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Das Zisterzienserkloster bei Granja de Moreruela

Das Zisterzienserkloster bei Granja de Moreruela

Das Dorf Granja de Moreruela liegt – geht man auf dem Jakobsweg –  ca. 40 nördlich von Zamora. Es befindet sich in der iberischen Meseta, dem kastilischen Hochland. An diesem Ort trennen sich der Camino Sanabrés und der Zubringer zum Camino Francés. Der einsamere Camino Sanabrés biegt hier schon in westliche Richtung ab und verläuft südlicher als der Camino Francés nach Santiago de Compostela.

Das alte verlassene Zisterzienserkloster Santa Maria de Moreruela befindet sich ca. 2 km außerhalb von Granja de Moreruela, allerdings nicht direkt am Jakobsweg. Auch wenn man vielleicht von der Wanderung müde ist, lohnt sich der Besuch dieser irgendwie verträumten Anlage unbedingt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Granja_de_Moreruela#/media/Datei:Exterior_de_Santa_Mar%C3%ADa_de_Moreruela.JPG

 

Wahrscheinlich wurde das Kloster von französischen Zisterziensermönchen gegründet. Allerdings hatte es hier schon vorher ein Kloster gegeben, vermutlich der Benediktiner. Ob das Monesterio de Santa Maria de Moreruela das erste Zisterzienserkloster in Spanien war, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Die Klostergründung war auf jeden Fall Teil der christlichen Siedlungspolitik von König Alfonso VII, der den Zisterziensern gezielt Land übertragen hat, um Klostergründungen zu ermöglichen. Denn in der Regel bildeten sich um die Klöster weitere Höfe und Siedlungen und führten so zur Besiedlung der lange Zeit aufgegebenen Landesteile nach der Besetzung Spaniens durch die Mauren.

Das Kloster ist eine Ruine, teilweise dem Verfall preisgegeben, obwohl das Kloster seit 1931 als Kulturdenkmal gilt. Trotzdem handelt es sich auch heute noch um eine imposante Anlage. Vor allem die romanisch-frühgotische Kirche und der Kreuzgang (12./13. Jh.) sind sehenswert. Die Kirche hatte eine Länge von 63 Metern und einer Breite von 23 Metern beim Querhaus. Die Kirche war in Form eines Kreuzes gebaut. Man kann noch heute, wenn man in der Kirche steht, dessen Dach allerdings nicht mehr existiert, die imposante Größe ermessen.

Die Apsis bestand aus sieben im Halbkreis angeordneten Radialkapellen. Nordportal, Chorgewölbe und Wände eines Seitenschiffes sind erhalten, der Westgiebel und die Nordfassade nur bis zur halben Höhe. Von außen kann man den Chor mit seinen drei Ebenen besonders gut erkennen. Das Kloster eingebettet in ein Waldgebiet übt auf den Besucher eine ganze eigene Faszination aus.

Die Überreste der Klosterkirche aber auch der gesamten Anlage geben immer noch einen Eindruck von der Pracht und Größe des Klosters wieder, das im Mittelalter als Tochterkloster der Abtei von Clervaux in Frankreich Bedeutung besaß und selbst zwei weitere Abteien in der Umgebung übernahm. Man vermutet, dass das Kloster geschlossen wurde, als 1835 das Gesetz zur Schließung aller bisher geöffneter Klöster auf spanischem Boden erlassen wurde. Trotz des Widerstandes des Abts wurde das Kloster und der angrenzende Berg verkauft und so langsam dem Verfall und der Plünderung ausgesetzt.

 

Was uns bei der Besichtigung auch auffiel, waren die vielen unterschiedlichen Steinmetzzeichen auf den Steinen. Es ist sicher interessant, sich über deren Sinn und Zweck zu informieren (s. Abschnitt Steinmetzzeichen).

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Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Von Zumaia sollte unsere Etappe heute bis Arnope gehen. Obwohl die Strecke von Deba nach Arnope relativ steil bergauf ging und es leicht regnete, wollten wir nach Arnope, damit die Strecke am nächsten Tag nicht zu lang werden sollte.

Am Spätnachmittag kamen wir in Arnope an, einem Dorf, das nur aus wenigen Häusern besteht. Die Herberge selbst besteht aus einer umgebauten landwirtschaftlichen Lagerhalle mit 32 Plätzen in 2 Schafsälen (für Männlein und Weiblein getrennt) sowie einem Aufenthaltsraum und einer kleinen Bar. So wirklich gemütlich war es nicht, aber wir hatte, da nur wenige Leute hier übernachteten, den Schlafsaal für uns allein. Nach einem gemütlichen Abendessen und netten Gesprächen mit drei weiteren Pilgern, gingen wir schlafen, in der Hoffnung, dass uns der nächste Tag besseres Wetter bringen würde.

Kaum lagen wir in unseren Betten, da trommelte der Regen schon auf das Dach der Lagerhalle. Was für ein Lärm!  Wie ein ganzes Orchester aus Schlagzeugern und Trommlern. Als das Trommeln endlich etwas leiser wurde, schlief ich ein, um – gefühlsmäßig – kurze Zeit später wieder durch einen weiteren Regentrommelwirbel aufzuwachen. Und so ging es die ganze Nacht: Trommeln auf dem Dach, Ruhe und die Hoffnung, dass der Regen aufgehört hat und dann wieder Trommeln und die Befürchtung, wie wohl der nächste Tag werden würde.

Nach dieser ungemütlichen Nacht schauten wir am Morgen als erstes nach draußen. Und zu unserer Überraschung hatte es aufgehört zu regnen. Zwar war der Weg matschig und teilweise rutschig, aber wir wurden wenigstens nicht noch von oben nass! Später erzählten uns andere Pilger, dass nach dem Regen der Weg hinauf nach Arnope sehr glitschig und anstrengend gewesen sei.

Als Ergänzung im Outdoor-Führer steht:

Wenn der Pächter stimmt, sicher ein gutes Projekt, aber gemessen an der Einfachheit der Ausstattung und dem Raumangebot erscheinen die Preise hier einigen Pilgern bisher doch etwas überhöht. Übernachtung 13.- €, Menü 12.- €, Frühstückspaket 5.- €

Ich würde noch ergänzen und wenn es in der Nacht nicht Stein und Bein regnet!

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Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Wir waren schon ca. 16 km von Hondarribia in Richtung Pasaia unterwegs, da stießen wir auf eine Straße und der gelbe Pfeil wies den Weg entlang der Straße. Aber auf der anderen Seite der Straße war auch ein Schild nach Pasaia, das auf einen Pfad Richtung Meer verwies. Begeistert von den bisher schon entdeckten herrlichen Ausblicken auf das Meer wählten wir kurz entschlossen – ohne das Buch weiter zu konsultieren – diesen Weg. Er führt eine Zeitlang über grüne Wiesen, bis man endlich wieder an die Küstenfelsen stößt. Ca. eine Stunde lang folgten wir diesem Küstenkamm, der schroff ins Meer abbricht. Wir konnten uns nicht satt sehen am blauen Himmel, dem wilden blauen Meer, den steilen Felsen und den grünen Wiesen. Welch herrliche Landschaft! Spannend war auch zu beobachten, wie die Schiffe aus der Meeresenge von Pasaia auf das offene Meer fahren, denn sie müssen hier durch eine von Bergen umgebende Aus- bzw. Einfahrt, die sich erst später in Pasaia zum größten natürlichen Hafen des Baskenlandes weitet. Früher war dies ein perfekter Schutz gegen Überfälle.

 

Nach ca. einer Stunde wurde unser Weg immer schmaler. Er führte nun etwas unterhalb des

Felsenkammes entlang, rechts ging es steil bergauf, links recht steil bergab. Dann wurde der Weg so eng, dass wir Bedenken hatten, mit unseren Rucksäcken am Felsen hängen zu bleiben. Und auf der ganzen Strecke war uns kein einziger Wanderer begegnet. Also war guter Rat teuer! Weitergehen – wobei der weitere Weg nicht einsehbar war, da er um eine Felsenkante herumführte – oder umkehren – wieder eine Stunde zurück!

Nach langem Überlegen entschieden wir uns für das Umkehren. Es war der erste Tag unserer Wanderung auf dem Camino del Norte und wir wollten einfach kein Risiko eingehen. Einerseits ärgerten wir uns darüber, dass wir nicht mutig genug sind, anderseits sollte man in unserem Alter auch nicht übermütig werden .

Also liefen wir diesmal zügigen Schrittes den Weg bis zur Straße zurück. Trotz des flotten Tempos genossen wir wieder die faszinierenden Ausblicke auf das Meer und den Küstenstreifen. Ab der Straße folgten wir dann brav den gelben Pfeilen nach Pasaia.

Als wir kurz vor der Herberge waren, kam uns ein Spanier, wohl ein Einheimischer, entgegen, der uns erklärte, dass die Herberge bereits voll belegt sei. Hatte uns der Umweg die Übernachtung in der Herberge gekostet? Aber wir wollten uns erst einmal selber ein Bild von der Lage machen. Er nickte und begleitete uns bis zur Herberge. Er sollte Recht behalten, die Herberge war bereits voll. Daraufhin fing unser Begleiter an, mit dem Herbergsvater zu diskutieren, und schließlich bekamen wir zwar kein Bett in der Herberge, aber nach einem Telefonanruf die Adresse einer Privatunterkunft, wo gerade noch zwei Betten frei waren.

Unser „Führer“ winkte uns und wir folgten ihm durch zahlreiche verwinkelte Gassen hinunter in den Ort. Ob wir den Weg zu der Unterkunft allein gefunden hätten? Wohl schon, aber sicher mit Mühen, zumal an der Türe nur ein Namensschild stand und kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem sich unser Führer vergewissert hatte, dass wir hier wirklich übernachten konnten, verabschiedete er sich freundlich begleitet von unserem herzlichen Dankeschön.

Also auch Umwege führen mit Glück zum Ziel! Und ich darf sagen, wir haben auf den vielen Wegen, die wir gegangen sind, und trotz mancher Sprachbarriere fast nur hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen. Immer wieder eine schöne Erfahrung!

Aber natürlich geisterte unsere Entscheidung umzukehren doch noch in unseren Köpfen herum. Also besuchten wir am Abend die Hafeneinfahrt und versuchten „unseren“ Weg oben am Felsen zu finden. Nach unserer Einschätzung hätten wir wohl noch einige hundert Meter weitergehen müssen, dann wäre der Abstieg nach Pasaia gekommen. Aber was soll´s. Wir hatten eine gute Entscheidung getroffen und dann soll man auch nicht anderen Möglichkeiten nachjammern!

 

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Kantabrien, die Picos de Europe und das Kloster San Toribio

Kantabrien, die Picos de Europe und das Kloster San Toribio

Kantabrien ist eine autonome Gemeinschaft und wird vom kantabrischen Meer am Golf von Biskaya sowie den Autonomen Gemeinschaften Asturien, Kastilien -Leon und dem Baskenland begrenzt.  Die Gesamtfläche beträgt 5250 qkm, das macht 1,3% an der Landfläche Spaniens aus. Hauptstadt ist Santander, wo auch 1/3 der 581.000 Einwohner leben.

Hohe Berge, grüne Küsten und das blaue Meer sind die charakteristischen Merkmale Kantabriens. Die Kantabrischen Kordilleren dominieren die Region. Ist der Gebirgszug im Osten noch relativ niedrig, so steigt er Richtung Westen deutlich zum Kammgebirge an. Hier befinden sich auch die Picos de Europe, die sich Kantabrien mit der Nachbarregion Asturien teilt. Hier befinden sich auch die höchsten Gipfel des Gebirges mit bis zu 2648 m Höhe und nur knapp 20 bis 50 km vom Meer entfernt. Die spektakuläre Gebirgskette ist im Paläozoikum (vor 541 – 251 Millionen Jahren) durch die Variszische Orogenese entstanden und wurde dann im Mesozoikum (vor 251 – 66 Millionen Jahren) im Rahmen der Alpidischen Orogenese in seiner jetzigen Form aufgefaltet.

Ruta_del_Cares,_Picos_de_Europa_-_WLE_Spain_2015.jpg

 

Neben den beeindruckenden Bergen gibt es an der Costa de Cantabria viele schöne Strände. Die reizvollsten liegen an dem westlichen Küstenabschnitt zwischen Comillas und San Vicente de la Barquera und in der Umgebung von Santander. Die längsten Strände der nordspanischen Küste liegen vor Laredo, an denen wir auch auf dem Jakobsweg entlang gehen.

Entlang der Küste findet man am Jakobsweges reizvolle Küsten- und Hafenstädte, wie Castro Urdalis, SantanderComillas und San Vincente de Barquera. Sie zählten zu den wichtigsten Hafenstädten des historischen Königsreichs Kastilien. Das westlich von Santander etwas im Hinterland gelegene mittelalterliche Städtchen Santillana del Mar zählt zu den schönsten Dörfern nicht nur in Kantabrien, sondern auch in ganz Spanien. Hier befindet sich auch die Höhle von Altamira (s. die Kapitel „Die Geschichte der Höhlenmalerei“ und „Die Höhle von Altamira“)

Kurz noch zum Kloster Santo-Toribio:

Die etwa 515 m hoch gelegene Klosteranlage befindet sich in den Picos de Europe, auf dem Gebiet der Gemeinde Potes etwas außerhalb des Ortes. Die Ursprünge des Klosters liegen im Dunklen. Einige sehen den im 6. Jahrhundert lebenden Turibius von Liebana, einen angeblichen Bischof von Palencia, als Gründer an; andere beziehen sich auf den hl. Turibius von Astorga, dessen Gebeine zusammen mit anderen Reliquien im 8. Jahrhundert durch den asturischen König Alfons I. (reg. 739–757), hierher verbracht wurden. Das Kloster entwickelte sich zu einem wichtigen Denkzentrum der Epoche. Beatus von Liébana (um 730-789), Benediktinermönch, wirkte im Kloster und verfasste dort 32 Kommentare zur Apokalypse des Johannes, die im gesamten christlichen Abendland diskutiert wurden. Größter Schatz des Klosters war und ist die Reliquie eines Teils des Heiligen Kreuzes, die von Turibius von Astorga im 5. Jahrhundert aus dem Heiligen Land mitgebracht worden sein soll. Auf Grund des großen Pilgerandrangs und zu Ehren der Reliquie gestattete Papst Julius II. im Jahr 1512 dem Kloster die Feier eines Heiligen Jahres und zwar dann, wenn der Feiertag des Heiligen Turibius, der 16. April, auf einen Sonntag fällt. Auf diese Weise wurde das Kloster Santo Toribio de Liebana zu einem heiligen Ort zusammen mit Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem und unlängst Caravaca de la Cruz. Wenn man dann durch das Tor der Vergebung geht, das nur im Heiligen Jahr geöffnet ist, erhält man den Ablass aller Sünden. Das letzte Heilige Jahr war 2017.

Die heutigen Bauten stammen erst aus der Zeit des 12. bis 18. Jahrhunderts. Die gotischen Gebäudeteile sind relativ schlicht gestaltet, ein Hinweis auf die Bauherren, die Zisterzienser. Im Jahr 1835 wurde das Kloster aufgelöst, bevor es dann im Jahr 1953 zum National-monument erklärt und im Jahr 1961 von Franziskaner wiederbelebt wurde. Heute leben noch vier Mönche im Kloster.

Nach Beendigung der Pilgerung zum Kloster Santo Toribio de Liébana hat man drei Möglichkeiten, wenn man in Richtung Santiago de Compostela weiterlaufen will. Man kann zum Camino del Norte zurückkehren oder Richtung Camino Frances laufen. Will man zum Camino del Norte zurück, so kann man zu Fuß oder mit dem Bus zurück nach St. Vicente de la Barquera gehen. Oder aber man entscheidet sich, durch die Picos zu wandern über Bulnes, Covadogna, Amandt nach Villaviciosa (z.T. auf dem R 203). Will man allerdings zur Camino Frances, so muss man dem Camino Vadiniense bis nach Mansilla de las Mulas folgen. Es ist ein wunderschöner einsamer aber anstrengender Weg durch die Berge, der aber wohl nur bei guter bzw. sehr guter Kondition zu bewältigen ist.

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Guernica – ein dunkles Kapitel deutsch-spanischer Geschichte

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Vorgeschichte

Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen den Truppen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten spanischen Republik und den nationalistischen Putschisten unter General Francisco Franco. Der Bürgerkrieg forderte mindestens 500.000 Todesopfer und verwüstete das Land. Schließlich siegten die Faschisten und marschierten am 28. März 1938 in Madrid ein. Von nun an herrschte ein faschistisches Regime unter General Franco in Spanien bis zu dessen Tod im Jahre 1975. Beide Seiten erhielten während des Bürgerkrieges Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die stalinistische Sowjetunion die Republikaner, während das national-sozialistische Deutschland und das faschistische Italien auf der Seite der Nationalisten stand.

Luftangriff

Wissenschaftlich und politisch wird um den Luftangriff der deutschen Legion Condor im März 1937 bis heute gestritten. Allerdings nicht über die faktischen Ereignisse und Abläufe, sondern um die Absichten und Motive hinter dem Angriff.

Unstrittig ist, dass der Luftangriff auf die Stadt Guernica im Wesentlichen von den deutschen Flugzeugen der Legion Condor assistiert von einem italischen Verband geflogen wurde. Der eigentliche Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen – von deutscher Seite waren Flugzeuge der Typen Do 17, Heinkel-He-51, He-111, Junkers Ju 52/3m und Messerschmidt 109 beteiligt. Am Nachmittag des 26. April 1937 legten die Bomber innerhalb von dreieinhalb Stunden das Zentrum des Städtchens mit damals etwa 5000 bis 6000 Einwohnern in Schutt und Asche. Etwa 200 bis 300 Menschen verloren dabei ihr Leben. Frühere Zahlen von 1600 Opfern erwiesen sich als übertrieben. Die exakte Bestimmung der Opferzahl war und ist auch deshalb nicht möglich, weil sich (unregistrierte) Flüchtlinge in Guernica aufhielten. Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die Franco-Truppen über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie stießen auf keinerlei Widerstand mehr.

Gründe

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, aus welchem militärischen Grund die Legion Condor die Stadt überhaupt bombardierte. In einer Umfrage unter den Überlebenden im Jahre 1992 äußerten 38 Prozent der Befragten, sie wüssten auch nach 45 Jahren noch nicht, warum man sie angegriffen habe. Wahrscheinlich wird dies nie ganz geklärt werden; bisher wurden fünf Gründe genannt:

  1. Von deutscher Seite wird in der Regel behauptet, das Hauptziel des Angriffs sei die 25 m lange und rund 10 Meter lange Brücke über den Fluss Oca am Stadtrand gewesen, die den Stadtkern mit dem Ortsteil Rentería verbindet, um so den Nachschub für die gegnerischen Fronttruppen zu unterbinden. Der Bombenmix mit einem hohen Anteil an leichten Brandbomben spricht allerdings dafür, dass Stadt und Bevölkerung von vorneherein als Ziel ausgewählt worden seien und nicht die steinerne Brücke, auf der die Brandsätze keine Wirkung hätten entfalten können.  Außerdem ist die Brücke beim Angriff gar nicht getroffen worden. Stattdessen wurde in Guernica fast alles zerstört. Am Abend haben deutschen Jäger sogar aus der Stadt Fliehende im Tiefflug mit ihren Bordwaffen beschossen – auch hier dürfte es keinen Zweifel gegeben haben, dass es sich um Zivilsten und nicht um Soldaten gehandelt hat. Da die republikanischen Truppen überall auf dem Rückzug waren, hätte zudem eine Zerstörung der Brücke nur die Absetzbewegungen unterbunden und so die Kämpfe entlang des Frontverlaufs eher verschärft.
  1. Das Ziel des Angriffs könnte auch die Waffenfabrik Unceta südlich der Brücke gewesen sein. Aber auch deren Gebäude wurden nicht beschädigt. Da Guernica wenige Tage nach dem Luftangriff von den faschistischen Bodentruppen – die über die Rentería-Brücke kamen – eingenommen wurde, wäre eine Zerstörung der Fabrik militärisch kontraproduktiv gewesen. So aber konnten die Nationalisten die Fabrik besetzen und die Waffenproduktion für die eigene Seite fortsetzen, zumal der Waffenfabrikant Rufino Unceta ein Franco-Anhänger war.
  1. Die dritte These lautet, Ziele des Angriffs seien das Parlamentsgebäude und der Eichenbaum gewesen. Die Eiche von Guernica war ja das Sinnbild für die baskische Identität. Aber auch sie wurden beim Angriff nicht getroffen. Eine Zerstörung der baskischen Nationalsymbole hätte den militärischen Widerstand im Baskenland anfachen können, das damals zu einem Großteil schon von den faschistischen Truppen besetzt war. Außerdem ist kaum anzunehmen, dass

dem deutschen Kommando die besondere Rolle Guernicas im Mittelalter als Symbol für die Unabhängigkeit der Basken überhaupt bekannt war.

  1. Möglicherweise wäre der Luftangriff eine Vergeltungsaktion für die Lynchjustiz der zivilen Bevölkerung an abgeschossenen Piloten der Legion Condor. Allerdings war in Guernica und seiner näheren Umgebung nie ein deutscher Flieger abgeschossen worden.
  1. So wird häufig die Ansicht vertreten, mit dem Angriff sei ein Konzept zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung erprobt worden. Dies wäre die praktische Umsetzung der Strategie des “Totalen Krieges”, die 1935 von Ex-General Erich Ludendorff entworfen worden war. Die deutsche Luftwaffe, die seit 1935 in Deutschland neu aufgebaut wurde, sollte Kampferfahrung sammeln und die Entwicklung neuer Flugzeugtypen und Luftkampftaktiken sollte vorangetrieben werden.

Für die letzte Vermutung, dass es den Deutschen auf der iberischen Halbinsel vor allem darum ging, moderne Kriegstechnik und -taktik für eine künftige militärische Auseinandersetzung unter realistischen Bedingungen auszuprobieren, spricht auch der umfassende Munitionseinsatz und die Dauer des Angriffs sowie das Verhalten der Piloten, die im Tiefflug gezielt auf Frauen und Kinder erschossen haben sollen. Tatsächlich dürfte die Erprobung von Waffen und Angriffstechniken eine entscheidende Bedeutung bei der Planung gehabt habe, um die totale Zerstörung einer Stadt im Kleinformat zu testen und durchzuführen. So wurde auch davon gesprochen, dass die Gebäude im Baskenland denen der europäischen Nachbarn entspräche und man so die Wirkung der Bomben gut testen könne.

Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor und nicht direkt mit dem “Roten Baron” Manfred von Richthofen verwandt, war verantwortlich für den Angriff. Bei ihm findet sich keine Reue über die Untaten. Er notierte in seinem Tagebuch: “Die 250er (Bomben) warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.” 

Propaganda und Aufarbeitung (?)

Die deutsche Wehrmacht nutzte Spanien während der Intervention des deutschen Reiches zugunsten Francos als Übungsplatz unter realistischen Bedingungen. Nach dem Angriff setzten fieberhafte Propagandaaktivitäten ein, da ein britischer Journalist, der zufällig in Bilbao war und nach der Bombardierung nach Guernica reiste und zwei Tage später davon berichtete. Die Legion Condor und spanische Faschisten verbreiteten daraufhin die Lüge, die Republikaner bzw. „Bolschewisten“ hätten die Stadt auf ihrem Rückzug selbst eingeäschert. Die faschistische Putschregierung wies jede Verantwortung von sich. So konnte auch nie geklärt werden, ob auch spanische Piloten beim Angriff auf Guernica beteiligt gewesen waren. In Deutschland war der Einsatz der Legion Condor zunächst als “Geheime Reichssache” eingestuft worden. Auf Grund der britischen Nachrichten über die Bombardierung der Stadt wurde u.a. in der Wochenschau behauptet, keine Deutschen wären an dem Angriff beteiligt gewesen und die Bevölkerung selbst hätte auf der Flucht die Stadt selbst in Brand gesetzt.

Der Luftangriff auf Guernica war während der Franco-Diktatur ein Tabu-Thema. Erst im Jahre 1970 wurde vom Franco-Regime erstmals eingestanden, dass es in Guernica tatsächlich einen Luftangriff gegeben hatte. Aber auch nach dem Tod Francos und der Installierung der neuen Demokratie in Spanien wurde das Thema des spanischen Bürgerkrieges und auch die Bombardierung Guernicas mehr oder minder todgeschwiegen.

Ab Mitte der siebziger Jahre erschienen in der BRD die ersten Bücher, die die historischen Fakten des Luftangriffs auf Guernica darstellten. Aber auch danach wurde die deutsche Beteiligung und Schuld immer wieder geleugnet. Diese Politik des Leugnens war so vorherrschend, dass ausgerechnet diejenigen, die die historischen Fakten darlegten, sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen, sie würden die geschichtlichen Tatsachen verfälschen.

Noch am 24. April 1997 lehnte der Deutsche Bundestag es ab, für die Zerstörung von Guernica ein Schuldeingeständnis abzulegen, wie der Historiker Michael Kasper berichtet. In dieser Situation wurde an den Bundespräsidenten die Bitte herangetragen, zur Verständigung beizutragen. Aus Anlass des sechzigsten Jahrestages der Bombardierung richtete Roman Herzog am 27. April 1997 ein Grußwort an die Einwohner von Guernica: “Ich möchte mich der Vergangenheit stellen und mich zur schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger ausdrücklich bekennen. An Sie als Überlebende des Angriffs, als Zeugen des erlittenen Grauens richte ich meine Botschaft des Gedenkens, des Mitgefühls und der Trauer. (..) Ihnen, die die Wunden der Vergangenheit noch in sich tragen, biete ich meine Hand mit der Bitte um Versöhnung.” Eine finanzielle Wiedergutmachung gab es nicht.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass Deutsche in Guernica heute gern gesehene Gäste sind. In der Stadt Guernica existierte das, was die Friedensforscher “Versöhnungshorizont” nennen, d.h. der ehrliche Wille zur Versöhnung mit dem ehemaligen Gegner. Insofern ist es keine bloße Fremdenverkehrswerbung, dass sich Guernica heute als Stadt der Kultur und des Friedens darstellt. So berichtete es Michael Kasper, der als Lehrer und Journalist 10 Jahre in Guernica lebt.

 

 

Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Autor/-in unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5434009

https://de.wikipedia.org/wiki/Gernika#/media/Datei:Mural_del_Gernika.jpg

 

Das Bild „Guernica“ von Pablo Picasso

Der Angriff auf Guernica war keineswegs der erste Luftangriff auf zivile Ziele. Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica, wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert. Bei den Angriffen starben über 330 Menschen. Das Bombardement erlangte kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Guernica testen wollten.

Dass uns Guernica im Gedächtnis geblieben ist und weniger die anderen Luftangriffe der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, liegt wohl vor allem am Bild von Pablo Picasso. Ohne diese Mahnung wäre womöglich der Luftangriff auf Guernica auch in Vergessenheit geraten. Der spanische Maler Pablo Picasso, der vor den Faschisten nach Frankreich geflohen war, erhielt von der offiziell noch amtierenden Regierung den Auftrag, für den spanischen (! ) Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 ein Gemälde zu schaffen. Picasso hatte schon mit Vorarbeiten zu dem Gemälde „Maler und Modell“ begonnen, als eine Woche später der Luftangriff auf Guernica erfolgte. Unter dem Eindruck der aktuellen Berichterstattung änderte er sein Konzept und schuf mit “Guernica” ein surrealistisches Anti-Kriegsgemälde.

Picasso äußerte sich zu seiner künstlerischen Haltung folgendermaßen:

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“

– Picasso: Dezember 1937

Die bis zum heutigen Tag anhaltende Ausstrahlung des 3,49 mal 7,77 Meter großen, allein in Schwarzweißschattierungen gehaltenen Tableaus gründet auf einem komplexen symbolischen Geflecht. Es ist kein provokantes Bild. Es fließt z.B. kein Blut. Stattdessen legt sich der Terror wie ein Leichentuch über das Bild. Der Angriff von oben selbst ist spürbar – alle Bewegung richtet sich gen Himmel, von wo aus der Feind massiv attackiert, aber er bleibt unsichtbar und abstrakt. Wir sehen nur das Leid seiner Opfer, den Schmerz der Kreaturen, den Krieger mit zerbrochenem Schwert, das verwundete Pferd, weinende Frauen, die Frau mit dem toten Kind, Feuer. Eine Szene der Verheerung und der Unentrinnbarkeit. Einzelne Szenen sind zu einem komplexen Bild des Grauens zusammengestellt, das sich als eine allgemeine intensive Klage gegen Krieg und Zerstörung darstellt. Das Bild ist zunächst ein Symbol für den Schreckens des Faschismus und später für Schrecken der Bombenkriege generell.

Picasso, der nie mehr nach Spanien zurückkehrte, hatte verfügt, dass das Werk erst nach der Demokratisierung Spaniens in seinem Heimatland ausgestellt werden sollte. Am 11. September 1981 wurde das riesige Bild von New York nach Madrid überführt, wo es unter Polizeischutz im Museo Nacional Reina Sofia präsentiert wurde. Nachdem das Gemälde jahrelang dazu beigetragen hatte, dass der Luftangriff auf Guernica nicht in Vergessenheit geriet, ist das Bild heute möglicherweise bekannter als das historische Ereignis, auf das es sich bezieht.

Sehenswürdigkeiten von Guernica

Wer heute nach Guernica kommt, für den könnten u.a. folgende Sehenswürdigkeiten von Interesse sein:

  • Das Friedensmuseum – Museo de la Paz. Es thematisiert allgemeine Aspekte von Konflikten und Frieden, die Geschichte der Bombardierung von Guernica und den baskischen Konflikt.
  • Das baskische Museum. Es gibt einen Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des Baskenlandes.
  • Die als Denkmal geschützte Eiche von Guernica. Hier versammelten sich schon im Mittelalter die Volksvertreter der Provinz, der sogenannte Ältestenrat, zur Beratung aller anstehenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen. Die Eiche wird als historischer Sammelpunkt der baskischen Identität verstanden.
  • Park der Völker Europas (Europako Herrien Parkea)mit Statuen von Henry Moore und Eduardo Chillida.
  • die gotische Kirche Santa Maria
Von Shaury (Shaury Nash) aus (optional) - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1552551 Denkmal der alten Eiche von Guernica
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Die Silberdistel – Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Die Silberdistel - Wetterbarometer und Schutzsymbol gegen Hexen

Auf unserm Weg durch das Baskenland finden wir sowohl auf der französischen wie auf der spanischen Seite immer wieder Bauernhöfe oder Häuser, deren Haustüren eine Silberdistel ziert. Dabei hatte die Silberdistel ursprünglich mehrere Funktionen.

Die Silberdistel als Wetterbarometer

 

Silberdisteln sind Barometerpflanzen. Sie spüren Veränderungen im Druck und im Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Die silbrig-weißen Hüllblätter der Silberdistel sind hygroskopisch, d.h. sie schließen sich bei feuchter Luft, bei Nässe und kalter Witterung, um die das Körbchen füllenden Blüten vor dem Regen, die Früchtchen vor dem Verkleben ihrer Flugschirmchen zu schützen – daher auch der bei uns bezeichnende Pflanzenname “Wetterdistel”. Das Schließen der Hüllblätter wird dadurch bewirkt, dass ein Streifen dickwandiger, auf der Rückseite der Hüllblätter verlaufender Zellen mehr Feuchtigkeit aufnimmt und sich dadurch stärker streckt als die nach innen gewanden Teile des Zellgewebes. Dadurch erfolgt ein Zusammenbiegen nach innen. Demzufolge misst die Barometerpflanze den Luftdruck und den Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre und übertrifft in ihrer “Vegetabilischen Barometrik” kurzfristig sogar an Genauigkeit die der modernen technischen Hilfsmittel unserer Zeit.

Die Silberdistel als Schutzsymbol gegen Hexen

 

Das Weltbild der baskischen Mythologie weist Bezüge zum Sonnenkult auf. Die Mythologie ist schwer zugänglich, da die Mythen durch die Inquisition im späten Mittelalter aus der Religion in den Bereich der Volksmärchen verdrängt wurden. Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Götter nur in sehr verschwommener Form in Erinnerung geblieben sind. Man kann aber sagen, dass die meisten Götter der baskischen Mythologie weiblich waren. Die Silberdistel ist ein bis heute im Baskenland bekanntes Symbol für die weibliche Sonne. Sonnendistel, baskisch Eguzkilore, bedeutet „Blume der Sonne“.

 

Diese „Blume der Sonne“ war in der baskischen Mythologie zudem ein bedeutsames Schutzsymbol gegen Dämonen und Hexen. Die Silberdistel an der Türe erzwingt nämlich ein Ritual, bei dem die Hexen erst alle Stacheln der Silberdistel zählen müssen, bevor sie ins Haus dürfen. Da dieses Auszählen aber „ewig“ dauert, dämmert es bereits, bis sie fertig sind, so dass sie sich dringend ein Versteck suchen müssen und somit das Haus vor ihrem Eindringen geschützt ist.

 

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Der Salime Stausee

Der Salime Stausee

Der Salime-Stausee (span.: Embalse de Salime) ist eine Talsperre des Río Navia im Westen Asturiens, die teilweise die Grenze zur galicischen Provinz Lugo bildet. Die Stauanlage wurde im Jahr 1954 eingeweiht und hat einen Stauraum von 265,60 Millionen Kubikmeter.

Nach Arbón und Doiras ist Salime die dritte Talsperre am Río Navia. Die Staumauer ist eine Gewichtsstaumauer mit einer Höhe von 128 m. Der Stausee nimmt eine Fläche von 685 ha ein, genutzt wird die Anlage hauptsächlich zur Energieerzeugung. Unter dem Stausee befinden sich die Stadt Salime, die ehemalige Hauptstadt der Region und zahlreiche Dörfer und Bauernhöfe.

Geschichte

Das Projekt wurde von Saltos del Navia en Comunidad initiiert, einer Gesellschaft, die 1945 gegründet zu gleichen Teilen drei Unternehmen. gehörte. Finanziellen Rückhalt bot die Banco Urquijo, die außerdem das Projekt und die technischen Studien ausarbeitete.

Als Architekt wurde Joaquín Vaquero Palacios engagiert, der das Projekt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg plante. 1946 begannen die Vorarbeiten, zwischen 1948 und 1953 wurden die Staumauer und das Kraftwerk gebaut, die Einweihung erfolgte 1954. Während einiger Zeit war Salime die größte Talsperre Spaniens und die Zweitgrößte Europas. Sie gilt als eines der ersten Projekte des Gigantismus der Franco-Ära, der Pate für viele ähnliche Projekte stand.

 

Für den Bau mussten enorme Schwierigkeiten überwunden werden: Spaniens Wirtschaft lag darnieder und litt außerdem unter dem Wirtschaftsembargo der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Das Projekt schien quasi unmöglich und nur durch größte Anstrengung konnte man der Mittelknappheit Herr werden. Die Turbinen lieferte England heimlich und unter Umgehung des UN-Embargos gegen Franco. Die vorbereitenden und flankierenden Maßnahmen hatten einen außerordentlichen Umfang: Es wurden Tunnel zur Umleitung des Flusses gebaut, Spundwände, Lager, Straßen, schräge Ebenen, Zementmühlen, eine 36 km lange Seilbahn zum Transport von Zementklinkern aus dem Hafen von Navia etc. 3500 Arbeiter aus anderen spanischen Regionen – hauptsächlich Andalusien – wurden angeworben. Für sie und ihre Familien wurden mehrere Arbeitersiedlungen angelegt. Ein Teil dieser Einrichtungen sind heute noch am Hang des Berges zu sehen und können auch besichtigt werden. Auch die Lebensmittelversorgung der Arbeiter war ein Problem in diesen Jahren des Mangels. Ungefähr 100 Arbeiter verloren ihr Leben in Arbeitsunfällen während des Talsperrenbaus.

 

Wasserkraftwerk Salime

Das Wasserkraftwerk (central hidroeléctrica) Salime befindet sich unter der Staumauer. Es verfügt über vier Generatorengruppen mit je 32 Megawatt, die zwischen 1953 und 1956 in Betrieb genommen wurden. Die Gesamtleistung beträgt 128 MW, im Jahresdurchschnitt erzeugt das Kraftwerk 350 Gigawatt. Die eingesetzten Francis-Turbinen haben einen Durchsatz von 152 m²/s, die erzeugte Energie wird über 132-Kilovolt-Netz abgeführt.

 

Etwas oberhalb des Stausees befindet sich ein Hotel, von dessen Terrasse man einen guten Überblick über die Anlage und den Stausee hat.

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Asturische vorromanische Architektur

Asturische (vorromanische) Architektur

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56670939

Die Vorromanik umfasst im europäischen Raum die Epoche des Frühmittelalters vom 5. – 11. Jh.. Es bezeichnet den Übergang von der Spätantike zur Romanik und wird vor allem in der Baukunst verwendet. Auch für die Kirchen des asturischen Stils wird oft der Begriff Vorromanik oder Präromanik verwendet. Allerdings wird dadurch ein Bezug zur Romanik suggieriert, der so nicht existiert.

Asturiens frühe Kirchen in und um Oviedo und in den Bergen bis an die heutige Grenze von León stellen einen besonderen Typus frühmittelalterlicher Architektur dar. Unter der Bedingung eines auf sich gestellten Kulturraumes und in ständiger Konfrontation mit der ganz anders gearteten maurischen Zivilisation entstand hier seit Mitte des 8. Jh ein eigenes eigenwilliges Kirchenbauprogramm, das sich bis heute erhalten hat. Die asturischen Kirchen stehen in ihrer Strenge und dekorativen Kraft für sich allein.

Wenn wir auf dem Camino Primitivo wandern, können wir die Wegalternative über Santa Maria del Naranco und San Miguel de Lillo wählen und so zwei der wichtigsten vorromanischen Bauwerke bewundern. Startet man am Zubringer zum Camino Primitivo, so kann man auch die Kirche San Salvador de Valdediós in Villaviciosa besichtigen. Sie liegt zudem nicht weit vom Camino del Norte entfernt. Auf dem Camino del Norte kommen wir auf jeden Fall an der Kirche San Salvador de Priesca vorbei.

https://temasycomentariosartepaeg.blogspot.com/2016/04/arte-prerromanico.html planta de Iglesia de San Julián de Prados

Asturische Präromanik – Stilelemente

Für die asturischen präromanischen Kirchen übernahm man die Bauweise der römischen Basiliken mit rechteckig-dreischiffigem Grundriss und Vorhalle. Rundbogenarkaden trennen Haupt- und Seitenschiffe, ein weiteres Querhaus ist dem dreigeteilten Chorhaupt vorgelagert.

Im Osten der Kirchen gaben die Asturier die bei den Westgoten nicht seltenen halbrunden Apsiden auf und wählten einen geraden Abschluß für den Chor, wie wir ihn auch bei den angelsächsischen und normannischen Kirchen Englands finden. Hervorstechend ist die häufige Verwendung von Backsteinen. In Verbindung mit den Natursteinen wirken sie als dekorative Elemente.

Fresken schmücken die Innenwände. In den Kapitellmotiven und den Durchbruchmustern der steinernen Fensterfüllungen wird häufig der Einfluss des Orients deutlich. Vor der Einführung von Glasfenstern wurden Transennen zum Verschluss von Fensteröffnungen verwendet. Sie finden sich häufig in den vorromanischen Kirchen Asturiens.  Korinthisierende Kapitelle, die schon westgotische Kirchen schmückten, sind in fast allen asturischen Bauten anzutreffen, mehr oder weniger stilisiert.

Maurischer Bauschmuck wird zunächst von der asturischen Dynastie in Oviedo weitgehend vermieden, verständlich bei der politischen und religiösen Gegnerschaft. Aber später wurden Elemente der mozarabischen Kunst eingefügt. Voraussetzung war, dass die christliche, »mozarabische« Bevölkerung im arabischen Teil Spaniens zunehmend bedrängt wurde und nach Norden auswich. Unter ihrem Einfluss entstand dort ein neuer Baustil, bei dem sich ältere lokale Elemente mit arabischen vermischten, die ihrerseits noch Römisches und Byzantinisches enthielten. Der Reichtum der Bauornamentik nahm  deutlich zu. Auf die so genannte “mozarabische Architektur” wird in einem Extrakapitel eingegangen (s. Mozarabische Architektur in Kastilien und Leon und im Serrablo de Huesca).

Kurzer Exkurs:
Vorromanische Bauten greifen, wie oben erläutert, antike Vorbilder auf, transformieren sie und bereiten die Formen der Romanik vor. Die Kirchenbauten folgten beispielsweise öfter dem römischen Bautyp der dreischiffigen Basilika (deutsch ‚Königshalle‘), die in der Antike zum einen als Audienzhalle eines Herrschers, andererseits aber auch als Gerichts- oder Markthalle Verwendung fand. Der Grund, warum keine Tempel zum Vorbild für die Kirchen genommen wurden, sondern Versammlungshäuser, ist in der christlichen Liturgie zu suchen, denn die Gottesdienste fanden unter Einbezug der Gemeinde statt, während in der antiken römischen Religion die Opferzeremonie vor dem Tempel stattfand, während nur die Priester den Innenraum des Tempels betreten durften.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16775828

Präromanik als künstlerischer Ausdruck der asturischen Monarchie

Die asturische Architektur ist einzigartig in Spanien, die durch die Kombination von Elementen anderer Stilrichtungen ( westgotische, lokale und mozarabische Traditionen) ihre eigene Persönlichkeit und Charakteristika schuf und sie entwickelte dabei nicht nur baulich ein beträchtliches Maß an Verfeinerung erreichte, sondern auch in Bezug auf Dekoration und Goldverzierung . Dieser letzte Aspekt ist in so wichtigen Werken wie dem Engelskreuz, dem Siegeskreuz, der Achatkiste (in der Heiligen Kammer der Kathedrale von Oviedo untergebracht), dem Reliquienschrein in der Kathedrale von Astorga und dem Kreuz von Santiago zu sehen.
Als Hofarchitektur folgten die vorromanischen Baudenkmäler teilweise den verschiedenen Standorten der jeweiligen Reichshauptstadt; von ihrem ursprünglichen Standort in Cangas de Onis (Ost-Asturien) über Pravia (westlich der zentralen Küste) bis zu ihrem endgültigen Standort in Oviedo , dem geografischen Zentrum der Region. Die Entwicklung der asturische Vorromanik war eng mit der politischen Entwicklung des Königreichs verbunden. So kann man fünf Perioden unterschieden, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll. 

Dabei werden die Kirchen genauer dargestellt, die nicht direkt am Jakobsweg liegen. Die Gebäude, die wir auf unserer Wanderung besuchen können, werden ausführlicher in eigenen Kapiteln behandelt.
Dies sind:
– Die heilige Kammer in Oviedo
– Santa Maria del Naranco am Camino del Norte bei Oviedo (s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Miguel de Lillo am Camino del Norte bei Oviedo ( s. Kapitel Kleinode der asturischen Präromanik)
– San Salvador de Valdediós in Villaviciosa am Camino Primitivo (nah bei Camino del Norte) vor Gijón (s. Kapitel Juwele der präromanischen Architektur)
– San Salvador de Priesca am Camino del Norte vor Gijón (s. Kapitel (Juwele der präromanischen Architektur)

Copyright 2004 von Mikel González . Aufgenommen mit Yashica FX-3. | Mikel GonzálezCredit: Santianes de Pavia

Die politische Entwicklung in Asturien und ihre wichtigsten Bauwerke

Erste Periode (737 bis 791)

Eine erste Periode (737 – 791) gehörte zur Regierungszeit der Könige Fáfila, Alfionso I.,Fruela I., Aurelio, Silo, Mauregato und Vermundo I.
Aus der Zeit des Aufstiegs und der Konsolidierung des jungen Königreichs sind zwei Kirchen zu nennen. Die Kirche Santa Cruz (737) lag am ursprünglichen Standort des Hofes, Cangas de Onís, von der wir nur schriftliche Erwähnungen haben, da sie 1936 zerstört wurde.
Das zweite Bauwerke ist die Kirche San Juan Apóstol y Evangelista Santianes de Pravia (zwischen 774 und 783) in Santianes. Sein Bau ist auf den Umzug des königlichen Hofes von Cangas de Onis nach Pravia zurückzuführen, einer alten römischen Siedlung (Flavium Navia), die an einer wichtigen Straßenkreuzung lag. Die zwischen 774 und 783 erbaute Kirche weist bereits einige Elemente auf, die auf die asturische Vorromanik schließen ließen; nach Osten ausgerichtet, Grundriss einer Basilika (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe ) , getrennt durch drei Halbkreisbögen, Querschiff zum Mittelschiff hin mit der gleichen Länge wie die Breite der drei Schiffe. Es verfügt außerdem über eine einzige halbkreisförmige Apsis und eine äußere Eingangshalle mit einer Holzdecke über dem Kirchenschiff.
In der Sakristei, wo sich ein Museum befindet, sind mehrere skulpturale Dekorationselemente mit floralen und geometrischen Mustern (etwas, das in der späteren Vorromanik üblich war) ausgestellt. Erhalten ist ein Kalksteinfragment mit Stifterinschrift, die als Kreuzwortlabyrinth gestaltet ist und die aus den Worten besteht: „Silo Princeps Fecit“ (König Silo hat es gemacht).

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Julián de los Prados, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018399
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Pedro de Nora, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17015433 San Pedro de Nora
Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María de Bendones, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018361

Zweite Periode  (791 bis 842)

Eine zweite Phase umfasst die Regierungszeit von Alfons II. (791–842), die eine Phase der stilistischen Definition war.
Alfons II., bekannt als „der Keusche“ (vielleicht hatte er deshalb keine Nachkommen), war ein entscheidender König in der asturischen Monarchie. Aus militärischer Sicht etablierte er das Königreich endgültig gegen die Muslime (in der berühmten Schlacht von Lutos errang er einen bedeutenden Sieg), in der Verwaltung verlegte er den Hof an seinen endgültigen Standort nach Oviedo und in der Politik richtete er stabile Beziehungen zu Kaiser Karl dem Großen ein.
Was das Mäzenatentum anbelangte, so förderte Alfons II. die meisten vorromanischen Bauwerke, die die Merkmale dieses Stils prägten. Mit dem königlichen Architekten Tioda baute er die Kirchen San Tirso, San Julián de los Prados, Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora sowie den heute verschwundenen Palastkomplex in Oviedo, bestehend aus Kirchen von San Salvador, Santa María und dem angrenzenden Palast und der Kapelle (heute die Heilige Kammer der Kathedrale von Oviedo, das einzige, was noch übrig ist), die Reliquien wie die Heilige Bundeslade und Juwelen wie das Engelskreuz enthält. Außerhalb Asturiens, mit der Legende von der Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus in Galizien, an einem Ort, der als Campus Stellae ( Compostela ) bekannt wurde, ließ Alfons II. die erste Kirche zu Ehren des Heiligen errichten (Jahr 892).

Als die Kirche San Julian de los Prados oder Santullano erbaut wurde (ca. zwischen 812 und 842), war sie Teil einer Reihe königlicher Gebäude. Die Kirche hatte einen Basilika-Grundriss (Mittelschiff und zwei Seitenschiffe). Die beiden Seitenschiffe sind durch drei Rundbögen auf Säulenkapitellen und quadratischen Säulen getrennt. Bemerkenswert ist die Existenz eines Querschiffs zwischen den Seitenschiffen und der Apsis, das in der Höhe das Mittelschiff übersteigt.
Schließlich gibt es eine gerade Apsis, die in drei Kapellen unterteilt ist, und über der Hauptkapelle, die nur von außen zugänglich ist, befindet sich ein Raum, über dessen Funktion noch immer Vermutungen angestellt werden. Vielleicht war er als Schutzraum gedacht. Was das Dach betrifft, so verfügt die Kirche über eine interessante Eichendecke mit geschnitzten Schnitzereien in verschiedenen geometrischen Mustern.
Aus ornamentaler Sicht sind die Wand- und Deckengemälde dieser Kirche die am besten erhaltenen Gemälde des Mittelalters in Spanien. Die verwendete Technik ist die Freskenmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung des Kalks werden die Pigmente stabil in den Putz eingebunden. Die dekorativen Gestaltungen zeigen einen deutlichen Einfluss der Wandmalerei aus der Römerzeit. Es gibt zahlreiche dekorative Elemente: Marmorimitationen, Rechtecke, Bänder, Webereien, Quadrate, imitierte Säulen, mit Pflanzenmotiven verzierte Medaillons, architektonische Muster, Vorhänge. Interessant ist, dass jegliche Darstellung biblischer oder religiöser Szenen fehlt, mit Ausnahme des Anastasis-Kreuzes (Alpha und Omega) als Symbol königlicher Macht. Der Mangel an figurativen Darstellungen wird als Anikonismus bezeichnet und wurde in späteren vorromanischen Kirchen nicht beibehalten.

In der Kirche San Tirso, die sich neben der Kathedrale von Oviedo befindet, ist von ihrem ursprünglichen Bau nur noch die Stirnwand der Apsis erhalten, da sie im 16. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde.

In der Entwicklung der vorromanischen Kunst in der zweiten Periode sind die letzten beiden die Kirchen Santa Maria de Bendones und San Pedro de Nora zu nennen. Die erste befindet sich nur fünf Kilometer von der Hauptstadt entfernt in südöstlicher Richtung in Richtung des Narón- Tals und war eine Schenkung von König Alfons III. und seiner Frau Jimena an die Kathedrale San Salvador am 20. Januar 905. Sie ist Santullano sehr ähnlich, obwohl der Grundriss nicht der typische Basilika der vorromanischen Kirchen ist, sondern drei Einfriedungen am westlichen Ende aufweist, die mittlere als Eingangshalle und zwei Seitenbereiche, möglicherweise zur Unterbringung von Gemeindemitgliedern oder Geistlichen. Dieser Eingang führt in ein einziges Kirchenschiff mit einer Holzdecke und einem interessanten Dach, das genauso lang ist wie die Eingangsbereiche. An das Kirchenschiff schließen sich zwei rechteckige Seitenbereiche an, ebenfalls mit einer Holzdecke, deren Nutzung mit den liturgischen Riten dieser Zeit in Zusammenhang zu stehen scheint. Dieses Kirchenschiff ist mit dem Altarraum durch drei halbkreisförmige Ziegelbögen verbunden, von denen jeder in die entsprechende Kapelle führt, von der nur der Haupt- oder Mittelbogen mit einem Tonnengewölbe aus Ziegeln und die anderen beiden mit Holzdecken bedeckt ist.
Oberhalb der Hauptkapelle befindet sich die „typische“ Kammer, die nur von außen durch ein Kleeblattfenster mit den typischen vorromanischen Elementen zugänglich ist. Der Mittelbogen ist größer als die Seitenbögen und ruht auf zwei freistehenden Kapitellen mit Seilzierleisten. Das obere Rechteck ist von einfachen Zierleisten eingerahmt.

Die Kirche San Pedro de Nora liegt am Fluss Nora, etwa zwölf Kilometer von Oviedo entfernt. Diese Kirche weist den in Santullano etablierten Baustil auf: nach Osten ausgerichtet, vom Hauptgebäude getrenntes Vestibül, Grundriss im Stil einer Basilika, Mittelschiff höher als die Seitenschiffe, mit sich kreuzendem Holzdach und durch Fenster mit Steingitter beleuchtet. Der gerade Altarraum ist in drei Apsiden mit Tonnengewölben unterteilt. Als differenzierendes Element waren die Apsiden durch die Trennwände durch halbkreisförmige Türen miteinander verbunden. Wie alle Kirchen dieser Zeit befand sich über der Apsis ein Raum, der nur von außen durch ein Kleeblattfenster zugänglich war. Der Glockenturm, der wie in Santa Maria de Bendones von der Kirche getrennt ist, gehört nicht zum ursprünglichen Bau und geht auf eine Initiative des Architekten und großen Restaurators der asturischen Vorromanik, Luis Menéndez Pidal y Alvarez , in den siebziger Jahren zurück .

Die Heilige Kammer wurde als Palastkapelle für Alfons II. und die Kirche San Salvador erbaut (der Palastkomplex und die Kirche wurden im 14. Jahrhundert abgerissen, um die heutige gotische Kathedrale zu errichten). Die Kammer neben dem vorromanischen Turm von San Miguel diente auch dazu, Reliquien aufzubewahren, die nach dem Fall des Westgotenreiches aus Toledo mitgebracht wurden . Es besteht aus zwei überlappenden Gängen mit Tonnengewölbe; Die Krypta oder das Untergeschoss hat eine Höhe von 2,30 Metern und ist der heiligen Leocadia gewidmet. Sie enthält mehrere Gräber anderer Märtyrer.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39385146 Santa Maria del Navanco

Dritte Periode (842 bis 866)

Diese Periode fällt mit der Regierungszeit von Ramiro I. und Ordoño I. zusammen. Der erste, Ramiro I Sohn von Vermudo I., trat die Nachfolge von Alfons II. an, als dieser ohne Nachkommen starb, und übernahm die Leitung eines schnell wachsenden Königreichs. Er wurde von Chronisten als Virga justitiae (Stab der Gerechtigkeit) beschrieben, weil er sich zwei internen Aufständen der Adligen stellen musste und weil er sich für die Jagd auf Magie und die schwarzen Künste begeisterte, die zu dieser Zeit in Asturien weit verbreitet waren. Er kämpfte auch erfolgreich gegen die Normannen und besiegte sie in Gijón und A Coruna. Auf der anderen Seite erlebte er eine Zeit des Friedens mit seinen traditionellen Feinden, den Muslimen, was ihm aus künstlerischer Sicht erlaubte, die Architektur und den dekorativen Stil der Vorromanik grundlegend zu erneuern.

Tatsächlich wurde während der kurzen Regierungszeit von Ramiro II. (842-850) eine Reihe von Gebäuden errichtet (mindestens drei sind erhalten geblieben), deren Qualität die davor und danach errichteten Gebäude deutlich übertraf. Diese Gebäude sind:

Santa María del Naranco.
San Miguel de Lillo.
Heilige Christina von Lena.
Die Bedeutung dieser drei Denkmäler ist so groß, dass dieser Gruppe ein spezifischer Name gegeben wurde: „Ramirense-Architektur“.

Nachfolger von Ramiro I. wurde sein Sohn Ordoño I., der ein militärisch sehr solides Königreich erbte, eine Bedingung, die es ihm ermöglichte, verlassene Städte auf der anderen Seite des Gebirges wie Tui , Astorga und León wieder zu besiedeln. Er kämpft auch gegen die Araber mit unterschiedlichem Erfolg; In der Schlacht von Clavijo (Jahr 859) besiegte er sie mit Leichtigkeit, doch sechs Jahre später, bei Hoz de la Morcuera, erlitt seine Armee eine Niederlage, wodurch die intensive Wiederbesiedlungsarbeit gestoppt wurde.

Das erste Bauwerk aus dieser Zeit, der Palast Santa Maria de Naranco (848), beinhaltete eine bedeutende stilistische, morphologische, konstruktive und dekorative Weiterentwicklung der Vorromanik. Der als Erholungspalast erbaute Palast befindet sich auf der der Stadt zugewandten Südseite des Monte Naranco und war ursprünglich Teil einer Reihe königlicher Gebäude am Stadtrand. Sein Charakter als ziviles Gebäude änderte sich im 12. Jahrhundert, als er in eine Marienkirche umgewandelt wurde.
Was die Chronisten viele Jahrhunderte lang bewunderten, waren seine Proportionen und schlanken Formen, seine reiche und vielfältige Verzierung und die Einführung von länglichen Tonnengewölben dank der Querbögen, die eine Stützung ermöglichten und Holzdecken überflüssig machten.

Die Kirche San Miguel de Lillo wurde im Jahr 848 von Ramiro I. und seiner Frau Paterna geweiht. Sie war ursprünglich der Heiligen Maria geweiht, später dann dem hl Michael.
Ursprünglich hatte es den Grundriss einer Basilika, drei Gänge mit Tonnengewölbe, obwohl ein Teil der ursprünglichen Struktur verschwunden ist, als das Gebäude im 12. oder 13. Jahrhundert verfiel. Heutzutage ist die westliche Hälfte aus dieser Zeit erhalten, zusammen mit mehreren Elementen im Rest der Kirche, wie den fantastischen Pfosten im Vestibül oder dem außergewöhnlichen Gitter am Fenster der Südwand, das aus einem einzigen Stück Stein gemeißelt ist.

Ausführliche Beschreibung der beiden Gebäude s. Kapitel “Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur –  Santa María de Naranco und San Miguel de Lillo”

Die letzte Kirche aus dieser Zeit ist Santa Cristina de Lena (um 850) liegt im Bezirk Lena , etwa 25 km südlich von Oviedo, an einer alten Römerstraße. Die Kirche hat einen anderen Grundriss als die traditionelle Basilika der Vorromanik. Es handelt sich um einen einzelnen rechteckigen Raum mit Tonnengewölbe und vier angrenzenden Baukörpern in der Mitte jeder Fassade. Der erste dieser Anbauten ist das typisch asturische präromanische Vestibül mit einer königlichen Tribüne im oberen Teil, zu der man über eine Treppe gelangt. Im Osten befindet sich die Einfriedung mit dem Altar, mit einer einzigen Apsis, die auf die traditionelle asturische vorromanische Dreiapsis verzichtet und auf westgotische Einflüsse zurückgeht. Im Norden bzw. im Süden befinden sich zwei weitere Einfassungen mit Rundbögen und Tonnengewölben, deren Nutzung mit der bis zum 11. Jahrhundert in Spanien praktizierten hispano-westgotischen Liturgie in Verbindung gebracht wurde.
Eines der charakteristischsten Elemente von Santa Cristina de Lena ist das über dem Boden liegende Presbyterium im letzten Abschnitt des Mittelschiffs, das durch drei Bögen auf Marmorsäulen vom für die Gemeinde bestimmten Bereich getrennt ist. Diese Trennung, die auch in anderen asturischen Kirchen auftritt, wird in keiner anderen mit einer ähnlichen Struktur wiederholt. Sowohl die Gitter über den Bögen als auch die Mauer, die den Mittelbogen umschließt, wurden im 7. Jahrhundert aus westgotischen Ursprüngen wiederverwendet. (848

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa Cristina de Lena, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254184 Santa Cristina de Lenae

Vierte Periode (866 bis 910)

Dies umfasst die Regierungszeit von Alfons III., der im Alter von 18 Jahren nach dem Tod seines Vaters Ordoño I. den Thron bestieg, und markierte damit den Höhepunkt des Königreichs Asturien. Die Expansion gegen die muslimischen Gebiete gipfelte darin, dass er Porto und Coimbra im heutigen Portugal eroberte. Er erweiterte die Grenzen des Königreichs bis zum Fluss Mondego in Portugal und ließ Zamora, Simancas, Toro und das gesamte als Campos Góticos bekannte Gebiet neu besiedeln. Die Idee des asturischen Königreichs als Fortsetzung des Westgotenreichs in Toledo wurde bewusst übernommen, was die Verpflichtung zur Rückeroberung aller von Muslimen besetzten Gebiete beinhaltete. 

Die fortschreitende Expansion und wachsende Macht des Königreichs entfachte auch den Ehrgeiz der drei Söhne Alfons III. ( García I., Ordono II. und Fruela II.), die, ermutigt von einer Reihe von Adligen, den König absetzten und ihn in der Stadt Boiges (Boides-Tal) einsperrten (heutiges Valdediós). Dennoch erlaubten sie ihm, einen letzten Feldzug gegen die Muslime in Zamora zu führen, wo er erneut siegreich war. Er starb bei seiner Rückkehr im Dezember des Jahres 910. Dem König gelang es somit nicht, das asturische Königreich, das unter ihm die größte Expansion erreicht hatte, zu konsolidieren. Es wurde unter seinen Söhnen in drei Teile geteilt. Asturien, Galizien und Kastilien-León, was letztendlich das Ende des asturischen Königreiches bedeutete.

San Salvador de Valdediós und Santo Adriano de Tuñón sind die beiden unter diesem Monarchen erbauten Kirchen, zusätzlich zum Foncalada-Brunnen ( fonte incalata ) im Zentrum von Oviedo und den bereits erwähnten Goldartefakten des Siegeskreuz und der Achatdose .

Die Kirche San Salvador de Valdediós steht im Boides-Tal ( Villaviciosa ), dem Ort, an dem Alfonso III. festgehalten wurde, als er von seinen Söhnen entmachtet wurde, und wo sich einst ein altes Kloster befand. Dies war vom Benediktinerorden gegründet worden und dann im 13. Jahrhundert von den Zisterziensern übernommen. Die als „Bischofskapelle“ bekannte Kirche wurde am 16. September 893 im Beisein von sieben Bischöfen geweiht und steht auf einem klassischen Basilika-Grundriss mit einem dreifachen Altarraum, der das Mittelschiff durch vier Halbkreisbögen von den Seitenschiffen trennt.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche San Adriano de Tunon liegt am Ufer des Flusses Trubia, neben einer alten Römerstraße. Die am 24. Januar 891 gegründete Kirche hat den Grundriss einer klassischen Basilika, wurde jedoch im 17. und 18. Jahrhundert um ein Kirchenschiff am westlichen Ende und einen Glockengiebel erweitert. Die Außengemälde dieser Kirche sind die einzigen Überreste der Arbeit mozarabischer Maler in einer asturischen Kunstwerkstatt.

Schließlich wurde der Foncalada-Brunnen, das einzige erhaltene zivile Bauwerk des oberen Mittelalters in Spanien, außerhalb der Stadtmauern von Oviedo errichtet, mit Steinblöcken und einem sich kreuzenden Dach, Tonnengewölbe und rechteckigem Grundriss. Der Schnittpunkt des Daches ist mit einem dreieckigen Giebel gekrönt, auf dem das für Alfons III. charakteristische Siegeskreuz abgebildet ist und unter dem die typische Inschrift des Königreichs Asturien steht:

HOC SIGNO TVETVR PIVS, HOC SIGNO VINCITVR INIMICVS

„Durch dieses Zeichen wird der Fromme beschützt, durch dieses Zeichen wird der Feind besiegt.“

De Nachosan - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23240930 San Salvador de Valdedios

Fünfte Periode (910 bis 925)

Die fünfte und letzte Periode fällt mit der Verlegung des Hofes nach Leon, dem Verschwinden des Königreichs Asturien und der asturischen Vorromanik zusammen.
Mit dem Tod Alfons III. und der Aufteilung des Königreichs Asturien unter seinen Söhnen erreichte die asturische Architektur mit zwei Bauten ihre letzte Phase. Die erste davon ist die Kirche San Salvador de Priesca (wenige Kilometer von Valdediós entfernt), die am 24. September 921 geweiht wurde und architektonisch und dekorativ auf das von Santullano festgelegte Modell und nicht auf spätere Werke zurückgreift.

s. Kapitel “Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca”

Die Kirche Santiago de Gobiendes , in der Nähe von Colunga , am Meer und am Sueve-Gebirge gelegen , ist die letzte der vorromanischen Kirchen und folgt wie die vorherige dem Baumodell von Santullano. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden bedeutende Reformen durchgeführt, bei denen der Eingang, die Fassade sowie die Haupt- und Seitenkapellen verändert wurden.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Salvador de Priesca, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018315
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Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Neben Dali, Picasso, Miro und Velasques gehört Francisco de Goya y Lucientes zu den besten und berühmtesten Malern Spaniens. Er wurde am 30.08.1746 in Fuendetodos in Aragon geboren. Der Ort, der heute 154 Einwohner hat, liegt etwa 44 Kilometer von Saragossa entfernt. Das Geburtshaus des spanischen Malers aus dem 18. Jahrhundert kann immer noch besichtigt werden. Er starb am 16.04.1828 in Bordeaux. Seine Schaffenszeit fällt somit in die Zeit der französischen Revolution und in die Zeit Napoleons, die sein Schaffen stark beeinflusste.

Kunsthistoriker nennen seine Arbeiten „einen universellen Wert spanischer Kunst“. Er schuf Vorlagen für Wandteppiche, malte Königsporträts und Kriegsbilder, fliegende Hexen, nackte Frauen und den Klerus als Esel. Goya arbeitete u.a. mit neuen Techniken, vor allem der Aquatinta Drucktechnik. Er war zeitlebens so stur wie ein Aragonese nur sein kann. Und seine Kunst wirkt bis heute erstaunlich zeitlos aber auch zum Teil sehr drastisch.

 

Sein Werdegang ist zumindest zu Anfang von einigen Aufs und Abs gekennzeichnet. Er konnte nicht in der Werkstatt seines Vaters, der ein angesehener Vergolder war, arbeiten, da sein älterer Bruder später die Werkstatt übernehmen sollte. Mit 14 Jahren begann Goya daher eine Lehre bei dem Barockmaler José Luzán (1710 bis 1785) in Saragossa. Hier blieb Goya vier Jahre. Über die Zeit bei José Luzan hieß es später, dass dieser ihm die Grundlagen des Zeichnens lehrte und wie man feinste Gavierungen kopierte. Mit 16 Jahren malte er zum Ende seiner Ausbildung einige Heilige in der Kuppel der einstigen Pfarrkirche von Fundetodos, die allerdings im spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde.

Anschließend ging er nach Madrid – angeblich nicht ganz freiwillig nach einer Schlägerei.

In Madrid bewarb er sich bei der angesehenen Real Academie de Belles Artes de San Fernando. Allerdings fiel er zweimal durch Aufnahmeprüfung. Paradoxer Weise wurde er später sogar selbst Leiter dieser Akademie. Nach dem Misserfolg 1766 reiste er nach Rom. Italien galt damals als das Zentrum der Kunst, viele Künstler aus allen Herren Ländern zog es dementsprechend auch dorthin. In Italien gewann er 1771 den zweiten Preis bei einem Gemäldewettbewerb, den die Stadt von Parma organisiert hatte.

Ab 1771 ist er wieder in Spanien, zunächst in Saragossa. Hier bekam er als selbständig arbeitender Künstler den Auftrag für Gemälde in der Catedral-Basilica de Nuestra Senora de Pilar, der größten Barockkirche Spaniens. Und hiermit begann dann auch sein künstlerischer Aufstieg. So malte er in der Folge viele Bilder in Kapellen und Klöstern. Bevor er dann Hofmaler in Madrid wurde, arbeitete er zunächst für die königliche Teppichmanifaktur mit Entwürfen über volkstümliche spanische Szenen, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren. 1780 verliert Goya die Arbeit in der Tapetenmanufaktur, da der Krieg zwischen Spanien und England die finanziellen Mittel des spanischen Königshauses an anderen Stellen banden. Es folgt eine Zeit als Porträtmaler, in der er sehr erfolgreich war und viele Kunden hatte. 1785 erfolgt die Beförderung zum Stellvertretenden Direktor für Gemälde der Königlichen Akademie. Das war eine lukrative Position, die Goya finanzielle Sicherheit bot. 1786 erfolgte dann die Ernennung zum Hofmaler des Königs durch Carlos III. Er behielt diese Position auch ab 1788 unter dessen Nachfolger Carlos IV. Die Position war nicht nur mit Prestige verbunden, sondern sicherte Goya finanziell weiter ab.

1792 erkrankte Goya schwer und als Folge seiner Krankheit litt er an Gehörlosigkeit. Wie stark diese Krankheit war, ist nicht genau bekannt. Aber er konnte sich mit dem König gut in Zeichensprache verständigen. 1800 begann Goya eines seiner berühmtesten Gemälde, das ein Porträt der Familie Karls IV. darstellte. Es hängt heute im Prado. Auf dem Gemälde selbst hat sich Goya im Hintergrund im Schatten selbst verewigt. Das Gemälde ist u.a. deshalb so berühmt, weil eine so realistische Darstellung der spanischen Königsfamilie dazu führte, dass ein zeitgenössischer Kritiker äußerste, das Königspaar sähe aus, wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn. Goya malte das Bild als subjektiver Beobachter der Familie des Königs am Hof. Darin ließ er sich von seinem Vorgänger Diego Velázquez beeinflussen, der als Hofmaler ähnlich vorging. Diese doch sehr realistische Darstellung, die die Königsfamilie nicht unbedingt im besten Licht darstellte – reich aber nicht sehr attraktiv, war schon auch eine mutige Arbeit, die aber ohne Folgen blieb. Es gibt Hinweise, dass die Dargestellten mit ihren Porträts sehr zufrieden waren. Dennoch lässt der Realismus im Blick des Hofmalers Goya vermuten, dass die Direktheit und ungeschönte Nüchternheit – man kann es teilweise Hässlichkeit nennen –, wie das Personal des Hofes dargestellt ist, nicht versehentlich geschah und eine gewisse Distanz Goyas zum Königshaus ausdrückte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_de_Goya#/media/Datei:La_familia_de_Carlos_IV,_por_Francisco_de_Goya.jpg

Wie vielfältig seine Kunst danach noch wurde, liegt nicht nur am Genie Goya, sondern auch an der turbulenten Zeit, in der er lebte: Mitten in die Idylle am Hof platzte die Besatzung durch französische Truppen. Joseph Bonaparte, der Bruder Napoleons Bonaparte wird, gestützt von französischen Militärkräften, zum spanischen König ernannt. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 erschossen französische Soldaten mehrere spanische Rebellen. Goya erstellte daraufhin sein Gemälde „Die Erschießung der Aufständischen“, das eine schreiende Anklage an den Krieg ist.

1814 kehrt dann König Ferdinand VII. auf den spanischen Thron zurück und Goya wurde wieder Hofmaler. Ein Bild von Francisco Goya sorgte dann 1815 für einen Skandal, für den er sich vor der Inquisition verantworten musste. Goya schuf zwischen 1801 und 1802 die bekleidete und nackte Maja, wobei „Die nackte Maya“ das erste Aktbild der spanischen Kunst ist, auf dem weibliche Schamhaare zu sehen waren. Ursprünglich waren die nackte und die bekleidete Maya mit Scharnieren verbunden, so dass die nackte Version mit der bekleideten Darstellung verdeckt werden konnte. Bei der „Maya“ handelt es sich um die Herzogin von Alba, die er mehrfach porträtierte.

https://www.wikiart.org/de/francisco-de-goya/die-nackte-maja-1800

Aber nicht nur das freizügige Werk erregte das Missfallen, auch die Bilderreihen „Caprichos“,und „Desastres“. Zwischen 1810 und 1820 entstanden die “Desastres de la Guerra”, die “Schrecken des Krieges”. Schonungslos zeigen die Bilder, mit welchen Gräueltaten Napoleon in Spanien vorging und welche Folgen die französische Fremdherrschaft hatte. “Los Caprichos” (“die Launen”) entstanden zwischen 1793 und 1799. Ganz aktuelle Probleme der Gesellschaft wurden auf rund 80 Blättern gezeigt: Armut, Aberglaube oder wie Adel und Klerus ihre Macht auch mit brutalen Mitteln zu erhalten versuchten. Es ist ein Horrorkabinett der Dummheit, der Willkür und des religiösen Wahnsinns. Goya hat die Welt nicht einfach dargestellt, er hat sie seziert und die Spannungen zwischen Vernunft und Wahnsinn, Gerechtigkeit und Grausamkeit, Hoffnung und Verzweiflung offengelegt. Und leider ist Goya hochgradig aktuell und hält uns einen Spiegel vor, von dem wir uns gewünscht hätten, dass wir ihn nie wieder aus der Schublade ziehen müssten.

Die Bilder erregten großen Anstoß, insbesondere bei Vertretern der Kirche. Nur das Eingreifen des spanischen Königs verhinderte eine Verurteilung Goyas durch die Inquisition.

Für die Bilderreihen verwendete er eine neue Technik, die erst in den 1760er Jahren erfunden worden war: Aquatinta. Dabei wird von einer Druckplatte mehrfach eine Schicht weggeätzt (mit einer scharfen Flüssigkeit abgetragen), sodass nachher beim Drucken verschiedene Grautöne entstehen. Mit dieser Technik konnte er dann auch die sehr düstere Stimmung der Bilder erzeugen.

Im Jahre 1819 zog sich der doch liberale Goya aufgrund der politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus Quinta del Sordo, das Haus des tauben Mannes, zurück. Er widmete sich vier Jahren der Bemalung der Wände seines Landhauses. Diese Bemalungen gingen als „Pinturas Negras“ (schwarze Bilder) in die Werkgeschichte Goyas ein. In ihnen scheinen sich düstere Phantasien des Malers mit den bedrückenden Zeitumständen vermischt zu haben. Sie wurden inzwischen abgenommen, auf Leinwand übertragen und dem Prado übergeben.

Die Situation in Spanien wurde für Goya aber immer prekärer. Er war liberal eingestellt, bezog Positionen gegen die Folter, Inquisition aber auch gegen den Absolutismus. Um politischen Verfolgungen zu entgehen, reiste er nach Frankreich, wo er ab 1824 in Bordeaux lebte. Dort arbeitete er an seinen letzten Radierungen, die verschiedene Stierkampfszenen zeigen. Sein letztes Bild ist “La Lechera de Burdeos“ (Das Milchmädchen von Bordeaux), das Ölgemälde einer schönen, entspannten jungen Französin, das im Gegensatz zu vielen seiner anderen Bilder eine ruhigen freundlichen Eindruck hinterlässt. Es gilt als ein Vorläufer des Impressionismus. 

Goya starb schließlich, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hat, am 16. April 1828 in Bordeaux, wo er auch begraben wurde. Es dauerte bis 1901 bis sein Leichnam nach Spanien zurückkehrte. 1919 wird er in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid beigesetzt.

Francisco Goya wird einerseits zu den letzten der alten Meister aber auch als erster der modernen betrachte. Francisco Goya beeinflusste mit seinen Werken spätere Generationen von Künstlern, darunter Delacroix, Edouard Manet und auch Pablo Picasso. Vieles, was Goya malte, ist auf den ersten Blick schwer erträglich und noch schwerer interpretierbar, aber leider auch heute noch sehr real.

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Kritische Betrachtung der komplexen acht Jahrhunderte der islamischen Invasion und der Reconquista

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„Mehr als irgendwo sonst in der islamischen Welt gab es in al-Andalus Ansätze zur Überwindung engstirniger Dogmen, der Unterdrückung der Frau, der Ausgrenzung andere Religionen. ….. Mehr als irgendwo sonst durchdrangen sich islamische, jüdische und christliche Kultur in einer fruchtbaren Symbiose. Über das muslimische Spanien sind unzählige Bücher publiziert worden, wobei der Tenor gemäß dem Blickwinkel von einer Verklärung der arabisch-berberischen Herrschaft bis zur Heroisierung des christlichen Kampfes gegen die Invasoren aus Nordafrika reicht. Aber die Schablone „Islam kontra Christentum“ lässt sich für die meisten der Ereignisse nicht so einfach anwenden, ebenso wenig der Kampf der Kulturen oder die Reconquista als reiner Kreuzzug oder heiliger Krieg, eine Vorstellung, die aus einer viel späteren Epoche stammt und meist aus politischen und propagandistischen Zwecken beschworen wird. Der wichtigste Bezugspunkt für die soziale Identität ist sicher die religiöse Gemeinschaft, aber es gibt auch noch andere Faktoren wie Machtbedürfnis, wirtschaftliche Dominanz, gesellschaftliches Überlegenheitsgefühl u.a., die eine Rolle spielen.

Wie oben schon aufgezeigt, gibt es zwischen 711 und 1492 nicht pausenlos religiöse Kriege, Muslime und Christen leben auf der iberischen Halbinsel sehr viel länger in Friedens- als in Kriegszeiten und sie kämpfen nicht nur gegen den äußeren Feind, sondern auch sehr häufig gegen die eigenen Feinde im Innern. Die christlichen Reiche bekämpfen sich oft erbittert, und immer wieder müssen sich deren Fürsten gegen aufsässige Adelige zur Wehr setzen – eine Strukturschwäche, die schon das Westgotenreich plagte.

Die muslimischen Herrschaften dagegen leiden unter den lang tradierten arabischen Clanrivalitäten, überlagert von der oft an Feindschaft grenzenden Herablassung gegenüber den als minderwertig angesehenen Berberstämmen, ohne deren Kampfkraft jedoch al-Andalus weder erobert noch so lange hätte gehalten werden können. Die Angehörigen der muslimischen Eliten sind auch zu Bündnissen mit christlichen Lokalmächten bereit, selbst dann, wenn sie gegen ihre Glaubensbrüder gerichtet sind. Die Realpolitik triumphiert zumindest am Anfang der Eroberung Spaniens über die religiöse Identität. Politische Auseinandersetzungen finden nicht nur entlang religiöser Grenzlinien, sondern ebenso oft auch innerhalb der muslimischen und der christlichen Gemeinschaften statt. Allerdings führt der Niedergang des Kalifats, das eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte in Spanien hervorgerufen hat, zur Errichtung von Teilreichen, welche sich letztlich durch gegenseitige Reibereien erschöpfen und so selbst den Grundstein zur späteren Rückeroberung durch die christlichen Herrscher legen.

Die sogenannte Reconquista verläuft ebenfalls nicht geradlinig, es gibt vielmehr wechselnde Allianzen sowohl zwischen christlichen als auch muslimischen Herrschern. Ähnlich wie bei den westeuropäischen Staaten kommt es zu stärkeren Machtbildungen, welche dann jeweils durch schwächere Herrscher oder Todesfälle in Frage gestellt werden. Erst als die christlichen Reiche durch Erbfolge mit einander verbunden werden, können sie ihre Machtdominanz vergrößern.

Und was die Bevölkerung betrifft, so ist sie in den von Mauren eroberten Gebieten noch lange christlich, nur die Oberschicht war zunächst muslimisch, wobei viele Westgoten zum Islam übertreten, um ihren Besitz und z.T. auch ihre Macht behalten zu können. Sie müssen aber die Autorität der muslimischen Oberherren anerkennen. So finden die Eroberer schnell willige Verbündete. Außerdem sind die islamischen Herrscher bei der Verwaltung der neuen Territorien auf die Kollaboration der Bevölkerung angewiesen. Sie sind sowohl auf die Zusammenarbeit mit Verwaltungsbeamten und Richtern angewiesen wie auch auf die Kooperation der Kirche und des Klerus, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Da aber der landbesitzende Adel, der für die von ihnen abhängige Bevölkerung Kirchen baut, immer mehr zum Islam übertritt, gibt es immer weniger Seelsorger, Kirchen verfallen und werden aufgegeben. So treten allmählich mehr und mehr christliche Bewohner zum Islam über. Bis 840 ist rund ein Drittel konvertiert. Die Konversion spielt langfristig bei der Islamisierung der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle. Die damit z.T. verbundene Akkulturation ist so tiefgreifend, dass andalusische Christen, die im 11. Jh. nach Nordspanien kommen, Mozaraber genannt wurden. Zudem wird ein Netzwerk von Verbindungen geknüpft, bei denen es zu zahlreichen Eheschließungen zwischen Muslimen und Christen kommt, obwohl dies eigentlich von beiden Religionen untersagt ist. Unter den stark religiös motivierten Herrschern der Almoraviden (1091-1145) und Almohaden (1145-1236) verschwindet die christliche Minderheit dann aber zum großen Teil aus dem verbleibenden islamischen Herrschaftsbereich.

Was die christlichen Herrscher betrifft, so vertreiben sie die Muslime in der Regel nicht aus den Gebieten, die sie erobert haben. Sie versuchen vielmehr, sie zum Bleiben zu bewegen, meist mit Erfolg. Denn ein Großteil der Muslime, deren Ahnen ja schon in Spanien gelebt haben, ziehen ein Leben im „Heimatland“ einer Flucht vor, wenn sie damit auch Untertanen ungläubiger Könige werden. Und die christlichen Herrscher schätzen die wirtschaftlichen und künstlerischen Fähigkeiten der Muslime. Diese Haltung endet aber mit der Eroberung des Nasridenreiches und letztendlich mit der Vertreibung der Juden und Muslime im Jahre 1614.

Georg Bossong bewertet die Situation so:

-Andalus wurde zerrieben zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus…. Es kam zum gnadenlosen Kampf zwischen einem europäischen radikalisierten Christentum und einem afrikanisch radikalisierten Islam, Kreuzzug gegen Djihad.“

Wer an Romanen über die Zeit der Reconquista und die unmittelbaren Folgen danach interessiert ist, dem sind u.a. die folgenden Historienromane zu empfehlen.

 

Frank Baer, Die Brücke von Alcantara, München 2015: Spannender Historien-Roman. Der Leser gewinnt einen guten Einblick in das Leben der Mauren, Christen und Juden im 11. Jh. und in die politischen Zusammenhänge zur Zeit der spanischen Reconquista. Es ist ein Gemälde der Zeit zwischen 1063 und 1086.

Noah Gordon, Der Medicus von Saragossa, München 2000. Die Handlung beginnt mit dem Jahr 1492 in Spanien. Der Roman ist spannend zu lesen und vermittelt einen Eindruck von den damaligen Konflikten zwischen Christen, Mauren und Juden und dem Einfluss der Inquisition auf das Leben in Spanien.

Tariq Ali, Im Schatten des Granatapfelbaums, München 1994. Der Roman von Tariq Ali beschreibt das Leben im maurischen Andalusien um 1490 in Granada. Die Familiengeschichte vor den Hintergrund politischer Umwälzungen ist spannend zu lesen und führt den Leser in eine verschwundene Welt. Viele historische Informationen werden nebenbei vermittelt. Die Reconquista steht kurz vor ihrer Vollendung und unterdrückt und zerstört eine vergleichsweise weltoffene reiche Kultur, die aus der Koexistenz von Islam, Judentum und Christentum entstanden ist.

Lea Korte, Die Maurin, München 2010. Der Roman spielt in der Zeit zwischen 1478-1491 im maurischen Andalusien vor allem in den Städten Granada, Sevilla und Cordoba. Er erzählt die Geschichte einer maurischen Hofdame, die in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen hineingerät.

Quellen

Catlos, Brian, al Andalus: Geschichte des islamischen Spanien, München 2019

Jaspert, Nikolas, Die Reconquista: Christen und Muslime auf der iberischen Halbinsel, München 2019

 

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