Castro-Urdiales – mittelalterliche Schönheit über dem Meer
Castro Urdiales besitzt den Reiz eines Fischerdorfs mit berühmter Tradition und touristischem Flair, das durch die Schönheit der Strände Urdiales, El Fraile und Brazomar begünstigt wird. Hier siedelten schon die Römer, die den Ort Flavióbriga nannten. Teile von römischen Ruinen findet man unter der Wallfahrtskirche Santa Ana.
Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel neben dem Hafen. Dort befindet sich auch das Castillo de Santa Ana. Auf der einstigen Templerburg erhebt sich nur noch ein kleiner Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt bewacht. Der Ortskern mit seinen charakteristischen Häusern mit Holzbalkons ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde 1978 zum Historischen Ensemble erklärt. Neben der Festung steht die gotische Kirche Santa María de la Asunción. Sie wurde zwischen dem 13. Und 15. Jh. gebaut und ist der wichtigste gotische Sakralbau Kantabriens. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht.
Die wichtigsten Bauten aus verschiedenen Stilen und Epochen ( Burg, Kirche, mittelalterliche Brücke, Wallfahrtskirche Santa Ana) in diesem denkmalgeschützten Viertel Pueblo Vieja stehen im Kontrast zur Schlichtheit des Fischerviertels mit seinen engen Gassen und den kleinen Fischrestaurants.
Laredo
Laredo liegt an einem der schönsten Küstenabschnitte Kantabriens. Costa Esmeralda, Smaragdküste, wird die Küste hier wegen des grün leuchtenden Meeres genannt. Die Stadt besitzt Kantabriens längsten Strand „La Salvé“ gesäumt von einer vier Kilometer langen Promenade. An diesem Strand geht man auch entlang, wenn man zu den Schiffen am El Puntal will, die am Ende der Bucht liegen und die die Pilger nach Santona übersetzen.
Die spätmittelalterliche Stadt ist klein aber mit schmalen Gassen und roten Ziegeldächern sehenswert. Stadtpaläste aus dem 16.,17. Und 18. Jh. zählen zu ihren Attraktionen ebenso wie die Pfarrkirche Santa Maria de la Asunción mit dem üppig verzierten flämischen Retabel de Belén (Altaraufsatz).
In der großen Bucht zwischen Santona und Laredo – Laredo war ein wichtiger königlicher Kriegshafen – suchten im August 1639 während des Dreißigjährigen Krieges zwei spanische Galeonen neuester Bauart Zuflucht vor der französischen Flotte. Vergeblich, die beiden spanischen Kriegsschiffe wurden von der übermächtigen französischen Flotte – 12 000 auf 189 Schiffen!!! – gestellt. Das Flagschiff „Wappen von Galicien“ wurde von den Franzosen gekapert, das Admiralsschiff „Almiranta Nuestra Senora de la Concepción“ wurde von der eigenen Mannschaft versenkt, wollte man doch nicht, dass die wertvolle Ladung dem Feind in die Hände fiel. Die spanische Schiffbautechnik war zur damaligen Zeit der der Franzosen und Engländern überlegen. Bis zu 600 Mann konnten auf diesen Galeonen befördert werden.
Außerdem gab es eine Plattform mit Dutzenden von Kanonen, die wesentlich leichter waren als die französischen und englischen, da sie nicht aus Bronze sondern aus Gusseisen gefertigt waren. 300 Jahre lag das Wrack der Almiranta auf dem Meeresgrund vor der Küste, bevor Archäologen sie orteten und Teile davon an die Oberfläche holten.
Santoña
Am linken Ufer des Flusses Ansón liegt Santoña, das das Naturschutzgebiet der Sümpfe von Santoña und Noja bildet und eines der ältesten Fischerdörfer ist. Santoña ist in zwei Zonen unterteilt, eine städtische Ebene und ein bergiges Gebiet, mit dem Berg Buciero an seiner östlichen Grenze und Brusco und dem Strand von Berria im Norden. Der Strand von San Martin bildet die südliche Grenze und der Fischerhafen und das Sumpfgebiet die westliche Grenze.In der Stadt finden sich drei Forts, die ein Erbe der Bedeutung Santoñas als strategischer Ort für die militärische Verteidigung der Küste sind: Fort San Martin, am Ende der Strandpromenade; Fort San Carlos, das der Mündung der Bucht am nächsten liegt; und Fort del Mazo oder “Napoleons Fort”, das sich auf dem Berg Buciero befindet und einen Blick über die gesamte Gegend bietet. Die Lage Santonas machte den Ort zu einem idealen militärischen Rückzugsort. Bis ins 19.Jh. galten die Festungen der Stadt als uneinnehmbar. Auch die zwei Leuchttürmen mit ihrem unvergleichlichem Charme sind hier bemerkenswert.
Auf unserer Wanderung kommen wir auch an einem Gefängnis vorbei. Hierzu schreibt Raimond Joos im Reiseführer Jakobsweg: Küstenweg (s. 121-122) folgende nette Geschichte:
“Felipe wurde im Jahr 1997 wegen Drogenhandels zu 10 Jahren Haft verurteilt und saß genau in dem Gefängnis am Jakobsweg. Wegen guter Führung durfte er nach einigen Jahren an einem scharf bewachten Projekt teilnehmen, bei dem wenige Gefangene eine Wanderung auf dem Jakobsweg machten. Ziel war die 22 km entfernte Pilgerherberge von Güemes, in der man zu Abend aß, um anschließend wieder ins Gefängnis heimzukehren. Das Projekt ist inzwischen eingestellt :). Felipe wurde es während der letzten zwei Jahre seine Haftzeit erlaubt, in dieser Herberge als Hospitalero Dienst zu tun. Das Haus durfte er dabei nicht verlassen.
Felipe hat seine Haftzeit inzwischen abgebüßt und auch seinen Dienst in der Herberge beendet. Er ist Maler und lebt keine halbe Stunde von der Herberge entfernt glücklich mit seiner Lebensgefährtin, einer Pilgerin aus Holland, die er in der Herberge kennengelernt hatte.”
Ja, der Jakobsweg schreibt für jeden von uns seine eigenen Geschichten, die uns glücklich machen und seine Faszination ausmachen (s. auch Persönliche Geschichten).
Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, 6. aktual. Auflage 2008
Bisping, S., Schwarzenburg, G., 100 Highlights – Jakobswege in Spanien und Portugal, München 2021
Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, Outdoor Verlag, 2019