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Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Entwicklung des Christentum in Spanien zwischen 500 und 1500 – ein kurzer Überblick

Hier kommt die Zuordnung

Die Geschichte des Christentums in Spanien zwischen 500 und 1500 ist geprägt von politischen Umbrüchen, religiösen Konflikten und kultureller Vielfalt. In dieser Zeit entwickelte sich das Christentum unter wechselnden Herrschaften und im Spannungsfeld mit dem Islam und dem Judentum.
Und wie kommt es, dass Spanien dann ein Land wurde, wo die Vereinheitlichung des katholischen Christentums im Vergleich zu anderen Ländern so stark war?


1. Westgotisches Reich (ca. 500 – 711)
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches übernahmen die Westgoten die Kontrolle über große Teile der Iberischen Halbinsel. Die Westgoten wanderten um 500 von Südfrankreich, aus dem sie vertrieben wurden, nach Spanien ein, besiegten die Römer und breiteten sich über fast die ganze Halbinsel aus. In Toledo etablierten sie die Hauptstadt ihres Reiches, das auch Toledanisches Reich genannt wurde.
Anfangs waren sie Anhänger des Arianismus, einer vom römischen Christentum abweichenden Glaubensrichtung, die Jesus nicht als gleichwertig mit Gott anerkannte. So gab es zunächst zwei Religionsrichtungen, der westgotische Adel, der arianisch war, und die römische Bevölkerung, die katholisch war. Das führte zunächst zu Spannungen. Der Wendepunkt kam dann als König Rekkared I. 589 zum Katholizismus übertrat, eine Entscheidung, die beim 2. Konzil von Toledo offiziell gekannt gemacht wurde.
Das war wichtig, da dadurch eine religiöse Einheit im Land geschaffen wurde. Kirche und Staat waren eng miteinander verbunden und die Bischöfe gewannen großen Einfluss. Unter der Herrschaft Rekkareds kam es allerdings auch zu einer unerbittlichen Kampagne gegen alle Nichtchristen, vor allem die Juden. Einst eine tolerierte Minderheit, die mit den Römern ins Land kam und erfolgreiche Händler hervorbrachte, wurde nun verfolgt, ihrer Rechte und Besitzungen beraubt und gezwungen zum Christrum zu konvertieren.

= Es entstand so in Spanien ein starkes vom Staat gestütztes Christentum.

https://www.oteripedia.de/images/thumb/3/36/Map_Westgotenreich.jpg/800px-Map_Westgotenreich.jpg

2. Islamische Herrschaft (711 – ca. 1300)
Die Invasion muslimischer Truppen unter Tariq ibn Ziyad (711) und der anschließende Feldzug unter Musa ibn Nusayr zerschlugen das westgotische Königreich innerhalb weniger Jahre. Die Ursachen waren komplex: innere Thronfolgekonflikte, eine geschwächte Aristokratie und eine durch politische Spannungen zerrissene Kirche. Um 1000 war fast ganz Spanien von den Mauren besetzt und wurde zu „Al Andalus“.
Es folgte zunächst eine Zeit der friedlichen Koeistenz der Religionen. Diese Periode wird auch als „la convivencia“ bezeichnet, eine Zeit, in der die drei Religionen relativ friedlich miteinander lebten und von der Anwesenheit der anderen Religionen profitierten. Bildung, Wissenschaft und Fortschritt florierten. Besonders im Kalifat von Córdoba (10. Jh.) war die Gesellschaft relativ tolerant und kulturell hochentwickelt (Wissenschaft, Philosophie).

Wie lebten Christen unter muslimischer Herrschaft?
Christen wurden zu sogenannten Mozarabern, unter dem Islam lebende Christen.
Ihre Rechte waren allerdings eingeschränkt. Auf der einen Seite durften sie ihren Glauben ausüben und ihre Kirchen behalten, allerdings keine neuen bauen, anderseits mussten sie Sondersteuern zahlen und eine politische Unterordnung akzeptieren. Viele Christen übernahmen im Laufe der Zeit auch die arabische Sprache und Lebensweise. Je nachdem welche muslimische Herschaftsdymnastie in Spanien herrschte war das Zusammenleben mehr oder weniger konfliktbehaftet und auch die religiösen Einschränkungen größer oder kleiner.
Die Mozaraber entwickelten ein System kirchlicher Selbstverwaltung unter Fremdherrschaft (Dhimmi-Status), das in Westeuropa ohne Parallele ist. Während fränkische, angelsächsische oder germanische Kirchen mit christlichen Fürsten verhandelten, musste die iberische Kirche ihre Existenz gegenüber einem islamischen Staat rechtfertigen. Die iberische Theologie musste sich permanent mit islamischen Gotteskonzeptionen und dem Koran auseinandersetzen. Dies führte zum einen zu einer Aptation von Einflüssen zum anderen aber auch zu einer innerkirchlichen Auseinandersetzung gegen diese Einflüsse.

Die verschiedenen Bezeichnungen der religiösen Zuordnung weisen auf diese kulturelle gewisse Durchmischung hin.
Muladies: zum Islam konvertierte Christen („zwischen zwei Welten geboren“)
Moriscos: zum Christentum konvertierte Muslime („maurisch“)
Mozarabes: unter dem Islam lebende Christen („arabisiert“)
Mudéjares: unter dem Christentum lebende Muslime („jemand, dem das Bleiben gestattet ist)

= Es entstand eine Mischkultur aus Islam, Christentum und Judentum, aber das Christentum war unter islamischer Herrschaft eingeschränkt.

https://agustinadearagonschool.blogspot.com/2017/05/life-in-al-andalus.html

3. Die Reconquista und die Entstehung der christlichen Königreiche (718–c. 1100)

Die Keimzelle im Norden
Im Jahr 722 – so die christliche Überlieferung – soll die Schlacht von Covadonga stattgefunden haben, in der ein westgotischer Adliger namens Pelayo muslimische Truppen besiegte. Historisch ist dieses Ereignis wohl stark mythologisiert, doch es markierte symbolisch die Entstehung des Königreichs Asturien im kantabrischen Bergland – der ersten dauerhaften christlichen Herrschaft nach dem westgotischen Zusammenbruch.
Die asturischen Könige verstanden sich bewusst als Erben der Westgoten (Neo-Gotismus) und beanspruchten die Wiederherstellung des alten Hispaniens als ideologisches Programm. Dies verlieh der Reconquista eine religiöse und dynastische Legitimation, die weit über reine Territorialpolitik hinausging. Aus dem Königreich Asturien gingen später durch Teilungen und Heiraten die Reiche León, Kastilien, Navarra und Aragonien hervor, während im Nordosten die Katalanischen Grafschaften unter fränkischem Einfluss entstanden.

Die Rolle der Kirche im Wiederaufbau
Die Reconquista wird zwar oft als religiös motivierter „Kreuzzug“ der Christen gegen die Muslime dargestellt. Eine kritische Analyse zeigt jedoch, dass Religion zwar eine wichtige Rolle spielte, aber eng mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren verflochten war. Mit der territorialen Expansion nach Süden gingen intensive Kirchengründungen und Klosterbauten einher. Besonders bedeutsam war:
Die Entdeckung des vermeintlichen Apostelgrabes in Santiago de Compostela (9. Jahrhundert): Das Grab des Apostels Jakobus (Sanctus Iacobus) wurde zur mächtigsten religiösen Legitimationsressource der Reconquista. Santiago entwickelte sich zum dritten Hauptpilgerziel der Christenheit nach Rom und Jerusalem und verband die iberische Kirche nun fest mit dem lateinischen Westen.
Das Klosterwesen – unter den Benediktinern und vor allem den Zisterziensern – wurde zum Zentrum von Schriftkultur, Landerschließung und wirtschaftlichem Aufbau.

= Das Christentum wurde wieder politisch aktiv und expandierend.

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

4. Hochphase der Reconquista (1100–1300)

Jetzt wurde der Konflikt klar religiös aufgeladen. Das zeigt sich z.B. darin, dass im Verlauf der Reconquista das Bild des „Santiago Matamoros“ (Maurentöter) entstand. Legenden berichteten, Jakobus sei in Schlachten erschienen und habe den Christen zum Sieg verholfen. Diese Darstellung hatte eine klare Funktion: Sie legitimierte den Kampf religiös und motivierte Kämpfer, indem sie den Krieg als göttlich unterstützt darstellte. Herrscher nutzten den Jakobus-Kult gezielt, um ihre Macht zu stärken. Die Verbindung von Religion und Herrschaft verlieh militärischen Unternehmungen zusätzliche Legitimität. Zudem wurden die Christlichen Königreiche – unterstützt durch Ritter aus ganz Europa -stärker und besser organisiert.
Ein wichtiges Ereignis in der Reconquista war die Rückeroberung Toledos im Jahr 1085 durch den kastilischen König Alfons VI. Als ehemalige Hauptstadt des Westgotenreiches war die Einnahme ein symbolischer Sieg für die Christen.1088 bestätigte Papst Urban II. den Erzbischof von Toledo als Primas der spanischen Kirche.
Die Schlacht bei Las Navas de Tolosa war dann der entscheidende Wendepunkt. 1212 wurden die Almohaden (eine muslimische Dynastie in Nordafrika und Spanien) von den vereinigten Armeen Kastiliens, Aragons, Navarras und Portugals vernichtend geschlagen. Danach schrumpfte innerhalb weniger Jahrzehnte das islamisch beherrschte Gebiet auf das Emirat von Granada zusammen.

Religiöse Veränderungen werden deutlich.
In eroberten Gebieten wurden Moscheen zu Kirchen umgewandelt. Die Kathedrale von Toledo, ein bedeutendes gotische Bauwerk, wurde ab 1226 an der Stelle einer früheren Hauptmoschee errichtet. Die Umwandlung der berühmten Moschee von Cordoba (Mezquita) in eine Kathedrale erfolgte 1236 nach der Eroberung der Stadt. Es wurden neue Bistümer gegründet. In den eroberten und teilweise entleerten Gebieten wurden christliche Siedler aus ganz Europa, vornehmlich aus Frankreich, angesiedelt. War der Umgang mit Muslimen und Juden anfänglich noch friedlich, kam es später zu einer zunehmenden Diskriminierung und in größerem Maße zu Zwangsbekehrungen.

Im Kontext der gregorianischen Kirchenreform und unter starkem Druck Roms sowie des Kluniazenserordens (Benediktiner aus Cluny) wurde die iberische Kirche tiefgreifend umgestaltet. Die erstrebte Herauslösung der dem Papst untergebenen Kirche aus der Abhängigkeit von weltlichen Gewalten ging mit einer innerkirchlichen Stärkung der Stellung des Papsttums und einer starken Zentralisierung der Kirchenorganisation einher.
In Spanien war die Ablösung der mozarabischen Liturgie durch den römischen Ritus ein Schlüsselereignis, denn es bedeutete die vollständige Integration der iberischen Kirche in die lateinische Christenheit (Latinitas) und somit den Bruch mit einer jahrhundertealten eigenständigen Tradition und die Unterordnung unter die päpstliche Autorität.

= Das Christentum in Spanien wird in die europäische lateinische Christenheit eingegliedert.

https://www.espanaguide.com/images/cordoba/mezquita.jpg

5. Wandel im Spätmittelalter und religiöse Vereinheitlichung (1300–1500)
Gegen Ende der Reconquista – besonders unter Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón – gewann Religion stärker an Bedeutung. So setzte die Eroberung Granada 1492 einen Schlusspunkt der maurischen Herrschaft in Spanien. Die Spanische Inquisition wurde eingerichtet (1478), um religiöse Einheit durchzusetzen. Die zunehmende religiöse Vereinheitlichung mit dem Ziel die „Reinheit des Glaubens“ in Spanien zu sichern ging einher mit einer massiven Intoleranz gegenüber Juden und Muslimen. Sie wurden vor die Wahl gestellt entweder Taufe oder Exil. Aber auch wenn sie konvertiert waren, wurden sie mit Mistrauen bedacht. Die Katholischen Könige, stets geschickte Taktiker, nutzten dieses Gefühl aus. 1478 erwirkten sie erstmals eine päpstliche Bulle von Sixtus IV. zur Gründung die Inquisition, um gegen Konvertiten vorzugehen, deren Bekehrung als unaufrichtig galt.
Denn die sogenannten „Conversos“ standen unter dem Verdacht, nicht wirklich bekehrt zu sein und heimlich religiöse Handlungen ihrer abgelegten Überzeugung zu vollziehen. Der Reichtum der Konvertiten weckte Neid und ihre unsicheren Bekehrungen Hass in einer Bevölkerung, die sich traditionell als Verteidiger des Christentums gegen die Ungläubigen sah. Die Förderung einer einheitlichen katholischen Religionsausübung blieb in den folgenden Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Staat und Kirche. Die Reformation konnte sich in Spanien nicht durchsetzen; keine andere Nation blieb gegenüber den Ideen der Reformation weniger empfänglich.
Übrigens, die Inquisition existierte formal von 1478 – mit Unterbrechungen zu Beginn des 19. Jhs. – bis 1834.

= Spanien wurde offiziell ein streng katholisches Königreich.

Wichtige Entwicklungen im Überblick


• Vor 711 war Spanien überwiegend christlich unter den Westgoten.
• Nach der muslimischen Eroberung entstand Al-Andalus. Über mehrere Jahrhunderte konvertierten viele Christen zum Islam, sodass Muslime zeitweise wahrscheinlich die Mehrheit bildeten.
• Juden lebten sowohl unter christlicher als auch unter muslimischer Herrschaft als bedeutende Minderheit, meist zwischen 2 % und 5 %.
• Mit der christlichen Reconquista wurden Muslime und Juden zunehmend verdrängt oder zwangskonvertiert.
• 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben; 1609 folgte die Vertreibung der Moriscos (zwangschristianisierte Muslime). Dies führte zu einer dominierenden und ausschließlichen Staatsreligion.


Diese Entwicklung war eng verbunden mit Kriegen, politischer Macht, kulturellem Wandel und gesellschaftlicher Entwicklung. Dabei ist wichtig, dass Spanien im Mittelalter das einzige multiethnisches und multireligiöses Land Westeuropas war. Ein Großteil der Entwicklung der spanischen Zivilisation in Religion, Literatur, Kunst und Architektur im späten Mittelalter wurzelte in dieser Tatsache.

Die genauen Anteile der Religionen in Spanien im Mittelalter lassen sich nicht exakt angeben. Die groben Schätzungen von Historiker ergeben folgendes Bild:

Zeitraum

Christen

Muslime

Juden

ca. 500 (Westgotenreich)

~95–99 %

0 %

~1–5 %

ca. 750 (kurz nach der muslimischen Eroberung)

~85–90 %

<10 %

~2–5 %

ca. 1000 (Blütezeit von al-Andalus)

~35–50 %

~45–60 %

~5 %

ca. 1100

~20–35 %

~60–80 %

~5 %

ca. 1300 (Reconquista weit fortgeschritten)

~70–80 %

~15–25 %

~3–5 %

1492 (Fall Granadas)

~90 %+

kleine Minderheit

~1–2 %

nach 1609

fast ausschließlich Christen

offiziell 0 %

offiziell 0 %

Das iberische Christentum als Sonderfall in Europa

Spanien ist deshalb ein Sonderfall in der christlichen Gemeinschaft, weil:
es über Jahrhunderte multireligiös war
• Religion eng mit Krieg, Herrschaftslegitimation und Identität verbunden wurde
• es am Ende eine der strengsten religiösen Vereinheitlichungen Europas entwickelte.

Während viele Regionen Europas langsam christianisiert wurden, war Spanien ein Ort von
Konflikt, Austausch und schließlich radikaler Vereinheitlichung. Die dauerhaften Spannungen zwischen den Religionen, den Kulturen, den militärischen Positionen erzeugten eine religiöse Identität, die intensiver, kämpferischer, eigenständiger und gleichzeitig kultureller war als die der kontinentalen Schwesterkirchen. Diese Identität, die u.a. auch auf dem Verständnis der „Reinheit des Blutes“ beruhte, ging im späten 15. Jahrhundert mit der Reconquista-Vollendung (1492), der Inquisition und dem entstehende Kastensystem in den Kolonien der Neuen Welt in eine neue, welthistorische Phase über, die wiederum ohne das mittelalterliche Erbe nicht denkbar ist.

Die Verteilung der Religionen in Spanien heute

Ungefähr sieht die Verteilung derzeit so aus:
• etwa 55–56 % Katholiken
o davon nur rund 15–20 % praktizierend
o der größere Teil bezeichnet sich als „kulturell“ oder nicht praktizierend katholisch
• ca. 39–40 % konfessionslos
o darunter Atheisten, Agnostiker und religiös Indifferente
• etwa 3–5 % andere Religionen
o vor allem Muslime, außerdem Protestanten, Orthodoxe, Buddhisten und Juden

Wichtige Trends in den letzten 50 Jahren:
• Spanien war bis in die 1970er fast vollständig katholisch (über 70%).
• Seitdem nimmt die Säkularisierung stark zu.
• Besonders junge Menschen sind oft konfessionslos.
• Gleichzeitig wächst die religiöse Vielfalt durch Einwanderung.

Im Gegensatz zu den Zahlen sind viele Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit weiterhin präsent, oft verbunden mit lokalen Festen. Zahlreiche katholische Kulturpraktiken sind in der Bevölkerung präsent, wie katholische Taufen und Beerdigungen, Prozessionen in der Karwoche, Pilgerfahrten (wie der Jakobsweg ), Verehrung von Schutzheiligen und Feste.

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Hilfreiche Verhaltensweisen

Wenn Sie in Spanien unterwegs sind, gibt es einige hilfreiche Verhaltensweisen, die gut ankommen und helfen, respektvoll und entspannt aufzutreten und auch so behandelt zu werden.

Freundliche Kontaktaufnahme
Spanier sind oft kontaktfreudig, herzlich und stolz. Ein freundliches „Hola“ oder „Buenos días“ beim Betreten eines Geschäfts, einer Bar, eines Restaurants, einer Herberge erleichtert auf jeden Fall die Kontaktaufnahme.
Höflichkeit im Alltag
Bitte und Danke („por favor“, „gracias“) werden grundsätzlich geschätzt. Gerade in Restaurants, Hotels und Herbergen macht ein höflicher Ton viel aus.
Gelassenheit mitbringen
In Spanien läuft manches entspannter als in Deutschland oder anderen Ländern. Man sieht das Leben nicht als Effizienzmaschine. Service kann manchmal langsamer sein – Geduld oder besser Duldsamkeit (d.h. Geduld, Nachsicht und Toleranz) hilft sehr im Umgang miteinander.
Essenszeiten respektieren
Mittagessen („almuerzo“) gibt es oft erst ab 14 Uhr, Abendessen („cena“) häufig ab 21 Uhr. Viele Restaurants öffnen früher gar nicht richtig. Nehmen Sie sich Zeit fürs Essen, probieren Sie lokale Spezialitäten und hetzen Sie möglichst nicht. Seien Sie nicht verwundert, wenn die Bediensteten manchmal etwas ernst sind oder etwas vermeintlich Schroffes ausstrahlen. Sie schauen manchmal streng, meinen es aber gut mit den Essern!
Trinkgeld geben?
Geldangelegenheiten werden mit Takt erledigt. Niemand wird Sie drängen, die Rechnung zu zahlen. Man rundet den Betrag nicht direkt beim Zahlen auf, sondern man bekommt das Wechselgeld meist auf einem Plastikschälchen gereicht. Sie sind dann frei, ein paar Münzen liegen zu lassen, viel muss es aber nicht sein.
Der Platz an der Theke
Wenn man sich nur kurz in einer Bar aufhält, steht man meistens am Tresen (Hinsetzen ist teurer), erledigt Essen und Trinken, zahlt und geht hinaus. Es gehört zu den kulinarischen Besonderheiten, dass Alkohol nicht allein serviert wird, sondern dass ein paar Oliven, ein Tellerchen Nüsse oder Kartoffelchips, ein Happen Tortilla mit dabei sind. Gewöhnungsbedürftig ist, dass Olivenkerne, Zahnstocher, Papierservietten – alles darf auf den Boden geworfen werden. Irgendwann kommt jemand mit dem Besen und fegt alles wieder weg.
Was man eher vermeiden sollte:
– Regionale Themen belehrend diskutieren
– Wenn, dann nur sehr sensibel über den spanischen Bürgerkrieg reden – es ging hier um einen Bruderkrieg – eine ideologische Kluft – und die Wunden sind teilweise noch nicht verheilt
– Klischees über Spanien erzählen, das Land ist viel zu vielfältig und schön
– Ungeduldig im Restaurant sein
– Sich über langsameres Tempo beschweren
– Nur Englisch oder Deutsch erwarten
Besonders gut kommt an:
– Der Versuch, zumindest ein paar Worte spanisch zu sprechen
– Ein ehrliches „Qué bonito aquí“ (Wie schön hier)
– Viele Regionen haben starke eigene Identitäten, Interesse daran positiv.
– Interesse an Essen, Landschaft, Kultur

Wichtige Redewendungen
Ein paar wichtige spanische Redewendungen zu lernen, bevor Sie sich auf den Camino de Santiago de Compostela begeben, kann bereichern sein. So können Sie leichter mit Einheimischen in Kontakt kommen, sich besser orientieren und Respekt für die lokale Kultur zeigen. Ob es um Begrüßungen, Wegbeschreibungen oder das Bestellen von Essen geht – der Versuch, Spanisch zu sprechen, wird geschätzt, ganz unabhängig von der Grammatik und der Aussprache. Wenn sie spanisch sprechen oder es versuchen, öffnen sich Ihnen die spanischen Herzen!  “Animo” – Nur Mut!

Unten sind einige Redewendungen für unterwegs, in Unterkünften  und  in Cafes/Bars/Restaurants zusammen-gestellt.                                                     

 

Deutsch

Spanisch

Hallo

Hola

Guten Morgen

Buenos días

Guten Tag / Guten Abend

Buenas tardes

Gute Nacht

Buenas noches

Danke

Gracias

Bitte

Por favor

Guten Weg!

Buen Camino

Wo ist der Camino?

¿Dónde está el Camino?

Bin ich richtig nach Santiago?

¿Voy bien hacia Santiago?

Wie viele Kilometer fehlen noch?

¿Cuántos kilómetros faltan?

Gibt es ein Albergue in der Nähe?

¿Hay un albergue cerca?

Ich habe eine Reservierung

Tengo una reserva

Ein Bett für eine Nacht, bitte

Una cama para una noche, por favor

Wie viel kostet das?

¿Cuánto cuesta?

Wasser, bitte

Agua, por favor

Die Rechnung, bitte

La cuenta, por favor

Wo ist die Toilette?

¿Dónde está el baño?

Ich brauche Hilfe

Necesito ayuda

Mein Fuß tut weh

Me duele el pie

Können Sie langsamer sprechen?

¿Puede hablar más despacio?

Ich spreche nur wenig Spanisch

No hablo mucho español

Deutsch

Spanisch

Haben Sie ein freies Bett?

¿Tiene una cama libre?

Gibt es noch Platz?

¿Hay sitio?

Ich habe eine Reservierung.

Tengo una reserva.

Ein Bett für eine Nacht, bitte.

Una cama para una noche, por favor.

Wie viel kostet es?

¿Cuánto cuesta?

Wo ist das Badezimmer?

¿Dónde está el baño?

Gibt es eine Dusche?

¿Hay ducha?

Gibt es WLAN?

¿Hay wifi?

Wann ist Check-in?

¿A qué hora es el check-in?

Wann muss ich gehen?

¿A qué hora tengo que salir?

Kann ich meine Kleidung waschen?

¿Puedo lavar la ropa?

Wo kann ich mein Fahrrad abstellen?

¿Dónde puedo dejar la bicicleta?

 

Deutsch

Spanisch

Einen Kaffee, bitte.

Un café, por favor.

Ein Frühstück, bitte.

Un desayuno, por favor.

Ein Sandwich / Bocadillo, bitte.

Un bocadillo, por favor.

Wasser ohne / mit Kohlensäure

Agua sin gas / con gas

Was empfehlen Sie?

¿Qué me recomienda?

Ich hätte gern das Tagesmenü.

Quisiera el menú del día.

Die Rechnung, bitte.

La cuenta, por favor.

Kann ich mit Karte zahlen?

¿Puedo pagar con tarjeta?

Haben Sie etwas Vegetarisches?

¿Tiene algo vegetariano?

Wo ist die Toilette?

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Quellen

Paul Ingendaay, Gebrauchsanweisung für Spanien, München, 2. Aufl. 2024

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Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Die Kastanie – der frühere Brotbaum

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Von Darkone (Diskussion · Beiträge) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=312833

Unterscheidung zwischen Edelkastanie und Rosskastanie

Am Anfang muss eine wichtige Unterscheidung  zwischen den Edelkastanien und den Rosskastanien stehen:

Die Edelkastanie/Esskastanie (castanea sativa) ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien (Castanea) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie oder Esskastanie  ist eine einheimische Pflanze. Einheimisch bedeutet, dass sie in verschiedenen Regionen vorkommt, sie hat sich aber ohne direkte menschliche Eingriffe entwickelt und im gesamten Gebiet verbreitet. Einheimische Arten sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts jedes Ökosystems und entwickeln Beziehungen zur lokalen Fauna, zum Boden und zum Klima. In Spanien kommt die Edelkastanie vorwiegend im Norden der Halbinsel vor. Die Provinz Ourense zum Beispiel gehört zu den größten Maronenproduktionsgebieten Spaniens, da die galicische Marone, einen guten Geschmack hat, nicht mehlig und leicht zu schalen ist.

Demgegenüber gehört die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) – oft auch nur Kastanie genannt – zur Familie der Seifenbaumgewächsen. In Europa ist die Rosskastanie als Park- und Alleebaum verbreitet. In Deutschland, besonders in Bayern, sind sie auch charakteristisch für die berühmten Biergärten. In Spanien kommt sie weniger häufig vor wie die Edelkastanie. Sie ist keine einheimische Pflanze, sondern sie wurde im 16. Jh. aus dem Balkan importiert.
Die teilweise Namensübereinstimmung beruht auf der oberflächlichen Ähnlichkeit der Früchte mit dem Fruchtstand der Kastanien (brauner Kern in stacheliger Hülle) und nicht auf botanischer Verwandtschaft

Edelkastanie Von Dominicus Johannes Bergsma - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111761349
Edelkastanie (Castanea sativa), Illustration

Unterscheidungsmerkmale:
Kastanie (Rosskastanie)
Nicht essbar (sogar leicht giftig)
• Wächst oft in Parks und Alleen und Biergärten
• Die Frucht hat eine grüne Schale mit wenigen, dicken Stacheln
• Meist eine große, runde Nuss
• Blätter: handförmig, wie gespreizte Finger
• Nutzung: Deko, Basteln, früher auch Waschmittel-Ersatz

Esskastanie (Marone / Edelkastanie)
Essbar und sehr lecker
• Wächst vor allem in warmen Regionen (z. B. Süddeutschland, Frankreich, Italien, Spanien)
• Schale mit sehr vielen feinen, spitzen Stacheln
2–3 eher flache Nüsse pro Hülle
• Blätter: lang, schmal, gezackt
• Nutzung: Küche (Maroni, Kastanienpüree, Suppe)

Natürliches (grau) und künstliches (schraffiert) Verbreitungsgebiet von Castanea sativa. Einzelvorkommen sind als Punkte dargestellt. https://www.uni-goettingen.de/de/vorkommen+und+geschichte/546313.html (Abbildung: A. Bottacci 1998)

Bedeutung der Edelkastanie

Lange glaubte man, dass die Römer dafür verantwortlich waren, diese Bäume nach Spanien gebracht zu haben. Aber neuere Forschungen zeigen, dass sie sich vor über 20.000 Jahren im Nordosten der Iberischen Halbinsel verbreiteten, also eine einheimische Pflanze sind. Aber die Römer waren es, die ihr Wachstum förderten und sie sich so in Spanien verbreitete. Mit der Anpflanzung von Kastanienbäumen in ganz Europa legte das römische Reich die Grundlage für die mittelalterliche Kastanienkultur. In den Wäldern gibt es einige wilde Kastanienbäume, aber die größten Kastanienhaine sind Plantagen, meist direkt außerhalb der Dörfer, wo sie u.a. wegen ihrer Früchte gefragt waren. Jahrhundertelang waren Kastanien ein wichtiger Bestandteil der Ernährung in den ländlichen (Berg-)Regionen, da sie anspruchsloser ist als Weizen. Sie wurde auch als Brotbaum bezeichnet. Tatsächlich wurde die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa gebracht wurde, in Galizien mit Spitznamen Erdkastanie genannt. Außerdem sind Esskastanienbäume langlebig und können mehrere hundert Jahre alt werden. Wegen ihres widerstandsfähigen Holzes waren sie auch für die Holzwirtschaft interessant. Bei der Edelkastanie hielten sich von Anfang an Holz- und Nahrungsmittelgewinnung die Waage.

https://www.marcelpaa.com/rezepte/kastanien-brot/

Warum wird die Edelkastanie auch als Brotbaum bezeichnet?

Sie diente über Jahrhunderte hinweg für viele Menschen als wichtiges Grundnahrungsmittel. Kastanien wurden das Brot der Armen.
Sie war ein Mehlersatz, denn aus getrockneten Kastanien wurde Kastanienmehl hergestellt, das man zum Backen von Brot, Fladen oder Brei nutzte – besonders auch in Bergregionen, wo Getreideanbau schwierig war. Außerdem wiesen sie eine gute Lagerfähigkeit auf, getrocknete Kastanien hielten sich lange und sicherten die Ernährung über den Winter. Hinzu kommt, dass die Edelkastanie einen hoher Nährwert hat. Esskastanien enthalten viele Kohlenhydrate, dazu Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Sie liefern ähnlich viel Energie wie Getreide.So waren sie in früheren Zeiten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Regionen. Sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft. Sie ist in Spanien stark in der Küche, Tradition und regionalen Wirtschaft verankert.

Die Esskastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als ein Baum der Zukunft.

Entwicklung der Kastanienbäume in Spanien

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ging die mit Kastanienbäumen bewachsene Fläche drastisch zurück. Mehrere Gründe waren dafür verantwortlich:
Erstens die Schädlinge und Krankheiten des Baums, wie der Kastanienrindenkrebs oder die Tintenkrankheit; zweitens die Tatsache, dass die Edelkastanien verdrängt wurden von leicht anzubauenden Gewächsen aus Amerika, die ab ihrer Einführung im 16. Jahrhundert sehr beliebt wurden, wie beispielsweise Kartoffeln; drittens die Anpflanzung von schnell wachsenden Bäumen wie dem aus Australien stammenden Eukalyptus; viertens die Waldbrände, und schließlich die Bevölkerungsabwanderung aus dem ländlichen Raum. Das sind Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Esskastanien allmählich aus der Alltagskost verschwunden sind.
In der Gegenwart wird der Anbau von Kastanien in Spanien gefördert, und es gibt zahlreiche Initiativen, die diese Entwicklung unterstützen. Die Gebiete, in denen der Anbau wieder zunimmt, sind im Wesentlichen Galicien, El Bierzo in León, die Sierra de Aracena in Huelva, die Serrania de Ronda in Malaga und einige Gegenden in La Rioja und Asturien.
Hilfreich für diese Entwicklung ist, dass es heute eine größere Nachfrage nach Bioprodukten gibt. Allein der natürliche Anbau, das Sammeln von Hand und die fast handwerkliche Weiterverarbeitung sind hier gute Indikatoren. Außerdem wird auch in der modernen Küche verstärkt auf solche Produkte zurückgegriffen. So sind in den letzten Jahren viele neue Rezepte rund um die Marone entstanden. So erfreut sie sich wieder einer weltweiten Beliebtheit. Neben dem Hauptimportland Frankreich werden die Kastanien nach Japan, USA und viele europäische Länder exportiert.

In welcher Form wird die Kastanie heute in Spanien genutzt?

Erntemengen Kastanien 2022
Land                                                                              Tonnen
Volksrepublik China (Castanea mollissima       1.703.653
Spanien (Edelkastanie)                                               187.680
Bolivien * (Edelkastanie)                                             81.327
Türkei (Castanea crenata)                                           77.792
Südkorea (Edelkastanie)                                             54.973
Italien (Castanea crenata)                                           43.000
Portugal (Edelkastanie)                                               37.150
Griechenland (Castanea crenata)                             32.900
Japan (Castanea crenata)                                             15.700
Nordkorea                                                                       12.469

Neben der Nutzung als Tierfutter und als Holz in der Landwirtschaft wird die Esskastanie als Lebensmittel genutzt. In Spanien spielen Esskastanien (castañas) vor allem in Herbst- und Wintergerichten eine Rolle, besonders im Norden und Westen (Galicien, Asturien, Extremadura, Kastilien).

Wir finden sie als
• Geröstete Maronen (klassisch auf Weihnachtsmärkten)
• Gekocht oder gebacken als Beilage
• Kastanienmehl
→ für Brot, Kuchen, Pfannkuchen, Pasta (z. B. Castagnaccio)
• Püree & Creme
→ Desserts, Füllungen, Eis
• Marrons glacés (kandierte Edelkastanien)
• Suppen & Eintöpfe, oft mit Wild oder Pilzen

Typische Gerichte sind:

Caldo de castañas (Galicien), eine Kastaniensuppe mit Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, oft mit Chorizo oder Speck
Castañas guisadas, geschmorte Kastanien mit Fleisch (Schwein, Wild, Lamm) oder Gemüse
Rellenos con castañas, ein Geflügel oder Schweinebraten mit Kastanienfüllung
Setas con castañas, ein Pilzgericht mit Kastanien

Typische Süßspeisen sind:

Castañas asadas – Geröstete Kastanien
Dulce de castañas – Kastanienpüree mit Zucker und Zimt als Füllung für Kuchen
Tarta de castañas – Kastanienkuchen, häufig mit Schokolade oder Mandeln kombiniert
Buñuelos de castaña – Frittierte Kastanienbällchen

https://costadelsol-online.es/kastanienfeste-in-andalusien/

„Castañadas“ – Kastanienfeste in Spanien

Rund um den 31. Oktober und den 1. November werden in einigen Teilen Spaniens „Castañadas“ veranstaltet. Der spanische Name für das Kastanienfest ist „castañada“, aber in Katalonien und Aragonien heißt es „castanyada“, in Kantabrien „magosto“, in Kastilien und León „sanabria“ oder „calbotada“, im Baskenland „gaztainerre“ und in anderen Regionen noch anders. Bei den „Castañadas“ geht es um das Rösten und Essen von auf dem Feuer erwärmten Kastanien, das Trinken von typischem Wein, das Essen von Süßkartoffeln und von kandierten Früchten.
Es ist schwierig, den Ursprung der Castañada-Tradition zurückzuverfolgen. Es wird jedoch behauptet, dass früher am Día de Todos los Santos oder Allerheiligen die Kirchenglocken die ganze Nacht hindurch läuteten, damit die Nachbarn wussten, dass sie für die Toten beten mussten. Allerdings war es oft so kalt oder die Menschen waren so müde, dass es schwierig war, wach zu bleiben.
Deshalb beschloss man, ein Feuer zu machen und die Kastanien, die es zu dieser Jahreszeit reichlich gab, auf dem Feuer zu wärmen und sie dann in geselliger Runde bei einem guten Wein oder einem anderen Getränk zu essen. Langsam ist dies in Teilen Spaniens zu einer Tradition geworden.

CASTIÑEIRO DA CAPELA

Geschichten zu Kastanienbäumen in Spanien

Der Kastanienbaum wurden zwar auch zur Holzgewinnung genutzt, doch einige alte Exemplare sind noch heute erhalten. Es gibt in Galicien Bäume, die mehr als 500 Jahre alt sind. Pilger finden in der Umgebung des Camino Primitivo, des Camino del Norte oder des Camino Inglés viele historische oder monumentale Kastanienbestände – meist in Galicien oder im angrenzenden Nordwesten.
Am Camino Francés finden die Pilger den Castiñeiro von Ramil (Triacastela, Galicien).
Das berühmte Exemplare ist ein mehr als 800 Jahre alter eindrucksvollen Kastanienbaum bei Ramil (kurz vor Triacastela) mit einem riesigen Stammumfang.
Auf dem weniger bekannten Camino Lebaniego – einem historischen Pilgerweg, der zum Kloster Santo Toribio führt – liegt ein malerischer Kastanienhain zwischen den Dörfern Cabañes und Pendes mit alten Bäumen und einem friedlichen Waldabschnitt.

In Baamonde (in der Gemeinde Begonte) am Camino del Norte steht ein Kastanienbaum, der „Castiñeiro da Capela“ mit einer einzigartigen Geschichte.
Es handelt sich um eine uralte Edelkastanie (Castanea sativa) mit einem hohlen Stamm. Vor etwa 50 Jahren sollte der Baum für eine Straßenverbreiterung gefällt werden. Der Bildhauer Víctor Corral versteckte sich im Inneren des Stammes, um die Fällung zu verhindern – ein spektakulärer Akt des zivilen Widerstands.
Corral schnitzte im Inneren eine kleine Kapelle mit einer Darstellung der Virgen del Rosario. Daher der Name „Castiñeiro da Capela“ („Kapellen-Kastanie“). Später fügte er weitere Holzschnitzereien hinzu. Heute ist der Baum ein echtes Wahrzeichen des Camino del Norte.
Viele Pilger ist es ein Ort der Ruhe, ein spiritueller Zwischenstopp und ein Symbol für den Schutz alter Kulturlandschaften geworden. Er verbindet Natur, Kunst, Glauben und Widerstand!

Wie schön wäre es, wenn diese Bäume uns ihre Geschichte erzählen könnten!

Einige Gedanken zu Bäumen

In literarischen Texten steht der Baum oft für:
Zeit (Wachsen, Altern, Sterben)
Leben spendend (Nahrung, Schatten)
Verwurzelung und Heimat
Orientierung in der Landschaft
Beständigkeit (Jahrhunderte überdauernd)
Spiegel des Menschen
Schutz und Trost
Verbindung von Himmel und Erde

Viele Dichter haben sich mit der Bedeutung von Bäumen auseinandergesetzt. Ich nenne hier als Beispiel Rainer Maria Rilke. Für ihn hat der Baum Berührung nicht nur mit dem Erdreich, sondern auch mit dem Wind bis hin zum Sturm, und er „kämpft“ sich durch das Leben und wächst in Ringen an den Hindernissen, die das Leben ihm entgegensetzt. In seinen „warmen Wurzeln“ vermittelt er dem Menschen Geborgenheit und Tiefe. Bei Rilke wird der Baum auch zum Symbol für das eigene Leben „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“.

Heute verstehen wir vor allem, dass Bäume „soziale Wesen“ sind, die in vielfältigen Beziehungen zu anderen Lebewesen stehen.
Sie „kommunizieren“ untereinander und mit einem Pilznetzwerk tauschen sie Nährstoffe, Signale und Warnungen aus.
Sie unterstützen sich gegenseitig. Starke Bäume versorgen schwächere, alte oder kranke Exemplare mit Zucker und Nährstoffen.
• Sie stehen aber auch teilweise in einem Konkurrenzkampf mit anderen Bäumen z.B. um Licht und Nährstoffe.
• Sie entwickeln sich evolutionär. Bäume können z.B. Erfahrungen speichern (z.B. Trockenstress) und ihr Verhalten daran anpassen und weitergeben.
• Bäume haben „Gefühle“ im biologischen Sinn. Das bedeutet, dass sie auf Stress, Verletzungen und Umweltveränderungen messbare biologische Reaktionen zeigen.

Und der Mensch ist ein Teil dieses größeren Netzwerkes, in dass wir allzu häufig störend oder auch vernichtend eingreifen. Die Problematik der Abholzung von Wäldern vor allem im Amazonasgebiet oder die Problematik der Monokulturen in der Landwirtschaft werden ja hinlänglich thematisiert.

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Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Elias Valina – Visionär des modernen Jakobsweges und „Erfinder“ des gelben Pfeils

Hier kommt die Zuordnung

Wer war dieser Elias Valina Sompredo (* 2. Februar 1929; † 11. Dezember 1989)?
Elias Valina Sampedro ist der Visionär, der in den 70iger Jahren des 20. Jhs. den Jakobsweg wiederbelebte und die Pilgerfahrt, wie wir sie heute kennen, ins Leben rief. Er wurde 1929 in der Nähe von Sarria geboren. Mit einer fundierten Ausbildung war Elías promovierter Theologe und Experte für Kirchenrecht. Nach der Priesterweihe wurde er 1959 im Alter von 30 Jahren Pfarrer in O Cebreiro, einem einfachen abgelegenen Bergdorf direkt am Eingang des Französischen Weges in Galicien. Ein Erklärung, warum er, der auf Grund seiner Qualifikation für ein höheres kirchliches Amt prädestiniert war, nach O Ceibreiro versetzt wurde, konnte ich nicht finden. Er verstarb am 11. Dezember 1989 in O Cebreiro, wo er in seiner Basilika Santa Maria Real begraben wurde. Vor dem Gotteshaus erinnert eine Statue an diesen Mann, der die verschiedenen Förderer des Jakobswegs maßgeblich prägte und vielen noch heute als Vorbild dient. Valiña starb mit Mitte sechzig und konnte die Früchte seiner Arbeit und seines Engagements für die Wiederentdeckung, Förderung und Verbreitung des Jakobswegs nur teilweise miterleben. Ob er allerdings mit der heutigen Entwicklung des von ihm favorisierten Camino Francés zufrieden wäre, ist zumindest zweifelhaft

Von vicky_petereit - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1333101

Persönlich zeichnete sich Elias Valina wohl durch eine bemerkenswerte Einfachheit, Offenheit und Klarheit in Denken und Handeln aus. Er wird als unermüdlich beschrieben, als ein geborener Arbeiter an allen Fronten, der sich auch nicht vor Konfrontationen mit der amtlichen Kirche scheute. Für sein Handeln war die Vision einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Pilgerfahrt von entscheidender Bedeutung. Leider gibt es bis heute kein umfassendes, abgerundetes und im Kontext der damaligen Zeit erstelltes Porträt von Elías Valiña. So bleiben einige Aussagen doch recht vage und bestimmte Ungereimtheiten lassen sich nicht klären. Eine Zusammenstellung von Artikeln, Dokumentationen, Bildern und eine Dokumentarfilm über Elias Valina findet man unter: https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

https://arraianos.com/wordpress2024/elias-valina/

Sein Weg
Nachdem Elias Valiña nach O Cebreiro versetzt wurde, wurde er sofort aktiv und begann den Ort grundlegend zu verändern. Er rettete die baufällige vorromanische Kirche vor dem Einsturz und renovierte die Nebengebäude. Außerdem sorgte er durch seinen Einsatz bei Regierung, Kirche und Versorgungsunternehmen für Wasser, Strom und Verkehrsanbindung in der Gemeinde.
Aber er war nicht nur Priester, sondern auch Historiker, Forscher und Schriftsteller. Er war besonders an der Geschichte des Jakobsweges interessiert und verfasste kultur-wissenschaftliche Schriften zum Jakobsweg, zu denen u.a. seine Dissertationsschrift von 1965 El Camino de Santiago. Estudio histórico-jurídico gehört, und den Guia del Peregrino, den ersten modern Pilgerführer für den Camino Francés. Seine Doktorarbeit, die er 1965 an der Päpstlichen Universität Salamanca verteidigte, wurde mit dem angesehenen Antonio-de-Nebrija-Preis des CSIC ausgezeichnet.

Neben seinen Forschungen verfolgte Elías eine ganz persönliche Mission: dem alten Jakobspilgerweg in Nordspanien, der damals stark in Vergessenheit geraten war, neues Leben einzuhauchen. Er bereiste den heute „Camino Francés“ genannten Jakobsweg von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zu Fuß und im Kleinbus und orientierte sich dabei anhand historischer Karten, verfallener Kirchen und Ortsnamen. So restaurierte er zahlreiche verlorene Abschnitte dieser Route von Frankreich bis Galicien und markierte den Weg mit dem gelben Pfeil. Dabei wurde er von Bürgermeistern, Pfarreien und Pilgervereinen unterstützt. Dies geschah Ende der 70er und Anfang der 80iger Jahre. Unterwegs knüpfte er Freundschaften mit Menschen und baute so langfristig ein Netzwerk von Unterstützern auf, die wie er die Idee des Jakobsweges wiederbeleben wollten. Ihm verdankt die iberische Halbinsel somit nicht nur die Belebung der Jakobspilgerschaft sondern auch den Wiederaufbau eines Pilgerherbergsnetzes entlang des Camino Santiago. Die treibende Kraft hinter der weiteren Wiederbelebung waren auch die aufstrebenden spanischen und europäischen Jakobinervereinigungen, die Elías Valina unermüdlich als Verteidiger des Weges und seiner Werte gefördert hatte. Diese Vereinigungen, in denen Elias Valiña von 1985 bis 1987 als Kommissar des Jakobswegs fungierte, legten auf dem renommierten Ersten Internationalen Jakobinerkongress im September 1987 den Grundstein. Dieser Kongress fiel zeitlich mit der Erklärung des Jakobswegs zur Ersten Europäischen Kulturroute durch den Europarat zusammen.

Der gelbe Pfeil
Eines der bekanntesten Vermächtnisse von Elías Valiña ist der gelbe Pfeil als Wegweiser für Pilger. Er selbst, mit Pinsel und der Hilfe von Freiwilligen, malte Hunderte davon von Roncesvalles bis Santiago. Auch wenn nicht sicher ist, ob er der erste war, so war er doch derjenige, der die gelben Pfeile verbreitete und als Symbol des Weges etablierte. Es gibt eine legendäre Geschichte, wonach er in den Pyrenäen von der Guardia Civil beim Pfeile malen aufgegriffen wurde. Auf die Frage, wer er sei und was er da mache, soll er denen, die ihn als Kollaborateur der ETA verdächtigten, provokativ geantwortet haben: „Ich bereite eine Invasion vor“. Betrachtet man die Entwicklung der Jakobsbewegung gerade auch in den letzten Jahren, kann man ihn mit Fug und Recht als Visionär bezeichnen.
Neben den praktischen Tätigkeiten prägte er auch eine Vision des Weges als spirituellen, kulturellen und menschlichen Begegnungsraum. 1966 eröffnete er in O Cebreiro eine Herberge und ein Gasthaus für Pilger. Seine Herberge setzte Maßstäbe für viele gemeinnützige Pilgerherbergen.

„Boletín del Camino de Santiago“
Ab 1985 förderte er als Koordinator des Jakobswegs die Gründung der meisten spanischen Jakobusvereine und leitete in der Anfangsphase das „ Camino de Santiago Bulletin“ .
Zwischen 1985 und 1987 verfasste und redigierte Valiña persönlich das Bulletin eine handgemachte, aber wichtige Publikation zur Wiederbelebung des Weges. Ihr Ziel war es, Menschen, die sich für den Jakobsweg engagierten, zu vernetzen, Neuigkeiten, Erfahrungen und Initiativen zu teilen und die junge Jakobusbewegung zu stärken.

Elías-Valiña-Preis
1996 rief die Xunta de Galicia den Elías-Valiña-Preis ins Leben, um Personen und Organisationen auszuzeichnen, die sich besonders für die Erhaltung und Förderung des Jakobswegs eingesetzt haben. Dieser jährlich vergebene Preis ehrt sein Andenken und würdigt jene, die seinem Beispiel folgen – ein Aufruf, den Geist des Jakobswegs, den er wiederbelebte, lebendig zu halten.
So kann man hoffen, dass gerade der französische Weg, der ihm ja so am Herzen lag, sich nicht zu einer reinen touristischen Attraktion entwickelt – eine Gefahr, die mit dem Verlust der religiösen oder zumindest spirituellen Komponente der Route einhergeht, und zur fortschreitenden Kommerzialisierung und Trivialisierung des Erlebnisses führt.

Übrigens:

Santiago de Compostela, Spanien, 9. Februar 2026 – Die Xunta de Galicia hat bekannt gegeben, dass die Jakobusbruderschaft Kroatien mit dem 26. Elías-Valiña-Preis ausgezeichnet wurde. Sie gehört damit zu einer ausgewählten Gruppe von Pilgerorganisationen, die sich für den Erhalt der Werte des Jakobswegs einsetzen.Der Jakobsweg ist seit jeher eine gemeinsame europäische Reise, auf der Pilger aus ganz Europa seit über tausend Jahren nach Santiago de Compostela und wieder zurück wandern. Kroatiens Jakobsweg-Tradition reicht bis ins Jahr 1203 n. Chr. zurück, archäologische Funde deuten sogar auf noch ältere jakobinische Traditionen hin. Heute führt Kroatiens 2.400 km langes Wegenetz des Jakobswegs dieses Erbe fort und verbindet kulturelles Erbe, atemberaubende Landschaften und authentische Gastfreundschaft.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39386121 Teil seines Wohnhauses
Von amaianos - originally posted to Flickr as O Cebreiro, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9397322 Kirche Santa Maria in O Cebreiro
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La Quinta de Selgas – ein Palast- und Gartenanwesen in El Pito/Cudillero

La Quinta de Selgas – ein Palast- und Gartenanwesen in El Pito/Cudillero

Camino del Norte zwischen Muros de Nalón und Soto de Luina

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Die Quinta de Selgas ist ein Palast- und Gartenwesen in El Pito, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Cudillero zwischen Muros de Nalón und soto de Luina. La Quinta ist der wohl prächtigste neoklassizistische Komplex Nordspaniens.
Er wurde zwischen 1880 und 1895 von den Brüdern Segas-Albuerne erbaut. Ezequiel, ein erfolgreicher Vergünstigter in Madrid, stellte die finanziellen Mittel für das Projekt bereit, während sein Bruder Fortunato, ein Historiker und Kunstliebhaber, für den Entwurf der Anlage verantwortlich war.

Das Herrenhaus hat seine ursprüngliche Dekoration nahezu vollständig erhalten. Äußerlich orientiert sich das Haus an französischen Herrenhäusern der frühen neoklassizistischen Epoche und folgt damit der im Europa des 19. Jahrhunderts weit verbreiteten Wiederbelebung vergangener Stile. Es besitzt einen rechteckigen Grundriss und besteht aus Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und einem Dachgeschoss. Die Hauptfassade ist vertikal in die dritte Ebene gegliedert, wobei die mittlere Ebene leicht zu einer Steintreppe vorspringt, die in den Garten hinabführt. Jedes Geschoss verfügt über drei Türen: Die Türen im Erdgeschoss sind mit Halbkreisbögen versehen, während die Türen in den Obergeschossen mit Stürzen (und schmiedeeisernen Balkonen) durch geschwungene Giebel verziert sind.
Das Gebäude verwaltet über 200 Gemälde großer Meister ua Goya und El Greco. Ergänzt wird die Sammlung durch eine vielfältige Auswahl an Möbeln, Textilien, Gold- und Silberarbeiten, Glaswaren sowie europäischem und orientalischem Porzellan.

Die Quinta ist vollständig von einer Mauer umgeben und besitzt zwei monumentale Tore. Das Haupttor ist nach Süden ausgerichtet und präsentiert sich als ein bemerkenswert hoher Triumphbogen mit einem darüber liegenden Halbkreis. Es weist drei mit Stürzen versehene Öffnungen auf: eine höhere, mittlere, die als eigentlicher Eingang dient, und zwei seitliche Öffnungen, die, mit Gittern auf einem Sockel verschlossen, wie Fenster wirken.

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Die wunderschönen Gärten rund um das Schloss wurden von Grandpont entworfen, einem Schüler von Le Nôtre und damals dem berühmtesten Gärtner Frankreichs. Rigoreau, ein exzellenter, in Versailles ausgebildeter Gärtner, wurde mit der Gestaltung des Parks beauftragt und ließ sich schließlich in der Nähe der Quinta de Selgas nieder, wo seine Nachkommen noch heute leben.
Die neun Hektar großen Gärten stellen ein Kompendium europäischer Landschaftsgestaltung dar und zählen zu den bedeutendsten in Spanien. Sie sind im Volksmund als das asturische Versailles bekannt. Der Garten ist in drei Zonen unterteilt, die jeweils nach den Prinzipien der drei wichtigsten Gartenstile der Moderne gestaltet wurden: dem italienischen, dem französischen und dem englischen. Somit stellt das Anwesen ein wahres Kompendium der europäischen Gartengeschichte dar.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-ingles/#

Der französische Garten befindet sich vor der Südfassade des Schlosses und besteht aus einer breiten Allee im Versailles-Stil in Form eines grünen Teppichs, der von Kamelienhecken gesäumt und mit Springbrunnen, Statuen und Vasen verziert ist. Der Französische Garten verdankt seinen Namen seiner unverwechselbaren Gestaltung mit markanten Skulpturen und Brunnen. Die breite Allee ist von geometrischen Elementen geprägt. Mauern aus geschnittenen Kamelien, ebene Rasenflächen und Buchsbaumparterres bilden eine Reihe gerader Linien, die sich zum Haupthaus hin vereinen, das eine Größe und Praxis annimmt.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-italiano/#

Der italienische Garten befindet sich auf der Rückseite des Palastes und wird an den Ecken von vier Pavillons begrenzt. In der Mitte befindet sich ein Teich in Form eines Kleeblattes und es gibt eine Reihe von Terrassen, Treppen und Balustraden. Zwei prächtige Araukarien bilden eine Hecke, die den Garten in einen geschlossenen, intimen und privaten Raum verwandelt. Er ist im Stil italienischer Villen gestaltet.

https://www.selgas-fagalde.com/jardin-frances/#

Schließlich befindet sich im östlichen Teil des Geländes der englische Garten mit einer unregelmäßigen Anlage und Anpflanzungen exotischer Bäume neben weiten Wiesen; Ein Fluss fließt durch diesen Bereich und bildet Seen, und er verwaltet auch einen klassischen Tempel in einer Felsengrotte mit Aquarien im Inneren. Weite, offene Wiesen, weiche, schmale, schattige Bereiche mit prächtigen Nadelbäumen. Ein Wald aus Küstenmammutbäumen, einer in Amerika heimischen Kunst, umschließt den Garten im Norden, während im Süden ein Fluss die Untermalung einer Landschaft liefert, die von Magnolien, japanischen Ahornen, Eukalyptusbäumen, Nadelbäumen und einem runden Pavillon, über einer Grotte geprägt ist.

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die besonderen Schönheiten von Ribadeo

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Camino del Norte

Geologischer Reichtum

Die Strände von Ribadeo
Die Strände von Ribadeo sind zusammen mit der beeindruckenden Küste einer der größten Schätze der Gemeinde. Obwohl As Catedrais der berühmteste ist, gibt es noch viel mehr zu entdecken. Die Küste vereint offene Sandstrände, geschützte Buchten, Klippen und Felsvorsprünge. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Landschaft mit großem natürlichem und geologischem Reichtum. Viele Strände und Buchten liegen eingebettet zwischen den Falten der Küste und werden von Felsformationen geschützt, die ihren Charakter unterstreichen. Jeder hat seinen eigenen einzigartigen Charakter: As Catedrais ist der ikonischste; Esteiro und As Illas sind die familienfreundlichsten; Os Castros ist der breiteste und surffreundlichste und Rochas Brancas ist am windgeschütztesten. Alle sind gut zugänglich.
Naturdenkmal Praia das Catedrais
Dieses Gebiet wurde 2005 ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 28,94 ha und liegt im äußersten Nordosten der Provinz Lugo, an der Küste zwischen den Städten Ribadeo und Foz.
Trotz des Namens Praia das Catedrais existiert der Strand nur bei Ebbe, da er bei Flut fast vollständig verschwindet. Die Küstenfront des Naturdenkmals Praia das Catedrais verläuft in Ost-West-Richtung entlang der Kantabrischen Tiefebene, hat eine Länge von 2,2 km und eine Höhe von 10 bis 20 m. Sie ist gekennzeichnet durch kleine Klippen und Sandstrände, die zwischen kleinen Landzungen und Inselchen von großem geomorphologischen und landschaftlichen Interesse verstreut sind. Innerhalb der Grenzen des Naturdenkmals Praia das Catedrais verlaufen zwei kleine Flussläufe: der Bach Perdón und der Rego de Esteiro.
Diese geomorphologische Enklave entstand durch die Meereserosion des Paläozoikums, die die Schiefer- und Quarzitschichten beeinflusste. Bögen und Tunnel sind die häufigsten geomorphologischen Formen und erreichen eine Höhe von bis zu 30 m. Es sind jedoch auch Höhlen (oder „Furnas“) und kleine Inseln („Stacks“) erhalten, die Überreste antiker Bögen darstellen, die durch die Erosion der Wellen entstanden sind. Die charakteristischen Höhlen und Furnas des Strandes Augasantas (der ihm seinen volkstümlichen Namen „As Catedrais“ gab) entstanden aus Kieselgestein. In den Kathedralen sind kleine Dünenformationen zu sehen, die sich bis zum Festland erstrecken, und der unterste Teil der Klippen ist mit Algen, Muscheln, Seepocken, Napfschnecken und Seeeicheln bedeckt. Die steinernen Bögen und Höhlen erstrecken sich über 30 Meter Höhe . Die natürlichen Bögen sind nur bei Ebbe sichtbar, wenn der Atlantische Ozean zurückweicht und Durchgänge zwischen Sandflächen freilegt. Das Kantabrische Meer formte diese geologischen Strukturen über Millionen von Jahren durch die Erosion der Schiefer- und Schieferfelsen.
Der Strand trägt zwei Namen: Praia de Augas Santas auf Galicisch, was Strand der Heiligen Wasser bedeutet, und Playa de las Catedrales auf Spanisch. Besucher benötigen im Sommer Vorabreservierungen über die Website der Xunta de Galicia und müssen die Gezeitenzeiten überprüfen.

https://julia-pracht.com/galicien-praia-catedrais/

Kultureller Reichtum

1. Das indianische Erbe
Zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts wanderten viele Menschen aus Ribadeo auf der Suche nach einem besseren Leben nach Amerika aus. Einige kehrten nie zurück, andere blieben erfolglos, doch einige kehrten erfolgreich zurück und beschlossen, in ihrer Heimat Spuren zu hinterlassen. Um die Jahrhundertwende erlebte Ribadeo so dank der Rückkehr der Indianos, Auswanderer, die mit Reichtum und neuen Ideen aus Amerika zurückkehrten, eine glanzvolle Zeit. Diese illustren Bewohner investierten nicht nur in Unternehmen und Bauvorhaben, sondern förderten auch kulturelle und soziale Projekte. Sie trugen zur Umgestaltung der Stadt und zur Modernisierung bei.
Eine der sichtbarsten Formen war der Bau großer, eklektischer und markanter Häuser, die als „ Indianerhäuser “ bekannt waren. Viele Indianer demonstrierten damit nicht nur ihren neuen sozialen Status, sondern trugen auch zur Entwicklung der Gemeinde bei, indem sie Schulen, Brunnen, Friedhöfe, Straßen, Beleuchtung und Wasserversorgung finanzierten.
Ribadeo bewahrt ein bemerkenswertes indianisches Erbe mit zahlreichen Häusern und Einrichtungen. Diese Gebäude bereicherten nicht nur das Stadtbild, sondern legten auch den Grundstein für das moderne Ribadeo. Mehr als fünfzig Herrenhäuser mit kunstvollen Fassaden, tropischen Gärten und einzigartigen architektonischen Details stehen neben symbolträchtigen Gebäuden wie Schulen, einem Marktplatz, einem Wasserversorgungssystem und der Landwirtschaftsschule Pedro Murias.
Der Stadtteil San Roque ein typisches Indiano-Viertel
Viele der ersten Auswanderer, die in den 1870er Jahren nach Ribadeo zurückkehrten, bauten hier ihre Häuser. Damals galt es als Randbezirk der Stadt. Die Häuser waren viel größer als damals üblich. Sie hatten große Fenster und Formen, die mit der Schlichtheit der galizischen Architektur des 19. Jahrhunderts brachen. Die neuen Besitzer verzierten die Fassaden, umgaben die Häuser mit Gärten – keine Obstgärten – und installierten schmiedeeiserne Zäune und Tore. Auch in die Holztüren schnitzten sie ornamentale Details. Obwohl die Projekte von einheimischen Technikern geleitet wurden, brachten die Indianos ihren eigenen Geschmack ein. Sie kamen mit Einflüssen aus Buenos Aires, Havanna und sogar dem idealisierten Paris der damaligen Zeit. Auf beiden Seiten der San Roque Street stehen Häuser im indischen Stil in verschiedenen Stilen. Einige sind üppig. Andere sind schlichter. Alle spiegeln jedoch architektonische Modelle wider, die in Amerika erfolgreich waren.

https://www.mundiplus.com/de/blog/was-es-in-ribadeo-zu-sehen-gibt/

Der Moreno-Turm
Diese Residenz wurde zwischen 1914 und 1915 auf Initiative der Brüder Juan und Pedro Moreno Ulloa erbaut. Sie wurden beauftragt, dem Entwurf des argentinischen Architekten Julián García Núñez und des Ingenieurs Ángel Ardex zu folgen, einem Anhänger des katalanischen Modernismus und Mitglied des Kreises von Antoni Gaudí. Das Werk sorgte während seiner Bauzeit für große Aufregung. Nach seiner Fertigstellung erregte es Bewunderung für seinen innovativen Charakter. Es wurden für die damalige Zeit ungewöhnliche Materialien verwendet: Beton, Glas und Schmiedeeisen. Bemerkenswert ist auch die modernistische Ornamentik. Die Kuppel, die das Gebäude krönt, wird von vier Karyatiden getragen. Sie ist von verschiedenen Punkten der Stadt aus zu sehen, da sie sich auf dem höchsten Punkt von Ribadeo befindet, wo einst die Festung stand.
Im Laufe der Zeit ist der Torre dos Moreno zu einem wahren Wahrzeichen der Stadt geworden.

https://www.galiciacantabrica.com/ribadeo

2. Die Handelshäuser
Der Aufschwung des Leinenhandels ab dem 17. Jahrhundert machte Ribadeo zu einem der geschäftigsten Häfen im Kantabrischen Meer. Dieser Wohlstand zog einheimische und ausländische Kaufleute an, die nicht nur die Wirtschaft ankurbelten, sondern durch den Bau großer Herrenhäuser auch einen städtischen Wandel vorantrieben. Viele dieser Häuser sind in der Altstadt noch erhalten. Sie zeichnen sich durch ihre großzügigen Baukörper und die charakteristischen Gurugus aus, verglaste Aussichtsplattformen auf den Dächern, von denen aus man die im Hafen ankommenden Schiffe beobachten konnte.
Zwei der repräsentativsten Beispiele sind die Casa de Arriba und die Casa de Abajo , die mit zwei Schlüsselfiguren des Handels von Ribadeo in Verbindung stehen. Erstere gehörte Antonio Casas, einem galicischen Geschäftsmann, der mit dem Ostseehandel verbunden war und hier bis zu seinem Bankrott im Jahr 1933 seine Schifffahrtsgesellschaft und Bank betrieb. Letztere gehörte Francisco Antonio de Bengoechea, einem Reeder baskischer Herkunft und politischen Rivalen, der ebenfalls seine eigene Schifffahrtsgesellschaft gründete und nach seinem Tod im Jahr 1900 ein beträchtliches finanzielles Erbe hinterließ.

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Camino del Norte

Die Küste Nordspaniens (die sogenannte „Costa Verde“, also die „Grüne Küste“) verläuft entlang des Kantabrischen Meeres und ist geprägt von sehr abwechslungsreichen Küstenformen. Diese sind das Ergebnis einer langen geologischen Entwicklung, in der tektonische Hebungen und Senkungen, Erosion durch das Meer und durch Flüsse sowie Klimafaktoren eine große Rolle spielen.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Küstenformen Nordspaniens und ihrer Entstehung.
Weiter unten sind dann konkrete Beispiele aus den vier Regionen aufgeführt, wobei auch die vermerkt sind, die unmittelbar am Camino del Norte liegen.

1. Kliffküsten (Steilküsten) steil aufragende Küsten, man nennt sie auch zerstörte Küsten

Vorkommen: Besonders häufig in Asturien, Kantabrien und im Baskenland.

Beschreibung: Hohe, steile Felsküsten mit senkrecht abfallenden Wänden ins Meer.
Entstehung:
• Durch Brandungserosion an harten Gesteinen (z. B. Kalkstein, Schiefer).
• Das Meer trägt den unteren Teil des Felsens ab → Brandungshöhlen, Brandungspfeiler und Abrisskanten entstehen.
• Durch ständige Erosion rückt die Küstenlinie landwärts zurück.
Beispiel: Die Klippen bei Llanes (Asturien) oder bei Zumaia (Baskenland) mit spektakulären „Flysch“-Formationen      (s. auch den Artikel: Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia)

Diercke Weltatlas - Kartenansicht - Küstenformen - - 978-3-14-100700-8 ...
Die Flysch-Klippen von Zumaia

2. Rías (Tief eingeschnittene Meeresbuchten)
Eine Ría ist ein vom Meer überflutetes Flusstal – also ein geomorphologisches Relikt des Eiszeit-Tiefstands. Man nennt sie auch versunkene Küsten.
Vorkommen: Vor allem an der galicischen Küste (z. B. Rías Altas und Rías Baixas).
Beschreibung: Längliche, fjordähnliche Buchten, die tief ins Land hineinreichen.
Entstehung:
• Entstanden durch das Überfluten ehemaliger Flusstäler infolge des Meeresspiegelanstiegs nach der letzten Eiszeit (transgressive Küstenform).
• Die Flüsse hatten zuvor Täler in das Festland eingeschnitten, die dann vom Meer geflutet wurden.
Beispiel: In Galicien findet man die berühmtesten Rías Europas, die typisch „ertrunkene Flusstäler“ sind – Rias Baixas und Rias Altas. Diese Rais öffnen sich zum Atlantik hin.

By Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

3. Ästuare
• Ästuare sind fluvial geprägt Küsten, an denen sich durch Gezeiten (Ebene und Flut) ein starker Tidenhub ergibt. Es kommt es zu trichterförmigen Flussmündungen. Ein Ästuar ist eine dynamische Mischungszone von Süß- und Salzwasser – also ein hydrodynamisch aktives System. In der Alltagssprache werden sie auch als Rias bezeichnet. Man nennt sie auch aufgebaute Küsten.

Viele Rías (z. B. in Galicien) verhalten sich heute wie Ästuare, da sie Gezeiten und Süßwasserzufluss haben – aber ihre geologische Entstehung unterscheidet sie weiterhin.

Von user:Jbo166 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10063706

Unterschied zwischen Ria und Ästuar:

Merkmal

Ría

Ästuar

Definition

Überflutetes Flusstal – ein ehemals von einem Fluss eingeschnittenes Tal, das durch den Meeresspiegelanstieg ertrunken ist.

Mischzone zwischen Süßwasser aus einem Fluss und Salzwasser aus dem Meer – stark durch Gezeiten geprägt.

Entstehung

Durch Meeresspiegelanstieg nach   der letzten Eiszeit: das Meer dringt in ein ehemaliges Flusstal ein (Erosionstal wird „ertränkt“).

Durch hydrodynamische Prozesse an einer Flussmündung: Fließendes Süßwasser trifft auf eindringendes Salzwasser → Vermischung und Sedimentablagerung.

Form

Oft langgestreckt, verzweigt, tief eingeschnitten (folgt dem alten Flusslauf).

Meist trichterförmig, mit breiter Mündung, durch Gezeiten verbreitert.

Sedimente

Relativ wenig Sediment, oft klares Wasser, tiefe Becken.

Starke Sedimentumlagerung, Schlick

und Sand; Bildung von Watten und Deltas möglich.

Salzgehalt

Deutlich mariner Charakter, aber schwach geschichtet.

Starke Salzgradienten und vertikale Schichtung (je nach Gezeiten und Flusszufluss).

Beispiele

Ría de Vigo (Galicien, Spanien), Ría de Arousa

Ria de Ribadesella (Asturien), Ria de Villaviciosa, Ria de San Vicente de la Barquera

kevmrc.com Ria de Ribadesella

4. Buchten und Sandstrände (Küstensenken)
Vorkommen: Zwischen Felskaps und Klippen, z. B. bei Santander, Gijón oder San Sebastian
Beschreibung: Kleine Buchten mit sandigen Stränden.
Entstehung:
• Entstehen, wenn Brandung Material aus Felsen löst und es in windgeschützten Buchten ablagert.
• Auch Flüsse transportieren Sedimente, die sich an Mündungen ansammeln.
Beispiel: Playa de Rodiles (bei Villaviciosa, Asturien), Playa del Sardinero (Santander) oder La Concha (San Sebastian) und viele andere kleine Buchten entlang der Küste

Strand vor Laredo

5. Felskaps und Halbinseln
Vorkommen: Entlang der gesamten Nordküste.
Beschreibung: Vorspringende Landspitzen aus widerstandsfähigem Gestein.
Entstehung:
• Unterschiedliche Erosionsresistenz der Gesteine führt dazu, dass harte Gesteine stehen bleiben, während weichere Gesteine abgetragen werden.
• Diese Formen ragen als Kaps oder Landzungen ins Meer hinaus.
Beispiel: Cabo de Peñas (Asturien) – der nördlichste Punkt Asturiens bei Gijon, Leuchtturm von Ribadeo (Galicien), Halbinsel Castro Urdiales

Castro Urdiales

6. Abrasionsplattformen (Brandungsplattformen)      s. Bild oben bei Kliffküste
Vorkommen: Oft unterhalb der Kliffe sichtbar.
Beschreibung: Flache Felsflächen, die bei Ebbe freiliegen.
Entstehung:
• Durch ständige Brandungserosion wird der Fels am Fuß der Klippe abgetragen, wodurch eine ebene Fläche entsteht.
• Diese verlagert sich mit der rückschreitenden Kliffkante langsam landwärts.
Beispiel: Küste bei Castro Urdiales

Beispiele für die  Küstenformen in den verschiednen Regionen der spanischen Nordküste

Beispiele für Kliffküsten:

Galicien (Galicia)
1. Acantilados de Loiba (Ortigueira, A Coruña)
o Beeindruckende, wilde Klippen mit dem berühmten „Banco más bonito del mundo“ (die schönste Bank der Welt).
o Grandioser Ausblick auf den Atlantik.
2. Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
o Einer der nördlichsten Punkte Spaniens.
o Die Felsen bestehen aus einigen der ältesten Gesteine Europas.
3. Acantilados de Vixía Herbeira (bei San Andrés de Teixido, A Coruña)
o Mit über 600 Metern Höhe die höchsten Klippen des europäischen Festlands.
o Absolut spektakulär
4. Praia das Catedrais („Strand der Kathedralen“) (Ribadeo, am Camino del Norte)
• eine stark erodierte Fels- bzw. Abrasionsküste
• Das Meer erodiert den Fels durch mechanische Kräfte (Wellen, Sand, Kies).
• Es entstehen steile Kliffs, Brandungshohlkehlen und Meeresgrotten,
Felsbögen („Kathedralenbögen“), Felsnadeln, Felsplattformen, die bei Ebbe sichtbar werde
Asturien (Asturias)
5. Cabo Vidio (Cudillero, nördlich von El Pito, hinter Avilés)
o Atemberaubende Aussichten, besonders bei Sonnenuntergang.
o Steile Felsen und eine kleine Kapelle auf der Spitze.
6. Cabo Peñas (zwischen Avilés und Gijón)
o Der nördlichste Punkt Asturiens.
o Eindrucksvolle, gut zugängliche Klippen mit Leuchtturm und Besucherzentrum.
7. Llanes (am Camino del Norte)
• Hohe scharfkantige Klippen sowie Einbuchtungen, Höhlen und Felsnadeln
• Die Bufones de Pría bei Llanes sind geologische Highlights: durch den Druck der Wellen wird Luft und Wasser durch Spalten im Fels nach oben gepresst – ähnlich wie Geysire.

Kantabrien (Cantabria)
8. Acantilados de Costa Quebrada (bei Liencres / Santander)
o Eine der schönsten Küstenlandschaften Spaniens.
o Felsformationen, Bögen und Klippen – perfekt zum Fotografieren.
9. Cabo Mayor (Santander am Camino del Norte)
o Nahe der Stadt, mit Leuchtturm und Spazierwegen über die Klippen.
o Blick auf das offene Meer und die Stadtbucht.

Baskenland (País Vasco)
10. Flysch-Klippen von Zumaia (Gipuzkoa) am Camino del Norte
o Geologisch spektakulär: die Flysch-Formationen zeigen Millionen Jahre Erdgeschichte.
o Teil des UNESCO-Geoparks Basque Coast.
11. San Juan de Gaztelugatxe (Bermeo, Bizkaia nördlich von Bilbao)
o Dramatische Klippeninsel mit einer kleinen Kapelle auf der Spitze.
o Bekannt aus Game of Thrones als „Drachenstein“.
12. Cabo Matxitxako (bei Bermeo nördlich von Bilbao)
• Höchster Punkt an der baskischen Küste mit einem Leuchtturm.
• Häufig Sichtungen von Delfinen und Walen.

Beispiele für Rias:

Westgalicien (Rías Baixas – „untere Rías“)
Diese Rías öffnen sich weit zum Atlantik hin und sind besonders tief.
• Ría de Vigo
• Ría de Pontevedra
• Ría de Arousa (größte und produktivste)
• Ría de Muros e Noia
Nordgalicien (Rías Altas – „obere Rías“)
Diese sind schmaler und kürzer, da die Küste hier steiler ist.
• Ría de Ferrol
• Ría de A Coruña
• Ría de Cedeira
• Ría de Ortigueira
• Ría de Viveiro
• Ría de Ribadeo (Grenze zu Asturien)
Baskenland
• Rai de Pasaia am Camino del Norte
Eine typische Talfordküste. Schmal und eng, der Zugang vom Meer ist eng, während sich die Bucht nach innen weit öffnet

Beispiele für Ästuare:

Asturien – kleinere Ästuare
Die Küste Asturiens ist steil und felsig, daher gibt es wenige, aber markante Flussmündungen mit Ästuar-Charakter.
• Ría de Ribadesella (Mündung des Río Sella) am Camino del Norte
• Ría de Villaviciosa (Río Valdediós) am Camino del Norte
• Ría de Avilés (stark industrialisiert)
• Ría del Nalón / San Esteban de Pravia am Camino del Norte
Charakter: Kleine, gezeitengeprägte Ästuare, oft verlandet oder durch Häfen verändert.

Kantabrien – trichterförmige Ästuare und Buchten
Hier dominieren klassische Ästuare, die durch Gezeiten geprägt sind.
• Ría de San Vicente de la Barquera am Camino del Norte
• Ría de Tina Menor und Tina Mayor am Camino del Norte
• Ría de Suances (zwischen Santander und Santillana)
• Ría de Santander (große Hafenbucht) am Camino del Norte
• Ría de Cubas (Miera-Fluss) bei Somo vor Santander
Charakter: Dynamische Ästuare mit Salz- und Süßwassermischung, oft Sandbänke, Wattflächen und Marschgebiete.

Baskenland – wenige, aber markante Ästuare
Die Küste ist schmal und steil, doch an einigen Flüssen bilden sich bedeutende Ästuare.
• Ría de Bilbao (Ría del Nervión), am Camino del Norte
stark urbanisiert, heute renaturiert
• Ría de Mundaka / Urdaibai nördlich von Bilbao
(UNESCO-Biosphärenreservat, Mündung des Oka-Flusses)
• Ría de Plentzia nördlich Von Bilbao
Charakter: Gezeiten-Ästuare, stark anthropogen verändert, aber ökologisch wertvoll

Beispiele für Felskaps und Halbinseln

Beispiele für Felsenkaps (Cabos / Capes)
In Galicien (Galicia)
• Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
Mächtiges Felsenkap aus sehr altem Gestein, markiert den Übergang zwischen Atlantik und Kantabrischem Meer.
• Cabo Prior (bei Ferrol, A Coruña)
Klippen mit Leuchtturm, typische Abrasionsformen und Meereshöhlen.
• Cabo Estaca de Bares (nahe Ortigueira, A Coruna)
Nördlichster Punkt Spaniens; steile Felsen, wo Atlantik und Kantabrisches Meer aufeinandertreffen.

In Asturien (Asturias)
• Cabo Vidio (Cudillero, , nördlich von El Pito, hinter Avilés) )
Eindrucksvolles Felsenkap mit senkrechten Klippen, Aussichtspunkt und kleiner Kapelle.
• Cabo Peñas (bei Gozón, nördlich von Avilés)
Nördlichster Punkt Asturiens, 100 m hohe Kliffs, markanter Leuchtturm.
• Cabo de San Lorenzo (bei Gijón)
Geringere Höhe, aber typisches Beispiel einer erosiven Felsplattform mit Steilkante.
• Isla Pancha (Ribadeo, am Camino del Norte)
Ähnlich den Kaps, Insel vor Ribadeo über eine Brücke mit dem Ort verbunden, Leuchtturm

In Kantabrien (Cantabria)
• Cabo Mayor (Santander, am Camino de Norte)
Felsküste mit Leuchtturm, Brandungshöhlen, Spazierwege auf der Kliffkante.
• Cabo Menor (neben Cabo Mayor, Santander, am Camino del Norte)
Kleineres Kap, getrennt durch Buchten; klassische Doppelkapsituation.

Im Baskenland (País Vasco)
• Cabo Matxitxako (bei Bermeo, nördlich von Bilbao)
Höchster Punkt der baskischen Küste; felsiges Kap mit Leuchtturm und Aussicht auf Gaztelugatxe.
• Cabo Higuer (bei Hondarribia, Gipuzkoa, am Camino del Norte)
Östlichster Punkt der Nordküste Spaniens, Übergang nach Frankreich; Leuchtturm auf Felsen.

Beispiele für Halbinseln (Penínsulas)
• San Andrés de Teixido (Galicien)
Auf einer schmalen, felsigen Halbinsel oberhalb der höchsten Klippen Europas (Vixía Herbeira).
• Castro Urdiales (Kantabrien, am Camino del Norte)
Die Altstadt liegt auf einer kleinen Fels-Halbinsel mit Burg und Kirche (Castillo-Faro).
• San Juan de Gaztelugatxe (Baskenland, nördlich von Bilbao)
Eine Felsinsel mit Damm, wirkt wie eine Mini-Halbinsel; ikonisch durch die Kapelle auf dem Gipfel.
• Getaria (Baskenland zwischen Zarautz und Zumaia, am Camino del Norte)
Halbinsel mit Kegelberg „Monte de San Antón“, bekannt als „Raton de Getaria“ – über Landbrücke mit dem Festland verbunden (Tombolo).
• Isla de Mouro (vor Santander, am Camino del Norte)
Kleine vorgelagerte Felseninsel mit Leuchtturm – eigentlich Insel, aber geomorphologisch ähnlich einem isolierten Felsenkap.

Quellen

Juan A. Morales (Hrsg.), The Spanish Coastal Systems: Dynamic Processes, Sediments and Management, Springer 2018
Francisco Gutiérrez & Mateo Gutiérrez (Hrsg.), Landscapes and Landforms of Spain, Springer 2014

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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

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Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Die Castro-Kultur, ein Relikt aus der Eisenzeit

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Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Português

Castro-Kultur (prtugiesisch: Cultura Castreja, galicisch: Cultura Castrexa, spanisch: Cultura Castreña) ist eine zusammenfassende archäologische Bezeichnung für eisenzeitliche Kulturen auf der nordwestlichen Iberischen Halbinsel, die seit dem Ende der Bronzezeit (1.Jahrtausend v.Chr.) bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bestanden. Sie wurde nach den charakteristischen Castros, den befestigten Siedlungen, benannt, die meist auf Hügeln mit guter Sicht angelegt wurden.

Castro de Viladonga De {{{1}}}, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62343224 Castro

Geschichte

Die Castro-Kultur begann sich am Ende der Bronzezeit aufgrund kultureller Einflüsse der zentraleuropäischen und mediterranen Kulturen zu entwickeln. In der anschließenden Periode, die bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. reichte, breiteten sich die Castros vom Süden nach Norden und von der Küste ins Innere der Iberischen Halbinsel aus. Die Expansion setzte sich  fort, bis im 2. Jahrhundert v. Chr. der Einfluss des Römischen Reiches stärker wurde. Mit der Gründung der römischen Provinz Gallaecia war dann das Ende der Castro-Kultur besiegelt. Für die Römer spielten die Vorkommnisse von Gold und anderen Metallen im Norden der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle bei der Eroberung. Diese wurden dann auch in den folgenden Jahrhunderten hier ausgebeutet. So wurden z.B. viele der römischen Münzen mit dem Gold aus Spanien geprägt. Nach einer Übergangsphase war die Castro-Kultur im 4. Jahrhundert n. Chr. verschwunden.

Von Froaringus - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11799792 Schwerpunkt der Castro-Kultur in Galicien

Regionale Verteilung

Die Castro- oder Castrexa-Kultur entwickelte sich im Nordwesten der Iberischen Halbinsel.

Das Gebiet umfasste mit seinem Zentrum im heutigen Galicien zudem den Norden des heutigen Portugals sowie die zentralen und westlichen Gebiete Asturiens und kleine Gebiete weiter südlich bis zum Fluss Duero.

Eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten der portugiesischen, galicischen und asturischen Castros ist ihre exponierte Lage. Die meisten von ihnen befinden sich auf Hügeln, Bergkuppen oder Anhöhen und boten so einen optimalen Schutz gegen Angriffe. Diese Dörfer oder Kleinstädte (manchmal mehr als 1000 Einwohner) waren zudem von Mauern oder Wällen geschützt. Im Innern finden sich meist runde oder auch rechteckige Steinhäuser und schmale Gassen.

Castro de Coana Von Markus Braun - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1304407

Einige Beispiele:

  • Das größte bisher ausgegrabene befestigte Castro de Viladonga  liegt in der Region Lugo. Es nimmt eine Fläche von ca. 4 Hektar innerhalb der Mauern ein, davon umfasst  der Croa (der höchste Teil der Festung)  10.000 qm mit einer unregelmäßigen viereckigen Form ein.
  • Castro Borana in der Nähe der Gemeinde Porto do Son in Galicien ist eines der besterhaltenen und besonders spektakulär liegenden Castros. Es befindet sich auf einer nur über eine tief liegende Landenge verbundenen kleinen Halbinsel direkt am Meer.
  • Das Castro de Coana in Asturien liegt nahe der Stadt Navia und somit in der Nähe des Camino del Norte. Sehr gut erhalten sind die fast 100 meist kreisrunde Fundamente der Steinhäuser der auf einer Bergkuppe gelegenen Siedlung.
  • Am Castro Teso de las Catedrales in Salamanca an der Via de la Plata wurden die Ausgrabungen erst in den letzten Jahren intensiviert.
Von L.Miguel Bugallo Sánchez (http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Lmbuga) - self made, http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Castro_de_BaroNa.Galiza.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2761701
Castro de Barona Von AnaisGoepner - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59339819
Lage zweier Castros in Salamanca

Lebensform

Die Castro-Wirtschaft basierte auf der Landwirtschaft mit Getreide wie Weizen, Hirse, Hafer und Gerste, Hülsenfrüchten wie Bohnen und Kichererbsen, Kohl, Rüben usw. und Viehwirtschaft mit Kühen, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen. Sie jagten aber auch Hirsche und Wildschweine, fischten und sammelten Muscheln.

Der Abbau von Gold, Eisen, Kupfer, Zinn und Blei spielte ebenfalls eine Rolle. Die Erze wurden von den Castro-Metallurgen zu Werkzeugen und Schmuck verarbeitet. Zahlreiche Funde von Silber- und Goldreifen, Ohrringen und Ringen weisen auf Prunk- und Schaustücke für die Elite in der Hierarchie der Stämme hin. Die typischen keltischen Torques (offene Halsringe) machen die keltische Zugehörigkeit der Castro-Bevölkerung wahrscheinlich.

Die Skulptur war vor allem in den südlichen Gebieten weit verbreitet. Unter den Waffen stechen die Kurzschwerter und die „Antennen“-Dolche hervor, die allerdings in ihrer Anzahl selten sind.

https://viladonga.xunta.gal/en/museo/coleccions/pezas/torques-or-rigid-collar-open
Von Joseolgon - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19085340
Von Xemenendura - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16347577
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Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien

Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien - als die Kathedralen in den Himmel wuchsen -

Via Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Francés

Begriff und zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung „Gotik“ entstand, wie die Namen anderer Stilepochen auch, nicht bereits mit ihrem ersten Auftreten, sondern erst fast 300 Jahre später. Auch wurde der Gotik-Begriff nicht etwa in Frankreich geprägt, wo die Wurzeln der gotischen Architektur liegen, sondern erstmals 1435 in einem Werk des italienischen Architekten und Schriftstellers Leon Battista Alberti erwähnt. Das Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, der Wiedergeburt der Antike, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur glorreichen Antike Ausdruck zu verleihen.
Erst mit Goethe, der in seinem Werk „Von deutscher Baukunst“ über das gotische Münster in Straßburg schrieb, begann ein positiver Bedeutungswandel in Bezug auf den gotischen Architekturstil einzusetzen. Allerdings ist zu bemerken, dass Goethe irrtümlich diese Epoche zu einem deutschen Stil erklärte. Der Stil wurde dann im 19. Jahrhundert von europäischen nationalistischen und romantischen Bewegungen aufgewertet und verherrlicht. So wurde auch Mitte des 19. Jahrhundert Goethes Aussage eines „deutschen Stils“ durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung der Gotik Frankreich zugesprochen. Heute gilt die Gotik allgemein als einer der künstlerisch brillantesten Momente der westlichen Welt.

Eine zeitliche Einordnung der Gotik ist nicht ganz einfach, da der genau Zeitrahmen von den individuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern abhängt. Die Gotik entstand um 1140 zunächst in Frankreich. Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo, Léon). In Italien wurde der gotische Baustil nach französischer oder mitteleuropäischer Art weder vollständig übernommen noch war er je alleine vorherrschend. Aber natürlich gab es auch hier gotische Kathedralen wie z.B. den berühmten Mailänder Dom.

Von User:Liesel - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2894483 Kathedrale von Burgos

Phasen der Gotik

In der Architektur wird unterschieden in Früh-, Hoch- und Spätgotik, die sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich entwickelten:

Frankreich

Gothique primitif
1140–1190

Gothique classique
1190–ca. 1230

Gothique rayonnant
1231–1350

Gothique flamoyant
1350–1520

England

Early English
1170–1250

Decorated
1250–1350

Perpendicular
1350–1485

Tudor Style
1485–1603 ff.

Italien

 

seit 1200

Deutschland,
Mitteleuropa

Spanien s.u.

Frühgotik, einschl. Romano-Gotik
1180–ca. 1290 (überlappend)

Hochgotik
1235 oder 1248–1350

Spätgotik
1350–ca. 1520 ff.

Die zeitlichen Abgrenzungen gelten ausschließlich für die Architektur. Bei Malerei und Plastik ist eine klare Abgrenzung nicht möglich.
 

Von Uoaei1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45346485 Notre Dame de Paris 2015

Historischer und philosophischer Hintergrund

Keine andere Strömung vor oder nach der Gotik verstand es, einen solch engen Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft herzustellen. Um nun aber zu verstehen, weshalb sich die gotische Architektur gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts aus der Romanik entwickelte, muss man zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten jener Zeit werfen.

Es war eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Es war auch die Zeit der Kreuzzüge und einer erstarkenden Kirche, die Zeit, in der das Heilige Römische Reich langsam zerfiel und das französische Königshaus immer mehr an Macht gewann.

Im Jahre 1108 übernahm der Kapetinger Ludwig VI. die königliche Herrschaft im territorial stark zersplitterten Land. Der französische Monarch hatte zu jener Zeit zwar großes Prestige, realiter jedoch nur wenig Macht. Diese lag u.a. in den Händen Heinrichs I., der durch geschickte Heiratspolitik nicht nur Herzog der Normandie, sondern gleichzeitig auch König von England war und so enorme politische, wirtschaftliche und militärische Mittel hinter sich vereinigen konnte. Auch die Grafen der Champagne waren, durch wichtige Messestädte in ihren Gebieten, reicher und dadurch letztlich mächtiger als der französische König. Wesentlich einflussreicher war auch der Graf von Flandern, der das größte Wirtschaftszentrum nördlich der Alpen, ein im 12. Jh. sehr reiches Land regierte. (s. auch Kapitel der 100-jährige Krieg).

Um seine Macht zu stärken und die des Feudaladel im Land zu schwächen, paktierte Ludwig VI. mit der Kirche, vor allem mit seinem engen Berater Suger, dem Abt von Saint-Denis, der zusammen mit ihm in der Klosterschule von St. Denis erzogen worden war. Die Kirche unterstützte das Machtstreben der französischen Monarchie. Der König förderte zudem die zunehmenden Ordensgründungen und holte die Bruderschaften zu sich in die Hauptstadt.

Außerdem wurden durch Freiheitsbriefe, die sich der König von der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde teuer bezahlen ließ, Feudalpflichten aufgehoben, die die wirtschaftliche Entwicklung stark eingeschränkt hatten. So standen diese Städte und einzelne Landgemeinden hinter dem König und gegen den sie früher ausbeutenden Feudaladel.

Mit dem Erstarken und der geographischen Ausweitung des französischen Kronlandes, also der Entwicklung zur zentralistischen Macht, breitete sich auch die für ‚das Neue’ stehende Architektur, die Gotik, aus. Gotische Sakralgebäude galten bald als ‚chic’, so dass jedes Land, jede Stadt und jede noch so kleine Gemeinde alle vorhandenen Mittel darauf verwendete, wenigstens eine etwas größere und neuere Kirche als die des Nachbarn zu bauen. Außerdem spielte auch die Parteinahme von Bündnispartnern in der Politik eine nicht unerhebliche Rolle bei der Expansion der Gotik. Wer innerhalb Frankreichs gotisch baute, bezeugte seine Gewogenheit gegenüber der französischen Krone. Die Baubewegung in Frankreich wurde vor allem in der Anfangszeit dadurch gefördert, dass das Volk und auch der Adel die Bautätigkeit mit finanziellen Mittel oder auch praktischer Arbeitstätigkeit unterstützten. So ist u.a. die große Zahl an Kirchen, Abteikirchen und Kathedralen (fast 20) in Frankreich zu erklären.

Gleichzeitig verbindet sich mit der Gotik eine ganz neue Einstellung zur Gestaltung des Lebens. Der Grund für eine solche Revolution ist die Veränderung der mittelalterlichen Mentalität über vorhandenes Wissen und vorhandene Wahrheit. Im 12. und 13. Jahrhundert wird Platons vom Heiligen Augustinus verteidigter Idealismus überwunden, der die philosophische Grundlage des frühen Mittelalters bildete. Die Philosophie des Aristoteles, die auf der Vorrangstellung der Sinne basierte, erlangte wieder eine große Bedeutung und  wurde von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Albert dem Großen und dem Heiligen Thomas von Aquin energisch verteidigt. Dieser Mentalitätswechsel führt in der Architektur dazu, dass sich der Architekt beim Bauen nicht mehr an regelmäßige Formen halten (im Wesentlichen Kreise und Quadrate) muss, sondern dass er frei arbeiten kann, nicht mehr nur als Geometer, sondern als Ingenieur. Das bedeutete auch, dass man sich an neue Gestaltungselemente heranwagte und herantastete. Dieser technische Empirismus verhalf dazu, geniale tektonische Lösungen zu erfinden, um Räume von großer Höhe und Farbe zu schaffen. Die Art und Weise, das himmlische Jerusalem im 13. Jahrhundert zu symbolisieren, bestand darin, einen großen Raum aus Licht und Farbe zu schaffen. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten Metaphysik verwandeln. 

Außerdem war es eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Am Anfang der Epoche setzte eine Phase der generellen Umstrukturierung im Wirtschaftsleben des Landes ein. Die Wirtschaft entwickelte sich in bestimmten Regionen und in den Städten positiv. Der Handelsschwerpunkt verlagerte sich vom Land in die Stadt. Die Landbevölkerung strömte in die Städte (Landflucht). Durch das Wachstum der Städte entstand auch Bedarf an neuen Kirchenbauten und es sind auch die Städte, die die wirtschaftliche Kraft besitzen, um die aufwendigen Bauten der Gotik finanzieren und realisieren zu können. So entstanden sogenannte „Bauten der Macht“ in der Mitte der Stadt.

Es war auch die Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge dienten neben der Eroberung der Stadt Jerusalem vor allem auch der Verbreitung und der Verteidigung des christlichen Glaubens – der Einflussbereich der Muslime sollte zurückgedrängt werden. Es ging dem Papst aber auch um eine erneute macht-politische Stärkung der Kirche und des Papsttums. Die Erstarkung der Kirche zeigte sich auch in der zunehmenden Bedeutung der Ordensgemeinschaften neben den Benediktinern hier vor allem den Zisterziensern, deren Verbreitung für die Gotik eine besondere Bedeutung hat. 

So versuchten der König, der monarchisch orientierte Adel, Domkapitel, Bischöfe und Städte sich in dieser Konkurrenzsituation mit immer prächtigeren Bauten gegenseitig zu übertrumpfen – als Demonstration ihres Führungsanspruchs, aber auch aus echter frommer Begeisterung.

Die Gotik wurde in diesem Zusammenhang in Europa als willkommene Neuerung empfunden. Ausgehend von Frankreich entstehen Kirchen, die alle bisherigen Maßstäbe sprengen. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. Es werden Gotteshäuser gebaut, die zu ihrer Zeit die größten Gebäude überhaupt sind. Die neuen Techniken wurden voll Begeisterung übernommen, da durch sie auch die neue spirituelle Einstellung dargestellt werden konnte. England, Deutschland, Italien, Spanien und die anderen europäischen Länder wollten auch demonstrieren, dass sie die neue Kunst wenigstens so gut wie das Ursprungsland Frankreich beherrschten. Zudem verhalf die wachsende Bedeutung des Zisterzienserordens und seine strenge Durchstrukturierung einer weiteren Verbreitung der Gotik. All diese Fakten führten so zu einer breiten aber auch relativ einheitlichen Ausbreitung der Architekturkunst der Gotik.

Die Kathedrale des Mittelalters, das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Malerei und Glasmalerei gilt als besonderes Wahrzeichen der Gotik. “Genie de Lieu” sagen die Franzosen, wenn ein Ort etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Das kann wohl für die gotischen Kathedralen im Besonderen gelten. Sie spiegeln die Wandlung des mittelalterlichen Weltbildes wider, das mit einer neuen Frömmigkeit und mystischen Strömung einhergeht.

Einen großen Aufschwung nahm auch die profane Baukunst zur Zeit der Gotik, v. a. in den Städten, wo sie die wachsende Macht des aufstrebenden Bürgertums verkörperte. Sie übernahm Formen und Motive der französischen Kathedralgotik. So entstanden Burgen und Befestigungsanlagen, Rathäuser, Zunfthäuser, Hospitäler und Bürgerhäuser im gotischen Stil. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. 

Stilistische Merkmale der Gotik

Was genau verbirgt sich aber nun hinter diesem in der Geschichte so kontrovers betrachteten Begriff der Gotik?

Das Streben nach Höhe ist kennzeichnend für die gotische Architektur. Ebenso wie das Auflösen der massiven Wand, um Platz für große Fensterflächen zu schaffen, die den Kirchenraum erstrahlen lassen. Dazu wurden bestimmte bauliche Elemente – wie das Kreuzrippengewölbe, der Spitzbogen und das Strebewerk – verwandt, um diese Idee des himmlischen Jerusalem zu symbolisieren. Es sollten Räume von großer Höhe aus Licht und Farbe geschaffen werden. Durch das unten beschriebene neue Konstruktionssystem ergeben sich eine Betonung der Vertikalen sowie die Auflösung der Wandflächen, die durch große, farbige Fensterflächen gefüllt werden. Auch biblisch bedeutsame Zahlen wie die Drei (Dreieinigkeit Gottes), sieben (Wochentage, Todsünden), sowie zwölf (Apostel) wurden sinnbildlich umgesetzt.

Kreuzrippengewölbe

Kreuzgratgewölbe gab es schon vor der Gotik in römischer Zeit oder im angelsächsischen Raum. Das Kreuzgratgewölbe – das typisch für die Romanik ist – war der Vorläufer des gotischen Kreuzrippengewölbes. Die Konstruktion entsteht durch die Durchdringung von zwei, im rechten Winkel, zu einander stehenden Tonnen von gleicher Höhe. Dadurch entstehen gekrümmten Schnittfläche, auch Grate genannt, die dem Gewölbe auch den Namen Kreuzgratgewölbe geben. Die Bautechnik kann nur durch die römische Technik des Mörtelgusses oder bei sehr kleinen Räumen verwendet werden, da ihr statische Grenzen gesetzt sind.

Demgegenüber werden beim Kreuzrippengewölbe die Grate durch die Rippen unterstützt. Die Neuerung bestand darin, dass beim Gewölbe mit einem viereckigen Grundriss zwei Rundbögen kreuzförmig über die beiden Diagonalen gestellt wurden, zumeist mit einem dekorativen Schlussstein an der Kreuzung. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes verbessert, und die Gewölbeschalen konnten dünner und damit leichter sein. Die Gurt- und Schildbögen über den vier Außenseiten wurden spitz nach oben gebaut und konnten so die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen erhalten. Mit Einführung des Spitzbogens erfuhr das Kreuzrippengewölbe eine Steigerung der Gestaltungsvielfalt. Außerdem wurden im Laufe der Jahrhunderte reichere Gewölbekonstruktionen entwickelt wie das Netz-, Stern- und Schlinggewölbeb

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Spitzbogen

Der Spitzbogen gilt als ein zentrales Element der gotischen Baukunst, die deswegen früher auch als „Spitzbogenstil“ bezeichnet wurde. Spitzbögen sind zwar als Einzelelement bereits aus der Romanik bekannt, dort herrschte jedoch noch die Verwendung von Rundbögen vor. Der Spitzbogen ist konstruktiv eine Annäherung an die Bogenform, die dem günstigen statischen Kräfteverlauf einer Parabel entspricht. Spitzbögen bestimmen das Erscheinungsbild gotischer Bauten und finden sich praktisch durchgängig im Querschnitt aller Gewölbe, in der Form der Fenster- und Portalgewände sowie im Maßwerk. Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden (s.u.).

Strebewerk

Das Strebewerk ist ein weiteres zentrales konstruktives und gestalterisches Element der höher werdenden Kirchenbauten. Es ist ein statisches System, das sich in Strebepfeiler und Strebebogen unterteilen lässt und zur Lastabtragung der Kräfte beiträgt. Es dient bei einer Basilika dazu, den seitlichen Gewölbeschub und die Windlast von Mittelschiff und Hochchor aufzufangen. Die Stabilität der Strebepfeiler wird durch Auflasten erhöht, die als Zierelemente wie Fialen (schlanke, spitz zulaufende, flankierende Türmchen) gestaltet sein können. In das Strebewerk wurden auch die Abläufe für Regen- und Schmelzwasser integriert, das über Wasserspeier im Bogen vom Gebäude wegschießt und so von Mauerwerk und Fundamenten ferngehalten wurde. 

Die Schubkraft aus den Gewölben drückt schräg gegen die Hochschiffspfeiler, die ohne den Gegendruck der Strebebögen, einstürzen würden. Das Entgegenwirken der beiden diagonal verlaufenden Kräfte hebt ihre Kraftrichtungen auf, sodass der resultierende Kräfteverlauf vertikal im Pfeilerkern gehalten werden kann. Dies ermöglicht es die Pfeiler trotz der enormen Höhen so schlank auszugestalten. 

Der Strebebogen dient somit dem Weiterleiten des Gewölbe- und Winddrucks, letzterer nimmt aufgrund der ansteigenden Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu. Der Kräfteverlauf aus beiden Faktoren entspricht einer Parabelkurve, die bei Windstille steil ist, jedoch bei Windeinwirkung flacher wird. Dann sind zwei Strebebögen notwendig, um den auftretenden Horizontalschub widerstehen zu können. Der untere Strebebogen, der in Höhe des Obergadens ansetzt, leitet überwiegend den Gewölbeschub weiter. Der obere, der an der Traufe beginnt, ist wegen des Winddrucks angebracht worden.

Während das Strebewerk in der Frühzeit der Gotik vor allem statische Funktion hatte und nach innen verlagert war, entwickelte es sich später zu einem wichtigen baukünstlerischen Element und wird deutlich hervorgehoben und von außen sichtbar. Die Strebebögen werden ab 1160 bei Chören (Saint Germain des Pres in Paris) und ab 1180 beim Langhaus (Notre Dame in Paris) frei sichtbar oberhalb der Dachflächen angesetzt.

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Auflösung der Wand

Bei der Gotik ermöglichten nun die leichtere Bauweise durch Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk und Strebepfeiler eine Verlagerung der tragenden Elemente in den Außenbau, eine starke Reduzierung der Mauerstärken sowie eine weitgehende Durchbrechung der Wände durch Fenster. Die statische Funktion der Bauglieder wird im Innenraum bewusst überspielt, um eine Illusion von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit der Architektur zu schaffen. Im Innenraum wird über den Arkaden zu den Seitenschiffen und zum Chorumgang hin ein als Triforium bezeichneter Laufgang in die Wand eingelassen. In die Außenwand wurde eine Vielzahl großflächiger Fenster eingelassen, die das Gebäude leicht und lichtdurchflutet erscheinen lassen. In der Hochgotik wird schließlich auch noch die Rückwand des Triforiums durchfenstert, sodass die Wand vollständig durchbrochen erscheint. Dennoch ist praktisch jedes Element eines gotischen Baukörpers tragend. Die Baumeister der Gotik schufen neue Konstruktionen durch evolutionäre Weiterentwicklung nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Deswegen stürzten einige Bauten schon während der Bauphase ein (z.B. die Kathedrale von Beauvais) oder mussten nachträglich aufgrund auftretender Risse mit weiteren kraftableitenden Elementen verstärkt werden. Es entsprach aber – wie oben erläutert – ganz dem damaligen Denken des technischen Empirismus, der auch Fehlschläge mit einkalkulierte.

Das Maßwerk und die Fenster

Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird. Das Maßwerk ist ein Element der gotischen Architektur und ist eines der wichtigsten Merkmale der Hoch- und Spätgotik, wo es ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster war. Diese Fenster aus Buntglas stellen abstrakte Bilder dar oder Szenen aus dem biblischen Leben. Die Lichtmystik inspiriert Baumeister dazu, großflächige Fenster einzubauen, die Innenräume erhellen und den Besuch der Kathedralen zu einem, im wahrsten Sinne des Wortes, erhellenden Erlebnis machen.

In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff „Buntglas“ gewöhnlich Glas, dem bei der Herstellung lichtdurchlässige Farbe hinzugefügt wurde: ein Verfahren, das seinen Höhepunkt in der gotischen Architektur erreichte, in den malerischen erzählenden Fenstern der großen christlichen Kathedralen. Die Kunstfertigkeit der Glasmaler, die solche mittelalterlichen Meisterwerke wie die Fensterrose an der Westfassade der Kathedrale von Chartres schufen, ist in der Tat selten und außergewöhnlich.

Der Künstler (in der Praxis eine Gruppe von Künstlern) überwachte nicht nur den gesamten Produktionsprozess, um die Unversehrtheit und die richtige Pigmentierung des Glases zu gewährleisten, sondern war auch für die Gestaltung, die Komposition und die Effekte der Glasmalerei verantwortlich. Er begann in der Regel mit einer Reihe von Kohleskizzen oder Skizzen) des gewünschten Bildes. Daraus wurde eine Reihe von Entwurfsplänen in Originalgröße erstellt, die in der Regel direkt auf die Oberfläche aufgetragen wurden, die zum Schneiden, Malen und Zusammensetzen des Glasmosaiks verwendet wurde. Besonderes Augenmerk wurde auf die genauen Details und die Farbgebung der in der Glasmalerei dargestellten Bilderzählung gelegt. Es konnte sich dabei um die Darstellung einer biblischen Episode aus dem Alten oder Neuen Testament handeln, um das Leben von Propheten oder Heiligen, um ein Ereignis aus dem Leben Christi oder der Heiligen Familie. Gewöhnlich wurden auch zusätzliche Symbole oder Motive eingefügt, die die Person oder die Zunft identifizierten, die für das Fenster bezahlt hatte. All dies erforderte eine sorgfältige Vorplanung, bevor der Produktionsprozess begann.

Um die optimale Farbgestaltung eines Glasfensters zu gewährleisten, musste der Künstler außerdem den Winkel, die Menge und die Intensität des einfallenden Lichts beurteilen. Helles Licht erfordert zum Beispiel hellere und dunklere Farben. Dies musste mit der Notwendigkeit eines Farbkontrasts sowie mit der Notwendigkeit, je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Lichtverhältnisse zu schaffen, in Einklang gebracht werden. Kurz gesagt, die Kunst der Glasmalerei umfasste architektonisches Design, Glasherstellung, Farbchemie, Cloisonné -Emaille und ein Dutzend anderer Künste und Handwerke.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=321662
Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54491069 Rosette Nord von Cahrtres

Die neue Form der Bauhütten

Von besonderer Bedeutung für die Gotik war die Ausbildung von Bauhütten seit dem 13. Jahrhundert, ein Verband aller an einem großen Kirchenbau beteiligten Steinmetzen, Handwerkern und Bauleuten, die unabhängig von der städtischen Zunftordnung und mit einer eigenen strengen Ordnung arbeiteten. Vor allem waren sie an die „Arkandisziplin“ gebunden. Das Arkanprinzip (von lateinisch arcanum – „Geheimnis“) ist der Grundsatz, Informationen nur einem Kreis von Eingeweihten – hier den Mitgliedern der Bauhütte – zugänglich zu machen. Waren bisher überwiegend Mönche oder Priester in die Geheimnisse der Baukunst eingeweiht, so verlagerte sich das Wissen nun zu profanen Baumeistern ( sie zeichneten die Pläne – allerdings nicht maßstabgetreu), sowie Steinmetzen, Malern und Bildhauern. Und eben alle diese weltlichen Handwerker, die am Bau eines Gotteshauses beschäftigt waren, schlossen sich zu einer Bauhütte zusammen. Aus dem Zusammenwirken in einer Bauhütte lässt sich u.a. der einheitliche Eindruck gotischen Kathedralen erklären.

Die Leiter der Bauausführung hießen oft Werkmeister (wercmeistere) oder Baumeister; sie gingen zumeist aus dem Steinmetzhandwerk hervor und waren die mittelalterlichen Architekten. Auch Bezeichnungen wie magister operis kamen vor. Bei der Ausführung hatten der Steinmetzmeister (magister lapicidae) und der Maurermeister (magister caementari) sowie der Sculptor  (Bildhauer) Bedeutung. Die Meister der Bauausführung wechselten bei jedem Bauwerk häufiger, schon auf Grund der langen Bauzeiten.

Die Baumeister waren im Grunde die mittelalterlichen Architekten und eigentlichen Schöpfer der Baukunst. Sie waren Universalgenies, Menschen, die über ein enormes Wissen verfügten, Meister der Baukunst, aber auch der Physik, Mathematik und Chemie. Träger von Wissen, das sie geheim hielten. Das neue Verständnis und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister zeigten sich darin, dass erstmals Baumeister und Künstler namentlich hervortraten. Kennen wir aus der Zeit der Romanik kaum einen Namen, so besaßen in der Gotik zahlreiche Baumeister einen besonderen Ruf und wurden gezielt mit der Errichtung von Kathedralen beauftragt.

Einige bekannte Grössen waren:

  • Meister Gerhard, Meister Arnold, Johannes von Köln, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus van Bueren und Konrad Kuene van der Hallen für den Kölner Dom
  • Wilhelm von Sens für die Kathedrale von Canterbury und von Sens
  • Michael Knab, Wenzel Parler, Hans Puchsbaum, Anton Pilgram und Jörg Öchsl für den Stephansdom in Wien
  • Baumeisterfamilie Parler, die gleich mehrere bekannte Kathedralen mitgestalteten, so das Basler, FreiburgerGmünder, Straßburger und Ulmer Münster sowie den Veitsdom in Prag
  • Werkmeister Guerin von der Kathedrale von St, Denis (13. Jh.), der wohl ersten gotischen Kathedrale
  • Werkmeister Hugues Liebergier (1229–1263) von der Abteikirche St.-Nicaise von Reimes
  • Werkmeister Pierre de Montreuil (um 1250) von der Kathedrale Notre-Dame de Paris
  • Juan Guas für die Kathedralen von Avila und Segovia
  • „Meister Enrique“ von Narbonne (Südfrankreich) für die Kathedralen von Léon und Burgos
Von David Jiménez Llanes - Eigenes WerkBenton, Janetta Rebold (2002) Art of the Middle Ages, World of Art, Thames & Hudson, S. 228–230 ISBN: 978-0-500-20350-7., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31695037 Kathedrale von León

Skulpturen in der Gotik

Die Skulpturen wurden zunächst für Kathedralen gefertigt und dort entweder innen oder außen an den Mauern der Kathedrale angebracht. Die gotische Plastik entsteht zunächst aus dem Wunsch heraus, die Fassaden der Kathedralen mit Standbildern, Reliefs und Figuren zu schmücken, die die Heilsgeschichte symbolisieren. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu voll rund gearbeitet sind. Ein Ensemble aus Tympanon, Bogenfries, Säulen, Statuen und Fundamentverkleidung macht das historische gotische Portal aus. Unter den eingemeißelten Themen finden wir neben der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht auch Szenen aus dem Alten Testament, die typologisch mit denen des Neuen Testaments korrespondieren. 

So unmittelbar an die Architektur gebunden stehen die säulenhaften Figuren mit starrem Blick immer im Bezug zum Wandhintergrund, benötigen eine Konsole, auf der sie stehen und einen Baldachin über dem Kopf. Die Figuren wurden zunehmend individualisiert, das heißt, sie bekamen eine eigene Gestik und Mimik, sowie eine eigene Körperhaltung. Die Skulpturen in der Romanik haben keinen Schwung in sich, was bei den Skulpturen in der Gotik anders ist, denn sie haben eine bewegte Darstellung. Mit einer ungezwungenen Eleganz und mit einem weich fließenden Gewand wird die Haltung der Personen in einer leichten S-Kurve dargestellt, was man auch als S-Schwung bezeichnet. Auch an der Kleidung der Skulpturen wurde gearbeitet, denn sie bekamen einen ausgeprägten Faltenwurf, der die gesamte Skulptur lebendiger aussehen ließ. Noch dazu wurden den Skulpturen mehr Details verliehen, sodass sie insgesamt näher an der Realität sind als die Skulpturen der Romanik. Zunächst waren die Skulpturen noch relativ statisch. Doch in der zweiten Hälfe des 14. Jhs. regte ein neuer Realitätssinn dazu an, weitere Gestaltungsmerkmale zu verwenden. 

Westliche Portalanlage von Chartres Von Rolf Kranz - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85693799
Gewände des Mittelportals der Westfassade der Kathedrale von Reims Von Szeder László - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3734097

Auch auf dem Gebiet der Plastik war zunächst Frankreich führend. Berühmte Beispiele sind die West- und Querhausportalfiguren von Chartres – um 1145 – sowie die Figuren der Kathedralen in Reims, Paris und Amiens. Im 13. Jahrhundert zur Stauferzeit schufen auch die deutschen Künstler Meisterwerke der gotischen Plastik.

Allein die 33 lebensgroßen und 200 kleinen Figuren auf einer vergleichsweise kleinen Fläche an den drei großen Westportalen der Kathedrale von Reims zeugen von einer bewundernswerten Kreativität und einem großen handwerklichen Können. Die Säulenstatuen an den drei Westportalen der Kathedrale von Chartres gehören wohl zu den berühmtesten Werken der gotischen Bildhauerei überhaupt. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Sie machen harten Stein geschmeidig.

Und wenn man bedenkt, dass man solch wunderbare Sammlungen gotischer Skulpturen auf hunderten von ähnlichen Kirchen findet, so kann man nur die außergewöhnliche Produktivität der Steinmetze des 13. Und 14. Jhs. bewundern. Viele Leistungen der Künstler in Frankreich, Spanien, England und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender.

Gotische Architektur in Spanien

Phasen:     1150 – 1250 Frühgotik, 1200-1350 Hochgotik, 1350-1550 Spätgotik (u.a. der Isabellastil) 1480-1510

Viel mehr noch als die romanische Bauweise hat sich die gotische Architektur in Spanien zuerst im Norden über den Jakobsweg in Richtung Westen ausgebreitet. In dieser Zeit entstanden einige der reinsten gotischen Kathedralen Spaniens, die der deutschen und französischen Gotik am nächsten standen.

Der gotische Baustil kam erst Ende des 12. Jh. mit der spanischen Architektur in Berührung. So kam es zu einer Übergangsphase mit einer Mischung des romanischen und gotischen Stils. Im 13. Jh. machte die Romanik schließlich den Weg für die reine Gotik frei. Mit dem Erfolg der Rückeroberung, dem Wachsen des spanischen Reiches und der später zufälligen aber dennoch lukrativen Entdeckung Amerikas fiel die gotische Architektur mit einer der erfolgreichsten Epochen der spanischen Geschichte zusammen. Sie ist auch hier voll von spektakulären und atemberaubenden Bauten besonderer Größe und Pracht.

Die Ausbreitung der gotischen Architektur in Spanien hatte drei Hauptgründe.

Der erste Grund war die enge Verbindung nach Frankreich. Ursache hierfür war, dass der Bezug zu Frankreich geographisch und vor allem politisch immer näher gelegen hatte. Schon in der Phase der Stabilisierung der christlichen spanischen Reiche während des 11. Jahrhunderts, die sich noch bis 1492 mit der muslimischen Herrschaft auf dem Südteil der Halbinsel auseinandersetzen mussten, war die Orientierung an französischer Kultur ein wichtiges Mittel gewesen, um Spanien wieder in das christliche Abendland zu integrieren. Entlang des Pilgerwegs ins galicische Santiago spielte die französische Kultur eine besonders große Rolle, denn auf dem camino francés waren nicht nur die Pilger aus Frankreich besonders zahlreich, sondern es gab dort auch eine Reihe von Städten, die ganz oder teilweise von französischstämmigen Einwohnern besiedelt waren.

Der zweite Grund ist die Ausbreitung des Zisterzienserordens und die damit verbundene straffe einheitliche Architektur, die zum Aufbau der großen Konvente des reformierten Ordens führten. Zuvor bestanden schon intensive Kontakte zum Kloster von Cluny, wurde doch die riesige Kirche von Cluny mit Geldern aus den Tributzahlungen der Mauren an die christlichen Herrscher mitfinanziert.

Der dritte Grund liegt in Heiratsverhalten der Könige von Kastilien und Leon begründet, da die Ehen mehrerer Könige mit Prinzessinnen aus den Häusern von Anjou, Burgund und Plantagenet die Einführung der französischen Gotik stark beeinflussten.

So ist nicht verwunderlich, dass die frühen großen gotischen Kathedralen Spaniens in Burgos, Toledo und León noch deutlich den französischen Vorbildern folgten; erst ab etwa 1300 beginnt eine größere Eigenständigkeit der spanischen Sakralarchitektur. Auf die verschiedenen Stile der spanischen Gotik wie Flamboyant-Stil oder isabellinischer Stil wird hier nicht genauer eingegangen.

Zu erwähnen ist noch als Besonderheit Spaniens, dass sich parallel zur Gotik der sogenannte Mudéjar-Stil entwickelte, der seinen Höhepunkt im 14.-16. Jh. hatte. So wurden mancherorts Pfarrkirchen oder andere Bauwerke von Mudéjares errichtet, bei denen die islamische Bautradition und romanische oder gotische Baukunst miteinander verschmolzen wurden. Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker nach der Reconquista in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind und hier ihr Handwerk ausüben durften. (s. Kapitel Mudéjar-Stil)

Hier werden einige der wichtigsten Kathedralen Spaniens aufgeführt, dabei wird nur der Beginn der Bauten angegeben, da die Fertigstellungen sich oft lange hinzogen (am Kölner Dom wurde 632 Jahre lang gebaut!) und es dadurch auch teilweise zu Überformungen mit anderen Stilen kam. Übrigens eine Kirche ist dann eine Kathedrale, wenn in ihr ein Bischof seinen Sitz hat. Auf die einzelnen Kathedralen muss gesondert eingegangen werden. Die Kathedrale von Santiago de Compostela wird nicht aufgeführt, da in ihr romanische und barocke Elemente deutlich überwiegen und nur kleine Bereiche (z.B. der Kreuzgang) gotisch sind. Auf die einzelnen Kathedralen kann auf Grund der Fülle der Informationen nur in eigenen Kapiteln eingegangen werden.

Cuenca                       ab 1196   Frühgotik

Burgos                       ab 1221  erste rein gotische Kathedrale in Spanien (Camino Francés)

Toledo                        ab 1226   (Camino de Levante)

Palma de Mallorca  ab 1229

Burgo de Osma        ab 1232

León                             ab 1255  (Camino Francés)

Barcelona                   ab 1298

Oviedo                        ab ca. 1300 (Camino del Norte und Camino Primitivo)

Girona                         ab 1312   breitestes Gewölbe der Gotik  (Camino de Gerona)

Pamplona                   ab 1391    (Camino Francés)

Sevilla                          ab 1401   größte gotische Kirche der Welt (Via de la Plata)

Salamanca                  ab 1513   (Via de la Plata)

Cordoba                      ab 1523   Einbau eines gotischen Kirchenschiffs in die ehemalige Moschee  (Camino Mozarabe)

Segovia                        ab 1525   letzte gotische Kirche in Spanien  (Camino de Madrid)

Von Ingo Mehling - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37545223 Kathedrale von Sevilla
Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088120 Kathedralevon Segovia
Westfassade Kathedrale von ToledoCC BY-SA 3.0, htts://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Westfassa
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