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Camino de Levante Geschichten Geschichten

“Es grün so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen!“

Camino de Levante

Die Überschrift stammt aus dem Musical „My Fair Lady“ und ist die deutsche Fassung des englischen Originalliedes „The Rain in Spain“. Die deutsche Übersetzung trifft es allerdings in unserem Fall besser, denn auf dem Camino de Levante waren wir von der Blütenpracht am Wegesrand fasziniert, während wir auf unserer 16tägigen Reise nur an einem Tag Regen hatten.

Auf unserem Weg von Toledo nach Zamora im Mai hat uns neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten Kirchen, Burgen/Schlösser, Stadtmauern vor allem auch die abwechslungsreiche Landschaft tief beeindruckt. Es ging durch Wiesen, entlang großer Getreidefelder und Weinanbauflächen, durch Pinienwälder und Kiefernwälder, über karge Berghänge, entlang großer Flussufer (Tajo und Duero) und stets fanden wir am Wegesrand ein buntes Meer von Blumen. Welch ein Vergnügen auf so gesäumten Wegen zu gehen. Wir erfreuten uns an roten und weißen Mohnblumen, weißen Margeriten, bunten Bellardies, weißen Ackerkamille, violetten Schopflavendel, blauen Ochsenzungen, gelbem Ginster, blauen Kornblumen, violetten Disteln, gelbem Raps, gelben Sandröschen, weißen Zistrosen, violetten Wicken, verschiedensten Gräserarten, roten Pfingstrosen, blauen Bergsandglöckchen, rotem Bergklee, weißem Milchstern. Eine solche Blumenpracht ist uns auf keinem der fünf schon gegangenen Caminos begegnet. (Dank KI waren die Blumen auch bestimmbar!) Die Vielfalt der Blumen lag zum einen sicher an der Jahreszeit (Mai), zum anderen aber sicher auch an den geologischen und klimatischen Bedingungen der Meseta aber vielleicht auf an einen geringeren Einsatz von Düngemitteln.
In uns kamen auf jeden Fall Kindheitserinnerungen auf mit Bildern von blühenden Wiesen und dicken Frühlingssträußen in den Händen. Leider ist in vielen Regionen nichts mehr von der einstigen Pracht zu finden, die Düngung und Überdüngung hat leider ganze Arbeit geleistet!
Anbei eine kleine Auswahl von Fotos.

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Camino de Levante Geographisches Geographisches

Der Camino de Levante – ein weniger frequentierter aber faszinierender Jakobsweg

Der Camino de Levante – ein weniger frequentierter aber faszinierender Jakobsweg

Camino de Levante

Woher kommt der Name „Levante“? In Spanien bezeichnet der Begriff Levante (spanisch für die Himmelrichtung „Osten“, abgeleitet vom Sonnenaufgang, von levantarse, „aufgehen“) die Ostküste der Iberischen Halbinsel und ihr Hinterland, besonders die Küstenlandschaften der früheren Königreiche Valencia und Murcia. Ausschlaggebend für den Namen war wohl die Lage Valencias im östlichen Küstenabschnitt Spaniens, der ebenfalls als Levante bezeichnet wird. Allerdings führt der Camino de Levante über 1200 km (incl. des letzten Abschnitts der Via de la Plata) quer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela.

Por Paulusburg - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73876714

Schon Apostel Jakobus, so erzählt man sich, benutzte ein Stück der „Via Augusta“, die ein Teil des Camino de Levante ist, bei seiner Missionierung Spaniens. Auch heute gehört der alte Pilgerweg zu den attraktivsten und abwechslungsreichsten Wanderrouten Europas. Von Valencia am Mittelmeer führt er über 820 km durch das Herz Spaniens bis nach Zamora und trifft dort auf die von Sevilla kommende Vía de la Plata.

Der Camino de Levante hat seinen Ursprung in der mittelalterlichen Epoche, als Pilger aus den Küstenregionen des Mittelmeers ihre Reise nach Santiago de Compostela antraten. Der Hafen von Valencia war ein wichtiger Ausgangspunkt für die Pilger. Die Route folgte quer durch Spanien alten römischen Straßen und Handelswegen, die bereits das Levante mit dem Inneren der Halbinsel verbanden.

Mit Mittelalter wurde sie sowohl von Pilgern als auch von Händlern genutzt, die in dieser Route eine sichere Verbindung durch Zentralspanien sahen. Im Laufe der Zeit gewann die Route an Popularität insbesondere unten den Bewohnern der Ostküste, die eine Alternative zu den stärker frequentierten Routen im Norden suchten. Die Route hatte allerdings mit Herausforderungen zu kämpfen, wie mit dem Mangel an Infrastruktur und der Konkurrenz der besser etablierten Wege.
Obwohl die Route in der Neuzeit an Popularität verlor, wurden in den letzten Jahrzehnten Anstrengungen unternommen, sie wieder zu beleben. Heute wird sie zunehmende von jenen gewählt, die eine weniger überlaufende aber faszinierende Alternative zu den klassischen Wegen suchen. Dabei muss man die Herausforderung des begrenzten Angebots an Herbergen und Dienstleistungen akzeptieren. Laut der „Associación Amigos del Camino de Santiago“ in Valencia pilgern ca. 700 Personen pro Jahr auf dem Weg.

Toledo Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16570610

Der Camino de Levante ist also eine der weniger bekannten Routen des Jakobswegs, birgt jedoch einen bedeutenden historischen und kulturellen Reichtum. Mit seinen Ursprüngen ist er tief verwurzelt in der Geschichte Spaniens und führt durch vielfältige Landschaften, historische Städte und wenig begangene Wege. Der moderne Verlauf führt durch die Städte wie Albacete, Toledo und Avila, von wo aus man natürlich auch starten kann. Er bietet die Möglichkeit ein authentisches und ländliches Spanien zu entdecken, abseits der üblichen Touristenpfade. Pilger können dabei einzigartige Landschaften genießen von den fruchtbaren valencianischen Gärten über die Ebenen von Kastilien-La Mancha mit seinen Windmühlen bis zu den imposanten Bergen von Kastilien und Leon. Diese landschaftliche Vielfalt ist einer der Hauptanziehungspunkt der Route. Ein weiteres herausragendes Merkmal ist der historische Reichtum der Städte, durch die sie führt. Orte wie die Hafenstadt Valencia, Albacete seiner Pasaje de Lodares, Toledo mit seinem beeindruckenden kulturellen Erbe und seiner Geschichte des Zusammenlebens der Kulturen oder Avila mit einer berühmten mittelalterlichen Stadtmauer bieten den Pilgern einen tiefen Einblick in die Geschichte Spaniens.

By Choniron - Own work, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21391963 Stadtmauer von Avila

Meine Freundin und ich sind den Weg  im Mai gegangen und ich würde jedem diese Zeit empfehlen. Zwar waren die Nächte manchmal noch sehr kalt, aber dafür wurden wir jeden Tag mit einer wahren Blumenpracht erfreut. Mit der Landschaft änderten sich auch die Blumen, aber jede neue Zusammenstellung an Blumen war wunderschön.

Außerdem konnten wir auf der ganzen Wanderung von Toledo bis Zamora die Störche mit ihren Jungtieren in den großen Nestern auf fast jedem Kirchturm bewundern.

Por almamía - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2405246
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Camino de Levante Historisches Historisches

Kastilien – Land der Festungen und Burgen

Kastilien – Land der Festungen und Burgen

Camino de Levante

Kastilien (spanisch Castilla) – diese Bezeichnung geht auf das gleichnamige mittelalterliche Königreich „Kastilien“zurück. Kastilien hieß bis um 800 Bardulien (nach dem Stamm der dort lebenden Bardulier). Der Name Kastilien ist erstmals in einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 800 bezeugt, wo von einer Kirche in territorio Castelle („im Burgenland“) die Rede ist. Diesen Namen wiederum verdankte die Region den zahlreichen Burgen (castillos), die bis heute die Landschaft prägen.

Vor allem die Eroberung großer Teile Spaniens durch die Araber oder Mauren, deren reiche architektonische Hinterlassenschaft sowie die Jahrhunderte später erfolgte Rückeroberung (Reconquista) und die erneute Umgestaltung gab vielen Festungen, Burgen, Schlösser und Paläste in Kastilien ihr heutiges, interessantes Aussehen und Innenleben. Eroberungen und Feldzüge im Land selbst oder zwischen benachbarten Königreichen und deren Herrschern trugen wesentlich zum Bau immer neuer oder zum Um- und Ausbau bestehender Schlösser und Paläste zu Festungen oder Burgen bei. Bis heute sind viele eindrucksvolle architektonische Meisterwerke erhalten. Allein in Kastilien finden sich über 300 solcher Bauwerke.

Wie oben angesprochen beruht die Entstehung der Burgen in Kastilien-Leon beruht nicht auf einem erklärenden Faktor, sondern es ergaben sich im Laufe der Zeit mehrere Entwicklungen, die ihr Lage, ihre Gestaltung und ihre Ausstattung bestimmt haben. Auf der Karte sind einige der bedeutenden Anlagen und ihr Entstehungshintergrund aufgeführt.

Ausstellung im Castillo de la Mota

 

Im 9 Jh. begannen im Rahmen der Reconquista die ersten Unternehmungen, die die Burgen nach Süden vorrücken ließen, so dass im 10. Jh. der Fluss Duero erreicht wurde. Hier wurden dann entlang der Grenzen der verschiedenen historischen Reiche Spaniens Burgen errichtet, um die Grenze gegen die Mauren zu sichern. Dabei wurde teilweise auf maurische Vorgänger zurückgriffen (s. die blauen Punkte). Beispiel auf unserem Weg u.a. der Alcázar von Avila und Toro, das Castillo de Zamora und von Escalona
Die Trennung von Portugal (Vertrag von Zamora 1141) erzeugte eine weitere Grenze und neue Befestigungen, insbesondere in der Salamanca-Zone, die als La Raya Seca bekannt ist, da sie an keinen markanten Flussläufen entlanglief (die roten Punkte).
Auch innere Spannungen zwischen den einzelnen Königreichen in Spanien führten zu weiteren Grenzen und der Befestigung, da es hier immer wieder zu Konflikten kam. So entstanden auch Burgen an der Grenze zwischen Leon und Kastilien. (die schwarzen Punkte)
In einer nächsten Phase ließ der Aufstieg des Adels viele beeindruckende Schlösser und Burgen entstehen. So konnte der Adel seine politische Macht demonstrieren. (die grünen Punkte) Auf unserem Weg z.B. das Castillo de la Corcera und das von Arévalo
In einer letzten Entwicklung kam es dann zu einer Anpassung der Burgen und Schlösser an die neuen Bedürfnisse u.a. der neuen Kriegsführung (Artillerie). So findet man häufig unterschiedliche Teile in den Burganlagen (s. gelbe Punkte). Auf unserem Weg z.B. das Castello de la Mota.

Auf dem Camino de Levante treffen wir allein auf dem Stück zwischen Toledo und Zamora auf zehn solcher Bauwerke!

Alcazar de Toledo
Burg von Barciencia
Castillo de Maqueda
Castillo de Escalona
Castillo de la Corcera in San Martin Valdeigelesias
Castillo del Alcazar sowie Stadtmauer in Avila
Castillo de Arévalo
Castillo de la Mota in Medina del Campo
Castillo de Alcazar de Toro
Castillo de Zamora

By Carlos Delgado, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28428753 Alcázar de Toledo

Alcazar de Toledo
Der Alcázar von Toledo oder Königlicher Alcázar von Toledo ist eine zivile und militärische Festung in einem der höchstgelegenen Teile von Toledo. Seine privilegierte Lage machte es zu einem Ort von großem strategischem Wert, den die verschiedenen Völker, die sich dort niederließen, nutzten. Sein Name geht auf einen seiner Herrscher zurück: die Araber, die es „Al Qasar“ القصر nannten, was „Festung“ bedeutet.
Der Bau ging aus einer römischen Anlage hervor und wurde im Mittelalter mehrfach renoviert. Die heutige Anlage geht auf einen Plan von Alonso de Covarrubias aus dem Jahr 1537 während der Regierungszeit Karls I. zurück. Der Bau ist ein Beispiel für den Desornamentado-Stil der Spätrenaissance.
Es handelt sich um ein großes, viereckiges Gebäude mit einer Seitenlänge von 60 Metern, das von vier großen, 60 Meter hohen Türmen eingerahmt wird, die jeweils von der typischen Schieferspitze gekrönt werden.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69055034 Castillo de Barciencia

Castillo de Barciencia
Das Schloss Barcience erhebt sich auf einem Hügel oberhalb der Stadt Barcience in der Provinz Toledo. Der Zugang zum Schloss erfolgt über einen Feldweg neben dem Friedhof, der durch einen kleinen Kiefernwald führt .
Die Burg wurde im 15. Jh. gebaut und im 16. Jh. mit Artillerie und einer Garnison ausgestattet. Anschließend weist das Schloss zahlreiche Besitzer auf. Ende des 19. Jhs. verkaufte der Papst Leo XIII. das Gebiet und die Stadt an eine Privatperson. Cirilo Calderón, einen Geschäftsmann erwarb das Schloss Barcience zusammen mit dem riesigen Anwesen Barcience. Im Laufe der Zeit verwandelte Cirilo Calderón Barcience in ein Agrarimperium. Heute liegt dieser große landwirtschaftliche Betrieb in den Händen von Luis Calderón, dem Erben von Cirilo Calderón.
Es gibt keine Dokumente, die auf eine Beteiligung dieser Burg an militärischen Aktionen schließen lassen, sodass sie über die Jahrhunderte hinweg hauptsächlich als Herrenhaus genutzt wurde.
Das Schloss Barcience hat einen nahezu quadratischen Grundriss. Auffällig ist sein quadratischer Bergfried. In die Außenwand ist ein riesiger, aufgerichteter Löwe eingraviert. An den hinteren Ecken befinden sich zwei uylindrische Türme. Auf der Vorderseite befindet sich auf der einen Seite der Bergfried und auf der anderen Seite ein größerer rechteckiger Turm. Das Innere der Burg ist völlig zerstört, es gibt jedoch Hinweise auf die Existenz von zwei Stockwerken und Wehrgängen, die entlang der Mauern von einem Turm zum anderen verlaufen.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141388602 Castillo de Maqueda

Castillo de Maqueda
Das Schloss Vela oder Schloss Maqueda ist ein Schloss in der spanischen Gemeinde Marqueda. Man vermutet, dass sich an dieser Stelle in der Antike ein römischer Wachturm befunden hat. Sicher ist jedoch, dass um das Jahr 981 der Architekt Fath ben Ibrahim, der Erbauer der großen Moscheen von Gebal Berida und Adabegin in Toledo, eine bereits bestehende Festung erweiterte und perfektionierte. Im Jahr 1083 fiel es ohne großen Widerstand in die Hände von Alfons VI. von Leon. Im Mittelalter hatte die Festung dann wechselnde Besitzer u.a. auch den Orden von Calatrava. Das auf den Fundamenten der früheren arabischen Festung errichtete Castello Vela wurde zumindest innen nie fertiggestellt. Im 15. Jahrhundert wurde es umgebaut und erweitert. Als die Besitzer der Burg in die Gemeinde Torrijos bei Toledo zogen, geriet die Festung außer Gebrauch und verfiel, blieb jedoch bis zum 19. Jahrhundert im Besitz der Familie Cárdenas. Heute ist es Eigentum des Innenministeriums und beherbergte eine Kaserne der Guardia Civil.
Das Schloss hat einen rechteckigen Grundriss und erstreckt sich über zwei unterschiedliche Ebenen. Seine Mauern sind 3,5 Meter dick und werden auf zwei Seiten durch Gräben woie drei Rundtürme an den Ecken im Süden und der Hälfte der Ostmauer geschützt. Später wurde ein weiterer Turm hinzugefügt.

Por Jim Anzalone - Flickr: Castillo de Escalona 3, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30337553

Castillo de Escalona
Der Burgpalast von Escalona besteht aus der Festung selbst und einem weitläufigen Mudeja-Palast. Strategisch günstig auf einem Plateau am Fluss Alberche zwischen Ávila und Toledo gelegen, war es von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung gegen Angriffe der Almoraviden und Almohaden in den Jahren 1131, 1137 und 1196. Ursprünglich handelte es sich um eine römische Festung, die später von den Muslimen besetzt wurde. Im 11. Jahrhundert wurde die Burg kurz vor dem Fall Toledos von König Alfons VI. von Leon eingenommen. Während dieser und der folgenden Herrschaftszeiten waren die Gegend um Escalona und ihre Burg Angriffen der Mauren ausgesetzt.
Im Jahr 1424 schenkte König Johann II. die Burg dem Ritter und Günstling Ávaro de Luna. Dieser vergrößerte sie und erbaute den Palast, den er zum Mittelpunkt seines Besitzes machte. Die Palastfestung wurde durch mehrere Brände zerstört, einige davon bereits während der Zeit von Álvaro de Luna. Während des Spanischen Unabhängigkeitskrieges (1808-14) wurde es von französischen Truppen niedergebrannt.
Heute ist es eine Ruine, obwohl es teilweise restauriert wurde. Lange Zeit blieb es in Privatbesitz, doch im August 2024 kaufte es die Stadt Escalona mit dem Ziel, es in einen Touristenkomplex umzuwandeln.

Por Malopez 21 - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52005791 Castillo de la Coracera

Castillo de la Coracera in San Martin de Valdeiglesias
Der offiziellen Version zufolge wurde die Burg Coracera im 15. Jahrhundert von Don Álvaro de Luna, dem Günstling von König Johann II., erbaut. Im Jahr 1434 kaufte er für 30.000 Maravedis die Stadt und Herrschaft San Martín de Valdeiglesias von den Mönchen des nahegelegenen Klosters Santa María la Real, den Eigentümern der Abteiländereien, zu denen die gesamte Region gehörte. Früher befand sich hier schon ein mittelalterlicher Turm.
Nach der standrechtlichen Hinrichtung von Don Álvaro de Luna in Valladolid ging die Burg in den Besitz eines Chronisten der Katholischen Könige über, dann in den Besitz des herzoglichen Hauses Infantado.
Während des Unabhängigkeitskrieges wurde es von napoleonischen Truppen besetzt und während des Bürgerkriegs beherbergte es die berüchtigte Legion Condor. Die Legion Condor war ein deutscher Luftwaffen-Verband im Spanischen Bürgerkrieg, der ohne deutsche Uniformen oder Hoheitszeichen eingesetzt wurde. Er kämpfte unter General Francisco Franco auf der Seite der gegen die spanische Republik putschenden Nationalisten. Er wurde 1936 unter strengster Geheimhaltung mit Freiwilligen aufgebaut, griff in mehreren bedeutenden Schlachten ein und hatte maßgeblichen Anteil am Sieg der Putschisten.
Während des gesamten 20. Jahrhunderts gehörte das Schloss verschiedenen Eigentümern, die es für private Zwecke nutzten, bis im Jahr 2003 die Stadtverwaltung von San Martín de Valdeiglesias und José Fernando Cornejo Pablos, die jeweils 50 % des Anwesens besitzen, eine Stiftung gründeten, die das Eigentum an dem Schloss hält.

Die Festung ist aus Berroqueña-Stein (einem speziellen Granit aus der Region Madrid) erbaut. Sie hat einen quadratischen Grundriss und ist um drei große, kreisförmige Baukörper herum gebaut, unter denen der Bergfried und ein Turm, der als Bergfried fungiert, hervorstechen. Der Komplex ist von einer Barbakane (Die Barbakane ist ein dem Tor einer spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk in Form einer runden Bastei) umgeben die etwa vier Meter hoch ist und sich etwa fünf Meter vom Hauptkern entfernt befindet.
Hier befindet sich auch ein Weinmuseum und eine Weinkellerei.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=538049 Puerta de Alcázar Avila

Castillo de Alcázar de Avila
Der Alcázar von Ávila, der sich an der Stelle befindet, die wir heute als Adolfo-Suárez-Platz kennen, war eine große Festung, die Teil des Verteidigungsrahmens der Stadtmauer war. Das Gebäude hatte einen viereckigen Grundriss mit zwei durch einen Zwischenerker getrennten Innenhöfen, war dreigeschossig und ragte über die Mauer hinaus.
Der Ursprung des Alcázar lässt sich auf das 12.-13. Jahrhundert zurückführen, allerdings gibt es erst ab dem 15. Jahrhundert Belege und es gibt Stimmen, die ihm sogar einen muslimischen Ursprung zuschreiben. Es war eine Garnison und ein Militärlager unter dem Kommando des Alcaide des Alcázar , der die militärische Macht der Stadt innehatte.
Obwohl es sich um die große Festung der Stadt handelte, waren immer wieder Reparaturen, Renovierungen oder Restaurierungen nötig, die jedoch aufgrund fehlender Mittel nicht immer durchgeführt werden konnten. Aus diesem Grund war es nicht der Ort, an dem illustre Persönlichkeiten willkommen waren. Zu diesem Zweck wurden Paläste der Adligen von Avila in der Stadt ausgewählt, die zweifellos komfortabler waren als die spartanische Festung, die z.B. von Kaiserin Isabella oder Karl V. im Jahr 1541 bewohnt wurden.
Die Funktion des Alcázar änderte sich im Laufe der letzten Jahrhunderte und aus dem königlichen Alcázar wurde eine Militärkaserne, ein Provinzmuseum und ein Atelier, bis er zwischen 1927 und 1931 auf Anordnung des Stadtverwaltung von Ávila abgerissen wurde.. Die Bank von Spanien baute hier u.a. ihr Gebäude. Heute gibt es aber wieder archäologische Ausgrabungen, die einen Teil der Grundrisse des Alcázar offenlegen.

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112324825 Castillo de Arevalo

Castillo de Arévalo
Die Festung wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut und auf den Überresten eines Tores innerhalb der Stadtmauer von Arévalo aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Sie befindet sich im äußersten Teil des Plateaudreiecks, das durch den Zusammenfluss der Flüsse Adaja und Arevalillo gebildet wird, die als Verteidigungsgräben dienen. Seine architektonische Bedeutung liegt in seiner fortschrittlichen Bauweise, die als Modell für den Übergang zwischen mittelalterlichen Burgen und den Verteidigungsfestungen späterer Jahrhunderte gilt. Es handelt sich möglicherweise um das erste Bauwerk im Mudéjar-Stil in Kastilien und ist an seinem unregelmäßigen fünfeckigen Grundriss zu erkennen,
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde auf Befehl von Álvaro de Zúniga der Wiederaufbau begonnen, doch zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als die Festung in den Händen der Katholischen Könige (Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon) lag, wurden wichtige Reformen durchgeführt. Durch diese Veränderungen wurde der quadratische Grundriss zu dem charakteristischen fünfeckigen Grundriss.
Von diesem Moment an bestand die wichtigste Funktion des Gebäudes darin, als Gefängnis für berühmte Gefangene zu dienen. Philipp Wilhelm von Oranien-Nassau war einer der wichtigsten Geiseln der Burg während der Herrschaft Philipps IV. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg dann in ein richtiges Gefängnis umgewandelt
In den letzten Jahrhunderten gehörte die Burg zur Gemeinde Arévalo, doch im 19. Jahrhundert wurde sie zeitweise verlassen und als Friedhof und Steinbruch genutzt. Aus wirtschaftlichen Gründen und unter der Bedingung, dass es als Getreidesilo genutzt wird, überließ die Gemeinde das Anwesen Mitte des 20. Jahrhunderts dem Nationalen Weizendienst (SNT) des Landwirtschaftsministeriums, der verschiedene Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten durchführte. Die neuen Anlagen wurden 1955 in Betrieb genommen und verfügen über eine Lagerkapazität von 1.080 Tonnen.

Das Schloss Arévalo hat somit etwas unregelmäßigen polygonalen Grundriss, der aus der Kombination eines rechteckigen und eines dreieckigen Abschnitts besteht. An jeder Ecke steht ein runder Turm, mit Ausnahme der Ecke, die dem riesigen Bergfried entspricht, der einen rechteckigen Grundriss hat und von außen umgeben ist.
Das Schloss Arévalo ist ein Mudéjar-Bauwerk, das mit Quadersteinen begonnen und mit Anbauten und Veredelungen aus Ziegeln versehen wurde. Der imposante Bergfried ist ein Wahrzeichen dieser Burg, in dem u.a. Pedro I. der Grausame um 1353 seine Frau Blanca de Borbón gefangen hielt, um mit deiner Geliebten zusammenzuleben.

Von Garijo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21046064 Castillo de la Mota in Medina del Campo

Castillo de la Mota in Medina del Campo
Seit der Herrschaft von Pedro I. (1350-1369) gibt es Hinweise auf eine Festung auf dem Gipfel des La Mota. Über diesen Bau ist jedoch wenig bekannt, da die Burg, die wir heute kennen, aus dem 15. Jahrhundert stammt. Während der Herrschaft von Johann II. von Kastilien (1419-1454) begannen die Bauarbeiten an der heutigen Burg, deren Mauern an die alten mittelalterlichen Mauern aus dem 12. Jahrhundert angepasst und von diesen gestützt wurden. König Heinrich IV. schloss die Arbeiten im Inneren der Burg ab und beendete die Arbeiten am großen Bergfried. 1483 statteten die Katholischen Könige die Burg mit einer großen Verteidigungsanlage mit einem modernen unterirdischen Schießstand aus und ließen den Burggraben ausheben, der das gesamte Bauwerk umgibt. Und genau diese Arbeit machte die Burg La Mota zu einem Maßstab unter allen Festungen ihrer Zeit. Sie war eine der ersten Burgen in ganz Europa, die für den Einsatz von Artillerie umgebaut wurde.
Neben seiner Funktion als militärisch strategischer Standort dienten seine Räume auch als Archiv (wo einige Dokumente der Krone aufbewahrt wurden) und als Gefängnis für so berühmte Gefangene wie Hernando Pizarro und César Borgia. Dieser war 1504 auf Druck von König Ferdinand II. von Aragonien in Neapel gefangen genommen und nach Spanien gebracht worden. Nachdem er ein Jahr in Einzelhaft im Castillo de Chincilla de Montearagón verbracht hatte, wurde er 1505 in das Castillo de La Mota verlegt. Im Oktober 1506 gelang ihm eine spektakuläre Flucht aus dem Gefängnisturm mithilfe einer seidenen Schnur.
Mit der Zeit wurde das Schloss nicht mehr genutzt, wodurch die ursprünglichen Innenräume verloren gingen. Nach der Erklärung zum Nationaldenkmal im Jahr 1904 begannen verschiedene Restaurierungs- und Umbauarbeiten am Innengebäude, in dem seit den 1940er Jahren die Frauenorganisation der Partei Francos untergebracht war. Heute ist die Festung Eigentum der Regionalregierung von Kastilien und León.

Die Festung hat eine trapezförmige Form mit zwei starken Mauern (der inneren und der äußeren Barriere oder Barbakane). Der Haupteingang erfolgt über zwei Brücken (nur die zweite war eine Zugbrücke) durch einen großen Bogen, der mit dem Wappen der Katholischen Könige aus dem Jahr 1483, dem Jahr der Fertigstellung der Burg, gekrönt ist.
Um die Sperre herum verläuft ein tiefer Graben, und unter der Erde befinden sich Artillerie-Schießstollen mit Kasematten. Die innere Anlage der Festung besteht aus fünf Türmen und dem Exerzierplatz. Der größte davon ist der Bergfried mit 40 Metern Höhe und fünf Stockwerken (die beiden oberen Stockwerke sind aus dem 15. Jahrhundert erhalten).

Por Borjaanimal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72652321 Castillo de Toro

Castillo de Toro
Der Alcázar (auch Königlicher Alcázar von Toro genannt) ist ein quadratisches Verteidigungsgebäude in der Stadt Toro. Der ursprüngliche Bau stammt aus dem 10. Jahrhundert , die zahlreichen Rekonstruktionen zeigen jedoch, dass es sich um ein jüngeres Gebäude handelt. Es liegt in der Nähe des Flussufers auf einem Hügel, verfügt über Verteidigungsmauern, die von sieben Türmen flankiert werden, und war Teil der Mauergruppe, die die Stadt verteidigte und umgab. Der Alcázar war die Residenz der Katholischen Könige.

Der Alcázar von Toro ist eher wegen seiner historischen Ereignisse als wegen seiner optischen Schönheit von Bedeutung. Er muss Ende des 9. Jahrhunderts mit der Wiederbesiedlung der Stadt durch das Königreich Asturien erbaut worden sein. Im 12. Jahrhundert wurde es in etwa seiner heutigen Form wiederaufgebaut: ein Rhomboid mit runden Türmen an den Ecken und in der Mitte jedes Abschnitts, mit Ausnahme im Norden, wo sich ein quadratischer Bergfried befand, der im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Das heutige Erscheinungsbild ist eher dürftig und von bescheidener Höhe, da die Türme und Mauern gekürzt wurden und ihre Zinnen verloren haben.
Aus historischer Sicht ist es jedoch von großem Interesse, da es Protagonist zahlreicher historischer Ereignisse war. Hier wurde Ferdinand III., König von Kastilien, auch König von León. Zu Zeiten von Alfons XI. und Pedro I. fanden hier berühmte Gefangene und Hinrichtungen statt. Außerdem beherbergte es im Bürgerkrieg zwischen Juana und Isabel im Jahr 1476 portugiesische Truppen.

Por Tamorlan - Trabajo propio, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15547740 Castillo de Zamora

Castillo de Zamora
Es handelt sich um eines der bedeutendsten Bauwerke innerhalb der ummauerten Stadt selbst sowie im kastilischen und leonischen Kontext im Allgemeinen. Es liegt auf einer natürlichen Anhöhe, die ihm, wenn möglich, eine noch größere Verteidigungskraft verleihen würde. Es handelt sich also um eine Burg im romanischen Stil und eines der besten Beispiele für Gebäude aus dieser Zeit in der Provinz. Die Stadt Zamora war für die christlichen Königreiche im Prozess der Rückeroberung eine tragende Säule. Tatsächlich wird die Eroberung dieser Stadt von den Arabern in ihren Chroniken als schrecklicher Rückschlag beschrieben.
Man geht davon aus, dass der Bau aus der Mitte des 11. Jahrhunderts stammt. Aus dieser Zeit sind aber nur sehr wenige Überreste erhalten. Die Festung, deren Bau Ferdinand I. in Auftrag gab, war nie eine palastartige Burg, sondern eine Festung, die ihm und der Stadt Schutz bot.
Die Burg von Zamora erlebte im Mittelalter eine Zeit großer Pracht und wurde im 18. Jahrhundert grundlegend umgebaut, um sie in eine Artilleriefestung umzuwandeln und sie an die neuen Angriffs- und Verteidigungsmethoden der Städte anzupassen.
Der Umfang der Burg ist heute noch erhalten und von einem fast intakten Burggraben umgeben. Auch die wichtigsten Mauern, der Exerzierplatz und der Bergfried sind bis heute erhalten geblieben. Auf Felsen eingebettet und natürlich an das unebene Gelände angepasst, bietet es hervorragende Bedingungen, da die Burg auf dem höchsten Punkt des Hügels sitzt.
Die Burg von Zamora hat einen rautenförmigen Grundriss. Sie verfügt über drei Türme (zwei mit fünf Spitzen und einer mit sieben Spitzen). Das gesamte Gebäude ist von einem sehr tiefen Wassergraben umgeben, der aufgrund der enormen Mauerstärke von durchschnittlich über zwei Metern für Sicherheit sorgt. Um dorthin zu gelangen, führt eine Brücke, die einst eine Zugbrücke war, zu einer Tür mit einem Spitzbogen.

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Ávila – mittelalterlich und kastilisch

Ávila – mittelalterlich und kastilisch

Camino de Levante

Von Anual - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7703456

Die Stadt Ávila ist die höchstgelegene Stadt Spaniens auf einer Höhe von 1.131 m.
Es liegt auf einem nach drei Seiten abfallenden Hügelrücken inmitten einer vom Adaja durchströmten baumlosen Hochebene, die von hohen Gebirgen umschlossen und nur nach Norden offen ist. Der Reichtum an mittelalterlichen Bauten und die alte das Stadtzentrum umschließende Mauer machen Ávila zu einer der sehenswertesten Städte Spaniens.

Geschichte
Seine strategische Lage auf einem Hügel mit Blick auf die Ebenen von Avila und die Berge des Zentralsystems veranlasste die Römer zur Gründung der ersten Stadt. Seitdem haben alle Kulturen in Ávila ihre Spuren hinterlassen, aber es war das Mittelalter, das sein universellstes Symbol hinterließ: die romanische Mauer. Dieser prächtige, zweieinhalb Kilometer lange Ring mit 87 Türmen und neun Toren umschließt ein historisches Zentrum.

Die Gegend um Ávila (Obila oder Abula) war schon von den keltischen Stämmen der Arevaker und Vettonen besiedelt. Spätestens seit der römischen Zeit war die Stadt ununterbrochen bewohnt. Unter den Westgoten gehörte sie aufgrund ihrer Nähe zur Hauptstadt Toledo zu den wichtigsten Städten des Königreichs.
Anfang des 8. Jhs. wurde Ávila durch die Araber unter Tarik erobert. Sie rissen die römischen Befestigungen nieder und bauten selber neue Stadtmauern. Unter Alfons I. wurde die Stadt wieder durch die Christen erobert (742). 785 wurde es erneut von den Mauren eingenommen. In den folgenden Jahrhunderten wechselte Ávila mehrmals den Besitzer und ist abwechselnd Arabisch und Christlich.
Die Lage im umkämpften Grenzland zwischen moslemischer und christlicher Welt verhinderte eine wirtschaftliche Blüte. Dies änderte sich erst, als die Gegend unter dem König Alfonso VI. unter kastilische Herrschaft kam. 1085 wurde Avila im Rahmen der Eroberung Toledos ebenfalls wieder christlich. Wenige Jahre später ab 1090 begann die systematische Befestigung der Stadt und die Ansiedlung neuer Bewohner in der fast menschenleeren nördlichen Meseta. Mit der Vorrückung der Grenze rückte Ávila wie andere antike Städte wie Salamanca, Segovia, Sepúlveda usw. in die Nachhut vor, wurde aber gleichzeitig gestärkt, indem es strategische Verteidigungspositionen an dieser vorgeschobenen Grenze einnahm. Alfons VI. befahl Don Raimundo de Borgoña , diese Städte mit Menschen aus verschiedenen nördlichen Regionen neu zu bevölkern. Die Wiederbevölkerung der Stadt Ávila und ihrer Umgebung erfolgte nach einem systematischen Plan, der darauf ausgelegt war, wichtige königliche Privilegien zu berücksichtigen. Es beginnt eine Art Exodus für Menschen unterschiedlichster Herkunft in Richtung dieser Grenzgebiete. Leonesen, Burgalesen, Kantabrer, Asturier, Galizier, Franken und sogar gefangene Mauren bildeten eine Fusion, die der Stadt enorme Vitalität verlieh. Damit beginnt eine Zeit unaufhörlicher Wiederbevölkerung und Bautätigkeit, die eine völlig neue Gesellschaft entstehen lässt aus Christen, Juden und Mauren.
Im 15. Jh. war Ávila im Sommer ein beliebter Rückzugsort der katholischen Könige Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Sie residierten im Kloster San Tomas. Leider inszenierten sie von hier aus das leidliche Instrument der Inquisition und die Vertreibung der Juden und Morisken (konvertierte Muslime). Das hatte einen dramatischen Verlust an kulturellem und wirtschaftlichem Wissen für Spanien zu Folge.
Im 16. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit. Vor allem durch Textilhandwerk gelangt Ávila zu großer wirtschaftlicher Bedeutung. Außerdem kamen viele Eroberer aus Südamerika zurück und errichteten hier prächtige Paläste.
Die Pest, die Vertreibung der Juden und der Morisken, die Auswanderung vieler Menschen nach Mittel- und Südamerika und die Abwanderung des Adels in die neue Hauptstadt Madrid bewirkten Ávilas allmählichen Verfall, von dem sich die Stadt seit dem 19. Jahrhundert nur langsam erholt hat.

By Choniron - Own work, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21391963

Stadtrundgang

Bekanntestes Bauwerk der Stadt ist die komplett erhaltene romanische Stadtmauer aus dem 11. bis 14. Jahrhundert mit ihren 88 Türmen und neun Stadttoren. Sie ist 2557 Meter lang, im Durchschnitt 12 Meter hoch, 3 Meter. Bis auf die Tortürme vom Rastro-Tor, dem Santa Theresa-Tor und dem Carmen-Tor treten alle Türme rund aus der Mauer hervor. Bei der Besichtigung der Stadtmauern fällt auf, dass sich keinerlei Schießscharten in den Mauern und Türmen befinden. Die Verteidigung scheint ausschließlich von den Wehrgängen der Mauern und Türme geführt worden zu sein. Die Wehranlagen gehören heute zu den besterhaltenstens und vollständigsten mittelalterlichen Stadtbefestigungen des 11. Jahrhunderts auf der Welt und war damals wohl die mächtigste Befestigungsanlage des mittelalterlichen Europas.

Von Selbymay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21772171 Basilika San Vicente

Das San Vicente-Tor wurde als erstes erbaut und hat seinen militärischen Charakter bewahrt. Es liegt gegenüber der wunderschönen Basilika San Vicente, einem der schönsten Beispiele der Romanik und Gotik.
Wer den Mauerbogen überquert, betritt ein urbanes Labyrinth voller Überraschungen, bis er den Domplatz erreicht. Die imposante Kirche mit befestigter Anlage wird von den Palästen Velada und Valderrábanos flankiert. Der Bau der Basilika Salvador de Ávila begann im Jahr 1170. Sie ist die älteste gotische Kirche Spaniens. Französische Baumeister und flämische Künstler waren an der Gestaltung beteiligt. Die Bautätigkeit an der Kathedrale zog sich allerdings über Jahrhunderte hin. Dies hat zur Folge, dass die unterschiedlichsten Stilepochen von der Romanik bis zu Einflüssen der toskanischen Renaissance vertreten sind. Das Besondere der Kathedrale ist, dass das Gebäude deutliche Züge einer Festungsanlage aufweist und Teile (Apsis und Chorpartien) in den Mauergürtel der Altstadt integriert sind. Beeindruckend ist die Kombination von Strenge und Pracht in der Kirche. Sehenswert ist die Gemäldegalerie mit Werken u. a. von El Greco im Museum der Kathedrale.

Von www.pmrmaeyaert.com - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21376850 Basilika San Salvador

Ein ruhiger Spaziergang durch die Straßen der Stadt führt zum mit Arkaden gesäumten Platz Mercado Chico, einem Ort, an dem einst die verschiedenen Zünfte ihren Sitz hatten und an dem heute das prächtige Gebäude mit den städtischen Ämtern thront.
In der Nähe befindet sich der Platz Corral de las Campanas, auf dem der Guzmanes-Turm hervorsticht, der derzeit Sitz des Provinzrats ist. Dieses Renaissancegebäude verfügt über einen prächtigen Innenhof mit zwei Galerien und Säulengang, und im Untergeschoss ist eine Dauerausstellung zur vorrömischen vettonischen Kultur untergebracht.
Nur hundert Meter entfernt befindet sich einer der mystischsten Orte der Stadt: die Plaza de la Santa. Hier befindet sich das Kloster der Heiligen Teresa, das angeblich an der Stelle ihres Geburtsortes errichtet wurde. Die Basilika, das Klostermuseum der Heiligen mit einer interessanten Reliquiensammlung und das Kryptamuseum der Heiligen mit einer der größten Sammlungen schriftlicher Werke und Gegenstände der Heiligen Teresa bilden einen der wichtigen Bezugspunkte der Stadt. Teresa von Ávila war (1515–1582) Karmelitin, Mystikerin, Kirchenlehrerin und ist eine Heilige der katholischen Kirche. Sie gründete noch zu ihren Lebzeiten 18 Karmeliterklöster in Spanien.

Wenn man die Stadtmauer durch das Alcázar-Tor, das zweitälteste der Stadt, verlässt, erreichen man den Großen Marktplatz. Am anderen Ende der Mauer zeugt die romanische Kirche San Pedro von der politischen Bedeutung der Stadt in der Vergangenheit, denn in ihrem Atrium schworen die Monarchen, die Gesetze Kastiliens zu respektieren. Da der ummauerte Teil von Ávila schon schnell zu wenig Fläche bot, liegen einige sehenswerte Kirchen wie San Vicente, San Pedro, San Andrés und San Segundo etwas außerhalb der Altstadt.

Typisch für die deftigen Gerichte der Gegend sind Koteletts (Chuletón de Ávila) der einheimischen schwarzen Rinder, Gerichte mit großen weißen Bohnen (Judías del Barco) sowie die Süßigkeit Yemas de Ávila (oder de Santa Teresa).

Von Håkan Svensson - Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1307510 Convento de sta Theresa
Von Selbymay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21772413 Kirche San Pedro
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Camino de Levante Geographisches Geographisches

Kastilien-La Mancha

Kastilien-La Mancha

Camino de Levante

Von Lourdes Cardenal - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50667

Kastilien-La Mancha gehört zu der historischen zentralspanischen Landschaft Kastilien und ist auch als Neukastilien bekannt. Traditionell gehörte auch die Provinz Madrid zu Neukastilien, diese bildet aber seit 1983 die Autonome Gemeinschaft Madrid. Kastilien-La Mancha umfasst die Provinzen Albacete, Cuidad Real, Cuenca, Guadalajara und Toledo. Hauptstadt ist Toledo.
Mehreren Theorien zufolge stammt der Ortsname „Mancha“ aus dem Arabischen, so bedeutet Manxa oder Al-Mansha „Land ohne Wasser“ und Manya „Hochebene“ oder „erhöhter Ort“.

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123105098

Mit 79.463 km² Landfläche ist Kastilien-La Mancha etwa so groß wie Tschechien. Es erstreckt sich damit über 15,7 % der spanischen Landmasse. Mit einer geringen Bevölkerungsdichte von 26,5 Einwohnern pro Quadratkilometer beheimatet Kastilien-La Mancha allerdings nur ca. 4,3 % der Einwohner Spaniens. Wirtschaftlich steht die Gemeinschaft nicht sonderlich gut da. So belegt Kastilien-La Mancha beim „Spanischen Index der Entwicklung“ (Lebenserwartungsindex+Bildungsindex+Lebensstandard) unter den 17 autonomen Gemeinschaften (ohne die beiden autonomen Städte Ceuta und Melilla) den vorletzten Platz (Kastilien-León 7. Stelle). Die Arbeitslosenquote liegt im Jahr 2024 bei 28 %, obwohl die Quote für Spanien insgesamt in den letzten Jahren deutlich gesunken ist.

Geschichte seit dem Mittelalter

Innerhalb der muslimischen Verwaltungsgliederung gab es im Inneren von al-Andalus Coras (Gebietseinheiten) und in den Grenzregionen Marken mit größerer militärischer Macht, um den Einfällen der christlichen Königreiche entgegenzutreten. Die heutige Region Kastilien-La Mancha lag innerhalb der sogenannten Mittleren Mark (al-Targ al-awsat) mit Zentrum in Toledo, wo der Gouverneur mit militärischer Macht residierte.
Unter der muslimischen Herrschaft blieb die Region weitgehend dünn besiedelt. Allerdings wurden an den Ufern des damaligen Wadi-al-Hayara und heutigen Río Henares damals zahlreiche Burgenvo und einige Städte entwickelt, wie Toledo oder Alcaraz , die zu wichtigen Zentren der Textilindustrie wurden . Die Araber leisteten dank ihrer fortschrittlichen Bewässerungstechniken auch einen großen Beitrag zur Landwirtschaft der Region sowie zur Viehzucht durch die Einführung des Merinoschafs.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Nach einer langen und wohlhabenden Zeit, in der nur interne Konflikte das Zusammenleben zwischen Muslimen, Juden und Mozarabern (oder Christen) manchmal erschwerten, eroberte Alfons VI. Toledo im Jahr 1085 und es begann eine Zeit, in der fast das gesamte heutige Kastilien-La Mancha unter Kämpfen zwischen Christen und Muslimen litt, die die Kontrolle über das Gebiet anstrebten. Es kam zu nahezu ununterbrochenen Vorstößen und Rückzügen auf beiden Seiten, bis sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts das gesamte Gebiet endgültig in christlicher Hand befand.
Nach 1212 geriet fast ganz Kastilien-La Mancha sowie das Guadalquivir-Tal endgültig unter kastilische Kontrolle, wobei der Wiederbesiedlung in Kastilien-Leon Vorrang vor der von Kastilien-La Mancha eingeräumt wurde, da bei letzterem ein Großteil des Gebietes unter der Herrschaft der Militärorden stand. Hier sind vor allem der Orden von Callatrava, der Johanniterorden und der Orden von Santiago zu nennen. Die Militärorden (Santiago, Calatrava und San Juan) spielten eine sehr wichtige Rolle, da sich diese Soldatenmönche im Kampf gegen den Islam als sehr effizient erwiesen. Im Gegenzug erhielten sie große Besitztümer und waren aber auch diejenigen, die die einige Städte in La Mancha gründeten.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Als Teil der Königreiche Toledo und Murcia (in seinem südöstlichen Teil), die beide in die Krone von Kastilien integriert waren, war La Mancha Schauplatz der kastilischen Bürgerkriege der folgenden Jahrhunderte und litt unter deren Folgen. Als Grenzgebiet Kastiliens zur Krone von Aragon war es u.a Schauplatz des ersten kastilischen Bürgerkriegs zwischen 1351 und 1369. Zu den Auswirkungen der Kriege auf die Bevölkerung kommen noch die Pestepedemien dazu, die im 14. Jahrhundert fast ganz Europa heimsuchten.
Im 15. Jahrhundert kam es in Kastilien-La Mancha zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen des Königreichs, die 1475 im Kastilischen Erbfolgekrieg gipfelten. Der Krieg endete 1479 mit dem Vertrag von Alcácovas, der den Sieg von Isabel und Ferdinand markierte, die Jahre später die Katholischen Könige genannt wurden.
In Laufe des 15. Jh. kam es in Kastilien-La Mancha aber auch zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Produktion, was die Gründung von Städten und Gemeinden begünstigte. Mit dem 16. Jahrhundert änderte sich das. Obwohl Karl I. Toledo zur Hauptstadt seines Reiches machte (und die Stadt ein wichtiges politisches und kommerzielles Zentrum blieb), erlebte sie bald einen Niedergang, als Philipp II. die Hauptstadt nach Madrid verlegte. Auch die übrigen Gebiete des heutigen Kastilien-Mancha-Gebiets erleben keine guten Zeiten und es kommt zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang infolge der Vertreibung der Juden (zuvor 1492) und der Morisken (zum Christentum konvertierte Muslime 1609), der Epidemien und Kriege in Europa und damit des wirtschaftlichen Niedergangs, insbesondere der Landwirtschaft, am Ende des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts.

Von diesem Erbe erholte sich die Region nicht mehr. Die große Trockenheit und extreme Temperaturen der weitgehend auf dem zentralen spanischen Hochplateau gelegenen Region macht gebietsweise den Weinbau und andere Landwirtschaft sehr schwierig. Die Landwirtschaft verliert an Bedeutung und viele Ländereien werden aufgegeben. Auch vor Kastilien-La Mancha machte die Reblausplage des 19. Jahrhunderts nicht halt, was dazu führte, dass nach einem großen Flächenverlust die weiße Airén in großem Stil angebaut wurde. Es bildet auch das weltgrößte zusammenhängende Weinanbaugebiet allerdings mit nicht sehr hochwertigem Wein. Wie in so vielen anderen Regionen begann erst in den 1990er Jahren eine Distanzierung von billigen Massenweinen. Viele dieser Faktoren führten zu einem  Bevölkerungsrückgang, da die Menschen in vielen ländlichen Gebieten ihre Dörfer verlassen, um in Industriegebieten anderer Regionen Arbeit zu suchen. Diese Entwicklung verstärkte sich noch einmal nach dem 2. Weltkrieg, wie die Karten unten aufzeigen. So erklärt sich auch die heutige schwierige Situation der Region, die zudem auf keine große Industrialisierung zurückgreifen kann.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Sehenswürdigkeiten

Wer Kastilien-La Mancha besucht, kommt an den allgegenwärtigen Windmühlen nicht vorbei. Die berühmten „Riesen“, die Miguel de Cervantes in seinem mythischen Werk „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ in Bezug auf die Windmühlen erwähnt, sind zu einem der großen Symbole von Kastilien-La Mancha geworden, mehr noch als seine Kathedralen und Burgen. Sie sind in verschiedenen Gegenden zu finden: Alcázar de San Juan, Consuegra, Campo de Criptana …

Die Heimat des Don Quijote ist allerdings nicht nur landwirtschaftlich geprägt von sanften Hügeln mit den typischen Mühlensilhouetten und dem weltweit bekannten Manchego-Käse, sondern es warten auch urbane Weltkulturerbe-Städte wie Toledo und Cuenca mit architektonischen, kulturellen und historischen Highlights.
Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, die Festung Alcázar, und die Kathedrale von Toledo sowie die mutig in den Fels gebauten „Hängenden Häuser“ (die Casas Colgadas) von Cuenca im Nordosten der Region sind hier insbesondere zu nennen.
In Guadalajara kann der prachtvolle Mendoza-Palast, der Palacio del Infantado besichtigt werden. Im Osten von Kastilien-La Mancha wartet mit der im 14. Jahrhundert erbauten Burg von Albacete eine der schönsten Burgen der Region und auch das Flusstal des blaugrünen, in ausgewaschene Sandsteinfelsen eingebetteten Rio Jucar, insbesondere das pittoreske Örtchen Alcalá del Júcar, ist einen Abstecher wert.
Zahlreiche Naturparks wie der Parque Natural del Alto Tajo bei Guadalajara und der Parque Natural Lagunas de Ruidera auf halber Strecke zwischen Real und Albacete sowie der Parque Valle de Alcudia y Sierra Madrona und der Parque Serrania de Cuenca zeigen die Artenvielfalt des mediterranen Waldes der iberischen Halbinsel. Zudem kann man mehr als 160 Vogelarten u.a. den Iberischen Kaiseradler oder den Mönchsgeier entdecken.

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Kastilien-León

Kastilien-León

Camino de Levante, Via de la Plata

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127016311

Im nordwestlichen Landesinnern liegt die flächenmäßig größte Region Spaniens – Kastilien-León übertrifft sogar das Nachbarland Portugal an Größe – mit sage und schreibe neun Nachbarregionen: Galicien, Asturien, Kantabrien, Baskenland, La Rioja, Aragon, Kastilien-La Mancha, Madrid und die Extremadura sowie Portugal im Westen. Regierungssitz ist das zentral gelegene Valladolid, eine Hauptstadt im eigentlichen Sinne besitzt das ehemalige Königreich nicht.

Kastilien und León umfasst die Nordmeseta eine zwischen 600 und 800 m Höhe liegende, von Randgebirgen begrenzte Hochebene im Nordwesten Zentralspaniens, die vom Duero entwässert wird. Der westliche Teil mit den Provincen León, Zamora und Salamanca bildet die historische Landschaft León; der als Altkastilien bekannte zentrale und östliche Teil gehört zur historischen Landschaft Kastilien.

Kastilien-Léon ist die flächenmäßig größte autonome Region Spaniens und zugleich die am dünnsten besiedelte. Sie erstreckt sich mit 94.218 km² Landfläche über 18,6 % der spanischen Landmasse, stellt jedoch mit einer Bevölkerungsdichte von 25 Einw./km² (Spanien: 95 Einw./km²) nur 5,7 % der Einwohner Spaniens dar. Für diese Situation ist vor allem die Landflucht ab den 50iger Jahren verantwortlich. So spricht Sergio del Molino in seinem Buch auch von dem „leeren Land“. (s. dazu hier das Kapitel „Leeres Land“)
Vergleicht man die Karten von 1857 und die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1950-81, so erkennt man, dass die bereits damals 1857 dünn besiedelten Gebiete später zusätzlich von einem bedeutenden Bevölkerungsrückgang betroffen waren.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Geschichte bis zur Entstehung des Spanischen Königreiches

Mit dem Untergang Roms wurde iberische Halbinsel von den Westgoten besetzt. Bei der folgenden Eroberung durch die Mauren blieb der äußerte Norden des Landes unbesetzt. Im Berggebiet des heutigen Asturien entstand ein kleines christliches Königreich, das sich der islamischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel widersetzte. Sie erklärten sich selbst zu Erben der letzten westgotischen Könige, die wiederum stark romanisiert worden waren. Dieser Widerstand westgotisch-römischen Ursprungs, unterstützt vom Christentum, wurde immer stärker und dehnte sich Richtung Süden aus, wobei Ordono II. seine Hauptstadt in die Stadt León verlegte und den Grundstein zum Königreich Leon legte. Um die Wiederbevölkerung der neu eroberten Länder zu fördern, erteilten die Monarchen Fueros oder Urkunden zur Wiederbevölkerung (s. auch Kapitel „Repoblación“). Der König unterstützte u.a. auch die Wiederbevölkerung von Valladolid und Zamora.
Die Reconquista (Wiedereroberung) begann mit fortschreitenden territorialen Vorstößen und Rückzügen, bis die Teilung mit der islamischen Macht auf der Halbinsel entlang der Duero-Linie erfolgte.
Zur gleichen Zeit begann eine Grafschaft dieses christlichen Königreichs León, Autonomie zu erlangen und zu expandieren. Dies war die ursprüngliche Grafschaft Kastilien, die sich zum Königreich Kastilien mit großer Macht unter den christlichen Königreichen der Halbinsel entwickeln sollte. 1065 spaltete sich Kastilien vom Königreich León ab und wurde selbst ein Königreich. Zwischen 1072 und 1157 war das Königreich Kastilien wieder mit dem Königreich León vereinigt, danach wieder von ihm getrennt.1230 wurden die Königreiche von Kastilien und León endgültig unter Ferdinand II, dem Heiligen, vereinigt. Dieses vereinigte Reich wird als Krone von Kastilien bezeichnet. Seine Könige eroberten unterstützt von den Königreichen Navarra und Aragon und Portugal in der Reconquista schrittweise den Süden der Iberischen Halbinsel von den muslimischen Herrschern (s. ausführlicher das Kapitel „Reconquista“).
Zwischen 1212 bis 1516 dominierten dann drei Königreiche den christlichen Teil der Halbinsel. Im Westen war aus einer zu León gehörenden Grafschaft das Königreich Portugal entstanden. Im Osten dehnte Aragón, mittlerweile mit Katalonien verbunden, zunehmend zum Mittelmeer aus. 1282 akzeptiert Peter III., seit 1276 auf dem aragonischen Thron, die ihm von den Adeligen der Insel angetragene Krone Siziliens. 1442 erobert ein Nachfolger Peters das Königreich Neapel und damit ganz Süditalien. Zur größten iberischen Landmacht aber entwickelt sich Kastilien (seit 1230 mit León verbunden), das vom 11. Jahrhundert an nach und nach den größten Teil der früheren maurischen Herrschaftsgebiete annektiert.

Die Vereinigung der Krone von Kastilien und der Krone von Aragon begann 1469 als Personalunion durch die Heirat der katholischen Könige, Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Sie wurde im Jahr 1516 vollendet, als der spätere Kaiser Karl V. durch Erbschaft König beider Reiche wurde und als Karl I. das Königreich Spanien begründete. Nach seinem Rückzug wurde das Reich Karls V. aufgeteilt. Sein Sohn Philipp erbte die Herrschaft in Spanien, sein Bruder Ferdinand trat die Nachfolge in Österreich an. Lange Zeit war die spanische Linie des Hauses Habsburg die mächtigere, denn Spanien war dank der überseeischen Besitzungen unermesslich reich.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Klima und Weinbau

Generell ist das Klima in Kastilien und León durch heiße, trockene Sommer und lange, kalte Winter geprägt, weiterhin machen große Tag- und Nachtschwankungen der Temperatur der Landwirtschaft zu schaffen.

Der Weinbau liegt mit 450 bis 1.000 m meist in größerer Höhe als sonst in Spanien, wobei die niedriger gelegenen Gebiete sich meist rund um Flüsse und deren Niederungen wie das Duero-Becken oder den Miño-Nebenfluss Sil befinden und die höher gelegenen im bergigen Hinterland der Flussebenen.

Auch wenn man das trocken-heiße Klima in Kastilien und León guten Gewissens als kontinental bezeichnen kann, ist die weitläufige Region dennoch von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Die dem Atlantik näheren Weinbaugebiete im Nordwesten, vor allem das an Galicien grenzende Bierzo, sind beispielsweise durch maritimeres, gemäßigteres Klima mit mehr Niederschlägen geprägt und viele Bereiche weisen recht spezielles Mikroklima auf, was zu kleinen Inseln besonderer Rebkultur führt, die sich teilweise von einem Tal zum nächsten bereits unterscheiden. Die Böden weisen wenig überraschend eine große Varianz auf. Heute ist z.B. der Name Ribera del Duero international bekannt und zahlreiche Bodegas machen von sich reden, allen voran die weltbekannten Weine des renommierten Weingutes Vega Sicilia.

https://www.vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien/kastilien-und-leon/

Sehenswürdigkeiten

Auch wenn Kastilien und León aufgrund der fehlenden Küstenlandschaft wohl nicht zu den Top-Tourismusregionen Spaniens zählt, gibt es eine ganze Menge sehenswerte Highlights, die vor allem eine Genussreise in die Region der sanften Hügel und historischen Orte lohnenswert machen.
Die mittelalterlichen Städte reihen sich aneinander wie auf einer Perlenkette: Von den Templerhochburgen und Pilgerstädten Ponferrada und Astorga im Nordwesten nahe Bierzo über die historische Stadt Salamanca , die romanische Stadt Zamora und das pittoreske Rueda-Örtchen Medina del Campo bis zu den sehenswerten Städten Ávila und Segovia im Südwesten nahe Madrid. Auch der Regierungssitz Valladolid mit seinen zahlreichen grünen Plätzen und alten Kirchen ist sehenswert. Noch weiter östlich nahe des Weinbaugebietes Arlanza locken Burgos und das Kloster Santa Maria de Bujedo mit geschichtsträchtiger Natur in wunderschöner Landschaft.
Ein ebenfalls besonderes Erlebnis sind die römischen Goldminen Las Médulas bei Astorga, ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe in spektakulärer, teils von Menschenhand durch die Bergbautätigkeit erschaffener Felslandschaft. Die Goldminen und Teile des einst 100 km langen Bewässerungssystems können besichtigt werden (s. auch das Kapitel “Las Medulas”)

Jakobswege
Große Teile des Französischen Jakobsweges und des Camino de Madrid führen durch  Kastilien-León. Auch Teile des Camino de Levante und der Via de la Plata liegen in diesem Gebiet.

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Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung

Camino de Levante

Toledo: Kurzer Überblick der kulturhistorische Entwicklung
Lage: auf einem Felssporn aus Granitgneis, vom Tajo umflossen

Römerzeit (bis 507)

– Gründung der Stadt 192 („Toletum“) –
– Einrichtung eines Erzbistums (4. Jh.)
– wirtschaftliche Blüte durch Eisenerzvorkommen
– Hochburg der Waffenschmiede („Toledostahl“)

Bauwerk der Römerzeit
– Alcántara Brücke (später mehrfach erneuert)

 

Westgotenreich (507-711)

– Hauptstadt des Westgotenreiches („Toledanisches Reich“) häufiger Tagungsort von Konzilien (589, 633, 636,638,646, 653, 681, 683, 688, 693, 694), dabei bedeutend: 3. Konzil 589 (Beschluss der Konversion vom Arianismus zum Katholizismus)
Ildefons Erzbischof von Toledo 557-567 wird in der orthodoxen und katholischen gleichermaßen als Heiliger verehrt

Von Dan Vaquerizo Molina - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41962765 Alcántara Brücke

Islamische Epoche, Maurenzeit (711-1085)

Emirat von Cordoba: Toledo – Hauptstadt der Mittleren Mark von Al-Andalus
als Zentrum von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft
Taifenreich Toledo (1031-1085)
– zunehmende Arabisierung und Islamisierung
– Bevölkerung: Mozaraber (Christen unter
Muslimischer Herrschaft), Juden, Muslime

Bauwerke der Maurenzeit
– Altes Bisagra-Tor
– Santa Cristo de la Luz – Moschee, dann Kirche

Von Fernando - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161540627 Santa Cristo de la Luz

Königreich Kastilien (1085-1469)

o – Eroberung Toledos 1085 durch
Kg. Alfons VI. im Rahmen der
Reconquista
o – Lage als kastilische Grenzstadt zum
Islamischen Süden
o – Hauptstadt bis 1561

• Kultursynthese (12./13. Jh.)
o – Arabisch als schriftliche Verkehrssprache
o – Mozaraber (arabisierte Christen)
o – Mudéjaren (Araber unter christlicher Herrschaft)
o – Juden: Vermittlung der überlegenen arabi-
schen Kultur und finanzielle Unterstützung der Könige
• sog. Übersetzerschule: wichtigstes Zentrum der
Wissensbewahrung und Wissensweitergabe
durch Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische
Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten.
Treffpunkt bedeutender Gelehrter der berühmten Universitäten
Paris, Bologna, Oxford

1. Phase: 12. Jahrhundert (1126-1187)
 – Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische
 – Gerhard von Cremona (1114-1187): Übersetzer
     bedeutender antiker Werke (Euklid, Galen, Hippokrates,
    Aristoteles, „Almagest“ des Ptolemäus)
 – Dominicus Gundisalvus (ca. 1130-1180)
 – auch Übersetzung von Werken des Islams in
   das Lateinische

2. Phase: 13. Jahrhundert (1252-1284)
• – Alfons X., der Weise als besonderer Förderer
der Wissenschaften
• – Übersetzung ins Spanische – Entwicklung des
Spanischen zur Kultursprache
• – Dominanz astronomischer Werke

Bauwerke der Gotik
Kathedrale (1227-1493)

Bauwerke des Mudéjar-Stils
Kirche San Roman (1200)
Kirche Santiago del Arrabal (1265)
Martinsbrücke (1284)
Synagoge Santa Maria la Blanca (12./13. Jh.)
Synagoge El Transito
Puerta del Sol – Sonnentor (14. Jh.)
Minarett Santo Tomé

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Kathedrale von Toledo
By EmDee - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6746075 San Roman

Toledo im Königreich Spanien (seit 1469)


einerseits Niedergang und Intoleranz
• – Pogrome gegen Juden im 15. Jh., schließlich 1492 Vertreibung der Juden
• – Konversionszwang oder Exil der Muslime (1502)
• – Zentrum des Comunero-Aufstandes (1520-1522) gegen die Herrschaft Karls V
• – Verlegung der Hauptstadt nach Madrid (1561) unter Philipp II
• – Vertreibung der Morisken [zum Christentum zwangskonvertierte Mauren (1609)

andererseits Glanzpunkte christlicher Kultur

• Katholische Könige: Franziskanerkloster, monumentale Grabeskirche geplant (Gräber jedoch in Granada)
• Umwandlung von Palästen in Kirchen und Klöster
• letzter kultureller Höhepunkt im signo de ora
• Wirkungsstätte des Malers El Greco (1541- 1614) ab 1577

Bauwerke der Spätgotik
San Juan de los Reyes 1476-1504 isabell. Stil

Bauwerke der Renaissance
Hospitals Santa Cruz 1514
Alcazar 1537, Wiederaufbau im 18. Jh.
Hospital de Tavera 1548
Neues Bisagra Tor 1562

Von Querubin Saldaña Sanchez - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963473 San Juan de los Reyes
Von Carlos Delgado, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28428753 Alcázar de Toledo

Prägende Kunstepochen in Toledo
Mudéjar-Stil (ca. 10. Jh. bis 16. Jh.): maurische Kunst unter christlicher Herrschaft, Mudéjares=Mauren, die unter den Christen arbeiten, Merkmale: Backstein, glasierte Ziegel (azulejos), Hufeisenbögen, Stern-Rippengewölbe, ornamentale Stuckdekoration, Artesonado-Decken (kunstvoll verzierte Holzdecken), minarettartige Türme. Toledo ist eine der Städte, wenn nicht die Stadt, mit der größten Vielfalt an Mudéjar-Kunst.
Gotik (ca. 12.Jh.- 16.Jh.): Bau der Kathedrale (1227-1493)
Isabellinischer Stil: (ca. 1480-1510) Sonderform der spanischen Gotik, Merkmale: blütenförmige Rippengewölbe, filigrane Ornamentik, Wappendekor
Plateresker Stil: (ca. 1510-1560), spezieller Stil der spanischen Frührenaissance , Mischung aus gotischen, maurischen und Renaissance-Elementen, eine besonders feine Ausarbeitung der Fläche

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Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Camino de Levante

Als Iberisches Meseta wird das im Zentrum Spaniens gelegene, über 200.000 km² große kastilische Hochland bezeichnet, welches zugleich die größte Hochebene Europas bildet. Es liegt durchschnittlich 660 Meter über dem Meeresspiegel. Sie stellt die älteste und komplexeste geologische Formation der Halbinsel dar.

Die Zentral-Meseta ist von Bergen umgeben, die dieses geografische Gebiet bilden und es vom Rest des Landes trennen. Sie wird im Norden vom Kantabrischen Gebirge, im Osten vom Iberischen Randgebirge und im Süden von der Sierra Morena begrenzt. Im Südwesten geht sie in die Extremadura über, mit der sie in geologischer Hinsicht eine Einheit bildet.
Das Plateau ist leicht nach Westen geneigt, was bedeutet, dass die Wasserwege, die es durchqueren, größtenteils in den Atlantischen Ozean münden. Die Flüsse, die durch die Meseta fließen, sind folgenden: Duero, Guadiana und Tajo sowie die Nebenflüsse der drei.

Die Kastilische Gebirge im Zentrum der Halbinsel unterteilen die Meseta Central in das Hochbecken der nördlichen Meseta (Kastilien-Léon) und die niedrigeren Hochebenen der südlichen Meseta (Kastilien-La Mancha und Extremadura). Die durchschnittliche Höhe des nördlichen Plateaus beträgt über 700 Meter und umfasst auch das Duero-Becken, die Höhe des südlichen Plateaus beträgt 600 Meter und wird durch die Montes de Toledo (zwischen den Becken der Flüsse Tajo und Guadiana) in zwei Teile geteilt.

Es gibt Unterschiede in der Vegetation und der Wirtschaft zwischen den westlichen Ausläufern kristalliner Gesteine mit kargen Böden und den östlichen Ebenen aus Kalkstein und Mergel, die die wichtigsten landwirtschaftlichen Zonen bilden.
Aufgrund der Höhenlage dieser Reliefeinheit herrscht ein mediterranes Klima.
Die Merkmale dieses Klimatyps sind: strenge Winter, heiße Sommer, unregelmäßige und geringe Niederschläge im Sommer und Dürren. Die Höchsttemperaturen reichen von etwa 39 °C in den wärmsten Monaten bis zu minus 12 °C in den Wintermonaten, wobei die Durchschnittstemperatur bei knapp 12 °C liegt. All dies ist das Ergebnis einer Reihe geografischer und dynamischer Faktoren (Breitengrad, Lage der Region, Geländegestaltung und Höhenlage). Niederschläge fallen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst. Im Sommer sind sie selten und wenn, dann oft in Form von Stürmen. Das Meseta-Gebiet wird auch „Trockenes Spanien“ genannt. Das früher wegen der geringen Niederschläge, der Baumarmut und der dünnen Besiedlung größtenteils ungenutzte Land wird durch den Bau von Stauseen stärker landwirtschaftlich genutzt. Besonders fruchtbare Gebiete sind die Getreideebenen Leóns bei Palencia, Valladolid und Zamora sowie in Nordkastilien die Mesa de Ocana.

RELIEF OF SPAIN.jpg

Nordmeseta
Die etwa 650 bis 900 m hohe „Nordmeseta“ (Meseta Norte) entspricht in etwa der autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon und umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und Léon. In ihrem inneren Teil befindet sich auf einer Höhe zwischen 800 und 850 Metern das Duero Becken. In der nördlichen Meseta wird auf großen Flächen Getreide angebaut, aber auch Weinbau – z. B. im Anbaugebiet Ribera del Duero – und Schafzucht spielen eine Rolle.
Größte Städte sind Burgos, Léon, Valladolid und Palencia..

Südmeseta
Die etwa 500 bis 700 m hohe „Südmeseta“ (Meseta Sur) ist durch einzelne Gebirgszüge zergliedert und gibt ein weniger einheitliches Bild ab als die Nordmeseta. Hier liegen auch die Becken des Tajo und des Guadiana auf einer Höhe zwischen 500 und 700 Metern.
Die südliche Meseta entspricht der historischen Landschaft Neukastilien und verteilt sich auf die autonomen Gemeinschaften Kastilien-La Macha und Madrid.
In ihrem westlichen Teil sind beweidete Steineichenwälder (dehesas) zu finden, ansonsten wird das Land vorwiegend für Wein- und Olivenanbau, aber auch für Getreide und Schafzucht genutzt.
Größte Städte sind Madrid, Toledo, Albacete und Cuidad Real.


Das Kastilische Gebirge
Historisch gesehen ist das Gebirge die Grenze zwischen Altkastilien im Norden und Neukastilien im Süden und teilt die Meseta in zwei Teile. Damit trennt das Iberische Scheidegebirge auch die Einzugsgebiete der Flüsse Duero und Tajo. Es besteht aus einer Reihe von Gebirgsketten, die sich über etwa 400 km von West nach Ost erstrecken und zwischen 35 und 40 km breit sind.
Hervorzuheben sind die Gebirgskette Gata, die Gebirgskette Gredos, die Gebirgskette Peña de Francia, die Gebirgskette Ayllón, die Gebirgskette Guadarrama und die Gebirgskette Somosierra. Die Höhe ist unterschiedlich und einige Gipfel liegen über 1.500 m. Die höchste Erhebung der Bergkette ist der Berg Pico Almancor mit 2592 m Höhe, der sich in der Sierre de Gredos befindet.

 

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Jakobswege

Das Herbe, oft Karge der spanischen Landschaften findet man gerade auf diesen Wegen intensiv. Es hat gleichzeitig etwas Kraftvolles, das schon von vielen Reisenden beschrieben wurde. Wer dafür empfänglich ist, der verliebt sich in Spanien rettungs- und bedingungslos. Es ist ein Puzzleteil des Phänomens “Camino”, das uns nicht mehr losläßt und immer wieder in dieses Land zieht.

Durch den nördlichen Teil der Nordmeseta verläuft in Ost-West-Richtung ein längerer Teil des Camino Frances
Von Süden nach Norden durch die Mesetas und das kastilische Gebirge verlaufen u.a. die Ruta de Lana (Alicante – Burgos), der Camino de Levante (Valencia – Zamora), der Camino de Madrid (Madrid – Sahagun) und die Via de la Plata (Sevilla – Santiago).

Auf dem Camino de Levante ist das Gebirge über den Pass Puerto de El Boquerón (1315 m) zu überwinden, um nach Avila zu gelangen.
Auf dem Camino de Madrid ist das Gebirge über den Pass Puerto de la Fuenfria (1796 m) zu meistern, um Segovia zu erreichen. Er ist der höchste Pass auf allen Jakobswegen.

 

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Eine kurze Geschichte Toledos

Eine kurze Geschichte Toledos

Camino de Levante

Toledo Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16570610

Die Geschichte der heutigen Stadt Toledo reicht recht weit zurück. Eine erste durchgängige Besiedlung des heutigen Stadtgebiets zeigen mehrere Burgen aus der Zeit der Keltiberer vor 200 v.Chr. Aus dieser Zeit sind einige interessante archäologische Funde erhalten, diese sind im Museo de Santa Cruz zu bestaunen. Von einer zeitweisen Besiedlung muss jedoch seit der Bronzezeit ausgegangen werden. Die Bronzezeit währte in Mitteleuropa etwa von 2.200 bis 800 v. Chr. Vorangegangen war die Kupferzeit und darauf folgte die Eisenzeit.

Römische Herrschaft
Im Jahre 192 v. Chr. unterwarf Marco Fulbio Nobilior die Siedlung gegen heftigen Widerstand des hier siedelnden Hirtenstamms der Karpetaner und gründete den römischen
Vorposten Toletum. Durch seine Eisenerzvorkommen entwickelte sich Toledo zu einer bedeutenden Siedlung, die auch eigene Münzen prägte. Zahlreiche Villen, deren Reste ausgegraben wurden, bezeugen eine durchgreifende Romaniserung der Siedlung.
In der Epoche unter Kaiser Augustus wurde ein monumentales Bauprogramm in Angriff genommen, das die Stadt zu einer echten römischen Urbs machen sollte. Heute ist allerdings nicht bekannt, wo sich das Forum und die Tempel sich befanden, man vermutet unter dem Alcázan oder im Bereich des Rathauses. Bekannt sind die Lage des Zirkus und des Theaters (im Carmelitas-Park), des Amphitheaters (Covachuelas), des Aquädukts und der Alcántara-Brücke. Im 5. Jh. kam es dann zum Niedergang des römischen Reiches.

Toledo Von Diliff - Own work by Diliff, original image, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1584823

Die Geschichte Toledos im Mittelalter kann man in drei Phasen einteilen:
1. Die westgotische Herrschaft vom 5. bis zum 8. Jahrhundert, die die Stadt zur Hauptstadt ihres Königreiches machte
2. Die muslimische Herrschaft, zunächst unter der Macht der Emire und Kalifen von Córdoba in Al-Andalus und dann unter einer eigenen Taifa (kleines Königreich)
3. Die christlichen Herrscher, die im Rahmen der Reconquista die Stadt eroberten und sie bis 1561 zur Hauptstadt Spaniens machen.

Die westgotische Herrschaft
Seit Beginn des 5. Jh. drangen barbarische Völker wie die Sueben, Vandalen und Alanen und ab 415 schließlich die Westgoten nach Spanien vor. Unter dem Druck der Franken verließen die Westgoten Gallien und siedelten sich auf der Iberischen Halbinsel an. Toledo wurde von ca. 531 bis 711 Hauptstadt des Westgoten-Reichs. Toledo war aber nicht nur ein politisches sondern auch ein religiöses Zentrum. Die Westgoten machten die Stadt zum Sitz eines arianischen Erzbistums. 589 konvertierte ihr König zum Katholizismus. Die religiöse Bedeutung der Stadt unterstreicht die Tatsache, dass zwischen 400 und 702 achtzehn Konzilien hier tagten. Der Erzbischof von Toledo ist bis heute Primas der katholischen Kirche Spaniens und war lange Zeit einer der mächtigsten Fürstbischöfe Spaniens, der im Mittelalter über eigene Truppen verfügte. Er war der unmittelbare Bevollmächtigte des Papstes, und als solcher spielte er früher eine wichtige Rolle in der Geschichte Spaniens.
In der Folge dieser Entwicklung unter den Westgoten erlebte die Stadt eine weitere Blütephase.

Von Medievalista - File:Hispania_700_AD.PNG, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15985938

Die maurische Herrschaft
Die Mauren eroberten die Hauptstadt des Westgotenreiches im Jahr 712. Seine Blütezeit erlebte Toledo zur Zeit der Maurenherrschaft als Tolaitola während des Kalifats von Córdoba und als Hauptstadt der Taifa vor allem während der Dhun-Nuniden-Dymnastie. Nach der politischen Abhängigkeit vom Kalifat von Cordoba folgte in dem Taifa-Königreich eine größere Bedeutung von Toledo (ca. 1016-1085). Um 1032/33 schuf dann in der Taifa Toledo die Familie Banu Di-I-Nun eine neue Herrschaftsdynastie. Die Stadt wurde durch sie zu einem intellektuellen und künstlerischen Zentrum ersten Ranges.
Unter den herausragenden Mathematikern, Geometern, Astronomen und Ärzten des Königreichs Toledo ragt Azarquiel hervor, das Rückgrat der europäischen Astronomie bis zu Kopernikus. Eine seiner größten Leistungen war die Anpassung der bis dahin verwendeten astronomischen Tabellen an die Koordinaten von Toledo. Diese Tabellen wurden als Toledo-Tabellen bekannt. Es handelt sich um astronomische Datensammlungen, die zur Berechnung der Positionen, der Planeten, von Finsternissen und zur Kalenderrechnung nützliche Tabellen umfassen. Sie gelten heute als allgemeine Referenz für die Astronomie in ganz Europa. Wahrscheinlich haben auch anderen arabische Astronomen daran gearbeitet. Auch die Medizin hatte zu dieser Zeit ein hohes Niveau. Einer der bedeutendsten Ärzte war Ibn al-Bagunis. Der beste Arzt in Toledo und einer der bedeutendsten in Al-Andalus war jedoch ohne Zweifel Ibn Wafid in Toledo. Aufgrund seines guten Rufs wurden seine prestigeträchtigen Werke ins Lateinische übersetzt und in ganz Europa verbreitet. Er legte für seinen Herrscher u.a. einen botanischen Versuchsgarten an. Seine Schüler setzten seine wissenschaftlichen Arbeiten fort.
In der maurischen Zeit erwarb sich Toledo zusätzlich einen hervorragenden Ruf für seine Schwerter und anderer Stahlprodukte, wie Messer etc.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Christliche Herrschaft im Mittelalter
Nach mehrmonatiger Belagerung ergab sich das muslimische Toledo im Frühjahr 1085 kampflos dem Heer des kastilisch-leonesischen Königs Alfons VI. Als Alfons VI. die Stadt am 25. Mai 1085 betrat, gab es auf Grund der symbolischen und historischen Bedeutung – Toledo galt als Erbe des ehemaligen westgotischen Königsreichs – ein großes Aufsehen in der christlichen und muslimischen Welt des 11. Jhs. So ist es nicht überraschend, dass Toledo 1087 Residenz der Königreichs Kastilien wurde und bis 1561 Hauptstadt Spaniens blieb.

Die Bedingungen zur Übergabe waren äußerst günstig: Alle muslimischen und jüdischen Einwohner, die bereit waren, unter kastilischer Herrschaft zu leben, durften ihr gesamtes Eigentum behalten und ihren Glauben weiterhin frei ausüben, mussten nun allerdings Steuern an den neuen Herrn entrichten. Wer auswandern wollte, konnte mit ganzer Habe Toledo verlassen. Selbst die Hauptmoschee der Stadt sollte nach dem Willen Alfons VI. dem Islam erhalten bleiben. Als sie aber in seiner Abwesenheit zur christlichen Kirche umgewidmet wurde, verhinderte ein islamischer Gelehrter eine Eskalation.

„Stadt der drei Kulturen“ wird Toledo auch genannt. Denn hier begegneten sich Christentum, Judentum und Islam in Toleranz und inspirierten sich. Die seit 1085 kastilisch beherrschte Stadt wurde mehrheitlich von einer – auch der romanischen Volkssprache mächtigen – arabischsprachigen Bevölkerung bewohnt, die aus Muslimen (unter christlicher Herrschaft Mudejaren genannt), Juden und Christen (unter muslimischer Herrschaft Mozaraber genannt) bestand. Hinzu kamen im Zuge der Eroberung Kastilier, aber auch Franzosen, die vielleicht als die eigentliche imperiale Elite bezeichnet werden können. Französisch und Latein waren Sprachen der Herrschaft, denen das Arabische und Romanische als Alltagssprachen gegenüberstanden, die in bestimmten Bereichen lokaler Verwaltung, der Rechtsprechung und bei Immobilientransaktionen auch gewisse ‚öffentliche‘ Funktionen erfüllten. Begünstigt durch das Nebeneinander verschiedener Hochsprachen (Hocharabisch, Hebräisch, Lateinisch, Französisch) und Volkssprachen (Arabisch-Andalusisch, Romanisch-Kastilisch) und die Mehrsprachigkeit besonders der mozarabischen und jüdischen Bevölkerung wurde Toledo im 12. und 13 Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum für die Übersetzung arabischer Schriften ins Lateinische und Romanische und spielte dadurch eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung arabischer Philosophie und Wissenschaft und ihrer griechisch-antiken Quellen in Europa. Ihrer Arbeit ist es so zu verdanken, dass das Abendland Zugang zu dem großen Wissensschatz der arabischen Welt bekam. Raimund von Toledo, dem Benediktiner-Orden angehörig, war Erzbischof von Toledo (1125-1152) und gründete die erste Übersetzerschule von Toledo.

Juden waren schon immer in Toledo zu Hause. Während der Herrschaft der Mauren aus Nordafrika waren sie Vermittler zwischen diesen und den Christen. Sie lebten ihren Glauben und bereicherten das intellektuelle und künstlerische Leben, von dem noch zwei erhaltene Synagogen aus dem Mittelalter zeugen: Santa María la Blanca – heute ein Museum – und die Synagoga del Tránsito, die Teil des Sephardischen Museums ist, das die Geschichte des spanischen Judentums erzählt.
Ende des 14. Jahrhunderts erschütterten Pogrome die Gemeinde. 100 Jahre später zerstörte das katholische Herrscherpaar Isabella und Ferdinand das Nebeneinander der Religionen vollends. Mit großer Brutalität verfolgten sie Juden und Muslime. Diejenigen, die sich nicht taufen ließen, wurden aus Spanien vertrieben. Im Zuge der spanischen Inquisition wurde auch in Toledo ein Inquisitionsgericht eingesetzt.

Krone von kastilien um 1400 Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Neuzeit
Auf der Iberischen Halbinsel kam es im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts zu einer Reihe tiefgreifender Veränderungen, die den Übergang vom Mittelalter zur Moderne markieren. Vor allem die Katholischen Könige Isabel und Fernando förderten ab 1474 in Kastilien die Konzentration und Zentralisierung verschiedener administrativer, legislativer und ökonomischer Bereiche zugunsten der Monarchie. Königliche Bestrebungen nach mehr Einfluss gab es zwar bereits im 12. Jahrhundert, die Katholischen Könige wandten ihre Reformen aber erstmals auf alle Städte Kastiliens an und nicht nur auf einzelne Orte. So griffen sie unter anderem immer stärker in die Administration der Städte ein. Die Stadträte verloren damit nach und nach ihre Autonomie. Gleichzeitig bildete sich eine starke städtische Oligarchie heraus, die den von den Königen gelenkten Stadtrat besetzte.
Toledo war im 15. Jahrhundert eine wichtige Residenzstadt der kastilischen Könige und zählte zu den einwohnerstärksten Städten Kastiliens. Ende des 15. Jahrhunderts lag die Bevölkerungszahl Toledos bei ca. 35.000 Einwohnern. Bereits seit 1135 wurden hier die Königskrönungen vorgenommen. Erst 1561 büßte die Stadt ihre Bedeutung ein, als der Regierungssitz dauerhaft nach Madrid verlegt wurde. Seit 1520 bestand eine Königliche Universität von Toledo, die 1845 aufgelöst wurde.
Die Klingenfabrikation von Toledo fand ihr Entstehen schon im frühen Mittelalter durch die Mauren, denen sie auch ihren späteren hohen Ruhm verdankt. Abderhaman II. gestaltete in den Jahren 822 bis 852 die dortige Industrie vollständig um, ein Unternehmen, welches von ungemeinem Erfolg begleitet war. Am Ende des 15. Jhs. stritt Toledo mit Passau und Brescia um den Vorrang in der Klingenfabrikation. Dazu trug auch der Maure Julian del Rey außerordentlich bei, einer der berühmtesten Meister der spanischen Klingenindustrie, der u.a. in Toledo arbeitete.
Zu Beginn des 16. Jhs. kamen die besten Degenklingen aus Toledo. Toledaner Klingen hatten wegen der Elastizität der Waffen einen besonderen Ruf. Sie wurden, um ihre unübertreffliche Elastizität zu demonstrieren, auch kreisförmig eingebogen in den Handel gebracht. Neben ausgezeichneten Degenklingen wurden in der königlichen Waffenfabrik nahe des Tajo auch Säbel, Bajonette, Messer etc. verfertigt.

Wirtschaftlich war die Stadt im 16. Jahrhundert neben dem Metallhandwerk bekannt für Marzipan und ein Zentrum der Seidenherstellung. Eine 1748 gegründete Gesellschaft betrieb Maulbeerplantagen und Seidenraupenzucht. Seit der Maurenherrschaft wird in Toledo auch traditionell Marzipan hergestellt. Zwar gab es in Spanien schon zuvor große Felder mit Mandelbäumen, doch gab es noch keinen Zucker — ein weiterer wichtiger Bestandteil des Marzipans. Innerhalb von fünfzig Jahren nach Beginn der Maurenherrschaft schossen in Südspanien überall Zuckerrohrfelder aus dem Boden. Um das 11. Jahrhundert herum war Marzipan bereits eine Spezialität Toledos und seither erfreut es jeden Kenner. In Toledo findet man viele Spezialgeschäfte für Marzipan, das oft in Form kleiner Figuren erhältlich ist.

Ein berühmter Künstler der Stadt ist El Greco, der wie der Name schon sagt eigentlich Grieche war. Er wurde 1540 in Candia auf Kreta geboren, das damals zur Republik Venedig gehörte. Für  1576 ist die Anwesenheit El Grecos in Spanien nachgewiesen. Da er durch einen Freund mehrere Aufträge in Toledo bekam, zog er von Madrid nach Toledo. Dort lebte er mit einigen Unterbrechungen bis zu seinem Tod im Jahr 1614. 

20. Jahrhundert
Im Spanischen Bürgerkrieg war Toledo Schauplatz der Belagerung des Alcázars durch die Truppen Francos, der daraus einen faschistischen Mythos begründete.
Die Einwohnerzahl stieg im 20. Jahrhundert von ca. 23.000 auf ca. 68.000 Personen. Seither stieg sie weiter an auf über 85.000 Personen. Allerdings verliert die Altstadt kontinuierlich an Einwohnern, da es kaum Parkmöglichkeiten gibt und die Einkaufszentren und größeren Geschäfte in der der Neustadt zu finden sind.

Von El Greco - 7gGVJQ5lD6l6kw at Google Cultural Institute, zoom level maximum, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29846305
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Repoblación – Wiederbesiedlung in Spanien im Anschluß an die Reconquista

Repoblacion – Wiederbesiedlung in Spanien im Anschluß an die Reconquista

Camino de Levante, Via de la Plata

Repoblacion ist ein spanischer Begriff für die Wiederbesiedlung eroberter Gebiete auf der iberischen im Rahmen der mittelalterlichen Reconquista. Diese Gebiete waren im Verlauf der Kämpfe zwischen Christen und Muslimen teilweise oder ganz verwüstet und entvölkert worden. Nach ihrer Besetzung durch christliche Truppen wurden dort Christen neu angesiedelt oder nahmen aus eigener Initiative Land in Besitz.

 

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Entvölkerung
Anfänglich ging die Repoblación vom Königreich Asturien aus, das sich im frühen 8. Jahrhundert (711–719) als erster christlicher Staat nach der muslimischen Eroberung der Iberischen Halbinsel gebildet hatte. Schon vor der muslimischen Invasion war in der Endphase des Westgotenreichs ein erheblicher Bevölkerungsrückgang durch Seuchen und Hungersnöte eingetreten. Der Norden der Pyrenäenhalbinsel wurde nach der arabisch-berberischen Eroberung durch kleine, meist aus Berbern bestehende Besatzungen gesichert. Viele dieser Berber zogen bei dem Berberaufstand von ca. 740/741 wieder nach Süden, um dort die Araber zu bekämpfen. Eine schwere Hungersnot führte in den Jahren 748–753 zu weiterer Entvölkerung des Nordens. Daher stieß König Alfons I. von Asturien (reg. 739–757) auf relativ wenig Widerstand, als er von seinem Reich aus weit nach Westen, Süden und Osten ins Tal des Duero und zum Oberlauf des Ebros vorstieß.
Da er sich außerstande sah, diese riesigen Gebiete dauerhaft militärisch zu sichern, ließ er alle Muslime, die er dort vorfand, töten und siedelte die christliche Bevölkerung in sein Reich um. So schuf er einen Verwüstungsgürtel zwischen seinem Reich und dem muslimischen Gebiet, der Asturien vor maurischen Angriffen schützen sollte.
Das Ausmaß des Wiederbesiedlungsphänomens, sowohl in seiner räumlichen Ausdehnung als auch während seiner Dauer, führte zu unterschiedlichen Formen der Besetzung und Eigentumsverteilung, je nach Raum und Zeit, in der es stattfand, und es wird wichtige soziale und wirtschaftliche Folgen für die christlichen Königreiche der Halbinsel haben, die z.T. bis heute wirken.

 

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

Vier Hauptmodelle der Wiederbevölkerung:
1. Presura 8.-11.Jh.
2. Repoblation consejil
3. Ordenes Militares
4. Repartimientos

Erste Bewegungen (8. – 11. Jh.) – „Presura“
Mönche und freie Männer ließen sich in den kargen Gebieten des nördlichen Duero-Tals und der unteren Pyrenäen nieder. Während die Wiederbesiedlung Galicien bereits im 8. Jh. begann, setzte die Repoblacion in Asturien erst Mitte des 9. Jh. an. Unter Ordoño wurden die Städte León und Astorga besiedelt, unter seinem Sohn Alfons III. Zamora, Simancas und das Gebiet zwischen Palencia und Medina del Campo, unter Ramiro II. (931–951) Salamanca und Ledesma. Hier wurden besonders viele aus dem arabischen Gebiet emigrierte Christen angesiedelt, unter denen auch Mönche eine wesentliche Rolle spielten. In Kastilien kam die Wiederbesiedlung immer wieder ins Stocken, da der muslimische Widerstand hier deutlich größer war.

Die Wiederbevölkerung wurde von der Monarchie gesteuert, vor allem durch Adelige und Klöster, die die ersten großen Ländereien schufen, aber auch durch freie Männer, denen individuelles Ackerland angeboten wurde. Die germanische Tradition schrieb dem Monarchen den Besitz des gesamten unfruchtbaren Landes zu. Der König konnte seinen Untertanen die Besetzung eines Teils dieser Ländereien gestatten. Alles, was nötig war, war, dass eine Gruppe von Siedlern ein Gebiet mit Wasser fand, in dem sie sich niederlassen und das leere Land bearbeiten konnten. Die Folge war eine Dominanz kleiner und mittelgroßer Immobilien. Im Verlaufe der Kolonisierung konnten die Siedler zu Eigentümern bzw. Pächtern ihrer Parzellen werden, wurden aber dafür schrittweise in das feudale System von Abgaben und Zwangsleistungen eingebunden.
Mit dieser Struktur entstand eine freie Bauernschaft, die jedoch in späteren Perioden (im Zuge der Grundherrschaft im 14. Jahrhundert) zu Vasallen wurde. Wichtig bei der Besiedlung war allerdings, dass die Männer bereit waren, das Land gegen muslimische Angriffe zu verteidigen. Wegen der ständigen Bedrohung durch die Muslime hatte die Besiedlung einen militärischen Charakter; die Ortschaften wurden befestigt und dienten der ländlichen Bevölkerung als Fluchtburgen.

www.freeworldmaps.net 2005-2021

Entwicklung und Stärkung von Städten (12. Jh.) – „Repoblacion concejil“
Im der zweiten Hälfte des 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert wurden viele städtische Zentren entweder durch Neuerrichtung oder durch die Eroberung vorher von Muslimen besetzter Städte wieder entwickelt. Die Wiederbevölkerung erreichte Kastilien, das Guadalquivirtal, die Gegend um Tarragona, das Ebrotal, Levante und Südportugal. Es geht nicht mehr darum, Brachland zu besetzen, sondern die Kontrolle über eroberte besiedelte Gebiete zu sichern.
Große Gemeinden entstanden vor allem zwischen den Flüssen Duero und Tejo sowie im Ebro-Tal. Nach der Eroberung Toledos (1085) begann auch im Süden Kastiliens (Neukastilien, Kastilien-La Mancha) die Wiederbesiedlung. Nun kamen viele Einwanderer aus Südfrankreich ins Land; ihre Ansiedlung wurde von König Alfons VI. von Kastilien (1072–1109) gefördert.
Die Monarchen erteilten den Siedlern, die sich in diesen großen Gemeindegebieten konzentrierten, umfassende Regeln, die alle Aspekte des Gemeindelebens regelten. In diese Städte kommen freie Männer, Adlige, insbesondere Ritter usw.
Im Gegenzug erklären sich die Städte bereit, städtische Milizen für die Armee des Königs zu bewaffnen. Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros- s. Abschnitt unten). Parallel zur Wiederbevölkerung der Städte kam es auch zu einer Wiederbevölkerung der Dörfer mit Kernen von etwa zehn Einwohnern. Den neuen Siedlern des Gebietes wurde ein Stück Land und Ackerland zugeteilt, das nach einigen Jahren in ihren Besitz überging. Ebenso konnten sie gemeinschaftliches Land und Eigentum nutzen. Die daraus resultierende Eigentumsstruktur war durch das Überwiegen des freien Mittelbesitzes und den Überfluss an Gemeindeland gekennzeichnet. Im sozialen Bereich entsteht eine komplexe urbane Realität, in der das Bürgertum eine große Bedeutung erlangt.

Die Bedeutung der Militärorden (Mitte des 12. Jahrhunderts – Anfang des 13. Jahrhunderts) – „Ordenes Militares“

Diese Orden waren im Becken des mittleren Guadiana und im Becken der Flüsse Guadalope (Nebenfluss des Ebro) und Guadalaviar oder Turia tätig. Die Militärorden waren eine Art Bruderschaft von Mönchsrittern, deren Aufgabe es war, die Muslime zu bekämpfen. Während dieser Zeit wurde die Wiederbesiedlung der eroberten Gebiete den Militärorden anvertraut. Die bekanntesten waren die von Calatrava in Kastilien, die von Alcántara und Santiago in León und die von Montesa in der Krone von Aragon. In der Veraltung dieser Orden entstanden große Ländereien, auf denen sie für zahlreiche bäuerliche Vasallen verantwortlich waren. Der Besitz gelangte somit in die Hände des Hochadels und die freien Bauern verschwanden. Die Eigentumsstrukturen bestanden damals aus großen Anwesen, die der Viehzucht gewidmet waren, der geeignetsten Lösung für ein Gebiet mit viel Platz, aber gleichzeitig einem Mangel an Arbeitskräften.

Gezielte Verteilungen des Landes an die Eroberer (13. Jahrhundert) – „Repartimientos“

Auf diese Weise werden Andalusien, Extremadura, Murcia und ein Teil Valencias neu besiedelt. Mit der Wiederbevölkerung blieb das System der Großgrundbesitze bestehen und es entstanden große Adelsgüter, sowohl weltliche als auch kirchliche. Die neu eroberten Ländereien wurden nach dem Repartimiento-System aufgeteilt, d. h. die Könige gaben die den Muslimen abgenommenen Ländereien und Besitztümer an diejenigen weiter, die an der Eroberung beteiligt waren. So entstand eine systematische, genau geregelte Aufteilung von Ländereien. Große Grundstücke (Repartimentos, Donadíos…) gingen an Militärorden, Adel oder den König selbst. Dadurch entstand ein Eigentumstypus großer und mittlerer Grundbesitzer, dessen Größe und Wert vom sozialen Rang des Berechtigten abhing. Die Eigentumsverhältnisse waren ähnlich wie in der vorherigen Phase. In der dritten und vierten Phase treten die für das feudale Gesellschaftsmodell typischen Verhältnisse persönlicher Abhängigkeit (Vasallität) auf. Die Vasallität basiert auf dem Prinzip der absoluten Kontrolle und Macht des Lehnsherrn über den Vasallen und ist ein starres und unflexibles System.

Fueros
Lokale Chartas , Kommunalchartas oder Urkunden waren die an einem bestimmten Ort geltenden Rechtsvorschriften (Fueros), deren Zweck im Allgemeinen darin bestand, das lokale Leben zu regeln, indem sie eine Reihe von Rechtsnormen, Rechten und Privilegien festlegten , die vom König dem Landesherrn oder dem Rat selbst gewährt wurden , also die Gesetze eines Ortes. Es handelte sich um ein System lokalen Rechts das seit dem Mittelalter auf der Iberischen Halbinsel Anwendung fand und die wichtigste Quelle des spanischen Rechts im Hochmittelalter darstellte
Die muslimische Eroberung der Iberischen Halbinsel bedeutete auf rechtlicher Ebene den Bruch mit der Einheit, die im Westgotenreich durch das Liber Ludiciorum erreicht worden war, unbeschadet der eventuellen Ausübung einiger anderer als der im besagten Rechtstext genannten Bräuche.
Angesichts dieser Situation fiel die rechtliche Reaktion unterschiedlich aus, je nach den Umständen, die in den einzelnen Regionen des Landes auftraten.
Der Beginn der Reconquista führte zur Bildung verschiedener christlicher Königreiche und zur Formulierung eines neuen , pluralistischen und vielfältigen Rechts in ihnen , das sich im Allgemeinen dadurch auszeichnete, dass es sich im Wesentlichen um ein lokales Recht handelte .
Das Unternehmen der Rückeroberung bedeutete nicht nur, die Muslime militärisch zu besiegen , sondern auch, die eroberten Gebiete neu zu bevölkern. In den Gebieten, die aufgrund ihres wirtschaftlichen oder strategischen Werts für eine Wiederbesiedlung interessant waren , begannen die christlichen Könige und die weltlichen und geistlichen Herren eine Reihe von Privilegien zu gewähren , um Siedler zur Ansiedlung zu bewegen und so die Grenzgebiete grundsätzlich zu sichern und sie wirtschaftlich wiederzubeleben. Die Urkunden, in denen derartige Privilegien und Befreiungen festgehalten wurden, hießen Stadtrechte oder auch Bevölkerungsrechte ( chartae populationis ).
Die Urheber der Urkunden waren die jeweiligen Landesherren – christliche Könige , weltliche oder kirchliche Herren –, die aus eigener Initiative (oder als Beauftragte des Königs) oder manchmal auf Ersuchen ihrer eigenen Untertanen handelten. Im letzteren Fall verlieh es diesen Vereinbarungen einen gewissen paktartigen Charakter .Die ältesten erhaltenen Briefe stammen aus dem 9. Jahrhundert.
Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts begann man, lokales Recht schriftlich niederzulegen. Dabei wurden Regeln aus verschiedenen Quellen gesammelt, die im Allgemeinen dem Ersteller der ersten Bevölkerungsurkunde zugeschrieben wurden. Dieser Prozess führte zu neuen Urkunden, die die Form königlicher Privilegien annahmen und unter einer vielfältigen Nomenklatur präsentiert wurden – unter anderem chartae fori , chartae libertatis , confirmationis , privilegii .

Inhalt
In den Urkunden waren die Bräuche der einzelnen Orte sowie die ihnen von den Königen gewährten Privilegien zusammengefasst und es waren Bestimmungen enthalten, die den Adel, den Klerus und die Vasallen eines Gebiets schützten.
Es handelte sich um einen feierlichen Pakt zwischen den Siedlern und dem König und im weiteren Sinne auch um die Gesetze, die für eine bestimmte Region oder einen bestimmten Ort galten.
Für den Abschluss des oben genannten Pakts war stets die Unterschrift des Königs erforderlich, denn selbst wenn derartige Ansprüche mit einem Adligen niedrigeren Ranges besprochen wurden, war es der König, der schwor, die beanspruchten Rechte zu respektieren und durchzusetzen.
Urkunden, wie etwa die Cartas Pueblas, sind eine Reihe von Gesetzen und Freiheiten, die den Siedlern einer Stadt gewährt werden, also einer Bevölkerung ohne Herrschaft oder deren Herrschaft dem König gehörte. Diese Gesetze legten die Freiheiten im Einzelnen fest, wie etwa die Wahl eines Bürgermeisters, Tribute an die Krone, die Verpflichtung, die königliche Armee mit Bauern und Rittern zu unterstützen, und viele Vorrechte, die den Mann in der Stadt freier machten als den Bauern im Feudalregime.

 

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