Das Dorf Granja de Moreruela liegt – geht man auf dem Jakobsweg – ca. 40 nördlich von Zamora. Es befindet sich in der iberischen Meseta, dem kastilischen Hochland. An diesem Ort trennen sich der Camino Sanabrés und der Zubringer zum Camino Francés. Der einsamere Camino Sanabrés biegt hier schon in westliche Richtung ab und verläuft südlicher als der Camino Francés nach Santiago de Compostela.
Das alte verlassene Zisterzienserkloster Santa Maria de Moreruela befindet sich ca. 2 km außerhalb von Granja de Moreruela, allerdings nicht direkt am Jakobsweg. Auch wenn man vielleicht von der Wanderung müde ist, lohnt sich der Besuch dieser irgendwie verträumten Anlage unbedingt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Granja_de_Moreruela#/media/Datei:Exterior_de_Santa_Mar%C3%ADa_de_Moreruela.JPG
Wahrscheinlich wurde das Kloster von französischen Zisterziensermönchen gegründet. Allerdings hatte es hier schon vorher ein Kloster gegeben, vermutlich der Benediktiner. Ob das Monesterio de Santa Maria de Moreruela das erste Zisterzienserkloster in Spanien war, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die Klostergründung war auf jeden Fall Teil der christlichen Siedlungspolitik von König Alfonso VII, der den Zisterziensern gezielt Land übertragen hat, um Klostergründungen zu ermöglichen. Denn in der Regel bildeten sich um die Klöster weitere Höfe und Siedlungen und führten so zur Besiedlung der lange Zeit aufgegebenen Landesteile nach der Besetzung Spaniens durch die Mauren.
Das Kloster ist eine Ruine, teilweise dem Verfall preisgegeben, obwohl das Kloster seit 1931 als Kulturdenkmal gilt. Trotzdem handelt es sich auch heute noch um eine imposante Anlage. Vor allem die romanisch-frühgotische Kirche und der Kreuzgang (12./13. Jh.) sind sehenswert. Die Kirche hatte eine Länge von 63 Metern und einer Breite von 23 Metern beim Querhaus. Die Kirche war in Form eines Kreuzes gebaut. Man kann noch heute, wenn man in der Kirche steht, dessen Dach allerdings nicht mehr existiert, die imposante Größe ermessen.
Die Apsis bestand aus sieben im Halbkreis angeordneten Radialkapellen. Nordportal, Chorgewölbe und Wände eines Seitenschiffes sind erhalten, der Westgiebel und die Nordfassade nur bis zur halben Höhe. Von außen kann man den Chor mit seinen drei Ebenen besonders gut erkennen. Das Kloster eingebettet in ein Waldgebiet übt auf den Besucher eine ganze eigene Faszination aus.
Die Überreste der Klosterkirche aber auch der gesamten Anlage geben immer noch einen Eindruck von der Pracht und Größe des Klosters wieder, das im Mittelalter als Tochterkloster der Abtei von Clervaux in Frankreich Bedeutung besaß und selbst zwei weitere Abteien in der Umgebung übernahm. Man vermutet, dass das Kloster geschlossen wurde, als 1835 das Gesetz zur Schließung aller bisher geöffneter Klöster auf spanischem Boden erlassen wurde. Trotz des Widerstandes des Abts wurde das Kloster und der angrenzende Berg verkauft und so langsam dem Verfall und der Plünderung ausgesetzt.
Was uns bei der Besichtigung auch auffiel, waren die vielen unterschiedlichen Steinmetzzeichen auf den Steinen. Es ist sicher interessant, sich über deren Sinn und Zweck zu informieren (s. Abschnitt Steinmetzzeichen).