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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Zwischen Bäumen und Blumen – zwei Pazos und ihre Gärten auf der Via de la Plata

Zwischen Bäumen und Blumen – zwei Pazos und ihre Gärten auf der Via de la Plata

Via de la Plata

Pazos sind die großen Herrenhäuser des galicischen Adels, in denen sich die Noblesse und Raffinesse des Adels mit der Kargheit der ländlichen Welt verbindet. Sie wurden hauptsächlich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erbaut und viele verfügen über herrliche Gärten. Allein neun dieser herrlichen Gärten liegen zwischen Vigo, Ourense und A Coruna. Hier unten sind zwei Gärten beschrieben, die in der Nähe oder direkt an der Via de la Plata liegen und sicher einen Besuch wert sind, vor allem natürlich für alle Freunde der Gärten in Europa.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Santa Cruz de Ribadulla

 Ganz in der Nähe von Oca finden wir den Pazo de Ortigueira , auch bekannt als Granja de Ortigueira oder Pazo de Santa Cruz de Ribadulla,  ein Herrenhaus mit herausragenden Gärten. Wir befinden uns in einer Gegend, in der jahrhundertelang die mächtigen Familien Santiagos Häuser und Pazos für ihre Sommerfrische gebaut haben. Vielleicht ist dieser hier in Santa Cruz de Ribadulla, in Vedra, der bedeutendste Pazo. Seine Ländereien verbinden weiterhin den ornamentalen Charakter der Gärten und Spazierwege mit dem produktiven Charakter der Obst- und Kamelienplantagen und der Viehzucht.

Das Gebäude und die Anlage stammt ursprünglich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und gehörte einem Adeligen namens Ortigueira.  Einige seiner Nachfolger erweiterten das Gebäude und die Gärten. Es war Ivan Armada, bekannt als “Onkel Ivan”, sein Besitzer am Ende des 19. Jahrhunderts, der den Gärten einen bleibenden Stempel aufgedrückte.  Ivan Armada y Fernandez de Cordoba (1845-1899), vergrößerte die Pflanzensammlung, insbesondere um Kamelien, erheblich. 

Der Garten verfügt heute über mehr als eine halbe Million Planzen von 400 verschiedenen Pflanzenarten, jahrhundertealte Bäume, Teiche und einen Weg, der als Camiño oder Paseo das Oliveiras (Pfad der Olivenhaine) bekannt ist. Dieser botanische Raum zeichnet sich durch seine Vielfalt und seinen Reichtum aus und gilt als „einer der faszinierendsten in Galizien“. Zu den bemerkenswertesten Arten gehören: Olivenbäume, Buchsbaum, Magnolien, Australischer Farn, Kryptomerie, Virginia-Tulpenbäume, Ombu (Elefantenbaum), Pyramideneiche und Washingtonia-Palme.  Es ist ein Kamelienexemplar erhalten, das mehr als zweihundert Jahre alt und neun Meter hoch ist. 

Dieser Pazo steuert die meisten Einträge zum galicischen Katalog der historischen Bäume bei und wird von vielen Fachleuten als wichtigster ornamentaler botanischer Komplex in Galicien angesehen. Hier befinden sich die ältesten Kamelien in Galicien, gepflanzt zwischen 1780 und 1820. Sein Olivenbaumweg besticht nicht nur mit seiner fotogenen Schönheit, sondern auch mit seiner Einzigartigkeit: etwa 500 Bäume, über 500 Jahre alt.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Oca

 

Der Pazo de Oca befindet sich in A Estrada, in der Nähe der Vía de la Plata. Die Harmonie, mit der hier Stein, Wasser und Vegetation verschmelzen, hat ihm den Spitznamen “Galicisches Versailles” eingebracht. In seinen herrlichen Gärten koexistieren die verschiedensten Stile, unter denen Renaissance, Barock und Romantik hervorstechen.

 

Das Oca-Herrenhaus liegt in der Terras do Ulla, nahe dem Zusammenfluss der Flüsse Boo und Mao. Es handelt sich um ein Anwesen, das in drei Bereiche gegliedert ist: Im ersten, innerhalb der Mauern, befinden sich das Herrenhaus, der Garten und der Obstgarten; Auf dem angrenzenden Grundstück befindet sich die Kirche San Antonio de Padua sowie mehrere Tagelöhnerhäuser; Dahinter liegt die agroforstwirtschaftliche Umgebung von Traga de la Cerrada, Caballeira de Ouriles und die Wiesen von Su Batan und Bardoucos. Die Kirche wurde zwischen 1731 und 1752 erbaut, möglicherweise das Werk des dominikanischen Architekten Fray Manuel de los Mártires.Die Gärten des Herrenhauses sind eines der besten Beispiele für Gartenkunst in Galizien.

Im Haupthof gibt es einen Brunnen mit Blumenbeeten, die von Buchsbaumhecken umgeben sind, sowie Plantagen mit Kamelien, Azaleen, Palmen und Rhododendren.

Um seine zwei Teiche herum stehen mehr als hundert Buchsbäume, die über 300 Jahre alt sind. Zwischen den Brunnen und Statuen, die der Anlage einen großen landschaftlichen Wert verleihen, befinden sich zahlreiche Kamelien, von denen einige mehr als acht Meter hoch sind. Und eine von prächtigen Linden gesäumte Allee teilt den Nutzgarten des Pazo in zwei Hälften.

 

https://www.greatgardensoftheworld.com/gardens/pazo-de-oca/
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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Puebla de Sanabria – ein zauberhafter mittelalterlicher Ort

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Via de la Plata

Puebla de Sanabria liegt auf einer Anhöhe über dem Zusammenfluss der Flüsse Tera und Castro. Diese strategisch günstige Lage machte den Ort im Laufe der Jahrhunderte zum Schauplatz vieler Schlachten.

Geschichte

Eine Pfarrkirche in Senapría wird erstmals im 7. Jahrhundert, also in westgotischer Zeit, erwähnt. Auf die islamische Eroberung (conquista) im 8. erfolgte die christliche Rückeroberung (reconquista) der Gebiete nördlich des Rio Duero im 9. und 10. Jahrhundert. Hier lag dann zunächst die Grenze zwischen der christlichen und muslimischen Einflusssphäre. (s. dazu auch die Kapitel über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista)

Eine Urkunde des späten 10. Jahrhunderts erwähnt bereits eine Stadt mit Namen Urbs Senabrie, doch eine Burg (castillo) ist erst für das Jahr 1132 belegt. Alfons IX. stattete den Ort im Jahr 1220 mit städtischen Privilegien (fueros) aus.

Im 15. Jahrhundert lag die Herrschaftsgewalt über Puebla in den Händen verschiedener Grafen, darunter auch denen von Benavente, den Erbauern der mächtigen Burg.

Die Burg 

Die Burganlage ist eine der besterhaltenen in Spanien. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist der Archetyp der mittelalterlichen Verteidigungsbauten. Das vom Grafen von Benavente errichtete Castillo de los Condes de Benavente steht in 960 m Höhe auf einer großen Fläche auf dem Gipfel des Hügels, an dem auch der Ort liegt und dominiert die Silhouette von Puebla. Die Burganlage ist komplett quadratisch angelegt und wurde fast vollständig restauriert. Sie ist durch eine Zugbrücke geschützt und in ihrem Zentrum steht ein großer Bergfried, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Umland hat. Das Innere der Burg kann besichtigt werden und es werden viele interessante Details über das Burgleben erläutert.

 

Die Kirche Nuestra Senora del Azogue

 In der Nähe der Burg befindet sich die Pfarrkirche Nuestra Señora del Azogue vom Ende des 12. Jahrhunderts. Der gesamte Kirchenbau mitsamt dem Figurenschmuck des Portals besteht aus behauenem Granitstein.

Bedeutendster Bauteil ist das erhöht liegende und nur über einen Treppenaufgang erreichbare spätromanische Westportal mit seinen vier erhaltenen Gewändefiguren, den Kapitellen und den Archivoltenbögen. Bei der Ausführung auf den ersten Blick eher klobig und ‚primitiv‘ wirkenden Figuren wurde sehr viel Wert auf Details (Haare, Gewänder etc.) gelegt. Die beiden Figuren im rechten Portalgewände sind durch ihre kronen-artige Kopfbedeckungen als König bzw. Königin charakterisiert; die Figuren auf der linken Seite sind dagegen barhäuptig. Drei der vier Figuren tragen Gefäße oder ähnliches in den Händen, die als Gaben oder Geschenke gedeutet werden können. Die sechs Kapitelle zeigen unterschiedliche Motive – darunter kleine Figuren sowie vegetabilische Formen oder beinahe geometrisch aussehende Flechtbänder. 

Zur Ausstattung gehören ein teilweise figürlich gestaltetes romanisches Taufbecken und eine ungewöhnliche schmiedeeiserne Kanzel mit einem geschnitzten Baldachin aus dem 18. Jahrhundert.

Von AdriPozuelo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21836061
Von User:Dantadd - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1910911

Das Stadtensemble

 Der Ort wurde zum Historischen Ensemble erklärt. Ein Großteil der Stadtmauer ist noch erhalten. Der Ort verfügt in seinen steilen Gassen über zahlreiche Herrenhäuser und -sitze, die mit Steinwappen geschmückt sind, etwa das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das an der Plaza Mayor steht. Das Zentrum besticht mit seinen traditionellen, mit Schiefer bedeckten massiven Steinhäusern und den hölzernen Balkonvorbauten. Der mittelalterliche Stil ist im ganzen Ort erhalten. Beim Spaziergang durch das Ortszentrum fühlt man sich in eine andere Epoche versetzt.

Außer seinem schönen Kern genießt der Ort auch eine privilegierte Umgebung, denn sein Gemeindegebiet liegt in der Nähe des Naturparks Sanabria-See. Dieser 368 Hektar große und 55 m tiefe See ist Spaniens größter eiszeitliche Gletschersee.

Von Guillermo Muñiz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16482855
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Camino del Norte Camino Primitivo Geographisches Geographisches Geographisches

Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Camino Primitivo, Camino del Norte

Oviedo oder asturisch Uviéu ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Fürstentum Asturien. Die Bewohner werden Ovetenser genannt. Oviedo ist meist der Ausgangspunkt für den Camino Primitivo. Die Stadt liegt sehr verkehrsgünstig, da sie gut per Flugzeug über den Flughafen Oviedo erreichbar ist. Außerdem verfügt Oviedo über einen Bahnhof der Breitspur der RENFE von Leon nach Gijon. Zudem gibt es zahlreiche Busverbindungen entlang der Küste.

Von Vicenmiranda - Imported from 500px (archived version) by the Archive Team. (detail page), CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71441868

Geschichte

 Gründung und Entwicklung im Mittelalter

Oviedo wurde 761 unweit der alten Römersiedlung Lucus Asturum von zwei Mönchen auf einem Hügel namens Oveto gegründet, wo sie eine Kirche zu Ehren des hl. Vinzenz erbauten. Im gleichen Jahrhundert war Asturien zum einzigen Hort des Widerstands gegen die maurische Invasion der Iberischen Halbinsel (711) geworden, was nach der Schlacht von Cavadonga (722) zur Gründung des Königreichs Asturien durch Pelayo führte, der von den Asturen zum Anführer gewählt worden war (718) (s. dazu auch das Kapitel „Die Reconquista in Spanien“).

Alfons II.war von 791 bis zu seinem Tod 842 König von Asturien. Wegen seines mönchischen Lebensstils erhielt er den Beinamen „Der Keuche“ (El Casto). Nachdem vorher Cangas de Onís und Pavia davor die Hauptstadt Asturiens waren, machte er Oviedo zu seiner Residenz und somit zur ersten christlichen Hauptstadt auf der Iberischen Halbinsel. Der Ort lag ideal mitten in dem nach Westen gewachsenen Reich.

Alfons befestigte die junge Hauptstadt und leitete eine bemerkenswerte Bautätigkeit zur Vergrößerung und Verschönerung des Hofes ein. Außerdem beauftragte er den Bau einige Infrastruktureinrichtungen u.a. eines Aquädukts, von dem heute noch drei Bögen zu sehen sind. Diese Arbeit wurde später von seinen Nachfahren fortgeführt und schenkte der Stadt mehrere religiöse und zivile Bauten der asturianischen Präromanik (s. das Kapitel Austurische vorromanische Architektur).

Während seiner Regierungszeit wurde 812 in Santiago de Compostela ein Grab entdeckt, das man Jakobus dem Älteren zuschrieb. Der König selbst wanderte als Pilger von Oviedo nach Santiago und begründete somit den Ruhm Santiago de Compostela als Wallfahrtsort. So wurde Oviedo somit der Ausgangsort des ursprünglichen Pilgerweges. Dieser Jakobsweg war zwar später eher ein „Nebenweg“, sorgte aber für eine wirtschaftliche Belebung der Stadt während des gesamten Mittelalters.

Kirche San Isodore del Real Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963050

Zweimal in seiner Geschichte wurde Oviedo schwer zerstört: im Jahr 1521 durch eine Brandkatastrophe sowie 1934 bei Bergarbeiteraufständen und während des Spanischen Bürgerkrieges.

Bergbauernaufstände 1934

Nach den Parlamentswahlen von 1933 hatten die rechten Parteien an Gewicht gewonnen und wurden 1934 in die Regierung mit aufgenommen. Der Führer der Rechtsaußenpartei CEDA bekannte sich offen zu den Ideen Hitlers und Musolinis. Mit dem Argument (bzw. Vorwand), dem aufkommenden Faschismus Einhalt zu gebieten, riefen im Oktober 1934 die an der Einheitsfront (span.: Alianza Obrera) beteiligten sozialistischen Organisationen zu einem landesweiten revolutionären Generalstreik auf. Der Generalstreik scheiterte in fast allen Provinzen in kürzester Zeit. Allein in Asturien war der Streik zunächst erfolgreich. Der Aufstand begann am 4. Oktober. Am 5.Oktober zogen die bewaffneten Bergbauern nach Oviedo. So wurde die Stadt zum Mittelpunkt des Aufstandes. Die sprengten am 11. Oktober die Cámara Santa. Die Cámara Santa (Heilige Kammer) gehört zu einem Gebäudekomplex, der die Kathedrale San Savador umgibt. Monatelange Kämpfe, Belagerungen und Beschießung zeichneten das Bild der Stadt. Der Aufstand wurde von dem damals noch republiktreue Franco mit Härte und Brutalität durchgeführt unterstützt durch die spanische Fremdenlegion aus Marokko. Für ihn war der Aufstand von Agenten Moskaus vorbereitet worden. Hugh Thomas, einem britischen Historiker, zufolge starben etwa 2.000 Menschen während des Aufstands: 230–260 Soldaten, 33 Priester, 1.500 Bergleute fielen im Kampf und 200 starben während der folgenden Repression. Spanienweit wurden etwa 30.000 Menschen inhaftiert. Die Grausamkeiten, die während und nach dem Aufstand stattfanden, warfen einen Schatten der Brutalität voraus, die zwei Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg zum Vorschein kam.

Spanischer Bürgerkrieg

Die Belagerung von Oviedo fand vom 19. Juli 1936 bis 16. Oktober 1936 statt. Die Stadtgarnison unter dem Befehl von Oberst Antonia Aranda Mata erhob sich gegen die Zweite Spanische Republik und hielt der Belagerung der Regierungstruppen bis zum Eintreffen der nationalistischen Truppen stand. Durch einen geschickten Schachzug hatte General Aranda die republikanische Regierung davon überzeugt, dass er loyal zur Regierung stünde. Das überzeugte die Regierung, am 17. Juni 1936, 4.000 Minenarbeiter aus Oviedo abzuziehen, um sie im aufkommenden Konflikt in anderen Teilen Asturiens und Spaniens einzusetzen. So konnte Aranda, nachdem sich Truppen der Falange, Guardia Civil und Guardia de Asalto ihm anschlossen, die Kontrolle über die Stadt übernehmen.

Die Belagerer bestanden aus Miliztruppen der Fuente Popular (Volksfront) und verbündeten Anarchisten.

Bis zum 3. September kam es zu wenig Kämpfen. Am 4. September kam die Stadt jedoch unter schweres Artilleriefeuer sowie ein Bombardement von 1.500 Fliegerbomben, so dass die Gas-, Strom- und Telefonversorgung unterbrochen wurden. Vier Tage später versuchten die Angreifer mit Hilfe einer gepanzerten Dampfwalze, einen Außenposten der Verteidiger einzunehmen. Die Verteidiger setzten auf Sandsäcke gehobene Artilleriegeschütze als Fliegerabwehrgeschütze ein und wehrten in einem 12-stündigen Gefecht den Angriff ab. Der schwere Artilleriebeschuss tötete viele Zivilisten und viele starben auf Grund des Wassermangels und der dadurch entstehenden sanitären Missstände. Im Laufe des Septembers brach in der Stadt Typhus aus. Der Beschuss hatte jedoch den gegenteiligen Effekt, so dass sich etliche Einwohner den Verteidigern anschlossen.

Am 4. Oktober begann die Volksfront mit einem Generalangriff auf die Stadt. Aranda blieben noch 500 Männer und er zog sich mit diesen ins Stadtzentrum zurück, um einen letzten Kampf zu liefern. Die Milizen der Volksfront hatten bis dahin ca. 5.000 Männer verloren und auch ihnen ging die Munition aus. Das weitere Vordringen in der Stadt gestaltete sich immer schwieriger, da jedes Haus bis aufs letzte verteidigt wurde. Am 16. Oktober trafen die nationalistischen Truppen aus Galicien ein. Die Milizen der Volksfront sahen sich gezwungen, die Belagerung aufzugeben und sich auf ihre Positionen, die sie zu Beginn der Belagerung hatten, zurückzuziehen. Im Jahr 1937 war dann der krieg im Norden Spaniens mit dem Sieg Francos beendet.

 

Kathedrale San Salvador Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963047
Kreuzgang Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963049

Diese beiden Kriege führten natürlich zu einer verheerenden Zerstörung von Oviedo. Die Restaurierung und der Wiederaufbau der erhaltenen Baudenkmäler, darunter einer der großen Stadterweiterungszonen der späten Gründerzeit, des Jugendstils und der Art-Deco-Periode wurden mit neo-historischen Bauten der Franco-Zeit und funktionalistischen wie postmodernen Gebäuden der Zeit nach 1975 zu einem sehenswerten Ganzen vereint.

Sehenswürdigkeiten

Der gesamte Altstadtkern Oviedos ist Fußgängerzone, die wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Universität, die Kathedrale San Salvador, den Palast des Markgrafen von San Félix und den Camposagrado-Palast, aber auch zahlreiche Statuen an historischen Standorten oder die unzähligen „sidrerías“ (Apfelweinschenken) einschließt. Die Innenstadt besteht aus einem einzigartigen Guss stilvoller Fassaden, die zwar aus mehreren Jahrhunderten stammen, sich aber immer ins große Ganze einfügen. Die Wohnhäuser strahlen eine bürgerliche Noblesse aus, die ihnen vor allem die verglasten Veranden aus Schmiedeeisen oder gedrechseltem Holz verleihen. 

  • Campo de San Francisco  Er bildet mit seiner mehr als 1qkm großen Fläche die Klammer zwischen Alt- und Neustadt.
  • Teatro Compoamor ein spätgründerzeitlicher Bau
  • Universität mit ihrem Portal im Platereskenstil (1534-1608)
  • Palacios de Campoosagrado (1719-52) und Valdecarzana (17. Jh.) mit manieristischen-barockem Dekor
  • Kathedrale San Salvador spätgotischer Bau aus dem 15./16. Jahrhundert mit einem 80 Meter hohen gotischenTurm, Säulengang am Eingang und großem Rosettenfenster, 
  • Camara Santa(Heilige Kammer) in der Kathedrale (eigentlich Kapelle San Miguel) – beherbergt eine der wichtigsten spanischen Reliquiensammlungen. Gezeigt werden die Heilige Truhe, das Engelskreuz sowie das Siegeskreuz. Diese Reliquien waren früher für viele Pilger Grund für einen langen Umweg auf ihrer Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. 
  • Barockkirche San Isodor 16. Jh.
  • Kloster San Pelayo mächtiger Barockbau
  • Museo de Bellas Artes im spätgotischen Palacio de Velarde (1776) untergebracht. Die Sammlung erstreckt sich über drei Gebäude. Die verschiedenen Abteilungen zeigen Tausende klassischer und zeitgenössischer Werke, teilweise sogar von Größen wie Dalí und Picasso.
  • Museum für Archäologie im Kloster San Vicente mit Beispielen für die gesamte asturische Kunstgeschichte ab der Bronzezeit

Daneben ist nochmals auf die präromanischen asturischen Kirchen am Rand von Oviedo hingewiesen (vgl. dazu das Kapitel „Asturische präromanische Architektur“). Die beiden Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo (s. Bild unten) im grünen Naranco-Tal bei Oviedo sind absolut sehenswert und liegen am Camino Primitivo. Ein weiteres Bauwerk der Zeit ist San Julián de los Prados, das in nur 15 Minuten zu Fuß vom Altstadtzentrum aus erreicht werden kann. Die Vielzahl an Gebäuden und Schätzen der präromanischen Zeit ist dadurch zu erklären, dass Oviedo zu Zeiten des asturischen Königreichs dessen wichtigste Hauptstadt war.

Von Rodelar - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7251498

 

Oviedo – die Hauptstadt des Sidra

Oviedo ist nicht nur für seine Kirchen und historischen Gebäude bekannt – es ist auch Spaniens Apfelwein-Hauptstadt. Hier wird Apfelwein Sidra genannt und wird am besten in einem der Lokale in den Seitenstraßen der Altstadt probiert. Vor allem die Calle Gascona, Calle Carpio und Calle Llaviada haben einige traditionell asturische Siderías in petto. Das Einschenken gleicht einer Show: Kunstvoll wird der Sidra aus einer bestimmten Höhe in das Glas geschüttet, damit die gewünschte Schaumkrone entsteht.

De ECR - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=898586
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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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Castro Urdiales, Laredo und Santoña

Castro Urdiales und Laredo

Camino del Norte

Castro-Urdiales – mittelalterliche Schönheit über dem Meer

 Castro Urdiales besitzt den Reiz eines Fischerdorfs mit berühmter Tradition und touristischem Flair, das durch die Schönheit der Strände Urdiales, El Fraile und Brazomar begünstigt wird. Hier siedelten schon die Römer, die den Ort Flavióbriga nannten. Teile von römischen Ruinen findet man unter der Wallfahrtskirche Santa Ana.

Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel neben dem Hafen. Dort befindet sich auch das Castillo de Santa Ana. Auf der einstigen Templerburg erhebt sich nur noch ein kleiner Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt bewacht. Der Ortskern mit seinen charakteristischen Häusern mit Holzbalkons ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde 1978 zum Historischen Ensemble erklärt. Neben der Festung steht die gotische Kirche Santa María de la Asunción. Sie wurde zwischen dem 13. Und 15. Jh. gebaut und ist der wichtigste gotische Sakralbau Kantabriens. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht.

Die wichtigsten Bauten aus verschiedenen Stilen und Epochen ( Burg, Kirche, mittelalterliche Brücke, Wallfahrtskirche Santa Ana) in diesem denkmalgeschützten Viertel Pueblo Vieja stehen im Kontrast zur Schlichtheit des Fischerviertels mit seinen engen Gassen und den kleinen Fischrestaurants. 

Laredo

Laredo liegt an einem der schönsten Küstenabschnitte Kantabriens. Costa Esmeralda, Smaragdküste, wird die Küste hier wegen des grün leuchtenden Meeres genannt. Die Stadt besitzt Kantabriens längsten Strand „La Salvé“ gesäumt von einer vier Kilometer langen Promenade. An diesem Strand geht man auch entlang, wenn man zu den Schiffen am El Puntal will, die am Ende der Bucht liegen und die die Pilger nach Santona übersetzen. 

Die spätmittelalterliche Stadt ist klein aber mit schmalen Gassen und roten Ziegeldächern sehenswert. Stadtpaläste aus dem 16.,17. Und 18. Jh. zählen zu ihren Attraktionen ebenso wie die Pfarrkirche Santa Maria de la Asunción mit dem üppig verzierten flämischen Retabel de Belén (Altaraufsatz).

In der großen Bucht zwischen Santona und Laredo – Laredo war ein wichtiger königlicher Kriegshafen – suchten im August 1639 während des Dreißigjährigen Krieges zwei spanische Galeonen neuester Bauart Zuflucht vor der französischen Flotte. Vergeblich, die beiden spanischen Kriegsschiffe wurden von der übermächtigen französischen Flotte – 12 000 auf 189 Schiffen!!! – gestellt. Das Flagschiff „Wappen von Galicien“ wurde von den Franzosen gekapert, das Admiralsschiff „Almiranta Nuestra Senora de la Concepción“ wurde von der eigenen Mannschaft versenkt, wollte man doch nicht, dass die wertvolle Ladung dem Feind in die Hände fiel. Die spanische Schiffbautechnik war zur damaligen Zeit der der Franzosen und Engländern überlegen. Bis zu 600 Mann konnten auf diesen Galeonen befördert werden.

Außerdem gab es eine Plattform mit Dutzenden von Kanonen, die wesentlich leichter waren als die französischen und englischen, da sie nicht aus Bronze sondern aus Gusseisen gefertigt waren. 300 Jahre lag das Wrack der Almiranta auf dem Meeresgrund vor der Küste, bevor Archäologen sie orteten und Teile davon an die Oberfläche holten.

Santoña

Am linken Ufer des Flusses Ansón liegt Santoña, das das Naturschutzgebiet der Sümpfe von Santoña und Noja bildet und eines der ältesten Fischerdörfer ist. Santoña ist in zwei Zonen unterteilt, eine städtische Ebene und ein bergiges Gebiet, mit dem Berg Buciero an seiner östlichen Grenze und Brusco und dem Strand von Berria im Norden. Der Strand von San Martin bildet die südliche Grenze und der Fischerhafen und das Sumpfgebiet die westliche Grenze.In der Stadt finden sich drei Forts, die ein Erbe der Bedeutung Santoñas als strategischer Ort für die militärische Verteidigung der Küste sind: Fort San Martin, am Ende der Strandpromenade; Fort San Carlos, das der Mündung der Bucht am nächsten liegt; und Fort del Mazo oder “Napoleons Fort”, das sich auf dem Berg Buciero befindet und einen Blick über die gesamte Gegend bietet. Die Lage Santonas machte den Ort zu einem idealen militärischen Rückzugsort. Bis ins 19.Jh. galten die Festungen der Stadt als uneinnehmbar. Auch die zwei Leuchttürmen mit ihrem unvergleichlichem Charme sind hier bemerkenswert.

Auf unserer Wanderung kommen wir auch an einem Gefängnis vorbei. Hierzu schreibt Raimond Joos im Reiseführer Jakobsweg: Küstenweg  (s. 121-122) folgende nette Geschichte:

“Felipe wurde im Jahr 1997 wegen Drogenhandels zu 10 Jahren Haft verurteilt und saß genau in dem Gefängnis am Jakobsweg. Wegen guter Führung durfte er nach einigen Jahren an einem scharf bewachten Projekt teilnehmen, bei dem wenige Gefangene eine Wanderung auf dem Jakobsweg machten. Ziel war die 22 km entfernte Pilgerherberge von Güemes, in der man zu Abend aß, um anschließend wieder ins Gefängnis heimzukehren. Das Projekt ist inzwischen eingestellt :). Felipe wurde es während der letzten zwei Jahre seine Haftzeit erlaubt, in dieser Herberge als Hospitalero Dienst zu tun. Das Haus durfte er dabei nicht verlassen.

Felipe hat seine Haftzeit inzwischen abgebüßt und auch seinen Dienst in der Herberge beendet. Er ist Maler und lebt keine halbe Stunde von der Herberge entfernt glücklich mit seiner Lebensgefährtin, einer Pilgerin aus Holland, die er in der Herberge kennengelernt hatte.”

Ja, der Jakobsweg schreibt für jeden von uns seine eigenen Geschichten, die uns glücklich machen und seine Faszination ausmachen (s. auch Persönliche Geschichten).

Strand von Laredo
Überfahrt von Laredo nach Santona

Quellen

Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, 6. aktual. Auflage 2008

Bisping, S., Schwarzenburg, G.,  100 Highlights – Jakobswege in Spanien und Portugal, München 2021

Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, Outdoor Verlag, 2019

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Santillana und San Vicente de la Barquera

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Camino del Norte

Santillana del Mar – ein Blick zurück ins Mittelalter

Santillana del Mar ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Orte Spaniens. Ein Gang auf den mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen durch die Altstadt versetzten einen unmittelbar ins Mittelalter. Die aus großen Steinquadern errichteten Häuser sind mit den Wappen bedeutender kastilischer Familien und der örtlichen Aristokratie geschmückt, die während der Reconquista zu Geld und Grundbesitz im neu eroberten Süden gekommen sind: Salazar, Velarde Ceballos, Calderón de la Barca, Peredo, Mendoza, Marqueses de Santillana. Es ist als ob die Zeit stehen geblieben wäre, denn es findet sich im Zentrum kein einziger Neubau. So ist ein geschlossenes intaktes Ensemble entstanden aus mit wappengeschmückten Türen, großen rund- oder spitzbogigen Einfahrten und schönen gotischen Fenstern.

Der Ursprung des Ortes geht auf das 8. Jh. zurück, als sich allmählich ein mittelalterliches Dorf ausbildete, in dessen Zentrum sich die Stiftskirche Santa Juliana befand, die dem heutigen Santillana del Mar (Santa Juliana – Sant´llana  – Santillana) später ihren Namen verleihen sollte. Die Klosterkirche mit Kreuzgang ist der Rest eines der mächtigsten Klöster Nordspaniens. Die Kirche ist die bedeutendste romanische Bau Kantabriens. Von außen wirkt sie sehr massiv mit einem kräftigen romanischen Turm (12. Jh.). Im Zentrum der Kirche steht die Grabtumba der hl. Juliana. Der romanische Kreuzgang mit herrlichen Figurenkapitellen zeigt deutliche Unterschiede zwischen den älteren Kapitellen, die figurenreich sind und oft Fantasietiere abbilden, und den rein vegetabilen Kapitellen, die wohl später entstanden sind. Neben der Kirche sind vor allem die Casa de los Hombrones, ein Stadtpalast mit frühbarockem Wappen und der hombrones, der Stadtpalast des ersten Marqués de Santillana hervorzuheben. Aus dem Mittelalter stammt der Merino-Turm (14. Jh.) und der Don Borja Turm (15. Jh.), die als älteste Profanbauten der Stadt gelten.

(s. auch Die Höhle von Altamira)

Wer in Santillana nächtigen will, kann natürlich im staatlichen Parador Gil Blas unterkommen. Für Jakobspilgerer würde ich allerdings das El Convento empfehlen.

Als der örtliche Bischof das weitläufige Gebäude dieses ehemaligen Nonnenklosters an einen sympathischen jungen kirchlichen Verein übergab, stellte er nur drei Bedingungen: 1. Steuer zahlen, 2. Sozialschwache Menschen in Arbeit bringen und 3. Die Pilger gut versorgen. Die schöne rustikale Herberge bietet derzeit 17 einfache und gepflegte DZ mit je einem Stockbett und eignem Waschbecken. Schöne, helle, geräumige Aufenthaltsräume, großer Garten und Terrasse.

San Vicente de la Barquera –  ein malerischer Küstenort

Es gibt Funde aus der Bronzezeit  und in El Barcenal aus der Zeit der Megalithkulturen . Der römische Hafen Portus Vereasueca wurde des Öfteren mit San Vicente de la Barquera identifiziert.

In der Mitte des 8. Jahrhunderts wurde die Stadt im Rahmen der Reconquista durch König Alfons I.  aus den Händen der Muslime zurückerobert. Er errichtete eine Burg, die man als Keimzelle der heutigen Stadt betrachten kann. Später führte der an der Küste verlaufende Jakobsweg durch den Ort. Nach einer Periode wirtschaftlichen Wachstums konnte sich die Stadt unter König Alfons VII.  im Jahr 1210 rechtlich selbständig machen. Als Alfons VIII der Stadt die Gerichtsbarkeit übertrug, wurde wahrscheinlich auch mit dem Bau der heutigen Festung zu Beginn des 13. Jahrhunderts begonnen. Der älteste Teil der Stadt liegt auf dem höchsten Punkt.

Das Vorhandensein von Burgen in Küstennähe ist nicht üblich, und wenn wir vor einer stehen (wie es auch in Castro Urdiales der Fall ist), ist der ästhetische Effekt beeindruckend. Das Schloss des Königs von San Vicente de la Barquera bietet auf jeden Fall ein imposantes Aussehen. Es liegt auf dem Landarm, der die beiden Flussmündungen der Stadt trennt und wird in seinem höchsten Teil von der Kirche Santa María de los Ángeles gekrönt.

Die breiten Wände dieses Gebäudes bestehen aus großen Quadern mit Quaderverstärkungen an den Rändern. Es diente im Wesentlichen  Verteidigungszwecken, obwohl es auch einen Wohnraum mit gotischen Öffnungen bewahrt. Sein Grundriss ist mehr oder weniger rechteckig mit einem hohen fünfeckigen Turm an der Nordspitze. Von dieser Burg aus beginnt die Mauer, die die alte Zitadelle umgab. Einige Teile davon sind erhalten, ebenso die Tore, die die Pilger auf dem Camino de la Costa in Richtung Santiago durchqueren mussten.

Nahe dem Kastell thront die dreischiffige gotische Kirche Santa María de los Ángeles über der Mündung des Flusses Escudo. Zwei der drei Portale zeigen noch eine romanische Ornamentik. Im Chorberich finden sich drei imposante Schnitzaltäre.

Besonders beeindruckend ist die Puenta de Maza über dem Meeresarm. Die ca. 500 m lange Maza-Brücke mit ihren 28 Bögen wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf Befehl der Katholischen Könige Isabel und Ferdinand erbaut.

Das Mündungsgebiet und die Strände sind Teil des Naturparks Parque Naturale de Oyambre, den man auf dem Jakobsweg über 10 km zur Rechten sehen kann.

Hinter San Vicente de la Barquera hat man einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama der Picos de Europa. Der Naranjo de Bulnes fällt durch seine verwegene Gestalt besonders auf.

Will man einen Abstecher in die Picos und zum Kloster Santo Toribio de Liébana machen, so kann man von San Vicente aus entweder zu Fuß einen sehr anstrengenden Weg hinauf in die Picos wählen oder mit dem Bus nach Potes fahren und von dort aus zum Kloster wandern

(s. auch das Kapitel über die Picos und das Kloster Santo Toribio).

Quellen

Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, Ostfildern 6. überarb. Aufl. 2008

Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, 17.überarb. Auflage 2019

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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

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Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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Via de la Plata

Begriff

 

Transhumanz ist eine Form der Weidewirtschaft, bei der das Vieh (i.d.R. Schafe und Ziegen, aber auch Kühe und Pferde) im Sommer auf Höhenzügen und im Winter in schneefreien Niederungen steht. Im Gegensatz zum Nomadismus gehören die Herden einer sesshaften Bevölkerung und werden von Hirten zu den Weideplätzen, die sich im jahreszeitlichen Klimarhythmus ergänzen, begleitet. Bei der Transhumanz wird das Vieh im Unterschied zur Almwirtschaft in der Regel nicht eingestallt, da es klimatisch nicht notwendig ist. Die Eigentümer selbst betreiben Ackerbau oder gehen anderen Berufen nach.

Hauptverbreitungsgebiet der Transhumanz ist der Mittelmeerraum.

Von Ökologix - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32403478

Transhumanz in Spanien

 

In Spanien ist die saisonale Wanderschäferei über weite Strecken seit Jahrhunderten eine Tradition. Hier hat die regelmäßige saisonale Beweidung durch die Schafe eine einzigartige Kulturlandschaft mitgeschaffen.

Im Frühsommer, wenn weite Landschaften Zentral- und Südspaniens anfangen auszutrocknen, beginnt die Transhumanz in Spanien. Über Hunderte von Kilometern wurde/wird das Vieh aus Andalusien und der Extremadura in die gebirgigen, feuchteren Regionen der Provinzen León und Palencia getrieben. 

Bereits im zwölften Jahrhundert standen Wanderhirten unter dem besonderen Schutz der Könige. Für sie wurden eigens bis zu 75 Meter breite Viehwege mit Schutzhütten und Tränkestellen festgelegt. Auf den sogenannten Cañadas konnten Forscher mehr als vierzig Pflanzenarten pro Quadratmeter und mehr als hundert Schmetterlings- und andere Insektenarten nachweisen.

In Spanien trieben die Hirten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als vier Millionen Schafe,Rinder, Ziegen, Esel und Pferde in den Norden Spaniens und zurück. Damit schufen sie ein Wegenetz von mehr als 124.000 Kilometern durch das Land. Eine uralte und die Landschaft prägende Tradition, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in Spanien in den 1960er-Jahren fast in Vergessenheit geriet.

Diese Wende kam mit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft und der damit verbundenen EG-Supermarkt-Agrarpolitik, gegen die die spanischen Wanderhirten mit ihrer überlieferten, extensiven Viehzucht keine Chance hatten. Die Entkopplung der EU-Beihilfen und die Konkurrenz durch Importe aus dem Ausland haben zu einer massiven Aufgabe kleiner, extensiv arbeitender Betriebe geführt. Diese Schließung von Betrieben führt bei den großen Betrieben zu einer weiteren Intensivierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So befindet sich die extensive Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen, die zum Artenerhalt und für die Landschaftspflege in ganz Spanien von fundamentaler Bedeutung ist, an einem Scheideweg, der über die Zukunft der Natur und des ökologischen Gleichgewichts entscheidet. Gerade unter dem Eindruck der Klimakrise, der stärkeren Dürrperioden, der Austrocknung und Auslaugung der Böden sowie der gängigen Probleme einer intensiven Landwirtschaft ist hier ein Umdenken gefragt.

Die mangelnde Überlieferung von Generation zu Generation, die Modernisierung und die geringe Rentabilität der Verfahren und die heruntergekommenen Viehwege haben zu einem Niedergang der Transhumanz geführt, die sehr stark Gefahr läuft, in naher Zukunft völlig zu verschwinden. Zudem ist sie weiterhin eine wichtigste wirtschaftliche Tätigkeit in vielen ländlichen Bergregionen, wo die physischen Faktoren andere Arten der Landwirtschaft einschränken.

Mitunter geht es nicht nur auf Feldwegen, sondern auch Landstraßen zum nächsten Ziel der Transhumanz. Foto: Hilke Maunder "Mein Frankreich"

Bedeutung der Transhumanz für das ökologische Gleichgewicht

(u.a. am Beispiel der Dehesas)

  • Die Dehesas werden in der Trockenheitsphase nicht vertreten und bis zum letzten Halm abgefressen.
  • So wird eine Überweidung vermieden und der Lebensraum anderer Tiere (z.B. gefährdeter Steppenvögel) geschützt.
  • Immergrünen Weiden binden auch im Winter weiterhin Kohlendioxid (CO2) über die Pflanzen und speichern dies über die Wurzeln im Boden. 
  • Mehrschichtige und unbelastete Grünlandboden bindet zudem Schadstoffe wie übermäßigen Stickstoff und verhindert damit eine Nitratbelastung von Grundwasser, Flüssen und Seen.
  • Die Böden können im Herbst die Regenfälle besser aufnehmen.
  • So wird auch die Erosion der Böden verringert.
  • Das schützt wiederum die Artenvielfalt der Dehesas.
  • Der Arbeitsaufwand auf den Farmen wird durch die Abwesenheit der Schafe verringert.
  • Man spart sich das Kraftfutter für die Schafe, was zur Verminderung des CO2 -Fußabdruckes führt.
  • Auf den Bergweiden wird die Verbuschung vermieden und Weideflächen freigefressen.  indem die Weidetiere bestimmte Pflanzen immer wieder “verbeißen”, wo sonst mehrjährige Sträucher und Bäume bald alles zuwuchern würden. Dadurch sind in Europa einzigartige Kulturlandschaften entstanden.
  • So kann auch die Biodiversität (siehe Kapitel unten) gestärkt werden, da durch die Verbuschung bestimmte Tierarten wie der Braunbär, der Auerhahn oder der Bartgeier bedroht sind.
  • Untersuchungen aus Spanien haben aufgezeigt, dass mit dem Kot eines einzigen Schafes bis zu 6000 Samen am Tag ausgeschieden werden. Damit tragen Schafe nicht nur zur Artenvielfalt in der Landschaft bei, sie vernetzen auch wichtige Biotope untereinander. Auf manchen historischen Wanderwegen hat sich über die Jahrhunderte durch die Wanderschäferei eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt.
  • Außerdem wird die Waldbrandgefahr in den Bergen so reduziert.
  • Durch die Transhumanz werden außerdem viele Wanderwege, Canadas (bis zu 125.000 km Länge) erhalten, ein unschätzbares Natur- und Kulturerbe.

Politische und organisatorische Aktivitäten in Spanien

Seit den 1990ern bemühte sich eine Handvoll Hirten und Naturschützer um die Wiederbelebung der Transhumanz, und die Regierung stellte die Wege 1995 schließlich unter Schutz.

Als weiteres Ergebnis hat das Ministerium für die Umwelt, den ländlichen Raum und die Meeresumwelt (MARM) ein Förderprogramm für die Transhumanz über das nationale Netzwerk für ländliche Räume eingerichtet, das teilweise über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Das Programm unterstützt Hirten, die saisonal wandern, und sieht Maßnahmen vor, um der Öffentlichkeit die Bedeutung der Hirten bewusst zu machen. Dies umfasst u.a. Präsentationen, die Entwicklung von Unterrichtsmaterial für Schulen und den mittlerweile berühmten Schaftrieb durch Madrid.

Neben anderen Organisationen kümmert sich auch die Fundación Global Nature um die Biodiversität im ländlichen Raum. Um die Geschichte der Transhumanz lebendig zu halten, wurde die Fundación selbst zum Viehhalter und ging viele Jahre lang mit einer Herde von 2.200 Merinoschafen auf die Wanderreise. Im Moment arbeitet die Fundación Global Nature España im Wesentlichen daran, neue Möglichkeiten für die Transhumanz aufzuzeigen, um diese auch finanziell attraktiver zu machen. Dazu zählt die Haltung alter und gefährdeter Haustierrassen, die sich bestens an das Klima, die Sommerhitze und den kargen Boden anpassen und hervorragende Fleischprodukte aus ökologischer Viehzucht liefern können. Außderdem sollen neue Vermarktungsstrategien wie z.B. die Werbung für “Produkte aus der Transhumanz”  intensiver auszubauen werden.

Interessant zu wissen:

2026:   Ein Jahr im Zeichen der Transhumanz
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) hat 2026 als Internationales Jahr der Weidelandschaften und Pastoralisten (= Hirten und andere) ausgerufen.

Das IYRP soll das weltweite Verständnis für die Bedeutung von Weideland und Pastoralisten für die Ernährungssicherheit, die Wirtschaft, die Umwelt und das kulturelle Erbe verbessern, Wissenslücken über Weideland und Pastoralisten schließen helfen und eine evidenzbasierte Politik und Gesetzgebung fördern, die eine nachhaltige Weidewirtschaft in den Weidelandschaften ermöglicht. 

By Jpmgir - Own work: appareil numérique bon marché, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8287487

Was bedeutet eigentlich Biodiversität und warum ist sie so wichtig?

 Als Biodiversität bezeichnet die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme auf dem Land, im Süßwasser, in den Ozeanen sowie in der Luft. Biodiversität beinhaltet

  • die Vielfalt unterschiedlicher Arten als auch innerhalb einer Art (taxonomische Diversität)
  • die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten sowie die Diversität aller Organismen eines Lebensraums (genetische Diversität)
  • die Vielfalt an Biotopen und Ökosystemen sowie an Ökosystemfunktionen wie Bestäubung und Samenverbreitung (ökologische und funktionale Diversität)
  • die Vielfalt an Verhaltensweisen von Tieren (kulturelle Vielfalt)

Biodiversität ist das Rückgrat des Lebens. Sie ist für den Menschen ebenso wichtig wie für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie versorgt uns mit Nahrung, Süßwasser und sauberer Luft und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrung des natürlichen Gleichgewichts. Sie trägt dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten und verhindert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums hängt knapp die Hälfte des weltweiten BIP (rund 40 Billionen €) von der natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen ab. 

Menschliche Tätigkeiten, die Lebensräume verschmutzen und verändern, sowie der Klimawandel belasten Arten und Ökosysteme. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind derzeit weltweit eine Million Arten von Pflanzen, Insekten, Vögeln und Säugetieren vom Aussterben bedroht. Täglich sterben bis zu 200 Arten aus!

Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 ist der Eckpfeiler des Naturschutzes in der EU und ein Schlüsselelement des europäischen Grünen Deals. Man kann nur hoffen, dass die europäischen Staaten diese Strategie ernst nehmen und umsetzen und es nicht nur schön bedrucktes Papier bleibt. Die Zeit drängt!eigentlich

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Die Korkeiche – Europäischer Baum des Jahres 2018

Die Korkeiche – Europäischer Baum des Jahres 2018

Via de la Plata

Die Korkeiche (Quercus suber L.), auch Pantoffelholzbaum oder Pantoffelbaum, ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums aus der Gattung der Eichen (Quercus). Sie wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt. Namensgebend sind die dicken Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern.

Schon in der frühen Antike kannten die Assyrer, Ägypter und Griechen den Korken. Zum Teil wurden Korkpfropfen auch als Verschluss für Amphoren verwendet. Zumeist waren jedoch Stöpsel aus Terrakotta (Ton) in Gebrauch, die mit Bindfaden befestigt und dann mit Lack, Ton oder Pech abgedichtet wurden.

 

Beschreibung

Die Korkeiche wächst als immergrüner Baum, der eine durchschnittliche Wuchshöhe von 10 bis 20 Metern oder in seltenen Fällen bis 25 Meter und Stammdurchmesser von 50 bis 90 Zentimeter erreicht. 

Charakteristisch für die Korkeiche sind die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Das Kambium der bei jungen Bäumen glatten Rinde bildet sehr früh eine Korkschicht, die drei bis fünf Zentimeter dick werden kann. Das leichte und schwammige Korkgewebe zeigt senkrechte Risse und ist an der Außenseite weiß, an der Innenseite rot bis rotbraun. Die Korkeiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es treten sowohl weibliche als auch männliche Blüten an einem Exemplar auf. Die Fruchtstände werden 0,5 bis 4 Zentimeter lang und tragen zwei bis acht Eicheln.

Die Bäume werden über 400 Jahre alt, geerntete Exemplare werden 150 bis 200 Jahre alt.

 

geschälte Korkeiche Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17050001

Verbreitungsgebiete und Standortansprüche

Dehesa heißen in Spanien die Korkeichenwälder, die sich in den Regionen Andalusien und Extremadura auf einer Fläche von über 500.000 Hektar erstrecken.  In Portugal bedecken natürliche und angepflanzte Bestände ein Gebiet von 750.000 Hektar. Auch in Frankreich, Italien und Nordafrika finden sich meist kleinere Gebiete mit Korkeichen (s. Karte).

Die Art ist sehr lichtbedürftig und kann in dichten Beständen nicht überleben. Sie ist wärmeliebend und in Mitteleuropa nicht winterhart.  Sie erträgt Dürre und überdauert sommerliche Trockenperioden durch die Reduzierung des Stoffwechsels. Korkeichen stellen geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und wachsen auch auf mageren, trockenen oder felsigen Standorten. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche#/media/Datei:Quercus_suber_range.svg

Ökologische Aspekte und Probleme

In natürlichen Umgebungen wächst die Korkeiche gemeinsam mit anderen Eichenarten z.B. der Steineiche. Die Korkeichenwälder dienen unter anderem als Weideland für die halbwild gehaltenen Ibérico-Schweine und stellen zudem wichtige Lebensräume für bedrohte Tier- und Vogelarten wie beispielsweise den Iberischen Luchs, den Spanischen Kaiseradler und den Mönchsgeier dar. (s. auch Artikel “Dehesas” und ” Das schwarze Ibero-Schwein”)

Die Korkeiche geht mit mehreren Pilzarten eine MykorrhizaSymbiose ein. Dabei ist das Feinwurzelsystem der Eiche in engem Kontakt mit dem Myzel des Pilzes. Die Eiche erhält vom Pilz Wasser und Nährsalze im Tausch für Produkte der Photosynthese.

Leider hat die Korkeiche auch mächtige Feinde. Mehrere Schmetterlingsarten, sprich ihre Raupen, schädigen die Korkeiche, die bedeutendste ist der Schwammspinner (Lymantria dispar). Wie bereits im Artikel „Dürre in der Extremadura“ ausgeführt breitet sich dieser Schädling gerade intensiv im Süden Andalusiens aus und bedroht auf Dauer auch die Korkeichen in der Extremadura und im angrenzenden Portugal.

(Foto: © APCOR / DKV).

Nutzung und Vorzüge

Die Korkeiche wird zur Gewinnung von Kork in mehreren Mittelmeerländern angebaut. Die Zentren der Korkproduktion liegen in Süd-Portugal und Süd-Spanien, wo auf weiten Flächen niedrige Bäume mit großen Kronen und starken Ästen angebaut werden, die den höchsten Ertrag an Kork liefern. Diese größtenteils extensiv bewirtschafteten Habitate werden in Spanien Dehesas und in Portugal Montandos genannt. Unter den Gesichtspunkten von Artenvielfalt und kulturellem Erbe werden sie als höchst wertvoll angesehen.

Die Korkeiche ist der einzige Baum, den man schälen kann, ohne dass er Schaden nimmt. Ehe es soweit ist, muss er mindestens zwanzig Jahre wachsen, um eine Höhe von 1,50 Metern und einen Mindestdurchmesser von siebzig Zentimetern zu erreichen. Im Folgenden kann die nachwachsende Rinde regelmäßig alle neun Jahre und bis zu einem Alter von etwa 150 Jahren frisch abgezogen werden. Je nach Alter des Baums liegt der Ertrag bei zwanzig bis sechzig Kilo Kork pro Schälung.

Korkeichen können nicht maschinell geerntet werden. Man benötigt dazu zwei spezialisierte Arbeiter, von denen einer fachkundig die Schnitte setzt und der andere die Schale von den Stämmen löst. Zurück bleibt ein nackter Baum, dessen Stamm dann rotbraun ausschaut. Er beginnt dann wieder, eine Rinde zu bilden. Erst ab der dritten Schälung – also etwa im Alter von vierzig Jahren – besitzt der Kork jedoch die Qualität, die zur Herstellung von Flaschenkorken erforderlich ist. Die Hälfte des weltweit vorrätigen Korks wird zu Korken verarbeitet. Die andere Hälfte wird u.a. in der Bauindustrie zu Isolierungszwecken und für Bodenbeläge oder in der Modebranche für die Herstellung von Schuhen und Taschen verwendet.

Der Herstellungsprozess zieht sich über mehrere Monate hin. Zunächst wird die Rinde zwischen 6 bis 24 Monate unter freiem Himmel zur Trocknung gelagert. Die Kork-schalen verlieren in diesem Bearbeitungsschritt ihre Wölbung und werden zu Platten. Nach weiteren Monaten der Lagerzeit wird der Kork zur Desinfektion in heißem Wasser für etwa eine Stunde gekocht. So gewinnt er auch eine höhere Elastizität, was für die Weiterverarbeitung von Nutzen ist. Nach nochmals dreimonatiger Trocknungszeit wird der Kork dann nach Qualität sortiert. Das beste Material wird für Korken verwendet. Allein Spanien produziert auf diese Weise jährlich rund 3 Milliarden Flaschenkorken; Portugal kommt im selben Zeitraum sogar auf die astronomisch klingende Zahl von 10 Milliarden Stück.

Natürlich gibt es die Diskussion über den Sinn der Verwendung von Flaschenkorken im Vergleich zu Drehverschlüssen.

Die einen plädieren für die Ganzstückkorken, also Korken, die aus einem Stück gefertigt werden, gerade bei Weinen mit einer langen Lagerzeit mit der Begründung, dass er sich in seiner Elastizität jeden Unebenheiten im Flaschenhals anpasst und dass seine Zellwände  immer noch einen minimalen Luftaustausch erlauben, der zur optimalen Reifung lang lagernder Weine wichtig ist. Ein luftdichter Schraubverschluss kann diesen Vorzug nicht bieten, auch wenn andere Meinungen sagen, ein Drehverschluss wäre genauso gut, da sich Luft bereits in der Flasche befinde. Außerdem würde man so der Gefahr es Ausschusses entgehen, was allerdings nur bedingt zutrifft, denn auch bei anderen Verschlussarten kommt es zu den sogenannten Weinfehltönen. Schraubverschlüsse sind aber (leider) deutlich billiger, aber ökologisch bedenklicher. Wahrscheinlich ist das Ganze auch eine Glaubens- und Stilfrage. Die spanischen Winzer bevorzugen auf jeden Fall noch den Korken.

Kork hat aber noch andere Vorzüge. Kork ist der einzige ökologisch unbedenkliche Verschluss und ein recycelbares Naturprodukt. Darum gibt es viele Initiativen, die Kork recyceln. Alte Korken werden gemahlen und beispielsweise als ökologischer Dämmstoff für die Isolierung von Außenwänden oder Dächern angeboten.

 

Zudem ist zu bedenken, dass nicht zuletzt die Verwendung von Naturkorken den Erhalt der artenreichen Ökosysteme und der einzigartigen Kulturlandschaft der Korkeichenwälder auf der iberischen Halbinsel unterstützen. Ohne ökonomischen Nutzen würden Dehesa und Montado möglicherweise verschwinden und ihre Flächen beispielsweise zu Olivenhainen umgewandelt werden. 

(Foto: © APCOR / DKV).
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Geographisches Geographisches Via Podiensis

Die herrlichen Flusstäler der Lot und Célé

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Via Podiensis

Wenn wir auf der Via Podiensis pilgern, begegnen wir immer wieder den beiden Flüssen, dem Lot und dem Célé. Wir wandern zum Teil entlang ihrer Täler, durch ihre Schluchten und besuchen einige Städte und Dörfer an ihren Ufern oder Hochufern. In Figeac entscheidet man sich dann, welchen der beiden Alternativen des Jakobsweges man wählen möchte und damit auch an welchem Fluss man entlang geht und welche der schönen Dörfer man besucht. Unten sind die am jeweiligen Weg liegenden Orte angegeben.

 

Der Lot

Der Lot ist ein Fluss im Südwesten Frankreichs, der in den Regionen Okzitanien und Novelle-Aquitaine verläuft. Er entspringt am Mont Lozère im Zentralmassiv, entwässert generell in westlicher Richtung, durchquert die Weinlagen bei Cahors und mündet nach rund 485 Kilometern bei Aigullion als rechter Nebenfluss in die Garonne. Der Fluss mäandriert stark in seinem Verlauf.

An seinem Ufer befinden sich einige Orte der Via Podiensis. Außerdem verläuft er an der südwestlichen Grenze des  Regionalen Nationalparks Aubrac und durchquert in seinem Unterlauf den Regionalen Naturpark Causses du Quercy.

Trotz seiner starken Strömungen wurde er ab dem 16. Jahrhundert zu einer wichtigen Verkehrsader für  den Handel. Auf den gabar(r)es, flachgehenden Booten, transportieren die Binnenschiffer Holz, Wein und Kohle zwischen dem Quercy und Aquitanien. Die ersten Stauwehre entlang des Lot entstanden, um Mühlen anzutreiben. Ein Teil dieser Mühlen ist heute noch erhalten, zum Beispiel die Mühle von Coty in Cahors. Die Wehre waren mit Stauschleusen versehen, um talfahrende Schiffe oder Flöße mit der Strömung passieren zu lassen. Bergfahrende Schiffe mussten mit Schiffswinden über das Wehr gezogen werden.

Nachdem Bahn und Straßenverkehr die Rolle des Transportes übernahmen, wurde der Lot wieder der Natur überlassen.

Da die Schleusen nicht mehr Instand gehalten wurden, verfielen sie zum Teil, soweit sie nicht für den Bau von Wasserkraftwerken umgerüstet wurden. Erst 1990 begann die schrittweise Wiederherstellung für die Sport- und Freizeitschifffahrt. Mittlerweile sind vier Abschnitte des Lot befahrbar, die allerdings untereinander nicht verbunden sind.

Foto: Hilke Maunder
Von Sylvain Crouzillat - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2806820

Der Célé

Der Célé verläuft in den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes und Okzitanien. Der Name Célé leitet sich vom lateinischen celer ab und bedeutet so viel wie schnell.

Der Célé entspringt im Gemeindegebiet von Calvinet, entwässert generell Richtung Südwesten, erreicht in seinem Unterlauf den Regionalpark Causses de Quercy und mündet nach rund 104 Kilometern im Gemeindegebiet von Bouziés als rechter Nebenfluss in den Lot. Auf seinem Weg durchquert er die Départements Cantal und Lot. Auf seinen letzten ca. 50 Flusskilometern verläuft der Fluss in spektakulären Schleifen zwischen hohen Kalksteinwänden, an die sich Dörfer schmiegen.

 

Zwei Varianten der Via Podiensis

Für die Variante über das Vallée de Célé benötigt man in der Regel drei Tage für insgesamt 76 km bis nach Bach, wo sich die Wege wieder treffen. Auf ihrem Weg berührt die Variante folgende Orte des Jakobsweges:

Figeac                         s. Artikel Figeac                                 

Marcilhac-sur-Célé      ist ein altes Pilgerdorf am Jakobsweg. Angelegt wurde es um eine Benediktinerabtei, deren Bau zeitgleich mit Conques Ende des 11. Jahrhunderts begann. Neben den Ruinen der Abtei hat die romanische Kirche ihre strenge Schönheit bewahrt.

Pech Merle     Tropfsteinhöhle mit jungpaläolithischer Höhlenmalerei. Das Alter der ältesten Zeichnungen wird auf ca. 20.000 Jahre datiert. Man findet Zeichnungen von Pferden, Wisenten, Mammuts, Fische und acht Silhouetten von Frauen. Außerdem findet man Handnegative, vorwiegend von Frauen- und Kinderhänden.  Die Zeichnungen sind mit Holzkohle ausgeführt.

Bouzies            Bei Bouzies fließt die Célé in den Lot. Die beiden Ortsteile von Bouziès (Bouziès-Bas und Conduché) liegen etwa einen Kilometer voneinander entfernt auf beiden Seiten des Flusses Lot, den der Pont de Conduché überspannt. Hier befindet sich bei Ganil ein in den Fels geschlagener Treidelpfad an der Lot.

St-Cirq-Lapopie          ist auch ein Ort auf der Variante Vallée de Célé und liegt auf einem Felsen oberhalb der Lot. In dem malerischen Felsendorf säumen gotische Häuser seine steilen Gassen, in denen einst Holzdrechsler und Binnenschiffer lebten. Hier verlässt der Jakobsweg zunächst die Lot und trifft in Bach auf die andere Variante. Gemeinsam führt der Weg dann nach Cahors.( s. unten)

 

Wer seinem Weg von Figeac über Cajare nach Cahors wählt, benötigt bis Bach 65.5 km, wo sich die beiden Wege wieder vereinen, es aber keine Übernachtungsmöglichkeit gibt! Auf diesem Weg berührt man folgende Orte des Pilgerweges:

Livinhac-le-Haut         Eingerahmt von den Ufern des Lot liegt der Ort in einer malerischen Flussschleife. Er liegt noch auf dem gemeinsamen Weg als letzte Station vor Figeac.

(Figeac)                       liegt an der Célé. Hier trennen sich die beiden Wegalternativen. (s. Artikel Figeac)

Cajare                         Hier treffen wir das erste Mal wieder auf den Lot. Der Ort liegt direkt an seinem Ufer in einer Flussschleife. Er war seit Mitte des 13.Jh. mit seinem Hospiz eine wichtige Etappe auf dem Jakobsweg. In der Neuzeit wurde er dadurch bekannt, dass Georges Pompidou hier ein Ferienhaus hatte. Im Maison des Arts Georges und Claude Pompidou gibt es Ausstellungen zu zeitgenössischen Künstlern. Wenig später verlassen wir den Lot, steigen hinauf auf die Causses und treffen erst bei Cahors wieder auf den Fluss.

Cahors                        Der Lot umschließt die Altstadt in einer großen, engen Schleife. (s. Artikel  Pont Valentré und Cahors)

 

Bouziès im Tal des Lot. Foto: Hilke Maunder
Von HTO, User:Kersti Nebelsiek - Eigenes Werk (photo of HTO, changes by Kersti Nebelsiek), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19817397
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