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Mazarbische vorromanische Architektur

Mazarbische (vorromanische) Architektur

Camino Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo

Neben der westgotischen und der asturischen zählt auch die mazarabische Architektur zu den Präromanischen Architekturstilen. Besonders interessant und bedeutsam ist dabei, dass die mozarabische Architektur ein positives Beispiel für die fruchtbare Symbiose von islamischer und christlicher Kultur ist und und uns dadurch wunderbare Bauwerke schenkte.

Geschichtlicher Hintergrund

Nach der maurischen Eroberung der iberischen Halbinsel im Jahr 711 und dem Zusammenbruch des Westgotenreiches wurde das Zusammenleben der Christen, die anfangs die Mehrzahl der Bewohner darstellten, mit den islamischen Herrschern durch Verträge geregelt. Diese sicherten den Christen die persönliche Freiheit und den Erhalt ihrer materiellen Güter zu. Sie konnten ihre Gotteshäuser bewahren und ihre Religion ausüben, wenn sie nicht den Islam beleidigten oder versuchten, Muslime zum Christentum zu bekehren. Wie die Juden unterlagen sie einer eigenen Rechtsprechung und waren von den wichtigsten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Ihnen waren höhere Steuern auferlegt als den Muslimen. Vor allem im Umfeld der Bischofsstädte Toledo, Córdoba, Sevilla und Merida blieb der Anteil der christlichen Bevölkerung hoch. Noch im 11. Jahrhundert gab es Dörfer mit fast ausschließlich christlichen Einwohnern.

Allerdings erhöhte sich ab Mitte des 9. Jh. der Druck auf die Christen kontinuierlich. Gleichzeitig erweiterten die christlichen Königreiche ihr Gebiet weiter nach Süden.

Das christliche Spanien bestand im 10./11. Jahrhundert aus dem Königreich Leon (910–1027), in dem unter Ramiro II. (931–951) das asturische Königreich aufgegangen war, dem Königreich Navarra (905–1035), der Grafschaft Kastilien (930–1022) und der Grafschaft Barcelona (898–1018).

Unter dem asturischen König Alfons III. (866–910), der seine Hauptstadt von Oviedo nach Léon verlegt hatte, wurden Gebiete entlang des Río Duero wiederbesiedelt. In diesem Niemandsland, das als Pufferzone zu den islamischen Gebieten dienen sollte, war zuvor die Bevölkerung vertrieben worden. Bereits 893 wurden in den Städten Simancas, Toro und Zamora Christen aus Toledo wieder angesiedelt. Anfang des 10. Jahrhunderts wurden Christen aus Córdoba in der Gegend um León ansässig.  Viele dieser Christen waren aus al Andalus geflohen, da sich das friedliche und tolerante Zusammenleben, deutlich verschlechterte. Infolgedessen begann ein Exodus christlicher Menschen aus al- Andalus nach Nordspanien. Darunter waren auch viele Mönche, die sich in den aufgegebenen westgotischen Klöstern niederließen oder neue Klöster bauten, in denen sie auch maurische Stilelemente einbrachten.

(s. Kapitel Arabisierung Spaniens und Reconquista),

gelb: Königreich León, orange: Königreich Navarra (Pamplona) mit der Grafschaft Kastilien, rosa: Grafschaft Barcelona, grün: al-Andalus; um 1030 Von Crates - File:Leon 1030.png that comes from this liberated to the public domain by the University of Texas at Austin., CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5736381

Der Begriff mozarabische Kunst

Die Bezeichnung Mozaraber wurde erst ab dem frühen 12. Jahrhundert verwendet. Er bezieht sich auf die christlichen Bewohner von al-Andalus, die sich die Kultur der Mauren angeeignet hatten, jedoch ihren christlichen Glauben bewahrten.

Der Begriff „ mozarabische Kunst “ ist relativ neu. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Historiker Manuel Gómez Moreno in der Überzeugung geprägt, dass die Kunst des 10. und frühen 11. Jahrhunderts in Kastilien und León, in Katalonien und in Aragon im Wesentlichen von den angesiedelten Mazarbern geprägt ist. Allerdings stören sich einige Forscher an dem Begriff aber anderen Begriffe wie z.B. Wiederbesiedlungskunst (Arte de Repoblación) haben sich nicht durchgesetzt. Der Begriff umfasst die Zeit zwischen dem Ende des 9. bis zum Anfang des 11. Jh., bezieht sich also auf den Zeitraum zwischen dem Ende der asturischen Architektur und dem Beginn der Romanik. Es entstand eine Architektur, die westgotische mit maurischen Elementen verband.

Von MiguelAlanCS, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64872043 San Miguel de Escalada
Von David Perez - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28297390

Typische Stilelemente

Diese von außen schlichten Kirchen haben meist einen sehr schönen Innenraum mit orientalischen Elementen, mit Hufeisenbögen, Säulen mit korinthischen Kapitellen der Cordoba-Tradition und in einigen Fällen skulpturalen Schnitzereien von großem fantasievollem Schematismus.

 Es gibt ein paar typische Stilelemente, die diesen Stil ausmachen. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, in jeder Kirche alle diese Elemente zu finden sind.

  • Sehr vielfältige Grundrisse, aber mit einer Tendenz zu einer stark unterteilten räumlichen Anordnung, wie in der hispano-westgotischen Architektur.
  • Kirchenschiffe meist mit flachen Holzdecken, kleinere Raumteile sind mit Kreuzgratgewölben oder Rippengewölben gedeckt. Die Apsiden besitzen Tonnengewölbe aus Stein oder Kuppeln. Teilweise Schirmkuppeln als Neuerung gegenüber den anderen Stilen.
  • Hufeisenbogen im islamischen Stil, sehr geschlossen, mit einer Überhöhung von zwei Dritteln des Radius. Der Hufeisenbogen wurde bereits in der westgotischen Architektur verwendet. Im Unterschied ist, dass der mozarabische Bogen enger geschlossen ist und er besitzt meist einen Schlussstein.
  • Alfiz (architektonisches Schmuckelement in Form eines rechteckigen oder quadratischen Rahmens um eine gewölbte Fenster-, Tür- oder Arkadenöffnung) rahmt die Bögen ein.
  • Verbundpfeiler (Viertel-, Halb- oder Dreiviertelsäule, die einem tragenden Element vorgebaut ist und sich in die Rippen des Gewölbes hinein fortsetzt) und Säulen.
  • Korinthisches Kapitell mit Seilkragen.
  • Skulpturen mit geometrischen Motiven (Kreuze, Schriftrollen, Blatt und Rankenornamente usw.)
Iglesia Santa Maria de Lebena Von Image detailsCasio EX ZR1000Orikrin1998CC-BY-3.0 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30866574a
Hufeisenbögen auf Pfeilern und Säulen, korinthische Kapitelle und Kämpfer CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176134

Einige Mozarabische Kirchen entlang der Jakobswege

 

San Juan de la Pena                (Camino Aragonés)

Santa Maria de Lebana          (Camino Lebaniego von San Vicente de la Barquera 

                                                      zum Kloster San Toribio)

Santa Maria in Tabara            (Via de la Plata)

San Millan de Suso                 (Camino Frances)

San Miguel de Escalada          (12 km vom Camino Frances entfernt)

Santa Maria de Wamba         (Camino de Madrid)

Santiago de Penalba               (Camino Frances bei Ponferrada))

San Tomás de la Olla              (Camino Frances bei Valladolid))

San Xes de Francelos              (Camino Portugues)

Von Julio Prieto - Original, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=761913 San Baudelio Pfeiler
San Xes de Francelos Fenster mit Transenna Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3207336
Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4097941 Santiago de Peñalba, mozarabischer Hufeisenbogen mit Alfiz

Eine Sonderform der mozarabischen Architektur – die Serrablo – Kirchen in der Provinz Huesca

Die Serrablo-Kirchen sind eine Gruppe von Kirchen mit sehr homogenen Merkmalen, die zwischen der Mitte des 10. und dem 11. Jahrhundert in einem sehr begrenzten geografischen Raum im Norden der Provinz Huesca erbaut wurden. Sie waren lange Zeit kaum bekannt, bis die Freunde der Serrablo-Vereinigung begannen die Kirchen und Ruinen zu restaurieren. Nicht alle Wissenschaftler rechnen sie dem mozarabischen Stil zu, sondern eher der Frühromanik oder von einem eigenen vorromanischen aragonesischen Stil zu.

Auf jeden Fall ist die Anwesenheit der mozarabischen Bevölkerung in der Gegend von Serrablo belegt, als nach dem Fall des Westgotenreichs muslimische Herrscher die Kontrolle über den damals als ländlicher Yilliq (Gállego) bekannten Bezirk übernahmen. Mit der Rückeroberung des Gebietes und der Wiederbesiedlung Mitte des 10. Jh. siedelten sich hauptsächlich Mozaraber dort an. 

Typische Merkmale

Die Serrablo-Kirchen zeichnen sich durch ihre große Homogenität in Bezug auf Konstruktion  und Dekoration aus. Die meisten Kirchen besitzen ein einziges Kirchenschiff mit einem Giebeldach aus Holz, und einer dazu entsprechenden halbkreisförmigen Apsis.  Die Wände bestehen praktisch ausnahmslos aus rechteckigen Quadersteinen.

Eines der Elemente, die diese Serrablo-Kirchen, sofern sie intakt erhalten sind, unverwechselbar machen, sind ihre Glockentürme. Sie weisen wegen ihrer Schlankheit im Verhältnis zum Rest des Gebäudes und durch ihre Höhe eine latente Ähnlichkeit zu einigen islamischen Minaretten auf. Diese Türme, die sich entweder auf der Nord- oder Südseite der Kirche befinden, weisen in der Regel Öffnungen mit einer leichten Hufeisenform auf. Das letzte Geschoss ist allen vier Seiten von Drillingsfenstern durchbrochen, die von einem Alfiz eingerahmt werden. Vermutlich wurde ein Teil der Türme gleichzeitig als Wachtürme genutzt.

Die Zugangstüren, die sich normalerweise an der Südseite der Gebäude befinden, haben im Allgemeinen hufeisenförmige Öffnungen, die von kleinen rechteckigen Kassetten eingerahmt sind. Die Fenster weisen hufeisenförmige Öffnungen – einfach oder zweiseitig – eingerahmt mit den bereits erwähnten rechteckigen Kassetten.

Die Kirchen der Ruta Serrablo sind:

San Pedro de Lárrede                         San Pedro de Lasieso                        

San Juan de Busa                                 San Miguel de Latre

Santa Eulalia de Susín                        San Martín de Ordovés

San Martín de Oliván                         San Miguel de Orna

San Martín de Arto                             Santa Eulalia de Orós Bajo
San Bartolomé de Gavín                   San Juan de Orús
Santa María de Isún de Basa            San Andrés de Satué
Iglesia de Javierrelatre

Von Willtron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=336574 Kirche San Pedro in Lárrede

Mozarabische Bauwerke in Spanien nach Wikipedia „Mozarabische Architektur“ plus eigenen Ergänzungen:

Die genaue Zuordnung zu den präromanischen Architekturstilen ist nicht immer einheitlich.

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Die Treidlerinnen von Bilbao

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Camino del Norte, Camino Primitivo

Der Begriff „Treideln“

Kennt Ihr das Wort treideln? Treideln (von lat. tragulare), auch Schiffziehen, Halferei, schweizerisch Recken, ist das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere, seltener auch durch Zugmaschinen oder Treidelloks.

Den Begriff kennt man nicht mehr überall, am ehesten in Regionen, die eine Fluss- oder Meereskultur aufweisen. An manchen Uferwegen großer Flüsse finden sich bis heute Bezeichnungen wie “alter Treidelpfad” oder “Leinpfad”. Sie erinnern an die archaische Arbeit der TreidlerInnen, mit der wir heute allerdings nur noch wenig verbinden können. Dabei hat es bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler oder Schiffszieher gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl. Die TreidlerInnen (in der Mehrheit Männer, in Bilbao ausschließlich Frauen) galten als Randgestalten der Gesellschaft.

In den Habsburgischen Erblanden wurde von 1783 bis 1790 Schiffziehen sogar als Strafe verhängt, nachdem Joseph II. die Todesstrafe so gut wie abgeschafft hatte. Von den 1173 Sträflingen, die zwischen 1784 und 1789 zum Treideln verurteilt worden waren, starben 721 bis zum Jahr 1790, was ein guter Hinweise auf die Härte der Arbeit ist.

Diese Frauen von Bilbao (baskisch “Zirgariak“, spanisch “Sirgueras“) zogen die Schiffe vom Ufer aus mit Hilfe eines dicken Schlepptaus von der Flussmündung in Getxo in den 14 Kilometer entfernten Hafen

Titelbild: Makeip – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=105658641

Ochsen durch Frauen ersetzt

Der Hafen von Bilbao war im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Handelsenklaven im Norden der iberischen Halbinsel, viele Waren wurden über ihn abgewickelt. Vor allem der Abbau von hochwertigem Eisenerz und dessen Verschiffung verlieh der Hauptstadt von Bizkaia Macht und Reichtum. Die Handelsschiffe jedoch stießen auf Höhe des heutigen Stadtteils Bilbao-Olabeaga auf eine unüberwindbare Barriere. Dort sammelte sich der Sand und die großen Überseeschiffe konnten sich nicht weiter Richtung Altstadt-Hafen bewegen.

Das bedeutete, dass die Waren auf Lastkähne umgeladen werden mussten, die wiederum mit Hilfe des Schleppseils vom Ufer aus in den Hafen gezogen wurden. Diese Arbeit wurde anfangs aufgrund der Schwere der Tätigkeit von Lasttieren, vornehmlich von Ochsen ausgeführt. Dabei ergab sich ein finanzielles Problem. Lasttiere wurden zu teuer, sie brauchten Nahrung, mussten untergebracht und gepflegt werden. Und wenn viele Schiffe gleichzeitig ankamen, mussten mehrere Ochsenpaare zur Verfügung stehen. Auch Männer hätten für diese schwere körperliche Arbeit in Frage kommen können, allerdings war ihre Verfügbarkeit durch die vielen Kriege im Laufe des 19. Jahrhunderts stark eingeschränkt (Napoleonische Kriege, Karlistenkriege). So kamen die Reeder auf die Idee, Frauen mit der Schlepp-Arbeit zu beauftragen und dabei höhere Profite zu machen. Denn Frauen wurden (wie bis heute und fast überall) geringere Löhne bezahlt.

Treidlerinnen in Bilbao

Der Treidelpfad

 Die Schiffe mussten an der Mündung auf Höhe der Stadt Portugalete zunächst eine breite Sandbank passieren, um flussaufwärts die verschiedenen Anleger anzulaufen und schließlich den Hafen von Bilbao zu erreichen. Diese Sandbank, “la barra de Portugalete“ genannt, war nicht die einzige Schwierigkeit, die es zu überwinden galt. Auf einer Strecke von 14 Kilometern von Portugalete bis zum Hafen vor der Brücke San Antón musste stets auf die Höhe des Wasserspiegels geachtet werden, besonders bei Ebbe, denn der Fluss wies mehrere flache Stellen auf, auch mehrere kleinere Sandbänke, die sich auf unberechenbare Weise bewegten. Teilweise gab es auch Marschland und Erhebungen am Grund, auf denen sich Sand oder Schlamm ansammelten.

Flussabwärts wurden von Bilbao bis zur Mündung alle Boote entlang des gesamten linken Ufers vertäut, um das rechte Ufer freizulassen, an dem die Kähne und Boote am Schlepptau gezogen wurden. Dafür gab es auf der gesamten Länge des rechten Flussufers einen ununterbrochenen Weg, von Areeta / Las Arenas (Getxo) bis Bilbao. Dieser Weg wurde Treidelpfad genannt. Der Schleppdienst war vom Hafeningenieur abhängig und wurde per Auktion vergeben, wobei Kähne und kleine Boote den gleichen Service genossen wie Segelschiffe.

 

Ende der Treidlerei in Bilbao

 Unter diesen naturgegebenen Bedingungen der Flussmündung des Nervión war die Zuhilfenahme des Schleppseils bis Ende des 19.Jahrhunderts unabdingbar. Die zunehmende Bedeutung des Hafens von Bilbao im Zusammenhang mit dem wachsenden Eisenerzabbau und der Industrialisierung der gesamten Region führte dazu, dass sich immer mehr und immer größere Schiffe einfanden. Der Fluss wurde zum entscheidenden Handelsweg und das starke Verkehrsaufkommen drängte nach einer Lösung.

Im Jahr 1877 wurde der für Straßen, Kanäle und Häfen zuständige Bauingenieur Evaristo de Churruca y Brunet (1841-1917), mit dem Bau einer Kaimauer beauftragt, die die Mündung vom Problem der Sandbank befreien sollte. Nach mehrjähriger Bautätigkeit wurden im Jahr 1887 gleich zwei Kaimauern eingeweiht.

Mit diesem Bau wurde das Problem der Schiffbarkeit des Hafens von Bilbao weitgehend gelöst, nachdem eine etwa achtzig Meter breite Passage mit einer Mindesttiefe von 4,58 Metern bei Ebbe geschaffen wurde. Damit gehörte das Schleppseil der Vergangenheit an

Canal de Midi Treidelpfade Von Peter Gugerell, Vienna, Austria - Own Photopraph, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2868903

Verächtlich betrachtete Tagelöhnerinnen

Jene Frauen, die diese knüppelharte Arbeit in der Not auf sich nahmen, waren dazu gezwungen, um ihr täglich Brot zu verdienen. Deshalb wurden sie verächtlich auch als “ganapanes” (Brot-Verdienerinnen) bezeichnet. Dieser abwertende Spitzname kam zustande, weil sie nach einem arbeitsreichen Tag gerade mal die allernötigsten Lebensmittel erwerben konnten. Not und Spott fielen wieder einmal zusammen. Die Treidlerinnen waren von der Gunst der Reeder abhängig. Sie mussten sich an Ort und Stelle präsentieren, wurden jedoch nicht immer ausgewählt und beauftragt, weshalb sie bisweilen unverrichteter Dinge heimkehrten mussten und keine Tageseinnahme hatten. Dieses Prinzip spiegelt sich im Begriff “Tagelöhner“ wider. Sie verdingten sich für einen Tag, ohne zu wissen, was am Folgetag geschehen würde.

Die Frauen waren mit einem dicken Schleppseil, das ihnen um Brust und Schulter gelegt war, miteinander verbunden. So bildeten sie eine Kette und zogen in gebeugter Haltung unter größtmöglicher körperlicher Anstrengung die Schiffe vom Ufer aus. Wenn das Seil versagte, kam es vor, dass die Frauen aufgrund ihrer nach vorn gebeugten Haltung mit dem Gesicht voran auf den Boden fielen. Teilweise hatten sie auch ein Messer oder Beil dabei, um bei Gefahr das Seil zu kappen.

Erinnerung an die Treidlerinnen in Bilbao

Dieses Stigma schloss sie aus der offiziellen Geschichtsschreibung Bizkaias aus. Tatsache ist, dass ihre Geschichte praktisch unbekannt war, bis ihnen vor wenigen Jahren Imanol Barbería eine Forschungsarbeit mit anschließender Buchveröffentlichung widmete.

Die Treidlerinnen von Bilbao sind seit dem 1. Mai 2021 mit einer Skulptur an der Uferpromenade in der Nähe des Guggenheim Museums verewigt (s. Bild oben). Die Künstlerin Dora Salazar war mit der Aufgabe betraut worden, eine Skulptur in Erinnerung an die Treidlerinnen zu errichten. Diese besteht aus vier Frauen von 2,5 Metern Höhe, die mit einem dicken Seil miteinander verbunden sind. Sie würdigt den schweren und zermürbenden Arbeitseinsatz dieser Frauen.

Bereits im Dezember 2016 war ein Fußweg im Bilbao-Stadtteil Olabeaga nach ihnen benannt worden: “Muelle Sirgueras“ (Mole der Treidlerinnen).

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin

Das Schicksal der TreidlerInnen in anderen Ländern

Es hat bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl.

So ist z.B. das Treideln am Rhein seit dem 8. Jahrhundert belegt und auf der Weser wurden seit dem Mittelalter Weserkähne gegen die Strömung getreidelt. Vor allem in Frankreich, wo ab dem 17. Jahrhundert zahlreiche schiffbare Kanäle entstanden, wurden vielfach Schiffe getreidelt. Kanäle wie der 1694 fertiggestellte Canal de Midi, wo mit Menschen und Pferden getreidelt wurde, weisen nach wie vor beidseitig Leinpfade auf.

Tatsächlich waren die Arbeitsbedingungen für Tier und Mensch überaus hart und mühevoll und alles andere als beschaulich. Oft aber ist das Wissen und die Erinnerung an die TreidlerInnen verloren gegangen. Denn die TreidlerInnen galten als Randgestalten, die selbst für die Künstler uninteressant waren. So haben sie kaum die Vorstellungen vom Arbeitslebens an den Flüssen geprägt.

Auch von den Treidlern an der Wolga wissen wir bis heute wenig. Die Schiffszieher an der Wolga, auf Russisch Burlaki, waren im Handel zwischen Moskau und dem Kaspischen Meer eine nicht wegzudenkende Größe. Fernab der großen Städte führten sie ein beschwerliches, manchmal auch freies Leben. Treideln an der Wolga war eine saisonale Tätigkeit, die vor allem von jungen Männern aus dem Bauernstand ausgeübt wurde. Sie versprach zusätzliche Einkünfte in einer Zeit, in der nicht nur der Handel zunahm, sondern sich auch die Leibeigenschaft verschärfte. Der Lohn ging größtenteils an den Gutsbesitzer, ein kleinerer Teil blieb bei der Familie. Sie waren viele und ihre Lieder, die in Russland sehr beliebt waren, erinnern noch an ihre mühevolle Arbeit.

Dass sie berühmt geworden sind, verdanken wir einem Gemälde. Der ukrainisch-russische Maler Ilja Repin (1844-1930) malte 1873 das Bild “Die Wolgatreidler“, das ihn selbst fast über Nacht berühmt machte. 

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin
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Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur – Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo bei Oviedo

Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur – Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo bei Oviedo

Camino Primitivo, Camino del Norte

Im Allgemeinen weisen die erhaltenen Tempel der asturischen Architektur große Ähnlichkeiten untereinander auf, mit Ausnahme derjenigen, die zur „ Ramirense-Zeit “ gezählt werden.

Tatsächlich wurde während der kurzen Regierungszeit von Ramiro II. (842-850) eine Reihe von Gebäuden errichtet (mindestens drei sind erhalten geblieben), deren Qualität die davor und danach errichteten Gebäude deutlich übertraf. Diese Gebäude sind:

  • Santa María del Naranco.
  • San Miguel de Lillo.
  • Heilige Christina von Lena.

Die Bedeutung dieser drei Denkmäler ist so groß, dass dieser Gruppe ein spezifischer Name gegeben wurde: „Ramirense-Architektur“.

(s. Kapitel  Asturische  vorromanische Architektur)

Ramirense-Architektur

In den Gebäuden der Ramirense-Architektur ist eine hochwertigere Bauweise zu erkennen als in den Gebäuden vor und nach Ramira. Beispielsweise wurden die Mauern aus besser geschnittenen Quadern und in einigen Fällen auch aus hochwertigen Material errichtet. Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass die drei Ramirense-Gebäude vollständig von Halbtonnengewölben auf Querbögen bedeckt waren und nicht nur ein Teil, wie es bis dahin üblich war. Schließlich besteht einer der großen Unterschiede zwischen den Ramirez-Kirchen und denen, die nicht zu dieser ausgewählten Gruppe gehören, darin, dass in den Ramirez-Kirchen monumentale Skulpturen in Kapitellen und Wandreliefs vorkommen.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39385146 Nordfassade Santa Maria del Naranco

Santa María del Naranco

Ein kurzer Blick auf das Gebäude zeigt, dass seine Morphologie nichts mit denen der damaligen Kirchen zu tun hat und eher einem römischen Tempel als einer christlichen Kirche ähnelt. Tatsächlich geht man davon aus, dass es sich ursprünglich um einen königlichen Palast oder Palatinsaal  (Aula regia) handelte, der von Monarch Ramiro I. in Auftrag gegeben wurde. Er wurde im Jahr 842 fertiggestellt. Im 12. Jahrhundert wurde der Saal dann in die Kirche Santa María umgewidmet.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=157240

Architektur

 Santa María del Naranco ist ein rechteckiges Gebäude mit zwei Stockwerken, obwohl es aufgrund des optischen Effekts, den der Architekt geschickt durch das Öffnen der oberen Fenster an den Vorderfronten erzeugt hat, den Anschein erweckt, als hätte es drei Stockwerke. Sein unbekannter Architekt entwarf mit großem technischem und ästhetischem Wissen ein schlankes, leichtes und elegantes Gebäude. Das Untergeschoss dient als Stütze für das Obergeschoss mit einem Gewölbe, das niedriger und stärker ist als das des oberen Gegenstücks.

Der Bau war nicht groß, er wies nur einen repräsentativen Saal, ein Bad und ein Raum für Dienstboten auf. Das Obergeschoss hat einen rechteckigen Grundriss, der an den Enden von zwei Aussichtspunkten oder Balkonen gekrönt wird. Die zwei Aussichtspunkte oder Balkone stellen die schönsten Teile der architektonischen Struktur darstellen. Sie sind sehr offen, mit drei Bögen vorne und zwei Seitenbögen. Später wurde dort ein Altar aufgestellt, der nicht dem ursprünglichen Platz entspricht. In den oberen Teilen wurden dreibogige Fenster eingesetzt, die zum Teil für die optische Wirkung der drei Stockwerke verantwortlich sind, aus praktischen Gründen jedoch nur für die Intensivierung der Beleuchtung dieser Balkone verantwortlich sind. Von diesen hoch oben gelegenen Balkonen aus konnte das Volk den König gut sehen. Es ist klar, dass dadurch die Bedeutung und Legitimität der Monarchie herausgestellt werden sollte. Im Obergeschoss sind die Seitenwände durch Blindbögen gegliedert, die auf schrägen Halbkreisbögen basieren, zwei typische Merkmale der Ramirense-Zeit. Das Obergeschoss kann nur über eine Treppe an der Nordseite erreicht werden.

Das Untergeschoss ist mit einem Tonnengewölbe versehen, das wiederholt sich im Obergeschoss. Dass auch im Obergeschoss dank der Querbögen ein Gewölbe errichtet werden konnte, wird von den Chroniken der Zeit zu Recht hervorgehoben. Damit stehen diese Bauten im damaligen christlichen Europa einzigartig und fortschrittlich da. Trotz des aufwendigen Quadermauerwerks muss man sich den Bau geschlämmt, teils verputzt und farbig gefasst vorstellen!

Im Untergeschoss gibt es keine Belvedere, nur einige Öffnungen an den kleineren Enden, die den Zugang zum Innenraum ermöglichen. Parallel zum Eingang zum Obergeschoss mit seiner Treppe und der Einfriedung als Kapelle gibt es im Untergeschoss zwei Einfriedungen, eine als Eingang und eine andere, in der sich ein kleines Ritualbecken befand.

Von Enric - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72658585 Innenraum des Obergeschosses
Von Enric - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72658584 Untergeschoss

Skulpturale Reliefs

Aber nicht nur die architektonische Qualität des oberen Teils des Palatin-Zimmers von Santa María del Naranco ist großartig, sondern der Baumeister hat ihm auch eine gewisse skulpturale Dekoration verliehen. Tatsächlich endet jeder der oben erwähnten Querbögen in Zierleisten oder Pfostenlinien, wie es zwei Jahrhunderte später in der Romanik üblich war. Anschließend werden die Querbögen durch kleine Bänder verlängert, die in rechteckigen Reliefs und Medaillons mit skulpturalem Dekor enden.

Dabei handelt es sich um sehr flache Reliefs mit großer Schematisierung und Geometrisierung, während ihre Ikonographie und ihr Stil mit der angelsächsischen und keltischen Welt, aber auch mit der östlichen Welt (persische und byzantinische Kunst) in Zusammenhang stehen. Konkret wurden in den Zwickeln der Bögen Scheiben aus Doppelseilen, ein Gewirr aus Stängeln und Tierfiguren angebracht. Darüber wurden vertikal ausgerichtete rechteckige Friese angeordnet, deren Reliefs Bögen zeigen, die Krieger zu Pferd in akklamierender Haltung schützen.

Von Ecelan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5241008
Von Ecelan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5240948

Funktionen von Santa María del Naranco als Palatin-Saal


Höchstwahrscheinlich wurde der Palatin-Saal als königliche Residenz (Sommerpalast) genutzt und als Raum für Audienzen und Treffen des Königs mit den hohen Würdenträgern des Königreichs. Bei diesen Palatinsitzungen waren die Belvederes mit Holztüren verschlossen und so vom Audienzzimmer getrennt. Dadurch blieb ein kleiner Palatinraum übrig, der jedoch von der Außenwelt isoliert war.

Eine weitere Funktion von Santa María del Naranco war die Durchführung von Ritualen zur Kriegererhöhung in militärischen Feldzügen. Aus dem Text „Ordo Visigothorum“ wissen wir, dass im Frühling, als der König mit seinen Heeren in den Krieg zog, im Palatinsaal eine Hofzeremonie mit religiösem Charakter abgehalten wurde.

Bei dieser Zeremonie betraten der König und der Bischof die untere Etage des Gebäudes, wo der Prälat den König in das rituelle Becken mit gesegnetem Wasser tauchte, damit er das liturgische Bad empfangen konnte. Anschließend wurde er getrocknet und ihm wurde eine weiße Tunika übergezogen. Später betraten der Bischof, der König und ihre Ministranten das Obergeschoss.

Hier angekommen wurde der König gesalbt, ihm wurde ein Umhang angelegt und ihm wurde das Labarum, die Hauptheeresfahne verliehen, die er im Kampf zur Schau stellen musste und die das Symbol für den Vorsitz über die Armeen war. Anschließend segnete der Bischof die edlen Ritter vom Obergeschoss aus. Alle diese Zeremonien wurden vor den Augen der Armee durchgeführt. Schließlich ging der König von einem Aussichtspunkt zum anderen, um den Beifall des Volkes entgegenzunehmen.

Bewertung

Was die Chronisten viele Jahrhunderte lang an Santa Maria de Naranco bewunderten, waren die Proportionen und schlanken Formen, die reiche und vielfältige Verzierung und die Einführung von länglichen Tonnengewölben dank der Querbögen, die eine Stützung ermöglichten und Holzdecken überflüssig machten. Santa María del Naranco ist ein prächtiges, in seiner Zeit und seinem Stil einzigartiges Gebäude, das vielen Elementen der romanischen Architektur mehrere Jahrhunderte voraus war.

Man kann es aber auch viel poetischer ausdrücken:

Nooteboom schreibt dazu, das Bauwerk ist aus Stein aber doch Licht und Luft durchflutet und diese Atmosphäre mache ihn meditativ aber auch ausgelassen, froh und erfreut über Dinge, die erhalten blieben.

Welch schöne Beschreibung eines Bauwerkes abseits der eher fachlichen Darstellung, aber gut nachvollziehbar, allein wenn man die Fotos betrachtet!

San Miguel de Lillo

San Miguel de Lillo, nur wenige Gehminuten von Santa Maria del Naranco entfernt, wurde ebenfalls von Ramiro I. erbaut. Es ist eines der bemerkenswertesten Gebäude der asturischen vorromanischen Architektur in ihrer als Ramirense bekannten Phase (Mitte des 9. Jahrhunderts). Es handelte sich um die Kirche des Palatin-Komplexes, den Ramiro I. auf dem Berg Naranco errichten ließ. War das heutige Gebäude von Santa María del Naranco der Palast selbst (später als Kirche geweiht), war San Miguel de Lillo die Palatinkapelle.

Von Alonso de Mendoza - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75465575

Architektur

Was wir heute sehen, ist ein kleiner Teil des ursprünglichen Gebäudes, da ein Großteil davon Jahrhunderte später einstürzte. Allerdings kennen wir seine ursprüngliche Form.

Ursprünglich handelte es sich um ein außergewöhnlich langgestrecktes und hohes, vollständig gewölbtes Gebäude mit drei Schiffen, das in einer dreifachen Apsis mit einer durchgehenden geraden Wand an der Spitze endete. Zwei Kapellen ragten aus dem Umfangsrechteck der Kirche hervor, als ob sie ein nicht existierendes Querschiff repräsentierten. Es gab einen westlichen Vorbau mit einem hohen Obergeschoss, das als königliche Tribüne diente, damit der Monarch an der Feier der Messen teilnehmen konnte.

Der Wunsch des Architekten nach Vertikalität, die neuartigen Lösungen gegenüberliegender Gewölbe und wahrscheinlich die Verschiebung des Bodens führten dazu, dass mehrere Teile der Kirche eingestürzten. Derzeit sind nur noch das Westmassiv und der erste Abschnitt der Kirche übrig. Der Rest ist das Ergebnis einer romanischen Umgestaltung.

Chroniken des 9. Jahrhunderts betonten die Schönheit und Vollkommenheit der Kirche, der keine andere in ganz Spanien gleichkäme. Als architektonische Neuheit erwähnten sie, dass anstelle von Pfeilern Säulen verwendet wurden und dass die Räume keine Holzdecken besaßen, sondern eingewölbt waren und zwar mit Stein und nicht mit Ziegeln.

https://www.arteguias.com/iglesia/sanmiguellillo.htm

Fenster und Portal

Auffällig sind die zahlreichen Fensteröffnungen, von denen noch vier originale Transennen (ornamental durchbrochene Steinplatten) erhalten sind.

Sehr elegant sind die Fenster mit Stein- oder Stuckgittern, die Doppel- oder Dreifachbögen kombinieren, auf Säulen mit betonter Entasis oder zentraler Verdickung der tonnenförmigen Schäfte, korinthischen Kapitellen, die eine Struktur aus sicherlich spektakulären geometrischen Netzwerken tragen. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein 1,80 Meter hohes und 90 Zentimeter breites Rundbogenfenster, dessen Füllung monolithisch aus Kalkstein gearbeitet ist.

Die skulpierten Kapitelle und Pfeiler greifen als Vorbild auf spätantike und frühbyzantinische Elfenbeinschnitzereien zurück. 

Die beiden 1,80 Meter hohen Reliefplatten aus Kalkstein an den Portallaibungen des Eingangs stammen aus der Entstehungszeit der Kirche. Sie sind in drei Felder eingeteilt und von einem Rahmen aus Tauband und Blütenblättern umgeben. Die obere und untere Szene stellt einen sitzenden römischen Konsul dar, der von zwei Hofbeamten begleitet wird. Er hält in der linken Hand ein Zepter und in der rechten Hand eine mappa, ein Tuch, das zum Zeichen der Eröffnung der Zirkusspiele in die Arena geworfen wurde. Die mittlere Szene zeigt einen Akrobaten, der mit den Händen auf einem Stab balanciert, einen Löwen und einen Mann mit einer Peitsche. 

Für Bango Torviso wurde diese Darstellung im Zusammenhang mit römischen und byzantinischen kaiserlichen Bräuchen geschaffen, um dem asturischen Monarchen Prestige zu verleihen und dem jungen asturischen Königreich maximale Legitimität in seinem Wunsch zu verleihen, das verlorene Territorium des alten westgotischen Königreichs  zurückzuerobern

https://www.arteguias.com/iglesia/sanmiguellillo.htm
Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16775828
CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=135771
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Die Küste der Dinosaurier – von Ribadesella bis Gijon

Die Küste der Dinosaurier - von Ribadesella bis Gijon

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vor mehr als 150 Millionen Jahren, in der Jurazeit, bevölkerten die Dinosaurier die Erde. Es dauerte noch 63 Millionen Jahre, bis der Mensch auf der Erde erschien! Vom Durchzug dieser Kreaturen durch die asturischen Gebiete gibt es auch heute noch zahlreiche Spuren an der Ostküste.

Als Küste der Dinosaurier wird die nordspanische Atlantikküste zwischen Gijon und Ribadesella im Osten von Asturien bezeichnet. Entlang an einem etwa 65 km langen Küstenstreifen sind zwischen herrlichen weiten Sandstränden und Steilküste unzählige Spuren von Sauriern im Gestein verborgen. Die Küste der Dinosaurier ist charakterisiert durch eindrucksvolle Knochenfunde und versteinerte Spuren aus der Zeit der Dinosaurier vor 150 bis 200 Millionen Jahren. Der gute Zustand, die breite morphologische Vielfalt und die hohe Anzahl erhaltener Spuren tragen mit dazu bei, dass die asturischen Ichnitenfunde (versteinerte Fußabdrücke) zu den wichtigsten europäischen Fundstätten dieser Art gehören. Ein hervorragendes Dinosaurier-Museum befindet sich in der Nähe von Lastres, nicht weit von der Playa La Griega (Colunga).

Sauropode des Oberjura Von Creator:Dmitry Bogdanov - dmitrchel@mail.ru, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4012480

Die Abdrücke der Dinosaurier

Wenn sich die Dinosaurier über den Schlamm oder Sand der Gegend bewegten, hinterließen sie Fußabdrücke, die auch als Ichniten bekannt sind. Die Sedimentationsbedingungen sind sehr günstig für die Erhaltung von Fußabdrücken und Knochen von Dinosauriern und anderen Reptilien der damaligen Zeit, wie Plesiosauriern, Pterosauriern, Ichthyosauriern und Krokodilen. Als sich die Ichniten bildeten, war der Boden weich.  Aufgrund der Sedimentbedingungen mit den entsprechenden Flut-, Delta- und Seekonditionen wurden sie zu hartem Fels und sind bis heute fast intakt erhalten geblieben.

https://www.turismoasturias.es/de/descubre/naturaleza/espacios-protegidos/monumento-natural-de-los-yacimientos-de-icnitas

Die Ichniten der asturischen Küste weisen eine Reihe von Merkmalen auf, die sie zu einem einzigartigen Beispiel machen, wenn es darum geht, das Leben einer Gemeinschaft von erstaunlichen Lebewesen zu rekonstruieren. Sie sind ein Beweis für den Reichtum und die Vielfalt der Dinosaurier, die Asturien während der Jurazeit bewohnten. Aus ihrer Untersuchung geht hervor, dass sowohl zweibeinige Dinosaurier (Tropopoden und Ornithopoden) als auch Vierbeiner (vor allem Sauropoden) in diesem Gebiet lebten. Nach der Größe dieser Fußabdrücke zu urteilen, gab es in Asturien Dinosaurier von sehr unterschiedlicher Größe: von sehr klein, etwa so groß wie ein Vogel, bis hin zu riesig, wie im Fall der Brachiosauriden. Die Ichniten vom Strand von La Griega sind die größten in Spanien und gehören zu den größten der Welt. Der größte Abtritt misst hier 1,20 Meter im Durchmesser und ist damit der zweitgrößte, der weltweit jemals gefunden wurde. Unten sind die Dinosaurier dargestellt, deren Fußabdrücke man an der asturischen Küste gefunden hat.

Kurz Erläuterung:

Tropoden sind eine systematische Gruppe, die traditionell den Echsenbeckensaurier (Saurischia) zugeordnet wird. Die fossilen Vertreter bewegten sich zweibeinig und waren zum größten Teil Fleischfresser. Kladistisch gesehen umfassen die Theropoden auch die Vögel, die im Jura nachweislich aus nicht flugfähigen Theropoden hervorgingen.

Die Ornithopoden sind eine Unterordnung der Dinosaurier innerhalb der Vogelbeckensaurier. Ihre Angehörigen waren fast ausschließlich zweibeinige.

Die Sauropoden sind eine Gruppe von Echsenbeckensauriern und waren eine  der artenreichsten und am weitesten verbreiteten Gruppen vierfüßigen pflanzenfressender Dinosaurier. Sie gehören zu den in der Populärkultur am häufigsten dargestellten Dinosauriern und treten in vielen Dokumentar- und Spielfilmen auf. 

 

https://www.ferienwohnungen-spanien.de/Colunga/artikel/costa-de-los-dinosaurios-die-kuste-der-dinosaurier-asturien Dinosaurier an der spanischen Nordküste

Route der Fundstätten

Es gibt eine überraschende Route zur Entdeckung der Fundstätten, der man durch drei Gemeinden folgen kann.

In Villaviciosa sollte man den Strand von Merón, die Steilküste von Oles und den Leuchtturm und Hafen von Tazones besuchen;

in Colunga die Steilküste von Llastres und den Strand von La Griega;  

in Ribadesella den Strand von Vega, die Steilküste von Tereñes und den Strand von Ribadesella/Ribeseya.

Zum Einstieg in die Zeiten von Tyrannosaurus und Co. empfiehlt sich Ribadesella. Das asturische Örtchen verfügt über einen lang gezogenen Sandstrand, die Playa de Santa Marina. Östlich davon wechselt der Untergrund von sandig auf felsig. Graublaue und lehmiggrüne Felswände bauen sich auf. Dann plötzlich, in etwa sieben Meter Höhe, sind deutlich zentimetertiefe Fußspuren zu erkennen, klobige, rundliche Dinofußspuren.

Aber warum auf einer schrägen, beinahe senkrechten Felswand? Die asturischen Dinosaurier konnten natürlich weder die Schwerkraft aushebeln, noch hatten sie Saugnäpfe unter den Sohlen. Die Antwort: Durch Gesteinsverschiebungen im Lauf der Erdgeschichte wurden die einstigen Trampelpfade der mitunter gewaltigen Landwirbeltiere in die Vertikale befördert

Kurz hinter Ribadesella erreicht man auf asphaltierter Straße den Weiler Tereñes. Ein Hinweisschild “Rastros de dinosaurios” weist Richtung Meer.

Auf einem Trampelpfad geht es etwa 500 Meter in Richtung Küste. Das schroffe Ufer, genannt Acantilados de Tereñes, steht bei Flut unter Wasser. Hier hat ein Urzeitlebewesen eine rund 15 Meter lange, inzwischen versteinerte Spur hinterlassen. 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

In Colunga, einer typischen asturischen Provinzstadt mit altem Ortskern, folgt man den Hinweisschildern zum Playa de la Griega. Nach etwa einem Kilometer ist auf einer Anhöhe bereits das Museum zu erkennen. Doch statt nach links dorthin abzubiegen, nehmen Dino-Wanderer zunächst den kleinen Weg Richtung Playa de la Griega.

Der Playa de la Griega ist nicht nur wegen seiner idyllischen Lage eine echte Attraktion. Unweit des Sandstrands fanden Forscher vor wenigen Jahren im grauen Fels ein paar der größten Dinosaurierfußspuren, die jemals vermessen wurden.

In Villaviciosa ist der Strand von Meron von Interesse. Die Merón-Dinosaurier-Fußabdruckstätte befindet sich auf der westlichen Seite des Strandes. 

 

http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html
http://www.museojurasicoasturias.com/es/9/la-costa-de-los-dinosaurios/12/la-costa-de-los-dinosaurios/12/acantilados-de-llastres.html

Museo del Jurásico de Asturias

Vom Playa de la Griega sind es schließlich noch knapp über zwei Kilometer, bis das Asturische Jura-Museum – natürlich in Form eines Dino-Fußabtritts errichtet – erreicht ist. Über 8000 Fossilien aus dem Trias, dem Jura und der Kreidezeit sind hier zu bestaunen, außerdem ragen gigantische Sauriermodelle bis zur Decke hoch.

 

Der größte Saurier Europas

Übrigens wurde der bislang größte Saurier Europas (30 m lang und 48 Tonnen schwer) ebenso in Spanien gefunden, allerdings nicht in Asturien, sondern in der Provinz La Rioja, weiter östlich. Der 150 Millionen Jahre alte Sauropode (Turiasaurus riodevensi) wurde 2006 von spanischen Paläontologen entdeckt. Es wurden riesige Knochenreste ausgegraben, sein Oberschenkel allein war so groß wie ein Mensch.

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Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Aragonés

Der Olivenbaum (Olea europaea), von lateinisch oliva, auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. An ihm wächst als Frucht die einsamige Steinfrucht, die Olive. Olivenbäume wachsen sehr schnell und tragen nach 5 -10 Jahren die ersten Früchte. Bei sorgfältiger Pflege werden Olivenbäume einige hundert Jahre alt und in Einzelfällen bis zu 20 Meter hoch. Im Schnitt bringt ein Olivenbaum pro Jahr etwa 20 Kilogramm Oliven ein. Das entspricht ungefähr drei bis vier Litern Olivenöl.

Die Olive ist somit eine mediterrane Steinfrucht, die allerdings wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar ist, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Obwohl schon mehrmals versucht wurde, mechanisierte Erntemethoden zu entwickeln, werden die Oliven für die besten Öle immer noch von Hand gepflückt. Meistens werden sie mit einem Stock vom Baum abgeschlagen und fallen auf ein Netz, das auf dem Boden liegt

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seiner engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. 

Das Olivenöl wird im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen also nicht aus Samen sondern aus der Frucht, der Olive, gewonnen. Das deutsche Wort Öl stammt von dem Lateinischen Oleus. Olivenöl ist auch als „flüssiges Gold» bekannt, seit Homer es vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal so nannte.

Das Öl verändert sich je nach Reifegrad der Oliven. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember geerntete Oliven ergeben ein kräftigeres, fruchtigeres, leicht grünliches Öl. Später geerntete Oliven ergeben mildere Öle. Im Allgemeinen werden die besten Öle aus Oliven hergestellt, die zwischen ein und zwei Dritteln schwarz sind, also früh geerntet wurden, zwischen Mitte November und Anfang Dezember.

Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa 1,36 Mio. Tonnen (2020) jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit. Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Kastilien-La Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

Von Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.di

Geschichte des Olivenöls

Man geht auf Grund von Funden davon aus, das Olivenöl seit mindestens 8000 Jahren, ausgehend vom östlichen Mittelmeerraum, hergestellt wird. Im Alten Griechenland erlangten dann die Olive und das Olivenöl die Bedeutung, die sie heute haben. 

Seine damalige Bedeutung zeigt sich schon darin, dass bei den Olympischen Spielen den Athleten Kronen aus Olivenzweigen überreicht wurden. Auch auf religiöser Ebene sind der Olivenbaum und das Öl in die Volkskultur integriert worden. Nach der griechischen Mythologie ist Aristaios, der Sohn des Gottes Apoll und der Nymphe Kyrene, ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Angeblich wurde er damit beauftragt, die Olive auf dem Balkan, in der Ägäis und anschließend auf Sardinien und Sizilien zu verbreiten.

 Es waren wohl die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten. Die Römer spielten dann eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von dem, was wir heute als Olivenöl verstehen, denn sie verbesserten sowohl die Anbautechniken als auch die Lagerung des Olivenöls. Die Römer gehörten zu den größten Konsumenten von Oliven und Olivenölen aus Hispania, insbesondere aus Baetica (dem heutigen Andalusien). Das Öl aus Hispania war aufgrund seiner hervorragenden Qualität das am höchsten geschätzte Öl im gesamten Römischen Reich. Schätzungen zufolge exportierte Hispania während dieser Epoche über 30 Millionen Amphoren mit Olivenöl, und in regelmäßigen Abständen wurden Tausende von ihnen in die Hauptstadt des Römischen Reichs transportiert.

Nachdem das Römische Reich seinen Fußabdruck in der spanischen Olivenöl- Produktion hinterlassen hatte und für einen hervorragenden Ruf des grünen Goldes gesorgt hatte, wurde der Anbau und die Produktion durch die Araber noch einmal verfeinert. Der arabische Einfluss in der spanischen Olivenöl-Welt kann man auch aus dem Namen ablesen. Nicht der lateinische Name wurde übernommen, sondern das spanische Wort „aceite“ (Öl) wurde aus dem arabischen „az-zait“ abgeleitet und das Wort „aceituna“ (Olive) kommt vom arabischen „zei´tuna“.

Wir wissen, dass das Olivenöl schon im Mittelalter nicht nur als Nahrungsmittel genutzt wurde, sondern für verschiedene andere Zwecke, so zum Beispiel für die Herstellung von Seifen, für bestimmte Schönheitsbehandlungen oder auch für die Beleuchtung von Häusern. Aber immer stand seine Nutzung als Nahrungsmittel im Vordergrund. 

Später, im 19. Jahrhundert erlebte der Anbau von Oliven in Spanien, dank des Baus des Schienennetzes, einen großen Aufschwung. So wurde Spanien zum weltweit größten Olivenanbaugebiet. Im 20. Jahrhundert kam es in Spanien zu einer technologischen Revolution, die es ermöglichte, exzellente Öle herzustellen, die jedes Jahr mit den weltweit bedeutendsten Preisen ausgezeichnet werden. Spanien steht heutzutage an der internationalen Spitze der größten Produktion und besten Qualität von Olivenölen.

Ökonomische Bedeutung und Probleme

 Größte Olivenölproduzenten (2020)

Rang     Land                         Menge (in t)

  1. Spanien                       1.356.411
  2. Tunesien                        373.100
  3. Italien                             330.879
  4. Griechenland               308.000 
  5. Türkei                             240.100 
  6. Marokko                        164.600 
  7. Syrien                             138.217 
  8. Algerien                         113.600 
  9. Portugal                         107.000 
  10. Ägypten                          36.000

Summe Top Ten                    3.167.907

 Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 führte Spanien innerhalb der EU über 640.000 t aus, davon ging mehr als die Hälfte nach Italien, 21,3 % nach Portugal, 14,7 % nach Frankreich und 3,7 % nach Deutschland. Italien führte hingegen 124.500 t aus, davon aber 35,4 % nach Deutschland (!), 27,5 % nach Frankreich, 8,9 % nach Spanien. 

Allerdings ist zu beachten, italienische Firmen kaufen nach Pressemitteilungen in der Mittelmeerregion Olivenöl auf, füllen es ab, und vertreiben es weltweit. So wird griechisches Olivenöl aufgekauft, um es in Deutschland als „italienisches“ zu verkaufen, da die Konsumenten bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Bei der Abfüllung in Italien wird häufig griechisches Olivenöl guter Qualität nicht mit weniger gutem Olivenöl gemischt und in Deutschland verkauft.

Leider gehört der Lebensmittelbetrug bei Olivenöl in der EU zur gängigen Praxis, dem man versucht mit Stichprobenkontrollen zu begegnen. Der Betrug besteht in der Regel darin, dass minderwertiges Olivenöl als hochwertiges verkauft wird. Wichtig ist zu kontrollieren, ob eine Regionsbezeichnung angeben ist. Die genaue Ursprungsbezeichnung ist oft nur im Kleingedruckten des Etiketts zu lesen. Es sollte die geschützte geografische Angabe darauf stehen. Das heißt, eine der drei Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss in dem bezeichneten Gebiet erfolgen und im Ruf besonderer Qualität stehen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung bedeutet: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt sein.

Und natürlich spielt der Preis eine Rolle. Gutes Olivenöl und preiswert das geht nicht zusammen!

Sorten und Qualität von Olivenöl

 Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch MarteñaLopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus.    Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Malaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extrematura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Qualität

 Qualitätsbeeinflussende Faktoren:

 Die geschmackliche Qualität ergibt sich aus

  • der Olivensorte
  • dem Zustand der Oliven wie Reife oder Wasserversorgung beim Wuchs
  • dem Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchten
  • der Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespänen
  • der Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
  • der Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere bei Rückständen von älteren Chargen
  • der Sauerstoff-Exposition während der Verarbeitung
  • der Weiterbehandlung nach der Pressung
Von Klejdi Shtrepi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73107730

Folgende Güteklassen für Olivenöl gibt es:

 Auf den Tisch kommen normalerweise nur Öle der Kategorien (s. unten) eins, zwei und fünf (dieses in Deutschland nicht erhältlich). Dieses Öl wird entweder durch mechanisches Pressen oder nach dem Zentrifugier-Verfahren gewonnen. Diese drei Öltypen sind immer kaltgepresst und ohne übermäßige Temperatureinwirkung hergestellt.

Kategorie

Produktbezeichnungen

Herstellungsverfahren

Eigenschaften, Qualität und Verwendung

1

natives Olivenöl Extra

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 0,8 %, ohne sensorische Fehler, für den Verzehr geeignet.

2

natives Olivenöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 2 %, leichte Fehler, für den Verzehr geeignet

3

Lampantöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt > 2 %, deutlich fehlerhaft
darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss raffiniert werden

4

raffiniertes Olivenöl

 

Säuregehalt ≤ 0,3 %, typische Geschmacks- und Geruchsanteile des Olivenöls fehlen; darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Olivenöl“ (Kategorie 5) verarbeitet werden.

5

Olivenöl

Mischungen aus raffiniertem Olivenöl (Kategorie 4) mit nativem Olivenöl der Kategorien 1 oder 2

Säuregehalt ≤ 1 %, Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

6

rohes Oliventresteröl

Aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung/Extraktion der Oliven übrig bleibt, wird mit Hilfe von Lösungsmitteln (Hexan) das nach der ersten Pressung noch verbleibende Öl extrahiert.

Das Öl ist zum Verzehr nicht geeignet und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Raffiniertem Oliventresteröl“ (Kategorie 7) verarbeitet werden.

7

raffiniertes Oliventresteröl

aus rohem Oliventresteröl durch Raffination hergestellt

Säuregehalt ≤ 0,3 %, das Öl ist ohne Geschmack und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Oliventresteröl “ (Kategorie 8) verarbeitet werden.

8

Oliventresteröl

raffiniertes Oliventresteröl (Kategorie 7), das mit nativem Öl (Kategorie 1 oder 2) gemischt wird

Säuregehalt ≤ 1 %, zum Verzehr geeignet. Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

Ökologische Bedeutung der Olivenproduktion

Die Art der Olivenölproduktion wirkt sich auf den ökologischen Wert und den Landschaftsschutz in einer so hoch entwickelten Kulturlandschaft, wie sie der Mittelmeerraum darstellt, überaus stark aus. Die Bäume wachsen oftmals auf steinigen, steilen und im Sommer heißen und trockenen Hängen bis ca. 500 m über dem Meeresspiegel. Sie benötigen wenig Wasser und Düngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorität, Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Diese sind allerdings viel stärker brandgefährdet.

Allerdings hat die ökologische Bedeutung bei der Produktion der Oliven in Spanien keinen so großen Stellenwert, da sie meist in großen Plantagen angebaut werden. Das liegt leider auch an einer falschen EU Politik. Die EU-Subventionen erfolgen kontraproduktiv nur durch Zahlungen pro Hektar Land oder pro Liter produzierten Öls statt pro Olivenbaum. Damit werden große Produktionsmengen und hohe Gewinne auf Großplantagen und intensive Monokulturen gefördert und zahlreiche kleinbäuerliche und umweltgerechte Produktionsstätten ruiniert. Darüber hinaus werden dadurch großflächige Bewässerungsprojekte notwendig, was in Gebieten mit geringen Wasserreservoirs Engpässe auslöst und den Grundwasserspiegel absenkt. Auch droht die Ausrichtung auf Mengenproduktion weniger ergiebige Sorten zu verdrängen, was sich wiederum zu Lasten der Vielfalt, aber auch der Resistenz gegen Krankheiten und klimatische Veränderungen auswirkt.

So gab es in Spanien 2023 wegen der großen Dürre auch bei den Olivenproduktion Probleme. Die anhaltende Trockenheit ist das Hauptproblem. Nur etwa ein Viertel der spanischen Olivenhaine werden bewässert. Der Rest ist auf Regen angewiesen. Wenn es nicht regnet, sterben die Bäume nicht ab, aber sie passen sich an und tragen weniger Früchte. Eine einfache stärkere Bewässerung ist aber aus ökologischen aber auch aus Kostengründen nicht sinnvoll. Aber es gibt erste Alternativen.

So versuchen es einige Bauern über die Tröpfchenbewässerung. Es entsteht dabei ein runder, feuchter Fleck um den Baum herum. Aber durch Hitze und Wind verdunstet davon auch wieder ein Teil. Der neue Weg besteht darin, die Tröpfchenbewässerung unter die Erde zu legen, um so noch sparsamer mit dem Wasser umzugehen. Diese Form der Bewässerung ist aber nur bei Olivenplantagen sinnvoll. Die Bauern aber, die noch alte Olivenhaine besitzen, sind dann wieder wie oben gesehen benachteiligt.  Vielleicht ändert sich dies noch, denn Trockenheit und Dürre sind ein Problem, das nach Aussagen der Wissenschaften im Rahmen der Klimakrise in den nächsten Jahren noch zunimmt.

Momentan ist es aber auf jeden Fall so, dass auf Grund der oben genannten Problematik, wie bereits auch für Italien angekündigt, der Preis für hochwertiges Olivenöl 2024 stark steigen wird. In den spanischen Supermärkten ist 2023 ein Liter gutes Olivenöl kaumunter 10 Euro zu bekommen. So hat sich das Öl seit März 2012 um 136,6% verteuert! Zwei schlechte Ernten hintereinander haben das bewirkt. Aber seien wir ehrlich, ein Hauptgrund für die Preissteigerung ist sicher die Problematik von Wassermangel, Dürre und Hitze, aber Spekulation und Profitdenken spielen bestimmt auch eine Rolle. In der Produktions- und Vertriebskette versuchen offenbar viele Beteiligte, Profit aus der Situation zu schlagen

Von G.steph.rocket - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46572374

Die mediterrane Küche und der Gesundheitsaspekt

Die Beobachtungsstudie SUN ‘Seguimiento Universidad de Navarra’, die die mediterrane Ernährung analysiert, bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der mediterranen Küche und einer guten mentalen und emotionalen Gesundheit gibt. Die Mittelmeer-Diät, die auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländeer wie Spanien basiert, ist reich an Gemüse, Wein, Früchten, Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze bilden zusätzlich die Grundlage der Ernährung. Olivenöl spielt in der Ernährung eine ganz besondere Rolle. Denn es ist die Hauptfettquelle, im Gegensatz zu anderen Ernährungsformen, bei denen gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs überwiegen.

Warum ist Olivenöl so wichtig für die mediterrane Ernährung?

Olivenöl hat zahlreiche gesundheitliche Eigenschaften. Dank seiner Lipidzusammensetzung und seines Gehalts an Antioxidantien wirkt es sich unter anderem positiv auf die Vorbeugung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen aus und ist dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hilfreich für die Gesundheit des Darms und des Immunsystems. 

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Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

Jakobsweg meets avantgardistische Architektur

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino frances

In diesem Kapitel möchte ich Euch einige Beispiele der avantgardistischen Architektur u.a. entlang der Jakobswege vorstellen. Es sind zum Teil visionäre Bauwerke, die aber leider nicht immer den Erfolg gebracht haben, den man sich von ihnen erwartete. Unten erfolgt eine kurze Darstellung der baulichen Struktur. (Die Texte zu den Bauten entnehme ich z.T. dem Aufsatz „Arquitectura-contemp“). Neben der Faszination der Bauten soll aber auch kurz auf einige Probleme und nicht erfüllte Hoffnungen eingegangen werden.

Bilbao:                                             Guggenheim-Museum

                                                           Arena Bilbao

Oviedo:                                            Kongresspalast

San Sebastian:                                Kongresszentrum

Santander:                                       Centro Botin

Avilé:                                                  Niemeyer-Zentrum

Santiago de Compostela:             Cidade da Cultura de Galicia 

Leon                                                   Museum Musac

Burgos                                                Museum der Evolutionsgeschichte der Menschen

Sevilla                                                 Caixaforum

                                                              Metropol Parasol

Guggenheim-Museum

Bilbao – GUGGENHEIM-MUSEUM

Wie ein vor Anker gegangener Ozeandampfer aus Titan liegt dieses Museum an der Ría von Bilbao und versetzt Sie in Staunen, wenn Sie es von einem der großartigen Boulevards aus sehen, die zur Brücke La Salve führen. Dank der komplexen Formgebung des kanadischen Architekten Frank Gehry sind alle Seitenansichten des Museums vollkommen unterschiedlich. Das Gebäude wurde 1997 fertiggestellt und ist für seinen dekonstruktivistischen Baustil berühmt. Das Gebäude wurde als „Signalmoment in der Architekturkultur“ gefeiert, weil es „einen dieser seltenen Momente darstellt, in denen sich Kritiker, Akademiker und die breite Öffentlichkeit über etwas völlig einig waren“. Eine skulpturale Struktur, die sich perfekt in das Stadtbild von Bilbao und die Umgebung einfügt und zu einem unbestreitbaren Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Einmal drinnen, entdecken Sie ein weltweit einzigartiges Museum. Um das zentrale Atrium sind die drei Ebenen angeordnet, in die das Guggenheim unterteilt ist. Titan, Glas und Kalkstein sind in Gehrys Händen eine willkommene Möglichkeit, die verschiedenen Räume mit geschwungenen Gängen, Aufzügen und Treppentürmen zu verbinden.

Bilbao Arena

Bilbao – ARENA

Schauen Sie sich dieses moderne Symbol der bioklimatischen Architektur an und entdecken Sie, wie es sich in die Umgebung einfügt. Das verwendete Baumaterial wird der Natur gerecht, in die es eingebettet ist. Der Stein spiegelt das Felsgestein wider, das hier ehemals im Bergbau gefördert wurde, und die Stützen, auf denen das gesamte Gebäude mit dem Grün seiner Fassade ruht, stehen für den großen Baumbestand des Miribilla-Viertels. Das Gebäude ist ein Sportzentrum, Basketballstadion und Konferenzzentrum und wurde von den Architekten Javier Pérez Uribarri und Nicolás Espinsa Barrientos entworfen. Sie und ihr Team haben verschiedene Systeme kombiniert wie die Kraft-Wärme-Kopplung, die Wiederverwendung von Regenwasser, ökologische Dächer oder eine innovative recycelbare Außenwand, um einen Meilenstein in der nachhaltigen Baugestaltung zu setzen

Oviedo Kongresszentrum

Oviedo  – KONGRESSPALAST

Santiago Calatrava, einer der international aktivsten Architekten Spaniens, der für seine durchgehend originellen und überraschenden Entwürfe bekannt ist, ist der Architekt dieses beeindruckenden Gebäudes. Besuchen Sie dieses Bauwerk, das in Oviedo als „die Meeresspinne“ bezeichnet wird, weil es eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Krebstier besitzt, und lassen Sie sich von seinen weißen und organischen Formen mitreißen. Das Gebäude ist eine einzigartige Skulptur, die sich auf einem großen Platz befindet. Dieser liegt inmitten einer Gartenanlage, die sich ideal zum Spazierengehen eignet und je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Ansichten des Bauwerks bietet. Die elliptische Form dieses mit einem Glas- und Stahldach versehenen Gebäudes wurde gewählt, um eine bessere Akustik und eine maximale Klangqualität während der Konzerte zu erzielen, die im großen Konzertsaal veranstaltet werden, diesem Raum, der für das Verständnis der Größe dieses Projekts unerlässlich ist.

San Sebastian Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7027766

San Sebastian – KONGRESSZENTRUM

Zwischen der Mündung des Urumea Flusses in die Biskaya, dem Strand von Zurriola und dem Stadtteil Gros erheben sich diese beiden Kuben aus lichtdurchlässigem Glas, die mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis für zeitgenössische Architektur ausgezeichnet wurden. Diese „beiden gestrandeten Felsen“, wie sie von ihrem Schöpfer, dem Pritzker-Preisträger für Architektur Rafael Moneo, bezeichnet wurden, sind zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Sowohl tagsüber als auch nachts, wenn sie wunderschön erleuchten, haben sie das Stadtbild von San Sebastian verändert. In ihnen finden das berühmte Filmfestival, internationale Kongresse und alle Arten von kulturellen Aktivitäten statt. Bestaunen Sie die Leistungen von Moneo. Ihm ist es gelungen, das Natürliche und das Künstliche harmonisch in Einklang zu bringen, einen großen Konzertsaal und Mehrzwecksäle von außerordentlicher Funktionalität zu schaffen, und eine behagliche Atmosphäre im Inneren zu erzeugen.

Von Angel de los Rios from Valladolid, Spain - Centro Botín, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65354598

Santander – CENTRO BOTIN

Es gibt Gebäude wie dieses Zentrum für zeitgenössische Kunst, die in der Luft zu schweben scheinen, so, als würden sie jeden Moment davonfliegen. Die Vermittlung dieses Eindrucks ist Renzo Piano hier gelungen. In Zusammenarbeit mit dem spanischen Büro Luis Vidal + Architects hat Piano in diesem Projekt eine erstaunliche Leichtigkeit erreicht. Dieser über dem Meer vorspringende Bau befindet sich in einer privilegierten Lage in Santander und wird von Pfeilern und Säulen in der Höhe der Kronen der Bäume der Pereda-Gärten getragen.

Die Fassade ist mit rund 280.000 hellen, halbrunden Keramikkacheln bedeckt, die das Tageslicht schillernd zurückwerfen. Jeder Gebäudeteil verfügt an den Stirnflächen zum Wasser sowie zur Landseite über große Glasflächen, die viel Licht nach innen hereinlassen und von außen die Leichtigkeit der Konstruktion betonen.

Dies sind die großen architektonischen Leistungen, die Sie bei einem Spaziergang in der Gegend bewundern können: die vollständige Integration in die Landschaft und die Verbindung des Stadtzentrums mit den historischen Gärten und dem Golf von Biskaya.

By SurfAst - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14935056 Centro Niemeyer

Avilé – NIEMEYER-ZENTRUM

Auf einem leeren Blatt Papier begann der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer Kurven zu zeichnen, um Asturien, wo er 1989 mit dem renommierten Prinz-von-Asturien-Preis für Kunst ausgezeichnet wurde, ein wundervolles Geschenk zu machen.

Es war eines der letzten Werke des greisen Architekten und sein größtes Projekt in Europa überhaupt. So genial und mutig wie der brasilianische Altmeister der modernen Baukunst muss man schon sein, um einem derart abweisenden Umfeld Paroli zu bieten. Dabei ist seine Handschrift unverkennbar: Bögen und Kurven, Spiralen, Wellen und kühne Schwünge bestimmen das Ensemble, das vier Gebäude umfasst: eine kuppelförmige Ausstellungshalle, einen gläsernen Turm mit Restaurant, eine langgestreckte Mehrzweckhalle und als Krönung ein Auditorium mit schwungvoll skizzierten Konturen. Fast alle Fassaden hat der Architekt in Weiß gehalten, nur das Auditorium hebt sich mit optimistischen gelben und roten Tupfern ab.

Zum Glück hat Oscar Niemeyer sein Projekt nicht als isolierte kulturelle Insel installiert, sondern zugleich eine Brücke geschlagen ins Zentrum der Stadt auf der anderen Seite des Flusses – mit einer Fußgängerbrücke, die sein Bauwerk mit der historischen Altstadt von Avilés verbindet. 

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19973697 Santiago de Compostela Kulturzentrum

Santiago de Compostela – CIDADE DA CULTURA DE GALICIA (Galicische Zentrum für zeitgenössische Kunst) 

1999 veranstaltete das Parlament von Galacia einen internationalen Architekturwettbewerb, der von dem amerikanischen Architekten Peter Eismann gewonnen wurde. Sein Entwurf knüpfte an die Form der Jakobsmuschel der Santiago-Pilger an und soll sanfte Hügel darstellen. Es befindet sich auf einem windgepeitschten Hügel außerhalb von Santiago de Compostella und besteht aus einer äußerst komplizierten Reihe von Gebäuden. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Der Eisenmann Entwurf wurde aber  aus Kostengründen nur teilweise realisiert.

By Ion Jaureguialzo Sarasola from Vitoria-Gasteiz, España - MUSAC, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17695180 Leon Mueseum Musac

Leon – MUSEUM MUSAC

Direkt an der Avenida de los Reyes Leoneses erwartet Sie das von Bäumen umstandene Museum für Zeitgenössische Kunst von Kastilien-León (MUSAC) mit seiner originellen Fassade aus bunten Fenstern. Diese Originalität war auch einer der Gründe dafür, warum das Architekturbüro Mansilla + Tuñón Arquitectos den renommierten Mies van der Rohe Award 2007 erhalten hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie die Farben ausgewählt wurden: durch Digitalisierung eines Bildes einer der Glasfenster der Kathedrale von León. Als ein in seiner Gänze mit nur einem Grundriss mit Mauern aus weißem Beton errichtetes Gebäude wurde das Museum als Raum konzipiert, in dem die zeitgenössische Kunst im Mittelpunkt steht. Erkunden Sie das Innere und entdecken Sie seinen eigentümlichen Grundriss, bei dem sich die Architekten von der Geometrie einiger römischer Mosaiken haben inspirieren lassen und der eine Kombination aus quadratischen und rautenförmigen Formen aufweist.

By Jardoz - Own work,CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15795315 Burgos Museum für

Burgos – MUSEUM DER EVOLUTIONSGESCHICHTE DES MENSCHEN,

In der Provinz Burgos liegt die Sierra de Atapuerca, wo eine der wichtigsten archäologischen Stätten der Welt gefunden wurde. Das Museum der Evolutionsgeschichte des Menschen (MEH), ein Werk des spanischen Architekten, Bildhauers und Malers Juan Navarro Baldeweg, wurde in Burgos errichtet, um einige der Funde über die Herkunft des Menschen auszustellen und zu erklären. Wir empfehlen Ihnen, sich zuerst zur Fundstätte und dann zum Museum zu begeben. So erkennen Sie, wie das Äußere des Gebäudekomplexes direkt von der Landschaft des Gebirgszuges inspiriert ist, die durch die auf Terrassen verteilte, sich bis zum Fluss Arlanzón erstreckende einheimische Vegetation gekennzeichnet ist. Beim Betreten des Hauptgebäudes stellt sich bei Ihnen sogleich ein Gefühl der Weitläufigkeit ein, denn durch die Glaswände ist der Innenraum mit der Außenwelt verbunden. Sie werden überrascht sein von dem riesigen lichtdurchfluteten Raum dieses großen Lichtkastens, der durch sein Volumen und seine Helligkeit besticht.

Sevilla Caixa ForumBy Zarateman - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126293925 Sevilla Caixa

Sevilla – CAIXA-FORUM

Das erste, was die Aufmerksamkeit dieses einzigartigen Gebäudes auf sich zieht, ist sein markantes Dach aus Aluminiumschaum. Dieses Material verdeutlicht den innovativen Ansatz des Architekten Guillermo Vázquez Consuegra, der sich der Herausforderung gestellt hat, das alte Pódium Gebäude an eine neue Funktion anzupassen, die eines Museums und eines Kulturzentrums. Unweit des architektonischen Ensembles der Weltausstellung von 1992 gelegen, ist der Komplex das Ergebnis einer Kombination aus unterirdischen Ausstellungsräumen und einem offenen, öffentlichen Raum, der den Zugang zum Zentrum ermöglicht. Dank eines ausgeklügelten Lichtspiels erinnert der Innenraum an eine Kathedrale, denn das Licht, das durch die Decke dringt, ähnelt dem Licht, das in gotischen Kathedralen durch die Buntglasfenster einfällt.

Von Anual - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17308935 Setas de Sevilla

Sevilla – METROPOL PARASOL („SETAS DE SEVILLA“)

In kürzester Zeit ist dieses als größte Holzkonstruktion der Welt erachtete Bauwerk zu einem Wahrzeichen der andalusischen Hauptstadt geworden. Das von dem Deutschen Jürgen Mayer entworfene und als „Setas de Sevilla“ (Pilze von Sevilla) bezeichnete Bauwerk hat dem Plaza de la Encarnación einen neuen Anstrich gegeben und ihn in das 21. Jahrhundert geführt.

Die Konstruktion besteht aus sechs sonnenschirmartigen Strukturen mit pilzähnlicher Form, die stellenweise miteinander zu einem Sonnenschutz verbunden sind. Inspiriert wurde das Bauwerk durch die Säulen der Kathedrale von Sevilla und durch die Birkenfeigenbäume auf dem nahegelegenen Plaza del Cristo de Burgos.

Das netzartige Design und die Fähigkeit Mayers, mehrere Funktionen in eine einzige Struktur zu integrieren, werden Sie in Staunen versetzen. Zu den Parasoles bzw. den Sonnenschirmen gehören das Archäologische Museum im Untergeschoss, eine Markthalle, Restaurants, ein erhöhter Platz und ein Aussichtspunkt mit herrlichem Blick auf Sevilla.

 

Mammutprojekte und die Probleme mit dem Bilbao-Effekt

Viele Städte hatten wohl auf den sogenannten Bilbao-Effekt gehofft nach dem Motto ein berühmter Stararchitekt und ein visionäres Gebäude und schon sind die Besuchermassen da. Aber dieser Effekt tritt eben so einfach nicht ein. Im Kapitel über das Guggenheim Museum und den Bilbao-Effekt habe ich aufgezeigt, dass mehr dazu gehört, damit aus einer Konzeption auch ein Erfolg wird. Einige der oben dargestellten Projekte hatten und haben mit Problemen zu kämpfen. Denn in den 90iger und Anfang der 20iger Jahre lebte Spanien in einer Blase, die mit einem enormen Bauboom einherging. Da Geld scheinbar keine Rolle spielte, wollte jede Region in Spanien ihre eigene Version des äußerst erfolgreichen Guggenheim-Museums in Bilbao. Und die Regionen an der Nordküste waren nicht anders. Das Wallstreet Journal schlug schon 2008 vor, den Bilbao-Effekt als Bilbao-Anomalie zu bezeichnen, „denn die ikonische Chemie zwischen der Gestaltung eines Gebäudes, seinem Image und der Öffentlichkeit erweist sich als eher selten.“ 

Was bei einigen der oben aufgeführten Gebäude oft nur bleibt, sind architektonische Meisterleistungen, ohne dass sich die Hoffnung, als Magnet für Besuchermassen zu dienen, erfüllten. Was oft fehlte war ein Gesamtkonzept für die Städte. Wir als Besucher können uns natürlich trotzdem an den architektonischen Meisterwerken erfreuen.

 

Auf einige Probleme der großen Projekte möchte ich kurz eingehen.

So gab es z.B. beim Kongresspalast in Oviedo massive Probleme. Der Kongresspalast wurde 2011 eingeweiht. Während der Bauphase waren 2006 wegen eines Konzeptionsfehlers Dachteile des «Palacio de Congresos» eingestürzt. Allein dies führte damals zu Mehrkosten von 3,4 Millionen Euro. Außerdem hatte die Baufirma Jovellanos XXI auch 6,95 Millionen Euro für das von Santiago Calatrava konzipierte mobile Dach ausgegeben, das am Ende aufgrund von Problemen mit dem hydraulischen Schiebesystem unbeweglich bleiben musste. So musste der Stararchitekt Calatrava tief in die Tasche greifen: Das Oberste Gericht in Madrid hat den damals 64-Jährigen wegen Mängeln am Kongresspalast zur Zahlung eines hohen Schadenersatzes verurteilt. Der berühmte Architekt hatte wegen hoher Kostenvoranschläge und Baumängeln schon mehrfach Ärger.

Mit dem Niemeyer-Zentrum in Avilés sollte ebenfalls nach dem erfolgreichen Modell des Guggenheim Museums  auch in der sterbenden Industriestadt Avilés ein architektonischer Blickfang und kultureller Magnet geschaffen werden, mit dem man Hunderttausende von Besuchern anlocken wollte. Bei seiner Eröffnung im Frühjahr 2011 erhielt das Centro Niemeyer dann auch überschwängliches Lob von allen Seiten.

Doch dann kam alles ganz anders: Streitereien zwischen den Betreibern des Zentrums, der Stadtverwaltung und der Regionalregierung von Asturien führten schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung zum Chaos. Die Aktivitäten wurden zunächst teilweise eingestellt, der Komplex dann ganz geschlossen, anschließend vorübergehend unter anderem Namen neu eröffnet. Inzwischen funktioniert er wieder als Centro Niemeyer, allerdings auf Sparflamme. Anders als geplant haben die Ausstellungen kein internationales Niveau, Konzerte und Filme stehen nur unregelmäßig auf dem Programm, die Besichtigung der Innenräume ist auf wenige Stunden pro Woche beschränkt. Im Außenbereich zeigen sich schon erste desolate Ecken. Niemand wundert sich deswegen, dass die erwarteten Besuchermassen ausbleiben; vom „Guggenheim-Effekt“ jedenfalls ist nicht viel zu erkennen. 

Die City of Culture von Galicien bei Santiago de Compostela ist das größte und ambitionierteste Projekt von Peter Eisenman in Europa. Ende der 1990er Jahre formulierte die konservative Landesregierung Galiciens unter Präsident Manuel Fraga Iribarne (ein Veteran der Franco-Ära) ihre Vision des künftigen Santiago in Form einer lose definierten City of Culture, die auf der Kuppe des etwa drei Kilometer von Altstadthügel und Kathe­drale gelegenen Monte Gaias entstehen sollte. Anfangs umfasste das ambitionierte Programm ein Museum von Galicien, eine Bibliothek, ein Zentrum für neue Technologien, eine Konzerthalle und weitere große Gebäude. Mehr als 700.000 Quadratmeter Grund wollte man so bebauen lassen. Der Eisenman-Entwurf ist auf Grund von massiven Kostenüberschreitungen nur teilweise umgesetzt worden. Der Bau der letzten beiden geplanten Gebäude wurde 2013 endgültig gestoppt. So ist der Eisenman-Entwurf für die City of Culture kaum zur Hälfte umgesetzt. Das geplante Theater- und Kunstzentrum wurde vor einigen Jahren gestrichen und an seiner Stelle befindet sich derzeit ein neues Gebäude für die örtlichen Universitäten. Trotz der sicher interessanten Architektur finden nur wenige Besucher den Weg auf den Hügel gerade auch im Vergleich zu den Massen an Pilgern, die jedes Jahr Santiago de Compostela aufsuchen.sc

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Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vielleicht ist Euch auch schon aufgefallen, dass zahlreiche Dörfer an der Nordküste in ihrem Wappen einen Wal dargestellt haben. Die Frage ist allerdings warum? Nein, sie waren nicht ein Symbol für Größe oder Stärke (wie der Löwe z.B. in Deutschland), sondern sie waren über Jahrhunderte eines der wichtigsten Alltagsgüter!

Walfang an der Nordküste Spaniens

Nur wenige Seemeilen vor der Nordküste, von den Häfen und Stränden entfernt, bewegen sich bis heute Wale, die größten Säugetiere der Welt. Allerdings direkt vor der Küste – wie bis vor 120 Jahren – sind die Wale nicht mehr zu finden.

Nordspanische Fischer hatten als erste das riesige Potential der vor den Küsten schwimmenden Fett- und Proteinquellen erkannt und schon im 11. Jahrhundert mit dem Walfang begonnen. Vor allem die langsam schwimmenden Bartenwale wie Nordkaper, Buckelwale und Grauwale des Ostatlantiks waren leicht erreichbar. Die Jagd dieser Meeresriesen war Jahrhunderte lang eine wesentliche Grundlage für die Volkswirtschaft der spanischen Regionen entlang der Biskaya und maßgebend für die Entwicklung der Fischerorte an der Nordküste. Viele der repräsentativen Häuser in den Fischer- und Touristendörfern an der Küste sind auf den Reichtum aus dem Walfang zurückzuführen.

Von Archival Photograph by Mr. Sean Linehan -

Die bloße Erscheinung der Wale ruft heute große Begeisterung und Faszination hervor. Wir bewundern diese großen Meeressäuger und versuchen, sie zu schützen und zu erhalten. Zwischen dem 11. und dem 18. Jahrhundert allerdings waren sie ein hochgeschätztes und teures Alltagsgut.

Wenn Wale von verschiedenen Wehrtürmen gleichzeitig gesichtet wurden, setzten sich aus den entsprechenden Küstenorten die Ruderer zu gleicher Zeit in Bewegung, es entstand eine heftige Konkurrenz. Dutzende von Fischern warfen sich in ihre Txalupa-Boote und ruderten gegen die Wellen und gegen die Zeit. Denn nur wer zuerst ankam, und dessen Harpune getroffen hatte, dem gehörte die wichtige Beute. Wenn sich also verschiedene Txalupa-Boote dem Wal näherten, ruderten sie so schnell es auch nur ging. Konsequenz waren häufige Streitereien zwischen den Nachbardörfern. Denn genaue Grenzen im Meer gab es nicht.

Der relativ große Gewinn, der beim Walfang zu machen war, war für die Seeleute der Ansporn, sich zur Jagd in die Boote zu werfen. Ein Teil der Gewinne mussten den Landherren entrichtet werden und auch die katholische Kirche bekam ihren Teil ab.Abgesehen vom hohen Verdienst war der Walfang alles andere als ein Zuckerschlecken. Im Gegenteil, es bedeutete akute Lebensgefahr,

Es wurden vor allem die Franca-Wale gejagt, die Eubalaena Glacialis oder Glattwale. Diese Glattwale waren vor der gesamten „kantabrischen Küste“ heimisch. Diese „Cornisa Cantabrica“ erstreckt sich von der Grenze zu Frankreich über die baskischen Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia und die beiden Regionen Kantabrien und Asturien bis nach Galicien. Irgendwann wurden die Tiere seltener, weil zu viele erlegt wurden. Lange, wenn auch in beschränktem Umfang ging der Walfang auch an der Küste weiter, bis 1901 vor der Hafenstadt Orio in Gipuzkoa das letzte Exemplar eines heimischen Wals gefangen wurde.

Von Hines, Bob - WO-ART-81-CDHines1Derived from the following image: United States Fish & Wildlife Service, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=422334

Wale im Stadtwappen

Über die Jahrhunderte lange Tradition ist der Walfang für viele Orte der Nordküste zu einem Symbol geworden, das bis heute präsent ist. Die Bevölkerung vieler Küstenorte lebte vom Walfang und der daraus resultierenden Verarbeitung. Aus diesem Grund wurden die Walfische in einigen dieser Anliegerorte ins Stadtwappen aufgenommen, um ihre Bedeutung in den mittelalterlichen Gesellschaften zu würdigen.

In Bizkaia (mit Bilbao als Hauptstadt) haben Bermeo, Lekeitio und Ondarroa den Walfisch in ihren Wappen. In Kantabrien erscheint er im Symbol von Castro Urdiales. In Gipuzkoa (mit San Sebastian als Hauptstadt) ist der Meeressäuger in den Wappen von Hondarribia, Zarautz, Getaria und Mutriku zu finden.

Von Heralder - and [1] and Image, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32699544 Wappen von Hondarribia
Von Heralder - [1][2], CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40370168 Wappen von Zarautz

Nutzung der Tiere

 Wie kaum ein anderes Beutetier konnten Wale komplett verwertet werden, kein Teil des wertvollen Fangs blieb ohne Nutzung.

Das Walfett war eine wertvolle Beute, die in Öl umgewandelt wurde, das legendäre Saín-Fischfett. Dieses Saín war eine ideale Flüssigkeit, um Uhren zu ölen. Vor allem aber diente es dazu, die Straßenlampen in halb Europa am Leuchten zu halten. Das Besondere an jenem Öl war, dass es keinen Geruch hinterließ und keinen Rauch produzierte. „Ein Fass mit 200 Litern wurde für umgerechnet 5.000 Euro verkauft.

Das Fett wurde zudem zur Herstellung von Kosmetik und Medikamenten verwendet. Die großen Knochen kamen als Balken bei Baugerüsten zum Einsatz, außerdem wurden sie zur Herstellung von Möbeln benutzt. Die Barten aus dem Walmaul waren elastisch, deshalb wurden aus ihnen Sonnenschirme und Kämme gemacht, auch Korsette in Form von Fächerstäben. Letztere werden heute aus anderen Materialien produziert, dennoch werden sie nach wie vor „Walbein“ genannt.

Doch war aus dem Walkörper noch anderes nutzbar. Das Sperma war ein teurer Rohstoff, um Salben und Balsam herzustellen. Auch das Fleisch selbst wurde verzehrt, zwar nicht im Baskenland, hier wurde es nicht konsumiert. Zu seiner Konservierung wurde es gesalzen und exportiert, vor allem nach Frankreich. Kostbarster Teil des Walkörpers überhaupt war die Zunge. Hochgestellte Persönlichkeiten pflegten sie zu verspeisen, sie ließen sich direkt beliefern.

Von HgrobeVektorisierung: Mrmw - Eigenes Werk, basierend auf: Whale products-d hg.png:, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101193521

Ausdehnung der Fanggebiete

Nachdem die Populationen vor der eigenen Küste dezimiert war, weitete man die Jagd auf die arktische Region aus. Es kamen Nachrichten aus Kanada, aus dem Gebiet von Terranova (Neufundland). Dort sollte es Mengen von Kabeljau geben (bask: makailaoa, span: bacalao). Viele Fischer beschlossen, dorthin zu fahren, nicht zuletzt, weil sie keine andere Wahl hatten. Eher zufällig wurde entdeckt, dass es dort oben im Nordwesten auch Wale gab. Mit schnelleren Schiffen und besseren Fangmethoden wurden ab dem 19 Jh. die großen und schnellen Blau-, Finn- und Seiwale gejagt und proportional zu ihrer Größe dezimiert. In zwei Jahrhunderten wurden rund 20.000 dieser Säuger erlegt. Die Fischer zogen im Frühjahr los und kamen vor dem Winter wieder zurück. Sie fischten in Neufundland aber auch in den Meeren Richtung Island. Man muss ehrlicherweise anmerken, dass es also die Europäer waren, die zum großen Teil an der massiven Dezimierung der Wale beteiligt waren!

Heutige Situation des Walfangs und die Probleme des Klimawandels

Seit 1948 wurde der Walfang mit der Einrichtung der internationalen Walfangkommission stark eingeschränkt und 1986 auf Null gesetzt. Heute fangen drei Nationen weiter Großwale (über 10 m Länge), die sich der Kommission nicht angeschlossen haben bzw. wieder ausgetreten sind: Island und Norwegen und seit Ende 2018 auch Japan. Extra geregelt und meist gar nicht erwähnt wird dabei der Fang der kleineren Arten.

Eine Bedrohung der Walpopulation stellen heute vor allem der Klimawandel und die Meeresverschmutzung dar. Durch den Klimawandel wird es zu Veränderungen der Wassertemperatur, des Meeresspiegels, der Meereisbedeckung, des Salz- und Säuregehaltes des Meerwassers, der Niederschlagsverteilung, der Windgeschwindigkeiten und des Wellengangs kommen. Die exakten Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben der Wale sind nur schwer vorauszusagen.

Auf einige Klimaveränderungen, wie zum Beispiel den Temperaturanstieg reagieren die Meeressäuger direkt mit Veränderungen in ihrem Verbreitungsgebiet. Einige Arten verlassen ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet und weichen in andere Gebiete aus. Aber nicht alle Walarten können sich so den veränderten Bedingungen in ihrem Lebensraum entziehen.

Der Klimawandel wird aber auch indirekte Auswirkungen auf die Wale haben; wie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Umweltverschmutzungen. Auch Veränderungen in der Häufigkeit und Verteilung der Nahrungsressourcen, werden vor allem Walarten beeinträchtigen, die auf bestimmte Nahrung spezialisiert sind.

Wale sind neben dem Klimawandel jetzt schon zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt durch die Verschmutzung der Meere, chemische Abfälle und Lärm, industrielle Fischerei, Zusammenstöße mit Schiffen, militärische Aktivitäten, Veränderungen ihrer Nahrungssituation durch die Einführung fremder Arten und durch die Netze der Fischereiflotten, in denen sie oft ungewollt als Beifang verenden.

Warum sind Wale wichtig für Klima und Umwelt?

Der Schutz der Wale ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn Wale spielen eine wichtige Rolle in den marinen Ökosystemen. Ihre Ausscheidungen an der Meeresoberfläche dienen als Nährstoffe für Phytoplankton und Fische, bei ihren Tauchgängen befördern sie weitere Nährstoffe aus der Tiefe nach oben und wenn Wale sterben, ernährt ihr Körper zahlreiche Meeresbewohner. Die Wale speichern aufgrund ihrer Größe hohe Mengen Kohlenstoff. Außerdem entzieht das durch sie produzierte Phytoplankton der Atmosphäre CO2 und bindet es ebenfalls als Kohlenstoff.

Wie eine Studie hervorhebt, verbessern die riesigen Meeressäuger aufgrund ihrer langen Lebenserwartung langfristig die Stabilität der marinen Ökosysteme. Denn einige Walarten erreichen vermutlich ein Alter von etwa 100 Jahren und mehr. Allerdings schrumpfen die Bestände der großen Walarten wie Blau-, Grau- oder Buckelwal drastisch. Dies hat wahrscheinlich schon jetzt die Struktur der Ozeane verändert. Die Hoffnung besteht darin, dass weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet die unverzichtbaren Vorteile der Wale hervorheben und so auch den Walschutz und das Ansteigen der Walpopulationen fördern.

Von Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

Blauwale in Galicien heute

Wie der Guardian berichtet, werden in Galicien jedoch seit 2017 wieder jährlich einzelne Blauwale gesichtet. Wissenschaft ist sich uneinig, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.

Der Meeresbiologe Bruno Díaz vermutet, die Wale könnten zurückgekehrt sein, da sie sich immer noch an die Heimat ihrer Vorfahren erinnern. Neueren Erkenntnissen zufolge sind für Migrationsbewegungen von Walen offenbar weniger Umweltfaktoren als Erinnerungen ausschlaggebend. Der Meeresbiologe Alfredo López nimmt dagegen an, dass der Klimawandel die Wale nordwärts treibt. Das wäre ein schlechtes Zeichen, da es zeigen würde, dass die Erwärmung der Meere den Lebensraum der Blauwale zunehmend einschränkt.

Blauwale sind wieder in Galicien, da sie in spanischen Gewässern viel Krill finden.

Von Juli bis Ende Oktober ernähren sich die Blauwale vor der galicischen Küste von Plankton. Davon gibt es sehr viel in der Gegend der Rías Baixas. Rías Baixas (galizisch: Untere Rías, spanisch Rías Bajas) ist die Sammelbezeichnung für vier schmale, tief ins Land reichende Meeresbuchten im Südwesten von Galizien, die aus überfluteten Flusstälern hervorgegangen sind. Das Gebiet reicht vom Cap Finistere bis zur portugiesischen Grenze. Das aus den Tiefen des Atlantiks aufsteigende Wasser ist sehr kalt, was das Planktonwachstum fördert.

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Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda – ein einzigartiger römischer Tempel

Templo romano von Santa Eulalia de Bóveda - ein einzigartiger römischer Tempel

Camino Primitivo

Direkt am Camino Primitivo im Ort Santa Eulalia de Bóveda, in der Nähe der Stadt Lugo, ist ein weltweit einzigartiges Bauwerk erhalten: ein besonderer römische Tempel, welcher der Göttin Kybele geweiht wurde. Er wurde als Heiligtum und Orakel angesehen. Später wurde der Tempel als christliche Kirche genutzt und der Heiligen Eulalia geweiht, eine der berühmtesten Heiligen Spaniens. Man sollte den Ort unbedingt aufsuchen (Achtung manchmal leider geschlossen) . Es ist nur ein kleiner Raum unter einer kleinen Kirche aber von besonderer Schönheit durch die herrlichen Fresken, die noch erhalten sind.

Der eventuell aus dem 4. Jahrhundert stammende Bau wurde erst 1926 „entdeckt” – er war jahrhundertelang verschüttet gewesen. Nur so konnten sich die gemalten Motive erhalten. Aber der Zustand des feuchten Raums verschlechtert sich, der Schimmel macht schnelle Fortschritte.

Der Kybele Kult

Kybele war eine Göttin der Natur und Fruchtbarkeit und wurde in Rom als die Große Mutter der Götter verehrt. Als Schöpferin der Seelen schützte sie vor dem Geist des Bösen, denn voller Güte half sie denen, die sie anriefen. Ihr Kult erlangte in Rom Bedeutung, nachdem Augustus eine besondere Verehrung für sie empfand. Ein besonderer Aspekt von Kybele ist, dass sie Orakel gibt und Ekstase hervorruft, sowohl um Prophezeiungen zu fördern als auch um Schmerzen und sogar den Tod zu lindern. Ihre Heiligtümer im Reich hatten eine spezifische Architektur, um sich an die Durchführung ihrer Riten und insbesondere der Taufe oder des Tauroboliums anzupassen.

In der Antike gab es für Kybele viele Heiligtümer, bei denen es sich um Orakel handelte, in denen die Sibyllen residierten. Diese ermöglichten es den Priestern der Göttin, die Zukunft zu interpretieren. Die Sibyllen galten als prophetische, körperlose und zeitlose Stimmen. Diese Stimmen stammten von Vögeln, die mit dem Kybele-Kult in Verbindung gebracht wurden. Hähne, Enten, Gänse, Fasane, Wachteln usw. Der Flug der Vögel, ihr Gesang und ihr Kreischen enthielten die Prophezeiungen der Sibyllen.

Architektur 

Das Gebäude hatte zwei Stockwerke, obwohl heute nur noch das Untergeschoss bzw. die Krypta erhalten ist, die bis auf den zentralen Teil des Gewölbes, der beim Abriss der alten christlichen Kapelle im Obergeschoss verloren ging, fast in ihrer ursprünglichen Form erhalten ist. Von der oberen Etage ist nur noch ein Teil der Wand übrig, an der das Dachgewölbe aus Keramikziegeln beginnt.

Vor der christlichen Kapelle diente dieser zweite Stock als Taurobolio. Das Taurobolio war im antiken Rom das rituelle Opfern eines Stiers im Kybele Kult. Es war seit dem 1. Jh. n. Chr. bekannt. Ursprünglich diente es dazu, die Lebenskraft des Opfertiers zu übertragen. Das Taurobolium wird oft als eine kunstvolle Zeremonie dargestellt, in der sich der Stier auf einem Holzgitter befand und der zu Weihende darunter in einer Grube, so dass er während der Opferung vom Blut des Opfertiers durchnässt wurde, welches in ein Becken im Untergeschoss tropfte. Die Opferung eines Tieres die Götter ist Teil einer religiösen Handlung. Der Glaube an die heilende Wirkung der Bluttaufe war als Praxis in der Antike, insbesondere im 2. und 3. Jahrhundert, weit verbreitet.

Sobald das Tier tot war, ließen die Priester einen Behälter mit den Geschlechtsorganen des Stieres über eine Kommunikationstreppe an der Westwand hinab und stellten ihn in die Nischen in den Wänden der Krypta auf beiden Seiten des Beckens. Eingeweide geopferter Tiere werden oft auch für die Hieroskopie verwendet, ein Verfahren des Wahrsagens aus Opfergaben. Auch die unten erläuterte Darstellung von Vögeln weist auf ein Orakel hin. Als der Ritus des Taurobolio mit der Annahme des Christentums verboten wurde, verlor dieses zweite Stockwerk seine ursprüngliche Funktion und wurde in eine Kapelle umgewandelt, während das Erdgeschoss zur Krypta wurde. 

Sie besteht aus einem rechteckigen Raum mit einem kleinen Becken in der Mitte und einem Tonnengewölbe. An der Außenseite geht der Fassade ein kleines Atrium mit zwei Säulen voraus, in das sich eine Tür mit einem Hufeisenbogen öffnet, eine Typologie, die später von den Westgoten übernommen wurde. Es ist der älteste Hufeisenbogen, der in der spanischen Architektur als Strukturelement existiert, da er zuvor nur in der Dekoration einiger römischer Stelen vorkam. Das Heiligtum der Kybele gilt als „Unikat“, das bedeutet, im gesamten vom Römischen Reich besetzten Gebiet gibt es kein anderes Gebäude mit denselben Merkmalen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by Igrexas, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11293241

Wandgemälde im Innern

Im Inneren der Krypta ist ein wunderbarer Wandgemäldekomplex erhalten, der bedeutendste von denen, die es in ganz Hispanien gibt. Die bildliche Darstellung nimmt unmittelbar Bezug auf die Beziehung, die die Vögel und ihre Gesänge zum Heiligtum und seiner Funktion als Orakel hatten. Die lebenden Vögel blieben vor den Augen der Gläubigen verborgen und ihre prophetischen Lieder hallten über die Gewölbemalereien in der Krypta wider. Diese Gemälde befinden sich im Gewölbe und stellen die Sibyllen in Form von Vögeln dar und sind hervorragend erhalten. Das Set besteht aus Rebhühnern, Fasanen, Hühnern, Pfauen (Symbol der Göttin), Tauben, einer Gans und einer Ente sowie stilisierten Pflanzenmotiven, die den heiligen Baum von Attis (Attis ist in der griechischen und phrygischen Mythologie der Sohn der Flussnymphe Nana, den sie aus dem Samen eines Mandelbaumes empfing),  sowie die Kiefer und ihre Früchte darstellen. Es sind Fresken mit wunderbaren Farben, die einen tief beeindrucken. Die unteren Wandgemälde verschwanden, als das Heiligtum christianisiert wurde, und stellten sicher einen Bezug zu den Mysterien der Göttin her.

De freecat - flickr.com, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8574404

Außenfassade

An der Außenfassade der Krypta und des Atriums sind mehrere symmetrisch angeordnete Granitskulpturen zu sehen. Es handelt sich um Darstellungen von Tänzen, zwei Figuren mit verkrüppelten Beinen bzw. Armen, und es wird angenommen, dass Behinderte eine der sozialen Gruppen waren, die sich durch den Kybele-Kult Linderung oder Heilung erhofften. Außergewöhnlich ist auch ein astronomisches Relief, in dem ein Planet und sein Mond erscheinen.

De amaianos from Galicia - SANTA EULALIA DE BÓVEDAUploaded by HombreDHojalata, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11300664
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Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Als ich über die Bäume Galicien erzählen wollte, hatte ich eigentlich nur positive Bilder und Erinnerungen im Kopf. Doch als ich tiefer in Materie eingestiegen bin, wurde mir klar, dass es auch einige zumindest problematische Entwicklungen gab und gibt. Eine davon auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte, ist die Problematik der Eukalyptusplantagen.

Was ist Eukalyptus?

Eukalypten gehören zu den Myrtengewächsen und zählen über 800 verschiedene Arten. Eukalyptusbäume sind schnellwüchsige immergrüne Laubbäume und können bis zu sechzig Meter hoch werden. 

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolorEucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Eukalyptus in Galicien

 Die zu Recht auf ihre grüne Vegetation stolze nordwestspanische Region Galicien verzeichnet allerdings einen hohen Zuwachs an Eukalyptusbäume. Es ist das Ergebnis einer politisch gewollten Aufforstung. Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel, weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben. Der Baumbestand des Eukalyptus in Galicien hat sich seit den 1990er Jahren fast verdoppelt. Leider habe ich keinen aktuellen Zahlen bezüglich der Größe der Anbauflächen gefunden.

Ursprünglich kommt der Eukalyptusbaum aus Australien. Der Missionar Missionar Fray Rosendo Salvado schickte Mitte des 19. Jahrhunderts einige Samen aus Australien an seine Familie. Die lebten ausgerechnet in Galicien, im charmanten Tuy. Von dort breitete sich die Pflanze über viele Regionen der Iberischen Halbinsel aus (z.B. in Asturien und in der Extremadura). 

Eukalyptusbäume auf der iberischen Halbinsel wachsen förmlich in den Himmel. Schon nach kürzester Zeit entwickeln sie mächtige Baumstämme, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Auf den Wanderungen sind sie für uns Pilger besonders schön, da sie nach ätherischen Ölen duften und sich ihre silbrig glänzenden, blaugrünen Blätter schön im Wind bewegen. Bei jedem Schritt knacken die Samenkapseln unter den Füßen und verströmen Eukalyptus-Aroma. Also vermeintlich ein reines Vergnügen!?

https://www.monumentaltrees.com/de/fotos-eucalyptusglobulus/esp/

Pro und Contra des Anbaus von Eukalytusbäumen

Der Nutzen des Eukalyptus ist nicht unumstritten. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat der Eukalyptusbaum einen negativen Einfluss auf die Biodiversität der Bodenpflanzen. Außerdem entzieht er anderen Bäumen das Wasser. Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab. Zudem brennt er aufgrund  seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Ölen, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Und das ist ja gerade nicht angebracht ist, da Galicien eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens ist. Und nicht immer scheinen die Brände reine Naturereignisse zu sein!  Das Problem mit den Eukalyptus ist, dass erstens die brennenden Blätter hunderte Meter weit fliegen und immer neue Brände entfachen. Zweitens „explodiert“ ein brennender Eukalyptus-Baum quasi und schleudere seine Samen weithin in Umkreis von sich. Zu dem Überleben das Temperaturinferno nur wenige Samen, vor allem die Eukalyptussamen als wahre Überlebenskünstler, aber leider kaum die Samen der ursprünglichen Vegetation.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das man zunächst gar nicht negativ bemerkt. Die Eukalyptuswälder sind still. Falls jemand darin tatsächlich einen einzelnen Vogel sieht oder hört, hat der sich verirrt und noch nicht bemerkt, dass es für ihn darin nichts zu futtern gibt, weder Sämereien noch Insekten, die auch für Kleintiere zur Nahrung taugen würden. Das einzige Tier, das sich von Eukalyptus ernährt, ist der Koala! Für andere Tiere ist er z.T. sogar giftig.

Es gab zahlreiche Proteste von Bauern, da zum einen der Grundwasserspiegel im Umfeld der Eukalyptuswälder deutlich sinkt. Ihr Hauptargument aber sind die schweren Bodenerosionen als Folge des Anbaus. Nicht zu Unrecht: Bevor die Setzlinge gepflanzt werden, muss der Boden samt Gräsern und Büschen tief umgepflügt, dann jahrelang der Witterung ausgesetzt werden, bis die Jungpflanzen endlich treiben. Regenfälle schwemmen in dieser Zeit bis zu 25 Tonnen Humus pro Hektar weg – ein kaum zu ersetzender Verlust bei nur 20 Zentimeter Boden. Nach zehn Jahren werden die Bäume mit Traktoren aus dem Boden gerissen – ein beispielloser Kahlschlag. Oft werden Laub und Äste in die Flüsse gespült, so die Gegner, und das Wasser wird durch das Eukalyptusöl verschmutzt.

Auf der anderen Seite bietet der Eukalyptus durch sein schnelles Wachstum und seine Widerstandsfähigkeit gegen Kornkäfer in kürzester Zeit viel Rohstoff für die unzähligen Papier- und vor allem Zellulosefabriken. Denn trotz seines schnellen Wachstums verfügt der Eukalyptus über eine hervorragende Holzqualität. Nach 7 bis 8 Jahren kann der Baum geschlagen werden und wächst dann genauso schnell wieder nach. Und die Nachfrage ist groß, auch wenn durch die Digitalisierung und Recycling an manchen Stellen schon am Naturprodukt gespart wurde. Aber wenn wir jetzt vom Plastik wegwollen und mehr auf Papier und Pappe setzen, dann wird vermutlich der Hunger danach doch steigen! Die Eukalyptusplantagen weiten sich weiter aus. Es ist eine wichtige Industrie geworden. Denn sie bietet den Menschen in der landschaftlich schönen, aber wirtschaftlich schwachen Berg-Region abseits der von Touristen massenhaft bevölkerten Küste ein Einkommen. Außerdem wird argumentiert, dass durch den hohen Wasserbedarf der Bäume die Gefahr von Überschwemmungen in den Bergregionen gebannt wird, was ja in Galicien eine gewisse Bedeutung hat.

Leider ist das ökologische System sehr komplex und einfache Maßnahmen (z.B. mehr Eukalyptusplantagen = Aufforstung brachliegender Flächen = mehr Rohstoff für Zellulose = hoher ökonomischer Ertrag) führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit!  Ökonomie vor Ökologie wie so oft?

Insgesamt ist der Anbau von Eukalyptusbäumen in Spanien ein kontrovers diskutiertes Thema. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion und die Maßnahmen in Zukunft entwickeln werden.

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Und was hat das mit Deutschland zu tun?

Ich würde das gerne an einem Beispiel aufzeigen. Ich habe einen interessanten Artikel des Umweltbundesamtes gefunden, auf den ich mich im Folgenden beziehe. Es geht in dem Artikel darum, die Vorteile von Recyclingpapier darzustellen, aber er enthält aber auch wichtige Informationen über den Eukalyptusanbau. Das Thema Recyclingpapier ist nur ein Aspekt, an dem kurz dargestellt werden soll, wie auch unser Verhalten Auswirkungen auf die Entwicklung der Waldressourcen hat, aber auch was jeder Einzelne tun kann.

In dem Artikel wird dargestellt, dass Deutschland Europas größter Papierproduzent ist und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 75 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der Umwelt belastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert!

Herkunft des Holzes

„Es wird Holz aus der ganzen Welt importiert. Größte Zellstofflieferländer für die deutsche Papierindustrie sind derzeit Brasilien (1 Mio. t Eukalyptus-Kurzfaser), Finnland (0,5 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Schweden (0,45 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Portugal (2,5 Mio. t überwiegend Eukalyptus-Kurzfaser !!), Spanien( 0,27 Mio.t überwiegend Eukalyptus Kurzfaser) und Uruguay (80,23 Mio t. Eukalyptus Kurzfaser). Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland (4,9 Mio. t), wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen.“

„Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Auf diesen werden schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus angepflanzt, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Auch die aktualisierte Ökobilanz kommt bei der Betrachtung der Holzherkünfte zu dem Schluss, dass, die Verwendung von Eukalyptusholz zu einem potenziell höheren Biodiversitätsverlust als die Verwendung von Laub- und Nadelholz aus Mittel- oder Nordeuropa führt. Insbesondere führt die Gewinnung von europäischem Eukalyptusholz zu einem höheren Biodiversitätsverlustpotential als die Verwendung von Eukalyptusholz aus Südamerika. In Südamerika besteht ein realistisches Risiko, dass der Primärwald für brasilianische Holzplantagen umgewandelt wird.“

Bedeutung des recycelten Papiers

 2020 wurden 79,3 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier laut Aussage der Papierindustrie einen Anteil von 79 Prozent aus. Wie sieht nun die Bewertung zwischen Recycling und Frischfaserverwendung aus.

„Betrachtet wird der gesamte Produktionsprozess inklusive Vorketten: die Holzentnahme aus dem Wald, die Zellstoffproduktion und die Frischfaserpapierproduktion inklusive aller Transporte; sowie die Altpapiersammlung und -sortierung, das Altpapierrecycling und die Recyclingpapierproduktion inklusive aller Transporte.

Bei allen untersuchten Indikatoren schneidet Recyclingpapier besser ab als Frischfaserpapier. In der gesamten Produktion spart es durchschnittlich:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO2-Emissionen

Neben den quantifizierbaren Umweltwirkungen berücksichtigt die Ökobilanz erstmals auch qualitative Aspekte wie ⁠Biodiversität, ⁠Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Denn der Druck auf die Wälder in Europa und weltweit nimmt zu.“

„Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Regionen mit Landnutzungsänderungen und Urwaldzerstörung enthält.“ 

Und was können wir Konsumenten tun?

Der Rückgriff auf recyceltem Papier wäre hier schon ein wichtiger Schritt, den jeder von uns tun kann. Denn im Segment der in Deutschland verbrauchten Büropapiere und auch der Hygienepapiere sind noch erhebliche Steigerungspotentiale für den Altpapiereinsatz vorhanden. Der Recyclingpapieranteil der in Deutschland verbrauchten Büropapiere liegt bei gerade einmal 18 Prozent! Während in nahezu allen anderen Papierprodukten der Einsatz an Recyclingfasern steigt, sinkt er bei den Hygieneprodukten Jahr für Jahr! 2000 lag er bei ungefähr 75 %, 2022 bei ca. 43 %.Es liegt also auch an jedem einzelnen von uns, hier eine Veränderung zu bewirken. Es sind ja oft nicht die großen, sondern die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind und da ist jeder Einzelne gefragt! Die Zertifizierung mit dem Blauen Engel gibt eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der Produkte. Als Orientierung: das Umweltsiegel „Blauer Engel“ (100 % Altpapier bei Hygienepapier) hat bei Privathaushalten in früheren Jahren deutlich geringere Marktanteile (im Diagramm/Trend bis 2020 bei knapp über 10 % Marktanteil). Das zeigt, dass reines Recycling-Toilettenpapier (mit diesem starken Label) nur einen  sehr kleinen Teil des Marktes ausmacht.

Ein Marktcheck von Greenpeace (September 2025) hat für Östererich ergeben: etwa 40 % des Toilettenpapiers in österreichischen Supermärkten & Drogerien stammen aus Recyclingpapier. Greenpeace (Österreich+2OTS.at+2)
Allerdings geben nur rund 8 % der Produkte diese Information tatsächlich auf ihrer Verpackung an! (Greenpeace Österreich+1)
Was sagt uns das? Das bedeutet doch, dass wir Konsumenten anscheinend nicht zu recyceltem Papier greifen – was immer auch die Vorurteile sein mögen, die dahinter stehen, so dass die Firmen aus Marketingaspekten sogar darauf verzichten, ihr doch positives Handeln darzustellen. Was für eine verkehrte Welt!

Auch Holzprodukte aus Eukalyptus wie Parkett, hochwertige Möbel, Sportgeräte könnte man vermeiden, ebenso wie Gartenmöbel, die weder nachhaltig sind noch wetter- und sonnenbeständig.(

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Bäume in Galicien – Espana Verde

Bäume in Galicien – Espana Verde

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Auf den letzten Kilometern des Jakobsweges in Richtung Compostela dominiert in der Landschaft die Farbe Grün. Und das egal, auf welchen Weg man sich dem Wallfahrtsort nähert – Camino frances, Camino Primitivo, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Portugues.

Galicien ist bekannt für die grünen Farbnuancen seiner Landschaften, die insbesondere auf die herrlichen dichten Wälder zurückzuführen sind. Galiciens Waldfläche umfasst ca. 2 Mio Hektar und beherbergt mehr als 1.620 Milliarden Bäume. Nicht umsonst wird es auch „Espana Verde“ genannt. In der Vegetation Galiciens finden sich typische Arten der gemäßigten Regionen und des Mittelmeerraumes, aber als Wald schlechthin gilt der atlantische Wald, der aus Laubbäumen besteht, wobei Eichen überwiegen. An den Flussufern gibt es reichlich Eschen, Erlen und Weidenbäume. An bestimmten Stellen finden wir Unmengen an Eiben, Birken, Lorbeer, Buchen, Stechpalmen, Korkeichen…

Obwohl Wälder immer noch eine wichtige Rolle spielen, nehmen Kiefern- und Eukalyptusplantagen heute einen großen Teil des Territoriums ein. Die Verbindung zwischen natürlichen Wäldern und menschlichen Pflanzungen war schon immer eng, und es gibt viele Arten, die historisch mit der traditionellen Lebensweise der Dörfer verbunden sind, um ihr Holz zu nutzen, ihre Früchte zu essen (Menschen und Vieh) und ihren Schatten zu genießen. Allerdings weisen die Eukalyptusplantagen einige gravierende Probleme auf, auf die unten noch genauer eingegangen wird.

Eiche und Kastanie sind die beiden Baumarten, die am besten die zentrale Rolle der Bäume in der galicischen Gesellschaft repräsentieren. Außerdem haben sie eine starke symbolische Bedeutung, die auch bei Zypressen, Eiben und anderen zu finden ist.

Von Tschubby - Eigenes Werk, Topographischer Hintergrund: NASA Shuttle Radar Topography Mission (public domain). SRTM3 v.2., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745684

Eiche (carballo)

Auf Galicisch als carballo bekannt, hat die Stieleiche das Leben der Bewohner Galiciens über Jahrhunderte begleitet. Sie kann mehrere hundert Jahre alt werden und eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen. Sie ist fast im ganzen Gebiet verbreitet, obwohl sie im Südosten durch die Eiche (Quercus pyrenaica, auf Galizisch cerquiño oder rebolo) und im Hochland durch die Traubeneiche (Quercus petraea, auf Galizisch carballo albar) ersetzt wird.

Hunderte von Dörfern in Galicien beziehen sich in ihrem Namen auf den carballo. Als Metapher für Stärke besitzt sie eine wichtige Symbolkraft. Vor allem aber war sie in der ländlichen Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Baum lieferte nicht nur Holz, seine Frucht (die Eichel) diente auch als Schweinefutter und unter seinen Ästen fanden Vieh und Bauern einen guten Platz im Schatten.

Die carballeiras standen ursprünglich im Zentrum des dörflichen Lebens und waren Schauplatz von Wallfahrten und Viehmärkten. In Santiago de Compostela gibt es zwei bemerkenswerte Exemplare: Santa Susana und San Lourenzo de Trasouto.

Entlang der Straßen können wir viele andere finden: die Carballeiras von Francos und Caldas de Reis auf dem Portugiesischen Weg, die von Santa Irene auf dem Französischen Weg, die von A Barcia und Trasfontao auf der Via de la Plata oder die von A Casa do Gado auf dem Camino del Norte.

 

Kastanie  (Castiñeiro)

Castiñeiro ist der galicische Name für den Kastanienbaum. Man ging davon aus, dass sie von den Römern in diese Gebiete gebracht wurde, aber die neuesten Forschungen legen nahe, dass sie sich schon vor mehr als 20.000 Jahren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ausbreitete. Auf jeden Fall förderten die Römer den Anbau und sorgten für die Verbreitung im gesamten Gebiet. Es ist bekannt, dass die römischen Legionäre den Befehl hatten, Baumfrüchte wie Kastanien und Eicheln auf den Bergen der eroberten Länder zu verteilen, falls in zukünftigen Feldzügen zusätzliche Nahrung für ihre Armeen benötigt wurden.

Es gibt wilde Exemplare in den Wäldern, aber die großflächigen Kastanienbaumgruppen sind Plantagen, die sich meist am Rande der Dörfer befinden, um die Vorteile ihrer Frucht, der Kastanie, zu nutzen. Seit Jahrhunderten spielt sie eine wichtige Rolle in der Ernährung. Die Kastanie wird deshalb oft auch als „Brotbaum“ bezeichnet. Es überrascht nicht, dass die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa kam, in Galicien castaña da terra genannt wurde.

Die Kastanie ist immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung und wird naturbelassen, getrocknet, als Mehl, Sahne oder kandiert (bekannt als “marron glacé”) vermarktet. Baum und Frucht spielen die Hauptrolle in Sprichwörtern, Legenden und Festen, wie dem magosto, bei dem sich im Herbst die Nachbarn aller Dörfer und Ortsteile versammeln, um geröstete Kastanien zu essen.

Auch für die Qualität seines Holzes, das traditionell im Bauwesen verwendet wird, wird dieser Baum sehr geschätzt. Die Kastanie ist einer der am längsten lebenden Bäume Europas. In Galicien gibt es Exemplare, die über 500 Jahre alt sein können. Der größte ist der Pumbariños, in der Gemeinde Manzaneda, mit über 12 Metern Stammumfang. Ganz in der Nähe der Vía de la Plata finden wir in Baños de Molgas den außergewöhnlichen Kastanienbaum von Santa Eufemia mit einem Stammumfang von 10 Metern.

Die Pilger können mit ihren Händen die raue Haut der prächtigen Exemplare berühren, die auf dem Camino wachsen und denen der Lauf der Zeit das Aussehen ehrwürdiger Ältester verliehen hat. Dies ist der Fall bei den Kastanienbäumen von Soutomerille auf dem Camino Primitivo oder dem Kastanienbaum von Ramil (Triacastela) auf dem Französischen Weg, voller Hohlräume und dicker Äste, die den Baum zu umarmen scheinen. Wenn man an diesen mächtigen Bäumen vorbei wandert, wünscht man sich, er könnte einem etwas aus seinem langen Leben erzählen.

In Baamonde (Gemeinde Begonte) steht ein Kastanienbaum mit einer einzigartigen Geschichte: Vor 50 Jahren schloss sich der örtliche Bildhauer Víctor Corral in seinem Stamm ein, um die Fällung des Baumes zur Verbreiterung einer Straße zu verhindern. Er schuf einen kleinen Schrein für die Virgen del Rosario, woraus er den Namen “Castiñeiro da Capela” ableitete. Der Künstler hat weitere Schnitzereien hinzugefügt, wodurch dieser Baum zu einer Referenz auf dem Camino del Norte wurde.

Von tree-species - Flickr [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6502036

Korkeiche (Sobreira)

Die Korkeiche, auf Galizisch sobreira, ist ebenfalls ein Baum, der aufgrund seines Nutzens in der Gesellschaft verwurzelt ist. Aus seiner Rinde wird der Kork gewonnen, der heutzutage zur Herstellung von Weinflaschenverschlüssen und als Isoliermaterial verwendet wird, und früher auch zum Bau von Bienenstöcken, den sogenannten cortizos. (s. Kapitel Korkeiche)

Obwohl sie in anderen Regionen der Iberischen Halbinsel häufiger vorkommt, kann man in der südlichen Hälfte Galiciens kleine Wälder finden, wie z.B. in O Faro (Oia), in der Nähe des Portugiesischen Weges  entlang der Küste, und solche, die an den Ufern der Flüsse Ulla und Arnego stehen.
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Interessant ist, dass es in Galicien große vereinzelte Exemplare gibt. Mehrere von ihnen befinden sich in der Nähe der Vía de la Plata, in einem Gebiet, in dem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Weinkorkenfabrik gab. Möglicherweise haben monumentale Exemplare wie die Korkeiche von Siador jahrelang ihre Rinde zu dieser Industrie beigetragen. Mit einem Baumwipfel von mehr als 23 m Durchmesser wurde der Baum schätzungsweise mehr als 100 Mal entkorkt.

 

 

Buche  (faia)

Dank ihrer robusten Größe, ihrer vertikalen Ausrichtung auf bis zu 40 Meter Höhe und der Schönheit der wechselnden Farben ihrer Blätter im Laufe der Jahreszeiten, ist es leicht, sich in die Buche zu verlieben. Auf Galicisch heißt sie faia, und ist ein seltener Baum, der sich auf die Berge von Os Ancares und O Courel beschränkt.

Auf dem Französischen Weg, zwischen O Cebreiro und Alto do Poio, liegt der Faial de Liñares. Es handelt sich um einen der wenigen galicischen Buchenwälder und den einzigen, der von einem Pilgerweg durchquert wird.

Von Alpsdake - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11832595

Esche  (freixo)

Im Galicischen ist dieser Baum als freixo bekannt, der an den Ufern von Flüssen vorkommt, wo er zusammen mit Weiden (salgueiros), Erlen (amieiros) und anderen Bäumen und Sträuchern einen wesentlichen Bestandteil des Auwaldes ausmacht. Im Norden Galiciens gibt es den gewöhnlichen (Fraxinus excelsior) und im Süden den schmalblättrigen Baum (Fraxinus angustifolia).

In den ländlichen Gegenden Galiciens wurde sein hartes Holz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie von Musikinstrumenten verwendet. In Porta, in Sobrado (Camino del Norte) gibt es vier außergewöhnliche Eschen. Die größte von ihnen ist 31 Meter hoch.

 

https://www.monumentaltrees.com/de/esp-fraxinusexcelsior/

Eibe (teixo))

Der typische Wald Galiciens besteht hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gibt auch einige einheimische immergrüne Arten. Keine ist so legendär wie die Eibe (auf Galicisch teixo). Sie wurde an der Tür von Häusern als Symbol des Lebens und in Kirchen und auf Friedhöfen als Symbol des Todes gepflanzt. (s. Kapitel über Eiben)

Alle Teile der Eibe sind giftig, außer der Samenhülle. Römische Historiker weisen darauf hin, dass im Jahr 22 v. Chr. eine Schlacht zwischen den Bewohnern des Nordwestens der Iberischen Halbinsel und den römischen Legionen auf dem Berg Medulio stattfand, wobei der Ort unpräzise ist. Die letzten galicischen Krieger sollen mit einem aus der Eibe gewonnenen Gift Selbstmord begangen haben.

In den Ausläufern der Pena Trevinca, dem höchsten Punkt Galiciens, versteckt sich das Teixedal de Casaio, einer der herausragendsten Eibenwälder Europas. Und in der Nähe der Jakobswege gibt es hundertjährige Exemplare, wie zum Beispiel das in A Fontaneira (in Baleira, am Camino Primitivo), mit einem geschätzten Alter von 500 Jahren oder die beiden Eiben an der Kirche „Iglesia de San Martin“ in Salas  (camino primitivo) mit einem geschätzten Alter von 300 bzw. 500 Jahren (s. Kapitel Das Kloster San Salvador in Canellana und das hübsche Städtchen Salas).

Von Elfo del bosque - Foto propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2570165

Stechpalme  (Ilex aquifolium)

Dieser immergrüne Strauch, flach, starr und glänzend, ist im Galicischen als acivro bekannt. In vielen europäischen Kulturen wird er mit verschiedenen Winterriten in Verbindung gebracht, was zu seiner Assoziation mit Weihnachten geführt hat. Sie wachsen inmitten von Wäldern und carballeiras überall in Galicien und sind in den östlichen Bergen häufiger anzutreffen, wo sie kleine Wälder wie Cabana Vella, in Os Ancares, bilden können.

Ihre Blätter haben an den Rändern Dornen, diese verschwinden aber meist an den höheren Stellen, die von den pflanzenfressenden Tieren nicht erreicht werden. Normalerweise erreicht sie eine Höhe von 2 bis 5 Metern, obwohl wir im Pazo von Casanova, in O Pino, in der Nähe des Französischen Weges, auf ein 16 Meter hohes Exemplar treffen.

 

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9360

Der Eukalyptusbaum

Eigentlich wollte ich hier nur kurz auf den Eukalyptusbaum und seine wachsende Bedeutung  in Galicien eingehen, obwohl der Eukalyptus nicht zu den einheimischen Bäumen zählt. Aber bei meinen Recherchen kamen so viele Informationen und Probleme zusammen, so dass ich entschloss, die Problematik der Eukalyptusplantagen in einem eigenen Kapitel darzustellen

Das Image vom „immergrünen Paradies“

Wenn man sich an den herrlichen Wäldern Galiciens erfreut, denkt man vielleicht, Nordspanien war und ist ein immergrünes Paradies. Aber die Vergangenheit erzählt uns eine andere Geschichte. Man vergisst manchmal, dass seit dem Mittelalter der größte Teil der Bergflächen und Küstenregionen baumlos war. Schon die iberischen Könige des Mittelalters nutzten die Wälder rücksichtslos für die Erbauung ihrer Armada, mit der sie die Welt zu erobern gedachten. Für den Schiffsbau wurde aus dem ganzen Land das beste Holz an die Küste transportiert. Die Küstengebirge sind damals schon bald fast alle kahl. Zwar versuchte man zwischenzeitlich den Raubbau am Wald einzudämmen, aber im 18. Jahrhundert wurde zur Staatsfinanzierung fast der gesamte verbliebene staatliche Waldbesitz an Privatbesitzer verkauft. Das erwies sich als großer Fehler. Denn die Privatbesitzer konnten nun ungehindert abholzen, um am Verkauf des Holzes zu verdienen.

So kam es bis ins 20. Jh. zu massiven Eingriffen in die Natur, den man auch jetzt noch erkennen kann. Heute sind in Galicien viele Berggegenden immer noch nur von einer dürren Macchia aus Erika, Ginster und anderen Heidesträuchern begrünt trotz zahlreicher Maßnahmen zur Wiederanpflanzung von vielen Nadel- und Laubbäumen. Denn im 20. Jahrhundert werden in Spanien Forstämter eingerichtet und Gesetze zum Schutz des Waldes erlassen. Denn man hatte festgestellt, dass etwa die Hälfte der Fläche Spaniens stark von Erosion betroffen ist. Ist der Boden abgespült, sind Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Folge. Einen wirksamen Schutz gegen die Erosionsgefahr kann nur eine dichte Pflanzendecke bieten, am besten durch Wälder. Die teilweise Aufforstung mit schnellwachsenden Bäumen ua. Pappeln, Kiefern und Eukalyptus, die auch ökonomisch besser verwertbar sind, stößt dabei auf ein sehr geteiltes Echo. Die Befürworter argumentieren, dass, hätte man an vielen dieser brachliegenden Landschaften nicht Eukalyptus oder Kiefern angebaut, würden sie noch immer brachliegen mit der Gefahr von Bodenerosion. Einige der Gegenargumente findet ihr im Kapitel „Die Problematik der Eukalyptusplangen“.

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