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Euskara – baskisch – die älteste Sprache der Welt

Euskara - baskisch - die älteste Sprache der Welt

Ich habe gerade im Buch von Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“ über einen Übersetzer gelesen habe, der seine Gefängniszeit nur überstand, weil er ein Buch aus dem Russischen ins Baskische übersetzte. Nun habe ich nachgedacht, was ich über die baskische Sprache weiß: Es ist eine sehr alte Sprache, die nicht mit anderen europäischen Sprachen verwandt ist. Vielmehr fiel mir nicht dazu ein – also ziemlich wenig. Also habe ich mich ein wenig schlau gemacht. Hier meine neuen Erkenntnisse.

Die baskische Sprache – die Eigenbezeichnung ist Euskara oder Eskuara – wird vor allem im Baskenland gesprochen. Das Baskenland (Euskal Herria oder Vasconia) befindet sich im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Spanien. Zum Baskenland gehören sieben Provinzen, in denen Baskisch gesprochen wird. Drei von ihnen (Lapurdi, Behe Nafarroa und Zuberoa) liegen in Frankreich und werden als „Nördliches Baskenland“ bezeichnet (Iparralde). Die in Spanien liegenden Provinzen werden Hegoalde genannt. Dazu gehören die Foralgemeinschaft Nafarroa sowie die Autonome Baskische Gemeinschaft, die aus den drei Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba besteht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache#/media/Datei:Euskalkiak_koldo_zuazo_2008.png

Man schätzt, dass ca. 1.185.500 Menschen baskisch sprechen, davon 700.300 in Spanien und 51.200 in Frankreich, die restlichen wohnen in Europa und Amerika. Das Baskische gilt neben dem Hebräischen als älteste Sprache der Welt. Es ist nach gängiger Forschungsmeinung eine isolierte Sprache, die mit keiner anderen europäischen Sprachgruppe genetisch verwandt ist. Ihr Ursprung ist trotz aller über Jahrhunderte entwickelten Theorien unbekannt, zumal auch keine Verwandtschaft mit irgendeiner anderen Sprache nachgewiesen wird. Daher waren sich die Basken schon seit Jahrhunderten ihrer Einzigkeit bewusst. Dieses Selbstwahrnehmung zieht sich dann auch durch ihre ganze Geschichte durch.

Die Sprache hat sehr komplexe Verben, zwölf Fälle, ca. 200.000 verschiedene Wörter. Das Baskische besitzt zudem keine hochsprachliche Form, sondern insgesamt 8 Dialekte. Der Wortschatz wird durch Hinzufügung immer neuen Nachsilben bedeutend erweitert. Außerdem gibt es ein reiches Vokabular an Naturphänomenen. Die Basken selber haben kein eigenes Wort für baskisch. Das einzige Wort um einen Angehörigen der Gruppe zu bezeichnen, ist „euskaldun“, das bezeichnet jemanden, der Euskara spricht. Das Land nennen die Basken „Euskal Herria“, Land der Euskara-Sprecher.

Da Euskara jahrhundertelang hauptsächlich mündlich überliefert wurde, gibt es kaum Schriftzeugnisse. Das älteste Buch stammt gerade einmal aus dem Jahr 1545. Festgelegte syntaktische und orthographische Normen gibt es erst seit 1968; doch ganz abgeschlossen ist der Prozess der Standardisierung noch immer nicht.

Insgesamt kann man wohl sagen, dass das Baskische eine schwierige Sprache ist, da sie so ganz anders ist, als die anderen uns bekannten europäischen Sprachen. Wie eine Legende erzählt, wurde  der Teufel einst von Gott dazu verdammt, Baskisch zu lernen. Er scheiterte jedoch an den Verbalformen.  Diese konnte selbst der Teufel nicht lernen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische_Sprache#/media/Datei:Irakatsia.png Baskisch in der Schulbildung: Anteile der Schüler mit baskischem Unterricht

Die Karte zeigt die unterschiedliche Verteilung der baskischen Sprache, die in den französischen Regionen nicht mehr so stark verbreitet ist. Als Ironie der Geschichte mag gelten, dass ausgerechnet die Französische Revolution, von der sich viele fortschrittliche Reformen erhofften, der baskischen Autonomie in Frankreich ein jähes Ende bereitete. Ein einheitlicher Schullehrplan für ganz Frankreich verbot das Baskische und andere Regionalsprachen, was sich erst 1981 mit der Wahl Francois Mitterands wieder änderte. Allerdings wird das Euskara von offizieller Seite nicht bewusst fördert.

Bereits Wilhelm von Humbodt, der sich intensiv mit der Erforschung der baskischen Sprache auseinandergesetzt hat, war der Überzeugung, dass das Baskische eine aussterbende Sprache sei, die allein in den abgelegenen Tälern der Pyrenäen überdauern könnte. Aber da irrte er sich. Selbst als während der Diktatur des Generals Francisco Franco, das Baskische ebenso verboten war wie alle anderen regionalen Sprachen Spaniens, schaffte ein nationalistisch geprägtes baskisches Bewusstsein die Sprache zu erhalten. Unter Franco wurden die Baskinnen und Basken sowie ihre Sprache brutal verfolgt. Selbst baskische Vornamen und Grabinschriften waren verboten. Euskara zu sprechen war Subversion und eine Möglichkeit, antifaschistische Gesinnung zu dokumentieren. Ab 1965 wurden die Restriktionen etwas gelockert. Im Jahre 1978, also 3 Jahre nach dem Tod Francos und dem Ende der Diktatur, setzte die neue spanische Verfassung dieser Unterdrückung des Baskischen ein Ende. Es war nun offiziell als Minderheitensprache anerkannt. 

Was die Verbreitung des Baskischen betrifft, so spielen die Schulen eine wichtige Rolle. Anfang der 60-er Jahre wurden die ersten ikastolas (Schulen, die ausschließlich auf baskisch unterrichten) gegründet zunächst in aller Heimlichkeit aber mit großer Unterstützung durch die baskischen Familien. Ende der 60-er Jahre wurden die ikastolas dann legalisiert und erfuhren einen hohen Zuwachs an Schülern. Seit Anfang der 1980er Jahre können Baskinnen und Basken in der CAV zwischen drei verschiedenen Schulformen wählen. An Schulen der A-Linie wird auf Spanisch unterrichtet, an Schulen der B-Linie auf Spanisch und Baskisch, in der D-Linie werden alle Fächer auf Baskisch gelehrt. 

In der Autonomen Baskischen Gemeinschaft (CAV) trägt die positive Sprachpolitik der letzten Jahre Früchte. Dort nimmt die Zahl der baskophonen Sprecherinnen und Sprecher stetig zu. Mehr und mehr Klassiker werden ins Euskara übersetzt und inspirieren Leserinnen und Leser ebenso wie Autorinnen und Autoren auf der Suche nach literarischen Ausdrucksmöglichkeiten. An den Schulen, an denen heute der Unterricht auch auf Baskisch stattfindet, wachsen neue lesende Generationen heran – ein Grund dafür, dass viele anspruchsvolle Kinder- und Jugendbücher verlegt werden. Auch der Roman und Kurzgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit. Die jährliche Literaturmesse in Durango ist ein Muss für lesefreudige Baskinnen und Basken und beliebtes Ziel. Zudem wird das Baskische auch über die Medien wieder stärker verbreitet u.a. auch durch mehrere Radiosender und einen Fernsehkanal.

Aufgrund der vielen und sehr unterschiedlichen Dialekte, war die Schaffung einer Einheitssprache von großer Bedeutung. Durch eine Sprachnormierung wollte man die baskische Sprache zukunftsfähig machen. Im Jahre 1968 begann man mit einer Vereinheitlichung des Baskischen, die schon lange zuvor von baskischen Schriftstellern gefordert wurde. So hat man in den letzten Jahren begonnen die Orthographie, die Deklination, das Basisvokabular und die Hilfsverben zu vereinheitlichen. Es ist interessant, dass sich das Baskische trotz seiner Eigenart und vieler Einschränkungen erhalten hat. Man kann von einer sehr robusten Sprache ausgehen und einem starken Identitätsgefühl ihrer Bewohner.

Interessant ist auch, dass sich auch die EU um die sprachliche Vielfalt kümmert. Die Europäische Union verfolgt mit ihrer Sprachenpolitik das Ziel, die Zusammenarbeit in Europa zu stärken und gleichzeitig die Vielfalt zu erhalten. Sie setzt daher Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Vielsprachigkeit und des kulturellen Reichtums sowie zur Verbesserung der Sprachkompetenz der Bevölkerung. 

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Hier sind die Jakobswege in Spanien mit ihrer Länge eingezeichnet. Man kann die langen Weg natürlich auch in Etappen gehen. Wir haben zum Beispiel die Via de la Plata aus Zeitgründen in drei Etappen eingeteilt: Sevilla bis Caceres, Caceres bis Zamora, Zamora bis Santiago de Compostela. Da das Eisenbahn- und Busnetz in Spanien sehr gut ausgebaut ist, kommt man auch  leicht wieder zum jeweiligen Ausgangspunkt

https://jakobsweg-lebensweg.de/jakobsweg-laenge/
https://jakobsweg-kuestenweg.com/laenge/spanien/

Als autonome Gemeinschaften werden 17 Gebietskörperschaften bezeichnet, die die Regionen Spaniens verkörpern

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien#/media/Datei:Gemeinden_Spanien_2023.png
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Die Schwebefähre von Biskaya

Die Schwebefähre von Biskaya

Die älteste Schwebefähre der Welt in der Nähe von Bilbao beeindruckt als Monument der Industriellen Revolution mit spektakulärer Architektur und herrlicher Aussicht.

Die Brücke von Biskaya ist die älteste Schwebefähre der Welt, die heute noch voll in Betrieb ist und jedes Jahr an die sechs Millionen Reisende befördert.  Sie wurde vom spanischen Architekten Alberto de Palacio entworfen, der eine Präferenz für Eisen als Baumaterial hatte. Er war zudem ein enger Freund von Gustave Eiffel.

 

Das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Werk wurde 1893 eingeweiht.

Diese Flussbrücke über den Nervión ist 45 m hoch und 160 m lang und verbindet die Ortschaften Portugalete und Getxo miteinander. Sie war die erste Brücke der Welt, mit der man über ein Hängeschiff, das von einem Ufer zum anderen schwebt, über den Fluss fahren konnte. Danach wurde diese revolutionäre Technik in zahlreichen ähnlichen Brücken in Europa, Afrika und Amerika eingesetzt.

 

Man entschied sich zur damaligen Zeit für eine Schwebefähre anstatt eines normalen Viadukts, damit die größeren Schiffe weiterhin unter der Brücke durchfahren konnten. Damals konzentrierte sich die gesamte Industrie von Biskaya am Hafen von Guecho, immer mehr Fabriken wurden an den Ufern des Nervión gebaut. Es war daher unbedingt erforderlich, dass die neue Brücke die Durchfahrt der großen Frachter in Richtung der neuen Werften ermöglichte.

Die 400 Tonnen schwere Anlage besteht aus zwei 45 Meter hohen Stahlfachwerktürme an beiden Ufern mit einem 160 Meter langen horizontalen Traggerüst dazwischen. Die Türme sind, dem Konstruktionsprinzip einer Hängebrücke folgend, durch diagonal verlaufende Seile im Hinterland verankert. Am Traggerüst hängt eine 15 × 10,4 Meter große Transportbarke, mit der Personen und Autos (bis zu sechs Pkw) transportiert werden können. Die aufnehmbare Nutzlast ist allerdings auf 22 Tonnen begrenzt. Zusätzlich gibt es noch einen Fußgängerüberweg im oberen Teil der Hochbrücke, der per Aufzug zu erreichen ist. Die Schwebefähre war die erste ihrer Art und stand Modell für etwa 20 ähnliche Anlagen in EuropaAfrika und Amerika. Ab 1916 wurde wegen der relativ geringen Kapazität solcher Anlagen deren Bau aufgegeben. Heute sind weltweit noch acht Schwebefähren in Betrieb.

Die Brücke von Biskaya war das erste historische Industriedenkmal Spaniens und ist laut der UNESCO „eine außergewöhnliche Ausdrucksform technischer Kreativität, in der Funktion und ästhetische Schönheit perfekt miteinander kombiniert werden“.

 

Die horizontale Verbindung wurde 1937 während des spanischen Bürgerkrieges zerstört, um den Vormarsch von Francos Truppen aufzuhalten. Dabei wurden auch die Türme auf beiden Uferseiten in Mitleidenschaft gezogen. Alberto Palacio musste von seinem Haus in Portugalete aus mit ansehen, wie sein Meisterwerk teilweise zerstört wurde. Er starb zwei Jahre später. Nach dem Krieg wurde das Traggerüst wiederaufgebaut und die Schwebefähre 1941 wieder in Betrieb genommen. 1964 wurde die alte Gondel durch eine neuere ersetzt die sich nach den aerodynamischen Prinzipien richtete und aus seewasserbeständigem Stahl gefertigt wurde. 1991 wurde ein für Abendveranstaltungen konzipierte Lichtanlage aus über 900 Leuchten angebracht.

 

Die Fähre ist das ganze Jahr über täglich von morgens fünf bis abends zehn Uhr geöffnet. Im Abstand von acht Minuten werden während der Betriebszeiten Autos und Personen übergesetzt. Die Überfahrt dauert ca. 2 Minuten und erspart Autos einen Umweg von ca. 20 km. Im vergangenen Jahr beförderte die Puente de Vizcaya 3 176 739 Personen, 181 238 Motorräder und Fahrräder sowie 298 176 Fahrzeuge und Lieferwagen.

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Das Guggenheim-Museum und der „Bilbao-Effekt“

Das Guggenheim-Museum und der „Bilbao-Effekt“

Der Begriff Bilbao-Effekt bezeichnet die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten von Architekten. Der Begriff geht zurück auf die Entwicklung Bilbaos  im Zusammenhang mit dem 1997 fertiggestellten Guggenheim-Museum des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry.

Auslöser war, dass die Guggenheim-Stiftung in New York 1981 entschied, die Europa-Filiale ihres Museums in der heruntergekommenen Industriestadt zu eröffnen, um Bilbao kulturell zu beleben. Die Probleme Bilbaos in den 70er und 80er Jahren führten dazu, dass sich die Stadtverwaltung neu orientierte, um aus einer schmutzigen Industriestadt eine erfolgreiche Dienstleistungsstadt zu kreieren. So holten sie viele internationale Stararchitekten in die Stadt. Das von Frank O. Gehry entworfene Guggenheim-Museum, das Kulturzentrum Azkuna Zentroa von Philipp Starck, die Metroeingänge von Sir Norman Foster oder die Brücke Zubizuri von Santiago Calatrava sind die berühmtesten Bauten. Die Initialzündung ging sicher von Guggenheim-Museum aus, aber der Bilbao-Effekt kann eigentlich nur durch das Zusammenspiel verschiedenen Faktoren der Stadtgestaltung erklärt werden. Viele Städte, die glaubten über ein einzelnes spektakuläres Bauwerk ihre Stadt aufzuwerten, scheiterten .

Für einen Einladungswettbewerb, der den Auftakt zu Bilbaos umfassender Stadtsanierung markierte, entwarf Frank O. Gehry sein avantgardistisches Meisterwerk. Nach vier Jahren Bauzeit feierte das Museum im Oktober 1997 Eröffnung. Es hat die Stadt, die damals mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent geschlagen war, zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte geführt. Statt einer halben Million Besucher, auf die man in Bilbao vor der Eröffnung gehofft hatte, kamen schon bald eine Million pro Jahr; wegen der Kunst, die im Museum gezeigt wird, aber vor allem auch wegen des Museums selbst, einer formenreichen Wahnsinnskonstruktion. Bilbao hat sich darüber ganz neu aufgestellt, eine ehemalige schmutzigen Industriestadt wurde zu einer attraktiven Kulturstadt.

 

Die Struktur des Gebäudes aus Glas, Titan und Kalkstein aus Granada ist ein Kunstwerk. Die Verkleidung aus 33 000 Titanplatten ist nicht ganz eben und schafft dadurch besondere Lichteffekte je nach Wetterlage und Tageszeit, da sie bei jedem Licht anders leuchten. Gehry gelang mit voller Absicht das Kunststück, ein Kunstmuseum selbst zum wichtigsten Exponat zu erheben: einer Megaskulptur aus kantigen und dynamisch geschwungenen Formen, Symmetrien und Asymmetrien, Verschachtelungen der Elemente Kalkstein, Glas und Titan. Das Guggenheim-Museum ist eines der berühmten Beispiele des Dekonstruktivismus, einer Richtung der modernen Architektur, die durch das unvermittelte Aufeinanderstoßen von unterschiedlichen Materialien, Räumen und Linienführungen gekennzeichnet ist. Auch das Guggenheim-Museum zeichnet sich durch einen bemerkenswert freien, spielerisch leichten Umgang mit architektonischen Elementen, Gliederungsstrukturen und Materialien aus. Bis heute darf man sich tief vor der Leistung Frank Gehrys verneigen.

Wer zum Guggenheim-Museum nach Bilbao reist, sollte sich allerdings vor falschen Vorstellungen von einem Kunstmekka hüten. Das Museum zeigt auf seinen 11 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche nur wenige ständige Exponate, darunter einen “Nelkenstrauß” von Jeff Koons auf der Terrasse neben den Wassergärten sowie Stahlkolosse des Bildhauers Richard Serra in der mit 130 Metern längsten Galerie. Parallel laufen gewöhnlich zwei bis drei Wechselausstellungen unterschiedlichster Qualität, die zuweilen enttäuschen könnten.

Rund um die eindrucksvolle Konstruktion finden sich weitere beeindruckende Kunstwerke:

  • die neun Meter hohe Spinnenskulptur „Maman“ von Louise Bourgeois
  • die zwölf Meter hohe bepflanzte Hunde-Skulptur „Puppy“ von Jeff Koons, die eigentlich nur zur Eröffnung des Museums stehen sollte, aber auf Grund des Protestes der Bevölkerung wird die Skulptur jedes Jahr neue mit ca. 17 000 Blumen bepflanzt.
  • Anish Kapoors Installation Tall tree and the eye (2009), bestehend aus 73 spiegelnden Kugeln
  • Koons‘ Tulips – farbige Tulpen aus hochpoliertem Edelstahl aus seiner Celebration-Serie. 

Öffnungszeiten des Museums: Dienstag – Sonntag 10 – 19 Uhr

Noch eine kurze Bemerkung zum Bilbao-Effekt:

Es liest sich wie ein einfaches Erfolgsrezept: Man nehme einen Stararchitekten, lasse ihn in einer Standardstadt ein Gebäude bauen, wie es die Welt noch nicht gesehen hat, stelle Kunst aus – und die Stadt erblüht neu. Viele Städte haben versucht, nach diesem Muster vorzugehen, aber nur wenige waren wirklich erfolgreich. Ein trauriges Beispiel ist das Kulturzentrum im Avilés. Ich glaube, dass das Gesamtkonzept der Stadterneuerung letztendlich erst zum langfristigen Erfolg Bilbaos geführt hat. Der Bau einer U-Bahn, ein neuer Flughafen, ein neues Abwassersystem, Wohn-, Freizeit- und Gewerbeanlagen in der Innenstadt, die Neugestaltung des innerstädtischen Flussufers – all das beförderte neben dem Guggenheim-Museum den Bilbao-Effekt.

(s. dazu auch die Ausführungen zur Stadt Bilbao)

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Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der Mudéjar-Stil - ein einzigartiger spanischer Architekturstil

Der spanische Islam zeigte häufig eine große Toleranz gegenüber anderen Religionen (vgl. die Ausführungen zur Islamisierung und zur Reconquista – Via Tolosana). Nicht selten mietete er sich in christliche Kirchen ein, so dass dasselbe Gebäude zeitweise gleichzeitig von den Christen als Kirche und von den Muslimen als Moschee genutzt wurden. Außerdem konnten die mozarabischen Christen zum Teil ungehindert auf islamischem Territorium Kirchen erbauen. Andererseits bauten islamische Bauherren auch jüdische Synagogen. Nach der Reconquista entwickelte sich dann bei Neubauten von Kirchen und Profanbauten ein neuer Baustil, der Mudéjar-Stil .

 

Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind. Sie durften zwar ihre Religion frei ausüben, mussten sich aber ihrer christlichen Umgebung anpassen und besaßen auch nicht die gleichen Rechte wie jedermann. Unter ihnen befanden sich viele Handwerker, Tischler, Maurer, Töpfer und Gärtner, deutlich mehr als in den unteren christlichen Schichten. Aus dem Zusammentreffen von christlichem und islamischem Kunsthandwerk und der Architektur entwickelte sich der neue Stil. Er wurde Mudéjar genannt und bedeutet so viel wie »die, die bleiben durften«.

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mudejaren#/media/Datei:Cimborrio_Mud%C3%A9jar_Catedral_de_Teruel.png

Der Mudéjarstil begann im ausgehenden 12. Jahrhundert und erreichte vom 14. bis 16. Jahrhundert seine Blüte. Wie die Karte zeigt, verbreitete sich der Madejarstil in fast ganz Spanien. Viele der bemerkenswerten weltlichen und religiösen Bauten stehen auf der Weltkulturliste der Unesco. Die Madéjaren erstellten im Auftrag christlicher Bauherren zahlreiche Bauten und übten so als Baumeister einen erheblichen Einfluss auf die Baukunst in Spanien aus.

Der Mudéjarstil bildete keine neuen Strukturen oder Formen heraus (wie etwa Gotik oder Romanik). Vielmehr handelte es sich um eine Neuauslegung der westlichen Baustile unter dem Einfluss moslemischer Architektur. Das Nebeneinander und die Symbiose von Techniken eines unterschiedlichen Architekturverständnisses, die ihren Ursprung im Zusammenleben der jüdischen, moslemischen und christlichen Kultur hatten, brachten diesen Mudéjar-Stil hervor.

Toledo gilt als Geburtsstätte des Mudéjarstils mit seiner spezifischen Bau- und Zierweise (vor allem Zierrat aus Gips und Ziegelstein). Von Toledo aus gelangt der Stil Richtung Norden (León, Ávila, Segovia,…), und wird bald ‘Románico de Ladrillo’ (Backstein-Romanik) genannt. 

Da die maurische Kunst in Spanien allgegenwärtig war, griffen natürlich auch christliche Künstler auf diese Anregungen zurück. Der Mudéjar-Stil ist quasi eine kulturelle Verschmelzung von Ost und West, eine über Jahrhunderte entwickelte Kunst. Auf Grund seiner “Universalität, Einzigartigkeit und Authentizität” wurde er  2001 zum UNESCO Weltkulturerbe. Er kommt nur in Spanien vor.

Mudéjar_architecture_in_Spain_&_Portugal.png

Was macht den Mudéjar-Stil so besonders?

Der Mudéjar-Stil verwendet viele „»weiche« Materialien wie Ziegel, Gips, Keramik und Holz. Mit ihnen lassen sich besonders gut dekorative Elemente gestalten. Bestimmte architektonische Elemente und dekorative Themen tauchen im Mudéjar-Stil immer wieder auf. Die verwendeten Materialien sind zwar bescheiden, doch durch ihre kunstvolle Verwendung und Zusammenstellung zu schachbrettartigen und Fischgrät-Mustern, Rundbögen, Friesen, Rauten und christlichen Kreuzen entfalten sie eine besondere Wirkung. Bemalte Holzdecken sind repräsentativ für den Mudéjar-Stil.

Es wurden somit Materialien, Bauformen sowie Dekor aus der islamischen Architektur mit den Stilelementen der Romanik, Gotik und Renaissance verbunden.

Typische islamische Stilelemente, die integriert wurden, sind:

  • Backstein, glasierte Ziegeln
  • Hufeisenbögen
  • Rippengewölbe
  • Artesonado-Decken, d.h. kunstvoll verzierte Holzdecken
  • Stuck, Fayencen, emaillierte stilisierte Pflanzen
  • Arabische Schriftzeichen zum Lob Allahs in christlichen Kirchen

Die eigentliche Epoche der Mudejarstils endete im 16. Jahrhunderts. Allerdings erlebt der Stil im 19. Jh. eine Renaissance. Der sogenannte Neo-Mudéjar wird geboren. Vor allem öffentliche Bauten wie Bahnhöfe, Verwaltungsgebäude und Stierkampfarenen erhalten Holzelemente, arabeske Strukturen und bunte Keramikfliesen. Heute findet man den Stil noch in Hotelbauten im typisch »spanischen Stil

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Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Von Zumaia sollte unsere Etappe heute bis Arnope gehen. Obwohl die Strecke von Deba nach Arnope relativ steil bergauf ging und es leicht regnete, wollten wir nach Arnope, damit die Strecke am nächsten Tag nicht zu lang werden sollte.

Am Spätnachmittag kamen wir in Arnope an, einem Dorf, das nur aus wenigen Häusern besteht. Die Herberge selbst besteht aus einer umgebauten landwirtschaftlichen Lagerhalle mit 32 Plätzen in 2 Schafsälen (für Männlein und Weiblein getrennt) sowie einem Aufenthaltsraum und einer kleinen Bar. So wirklich gemütlich war es nicht, aber wir hatte, da nur wenige Leute hier übernachteten, den Schlafsaal für uns allein. Nach einem gemütlichen Abendessen und netten Gesprächen mit drei weiteren Pilgern, gingen wir schlafen, in der Hoffnung, dass uns der nächste Tag besseres Wetter bringen würde.

Kaum lagen wir in unseren Betten, da trommelte der Regen schon auf das Dach der Lagerhalle. Was für ein Lärm!  Wie ein ganzes Orchester aus Schlagzeugern und Trommlern. Als das Trommeln endlich etwas leiser wurde, schlief ich ein, um – gefühlsmäßig – kurze Zeit später wieder durch einen weiteren Regentrommelwirbel aufzuwachen. Und so ging es die ganze Nacht: Trommeln auf dem Dach, Ruhe und die Hoffnung, dass der Regen aufgehört hat und dann wieder Trommeln und die Befürchtung, wie wohl der nächste Tag werden würde.

Nach dieser ungemütlichen Nacht schauten wir am Morgen als erstes nach draußen. Und zu unserer Überraschung hatte es aufgehört zu regnen. Zwar war der Weg matschig und teilweise rutschig, aber wir wurden wenigstens nicht noch von oben nass! Später erzählten uns andere Pilger, dass nach dem Regen der Weg hinauf nach Arnope sehr glitschig und anstrengend gewesen sei.

Als Ergänzung im Outdoor-Führer steht:

Wenn der Pächter stimmt, sicher ein gutes Projekt, aber gemessen an der Einfachheit der Ausstattung und dem Raumangebot erscheinen die Preise hier einigen Pilgern bisher doch etwas überhöht. Übernachtung 13.- €, Menü 12.- €, Frühstückspaket 5.- €

Ich würde noch ergänzen und wenn es in der Nacht nicht Stein und Bein regnet!

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Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Wir waren schon ca. 16 km von Hondarribia in Richtung Pasaia unterwegs, da stießen wir auf eine Straße und der gelbe Pfeil wies den Weg entlang der Straße. Aber auf der anderen Seite der Straße war auch ein Schild nach Pasaia, das auf einen Pfad Richtung Meer verwies. Begeistert von den bisher schon entdeckten herrlichen Ausblicken auf das Meer wählten wir kurz entschlossen – ohne das Buch weiter zu konsultieren – diesen Weg. Er führt eine Zeitlang über grüne Wiesen, bis man endlich wieder an die Küstenfelsen stößt. Ca. eine Stunde lang folgten wir diesem Küstenkamm, der schroff ins Meer abbricht. Wir konnten uns nicht satt sehen am blauen Himmel, dem wilden blauen Meer, den steilen Felsen und den grünen Wiesen. Welch herrliche Landschaft! Spannend war auch zu beobachten, wie die Schiffe aus der Meeresenge von Pasaia auf das offene Meer fahren, denn sie müssen hier durch eine von Bergen umgebende Aus- bzw. Einfahrt, die sich erst später in Pasaia zum größten natürlichen Hafen des Baskenlandes weitet. Früher war dies ein perfekter Schutz gegen Überfälle.

 

Nach ca. einer Stunde wurde unser Weg immer schmaler. Er führte nun etwas unterhalb des

Felsenkammes entlang, rechts ging es steil bergauf, links recht steil bergab. Dann wurde der Weg so eng, dass wir Bedenken hatten, mit unseren Rucksäcken am Felsen hängen zu bleiben. Und auf der ganzen Strecke war uns kein einziger Wanderer begegnet. Also war guter Rat teuer! Weitergehen – wobei der weitere Weg nicht einsehbar war, da er um eine Felsenkante herumführte – oder umkehren – wieder eine Stunde zurück!

Nach langem Überlegen entschieden wir uns für das Umkehren. Es war der erste Tag unserer Wanderung auf dem Camino del Norte und wir wollten einfach kein Risiko eingehen. Einerseits ärgerten wir uns darüber, dass wir nicht mutig genug sind, anderseits sollte man in unserem Alter auch nicht übermütig werden .

Also liefen wir diesmal zügigen Schrittes den Weg bis zur Straße zurück. Trotz des flotten Tempos genossen wir wieder die faszinierenden Ausblicke auf das Meer und den Küstenstreifen. Ab der Straße folgten wir dann brav den gelben Pfeilen nach Pasaia.

Als wir kurz vor der Herberge waren, kam uns ein Spanier, wohl ein Einheimischer, entgegen, der uns erklärte, dass die Herberge bereits voll belegt sei. Hatte uns der Umweg die Übernachtung in der Herberge gekostet? Aber wir wollten uns erst einmal selber ein Bild von der Lage machen. Er nickte und begleitete uns bis zur Herberge. Er sollte Recht behalten, die Herberge war bereits voll. Daraufhin fing unser Begleiter an, mit dem Herbergsvater zu diskutieren, und schließlich bekamen wir zwar kein Bett in der Herberge, aber nach einem Telefonanruf die Adresse einer Privatunterkunft, wo gerade noch zwei Betten frei waren.

Unser „Führer“ winkte uns und wir folgten ihm durch zahlreiche verwinkelte Gassen hinunter in den Ort. Ob wir den Weg zu der Unterkunft allein gefunden hätten? Wohl schon, aber sicher mit Mühen, zumal an der Türe nur ein Namensschild stand und kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem sich unser Führer vergewissert hatte, dass wir hier wirklich übernachten konnten, verabschiedete er sich freundlich begleitet von unserem herzlichen Dankeschön.

Also auch Umwege führen mit Glück zum Ziel! Und ich darf sagen, wir haben auf den vielen Wegen, die wir gegangen sind, und trotz mancher Sprachbarriere fast nur hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen. Immer wieder eine schöne Erfahrung!

Aber natürlich geisterte unsere Entscheidung umzukehren doch noch in unseren Köpfen herum. Also besuchten wir am Abend die Hafeneinfahrt und versuchten „unseren“ Weg oben am Felsen zu finden. Nach unserer Einschätzung hätten wir wohl noch einige hundert Meter weitergehen müssen, dann wäre der Abstieg nach Pasaia gekommen. Aber was soll´s. Wir hatten eine gute Entscheidung getroffen und dann soll man auch nicht anderen Möglichkeiten nachjammern!

 

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Kantabrien, die Picos de Europe und das Kloster San Toribio

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Kantabrien ist eine autonome Gemeinschaft und wird vom kantabrischen Meer am Golf von Biskaya sowie den Autonomen Gemeinschaften Asturien, Kastilien -Leon und dem Baskenland begrenzt.  Die Gesamtfläche beträgt 5250 qkm, das macht 1,3% an der Landfläche Spaniens aus. Hauptstadt ist Santander, wo auch 1/3 der 581.000 Einwohner leben.

Hohe Berge, grüne Küsten und das blaue Meer sind die charakteristischen Merkmale Kantabriens. Die Kantabrischen Kordilleren dominieren die Region. Ist der Gebirgszug im Osten noch relativ niedrig, so steigt er Richtung Westen deutlich zum Kammgebirge an. Hier befinden sich auch die Picos de Europe, die sich Kantabrien mit der Nachbarregion Asturien teilt. Hier befinden sich auch die höchsten Gipfel des Gebirges mit bis zu 2648 m Höhe und nur knapp 20 bis 50 km vom Meer entfernt. Die spektakuläre Gebirgskette ist im Paläozoikum (vor 541 – 251 Millionen Jahren) durch die Variszische Orogenese entstanden und wurde dann im Mesozoikum (vor 251 – 66 Millionen Jahren) im Rahmen der Alpidischen Orogenese in seiner jetzigen Form aufgefaltet.

Ruta_del_Cares,_Picos_de_Europa_-_WLE_Spain_2015.jpg

 

Neben den beeindruckenden Bergen gibt es an der Costa de Cantabria viele schöne Strände. Die reizvollsten liegen an dem westlichen Küstenabschnitt zwischen Comillas und San Vicente de la Barquera und in der Umgebung von Santander. Die längsten Strände der nordspanischen Küste liegen vor Laredo, an denen wir auch auf dem Jakobsweg entlang gehen.

Entlang der Küste findet man am Jakobsweges reizvolle Küsten- und Hafenstädte, wie Castro Urdalis, SantanderComillas und San Vincente de Barquera. Sie zählten zu den wichtigsten Hafenstädten des historischen Königsreichs Kastilien. Das westlich von Santander etwas im Hinterland gelegene mittelalterliche Städtchen Santillana del Mar zählt zu den schönsten Dörfern nicht nur in Kantabrien, sondern auch in ganz Spanien. Hier befindet sich auch die Höhle von Altamira (s. die Kapitel „Die Geschichte der Höhlenmalerei“ und „Die Höhle von Altamira“)

Kurz noch zum Kloster Santo-Toribio:

Die etwa 515 m hoch gelegene Klosteranlage befindet sich in den Picos de Europe, auf dem Gebiet der Gemeinde Potes etwas außerhalb des Ortes. Die Ursprünge des Klosters liegen im Dunklen. Einige sehen den im 6. Jahrhundert lebenden Turibius von Liebana, einen angeblichen Bischof von Palencia, als Gründer an; andere beziehen sich auf den hl. Turibius von Astorga, dessen Gebeine zusammen mit anderen Reliquien im 8. Jahrhundert durch den asturischen König Alfons I. (reg. 739–757), hierher verbracht wurden. Das Kloster entwickelte sich zu einem wichtigen Denkzentrum der Epoche. Beatus von Liébana (um 730-789), Benediktinermönch, wirkte im Kloster und verfasste dort 32 Kommentare zur Apokalypse des Johannes, die im gesamten christlichen Abendland diskutiert wurden. Größter Schatz des Klosters war und ist die Reliquie eines Teils des Heiligen Kreuzes, die von Turibius von Astorga im 5. Jahrhundert aus dem Heiligen Land mitgebracht worden sein soll. Auf Grund des großen Pilgerandrangs und zu Ehren der Reliquie gestattete Papst Julius II. im Jahr 1512 dem Kloster die Feier eines Heiligen Jahres und zwar dann, wenn der Feiertag des Heiligen Turibius, der 16. April, auf einen Sonntag fällt. Auf diese Weise wurde das Kloster Santo Toribio de Liebana zu einem heiligen Ort zusammen mit Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem und unlängst Caravaca de la Cruz. Wenn man dann durch das Tor der Vergebung geht, das nur im Heiligen Jahr geöffnet ist, erhält man den Ablass aller Sünden. Das letzte Heilige Jahr war 2017.

Die heutigen Bauten stammen erst aus der Zeit des 12. bis 18. Jahrhunderts. Die gotischen Gebäudeteile sind relativ schlicht gestaltet, ein Hinweis auf die Bauherren, die Zisterzienser. Im Jahr 1835 wurde das Kloster aufgelöst, bevor es dann im Jahr 1953 zum National-monument erklärt und im Jahr 1961 von Franziskaner wiederbelebt wurde. Heute leben noch vier Mönche im Kloster.

Nach Beendigung der Pilgerung zum Kloster Santo Toribio de Liébana hat man drei Möglichkeiten, wenn man in Richtung Santiago de Compostela weiterlaufen will. Man kann zum Camino del Norte zurückkehren oder Richtung Camino Frances laufen. Will man zum Camino del Norte zurück, so kann man zu Fuß oder mit dem Bus zurück nach St. Vicente de la Barquera gehen. Oder aber man entscheidet sich, durch die Picos zu wandern über Bulnes, Covadogna, Amandt nach Villaviciosa (z.T. auf dem R 203). Will man allerdings zur Camino Frances, so muss man dem Camino Vadiniense bis nach Mansilla de las Mulas folgen. Es ist ein wunderschöner einsamer aber anstrengender Weg durch die Berge, der aber wohl nur bei guter bzw. sehr guter Kondition zu bewältigen ist.

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Guernica – ein dunkles Kapitel deutsch-spanischer Geschichte

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Vorgeschichte

Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen den Truppen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten spanischen Republik und den nationalistischen Putschisten unter General Francisco Franco. Der Bürgerkrieg forderte mindestens 500.000 Todesopfer und verwüstete das Land. Schließlich siegten die Faschisten und marschierten am 28. März 1938 in Madrid ein. Von nun an herrschte ein faschistisches Regime unter General Franco in Spanien bis zu dessen Tod im Jahre 1975. Beide Seiten erhielten während des Bürgerkrieges Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die stalinistische Sowjetunion die Republikaner, während das national-sozialistische Deutschland und das faschistische Italien auf der Seite der Nationalisten stand.

Luftangriff

Wissenschaftlich und politisch wird um den Luftangriff der deutschen Legion Condor im März 1937 bis heute gestritten. Allerdings nicht über die faktischen Ereignisse und Abläufe, sondern um die Absichten und Motive hinter dem Angriff.

Unstrittig ist, dass der Luftangriff auf die Stadt Guernica im Wesentlichen von den deutschen Flugzeugen der Legion Condor assistiert von einem italischen Verband geflogen wurde. Der eigentliche Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen – von deutscher Seite waren Flugzeuge der Typen Do 17, Heinkel-He-51, He-111, Junkers Ju 52/3m und Messerschmidt 109 beteiligt. Am Nachmittag des 26. April 1937 legten die Bomber innerhalb von dreieinhalb Stunden das Zentrum des Städtchens mit damals etwa 5000 bis 6000 Einwohnern in Schutt und Asche. Etwa 200 bis 300 Menschen verloren dabei ihr Leben. Frühere Zahlen von 1600 Opfern erwiesen sich als übertrieben. Die exakte Bestimmung der Opferzahl war und ist auch deshalb nicht möglich, weil sich (unregistrierte) Flüchtlinge in Guernica aufhielten. Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die Franco-Truppen über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie stießen auf keinerlei Widerstand mehr.

Gründe

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, aus welchem militärischen Grund die Legion Condor die Stadt überhaupt bombardierte. In einer Umfrage unter den Überlebenden im Jahre 1992 äußerten 38 Prozent der Befragten, sie wüssten auch nach 45 Jahren noch nicht, warum man sie angegriffen habe. Wahrscheinlich wird dies nie ganz geklärt werden; bisher wurden fünf Gründe genannt:

  1. Von deutscher Seite wird in der Regel behauptet, das Hauptziel des Angriffs sei die 25 m lange und rund 10 Meter lange Brücke über den Fluss Oca am Stadtrand gewesen, die den Stadtkern mit dem Ortsteil Rentería verbindet, um so den Nachschub für die gegnerischen Fronttruppen zu unterbinden. Der Bombenmix mit einem hohen Anteil an leichten Brandbomben spricht allerdings dafür, dass Stadt und Bevölkerung von vorneherein als Ziel ausgewählt worden seien und nicht die steinerne Brücke, auf der die Brandsätze keine Wirkung hätten entfalten können.  Außerdem ist die Brücke beim Angriff gar nicht getroffen worden. Stattdessen wurde in Guernica fast alles zerstört. Am Abend haben deutschen Jäger sogar aus der Stadt Fliehende im Tiefflug mit ihren Bordwaffen beschossen – auch hier dürfte es keinen Zweifel gegeben haben, dass es sich um Zivilsten und nicht um Soldaten gehandelt hat. Da die republikanischen Truppen überall auf dem Rückzug waren, hätte zudem eine Zerstörung der Brücke nur die Absetzbewegungen unterbunden und so die Kämpfe entlang des Frontverlaufs eher verschärft.
  1. Das Ziel des Angriffs könnte auch die Waffenfabrik Unceta südlich der Brücke gewesen sein. Aber auch deren Gebäude wurden nicht beschädigt. Da Guernica wenige Tage nach dem Luftangriff von den faschistischen Bodentruppen – die über die Rentería-Brücke kamen – eingenommen wurde, wäre eine Zerstörung der Fabrik militärisch kontraproduktiv gewesen. So aber konnten die Nationalisten die Fabrik besetzen und die Waffenproduktion für die eigene Seite fortsetzen, zumal der Waffenfabrikant Rufino Unceta ein Franco-Anhänger war.
  1. Die dritte These lautet, Ziele des Angriffs seien das Parlamentsgebäude und der Eichenbaum gewesen. Die Eiche von Guernica war ja das Sinnbild für die baskische Identität. Aber auch sie wurden beim Angriff nicht getroffen. Eine Zerstörung der baskischen Nationalsymbole hätte den militärischen Widerstand im Baskenland anfachen können, das damals zu einem Großteil schon von den faschistischen Truppen besetzt war. Außerdem ist kaum anzunehmen, dass

dem deutschen Kommando die besondere Rolle Guernicas im Mittelalter als Symbol für die Unabhängigkeit der Basken überhaupt bekannt war.

  1. Möglicherweise wäre der Luftangriff eine Vergeltungsaktion für die Lynchjustiz der zivilen Bevölkerung an abgeschossenen Piloten der Legion Condor. Allerdings war in Guernica und seiner näheren Umgebung nie ein deutscher Flieger abgeschossen worden.
  1. So wird häufig die Ansicht vertreten, mit dem Angriff sei ein Konzept zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung erprobt worden. Dies wäre die praktische Umsetzung der Strategie des “Totalen Krieges”, die 1935 von Ex-General Erich Ludendorff entworfen worden war. Die deutsche Luftwaffe, die seit 1935 in Deutschland neu aufgebaut wurde, sollte Kampferfahrung sammeln und die Entwicklung neuer Flugzeugtypen und Luftkampftaktiken sollte vorangetrieben werden.

Für die letzte Vermutung, dass es den Deutschen auf der iberischen Halbinsel vor allem darum ging, moderne Kriegstechnik und -taktik für eine künftige militärische Auseinandersetzung unter realistischen Bedingungen auszuprobieren, spricht auch der umfassende Munitionseinsatz und die Dauer des Angriffs sowie das Verhalten der Piloten, die im Tiefflug gezielt auf Frauen und Kinder erschossen haben sollen. Tatsächlich dürfte die Erprobung von Waffen und Angriffstechniken eine entscheidende Bedeutung bei der Planung gehabt habe, um die totale Zerstörung einer Stadt im Kleinformat zu testen und durchzuführen. So wurde auch davon gesprochen, dass die Gebäude im Baskenland denen der europäischen Nachbarn entspräche und man so die Wirkung der Bomben gut testen könne.

Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor und nicht direkt mit dem “Roten Baron” Manfred von Richthofen verwandt, war verantwortlich für den Angriff. Bei ihm findet sich keine Reue über die Untaten. Er notierte in seinem Tagebuch: “Die 250er (Bomben) warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.” 

Propaganda und Aufarbeitung (?)

Die deutsche Wehrmacht nutzte Spanien während der Intervention des deutschen Reiches zugunsten Francos als Übungsplatz unter realistischen Bedingungen. Nach dem Angriff setzten fieberhafte Propagandaaktivitäten ein, da ein britischer Journalist, der zufällig in Bilbao war und nach der Bombardierung nach Guernica reiste und zwei Tage später davon berichtete. Die Legion Condor und spanische Faschisten verbreiteten daraufhin die Lüge, die Republikaner bzw. „Bolschewisten“ hätten die Stadt auf ihrem Rückzug selbst eingeäschert. Die faschistische Putschregierung wies jede Verantwortung von sich. So konnte auch nie geklärt werden, ob auch spanische Piloten beim Angriff auf Guernica beteiligt gewesen waren. In Deutschland war der Einsatz der Legion Condor zunächst als “Geheime Reichssache” eingestuft worden. Auf Grund der britischen Nachrichten über die Bombardierung der Stadt wurde u.a. in der Wochenschau behauptet, keine Deutschen wären an dem Angriff beteiligt gewesen und die Bevölkerung selbst hätte auf der Flucht die Stadt selbst in Brand gesetzt.

Der Luftangriff auf Guernica war während der Franco-Diktatur ein Tabu-Thema. Erst im Jahre 1970 wurde vom Franco-Regime erstmals eingestanden, dass es in Guernica tatsächlich einen Luftangriff gegeben hatte. Aber auch nach dem Tod Francos und der Installierung der neuen Demokratie in Spanien wurde das Thema des spanischen Bürgerkrieges und auch die Bombardierung Guernicas mehr oder minder todgeschwiegen.

Ab Mitte der siebziger Jahre erschienen in der BRD die ersten Bücher, die die historischen Fakten des Luftangriffs auf Guernica darstellten. Aber auch danach wurde die deutsche Beteiligung und Schuld immer wieder geleugnet. Diese Politik des Leugnens war so vorherrschend, dass ausgerechnet diejenigen, die die historischen Fakten darlegten, sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen, sie würden die geschichtlichen Tatsachen verfälschen.

Noch am 24. April 1997 lehnte der Deutsche Bundestag es ab, für die Zerstörung von Guernica ein Schuldeingeständnis abzulegen, wie der Historiker Michael Kasper berichtet. In dieser Situation wurde an den Bundespräsidenten die Bitte herangetragen, zur Verständigung beizutragen. Aus Anlass des sechzigsten Jahrestages der Bombardierung richtete Roman Herzog am 27. April 1997 ein Grußwort an die Einwohner von Guernica: “Ich möchte mich der Vergangenheit stellen und mich zur schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger ausdrücklich bekennen. An Sie als Überlebende des Angriffs, als Zeugen des erlittenen Grauens richte ich meine Botschaft des Gedenkens, des Mitgefühls und der Trauer. (..) Ihnen, die die Wunden der Vergangenheit noch in sich tragen, biete ich meine Hand mit der Bitte um Versöhnung.” Eine finanzielle Wiedergutmachung gab es nicht.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass Deutsche in Guernica heute gern gesehene Gäste sind. In der Stadt Guernica existierte das, was die Friedensforscher “Versöhnungshorizont” nennen, d.h. der ehrliche Wille zur Versöhnung mit dem ehemaligen Gegner. Insofern ist es keine bloße Fremdenverkehrswerbung, dass sich Guernica heute als Stadt der Kultur und des Friedens darstellt. So berichtete es Michael Kasper, der als Lehrer und Journalist 10 Jahre in Guernica lebt.

 

 

Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Autor/-in unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5434009

https://de.wikipedia.org/wiki/Gernika#/media/Datei:Mural_del_Gernika.jpg

 

Das Bild „Guernica“ von Pablo Picasso

Der Angriff auf Guernica war keineswegs der erste Luftangriff auf zivile Ziele. Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica, wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert. Bei den Angriffen starben über 330 Menschen. Das Bombardement erlangte kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Guernica testen wollten.

Dass uns Guernica im Gedächtnis geblieben ist und weniger die anderen Luftangriffe der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, liegt wohl vor allem am Bild von Pablo Picasso. Ohne diese Mahnung wäre womöglich der Luftangriff auf Guernica auch in Vergessenheit geraten. Der spanische Maler Pablo Picasso, der vor den Faschisten nach Frankreich geflohen war, erhielt von der offiziell noch amtierenden Regierung den Auftrag, für den spanischen (! ) Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 ein Gemälde zu schaffen. Picasso hatte schon mit Vorarbeiten zu dem Gemälde „Maler und Modell“ begonnen, als eine Woche später der Luftangriff auf Guernica erfolgte. Unter dem Eindruck der aktuellen Berichterstattung änderte er sein Konzept und schuf mit “Guernica” ein surrealistisches Anti-Kriegsgemälde.

Picasso äußerte sich zu seiner künstlerischen Haltung folgendermaßen:

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“

– Picasso: Dezember 1937

Die bis zum heutigen Tag anhaltende Ausstrahlung des 3,49 mal 7,77 Meter großen, allein in Schwarzweißschattierungen gehaltenen Tableaus gründet auf einem komplexen symbolischen Geflecht. Es ist kein provokantes Bild. Es fließt z.B. kein Blut. Stattdessen legt sich der Terror wie ein Leichentuch über das Bild. Der Angriff von oben selbst ist spürbar – alle Bewegung richtet sich gen Himmel, von wo aus der Feind massiv attackiert, aber er bleibt unsichtbar und abstrakt. Wir sehen nur das Leid seiner Opfer, den Schmerz der Kreaturen, den Krieger mit zerbrochenem Schwert, das verwundete Pferd, weinende Frauen, die Frau mit dem toten Kind, Feuer. Eine Szene der Verheerung und der Unentrinnbarkeit. Einzelne Szenen sind zu einem komplexen Bild des Grauens zusammengestellt, das sich als eine allgemeine intensive Klage gegen Krieg und Zerstörung darstellt. Das Bild ist zunächst ein Symbol für den Schreckens des Faschismus und später für Schrecken der Bombenkriege generell.

Picasso, der nie mehr nach Spanien zurückkehrte, hatte verfügt, dass das Werk erst nach der Demokratisierung Spaniens in seinem Heimatland ausgestellt werden sollte. Am 11. September 1981 wurde das riesige Bild von New York nach Madrid überführt, wo es unter Polizeischutz im Museo Nacional Reina Sofia präsentiert wurde. Nachdem das Gemälde jahrelang dazu beigetragen hatte, dass der Luftangriff auf Guernica nicht in Vergessenheit geriet, ist das Bild heute möglicherweise bekannter als das historische Ereignis, auf das es sich bezieht.

Sehenswürdigkeiten von Guernica

Wer heute nach Guernica kommt, für den könnten u.a. folgende Sehenswürdigkeiten von Interesse sein:

  • Das Friedensmuseum – Museo de la Paz. Es thematisiert allgemeine Aspekte von Konflikten und Frieden, die Geschichte der Bombardierung von Guernica und den baskischen Konflikt.
  • Das baskische Museum. Es gibt einen Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des Baskenlandes.
  • Die als Denkmal geschützte Eiche von Guernica. Hier versammelten sich schon im Mittelalter die Volksvertreter der Provinz, der sogenannte Ältestenrat, zur Beratung aller anstehenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen. Die Eiche wird als historischer Sammelpunkt der baskischen Identität verstanden.
  • Park der Völker Europas (Europako Herrien Parkea)mit Statuen von Henry Moore und Eduardo Chillida.
  • die gotische Kirche Santa Maria
Von Shaury (Shaury Nash) aus (optional) - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1552551 Denkmal der alten Eiche von Guernica
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Die Silberdistel – Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

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Auf unserm Weg durch das Baskenland finden wir sowohl auf der französischen wie auf der spanischen Seite immer wieder Bauernhöfe oder Häuser, deren Haustüren eine Silberdistel ziert. Dabei hatte die Silberdistel ursprünglich mehrere Funktionen.

Die Silberdistel als Wetterbarometer

 

Silberdisteln sind Barometerpflanzen. Sie spüren Veränderungen im Druck und im Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Die silbrig-weißen Hüllblätter der Silberdistel sind hygroskopisch, d.h. sie schließen sich bei feuchter Luft, bei Nässe und kalter Witterung, um die das Körbchen füllenden Blüten vor dem Regen, die Früchtchen vor dem Verkleben ihrer Flugschirmchen zu schützen – daher auch der bei uns bezeichnende Pflanzenname “Wetterdistel”. Das Schließen der Hüllblätter wird dadurch bewirkt, dass ein Streifen dickwandiger, auf der Rückseite der Hüllblätter verlaufender Zellen mehr Feuchtigkeit aufnimmt und sich dadurch stärker streckt als die nach innen gewanden Teile des Zellgewebes. Dadurch erfolgt ein Zusammenbiegen nach innen. Demzufolge misst die Barometerpflanze den Luftdruck und den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre und übertrifft in ihrer “Vegetabilischen Barometrik” kurzfristig sogar an Genauigkeit die der modernen technischen Hilfsmittel unserer Zeit.

Die Silberdistel als Schutzsymbol gegen Hexen

 

Das Weltbild der baskischen Mythologie weist Bezüge zum Sonnenkult auf. Die Mythologie ist schwer zugänglich, da die Mythen durch die Inquisition im späten Mittelalter aus der Religion in den Bereich der Volksmärchen verdrängt wurden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Götter nur in sehr verschwommener Form in Erinnerung geblieben sind. Man kann aber sagen, dass die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich waren. Die Silberdistel ist ein bis heute im Baskenland bekanntes Symbol für die weibliche Sonne. Sonnendistel, baskisch Eguzkilore, bedeutet „Blume der Sonne“.

 

Diese „Blume der Sonne“ war in der baskischen Mythologie zudem ein bedeutsames Schutzsymbol gegen Dämonen und Hexen. Die Silberdistel an der Türe erzwingt nämlich ein Ritual, bei dem die Hexen erst alle Stacheln der Silberdistel zählen müssen, bevor sie ins Haus dürfen. Da dieses Auszählen aber „ewig“ dauert, dämmert es bereits, bis sie fertig sind, so dass sie sich dringend ein Versteck suchen müssen und somit das Haus vor ihrem Eindringen geschützt ist.

 

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