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Die Treidlerinnen von Bilbao

Die Treidlerinnen von Bilbao

Camino del Norte, Camino Primitivo

Der Begriff „Treideln“

Kennt Ihr das Wort treideln? Treideln (von lat. tragulare), auch Schiffziehen, Halferei, schweizerisch Recken, ist das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere, seltener auch durch Zugmaschinen oder Treidelloks.

Den Begriff kennt man nicht mehr überall, am ehesten in Regionen, die eine Fluss- oder Meereskultur aufweisen. An manchen Uferwegen großer Flüsse finden sich bis heute Bezeichnungen wie “alter Treidelpfad” oder “Leinpfad”. Sie erinnern an die archaische Arbeit der TreidlerInnen, mit der wir heute allerdings nur noch wenig verbinden können. Dabei hat es bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler oder Schiffszieher gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl. Die TreidlerInnen (in der Mehrheit Männer, in Bilbao ausschließlich Frauen) galten als Randgestalten der Gesellschaft.

In den Habsburgischen Erblanden wurde von 1783 bis 1790 Schiffziehen sogar als Strafe verhängt, nachdem Joseph II. die Todesstrafe so gut wie abgeschafft hatte. Von den 1173 Sträflingen, die zwischen 1784 und 1789 zum Treideln verurteilt worden waren, starben 721 bis zum Jahr 1790, was ein guter Hinweise auf die Härte der Arbeit ist.

Diese Frauen von Bilbao (baskisch “Zirgariak“, spanisch “Sirgueras“) zogen die Schiffe vom Ufer aus mit Hilfe eines dicken Schlepptaus von der Flussmündung in Getxo in den 14 Kilometer entfernten Hafen

Titelbild: Makeip – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=105658641

Ochsen durch Frauen ersetzt

Der Hafen von Bilbao war im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Handelsenklaven im Norden der iberischen Halbinsel, viele Waren wurden über ihn abgewickelt. Vor allem der Abbau von hochwertigem Eisenerz und dessen Verschiffung verlieh der Hauptstadt von Bizkaia Macht und Reichtum. Die Handelsschiffe jedoch stießen auf Höhe des heutigen Stadtteils Bilbao-Olabeaga auf eine unüberwindbare Barriere. Dort sammelte sich der Sand und die großen Überseeschiffe konnten sich nicht weiter Richtung Altstadt-Hafen bewegen.

Das bedeutete, dass die Waren auf Lastkähne umgeladen werden mussten, die wiederum mit Hilfe des Schleppseils vom Ufer aus in den Hafen gezogen wurden. Diese Arbeit wurde anfangs aufgrund der Schwere der Tätigkeit von Lasttieren, vornehmlich von Ochsen ausgeführt. Dabei ergab sich ein finanzielles Problem. Lasttiere wurden zu teuer, sie brauchten Nahrung, mussten untergebracht und gepflegt werden. Und wenn viele Schiffe gleichzeitig ankamen, mussten mehrere Ochsenpaare zur Verfügung stehen. Auch Männer hätten für diese schwere körperliche Arbeit in Frage kommen können, allerdings war ihre Verfügbarkeit durch die vielen Kriege im Laufe des 19. Jahrhunderts stark eingeschränkt (Napoleonische Kriege, Karlistenkriege). So kamen die Reeder auf die Idee, Frauen mit der Schlepp-Arbeit zu beauftragen und dabei höhere Profite zu machen. Denn Frauen wurden (wie bis heute und fast überall) geringere Löhne bezahlt.

Treidlerinnen in Bilbao

Der Treidelpfad

 Die Schiffe mussten an der Mündung auf Höhe der Stadt Portugalete zunächst eine breite Sandbank passieren, um flussaufwärts die verschiedenen Anleger anzulaufen und schließlich den Hafen von Bilbao zu erreichen. Diese Sandbank, “la barra de Portugalete“ genannt, war nicht die einzige Schwierigkeit, die es zu überwinden galt. Auf einer Strecke von 14 Kilometern von Portugalete bis zum Hafen vor der Brücke San Antón musste stets auf die Höhe des Wasserspiegels geachtet werden, besonders bei Ebbe, denn der Fluss wies mehrere flache Stellen auf, auch mehrere kleinere Sandbänke, die sich auf unberechenbare Weise bewegten. Teilweise gab es auch Marschland und Erhebungen am Grund, auf denen sich Sand oder Schlamm ansammelten.

Flussabwärts wurden von Bilbao bis zur Mündung alle Boote entlang des gesamten linken Ufers vertäut, um das rechte Ufer freizulassen, an dem die Kähne und Boote am Schlepptau gezogen wurden. Dafür gab es auf der gesamten Länge des rechten Flussufers einen ununterbrochenen Weg, von Areeta / Las Arenas (Getxo) bis Bilbao. Dieser Weg wurde Treidelpfad genannt. Der Schleppdienst war vom Hafeningenieur abhängig und wurde per Auktion vergeben, wobei Kähne und kleine Boote den gleichen Service genossen wie Segelschiffe.

 

Ende der Treidlerei in Bilbao

 Unter diesen naturgegebenen Bedingungen der Flussmündung des Nervión war die Zuhilfenahme des Schleppseils bis Ende des 19.Jahrhunderts unabdingbar. Die zunehmende Bedeutung des Hafens von Bilbao im Zusammenhang mit dem wachsenden Eisenerzabbau und der Industrialisierung der gesamten Region führte dazu, dass sich immer mehr und immer größere Schiffe einfanden. Der Fluss wurde zum entscheidenden Handelsweg und das starke Verkehrsaufkommen drängte nach einer Lösung.

Im Jahr 1877 wurde der für Straßen, Kanäle und Häfen zuständige Bauingenieur Evaristo de Churruca y Brunet (1841-1917), mit dem Bau einer Kaimauer beauftragt, die die Mündung vom Problem der Sandbank befreien sollte. Nach mehrjähriger Bautätigkeit wurden im Jahr 1887 gleich zwei Kaimauern eingeweiht.

Mit diesem Bau wurde das Problem der Schiffbarkeit des Hafens von Bilbao weitgehend gelöst, nachdem eine etwa achtzig Meter breite Passage mit einer Mindesttiefe von 4,58 Metern bei Ebbe geschaffen wurde. Damit gehörte das Schleppseil der Vergangenheit an

Canal de Midi Treidelpfade Von Peter Gugerell, Vienna, Austria - Own Photopraph, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2868903

Verächtlich betrachtete Tagelöhnerinnen

Jene Frauen, die diese knüppelharte Arbeit in der Not auf sich nahmen, waren dazu gezwungen, um ihr täglich Brot zu verdienen. Deshalb wurden sie verächtlich auch als “ganapanes” (Brot-Verdienerinnen) bezeichnet. Dieser abwertende Spitzname kam zustande, weil sie nach einem arbeitsreichen Tag gerade mal die allernötigsten Lebensmittel erwerben konnten. Not und Spott fielen wieder einmal zusammen. Die Treidlerinnen waren von der Gunst der Reeder abhängig. Sie mussten sich an Ort und Stelle präsentieren, wurden jedoch nicht immer ausgewählt und beauftragt, weshalb sie bisweilen unverrichteter Dinge heimkehrten mussten und keine Tageseinnahme hatten. Dieses Prinzip spiegelt sich im Begriff “Tagelöhner“ wider. Sie verdingten sich für einen Tag, ohne zu wissen, was am Folgetag geschehen würde.

Die Frauen waren mit einem dicken Schleppseil, das ihnen um Brust und Schulter gelegt war, miteinander verbunden. So bildeten sie eine Kette und zogen in gebeugter Haltung unter größtmöglicher körperlicher Anstrengung die Schiffe vom Ufer aus. Wenn das Seil versagte, kam es vor, dass die Frauen aufgrund ihrer nach vorn gebeugten Haltung mit dem Gesicht voran auf den Boden fielen. Teilweise hatten sie auch ein Messer oder Beil dabei, um bei Gefahr das Seil zu kappen.

Erinnerung an die Treidlerinnen in Bilbao

Dieses Stigma schloss sie aus der offiziellen Geschichtsschreibung Bizkaias aus. Tatsache ist, dass ihre Geschichte praktisch unbekannt war, bis ihnen vor wenigen Jahren Imanol Barbería eine Forschungsarbeit mit anschließender Buchveröffentlichung widmete.

Die Treidlerinnen von Bilbao sind seit dem 1. Mai 2021 mit einer Skulptur an der Uferpromenade in der Nähe des Guggenheim Museums verewigt (s. Bild oben). Die Künstlerin Dora Salazar war mit der Aufgabe betraut worden, eine Skulptur in Erinnerung an die Treidlerinnen zu errichten. Diese besteht aus vier Frauen von 2,5 Metern Höhe, die mit einem dicken Seil miteinander verbunden sind. Sie würdigt den schweren und zermürbenden Arbeitseinsatz dieser Frauen.

Bereits im Dezember 2016 war ein Fußweg im Bilbao-Stadtteil Olabeaga nach ihnen benannt worden: “Muelle Sirgueras“ (Mole der Treidlerinnen).

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin

Das Schicksal der TreidlerInnen in anderen Ländern

Es hat bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl.

So ist z.B. das Treideln am Rhein seit dem 8. Jahrhundert belegt und auf der Weser wurden seit dem Mittelalter Weserkähne gegen die Strömung getreidelt. Vor allem in Frankreich, wo ab dem 17. Jahrhundert zahlreiche schiffbare Kanäle entstanden, wurden vielfach Schiffe getreidelt. Kanäle wie der 1694 fertiggestellte Canal de Midi, wo mit Menschen und Pferden getreidelt wurde, weisen nach wie vor beidseitig Leinpfade auf.

Tatsächlich waren die Arbeitsbedingungen für Tier und Mensch überaus hart und mühevoll und alles andere als beschaulich. Oft aber ist das Wissen und die Erinnerung an die TreidlerInnen verloren gegangen. Denn die TreidlerInnen galten als Randgestalten, die selbst für die Künstler uninteressant waren. So haben sie kaum die Vorstellungen vom Arbeitslebens an den Flüssen geprägt.

Auch von den Treidlern an der Wolga wissen wir bis heute wenig. Die Schiffszieher an der Wolga, auf Russisch Burlaki, waren im Handel zwischen Moskau und dem Kaspischen Meer eine nicht wegzudenkende Größe. Fernab der großen Städte führten sie ein beschwerliches, manchmal auch freies Leben. Treideln an der Wolga war eine saisonale Tätigkeit, die vor allem von jungen Männern aus dem Bauernstand ausgeübt wurde. Sie versprach zusätzliche Einkünfte in einer Zeit, in der nicht nur der Handel zunahm, sondern sich auch die Leibeigenschaft verschärfte. Der Lohn ging größtenteils an den Gutsbesitzer, ein kleinerer Teil blieb bei der Familie. Sie waren viele und ihre Lieder, die in Russland sehr beliebt waren, erinnern noch an ihre mühevolle Arbeit.

Dass sie berühmt geworden sind, verdanken wir einem Gemälde. Der ukrainisch-russische Maler Ilja Repin (1844-1930) malte 1873 das Bild “Die Wolgatreidler“, das ihn selbst fast über Nacht berühmt machte. 

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin
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Die Küste der Dinosaurier – von Ribadesella bis Gijon

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Camino del Norte, Camino Primitivo

Vor mehr als 150 Millionen Jahren, in der Jurazeit, bevölkerten die Dinosaurier die Erde. Es dauerte noch 63 Millionen Jahre, bis der Mensch auf der Erde erschien! Vom Durchzug dieser Kreaturen durch die asturischen Gebiete gibt es auch heute noch zahlreiche Spuren an der Ostküste.

Als Küste der Dinosaurier wird die nordspanische Atlantikküste zwischen Gijon und Ribadesella im Osten von Asturien bezeichnet. Entlang an einem etwa 65 km langen Küstenstreifen sind zwischen herrlichen weiten Sandstränden und Steilküste unzählige Spuren von Sauriern im Gestein verborgen. Die Küste der Dinosaurier ist charakterisiert durch eindrucksvolle Knochenfunde und versteinerte Spuren aus der Zeit der Dinosaurier vor 150 bis 200 Millionen Jahren. Der gute Zustand, die breite morphologische Vielfalt und die hohe Anzahl erhaltener Spuren tragen mit dazu bei, dass die asturischen Ichnitenfunde (versteinerte Fußabdrücke) zu den wichtigsten europäischen Fundstätten dieser Art gehören. Ein hervorragendes Dinosaurier-Museum befindet sich in der Nähe von Lastres, nicht weit von der Playa La Griega (Colunga).

Sauropode des Oberjura Von Creator:Dmitry Bogdanov - dmitrchel@mail.ru, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4012480

Die Abdrücke der Dinosaurier

Wenn sich die Dinosaurier über den Schlamm oder Sand der Gegend bewegten, hinterließen sie Fußabdrücke, die auch als Ichniten bekannt sind. Die Sedimentationsbedingungen sind sehr günstig für die Erhaltung von Fußabdrücken und Knochen von Dinosauriern und anderen Reptilien der damaligen Zeit, wie Plesiosauriern, Pterosauriern, Ichthyosauriern und Krokodilen. Als sich die Ichniten bildeten, war der Boden weich.  Aufgrund der Sedimentbedingungen mit den entsprechenden Flut-, Delta- und Seekonditionen wurden sie zu hartem Fels und sind bis heute fast intakt erhalten geblieben.

https://www.turismoasturias.es/de/descubre/naturaleza/espacios-protegidos/monumento-natural-de-los-yacimientos-de-icnitas

Die Ichniten der asturischen Küste weisen eine Reihe von Merkmalen auf, die sie zu einem einzigartigen Beispiel machen, wenn es darum geht, das Leben einer Gemeinschaft von erstaunlichen Lebewesen zu rekonstruieren. Sie sind ein Beweis für den Reichtum und die Vielfalt der Dinosaurier, die Asturien während der Jurazeit bewohnten. Aus ihrer Untersuchung geht hervor, dass sowohl zweibeinige Dinosaurier (Tropopoden und Ornithopoden) als auch Vierbeiner (vor allem Sauropoden) in diesem Gebiet lebten. Nach der Größe dieser Fußabdrücke zu urteilen, gab es in Asturien Dinosaurier von sehr unterschiedlicher Größe: von sehr klein, etwa so groß wie ein Vogel, bis hin zu riesig, wie im Fall der Brachiosauriden. Die Ichniten vom Strand von La Griega sind die größten in Spanien und gehören zu den größten der Welt. Der größte Abtritt misst hier 1,20 Meter im Durchmesser und ist damit der zweitgrößte, der weltweit jemals gefunden wurde. Unten sind die Dinosaurier dargestellt, deren Fußabdrücke man an der asturischen Küste gefunden hat.

Kurz Erläuterung:

Tropoden sind eine systematische Gruppe, die traditionell den Echsenbeckensaurier (Saurischia) zugeordnet wird. Die fossilen Vertreter bewegten sich zweibeinig und waren zum größten Teil Fleischfresser. Kladistisch gesehen umfassen die Theropoden auch die Vögel, die im Jura nachweislich aus nicht flugfähigen Theropoden hervorgingen.

Die Ornithopoden sind eine Unterordnung der Dinosaurier innerhalb der Vogelbeckensaurier. Ihre Angehörigen waren fast ausschließlich zweibeinige.

Die Sauropoden sind eine Gruppe von Echsenbeckensauriern und waren eine  der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Gruppen vierfüßigen pflanzenfressender Dinosaurier. Sie gehören zu den in der Populärkultur am häufigsten dargestellten Dinosauriern und treten in vielen Dokumentar- und Spielfilmen auf. 

 

https://www.ferienwohnungen-spanien.de/Colunga/artikel/costa-de-los-dinosaurios-die-kuste-der-dinosaurier-asturien Dinosaurier an der spanischen Nordküste

Route der Fundstätten

Es gibt eine überraschende Route zur Entdeckung der Fundstätten, der man durch drei Gemeinden folgen kann.

In Villaviciosa sollte man den Strand von Merón, die Steilküste von Oles und den Leuchtturm und Hafen von Tazones besuchen;

in Colunga die Steilküste von Llastres und den Strand von La Griega;  

in Ribadesella den Strand von Vega, die Steilküste von Tereñes und den Strand von Ribadesella/Ribeseya.

Zum Einstieg in die Zeiten von Tyrannosaurus und Co. empfiehlt sich Ribadesella. Das asturische Örtchen verfügt über einen lang gezogenen Sandstrand, die Playa de Santa Marina. Östlich davon wechselt der Untergrund von sandig auf felsig. Graublaue und lehmiggrüne Felswände bauen sich auf. Dann plötzlich, in etwa sieben Meter Höhe, sind deutlich zentimetertiefe Fußspuren zu erkennen, klobige, rundliche Dinofußspuren.

Aber warum auf einer schrägen, beinahe senkrechten Felswand? Die asturischen Dinosaurier konnten natürlich weder die Schwerkraft aushebeln, noch hatten sie Saugnäpfe unter den Sohlen. Die Antwort: Durch Gesteinsverschiebungen im Lauf der Erdgeschichte wurden die einstigen Trampelpfade der mitunter gewaltigen Landwirbeltiere in die Vertikale befördert

Kurz hinter Ribadesella erreicht man auf asphaltierter Straße den Weiler Tereñes. Ein Hinweisschild “Rastros de dinosaurios” weist Richtung Meer.

Auf einem Trampelpfad geht es etwa 500 Meter in Richtung Küste. Das schroffe Ufer, genannt Acantilados de Tereñes, steht bei Flut unter Wasser. Hier hat ein Urzeitlebewesen eine rund 15 Meter lange, inzwischen versteinerte Spur hinterlassen. 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

In Colunga, einer typischen asturischen Provinzstadt mit altem Ortskern, folgt man den Hinweisschildern zum Playa de la Griega. Nach etwa einem Kilometer ist auf einer Anhöhe bereits das Museum zu erkennen. Doch statt nach links dorthin abzubiegen, nehmen Dino-Wanderer zunächst den kleinen Weg Richtung Playa de la Griega.

Der Playa de la Griega ist nicht nur wegen seiner idyllischen Lage eine echte Attraktion. Unweit des Sandstrands fanden Forscher vor wenigen Jahren im grauen Fels ein paar der größten Dinosaurierfußspuren, die jemals vermessen wurden.

In Villaviciosa ist der Strand von Meron von Interesse. Die Merón-Dinosaurier-Fußabdruckstätte befindet sich auf der westlichen Seite des Strandes. 

 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html
http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

Museo del Jurásico de Asturias

Vom Playa de la Griega sind es schließlich noch knapp über zwei Kilometer, bis das Asturische Jura-Museum – natürlich in Form eines Dino-Fußabtritts errichtet – erreicht ist. Über 8000 Fossilien aus dem Trias, dem Jura und der Kreidezeit sind hier zu bestaunen, außerdem ragen gigantische Sauriermodelle bis zur Decke hoch.

 

Der größte Saurier Europas

Übrigens wurde der bislang größte Saurier Europas (30 m lang und 48 Tonnen schwer) ebenso in Spanien gefunden, allerdings nicht in Asturien, sondern in der Provinz La Rioja, weiter östlich. Der 150 Millionen Jahre alte Sauropode (Turiasaurus riodevensi) wurde 2006 von spanischen Paläontologen entdeckt. Es wurden riesige Knochenreste ausgegraben, sein Oberschenkel allein war so groß wie ein Mensch.

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El Cid – eine Legende, die weiterlebt

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Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

Viele Länder haben einen Nationalhelden, z. B. Frankreich Jeanne d´Arc, Indien Mahatma Ghandi, Südafrika Nelson Mandela, die Schweiz vielleicht Wilhelm Tell und Spanien eben El Cid. Er gilt u.a. als Symbol für die Einheit Spaniens, für den Sieg der Christenheit über den Islam auf der Iberischen Halbinsel, für selbstlose kriegerische Tapferkeit. War er das wirklich oder ist El Cid nur ein Mythos?

Wer ist dieser “El Cid”,  mit eigentlichem Namen Rodrigo de Vivar?

Herkunft und Aufstieg

Er wird um 1043 geboren, in dem Ort Vivar in der Nähe von Burgos in Kastilien. Das genaue Datum seiner Geburt ist nicht bekannt. Dank seines Vaters, der von niedrigem Adel ist, genießt er eine gute Erziehung, neben Jagen, Reiten und Waffengebrauch gehört auch Schreiben und Lesen dazu. Seine Karriere beginnt er 1058 als Page am Hof von König Ferdinand I. von Kastilien und hier wird er auch in den Ritterstand erhoben.

Nach dem Tod von Ferdinand 1065 wird das Reich unter seine drei Söhne aufgeteilt. Der Freund und Förderer Rodrigos Sanchos II. besteigt den Thron Kastiliens, Alfons wird König von Leon und Garcia erhält das unbedeutendere Galicien. Allerdings kommt es schon bald zu einem mörderischen Krieg zwischen den Brüdern mit dem Ergebnis, dass Sanchos die Teilbereiche 1071 wieder unter seine Herrschaft vereinigt. Rodrigo hat als militärischer Berater des Königs und als Ausbilder der Milizen großen Anteil am Sieg Sanchos.

Dieser stirbt allerdings relativ bald durch einen Verräter und sein Bruder Alphons VI. übernimmt die Herrschaft in Kastilien. Rodrigo bleibt zunächst am Königshof, obwohl er nicht mehr der Bannenträger des Königs ist, da dieser ihm misstraut. Er heiratet mit Billigung des Königs im Jahr 1075 die asturische Adelige Jimena, was für ihn gleichzeitig mit einem gesellschaftlichen Aufstieg verbunden ist.

Entgegen der späteren Geschichtsschreibung gibt es zu dieser Zeit noch keine gezielte Reconquista. Vielmehr bekämpfen sich die christlichen Reiche untereinander ebenso wie die muslimischen Taifas. Sie gehen auch zur Durchsetzung ihrer Ziele gegenseitige christlich-muslimische Bündnisse ein. Das erklärt auch die folgenden Ereignisse.

By photographer: ElCaminodeSantiago09 2006 - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/14/Monumento_al_Cid_%28Burgos%29_01.jpg, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27939493

Verbannung

Im Jahr 1081 kommt es zu einer entscheidenden Wende im Leben Rodrigos. Er wird von Alfons VI. aus dem Königreich Kastilien verbannt, da er einige eigenmächtige Entscheidungen getroffen hat, u.a. da er eigenmächtig das maurische Königreich von Toledo angegriffen hat, das ein Vasall des kastilischen Königs ist, und da er zudem den Schwager des Königs, Graf Ordonez, düpiert hat, der sich mit Verleumdungen gegen Rodrigos rächt.

Allerdings findet Rodrigo schnell wieder einen Dienstherrn, den Muslim al Mu´tamin, den Herrscher des Staates Zaragoza. Er hat bereits früher Kontakt zu diesen gehabt. Der Herrscher von Zaragossa ist 1063 ein Verbündeter Kastiliens bei einem Feldzug gewesen.

Die in der spanischen Geschichtsschreibung häufig zu findende Trennung in brave Christen und gefährliche Muslime traf im Mittelalter keineswegs zu. Die Allianzen zwischen den Herrschaften wurden in der Regel nach realpolitischen Kriterien vorgenommen und nicht aufgrund der Religionszugehörigkeit. Erst später mit dem Eintritt der puritanischen und fanatischen Almoraviden und dem Vormarsch der Reconquista änderte sich dies.

Rodrigo kämpft nun fünf Jahre lang für das muslimische Zaragossa mit einer eigenen Söldnertruppe sowohl gegen Mauren als auch Christen, aber nie gegen seinen früheren Herren. Bei diesen Feldzügen ist er nicht nur siegreich, sondern er wird durch Plünderungen auch reich. Seine Erfolge bringen ihm den Respekt der Mauren ein, so dass diese ihn Al Cid („der Herr“) nennen.

Alfons VI. ist in dieser Zeit bei seinen Feldzügen ebenfalls sehr erfolgreich und kann 1085 Toledo einnehmen. Die Taifa-Fürstentümer rufen nun die Almoraviden in Nordafrika zur Hilfe. Dadurch änderten sich die Machtstrukturen in Hispania. Die Almoraviden, eine fanatisch-religiöse Berberdynastie aus dem Norden Afrikas, die nach Spanien vordringen, schlagen das Heer von Alfons in der Schlacht von Sagrajas vernichtend. Gerade 100 christliche Ritter und der verwundete König können sich retten. So kommt es zur Annäherung zwischen Rodrigo und dem König, der dringend einen erfolgreichen Feldherrn benötigt. Er hebt die Verbannung Rodrigos auf und gesteht ihm das Privileg zu, alle Gebiete, die er von den Mauen einnimmt, als erbliches Lehen zu behalten. Aber das Bündnis zwischen Alfons und Rodrigo hält nicht lange.

By Té y kriptonita - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4774388

Eroberung Valencias

In der Folge beginnt Rodrigo seine Strategie, das muslimische Königreich Valencia unter seine Herrschaft zu bringen. Nach Siegen gegen den christlichen Grafen von Barcelona und die muslimischen Almoraviden erobert er nach dreijähriger Belagerung 1094 Valencia.  Offiziell verwaltet nun El Cid Valencia als oberster Richter und Herr (Señor) für König Alfonso VI, aber faktisch hat der König dort nichts zu sagen.

Zunächst ist El Cid gleich streng und gerecht zu den muslimischen und den christlichen Einwohnern Valencias. Er regiert die Stadt mit Hilfe jüdischer Beamten aus Valencia. Aber im Laufe der Zeit wird sein Regiment doch rigider. Gegner des Regimes werden der Stadt verwiesen und müssen sich außerhalb der Mauern in der Vorstadt Alcúdia ansiedeln, während wohlhabende Parteigänger des Cid ihre Besitzungen und innerstädtischen Häuser behalten dürfen. Zeitgleich wird der Status des Cid zum „Prinzen“ aufgewertet, weil seine Töchter in einflussreiche Familien einheiraten. 

In der Zeit seiner Herrschaft in Valencia gelingt es Rodrigo mehrmals die bislang unbesiegten Almoraviden zu besiegen und so sein Reich, das ja von feindlichen Territorien umgeben ist,  zu sichern. In den Augen von immer mehr spanischen Christen wird der Ritter, der gegen alle Wahrscheinlichkeiten eine Stadt tief im Feindesgebiet hält, zu einem Streiter Gottes, der im Namen des Kreuzes gegen den Islam zu Felde zieht.

Im Jahr 1099 stirbt er wohl nach einer Pfeilverletzung. Auch um seinen Tod rangt sich eine Legende. Angeblich nimmt er seinen Gefolgsleuten auf dem Sterbebett das Versprechen ab, den Feind erneut anzugreifen. Seinem Wunsch entsprechend bindet man den sorgfältig geschminkten Leichnam vor der Schlacht in voller Rüstung aufs Pferd. Sein Hengst Babieca trägt den Toten mit dem Schwert in der Hand ins Getümmel voran. Auf diese Weise motiviert, errangen seine Leute einen glänzenden Sieg über die von der Erscheinung des Totgeglaubten erschreckten Berber. Die ganzen Mühen und Bestrebungen des Cid um Valencia sind allerdings auf Dauer vergeblich. Seine Witwe konnte die Stadt noch drei Jahre gegen die Übermacht der Almoraviden halten. Als sie aufgeben muss, greift Alfons in die Auseinandersetzungen ein. Gegen die Übermacht der Mauren lässt der Monarch die Stadt in Flammen aufgehen, um sie nicht den Feinden zu überlassen, ehe er mit Jimena, dem Leichnam El Cids und seinem Gefolge den Rückweg nach Kastilien antritt. El Cid und seine Gemahlin werden in der Kathedrale von Burgos beigesetzt. Schon zur damaligen Zeit verbreitet sich von den Schreibstuben der iberischen Klöster ausgehend der Mythos von “El Cid” – dem loyalen Untertanen und Helden der Christenheit.

Chronik aus dem 16. Jh. Public Domain, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=23298444

Der Mythos El Cid

Für die einen ist er ein skrupelloser Opportunist, dem es vor allem um Ruhm und Reichtum geht. Für die anderen ist er das ritterliche Idol des Mittelalters, ein selbstloser Streiter für die christliche Sache, der Kämpfer für die Reconquista — also ein Held des christlichen Spaniens. Diese letzte Vorstellung ist wohl die, die sich durch die Literatur zu El Cid verfestigt hat. Es ist interessant und  auch irgendwie überraschend, dass man von diesem „spanischen Helden“ erzählt, aber trotzdem den Namen, den die Araber ihm gegeben haben, „El Cid“ ( Der Herr) beibehält und weniger den spanische Ehrentitel „El Campeador“ (Meister des Schlachtfeldes). Er war auf jeden Fall der Meister wechselnder Allianzen und somit ein Symbol für diese verwirrenden Jahrhunderte Spaniens, in denen sich die Grenzen und die Tributpflicht der Emirate und der christlichen Fürsten vielfach veränderten.

Im 12. Jahrhundert kommt das epische Gedicht „El Cantar de mio Cid“ auf, in dem der Cid erstmals namentlich erwähnt und zum Helden des Kreuzzugs gegen die Moslems stilisiert wird. Die mündliche Überlieferung soll im Jahr 1140 entstanden sein, die ein Pere Abat dann 1207 zu Papier gebracht hat, welches aber verschollen ist. Eine Abschrift namens Poema del Cid datiert aus dem Jahr 1235 oder 1309. Sie gehört zu den ältesten und wichtigsten literarischen Werken Spaniens und wird in der Spanischen Nationalbibliothek in Madrid aufbewahrt.

In dem Werk wird der Cid als die Idealfigur spanischen Rittertums verherrlicht und (unhistorisch) als Verfechter oder Vorreiter der Kreuzzugsidee dargestellt. Deshalb wird großzügig darüber hinweggesehen, dass der Cid lange Zeit im Dienste maurischen  Fürsten stand, denn er soll als Verteidiger der Christenheit und als Sieger über die Mauren erscheinen. Das Heldenepos ist eines der großen Werke der spanischen mittelalterlichen Literatur und macht mengenmäßig mehr als die Hälfte der überlieferten spanischen Heldenepik aus. Ab dem späteren Mittelalter wird der literarische Stoff des Cantar zum Sujet  einer Vielzahl von nachgedichteten Ritterromanen, Chronistenberichten und Erzählungen.

Der Stoff und die Figur des Cid beschäftigte Autoren und Komponisten (Il gran Cid von Niccolo Piccini 1766, Die Infantin von Zamora von Johann AndréIl gran Cid von Giovanni Paisiello 1775, Der Cid von Théodore Gouvy 1862, Le Cid von Jules Massenet 1885 und Rodrigue et Chimène von Claude Debussy 1893) bis in die jüngste Zeit hinein. So veröffentlichte auch Herder 1805 eine Ballade über den spanischen Ritter , die besonders in der Romantik großen Anklang fand. In Spanien erschien 1929 das viel beachtete historische Standardwerk La España del Cid (deutsch Das Spanien des Cid, München 1936–1937) des Philologen und Historikers Ramón Menéndez Pidal (1869–1968). Trotz seines wissenschaftlichen Ansatzes trug er mit seinem teilweise verklärten Blick stark zur Überhöhung der Figur zum “Nationalhelden” und zum Weiterleben der Vorstellung von El Cid als einem ritterlichen Helden „ohne Furcht und Tadel“ bei.

Das Leben Rodrigos wurde bislang zwei Mal verfilmt. 1910 drehte Mario Caserini seinen “Il Cid”. Weitaus bekannter ist der von Anthony Mann im Jahre 1961 gedrehte Historienfilm El Cid mit Charlton Heston und Sophia Loren in den Hauptrollen. Im April 2005 kam der spanische Zeichentrickfilm El Cid – Die Legende (2003, Originaltitel: El Cid: La Leyenda) in die deutschen Kinos. Für Prime Video entstand 2020 die fünfteilige Serie El Cid als Geschichtsdrama. 2021 kam die Fortsetzung in einer 2. Staffel, ebenfalls bestehend aus 5 Folgen.

Die Vorstellung: „El Cid kämpfte nie für persönlichen Reichtum oder Ruhm, er kämpfte um die Vergebung seines Königs und für seine Ehre“ wird in all diesen Darstellungen reproduziert.  Dass dies offensichtlich wenig mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat, interessiert dabei kaum. So wird der Mythos „El Cid“ bis in die heutige Zeit weiter verfestig

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„Die Witwen der Lebenden und Toten“ – die zwei Gesichter der Auswanderung nach Südamerika

„Die Witwen der Lebenden und Toten“ – die zwei Gesichter der Auswanderung nach Südamerika

Camino del Norte, Camino Primitivo

Phasen der Auswanderung nach Südamerika

Die neuere Geschichte Spaniens ab dem 19. Jahrhundert ist eine Geschichte des Auswanderns. Selbst in den Glanzzeiten des spanischen Weltreiches verließen Hunderttausende aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat, um in anderen Ländern ihr Glück zu suchen. Lateinamerika war seit den Tagen der Entdeckung des neuen Kontinents das Hauptziel der Auswanderer. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts veränderten sich die Wege der Migration.

Bildquelle akg aus planet-wissen.de/geschichte/neuzeit/auswanderer

Die spanische Auswanderung nach Südamerika begann im frühen 16. Jh. Während des 16.-18. Jahrhunderts hatte die Auswanderung spanischer Bürger in die amerikanischen Kolonien vor allem das Ziel, die dortigen Machtverhältnisse zu stützen und in den Kolonien zu arbeiten: Soldaten (sowie deren Familien) und Geistliche bildeten die beiden großen Gruppen der ersten Einwanderer. Durch die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung der Kolonien (vor allem von Argentinien, Brasilien, Kuba, Puerto Rico, Mexiko, Uruguay und Venezuela) nahm der Anteil der Emigranten aus wirtschaftlichen Gründen zu, während die Zahl der Soldaten abnahm. Unter anderem durch die Abschaffung der Sklaverei wuchs der Bedarf an Arbeitskräften in Südamerika schnell, nicht zuletzt auch, weil im Zuge der Kolonialisierung Südamerikas große Teile der indigenen Bevölkerung ausgelöscht wurden.

Als die lateinamerikanischen Kolonien sich unabhängig erklärten und sich von Spanien zu lösen begannen, kam es zu einer Rückreisewelle. Aber viele Spanier blieben und auch neue wurden angeworben, da die Länder einen hohen Bedarf an Arbeitskräften hatten.

Mit der Weltwirtschaftskrise endete die Epoche der lateinamerikanischen Immi­grationspolitik schlagartig: Waren bis 1930 fast 5 Mio. Spanier nach Lateinamerika ausgewandert, so schotteten sich die meisten Länder nach der Krise fast vollständig ab: Die Zahlen lagen zwischen 1880 und 1930 bei durchschnittlich fast 89.000 spanischen Einwanderern jährlich, doch sank die Zahl zwischen 1931 und 1936 auf nur noch 15.500. Außerdem wurde die Auswanderung durch das franquistische Regime unterbunden.

Aber der spanische Bürgerkrieg führte trotzdem zur Auswanderung von einer Million Spanier diesmal aus politischen Gründen.

Mit der Änderung des Auswanderungsgesetzes 1971, welches sich mehr an einer innereuropäischen Migration orientierte und diese förderte, der Demokratisierung Spaniens nach Francos Tod 1975, dem EU-Beitritt 1986 und einer zunehmend als unsicher empfundenen Situation in Amerika, nahm die Zahl der Amerika-Emigranten immer mehr ab. Wenn dann wanderten Spanier zum Arbeiten nach Frankreich, Deutschland oder in andere europäische Staaten. (s. auch unter der Rubrik Geschichten das Kapitel „Altes Mütterchen“) .

South Amerika 1899 Von Henry Lange - "Volksschul-Atlas", Dreihundertste Auflage, George Westermann in Braunschweig, 1899. Scan made by Olahus, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1638733

Das Beispiel Galicien

Eine frühe Welle galicischer Migration begann bereits im 18. Jh., als Tausende Galicier nach Andalusien, Kastilien und Portugal wanderten, um als Tagelöhner bei Großgrundbesitzern oder in den Städten als Dienstboten oder Wasserträger zu arbeiten. Die Hauptphase galicischer Auswanderung nach Übersee begann etwa 1860 und dauerte bis 1936.

Zwischen 1885 und 1930 wanderten mehr als 900.000 Galicier nach Lateinamerika, in vielen Einzeljahren dieser Periode stellten sie das größte Kontingent spanischer Auswanderer. Hauptgrund war die im dörflich geprägten und kaum entwickelten Galicien grassierende Armut. Mehr als die Hälfte der galicischen Auswanderer zog nach Argentinien ; fast ein Drittel wanderte nach Kuba  aus; drittwichtigstes Zielland war Brasilien.

Beweggründe und harte Realität

Die gali­cische und asturische Landbevölkerung war bereits an eine kurzfristige Emigration nach Kastilien gewöhnt, wo sich besonders die Männer als Saisonarbeiter verdingten, um die Familie am Leben zu erhalten. Aufgrund von Armut, Hungersnöte, politische und soziale Erschütterungen, unzureichende Lebensperspektiven ließen viele – vor allem (junge) Männer – ihr Land hinter sich und träumten von einer besseren Zukunft in den Kolonien und davon reich zu werden. Es gibt einen Spruch, der lautet: „Wenn der Galicier hungert, wird er nicht deprimiert, sondern wandert aus“.

Sie hatten große Träumen, die meiste Zeit über war das aber nicht das El Dorado, das ihnen versprochen worden war, sondern sie mussten unter harten Bedingungen arbeiten, die z.T. der Sklaverei sehr nahekamen. Viele der Emigranten scheiterten. Gebrochene Illusionen, Lügen und hohe Alkoholgenuss waren teilweise die Realität. Viele kamen arm und nicht wie erträumt reich nach Hause, viele versuchten es trotzdem noch einmal, viele kehrten nie wieder in die Heimat zurück. Ihre Frauen befanden sich in einer komplizierten rechtlichen Situation, da sie zwar keine Witwen waren, ihr Leben aber auch mit niemand anderem teilen konnten. So spricht Rosalia de Catro (1837 – 1885) in einem ihrer Gedichte von den viúdas dos vivos e as viúdas dos mortos (den Witwen der Lebenden und den Witwen der Toten). Dieser Begriff wurde später literarisch vielfach aufgegriffen.

Trotzdem waren die Emi­granten schon ab dem 18. Jahrhundert eine wichtige Geldquelle für die Daheimge­bliebenen. Ohne die „remesas“ (Überweisungen) wäre das Leben gerade in den ärmeren Regionen Spaniens, z.B. Galicien oder Asturien, noch härter gewesen, und viele Familien waren von diesen Geldsendungen abhängig. Dass die Überweisungen der Emigranten für die Daheimgebliebenen z.T. lebenswichtig ist , daran hat sich ja leider in den Jahrhunderten bis heute nichts geändert.

Das Schicksal der Witwen der Lebenden und Toten

Das Oxymoron „Witwen der Lebenden“, das im ländlichen Galizien immer noch im Volksmund verwendet wird, scheint im 19. Jahrhundert entstanden zu sein.

Der männliche Überhang bei der frühen Auswanderung bringt das Gleichgewicht der Geschlechter in den Dörfern durcheinander –  die Männer fehlen. Die wirtschaftliche Situation, die soziale Entwicklung und die populäre Poesie scheinen in Galizien zusammengekommen zu sein, um eine dörfliche Kultur zu entwickeln, die in Liedern und Gedichten auf die Situation der Frauen hinzuweist. Mussten diese Frauen doch in der Einelternfamilie zuhause alles alleine meistern, sei es die Arbeit auf den Feldern, die Armut zuhause, die Erziehung der Kinder. Irgendwo stand einmal die Aussage vor der Geburt eines Kindes „Möge es ein Mädchen werden, denn die werden hier gebraucht!“

Einerseits spielen die Männer eine entscheidende Bedeutung. Selbst wenn sie nicht anwesend waren, bestimmten sie, was mit den Frauen passierte. Wenn man will, sind aber beide sowohl die Männer als auch die Frauen Opfer der Umstände.  Andererseits entwickelten sich aus dieser Überlebensstrategie starke Frauen.

Sie meistern ihre schwierige rechtliche Situation (Witwen der Lebenden), ihre Sehnsucht nach und die Angst um den Mann, die Einsamkeit, die Verzweiflung sowie die ganz alltäglichen Probleme eines Dorflebens in jener Zeit.

Es gibt ein eindrucksvolles Bild vom galicischen Fotografen Virgilio Vieitez, das er in den 60er Jahren des 20. Jh. aufgenommen hat. Eine alte Frau in dem typischen schwarzen Kleid sitzt auf einem Stuhl, neben ihr, auf einem zweiten Stuhl, steht ein Radio. Ihr nach Amerika ausgewanderter Sohn hat ihr Geld geschickt, damit sie sich ein Radio kaufen kann, zum Zeitvertreib. Das Bild hat sie ihm geschickt. Er soll sehen, dass sie nicht mehr allein ist…….

Das Bild berührt und sag mehr als viele Worte über Zurückgelassenen.

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Der Traum vieler, die Realität einiger – die Casonas (Villen) der „Indianos“

Im 19. Jh. emigrierten viele Nordspanier nach Lateinamerika – und einige kamen auch wirklich reich zurück. Als erstes bauten sie sich Prachtvillen, die bis heute gut erhalten sind.

„Indianos“ heißen in Spanien die Emigranten, die reich aus Lateinamerika zurückgekehrt sind. Mit prächtigen Villen bewiesen die Heimkehrer ihren gesellschaftlichen Aufstieg und dass sie in Amerika zu viel Geld gelangt waren. Damit weckten sie natürlich weitere Hoffnung bei potentiellen Emigranten. Die „indianos“ haben eine herrliche Ansammlung von kleinen Palästen und Herrenhäusern im Stil des Eklektizismus, Jugendstil und Historismus hinterlassen. Die „casonas“ der Rückkehrer hatten großartige Fassaden, Aussichtstürme, hohe Decken, Galerien, Balkone und beeindruckende Treppenaufgänge. Gärten voller Palmen, Araukarien, Magnolien, Rhododendren und Kamelien sollen ihren Reichtum repräsentieren.

Um einen ersten Eindruck von der Pracht der „indianischen Häuser“ zu gewinnen, eignet sich besonders eine Reise durch die Gegend von Llanes im Osten des Fürstentums von Asturien. Dort sind herausragende Beispiele dieser besonderen Architekturform zu finden, wie etwa die Casona de Verines und die Paläste von Santa Engracia und Mendoza Cortina in La Borbolla und Pendueles.  Auch in Ribadeo, einem Städtchen an der Grenze zwischen Asturien und Galicien kann man zahlreiche Villen im „Indiano-Stil“ bewundern. Man findet diese Villen natürlich auch in Galicien, Kantabrien und anderen Regionen Spaniens. Eine schöne Zusammenstellung von Bildern der prächtigen Villen in Nordspanien und Portugal findet man in der Zeitschrift „portugal-kultur“ Heft 8.

Nach ihrer Rückkehr aus Amerika spielten die reichen Rückkehrer im Spanien der damaligen Zeit eine wichtige soziale Rolle, bauten Schulen, Rathäuser, öffentliche Badeanstalten, Straßen, Krankenhäuser und Heime. So z.B. auch der reiche Indiano Antonio López y López, der sich in seiner Heimatstadt Comillas zurückgekehrt im späten 19.Jh. eine große Villa errichtete. Er war in Übersee durch die Tabakproduktion und den Tabakhandel reich geworden, hatte aber auch mit Banken und eine transatlantischen Schifffahrtsgesellschaft Erfolg und Geld gemacht. Zurück in seiner Heimat tat er alles um den beginnenden Badetourismus der Madrilenen zu fördern. Noch heute stellt diese Gruppe den Großteil der Sommerurlauber an der kantabrischen Küste und in Comillas.

Doch Ironie der Geschichte: Da diese reich gewordenen „Indianer“ nur unter sich heirateten (das Fachwort dafür heißt Endogamie), die Zahl potenzieller Heiratskandidaten mit der Zeit aber abnahm, gerieten etliche „Indianer“ nicht nur in familiäre, sondern auch in wirtschaftliche Not. In der Folge verkauften sie ihre architektonischen Herrlichkeiten oder öffneten sie der Öffentlichkeit.

So können heutige Besucher in aller Ruhe schauen und staunen. Sie laufen über lackierte Holzböden, befinden sich in detailgetreu gestalteten Museumsecken plötzlich auf einem Schiffsdeck oder auf einer lateinamerikanischen Hazienda-Terrasse wieder, entdecken in Vitrinen Krinolinen, Sonnenschirme und Sepiafotografien der asturischen Auswanderer in den Salons von Havanna oder Valparaíso, streichen über kühle marmorne Balkonbalustraden.

Leider stehen einige der Villen  aber auch leer und verfallen zum Teil. Andere werden zum Verkauf angeboten. In manchen findet man  heute aber auch kleine hübsche ländliche Hotels.

 

Auf unserer Wanderung auf dem Camino del Norte sollte man in Colombres angehalten, gleich hinter der kantabrisch-asturischen Grenze, um das beeindruckende Migrations-Museum zu sehen. Sowohl das Museumsgebäude selbst, als auch die historische Ausstellung sind sehenwert. Die dargestellte Geschichte schildert praktisch und einleuchtend die Realität der früheren Bewohnerinnen der Regionen an der Nordküste der Iberischen Halbinsel. Diese Geschichte gilt nicht nur für Asturien, das Museum könnte genau so gut auch im Baskenland oder in Galicien stehen, denn in den vergangenen Jahrhunderten waren Leute aus allen Regionen aufgrund ihrer Existenzbedingungen dazu gezwungen, in Übersee, vor allem in Südamerika ihr Glück zu suchen. Manchmal war es auch pure Abenteuerlust.

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Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Aufstieg und Fall der Templer: ein Mythos, der nicht sterben will

Die meisten von uns kennen die Templer u.a. durch den Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown. Das Buch hat aber ehrlicherweise fast nichts mit der realen Geschichte der Templer zu tun. Außerdem spinnen sich auch einige Legenden und Verschwörungstheorien ohne stichhaltige Beweise um die Templer. Hier werden der Symbolismus, die Regeln und die Überzeugungen der Templer zweckentfremdet, um eigene moderne Ziele zu verfolgen.

Sie symbolisieren wohl etwas Exotisches, Sonderbares und Mysteriöses, das uns heute sowohl fremd als auch verlockend erscheint.

Daher ist es sinnvoll, hier eine kurze Geschichte der Templer zusammenzustellen.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Wer waren die Templer oder genauer die „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“?

 Nach dem Ersten Kreuzzug, als die muslimische Besatzung Jerusalems von der christlichen abgelöst wurde, gab es viele Pilger und Siedler, die in die Stadt zogen. Aber viele wurden auf dem Weg von Banditen überfallen und getötet. In Tagebüchern finden sich Beschreibungen von Leichen, die sich entlang der Straßen türmten, wo sie von Räubern überfallen und ermordet wurden. Um 1119 beschloss deshalb eine Gruppe von Rittern aus der Champagne eine Schutztruppe für Pilger zu gründen. Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war Abt war ein bekannter Kreuzzugprediger und Kirchenlehrer. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens, für dessen Ausbreitung über ganz Europa er verantwortlich war. Nach anfänglicher Skepsis setzte er sich ab 1129 wortgewaltig für die Unterstützung des Templerordens ein, was für die Akzeptanz des Templerordens von großer Wichtigkeit war.

Die militärische Ausrichtung, die den Orden von Beginn an bestimmte, unterschied ihn von den beiden anderen religiösen Rittergemeinschaften des 12. Jahrhunderts, dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden. Der Templerorden entwickelte sich zu einer elitären, paramilitärischen Einheit in den Armeen der Kreuzzüge. Wichtig war, dass er vom Papst bestätigt wurde.  Auf dem Konzil in Troyes wurden ihnen aber 1128 strenge Regeln auferlegt, die Bernhard von Clairvaux entworfen hatte und die den Klosterregeln der Zisterzienser nachgebildet waren.

Die Tempelritter wurden von einem Großmeister angeführt, unter diesem bestanden drei Rangfolgen: Ritter, Kapläne und dienende Brüder. Nur die Ritter durften die Ordenstracht, einen weißen Mantel mit achtspitzigem rotem Kreuz auf der linken Brustseite, tragen.

Die Ritter unterwarfen sich den drei großen Prinzipien des Mönchtums: Keuschheit, Armut und Gehorsam. Doch ihren Weg zu Gott wollten sie nicht in der friedlichen Abgeschiedenheit eines Klosters suchen, sondern auf dem Schlachtfeld.

Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut bestätigt und der Orden wurde direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete er faktisch einen Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Die Templer waren der erste Orden dieser Art, der dann zum Vorbild für weitere Ordensgründungen wurde.

Auch wenn man bei den Templern von Mönchrittern sprach, waren die Mitglieder wie bereits gesagt weniger Mönche, obwohl sie ein mönchähnliches Leben führten, sondern mehr Ritter und Kämpfer. Zunächst waren sie besonders für die Sicherheit der Pilger zuständig, entwickelten sich aber dann zu einer wichtigen militärischen Macht während der Kreuzzüge.

 

Die Templer als wirtschaftliche Macht 

Schon in frühen Jahren erhielten sie zahlreiche materielle und finanzielle Spenden von Christen, die sich so Pluspunkte für ihr Seelenheil erhofften. Teilweise wurden den Templern ganze Güter vermacht. So bauten sie mit der Zeit ein Netzwerk aus Land- und Grundbesitz in Irland, England und Frankreich und in den Königreichen Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Deutschland und Zypern auf. Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9000 über ganz Europa verstreute Besitzungen (von denen nur ein geringer Teil eigenständige Komtureien/Niederlassungen waren). Die Besitzungen wurden streng ökonomisch verwaltet und sollten einen möglich hohen Gewinn erbringen. Außerdem waren die Templer nicht nur von der Steuer befreit, sondern durften selbst Steuern erheben. Der Orden häufte so mit der Zeit einen immensen Reichtum an Geld und Besitz an.

Zudem funktionierte der Orden auch als eine Art Kreditinstitut, indem er u.a. dem englischen und französischen König Geld verlieh – gegen Zinsen, was zwar verboten war, aber stillschweigend hingenommen wurde. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen dann zu einer regulären geschäftlichen Betätigung und wurden zu einer europaweiten Finanzmacht. Sie unterstützten z.B. finanziell die Könige bei den Kreuzzügen, wenn diesen das Geld ausging.

Sie erfanden auch eine eigene Art der Kreditbriefe (Vorläufer der heutigen Reiseschecks). Wer einen Betrag in einer ihrer vielen Komtureien in Europa einzahlte, konnte man z.B. die gefährliche Reise ins Heilige Land bargeldlos antreten. Der Reisende konnte mit der entsprechenden Quittung unterwegs in den Besitzungen der Templer jederzeit Geld abheben. So war er davor geschützt, bei einem Überfall sein ganzes Geld zu verlieren.

Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Untergang der Templer

1291 gingen die Gebiete der Kreuzfahrer im Heiligen Land verloren und die Templer wurden aus dem Land geworfen. Sie mussten sich umorientieren, aber der französische König wollte die Templer aufgrund ihrer großen finanziellen Macht ganz vernichten. So wurden die Templer 1305 schwerer Vergehen bezichtigt – von Ketzerei, Götzenanbetung und sogar Sodomie war die Rede. Am 14. Oktober 1307 wurden sämtliche Templer verhaftet auch mit Unterstützung des Papstes. Sie wurden gefoltert und ihnen wurde z.T. über Jahre der Prozess gemacht.

Allerdings war lange Zeit nicht bekannt, dass Papst Clemens V. den Templern im Jahr 1308 die Absolution erteilt hatte, nachdem sich diese für allerlei Missstände in ihrem Orden entschuldigt hatten. Zugleich nahm er sie wieder in die Kirchengemeinschaft auf. Damit stand fest, dass die Templer keine Ketzer waren und der Pontifex den Orden, der ihm allein unterstellt war, reformieren und erhalten wollte. Der gesundheitlich angeschlagene Clemens V. residierte seinerzeit in Avignon. So war er aber dem Druck des mächtigen französischen Königs Philipp des Schönen ausgesetzt, der die Templer vernichten wollte und eine Verleumdungskampagne gegen den Ritterorden entfesselt hatte. Daher wagte es der Papst nicht, sein Urteil zu veröffentlichen.

So wurden die Templer auf Betreiben Philipp des Schönen weiterverfolgt, eingekerkert und gefoltert. Philipp dem Schönen ging es darum, das Vermögen der Templer an sich zu reißen und die Kirche durch die Zerschlagung des Ordens zu schwächen. Auch konnte er sich so einer drückenden Geldschuld entledigen, die er bei den Templern hatte. Über 1000 Ordensniederlassungen fielen an die Krone. 1312 wurde der Orden endgültig aufgelöst und der Großmeister Jacques de Molay auf der Île de la Cité in Paris lebendig verbrannt. Nachdem es keinen Orden mehr gab, war kein Prozess mehr möglich; es blieb bei Ermittlungsverfahren. Die verbleibenden Templer kamen bei anderen Orden unter.

Die Besitzungen der Templer gingen aber nur teilweise an die Krone. Denn der Papst machte einen Strich durch die Rechnung Philipps des Schönen. Clemens übertrug Güter der Ordensgemeinschaft offiziell an die Johanniter/Hospitaliter, die als Brüder der Templer im Geiste ihre Arbeit bis 1789 fortführten. In Spanien knüpfte der spanische Ritterorden von Montesa unmittelbar nach der Auflösung des Templerordens an dessen Geschichte an. Der Orden von Montesa wurde 1316 von Jakob II. von Aragón gegründet und mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Dieser Orden wurde zunächst hauptsächlich zu dem Zweck gegründet, den Templern Unterschlupf zu bieten.

Es gibt noch eine vollständige Burg des alten Templerordens in Europa – die Burg von Ponferrada in Spanien-, alle anderen wurden zwischenzeitlich zerstört. Allerdings finden sich sowohl in Frankreich als auch in Spanien noch zahlreiche Türme und Burgruinen.

 

Von de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann at http://de.wikipedia.org/ - photo by de:Benutzer:Dietmar_Gikjohann, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1694223 Templerburg Ponferrada am Jakobsweg in Spanien
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Die Pons Valentré in Cahors – eine der schönsten befestigten Brücken des Mittelalters

Die Pons Valentré in Cahors – eine der schönsten befestigten Brücken des Mittelalters

Via Podiensis

Der Pont Valentré (okzitanisch Pont de Balandras) ist eine Brücke, die den Fluss Lot im Westen von Cahors überquert. Mit ihren drei befestigten Türmen, den sechs Bögen und den mit spitzen Bastionen bewehrten Pfeilern bildet sie ein außergewöhnliches Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerkes.

 

Cahors liegt auf einer Halbinsel in einer engen Flussschleife des Lot, der die Stadt im Westen, Süden und Osten umgibt. Von den drei Brücken, die den Zugang zur Stadt im Mittelalter schützten, steht heute nur noch der Pont Valentré. Die Brücke wurde in der Zeit der englisch-französischen Kriege erbaut und ist eines der wenigen Beispiele von Militärarchitektur aus dieser Epoche, die heute noch existieren. Sie wird als eine der schönsten befestigten Brücken des Mittelalters angesehen. (s. auch Artikel „Der Hundertjährige Krieg“)

https://de.wikipedia.org/wiki/Pont_Valentr%C3%A9#/media/Datei:Pont_Valentr%C3%A9_23078.jpg

Beschreibung

Die geschwungene Brücke erreicht mit ihren sechs gotischen Spitzbögen von durchschnittlich je 16,50 Metern Breite eine Länge von 138 Metern. Zusammen mit zwei weiteren schmalen Bögen, die sich über den Ufern erheben, ist sie 172 Meter lang. Die fünf im Wasser stehenden, 6 Meter breiten Pfeiler besitzen mit Zinnen bewehrte dreieckige Vorsprünge. Die Fahrbahn hat eine Breite von 6 Metern. Drei quadratische Türme versperren den Weg und erheben sich 40 Meter über dem Wasser, die Straße führt durch spitzbogige Durchfahrten in ihren Füßen. Diese konnten mit Fallgattern und Toren versperrt werden, so dass keine Schiffe hindurchfahren konnten. Die Türme sind ebenfalls mit Zinnen sowie Reihen von Wurf- und Gussöffnungen versehen. Schießscharten in Form eines Doppelkreuzes dienten der Aufstellung von Bogenschützen. Der Zugang zum ersten Obergeschoss der Brückentürme erfolgt über zinnenbewehrte Steintreppen, die übrigen sind innen über hölzerne Treppen erreichbar.

Zwei Barbarkane (bei mittelalterlichen Befestigungswerken ein dem Festungstor vorgelagertes Außenwerk) schützten den Zugang, jedoch ist nur die auf der östlichen Seite erhalten. Die äußere westliche Torburg wurde im 18. Jahrhundert abgerissen. Sie reichte bis an die Felsabhänge der anschließenden Hügel, der Zugang erfolgte durch ein Tor auf der Südseite. In ihr war eine der Jungfrau Maria geweihte Kapelle untergebracht.

Von Peter Gugerell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3171706

Geschichte

Möglich wurde die Brücke durch das starke Selbstbewusstsein seiner aufstrebenden Bürgerschaft. Im Spätmittelalter wählten die sogenannten „Caorsins”,

lombardische Bankiers,reiche Kaufleute  und Händler die Stadt Cahors als ihren Stützpunkt in Südfrankreich. Indem sie sich über kirchliche Verbote hinwegsetzten, bescherten sie der Stadt unermesslichen Reichtum. Ihre Macht im 13. und 14. Jh. ist auch heute noch an den reichen Hausfassaden der Hauptachsen der Altstadt erkennbar. Die zuvor tonangebenden Bischöfe wurden von den Konsuln als neue Stadtherren abgelöst.

Die Stadtväter wollten ihre Reichtümer besser absichern. Jacques Arnaud Duèze, Sohn eines einheimischen Bankiers und Bischof von Fréjus (der spätere Papst Johannes XXII.)  überredete am 17. Juni 1308 die Stadtväter, eine wehrhafte Brücke über den Fluss zu schlagen. Ihre Aufgabe sollte die einer Festung sein und Cahors gegen Angriffe aus südlicher Richtung absichern. 1308 begann man mit dem Bau. Erst 1355 konnten Pilger und Kaufleute die Brücke über den an dieser Stelle 138 Meter breiten Lot erstmals passieren. Der Bau wurde frühestens 1378 vollendet. Zwischen 1867 – 1879 wurde die Brücke saniert und renoviert.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=905852

Mit der Festung wollte man sich auch gegen Angriff der beiden Kriegsparteien des Hundertjährigen Krieges, den Engländern und Franzosen, zur Wehr setzen. Allerdings hat keine Partei die Stadt je angegriffen. Und doch wurde sie zum Spielball der Mächte. Denn im Friedenvertrag von Brétigny 1360 überließen die Franzosen den Engländern die Gascogne, das Limousine und Calais und verzichteten auf die Souveränität über die Gebiete. Als Gegenleistung verzichtete der englische König Eduard III. auf den französischen Thron. Da aber beide Seiten den Vertrag nicht bestätigten, setzte sich der Krieg 1369 wieder fort. Cahors kam erst 1428 wieder an Frankreich. Sein Reichtum war dann allerdings dahin.

 

Von © MathieuMD / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23539634

Legende

Entnervt von dem langsamen Fortgang der Arbeiten schloss der Baumeister einen Pakt mit dem Teufel. Dieser sollte seine gesamten Fähigkeiten in den Dienst des Baus stellen. Befolgte er alle ihm gegebenen Befehle, würde der Baumeister ihm seine Seele verschreiben. Die Brücke wuchs schnell empor, und mit dem Ende der Arbeiten nahte die Zeit für die Bezahlung. Um seine Seele zu retten und nicht die Ewigkeit in den Feuern der Hölle verbringen zu müssen, forderte der Meister den Teufel auf, für den letzten Mörtel mit einem Sieb Wasser für die Arbeiter zu holen.

Natürlich war der Teufel dazu nicht in der Lage und konnte so seinen Vertrag nicht erfüllen. Er beschloss, sich zu rächen und erschien nun jede Nacht, um den Schlussstein aus dem mittleren Turm, der auch Teufelsturm genannt wird, herauszubrechen, sodass die Maurer ihn am nächsten Tag immer wieder ersetzen mussten.Im Zuge von Restaurierungsarbeiten an der Brücke fügte der Architekt Paul Gout 1879 in dieser Lücke einen behauenen Stein ein., um an die alte Legende zu erinnern. Dieser Stein zeigt den Dämon, wie er vergeblich versucht, den Stein herauszureißen – seine Klauen bleiben im Zement stecken.

 

Auf dem Jakobsweg führt unser Weg über die Brücke und hinauf auf die Kalkhochfläche der Quercy Blanc. Es ist ein steiler Aufstieg über viele Stufen und steile Wege. Von oben hat man allerdings noch einmal einen grandiosen Blick auf die Altstadt von Cahors und die Brücke von Valentré.

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Jean-Francois Champollion und die sensationelle Entschlüsselung der Hieroglyphen

Jean-Francois Champollion und die sensationelle Entschlüsselung der Hieroglyphen

Der berühmteste Bürger Figeacs ist sicher Jean-Francois Champollion (1790 – 1832), gelang ihm doch vor 200 Jahren die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen.

 

Champollion wurde als siebtes von achten Kindern des Buchhändlers Jacques Champollion und seiner Ehefrau Jeannne-Francoise Gualien im Jahr 1790 in Figeac geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Aber er war ein Sprachgenie. So lernte er als Jugendlicher schon sechs Sprachen – Latein, Griechisch, Hebräisch, Arabisch, Syrisch und Aramäisch und mit 17 Jahren noch Koptisch und Persisch. Von 1807-09 studierte er in Paris Arabisch, Persisch und Koptisch. 1810 wurde er mit 19 Jahren Professor für Geschichte des Altertums an der Akademie in Grenobel. Nach politischen Wirren und seiner Ämter beraubt reiste er im Jahr 1821 wieder nach Paris, wo er sich vor allem auf Übersetzungen konzentrierte.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jean-Fran%C3%A7ois_Champollion,_by_L%C3%A9on_Cogniet.jpg

Fasziniert durch den Ägyptenfeldzug Napoleons und die archäologischen Funde fing Champollion schon 1808 an, sich mit einer Kopie der Schriften des Rosette-Steines zu beschäftigen. Den Stein von Rosette hat er allerdings nie in natura sehen können, da die monumentale Tafel nach dem erzwungenen Rückzug Napoleons von den Engländern beschlagnahmt wurde und im British Museum in London landete. Dort ist sie heute noch zu besichtigen.

 

Das Besondere an dem bei Napoleons Feldzug in Ägypten gefundene Stein von Rosette ist, dass er quasi eine Übersetzungsanleitung enthält. Der Stein besteht nämlich aus drei Teilen. Auf dem über eine Dreivierteltonne schweren Block aus granitähnlichem Gestein befindet sich eine fragmentarische Inschrift in drei verschiedenen Schriften – dem Altgriechischen ebenso wie zwei damals unlesbaren Schriftsystemen, dem Demotischen sowie den ägyptischen Hieroglyphen. Oben sind ägyptische Hieroglyphen – damals noch als Sakralschrift von ägyptischen Gelehrten genutzt –, in der Mitte ist die ägyptische Gebrauchsschrift Hieratisch für die altägyptische Sprache Demotisch und unten ist eine Übersetzung in das in der Verwaltung gebräuchliche Altgriechische.

In den letzten Zeilen des griechischen Textes versteckte sich die Sensation. Dort war zu lesen, dass der Beschluss in drei Schriften aufgeschrieben werden sollte. Somit war klar, dass das, was in Hieroglyphen und Demotisch zu sehen war, den gleichen Inhalt wie der griechische Text haben musste.

 

Par Awikimate — Travail personnel, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84378499

Seine Kenntnisse vor allem der koptischen Schrift – es handelt sich dabei um die letzte Vertreterin einer sonst ausgestorbenen ägyptischen Sprachenfamilie, zu der auch die Sprache der Pharaonen zählte – halfen ihm bei der Entschlüsselung.

Nach Meinung Champollions war das bis heute existierende Koptisch die späteste Form der altägyptischen Sprache und somit wesentlicher Anhaltspunkt zur Entschlüsselung der hieroglyphischen Schrift. Sein Verständnis der koptischen Sprache ist somit ein Teil seines späteren Erfolges.

Außerdem kennt Champollion die Arbeiten der anderen Gelehrten mit all ihren richtigen Erkenntnissen und auch Fehlern. So hatte der englische Physiker Thomas Young kurz zuvor nachgewiesen, dass die oval umrundeten Hieroglyphen (“Kartuschen”) Königsnamen enthalten. Young gelang bereits die Entzifferung des griechischen Herrschernamens Ptolemäus. Doch er ging wie viele andere Gelehrte davon aus, dass die Hieroglyphen eine symbolische Bilderschrift sein müssten und scheiterte daher an der vollkommenen Entzifferung.

 

Erst Champollion bricht mit der allgemeinen Annahme, Hieroglyphen seien eine rein symbolische Bilderschrift. Eine recht einfache Überlegung bringt ihn in eine andere Richtung.

Der hieroglyphische Teil auf dem Stein von Rosette enthält mehr hieroglyphische Zeichen, als Worte im griechischen Teil zu finden sind. Wie soll da jedes Zeichen einer ganzen Idee, einem ganzen Wort entsprechen? Außerdem werden innerhalb des hieroglyphischen Textes auf dem Stein von Rosette die hieroglyphischen Zeichen mehrmals wiederholt.

Auch Champollion untersucht, wie andere Gelehrte vor ihm, zunächst die Königsnamen in den ovalen Kartuschen. Im griechischen Text des Steins von Rosette wird der Name Ptolemäus erwähnt. Ein fremder griechischer Name könne nicht einfach in das hieroglyphische Schriftsystem übertragen worden sein. Dieser griechische Personenname müsse, das hatte bereits Thomas Young herausgefunden, auch in der hieroglyphischen Schrift lautschriftlich verfasst worden sein. So ergeben sich die Hieroglyphen der Buchstaben p, t, o, l, m, ai und s.

Tatsächlich gelingt es Champollion, über die vielen Herrschernamen nach und nach immer mehr Lautzeichen zu entziffern. Champollion ist der erste Gelehrte, der versteht, dass die Hieroglyphen eine Mischung aus Laut- und Bilderschrift sind. Im September 1822 gelang es ihm, ein vollständiges System zur Entzifferung der Hieroglyphen aufzustellen Sein neu entdecktes System lässt sich fortan auf alle altägyptischen Inschriften anwenden und bedarf nur weniger Nachbesserungen.

 

Am 27. September 1822 präsentierte François Champollion seine Entzifferung der Hieroglyphen, erlebte allerdings zunächst eine große Enttäuschung. Vor der berühmten “Académie des In­s­crip­ti­ons et Bel­les-​Lett­res” in Paris stellte er seine Forschungen zur Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen vor. Doch kaum hatte er geendet, fielen die Gelehrten über ihn her, nannten ihn einen Scharlatan und Plagiator und fanden überhaupt, dass sich der gerade einmal 31-jährige Philologe zu viel herausnehme. Aber Champollion gab nicht auf. Er veröffentlichte Teile der Arbeit im Oktober 1822 in einem Brief an M. Dacier, den Ständigen Sekretär des ehrwürdigen Instituts und veröffentlichte eine ausführliche Erläuterung im April 1824. Das war dann der Durchbruch. 1830 wurde Champollion selbst zum Mitglied der Académie gewählt.

 

Seinen Traum, Ägypten mit eigenen Augen zu sehen, konnte er sich wenige Jahre nach seiner Entschlüsselung erfüllen. Von August 1828 bis Dezember 1829 leitete Champollion eine französisch-toskanische Expedition den Nil entlang bis Wadi Hafla. Begeistert schrieb er: „Unser Alphabet ist richtig! Es kann mit demselben Erfolg bei den ägyp­ti­schen Denk­mä­lern der Rö­mer-​ und Pto­le­mä­er­zeit und bei sämt­li­chen In­schrif­ten von Tempeln, Palästen und Gräbern der Pha­rao­nen­zeit an­ge­wen­det werden.” Es sollte seine letzte Reise werden, danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Am 4. März 1832 starb Champollion 41-jährig an einem Schlaganfall. Er ruht auf dem Friedhof  Pere Lachaise in Paris.

 

Seine Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Er ist eine Legende im Bereich der Ägyptologie. Seine Entschlüsselung der Hieroglyphen wurde der Schlüssel zur Geschichte Altägyptens und seiner 4000 Jahre dauernden Zivilisation.

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Die Entstehung des Camino Primitivo und des Camino del Norte

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Im Jahr 813 wurde im Wald von Lebredon an der Stelle des heutigen Santiago de Compostela ein Grab gefunden. Der zuständige Bischof Theodemir glaubte das Grab des Apostels Jakobus gefunden zu haben. Jakobus war einer der vertrautesten Jünger Jesu und der erste Märtyrer der Christenheit. Im Jahr 44 wurde er in Judäa auf Weisung des Königs Herodes enthauptet. Um den Umstand, wie sein Leichnam möglicherweise nach Spanien gekommen sein soll, ranken sich zahlreiche Legenden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Camino_de_la_Costa#/media/Datei:AM03-RutasJacobeasNorte.jpg

Alfons II von Asturien (791 -842), auch Alfons der Keuche genannt, war dann der erste königliche Pilger, der im Jahr 830 zum vermeintlichen Grab des Jakobus pilgerte. Die Strecke durch die Berge, die er damals zurücklegte, gilt heute als der ursprünglichste und älteste belegte Pilgerweg nach Santiago. Alfons der Keuche ging den Weg von seiner Hauptstadt Oviedo in Richtung Westen. Er führt von der alten asturischen Hauptstadt Oviedo auf 310 Kilometer in anspruchsvoller Weise durch dünn besiedeltes Bergland über das galicische Lugo nach Santiago de Compostela.

Alfons II war davon überzeugt, dass es sich um das Grab des Apostel Jakobus handelte und ordnete den Bau einer Grabeskirche an. Er gründete auch das erste Kloster, das sich um den Altar des Heiligen kümmerte: San Paio de Antealtares. Dies gab den endgültigen Anstoß für die dann einsetzende Pilgerbewegung.

Die Nachricht vom Fund des Leichnams breitete sich in für das Mittelalter rasanter Geschwindigkeit in Europa aus. Waren es zunächst die Menschen aus dem asturischen Königreich, die die Wallfahrt auf sich nahmen, folgten dann die Menschen aus dem gesamten Norden Spaniens und aus Portugal. Alfons III., der die zweite Basilika in Santiago initiierte, pilgerte selbst zweimal den Camino.

Die erste Hälfte der Strecke  des Camino Primitivo durch die Berge von Asturien ist spektakulär. Ihr überquert die Bergketten Tineo, Rañadoiro und San Isidro. Die Höhepunkte auf diesem Pilgerweg sind zahlreich, und stehen im Kontrast zu der geringen Anzahl an Dörfern und Restaurants. So geht man die meiste Zeit tatsächlich in der Natur und kann die Ruhe aber auch Einsamkeit dieser Region genießen. 

Nach dem Camino Primitivo gewann auch der Camino del Norte an Bedeutung. Relativ schnell nach der Entdeckung des Apostelgrabes im 9. Jh. begannen Pilger diesen Weg zu nutzen, da er außerhalb des von Mauren besetzten Gebietes verlief. Über ihn kamen dann auch Pilger aus Frankreich und aus anderen Ländern, die zum Teil auch den Seeweg über die Häfen Nordspaniens nutzten. Im späten Mittelalter erreichten die Pilgerfahrten zu See ihren Höhepunkt. Manche Pilger besuchten auch zuerst Oviedo als Ergänzung zu ihrer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela.

Der gesamte Camino del Norte führt von der Grenze zu Frankreich nach Santigao. Er ist mit 850 km der zweitlängste Pilgerweg (nur die Via de la Plata ist mit 1000 km länger) und läuft immer wieder direkt am Meer entlang, entweder entlang der über dem Meer verlaufenden Steilküste oder auch direkt am Strand mit atemberaubenden  Ausblicken und herrlichen Stränden. Man spürt jeden Tag den Sand unter den Füssen! Allerdings müssen auch einige Höhenmeter überwunden werden. Etwa 200 km vor Santiago nach der Stadt Ribadeo verlässt der Küstenweg das Meer und die Route führt landeinwärts durch die Täler von Vilanova de Lourenza und Mondoriedo sowie über die Ebenen von Vilalba und Guitiriz zum Zielort.

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Kurze Geschichte Asturiens

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Asturien ist seit 1983 eine autonome Region im Nordwesten Spaniens. Sie erstreckt sich heute zwischen dem Kantabrischen Meer im Norden und dem Kantabrischen Gebirge im Süden. Die Nord-Süd-Ausdehnung erreicht max. 70 km Tiefe, die Länge von Ost nach West beträgt ca. 200 km. Politisch grenzt sie im Westen an Galicien, im Süden an Kastilien und Leon und im Osten an Kantabrien. Die größten Städte sind die Hafenstadt Gijon, die Hauptstadt Oviedo und die Industriestadt Aviles.

Asturien ist eine der Industrieregionen Spaniens, insbesondere aufgrund des vorherrschenden Bergbaus und der Schwerindustrie. Da diese Branchen eher zu den schrumpfenden gehören, befindet sich Asturien seit den 1970er Jahren in einem Strukturwandel. In den letzten vier Jahrzehnten lag die Wirtschaftswachstumsrate Asturiens hinter der anderer spanischer Gebiete zurück.

Die Landwirtschaft spielt in Asturien eine größere Rolle, da aufgrund des feuchten Klimas und mäßiger Temperaturen Agrarprodukte produziert werden können, die in anderen Regionen Spaniens nur mit höherem Aufwand angebaut werden können. Daneben gibt es (hauptsächlich inländischen) Tourismus.

Im Gegensatz zu heute hatte Asturien im Laufe der Geschichte eine zeitweise große Bedeutung für die Struktur und Entwicklung Spaniens.

Erste Zeichen menschlichen Lebens findet man in zahlreichen Höhlen mit steinzeitlichen Malereien, vor allem Tierdarstellungen, die ca. 15.000 Jahre alt sein sollen.

Die ersten Ansiedlungen werden den Iberern zugerechnet. Im 6 Jh. v.Chr. bildete sich durch die Mischung der einheimischen Völker mit den Kelten das Volk der Asturer, das aus vielen einzelnen Stämmen bestand. Das Gebiet umfasste Asturien, Teil Galiciens und Nordostportugals. Während der Großteil der Iberischen Halbinsel bereits 140 v.Chr. zum Römischen Reich gehörte, taten sich die Römer bei der Eroberung der Nordgebiete schwer (vgl.  Kapitel Romanisierung Spaniens). Mit dem Ende des Kantabrischen Krieges wurde die Region 19 v.Chr. eingegliedert (größtenteils in die römische Provinz Gallaecia). Nun begann auch die Romanisierung der Nordvölker.

Als im 5 Jh. n.Chr. das Römische Reich unterging, fielen germanische Stämme in der Region ein. Zu diesen zählten die Vandalen und Sueben. Das Königreich der Sueben umfasste dann die heutigen Regionen Galicien, Asturien, Leon und Nordportugal. Im Jahr 585 wurde das Reich der Sueben von den Westgoten erobert. Aber es kam immer wieder zu Aufständen der Basken, Kantabrer und Asturer.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Covadonga#/media/Datei:Don_Pelayo.jpg

Nachdem die Araber im 7 Jh. die Westgoten fast vollständig vertrieben bzw. unterworfen hatten, wurde das Gebiet einem muslimischen Gouverneur unterstellt. Ein privater Streit mit dem für Asturien zuständigen Gouverneur Mumuza, der in Gijon residierte, war für den westgotischen Adeligen Pelago der Anlass zu Rebellion. Er sammelte Gleichgesinnte um sich und so gelang ihm in der Schlacht von Covadonga (722 oder 718) der erste Sieg über die Mauren. Dieses Ereignis wurde dann später als Ausgangspunkt der Reconquista hochstilisiert, obwohl es wohl eher ein Gefecht als eine Schlacht war. Trotzdem gelang es Pelago ein winziges Königreich Asturien zu gründen.

Unter Alfons I. (739-757) wurden erste Anstrengungen unternommen, das Gebiet zu erweitern. Dabei half ihm der Umstand, dass Hungersnöte und Seuchen zu einer Entvölkerung vieler Gebiete geführt hatten. Diese Gebiete waren daher für die Mauren von geringerem Interesse, so dass sie sich teilweise zurückzogen.

Nach den Angaben der wichtigsten Quelle, der „Chronik Alfons’ III.“, eroberte Alfons I. im Westen (Galicien und Nordportugal) u.a. die Städte Lugo und Porto, im Süden (dem späteren Königreich Leon) u.a. Salamanca, Zamora und Leon, im späteren Kastilien u.a. Segovia und Coruna del Conde. Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er die Muslime, die er dort vorfand, teilweise töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.

Wichtig ist allerdings anzumerken, dass es sich bei der „Chronik Alfons III“ um eine von Alfons III. bestellte oder von ihm verfasste Chronik handelt, die wie alle diese Quellen sicher mit Vorsicht zu behandeln ist, da sie in der Regel eine sehr subjektive Sicht wiedergeben. Später erfolgte je nach Fortschreiten der Reconquista in den Verwüstungsgürteln eine Repoblacion, d.h. die Wiederbesiedlung dieser Gebiete durch meist christliche Siedler.

Der Nachfolger Alfons I.  Fruela I., der Grausame, (757-768), unterwarf dann ganz Galicien und verlegte den Sitz der Regierung von Cangas de Onis in die von ihm gegründete Stadt Oviedo. Unter seinen Nachfolgern herrschte Frieden mit den Mauren. Erst unter Alfons II., dem Keuchen, (792-842) wurde das Reich weiter vergrößert. Nun begann die eigentliche Blütezeit Asturiens. Die lange Regierungszeit Alfons II. war, da er anscheinend eine integre Herrscherpersönlichkeit war, der Garant für Stabilität und Wachstum im Land. Er sicherte zum einen Asturien nach außen ab, erweiterte es aber auch Richtung Süden. So erstreckte sich zu Beginn des 9. Jhs Asturien über große Teile Nordspaniens. In die Regierungszeit Alfons II. fällt auch die Auffindung des angeblichen Jakobsgrabes in Santiago de Compostela. Jakobus wurde dann auch zur Integrationsfigur des christlichen Spaniens hochstilisiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Repoblaci%C3%B3n#/media/Datei:Asturias_in_800.svg

Alfons III. (866-910) dehnte das Herrschaftsgebiet weiter aus, unterwarf Navarra, drang nach Nordkastilien vor und weiter in den Süden Portugals. Das war der Höhepunkt der Macht und Ausdehnung Asturiens. Denn nach der Entmachtung Alfons III. teilten seine drei Söhne das Land unter sich auf. Im Jahr 924 wurde das Gebiet wieder vereint, hieß ab dann Königreich Leon. Die Hauptstadt war inzwischen von Oviedo nach Leon verlegt worden. Damit endete die wechselhafte Geschichte des einst unabhängigen Reiches Asturien. Das Königreich Leon ging dann wiederum im Jahr 1230 in Kastilien auf.

Die Erinnerung daran, dass Asturien als Wiege des neuzeitlichen Spaniens gilt, wird auch dadurch hochgehalten, dass der spanische Thronfolger seit dem Mittelalter bis heute den Titel „Prinz von Asturien“ trägt, allerdings dadurch keine besondere verfassungsrechtliche Stellung einnimmt. In Asturien gibt es auch den Spruch „Asturies ye Espana, lo demas tierra conquistade“, Asturien ist Spanien, der Rest ist erobertes Land.

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Die Schwebefähre von Biskaya

Die Schwebefähre von Biskaya

Die älteste Schwebefähre der Welt in der Nähe von Bilbao beeindruckt als Monument der Industriellen Revolution mit spektakulärer Architektur und herrlicher Aussicht.

Die Brücke von Biskaya ist die älteste Schwebefähre der Welt, die heute noch voll in Betrieb ist und jedes Jahr an die sechs Millionen Reisende befördert.  Sie wurde vom spanischen Architekten Alberto de Palacio entworfen, der eine Präferenz für Eisen als Baumaterial hatte. Er war zudem ein enger Freund von Gustave Eiffel.

 

Das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Werk wurde 1893 eingeweiht.

Diese Flussbrücke über den Nervión ist 45 m hoch und 160 m lang und verbindet die Ortschaften Portugalete und Getxo miteinander. Sie war die erste Brücke der Welt, mit der man über ein Hängeschiff, das von einem Ufer zum anderen schwebt, über den Fluss fahren konnte. Danach wurde diese revolutionäre Technik in zahlreichen ähnlichen Brücken in Europa, Afrika und Amerika eingesetzt.

 

Man entschied sich zur damaligen Zeit für eine Schwebefähre anstatt eines normalen Viadukts, damit die größeren Schiffe weiterhin unter der Brücke durchfahren konnten. Damals konzentrierte sich die gesamte Industrie von Biskaya am Hafen von Guecho, immer mehr Fabriken wurden an den Ufern des Nervión gebaut. Es war daher unbedingt erforderlich, dass die neue Brücke die Durchfahrt der großen Frachter in Richtung der neuen Werften ermöglichte.

Die 400 Tonnen schwere Anlage besteht aus zwei 45 Meter hohen Stahlfachwerktürme an beiden Ufern mit einem 160 Meter langen horizontalen Traggerüst dazwischen. Die Türme sind, dem Konstruktionsprinzip einer Hängebrücke folgend, durch diagonal verlaufende Seile im Hinterland verankert. Am Traggerüst hängt eine 15 × 10,4 Meter große Transportbarke, mit der Personen und Autos (bis zu sechs Pkw) transportiert werden können. Die aufnehmbare Nutzlast ist allerdings auf 22 Tonnen begrenzt. Zusätzlich gibt es noch einen Fußgängerüberweg im oberen Teil der Hochbrücke, der per Aufzug zu erreichen ist. Die Schwebefähre war die erste ihrer Art und stand Modell für etwa 20 ähnliche Anlagen in EuropaAfrika und Amerika. Ab 1916 wurde wegen der relativ geringen Kapazität solcher Anlagen deren Bau aufgegeben. Heute sind weltweit noch acht Schwebefähren in Betrieb.

Die Brücke von Biskaya war das erste historische Industriedenkmal Spaniens und ist laut der UNESCO „eine außergewöhnliche Ausdrucksform technischer Kreativität, in der Funktion und ästhetische Schönheit perfekt miteinander kombiniert werden“.

 

Die horizontale Verbindung wurde 1937 während des spanischen Bürgerkrieges zerstört, um den Vormarsch von Francos Truppen aufzuhalten. Dabei wurden auch die Türme auf beiden Uferseiten in Mitleidenschaft gezogen. Alberto Palacio musste von seinem Haus in Portugalete aus mit ansehen, wie sein Meisterwerk teilweise zerstört wurde. Er starb zwei Jahre später. Nach dem Krieg wurde das Traggerüst wiederaufgebaut und die Schwebefähre 1941 wieder in Betrieb genommen. 1964 wurde die alte Gondel durch eine neuere ersetzt die sich nach den aerodynamischen Prinzipien richtete und aus seewasserbeständigem Stahl gefertigt wurde. 1991 wurde ein für Abendveranstaltungen konzipierte Lichtanlage aus über 900 Leuchten angebracht.

 

Die Fähre ist das ganze Jahr über täglich von morgens fünf bis abends zehn Uhr geöffnet. Im Abstand von acht Minuten werden während der Betriebszeiten Autos und Personen übergesetzt. Die Überfahrt dauert ca. 2 Minuten und erspart Autos einen Umweg von ca. 20 km. Im vergangenen Jahr beförderte die Puente de Vizcaya 3 176 739 Personen, 181 238 Motorräder und Fahrräder sowie 298 176 Fahrzeuge und Lieferwagen.

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