Vorgeschichte
Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen den Truppen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten spanischen Republik und den nationalistischen Putschisten unter General Francisco Franco. Der Bürgerkrieg forderte mindestens 500.000 Todesopfer und verwüstete das Land. Schließlich siegten die Faschisten und marschierten am 28. März 1938 in Madrid ein. Von nun an herrschte ein faschistisches Regime unter General Franco in Spanien bis zu dessen Tod im Jahre 1975. Beide Seiten erhielten während des Bürgerkrieges Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die stalinistische Sowjetunion die Republikaner, während das national-sozialistische Deutschland und das faschistische Italien auf der Seite der Nationalisten stand.
Luftangriff
Wissenschaftlich und politisch wird um den Luftangriff der deutschen Legion Condor im März 1937 bis heute gestritten. Allerdings nicht über die faktischen Ereignisse und Abläufe, sondern um die Absichten und Motive hinter dem Angriff.
Unstrittig ist, dass der Luftangriff auf die Stadt Guernica im Wesentlichen von den deutschen Flugzeugen der Legion Condor assistiert von einem italischen Verband geflogen wurde. Der eigentliche Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen – von deutscher Seite waren Flugzeuge der Typen Do 17, Heinkel-He-51, He-111, Junkers Ju 52/3m und Messerschmidt 109 beteiligt. Am Nachmittag des 26. April 1937 legten die Bomber innerhalb von dreieinhalb Stunden das Zentrum des Städtchens mit damals etwa 5000 bis 6000 Einwohnern in Schutt und Asche. Etwa 200 bis 300 Menschen verloren dabei ihr Leben. Frühere Zahlen von 1600 Opfern erwiesen sich als übertrieben. Die exakte Bestimmung der Opferzahl war und ist auch deshalb nicht möglich, weil sich (unregistrierte) Flüchtlinge in Guernica aufhielten. Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die Franco-Truppen über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie stießen auf keinerlei Widerstand mehr.
Gründe
Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, aus welchem militärischen Grund die Legion Condor die Stadt überhaupt bombardierte. In einer Umfrage unter den Überlebenden im Jahre 1992 äußerten 38 Prozent der Befragten, sie wüssten auch nach 45 Jahren noch nicht, warum man sie angegriffen habe. Wahrscheinlich wird dies nie ganz geklärt werden; bisher wurden fünf Gründe genannt:
dem deutschen Kommando die besondere Rolle Guernicas im Mittelalter als Symbol für die Unabhängigkeit der Basken überhaupt bekannt war.
Für die letzte Vermutung, dass es den Deutschen auf der iberischen Halbinsel vor allem darum ging, moderne Kriegstechnik und -taktik für eine künftige militärische Auseinandersetzung unter realistischen Bedingungen auszuprobieren, spricht auch der umfassende Munitionseinsatz und die Dauer des Angriffs sowie das Verhalten der Piloten, die im Tiefflug gezielt auf Frauen und Kinder erschossen haben sollen. Tatsächlich dürfte die Erprobung von Waffen und Angriffstechniken eine entscheidende Bedeutung bei der Planung gehabt habe, um die totale Zerstörung einer Stadt im Kleinformat zu testen und durchzuführen. So wurde auch davon gesprochen, dass die Gebäude im Baskenland denen der europäischen Nachbarn entspräche und man so die Wirkung der Bomben gut testen könne.
Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor und nicht direkt mit dem “Roten Baron” Manfred von Richthofen verwandt, war verantwortlich für den Angriff. Bei ihm findet sich keine Reue über die Untaten. Er notierte in seinem Tagebuch: “Die 250er (Bomben) warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.”
Propaganda und Aufarbeitung (?)
Die deutsche Wehrmacht nutzte Spanien während der Intervention des deutschen Reiches zugunsten Francos als Übungsplatz unter realistischen Bedingungen. Nach dem Angriff setzten fieberhafte Propagandaaktivitäten ein, da ein britischer Journalist, der zufällig in Bilbao war und nach der Bombardierung nach Guernica reiste und zwei Tage später davon berichtete. Die Legion Condor und spanische Faschisten verbreiteten daraufhin die Lüge, die Republikaner bzw. „Bolschewisten“ hätten die Stadt auf ihrem Rückzug selbst eingeäschert. Die faschistische Putschregierung wies jede Verantwortung von sich. So konnte auch nie geklärt werden, ob auch spanische Piloten beim Angriff auf Guernica beteiligt gewesen waren. In Deutschland war der Einsatz der Legion Condor zunächst als “Geheime Reichssache” eingestuft worden. Auf Grund der britischen Nachrichten über die Bombardierung der Stadt wurde u.a. in der Wochenschau behauptet, keine Deutschen wären an dem Angriff beteiligt gewesen und die Bevölkerung selbst hätte auf der Flucht die Stadt selbst in Brand gesetzt.
Der Luftangriff auf Guernica war während der Franco-Diktatur ein Tabu-Thema. Erst im Jahre 1970 wurde vom Franco-Regime erstmals eingestanden, dass es in Guernica tatsächlich einen Luftangriff gegeben hatte. Aber auch nach dem Tod Francos und der Installierung der neuen Demokratie in Spanien wurde das Thema des spanischen Bürgerkrieges und auch die Bombardierung Guernicas mehr oder minder todgeschwiegen.
Ab Mitte der siebziger Jahre erschienen in der BRD die ersten Bücher, die die historischen Fakten des Luftangriffs auf Guernica darstellten. Aber auch danach wurde die deutsche Beteiligung und Schuld immer wieder geleugnet. Diese Politik des Leugnens war so vorherrschend, dass ausgerechnet diejenigen, die die historischen Fakten darlegten, sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen, sie würden die geschichtlichen Tatsachen verfälschen.
Noch am 24. April 1997 lehnte der Deutsche Bundestag es ab, für die Zerstörung von Guernica ein Schuldeingeständnis abzulegen, wie der Historiker Michael Kasper berichtet. In dieser Situation wurde an den Bundespräsidenten die Bitte herangetragen, zur Verständigung beizutragen. Aus Anlass des sechzigsten Jahrestages der Bombardierung richtete Roman Herzog am 27. April 1997 ein Grußwort an die Einwohner von Guernica: “Ich möchte mich der Vergangenheit stellen und mich zur schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger ausdrücklich bekennen. An Sie als Überlebende des Angriffs, als Zeugen des erlittenen Grauens richte ich meine Botschaft des Gedenkens, des Mitgefühls und der Trauer. (..) Ihnen, die die Wunden der Vergangenheit noch in sich tragen, biete ich meine Hand mit der Bitte um Versöhnung.” Eine finanzielle Wiedergutmachung gab es nicht.
Anzumerken ist vielleicht noch, dass Deutsche in Guernica heute gern gesehene Gäste sind. In der Stadt Guernica existierte das, was die Friedensforscher “Versöhnungshorizont” nennen, d.h. der ehrliche Wille zur Versöhnung mit dem ehemaligen Gegner. Insofern ist es keine bloße Fremdenverkehrswerbung, dass sich Guernica heute als Stadt der Kultur und des Friedens darstellt. So berichtete es Michael Kasper, der als Lehrer und Journalist 10 Jahre in Guernica lebt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gernika#/media/Datei:Mural_del_Gernika.jpg
Das Bild „Guernica“ von Pablo Picasso
Der Angriff auf Guernica war keineswegs der erste Luftangriff auf zivile Ziele. Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica, wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert. Bei den Angriffen starben über 330 Menschen. Das Bombardement erlangte kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Guernica testen wollten.
Dass uns Guernica im Gedächtnis geblieben ist und weniger die anderen Luftangriffe der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, liegt wohl vor allem am Bild von Pablo Picasso. Ohne diese Mahnung wäre womöglich der Luftangriff auf Guernica auch in Vergessenheit geraten. Der spanische Maler Pablo Picasso, der vor den Faschisten nach Frankreich geflohen war, erhielt von der offiziell noch amtierenden Regierung den Auftrag, für den spanischen (! ) Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 ein Gemälde zu schaffen. Picasso hatte schon mit Vorarbeiten zu dem Gemälde „Maler und Modell“ begonnen, als eine Woche später der Luftangriff auf Guernica erfolgte. Unter dem Eindruck der aktuellen Berichterstattung änderte er sein Konzept und schuf mit “Guernica” ein surrealistisches Anti-Kriegsgemälde.
Picasso äußerte sich zu seiner künstlerischen Haltung folgendermaßen:
„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“
– Picasso: Dezember 1937
Die bis zum heutigen Tag anhaltende Ausstrahlung des 3,49 mal 7,77 Meter großen, allein in Schwarzweißschattierungen gehaltenen Tableaus gründet auf einem komplexen symbolischen Geflecht. Es ist kein provokantes Bild. Es fließt z.B. kein Blut. Stattdessen legt sich der Terror wie ein Leichentuch über das Bild. Der Angriff von oben selbst ist spürbar – alle Bewegung richtet sich gen Himmel, von wo aus der Feind massiv attackiert, aber er bleibt unsichtbar und abstrakt. Wir sehen nur das Leid seiner Opfer, den Schmerz der Kreaturen, den Krieger mit zerbrochenem Schwert, das verwundete Pferd, weinende Frauen, die Frau mit dem toten Kind, Feuer. Eine Szene der Verheerung und der Unentrinnbarkeit. Einzelne Szenen sind zu einem komplexen Bild des Grauens zusammengestellt, das sich als eine allgemeine intensive Klage gegen Krieg und Zerstörung darstellt. Das Bild ist zunächst ein Symbol für den Schreckens des Faschismus und später für Schrecken der Bombenkriege generell.
Picasso, der nie mehr nach Spanien zurückkehrte, hatte verfügt, dass das Werk erst nach der Demokratisierung Spaniens in seinem Heimatland ausgestellt werden sollte. Am 11. September 1981 wurde das riesige Bild von New York nach Madrid überführt, wo es unter Polizeischutz im Museo Nacional Reina Sofia präsentiert wurde. Nachdem das Gemälde jahrelang dazu beigetragen hatte, dass der Luftangriff auf Guernica nicht in Vergessenheit geriet, ist das Bild heute möglicherweise bekannter als das historische Ereignis, auf das es sich bezieht.
Sehenswürdigkeiten von Guernica
Wer heute nach Guernica kommt, für den könnten u.a. folgende Sehenswürdigkeiten von Interesse sein: