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Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino frances

In diesem Kapitel möchte ich Euch einige Beispiele der avantgardistischen Architektur u.a. entlang der Jakobswege vorstellen. Es sind zum Teil visionäre Bauwerke, die aber leider nicht immer den Erfolg gebracht haben, den man sich von ihnen erwartete. Unten erfolgt eine kurze Darstellung der baulichen Struktur. (Die Texte zu den Bauten entnehme ich z.T. dem Aufsatz „Arquitectura-contemp“). Neben der Faszination der Bauten soll aber auch kurz auf einige Probleme und nicht erfüllte Hoffnungen eingegangen werden.

Bilbao:                                             Guggenheim-Museum

                                                           Arena Bilbao

Oviedo:                                            Kongresspalast

San Sebastian:                                Kongresszentrum

Santander:                                       Centro Botin

Avilé:                                                  Niemeyer-Zentrum

Santiago de Compostela:             Cidade da Cultura de Galicia 

Leon                                                   Museum Musac

Burgos                                                Museum der Evolutionsgeschichte der Menschen

Sevilla                                                 Caixaforum

                                                              Metropol Parasol

Guggenheim-Museum

Bilbao – GUGGENHEIM-MUSEUM

Wie ein vor Anker gegangener Ozeandampfer aus Titan liegt dieses Museum an der Ría von Bilbao und versetzt Sie in Staunen, wenn Sie es von einem der großartigen Boulevards aus sehen, die zur Brücke La Salve führen. Dank der komplexen Formgebung des kanadischen Architekten Frank Gehry sind alle Seitenansichten des Museums vollkommen unterschiedlich. Das Gebäude wurde 1997 fertiggestellt und ist für seinen dekonstruktivistischen Baustil berühmt. Das Gebäude wurde als „Signalmoment in der Architekturkultur“ gefeiert, weil es „einen dieser seltenen Momente darstellt, in denen sich Kritiker, Akademiker und die breite Öffentlichkeit über etwas völlig einig waren“. Eine skulpturale Struktur, die sich perfekt in das Stadtbild von Bilbao und die Umgebung einfügt und zu einem unbestreitbaren Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Einmal drinnen, entdecken Sie ein weltweit einzigartiges Museum. Um das zentrale Atrium sind die drei Ebenen angeordnet, in die das Guggenheim unterteilt ist. Titan, Glas und Kalkstein sind in Gehrys Händen eine willkommene Möglichkeit, die verschiedenen Räume mit geschwungenen Gängen, Aufzügen und Treppentürmen zu verbinden.

Bilbao Arena

Bilbao – ARENA

Schauen Sie sich dieses moderne Symbol der bioklimatischen Architektur an und entdecken Sie, wie es sich in die Umgebung einfügt. Das verwendete Baumaterial wird der Natur gerecht, in die es eingebettet ist. Der Stein spiegelt das Felsgestein wider, das hier ehemals im Bergbau gefördert wurde, und die Stützen, auf denen das gesamte Gebäude mit dem Grün seiner Fassade ruht, stehen für den großen Baumbestand des Miribilla-Viertels. Das Gebäude ist ein Sportzentrum, Basketballstadion und Konferenzzentrum und wurde von den Architekten Javier Pérez Uribarri und Nicolás Espinsa Barrientos entworfen. Sie und ihr Team haben verschiedene Systeme kombiniert wie die Kraft-Wärme-Kopplung, die Wiederverwendung von Regenwasser, ökologische Dächer oder eine innovative recycelbare Außenwand, um einen Meilenstein in der nachhaltigen Baugestaltung zu setzen

Oviedo Kongresszentrum

Oviedo  – KONGRESSPALAST

Santiago Calatrava, einer der international aktivsten Architekten Spaniens, der für seine durchgehend originellen und überraschenden Entwürfe bekannt ist, ist der Architekt dieses beeindruckenden Gebäudes. Besuchen Sie dieses Bauwerk, das in Oviedo als „die Meeresspinne“ bezeichnet wird, weil es eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Krebstier besitzt, und lassen Sie sich von seinen weißen und organischen Formen mitreißen. Das Gebäude ist eine einzigartige Skulptur, die sich auf einem großen Platz befindet. Dieser liegt inmitten einer Gartenanlage, die sich ideal zum Spazierengehen eignet und je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Ansichten des Bauwerks bietet. Die elliptische Form dieses mit einem Glas- und Stahldach versehenen Gebäudes wurde gewählt, um eine bessere Akustik und eine maximale Klangqualität während der Konzerte zu erzielen, die im großen Konzertsaal veranstaltet werden, diesem Raum, der für das Verständnis der Größe dieses Projekts unerlässlich ist.

San Sebastian Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7027766

San Sebastian – KONGRESSZENTRUM

Zwischen der Mündung des Urumea Flusses in die Biskaya, dem Strand von Zurriola und dem Stadtteil Gros erheben sich diese beiden Kuben aus lichtdurchlässigem Glas, die mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis für zeitgenössische Architektur ausgezeichnet wurden. Diese „beiden gestrandeten Felsen“, wie sie von ihrem Schöpfer, dem Pritzker-Preisträger für Architektur Rafael Moneo, bezeichnet wurden, sind zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Sowohl tagsüber als auch nachts, wenn sie wunderschön erleuchten, haben sie das Stadtbild von San Sebastian verändert. In ihnen finden das berühmte Filmfestival, internationale Kongresse und alle Arten von kulturellen Aktivitäten statt. Bestaunen Sie die Leistungen von Moneo. Ihm ist es gelungen, das Natürliche und das Künstliche harmonisch in Einklang zu bringen, einen großen Konzertsaal und Mehrzwecksäle von außerordentlicher Funktionalität zu schaffen, und eine behagliche Atmosphäre im Inneren zu erzeugen.

Von Angel de los Rios from Valladolid, Spain - Centro Botín, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65354598

Santander – CENTRO BOTIN

Es gibt Gebäude wie dieses Zentrum für zeitgenössische Kunst, die in der Luft zu schweben scheinen, so, als würden sie jeden Moment davonfliegen. Die Vermittlung dieses Eindrucks ist Renzo Piano hier gelungen. In Zusammenarbeit mit dem spanischen Büro Luis Vidal + Architects hat Piano in diesem Projekt eine erstaunliche Leichtigkeit erreicht. Dieser über dem Meer vorspringende Bau befindet sich in einer privilegierten Lage in Santander und wird von Pfeilern und Säulen in der Höhe der Kronen der Bäume der Pereda-Gärten getragen.

Die Fassade ist mit rund 280.000 hellen, halbrunden Keramikkacheln bedeckt, die das Tageslicht schillernd zurückwerfen. Jeder Gebäudeteil verfügt an den Stirnflächen zum Wasser sowie zur Landseite über große Glasflächen, die viel Licht nach innen hereinlassen und von außen die Leichtigkeit der Konstruktion betonen.

Dies sind die großen architektonischen Leistungen, die Sie bei einem Spaziergang in der Gegend bewundern können: die vollständige Integration in die Landschaft und die Verbindung des Stadtzentrums mit den historischen Gärten und dem Golf von Biskaya.

By SurfAst - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14935056 Centro Niemeyer

Avilé – NIEMEYER-ZENTRUM

Auf einem leeren Blatt Papier begann der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer Kurven zu zeichnen, um Asturien, wo er 1989 mit dem renommierten Prinz-von-Asturien-Preis für Kunst ausgezeichnet wurde, ein wundervolles Geschenk zu machen.

Es war eines der letzten Werke des greisen Architekten und sein größtes Projekt in Europa überhaupt. So genial und mutig wie der brasilianische Altmeister der modernen Baukunst muss man schon sein, um einem derart abweisenden Umfeld Paroli zu bieten. Dabei ist seine Handschrift unverkennbar: Bögen und Kurven, Spiralen, Wellen und kühne Schwünge bestimmen das Ensemble, das vier Gebäude umfasst: eine kuppelförmige Ausstellungshalle, einen gläsernen Turm mit Restaurant, eine langgestreckte Mehrzweckhalle und als Krönung ein Auditorium mit schwungvoll skizzierten Konturen. Fast alle Fassaden hat der Architekt in Weiß gehalten, nur das Auditorium hebt sich mit optimistischen gelben und roten Tupfern ab.

Zum Glück hat Oscar Niemeyer sein Projekt nicht als isolierte kulturelle Insel installiert, sondern zugleich eine Brücke geschlagen ins Zentrum der Stadt auf der anderen Seite des Flusses – mit einer Fußgängerbrücke, die sein Bauwerk mit der historischen Altstadt von Avilés verbindet. 

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19973697 Santiago de Compostela Kulturzentrum

Santiago de Compostela – CIDADE DA CULTURA DE GALICIA (Galicische Zentrum für zeitgenössische Kunst) 

1999 veranstaltete das Parlament von Galacia einen internationalen Architekturwettbewerb, der von dem amerikanischen Architekten Peter Eismann gewonnen wurde. Sein Entwurf knüpfte an die Form der Jakobsmuschel der Santiago-Pilger an und soll sanfte Hügel darstellen. Es befindet sich auf einem windgepeitschten Hügel außerhalb von Santiago de Compostella und besteht aus einer äußerst komplizierten Reihe von Gebäuden. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Der Eisenmann Entwurf wurde aber  aus Kostengründen nur teilweise realisiert.

By Ion Jaureguialzo Sarasola from Vitoria-Gasteiz, España - MUSAC, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17695180 Leon Mueseum Musac

Leon – MUSEUM MUSAC

Direkt an der Avenida de los Reyes Leoneses erwartet Sie das von Bäumen umstandene Museum für Zeitgenössische Kunst von Kastilien-León (MUSAC) mit seiner originellen Fassade aus bunten Fenstern. Diese Originalität war auch einer der Gründe dafür, warum das Architekturbüro Mansilla + Tuñón Arquitectos den renommierten Mies van der Rohe Award 2007 erhalten hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie die Farben ausgewählt wurden: durch Digitalisierung eines Bildes einer der Glasfenster der Kathedrale von León. Als ein in seiner Gänze mit nur einem Grundriss mit Mauern aus weißem Beton errichtetes Gebäude wurde das Museum als Raum konzipiert, in dem die zeitgenössische Kunst im Mittelpunkt steht. Erkunden Sie das Innere und entdecken Sie seinen eigentümlichen Grundriss, bei dem sich die Architekten von der Geometrie einiger römischer Mosaiken haben inspirieren lassen und der eine Kombination aus quadratischen und rautenförmigen Formen aufweist.

By Jardoz - Own work,CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15795315 Burgos Museum für

Burgos – MUSEUM DER EVOLUTIONSGESCHICHTE DES MENSCHEN,

In der Provinz Burgos liegt die Sierra de Atapuerca, wo eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Welt gefunden wurde. Das Museum der Evolutionsgeschichte des Menschen (MEH), ein Werk des spanischen Architekten, Bildhauers und Malers Juan Navarro Baldeweg, wurde in Burgos errichtet, um einige der Funde über die Herkunft des Menschen auszustellen und zu erklären. Wir empfehlen Ihnen, sich zuerst zur Fundstätte und dann zum Museum zu begeben. So erkennen Sie, wie das Äußere des Gebäudekomplexes direkt von der Landschaft des Gebirgszuges inspiriert ist, die durch die auf Terrassen verteilte, sich bis zum Fluss Arlanzón erstreckende einheimische Vegetation gekennzeichnet ist. Beim Betreten des Hauptgebäudes stellt sich bei Ihnen sogleich ein Gefühl der Weitläufigkeit ein, denn durch die Glaswände ist der Innenraum mit der Außenwelt verbunden. Sie werden überrascht sein von dem riesigen lichtdurchfluteten Raum dieses großen Lichtkastens, der durch sein Volumen und seine Helligkeit besticht.

Sevilla Caixa ForumBy Zarateman - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126293925 Sevilla Caixa

Sevilla – CAIXA-FORUM

Das erste, was die Aufmerksamkeit dieses einzigartigen Gebäudes auf sich zieht, ist sein markantes Dach aus Aluminiumschaum. Dieses Material verdeutlicht den innovativen Ansatz des Architekten Guillermo Vázquez Consuegra, der sich der Herausforderung gestellt hat, das alte Pódium Gebäude an eine neue Funktion anzupassen, die eines Museums und eines Kulturzentrums. Unweit des architektonischen Ensembles der Weltausstellung von 1992 gelegen, ist der Komplex das Ergebnis einer Kombination aus unterirdischen Ausstellungsräumen und einem offenen, öffentlichen Raum, der den Zugang zum Zentrum ermöglicht. Dank eines ausgeklügelten Lichtspiels erinnert der Innenraum an eine Kathedrale, denn das Licht, das durch die Decke dringt, ähnelt dem Licht, das in gotischen Kathedralen durch die Buntglasfenster einfällt.

Von Anual - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17308935 Setas de Sevilla

Sevilla – METROPOL PARASOL („SETAS DE SEVILLA“)

In kürzester Zeit ist dieses als größte Holzkonstruktion der Welt erachtete Bauwerk zu einem Wahrzeichen der andalusischen Hauptstadt geworden. Das von dem Deutschen Jürgen Mayer entworfene und als „Setas de Sevilla“ (Pilze von Sevilla) bezeichnete Bauwerk hat dem Plaza de la Encarnación einen neuen Anstrich gegeben und ihn in das 21. Jahrhundert geführt.

Die Konstruktion besteht aus sechs sonnenschirmartigen Strukturen mit pilzähnlicher Form, die stellenweise miteinander zu einem Sonnenschutz verbunden sind. Inspiriert wurde das Bauwerk durch die Säulen der Kathedrale von Sevilla und durch die Birkenfeigenbäume auf dem nahegelegenen Plaza del Cristo de Burgos.

Das netzartige Design und die Fähigkeit Mayers, mehrere Funktionen in eine einzige Struktur zu integrieren, werden Sie in Staunen versetzen. Zu den Parasoles bzw. den Sonnenschirmen gehören das Archäologische Museum im Untergeschoss, eine Markthalle, Restaurants, ein erhöhter Platz und ein Aussichtspunkt mit herrlichem Blick auf Sevilla.

 

Mammutprojekte und die Probleme mit dem Bilbao-Effekt

Viele Städte hatten wohl auf den sogenannten Bilbao-Effekt gehofft nach dem Motto ein berühmter Stararchitekt und ein visionäres Gebäude und schon sind die Besuchermassen da. Aber dieser Effekt tritt eben so einfach nicht ein. Im Kapitel über das Guggenheim Museum und den Bilbao-Effekt habe ich aufgezeigt, dass mehr dazu gehört, damit aus einer Konzeption auch ein Erfolg wird. Einige der oben dargestellten Projekte hatten und haben mit Problemen zu kämpfen. Denn in den 90iger und Anfang der 20iger Jahre lebte Spanien in einer Blase, die mit einem enormen Bauboom einherging. Da Geld scheinbar keine Rolle spielte, wollte jede Region in Spanien ihre eigene Version des äußerst erfolgreichen Guggenheim-Museums in Bilbao. Und die Regionen an der Nordküste waren nicht anders. Das Wallstreet Journal schlug schon 2008 vor, den Bilbao-Effekt als Bilbao-Anomalie zu bezeichnen, „denn die ikonische Chemie zwischen der Gestaltung eines Gebäudes, seinem Image und der Öffentlichkeit erweist sich als eher selten.“ 

Was bei einigen der oben aufgeführten Gebäude oft nur bleibt, sind architektonische Meisterleistungen, ohne dass sich die Hoffnung, als Magnet für Besuchermassen zu dienen, erfüllten. Was oft fehlte war ein Gesamtkonzept für die Städte. Wir als Besucher können uns natürlich trotzdem an den architektonischen Meisterwerken erfreuen.

 

Auf einige Probleme der großen Projekte möchte ich kurz eingehen.

So gab es z.B. beim Kongresspalast in Oviedo massive Probleme. Der Kongresspalast wurde 2011 eingeweiht. Während der Bauphase waren 2006 wegen eines Konzeptionsfehlers Dachteile des «Palacio de Congresos» eingestürzt. Allein dies führte damals zu Mehrkosten von 3,4 Millionen Euro. Außerdem hatte die Baufirma Jovellanos XXI auch 6,95 Millionen Euro für das von Santiago Calatrava konzipierte mobile Dach ausgegeben, das am Ende aufgrund von Problemen mit dem hydraulischen Schiebesystem unbeweglich bleiben musste. So musste der Stararchitekt Calatrava tief in die Tasche greifen: Das Oberste Gericht in Madrid hat den damals 64-Jährigen wegen Mängeln am Kongresspalast zur Zahlung eines hohen Schadenersatzes verurteilt. Der berühmte Architekt hatte wegen hoher Kostenvoranschläge und Baumängeln schon mehrfach Ärger.

Mit dem Niemeyer-Zentrum in Avilés sollte ebenfalls nach dem erfolgreichen Modell des Guggenheim Museums  auch in der sterbenden Industriestadt Avilés ein architektonischer Blickfang und kultureller Magnet geschaffen werden, mit dem man Hunderttausende von Besuchern anlocken wollte. Bei seiner Eröffnung im Frühjahr 2011 erhielt das Centro Niemeyer dann auch überschwängliches Lob von allen Seiten.

Doch dann kam alles ganz anders: Streitereien zwischen den Betreibern des Zentrums, der Stadtverwaltung und der Regionalregierung von Asturien führten schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung zum Chaos. Die Aktivitäten wurden zunächst teilweise eingestellt, der Komplex dann ganz geschlossen, anschließend vorübergehend unter anderem Namen neu eröffnet. Inzwischen funktioniert er wieder als Centro Niemeyer, allerdings auf Sparflamme. Anders als geplant haben die Ausstellungen kein internationales Niveau, Konzerte und Filme stehen nur unregelmäßig auf dem Programm, die Besichtigung der Innenräume ist auf wenige Stunden pro Woche beschränkt. Im Außenbereich zeigen sich schon erste desolate Ecken. Niemand wundert sich deswegen, dass die erwarteten Besuchermassen ausbleiben; vom „Guggenheim-Effekt“ jedenfalls ist nicht viel zu erkennen. 

Die City of Culture von Galicien bei Santiago de Compostela ist das größte und ambitionierteste Projekt von Peter Eisenman in Europa. Ende der 1990er Jahre formulierte die konservative Landesregierung Galiciens unter Präsident Manuel Fraga Iribarne (ein Veteran der Franco-Ära) ihre Vision des künftigen Santiago in Form einer lose definierten City of Culture, die auf der Kuppe des etwa drei Kilometer von Altstadthügel und Kathe­drale gelegenen Monte Gaias entstehen sollte. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Mehr als 700.000 Quadratmeter Grund wollte man so bebauen lassen. Der Eisenman-Entwurf ist auf Grund von massiven Kostenüberschreitungen nur teilweise umgesetzt worden. Der Bau der letzten beiden geplanten Gebäude wurde 2013 endgültig gestoppt. So ist der Eisenman-Entwurf für die City of Culture kaum zur Hälfte umgesetzt. Das geplante Theater- und Kunstzentrum wurde vor einigen Jahren gestrichen und an seiner Stelle befindet sich derzeit ein neues Gebäude für die örtlichen Universitäten. Trotz der sicher interessanten Architektur finden nur wenige Besucher den Weg auf den Hügel gerade auch im Vergleich zu den Massen an Pilgern, die jedes Jahr Santiago de Compostela aufsuchen.sc

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Comillas – Jugendstil trifft auf Historismus

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Camino del Norte

Die Stadt Comillas ist einer der symbolträchtigsten Orte der nordspanischen Region Kantabrien und aus architektonischer Sicht einer der interessantesten. Comillas hat zwar mittelalterliche Wurzeln, aber es wird von Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils dominiert, darunter der Sobrellano-Palast und das Pantheon de Sobrellano, die Päpstliche Universität und natürlich das brillante El Capricho des katalanischen Architekten Antoni Gaudi.

 Wie die Königsfamilie nach Comillas kam

Antonio Lopez y Lopez war 1931 nach Kuba emigriert, wo er sich dank zahlreicher Firmengründungen, zu deren Geschäften leider vermutlich auch der Sklavenhandel gehörte, und der zwischenzeitlichen Heirat mit der reichen Katalanin Luisa Bru Lassús, großen Wohlstand aneignete. Mit Tabakproduktion und -handel aber auch mit Banken und einer transatlantischen Schifffahrtslinie hat er seinen Erfolg gemacht. (s. auch das Kapitel „Die Witwen der Lebenden und Toten“)

Zurückgekehrt als reicher Geschäftsmann und Freund der spanischen Krone beschließt er, sich seiner Heimatstadt Comillas zuzuwenden und diese zu gestalten. Er lädt König Alfonso XII ein, dort seinen Sommerurlaub zu verbringen. Durch die wiederholten Besuche der Königsfamilie zieht Comillas die Aufmerksamkeit zahlreicher Aristokraten und reicher Bürger auf sich, was die weitere Entwicklung der Stadt und ihrer architektonischen Gestaltung beträchtlich beeinflussen wird.

Um den Besuch des Königs gebührend zu zelebrieren, wird Comillas als erste Stadt Spaniens mit elektrischer Straßenbeleuchtung ausgestattet und das, nachdem die Beleuchtung erst ein Jahr vorher von Thomas Edison patentiert wurde! Das Mäzenatentum des mittlerweile zum Marqués de Comillas ernannten Antonio Lopez y Lopez´ und seines Sohnes bringt Künstler der Modernismus wie Antonio Gaudí oder Luís Domènech i Montaner in die Stadt. Es entstehen Bauwerke wie der Palacio de Sobrellano, das Capricho de Gaudí oder die Antigua Universidad Pontificia.

Durch diese “königliche Aufwertung” des Ortes wurde Comillas zu einem  beliebten Badeort der spanischen Aristokratie. Auch heute noch sind die Badeorte in Asturien im Sommer beliebte Ferienorte der Madrilenen.

Von Nacho Castejón Martínez - originally posted to Flickr as Comillas, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001466

Die Sehenswürdigkeiten:

 Palacio de Sabrellano und Panteón de Sobranello

Der Sobrellano-Palast, auch bekannt als Palast des Marquis von Comillas, war das Werk des katalanischen Architekten Joan Martorell, der ihn im Auftrag des ersten Marquis von Comilla erbaute. Martorell war ein Kommilitone von Antoni Gaudi. Der Palast ist leicht verwittert und wirkt mit seinen rötlichen Steinen ein wenig geheimnisvoll. Die Arbeiten wurden 1888 abgeschlossen. Das mächtige neogotische Gebäude enthält englische, venezianische und mozarabische Details und diese Mischung gefällt nicht unbedingt jedem Kunstliebhaber. Das Gebäude hat einen rechteckigen Grundriss und ist im Inneren mit Möbeln von Antoni Gaudi und Gemälden von Eduard Llores ausgestattet. Draußen gibt es Skulpturen vom Barockkünstler Joan Roig. Neben dem Palast befindet sich das Panteón de Sobranello, eine Kapelle errichtet ebenfalls von Martorell. Die Einrichtung stammt vom jungen Antoni Gaudi.

De Sandstein - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7741310 Palacio de Sobrellano
De Anais Goepner Melendez - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28635889 Pantheon

Antigua Universidad Pontificia

Sie ist eine päpstliche Universität, die durch den Heiligen Stuhls errichtet wurde und unter dessen direkter Aufsicht steht, und eine der berühmtesten akademischen Institutionen in Spanien. Die Gründung erfolgte am 16. Dezember 1890 durch Papst Leo XIII. als katholisches Seminar für die Priesterausbildung.

Im Jahr 1968 wurde der vollständige Umzug der Einrichtung nach Madrid entschieden. In Comillas behält die Universität aber zwei Campus-Einrichtungen, eine im 1908 gegründeten Instituto Católico de Artes e Industrias  (ICAI), das als Zentrum für technische Studiengänge fungiert, und eine im Instituto Católico de Administratión e Dirección  de Empresas (ICADE), dem Zentrum für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit rund 13.000 Studierenden.

De Universidad_Pontificia_Comillas.jpg: Nacho Castejón Martínezderivative work: Tony Rotondas (talk) - Universidad_Pontificia_Comillas.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001787

Die Villa Quijano,

Die Villa Quijano, auch bekannt unter dem Namen El Capricho („Die Laune“), ist ein bekanntes Bauwerk des Architekten Antoni Gaudi.

Bei diesem Bauwerk handelt es sich um ein Sommerlandhaus. Auftraggeber war der vermögende Geschäftsmann Don Máximo Díaz de Quijano, der es aber leider nicht vollendet sah, da er kurz vor der Fertigstellung starb. Das Gebäude wurde von 1883 bis 1885 errichtet und zeigt neben einigen frühen Elementen des Modernisme vor allem deutliche Anleihen an den Mudéjar-Stil.

Herausstechendes Merkmal der Villa ist der zylinderförmige Aussichtsturm über dem Eingangsportal, das wiederum auf vier runden Säulen ruht. Der Turm ist mit bunten Keramikfliesen verkleidet. Die Fliesen mit ihrem Sonnenblumen-Muster finden sich auch auf der übrigen Fassade wieder, wo sie das Sichtziegelmauerwerk als waagerechte Bänder gliedern. In der Symbolik des Gebäudes sind aber nicht nur Anspielungen an die Natur, sondern auch an die Musik zu finden. So sind z. B. an den Gegengewichten der Vertikal-Schiebefenster Metallblättchen befestigt, die beim Bewegen Musik ertönen lassen. So liegt immer ein leises Klingeln in der Luft.

Gaudí hat die Villa nie selbst gesehen und überließ die Ausführungen vor Ort seinem Studienfreund Cristóbal Cascante.

De Anual - Trabajo propio, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16126112

Friedhof von Comillas

Der Friedhof, von Luis Domenech y Montaner 1893 gestaltet, befindet sich auf den Ruinen einer alten Kirche. Der Architekt entwarf die Friedhofsmauer mit ihrem Haupteingang, den Türmchen und Kreuzen. Die Marmorskulptur des Vernichtungsengels stammt von José Llimona (1894-1985). Der Ángel Exterminador gilt als das Wahrzeichen von Comillas.

Iglesia de San Christóbal

Der Bau der Kirche begann Mitte es 17. Jh.s, wurde aber erst 1831 fertiggestellt. San Christóbal hat eine besondere Geschichte. Die Bürger der Stadt nehmen ihre Einrichtung nämlich kurzerhand selber in die Hand, nachdem das Gefolge des Herzogs von Infantado sich geweigert hatte, beim Gottesdienst eine Bank mit ihnen zu teilen. So stellte jeder Bürger, der dazu in der Lage war, seine Arbeitskraft einmal in der Woche zur Verfügung. Außerdem kümmerten sich die Bürger auch um die Finanzierung. Überraschend für die Besucher ist der schlichte weiße Innenraum ohne irgendwelche Dekorationselemente.

Zusätzlich findet man in Comillas zahlreiche Gebäude der „Indianos“, jener Gruppe von Auswanderer, die in Südamerika reich geworden, wieder in ihre Heimat zurückkehrte ebenso wie prächtige Häuser spanischer Aristokraten und Großbürger.

De Universidad_Pontificia_Comillas.jpg: Nacho Castejón Martínezderivative work: Tony Rotondas (talk) - Universidad_Pontificia_Comillas.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11001787
De Cosal - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50082563 San christobal
De Ismaelromero - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21490938
De Cantabrucu - Trabajo propio, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82897635
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Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda – ein einzigartiger römischer Tempel

Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda - ein einzigartiger römischer Tempel

Camino Primitivo

Direkt am Camino Primitivo im Ort Santa Eulalia de Bóveda, in der Nähe der Stadt Lugo, ist ein weltweit einzigartiges Bauwerk erhalten: ein besonderer römische Tempel, welcher der Göttin Kybele geweiht wurde. Er wurde als Heiligtum und Orakel angesehen. Später wurde der Tempel als christliche Kirche genutzt und der Heiligen Eulalia geweiht, eine der berühmtesten Heiligen Spaniens. Man sollte den Ort unbedingt aufsuchen (Achtung manchmal leider geschlossen) . Es ist nur ein kleiner Raum unter einer kleinen Kirche aber von besonderer Schönheit durch die herrlichen Fresken, die noch erhalten sind.

Der eventuell aus dem 4. Jahrhundert stammende Bau wurde erst 1926 „entdeckt” – er war jahrhundertelang verschüttet gewesen. Nur so konnten sich die gemalten Motive erhalten. Aber der Zustand des feuchten Raums verschlechtert sich, der Schimmel macht schnelle Fortschritte.

Der Kybele Kult

Kybele war eine Göttin der Natur und Fruchtbarkeit und wurde in Rom als die Große Mutter der Götter verehrt. Als Schöpferin der Seelen schützte sie vor dem Geist des Bösen, denn voller Güte half sie denen, die sie anriefen. Ihr Kult erlangte in Rom Bedeutung, nachdem Augustus eine besondere Verehrung für sie empfand. Ein besonderer Aspekt von Kybele ist, dass sie Orakel gibt und Ekstase hervorruft, sowohl um Prophezeiungen zu fördern als auch um Schmerzen und sogar den Tod zu lindern. Ihre Heiligtümer im Reich hatten eine spezifische Architektur, um sich an die Durchführung ihrer Riten und insbesondere der Taufe oder des Tauroboliums anzupassen.

In der Antike gab es für Kybele viele Heiligtümer, bei denen es sich um Orakel handelte, in denen die Sibyllen residierten. Diese ermöglichten es den Priestern der Göttin, die Zukunft zu interpretieren. Die Sibyllen galten als prophetische, körperlose und zeitlose Stimmen. Diese Stimmen stammten von Vögeln, die mit dem Kybele-Kult in Verbindung gebracht wurden. Hähne, Enten, Gänse, Fasane, Wachteln usw. Der Flug der Vögel, ihr Gesang und ihr Kreischen enthielten die Prophezeiungen der Sibyllen.

Architektur 

Das Gebäude hatte zwei Stockwerke, obwohl heute nur noch das Untergeschoss bzw. die Krypta erhalten ist, die bis auf den zentralen Teil des Gewölbes, der beim Abriss der alten christlichen Kapelle im Obergeschoss verloren ging, fast in ihrer ursprünglichen Form erhalten ist. Von der oberen Etage ist nur noch ein Teil der Wand übrig, an der das Dachgewölbe aus Keramikziegeln beginnt.

Vor der christlichen Kapelle diente dieser zweite Stock als Taurobolio. Das Taurobolio war im antiken Rom das rituelle Opfern eines Stiers im Kybele Kult. Es war seit dem 1. Jh. n. Chr. bekannt. Ursprünglich diente es dazu, die Lebenskraft des Opfertiers zu übertragen. Das Taurobolium wird oft als eine kunstvolle Zeremonie dargestellt, in der sich der Stier auf einem Holzgitter befand und der zu Weihende darunter in einer Grube, so dass er während der Opferung vom Blut des Opfertiers durchnässt wurde, welches in ein Becken im Untergeschoss tropfte. Die Opferung eines Tieres die Götter ist Teil einer religiösen Handlung. Der Glaube an die heilende Wirkung der Bluttaufe war als Praxis in der Antike, insbesondere im 2. und 3. Jahrhundert, weit verbreitet.

Sobald das Tier tot war, ließen die Priester einen Behälter mit den Geschlechtsorganen des Stieres über eine Kommunikationstreppe an der Westwand hinab und stellten ihn in die Nischen in den Wänden der Krypta auf beiden Seiten des Beckens. Eingeweide geopferter Tiere werden oft auch für die Hieroskopie verwendet, ein Verfahren des Wahrsagens aus Opfergaben. Auch die unten erläuterte Darstellung von Vögeln weist auf ein Orakel hin. Als der Ritus des Taurobolio mit der Annahme des Christentums verboten wurde, verlor dieses zweite Stockwerk seine ursprüngliche Funktion und wurde in eine Kapelle umgewandelt, während das Erdgeschoss zur Krypta wurde. 

Sie besteht aus einem rechteckigen Raum mit einem kleinen Becken in der Mitte und einem Tonnengewölbe. An der Außenseite geht der Fassade ein kleines Atrium mit zwei Säulen voraus, in das sich eine Tür mit einem Hufeisenbogen öffnet, eine Typologie, die später von den Westgoten übernommen wurde. Es ist der älteste Hufeisenbogen, der in der spanischen Architektur als Strukturelement existiert, da er zuvor nur in der Dekoration einiger römischer Stelen vorkam. Das Heiligtum der Kybele gilt als „Unikat“, das bedeutet, im gesamten vom Römischen Reich besetzten Gebiet gibt es kein anderes Gebäude mit denselben Merkmalen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by Igrexas, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11293241

Wandgemälde im Innern

Im Inneren der Krypta ist ein wunderbarer Wandgemäldekomplex erhalten, der bedeutendste von denen, die es in ganz Hispanien gibt. Die bildliche Darstellung nimmt unmittelbar Bezug auf die Beziehung, die die Vögel und ihre Gesänge zum Heiligtum und seiner Funktion als Orakel hatten. Die lebenden Vögel blieben vor den Augen der Gläubigen verborgen und ihre prophetischen Lieder hallten über die Gewölbemalereien in der Krypta wider. Diese Gemälde befinden sich im Gewölbe und stellen die Sibyllen in Form von Vögeln dar und sind hervorragend erhalten. Das Set besteht aus Rebhühnern, Fasanen, Hühnern, Pfauen (Symbol der Göttin), Tauben, einer Gans und einer Ente sowie stilisierten Pflanzenmotiven, die den heiligen Baum von Attis (Attis ist in der griechischen und phrygischen Mythologie der Sohn der Flussnymphe Nana, den sie aus dem Samen eines Mandelbaumes empfing),  sowie die Kiefer und ihre Früchte darstellen. Es sind Fresken mit wunderbaren Farben, die einen tief beeindrucken. Die unteren Wandgemälde verschwanden, als das Heiligtum christianisiert wurde, und stellten sicher einen Bezug zu den Mysterien der Göttin her.

De freecat - flickr.com, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8574404

Außenfassade

An der Außenfassade der Krypta und des Atriums sind mehrere symmetrisch angeordnete Granitskulpturen zu sehen. Es handelt sich um Darstellungen von Tänzen, zwei Figuren mit verkrüppelten Beinen bzw. Armen, und es wird angenommen, dass Behinderte eine der sozialen Gruppen waren, die sich durch den Kybele-Kult Linderung oder Heilung erhofften. Außergewöhnlich ist auch ein astronomisches Relief, in dem ein Planet und sein Mond erscheinen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by HombreDHojalata, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11300664
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Moissac – nicht nur eine Hochburg der romanischen Kunst

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Camino Podiensis

Geschichte der Abtei und Stadt

Moissac die Stadt am Zusammenfluss von Tarn und Garonne entwickelte sich um die Benediktinerabtei St Pierre und ist eine der bedeutendsten Stationen auf dem Camino Podiensis. Mit über 13.000 Einwohnern ist Moissac die zweitgrößte Stadt im Département Tarn-et-Garonne.

Eine erste Gründung der Abtei Sankt Peter soll es um das Jahr 500 durch den Merowinger -König Chlodwig gegeben haben. Dies konnte aber durch die Wissenschaft nicht belegt werden. Erst in der Mitte des 7. Jahrhunderts ist die erste Gründung durch den heiligen Didier (den Bischof von Cahors) belegt. Sie fand während der Eroberungszüge der Araber und Normannen statt. Im 11. Jh. stand die Abtei kurz vor dem Ruin. 1030 stürzte das Dach ein und 12 Jahre später wurde die Abtei durch den Vizegrafen niedergebrannt, dem das Kloster als weltlicher Abt unterstellt war. Dies führte aber zu einer Gegenreaktion. Das Kloster wurde dem Kloster von Cluny, der mächtigsten Abtei im Abendland, unterstellt. Da Cluny direkt dem Papst unterstellt war, hatte die Abtei in Moissac Immunität gegenüber den weltlichen Mächten und erhielt sein Vermögen und seine Ländereien zurück. 1047 wird Durandus von Cluny als Abt in Moissac eingesetzt. Wenig später wurde er auch Bischof von Toulouse. Er nimmt den Wiederaufbau der Abteikirche in Angriff. Im Jahre 1063 wurde die neue Kirche prunkvoll eröffnet. 1100 wird durch den Abt Ansquitil der Kreuzgang fertiggestellt, dessen Skulpturen auf Kapitellen und Pfeilern einen der Höhepunkte der romanischen Kunst darstellen. Mit dem Aufschwung, den das Kloster nahm, entwickelte sich auch der Ort im Schatten der Abtei. Das goldene Zeitalter von Abtei und Stadt währte aber nur bis zum 14. Jh.

Der Hundertjährige Krieg, in dessen Verlauf Moissac zweimal von den Engländern besetzt wurde, setzte der Abtei schwer zu. Kurz nach der Belagerung und Einnahme der Stadt durch ein englisches Heer wurde die romanische Kirche 1188 bei einem Stadtbrand zerstört. Erst etwa hundert Jahre später begann der Wiederaufbau, nun in gotischem Stil und in Backstein, und dauerte in mehreren Bauphasen bis weit ins 15. Jahrhundert. Auch die Hugenottenkriege belasteten Abtei und Stadt schwer. Während der Französischen Revolution werden 1792 die Archive und Kunstschätze des Klosters geplündert oder zerstört. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entgeht die Abtei nur knapp der völligen Zerstörung, denn Kreuzgang und Konvent sollen dem Bau der Bahnlinie Bordeaux – Sète weichen. Einer Initiative des Denkmalschutzes ist es zu verdanken, dass die Pläne nicht ausgeführt wurden.

Die ersten Einwohner waren Fischer, später wurde die Stadt jedoch zu einem wichtigen Hafen für die Verschiffung von Maismehl nach Bordeaux. Die Moulin de Moissac (s.auch unten) beschäftigte einst etwa zwei Drittel der Stadtbevölkerung. Mit der Einführung der Eisenbahn und dem anschließenden Zusammenbruch des Flusshandels schrumpfte jedoch die Bevölkerung der Stadt. Heute ist die Stadt ein Touristenmagnet und eine der wichtigsten Stationen auf dem Camino Podiensis.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

Die Abteikirche St. Pierre

Nach dem Anschluss an Cluny begann die Errichtung der neuen Kirche (Moissac I) 1063, die Mitte des 12 Jh.s umgewandelt wurde (Moissac II). Der Bau wurde zu Beginn des 13. Jh.s niedergebrannt. Wie durch ein Wunder überlebte das Portal die Feuersbrunst. Erst nach Ende des Hundertjährigen Krieges entstand die Abteikirche aufs Neue, diesmal in Gestalt eines Saalraums mit gotischem Kreuzrippengewölbe (Moissac III). Der Raum ist nicht besonders attraktiv, die Architektur von Moissac spielt deshalb keine Rolle. Nach dem herrlichen romanischen Portal ist das Kircheninnere eher eine Enttäuschung. Daher richtet sich das Augenmerk voll und ganz auf das Portal (1110-1131) und den Kreuzgang (1059-1131) mit ihren herrlichen romanischen Skulpturen, die zu den europäischen Meisterwerken ihrer Zeit zählen (s. auch das Kapitel „Französische Romanik“).

Das Portal

Das Portal ist mit zahlreichen Reliefszenen geschmückt und gilt daher als bedeutendstes Zeugnis romanischer Bildhauerkunst in Südwestfrankreich. Das berühmte Stufenportal öffnet sich zur Südseite in einer tiefen Vorhalle. Es erscheint als eigener, der Kirche zugewandter Baukörper.

Das Tympanon wird auf 1120/30 datiert und ist damit eines der ältesten figürlichen Tympana überhaupt. Getragen wird es von dem Trumeaupfeiler in der Mitte des Eingangs. An den Seitenwänden der Portalvorhalle befinden sich weitere Relieffiguren. Die Portalanlage gehört mit denjenigen von Beaulieu-sur-Dordogne, Conques, Vezelay und Autun zu den Meisterwerken der romanischen Bildhauerei in Frankreich.

In der Mitte des Bogenfeldes dominiert Christus. Ihn umgeben die vier Evangelistensymbole und zwei schlanke Engelsgestalten, über dem Haupt Christi erkennt man die Andeutung einer Mandorla (Aura um die ganze Figur). Den übrigen Raum nehmen, im Bedeutungsmaßstab verkleinert und in drei Registern übereinander angeordnet, die 24 Ältesten der Apokalypse ein. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem Thema der Wiederkunft Christi auf Erden. Das Wellenband zu Füßen Christi deuten die Wogen des Gläsernen Meeres an. Der seltsame, aus Bestienmäulern wachsende Mäander am Rand des Bogenfeldes wird als Fessel des Höllenhundes Cerberus gedeutet. Unterfangen wird das Tympanon vom Türsturz mit Blütenrosetten. Sie werden als „Feuerräder“ gedeutet, die das höllische Feuer der Apokalypse symbolisierten oder in ihrer Rotation ein Sinnbild der ewigen göttlichen Kraft seien. Für die Sündhaftigkeit der irdischen Welt stehen die zahllosen Tiere, die zu Seiten des Portals in mehreren Zügen emporkriechen.

Wie vor der Wand schwebend erscheinen neben den beiden Türöffnungen Reliefstatuen Petrus und Jesaja. Ein Meisterwerk für sich ist der an allen vier Seiten skulptierte Trumeau (Pfeiler in der Türöffnung).

Auf die Nennung der einzelnen Bildinhalte wird hier nur teilweise eingegangen. Abgesehen von der theologischen Aussage legt dieses Portal eindringlich Zeugnis ab vom Gottesverständnis des 12. Jh.s.  Selbst eine genauere Darstellung kann für uns nur einen Teil des tiefen Symbolgehalts anreißen.

Es gibt einen Spruch, der besagt , »Qui n’a pas vu le portail de Moissac, celui-là n’a rien vu!« Der nicht das Portal von Moissac gesehen hat, der hat nicht gesehen.

Von Membeth - Own photography by Membeth; originally from de.wikipedia; description page is/was here.(Originaltext: selbst photographiert), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2303705
Von 13okouran - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62172528

Der Kreuzgang

Der Kreuzgang nimmt einen ähnlich hohen Stellenwert in der mittelalterlichen Kunst ein wie das Portal. Das Jahr 1100 als Zeitpunkt der Fertigstellung kann aufgrund einer Gravierung in einem Mittelpfeiler genau angegeben werden. Daraus ergibt sich, dass Moissac mit seinen 76 Arkaden nicht nur den größten, sondern auch den ältesten mit skulptierten Kapitellen geschmückte Kreuzgang besitzt. Mit seinen zehn Marmorreliefs an den Eckpfeilern und seinen ehemals 88 Kapitellen ist er nicht nur einer der umfassendsten, ältesten und schönsten in Frankreich, sondern zugleich der größte und am reichsten ausgestattete Kreuzgang der gesamten Romanik.

76 Kapitelle schmücken die Säulen bzw. Doppelsäulen, die wechselweise zur Stütze der 20 Arkaden angeordnet sind. Die Kapitelle der Säulen zeigen eine umfangreiche Sammlung von Szenen und Figuren des Alten und des Neuen Testaments sowie den Taten und Leiden der Heiligen. Wie nachgewiesene Farbspuren zeigen, waren zumindest teilweise farbig gefasst.

Die Forschung hat nicht weniger als sechs verschiedene Künstler identifiziert, die möglicherweise im Zentrum in Toulouse tätig waren. Auf eine eingehende Würdigung jedes einzelnen Kapitells wird hier verzichtet, aber man sollte sich Zeit lassen, um dieses Meisterwerk in seiner Schönheit zu betrachten und zu würdigen.

Es stimmt schon, was Nooteboom sagt, nämlich dass aus diesem Lehrstück für die damalige Bevölkerung ein Kunstwerk für uns geworden ist, dessen tiefere Bedeutung uns verborgen bleibt. Aber dieser „genie de lieu“, das Eigene und Besondere dieser Orte, fängt auch uns bei der Betrachtung ein und hinterlässt bei jedem von uns – gerade vielleicht auch als Pilger – tiefergehende Emotionen.

Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027
Kreuzgang von Moissac Abtei Saint-Pierre
Von Abxbay - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16183027

Moissac und sein Art Déco Viertel

Moissac hat neben der Abtei aber noch weitere Sehenswürdigkeiten. Die Stadt verblüfft mit einer der höchsten Konzentrationen an Art Déco-Gebäuden in ganz Südwestfrankreich! Grund hierfür ist jedoch ein Drama: 1930 zerstörte eine Überschwemmung des Flusses Tarn einen Teil des Stadtzentrums von Moissac, forderte 120 Todesopfer und machte Tausende von Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau begann mit einem Dutzend Architekten aus Toulouse, inspiriert vom Stil ihrer Zeit, dem Art Déco: geometrische Formen, klar definierte Winkel, kühne Öffnungen, Eisenarbeiten, Wandfresken. Vom Viertel Sainte-Blanche bis zum Rand des Tarn findet man im Art Déco-Stil u.a. den kuriosen Pavillon de l’Uvarium mit einem bunten Freskengewölbe, die Konzerthalle der Stadt, ein Geschenk der Stadt Paris namens Hall de Paris und weitere schöne Gebäude.

 

Hafenflair – der Kanalhafen und die Kanalbrücke

Die Stadt Moissac liegt am rechten Ufer der Tarn und wird darüber hinaus vom Garonne-Seitenkanal, den Verlängerungen des Canal du Midi, erschlossen. Etwa 1,5 km flussaufwärts vom Jachthafen überquert der Garonne-Kanal den Tarn über die majestätische 365 Meter lange Kanalbrücke „Pont Canal du Cacor“. Diese um 1845 erbaute Kanalbrücke stellt durch ihre Dimensionen, die Klarheit ihrer Linien, die harmonische Verwendung des Steins von Quercy und des „Ziegels von Toulouse“ ein wichtiges architektonisches Element der Region dar. Der „Canal latéral à la Garonne“ bildet zusammen mit dem Canal du Midi einen Wasserweg vom Atlantik (Bordeaux) ins Mittelmeer (Sète). Der Garonne-Seitenkanal hat heute für die Binnenschifffahrt keine Bedeutung mehr, wird aber als touristische Wasserstraße genutzt.

 

www.tourisme-tarnetgaronne.fr/en/offers/le-pont-canal-moissac-en-3227650/

Moissac – Zufluchtsort für Hunderte jüdische Kinder im 2. Weltkrieg

Entlang des Flusses befindet sich auch ein Hotel in der „Le Moulin de Moissac“ mit einer reichen Geschichte. Die Mühle wurde 1474, kurz nach dem Ende des 100-jährigen Krieges, auf den Ruinen einer anderen Mühle errichtet, die kurz zuvor niedergebrannt war. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte entwickelte sich die Mühle zur größten im Südwesten Frankreichs und ihr Mehl galt als ausgezeichnet. Sie war der größte Arbeitgeber der Stadt. Doch im Ersten Weltkrieg brannte die Mühle und das Gelände wurde aufgegeben. In den Goldenen Zwanzigern wurde die Mühle zu einem Luxushotel gestaltet, das jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs geschlossen wurde.

Danach stößt man auf ein Stück Geschichte, das einen sehr bewegt: 

Hier in Moissac fanden im Zweiten Weltkrieg Hunderte von jüdischen Kindern Zuflucht. Die Stadt und ihre Menschen boten diesen Kindern während des Krieges einen Zufluchtsort. Hier waren Kinder untergebracht, deren Eltern bereits deportiert waren oder die ihre Kinder in die Hände von sozialen Einrichtungen gaben, um sie zu retten. Sie wussten nie, ob sie sich wiedersehen!

Das von den jüdischen Pfadfindern (Éclaireurs Israélites de France, EIF) in der Mühle eröffnete große Kinderheim gewann sehr bald doppelte Bedeutung: als Heimstatt für Hunderte von bedrohten jüdischen Kindern und als einer der lokalen organisatorischen Knotenpunkte der jüdischen Résistance. Anfang Juni 1940, wenige Tage vor der Besetzung von Paris, verlegte der Generalsekretär der jüdischen Pfadfinder, Simon Lévitte, das Generalsekretariat der EIF nach Moissac. Im Spätherbst 1940 begannen Simon Lévitte und seine Frau Denise dort mit dem Aufbau eines geheimen jüdischen Dokumentationszentrums, und bald wurden in Moissac auch gefälschte Papiere für die Flüchtlinge hergestellt. Denn seit dem Judenstatut vom Oktober 1940 verschärften sich die Maßnahmen der Verfolgung in atemberaubendem Tempo.

Im August 1942 war, wie viele andere, auch das Heim in Moissac von einer Razzia betroffen. Zwar erfuhr die Heimleitung rechtzeitig davon und konnte die gesamte Bewohnerschaft für einige Tage nach Bourganeuf im Department Creuse evakuieren. Aber von diesem Zeitpunkt an standen auch in Moissac die Zeichen auf Auflösung der Heime. Die Kinder mussten verteilt werden. Die Pfadfinderorganisation brachte die jüdischen Kinder und Jugendliche dann illegal in nichtjüdischen Kinderheimen oder bei nichtjüdischen Familien in Moissac und in der Umgebung unter, die bereit waren, sie aufzunehmen.

Da diese Kinder zum Teil Schwierigkeiten hatten, sich in den katholischen Familien zurecht zu finden, und oft einen fremden Akzent sprachen, barg ihr Aufenthalt große Risiken. Deshalb wurde beiderseits der französisch-schweizerischen Grenze eine Fluchthilfe organisiert. Kleine Gruppen von Kindern wurden in nächtlichen Reisen durch Südfrankreich etappenweise über die Grenze in die Schweiz gebracht. Drei bis vier dieser heimlichen Kindertransporte gingen wöchentlich bis 1944 in Richtung Schweizer Grenze. In den Dokumentationen wird hier immer wieder der Name Marianne Cohn erwähnt.  Sie lebte zeitweise in Moissac und begleitete u.a. viele der Kindertransporte. Als sie am 31. Mai 1944 die 28 Kinder ihres letzten Konvois übernahm, hatte Marianne Cohn schon viele dieser in dichter Folge an die Schweizer Grenze gebrachten Transporte begleitet. Die Zahl der Kinder, denen sie das Leben gerettet hat, wird auf 200 geschätzt. Sie wurde verhaftet, gefoltert und kurze Zeit später im Alter vom 22 Jahren ermordet.

Die Esplanade des Justes entlang des Tarn wurde zu Ehren der Stadt und ihrer heldenhaften Bürger errichtet.

Die Mühle von Moissac ist nicht die einzige Zufluchsstätte in Frankreich, in der jüdische Kinder aufgenommen wurden. Ich möchte hier nur noch zwei Beispiele erinnern, an das traurige Schicksal der Kinder in Izieu, die ein halbes Jahr vor Kriegsende noch verraten, deportiert und in Auschwitz ermordet wurden und das von den jüdischen Jugendlichen in La Hille, die trotz des Schutzes des Roten Kreuzes verhaftet wurden, aber noch einmal gerettet wurden und auch heimlich in die Schweiz gebracht wurden. Viele dieser Hilfen wären aber ohne die anonyme Hilfe und Unterstützung der französischen Bevölkerung nicht möglich gewesen. Auch ihrer sollte man an in Dankbarkeit gedenken.

https://www.thelocalbuzzmag.com/the-quiet-appeal-of-moissac/

Exkurs

Die Schweizer Seite

Die „Oeuvre de Secours aux Enfants“ war eine jüdische Organisation, die im besetzten Frankreich jüdische Kinder, die deportiert werden sollten, versteckte. Als das immer gefährlicher wurde, schleuste sie die Kinder außer Landes, nach Spanien und hauptsächlich in die Schweiz. Dafür wurden Papiere gefälscht, typisch jüdische Namen ersetzt, das Alter der Kinder angepasst – Kinder unter 16 durften nicht zurückgeschickt werden.

Freiwillige Helfer brachten die Kinder in der Regel nach Annemasse, die letzte Bahnstation vor der Schweiz in der Nähe des Genfer Sees. Die kleine Stadt war bei Jugendgruppen als Fe­rien­ort beliebt, fremde Kinder fielen dort kaum auf. Für die letzte Strecke über die Grenze waren bezahlte Schlepper zuständig, Einheimische, die sich auskannten und vor dem Krieg vielleicht schon Waren geschmuggelt hatten. Die Preise lagen zwischen drei- und fünftausend Francs pro Kind. Das Risiko war groß: Nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz drohten Gefängnisstrafen. 1944 verstärkten die Deutschen die Grenzkontrollen, die Passagen wurden zu gefährlich.

Offiziell konnte und wollte man sich von Schweizer Seite auch der des Roten Kreuzes (SRK) nicht gegen die Anordnungen der deutschen und französischen Vichy-Regierung stellen, um die Neutralität der Schweiz nicht zu gefährden. Damit entstand eine Kluft zwischen den politischen Auffassungen, die am Sitz des SRK in Bern vertreten wurden, und der düsteren Realität, mit der die humanitären Helfer vor Ort konfrontiert waren. Die Ermahnung des Exekutivkomitees an die in Frankreich tätigen Mitarbeiter bringt die Unvereinbarkeit der beiden Positionen gut zum Ausdruck: “Die Gesetze und Dekrete der französischen Regierung sind genauestens zu befolgen. Sie haben nicht zu beurteilen, ob diese Ihren persönlichen Überzeugungen widersprechen……” Trotzdem leisteten einige MitarbeiterInnen weiterhin unter großen Risiken Fluchthilfe für die Kinder in die Schweiz und konnten so noch viele Kinder und Jugendliche vor dem sicheren Tod bewahren.

 

Die Chasselas-Traube aus Moissac

Bei der Traubensorte Chasselas de Moissac handelt es sich um eine frische Tafeltraube mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP = Appellation d’Origine Protégée). Ihren Namen hat die Traube von ihrem Ursprungsort Moissac. Sie wird besonders für ihr süßes Aroma und die knackige Fruchtschale geschätzt und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Da die Traube sehr robust ist und sich gut aufbewahren lässt, findet man sie von September bis Dezember im Handel.

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Kloster San Salvador in Cornellana und das schöne Städtchen Salas

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Camino Primitivo

Das Kloster San Salvador in Cornellana

Das Kloster San Salvador wurde 1024 von der Infantin Cristina, Tochter von König Bermudo II. und Königin Velasquita, gegründet, die sich nach dem Tod ihres Mannes Ordoño in dieses Kloster zurückzog. Über dem Tor des Obstgartens befindet sich das Relief eines Bären, der ein Mädchen säugt, mit zwei Löwenköpfen auf beiden Seiten. Dieses Relief erzählt die volkstümliche Legende, nach der ein Mädchen, die Infantin Cristina, in sehr jungem Alter in den asturischen Wäldern verloren ging und überlebte, weil sie von einem Bären gesäugt und beschützt wurde.

Nach dem Tod der Infantin traten ihre Nachkommen das Kloster 1122 an die Mönche von Cluny ab, die hier dann ein Benediktinerkloster gründeten.

Das architektonische Ensemble des Klosters San Salvador de Cornellana besteht aus der Kirche und dem angrenzenden Kloster. Die in der der zweiten Hälfte des 17. Jhs. renovierte Kirche hat den Grundriss einer Basilika mit drei Schiffen. Der Innenraum bewahrt noch stilistische Merkmale des romanischen Stils mit drei halbrunden und gestuften Apsiden, denen ein gerader Abschnitt vorangestellt ist. An der Außenseite sind die Apsiden mit aufgesetzten Säulen, Rundbogenfenstern, horizontalen Gesimsen und verzierten Kragsteinen geschmückt. In der Nähe erhebt sich der Glockenturm, dessen quadratische Form in der Höhe hervorsticht und im Kontrast zu den geschwungenen Wänden der Apsiden steht. Der Innenraum ist mit hervorragenden Altarbildern aus dem 17. Jh. geschmückt.

Der barocke Kreuzgang, ein Ersatz für den mittelalterlichen Kreuzgang, hat einen quadratischen Grundriss und zwei Stockwerke, in denen Arkaden im unteren Stockwerk mit profilierten Balkonen im ersten Stockwerk kombiniert sind. Außerdem sind zwei romanische Türen aus dem Vorgängerbau erhalten geblieben.

Zu Beginn des 18. Jhs. wurde das Kloster renoviert. Es erhielt eine elegante zweistöckige Fassade mit profilierten Fenstern im ersten Stock und Eisenbalkonen im zweiten Stock. Der Mittelteil ist mit typischen Barockmotiven verziert: Säulen, Balkone, ein geteilter Giebel und ein riesiges Wappen.

Der gesamte Gebäudekomplex wurde in den letzten Jahren wieder renoviert. Dort befindet sich auch eine Pilgerherberge.

Salas

Zahlreiche Funde aus der Altsteinzeit belegen die frühe Besiedelung des Gemeindegebietes, darunter zahlreiche Dolmen. Reste von Wallburgen. Äxte und Fibeln aus der Bronzezeit bestätigen die anhaltende Besiedlung und den regen Handel mit anderen Orten.

Aus der Zeit der römischen Besetzung existieren noch teilweise genutzte Wasserversorgungskanäle sowie Spuren des Bergbaus an den Kupfer- und Goldbergwerkminen von Godán, Ablaneda und Carlés. Eine Stele mit der Inschrift: „Hier liegt Flavio Cabarco, Sohn von Auledo und von Caya“ wurde ebenfalls gefunden.

Die erste urkundliche Erwähnung von Salas stammt aus dem Jahr 896, in einer Abtretungsurkunde aus dem benachbarten Erzbistum Oviedo, die die Kirche San Martin de Salas betrifft. Aus dem Jahr 1024 stammt die Gründung des Klosters Monasterio de San Salvador im Auftrag der Infantin Christina.

Eine Vielzahl von Baudenkmälern aus teilweise vorromanischer Zeit sowie Nekropole und Wallburgen finden sich heute noch im gesamten Gemeindegebiet.

Die Stadt Salas verfügt über einen der bedeutendsten historischen Monumentalkomplexe in ganz Asturien und beherbergt vier Nationaldenkmäler: den Turm des Valdés-Salas-Palastes aus dem 14. Jahrhundert. Die Mauern sind sechzehn Meter hoch und enden in vier Stockwerken, die durch Wendeltreppen miteinander verbunden sind. Es gibt nur wenige Fenster, die übrigen Öffnungen sind Schießscharten. An den Turm angeschlossen sieht man durch einen Halbkreisbogen aus dem 16. Jh. den Palast von Valdés Salas, der Familie, die der Stadt und dem Turm ihren Namen gab. Die Stiftskirche Santa María La Mayor ist ein elegantes gotisches Gebäude, in dem sich das Mausoleum des Inquisitors D. Fernando Valdés Salas befindet, ein Werk des italienischen Künstlers Pompeo Leoni, eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissance-Skulptur in Asturien.

In der Stadt befindet sich auch das Museum für präromanische Kultur. Dieses im historisch bedeutenden Turm des Palasts der Familie Valdés Salas untergebrachte Museum beherbergt die wertvolle Sammlung von Gegenständen und Steintafeln mit Inschriften aus der nur einen Kilometer von Salas entfernten Kirche San Martín. 

De Juanjeitor / Juan José Hernández Rodríguez de Redondela, Spain - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2316133 Turm von Valdés in Salas
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178

Die primitive Kirche „Iglesia de San Martin“ liegt 800 m von der Stadt entfernt und wurde zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erbaut. Der fortschreitende Verfall dieses primitiven Gebäudes machte im Jahr 951 einen Wiederaufbau erforderlich. Die vorromanische Kirche San Martín wurde im  15. Jahrhundert vollständig umgebaut und in den darauffolgenden Jahrhunderten teilweise umgestaltet, wobei einundzwanzig Teile der alten frühmittelalterlichen Kirche erhalten blieben.

An den Außenwänden des Mauerwerks waren ursprünglich epigraphische Grabsteine eingelassen, die heute im Museum „Asturische Vorromanik“ aufbewahrt werden. Denn diese in den Mauern der Kirche San Martín eingelassenen Stücke stellen insgesamt ein hervorragendes repräsentatives Beispiel für die Perfektion und den dekorativen Reichtum der asturischen Werkstätten des 10. Jahrhunderts dar. Sie sind somit ein Beleg für die hohe Qualität der vorromanischen asturischen Kunst, die gelegentlich in Vergessenheit geriet. In der Kirche sind auf Leinwänden originalgetreue Reproduktionen im Originalmaßstab zu sehen.

Die heutige Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und besteht aus einem einzigen Kirchenschiff, das mit Giebelholz gedeckt ist. Der Zugang erfolgt durch eine gotische Tür mit Spitzbogen und drei profilierten Archivolten ohne Verzierung. Das Presbyterium besitzt einen quadratischen Grundriss und ein Kreuzgewölbe.

 

By Xuliu Pombar - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052597

Neben der Kirche stehen zwei weibliche Eiben am Eingang und auf der Rückseite des ummauerten Bereichs, der die Kirche und den Friedhof umgibt. Sie wurden zum Naturdenkmal erklärt. Der erste hat einen Stammumfang von zweihundertneunzig Zentimetern und der zweite von sechshundertzehn Zentimetern. Ihr geschätztes Alter würde bei etwa dreihundert bzw. fünfhundert Jahren liegen. Es ist möglich, dass die Älteste zur Erinnerung an die Reform der Kirche im 15. Jh. gepflanzt wurde und die jüngste mit der im 18. Jahrhundert durchgeführten Reform.

Die Eibe ist ein Baum von großer kultureller Bedeutung in der Region, wo sie im Laufe der Geschichte eine symbolische Rolle gespielt hat. Als Protagonist des alten vorchristlichen Glaubens wurde es im Laufe der Zeit zu einem Identitätssymbol der Pfarrgemeinde und gilt heute als Repräsentation einer mythischen Vergangenheit, einer asturischen Identität, die auf Tradition und einer Reihe ökologischer  Werte basiert. (s. auch Kapitel über Eiben)

 

 

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Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Via Tolosana

Begriff

Die Baskenmütze ist eine traditionell aus Wolle gewalkte Mütze in der Art eines Baretts. Sie hat keinen Schirm und keine Krempe. Ihre Besonderheit ist die flache Form, die nach innen gebogene Kopföffnung und der ca. ein bis zwei Zentimeter lange Zipfel in der Mitte (baskisch txertena, ‚Schwänzchen‘), der beim Filzvorgang entsteht, und auch als Schlinge gearbeitet sein kann. In Frankreich nennt man sie bérets und in Spanien boinas, auf baskisch txapela (was eigentlich Hut heißt). Die Hirten waschen ihre Mütze nicht, sondern es heißt ausschütteln, abklopfen, aufsetzen nach dem Motto “la vie continue”!

Während die ursprüngliche Baskenmütze entweder marineblau oder rot war, ist sie heute in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Man findet es beim Militär, bei Schülern und in den Kollektionen namhafter Designer. Schon früh drückte es aber auch eine Geisteshaltung seiner Träger aus.

Geschichte

Eine Art Baskenmütze wurde schon um das Jahr 1000 herum zuerst von Geistlichen als Schutz gegen Sonnen- und Mückenstiche getragen. Erst waren wie aus der Wolle der Schafe gestrickt. Seit dem Hochmittelalter gab es in Europa Walkmühlen, einfache Mühlen aus Holz, die die Wolle durch Druck zu Filz pressten. So wurde damals auch der Rohstoff für die Mützen hergestellt. 

So entwickelte sich wahrscheinlich um 1570/1580 aus dem in Euroüa verbreiteten Barett die Baskenmütze zur Kopfbedeckung der Bauern und Hirten in den Pyrenäen, insbesondere im Béarn. Von dort gelangte sie ins benachbarte Baskenland, wo vor allem blaue und schwarze Baskenmützen insbesondere von Fischern und Seeleuten getragen wurden. Quellen legen nahe, dass die Baskenmütze auf diese Weise seit dem 16. Jahrhundert im Baskenland weit verbreitet war. Deshalb schwelt im Südwesten seit Jahrhunderten die ewige Streitfrage, ob die wirklich bérets basques waren − oder etwa doch bérets béarnais.

Der Legende nach sprach Napoleon III. eher versehentlich das entscheidende Machtwort: Als er um 1855 nach den Baufortschritten an seinem Sommerpalast in Biarritz sah, staunte er laut über die „baskischen Hauben“ der arbeitenden Männer. Niemand wagte es, den Kaiser zu berichtigen und so war die ‚Baskenmütze‘ geboren.

Künstler und Kämpfer trugen Baskenmütze

Fest steht, dass die Baskenmütze im Frankreich des 19. und vor allem des frühen 20. Jahrhundert viel von Intellektuellen und Künstlern getragen wurde, darunter Rodin, Pablo Picasso, Monet, Cezanne, Ernest Hemingway, Richard Wagner und Heinrich Böll. Bevor dieser Hype unter Künstlern begann, fand man sie bereits auf Selbstporträts der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt. Seit etwa 1927 ist sie immer wieder als modisch-sportliche Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht in Gebrauch. So ließ sich etwa Marlene Dietrich in den 1930er Jahren häufig mit Baskenmütze ablichten,  Greta Gabor trug sie privat,  Lisa Fonssagrives war 1950 auf dem Cover der amerikanischen Vogue mit roter Baskenmütze und Baguette im Arm zu sehen. 1967 trug  Faye Dunaway als Bonnie im Film Bonnie und Clyde Baskenmütze. In der Mode wurde die Baskenmütze unter anderem von Louis Viutton und Sonia Rykiel neu interpretiert. Erst im 20. Jh. wurde die Baskenmütze in den angelsächsischen Ländern zu einem Symbol, das mit dem Image der Franzosen in Verbindung gebracht wird, obwohl sie eigentlich ein typisches Attribut des ganzen Baskenlandes ist.

Im Zweiten Weltkrieg war das Barett dann die Kopfbedeckung des französischen Widerstandes. Die Baskenmütze war eines der Symbole der Résistance. Aber auch die Gegner der Résistance, insbesondere die Miliz, trugen die Baskenmütze, allerdings auf eine andere, steifere Art und Weise. Später wurde die Baskenmütze zum Symbol verschiedener Widerstandsbewegungen und der Volksbefreiung. “Che” Guevara machte sie in den 60iger Jahren zu einem der Symbole der Revolution.

1975 bestellte aber auch die irakische Armee eine Million Baskenmützen. Die Mitglieder der ETA zeigten sich ebenfalls häufig mit Baskenmütze. Zudem bekommen im Baskenland traditionell die Sieger oder Siegerinnen von Wettbewerben eine Baskenmütze aufgesetzt und werden txapeldun genannt. Die Fans von Athletic Bilbao tragen häufig Baskenmützen als Teil ihrer Fankleidung. Man sieht, die Baskenmütze hat im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen.

 

Das „béret basque“ hat damit das geschafft, was weltweit nur wenigen Kleidungsstücken gelingt:

Gleichzeitig ein Symbol für Widerstand und Revolution, Teil einer Uniform, ein modisches Statement und ein nationales Symbol zu sein!

Herstellung

Die Herstellung von Baskenmützen, die in Frankreich einst blühte, wurde von der Krise der Textilindustrie und der Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Baskenmütze zudem heute an Bedeutung verloren hat, gibt es nur noch wenige Fabriken, die die echten Baskenmützen herstellen. In dem kleinen Ort Oloron-Sainte-Marie sitzt die 1830 gegründete Firma Laulhère, der letzte große Baskenmützenproduzent Frankreichs. Laulhère ist übrigens eine Ableitung von ouélhé oder aoulhé, was im Béarnais „Hirte“ bedeutet. Es gibt auch kleine Manufakturen, wie Après La Pluie im Badeort Saint-Jean-de-Luz, die neben Laulhère die Mütze herstellen. Die einzige Fabrik, die im spanischen Baskenland noch existiert, ist die Firma Elosegui, die Boinas in Tolosa produziert.

Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär. Das Militär verzichtet aber auf typische “Schwänzchen”, in Frankreich cabillou genannt. Die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes.

Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt für einige Sekunden.

Und wie trägt man nun die Baskenmütze?

Man kann sie tragen, wie es einem gefällt. Es gibt keine festen Vorgaben. Je nach Anlass, persönlicher  Stimmung, eigener Kopfform oder Modetrend kann man den Sitz der Mütze auf dem Kopf variieren. Viel Spaß beim Probieren!

Übrigens: die Baskenmützen sind der angesagteste Modetrend für 2022 – laut Influencer:innen und der Zeitschrift „Elle“ . Allerdings entsprechen diese Modeaccesscoirs nur noch in der Form ihren Wurzeln. Ansonsten kommen sie jetzt in ausgefallenen Ausführungen u.a. in Webpelz- oder Häkel-Optik und in leuchtenden Farben wie rosa und grün.

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Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Via Tolosana

Auch wenn der Weg nach San Juan de la Pena und Santa Cruz de la Seros ein „Umweg“ ist, so sollte man sich doch als Pilger – wenn möglich – für diese Variante entscheiden, um diese Kleinode auf dem Jakobsweg aufzusuchen.

Das mittelalterliche Kloster befindet sich südwestlich der Stadt Jaca in der sogenannten Sierra San Juan de la Peña. Das Berggebiet wurde 1920 zum Landschaftsschutzgebiet ernannt. Hier in einer engen Schlucht unter einem weit herausragenden Bergüberhang liegt versteckt das Kloster. Die Anlage öffnet sich in etwa nach Norden, so dass sie kaum direktes Sonnenlicht erhält. Diese Lage unter einem Felsüberhang ist einzigartig. Das anstehende Gestein ist ein sehr weiches rötlichen Konglomerat, das das Ausschwemmen von Höhlen und die Bildung der Überhänge begünstigte und das somit auch gut bearbeitbar war.

Von Juan Carlos Gil - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21646482

Geschichtliche Entwicklung

 Unter einem großen Felsüberhang liegt versteckt und vor der Witterung geschützt das ehemalige Kloster des hl. Johannes vom Felsen. Westgotische Flüchtlinge verschanzten sich hier nach der Zerstörung ihres Reiches (711) und errichteten eine bescheidene Festung, die aber von den Mauren wieder zerstört wurde. Im 8. Jh. soll sich hier der Eremit Juan de Atares zurückgezogen haben. Wie so häufig schlossen sich solchen Eremiten andere Gläubige an. Und so soll es seit der Mitte des 9. Jh. hier ein Benediktinerkloster gegeben haben. Sancho Garces III. (1030 – 1050) förderte das Kloster und ein großer Teil der heute noch erhaltenen Gebäude wurden in dieser Zeit errichtet. Seit dem 10. Jh. wurden hier auch zunächst die Herrscher Navarras beigesetzt.

Im 11. Jh.  erstarkte die Abtei und wurde u.a. auch durch Schenkungen der Könige von Navarra zu einem mächtigen Kloster. San Juan de la Peña war damals ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Aragonien. Besonders bedeutend war das Skriptorium des Klosters. Hier entstand in dieser Zeit unter anderem eine 194 Blatt umfassende Abschrift der Bibel auf Pergament, das älteste erhaltene Bibelmanuskripts aus Aragon. Am Ende des 11. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte Bedeutung. Nun wurde es auch zur Begräbnisstätte der Könige von Aragon, während seit dem 10. Jh. hier bereits die Herrscher Navarras beigesetzt wurden.

 

https://anthrowiki.at/index.php?curid=206811

Gestaltung

 Die alte Höhlenkirche des Klosters ist zweistöckig. Die beiden Ebenen sind aber nicht miteinander verbunden. Jede der Ebenen bildet einen eigenen Kirchenraum. Die untere mozarabische Kirche wurde um ca. 920 erbaut und ist zweischiffig mit zwei Apsiden. Die mozarabische Architektur bezeichnet den Baustil präromanischer Gebäude, die von Mozarabern errichtet werden. Mozaraber sind Christen, die von der Kultur des Islams geprägt waren. In der Kirche finden sich auch noch Reste romanischer Wandmalereien aus dem 11. Jh. Vor der Unterkirche liegt das Dormitorium, der Schlaftrakt der Mönche, der im 11. Jh. dazukam.

 

Von Jl FilpoC - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75806442

Die über der alten Kirche liegende Oberkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jhs. Es wird angenommen, dass die Zahl der Pilger, die hier am Jakobsweg Halt machten, so groß war, dass man eine weitere Kirche errichtete. Der Ostteil dieser hohen einschiffigen Kirche mit drei Apsiden ist in den gewachsenen Felsen gehauen. Die Decke wird ebenfalls teilweise aus dem gewachsenen Stein gehauen. So ist hier eine Kirche entstanden, in der von der Natur geformter Stein mit von Menschen aufgebauten Teilen zusammenfließt. Licht fällt nur durch ein großes Fenster an der Westseite in die Kirche. Die leichte Bogenkonstruktion, die die Apsiden umläuft und sie miteinander verbindet, lässt einen fast vergessen, dass man sich unterhalb einer überhängenden Felswand befindet.

 

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. Der Kreuzgang, der aus dem 12. Jh.  stammt, liegt ganz wettergeschützt unter dem Felsüberhang, der ihm als Gewölbe dient und besteht nur aus Bogengalerien. Die Kapitelle des Kreuzgangs sind bedeutende Kunstwerke der Romanik. Die ältesten stammen vom Ende des 11. Jh. und zeigen fantastische Tiere sowie geometrische und pflanzliche Motive. Die zweite Gruppe von Kapitellen stammt vom „Meister von San Juan de la Pena“. Sein Name ist uns nicht bekannt. Die Kapitelle wurden Ende des 12. Jhs geschaffen und zeigen verschiedene Szenen aus der Bibel. Sie sind voll ausgestaltet, die Figuren sind sehr kompakt mit zum Teil stark betonten Augen und Mündern. Der Eindruck wurde ehemals durch kräftige farbliche Fassungen noch verstärkt.

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. An den Kreuzgang sind zwei Kapellen angeschlossen, eine im Stil der Spätgotik, die andere im klassizistischen Stil. Die Königsgruft ist ebenfalls eine zweigeschossige Anlage. Zahlreiche Könige von Aragon und von Navarra wurden dort über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten bestattet. Später blieben nur die Grablege der aragonesischen Könige an diesem Ort.

 

Es handelt sich bei dem alten Kloster um einen einzigartigen mystischen Ort, an dem Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenspielen und sich vereinen. „Genie de lieu“ nennen die Franzosen so einen Ort, der etwas ganz eigenes und Besonderes atmet. Mir gefällt dieser Ausdruck! Für Nooteboom ist es einer der Ort, die er noch einmal sehen wollte, bevor er sterbe.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39406213

Die Kapitelle erzählen den Mönchen, die hier im Kreuzgang meditierten, religiöse Geschichten. Romanische Kapitelle und Tympana sowie andere Schnitzereien erzählen Geschichten, aber eigentlich rufen sie Geschichten hervor, die der Betrachter bereits kennen sollte. Der Steinmetze, der das Kapitell schnitzt oft unter Anleitung des ranghöchsten geistlichen Beamten, der die Arbeit in Auftrag gibt, vermittelt wichtige visuelle Elemente einer Geschichte. Die Erzählung ist in einer Szene oder einem Tableau zusammengefasst und erinnert den Betrachter an eine bestimmte Botschaft, die für seinen Glauben wichtig ist.

Hier eine kurze Beschreibung der drei Kapitelle, die auf dem ersten Bild zu sehen sind:

Auferstehung des Lazarus
Hier ist eine Darstellung der Auferweckung des Lazarus durch Christus. An der kreuzförmigen Heiligenscheinfigur in der rechten Ecke erkennen Sie, dass es sich um Christus handelt. In seiner linken Hand trägt er einen Stab mit einem Kreuz darauf und gestikuliert mit seiner rechten Hand segnend. Die beiden Figuren hinter dem Leichnam sind Maria und Martha. Ihre Hände gestikulieren zum Gebet. Der Leichnam des Lazarus ruht auf einem Sarkophag und ist in ein Leichentuch gehüllt.

Einzug in Jerusalem
Dieses Kapitell zeigt den Einzug in Jerusalem (von den Christen als Palmsonntag gefeiert), bei dem Christus auf einem Esel in die Stadt reitet und von seinen Anhängern wie ein zurückkehrender König behandelt wird. In der Mitte des Kapitells legt ein Anhänger seinen Mantel vor dem Weg des Esels nieder. Es ist eine Geste der Demut, des Dienstes, des „Wegesbereitens“, die bei den Mönchen Anklang gefunden haben dürfte.

Das letzte Abendmahl
Beim letzten Abendmahl sehen wir, wie Jesus einen Apostel füttert, während er versucht, den Fisch auf dem Tisch zu fangen. Der heilige Johannes erscheint auf Christus liegend.

Neben weiteren Szenen aus dem neuen Testament, u.a. noch die Fußwaschung eines Leprakranken oder die Verkündigung, gibt es auch Szenen aus dem alten Testament wie der gefallene Adam oder Adam und Eva., die arbeiten. Eine genaue Beschreibung des Klosters und der Kapitelle im Kreuzgang findet man bei diezarnal.com.

 

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3940621
https://anthrowiki.at/index.php?curid=97228

Sagen und Legenden

 Das ist sicher auch ein Grund, warum im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Legenden um dieses Kloster entstanden sind. Unter anderem versuchen einige Historiker mit eher pseudowissenschaftlichen Erläuterungen zu belegen, dass sich im Kloster San Juan de la Pena im Mittelalter der heilige Gral befunden haben soll. Laut den Klosterurkunden, deren älteste aus dem Jahre 1134 stammt, verehrten die Pilger an diesem Ort die Reliquie des Santo Caliz als den Heiligen Gral, hier in Form eines Kelches, der heute in Valencia aufbewahrt wird. Angeblich gibt es zwischen dem Ort und Kloster San Juan de la Pena und der Gralsburg, an dem sich der Heilige Gral befinden soll, zahlreiche Parallelen. Hierbei wird von einigen Historikern auf die Beschreibung von Wolfram von Eschenbach in seinem Parsifal zurückgegriffen. Allerdings beanspruchen auch andere Orte in England und Frankreich das Recht, der Ort zu sein, an dem sich der Gral befindet. Zudem ist weiterhin umstritten, um was für einen Gegenstand es sich bei dem Gral überhaupt handelt – ist es ein Kelch, ein einfaches Trinkgefäß oder ein Stein?

 

Das neue Kloster

 Wegen der ungünstigen Lage des alten Klosters (Düsteres Licht, Feuchtigkeit, schadhafte Stellen) wurde es nach einem verheerenden zweiten Brand im Jahre 1675 nicht mehr am historischen Ort aufgebaut, sondern etwa 100 m höher, auf der über dem Überhang gelegenen Hochfläche von San Indalecio, die klimatisch günstiger war und auch sehr viel mehr Platz bot. Das neue 1714 fertig gestellte Kloster wurde auf dem Hochplateau über dem alten Kloster in barocken Stil erbaut, reich ausgestattet und mit zahlreichen Nebengebäuden versehen. Es besaß neben den üblichen Einrichtungen für die Mönche einige Schreibzimmer, umfangreichen Gästezimmern, eine Krankenstation, eine Apotheke sowie Kornkammern und Weinkeller. Durch den spanischen Unabhängigkeitskrieg und die Säkularisation der Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts ist heute davon nicht mehr viel übrig. Von 1999 bis 2007 wurde die übrig gebliebenen Gebäude grundlegend saniert: Ein Luxushotel, ein Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon und eines zur Geschichte des Klosters entstanden in den alten Mauern.

 

Besonders schön ist der alte markierte Pilgerweg, der hinter Santa Cruz beginnt und durch den Wald und unter Felsen dorthin führt. Die Wahrscheinlichkeit, hier Bartgeier, Steinadler und Alpenkrähen zu sehen, ist ziemlich groß, die Aussicht auf die Pyrenäenkette wunderschön. Allerdings müssen hierbei ca. 600 hm überwunden werden.

Ebenso anstrengend und lohnend ist auch der Anstieg von Jaca über Arres aus. Auf jeden Fall muss man, wenn man San Juan de la Pena besuchen will, einen zusätzlichen – aber lohnenden – Tag auf diesem Pilgerweg einplanen.

Von FRANCIS RAHER - CS 22082009 #123630 #45624.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44280806
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Parador – die ungewöhnlichste Hotelkette der Welt

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Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

Parador ist die Kurzform für “Parador nacional”. Es handelt sich um von der spanischen Regierung in (Luxus-)Hotels umgebaute Burgen und historische Gebäude sowie einige neue Luxus-Resorts, die alle in atemberaubender Lage oder an historisch bedeutsamen Orten liegen. 2022 betrug die Gesamtzahl der Einrichtungen 97 in Spanien und eine in Portugal mit insgesamt ca. 10.000 Betten. Die einzelnen Hotels liegen in der Regel nur bequeme Tagesetappen (mit dem Auto) voneinander entfernt.

Die Paradors hatten schon immer drei Ziele:

– das nationale historische und künstlerische Erbe, inklusive der wichtigsten Naturgebiete zu erhalten

– ein besonderes Image des spanischen Tourismus im Ausland zu schaffen

– Bewegung in Gebiete mit wenig Tourismus und geringerer Wirtschaftskraft zu bringen.

Um sich nur eine die Dimension der in Spanien existierenden Burgen und Schlösser zu machen, hier nur zwei Zahlen. Früher gab es über 10 000 Schlösser in Spanien. Auch wenn sich die Zahl auf heute 2500 reduziert hat gibt es immer noch endlos viele Möglichkeiten in den mysteriösen, historischen und romantischen Flair, von dem die spanischen Schlösser umgeben sind, einzutauchen. Dagegen macht sich die Zahl der Paradors klein aus, aber sie bieten doch die Chance, ein Gefühl für das Leben in diesen Gemäuern zu bekommen. Natürlich es bleibt wenn ein Gefühl für das Leben der Reichen und Mächtigen in diesem doch so bewegten Mittelalter in Spanien.

spainparador.com/map.htm
Parador de Cardona

Geschichte der Paradors

“Calidad, amabilidad, leyenda – desde 1928” steht auf den schweren Messingtafeln am Eingang zu jedem Parador. Qualität, Herzlichkeit, Legende – seit 1928. Die Idee zu den stilvollen Unterkünften geht auf das Jahr 1926 zurück, als man in Spanien einen “königlichen Kommissar für Tourismus” ernannte, den Marqués de Vega Inclán.

Der Marqués schlug Alfons XIII., dem König von Spanien, vor, in armen, aber landschaftlich durchaus interessanten Gebieten Spaniens Hotels zu errichten. Hiermit sollte sowohl der Bekanntheitsgrad dieser Regionen gefördert als auch die leeren Kassen der Gemeinden gefüllt werden. Im ersten Schritt sollten keine neuen Hotels gebaut sondern historisch und architektonisch bedeutsame Bauwerke zu Hotels umfunktioniert werden. Positiver Nebeneffekt dieser Idee war die Rettung einiger dieser Bauwerke vor dem drohenden Verfall.
Der König fand diesen Vorschlag bemerkenswert und wählte daraufhin das Gelände in der Sierra de Gredos selbst aus, auf dem man 1928 das erste – in Abwandlung der ursprünglichen Idee – neu errichtete staatliche Hotel mit 30 Betten eröffnete. Warum in dieser zwei Stunden von Madrid entfernten rückständigen Gegend? Die Sierra de Gredos war von je her das Jagdgebiet der spanischen Könige. Der Marqués war zunächst enttäuscht, weil hier ein neues Gebäude errichtet wurde. So ließ er zumindest als Eingang ein prächtiges Tor aus einem Herrschaftshaus einbauen.

Parador de Santiago de Compostela 15.Jh.

Nachdem der Parador – was auf kastilisch schlicht und einfach „Unterkunft“ bedeutet -, ein Erfolg wurde, folgten kurz darauf weitere Hotels, diesmal der Idee des Marqués de la Vega Inclán folgend in geschichtlich bedeutenden Gebäuden. So wurden beispielsweise Hotels in Oropesa (1930), Úbeda (1930), Cuidad Rodrigo (1931) und Merida (1933) eröffnet. Damit wurde der Beginn einer neuen Art des Reisens auf der iberischen Halbinsel eingeleitet. Es folgten 26 weitere Paradors. Durch diese Aktivitäten wurden wichtige historische Bauwerke Spaniens gerettet, die zum Teil schon dem Verfall preisgegeben waren.

Der spanische Bürgerkrieg stoppte dann zunächst die Entwicklung. Weil aber der Diktator Franco Interesse an den Paradors zeigte, wurden die Idee unter dem Tourismusminister Manuel Fraga weiterentwickelt. In diese Zeit fällt auch eine gewisse Europäisierung Spaniens, die besonders im einsetzenden Tourismusboom vor allem an der Südküste Spaniens ihren Ausdruck fand. 

Zwischen 1965 und 1976 entstanden 25 neue Paradors und einige andere wurden modernisiert. Bis 2012 stieg die Zahl der Paradors auf 93. Heute gibt es in Spanien insgesamt 97. Sie gehören einer im Staatseigentum befindliche Aktiengesellschaft. Interessanterweise sind immer noch 65% der Gäste Spanier und „nur“ 35% Ausländer. –

Parador de Zamora Historischer Palast 15. Jh.
Parador de Caceres Historischer Palast 14. Jh.
Parador de merida Kloster 18. Jh.

Gestaltung der Paradors

Die meisten der rund 100 Paradors befinden sich in Schlössern, Burgen, Klöstern oder Festungen, alle in atemberaubender Lage am Meer, in Naturschutzgebieten oder in bekannten Städten. Die historisch und architektonisch bedeutsamen Bauwerke erinnern einen auf Grund der Größe und Strenge an die Geschichte der einstigen Weltmacht Spanien. In dieser Hinsicht sind sie auch gerade für die spanischen Gäste von besonderer Bedeutung. Zudem ist jeder Parador anders und hat seinen eigenen Charakter abhängig von seiner Geschichte, seiner Lage, seiner ehemaligen architektonischen Gestaltung und seiner Anpassung an heutige Komfortansprüche.

Stilvolles Mobiliar, wertvolle Kunstgegenstände, Fresken oder Holzkassettendecken sind meist wichtige Details der gehobenen Ausstattung. Alle Paradors garantieren ein hohes Niveau, gleich mit wieviel Sternen sie ausgezeichnet sind.

Gleichzeitig bilden die Paradors ein Gegenstück zu den touristischen Betonburgen entlang der Küsten Spaniens. Sie zeigen die andere historisch und kulturell bedeutende Seite Spaniens.

Parador de Santiago de Compostela
Parador des Hondarribia

Auch wenn wir beim Pilgern das Leben bewusst auf das Wesentliche reduziert, so darf sich ein historisch und kulturell interessierter Pilger schon einmal das Vergnügen leisten, in einem Parador zu übernachten und tiefer in die Geschichte Spaniens einzutauchen. Die Kosten liegen allerdings zwischen ca. 90 – 300 € pro Nacht je nach Ort und Jahreszeit. Besucher über 55 Jahre sollten nach der 35% Ermäßigung fragen, die möglicherweise angeboten wird. Außerdem sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten der Paradors erkundigen, da nicht alle das ganze Jahr über geöffnet sind.

Eine Liste der Paradors und Bilder zu den einzelnen Hotels finden man u.a. hier https://www.abanico-reisen.de/paradores-verzeichnis.html

Parador de Zamora
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Die Kathedrale von Jaca und der Sarkophag der Dona Sancha – erste wichtige Zeugnisse der Romanik in Spanien

Die Kathedrale von Jaca und der Sarkophag der Dona Sancha – erste wichtige Zeugnisse der Romanik in Spanien

Via Tolosana

Wenn wir auf der Via Tolosana von Frankreich aus die Pyrenäen über den Somport-Pass überqueren, erreichen wir auf der Südseite Jaca, die erste größere Stadt auf der iberischen Halbinsel. Jaca war der Legende zu Folge die einzige Stadt der iberischen Halbinsel, welche die Mauren nie besetzten. Nach der römischen, westgotischen und fränkischen Herrschaft erhob Ramiro I.  Aragon 1035 – nach der Trennung von Navarra – zum selbständigen Königreich. 1054 stieg Jaca zur Hauptstadt des jungen christlichen Königreiches auf und war eine wichtige Pilgerstation am Jakobsweg. Dieser Position verdankt Jaca auch zahlreiche repräsentative Bauten. Zwar verlor Jaca seine Hauptstadtposition relativ bald an Huesca, aber es hatte als grenznaher Stützpunkt lange eine große Bedeutung. 1571 ließ Philipp II. am Rande der Stadt eine bedeutende Zitadelle errichten, die noch heute zu bewundern ist.

Die Kathedrale von Jaca

Die Kathedrale San Pedro (ca. 1040-1080) gilt als erste romanische Kathedrale und eine der wichtigsten romanischen Sakralbauten in Nordspanien. Der Grundriss wurde Vorbild für zahlreiche romanische Kirchen Aragons und beeinflusste noch die Baukunst Altkastiliens im 12. Jh..Welche Wirkung die Kathedrale auf Besucher machen kann, zeigt vielleicht am besten die Aussage von Nooteboom. Für ihn ist es eine der Gebäude, die er als letztes noch einmal sehen wollte, wenn er nicht mehr reisen dürfte!

Es handelt sich um einen dreischiffigen Quaderbau, dessen Querschiff nicht über die Flucht der Seitenschiffe hinausragte, und eine Dreiapsidenanlage im Osten. Der zunächst offene hölzerne Dachstuhl erhielt in der Spätgotik seine Einwölbung. Im 15. bis 18. Jahrhundert erfolgten starke Umbauten und Erweiterungen. Von einer der ersten bedeutenden romanischen Kirchen Spaniens stammen aus der Zeit bis 1130 der Glockenturm, die Außenmauern, die Pfeiler und Säulen der Schiffe und die südliche Chorkapelle sowie das Haupt- und Südportal.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361

Das Tympanon

Das Tympanon des Westportals zeigt ein achtstrahliges, mit Blüten verziertes Christusmonogramm, ein seit der Spätantike auf Kapitellen, Grabstelen und Sarkophagen verbreitetes Symbol für Christus, bestehend aus den griechischen Buchstaben X (Ch), P (R) und S(S). An den waagerechten Enden des Kreuzes befinden sich die Buchstaben Alpha und Omega – Symbole für den Anfang und das Ende. Zwei Löwen flankieren das Christusmonogramm. Wir betrachten diese Darstellungen als wunderbare Kunst der Romanik. Wir sollten uns aber auch vergegenwärtigen, dass die Darstellungen zur damaligen Zeit Lehrstücke waren, um den Menschen die Lehren des Christentums nahe zu bringen und sie zu einem gottesfürchtigen Leben aufzufordern. Daher hier ein paar Ausführungen zu der dargestellten Symbolik. 

In der Romanik ist die Bedeutung des Löwen stets ambivalent sowohl als Symbol des Guten als auch als Zeichen der negativen Gewalt. Der linke stellt sich schützend über einen Menschen, der eine Schlange hält. Die Inschrift lautet: „Der Löwe weiß den Flehenden zu verschonen, wie Christus den Bittenden“ – der Mensch als Sünder überwindet mit Hilfe Christi seine Laster. Rechts hält der Löwe einen Bären und einen Basilisken, ein Fabelwesen, halb Drache, halb Hahn. Die Inschrift besagt: „Der starke Löwe zertritt das Reich des Todes“ – Christus überwindet hier das Böse in Form eines Bären und Basilisken. Die kreisförmige Inschrift verweist auf die Dreieinigkeit und jene am unteren Rand lautet: „Wenn Du leben willst, der du den Gesetzen des Todes unterliegst, komme hierher und flehe, verweigere die vergiftete Nahrung der Welt, reinige dein Herz von den Lastern, damit du nicht eines zweiten Todes stirbst.“ Wären diese Schriften nicht mit eingraviert, würden wir uns heute wohl schwertun, die Bildplastik richtig zu verstehen. Im Mittelalter gab es aber typische Bilder, die zum Teil eine wörtliche Übertragung von Versen aus bestimmten Psalmen sind. Hier ist es der 13. Vers aus dem 91. Psalm in dem es heißt: über Löwen und Otter wirst du gehen, junge Löwen und Drachen niedertreten – eine in der Romanik so wie in der Gotik oft zitierte Sequenz. Das im Portal von Jaca statt eines jungen Löwen ein Bär dargestellt ist, ist damit zu erklären, dass sich die Menschen in den Pyrenäen zur damaligen Zeit sehr vor den dort lebenden Bären fürchteten

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36944320

Die Steinmetzarbeiten des Meisters von Jaca

Einige Kapitelle des Südportals werden dem Meister von Jaca zugeschrieben. Die Steinmetze signierten ihre Werke im Mittelalter selten, weshalb man sie nach dem Ort ihres Hauptwerks benennt. Der Meister von Jaca arbeitete am Bau der Kathedrale und an der Bauplastik bis 1096. Diese ist besonders zu beachten, da die sichere Erfassung der menschlichen Anatomie und die Gestaltung der Gewänder ein für das 11. Jh. bemerkenswert hohes Niveau erreichen. Bemerkenswert sind der starke Realismus und die genaue Wiedergabe der Details und Gestaltungsmerkmale. Er orientierte sich hier wohl an der körperlichen und gestenreichen spätantiken Sarkophagplastik, typisch hierfür ist auch die Darstellung der „Opferung des Isaak“ im Inneren der Kathedrale. Die Opferung des nackten Isaak gilt als erste nachantike Aktdarstellung – und das im 11. Jh. in Spanien! Auch bemerkenswert  ist die Darstellung des musizierenden David (Original im Dommuseum): Der König spielt auf einer Handgeige, umgeben von Tempelmusikern.

Von Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg: Ecelanderivative work: Escarlati (talk) - Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7561355

Der Sarkophag der Dona Sancha

Von besonderer Bedeutung ist auch der Sarkophag der Dona Sancha aus dem 12. Jh., ein Werk der hohen Romanik, der sich in der Klosterkapelle San Salvador y San Ginésy des Benediktinerinnenklosters befindet. Hier wurden drei Töchter Ramiros I., die in das Kloster von Santa Cruz de la Seros eingetreten waren, beigesetzt. Dona Sancha war die Gründerin eines Klosters im nahen Santa Cruz de la Seros. Er lässt sich auf das Jahr 1097 datieren.

Der Sarkophag der Dona Sancha zählt zu den bedeutendsten nicht architekturgebundenen romanischen Skulpturen Spaniens. Er ist an allen vier Seiten mit Reliefs verziert u.a. mit Christus als Weltenrichter, der Sterbeszene der im Kindsbett verstorbenen Königin, bei der die Engel die Seele der Königin nach byzantinischem Vorbild als Kind in Empfang nehmen, trauernd von zwei Begleitern gestützt steht der König daneben. Außerdem findet man die Anbetung der Heiligen Drei Könige und den Kindermord in Bethlehem ebenso wie das Gleichnis der fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen, das im Mittelalter immer wieder als mahnendes Beispiel betont wird.

Das Gleichnis der 10 Jungfrauen war im Mittelalter eines der populärsten Gleichnisse (Matthäus 25,1-13). Nach der Deutung der glossa ordinaria (mittelalterliche Standarderklärungen zu Bibeltexten) symbolisieren die klugen Jungfrauen, die sich rechtzeitig mit Öl für ihre Öllampen versorgt haben, die christlichen Seelen, die sich in fünffacher Weise tugendhaft Gott zuwenden, die törichten Jungfrauen, die zwar Öllampen haben, aber kein Öl, symbolisieren fünf Arten der fleischlichen Lust und Verdammnis.

https://www.jaca.com/sarcofagodonasancha.php

Quellen

Thorsten Droste, Joseph S. Martin, Der Jakobsweg, München 2004

Dietrich, Höllhuber, Werner Schäftke, Der spanische Jakobsweg, Landschaft, Geschichte und Kunst, Köln 2008

Cees Nooteboom, Umweg nach Santiago, 5. Aufl. 2020

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Picasso Jahr 2023

Picasso Jahr 2023

Camino del Norte

2023 ist der 50. Todestag eines der bedeutendsten spanischen und internationalen Künstler aller Zeiten, Pablo Ruiz Picasso. Ausstellungen in Museen weltweit erinnern an den großen Künstler.

Kurze Biografie Picassos

1881                am 25. Oktober als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malaga, Spanien geboren

1891               Umzug der Familie nach A Coruna ins spanische Galicien, am Instituto da Guarda bereits als Zehnjähriger an der Schule für bildende Künste aufgenommen

1895               nach dem Tod der Schwester Umzug der Familie nach Barcelona in Katalonien. Mit vierzehn Jahren schaffte Picasso die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie La Lonja, Einstieg sofort ins 3. Studienjahr

1896               sein erstes großes Bild im akademischen Stil „Die Erstkommunion“

1897               begann er ein Malereistudium an der Akademie San Fernando in Madrid, Ausbildung nach wenigen Monaten abgebrochen

1901               Rückkehr nach Barcelona. Er wurde Mitglied der Malergruppe „El Quatre Gats“ („Die vier Katzen“)

1901 – 1904   entwickelte Picasso seine „blaue Periode“. In dieser Phase wählte er hauptsächlich Bettler und Mütter mit Kindern als Motive seiner Bilder. Er entwickelte seinen ersten eigenen Stil mit schwermütigen Figurenbildern, die in verschiedenen Blautönen gehalten wurden. Ein Jahr später erfolgte die erste Ausstellung seiner blauen Periode. Abwechselnde Aufenthalte in Barcelona, Madrid und Paris       

Von Argentina. Revista Vea y Lea - http://www.magicasruinas.com.ar/revistero/internacional/pintura-pablo-picasso.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3257370

1904 – 1907 verändert Picasso seinen Stil und erarbeitete mithilfe von Mutterschaftsbildern, Gauklern und Harlekinen seine „rosa Periode“. Ein Jahr später stellte er in einer Pariser Galerie erste Bilder seiner neuen Phase aus.

1904                 nach einer späteren Paris-Reise zog Picasso endgültig in die Französische Hauptstadt. Er lernte Fernande Olivier kennen, die seine Geliebte und sein Modell wurde.

1905            Picasso lernt Matisse im Haus der Schriftstellerin Getrude Stein kennen. Matisse war der einzige zeitgenössische Künstler, den Picasso als ebenbürtig ansah

1908                änderte Picasso erneut seinen Stil. Ausschlaggebend für den erneuten Stilwechsel waren vor allem afrikanische Masken wegen ihrer außergewöhnlichen Gestaltung. Zusammen mit Geogres Braque wurde Pablo Picasso damit zum Begründer des Kubismus. Er zeichnete Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig. In dieser Phase des analytischen Kubismus zeichnen sie eckige Flächen und quaderförmige Strukturen.

1912                folgte dann die Phase des synthetischen Kubismus. Sie beziehen sich auf die Methode des Collagierens, indem sie verschiedene Materialien zusammenfügen. So verwendeten sie Sand, Holz und Blech in ihren Arbeiten.

Ab 1915          zeichnete er neben kubistischen Bildern auch wieder realistische Porträts

1917                18.Mai: Uraufführung des Balletts „Parade“ in Paris. Picasso fertigte für die Inszenierung das Bühnenbild und die Kostüme. Anlässlich der Aufführung lernte er die Tänzerin Olga Chochlowa kennen.

1918                Heirat mit Olga Chochlowa

Ab 1919          wurde Picassos Malerei zunehmend „klassizistische“. Er greift auf antike mythologische Vorbilder zurück.

1921                Geburt des Sohnes Paulo Picasso mit Olga

1924 – 1926    arbeitete er bevorzugt an einem großen abstrahierenden Stillleben.

1925                beteiligt sich Picasso mit dem Werk „Drei Tänzer“ an der ersten Ausstellung der Surrealisten in Paris. Der Surrealismus bot ihm die Möglichkeit zur Verschlüsselung und zur mythologischen Überhöhung psychischer Erfahrungen.

1927               Bekanntschaft mit Marie-Térése Walter, die seine Geliebte und sein Modell wurde. Sein Werk ist nun von vorwiegend frei figuralen Kompositionen geprägt.

1928/29          entstehen Drahtplastiken und die erste Eisenskulptur

1934                angeregt durch eine Reise nach Spanien nimmt er die Thematik des Stierkampfes in seinem Werk auf

1935                Die Geburt seiner Tochter Maya Widmaier Picasso aus der Beziehung zu Maie-Thérèse Widmaier führt zur Trennung von seiner Ehefrau

1936                Picasso nahm den Direktorenposten des Prado-Museums in Madrid an

1937                Für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung schuf Picasso das großformatige Anti-Kriegs-Bild „Guernika“, auf dem er die Zerstörung der Stadt durch deutsche Flugzeuge im Spanischen Bürgerkrieg anprangert

Nach dem Sieg Francos betrat Picasso Spanien nicht mehr.

Freundschaft mit Dora Maar, die neben Marie-Thérèse seine Geliebte und sein Modell wurde

1939 – 1945    Auffallend an seinen Gemälden und Plastiken dieser Zeit ist, dass sie keine Opfer, Waffen oder Kämpfe zeigen. Stattdessen beschäftigte sich Picasso tagtäglich mit Stillleben, Porträts, Landschaftsbildern und Akten. Aber seine dunklen Motiven der Stillleben erzählen auf ihre eigene Weise von Tod und Tragödien.

1940                wurden Piocassos Werke unter der Besetzung durch die Nazis als „entartet“ abgewertet. Sie durften nicht mehr ausgestellt werden. Trotzdem arbeitete der Maler weiter wie besessen an Ölgemälden und Plastiken

Ab 1943          Freundschaft mit der Malerin Francoise Gilot. Aus dieser Beziehung gehen zwei Kinder hervor. Gilot gilt als die einzige Frau, die Picasso verlassen hat und nicht von ihm verlassen wurde. Sie starb am 6. Juni 2023 im Alter von 102 Jahren.

1945                Picasso wurde Vorsitzender des französisch-spanischen Hilfskomitees für republikanische Spanier

1945 – 1949    Neben der Malerei wurde die Lithographie zu einem weiteren Ausdrucksmittel, das seiner spontanen Zeichenweise entgegenkam

1947                Geburt seines Sohnes Claude Picasso mit Francoise Gilot

Ab 1947          Anfertigungen von Keramiken

1948                 Verleihung der „Médaille de Reconnaissance Francaise“ durch die französische Regierung

1949                Geburt seiner Tochter Paloma Picasso mit Francoise Gilot

1955                kauft Picasso die Villa „La Calfornie“ in Cannes, wird aber von Touristen überlaufen

1958                er erwarb das Schloss Vauvernargues in der Nähe von Aix-en-Provence

Picassos Stil reduzierte sich zunehmende auf das linienbetonte Skizzenhafte. Mit hoher Produktivität setzte er sich nicht nur mit der malerei und Grafik wie Lithografie und Linolschnitt auseinander, sondern ab 1947 auch mit Bildhauerei und Keramik. Er variierte und zitierte seine Themen wiederholt.

1961                Heirat mit Jaqueline Roque

1962                Betonskulpturen

1963                Eröffnung des Museo Picasso in Barcelona, das später einen Großteil seines Nachlasses erhält

1973                8. April Pablo Picasso stirbt in Mougins (bei Cannes) im Alter von 92 Jahren. Er wird im Garten seines Schlosses beigesetzt.

Picasso hinterließ neben Immobilien ca. 1900 Gemälde, 12 000 Zeichnungen, 1300 Skulpturen, 3000 Keramiken und acht Teppiche

1985                Einweihung des Musée Picasso in Paris

By Pablo Picasso - wikipaintings, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528028

Zum Gedenken an sein Leben und Werk wird weltweit ein umfangreiches Programm aus Ausstellungen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen organisiert. Das gilt insbesondere für die Länder, in denen er gelebt hat: Spanien und Frankreich. In Spanien stehen die Städte im Mittelpunkt, zu denen er die stärksten Beziehungen pflegte, die ihn inspirierten und seine Persönlichkeit und Kunst prägten. So finden zu seinen Ehren in Malaga (3), in Madrid (7), in Bilbao (1), in Barcelona (3) und in A Coruna (1)  Ausstellungen statt.

 

Guggenheim Museum in Bilbao    PICASSO SCULPTOR. MATTER AND BODY

29.09.2023 – 14.01.2024

 

Der Körper, sowohl Instrument des Künstlers als auch ultimatives Ziel der Darstellung, ist die tragende Säule dieser Ausstellung. Die Auswahl der Skulpturen deckt die schier unendliche Stilvielfalt ab, mit der Picasso die Formen des menschlichen Körpers vergrößerte und ihn in alle Formate und Genres sowie in alle möglichen Materialien zerlegte: Holz, Bronze, Eisen, Zement, Stahl, Gips, alles fließt in sein bildhauerisches Werk ein. Für Picasso war diese Disziplin in seinem Schaffen keineswegs zweitrangig; Stattdessen betrachtete er es als eine Ausdrucksform, die mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik oder Keramik vergleichbar ist, da, wie er sagte, keine Kunst größer oder weniger wichtig ist als andere, aber diese Sprachen und Materialien ermöglichten es ihm, verschiedene Aspekte seiner Schöpfung auszudrücken.

Auch wenn dieser Bereich seines Schaffens während seiner kubistischen Periode deutlicher hervortrat und sich vertiefte, schuf Pablo Picasso fast von Beginn seiner umfangreichen künstlerischen Laufbahn an Skulpturen und arbeitete sein Leben lang weiter an ihnen.

Kuratorin: Carmen Giménez

 

 

 

Museo de Belas Artes da Coruna      PICASSO WHITE IN THE BLUE MEMORY

23.03.2023- 23.06.2023

 

Picasso begann seine akademische Ausbildung in A Coruña (Galizien), wo er zwischen 1891 und 1895 lebte. Dies war ein grundlegender Schritt auf seinem künstlerischen Weg als spanischer Maler. Dieser Zeitraum wurde in der Ausstellung El Primer Picasso eingehend untersucht. A Coruña 2015 (Der erste Picasso. Coruña 2015), organisiert im Museo de Belas Artes da Coruña. Diese neue Ausstellung, die von der Xunta de Galicia gefördert wird, ist in elf Perioden unterteilt, die alle Phasen von Picassos Schaffen betrachten. Für jedes von ihnen wird mindestens ein Werk ausgewählt und im narrativen Diskurs der Ausstellung mit der Ausbildungszeit des Künstlers während seiner in A Coruña lebenden Jahre in Beziehung gesetzt.

Kuratoren: Antón Castro, Malén Gual und Rubén Ventureira. Generalkoordinator: Mª Ángeles Penas Truque (Direktorin des Museo de Belas Artes de Coruña)

 

By Pablo Picasso - http://artinvestment.ru/en/news/auctnews/20080930_rare_work_of_pablo_picasso.html, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528110
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