Santillana und San Vicente de la Barquera

Camino del Norte

Santillana del Mar – ein Blick zurück ins Mittelalter

Santillana del Mar ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Orte Spaniens. Ein Gang auf den mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen durch die Altstadt versetzten einen unmittelbar ins Mittelalter. Die aus großen Steinquadern errichteten Häuser sind mit den Wappen bedeutender kastilischer Familien und der örtlichen Aristokratie geschmückt, die während der Reconquista zu Geld und Grundbesitz im neu eroberten Süden gekommen sind: Salazar, Velarde Ceballos, Calderón de la Barca, Peredo, Mendoza, Marqueses de Santillana. Es ist als ob die Zeit stehen geblieben wäre, denn es findet sich im Zentrum kein einziger Neubau. So ist ein geschlossenes intaktes Ensemble entstanden aus mit wappengeschmückten Türen, großen rund- oder spitzbogigen Einfahrten und schönen gotischen Fenstern.

Der Ursprung des Ortes geht auf das 8. Jh. zurück, als sich allmählich ein mittelalterliches Dorf ausbildete, in dessen Zentrum sich die Stiftskirche Santa Juliana befand, die dem heutigen Santillana del Mar (Santa Juliana – Sant´llana  – Santillana) später ihren Namen verleihen sollte. Die Klosterkirche mit Kreuzgang ist der Rest eines der mächtigsten Klöster Nordspaniens. Die Kirche ist die bedeutendste romanische Bau Kantabriens. Von außen wirkt sie sehr massiv mit einem kräftigen romanischen Turm (12. Jh.). Im Zentrum der Kirche steht die Grabtumba der hl. Juliana. Der romanische Kreuzgang mit herrlichen Figurenkapitellen zeigt deutliche Unterschiede zwischen den älteren Kapitellen, die figurenreich sind und oft Fantasietiere abbilden, und den rein vegetabilen Kapitellen, die wohl später entstanden sind. Neben der Kirche sind vor allem die Casa de los Hombrones, ein Stadtpalast mit frühbarockem Wappen und der hombrones, der Stadtpalast des ersten Marqués de Santillana hervorzuheben. Aus dem Mittelalter stammt der Merino-Turm (14. Jh.) und der Don Borja Turm (15. Jh.), die als älteste Profanbauten der Stadt gelten.

(s. auch Die Höhle von Altamira)

Wer in Santillana nächtigen will, kann natürlich im staatlichen Parador Gil Blas unterkommen. Für Jakobspilgerer würde ich allerdings das El Convento empfehlen.

Als der örtliche Bischof das weitläufige Gebäude dieses ehemaligen Nonnenklosters an einen sympathischen jungen kirchlichen Verein übergab, stellte er nur drei Bedingungen: 1. Steuer zahlen, 2. Sozialschwache Menschen in Arbeit bringen und 3. Die Pilger gut versorgen. Die schöne rustikale Herberge bietet derzeit 17 einfache und gepflegte DZ mit je einem Stockbett und eignem Waschbecken. Schöne, helle, geräumige Aufenthaltsräume, großer Garten und Terrasse.

San Vicente de la Barquera –  ein malerischer Küstenort

Es gibt Funde aus der Bronzezeit  und in El Barcenal aus der Zeit der Megalithkulturen . Der römische Hafen Portus Vereasueca wurde des Öfteren mit San Vicente de la Barquera identifiziert.

In der Mitte des 8. Jahrhunderts wurde die Stadt im Rahmen der Reconquista durch König Alfons I.  aus den Händen der Muslime zurückerobert. Er errichtete eine Burg, die man als Keimzelle der heutigen Stadt betrachten kann. Später führte der an der Küste verlaufende Jakobsweg durch den Ort. Nach einer Periode wirtschaftlichen Wachstums konnte sich die Stadt unter König Alfons VII.  im Jahr 1210 rechtlich selbständig machen. Als Alfons VIII der Stadt die Gerichtsbarkeit übertrug, wurde wahrscheinlich auch mit dem Bau der heutigen Festung zu Beginn des 13. Jahrhunderts begonnen. Der älteste Teil der Stadt liegt auf dem höchsten Punkt.

Das Vorhandensein von Burgen in Küstennähe ist nicht üblich, und wenn wir vor einer stehen (wie es auch in Castro Urdiales der Fall ist), ist der ästhetische Effekt beeindruckend. Das Schloss des Königs von San Vicente de la Barquera bietet auf jeden Fall ein imposantes Aussehen. Es liegt auf dem Landarm, der die beiden Flussmündungen der Stadt trennt und wird in seinem höchsten Teil von der Kirche Santa María de los Ángeles gekrönt.

Die breiten Wände dieses Gebäudes bestehen aus großen Quadern mit Quaderverstärkungen an den Rändern. Es diente im Wesentlichen  Verteidigungszwecken, obwohl es auch einen Wohnraum mit gotischen Öffnungen bewahrt. Sein Grundriss ist mehr oder weniger rechteckig mit einem hohen fünfeckigen Turm an der Nordspitze. Von dieser Burg aus beginnt die Mauer, die die alte Zitadelle umgab. Einige Teile davon sind erhalten, ebenso die Tore, die die Pilger auf dem Camino de la Costa in Richtung Santiago durchqueren mussten.

Nahe dem Kastell thront die dreischiffige gotische Kirche Santa María de los Ángeles über der Mündung des Flusses Escudo. Zwei der drei Portale zeigen noch eine romanische Ornamentik. Im Chorberich finden sich drei imposante Schnitzaltäre.

Besonders beeindruckend ist die Puenta de Maza über dem Meeresarm. Die ca. 500 m lange Maza-Brücke mit ihren 28 Bögen wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf Befehl der Katholischen Könige Isabel und Ferdinand erbaut.

Das Mündungsgebiet und die Strände sind Teil des Naturparks Parque Naturale de Oyambre, den man auf dem Jakobsweg über 10 km zur Rechten sehen kann.

Hinter San Vicente de la Barquera hat man einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama der Picos de Europa. Der Naranjo de Bulnes fällt durch seine verwegene Gestalt besonders auf.

Will man einen Abstecher in die Picos und zum Kloster Santo Toribio de Liébana machen, so kann man von San Vicente aus entweder zu Fuß einen sehr anstrengenden Weg hinauf in die Picos wählen oder mit dem Bus nach Potes fahren und von dort aus zum Kloster wandern

(s. auch das Kapitel über die Picos und das Kloster Santo Toribio).

Quellen

Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, Ostfildern 6. überarb. Aufl. 2008

Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, 17.überarb. Auflage 2019

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