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Asturische vorromanische Architektur

Asturische (vorromanische) Architektur

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56670939

Die Vorromanik umfasst im europäischen Raum die Epoche des Frühmittelalters vom 5. – 11. Jh.. Es bezeichnet den Übergang von der Spätantike zur Romanik und wird vor allem in der Baukunst verwendet. Auch für die Kirchen des asturischen Stils wird oft der Begriff Vorromanik oder Präromanik verwendet. Allerdings wird dadurch ein Bezug zur Romanik suggieriert, der so nicht existiert.

Asturiens frühe Kirchen in und um Oviedo und in den Bergen bis an die heutige Grenze von León stellen einen besonderen Typus frühmittelalterlicher Architektur dar. Unter der Bedingung eines auf sich gestellten Kulturraumes und in ständiger Konfrontation mit der ganz anders gearteten maurischen Zivilisation entstand hier seit Mitte des 8. Jh ein eigenes eigenwilliges Kirchenbauprogramm, das sich bis heute erhalten hat. Die asturischen Kirchen stehen in ihrer Strenge und dekorativen Kraft für sich allein.

Wenn wir auf dem Camino Primitivo wandern, können wir die Wegalternative über Santa Maria del Naranco und San Miguel de Lillo wählen und so zwei der wichtigsten vorromanischen Bauwerke bewundern. Startet man am Zubringer zum Camino Primitivo, so kann man auch die Kirche San Salvador de Valdediós in Villaviciosa besichtigen. Sie liegt zudem nicht weit vom Camino del Norte entfernt. Auf dem Camino del Norte kommen wir auf jeden Fall an der Kirche San Salvador de Priesca vorbei.

https://temasycomentariosartepaeg.blogspot.com/2016/04/arte-prerromanico.html planta de Iglesia de San Julián de Prados

Asturische Präromanik – Stilelemente

Für die asturischen präromanischen Kirchen übernahm man die Bauweise der römischen Basiliken mit rechteckig-dreischiffigem Grundriss und Vorhalle. Rundbogenarkaden trennen Haupt- und Seitenschiffe, ein weiteres Querhaus ist dem dreigeteilten Chorhaupt vorgelagert.

Im Osten der Kirchen gaben die Asturier die bei den Westgoten nicht seltenen halbrunden Apsiden auf und wählten einen geraden Abschluß für den Chor, wie wir ihn auch bei den angelsächsischen und normannischen Kirchen Englands finden. Hervorstechend ist die häufige Verwendung von Backsteinen. In Verbindung mit den Natursteinen wirken sie als dekorative Elemente.

Fresken schmücken die Innenwände. In den Kapitellmotiven und den Durchbruchmustern der steinernen Fensterfüllungen wird häufig der Einfluss des Orients deutlich. Vor der Einführung von Glasfenstern wurden Transennen zum Verschluss von Fensteröffnungen verwendet. Sie finden sich häufig in den vorromanischen Kirchen Asturiens.  Korinthisierende Kapitelle, die schon westgotische Kirchen schmückten, sind in fast allen asturischen Bauten anzutreffen, mehr oder weniger stilisiert.

Maurischer Bauschmuck wird zunächst von der asturischen Dynastie in Oviedo weitgehend vermieden, verständlich bei der politischen und religiösen Gegnerschaft. Aber später wurden Elemente der mozarabischen Kunst eingefügt. Voraussetzung war, dass die christliche, »mozarabische« Bevölkerung im arabischen Teil Spaniens zunehmend bedrängt wurde und nach Norden auswich. Unter ihrem Einfluss entstand dort ein neuer Baustil, bei dem sich ältere lokale Elemente mit arabischen vermischten, die ihrerseits noch Römisches und Byzantinisches enthielten. Der Reichtum der Bauornamentik nahm  deutlich zu. Auf die so genannte “mozarabische Architektur” wird in einem Extrakapitel eingegangen (s. Mozarabische Architektur in Kastilien und Leon und im Serrablo de Huesca).

Kurzer Exkurs:
Vorromanische Bauten greifen, wie oben erläutert, antike Vorbilder auf, transformieren sie und bereiten die Formen der Romanik vor. Die Kirchenbauten folgten beispielsweise öfter dem römischen Bautyp der dreischiffigen Basilika (deutsch ‚Königshalle‘), die in der Antike zum einen als Audienzhalle eines Herrschers, andererseits aber auch als Gerichts- oder Markthalle Verwendung fand. Der Grund, warum keine Tempel zum Vorbild für die Kirchen genommen wurden, sondern Versammlungshäuser, ist in der christlichen Liturgie zu suchen, denn die Gottesdienste fanden unter Einbezug der Gemeinde statt, während in der antiken römischen Religion die Opferzeremonie vor dem Tempel stattfand, während nur die Priester den Innenraum des Tempels betreten durften.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16775828

Präromanik als künstlerischer Ausdruck der asturischen Monarchie

Die asturische Architektur ist einzigartig in Spanien, die durch die Kombination von Elementen anderer Stilrichtungen ( westgotische, lokale und mozarabische Traditionen) ihre eigene Persönlichkeit und Charakteristika schuf und sie entwickelte dabei nicht nur baulich ein beträchtliches Maß an Verfeinerung erreichte, sondern auch in Bezug auf Dekoration und Goldverzierung . Dieser letzte Aspekt ist in so wichtigen Werken wie dem Engelskreuz, dem Siegeskreuz, der Achatkiste (in der Heiligen Kammer der Kathedrale von Oviedo untergebracht), dem Reliquienschrein in der Kathedrale von Astorga und dem Kreuz von Santiago zu sehen.
Als Hofarchitektur folgten die vorromanischen Baudenkmäler teilweise den verschiedenen Standorten der jeweiligen Reichshauptstadt; von ihrem ursprünglichen Standort in Cangas de Onis (Ost-Asturien) über Pravia (westlich der zentralen Küste) bis zu ihrem endgültigen Standort in Oviedo , dem geografischen Zentrum der Region. Die Entwicklung der asturische Vorromanik war eng mit der politischen Entwicklung des Königreichs verbunden. So kann man fünf Perioden unterschieden, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll. 

Dabei werden die Kirchen genauer dargestellt, die nicht direkt am Jakobsweg liegen. Die Gebäude, die wir auf unserer Wanderung besuchen können, werden ausführlicher in eigenen Kapiteln behandelt.
Dies sind:
– Die heilige Kammer in Oviedo
– Santa Maria del Naranco am Camino del Norte bei Oviedo (s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Miguel de Lillo am Camino del Norte bei Oviedo ( s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Salvador de Valdediós in Villaviciosa am Camino Primitivo (nah bei Camino del Norte) vor Gijón (s. Kapitel Juwele der präromanischen Architektur)
– San Salvador de Priesca am Camino del Norte vor Gijón (s. Kapitel (Juwele der präromanischen Architektur)

Copyright 2004 von Mikel González . Aufgenommen mit Yashica FX-3. | Mikel GonzálezCredit: Santianes de Pavia

Die politische Entwicklung in Asturien und ihre wichtigsten Bauwerke

Erste Periode (737 bis 791)

Eine erste Periode (737 – 791) gehörte zur Regierungszeit der Könige Fáfila, Alfionso I.,Fruela I., Aurelio, Silo, Mauregato und Vermundo I.
Aus der Zeit des Aufstiegs und der Konsolidierung des jungen Königreichs sind zwei Kirchen zu nennen. Die Kirche Santa Cruz (737) lag am ursprünglichen Standort des Hofes, Cangas de Onís, von der wir nur schriftliche Erwähnungen haben, da sie 1936 zerstört wurde.
Das zweite Bauwerke ist die Kirche San Juan Apóstol y Evangelista Santianes de Pravia (zwischen 774 und 783) in Santianes. Sein Bau ist auf den Umzug des königlichen Hofes von Cangas de Onis nach Pravia zurückzuführen, einer alten römischen Siedlung (Flavium Navia), die an einer wichtigen Straßenkreuzung lag. Die zwischen 774 und 783 erbaute Kirche weist bereits einige Elemente auf, die auf die asturische Vorromanik schließen ließen; nach Osten ausgerichtet, Grundriss einer Basilika (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe ) , getrennt durch drei Halbkreisbögen, Querschiff zum Mittelschiff hin mit der gleichen Länge wie die Breite der drei Schiffe. Es verfügt außerdem über eine einzige halbkreisförmige Apsis und eine äußere Eingangshalle mit einer Holzdecke über dem Kirchenschiff.
In der Sakristei, wo sich ein Museum befindet, sind mehrere skulpturale Dekorationselemente mit floralen und geometrischen Mustern (etwas, das in der späteren Vorromanik üblich war) ausgestellt. Erhalten ist ein Kalksteinfragment mit Stifterinschrift, die als Kreuzwortlabyrinth gestaltet ist und die aus den Worten besteht: „Silo Princeps Fecit“ (König Silo hat es gemacht).

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Julián de los Prados, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018399
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Pedro de Nora, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17015433 San Pedro de Nora
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María de Bendones, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018361

Zweite Periode  (791 bis 842)

Eine zweite Phase umfasst die Regierungszeit von Alfons II. (791–842), die eine Phase der stilistischen Definition war.
Alfons II., bekannt als „der Keusche“ (vielleicht hatte er deshalb keine Nachkommen), war ein entscheidender König in der asturischen Monarchie. Aus militärischer Sicht etablierte er das Königreich endgültig gegen die Muslime (in der berühmten Schlacht von Lutos errang er einen bedeutenden Sieg), in der Verwaltung verlegte er den Hof an seinen endgültigen Standort nach Oviedo und in der Politik richtete er stabile Beziehungen zu Kaiser Karl dem Großen ein.
Was das Mäzenatentum anbelangte, so förderte Alfons II. die meisten vorromanischen Bauwerke, die die Merkmale dieses Stils prägten. Mit dem königlichen Architekten Tioda baute er die Kirchen San Tirso, San Julián de los Prados, Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora sowie den heute verschwundenen Palastkomplex in Oviedo, bestehend aus Kirchen von San Salvador, Santa María und dem angrenzenden Palast und der Kapelle (heute die Heilige Kammer der Kathedrale von Oviedo, das einzige, was noch übrig ist), die Reliquien wie die Heilige Bundeslade und Juwelen wie das Engelskreuz enthält. Außerhalb Asturiens, mit der Legende von der Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus in Galizien, an einem Ort, der als Campus Stellae ( Compostela ) bekannt wurde, ließ Alfons II. die erste Kirche zu Ehren des Heiligen errichten (Jahr 892).

Als die Kirche San Julian de los Prados oder Santullano erbaut wurde (ca. zwischen 812 und 842), war sie Teil einer Reihe königlicher Gebäude. Die Kirche hatte einen Basilika-Grundriss (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe). Die beiden Seitenschiffe sind durch drei Rundbögen auf Säulenkapitellen und quadratischen Säulen getrennt. Bemerkenswert ist die Existenz eines Querschiffs zwischen den Seitenschiffen und der Apsis, das in der Höhe das Mittelschiff übersteigt.
Schließlich gibt es eine gerade Apsis, die in drei Kapellen unterteilt ist, und über der Hauptkapelle, die nur von außen zugänglich ist, befindet sich ein Raum, über dessen Funktion noch immer Vermutungen angestellt werden. Vielleicht war er als Schutzraum gedacht. Was das Dach betrifft, so verfügt die Kirche über eine interessante Eichendecke mit geschnitzten Schnitzereien in verschiedenen geometrischen Mustern.
Aus ornamentaler Sicht sind die Wand- und Deckengemälde dieser Kirche die am besten erhaltenen Gemälde des Mittelalters in Spanien. Die verwendete Technik ist die Freskenmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung des Kalks werden die Pigmente stabil in den Putz eingebunden. Die dekorativen Gestaltungen zeigen einen deutlichen Einfluss der Wandmalerei aus der Römerzeit. Es gibt zahlreiche dekorative Elemente: Marmorimitationen, Rechtecke, Bänder, Webereien, Quadrate, imitierte Säulen, mit Pflanzenmotiven verzierte Medaillons, architektonische Muster, Vorhänge. Interessant ist, dass jegliche Darstellung biblischer oder religiöser Szenen fehlt, mit Ausnahme des Anastasis-Kreuzes (Alpha und Omega) als Symbol königlicher Macht. Der Mangel an figurativen Darstellungen wird als Anikonismus bezeichnet und wurde in späteren vorromanischen Kirchen nicht beibehalten.

In der Kirche San Tirso, die sich neben der Kathedrale von Oviedo befindet, ist von ihrem ursprünglichen Bau nur noch die Stirnwand der Apsis erhalten, da sie im 16. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde.

In der Entwicklung der vorromanischen Kunst in der zweiten Periode sind die letzten beiden die Kirchen Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora zu nennen. Die erste befindet sich nur fünf Kilometer von der Hauptstadt entfernt in südöstlicher Richtung in Richtung des Narón- Tals und war eine Schenkung von König Alfons III. und seiner Frau Jimena an die Kathedrale San Salvador am 20. Januar 905. Sie ist Santullano sehr ähnlich, obwohl der Grundriss nicht der typische Basilika der vorromanischen Kirchen ist, sondern drei Einfriedungen am westlichen Ende aufweist, die mittlere als Eingangshalle und zwei Seitenbereiche, möglicherweise zur Unterbringung von Gemeindemitgliedern oder Geistlichen. Dieser Eingang führt in ein einziges Kirchenschiff mit einer Holzdecke und einem interessanten Dach, das genauso lang ist wie die Eingangsbereiche. An das Kirchenschiff schließen sich zwei rechteckige Seitenbereiche an, ebenfalls mit einer Holzdecke, deren Nutzung mit den liturgischen Riten dieser Zeit in Zusammenhang zu stehen scheint. Dieses Kirchenschiff ist mit dem Altarraum durch drei halbkreisförmige Ziegelbögen verbunden, von denen jeder in die entsprechende Kapelle führt, von der nur der Haupt- oder Mittelbogen mit einem Tonnengewölbe aus Ziegeln und die anderen beiden mit Holzdecken bedeckt ist.
Oberhalb der Hauptkapelle befindet sich die „typische“ Kammer, die nur von außen durch ein Kleeblattfenster mit den typischen vorromanischen Elementen zugänglich ist. Der Mittelbogen ist größer als die Seitenbögen und ruht auf zwei freistehenden Kapitellen mit Seilzierleisten. Das obere Rechteck ist von einfachen Zierleisten eingerahmt.

Die Kirche San Pedro de Nora liegt am Fluss Nora, etwa zwölf Kilometer von Oviedo entfernt. Diese Kirche weist den in Santullano etablierten Baustil auf: nach Osten ausgerichtet, vom Hauptgebäude getrenntes Vestibül, Grundriss im Stil einer Basilika, Mittelschiff höher als die Seitenschiffe, mit sich kreuzendem Holzdach und durch Fenster mit Steingitter beleuchtet. Der gerade Altarraum ist in drei Apsiden mit Tonnengewölben unterteilt. Als differenzierendes Element waren die Apsiden durch die Trennwände durch halbkreisförmige Türen miteinander verbunden. Wie alle Kirchen dieser Zeit befand sich über der Apsis ein Raum, der nur von außen durch ein Kleeblattfenster zugänglich war. Der Glockenturm, der wie in Santa Maria de Bendones von der Kirche getrennt ist, gehört nicht zum ursprünglichen Bau und geht auf eine Initiative des Architekten und großen Restaurators der asturischen Vorromanik, Luis Menéndez Pidal y Alvarez , in den siebziger Jahren zurück .

Die Heilige Kammer wurde als Palastkapelle für Alfons II. und die Kirche San Salvador erbaut (der Palastkomplex und die Kirche wurden im 14. Jahrhundert abgerissen, um die heutige gotische Kathedrale zu errichten). Die Kammer neben dem vorromanischen Turm von San Miguel diente auch dazu, Reliquien aufzubewahren, die nach dem Fall des Westgotenreiches aus Toledo mitgebracht wurden . Es besteht aus zwei überlappenden Gängen mit Tonnengewölbe; Die Krypta oder das Untergeschoss hat eine Höhe von 2,30 Metern und ist der heiligen Leocadia gewidmet. Sie enthält mehrere Gräber anderer Märtyrer.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39385146 Santa Maria del Navanco

Dritte Periode (842 bis 866)

Diese Periode fällt mit der Regierungszeit von Ramiro I. und Ordoño I. zusammen. Der erste, Ramiro I Sohn von Vermudo I., trat die Nachfolge von Alfons II. an, als dieser ohne Nachkommen starb, und übernahm die Leitung eines schnell wachsenden Königreichs. Er wurde von Chronisten als Virga justitiae (Stab der Gerechtigkeit) beschrieben, weil er sich zwei internen Aufständen der Adligen stellen musste und weil er sich für die Jagd auf Magie und die schwarzen Künste begeisterte, die zu dieser Zeit in Asturien weit verbreitet waren. Er kämpfte auch erfolgreich gegen die Normannen und besiegte sie in Gijón und A Coruna. Auf der anderen Seite erlebte er eine Zeit des Friedens mit seinen traditionellen Feinden, den Muslimen, was ihm aus künstlerischer Sicht erlaubte, die Architektur und den dekorativen Stil der Vorromanik grundlegend zu erneuern.

Tatsächlich wurde während der kurzen Regierungszeit von Ramiro II. (842-850) eine Reihe von Gebäuden errichtet (mindestens drei sind erhalten geblieben), deren Qualität die davor und danach errichteten Gebäude deutlich übertraf. Diese Gebäude sind:

Santa María del Naranco.
San Miguel de Lillo.
Heilige Christina von Lena.
Die Bedeutung dieser drei Denkmäler ist so groß, dass dieser Gruppe ein spezifischer Name gegeben wurde: „Ramirense-Architektur“.

Nachfolger von Ramiro I. wurde sein Sohn Ordoño I., der ein militärisch sehr solides Königreich erbte, eine Bedingung, die es ihm ermöglichte, verlassene Städte auf der anderen Seite des Gebirges wie Tui , Astorga und León wieder zu besiedeln. Er kämpft auch gegen die Araber mit unterschiedlichem Erfolg; In der Schlacht von Clavijo (Jahr 859) besiegte er sie mit Leichtigkeit, doch sechs Jahre später, bei Hoz de la Morcuera, erlitt seine Armee eine Niederlage, wodurch die intensive Wiederbesiedlungsarbeit gestoppt wurde.

Das erste Bauwerk aus dieser Zeit, der Palast Santa Maria de Naranco (848), beinhaltete eine bedeutende stilistische, morphologische, konstruktive und dekorative Weiterentwicklung der Vorromanik. Der als Erholungspalast erbaute Palast befindet sich auf der der Stadt zugewandten Südseite des Monte Naranco und war ursprünglich Teil einer Reihe königlicher Gebäude am Stadtrand. Sein Charakter als ziviles Gebäude änderte sich im 12. Jahrhundert, als er in eine Marienkirche umgewandelt wurde.
Was die Chronisten viele Jahrhunderte lang bewunderten, waren seine Proportionen und schlanken Formen, seine reiche und vielfältige Verzierung und die Einführung von länglichen Tonnengewölben dank der Querbögen, die eine Stützung ermöglichten und Holzdecken überflüssig machten.

Die Kirche San Miguel de Lillo wurde im Jahr 848 von Ramiro I. und seiner Frau Paterna geweiht. Sie war ursprünglich der Heiligen Maria geweiht, später dann dem hl Michael.
Ursprünglich hatte es den Grundriss einer Basilika, drei Gänge mit Tonnengewölbe, obwohl ein Teil der ursprünglichen Struktur verschwunden ist, als das Gebäude im 12. oder 13. Jahrhundert verfiel. Heutzutage ist die westliche Hälfte aus dieser Zeit erhalten, zusammen mit mehreren Elementen im Rest der Kirche, wie den fantastischen Pfosten im Vestibül oder dem außergewöhnlichen Gitter am Fenster der Südwand, das aus einem einzigen Stück Stein gemeißelt ist.

Ausführliche Beschreibung der beiden Gebäude s. Kapitel “Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur –  Santa María de Naranco und San Miguel de Lillo”

Die letzte Kirche aus dieser Zeit ist Santa Cristina de Lena (um 850) liegt im Bezirk Lena , etwa 25 km südlich von Oviedo, an einer alten Römerstraße. Die Kirche hat einen anderen Grundriss als die traditionelle Basilika der Vorromanik. Es handelt sich um einen einzelnen rechteckigen Raum mit Tonnengewölbe und vier angrenzenden Baukörpern in der Mitte jeder Fassade. Der erste dieser Anbauten ist das typisch asturische präromanische Vestibül mit einer königlichen Tribüne im oberen Teil, zu der man über eine Treppe gelangt. Im Osten befindet sich die Einfriedung mit dem Altar, mit einer einzigen Apsis, die auf die traditionelle asturische vorromanische Dreiapsis verzichtet und auf westgotische Einflüsse zurückgeht. Im Norden bzw. im Süden befinden sich zwei weitere Einfassungen mit Rundbögen und Tonnengewölben, deren Nutzung mit der bis zum 11. Jahrhundert in Spanien praktizierten hispano-westgotischen Liturgie in Verbindung gebracht wurde.
Eines der charakteristischsten Elemente von Santa Cristina de Lena ist das über dem Boden liegende Presbyterium im letzten Abschnitt des Mittelschiffs, das durch drei Bögen auf Marmorsäulen vom für die Gemeinde bestimmten Bereich getrennt ist. Diese Trennung, die auch in anderen asturischen Kirchen auftritt, wird in keiner anderen mit einer ähnlichen Struktur wiederholt. Sowohl die Gitter über den Bögen als auch die Mauer, die den Mittelbogen umschließt, wurden im 7. Jahrhundert aus westgotischen Ursprüngen wiederverwendet. (848

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254184 Santa Cristina de Lenae

Vierte Periode (866 bis 910)

Dies umfasst die Regierungszeit von Alfons III., der im Alter von 18 Jahren nach dem Tod seines Vaters Ordoño I. den Thron bestieg, und markierte damit den Höhepunkt des Königreichs Asturien. Die Expansion gegen die muslimischen Gebiete gipfelte darin, dass er Porto und Coimbra im heutigen Portugal eroberte. Er erweiterte die Grenzen des Königreichs bis zum Fluss Mondego in Portugal und ließ Zamora, Simancas, Toro und das gesamte als Campos Góticos bekannte Gebiet neu besiedeln. Die Idee des asturischen Königreichs als Fortsetzung des Westgotenreichs in Toledo wurde bewusst übernommen, was die Verpflichtung zur Rückeroberung aller von Muslimen besetzten Gebiete beinhaltete. 

Die fortschreitende Expansion und wachsende Macht des Königreichs entfachte auch den Ehrgeiz der drei Söhne Alfons III. ( García I., Ordono II. und Fruela II.), die, ermutigt von einer Reihe von Adligen, den König absetzten und ihn in der Stadt Boiges (Boides-Tal) einsperrten (heutiges Valdediós). Dennoch erlaubten sie ihm, einen letzten Feldzug gegen die Muslime in Zamora zu führen, wo er erneut siegreich war. Er starb bei seiner Rückkehr im Dezember des Jahres 910. Dem König gelang es somit nicht, das asturische Königreich, das unter ihm die größte Expansion erreicht hatte, zu konsolidieren. Es wurde unter seinen Söhnen in drei Teile geteilt. Asturien, Galizien und Kastilien-León, was letztendlich das Ende des asturischen Königreiches bedeutete.

San Salvador de Valdediós und Santo Adriano de Tuñón sind die beiden unter diesem Monarchen erbauten Kirchen, zusätzlich zum Foncalada-Brunnen ( fonte incalata ) im Zentrum von Oviedo und den bereits erwähnten Goldartefakten des Siegeskreuz und der Achatdose .

Die Kirche San Salvador de Valdediós steht im Boides-Tal ( Villaviciosa ), dem Ort, an dem Alfonso III. festgehalten wurde, als er von seinen Söhnen entmachtet wurde, und wo sich einst ein altes Kloster befand. Dies war vom Benediktinerorden gegründet worden und dann im 13. Jahrhundert von den Zisterziensern übernommen. Die als „Bischofskapelle“ bekannte Kirche wurde am 16. September 893 im Beisein von sieben Bischöfen geweiht und steht auf einem klassischen Basilika-Grundriss mit einem dreifachen Altarraum, der das Mittelschiff durch vier Halbkreisbögen von den Seitenschiffen trennt.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche San Adriano de Tunon liegt am Ufer des Flusses Trubia, neben einer alten Römerstraße. Die am 24. Januar 891 gegründete Kirche hat den Grundriss einer klassischen Basilika, wurde jedoch im 17. und 18. Jahrhundert um ein Kirchenschiff am westlichen Ende und einen Glockengiebel erweitert. Die Außengemälde dieser Kirche sind die einzigen Überreste der Arbeit mozarabischer Maler in einer asturischen Kunstwerkstatt.

Schließlich wurde der Foncalada-Brunnen, das einzige erhaltene zivile Bauwerk des oberen Mittelalters in Spanien, außerhalb der Stadtmauern von Oviedo errichtet, mit Steinblöcken und einem sich kreuzenden Dach, Tonnengewölbe und rechteckigem Grundriss. Der Schnittpunkt des Daches ist mit einem dreieckigen Giebel gekrönt, auf dem das für Alfons III. charakteristische Siegeskreuz abgebildet ist und unter dem die typische Inschrift des Königreichs Asturien steht:

HOC SIGNO TVETVR PIVS, HOC SIGNO VINCITVR INIMICVS

„Durch dieses Zeichen wird der Fromme beschützt, durch dieses Zeichen wird der Feind besiegt.“

De Nachosan - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23240930 San Salvador de Valdedios

Fünfte Periode (910 bis 925)

Die fünfte und letzte Periode fällt mit der Verlegung des Hofes nach Leon, dem Verschwinden des Königreichs Asturien und der asturischen Vorromanik zusammen.
Mit dem Tod Alfons III. und der Aufteilung des Königreichs Asturien unter seinen Söhnen erreichte die asturische Architektur mit zwei Bauten ihre letzte Phase. Die erste davon ist die Kirche San Salvador de Priesca (wenige Kilometer von Valdediós entfernt), die am 24. September 921 geweiht wurde und architektonisch und dekorativ auf das von Santullano festgelegte Modell und nicht auf spätere Werke zurückgreift.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche Santiago de Gobiendes , in der Nähe von Colunga , am Meer und am Sueve-Gebirge gelegen , ist die letzte der vorromanischen Kirchen und folgt wie die vorherige dem Baumodell von Santullano. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden bedeutende Reformen durchgeführt, bei denen der Eingang, die Fassade sowie die Haupt- und Seitenkapellen verändert wurden.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Salvador de Priesca, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018315
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Kritische Betrachtung der komplexen acht Jahrhunderte der islamischen Invasion und der Reconquista

Kritische Betrachtung der komplexen acht Jahrhunderte der islamischen Invasion und der Reconquista

„Mehr als irgendwo sonst in der islamischen Welt gab es in al-Andalus Ansätze zur Überwindung engstirniger Dogmen, der Unterdrückung der Frau, der Ausgrenzung andere Religionen. ….. Mehr als irgendwo sonst durchdrangen sich islamische, jüdische und christliche Kultur in einer fruchtbaren Symbiose. Über das muslimische Spanien sind unzählige Bücher publiziert worden, wobei der Tenor gemäß dem Blickwinkel von einer Verklärung der arabisch-berberischen Herrschaft bis zur Heroisierung des christlichen Kampfes gegen die Invasoren aus Nordafrika reicht. Aber die Schablone „Islam kontra Christentum“ lässt sich für die meisten der Ereignisse nicht so einfach anwenden, ebenso wenig der Kampf der Kulturen oder die Reconquista als reiner Kreuzzug oder heiliger Krieg, eine Vorstellung, die aus einer viel späteren Epoche stammt und meist aus politischen und propagandistischen Zwecken beschworen wird. Der wichtigste Bezugspunkt für die soziale Identität ist sicher die religiöse Gemeinschaft, aber es gibt auch noch andere Faktoren wie Machtbedürfnis, wirtschaftliche Dominanz, gesellschaftliches Überlegenheitsgefühl u.a., die eine Rolle spielen.

Wie oben schon aufgezeigt, gibt es zwischen 711 und 1492 nicht pausenlos religiöse Kriege, Muslime und Christen leben auf der iberischen Halbinsel sehr viel länger in Friedens- als in Kriegszeiten und sie kämpfen nicht nur gegen den äußeren Feind, sondern auch sehr häufig gegen die eigenen Feinde im Innern. Die christlichen Reiche bekämpfen sich oft erbittert, und immer wieder müssen sich deren Fürsten gegen aufsässige Adelige zur Wehr setzen – eine Strukturschwäche, die schon das Westgotenreich plagte.

Die muslimischen Herrschaften dagegen leiden unter den lang tradierten arabischen Clanrivalitäten, überlagert von der oft an Feindschaft grenzenden Herablassung gegenüber den als minderwertig angesehenen Berberstämmen, ohne deren Kampfkraft jedoch al-Andalus weder erobert noch so lange hätte gehalten werden können. Die Angehörigen der muslimischen Eliten sind auch zu Bündnissen mit christlichen Lokalmächten bereit, selbst dann, wenn sie gegen ihre Glaubensbrüder gerichtet sind. Die Realpolitik triumphiert zumindest am Anfang der Eroberung Spaniens über die religiöse Identität. Politische Auseinandersetzungen finden nicht nur entlang religiöser Grenzlinien, sondern ebenso oft auch innerhalb der muslimischen und der christlichen Gemeinschaften statt. Allerdings führt der Niedergang des Kalifats, das eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte in Spanien hervorgerufen hat, zur Errichtung von Teilreichen, welche sich letztlich durch gegenseitige Reibereien erschöpfen und so selbst den Grundstein zur späteren Rückeroberung durch die christlichen Herrscher legen.

Die sogenannte Reconquista verläuft ebenfalls nicht geradlinig, es gibt vielmehr wechselnde Allianzen sowohl zwischen christlichen als auch muslimischen Herrschern. Ähnlich wie bei den westeuropäischen Staaten kommt es zu stärkeren Machtbildungen, welche dann jeweils durch schwächere Herrscher oder Todesfälle in Frage gestellt werden. Erst als die christlichen Reiche durch Erbfolge mit einander verbunden werden, können sie ihre Machtdominanz vergrößern.

Und was die Bevölkerung betrifft, so ist sie in den von Mauren eroberten Gebieten noch lange christlich, nur die Oberschicht war zunächst muslimisch, wobei viele Westgoten zum Islam übertreten, um ihren Besitz und z.T. auch ihre Macht behalten zu können. Sie müssen aber die Autorität der muslimischen Oberherren anerkennen. So finden die Eroberer schnell willige Verbündete. Außerdem sind die islamischen Herrscher bei der Verwaltung der neuen Territorien auf die Kollaboration der Bevölkerung angewiesen. Sie sind sowohl auf die Zusammenarbeit mit Verwaltungsbeamten und Richtern angewiesen wie auch auf die Kooperation der Kirche und des Klerus, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Da aber der landbesitzende Adel, der für die von ihnen abhängige Bevölkerung Kirchen baut, immer mehr zum Islam übertritt, gibt es immer weniger Seelsorger, Kirchen verfallen und werden aufgegeben. So treten allmählich mehr und mehr christliche Bewohner zum Islam über. Bis 840 ist rund ein Drittel konvertiert. Die Konversion spielt langfristig bei der Islamisierung der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle. Die damit z.T. verbundene Akkulturation ist so tiefgreifend, dass andalusische Christen, die im 11. Jh. nach Nordspanien kommen, Mozaraber genannt wurden. Zudem wird ein Netzwerk von Verbindungen geknüpft, bei denen es zu zahlreichen Eheschließungen zwischen Muslimen und Christen kommt, obwohl dies eigentlich von beiden Religionen untersagt ist. Unter den stark religiös motivierten Herrschern der Almoraviden (1091-1145) und Almohaden (1145-1236) verschwindet die christliche Minderheit dann aber zum großen Teil aus dem verbleibenden islamischen Herrschaftsbereich.

Was die christlichen Herrscher betrifft, so vertreiben sie die Muslime in der Regel nicht aus den Gebieten, die sie erobert haben. Sie versuchen vielmehr, sie zum Bleiben zu bewegen, meist mit Erfolg. Denn ein Großteil der Muslime, deren Ahnen ja schon in Spanien gelebt haben, ziehen ein Leben im „Heimatland“ einer Flucht vor, wenn sie damit auch Untertanen ungläubiger Könige werden. Und die christlichen Herrscher schätzen die wirtschaftlichen und künstlerischen Fähigkeiten der Muslime. Diese Haltung endet aber mit der Eroberung des Nasridenreiches und letztendlich mit der Vertreibung der Juden und Muslime im Jahre 1614.

Georg Bossong bewertet die Situation so:

-Andalus wurde zerrieben zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus…. Es kam zum gnadenlosen Kampf zwischen einem europäischen radikalisierten Christentum und einem afrikanisch radikalisierten Islam, Kreuzzug gegen Djihad.“

Wer an Romanen über die Zeit der Reconquista und die unmittelbaren Folgen danach interessiert ist, dem sind u.a. die folgenden Historienromane zu empfehlen.

 

Frank Baer, Die Brücke von Alcantara, München 2015: Spannender Historien-Roman. Der Leser gewinnt einen guten Einblick in das Leben der Mauren, Christen und Juden im 11. Jh. und in die politischen Zusammenhänge zur Zeit der spanischen Reconquista. Es ist ein Gemälde der Zeit zwischen 1063 und 1086.

Noah Gordon, Der Medicus von Saragossa, München 2000. Die Handlung beginnt mit dem Jahr 1492 in Spanien. Der Roman ist spannend zu lesen und vermittelt einen Eindruck von den damaligen Konflikten zwischen Christen, Mauren und Juden und dem Einfluss der Inquisition auf das Leben in Spanien.

Tariq Ali, Im Schatten des Granatapfelbaums, München 1994. Der Roman von Tariq Ali beschreibt das Leben im maurischen Andalusien um 1490 in Granada. Die Familiengeschichte vor den Hintergrund politischer Umwälzungen ist spannend zu lesen und führt den Leser in eine verschwundene Welt. Viele historische Informationen werden nebenbei vermittelt. Die Reconquista steht kurz vor ihrer Vollendung und unterdrückt und zerstört eine vergleichsweise weltoffene reiche Kultur, die aus der Koexistenz von Islam, Judentum und Christentum entstanden ist.

Lea Korte, Die Maurin, München 2010. Der Roman spielt in der Zeit zwischen 1478-1491 im maurischen Andalusien vor allem in den Städten Granada, Sevilla und Cordoba. Er erzählt die Geschichte einer maurischen Hofdame, die in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen hineingerät.

Quellen

Catlos, Brian, al Andalus: Geschichte des islamischen Spanien, München 2019

Jaspert, Nikolas, Die Reconquista: Christen und Muslime auf der iberischen Halbinsel, München 2019

 

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Die Reconquista

Die Reconquista

Die Reconquista in Spanien (718 – 1492) – ein kurzer Überblick

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

Auch für die Darstellung der Reconquista gelten dieselben Aussagen wie bei dem Kapitel der Eroberung. Hier kann nur ein kurzer Überblick über die Reconquista zusammengestellt werden. Auch hier verweise ich zusätzlich auf das Extrakapitel „Kritische Betrachtungen“.

Reconquista ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für das Entstehen und die Ausdehnung des Herrschaftsbereiches der christlichen Königreiche auf der iberischen Halbinsel unter Zurückdrängung des muslimischen Machtbereiches im Mittelalter. Der Begriff entstand allerdings erst im 18. Jahrhundert und er ist zum Teil sehr stark ideologisch verwendet worden. Zudem ist der Begriff etwas irrführend, da er den Eindruck vermittelt, dass es sich um einen einheitlichen und gemeinsamen Prozess der christlichen Akteure gehandelt habe. Das ist aber keineswegs der Fall. Es gab Zeiten des Vordringens, Zeiten des Zurückzugs und Zeiten des Stillstands der christlichen Reiche. Somit ist es keine 700-jährige Geschichte von blutigen Kämpfen zwischen Christen und Moslems, sondern es gibt auch vielschichtige Prozesse kulturellen Austauschs sowie ethnisch-religiöser Vielfalt. Auch die Motivlage hat sich wohl im Laufe dieses langen Zeitraums immer wieder verändert. Hier soll nur ein grober Überblick über die vielen wechselhaften Begebenheiten in dieser Zeit gegeben werden.

Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass sich die Geschichtsschreibung keineswegs einig darüber ist, wie der Prozess der Reconquista genau abgelaufen ist und welche Motivationslagen jeweils dahinterstanden. Das liegt u.a. daran, dass im Mittelalter nur wenige Menschen lesen und schreiben konnten, neben den Juden und den gebildeten Arabern vor allem die Mönche. Aber gerade die Letzteren hielten sich nicht immer an die Wahrheit, sondern versuchten die Geschichtsschreibung in ihrem „christlichen“ Sinn zu beeinflussen. Aber auch die neuere Geschichtsschreibung ist nicht frei von speziellen Blickwinkeln und ideologischen Ideen. Meine kurze Darstellung der Reconquista stellt somit einige Aspekte zusammen, die mir persönlich vom Verständnis her am plausibelsten erschienen.

Die Reconquista kann man auch grob in drei Phasen unterteilen.

Erste Phase 718 – 1085

Die Schlacht von Covadonga im Jahre 718 (oder 720?) wird in Spanien traditionell als Beginn der Reconquista betrachtet. Ausgangspunkt des Widerstandes ist das Gebiet der kantabrischen-asturischen Berge, denn dieses schwer zugängliche Gebiet können die Araber wie vor ihnen schon die Römer nie vollständig unterwerfen. Ein christliches Aufgebot unter dem Heerführer Pelayo besiegte damals in Covadonga, in dem heute als Picos de Europa bekannten Teil des Kantabrischen Gebirges im Norden Spaniens eine muslimische Streitkraft. Er kann so seinen Herrschaftsbereich behaupten, aus dem dann offiziell das Königreich Asturien hervorgeht. Ob hier aber schon die Idee der Rückeroberung eine Rolle spielt oder ob als Motiv die Anknüpfung an das Westgotenreich vorherrscht oder einfach das regionale Streben nach Selbständigkeit und gegen Fremdherrschaft ist nicht eindeutig geklärt. In manchen Mönchchroniken in späteren Jahrhunderten wird die Schlacht allerdings stark überhöht und als bahnbrechenden Sieg des Christentums über den Islam hochstilisiert. Aber man kann eigentlich nicht wirklich von der Reconquista sprechen. Für die Araber ist die Region, die zudem schwer zu kontrollieren ist, auf Grund der bergigen Struktur relativ uninteressant, da sie eine arme rückständige Peripherie darstellt. Es gibt keine die Bodenschätze, da die Goldminen in der Römerzeit ausgeschöpft wurden, so dass nur geringe Tributzahlungen zu erwarten sind. Somit stellt der christliche Norden Spaniens für die Mauren zunächst nur eine sehr schwache Bedrohung dar.

Bis 750 können die Könige von Asturien ihr Machtgebiet deutlich ausweiten und Galicien, Asturien und Kantabrien unter ihre Herrschaft bringen. Am Beginn des 10. Jahrhunderts wird León zur neuen Hauptstadt des asturischen Königreiches. Der Duero wird lange Zeit die Grenze zwischen dem christlichen und dem maurischen Spanien. Zur Sicherung werden Städte und vor allem Burgen ausgebaut, so dass das Land wegen der castillos Kastilien genannt wird.

In den Pyrenäen sind in Abhängigkeit von Südfrankreich einige Grafschaften entstanden, von denen sich im 9. Jahrhundert eines zum Königreich Navarra entwickelt. Aragón, das lange von Navarra abhängig ist, wird 1035 zum eigenen Königreich erhoben. Im 10. Jahrhundert kann das Königreich Navarra bis zum Ebro und die Rioja vordringen. Dabei spielen die Klöster bei der Wiederbesiedlung der zum Teil entvölkerten Landstriche entlang der Grenze zum maurischen Reich eine wichtige Rolle.

Im 11. Jahrhundert erlangen weitere ehemalige Grafschaften den Status von selbständigen Königreichen: neben Asturien im Westen Leóns Portugal, im Süden Leóns Kastilien, im Süden Navarras Aragón. Die Königreiche werden mehrfach in Personalunion verbunden und wieder geteilt; ab 1072 sind Kastilien und León, ab 1137 Aragón und die Grafschaft Barcelona (Katalanien) endgültig in Personalunion vereinigt. Fortan sollen die vier Mächte – Portugal, Kastilien-Leon, Navarra und die Krone Aragon mal in Kooperation, mal im Konflikt miteinander das Herrschaftsgefüge im christlichen Norden bestimmen.

In dieser ersten Phase von der Mitte des 7. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts besetzen die christlichen Herrscher zum großen Teil Gebiete, die für die Araber nur von geringer – wohl auch aus wirtschaftlicher Sicht – Bedeutung sind. Man kann jedoch keineswegs von einer generellen Rückeroberungspolitik sprechen. Zum Teil waren diese Territorien sogar vom Karolingerreich und von muslimischen Mächten abhängig. Diese (vermeintliche) „Phase der Reconquista“ war durch eine weitgehende politische und religiöse Toleranz gekennzeichnet.

Zweite Phase 1086 – 1212

Das ändert sich aber Ende des 11. Jhs.. Nun beginnt die Expansion der christlichen Staaten zu Lasten der Taifas, die 1085 in der Eroberung Toledos durch Kastilien ihren ersten Höhepunkt findet. Damit dringen die Christen in die Kerngebiete des muslimischen Herrschaftsbereiches ein. Dieser spektakuläre Erfolg der Reconquista führt als Reaktion der Muslime zur Invasion der nordafrikanischen Berberstamm der Almorawiden, die von einigen Taifenherrschern um militärische Unterstützung gegen die Christen gebeten werden. Allerdings führt das dazu, dass die Almoraviden nach und nach alle Taifenreiche unter ihre Herrschaft bringen. Durch Siege gegen die Kastilier und Leoneser ist dann die Macht der neuen Berberdynastie auf der Iberischen Halbinsel gesichert.

Allerdings können die christlichen Truppen trotzdem ihre Expansion in drei Bereiche vorantreiben. Im Westen schiebt der portugiesische König sein Herrschaftsgebiet bis nach Lissabon an den Tejo vor, im Süden weitet der kastilische König allerdings nur kurzfristig seine Herrschaft bis an die Mittelmeerküste bei Almeria aus und im Osten sichern die Könige Kastilien/Aragon und die Grafen Barcelonas dauerhaft die Ebrogrenze. Ende des 11.Jh. entsteht durch die Eroberungen entlang des Ebros sowie durch die Eroberung Valencias durch Rodrigo de Vivar – genannt „El Cid“ – der Mythos dieses spanischen Helden (s. Kapitel El Cid). Die christlichen Staaten sind sehr optimistisch über den weiteren Verlauf der Eroberung und teilen in Verträgen sogar schon einmal das zu erobernde Land unter sich auf.

Allerdings stoppen die Muslime das Vorringen, wobei ihnen Streitigkeiten zwischen den miteinander verwandten Herrschern Leons und Kastiliens einerseits sowie die notorischen Spannungen der Königreiche Kastilien und Aragon mit Navarra andererseits zu Pass kommen. Die Almoraviden bringen die Rückeroberung islamischer Gebiete durch die christlichen Staaten zum Stehen und können diese teilweise sogar wieder umkehren. Dabei schliessen sie auch Bündnisse mit christlichen Herrschern.

Die Auseinandersetzung erhält zwischen den Muslimen und den christlichen Herrschern mit der Herrschaft der Almoraviden und dann der Almohaden eine neue Qualität. Es bedeutet das Ende des friedlichen Zusammenlebens, der convivencia, zwischen Christen und Mauren. Durch den asketischen Fanatismus der Almoraviden und später vor allem der Almohaden endet auf muslimischer Seite die Jahrhunderte lang praktizierte Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Aber auch von christlicher Seite wird die Reconquista nun verstärkt als Kampf für die gesamte Christenheit und als Heiliger Krieg und Kreuzzug wahrgenommen. Diese Anschauung wird stark forciert und geprägt durch die Unterstützung der Päpste in Rom sowie die Einflüsse des Klosters von Cluny.

Der entscheidende Wendepunkt, der den Christen die endgültige Übermacht in Spanien brachte, war die Schlacht bei La Navas de Tolosa im Jahr 1212. Am 16. Juli 1212 prallen in Südspanien zwei gigantische Heere aufeinander mit „Gotteskriegern“ auf beiden Seiten. Es geht um Macht, Einfluss und letztendlich um die Vorherrschaft auf der iberischen Halbinsel. Vermutlich stehen sich 12000 bis 14000 Christen ca. 25000 – 30000 Muslime gegenüber. In dieser Schlacht – wohl einer der größten des Mittelalters – besiegen die Truppen der verbündeten Königreiche die Almohaden vernichtend. Die christliche Seite setzt sich aus den Königreichen von Kastilien, Navarra, Aragon und Leon sowie französischen Kontingente der Erzbischöfe von Narbonne und Bordeaux sowie Männern der christlichen Ritterorden von Calatrava und Santiago, der Templer und Johanniter zusammen. Die Kreuzzugsaufrufe des Papstes, die versprochenen Kreuzzugsablässe sowie die Hoffnung auf Beute tragen dazu bei, dass die doch sehr unterschiedlichen christlichen Herrscher vereint in den Kampf ziehen. Der Sieg der Christen ist überwältigend, seine Bedetung für den Fortgang der Reconquista gar nicht hoch genug einzuschätzen. Die Schlacht von Las Navas de Tolosa markiert den Wendepunkt der muslimischen Herrschaft in Al Andalus.

Dritte Phase 1213 – 1492

In den dreißig Jahren zwischen 1220 und 1250 können drei christliche Königreiche auch durch die Unterstützung der Bischöfe und der Ritterorden ihre jeweiligen Territorien stark erweitern. Nach der Eroberung Cordobas (1236) und Sevilla (1248) fällt auch die fruchtbare Ebene des Guadalquirvir bis zur Mittelmeerküste an Kastilien. So kann Kastilien-Leon sein Territorium in rund vier Jahrzenten um fast 50 Prozent vergrößern.

Valencia (1238) und das gleichnamige Königreich werden durch Aragon annektiert und Portugal kann bis an die Algarveküste (1250) vorstoßen. Nur Navarra kann sich nicht vergrößern, da es von Kastilien und Aragon eingekreist ist.

Allein das Nasriden-Emirat von Granada als kastilischer Vasallenstaat bleibt muslimisch. Dahinter stehen aber vor allem wirtschaftliche Interessen, denn so kann Kastilien über die Nasriden und deren nordafrikanische Freunde an Gold aus Afrika gelangen, das die Nasriden teilweise als Tribut abführen müssen. Das Nasrdenreich von Granada ist dicht bevölkert und durch günstige natürliche Gegebenheiten gekennzeichnet. Hohe Berge im Norden bildeten für die Reihe fruchtbarer Ebenen Schutz vor den christlich beherrschten Gebieten. Außerdem verfügen die Nasriden über einige günstig gelegene Hafenstädte (z.B. Almeria und Malaga). Im Nordwesten sichern eine Vielzahl von Burgen die Grenzregionen. Bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts hat sich das Reich zu einem kulturell hochstehenden, wirtschaftlich prosperierenden und politisch stabilen Gemeinwesen entwickelt. In dieser Zeit entsteht auch der weltberühmte Alhambrapalast in Granada. Das Reich der Nasriden kann sich auch dadurch stabilisieren, dass sich die christlichen Herrscher permanent bekämpften.

Die verschiedenen Stoßrichtungen der christlichen Reiche – Portugal entlang der Atlantikküste, Kastilien-Leon durch das Zentrum und ins heutige Andalusien, die Krone von Aragon  Richtung Italien und den Balearen spiegelt sich noch heute in der Sprachverteilung auf der Iberischen Halbinsel wieder. (Portugiesisch, Kastilisch, Katalanisch und im äußersten Norden Baskisch). In der Mitte des 13. Jahrhunderts hat sich das Kastilische allerdings auf über die Hälfte der Iberischen Halbinsel ausgedehnt und somit auch die Sprachentwicklung in Spanien deutlich dominiert.

Durch die Eheschließung der „katholischen Könige“ Isabella I von Kastilien und Ferdinands II von Aragon werden die beiden Königreiche vereinigt. Sie nahmen die Reconquista wieder auf und vollenden sie mit der Eroberung von Granada im Jahre 1492. Der nasridische König Mohammad XII: Boabdil übergibt die Schlüssel der Alhambra an Ferdinand und Isabella. Im selben Jahr „entdeckte“ übrigens Kolumbus Amerika. Eine fast 800 Jahre alte Geschichte von Eroberungen und Rückeroberungen in Spanien findet somit mit dem Fall Granadas ein Ende. Allerdings bleiben bis 1614 noch Hunderttausende Muslime in Spanien, erleben allerdings Diskriminierung, Zwangsbekehrung und schließlich die Vertreibung.

Mit der Regentschaft der beiden Könige endet die teilweise noch bestehende friedliche Koexistenz zwischen Christen, Juden und Muslimen. Mit der Religionsfreiheit ist es endgültig vorbei. Das gesellschaftliche Klima ändert sich vollständig und führt zur konsequenten Vertreibung der Juden und Mauren aus Spanien. Die Inquisition tut ihr übriges. Aber das ist eine neue für das Christentum nicht sehr rühmliche Geschichte.

Von besonderer Bedeutung ist auch, dass die Reconquista neben der politischen Umstrukturierung große Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Struktur der iberischen Halbinsel hatte. Das eroberte Land fällt der Krone bzw. dem Adel, der Kirche und den Ritterorden als Belohnung für ihre kriegerische Unterstützung zu. So entstehen riesige Latifundien vor allem zwischen Tajo und Guadiana, auf denen eine extensive Landwirtschaft (zum großen Teil Schafhaltung) betrieben wird, während die kleinen Bauern leer ausgehen. Die Auswirkungen sind heute noch zu beobachten zum Beispiel in der Extremadura, wo u.a. die Besitzverhältnisse einen wichtigen Einfluss auf die Veränderung des Gebietes haben (vgl. dazu auch die Ausführungen über die „Dehesas“ auf der „Via de la Plata“)

Quellen:

Bolleé, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid, 2008: Spanische Sprachgeschichte. Barcelona: Klett.

Georg Bossong, Das maurische Spanien, Geschichte und Kultur, München, 4. Aufl. 2020

Brian A. Catlos, „Al Andalus“ Geschichte des islamischen Spanien, München 2020

Klaus Herbers, Jakobsweg, Geschichte und Kultur einer Pilgerfahrt, München 2011

Campi, Jesus Mestre, Sabate, Flocel, Atlas der Reconquista, Barcelona 1998

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Die Arabisierung Spaniens

Die Arabisierung Spaniens

ein kurzer Überblick - und die Einflüsse der maurischen Kultur auf Spanien und Europa

Die folgende Darstellung soll einen kurzen Überblick über die verschiedenen Phasen der Eroberung Spaniens durch die Mauren darstellen. Es kann nur ein kurzer Abriss der Geschehnisse sein, eine ausführliche Beschreibung würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen. Zudem habe ich ein extra Kapitel  „Kritische Betrachtung“ hinzugefügt, in dem ich darauf hinweisen will, dass man sich vor einfachen Pauschalierungen hüten sollte, sondern dass man sich im Klaren ist, die Eroberung und die Reconquista haben viele verschiedene Facetten. Wer sich für die genauen Zusammenhänge interessiert, dem kann ich das Buch von

Catlos, Brian, al Andalus: Geschichte des islamischen Spanien, München 2019 empfehlen. Allerdings sind die Ausführungen in ihrer Ausführlichkeit manchmal anstrengend zu lesen.

Bei der Eroberung und Besetzung Spaniens durch die Araber kann man pauschal drei Perioden unterscheiden.

 

  1. Periode der Arabisierung- die Zeit des Emirats 711 – 756

Vor der Eroberung Spaniens durch die Araber herrschen die Westgoten auf der Iberischen Halbinsel (ehemals Hispanien, heute Spanien und Portugal). Sie kontrollieren das Land vom 5. bis zum 8. Jh. Unter ihrer Herrschaft war Toledo zum ersten Mal die Hauptstadt des Reiches. Allerdings befinden sich Adel und König Anfang des 8. Jahrhunderts in einem bürgerkriegsartigen Zustand. Dies ist eine der Tatsache, die den Arabern die fortschreitende Eroberung Spaniens erleichtern.

Im Jahr 711 wird die Iberische Halbinsel erstmals von den Arabern angegriffen.

Im Frühjahr 711 sendet Musa, Umayyaden-Gouverneur von Nordafrika, seinen Feldherrn, den Berber Tariq, mit etwa 12.000 Mann (7.000 Soldaten und 5.000 Berber) über die Meerenge. Die Landungsstelle wird nach ihm Berg des Tariq ( arabisch gabal Tariq)  – Gibraltar – genannt. Am 9. Juli 711 kommt es am Río Guadelete zur Schlacht gegen die Westgoten. Die zahlenmäßig weit überlegenen Westgoten unter ihrem König Roderich werden vernichtend geschlagen, u.a. durch die Mithilfe einer inneren Oppositionspartei der Westgoten. König Roderich stirbt auf dem Schlachtfeld. Das Heer Roderichs ist durch eine Auseinandersetzung mit den Basken im Norden schon ermüdet, als es im Süden ankommt.

Tariq, der im Dienste der in Damaskus residierenden Kalifen aus dem Geschlecht der Umayyaden steht und als Gouverneur für die nordafrikanischen Gebiete zuständig ist,  nutzt die politischen Wirren in Hispania und zieht gegen die ungeschützte Hauptstadt des Westgotenreichs Toledo, die er mühelos einnimmt. Im folgenden Jahr vereinigt sich das Heer von Tarq und Musa zu einer Größe von 18.000 Mann. Sie ziehen dann weiter gegen Norden, so dass sie im Jahr 719 praktisch ganz Spanien erobert haben. Nur ein paar kleinere Gebirgsregionen im Norden können die Araber nicht besetzen. Christlich bleiben nur Asturien an der nördlichen Küste sowie Navarra, das Grenzgebiet zum Frankenreich (“spanische Mark”). Ein Vorstoß  der Araber in das Frankenreich im Jahr 732 wird durch Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers gestoppt, doch ist die Bedeutung der Schlacht lange Zeit eher überschätzt worden, da es sich wohl eher um einen begrenzten Raubzug  als um einen Eroberungsversuch der Mauren handelt.

Insgesamt kapitulieren das Land und die großen Städte, auch die Hauptstadt Toledo, ohne größeren militärischen Widerstand. Die für die damalige Zeit überraschend schnelle und erfolgreiche Eroberung hat seine wahren Gründe in der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zerrüttung des Westgotenreichs. Außerdem gehen die Eroberer geschickt vor. Sie sichern lediglich vereinzelte städtische Vorposten militärisch und arrangieren sich gezielt mit lokalen Machthabern. Sie lassen deren Herrschaft weitgehend intakt, solange sie die muslimische Oberhoheit anerkennen. Aber die Muslime sind gekommen, um zu bleiben, zumal al-Andalus, wie das eroberte Gebiet genannt wird, geographisch und klimatisch große Ähnlichkeit mit dem Maghreb hat.

Bei der Übernahme der Städte garantieren die Moslems zu Anfang weitgehend die geltende Rechtsordnung und Religionsfreiheit. Nach damaliger Auslegung des islamischen Gesetzes sind die muslimischen Herrscher dazu verpflichtet, die Gegenwart anderer Buchreligionen – also auf der iberischen Halbinsel der Christen und Juden – zu tolerieren. Sie dürfen ihren Glauben behalten und in kleinen Gemeinschaften ausleben. Allerdings unterliegen sie einigen Einschränkungen. Dazu gehört, dass es ihnen nicht gestattet ist, ohne Erlaubnis Gotteshäuser zu bauen, sie müssen sich im öffentlichen Raum unauffällig benehmen, sind zur Abgabe einer Kopfsteuer verpflichtet und müssen Muslimen gegenüber ihre Ehrerbietung zeigen. So treten nach und nach viele Hispanogoten z.T. auch angezogen von der neuen Religion lieber zum Islam über. Sie werden „muladíes“ genannt. Andere behalten ihren christlichen Glauben, aber sie übernehmen sehr wohl die arabische Sprache. Sie werden also arabisiert, nicht jedoch islamisiert und entwickeln kulturelle Eigenheiten, die sie von ihren Glaubensgenossen in christlich beherrschten Gebieten unterscheiden. Sie werden daher auch „mozárabes“ (Arabisierter oder Freund der Araber) genannt. Neben den christlichen gab es auch zahlreiche jüdische Gemeinschaften im Land. Vor allem die Juden sehen hier gute Einkommensmöglichkeiten und Chancen aufzusteigen, die ihnen anderswo in Europa verwehrt werden. So werden die Jahrhunderte jüdischen Lebens auf der iberischen Halbinsel auch oft als „goldenes Zeitalter“ des iberischen Judentums bezeichnet.

Welche religiösen Gruppierungen gibt es also:

      –    Muslime

      –     Christen

  • Muladies: zum Islam konvertierte Christen
  • Moriscos: zum Christentum konvertierte Muslime
  • Mozarabes: unter dem Islam lebende Christen
  • Mudejares: unter dem Christentum lebende Muslime
  • Juden

Die Araber ersetzen die westgotische Zentralregierung, schöpfen die wirtschaftlichen Überschüsse ab und erbeuten die Reichtümer der Kirchen und Klöster. Gleichzeitig sind die ersten Jahrzehnte der Araberherrschaft (716-755) auf der Iberischen Halbinsel durch arabische Stammesfehden und innenpolitisches Chaos gekennzeichnet. Die Berber und Araber sind untereinander zerstritten. Die Gouverneure wechseln häufig. Diese erste Phase der arabischen Herrschaft mit den vielen verschiedenen Gouverneuren, die dem Kalifat in Damaskus unterstellt sind, und den zahlreichen Clankämpfen untereinander wird mit der Gründung des Emirats von Córdoba durch Abd-ar-Rahman beendet.

  1. Periode der Arabisierung – die Zeit des Kalifats 756-1031

756 trifft Abd al-Rahman I., letzter Spross der in Damaskus entthronten Kalifendynastie der Omayaden, nach einer abenteuerlichen Flucht über Nordafrika in Spanien ein. Er nutzt die innenpolitischen Spannungen geschickt aus. Offensichtlich verschafft ihm sein Charisma breite Unterstützung, so dass er es nach kurzer Zeit schafft, die rivalisierenden Stämme zu einigen. Nach einer siegreichen Schlacht bei Cordoba übernimmt er die Herrschaft der Mauren in Spanien. Er nennt sein muslimisches Reich Al Andalus und gründet das Emirat von Cordoba. Er schafft es, dass die lokalen muslimischen Potentaten ihn mehr oder minder freiwillig anerkennen und einen Teil ihrer Macht an ihn abgeben. Allerdings muss er sein Reich mehrmals gegen muslimische Aufständige und mit ihnen verbündeten Einheimische verteidigen. Die weit entfernten Regionen der Pyrenäen, Kantabrien und Galizien kann er allerdings nicht beherrschen, was ihm aber wohl auch nicht so wichtig ist, da diese Regionen nur von geringer ökonomischer Bedeutung sind.

Abd al –Rahman macht Cordoba zum politischen und kulturellen Zentrum des islamischen Gebietes (“Al-Andalus”). Er schafft neue Strukturen der Verwaltung und Jurisdiktion, eine effektive Steuerreform, teilt das Staatsgebiet in Provinzen auf, erneuert die Infrastruktur, läßt Moscheen bauen und richtet militärisch gesicherte Marken zur Grenzkontrolle im Norden ein. Auch lässt er in einer Zeit, da die Christen nach wie vor die Bevölkerungsmehrheit bilden, jene beeindruckende Moschee von Cordoba bauen als Zeichen der Überlegenheit des Islams über das Christentum. Insgesamt betrachtet legt er für die kommenden Jahrhunderte das Fundament einer geeinten islamischen Herrschaft in Spanien, ohne die al-Andalus wohl zerfallen wäre. Er stirbt 788 in Cordoba.

Seine Nachfolger können ein gefestigtes, geordnetes Reich gestalten. Sie können die zahlreichen Aufstände im Land niederschlagen und ihre Macht festigen. Aus Spanien wird mit der Zeit auf Grund der Konversion der Bevölkerung ein islamisches Reich und der Wohlstand im Land steigt deutlich an. Allerdings müssen sich die folgenden Herrscher immer wieder gegen rebellische Gouverneure, fränkische Heere und Überfälle der Wikinger zur Wehr setzen, die immer wieder die Macht der Umayyaden zu zerstören drohen. Im Norden können die christlichen Fürsten weitgehend in Schach gehalten werden. Im dritten Viertel des 9. Jhs. ist in den ausgedehnten Ebenen nördlich des Duero eine ungefähre Grenze zwischen Asturien und dem Emirat errichtet worden.

912 kommt Abd-ar-Rahman III. (912-961) an die Macht, interessanterweise war er Muslime, aber auch Sohn und Enkel christlicher Frauen. Die Annäherungen der Religionen zeigt sich in diesen religiösen Mischehen, wobei allerdings nach islamischem Recht nur muslimische Männer christliche Frauen heiraten dürfen. Abd-ar-Rahmann III ist der erste Umayyade von al-Andalus, der den Kalifentitel für sich reklamiert. Er setzt sich also als „Nachfolger“ oder „Stellvertreter des Gesandten Gottes“ ein, also als Oberhaupt der gesamten muslimischen Gemeinschaft, und somit in Konkurrenz zu den beiden anderen Kalifaten in Bagdad und Kairo.

Unter ihm und seinem Nachfolger al-Hakam II. (961- 976) entsteht das Kalifat von Córdoba, das zu einem der bedeutendsten Reiche Europas und der islamischen Welt wird, wobei Abd-ar-Rahman mit starker, z.T. grausamer Hand regiert. Allerdings hatte er sich auch gegen zahlreiche Rebellionen in Catmona, Sevilla, Merida, Badajoz, Valencia und Toledo zur Wehr zu setzen ebenso wie gegen Angriffe aus dem christlichen Norden.

Die arabische Kultur wird zu dieser Zeit zur vollen Blüte gebracht. Muslime, Christen und Juden leben in seinem Reich in Eintracht zusammen und machen al-Andalus zu einer kosmopolitischen arabisch-islamistischen Gesellschaft. Diese Zeit des friedlichen Zusammenlegens der Religionen wird auch “convivencia” genannt.

Die Bevölkerung wächst stark an. Córdoba hat 113.000 Häuser, 600 Moscheen und prächtige Paläste, darunter den Alcázar. 785 beginnt man mit dem Bau der berühmten Moschee von Cordoba, der Mezquita, die in den nächsten 200 Jahren mehrmals erweitert wird. Cordoba wird mit einer Bevölkerung von vielleicht 500.000 Einwohnern schließlich die größte und wohlhabendste Stadt in Europa noch vor Konstantinopel. Die Stadt wird zum Anziehungspunkt für Gelehrte und Wissenschaftler und zum Modell einer kosmopolitischen Aufklärung. Das Kalifat existiert zwar nur knapp hundert Jahre, aber das von Abd al-Rahman III. begründete Verwaltungswesen, der Anstieg der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktion sowie seine Investitionen in die Infrastruktur lösten in al-Andalus einen wahren Verstädterungsboom aus. Ein letztes Aufleben des Kalifats findet unter al Mansur Ende des Jahrhunderts statt. Er dringt mehrmals in die christlichen Reiche im Norden ein und kommt sogar bis nach Santiago de Compostela. Er plündert die Stadt, verbietet aber, das Grab des hl. Jacobus zu entweihen. Mit seinen Vorstößen gegen die Christen will er deren Vordringen einen Riegel vorschieben. Dennoch geht das in den 750er Jahren von Abd al-Rahman I. gegründete und unter Abd al Rahman III. zu Pracht und Herrlichkeit aufgestiegene Reich seinem Ende entgegen. Das Reich wird zum Ort der Auseinandersetzung zwischen den erstarkenden Christen und ihrer Reconquista und puritanischen intoleranteren Berbern.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Spaniens#/media/Datei:Al-Andalus-de-910.jpg
Von Alexandre Vigo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10312430

3. Periode der Arabisierung – die Zeit der Taifas (1041-1091), die Herrschaft der Almoraviden (1091-1145) und Almohaden (1145-1236) und das Emirat von Granada (-1492)

 

In den folgenden Jahrzehnten beginnt der Niedergang des arabischen Einheitsreiches in Spanien. Mit der Absetzung des letzten Kalifen 1031 bricht Al-Andalus politisch zusammen und endet 1031.  Nach zweiundzwanzig Jahren Bürgerkrieg und ethnischer Zwietracht, Gegenputschen und Pogromen war das Kalifat beendet. Der Glanz Cordobas verblasst, aber die Provinzstädte erwachen zum Leben. Es bilden sich zahlreiche islamische Kleinstaaten, die sog. Taifas. Darunter sind u.a. 1009-1076 die Amiriden in Denia1010-1090, die Ziriden in Granada, 1016-1085die Nuniden in Toledo und Cordoba 1023-1091 die Abbadiden in Sevilla.

Im Jahr 1031 sind ungefähr 24 Reiche der Reyes de Taifas, der Kleinkönige, entstanden, welche sich jedoch gegenseitig bekämpfen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe der christlichen Staaten, die inzwischen in Spanien erstarkt sind. Während unter Abd al-Rahman III. al-Andalus noch die Hegemonie über die christlichen Staaten ausübt und auch in Erbstreitigkeiten eingreifen kann, kehrt sich das Verhältnis allmählich um, so dass mehrere Taifas von den christlichen Staaten tributabhängig werden. Diese Zeit dauert von 1031-1091. Der wirtschaftliche Wohlstand in den Taifas blieb erhalten, aber der politische Niedergang setzte sich unaufhaltsam fort. Die Schwäche erkennen auch die Nachbarn, die christlichen Fürsten im Norden und die Berber in Nordafrika, die schon in der Zeit des Kalifats enge Beziehungen zu den Mauren in Spanien aufgebaut haben.

Die Expansion der christlichen Staaten ging immer stärker zu Lasten der Taifas und findet in der Eroberung Toledos durch Kastilien den ersten Höhepunkt. Es ist die erste größere Stadt in al-Andalus, die einem christlichen Herrscher zufällt. Zwar zielt diese Eroberung nicht auf Vertreibung der Muslime ab, sondern man will die muslimische Bevölkerung als Untertanen der christlichen Reiche behalten. Doch aus Toledo wandert ein Großteil der muslimischen Elite ab. Diesen spektakulären Erfolg der Christen empfinden viele Muslime

als Tragödie und einen großen Verlust. Dies führt dann zur Invasion der nordafrikanischen Almorawiden, die von den Muslimen zur Hilfe gerufen werden. Sie bringen die Rückeroberung islamischer Gebiete durch die christlichen Staaten zum Stehen, kehren sie teilweise sogar wieder um. Die Almoraviden, nordafrikanische Wüstenkrieger und streng orthodoxe Gläubige, übernehmen die Herrschaft in al-Andalus.

Empört über den „dekadenten“ Lebensstil und die „Aufweichung“ der Religion, die sie vorfinden, beginnen sie im Einverständnis mit Rechtsgelehrten, die das Versagen der Kleinkönige beim Schutz des Islams hervorheben, mit der Unterwerfung der Taifa-Reiche. Diese endet 1110 mit dem Sturz der Hudiden von Saragossa. Al-Andalus wurde nun Teil eines Reiches, das seinen Mittelpunkt in Nordwestafrika hat mit der Hauptstadt Marrakesch und der Regionalhauptstadt Sevilla.

Durch den asketischen Fanatismus der Neuankömmlinge endet auf muslimischer Seite die Jahrhunderte lange Tradition der Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Die christlichen Mozaraber werden ausgewiesen, wenige später auch viele Juden. Doch städtisches Leben und Handel florieren und mit der Zeit werden auch die strengen Sitten gelockert. Allerdings werden die Almorawiden seit 1147 von den ebenfalls aus Nordafrika stammenden Almohaden verdrängt, die noch sittenstrenger sind. Beide Stämme können während ihrer Herrschaft die spanisch-maurische Kultur weiter ausbauen. Doch die Unzufriedenheit der Untertanen mit der streng-religösen Herrschaft droht die Herrschaft der Almohaden zu schwächen. Das nutzen die christlichen Herrscher und die Reconquista verdrängt die Araber allmählich trotz einiger Niederlagen bis Ende des 13. Jahrhunderts fast vollständig aus dem Land. (Siehe dazu die Ausführungen zur Reconquista)

Einzig das Nasriden-Reich von Granada, zudem auch größere Städte wie Málaga, Almería und Marbella gehören, besteht noch bis 1492. Dann muss Mohammad XII. den Schlüssel der Stadt Granada an das Ehepaar, die Könige Ferdinand II. von Aragon und Isabella I. von Kastilien übergeben und abziehen.

Eine kurze Zeittafel zur politischen Geschichte

 

710-756          Islamische Eroberung und Anfänge

711                  Invasion der Mauren unter Taliq

711                  Schlacht am Rio Guadelete – Niederlage der Westgoten unter König Roderich

719                  Fast ganz Spanien unter maurischer Herrschaft

721                  Pelago besiegt die Mauren bei Covadonga- angeblicher Beginn der Reconquista

756-1031        Emirat und Kalifat von Cordoba

 

756                  Begründung des Umayyaden Emirats durch Abd al Rahmann I

912-961          Abd ar Rahman, Blüte des Emirats

929                  Abd ar Rahman ernennt sich zum Kalifen

961-976          Al Hakan II , Blüte der arabischen Kultur

1031                Niedergang des Kalifats

1041-1091      Entstehung der Taifas, der regionalen Königreiche

                        u.a.:

1009-1076      Amiriden in Denia

1010-1090      Ziriden in Granada

1016-1085      Nuniden in Toledo und Cordoba

1023-1091      Abbadiden in Sevilla

1085                Alfons VI von Kastilien erobert Toledo im Zentrum der Halbinsel

 

 1091-1248      Almoraviden und Almohaden

1090-1116      die Almoraviden erobern die Taifas Königreiche

1094                El Cid erobert Valencia, das bis 1102 gehalten wird

1118                Aragon erobert Zaragoza

1212                Kastilien besiegt die Almohaden bei Las Navas de Tolosa

1229                Aragon erobert Mallorca

1236                Kastilien erobert Cordoba

1238                Portugal erobert Algave

1238                Aragon erobert Valencia

1248                Kastilien erobert Sevilla  – Ende der großen „Reconquista“

1237-1492      Die Nasriden in Granada

             

Die Einflüsse der maurischen Kultur auf Spanien und Europa

 „Der Reiz Spaniens ist es, der Ort zu sein, wo Orient und Okzident einander begegnet sind“ (Emile Male). Denn neben den militärischen Auseinandersetzungen, den Tributzahlungen und Phasen der Intoleranz und des Fanatismus wird die muslimische Präsenz in Spanien auch mit einem bedeutenden kulturellen und wissenschaftlichen Aufschwung in Verbindung gebracht. Auch der Umgang mit Andersgläubigen – solang sie einer monotheistischen Religion anhängen – muss man – zumindest am Anfang der Herrschaft der Mauren – gerade auch für die damalige Zeit als sehr tolerant und fortschrittlich bezeichnen. Als Vollbürger werden sie aber nicht anerkannt. Sie leisten keinen Militärdienst und zahlen eine Sondersteuer und sie sind dem Staatsvolk der Muslime untergeordnet. Sie haben jedoch ein Recht darauf, ihre eigene Religion auszuüben mit all ihren Bräuchen und Vorschriften.

Die christlichen Untertanen der neuen islamischen Herren scheinen, nachdem ihre ersten Erhebungen und Aufstände niedergeschlagen worden sind, vor allem in der Epoche des Emirats und des Kalifats von Córdoba (756–1013) mindestens teilweise von der damals offenkundigen zivilisatorischen Überlegenheit der islamischen Macht  beeindruckt zu sein. Teile der gebildeten Schichten greifen bereitwillig viele kulturelle und wirtschaftliche Ideen der Mauren auf. Der Name, den sie erhalten, mozarabes (von must’arab, einer, der gern Araber sein möchte, sich als Araber gibt), spricht zumindest dafür.

Will man kurz auf diese positiven Aspekte der Arabisierung der iberischen Halbinsel eingehen, so muss man von einem komplexen Vorgang ausgehen, der in viele Lebensbereiche Einzug hielt. Hier einige Beispiele.

Die islamische Bodenpolitik führt zu einer ausgesprochenen Klein- und Mittelbesitzstruktur und steht somit im Gegensatz zu der Struktur von Latifundien, deren Entwicklung schon unter den Römern begonnen haben. Durch die Reconquista wird diese kleinräumigere Agrarstruktur aber wieder zerstört. Denn hier kommt es wieder zur Bildung von Latifundien als Geschenk an die Unterstützer der spanischen Herrscher. Diese Latifundien sind bis heute ein großes Hemmnis für die Entwicklung der spanischen Landwirtschaft.

In der Folge der Agrarpolitik der Mauren kommt es zu einem Aufschwung der Landwirtschaft vor allem auch durch die Einführung neuer Kulturpflanzen. Die wichtigsten neuen Kulturpflanzen sind die Zitrone, die Pomeranze, die Banane, das Zuckerrohr, der Reis, die Baumwolle und die Wassermelone.

Auch die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte z.B. im Rahmen der Leder-Textil- und Teppichherstellung sowie Papierherstellung wird deutlich verbessert. So wird z.B. Baumwolle, Hanf und Safran (zum Färben) nach al-Andalus importiert, was die aufstrebende Textilindustrie stark ankurbelt. Auch die Seidenmanifaktur wird durch die große Nachfrage der Eliten ausgebaut.

Entscheidend für die Gestaltung der Agrarlandschaft sind auch die künstlichen Bewässerungssysteme. Zwei wichtige neuartige Systeme der Wassergewinnung sind die Wasserhebevorrichtungen (Norias) und die Qanate. Bei den Norias handelt es sich um ein Wasserschöpfrad, während die Qanate ein ausgeklügeltes System von unterirdischen Wasserleitungen ist, das über viele Kilometer reicht.

Vor allem aber kann man bei den Einflüssen der Mauren auf die Blüte der Wissenschaften verweisen. So bringen die Araber Wissen aus den Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften, der Baukunst, der Medizin, der Astronomie und Mathematik nach Spanien. Allein die Bibliothek des Kalifen Abd al-Rahman in Cordoba umfasst angeblich mehr als 400.000 Bücher. Viele Bücher wurden auch aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt und auch vom Arabischen ins Lateinische. Auch die bei uns heute üblichen (arabischen) Ziffern hat Europa von den Arabern übernommen. Ursprünglich kommt das Ziffernsystem allerdings aus Indien.

Voraussetzung für die Entfaltung der Wissenschaften ist ein gut ausgebautes Bildungssystem. So gibt es ein weit verbreitetes Netz von Elementarschulen, die die Basis für die Universitäten bilden. Im 10 Jh. gibt es bereits 17 Universitäten in al-Andalus. Der muslimische Einfluss schlägt sich auch im Bereich der Schönen Künste – hier vor allem der Dichtkunst und Musik – nieder.

Interessant ist auch, dass die erhaltenen Quellen aufzeigen, dass neben den Männern auch Frauen eine wichtige Rolle spielen und zwar nicht nur als Kopistinnen und Übersetzerinnen sondern auch als Wissenschaftlerinnen und Autorinnen. Frauen der Oberschicht haben Mittel und Möglichkeiten, kulturellen Interessen nachzugehen. Sie schreiben Gedichte, kopieren den Koran, geben juristische Texte heraus und gründen bedeutende Bibliotheken, studieren Wissenschaften und Religion. Eine der bekanntesten war Lubna von Cordoba. Bekannt ist, dass sie in eine Sklavenfamilie geboren wurde, die im Palast von Abd ar-Rahman III. in Medina Azahara arbeitete, und dass sie innerhalb dieser Mauern aufwuchs. Sie war nicht nur Chefsekretärin (katiba al-kubra) des Kalifen, sondern bekleidete auch zahlreiche weitere Ämter: Sie war Kopistin, Schreiberin, Expertin für den Erwerb von Büchern für die königliche Bibliothek, Privatsekretärin und Mathematikerin. Aus diesem Grund wurde sie zur Kuratorin der Großen Bibliothek von Córdoba ernannt und verwaltete dort über 500.000 Bücher.

In der Bibliothek von Córdoba war Lubna für die Reproduktion, das Schreiben und Übersetzen vieler Handschriften zuständig. Gemeinsam mit dem jüdischen Gelehrten Hasday ibn Shaprut war sie maßgeblich an der Entstehung der berühmten Bibliothek von Medina Azahara beteiligt. Sie war nicht nur Schriftstellerin und Übersetzerin, sondern verfasste auch Kommentare zu diesen Büchern. Darüber hinaus unterrichtete sie arme Kinder in al-Andalus in Mathematik. Lubna bereiste den gesamten Nahen Osten auf der Suche nach Büchern für ihre Bibliothek in Kairo, Damaskus und Bagdad. Sie kopierte zahlreiche wichtige Texte und versah sie mit handschriftlichen Anmerkungen, die die Herkunft des Autors und eine kurze Zusammenfassung des Werkes enthielten; sie verfasste sogar eigene Gedichte über das Leben im Palast.

Die großen Städte – wie Cordoba, Toledo und Granada – sind auf Grund der –zumindest zeitweise herrschenden – intellektuellen Freiheit und religiösen Toleranz dem übrigen, doch z.T. recht rückständigen Europa klar überlegen. Da sich von diesen Zentren kontinuierlich das Wissen auf andere geistige Zentren in Europa ausbreitet, kann das Zusammentreffen von muslimischer und abendländischer Kultur im Laufe der Zeit auch im übrige Europa Einfluss ausüben und zur kulturellen Entwicklung des Abendlandes vor der Renaissance beitragen. Dabei spielen die arabisierten Christen eine wichtige Rolle, da sie sowohl die christlichen Reiche Nordspaniens als auch Italien und die fränkischen Herrschaftsgebiete bereisen.

(s. auch das Kapitel: Wechselbeziehung zwischen islamischer,christlicher und jüdischer Baukunst in Spanien und der Madéjar-Stil – Via de la Plata)

Quellen

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Ritterorden in Spanien

Ritterorden in Spanien

Historisches auf dem Via de la Plata

Wenn man an die Ritterorden denkt, dann fällt einem wohl als erstes der Templerorden ein, den man als ältesten Ritterorden bezeichnen kann. Er und der Johanniterorden waren international agierende Orden, die vor allem bei den Kreuzzügen ins Heilige Land aktiv waren. Ihre wichtigsten Aufgabenbereiche lagen daher auch in dieser Region. Allerdings hatten sie natürlich auch einige Häuser in Spanien. Der Ritterorden vereinte die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche, bis dahin waren diese beiden Stände streng voneinander getrennt gewesen. Die Ritterorden waren durch ein ordensähnliches Gemeinschaftsleben in Armut, Gehorsam und Keuchheit gekennzeichnet, welches verknüpft war mit caritativen Aufgaben, bewaffnetem Pilgerschutz und militärischem Einsatz gegen äußere und gelegentlich auch innere Feinde der Christenheit. Sie waren streng hierarchisch organisiert. Hoch-bzw. Großmeister standen an ihrer Spitze. Aufgrund der Ordensregeln verpflichten sich die Mitglieder in allen Belangen zu absolutem Gehorsam gegenüber ihrem Großmeister. Einige geistliche Ritterorden, auch die spanischen und portugiesischen Ritterorden nach Ende der Reconquista wurden im 15./16. Jahrhundert dem jeweiligen König unterstellt, der die Großmeisterwürde erhielt und fortan vererbte.

Templer-Orden

Jahr der Gründung: 1118 Jerusalem / Sitz in Spanien: Castillo de Ponferrada (Kastilien-León) / International tätiger Ritterorden. Dem Templerorden folgte in Spanien der Montesa-Orden nach.

Orden de Hospital (Johanniterorden)

Jahr der Gründung: 1048 in Jerusalem / Sitz in Spanien: Castillo de Consuegra (Toledo, Kastilien-La Mancha) / International tätiger Ritterorden

Orden, die vor allem in Spanien agierten

Die spanischen Ritterorden, zu denen auch Ritter aus ganz Europa stießen, sahen ihre Aufgaben vor allem innerhalb Spaniens. Sie spielten gerade während der Reconquista, der Rückeroberung Spaniens durch die christlichen Königreiche, eine besondere Rolle.

Zudem brachen Menschen aus aller Herren Länder auf, um am Grab des heiligen Apostels Jakobus in Compostela zu beten. Diese Pilger, jährlich Hunderttausende und mehr, sollten und mussten geschützt werden: vor Dieben, Wegelagerern, Räubern, aber auch und gerade vor den Mauren. Die spanischen Ritterorden waren infolge ihres Auftrags weniger dem Papst denn dem jeweiligen König verpflichtet.

Der älteste Ritterorden in Spanien ist der Orden de Calatrava (Calatrava-Orden), er wurde bereits im Jahre 1158 gegründet. Danach folgten weitere Gründungen von Ritterorden wie der Orden de Santiago (1170), Orden de Alcantara (1176) und der Orden von Montesa (1317).

Calatrava-Orden

Jahr der Gründung: 1158 / Königreich von Kastilien / Sitz: Castillo de Calatrava La Nueva (Ciudad Real, Kastilien-La Mancha) Gegründet wurde der große spanische Ritterorden Calatrava-Orden von Abt Raimundo Serrat im Jahre 1158. Der Orden von Calatrava hatte ursprünglich die Aufgabe, die Burg Calatrava vor den Mauren zu schützen. Eine Aufgabe, die zunächst 1147 zunächst den Templern übertragen worden war.

Alcantara-Orden

Jahr der Gründung: 1176 / Königreich León / Sitz: Convento San Benito (Cáceres, Extremadura) Der Alcántaraorden wurde zum Schutz des Ortes Ciudad Rodrigo im Jahre 1156 als Orden de San Julián de Pereiro gegründet. Erst im 13. Jahrhundert als der Ritterorden die Festung Alcántara übernahm und eine wichtige Römerbrücke über den Rio Tajo schützen sollte, folgte die Umbenennung.

Santiago-Orden

Jahr der Gründung: 1170 / Königreich León / Sitz: Monasterio de Uclés (Cuenca, Kastilien-La Mancha) / Auch der Santiagoorden wurde im Zuge der Reconquista gegründet und betätigte sich hauptsächlich auf der iberischen Halbinsel. Zunächst sahen die Mitglieder dieses Ritterordens ihre Hauptaufgabe im Schutz der Pilger nach Santiago de Compostela.

Montesa-Orden

Jahr der Gründung: 1317 / Königreich Aragón / Sitz: Castillo de Montesa (Valencia) / Der Orden von Montesa wurde erst 1316 von König Jakob II. von Aragón gegründet also nach der Auflösung des Templerordens und so wurde der Montesa-Orden mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Im neu gegründeten Orden fanden auch die nun ordenslosen Tempelritter Unterschlupf. 1400 wird der Montesa-Orden mit dem Orden von San Jorge de Alfama zusammengelegt, der neue Orden heißt nun Orden von Montesa und San Jorge de Alfama. ^

Orden von San Jorge de Alfama

Jahr der Gründung: 1201 / Alfama / Der Orden von San Jorge de Alfama wurde von König Peter II. von Aragón zu Ehren des heiligen Georg (San Jorge) 1201 gegründet. Vom Papst wurde der Orden von San Jorge de Alfama allerdings erst 1363 anerkannt. 1400 wurde der Orden mit dem Orden von Montesa vereinigt, der neue Orden hieß von nun an Orden von Montesa und San Jorge de Alfama.

Alle spanischen Ritterorden fühlten sich stärker den Königen als dem Papst verpflichtet. Trotzdem kam es im Laufe der Geschichte zu Unstimmigkeiten zwischen den Orden und der Krone, was sicherlich mit der zunehmenden Macht, dem Reichtum und der Unabhängigkeit der Orden zusammenhing. Die Orden erhielten als Anerkennung für militärische Leistungen zahlreiche Schenkungen und verfügte über ausgedehnte Ländereien und Privilegien sowie über hohe Geldbeträge, obwohl die Ritter sich u.a. beim Eintritt in den Orden der Armut verschrieben hatten. Da dies der spanischen Krone langfristig nicht gefiel, gingen die Ämter des Großmeisters nicht ganz freiwillig, sondern oft mit Unterstützung des Papstes nach und nach auf die spanische Krone über, die dann nur noch vererbt wurden.

  

Übrigens bestehen noch heute Ritterorden, die zum einen der Protektion des Heiligen Stuhls unterstehen ( Souveräner Malteserorden,  Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem) oder zum anderen als Ordensinstitution bestehen ( Deutscher Orden,  Mercedarierorden,  Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern).

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Die Zeit der Renaissance in Spanien

Die Zeit der Renaissance in Spanien

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Kurzer gesellschaftlicher und geschichtlicher Hintergrund

Die Renaissance kennzeichnet teilweise den Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit. Dieser Prozess vollzog sich allerdings über eine lange Zeitperiode beginnend wohl mit dem Humanismus um 1300 und ausklingend mit der Aufklärung um 1700. Es sind einige neue naturwissenschaftliche bzw. technische  Erkenntnisse, die zu fundamentalen Veränderungen führten.  Zu nennen sind hier u.a.

  • Johannes Gutenberg erfand im Jahr 1440 den Buchdruck mit beweglichen Lettern.
  • Der Schlossermeister Peter Henlein baute um 1510 eine kleine Uhr aus Eisen mit Federantrieb, die Taschenuhr.
  • Das erste Mikroskop erfand das niederländische Vater-Sohn-Gespann Hans und Zacharias Janssen 1608.
  • Der Arzt und Domherr Nikolaus Kopernikus aus Thorn findet 1507 das mathematisch noch unbewiesene Heliozentrische Weltbild.
  • Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), reformiert als Arzt, Botaniker und Chemiker die Medizin.
  • Galileo Galilei 1564-1642) macht bahnbrechende, physikalische Entdeckungen. Im Jahre 1633 wird er wegen seines Eintretens für das kopernikanische Weltbild von der Inquisition zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.
  • Johannes Kepler fand Anfang des 17. Jhs. die drei Keplerschen Gesetze, die die fundamentalen Gesetzmäßigkeiten des Umlaufs der Planeten um die Sonne erläutern. 
  • Leonardo Da Vinci (1452-1519) ist berühmt für seine vielen herausragenden Leistungen als Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Mechaniker, Ingenieur, Philosoph und Naturwissenschaftler.

Ebenso wichtig wie die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind aber auch zahlreiche geschichtliche Ereignisse. Hier sind u.a. zu nennen

  • die Entdeckung der Neuen Welt,
  • die Blüte des Welthandels,
  • der Aufstieg der Städte und des Bürgertums,
  • der Beginn der uneingeschränkten Monarchie in Frankreich,
  • das sich ausdehnende Habsburgerreich unter Karl V.
  • die Reformation und Gegenreformation.

In diese Zeit fallen auch speziell für Spanien wichtige gesellschaftliche Veränderungen und Entdeckungen. Zu nennen sind hier u.a.

  • die Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragon,
  • das Ende der Reconquista durch die Einnahme von Granada 1492
  • die Inquisition und die Vertreibung der Araber und Juden aus Spanien
  • die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492
  • die Kolonialisierung der amerikanischen Besitzungen
  • die Beziehungen Spaniens zu Italien – der König von Aragon war auch König von Neapel
  • das Habsburgerweltreich mit seinem Mittelpunkt in Spanien unter Karl I. von Spanien ( als Karl V. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches)
  • die Entwicklung einer herausragenden Stellung Spaniens in der Weltpolitik
  • Einsetzung Philipp II. als Nachfolger Karls in Spanien, den Niederlanden, in den italienischen Besitzungen und in den überseeischen Kolonien
  • intensive Beziehungen Philipps II.  zu anderen italienischen Staaten und dem Papsttum.

Das Menschenbild der Renaissance

Die Entdeckung der Welt entspricht der Entdeckung des Menschen. Der Mensch als Einzelwesen, als Individuum wird interessant. Die Renaissance ist als ein Lebensgefühl zu verstehen. Der Gott des Mittelalters soll durch den Menschen als Maß aller Dinge ersetzt werden. Das Menschenbild ist durch einen kritischen Geist, Selbstbewusstsein, Weltläufigkeit und naturwissenschaftliche Offenheit gekennzeichnet. Traditionelle Kräfte wie die Religion oder Herrschaft werden hinterfragt und nicht unkritisch übernommen. Der moderne Mensch mit seinen Gaben und gestalterischen Fähigkeiten wird hervorgehoben.

Die Humanisten trugen der Tatsache Rechnung, dass der Mensch aus eigenem Antrieb fähig ist, sich und seine Welt zu begreifen, kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Der Mensch der Renaissance war selbstbewusst, er begriff sich als Künstler, als Schöpfer, als Herr der Künste. Er interessierte sich für technische Neuerungen, für die Kriegskunst, die Geschichte, Werke und Ästhetik der vielgerühmten Antike. Bilder, Statuen, Reliefs und Architektur sollten einem neuen Schönheitsideal und lebensbejahenden Menschenbild Rechnung tragen. Der Pessimismus, der in Europa nach der schrecklichen Pestepidemie des 14. Jhs., die über 25 Millionen Menschen dahinraffte, wurde überwunden. Eine gesteigerte Lebensfreude trat in den Vordergrund.

Die Künstler transportierten das neue Menschenbild der Gelehrten in ihre Werke und prägten bis ins 16. Jahrhundert hinein einen eigenen Stil und eine eigene Ästhetik der Renaissance. Sie feierten die Ideen und die Highlights der Antike und übersetzten sie in ihre Zeit, um sie für die Gegenwart, die Moderne, umsetzbar zu machen.

Berühmte Maler der Renaissance

Da die Malerei in der Renaissance eine besondere Bedeutung hat, ich im Folgenden aber vor allem auf die Architektur eingehe, sind hier einige der bedeutendsten Künstler aufgeführt. Die Berühmtheit der Maler ergibt sich auch daraus, dass im Gegensatz zum Mittelalter die Künstler nicht mehr anonym bleiben, sondern ihren wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft erhielten und von den großen Herrschern stark umworben wurden.

Leonardo da Vinci 

1452-1519

Michelangelo

1475-1564

Raffael

1483-1520

Lucas Cranach d.Ä

1472-1553

Hieronymus Bosch   

-1516

Tizian

1490-1576

Giorginoe

1478-1510

Jacopo Tintoretto

1518-1594

Sandro Botticelli

1445 –1510

Giovannni Bellini

1430-1516

Albrecht Dürer

1471-1528

Jan van Eyck

1390-1441

Albrecht Altdorfer

1480-1538

Matthias Grünewald

1470-1528

Die Bedeutung der Monarchie, der Kirche und des Adels für die Entwicklung der Renaissancearchitektur in Spanien

Die Verbreitung des Stils geschah durch das Mäzenatentum vor allem der herrschenden Klasse, die durch Diplomatie, Kriege und Heirat mit anderen Herrscherhäusern verbunden war und so in regem Kontakt zu einander standen. Was sich gegenüber dem Mittelalter änderte, war die Tatsache, dass auch die Künstler aus der Namenlosigkeit heraustraten. Wie die Namen ihrer fürstlichen Mäzene standen nun auch die Namen der Künstler im Mittelpunkt und um ihre Anwesenheit wurde zwischen den Fürstenhäusern gefeilscht.

Der politische Aufschwung in Spanien schlug sich auch in intensiver, künstlerischer Tätigkeit nieder, die von Adel, Kirche aber auch von Kaufleuten und Bankherren gefördert wurde. Zum einen gaben die Könige selbst bedeutende Bauwerke der Renaissance in Auftrag. Besonders ausgeprägt waren diese architektonischen Interessen schließlich bei Philipp II., der alle Pläne persönlich begutachtete, besonders jene des Escorial. Aber auch das Interesse des Adels war von großer Bedeutung, da er mit den Aufträgen für repräsentative Paläste die Renaissance in Spanien vorantrieb. Neben dem Adel ist es auch das Bürgertum in den prosperierenden Handelsstädten zu nennen, das inzwischen zu Wohlstand und Selbstbewusstsein gekommen ist. Es wurden aufwendige Rat-, Zunft- und Wohnhäuser in Auftrag gegeben. So gestaltete sich eine als „Palazzo“ genannte Bauform. Es entstanden geschlossene, um einen Innenhof herum gelegte Bauten, deren Räume an Flure gereiht und gern in Stockwerke gleicher Höhe geordnet wurden. Zur Straßenfront hin erhielten sie eine monumentale dekorative Fassade. Eine andere weltliche Bauaufgabe stellte die Villa dar, das vor den Stadtmauern gelegene Landhaus mit seiner Gartenarchitektur.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Humanismus in Spanien kam auch den Universitäten und Kollegien eine wachsende Bedeutung zu und somit auch der Architektur der Universitäten. Die Kollegien bildeten den ersten speziellen Bautyp unter den Universitätsgebäuden. Sie entstanden zunächst ohne feste Gestalt als Internate für arme Studenten und folgten in ihrer Organisation dem Vorbild der Klöster. Eine beschränkte Zahl von Stipendiaten lebte in enger Gemeinschaft unter der Aufsicht von Rektor und Dekanen. Durch Repetitionen und Vorträge gewannen sie allmählich den Rang von Lehrstätten mit wachsendem Einfluss auf den gesamten Lehrbetrieb.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wurden im Gebiet der iberischen Halbinsel viele Universitätsgebäude neu errichtet oder bereits bestehende umgebaut und erweitert. Dazu zählen z. B. die Universitäten von Salamanca, Alcalá de Henares, Burgo de Osma, Osuna und Oñate, sowie die Kollegien von Valladolid, Santiago de Compostela, Tortosa und Salamanca.

Die Renaissance und ihre Architekturstilrichtungen in Spanien

Die meisten Architekturhistoriker sehen den Ursprung der Renaissance im frühen 15. Jahrhundert in Florenz als Brunelleschi, basierend auf Ideen der römischen Antike, aber auch der Romanik – seine Idee der römischen Baukunst formulierte. Ausgehend von Florenz breitete sich der Renaissance-Stil erst über Italien, dann über ganz Europa aus. Bis 1450 hatte sich der neue Stil in Ferrara, Urbino, Neapel und Rom etabliert. Kurz darauf setzte sich dieser Stil auch in den Fürstentümern Rimini, Mantua und Mailand, sowie in den Republiken Siena und Venedig durch. Anders als Florenz, Siena und Venedig wurden die übrigen Städte bzw. Stadtstaaten von signori – also Fürsten, Herzögen, Königen und Grafen –regiert.

Dies wiederum erleichterte die Verbreitung des Stils im restlichen Europa, da  die Herrscher der Königreiche, Fürstentümer miteinander verknüpft waren. Es waren vorwiegend Mitglieder der herrschenden Klasse, die als Mäzene auftraten und Paläste und Grabdenkmäler im Renaissance-Stil errichten ließen.

In Spanien herrschten im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts die „Katholischen Könige“ Isabella und Ferdinand. Sie waren bestrebt, ein vereintes christliches Spanien zu schaffen. Um dieser Idee des Christentums in der Architektur symbolisch Ausdruck zu verleihen, schien ihnen allerdings die Formensprache der Gotik geeigneter als die der Renaissance, die – zumindest in Spanien – mit dem Heidentum in Verbindung gebracht wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass die „Katholischen Könige“, die Kirche und auch ein Großteil des spanischen Adels auf eine Erneuerung der tiefverwurzelten Tradition des gotischen Architektursystems bedacht waren. Dazu kommt, dass auf der iberischen Halbinsel sowohl die Renaissance als auch die Gotik als Ausdruck derselben Idee der Modernität galten.

So befand sich Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einer Phase der stilistischen Unsicherheit oder Überlappung. Gotik, Mudéjar und Renaissance blieben lange Zeit gleichermaßen gültige Stile, die selbst bis in die Jahrhundertmitte in verschiedensten  Mischformen auftraten. So findet man sie häufig gemischt an Fassaden, in Innenhöfen und Kreuzgängen. Im Mudéjar-Stil vermischte sich abendländische Baukunst mit islamischen Elementen. Islamische Handwerker, die in den wiedereroberten Gebieten Spaniens zurückgeblieben waren, bauten vom 10. – Anfang des 16. Jhs. im Auftrag der Christen.

Die Geschichte der spanischen Renaissancearchitektur ist  anfangs vor allem eine Geschichte des Baudekors. Erst zur Mitte des Jahrhunderts hin begann man, weniger Schauwände und mehr Räume zu konzipieren. Die Baukunst in Spanien wurde zwar von der italienischen Renaissance beeinflusst, die spanischen Künstler hatten aber auch andere  Vorbilder, so dass nicht der italienische Stil starr kopiert wurde, sondern sich in Spanien eigene Bau- und Schmuckformen entwickelten. Regional waren die Anfänge der Renaissancebaukunst auf kleine Gebiete begrenzt, in Zentralspanien z.B. waren das Guadalajara und seine nähere Umgebung. Hier ist vor allem die Adelsfamilie der Mendozas zu nennen, die einen großen  Einfluss auf die Verbreitung des Stils hatte.

In Spanien unterscheidet man zwei Stilepochen der Renaissance:

  • den Platereske-Stil
  • den puristische oder Desornamentado-Stil

Der Platereske Stil verband die neuen italienischen Ideen der Renaissance mit der spanischen gotischen Tradition und starken maurischen Elementen. Er verband die maurische Flächenkunst mit den plastischen Vorstellungen der Italiener. Der Stil wurde Platereske genannt wegen der extrem dekorierten Fassaden, die an die überbordenden Dekorationen der damaligen Silberschmiedearbeiten, die Plateros, erinnern. Dieses starke Dekorationsbedürfnis war einerseits ein Erbe der islamischen Vergangenheit anderseits aber auch ein Ausdruck eines starken – manche sagen überbordenden –Selbstbewusstseins. Typisches Beispiel des Platereske-Stils ist u.a. die Universität von Salamanca.

Der Desornamentado-Stil dagegen ist der Ausdruck der dekorativen Nüchternheit und der architektonisch mächtigen Formen. Es ist ein Stil, der weitgehend ornament- und schmucklos und glattwandig ist. Er wird auch Herrera-Stil genannt. Denn Juan de Herrera erbaute in der asketisch-strengen Zeit  Philipps II. eine gewaltige Klosterburg, deren eine Hälfte dem königlichen Hofstaat, deren andere aber der Kirche gehörte. Die Anlage ist die Hofburg Spaniens, der Escorial.

Typische Merkmale der Architekturbauwerke der Renaissance

Die Stilepoche der Renaissance wurde ja als Wiedergeburt der Antike (ca. 800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.) bezeichnet. Die Architekten und Baumeister jener Zeit orientierten sich an der römischen Baukunst. Aufgegriffen wurden Bauelemente des alten Roms. Jedoch fanden sich in der Architektur der Renaissance auch Stilelemente der Romanik und Gotik und in Spanien des Mudéjar-Stils wieder.

Klare geometrische Strukturen, Symmetrie und harmonische Proportionen wurden im Renaissance-Baustil angestrebt, um ein vollkommenes Gleichgewicht zu erlangen. Die Schönheit dieser Gebäude beruht auf der ausgewogenen Beziehung aller Bauelemente zu einander. Als Ideal gilt der kuppelüberwölbte Zentralbau. Da diese Bauform bei den Kirchen aber den kultischen Bedürfnissen der Kirche – Isolierung des Altars vom Gemeinderaum – widersprach, findet man hier häufig auch die längsausgerichtete Form der Basilika und Hallenkirche.

Typische Bauteile und Gestaltungselemente in der Renaissance

  • Symmetrische Grundformen (polygonale, runde oder quadratische Elemente, um harmonische Proportionen zu erhalten)
  • Antike Säulenordnungen (dorische, ionische, korinthische),
    Zusammengesetzte Ordnung von ionischen Voluten (schmückende spiralförmige oder schneckenförmige Ornamente) und korinthischem Kapitell (oberer Abschluss einer Säule)
  • Kuppeln
  • Tonnen- und Kreuzgratgewölbe
  • Arkaden (Rundbögen, getragen von schlanken Säulen)
  • Rustikamauerwerk (grob behauenes Quadersteinmauerwerk mit tiefliegenden Fugen)
  • Fries und Gesims (horizontales Gestaltungselemente von Wandflächen und Fassaden)
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Zeittafel der Geschichte der Architektur in Spanien

Zeittafel der Geschichte der Architektur in Spanien vom 6. – 19. Jh.

Kulturelles auf dem Via de la Plata

Auf Grund der geschichtlichen Entwicklung und der damit verbundenen unterschiedlichen Herrschaftssysteme in Spanien kann man hier keine einfache klassische Einteilung der baugeschichtlichen Phasen vornehmen wie vielleicht in Italien, Deutschland, Frankreich oder England. Denn neben der Tatsache, dass wir in Spanien auch eine unter den Mauren entwickelte und gestaltete Architektur haben, gibt es einige regionale Differenzierungen und eine zum Teil deutliche zeitliche Überlappung und Vermischung der Stile.

So kann man mit vielen zeitlichen Überlappungen und sicher auch gewissen Ungenauigkeiten, was die zeitliche Terminierung betrifft, in etwas folgende Baustile in Spanien unterscheiden:

6. –  8. Jh.

Westgotische Architektur (präromanischer Baustil des Westgotenreiches)

8. – 10. Jh.  

Asturische Architektur (präromanischer Stil speziell in Asturien, v.a. um Oviedo (s. dazu das Kapitel „Vorromanische asturische Kultur“) Camino Primitivo

9. – 11 Jh.

Mozarabische Architektur (Mozaraber waren Christen, die von der Kultur des Islam geprägt waren)                    ( s. Kapitel “Mozarabische vorromansiche Architektur”) 

8. – 15 Jh.

Maurische Architektur (je nach den Machtverhältnissen Umayyadische Architektur, Architektur der Taifazeit, almoravidische, almohadische, nasridische Architektur) s. dazu auch das Kapitel „Die Arabisierung Spaniens“ Via Tolosana

10. – 16. Jh.

Mudéjar Architektur – Islamische Handwerker und Künstler, die in den wiedereroberten Gebieten Spaniens geblieben sind, bauen im Auftrag von Christen  (s. Kapitel  “Der Mudéjar-Stil”)

1000 – 1240

Romanik (980 -1050 Frühromanik, 1020-1180 Hochromanik, 1180-1220 Spätromanik) (s. dazu das Kapitel „Romanik in Nordwestspanien“ )

1140 – 1550

Gotik (1150 – 1250 Frühgotik, 1200-1350 Hochgotik, 1350-1550 Spätgotik u.a. der Isabellastil 1480-1510)  (s. Kapitel “Gotik in Spanien”)

1480 – 1600

Renaissance (1480 – 1550 Platero-Stil, 1550 – 1600 Desornamentado-Stil) ( s. dazu das Kapitel „Zeit der Renaissance“ ) Via de la Plata

1600 – 1800

Barock und Rokoko

1800 – 1840

Klassizismus

1840 – 1880

Historismus

1880 – 1914

Jugendstil

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Die Romanisierung Hispaniens

Die Romanisierung Hispaniens

Hintergrundwissen

Kurze Vorgeschichte

Schon vor etwa 12.000 v. Chr. war Spanien bereits besiedelt. Höhlenmalereien belegen dies eindeutig. Die ältesten Hinweise finden sich in der Höhle von Altamira (s. dazu meine Ausführungen auf dem Camino del Norte). Zu den Ureinwohnern Spaniens zählen die Völker der Iberer und der Kelten, die im 5. und 4. Jh. v. Chr. miteinander verschmolzen, sowie die Basken (s. dazu Geschichte der Basken in meinen Ausführungen auf dem Camino del Norte).

Im 11. Jh. v.Chr. siedelten sich die Phönizier an der Südküste an. Später setzen sich die Griechen an der Küste fest. Nach dem 1. Punischen Krieg (237 – 219) eroberten die Karthager den Süden und Osten der iberischen Halbinsel.

Der Prozess der Romanisierung

Die erste Phase - die Zeit des 2. punischen Krieges

Nach dem 2. Punischen Krieg wurden die Karthager von den Römern aus der iberischen Halbinsel vertrieben. So wurde für diese der Weg frei, um ab dieser Zeit Iberien Stück für Stück für das römische Reich einzunehmen. Es dauerte aber mehrere Jahre und mehrere Auseinandersetzungen mit den Karthagern bis diese erste Eroberung erfolgreich war.

Zwischen 210-209 v.Chr. eroberte Publius Cornelius Scipio Africanus zunächst das mediterrane östliche Spanien. Der Hauptgegner im südlichen Spanien war dann Karthago. Diese griff er in der Stadt Cartagena an. Die Stadt war für die Karthager von besonderer strategischer Bedeutung. Von hier aus kam der Nachschub aus Afrika, hier in der Nähe lagerten reiche Silberminen und hier gab es einen Hafen, der auch eine große Flotte aufnehmen konnte. Scipio konnte die Karthager vernichtend schlagen und die Stadt erobern.

Die zweite wichtige Schlacht fand dann im Jahr 208 v.Chr. wahrscheinlich bei der Stadt Bäcula (heute Ubeda) statt, wo die Karthager ca. 8000 Mann verloren. Scipio setzte nach den beiden Schlachten jeweils eine geschickte Taktik ein. Er entließ die mit den Karthagern verbündeten Iberer in die Freiheit und schickte nur die Afrikaner in die Sklaverei. So versuchte er unter den Iberern neue Verbündete zu gewinnen. Außerdem überließ er seinen iberischen Mitkämpfern einen Teil der Beute. So konnte er auf der iberischen Halbinsel Unterstützer finden, die die römische Herrschaft festigen sollten.

Im Jahr 206 kam es dann zu der letzten und entscheidenden Schlacht gegen die Karthager und zur endgültigen Einnahme des südlichen Spaniens. Diese entscheidende Schlacht fand bei der Stadt Ilipa (Alcala de Rio) unweit von Cadiz statt, bei der die Karthager endgültig geschlagen und aus Spanien vertrieben wurden.

Die Römer waren nun an Teilen der Küste Spaniens und im Süden präsent. Die nördliche Mittelmeerküste, also die Regionen am und nördlich des Ebro, Aragonien und Katalonien waren als erstes von den Römern erobert worden. Mit dem Sieg über die Karthager fielen ihnen nun auch die Küsten Valencias, Murcias sowie das Binnenland Andalusiens (das Guadalquivirbecken) in die Hände. Man kann hier aber nur von ersten Ansätzen einer Romanisierung sprechen, denn zunächst handelte es sich mehr um eine Ansammlung von Quartieren des römischen Heeres. Es entstanden nur erste kleine Städte. Durch die Heirat von römischen Soldaten und iberischen Frauen kam es in der Folge zu einer ersten Durchmischung der Bevölkerung.

Die zweite Phase - die Zeit des Widerstandes und der Aufstände

Nach dem Sieg gegen die Karthager versuchten die Römer Spanien endgültig unter ihre Herrschaft zu bringen. Der Unabhängigkeitswille und die Konkurrenz zwischen den einzelnen keltiberischen Stämmen führte dazu, daß sie in ständiger Furcht voreinander lebten, weil sie immer wieder übereinander herfielen. Man könnte meinen, dies ließe es den Römern leicht werden, die Stämme nacheinander zu besiegen. Doch es dauerte über 200 Jahre, bis ihnen alle Stämme der Iberischen Halbinsel zu Füßen lagen.

Auf die einzelnen Aufstände und Überfälle gehe ich im Folgenden nicht explizit ein. Zwischen 197-133 v. Chr. kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen der römischen Besatzung und den einheimischen Völkern der Iberer und Lusitanier. Dabei gingen die Römer z.T. mit äußerster Brutalität vor, um die einheimischen Völker einzuschüchtern. Trotzdem konnten sie zunächst nur den Süden und Südwesten der Halbinsel besetzen. Es kam immer wieder zu Überfällen und Kämpfen mit verschiedenen Gruppen der Iberer und es dauerte bis 133 v. Chr. bis mit der Niederlage der Iberer bei Numuntia eine zeitweise Ruhe zwischen den Römern und den Völkern Hispanias herrschte. Allerdings hielt dieser Frieden nicht lang, sondern es kam immer wieder zu neuen Auseinandersetzungen mit Aufständischen, zum Teil auch bedingt durch die Schwächung der Römer auf Grund des in Italien geführten Bürgerkrieges.  Insgesamt konnten in dieser Zeit das Binnenland, das heutige Kastilien-La Mancha und Kastilien-Leon sowie einige kleine Regionen erobert werden. Die Regionen im Norden,  Asturien, Galicien und Kantabrien, konnten sich auf Grund der topografischen Lage noch dem römischen Einfluss entziehen.

Die dritte Phase - die endgültige Eroberung des gesamten Landes

Erst Julius Caesar, der 61 v. Chr. als Proprätor die Provinz Hispanien Ulterior leitete, gelang es, den Widerstand der lusitanischen Stämme zu brechen und so das heutige Nordportugal und Galicien zu erobern. Allerdings konnte auch er den Nordwesten der Halbinsel nicht beherrschen. Erst unter Augustus wurde auch diese Region befriedet. Er teilte das Land nicht wie bisher in Hispania Citerior (näherliegend) im Osten und Hispania Ulterior (weiter entfernt) im Süden und Westen, sondern er gestaltete drei Provinzen Lusitania im Westen, Baetica im Süden und Traconensis im restlichen Bereich. Die Basken im Norden behielten ihre Unabhängigkeit. Nach der endgültigen Eroberung Spaniens kam es zu keinen nennenswerten Aufständen mehr und es folgte eine Zeit des Friedens, der Pax Romana.

Bedeutung der Romanisierung

Hispanien war das erste große Territorium außerhalb Roms, das von den Römern eingenommen wurde. Hier konnten sie sozusagen ihre Kolonialisierung anderer Länder erproben. Trotz der vielen Kämpfe und Auseinandersetzungen mit den einheimischen Völkern wurde die Eroberung dadurch erleichtert, dass es in Spanien kein einheitliches Staatsgebilde gab und die einzelnen Völker Spaniens leicht gegen einander ausgespielt werden konnten. Die Eroberung des ganzen Landes war auch deshalb für die Römer von Interesse, da sie so an Produkten wie Wein und Öl vor allem aber an die reichen Eisenerz- und Goldvorkommen im Norden und an die Silberbergwerke im Süden Spaniens kamen.

Nach der Eroberung bekam das ganze Land nun zur militärischen Sicherung zahlreiche Kastelle. Ein System von neuen Handelswegen wurde aufgebaut, um den Abbau und Transport der Bodenschätze und den Export landwirtschaftlicher Produkte wie Wein, Öl und Getreide nach Rom zu erleichtern. Der Ausbau des Straßennetzes trug gleichzeitig zur schnelleren Romanisierung der Bevölkerung bei. Die modernen Verkehrswege zwischen den spanischen Großstädten folgen noch heute teilweise dem Verlauf der römischen Verbindungswege.

Durch die Verschmelzung der einheimischen Oberschicht mit den römischen Machthabern wurde die Halbinsel allmählich ein wichtiges Zentrum römischer Kultur.

Wer in die neuen spanischen Provinzen Roms versetzt wurde, suchte die kulturellen Errungenschaften und Gepflogenheiten römischen Lebens so gut wie möglich beizubehalten.  So entstanden in den Städten u.a. Theater, Amphitheater und zahlreiche Tempel.  Zudem errichteten wohlhabende Bürger repräsentative Wohnhäuser nach römischem und griechischem Vorbild.

Die römische Provinz stellte sogar römische Kaiser wie Trajan (53-117 n.Chr.) und Hadrian (76-138 n.Chr.). Auch so angesehene Schriftsteller wie Seneca, Lucan und Martial kamen von hier. Die römische Religion wurde im Land etabliert aber neben der offiziellen Religion bestanden die alten Götter – allerdings unter neuem Namen – weiter.

Der hohe kulturelle und technologische Entwicklungsstand der Römer veränderte tiefgreifend die soziokulturellen Grundlagen der angestammten Bevölkerung im Zuge einer sukzessiven Anpassung. Die Annahme römischer Lebensweisen und Wirtschaftsformen führte zu einer Zurückdrängung traditioneller iberischer und keltischer Kulturformen wie die Gütergemeinschaft, des endogamischen Heiratsverhaltens (soziale Norm  in der eigenen sozialen Gruppe oder Sippe zu heiraten) oder der starken Bindung an den eigenen Stamm oder die Sippe. Allerdings entzogen sich die in den unzugänglichen Gebirgsgegenden lebenden Stämme – so auch die Basken – weitgehend der Romanisierung. In den von den Römern eroberten Gebieten, in denen sich die römische Kultur durchsetzt, kam es zur Urbanisierung, Intensivierung des Ackerbaus und Bürokratisierung. Die nachhaltigste Hinterlassenschaft aus der Römerzeit ist jedoch zweifellos die Sprache. Die auf der Iberischen Halbinsel und im gallischen Raum angestammten Sprachen wurden sukzessive und nahezu flächendeckend durch das Lateinische verdrängt, aus dem sich wiederum in den folgenden Jahrhunderten die verschiedenen romanischen Sprachen entwickelten

Anfang des 5.Jhs. n.Chr. zerfiel das römische Reich und die Westgoten ergriffen aus Norden kommend die Herrschaft in Spanien.

Kritische Betrachtung der Geschichtsschreibung der damaligen Zeit

Kurz möchte ich noch auf die Probleme der Geschichtsschreibung eingehen. Denn da es fast keine karthagischen und iberischen Quellen gibt, stammen die meisten Informationen über die Eroberung Hispaniens aus römischen Quellen. Hierbei handelt es sich somit um eine Siegergeschichtsschreibung. Eine solche Geschichtsschreibung beinhaltet in der Regel eine Fülle subjektiver Darstellungen und Bewertungen – wir kennen dies ja bis in unsere heutigen Tage. So ist es die schwierige Aufgabe der Historiker, Belege für richtige und falsche Aussagen zu finden. Bei jeder nur einseitigen Darstellung von Geschehnissen ist die Gefahr von – wir würden heute sagen – Fake News gegeben und wohl auch sehr wahrscheinlich.

Hier noch eine aktuelle Ergänzung:

Eine interaktive Karte zeigt das römische Straßennetz so umfassend wie nie zuvor und enthüllt die wahre Länge dieser antiken Routen. Die Römerstraßen erstreckten sich demnach über mehr als 299.170 Kilometer Länge, fast doppelt so viel wie bislang angenommen.

Die Römerstraßen waren in der Antike wichtige Verkehrsadern, über die WarenMenschen und Ideen von einem Ende des riesigen Römischen Reichs zum anderen gelangten. Typisch für diese Straßen war ein Fundament aus Steinbrocken, Kies und Sand oder Lehm, auf dem das in der Mitte gewölbte Straßenpflaster gelegt wurde. Ähnlich wie heute waren die Fernstraßen breiter, von Meilensteinen gesäumt und besser ausgebaut. Regionale und lokale Straßen unterstanden den Provinzen uns waren meist einfacher konstruiert. (s. weitere Erläuterungen unter Itiner-e Altas Media/MINERVA und de Soto et al. Scientific Data CC-by4.0. Die Karte von 2025 ist im Internet frei zugänglich)

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Sand unter meinen Füssen

Sand unter meinen Füssen

Geschichten auf dem Camino del Norte

Auf dem Camino del Norte treffen wir ja immer wieder auf Wegstrecken, die über  Strände führen. Und egal wie schön oder ungemütlich das Wetter ist, es lohnt sich immer, die Schuhe auszuziehen und barfuß über den Strand zu gehen! Welch ein Genuss ist es, den Sand unter den Füssen zu spüren!!!

Hoppla, manchmal vergisst man es dann doch!!!!
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Wer schleicht sich denn da herein?

Wer schleicht sich denn da herein?

Geschichten auf dem Camino del Norte

Unsere nächste Etappe war Laredo. Wir wollten in der Herberge Buen Pastor der Missionsfranziskaner, einer kleinen privaten Herberge, übernachten. Nach einigem Suchen standen wir endlich vor der Herberge. Vor uns warteten bereits sechs Personen an der Rezeption. Es sind die vier österreichischen Männer aus St. Pölten, denen wir schon mehrmals begegnet sind und zwei österreichische Damen, die sich ihnen angeschlossen hatten. An der Rezeption saß eine nette alte Dame, die die Anmeldungen annahm und die sich trotz des „Andrangs“ nicht aus der Ruhe bringen ließ – heißt, es dauerte eine Zeit bis auch wir an der Reihe waren. Als „Belohnung“ bekamen wir ein schönes Doppelzimmer mit eigenem Duschbereich. Außer uns achten übernachtete niemand mehr in der Herberge, obwohl insgesamt 20 Betten zur Verfügung standen. Ob es daran lag, dass sich keine Pilger*in mehr anmeldete oder ob die Dame entschieden hatte, das reicht an Personen und Arbeit, wissen wir nicht so genau.

Marielouise und ich machten am Nachmittag einen Spaziergang zum mehr als vier Kilometer langen Strand Playa de la Salve, der sich in einem Bogen von der Altstadt Puebla Vieja bis nach El Puntal erstreckt.

Am Abend spazierten wir dann alle – die Österreicher*innen und wir – durch die Altstadt von Laredo mit ihren engen Gassen und den kleinen Palästen und Herrenhäusern, die teilweise als Wohntürme erbaut wurden. Wir fanden ein nettes Restaurant und verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend mit interessanten Gesprächen. Als wir in die Herberge zurückkamen, wurden wir von einer anderen noch älteren Dame empfangen, die uns zunächst auch freundlich begrüßte. Doch dann schoss sie plötzlich auf Marielouise zu und erklärte – soweit wir das verstanden haben -, dass Marielouise  hier nicht gemeldet sei. Sie schaute sie so böse an, dass Marielouise ganz verunsichert war und unsere Beteuerungen halfen zunächst auch nichts. Erst als ich ihr unseren Zimmerschlüssel zeigte und deutlich machen konnte, dass wir zusammen das Zimmer gemietet hatten, ließ sie sich mehr oder minder überzeugen, immer noch mit einem zweifelnden – Marielouise meinte – bösen Blick. Ob sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht hatte mit Leuten, die sich mit anderen hier eingeschlichen hatten – wir wissen es nicht. Aber wir konnten über den Vorfall schmunzeln, ich hatte etwas, um Marielouise aufzuziehen und wir haben in dem großen Doppelbett herrlich geschlafen.

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