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Picasso Jahr 2023

Picasso Jahr 2023

Camino del Norte

2023 ist der 50. Todestag eines der bedeutendsten spanischen und internationalen Künstler aller Zeiten, Pablo Ruiz Picasso. Ausstellungen in Museen weltweit erinnern an den großen Künstler.

Kurze Biografie Picassos

1881                am 25. Oktober als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malaga, Spanien geboren

1891               Umzug der Familie nach A Coruna ins spanische Galicien, am Instituto da Guarda bereits als Zehnjähriger an der Schule für bildende Künste aufgenommen

1895               nach dem Tod der Schwester Umzug der Familie nach Barcelona in Katalonien. Mit vierzehn Jahren schaffte Picasso die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie La Lonja, Einstieg sofort ins 3. Studienjahr

1896               sein erstes großes Bild im akademischen Stil „Die Erstkommunion“

1897               begann er ein Malereistudium an der Akademie San Fernando in Madrid, Ausbildung nach wenigen Monaten abgebrochen

1901               Rückkehr nach Barcelona. Er wurde Mitglied der Malergruppe „El Quatre Gats“ („Die vier Katzen“)

1901 – 1904   entwickelte Picasso seine „blaue Periode“. In dieser Phase wählte er hauptsächlich Bettler und Mütter mit Kindern als Motive seiner Bilder. Er entwickelte seinen ersten eigenen Stil mit schwermütigen Figurenbildern, die in verschiedenen Blautönen gehalten wurden. Ein Jahr später erfolgte die erste Ausstellung seiner blauen Periode. Abwechselnde Aufenthalte in Barcelona, Madrid und Paris       

Von Argentina. Revista Vea y Lea - http://www.magicasruinas.com.ar/revistero/internacional/pintura-pablo-picasso.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3257370

1904 – 1907 verändert Picasso seinen Stil und erarbeitete mithilfe von Mutterschaftsbildern, Gauklern und Harlekinen seine „rosa Periode“. Ein Jahr später stellte er in einer Pariser Galerie erste Bilder seiner neuen Phase aus.

1904                 nach einer späteren Paris-Reise zog Picasso endgültig in die Französische Hauptstadt. Er lernte Fernande Olivier kennen, die seine Geliebte und sein Modell wurde.

1905            Picasso lernt Matisse im Haus der Schriftstellerin Getrude Stein kennen. Matisse war der einzige zeitgenössische Künstler, den Picasso als ebenbürtig ansah

1908                änderte Picasso erneut seinen Stil. Ausschlaggebend für den erneuten Stilwechsel waren vor allem afrikanische Masken wegen ihrer außergewöhnlichen Gestaltung. Zusammen mit Geogres Braque wurde Pablo Picasso damit zum Begründer des Kubismus. Er zeichnete Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig. In dieser Phase des analytischen Kubismus zeichnen sie eckige Flächen und quaderförmige Strukturen.

1912                folgte dann die Phase des synthetischen Kubismus. Sie beziehen sich auf die Methode des Collagierens, indem sie verschiedene Materialien zusammenfügen. So verwendeten sie Sand, Holz und Blech in ihren Arbeiten.

Ab 1915          zeichnete er neben kubistischen Bildern auch wieder realistische Porträts

1917                18.Mai: Uraufführung des Balletts „Parade“ in Paris. Picasso fertigte für die Inszenierung das Bühnenbild und die Kostüme. Anlässlich der Aufführung lernte er die Tänzerin Olga Chochlowa kennen.

1918                Heirat mit Olga Chochlowa

Ab 1919          wurde Picassos Malerei zunehmend „klassizistische“. Er greift auf antike mythologische Vorbilder zurück.

1921                Geburt des Sohnes Paulo Picasso mit Olga

1924 – 1926    arbeitete er bevorzugt an einem großen abstrahierenden Stillleben.

1925                beteiligt sich Picasso mit dem Werk „Drei Tänzer“ an der ersten Ausstellung der Surrealisten in Paris. Der Surrealismus bot ihm die Möglichkeit zur Verschlüsselung und zur mythologischen Überhöhung psychischer Erfahrungen.

1927               Bekanntschaft mit Marie-Térése Walter, die seine Geliebte und sein Modell wurde. Sein Werk ist nun von vorwiegend frei figuralen Kompositionen geprägt.

1928/29          entstehen Drahtplastiken und die erste Eisenskulptur

1934                angeregt durch eine Reise nach Spanien nimmt er die Thematik des Stierkampfes in seinem Werk auf

1935                Die Geburt seiner Tochter Maya Widmaier Picasso aus der Beziehung zu Maie-Thérèse Widmaier führt zur Trennung von seiner Ehefrau

1936                Picasso nahm den Direktorenposten des Prado-Museums in Madrid an

1937                Für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung schuf Picasso das großformatige Anti-Kriegs-Bild „Guernika“, auf dem er die Zerstörung der Stadt durch deutsche Flugzeuge im Spanischen Bürgerkrieg anprangert

Nach dem Sieg Francos betrat Picasso Spanien nicht mehr.

Freundschaft mit Dora Maar, die neben Marie-Thérèse seine Geliebte und sein Modell wurde

1939 – 1945    Auffallend an seinen Gemälden und Plastiken dieser Zeit ist, dass sie keine Opfer, Waffen oder Kämpfe zeigen. Stattdessen beschäftigte sich Picasso tagtäglich mit Stillleben, Porträts, Landschaftsbildern und Akten. Aber seine dunklen Motiven der Stillleben erzählen auf ihre eigene Weise von Tod und Tragödien.

1940                wurden Piocassos Werke unter der Besetzung durch die Nazis als „entartet“ abgewertet. Sie durften nicht mehr ausgestellt werden. Trotzdem arbeitete der Maler weiter wie besessen an Ölgemälden und Plastiken

Ab 1943          Freundschaft mit der Malerin Francoise Gilot. Aus dieser Beziehung gehen zwei Kinder hervor. Gilot gilt als die einzige Frau, die Picasso verlassen hat und nicht von ihm verlassen wurde. Sie starb am 6. Juni 2023 im Alter von 102 Jahren.

1945                Picasso wurde Vorsitzender des französisch-spanischen Hilfskomitees für republikanische Spanier

1945 – 1949    Neben der Malerei wurde die Lithographie zu einem weiteren Ausdrucksmittel, das seiner spontanen Zeichenweise entgegenkam

1947                Geburt seines Sohnes Claude Picasso mit Francoise Gilot

Ab 1947          Anfertigungen von Keramiken

1948                 Verleihung der „Médaille de Reconnaissance Francaise“ durch die französische Regierung

1949                Geburt seiner Tochter Paloma Picasso mit Francoise Gilot

1955                kauft Picasso die Villa „La Calfornie“ in Cannes, wird aber von Touristen überlaufen

1958                er erwarb das Schloss Vauvernargues in der Nähe von Aix-en-Provence

Picassos Stil reduzierte sich zunehmende auf das linienbetonte Skizzenhafte. Mit hoher Produktivität setzte er sich nicht nur mit der malerei und Grafik wie Lithografie und Linolschnitt auseinander, sondern ab 1947 auch mit Bildhauerei und Keramik. Er variierte und zitierte seine Themen wiederholt.

1961                Heirat mit Jaqueline Roque

1962                Betonskulpturen

1963                Eröffnung des Museo Picasso in Barcelona, das später einen Großteil seines Nachlasses erhält

1973                8. April Pablo Picasso stirbt in Mougins (bei Cannes) im Alter von 92 Jahren. Er wird im Garten seines Schlosses beigesetzt.

Picasso hinterließ neben Immobilien ca. 1900 Gemälde, 12 000 Zeichnungen, 1300 Skulpturen, 3000 Keramiken und acht Teppiche

1985                Einweihung des Musée Picasso in Paris

By Pablo Picasso - wikipaintings, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528028

Zum Gedenken an sein Leben und Werk wird weltweit ein umfangreiches Programm aus Ausstellungen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen organisiert. Das gilt insbesondere für die Länder, in denen er gelebt hat: Spanien und Frankreich. In Spanien stehen die Städte im Mittelpunkt, zu denen er die stärksten Beziehungen pflegte, die ihn inspirierten und seine Persönlichkeit und Kunst prägten. So finden zu seinen Ehren in Malaga (3), in Madrid (7), in Bilbao (1), in Barcelona (3) und in A Coruna (1)  Ausstellungen statt.

 

Guggenheim Museum in Bilbao    PICASSO SCULPTOR. MATTER AND BODY

29.09.2023 – 14.01.2024

 

Der Körper, sowohl Instrument des Künstlers als auch ultimatives Ziel der Darstellung, ist die tragende Säule dieser Ausstellung. Die Auswahl der Skulpturen deckt die schier unendliche Stilvielfalt ab, mit der Picasso die Formen des menschlichen Körpers vergrößerte und ihn in alle Formate und Genres sowie in alle möglichen Materialien zerlegte: Holz, Bronze, Eisen, Zement, Stahl, Gips, alles fließt in sein bildhauerisches Werk ein. Für Picasso war diese Disziplin in seinem Schaffen keineswegs zweitrangig; Stattdessen betrachtete er es als eine Ausdrucksform, die mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik oder Keramik vergleichbar ist, da, wie er sagte, keine Kunst größer oder weniger wichtig ist als andere, aber diese Sprachen und Materialien ermöglichten es ihm, verschiedene Aspekte seiner Schöpfung auszudrücken.

Auch wenn dieser Bereich seines Schaffens während seiner kubistischen Periode deutlicher hervortrat und sich vertiefte, schuf Pablo Picasso fast von Beginn seiner umfangreichen künstlerischen Laufbahn an Skulpturen und arbeitete sein Leben lang weiter an ihnen.

Kuratorin: Carmen Giménez

 

 

 

Museo de Belas Artes da Coruna      PICASSO WHITE IN THE BLUE MEMORY

23.03.2023- 23.06.2023

 

Picasso begann seine akademische Ausbildung in A Coruña (Galizien), wo er zwischen 1891 und 1895 lebte. Dies war ein grundlegender Schritt auf seinem künstlerischen Weg als spanischer Maler. Dieser Zeitraum wurde in der Ausstellung El Primer Picasso eingehend untersucht. A Coruña 2015 (Der erste Picasso. Coruña 2015), organisiert im Museo de Belas Artes da Coruña. Diese neue Ausstellung, die von der Xunta de Galicia gefördert wird, ist in elf Perioden unterteilt, die alle Phasen von Picassos Schaffen betrachten. Für jedes von ihnen wird mindestens ein Werk ausgewählt und im narrativen Diskurs der Ausstellung mit der Ausbildungszeit des Künstlers während seiner in A Coruña lebenden Jahre in Beziehung gesetzt.

Kuratoren: Antón Castro, Malén Gual und Rubén Ventureira. Generalkoordinator: Mª Ángeles Penas Truque (Direktorin des Museo de Belas Artes de Coruña)

 

By Pablo Picasso - http://artinvestment.ru/en/news/auctnews/20080930_rare_work_of_pablo_picasso.html, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528110
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Die Romanik in Nordwestspanien

Die Romanik in Nordwestspanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

  1. Historische Gegebenheiten

 Die Entstehung und Ausprägung der romanischen Architektur ist in Spanien anders verlaufen als in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern, weil die historischen Voraussetzungen anders waren. Denn seit 711 herrschten die Araber über fast die gesamte iberische Halbinsel. Allein das asturische Königreich, das später im Königreich Kastilien und Leon aufging, war nicht besetzt. Es war das Zeitalter der Romanik, in dem die Reconquista – die Rückeroberung unter christlichen Vorzeichen – ihre ersten Erfolge verbuchte. Neben Asturien waren es die fränkische Mark Katalonien und die Königreiche Navarra und Aragon, die die Reconquista vorantrieben und die Rückeroberung Spaniens von den Arabern im Laufe der Zeit zu einem Anliegen der gesamten Christenheit machten. Die Reconquista erreichte Mitte des 11. Jhs. die Linie Ebro-Duero, zu Beginn des 12. Jhs. den Tajo und Anfang des 13. Jhs. den Guadiana (vgl hierzu auch die Texte über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista).

In der Folge dieser politischen Veränderungen kam es auch zunehmend zu kulturellen Entwicklungen. So wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela sehr stark forciert und in diesem Zusammenhang entstanden auf den Pilgerwegen dorthin zahlreiche Kirchen und Klöster. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand weitete sich der Kirchenbau dann auch nach Süden aus. Der Widerstreit zwischen den arabischen Herrschern im Süden und den christlichen Herrschern im Norden hatte eine kulturelle Zweiteilung der iberischen Halbinsel zur Folge. So ist die romanische Baukunst eigentlich nur im nördlichen Bereich zu finden, während im Süden teilweise noch bis ins 15. Jh. die arabische geprägte Architektur gepflegte wurde. Deshalb findet man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bauwerk_der_Romanik_in_Spanien  auch nur eine Aufstellung von Bauwerken der Romanik in den Regionen Aragon, Navarra, Kastilien-Leon, Galicien und Katalonien.

Marcel Durliat Romanisches Spanien
Kastilien/Leon Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25411646 Zamora
  1. Der vorwiegend französische Einfluss auf die romanische Baukunst in Nordwestspanien

 Die romanische Baukunst in Nordwestspanien weist anfänglich noch eine gewisse Eigenständigkeit auf. So ist der Übergang von der asturisch/mozarabischen Kunst zur Romanik fließend. Aber mit der zunehmenden Intensität der Pilgertätigkeit verstärkt sich zunehmend der Einfluss einer europäischen, besonders französisch geprägten Architektur. Für diese starke Anpassung an die französische Baukunst gibt es mehrere Gründe.

  1. Die Pilgerwege, entlang derer sich im Laufe der Zeit ein richtiges Baufieber entwickelte, bedingten eine stärkere kulturelle Offenheit. Zunächst entstanden nur wenige Hospize entlang der Wege. Dann bildeten sich größere Siedlungen heraus und Klostergemeinschaften kümmerten sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Die in diesem Zusammenhang neu errichteten Kirchenbauten orientierten sich an ausländischen Vorbildern. Hier ist auch der Einfluss des Benediktinerklosters in Cluny wichtig, wurden von dort aus doch zahlreiche Konvente in Spanien errichtet.
  2. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung des Zisterzienserordens. Denn die Gläubigen trauten den Zisterziensern im Laufe des 11. Jh. stärker als anderen zu, effizient für das Seelenheil der Verstorbenen zu sorgen. Deshalb förderten und unterstützten die verschiedenen Machthaber die Ansiedlung der Zisterziensermönche. Da der Orden aber in seiner ganzen Struktur sehr straff organisiert war, gab es intensive Wechselbeziehungen zu zahlreichen Klöstern in Europa und vor allem zur französischen Zentrale. Die Abtei Citeaux war das Mutterkloster aller Zisterzienserabteien.
  3. Die stark an der französischen Kultur orientierten Ritterorden, die ja auch im Rahmen der Pilgerbewegung und der Reconquista aktiv waren, förderten ebenfalls diese Entwicklung.
  4. Eine aktive Bevölkerungspolitik der Lokalherren mit der Vergabe von Privilegien an Fremde führte zu einer deutlichen Ansiedlung von neuen Bürgern in den Städten. So entstanden zahlreiche Frankenviertel, d.h. Viertel, in denen vorwiegend aus Frankreich kommende freie Bürger lebten.
  5. Auch ästhetische Gründe spielten eine Rolle. So wurde Ende des 12. Jhs. die französische Baukunst als vorbildlich empfunden, so dass sich Bauherren, die eine anspruchsvolle Kirche errichten wollten, an französischen Vorbildern orientierten.

Aber es wäre zu einseitig, den Einfluss nur in eine Richtung zu sehen. So ist die Romanik auf der Iberischen Halbinsel ohne den Einfluss der französischen Baukunst nicht denkbar, aber die spanische Romanik ist nicht nur ein Ableger der französischen sondern sie hat auch eigene Leistungen hervorgebracht und somit haben auch umgekehrt Anregungen aus Spanien Eingang in die französische Baukunst gefunden. Das intensive künstlerische Schaffen entlang der Pilgerwege war stets auch mit wechselseitigen Beeinflussungen verbunden.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361 Jaca Aragon
  1. Gestaltung der romanischen Baukunst in Spanien

 Geografische Einflüsse

Auf Grund der politischen Situation findet man vorwiegend im Norden und Westen Spaniens eine größere Zahl von romanischen Kirchen (s.oben). Dabei kann man die Romanik regional in zwei Bereiche aufteilen.

Der Osten mit der Landschaft Katalonien steht in 11. Jh. in starkem Austausch mit Oberitalien, konkret der Lombardei. Charakteristische Elemente der lombardisch ostromanischen Baukunst sind:

Wände aus einem nur grob zugehauenen Bruchstein geschichtet, aus dem Tür- und Fensteröffnungen wie ausgeschnitten erscheinen. Einziges Gliederungselement sind flach an die Wand aufgelegte Lisenen.

In den westlich von Katalonien gelegenen Landesteilen hat sich die westromanische Baukunst herausgebildet, die sich stärker an der französischen Kultur orientierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela und die damit verbunden Einflüsse. Charakteristische Elemente der westromanischen Baukunst seit dem 11. Jh. sind:

Glatt bearbeitete und sauber gefugte Quader und plastisch geformte Gliederungsteile wie man sie auch jenseits der Pyrenäen findet.

Allein in Aragon treffen der ost- und westromanische Baustil zusammen. Allerdings findet keine Vermischung statt, sondern es entstehen stilreine Bauten beider Richtungen. Zu nennen ist hier in Santa Cruz de la Seros die Kirche San Caprasio im lombardischen Stil und die Klosterkirche San Maria im westromanischen Stil.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der westromanischen Kirchen ist in vielen Orthaften häufig eher schlicht und angebunden an die lokalen Traditionen.

Viele der eher regionalen Hallenkirchen zeigen typische Merkmale:

  • mit halbrunden Apsiden und Querschiff,
  • längsmassive, wuchtige und geduckte Bauform, die außen wenig gegliedert ist,
  • kleine Fenster, dicke Mauern, Tonnengewölbe mit und ohne Gurtbögen,
  • Fenster und Eingänge mit Rundbögen überwölbt, Fenster häufig durch Zwischensäulen in mehrere Fensterbögen unterteilt,
  • oft wenig belichtete, höhlenartige Innenräume, runde, quadratische oder gegliederte Pfeiler,
  • Ornamentik dezent eingesetzt
  • häufig runde, quadratische oder rechteckige Türme, die an verschiedenen Teilen der Kirche – meist an den Seiten oder über dem Querschiff angebracht sind. Diese Platzierung war darauf zurückzuführen, dass die Bauherren die Türme, da sie aus Ziegeln gebaut waren (ein Material, das weniger beständig ist als Stein), im stärksten, widerstandsfähigeren Abschnitt (normalerweise an den Apsiden) aufstellen mussten. 

In die folgende Zeit bis Mitte des 13. Jhs. (Spätromanik) fällt der Bau vieler Klöster und Kirchen der Zisterzienser. Auf Grund des Glaubensverständnisses der Zisterzienser waren Einfachheit und Funktionalität Kriterien, die die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso kennzeichnen wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.  Die Verbote, die den Luxus betrafen, sahen außerdem für die Klosterkirche einen Bau ohne Krypta und Turm mit flachabschließendem Chor (keine Apsis) vor. Teilweise wurde im Inneren auf Ornamentik und Bauschmuck verzichtet.

Übergang zur Gotik als Baustil

In Spanien ist kein schrittweiser Übergang von der Romanik in die Gotik zu verzeichnen, sondern der neue Stil entstand „fast schlagartig“ in den 20iger Jahren des 12. Jhs. mit den Kathedralen von Toledo und Burgos. Diese sind im Prinzip Kopien von gotischen Kirchen in Frankreich. Die schnelle und vor allem einheitliche Entwicklung der Gotik im Land lässt sich dadurch erklären, dass von den zentralistischen Regierungen der Königreiche von Katalonien-Aragon und Kastilien-Leon ein gleichartiger Stil der Kirchen proklamiert wurde. Diese Entwicklung, wie wir sie ja auch aus dem zentralistischen Frankreich kennen, diente auch zur Demonstration der königlichen Macht im Lande und den veränderten Machtverhältnissen.

 

Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3370116 Ourense Galizien
  1. Baumeister, Steinmetze und Erbauer und Sponsoren

Im Mittelalter hat es den “Architekt“ – wie er von den Römern verstanden wurde – in dieser Form nicht gegeben. Die Aufgaben des ehemaligen Architekten werden von den Baumeistern durchgeführt. Der Baumeister war ein Künstler, der in den meisten Fällen mit einem Team von Arbeitern, die er unter seinem Kommando hatte, zusammen an den   Bauten arbeitete. Der Baumeister war derjenige, der die Arbeiten an den Gebäuden beaufsichtigte, aber gleichzeitig war er auch Handwerker, Bildhauer, Tischler oder Steinmetz. Diese Personen wurden normalerweise in Klöstern oder in Gruppen von gewerkschaftlich organisierten Freimaurerlogen ausgebildet.

Neben dem Baumeister gab es eine große Gruppe von Steinmetzen, Maurern, Bildhauern, Glasmachern, Tischlern und Malern und anderen Berufen. Diese Mannschaften bildeten Werkstätten, aus denen oft lokale Meister hervorgingen, die in der Lage waren, zahlreiche ländliche Kirchen zu bauen. Sie zogen in einem gewissen Umkreis (ca. 150 qkm) gemeinsam von einer Baustelle zur anderen. So erklärt sich auch die typische regionale Gestaltung von Kirchen.

Steinmetze bildeten den Großteil der Arbeiter bei der Errichtung der Gebäude. Die Anzahl der Steinmetze war abhängig von der Größe der sakralen Gebäude. Einige Zahlen sind bekannt, so waren beim Bau der Alten Kathedrale von Salamanca zwischen 25 und 30 Steinmetze angestellt. Diese Steinmetze und andere Arbeiter waren von Steuern befreit. Sie wurden entsprechend ihrer Spezialisierung in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe waren diejenigen, die Gebäudeteile von hochwertiger Qualität oder die geschnitzten Reliefs erstellten (echte Bildhauer) und die in ihrem eigenen Tempo arbeiteten. Sie hinterließen ihre fertige Arbeit auf dem Gelände. Diese Teile wurden dann erst später am oder im Gebäude platziert. Die zweite Gruppe bestand aus fest angestellten Mitarbeitern, die das Gesamtgebäude errichteten. Daneben gab es auch eine Gruppe ungelernter Arbeiter. In vielen Fällen boten diese Leute ihre Arbeit oder ihr Können an, weil sie als Christen stolz waren, an einem großartigen Projekt mitzuarbeiten, das ihrem Gott gewidmet war. Aber auch sie erhielten eine Vergütung entweder pro Tag oder pro Stück. 

Von besonderer Bedeutung für die Gestaltung der Kirchen waren natürlich die Bauherren, bestimmten sie doch neben der Größe der Kirche z.B. welche Themen und Heilige in den Skulpturen und Reliefs dargestellt werden sollten. Außerdem beriefen sie entsprechend den finanziellen Möglichkeiten die jeweiligen Baumeister und Künstler. Neben den Klöstern waren es in Nordwestspanien vor allem die Könige und ein Teil des Adels, die als Förderer des neuen romanischen Stils auftraten. Ein Teil der Kirchen am Pilgerweg waren königliche Stiftungen, woran sich das Interesse der Herrscher am Pilgerweg zeigt. Denn sie erhofften sich von den großen Pilgerströmen einerseits wirtschaftliche Prosperität, verbanden damit aber auch religiöse und spirituelle Hoffnungen.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María la Real, Sangüesa, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254324 Navarra

Exkurs: Die spirituelle Bedeutung der Kirchen für die Pilger

Vielleicht noch ein paar Worte zur Wirkung der Kirchen auch heute auf den Jakobswegen.

Kirchen sind nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägen als symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch. Gläubige machen hier eine besondere Erfahrung, das Gefühl einer besonderen Nähe zu Gott. Kirchen sind Metaphern für ein Welt- und Gottesverständnis, das sich immer wieder kulturell gewandelt hat. Diese kulturellen Veränderungen aber auch ihre unterschiedlichen regionalen Ausprägungen finden dann ihren sichtbaren Ausdruck in der baulichen Gestaltung der Kirchen.

Neben dieser religiösen Betrachtung gibt es noch weitere Bedeutungen. So schreibt Pascal Mercier einmal: „Dafür sind Kathedralen gebaut worden als Orte, an die man gehen kann, wenn die Dinge des Lebens einen überwältigen: Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod. Man braucht an nichts zu glauben. Der Raum allein genügt.“

Es sind auch Rückzugsorte, wenn man keine großen Probleme hat. Allein die Ruhe und das Stille berühren einen im Inneren. Sie regen zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Meditieren an. Es findet gerade hier noch einmal eine Entschleunigung statt, ein so wichtiges Gefühl beim Pilgern. Man genießt auch die Kühle der Kirche im Vergleich zur Hitze der Landschaft. Ja und gelegentlich wird man auch einfach eingefangen von der mystischen Atmosphäre einer Kirche.

Nooteboom spricht noch einen anderen Aspekt an. Er sagt, dass wir uns ja immer in der Geschichte befinden der gegenwärtigen und der von einst. Und Kirchen regen uns  dazu an, uns mit der Vergangenheit  auseinanderzusetzen. So können wir uns z.B.  in die Zeit des längst für immer verschwundenen Mittelalters versetzten und vielleicht auch die Mühen und Schwierigkeiten der damaligen Pilger reflektieren.

 

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Die Kirche San Miguel de Arretxinaga – ein höchst eigenartiger Raum

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Camino del Norte

Die Wallfahrtskriche San Miguel de Arretxinaga bei Markina-Xemain wurde im 18. Jh.  neu erbaut, da die frühere Kapelle zerfallen war. Sie weist einen sechseckigen Grundriss mit einem pyramidenförmigen Dach auf, das aus sechs gegeneinander geneigten Flächen konstruiert ist und besteht aus unbearbeitetem Stein. Der Eingang zur Kirche ist schlicht gehalten.

Aber das Bemerkenswerte eröffnet sich einem erst, wenn man die Kirche betritt. Denn in ihrem Innern befinden sich ein Megalith aus drei große Quarzsteinblöcke. Sie stützen sich gegenseitig, wobei sie selbst eine Art kleine Kapelle formen. Sie bedecken eine Fläche von 30 Metern und reichen 8 Meter in die Höhe. Die Felsen sind über 40.000 Millionen Jahre alt. Eine menge Spekulationen ranken sich um die Steine. Man könnte meinen, dass ihre Gestaltung vielleicht Relikte einer vergangenen Kultur ist. Aber diese drei riesigen Steinblöcke weisen weder eine bestimmte Form noch Anzeichen einer Bearbeitung durch Menschen auf. Für Geologen sind sie einfach eine Laune der Natur.

Aber die Menschen schreiben diesen Dingen trotzdem gerne eine besondere Bedeutung zu.  So wird vermutet, dass der Ort schon vor der Christianisierung ein heiliger Ort war. Zu Beginn des 19. Jhs. wurden den Steinen wundersame Kräfte zugeschrieben, sogar die Heilung von Krankheiten. Außerdem mussten nach einer volkstümlichen Legende junge Männer, die beabsichtigten binnen eines Jahres zu heiraten, drei Mal unter den Felsen hindurch kriechen. Über junge Frauen ist nichts ausgesagt?!

Auf jeden Fall ist es eine befremdliche und gleichzeitig berührende Atmosphäre, die einen umfängt, wenn man die Kapelle betritt. Vielleicht ist es die nahe Verbindung von Natur und Religion an diesem Ort, die einen nicht unberührt lässt?

https://www.gronze.com/file/72206
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Die Eibe – ein Baum voller Magie

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Camino del Norte / Camino Primitivo

Beschreibung

Die Eibe gilt als die älteste Baumart Europas. Schon vor 200 Millionen Jahren war der triassische Vorläufer der Gattung Taxus weit verbreitet. Die Europäische Eibe (Taxus baccata) entstand vor etwa 15 Millionen Jahren. Die langsam wachsende Eibe wurde einst als heiliger Baum verehrt.

Biologisch ist die Eibe ein immergrünes Nadelholz. Sie altert extrem langsam, ihr Holz ist langlebig, widerstandsfähig und gleichzeitig biegsam. Der immergrüne Baum kann mehrere tausend Jahre alt werden. Samen, Rinde und Nadelwerk der Eibe sind außerordentlich giftig. Alle Teile der Eibe (ausgenommen der Samenmantel) enthalten das giftige Taxin sowie die ebenfalls giftigen Stoffe Myricylalkohol und Taxicatin. Beim Menschen führt schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Beeren ist genießbar. Die Eibe ist bei uns selten geworden. Vom Altertum bis ins Mittelalter hat der Mensch einerseits dem wertvollen Holz dieser Baumart nachgestellt, u.a. um aus dem biegsamen aber harten Holz Pfeilbogen und Armbrust herzustellen. Anderseits wurde diese Baumart wegen der hohen Giftigkeit für Pferde durch Pferdehalter und Fuhrleute systematisch vernichtet. Und die Langsamkeit des Wachstums tut dann zusätzlich ihre Wirkung. Das seltene Holz ist heute sehr gesucht für Drechslerarbeiten, Möbelbau und für die Herstellung von Musikinstrumenten.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=457198

Mystische Bedeutung

Um die Eibe – den sogenannten Baum des Lebens – ranken sich jede Mende mystische Geschichten und Aberglauben. Seit dem Altertum gilt sie als Baum des Todes und der Ewigkeit und ist deshalb oft auf Friedhöfen zu finden. Andere sagen, der Teufel soll sich vor dem Gewächs fürchten, so wurde die Eibe als Schutz für die Toten angebaut. Auch Zauberkräfte sagte man ihr nach, sie wurde als Schutz vor Hexen und bösen Geistern ums Haus herum gepflanzt. Die Eibe bedeutete auch ein Symbol für ewiges Leben und sie besitzt durch ihre toxischen Säfte die Macht über Leben und Tod.

In Asturien ist die Eibe schon seit vorchristlicher Zeit einer der wichtigsten mythologischen Bäume. Als Tejo, Texu, Tixu oder Teixo ist die Eibe in Asturien bekannt (engl. Yew Tree). Die Kraft heiliger Eibenhaine und einzelner alter Eibenbäume wurde in Asturien schon von den Menschen der Bronzezeit und der Steinzeit dazu genutzt, über den Geist der Bäume Kontakt mit dem Jenseitigen aufzunehmen. Die Eiben waren Symbol der Verbindung zu den Ahnen. Unter den Eiben traf der Ältestenrat wichtige Entscheidungen. 

Für die Kelten war die Eibe ein heiliger Baum. Man sagt, sie stand für das Ende des keltischen Jahresrades, für den letzten Tag vor der Wintersonnenwende, der Neugeburt des Lichts. Aus Eibenholz wurden die Wahrsage- und Zauberstäbe der keltischen Druiden geschnitten. Man erzählt sich, dass die asturische und galicische Landschaften Landschaften der Märchen und Fabeln, Hexen und Zauberer, unerwarteter Erscheinungen und verzauberter Wälder, herumirrender Geister und keltischer Nebel sind.

Später errichteten die Christen an alten heiligen heidnischen Orten oft Kapellen, Kirchen und Klöster. Deshalb sind Eiben auch heute noch in Asturien neben vielen Kapellen, Kirchen und an alten gemeinschaftlich genutzten Plätzen zu finden. Man sagt, wer Kraftorte in Asturien entdecken möchte, der folge der Eibe. Die größten Eibenbestände der iberischen Halbinsel und einer der ältesten Eibenbestände Europas sind in der Sierra del Sueve erhalten geblieben. Der Naturraum des Sueve ist an der Küste begrenzt durch die Orte Ribadesella und Villaviciosa. Im Landesinneren markieren die Flusstäler des Río Piloña und Río Sella das Gebiet.

Von Nasenbär - Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Kauk0r., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8869584

Wir finden die Eibe auf unserem Weg auf dem Camino Primitivo z.B.:

  • in Oviedo an der Kathedrale leider eine tote Eibe
  • in Vega bei Oviedo an der Einsiedelei Santa Ana
  • in Salas am Friedhof San Martin
  •  

Wer den Camino Primitivo in Villaviciosa startet oder hier auf dem Camino del Norte  vorbeikommt, der findet welche bei

  • San Martin de Valleslay
  • San Martin del Mar
  • Einsiedelei Santiago de Ballera
Von 4028mdk09 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7872044
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Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Kloster mitten in der Natur

Kloster Sobrado dos Monxes – ein spektakuläres Koster mitten in der Natur

Das Kloster Santa Maria de Sobrado in der Gemeinde Sobrado dos Monxes ist ein ganz besonderes Etappenziel sowohl auf dem Camino Primitivo als auch auf dem Camino del Norte. Es ist wohl das spektakulärste Kloster auf den beiden Wegen.

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31253163

Das Kloster soll im 10. Jahrhundert von den Benediktinern gegründet worden sein. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war es verlassen. Im Jahr 1142 erfolgte die Wiedergründung als Zisterzienserkloster von der Primarabtei Clairvaux aus. Es ist das erste Zentrum des Zisterzienserordens in Spanien. Die kolossalen Gebäude in Mitten der Natur zeugen von der Macht und Bedeutung des Klosters. Dies zeigt sich auch darin, dass es als Tochter das Kloster Valdedios in Asturien gründete und ihm das Kloster Monfero in der Provinz A Coruna unterstellt wurde.

Aus dieser Blütezeit im 12. Und 13. Jh. sind nur noch wenige Räume erhalten. Dazu gehört die kleine Magdelena-Kapelle. Außerdem ist die beeindruckende Gewölbeküche, eine der wenigen noch erhaltenen Küchen aus dem Mittelalter mit ihrem besonderen Kamin in der Mitte des Raumes aus dieser Zeit zu bewundern ebenso wie der elegante Kapitelsaal.

Nach dieser Hochphase trat eine Zeit des Niedergangs ein. Durch den Beitritt der Klosters 1498 zur Zisterzienserkongregation von Kastilien kam es zu einer neuen Blütezeit, in der die meisten Klosterräume im Stil der Renaissance und des Barocks modernisiert wurden. Allein die Sakristei ist schon auf Grund der Größe eine der beeindruckendsten in Spanien. Sie wurde von Juan de Herrara gebaut, einem der bedeutendsten Architekten der Renaissance in Spanien. Er war auch maßgeblich am Bau der Kloster- und Schlossanlage El Escorial bei Madrid beteiligt.

Die vergangene Größe des Klosters lässt sich auch an der kunstvollen Barockfassade der Kirche erkennen. Es gibt wohl keine Barockkirche in Galicien, die sich mit Sobrado vergleichen lässt, sowohl was die Größe aber auch die architektonische Reichhaltigkeit betrifft. Die mehrfach überkuppelte monumentale Kirche wurde Ende des 17. Jh. erbaut und 1708 eingeweiht. Der Meisterarchitekt ist leider nicht bekannt.

Ein Zeichen des Reichtums des Klosters ist auch, das es drei Kreuzgänge besitzt, den reichen Kreuzgang der Medaillons, den großen Kreuzgang und den Kreuzgang der Hospederia.

Durch die Säkularisierung und Klosteraufhebung durch die Regierung Mendizabal im Jahr 1834 wurde das Kloster verlassen und verkauft. So kam es zum Verfall und zur Plünderung der Kunstschätze. Erst Mitte des 20. Jh. begann der Wiederaufbau. Ab 1996 lebt wieder eine Zisterziensergemeinschaft im Kloster, die auch die Pilgerherberge betreibt. Das Kloster war ja von Anfang an eine Pilgerstation auf dem Jakobsweg.

 

Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Willyman" title="User:Willyman">Willyman</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 4.0, Link
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Steinkreuze/Cruceiros auf unserem Weg

Steinkreuze/Cruceiros auf unserem Weg

Wenn man auf den verschiedenen Pilgerwegen wandert, trifft man immer wieder auf eine Vielzahl von bemerkenswerten Steinkreuzen. Sie stehen an Kreuzungen, Plätzen, Straßenrändern und vor Kirchen und Kapellen. Besonders schön gestaltet und auffallend sind die Steinkreuze in Galicien, wo es zwischen 10.000 und 15.000 sogenannte Cruceiros geben soll.

Sie sind im Gegensatz zu den einfacheren Steinkreuzen größer und künstlerisch geformt.

Wie sieht so ein typisches Steinkreuz/Cruceiro aus?

Häufig steht der Sockel auf einer Plattform mit Stufen. Oft findet man hier auch eine Inschrift, die Auskunft gibt über den Auftragsteller oder den Zeitpunkt. So wollten die Spender für sich und ihre Angehörigen göttlichen Ablass erbitten. Auf dem Sockel steht die Säule, die teilweise verziert ist und darauf befindet sich das Kreuz. Dieses Kreuz ist – im Gegensatz zu vielen einfachen Kreuzen – beidseitig gestaltet. Auf der zum Hauptweg weisenden Seite befindet sich das Bild des gekreuzigten Christus und auf der gegenüberliegenden Seite eines der Jungfrau Maria oder eines Heiligen. Neben einzelnen Säulen gibt es auch Kompositionen von mehreren Säulen mit Figuren oder komplexen Szenen.

Die Funktionen der Steinkreuze sind vielfältig. Viele Steinkreuze wurden zur Heiligsprechung heidnischer Kultstätten verwendet. So wurden sie z.T. auf Menhiren oder römischen Meilensteinen aufgestellt. Außerdem markierten sie territoriale Grenzen und sollten Feldfrüchte und Vieh schützen. Den Pilgern dienen die am Rand der Wege stehenden Steinkreuze als Orientierung und als Platz, an dem man einmal innehalten kann.

Die ältesten Cruceiros stammen aus dem 14. Jh., es sind also gotische Kreuze. Sie breiten sich dann ab dem 16. Jh. weiter stark aus.

Luis Miguel Bugallo Sánchez (Lmbuga Commons)(Lmbuga Galipedia) - self made
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Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die Jakobsmuschel – Symbol des Jakobsweges

Die atlantische Jakobsmuschel, die Große Pilgermuschel (Pecten maximus) ist das begleitende Symbol aller Jakobspilger.

 

Der Legende nach hat das Symbol folgenden Ursprung:

Ein junger Adliger ritt einst dem Schiff entgegen, mit dem der Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien gebracht wurde. Unglücklicherweise versank er dabei im Meer; jedoch rettete Jakobus auf wundersame Weise sein Leben und half dem Ritter, das Ufer zu erreichen. Dadurch war sein Körper über und über von Muscheln bedeckt und aus diesem Grund wird die Muschel seitdem als Schutzzeichen getragen.

 

In den Frühzeiten der Pilgerbewegung wurde die Muschel als Nachweis der Ankunft ausgegeben und war somit ein Vorläufer der heutigen Pilgerurkunde. Die Muschel wurde am Wallfahrtsort verkauft und von den Pilgern am Hut oder Umhang getragen. Im Mittelalter ging man den Jakobsweg als Hin- und Rückweg. Die Pilgermuschel trugen somit nur Personen, die den Jakobsweg bereits auf dem Rückweg gingen. Der Verkauf war eine wichtige Einnahmequelle des Wallfahrtsortes. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Pilgerschaft nicht mehr mit der Muschel, sondern mit einer Urkunde beglaubigt.

 

Im Codex Calixtinus, einem Sammelwerk des Jakobuskult aus dem 12. Jh., wird schon die Bedeutung der Jakobsmuschel betont. Die beiden Schalen der Muschel, heißt es dort, stünden für die Gebote der christlichen Liebe, die es immer zu verteidigen gelte: Gott über allen Dingen zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Außerdem gleiche die Muschel einer Hand, die sich zur Verrichtung guter Werke öffne. Ob die Pilger heute noch der Muschel  diesen Sinngehalt zusprechen, ist sicher zu bezweifeln. Aber sie ist auf jeden Fall ein stolz getragenes Symbol zur Unterscheidung gegenüber landläufigen Wanderern. Deshalb wird sie heute auch schon zu Beginn des Jakobsweges an der Kleidung oder vor allem am Rucksack befestigt.

Stein vor der Kathedrale in Santiago de Compostela

In europäischen Gräbern vor allem aus dem 11. bis 14. Jahrhundert sind bis nach Skandinavien hinauf wiederholt Große Pilgermuscheln gefunden worden. Aus derartigen Grabfunden lassen sich alte Pilgertraditionen, ihre zeitliche Zuordnung und ihre lokale Bedeutung nachvollziehen. Man glaubt, dass die Pilger des Mittelalters mit der Muschel des Jakobswegs begraben wurden, um sich im Jenseits als Pilger zu identifizieren. So zeigten sie nach dem Leben, dass sie die in Compostela vollkommene Vergebung erhielten und glaubten daran, dass Jakobus der Ältere in der anderen Welt für sie Fürbitte hielt.

 

Die Jakobsmuschel dient auch als Wegweiser. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund zeigt an, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Sie dient uns als Orientierung und man findet sie oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen oder anderen Gegenständen am Weg. Dabei fungiert die Muschel teilweise sogar als eine Art Pfeil: Zeigt das Muschelende, also der dünnere Teil, nach links, so setzt sich der Jakobsweg in der linken Richtung fort und umgekehrt. Allerdings gibt es auch unterschiedliche Interpretationen. In Galicien wird es z.B. anders interpretiert als in Asturien. In Asturien wird sie als Sternsymbol verstanden wird, dessen geschlossenes Ende den Weg anzeigt, weil dem Stern der Schweif folgt und für sie alle Straßen nach Santiago führen. In Galicien ist es eine Muschel, deren offenes Ende nach Santiago de Compostela zeigt. Für die Galicier symbolisiert der geschlossene Teil der Muschel Santiago de Compostela und für sie beginnen alle Jakobuswege dort. Die Unterschiede kann man auf dem Camino Primitivo in Acebo an der Grenze zwischen Asturien und Galicien beobachten.

Zudem ist die Muschel ein kunsthistorisches Zeugnis auf den Wegen. Wenn man durch die Dörfer geht, durch die der Jakobsweg führt, findet man häufig Gebäude, Brunnen oder Skulpturen mit der Pilgermuschel. Wir erkennen die Muschel als Dekoration an Kirchenfassaden und -portalen. Auch findet man in den Kirchen am Weg viele Darstellungen des hl. Jakobs als Pilger mit Brotbeutel, Wanderstab und Muschel.

älteste erhaltene Steinskulptur des Apostels aus dem 11. Jh. an der Kirche Santa Marta de Tera in Santa Croya de Tera
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Bilbao – von der Industrie- zur Kunststadt

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“Wir waren stolz auf unsere Industrie und unsere Fabriken. Die Umweltverschmutzung war uns egal”, sagt Asier Abaunza Robles, Stadtrat für Stadtplanung in Bilbao. Der inklusive Umland knapp eine Million Einwohner zählende Ort an der Nordküste Spaniens hatte von jeher eine privilegierte geografische Lage. In der Umgebung gibt es vortreffliche Eisenerzvorkommen. Dazu liegt Bilbao eingebettet zwischen den Pyrenäen auf der einen Seite und dem kantabrischen Gebirge auf der anderen Seite und ist der bevorzugte Hafen für alles, was aus dem Norden kommt. Dementsprechend florierten Industrie und Handel – auf Kosten der Bevölkerung. Ein Beispiel: Bis in die 80er Jahre gab es in Bilbao genau einen Park. Fluss und Erde der Stadt waren mit Schwermetallen und giftigen Chemikalien verseucht.

In den 70er Jahren begann sich die Situation zu verschlechtern. Der Druck eines zunehmend globalisierten Marktes hinterließ seine Spuren. 1975 war jeder dritte Bewohner arbeitslos. Die Eisenhütten und Schiffswerften verwaisten, die ehemaligen Fabrikhallen zerfielen, der Fluss war verseucht. Arbeitslosigkeit, Smog und Terrorismus prägten in den 1990er-Jahren das Image der Stadt.

 

Als dann noch 1983 eine Flut weite Teile der Stadt zerstörte und dutzende Menschenleben kostete, beschloss man, Bilbao radikal zu ändern. Ziel war eine Dienstleistungsgesellschaft in einer sauberen, natürlichen Umgebung. Zwei Organisationen trugen zur Umsetzung des strategischen Planes bei: die Stadtsanierungsagentur Bilbao Metrópoli 30 und die Gesellschaft für Stadtentwicklung Bilbao Ria 2000. Bilbao Metrópoli 30 wurde 1991 als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) gegründet.

Die Agentur fungierte als Vermittler für den Regenerationsprozess, um die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Akteuren zu unterstützen, um ein neues Stadtbild als „post-industrielle Stadt“ national und international zu fördern und um die Ziele des strategischen Plans für die Sanierung der Stadt umzusetzen.

Die Gesellschaft für Stadtentwicklung „Bilbao Ria 2000“ ist im Jahr 1992 als private Organisation in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen entstanden. Die Gesellschaft hatte den Auftrag, großflächige verlassene Flächen zu revitalisieren sowie die veraltete Infrastruktur zu modernisieren. In Zusammenarbeit mit der regionalen und lokalen Regierung hat sie zu den wesentlichen Infrastrukturmaßnahmen der Stadt beigetragen. Dazu zählen eine ganze Reihe von Großprojekten wie zum Beispiel die Modernisierung des Eisenbahnnetzwerkes und des städtischen Verkehrs, die Sanierung des Flusses Nervion, die Vervollständigung des Abwassernetzes, der Rückbau von innerstädtischen Gleisanlagen, die Revitalisierung ehemaliger Stahlwerke und brachliegender Kohlenreviere, die Umwandlung innerstädtischer Industrieflächen zu Kultur-, Freizeit- und Wohnraum, der Neubau und die Erweiterung des Flughafens sowie der Bau einer neuen Messe auf einer Industriebrache. 

In den Sanierungsmaßnahmen wurde insgesamt ein großer Wert auf Design und emblematische Architekturprojekte gelegt. Eine Reihe von Stararchitekten hat mit spektakulären Entwürfen von Großprojekten wie U-Bahn Stationen, Brücken, Museen und dem Flughafen das Stadtbild geprägt. Darunter waren  Stararchitekten und Designer von Philippe Starck über Norman Foster bis Santiago Calatrava und Frank Gehry, die seit den 90er Jahren das Stadtbild veränderten.

So wurden beim Bau der Metro fast alle Bahnhofshallen bis 1995 von Norman Foster, der in Berlin dem Reichstag die Kuppel aufsetzte, gestaltet. Zwischen 1994-97 wurde die Zubizuri-Brücke von Santiago Calatrava konstruiert. Das Azkuna Zentroa, das moderne Zentrum für zeitgenössische Kunst und Freizeit, waren ehemalige Jugendstilhäuser, die als Weinlager dienten und bis 2010 durch den französischen Architekten Philippe Starck umgestaltet wurden. Und nicht zuletzt hat sich Bilbao als Standort für das Guggenheim-Museum durchgesetzt und dieses besondere Kunstwerk von Frank Gehry errichtet. Auf Grund der Auflagen der Guggenheim-Stiftung musste die Stadt den Bau des Museums und dessen Inhalt aus eigener Tasche bezahlen. (s. dazu eigenes Kapitel “Das Guggenheim Museum und der Bilbao -Effekt”)

Seit dem 1. Mai 2021 findet man zudem an der Uferpromenade in der Nähe des Guggenheim Museums eine Skulpturen Gruppe “Zigariac” über die Treidlerinnen von der Künstlerin Dora Salazar. Sie will damit an das Schicksal der Treidlerinnen im 19. Jh. erinnern, die die Schiffe mit dicken Tauen von der Flussmündung bis in den Hafen von Bilbao zogen und das zu einem Hungerlohn! Die Skulptur besteht aus vier Frauen von 2,5 Metern Höhe, die mit einem dicken Seil miteinander verbunden sind. Sie würdigt den schweren und zermürbenden Arbeitseinsatz dieser Frauen.

(s. Kapitel “Die Treidlerinnen von Bilbao”)

Zubizuri-Brücke
Titelbild: Makeip – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=105658641

Zur Runderneuerung gehörte auch die Ökologisierung der Stadt. Lagerflächen wichen Grünflächen. Waren die Flussufer früher fast ausschließlich für Fabriken und Schiffe da, so findet man dort heute Promenaden und Parks. Bahnlinien wurden unter die Erde verlegt, Straßen ab- und umgebaut. 

Neben diesen neuen Attraktionen besitzt Bilbao aber auch viele Sehenswürdigkeiten aus vergangenen Zeiten, die einen Besuch lohnen.

An der Promenade des Nervión finden man heute noch drei Relikte aus der Zeit der Belle Époque: Das Teatro Arriaga stammt aus dem Jahre 1890 und ist dem Vorbild der Pariser Oper nachempfunden. Die Estación de la Concordia aus dem Jahre 1902 ist mit der Fassade aus bunten Keramikkacheln und den eleganten Konstruktionen aus Gusseisen möglicherweise der romantischste Bahnhof auf der ganzen Welt! Zudem lohnt sich ein Besuch des faszinierenden Mercado de la Ribera in seinem für damals modernen, zukunftsweisenden Stil aus dem Jahre 1929.

Eine weitere Attraktion ist die belebte, von engen Straßen geprägte Altstadt Bilbaos, das Casco Viejo, mit den Siete Calles (den sieben Straßen) und der mittelalterlichen gotischen Kathedrale Santiago aus dem 14. Jahrhundert.

Auch ein gemütlicher Stadtbummel durch die Einkaufsstraßen von Bilbao ist nicht zu verachten. Ein anschließender Besuch einer der vielen herrlichen Pinxtos-Bars rundet das Ganze dann ab. Bei der riesigen Auswahl an Pinxtos fällt die Wahl allerdings sehr schwer!

Jugendstilbahnhof
U-Bahn Station

Das Alles und noch mehr zeichnet Bilbao aus und macht die bekannteste Stadt des Baskenlandes so beliebt. Es ist diese Mischung aus Avantgarde im Zusammenspiel mit Jugendstilbauten und alten Häusern und Gassen aus dem Mittelalter.

Heute hat Bilbao sein Ziel aus den 80er Jahren erreicht: Es ist eine saubere Dienstleistungsstadt, die weder Schulden noch Defizit hat. Zu verdanken ist das dem konsequenten Weg in Richtung Erneuerung, den die Stadt über Jahrzehnte gegangen ist. 

Die Übertragung des sogenannten Bilbao-Effekts, durch die Errichtung eines spektakulären Gebäudes zum Besuchsmagneten zu werden, wird oft missverstanden. Man verkennt häufig die Bedeutung des gesamtstädtische Konzept, das hinter der Entwicklung Bilbaos steht.

Wenn wir Bilbao auf dem Jakobsweg verlassen, kann man erkennen, wie  langwierig so ein Veränderungsprozess ist. Wir wandern hier entlang des Flusses Nervión Richtung Atlantik und kommen an stillgelegten und noch aktiven Industrieanlagen vorbei, die einem noch eine  kleine Vorstellung von dem früheren Bilbao geben. 

Altstadtgasse

Bilbao Arena

Nicht nur Sportfans können sich für die Bilbao Arena begeistern. Nachhaltig, in Harmonie mit der Umgebung, ästhetisch und praktisch. Diese Mehrzwecksportanlage mit Basketballstadion und Kongresspalast ist ein Beispiel für nachhaltige moderne Architektur. Es besitzt ein System zur Wiederverwendung des Regenwassers und Kogenerierung von Energie und harmoniert mit der natürlichen Umgebung, da sein Design dem Felsen der ehemaligen Bergbauanlage und den hier wachsenden Bäumen gleicht.

Die Arena bietet auf den Rängen maximal 10.014 Plätze. Das Dach wird durch dünne Säulen getragen. Der obere Teil der Fassade besteht aus verschiedenfarbig lackierten Stahlblechen in Form von Rhomben, die Laub darstellen. Sie sind schuppenartig angelegt. Mit den Säulen entsteht so der Eindruck von Bäumen in einem Wald. Die Farbwahl außen setzt sich bei den Kunststoffsitzen in der Arena fort. In der Veranstaltungsarena finden neben dem Sport verschiedene Shows statt. Der Bau verfügt u. a. über ein 25-Meter-Schwimmbecken mit sechs Bahnen sowie ein Kinderbecken, ein Fitnessstudio mit 520 qm und Büroräumen ausgestattet.

Von Fred Romero from Paris, France - Bilbao - Bilbao Arena, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65735971
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Euskara – baskisch – die älteste Sprache der Welt

Euskara - baskisch - die älteste Sprache der Welt

Ich habe gerade im Buch von Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“ über einen Übersetzer gelesen habe, der seine Gefängniszeit nur überstand, weil er ein Buch aus dem Russischen ins Baskische übersetzte. Nun habe ich nachgedacht, was ich über die baskische Sprache weiß: Es ist eine sehr alte Sprache, die nicht mit anderen europäischen Sprachen verwandt ist. Vielmehr fiel mir nicht dazu ein – also ziemlich wenig. Also habe ich mich ein wenig schlau gemacht. Hier meine neuen Erkenntnisse.

Die baskische Sprache – die Eigenbezeichnung ist Euskara oder Eskuara – wird vor allem im Baskenland gesprochen. Das Baskenland (Euskal Herria oder Vasconia) befindet sich im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Spanien. Zum Baskenland gehören sieben Provinzen, in denen Baskisch gesprochen wird. Drei von ihnen (Lapurdi, Behe Nafarroa und Zuberoa) liegen in Frankreich und werden als „Nördliches Baskenland“ bezeichnet (Iparralde). Die in Spanien liegenden Provinzen werden Hegoalde genannt. Dazu gehören die Foralgemeinschaft Nafarroa sowie die Autonome Baskische Gemeinschaft, die aus den drei Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba besteht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache#/media/Datei:Euskalkiak_koldo_zuazo_2008.png

Man schätzt, dass ca. 1.185.500 Menschen baskisch sprechen, davon 700.300 in Spanien und 51.200 in Frankreich, die restlichen wohnen in Europa und Amerika. Das Baskische gilt neben dem Hebräischen als älteste Sprache der Welt. Es ist nach gängiger Forschungsmeinung eine isolierte Sprache, die mit keiner anderen europäischen Sprachgruppe genetisch verwandt ist. Ihr Ursprung ist trotz aller über Jahrhunderte entwickelten Theorien unbekannt, zumal auch keine Verwandtschaft mit irgendeiner anderen Sprache nachgewiesen wird. Daher waren sich die Basken schon seit Jahrhunderten ihrer Einzigkeit bewusst. Dieses Selbstwahrnehmung zieht sich dann auch durch ihre ganze Geschichte durch.

Die Sprache hat sehr komplexe Verben, zwölf Fälle, ca. 200.000 verschiedene Wörter. Das Baskische besitzt zudem keine hochsprachliche Form, sondern insgesamt 8 Dialekte. Der Wortschatz wird durch Hinzufügung immer neuen Nachsilben bedeutend erweitert. Außerdem gibt es ein reiches Vokabular an Naturphänomenen. Die Basken selber haben kein eigenes Wort für baskisch. Das einzige Wort um einen Angehörigen der Gruppe zu bezeichnen, ist „euskaldun“, das bezeichnet jemanden, der Euskara spricht. Das Land nennen die Basken „Euskal Herria“, Land der Euskara-Sprecher.

Da Euskara jahrhundertelang hauptsächlich mündlich überliefert wurde, gibt es kaum Schriftzeugnisse. Das älteste Buch stammt gerade einmal aus dem Jahr 1545. Festgelegte syntaktische und orthographische Normen gibt es erst seit 1968; doch ganz abgeschlossen ist der Prozess der Standardisierung noch immer nicht.

Insgesamt kann man wohl sagen, dass das Baskische eine schwierige Sprache ist, da sie so ganz anders ist, als die anderen uns bekannten europäischen Sprachen. Wie eine Legende erzählt, wurde  der Teufel einst von Gott dazu verdammt, Baskisch zu lernen. Er scheiterte jedoch an den Verbalformen.  Diese konnte selbst der Teufel nicht lernen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache#/media/Datei:Irakatsia.png Baskisch in der Schulbildung: Anteile der Schüler mit baskischem Unterricht

Die Karte zeigt die unterschiedliche Verteilung der baskischen Sprache, die in den französischen Regionen nicht mehr so stark verbreitet ist. Als Ironie der Geschichte mag gelten, dass ausgerechnet die Französische Revolution, von der sich viele fortschrittliche Reformen erhofften, der baskischen Autonomie in Frankreich ein jähes Ende bereitete. Ein einheitlicher Schullehrplan für ganz Frankreich verbot das Baskische und andere Regionalsprachen, was sich erst 1981 mit der Wahl Francois Mitterands wieder änderte. Allerdings wird das Euskara von offizieller Seite nicht bewusst fördert.

Bereits Wilhelm von Humbodt, der sich intensiv mit der Erforschung der baskischen Sprache auseinandergesetzt hat, war der Überzeugung, dass das Baskische eine aussterbende Sprache sei, die allein in den abgelegenen Tälern der Pyrenäen überdauern könnte. Aber da irrte er sich. Selbst als während der Diktatur des Generals Francisco Franco, das Baskische ebenso verboten war wie alle anderen regionalen Sprachen Spaniens, schaffte ein nationalistisch geprägtes baskisches Bewusstsein die Sprache zu erhalten. Unter Franco wurden die Baskinnen und Basken sowie ihre Sprache brutal verfolgt. Selbst baskische Vornamen und Grabinschriften waren verboten. Euskara zu sprechen war Subversion und eine Möglichkeit, antifaschistische Gesinnung zu dokumentieren. Ab 1965 wurden die Restriktionen etwas gelockert. Im Jahre 1978, also 3 Jahre nach dem Tod Francos und dem Ende der Diktatur, setzte die neue spanische Verfassung dieser Unterdrückung des Baskischen ein Ende. Es war nun offiziell als Minderheitensprache anerkannt. 

Was die Verbreitung des Baskischen betrifft, so spielen die Schulen eine wichtige Rolle. Anfang der 60-er Jahre wurden die ersten ikastolas (Schulen, die ausschließlich auf baskisch unterrichten) gegründet zunächst in aller Heimlichkeit aber mit großer Unterstützung durch die baskischen Familien. Ende der 60-er Jahre wurden die ikastolas dann legalisiert und erfuhren einen hohen Zuwachs an Schülern. Seit Anfang der 1980er Jahre können Baskinnen und Basken in der CAV zwischen drei verschiedenen Schulformen wählen. An Schulen der A-Linie wird auf Spanisch unterrichtet, an Schulen der B-Linie auf Spanisch und Baskisch, in der D-Linie werden alle Fächer auf Baskisch gelehrt. 

In der Autonomen Baskischen Gemeinschaft (CAV) trägt die positive Sprachpolitik der letzten Jahre Früchte. Dort nimmt die Zahl der baskophonen Sprecherinnen und Sprecher stetig zu. Mehr und mehr Klassiker werden ins Euskara übersetzt und inspirieren Leserinnen und Leser ebenso wie Autorinnen und Autoren auf der Suche nach literarischen Ausdrucksmöglichkeiten. An den Schulen, an denen heute der Unterricht auch auf Baskisch stattfindet, wachsen neue lesende Generationen heran – ein Grund dafür, dass viele anspruchsvolle Kinder- und Jugendbücher verlegt werden. Auch der Roman und Kurzgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit. Die jährliche Literaturmesse in Durango ist ein Muss für lesefreudige Baskinnen und Basken und beliebtes Ziel. Zudem wird das Baskische auch über die Medien wieder stärker verbreitet u.a. auch durch mehrere Radiosender und einen Fernsehkanal.

Aufgrund der vielen und sehr unterschiedlichen Dialekte, war die Schaffung einer Einheitssprache von großer Bedeutung. Durch eine Sprachnormierung wollte man die baskische Sprache zukunftsfähig machen. Im Jahre 1968 begann man mit einer Vereinheitlichung des Baskischen, die schon lange zuvor von baskischen Schriftstellern gefordert wurde. So hat man in den letzten Jahren begonnen die Orthographie, die Deklination, das Basisvokabular und die Hilfsverben zu vereinheitlichen. Es ist interessant, dass sich das Baskische trotz seiner Eigenart und vieler Einschränkungen erhalten hat. Man kann von einer sehr robusten Sprache ausgehen und einem starken Identitätsgefühl ihrer Bewohner.

Interessant ist auch, dass sich auch die EU um die sprachliche Vielfalt kümmert. Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Sprachenpolitik das Ziel, die Zusammenarbeit in Europa zu stärken und gleichzeitig die Vielfalt zu erhalten. Sie setzt daher Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Vielsprachigkeit und des kulturellen Reichtums sowie zur Verbesserung der Sprachkompetenz der Bevölkerung. 

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Das Guggenheim-Museum und der „Bilbao-Effekt“

Der Begriff Bilbao-Effekt bezeichnet die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten von Architekten. Der Begriff geht zurück auf die Entwicklung Bilbaos  im Zusammenhang mit dem 1997 fertiggestellten Guggenheim-Museum des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry.

Auslöser war, dass die Guggenheim-Stiftung in New York 1981 entschied, die Europa-Filiale ihres Museums in der heruntergekommenen Industriestadt zu eröffnen, um Bilbao kulturell zu beleben. Die Probleme Bilbaos in den 70er und 80er Jahren führten dazu, dass sich die Stadtverwaltung neu orientierte, um aus einer schmutzigen Industriestadt eine erfolgreiche Dienstleistungsstadt zu kreieren. So holten sie viele internationale Stararchitekten in die Stadt. Das von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim-Museum, das Kulturzentrum Azkuna Zentroa von Philipp Starck, die Metroeingänge von Sir Norman Foster oder die Brücke Zubizuri von Santiago Calatrava sind die berühmtesten Bauten. Die Initialzündung ging sicher von Guggenheim-Museum aus, aber der Bilbao-Effekt kann eigentlich nur durch das Zusammenspiel verschiedenen Faktoren der Stadtgestaltung erklärt werden. Viele Städte, die glaubten über ein einzelnes spektakuläres Bauwerk ihre Stadt aufzuwerten, scheiterten .

Für einen Einladungswettbewerb, der den Auftakt zu Bilbaos umfassender Stadtsanierung markierte, entwarf Frank O. Gehry sein avantgardistisches Meisterwerk. Nach vier Jahren Bauzeit feierte das Museum im Oktober 1997 Eröffnung. Es hat die Stadt, die damals mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent geschlagen war, zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte geführt. Statt einer halben Million Besucher, auf die man in Bilbao vor der Eröffnung gehofft hatte, kamen schon bald eine Million pro Jahr; wegen der Kunst, die im Museum gezeigt wird, aber vor allem auch wegen des Museums selbst, einer formenreichen Wahnsinnskonstruktion. Bilbao hat sich darüber ganz neu aufgestellt, eine ehemalige schmutzigen Industriestadt wurde zu einer attraktiven Kulturstadt.

 

Die Struktur des Gebäudes aus Glas, Titan und Kalkstein aus Granada ist ein Kunstwerk. Die Verkleidung aus 33 000 Titanplatten ist nicht ganz eben und schafft dadurch besondere Lichteffekte je nach Wetterlage und Tageszeit, da sie bei jedem Licht anders leuchten. Gehry gelang mit voller Absicht das Kunststück, ein Kunstmuseum selbst zum wichtigsten Exponat zu erheben: einer Megaskulptur aus kantigen und dynamisch geschwungenen Formen, Symmetrien und Asymmetrien, Verschachtelungen der Elemente Kalkstein, Glas und Titan. Das Guggenheim-Museum ist eines der berühmten Beispiele des Dekonstruktivismus, einer Richtung der modernen Architektur, die durch das unvermittelte Aufeinanderstoßen von unterschiedlichen Materialien, Räumen und Linienführungen gekennzeichnet ist. Auch das Guggenheim-Museum zeichnet sich durch einen bemerkenswert freien, spielerisch leichten Umgang mit architektonischen Elementen, Gliederungsstrukturen und Materialien aus. Bis heute darf man sich tief vor der Leistung Frank Gehrys verneigen.

Wer zum Guggenheim-Museum nach Bilbao reist, sollte sich allerdings vor falschen Vorstellungen von einem Kunstmekka hüten. Das Museum zeigt auf seinen 11 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche nur wenige ständige Exponate, darunter einen “Nelkenstrauß” von Jeff Koons auf der Terrasse neben den Wassergärten sowie Stahlkolosse des Bildhauers Richard Serra in der mit 130 Metern längsten Galerie. Parallel laufen gewöhnlich zwei bis drei Wechselausstellungen unterschiedlichster Qualität, die zuweilen enttäuschen könnten.

Rund um die eindrucksvolle Konstruktion finden sich weitere beeindruckende Kunstwerke:

  • die neun Meter hohe Spinnenskulptur „Maman“ von Louise Bourgeois
  • die zwölf Meter hohe bepflanzte Hunde-Skulptur „Puppy“ von Jeff Koons, die eigentlich nur zur Eröffnung des Museums stehen sollte, aber auf Grund des Protestes der Bevölkerung wird die Skulptur jedes Jahr neue mit ca. 17 000 Blumen bepflanzt.
  • Anish Kapoors Installation Tall tree and the eye (2009), bestehend aus 73 spiegelnden Kugeln
  • Koons‘ Tulips – farbige Tulpen aus hochpoliertem Edelstahl aus seiner Celebration-Serie. 

Öffnungszeiten des Museums: Dienstag – Sonntag 10 – 19 Uhr

Noch eine kurze Bemerkung zum Bilbao-Effekt:

Es liest sich wie ein einfaches Erfolgsrezept: Man nehme einen Stararchitekten, lasse ihn in einer Standardstadt ein Gebäude bauen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, stelle Kunst aus – und die Stadt erblüht neu. Viele Städte haben versucht, nach diesem Muster vorzugehen, aber nur wenige waren wirklich erfolgreich. Ein trauriges Beispiel ist das Kulturzentrum im Avilés. Ich glaube, dass das Gesamtkonzept der Stadterneuerung letztendlich erst zum langfristigen Erfolg Bilbaos geführt hat. Der Bau einer U-Bahn, ein neuer Flughafen, ein neues Abwassersystem, Wohn-, Freizeit- und Gewerbeanlagen in der Innenstadt, die Neugestaltung des innerstädtischen Flussufers – all das beförderte neben dem Guggenheim-Museum den Bilbao-Effekt.

(s. dazu auch die Ausführungen zur Stadt Bilbao)

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