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Die Schwebefähre von Biskaya

Die Schwebefähre von Biskaya

Die älteste Schwebefähre der Welt in der Nähe von Bilbao beeindruckt als Monument der Industriellen Revolution mit spektakulärer Architektur und herrlicher Aussicht.

Die Brücke von Biskaya ist die älteste Schwebefähre der Welt, die heute noch voll in Betrieb ist und jedes Jahr an die sechs Millionen Reisende befördert.  Sie wurde vom spanischen Architekten Alberto de Palacio entworfen, der eine Präferenz für Eisen als Baumaterial hatte. Er war zudem ein enger Freund von Gustave Eiffel.

 

Das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Werk wurde 1893 eingeweiht.

Diese Flussbrücke über den Nervión ist 45 m hoch und 160 m lang und verbindet die Ortschaften Portugalete und Getxo miteinander. Sie war die erste Brücke der Welt, mit der man über ein Hängeschiff, das von einem Ufer zum anderen schwebt, über den Fluss fahren konnte. Danach wurde diese revolutionäre Technik in zahlreichen ähnlichen Brücken in Europa, Afrika und Amerika eingesetzt.

 

Man entschied sich zur damaligen Zeit für eine Schwebefähre anstatt eines normalen Viadukts, damit die größeren Schiffe weiterhin unter der Brücke durchfahren konnten. Damals konzentrierte sich die gesamte Industrie von Biskaya am Hafen von Guecho, immer mehr Fabriken wurden an den Ufern des Nervión gebaut. Es war daher unbedingt erforderlich, dass die neue Brücke die Durchfahrt der großen Frachter in Richtung der neuen Werften ermöglichte.

Die 400 Tonnen schwere Anlage besteht aus zwei 45 Meter hohen Stahlfachwerktürme an beiden Ufern mit einem 160 Meter langen horizontalen Traggerüst dazwischen. Die Türme sind, dem Konstruktionsprinzip einer Hängebrücke folgend, durch diagonal verlaufende Seile im Hinterland verankert. Am Traggerüst hängt eine 15 × 10,4 Meter große Transportbarke, mit der Personen und Autos (bis zu sechs Pkw) transportiert werden können. Die aufnehmbare Nutzlast ist allerdings auf 22 Tonnen begrenzt. Zusätzlich gibt es noch einen Fußgängerüberweg im oberen Teil der Hochbrücke, der per Aufzug zu erreichen ist. Die Schwebefähre war die erste ihrer Art und stand Modell für etwa 20 ähnliche Anlagen in EuropaAfrika und Amerika. Ab 1916 wurde wegen der relativ geringen Kapazität solcher Anlagen deren Bau aufgegeben. Heute sind weltweit noch acht Schwebefähren in Betrieb.

Die Brücke von Biskaya war das erste historische Industriedenkmal Spaniens und ist laut der UNESCO „eine außergewöhnliche Ausdrucksform technischer Kreativität, in der Funktion und ästhetische Schönheit perfekt miteinander kombiniert werden“.

 

Die horizontale Verbindung wurde 1937 während des spanischen Bürgerkrieges zerstört, um den Vormarsch von Francos Truppen aufzuhalten. Dabei wurden auch die Türme auf beiden Uferseiten in Mitleidenschaft gezogen. Alberto Palacio musste von seinem Haus in Portugalete aus mit ansehen, wie sein Meisterwerk teilweise zerstört wurde. Er starb zwei Jahre später. Nach dem Krieg wurde das Traggerüst wiederaufgebaut und die Schwebefähre 1941 wieder in Betrieb genommen. 1964 wurde die alte Gondel durch eine neuere ersetzt die sich nach den aerodynamischen Prinzipien richtete und aus seewasserbeständigem Stahl gefertigt wurde. 1991 wurde ein für Abendveranstaltungen konzipierte Lichtanlage aus über 900 Leuchten angebracht.

 

Die Fähre ist das ganze Jahr über täglich von morgens fünf bis abends zehn Uhr geöffnet. Im Abstand von acht Minuten werden während der Betriebszeiten Autos und Personen übergesetzt. Die Überfahrt dauert ca. 2 Minuten und erspart Autos einen Umweg von ca. 20 km. Im vergangenen Jahr beförderte die Puente de Vizcaya 3 176 739 Personen, 181 238 Motorräder und Fahrräder sowie 298 176 Fahrzeuge und Lieferwagen.

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Das Guggenheim-Museum und der „Bilbao-Effekt“

Das Guggenheim-Museum und der „Bilbao-Effekt“

Der Begriff Bilbao-Effekt bezeichnet die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten von Architekten. Der Begriff geht zurück auf die Entwicklung Bilbaos  im Zusammenhang mit dem 1997 fertiggestellten Guggenheim-Museum des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry.

Auslöser war, dass die Guggenheim-Stiftung in New York 1981 entschied, die Europa-Filiale ihres Museums in der heruntergekommenen Industriestadt zu eröffnen, um Bilbao kulturell zu beleben. Die Probleme Bilbaos in den 70er und 80er Jahren führten dazu, dass sich die Stadtverwaltung neu orientierte, um aus einer schmutzigen Industriestadt eine erfolgreiche Dienstleistungsstadt zu kreieren. So holten sie viele internationale Stararchitekten in die Stadt. Das von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim-Museum, das Kulturzentrum Azkuna Zentroa von Philipp Starck, die Metroeingänge von Sir Norman Foster oder die Brücke Zubizuri von Santiago Calatrava sind die berühmtesten Bauten. Die Initialzündung ging sicher von Guggenheim-Museum aus, aber der Bilbao-Effekt kann eigentlich nur durch das Zusammenspiel verschiedenen Faktoren der Stadtgestaltung erklärt werden. Viele Städte, die glaubten über ein einzelnes spektakuläres Bauwerk ihre Stadt aufzuwerten, scheiterten .

Für einen Einladungswettbewerb, der den Auftakt zu Bilbaos umfassender Stadtsanierung markierte, entwarf Frank O. Gehry sein avantgardistisches Meisterwerk. Nach vier Jahren Bauzeit feierte das Museum im Oktober 1997 Eröffnung. Es hat die Stadt, die damals mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent geschlagen war, zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte geführt. Statt einer halben Million Besucher, auf die man in Bilbao vor der Eröffnung gehofft hatte, kamen schon bald eine Million pro Jahr; wegen der Kunst, die im Museum gezeigt wird, aber vor allem auch wegen des Museums selbst, einer formenreichen Wahnsinnskonstruktion. Bilbao hat sich darüber ganz neu aufgestellt, eine ehemalige schmutzigen Industriestadt wurde zu einer attraktiven Kulturstadt.

 

Die Struktur des Gebäudes aus Glas, Titan und Kalkstein aus Granada ist ein Kunstwerk. Die Verkleidung aus 33 000 Titanplatten ist nicht ganz eben und schafft dadurch besondere Lichteffekte je nach Wetterlage und Tageszeit, da sie bei jedem Licht anders leuchten. Gehry gelang mit voller Absicht das Kunststück, ein Kunstmuseum selbst zum wichtigsten Exponat zu erheben: einer Megaskulptur aus kantigen und dynamisch geschwungenen Formen, Symmetrien und Asymmetrien, Verschachtelungen der Elemente Kalkstein, Glas und Titan. Das Guggenheim-Museum ist eines der berühmten Beispiele des Dekonstruktivismus, einer Richtung der modernen Architektur, die durch das unvermittelte Aufeinanderstoßen von unterschiedlichen Materialien, Räumen und Linienführungen gekennzeichnet ist. Auch das Guggenheim-Museum zeichnet sich durch einen bemerkenswert freien, spielerisch leichten Umgang mit architektonischen Elementen, Gliederungsstrukturen und Materialien aus. Bis heute darf man sich tief vor der Leistung Frank Gehrys verneigen.

Wer zum Guggenheim-Museum nach Bilbao reist, sollte sich allerdings vor falschen Vorstellungen von einem Kunstmekka hüten. Das Museum zeigt auf seinen 11 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche nur wenige ständige Exponate, darunter einen “Nelkenstrauß” von Jeff Koons auf der Terrasse neben den Wassergärten sowie Stahlkolosse des Bildhauers Richard Serra in der mit 130 Metern längsten Galerie. Parallel laufen gewöhnlich zwei bis drei Wechselausstellungen unterschiedlichster Qualität, die zuweilen enttäuschen könnten.

Rund um die eindrucksvolle Konstruktion finden sich weitere beeindruckende Kunstwerke:

  • die neun Meter hohe Spinnenskulptur „Maman“ von Louise Bourgeois
  • die zwölf Meter hohe bepflanzte Hunde-Skulptur „Puppy“ von Jeff Koons, die eigentlich nur zur Eröffnung des Museums stehen sollte, aber auf Grund des Protestes der Bevölkerung wird die Skulptur jedes Jahr neue mit ca. 17 000 Blumen bepflanzt.
  • Anish Kapoors Installation Tall tree and the eye (2009), bestehend aus 73 spiegelnden Kugeln
  • Koons‘ Tulips – farbige Tulpen aus hochpoliertem Edelstahl aus seiner Celebration-Serie. 

Öffnungszeiten des Museums: Dienstag – Sonntag 10 – 19 Uhr

Noch eine kurze Bemerkung zum Bilbao-Effekt:

Es liest sich wie ein einfaches Erfolgsrezept: Man nehme einen Stararchitekten, lasse ihn in einer Standardstadt ein Gebäude bauen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, stelle Kunst aus – und die Stadt erblüht neu. Viele Städte haben versucht, nach diesem Muster vorzugehen, aber nur wenige waren wirklich erfolgreich. Ein trauriges Beispiel ist das Kulturzentrum im Avilés. Ich glaube, dass das Gesamtkonzept der Stadterneuerung letztendlich erst zum langfristigen Erfolg Bilbaos geführt hat. Der Bau einer U-Bahn, ein neuer Flughafen, ein neues Abwassersystem, Wohn-, Freizeit- und Gewerbeanlagen in der Innenstadt, die Neugestaltung des innerstädtischen Flussufers – all das beförderte neben dem Guggenheim-Museum den Bilbao-Effekt.

(s. dazu auch die Ausführungen zur Stadt Bilbao)

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Römische Stadt Lugo

Römische Stadt Lugo

Wir betreten durch das Tor San Pedro Lugo, die älteste Stadt Galiciens mit ca. 100.000 Einwohner. Hier beginnt dann auch schon unsere Zeitreise in die römische Vergangenheit der Stadt. Denn das Tor, wie einige andere, liegt in der alten römischen Stadtmauer, die die gesamte Altstadt umschließt. Sie ist die am vollständigsten erhaltene Mauer im gesamten Weströmischen Reich.

Paullus Fabius Maximus ließ im Jahr 13 v. Chr. im Namen des Kaisers Augustus die römische Stadt Lucus Augusti gründen, die aus einem römischen Lager hervorging, das immer stärker wuchs.  Damit sollte der Nordwesten der iberische Halbinsel endgültig ins Römische Reich eingegliedert werden. Im 3. Jh. nach chr. wurde sie zur Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Superior. Eine früher errichtete erste Mauer wurde Ende des 3. Jahrhunderts durch die heute noch bestehende ersetzt. Der Neu- und Ausbau der Stadtmauer war notwendig, da das Imperium im Norden durch zahlreiche Überfälle von außen bedroht wurde. Die Mauer hat sich trotz der wechselhaften Geschichte Lugos u.a. unter der Herrschaft der Sueben und der Mauren und trotz der erforderlichen Ausbesserungs- und Ergänzungsarbeiten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt und ist seit dem Jahr 2000 UNESCO Weltkulturerbe.

Von Malopez 21 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73731317
Von Cecilio Pizarro - (1850-10-06). "Muralla romana de Lugo". Semanario Pintoresco Español (40): 313. ISSN 2171-0538., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=67290999

Die Mauer hat eine Länge von etwa 2100 m und umfasst eine Fläche von 34,4 ha. Diese Fläche umfasste damals neben den Wohngebäuden auch große Acker- und Brachflächen. Die Breite der Mauer beträgt 4,20 m und erreicht in einigen Abschnitten auch 7 m. Die Mauerhöhe variiert – geländebedingt – zwischen acht und zwölf Metern. Der Verlauf der Mauer bildet grob ein unregelmäßiges Viereck, wobei die Ecken abgerundet sind. In relativ kurzen Abständen – sie betragen zwischen 6,30 m und 13,50 m – sind nach außen meist halbkreisförmig Türme vorgebaut. Die Mauer hatte ursprünglich 85 Türme. Davon sind 46 noch erhalten, 39 wurden im Laufe der Zeit abgerissen oder zurückgebaut. Der Durchmesser der Türme variiert zwischen 9,80 m und 16,40 m.  Auf dem vorhandenen Steg waren mindestens zwei weitere Stockwerke aufgebaut, die heute nicht mehr erhalten sind. Ein einziger Rest  findet sich heute am Torre da Mosqueira mit seinen großen Fenstern mit Rundbögen. Als Fußgänger kann man auf der gesamten Mauer, wo einst die Wächter patrouillierten, entlang spazieren und so das alte Zentrum der Stadt umrunden, die Geschichte spüren und gleichzeitig das tägliche Treiben der Stadt beobachten.

Der Mauer vorgelagert war ein Graben. Er lag etwa 5 m vor den Türmen, war 20 m breit und 4 m tief. Davon sind heute nur wenige Spuren sichtbar. 1987 wurde der Graben durch archäologische Untersuchungen dokumentiert. Es wurde nachgewiesen, dass es sich nicht um einen durchgehenden Graben handelt, sondern dass er aus verschiedenen, voneinander unabhängigen Abschnitten bestand.

In römischer Zeit gab es fünf Tore, durch die man aus dem Umland die Stadt betreten konnte. Zwischen 1853 und 1921 wurden fünf weitere Tore durch die Mauer gebrochen, um den Anforderungen des wachsenden Verkehrs gerecht zu werden. Von den nun zehn bestehenden Toren dienen heute sechs ausschließlich dem Fußgängerverkehr. Nur vier Tore dürfen von Kraftfahrzeugen durchfahren.

Weitere Sehenswürdigkeiten von Lugo sind:

  • die romanisch-gotische Kathedrale Santa Maria. Sie wurde im 12. Jh. erbaut, erhielt aber später gotische, barocke und neoklassische Bauteile dazu. Die Bauarbeiten dauerten über hundert Jahre an, wobei später wunderschöne Elemente, wie die neoklassische Fassade, welche unter dem Namen Santiago-Tor bekannt ist, hinzugefügt wurden. Die ursprünglichen romanischen Züge dieses Baus sind noch am Hauptandachtskreuz, dem größten Teil des Hauptschiffs sowie an den Seitenflügeln zu erkennen. Der gotischen Stilrichtung entstammen Elemente, wie das Deambulatorium, die Hauptkapelle oder der nördliche Säulengang, wohingegen die Sakristei, der Kreuzgang oder die Kapelle der Jungfrau Virgen de los Ojos Grandes im Barockstil gehalten sind. Im Innenbereich sind der prachtvolle in Nussholz geschnitzte Chor aus dem 17. Jahrhundert sowie das Retabel, welches der Schutzpatronin der Stadt gewidmet ist und als eines der Meisterwerke des galicischen Barocks angesehen wird, hervorzuheben. Die Kathedrale erhielt vom Papst das besondere Privileg, das Heilige Sakrament dauerhaft zu zeigen.
  • Der Barockbau des bischöflichen Palastes. Dieser Barockbau aus dem 18. Jahrhundert erhebt sich auf dem ehemaligen Standort des Turms der Grafen von Lemos.
  • Rund um die mit Säulengängen versehene Praza do Campo, welche in früheren Zeiten ein Forum Romanum und ein mittelalterlicher Markt war, erstreckt sich eine Vielzahl an belebten Einkaufsstraßen. Ganz in der Nähe erhebt sich die San Pedro-Kirche, ein wunderschönes Exemplar mittelalterlicher Architektur, welche Teil des ehemaligen San Francisco-Klosters war und heute Sitz des Provinzialmuseums, eines der bedeutendsten Museen der Provinz Lugo, ist.
  • Park Rosalia de Castro Will man sich nach der Wanderung ein wenig ausruhen, so bietet sich ein Besuch im Park Rosalia de Castro an.  Er wurde zu Beginn des 20. Jhs. angelegt und hat seinen Namen von der großen galicischen Schriftstellerin, die mit einer Skulptur geehrt wird. Mehrere Teiche sind von schönen Rosensträuchern umgeben. Von einem Aussichtspunkt an der Westseite kann man den vorbeifließenden Mino Fluss beobachten. In diesem Park befinden sich mehr als hundert unterschiedliche Arten von riseigen Bäumen: Riesenmammutbäume,  Ahorne, Spanische Tannen, Blaufichten, Atlaszedern etc.
  • Die römische Brücke von Lugo stammt aus dem 1. Jh. und verband Lucus Augusti mit Braga (Portugal) über die römische Straße. Die Brücke ist über einhundert Meter lang und vier Meter breit. Trotz zahlreicher Renovierungen blieb die ursprüngliche Gestalt erhalten. Heute ist sie nur für Fußgänger zugänglich und bietet einen herrlichen Spaziergang über den Fluss Mino.

Römische Thermen

Etwa einen Kilometer vor Lugo sind die Überreste römischer Thermen zu besichtigen. Sie entstanden im 1. und 2. Jh. und befinden sich heute unter dem Hotel Balneario de Lugo am Ufer des Flusses Mino. Die Ausgrabungen im Untergeschoss des Hotels sind für Besucher offen.

Quellen

Stefanie Bisping, Gint Schwarzenburg, 100 Highlights Jakobswege in Spanien und Portugal,  München 2021

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Es kann auch mal ein Campingwagen sein!

Es kann auch mal ein Campingwagen sein!

Als wir in Air sur l´Adour ankamen, war die Herberge bereits belegt. Da wir – wie meist – nicht vorgebucht hatten, musste eine andere Lösung her. Die Dame im Tourismusbüro bot uns mehrere Unterkünfte an u.a. eine auf dem Campingplatz. Marielouise war sofort begeistert. Sie wollte schon immer einmal auf einem Campingplatz übernachten. Ich war eher skeptisch. Was für eine verrückte Idee! Aber ich ließ mich überreden.

 

 

Also ging es ab zum Campingplatz Les Ombrages de l´Adour, der wunderschön direkt am Ufer des Flusses l´Adour gelegen war. Das war doch schon immerhin etwas! Dann inspizierten wir den Campingwagen, der uns angeboten wurde. Als der Campingplatzbesitzer unsere skeptischen Blicke auf das schmale Bett sah, bot er uns an, noch einen weiteren Campingwagen dazu zu nehmen. Das lehnten wir aber dankend ab.

Nach einem leckeren Abendessen im Ort und einem Glas Wein vor unserem Campingwagen starteten wir unser Abenteuer Schlafen im Wohnwagenbett.

 

 

Noch lachend und bester Laune legten wir uns in das schmale Bett. Allerdings zweifelten wir daran, dass wir gut schlafen würden. Aber oh Wunder, wir schliefen wie die Murmeltiere, besser als in den Herbergen zuvor! Als der Wecker klingelte, wollten wir erst gar nicht aufstehen. Aber es lag eine lange Strecke bei sehr warmem Wetter vor uns. Aber wir können sagen, eine Übernachtung im Campingwagen ist durchaus empfehlenswert.

Ausgeschlafen und nach einem guten Frühstück im Freien ging unsere Wanderung weiter nach Arzacq-Arraziguet.

 

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Heiß, heißer, es geht nicht mehr!

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Es war einer jener heißen Tage auf unserer Wanderung. Wir waren auf dem Weg von Lauzerte nach Moissac. 25 km bei mindestens 35° Grad lagen vor uns und das meist auf kleinen Straßen, die auch noch die Hitze abstrahlten. Im Buch stand außerdem: keine Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Auch ausreichend Wasser muss mitgeführt werden.

Obwohl wir vorgewarnt waren, hatten wir doch unsere Probleme mit dem Wasservorrat. Kurz vor Espis war unser Vorrat zu Ende, die Sonne brannte nur so vom Himmel und es waren noch über 5 km auf einer kleinen Straße bis Moissac. Wir waren schon recht verzweifelt, da erinnerte ich mich, dass im Buch unter Espis ein Trinkbrunnenzeichen dargestellt war. Und als wir am Friedhof des Ortes vorbeikamen, wurde uns klar, hier musste es Wasser geben. Also bogen wir auf den Friedhof ab.

Oh wie erfrischend war das Wasser! Erst löschten wir unseren Durst und dann hielt uns nichts mehr und wir steckten unsere Köpfe unter die Wasserleitung.  Auch wenn wir wie zwei begossene Pudel aussahen, kümmerte uns das nicht und wir genossen einfach die Abkühlung!

Als wir allerdings weitere zwei Kilometer gegangen waren, war von der Erfrischung leider nichts mehr zu spüren. Erschöpft und müde setzten wir uns auf die Balustrade an einem Haus. Mairelouise meinte, wie sähen aus wie zwei gerupfte Hühner auf der Stange. Als ein Auto kam, hielten wir den Daumen raus. Und wirklich ein junger Mann hielt an und nahm uns mit ins Zentrum von Moissac. Wie dankbar waren wir, denn der Rest des Weges wäre ohne Schatten durch ein Industriegebiet gegangen.  Nach einer Dusche in der Herberge konnten wir dann gegen Abend diesen herrlichen Ort mit seiner wunderschönen Kathedrale genießen.

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Stop Casa Boto – die Bar von José Manuel Boto, Barbesitzer, Englischlehrer, Schauspieler

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In Mortera hat José Manuel Boto eine kleine Bar, in der man „alles“ bekommen kann – Getränke, Essen, Souveniers, Haushaltsgeräte und vieles mehr. Man muss diese Bar gesehen haben – bunt, vollgestellt, bizarr und gleichzeitig liebenswert.

 

José Manuel Boto leitet seit 37 Jahren die Bar Stop Casa Boto, die seine Großeltern1929 eröffneten und die dann von seinen Eltern weitergeführt wurde. José Manuel Boto ist hier geboren und aufgewachsen. Er hat mehrere Jahre im Ausland studiert und gearbeitet. In Großbritannien schloss er sein Studium der Philologie ab. Nach dem frühen Tod seiner Mutter kehrte er zurück, um dem Vater zu helfen. Er gab zusätzlich Englischunterricht in der ganzen Region. Außerdem ist er Mitglied einer Theatergruppe und er hat auch in TV-Serien und in mehreren Kurzfilmen mitgewirkt.

Wie lange die Bar noch existieren wird, ist unklar. José Manuel Boto denkt an Ruhestand, möchte aber die Bar und ihren Stil erhalten sehen.

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Eine Blume zum Abschied

Eine Blume zum Abschied

Wir gingen in Villaluc am Gemüsegarten eines Bauernhofes vorbei und betrachteten die verschiedenen Gemüsesorten, die dort angepflanzt waren. Da sprach uns der Bauer, der im Garten arbeitete, an. Er fragte, ob wir einen Stempel in unser Credential haben wollten. Wir schauten uns an, warum nicht.

Also winkte er uns auf seinen Bauernhof. In der Nähe seines Kuhstalls hatte er einen kleinen Tisch stehen, auf dem der Stempel lag. Nachdem wir dann seinen Stall mit ca. 40 Kühen besucht hatten, bot er uns noch ein Glas frische Milch an , dass wir dann auch mutig tranken.

Wir bedankten uns für die Gastfreundschaft und holten unsere Rucksäcke, die wir am Tisch abgestellt hatten. Galant half er Marielouise in den Rucksack. Und zum Abschied verehrte er dann jeder von uns noch eine kleine Blume aus seinem Garten.

Welch eine schöne Pause auf dem Weg!

Schade, dass unser Spanisch zu schlecht war, um sich länger zu unterhalten. Aber Gesten sagen ja auch manchmal mehr als viele Worte!

 

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Treppensturz in Padrón

Treppensturz in Padrón

Marielouise wollte unbedingt um 6 Uhr am nächsten Morgen von Padrón losgehen – ich nicht!!! Aber nach einer Diskussion am Abend gab ich nach. Also standen wir gegen 5.30 Uhr vorsichtig auf, um die anderen Pilger in der Herberge nicht zu wecken. Denn außer uns war noch niemand auf den Beinen. Draußen war es auch noch stockdunkel. Leise schlichen wir aus dem Zimmer und auf Socken die dunkle Treppe hinunter. Leider verpasste ich dabei eine Stufe, rutschte aus und stürzte mit lautem Krach die Treppe hinunter. Da ich den Rucksack Gott sei Dank vor mich hertrug, fiel ich erst auf ihn und dann über ihn hinweg mehrere Stufen hinunter bis zum Treppenende. So wurde der Sturz Kopf über abgedämpft und ich hatte mir nicht weh getan. Aber Marielouise, die vor mir ging, habe ich am Knie getroffen, das ihr einen Tag lang noch weh tat. Der Sturz löste natürlich einen riesigen Krach aus, aber keiner der anderen Pilger ließ sich sehen. Also rappelten wir uns auf, gingen in die Küche und frühstückten.

Dann ging es los, obwohl es draußen noch relativ dunkel und vor allem nebelig war. So tasteten wir uns ausgerüstet mit unseren Stirnlampen schweigend den Pfad entlang. Jede schimpfte im Stillen wohl noch ein bisschen auf die andere. Nach etwa einer halben Stunde ging es auf einer Straße bergab, doch nach einiger Zeit fiel uns auf, dass wir schon länger keine Pilgerpfeile mehr gesehen hatten. Das musste ja passieren, wir hatten uns verlaufen! Was tun?

Wir waren wohl bei dem Nebel vom Weg abgekommen und hier war nur Straße und Wald, kein Dorf, kein Mensch, nur eine kleine Bar auf der anderen Seite der Straße, die aber dunkel war. Das bedeutete: umkehren bis wir wieder einen Pfeil fänden. Da kam ein Auto angefahren und hielt an der Bar O`Atallo auf der anderen Seite. Als der Mann merkte, dass wir uns verunsichert umschauten und schon umkehren wollten, winkte er uns zu und rief, dass wir ruhig auf der Straße weitergehen könnten, dann träfen wir wieder auf den Pfad. Welch gute Nachricht! Vor Freude beschlossen wir, der Bar und unserem Informanten einen Besuch abzustatten und uns mit einer Tasse Kaffee zu stärken.

Als wir an der Bar saßen, stellte uns der Barmann zwei Tassen Kaffee auf die Theke, zwinkerte uns zu und goss in jede Tasse einen ordentlichen Schluck Cognac. Auch die beiden kleinen Kuchen, die er dazustellte, gingen auf Kosten des Hauses. Wir genossen alles in Ruhe – wir hatten ja Zeit, waren wir doch früh aufgestanden. Außerdem hatten wir das nach den Aufregungen des Morgens verdient! Nach einem herzlichen Dankeschön verließen wir die Bar, gingen beschwingt (!) die Straße hinunter und trafen auch bald wieder auf den richtigen Pfad. Wir waren uns sicher, dass ist und wird wieder ein guter Tag!

Aber es war auch das letzte Mal, dass wir soooo früh aufgestanden sind!

 

 

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Dann ging es los, obwohl es draußen noch relativ dunkel und vor allem nebelig war. So tasteten wir uns ausgerüstet mit unseren Stirnlampen schweigend den Pfad entlang. Jede schimpfte im Stillen wohl noch ein bisschen auf die andere. Nach etwa einer halben Stunde ging es auf einer Straße bergab, doch nach einiger Zeit fiel uns auf, dass wir schon länger keine Pilgerpfeile mehr gesehen hatten. Das musste ja passieren, wir hatten uns verlaufen! Was tun?

Wir waren wohl bei dem Nebel vom Weg abgekommen und hier war nur Straße und Wald, kein Dorf, kein Mensch, nur eine kleine Bar auf der anderen Seite der Straße, die aber dunkel war. Das bedeutete: umkehren bis wir wieder einen Pfeil fänden. Da kam ein Auto angefahren und hielt an der Bar O`Atallo auf der anderen Seite. Als der Mann merkte, dass wir uns verunsichert umschauten und schon umkehren wollten, winkte er uns zu und rief, dass wir ruhig auf der Straße weitergehen könnten, dann träfen wir wieder auf den Pfad. Welch gute Nachricht! Vor Freude beschlossen wir, der Bar und unserem Informanten einen Besuch abzustatten und uns mit einer Tasse Kaffee zu stärken.

Als wir an der Bar saßen, stellte uns der Barmann zwei Tassen Kaffee auf die Theke, zwinkerte uns zu und goss in jede Tasse einen ordentlichen Schluck Cognac. Auch die beiden kleinen Kuchen, die er dazustellte, gingen auf Kosten des Hauses. Wir genossen alles in Ruhe – wir hatten ja Zeit, waren wir doch früh aufgestanden  . Außerdem hatten wir das nach den Aufregungen des Morgens verdient! Nach einem herzlichen Dankeschön verließen wir die Bar, gingen beschwingt (!) die Straße hinunter und trafen auch bald wieder auf den richtigen Pfad. Wir waren uns sicher, dass ist und wird wieder ein guter Tag!

Aber es war auch das letzte Mal, dass wir soooo früh aufgestanden sind!

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Die Glocke der Kirche von Alta

Die Glocke der Kirche von Alta

Es war Sonntag und wir waren schon ca. 3 Stunden unterwegs und noch knapp 1 km von Alta entfernt. Da hörten wir deutlich eine Glocke läuten. Erst gingen wir eine Zeit lang weiter, ohne etwas zu sagen. Aber die Glocke läutete weiter. Dann sahen wir uns an und hatten beide den gleichen Gedanken, diese Glocke ruft uns. Da wir aber aus Erfahrung wussten, dass in Spanien die Kirchen in der Regel untertags geschlossen sind, haben wir dem Ganzen zunächst keine Bedeutung beigemessen. Aber die Glocke des Kirchturms läutete weiter. Rief sie uns doch?

Zügig gingen wir durch den kleinen Ort und bald standen wir vor der Dorfkirche. Und zu unserer großen Überraschung stand die Kirchentür auf, wie um uns einzuladen einzutreten. Zögernd betaten wir die Kirche. Im Innern trafen wir eine Dame, die gerade aufräumte, und uns zuwinkte, dass wir ruhig reinkommen könnten. Zunächst zündeten wir – wie gewöhnlich – zwei Kerzen an, mit Wünschen für unsere Lieben und für einen guten Weg. Dann setzten wir uns leise in eine Kirchenbank und ließen uns von der Atmosphäre dieser kleinen einfachen romanischen Kirche einfangen. Wir schwiegen und jede von uns hing eine Zeitlang ihren Gedanken nach. Wir waren berührt und gerührt. Es war einer dieser stillen, vielleicht auch mystischen Momente, die man auch auf dem Jakobsweg erlebt. Glücklich und entspannt setzten wir unseren Weg fort. Aber wir waren schweigsam und ließen den Moment noch lange nachwirken!

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Das Zisterzienserkloster bei Granja de Moreruela

Das Zisterzienserkloster bei Granja de Moreruela

Das Dorf Granja de Moreruela liegt – geht man auf dem Jakobsweg –  ca. 40 nördlich von Zamora. Es befindet sich in der iberischen Meseta, dem kastilischen Hochland. An diesem Ort trennen sich der Camino Sanabrés und der Zubringer zum Camino Francés. Der einsamere Camino Sanabrés biegt hier schon in westliche Richtung ab und verläuft südlicher als der Camino Francés nach Santiago de Compostela.

Das alte verlassene Zisterzienserkloster Santa Maria de Moreruela befindet sich ca. 2 km außerhalb von Granja de Moreruela, allerdings nicht direkt am Jakobsweg. Auch wenn man vielleicht von der Wanderung müde ist, lohnt sich der Besuch dieser irgendwie verträumten Anlage unbedingt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Granja_de_Moreruela#/media/Datei:Exterior_de_Santa_Mar%C3%ADa_de_Moreruela.JPG

 

Wahrscheinlich wurde das Kloster von französischen Zisterziensermönchen gegründet. Allerdings hatte es hier schon vorher ein Kloster gegeben, vermutlich der Benediktiner. Ob das Monesterio de Santa Maria de Moreruela das erste Zisterzienserkloster in Spanien war, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die Klostergründung war auf jeden Fall Teil der christlichen Siedlungspolitik von König Alfonso VII, der den Zisterziensern gezielt Land übertragen hat, um Klostergründungen zu ermöglichen. Denn in der Regel bildeten sich um die Klöster weitere Höfe und Siedlungen und führten so zur Besiedlung der lange Zeit aufgegebenen Landesteile nach der Besetzung Spaniens durch die Mauren.

Das Kloster ist eine Ruine, teilweise dem Verfall preisgegeben, obwohl das Kloster seit 1931 als Kulturdenkmal gilt. Trotzdem handelt es sich auch heute noch um eine imposante Anlage. Vor allem die romanisch-frühgotische Kirche und der Kreuzgang (12./13. Jh.) sind sehenswert. Die Kirche hatte eine Länge von 63 Metern und einer Breite von 23 Metern beim Querhaus. Die Kirche war in Form eines Kreuzes gebaut. Man kann noch heute, wenn man in der Kirche steht, dessen Dach allerdings nicht mehr existiert, die imposante Größe ermessen.

Die Apsis bestand aus sieben im Halbkreis angeordneten Radialkapellen. Nordportal, Chorgewölbe und Wände eines Seitenschiffes sind erhalten, der Westgiebel und die Nordfassade nur bis zur halben Höhe. Von außen kann man den Chor mit seinen drei Ebenen besonders gut erkennen. Das Kloster eingebettet in ein Waldgebiet übt auf den Besucher eine ganze eigene Faszination aus.

Die Überreste der Klosterkirche aber auch der gesamten Anlage geben immer noch einen Eindruck von der Pracht und Größe des Klosters wieder, das im Mittelalter als Tochterkloster der Abtei von Clervaux in Frankreich Bedeutung besaß und selbst zwei weitere Abteien in der Umgebung übernahm. Man vermutet, dass das Kloster geschlossen wurde, als 1835 das Gesetz zur Schließung aller bisher geöffneter Klöster auf spanischem Boden erlassen wurde. Trotz des Widerstandes des Abts wurde das Kloster und der angrenzende Berg verkauft und so langsam dem Verfall und der Plünderung ausgesetzt.

 

Was uns bei der Besichtigung auch auffiel, waren die vielen unterschiedlichen Steinmetzzeichen auf den Steinen. Es ist sicher interessant, sich über deren Sinn und Zweck zu informieren (s. Abschnitt Steinmetzzeichen).

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