Verwendung von Naturkorken den Erhalt der artenreichen Ökosysteme und der einzigartigen Kulturlandschaft der Korkeichenwälder auf der iberischen Halbinsel unterstützen. Ohne ökonomischen Nutzen würden Dehesa und Montado möglicherweise verschwinden und ihre Flächen beispielsweise zu Olivenhainen umgewandelt werden. 

(Foto: © APCOR / DKV).
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