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Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien

Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien - als die Kathedralen in den Himmel wuchsen -

Via Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Francés

Begriff und zeitliche Einordnung

Die Bezeichnung „Gotik“ entstand, wie die Namen anderer Stilepochen auch, nicht bereits mit ihrem ersten Auftreten, sondern erst fast 300 Jahre später. Auch wurde der Gotik-Begriff nicht etwa in Frankreich geprägt, wo die Wurzeln der gotischen Architektur liegen, sondern erstmals 1435 in einem Werk des italienischen Architekten und Schriftstellers Leon Battista Alberti erwähnt. Das Wort Gotik stammt vom italienischem „gotico“, das ursprünglich ein Schimpfwort war. Es bedeutet „fremdartig“ oder „barbarisch“ und ist vom Germanenstamm der Goten abgeleitet. Giorgio Vasri, ein Kunsttheoretiker der Renaissance, der Wiedergeburt der Antike, versuchte mit diesem Wort seine Geringschätzung der europäischen mittelalterlichen Kultur im Vergleich zur glorreichen Antike Ausdruck zu verleihen.
Erst mit Goethe, der in seinem Werk „Von deutscher Baukunst“ über das gotische Münster in Straßburg schrieb, begann ein positiver Bedeutungswandel in Bezug auf den gotischen Architekturstil einzusetzen. Allerdings ist zu bemerken, dass Goethe irrtümlich diese Epoche zu einem deutschen Stil erklärte. Der Stil wurde dann im 19. Jahrhundert von europäischen nationalistischen und romantischen Bewegungen aufgewertet und verherrlicht. So wurde auch Mitte des 19. Jahrhundert Goethes Aussage eines „deutschen Stils“ durch kulturwissenschaftliche Forschungen widerlegt und der korrekte Ursprung der Gotik Frankreich zugesprochen. Heute gilt die Gotik allgemein als einer der künstlerisch brillantesten Momente der westlichen Welt.

Eine zeitliche Einordnung der Gotik ist nicht ganz einfach, da der genau Zeitrahmen von den individuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern abhängt. Die Gotik entstand um 1140 zunächst in Frankreich. Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo, Léon). In Italien wurde der gotische Baustil nach französischer oder mitteleuropäischer Art weder vollständig übernommen noch war er je alleine vorherrschend. Aber natürlich gab es auch hier gotische Kathedralen wie z.B. den berühmten Mailänder Dom.

Von User:Liesel - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2894483 Kathedrale von Burgos

Phasen der Gotik

In der Architektur wird unterschieden in Früh-, Hoch- und Spätgotik, die sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich entwickelten:

Frankreich

Gothique primitif
1140–1190

Gothique classique
1190–ca. 1230

Gothique rayonnant
1231–1350

Gothique flamoyant
1350–1520

England

Early English
1170–1250

Decorated
1250–1350

Perpendicular
1350–1485

Tudor Style
1485–1603 ff.

Italien

 

seit 1200

Deutschland,
Mitteleuropa

Spanien s.u.

Frühgotik, einschl. Romano-Gotik
1180–ca. 1290 (überlappend)

Hochgotik
1235 oder 1248–1350

Spätgotik
1350–ca. 1520 ff.

Die zeitlichen Abgrenzungen gelten ausschließlich für die Architektur. Bei Malerei und Plastik ist eine klare Abgrenzung nicht möglich.
 

Von Uoaei1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45346485 Notre Dame de Paris 2015

Historischer und philosophischer Hintergrund

Keine andere Strömung vor oder nach der Gotik verstand es, einen solch engen Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft herzustellen. Um nun aber zu verstehen, weshalb sich die gotische Architektur gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts aus der Romanik entwickelte, muss man zunächst einen Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten jener Zeit werfen.

Es war eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Es war auch die Zeit der Kreuzzüge und einer erstarkenden Kirche, die Zeit, in der das Heilige Römische Reich langsam zerfiel und das französische Königshaus immer mehr an Macht gewann.

Im Jahre 1108 übernahm der Kapetinger Ludwig VI. die königliche Herrschaft im territorial stark zersplitterten Land. Der französische Monarch hatte zu jener Zeit zwar großes Prestige, realiter jedoch nur wenig Macht. Diese lag u.a. in den Händen Heinrichs I., der durch geschickte Heiratspolitik nicht nur Herzog der Normandie, sondern gleichzeitig auch König von England war und so enorme politische, wirtschaftliche und militärische Mittel hinter sich vereinigen konnte. Auch die Grafen der Champagne waren, durch wichtige Messestädte in ihren Gebieten, reicher und dadurch letztlich mächtiger als der französische König. Wesentlich einflussreicher war auch der Graf von Flandern, der das größte Wirtschaftszentrum nördlich der Alpen, ein im 12. Jh. sehr reiches Land regierte. (s. auch Kapitel der 100-jährige Krieg).

Um seine Macht zu stärken und die des Feudaladel im Land zu schwächen, paktierte Ludwig VI. mit der Kirche, vor allem mit seinem engen Berater Suger, dem Abt von Saint-Denis, der zusammen mit ihm in der Klosterschule von St. Denis erzogen worden war. Die Kirche unterstützte das Machtstreben der französischen Monarchie. Der König förderte zudem die zunehmenden Ordensgründungen und holte die Bruderschaften zu sich in die Hauptstadt.

Außerdem wurden durch Freiheitsbriefe, die sich der König von der jeweiligen Stadt beziehungsweise Gemeinde teuer bezahlen ließ, Feudalpflichten aufgehoben, die die wirtschaftliche Entwicklung stark eingeschränkt hatten. So standen diese Städte und einzelne Landgemeinden hinter dem König und gegen den sie früher ausbeutenden Feudaladel.

Mit dem Erstarken und der geographischen Ausweitung des französischen Kronlandes, also der Entwicklung zur zentralistischen Macht, breitete sich auch die für ‚das Neue’ stehende Architektur, die Gotik, aus. Gotische Sakralgebäude galten bald als ‚chic’, so dass jedes Land, jede Stadt und jede noch so kleine Gemeinde alle vorhandenen Mittel darauf verwendete, wenigstens eine etwas größere und neuere Kirche als die des Nachbarn zu bauen. Außerdem spielte auch die Parteinahme von Bündnispartnern in der Politik eine nicht unerhebliche Rolle bei der Expansion der Gotik. Wer innerhalb Frankreichs gotisch baute, bezeugte seine Gewogenheit gegenüber der französischen Krone. Die Baubewegung in Frankreich wurde vor allem in der Anfangszeit dadurch gefördert, dass das Volk und auch der Adel die Bautätigkeit mit finanziellen Mittel oder auch praktischer Arbeitstätigkeit unterstützten. So ist u.a. die große Zahl an Kirchen, Abteikirchen und Kathedralen (fast 20) in Frankreich zu erklären.

Gleichzeitig verbindet sich mit der Gotik eine ganz neue Einstellung zur Gestaltung des Lebens. Der Grund für eine solche Revolution ist die Veränderung der mittelalterlichen Mentalität über vorhandenes Wissen und vorhandene Wahrheit. Im 12. und 13. Jahrhundert wird Platons vom Heiligen Augustinus verteidigter Idealismus überwunden, der die philosophische Grundlage des frühen Mittelalters bildete. Die Philosophie des Aristoteles, die auf der Vorrangstellung der Sinne basierte, erlangte wieder eine große Bedeutung und  wurde von Persönlichkeiten wie dem Heiligen Albert dem Großen und dem Heiligen Thomas von Aquin energisch verteidigt. Dieser Mentalitätswechsel führt in der Architektur dazu, dass sich der Architekt beim Bauen nicht mehr an regelmäßige Formen halten (im Wesentlichen Kreise und Quadrate) muss, sondern dass er frei arbeiten kann, nicht mehr nur als Geometer, sondern als Ingenieur. Das bedeutete auch, dass man sich an neue Gestaltungselemente heranwagte und herantastete. Dieser technische Empirismus verhalf dazu, geniale tektonische Lösungen zu erfinden, um Räume von großer Höhe und Farbe zu schaffen. Die Art und Weise, das himmlische Jerusalem im 13. Jahrhundert zu symbolisieren, bestand darin, einen großen Raum aus Licht und Farbe zu schaffen. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und das Bauwerk zur gebauten Metaphysik verwandeln. 

Außerdem war es eine Zeit relativen Friedens, guter Ernten, steigenden Wohlstands und Bevölkerungswachstums. Am Anfang der Epoche setzte eine Phase der generellen Umstrukturierung im Wirtschaftsleben des Landes ein. Die Wirtschaft entwickelte sich in bestimmten Regionen und in den Städten positiv. Der Handelsschwerpunkt verlagerte sich vom Land in die Stadt. Die Landbevölkerung strömte in die Städte (Landflucht). Durch das Wachstum der Städte entstand auch Bedarf an neuen Kirchenbauten und es sind auch die Städte, die die wirtschaftliche Kraft besitzen, um die aufwendigen Bauten der Gotik finanzieren und realisieren zu können. So entstanden sogenannte „Bauten der Macht“ in der Mitte der Stadt.

Es war auch die Zeit der Kreuzzüge. Die Kreuzzüge dienten neben der Eroberung der Stadt Jerusalem vor allem auch der Verbreitung und der Verteidigung des christlichen Glaubens – der Einflussbereich der Muslime sollte zurückgedrängt werden. Es ging dem Papst aber auch um eine erneute macht-politische Stärkung der Kirche und des Papsttums. Die Erstarkung der Kirche zeigte sich auch in der zunehmenden Bedeutung der Ordensgemeinschaften neben den Benediktinern hier vor allem den Zisterziensern, deren Verbreitung für die Gotik eine besondere Bedeutung hat. 

So versuchten der König, der monarchisch orientierte Adel, Domkapitel, Bischöfe und Städte sich in dieser Konkurrenzsituation mit immer prächtigeren Bauten gegenseitig zu übertrumpfen – als Demonstration ihres Führungsanspruchs, aber auch aus echter frommer Begeisterung.

Die Gotik wurde in diesem Zusammenhang in Europa als willkommene Neuerung empfunden. Ausgehend von Frankreich entstehen Kirchen, die alle bisherigen Maßstäbe sprengen. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. Es werden Gotteshäuser gebaut, die zu ihrer Zeit die größten Gebäude überhaupt sind. Die neuen Techniken wurden voll Begeisterung übernommen, da durch sie auch die neue spirituelle Einstellung dargestellt werden konnte. England, Deutschland, Italien, Spanien und die anderen europäischen Länder wollten auch demonstrieren, dass sie die neue Kunst wenigstens so gut wie das Ursprungsland Frankreich beherrschten. Zudem verhalf die wachsende Bedeutung des Zisterzienserordens und seine strenge Durchstrukturierung einer weiteren Verbreitung der Gotik. All diese Fakten führten so zu einer breiten aber auch relativ einheitlichen Ausbreitung der Architekturkunst der Gotik.

Die Kathedrale des Mittelalters, das Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulptur, Malerei und Glasmalerei gilt als besonderes Wahrzeichen der Gotik. “Genie de Lieu” sagen die Franzosen, wenn ein Ort etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet. Das kann wohl für die gotischen Kathedralen im Besonderen gelten. Sie spiegeln die Wandlung des mittelalterlichen Weltbildes wider, das mit einer neuen Frömmigkeit und mystischen Strömung einhergeht.

Einen großen Aufschwung nahm auch die profane Baukunst zur Zeit der Gotik, v. a. in den Städten, wo sie die wachsende Macht des aufstrebenden Bürgertums verkörperte. Sie übernahm Formen und Motive der französischen Kathedralgotik. So entstanden Burgen und Befestigungsanlagen, Rathäuser, Zunfthäuser, Hospitäler und Bürgerhäuser im gotischen Stil. Ein Baustil erfasst wie eine Revolution das Europa des 12. Jahrhunderts. 

Stilistische Merkmale der Gotik

Was genau verbirgt sich aber nun hinter diesem in der Geschichte so kontrovers betrachteten Begriff der Gotik?

Das Streben nach Höhe ist kennzeichnend für die gotische Architektur. Ebenso wie das Auflösen der massiven Wand, um Platz für große Fensterflächen zu schaffen, die den Kirchenraum erstrahlen lassen. Dazu wurden bestimmte bauliche Elemente – wie das Kreuzrippengewölbe, der Spitzbogen und das Strebewerk – verwandt, um diese Idee des himmlischen Jerusalem zu symbolisieren. Es sollten Räume von großer Höhe aus Licht und Farbe geschaffen werden. Durch das unten beschriebene neue Konstruktionssystem ergeben sich eine Betonung der Vertikalen sowie die Auflösung der Wandflächen, die durch große, farbige Fensterflächen gefüllt werden. Auch biblisch bedeutsame Zahlen wie die Drei (Dreieinigkeit Gottes), sieben (Wochentage, Todsünden), sowie zwölf (Apostel) wurden sinnbildlich umgesetzt.

Kreuzrippengewölbe

Kreuzgratgewölbe gab es schon vor der Gotik in römischer Zeit oder im angelsächsischen Raum. Das Kreuzgratgewölbe – das typisch für die Romanik ist – war der Vorläufer des gotischen Kreuzrippengewölbes. Die Konstruktion entsteht durch die Durchdringung von zwei, im rechten Winkel, zu einander stehenden Tonnen von gleicher Höhe. Dadurch entstehen gekrümmten Schnittfläche, auch Grate genannt, die dem Gewölbe auch den Namen Kreuzgratgewölbe geben. Die Bautechnik kann nur durch die römische Technik des Mörtelgusses oder bei sehr kleinen Räumen verwendet werden, da ihr statische Grenzen gesetzt sind.

Demgegenüber werden beim Kreuzrippengewölbe die Grate durch die Rippen unterstützt. Die Neuerung bestand darin, dass beim Gewölbe mit einem viereckigen Grundriss zwei Rundbögen kreuzförmig über die beiden Diagonalen gestellt wurden, zumeist mit einem dekorativen Schlussstein an der Kreuzung. Dadurch war die Stabilität des Gewölbes verbessert, und die Gewölbeschalen konnten dünner und damit leichter sein. Die Gurt- und Schildbögen über den vier Außenseiten wurden spitz nach oben gebaut und konnten so die gleiche Höhe wie die beiden längeren und höheren Rundbögen über den Diagonalen erhalten. Mit Einführung des Spitzbogens erfuhr das Kreuzrippengewölbe eine Steigerung der Gestaltungsvielfalt. Außerdem wurden im Laufe der Jahrhunderte reichere Gewölbekonstruktionen entwickelt wie das Netz-, Stern- und Schlinggewölbeb

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Spitzbogen

Der Spitzbogen gilt als ein zentrales Element der gotischen Baukunst, die deswegen früher auch als „Spitzbogenstil“ bezeichnet wurde. Spitzbögen sind zwar als Einzelelement bereits aus der Romanik bekannt, dort herrschte jedoch noch die Verwendung von Rundbögen vor. Der Spitzbogen ist konstruktiv eine Annäherung an die Bogenform, die dem günstigen statischen Kräfteverlauf einer Parabel entspricht. Spitzbögen bestimmen das Erscheinungsbild gotischer Bauten und finden sich praktisch durchgängig im Querschnitt aller Gewölbe, in der Form der Fenster- und Portalgewände sowie im Maßwerk. Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden (s.u.).

Strebewerk

Das Strebewerk ist ein weiteres zentrales konstruktives und gestalterisches Element der höher werdenden Kirchenbauten. Es ist ein statisches System, das sich in Strebepfeiler und Strebebogen unterteilen lässt und zur Lastabtragung der Kräfte beiträgt. Es dient bei einer Basilika dazu, den seitlichen Gewölbeschub und die Windlast von Mittelschiff und Hochchor aufzufangen. Die Stabilität der Strebepfeiler wird durch Auflasten erhöht, die als Zierelemente wie Fialen (schlanke, spitz zulaufende, flankierende Türmchen) gestaltet sein können. In das Strebewerk wurden auch die Abläufe für Regen- und Schmelzwasser integriert, das über Wasserspeier im Bogen vom Gebäude wegschießt und so von Mauerwerk und Fundamenten ferngehalten wurde. 

Die Schubkraft aus den Gewölben drückt schräg gegen die Hochschiffspfeiler, die ohne den Gegendruck der Strebebögen, einstürzen würden. Das Entgegenwirken der beiden diagonal verlaufenden Kräfte hebt ihre Kraftrichtungen auf, sodass der resultierende Kräfteverlauf vertikal im Pfeilerkern gehalten werden kann. Dies ermöglicht es die Pfeiler trotz der enormen Höhen so schlank auszugestalten. 

Der Strebebogen dient somit dem Weiterleiten des Gewölbe- und Winddrucks, letzterer nimmt aufgrund der ansteigenden Windgeschwindigkeit mit der Höhe zu. Der Kräfteverlauf aus beiden Faktoren entspricht einer Parabelkurve, die bei Windstille steil ist, jedoch bei Windeinwirkung flacher wird. Dann sind zwei Strebebögen notwendig, um den auftretenden Horizontalschub widerstehen zu können. Der untere Strebebogen, der in Höhe des Obergadens ansetzt, leitet überwiegend den Gewölbeschub weiter. Der obere, der an der Traufe beginnt, ist wegen des Winddrucks angebracht worden.

Während das Strebewerk in der Frühzeit der Gotik vor allem statische Funktion hatte und nach innen verlagert war, entwickelte es sich später zu einem wichtigen baukünstlerischen Element und wird deutlich hervorgehoben und von außen sichtbar. Die Strebebögen werden ab 1160 bei Chören (Saint Germain des Pres in Paris) und ab 1180 beim Langhaus (Notre Dame in Paris) frei sichtbar oberhalb der Dachflächen angesetzt.

http://www.urbs-mediaevalis.de/pages/studienportal/bauteiltypologie/bauteile-s/strebewerk.php
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Auflösung der Wand

Bei der Gotik ermöglichten nun die leichtere Bauweise durch Spitzbögen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk und Strebepfeiler eine Verlagerung der tragenden Elemente in den Außenbau, eine starke Reduzierung der Mauerstärken sowie eine weitgehende Durchbrechung der Wände durch Fenster. Die statische Funktion der Bauglieder wird im Innenraum bewusst überspielt, um eine Illusion von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit der Architektur zu schaffen. Im Innenraum wird über den Arkaden zu den Seitenschiffen und zum Chorumgang hin ein als Triforium bezeichneter Laufgang in die Wand eingelassen. In die Außenwand wurde eine Vielzahl großflächiger Fenster eingelassen, die das Gebäude leicht und lichtdurchflutet erscheinen lassen. In der Hochgotik wird schließlich auch noch die Rückwand des Triforiums durchfenstert, sodass die Wand vollständig durchbrochen erscheint. Dennoch ist praktisch jedes Element eines gotischen Baukörpers tragend. Die Baumeister der Gotik schufen neue Konstruktionen durch evolutionäre Weiterentwicklung nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Deswegen stürzten einige Bauten schon während der Bauphase ein (z.B. die Kathedrale von Beauvais) oder mussten nachträglich aufgrund auftretender Risse mit weiteren kraftableitenden Elementen verstärkt werden. Es entsprach aber – wie oben erläutert – ganz dem damaligen Denken des technischen Empirismus, der auch Fehlschläge mit einkalkulierte.

Das Maßwerk und die Fenster

Mit Maßwerk bezeichnet man in der Architektur die filigrane Arbeit von Steinmetzen zur Gliederung von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden. Das Maßwerk besteht aus geometrischen Mustern, die als Steinprofile umgesetzt werden, wobei der Stein komplett durchbrochen (skelettiert) wird. Das Maßwerk ist ein Element der gotischen Architektur und ist eines der wichtigsten Merkmale der Hoch- und Spätgotik, wo es ein unabdingbarer Bestandteil der Fenster war. Diese Fenster aus Buntglas stellen abstrakte Bilder dar oder Szenen aus dem biblischen Leben. Die Lichtmystik inspiriert Baumeister dazu, großflächige Fenster einzubauen, die Innenräume erhellen und den Besuch der Kathedralen zu einem, im wahrsten Sinne des Wortes, erhellenden Erlebnis machen.

In der bildenden Kunst bezeichnet der Begriff „Buntglas“ gewöhnlich Glas, dem bei der Herstellung lichtdurchlässige Farbe hinzugefügt wurde: ein Verfahren, das seinen Höhepunkt in der gotischen Architektur erreichte, in den malerischen erzählenden Fenstern der großen christlichen Kathedralen. Die Kunstfertigkeit der Glasmaler, die solche mittelalterlichen Meisterwerke wie die Fensterrose an der Westfassade der Kathedrale von Chartres schufen, ist in der Tat selten und außergewöhnlich.

Der Künstler (in der Praxis eine Gruppe von Künstlern) überwachte nicht nur den gesamten Produktionsprozess, um die Unversehrtheit und die richtige Pigmentierung des Glases zu gewährleisten, sondern war auch für die Gestaltung, die Komposition und die Effekte der Glasmalerei verantwortlich. Er begann in der Regel mit einer Reihe von Kohleskizzen oder Skizzen) des gewünschten Bildes. Daraus wurde eine Reihe von Entwurfsplänen in Originalgröße erstellt, die in der Regel direkt auf die Oberfläche aufgetragen wurden, die zum Schneiden, Malen und Zusammensetzen des Glasmosaiks verwendet wurde. Besonderes Augenmerk wurde auf die genauen Details und die Farbgebung der in der Glasmalerei dargestellten Bilderzählung gelegt. Es konnte sich dabei um die Darstellung einer biblischen Episode aus dem Alten oder Neuen Testament handeln, um das Leben von Propheten oder Heiligen, um ein Ereignis aus dem Leben Christi oder der Heiligen Familie. Gewöhnlich wurden auch zusätzliche Symbole oder Motive eingefügt, die die Person oder die Zunft identifizierten, die für das Fenster bezahlt hatte. All dies erforderte eine sorgfältige Vorplanung, bevor der Produktionsprozess begann.

Um die optimale Farbgestaltung eines Glasfensters zu gewährleisten, musste der Künstler außerdem den Winkel, die Menge und die Intensität des einfallenden Lichts beurteilen. Helles Licht erfordert zum Beispiel hellere und dunklere Farben. Dies musste mit der Notwendigkeit eines Farbkontrasts sowie mit der Notwendigkeit, je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedliche Lichtverhältnisse zu schaffen, in Einklang gebracht werden. Kurz gesagt, die Kunst der Glasmalerei umfasste architektonisches Design, Glasherstellung, Farbchemie, Cloisonné -Emaille und ein Dutzend anderer Künste und Handwerke.

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=321662
Von Photo by PtrQs, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54491069 Rosette Nord von Cahrtres

Die neue Form der Bauhütten

Von besonderer Bedeutung für die Gotik war die Ausbildung von Bauhütten seit dem 13. Jahrhundert, ein Verband aller an einem großen Kirchenbau beteiligten Steinmetzen, Handwerkern und Bauleuten, die unabhängig von der städtischen Zunftordnung und mit einer eigenen strengen Ordnung arbeiteten. Vor allem waren sie an die „Arkandisziplin“ gebunden. Das Arkanprinzip (von lateinisch arcanum – „Geheimnis“) ist der Grundsatz, Informationen nur einem Kreis von Eingeweihten – hier den Mitgliedern der Bauhütte – zugänglich zu machen. Waren bisher überwiegend Mönche oder Priester in die Geheimnisse der Baukunst eingeweiht, so verlagerte sich das Wissen nun zu profanen Baumeistern ( sie zeichneten die Pläne – allerdings nicht maßstabgetreu), sowie Steinmetzen, Malern und Bildhauern. Und eben alle diese weltlichen Handwerker, die am Bau eines Gotteshauses beschäftigt waren, schlossen sich zu einer Bauhütte zusammen. Aus dem Zusammenwirken in einer Bauhütte lässt sich u.a. der einheitliche Eindruck gotischen Kathedralen erklären.

Die Leiter der Bauausführung hießen oft Werkmeister (wercmeistere) oder Baumeister; sie gingen zumeist aus dem Steinmetzhandwerk hervor und waren die mittelalterlichen Architekten. Auch Bezeichnungen wie magister operis kamen vor. Bei der Ausführung hatten der Steinmetzmeister (magister lapicidae) und der Maurermeister (magister caementari) sowie der Sculptor  (Bildhauer) Bedeutung. Die Meister der Bauausführung wechselten bei jedem Bauwerk häufiger, schon auf Grund der langen Bauzeiten.

Die Baumeister waren im Grunde die mittelalterlichen Architekten und eigentlichen Schöpfer der Baukunst. Sie waren Universalgenies, Menschen, die über ein enormes Wissen verfügten, Meister der Baukunst, aber auch der Physik, Mathematik und Chemie. Träger von Wissen, das sie geheim hielten. Das neue Verständnis und das neue Selbstbewusstsein der Baumeister zeigten sich darin, dass erstmals Baumeister und Künstler namentlich hervortraten. Kennen wir aus der Zeit der Romanik kaum einen Namen, so besaßen in der Gotik zahlreiche Baumeister einen besonderen Ruf und wurden gezielt mit der Errichtung von Kathedralen beauftragt.

Einige bekannte Grössen waren:

  • Meister Gerhard, Meister Arnold, Johannes von Köln, Meister Michael, Andreas von Everdingen, Nikolaus van Bueren und Konrad Kuene van der Hallen für den Kölner Dom
  • Wilhelm von Sens für die Kathedrale von Canterbury und von Sens
  • Michael Knab, Wenzel Parler, Hans Puchsbaum, Anton Pilgram und Jörg Öchsl für den Stephansdom in Wien
  • Baumeisterfamilie Parler, die gleich mehrere bekannte Kathedralen mitgestalteten, so das Basler, FreiburgerGmünder, Straßburger und Ulmer Münster sowie den Veitsdom in Prag
  • Werkmeister Guerin von der Kathedrale von St, Denis (13. Jh.), der wohl ersten gotischen Kathedrale
  • Werkmeister Hugues Liebergier (1229–1263) von der Abteikirche St.-Nicaise von Reimes
  • Werkmeister Pierre de Montreuil (um 1250) von der Kathedrale Notre-Dame de Paris
  • Juan Guas für die Kathedralen von Avila und Segovia
  • „Meister Enrique“ von Narbonne (Südfrankreich) für die Kathedralen von Léon und Burgos
Von David Jiménez Llanes - Eigenes WerkBenton, Janetta Rebold (2002) Art of the Middle Ages, World of Art, Thames & Hudson, S. 228–230 ISBN: 978-0-500-20350-7., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31695037 Kathedrale von León

Skulpturen in der Gotik

Die Skulpturen wurden zunächst für Kathedralen gefertigt und dort entweder innen oder außen an den Mauern der Kathedrale angebracht. Die gotische Plastik entsteht zunächst aus dem Wunsch heraus, die Fassaden der Kathedralen mit Standbildern, Reliefs und Figuren zu schmücken, die die Heilsgeschichte symbolisieren. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu voll rund gearbeitet sind. Ein Ensemble aus Tympanon, Bogenfries, Säulen, Statuen und Fundamentverkleidung macht das historische gotische Portal aus. Unter den eingemeißelten Themen finden wir neben der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht auch Szenen aus dem Alten Testament, die typologisch mit denen des Neuen Testaments korrespondieren. 

So unmittelbar an die Architektur gebunden stehen die säulenhaften Figuren mit starrem Blick immer im Bezug zum Wandhintergrund, benötigen eine Konsole, auf der sie stehen und einen Baldachin über dem Kopf. Die Figuren wurden zunehmend individualisiert, das heißt, sie bekamen eine eigene Gestik und Mimik, sowie eine eigene Körperhaltung. Die Skulpturen in der Romanik haben keinen Schwung in sich, was bei den Skulpturen in der Gotik anders ist, denn sie haben eine bewegte Darstellung. Mit einer ungezwungenen Eleganz und mit einem weich fließenden Gewand wird die Haltung der Personen in einer leichten S-Kurve dargestellt, was man auch als S-Schwung bezeichnet. Auch an der Kleidung der Skulpturen wurde gearbeitet, denn sie bekamen einen ausgeprägten Faltenwurf, der die gesamte Skulptur lebendiger aussehen ließ. Noch dazu wurden den Skulpturen mehr Details verliehen, sodass sie insgesamt näher an der Realität sind als die Skulpturen der Romanik. Zunächst waren die Skulpturen noch relativ statisch. Doch in der zweiten Hälfe des 14. Jhs. regte ein neuer Realitätssinn dazu an, weitere Gestaltungsmerkmale zu verwenden. 

Westliche Portalanlage von Chartres Von Rolf Kranz - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85693799
Gewände des Mittelportals der Westfassade der Kathedrale von Reims Von Szeder László - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3734097

Auch auf dem Gebiet der Plastik war zunächst Frankreich führend. Berühmte Beispiele sind die West- und Querhausportalfiguren von Chartres – um 1145 – sowie die Figuren der Kathedralen in Reims, Paris und Amiens. Im 13. Jahrhundert zur Stauferzeit schufen auch die deutschen Künstler Meisterwerke der gotischen Plastik.

Allein die 33 lebensgroßen und 200 kleinen Figuren auf einer vergleichsweise kleinen Fläche an den drei großen Westportalen der Kathedrale von Reims zeugen von einer bewundernswerten Kreativität und einem großen handwerklichen Können. Die Säulenstatuen an den drei Westportalen der Kathedrale von Chartres gehören wohl zu den berühmtesten Werken der gotischen Bildhauerei überhaupt. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Sie machen harten Stein geschmeidig.

Und wenn man bedenkt, dass man solch wunderbare Sammlungen gotischer Skulpturen auf hunderten von ähnlichen Kirchen findet, so kann man nur die außergewöhnliche Produktivität der Steinmetze des 13. Und 14. Jhs. bewundern. Viele Leistungen der Künstler in Frankreich, Spanien, England und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender.

Gotische Architektur in Spanien

Phasen:     1150 – 1250 Frühgotik, 1200-1350 Hochgotik, 1350-1550 Spätgotik (u.a. der Isabellastil) 1480-1510

Viel mehr noch als die romanische Bauweise hat sich die gotische Architektur in Spanien zuerst im Norden über den Jakobsweg in Richtung Westen ausgebreitet. In dieser Zeit entstanden einige der reinsten gotischen Kathedralen Spaniens, die der deutschen und französischen Gotik am nächsten standen.

Der gotische Baustil kam erst Ende des 12. Jh. mit der spanischen Architektur in Berührung. So kam es zu einer Übergangsphase mit einer Mischung des romanischen und gotischen Stils. Im 13. Jh. machte die Romanik schließlich den Weg für die reine Gotik frei. Mit dem Erfolg der Rückeroberung, dem Wachsen des spanischen Reiches und der später zufälligen aber dennoch lukrativen Entdeckung Amerikas fiel die gotische Architektur mit einer der erfolgreichsten Epochen der spanischen Geschichte zusammen. Sie ist auch hier voll von spektakulären und atemberaubenden Bauten besonderer Größe und Pracht.

Die Ausbreitung der gotischen Architektur in Spanien hatte drei Hauptgründe.

Der erste Grund war die enge Verbindung nach Frankreich. Ursache hierfür war, dass der Bezug zu Frankreich geographisch und vor allem politisch immer näher gelegen hatte. Schon in der Phase der Stabilisierung der christlichen spanischen Reiche während des 11. Jahrhunderts, die sich noch bis 1492 mit der muslimischen Herrschaft auf dem Südteil der Halbinsel auseinandersetzen mussten, war die Orientierung an französischer Kultur ein wichtiges Mittel gewesen, um Spanien wieder in das christliche Abendland zu integrieren. Entlang des Pilgerwegs ins galicische Santiago spielte die französische Kultur eine besonders große Rolle, denn auf dem camino francés waren nicht nur die Pilger aus Frankreich besonders zahlreich, sondern es gab dort auch eine Reihe von Städten, die ganz oder teilweise von französischstämmigen Einwohnern besiedelt waren.

Der zweite Grund ist die Ausbreitung des Zisterzienserordens und die damit verbundene straffe einheitliche Architektur, die zum Aufbau der großen Konvente des reformierten Ordens führten. Zuvor bestanden schon intensive Kontakte zum Kloster von Cluny, wurde doch die riesige Kirche von Cluny mit Geldern aus den Tributzahlungen der Mauren an die christlichen Herrscher mitfinanziert.

Der dritte Grund liegt in Heiratsverhalten der Könige von Kastilien und Leon begründet, da die Ehen mehrerer Könige mit Prinzessinnen aus den Häusern von Anjou, Burgund und Plantagenet die Einführung der französischen Gotik stark beeinflussten.

So ist nicht verwunderlich, dass die frühen großen gotischen Kathedralen Spaniens in Burgos, Toledo und León noch deutlich den französischen Vorbildern folgten; erst ab etwa 1300 beginnt eine größere Eigenständigkeit der spanischen Sakralarchitektur. Auf die verschiedenen Stile der spanischen Gotik wie Flamboyant-Stil oder isabellinischer Stil wird hier nicht genauer eingegangen.

Zu erwähnen ist noch als Besonderheit Spaniens, dass sich parallel zur Gotik der sogenannte Mudéjar-Stil entwickelte, der seinen Höhepunkt im 14.-16. Jh. hatte. So wurden mancherorts Pfarrkirchen oder andere Bauwerke von Mudéjares errichtet, bei denen die islamische Bautradition und romanische oder gotische Baukunst miteinander verschmolzen wurden. Der Mudéjar-Stil entstand dadurch, dass islamische Handwerker nach der Reconquista in den wiedereroberten Gebieten zurückgeblieben sind und hier ihr Handwerk ausüben durften. (s. Kapitel Mudéjar-Stil)

Hier werden einige der wichtigsten Kathedralen Spaniens aufgeführt, dabei wird nur der Beginn der Bauten angegeben, da die Fertigstellungen sich oft lange hinzogen (am Kölner Dom wurde 632 Jahre lang gebaut!) und es dadurch auch teilweise zu Überformungen mit anderen Stilen kam. Übrigens eine Kirche ist dann eine Kathedrale, wenn in ihr ein Bischof seinen Sitz hat. Auf die einzelnen Kathedralen muss gesondert eingegangen werden. Die Kathedrale von Santiago de Compostela wird nicht aufgeführt, da in ihr romanische und barocke Elemente deutlich überwiegen und nur kleine Bereiche (z.B. der Kreuzgang) gotisch sind. Auf die einzelnen Kathedralen kann auf Grund der Fülle der Informationen nur in eigenen Kapiteln eingegangen werden.

Cuenca                       ab 1196   Frühgotik

Burgos                       ab 1221  erste rein gotische Kathedrale in Spanien (Camino Francés)

Toledo                        ab 1226   (Camino de Levante)

Palma de Mallorca  ab 1229

Burgo de Osma        ab 1232

León                             ab 1255  (Camino Francés)

Barcelona                   ab 1298

Oviedo                        ab ca. 1300 (Camino del Norte und Camino Primitivo)

Girona                         ab 1312   breitestes Gewölbe der Gotik  (Camino de Gerona)

Pamplona                   ab 1391    (Camino Francés)

Sevilla                          ab 1401   größte gotische Kirche der Welt (Via de la Plata)

Salamanca                  ab 1513   (Via de la Plata)

Cordoba                      ab 1523   Einbau eines gotischen Kirchenschiffs in die ehemalige Moschee  (Camino Mozarabe)

Segovia                        ab 1525   letzte gotische Kirche in Spanien  (Camino de Madrid)

Von Ingo Mehling - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37545223 Kathedrale von Sevilla
Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088120 Kathedralevon Segovia
Westfassade Kathedrale von ToledoCC BY-SA 3.0, htts://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=407620 Westfassa
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Santa Cruz de la Serós – ein malerisches Dorf am Rande des Jakobsweges und seine Kirchen Caprasio und Santa Maria

Santa Cruz de la Serós – ein malerisches Dorf am Rande des Jakobsweges mit seinen Kirchen San Caprasio und Santa Maria

Camino Aragonés

Zwei romanischen Kirchen, die Lage im Tal des Flusses Aragón und der Blick auf die Gipfel der Pyrenäen sind die Attraktionen von Santa Cruz de la Serós. Die Ortschaft zählt zu den schönsten Dörfern im Norden von Aragón.

Der Baustil der Häuser ist typisch für die Dörfer in den Bergen von Aragón. Erbaut aus Natursteinen, bedecken Schindeln die Satteldächer. An den Sonnenseiten sind Holzbalkone angebracht. Die Fenster sind klein und schützten so vor Sonne und Kälte. Auffällig sind die Köpfe der Schonsteine aus Keramik oder Tuffstein. Neben dem malerischen Ortskern zieht die Kette der Pyrenäen in der Ferne immer wieder die Blicke auf sich.

https://www.xn--santacruzdelasers-vyb.es/arquitectura-popular typische Schornsteine
Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16479573

San Caprasio

Santa Cruz de la Seros war im 10. Jh. nach der Vertreibung der Araber ein wichtiges religiöses Zentrum in Aragon. Hier entstanden nahe bei einander zwei Benediktinerklöster, eines für Mönche und eines für Nonnen. Leider sind heute nur noch die beiden Kirchen erhalten.

Die ältere der beiden ist die Kirche San Caprasio. Der kleine einschiffige Saal hat nur eine Grundfläche von 30 qm. Das Gewölbe besteht aus zwei quadratischen Kreuzgraten.

Die Wände sind aus nur geringfügig bearbeiteten Bruchsteinen. Typisch für den hier vorherrschenden romanisch-lombardischen Stil ist auch der Verzicht auf Bauskulptur

sowie der unter dem Dachansatz gestaltete Fries mit kleinen Blendarkaden. Alle architekturrelevanten Linien sind im Wandbereich durch Vorlagen betont und Scharfkantig bis zum Boden durchgezogen. Der Glockenturm kam erst im 12. Jh. dazu, wobei zu dieser Zeit das Kloster schon aufgelassen war.

Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27793141

Santa Maria

Das Nonnenkloster steht isoliert am Ortsende, die Klostergebäude sind verfallen und abgetragen. Seine Geschichte begann mit der umfangreichen Stiftung, die Sancho II. Garcés, König von Navarra und seine Gemahlin Urraca dem Kloster im Jahr 992 zukommen ließ.

Die Kirche des Nonnenklosters ist deutlich auffälliger als die der Mönche. Sie wurde Ende des 11. Jh. errichtet zur Zeit der Hochromanik, wobei das Benediktinerinnenkloster ja schon vorher bestand. Das Kloster entwickelte sich zum angesehensten Frauenkonvent Aragons, in das Mitglieder der königlichen Familie und viele adelige Damen eintraten. Zum Kloster gehörten zahlreiche Dörfer, Kirchen und Besitzungen, in denen die Äbtissinnen die Grundherrschaft ausübten. 1555 übersiedelten die Nonnen nach Jaca. Dort wird jetzt der prächtige Sarkophag der Äbtissin Doña Sancha aufbewahrt.

Die Kirche im westromanischen Stil wirkt relativ schlicht auch durch die großen behauenen Quadern des Bauwerks. Sie hat den Grundriss eines lateinischen Kreuzes und besitzt eine Art Querschiff und drei Apsiden. Das Langhaus ist ein einschiffiger Saal, der sich im Osten zum Chor erweitert. Es ist mit einem Tonnengewölbe gedeckt, das auf Pilastern mit Säulenvorlagen und Kapitellen mit figürlichen Szenen ruht. Auffällig ist der sich über dem südlichen Querhausarm erhebende viergeschossige Turm, der Mitte des 12. Jhs. errichtet wurde. Die Kuppel sitzt auf einem achteckigen Aufbau von geringer Höhe. Im Zusammenklang mit dem raffinierten Kuppelraum über der Vierung gibt er der Kirche ihr eigentümliches Erscheinungsbild.

In der Kuppel versteckt sich im Innern eine geheime Kammer. Ihr Zugang an der Nordseite des Schiffes, unterhalb des Gewölbeansatzes, war ursprünglich nur mit einer Leiter erreichbar. Heute ermöglicht eine moderne Wendeltreppe den Zugang. Auch von außen ist der Raum nicht zu erkennen, da er den Platz der sonst üblichen Vierungskuppel einnimmt. Vielleicht diente er als Rückzugsort der Nonnen in Zeiten von Gefahr.

Das Westportal wird von Archivolten umgeben und seitlich von je zwei Säulen gerahmt. Die Kapitelle sind mit stilisierten Blattdarstellungen und figürlichen Szenen von Menschen und wilden Tieren versehen. Auf dem Tympanon ist wieder in der Mitte ein Chrismon mit zwei Löwen dargestellt ähnlich dem der Kathedrale in Jaca.  Auf dem Rand des Türsturzes ist die lateinische Inschrift eingemeißelt: „CORRIGE TE PRIMUM VALEAS QUO POSCERE XRISTUM“ (Bessere dich bevor du Christus anrufst). Eine weitere Inschrift befindet sich auf dem Kreis des Chrismons, deren Übersetzung lautet: „Ich bin die einfache Tür, tretet ein durch mich, Gläubige, ich bin die Quelle des Lebens, habt mehr Durst nach mir als nach Wein, alle, die ihr in diesen seligen Tempel der Jungfrau tretet“. Zu erwähnen sind auch die um den Dachansatz verlaufenden Gesimse mit ihren zahlreichen Kragsteinen mit Menschen- und Tierdarstellungen. Man kann Schlangen, Hasen, Menschenköpfe aber auch Früchte erkennen.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30391642

Quellen

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Die Klöster der Benediktiner und Zisterzienser in Spanien – eine kurze Darstellung ihrer Geschichte, ihrer Bedeutung und ihrer Architektur –

Die Klöster der Benediktiner und Zisterzienser in Spanien – eine kurze Darstellung ihrer Geschichte, ihrer Bedeutung und ihrer Architektur –

Camino Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo

Ihre allgemeine Bedeutung

Die Klöster im Mittelalter waren wohl mit einer der wichtigsten, wenn nicht vielleicht sogar die wichtigsten religiösen Institutionen. Sie wurden von verschiedenen Orden geführt. Unter einem Orden versteht man eine Gemeinschaft von Männern oder Frauen, die nach bestimmten, festgelegten Regeln leben und sehr häufig ein Ordensgewand, den Habit, tragen. Zentral und für ihre spirituelle Ausrichtung entscheidend sind dabei drei Lebensprinzipien: Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam.

Als Kultur- und Bildungszentren bewahrten und vermittelten die Ordensgemeinschaften das Wissen der Antike, trieben selbst Forschung und schufen Handschriften und Kunstwerke, die noch heute staunen lassen. Außerdem ist die romanische Kunst ohne den Einfluss der Orden der Benediktiner und Zisterzienser kaum zu verstehen.

Teilweise als Eigentum von Königen, Adligen oder Bischöfen aber auch später eigenständig nur dem Papst unterstellt waren sie z.T. eng mit dem politischen Geschehen verknüpft. Als Großgrundbesitzer und Landwirte versorgten sie zudem in den wenig entwickelten Gegenden, in denen viele der Klöster lagen, das Umfeld mit Nahrung und Gütern oder boten Arbeitspätze für die Einheimischen.

Auch für die Entwicklung des Pilgerwesens waren sie von besonderer Bedeutung. So beherbergten Klöster und ihre karitativen Einrichtungen entlang dieser Routen die Pilger. Die Verpflichtung zur Aufnahme von Gästen ist teilweise in den Ordensregeln festgeschrieben und findet sich – gut nachvollziehbar für den Benediktinerorden – in deren Regeln, in Kapitel 53, welche die Aufnahme von Gästen der von Jesu gleichstellt. Mit der Reformation wurden viele Klöster aufgelöst und ihre karitativen Aufgaben mussten von den zivilen Behörden übernommen werden. Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, waren im Mittelalter unzählige Menschen unterwegs. Die Pilger durften  – wie auch heute noch größtenteils – meist nur für einen Tag unter sicherer Obhut übernachten.

In Spanien kam noch hinzu, dass die Klöster im Rahmen der Reconquista ein wichtiger Faktor waren für die Wiederbesiedlung und Stabilisierung unfruchtbarer oder umstrittener Gebiete zwischen Mauren und Christen. Hier sind – wie unten noch aufgezeigt wird – die Zisterzienser von besonderer Bedeutung.

Bildnis von Giovanni Bellini 15. Jh. Von Didier Descouens - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52066438

Die Vorgeschichte und die Bedeutung des heiligen Benedikt, des „Vaters der mittelalterlichen Klöster“

Schon kurz nach Gleichstellung der Religionen durch die Mailänder Vereinbarung von 313 zieht es damals Scharen frommer Frauen und Männer in die Wüsten Ägyptens, Syriens und Palästinas. Fern von der übrigen christlichen Gemeinde und den Verführungen der Städte wollten sie als Einsiedler (Eremiten, griech. eremos, Wüste) oder Teil einer Eremitenkolonie (Koninobiten, griech. koinos, gemeinsam) ein bedingungslos frommes Leben, die Vita religiosa, führen. Harte körperliche Arbeit und Kontemplation, Askese und Abgeschiedenheit prägten den Alltag der Aussteiger. Um dem gemeinsamen Leben eine Ordnung zu geben, unterwarfen sie sich bald verbindlichen Regeln. Das ist die Geburtsstunde des ersten Mönchsordens.

Der wahre „Vater“ des westlichen mittelalterlichen Klosters war der Heilige Benedikt von Nursia. Der heilige Benedikt gründete nach einem intensiven Ordensleben, darunter drei Jahre Eremitenleben, das Kloster Monte Cassino in der Provinz Frosinone in Italien. Dort verfasste er um das Jahr 540 seine berühmten Regeln, die Demut, Selbstverleugnung und Gehorsam als Grundpfeiler des Mönchslebens festlegen. Beim Eintritt in die Gemeinschaft verlässt man die Welt, indem man die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams akzeptiert, da das Klostermodell von San Benito die Klausur als eine Möglichkeit zur Wahrung der moralischen Integrität etabliert.

Ein weiterer wichtigster Grundsatz der Benediktinerregeln, die für die Entwicklung der mittelalterlichen Welt von grundlegender Bedeutung sein wird, war die Aufforderung:

„Ora et labora“ .

Dies ist von grundlegender Bedeutung, da mittelalterliche Klöster im Allgemeinen und romanische Klöster im Besonderen Zentren der Spiritualität waren. Das „labora“ bezieht sich zum einen auf die landwirtschaftliche Produktion, denn jedes Kloster musste seinen Unterhalt selber verdienen. Zum anderen bezog es sich auch auf die handwerkliche und künstlerische Produktion, insbesondere in den Bereichen Eboraria (Kunst der Elfenbeinskulptur), Emailverarbeitung, Goldschmiedekunst und Buchmalerei.

Der Benediktinerorden (Ordenskürzel OSB für Ordo Sancti Benedicti) darf wohl als der älteste, traditionsreichste und wirkmächtigste Orden des Christentums gelten. Sie sind heute noch an ihrem komplett schwarzen Ordensgewand erkennbar.

Nordansicht und Grundriss im späten 17./frühen 18. Jh. des Klosters Cluny

Die Cluniazensklöster

In Nordspanien existierten im 8. und 9. Jh. bis ins 10. Jh. zahlreiche Klöster, die dann nach und nach die Regeln des hl. Benedikt übernahmen. Dabei handelte es sich um kleine Klöster, die von bescheidenen Spendern unterstützt wurden. Doch im Laufe der Jahrhunderte geriet die radikale Ausrichtung an der Lebensweise Jesu auch im Mönchtum immer wieder in Vergessenheit und es kam zu einer häufig problematischen Beziehung zu den weltlichen Herrschern, die sich nicht nur als Stifter eines Klosters betätigten, sondern nicht selten auch im weiteren Verlauf massiv in die Geschicke des Klosters im eigenen Interesse eingriffen, z. B. bei der Bestimmung des Abtes oder bei der Kriegspflicht. Auch die Mönche selbst wurden durch den wachsenden Reichtum in ihrer Lebensweise lax, lebten zum Teil nicht mehr von ihrer Hände Arbeit, sondern von Spenden und Zustiftungen und frönten einer ausschweifenden Lebensweise. Die Ausbildung des Lehnswesens, der Reichtum an Land und Leuten, der sich in den Klöstern angehäuft hatte, schob die Interessen der Bildung und Erziehung, der Religion und Wissenschaft in den Hintergrund, und Interessen weltlicher Art traten vor.

Nach mehreren Reformbewegungen wird die Entwicklung des Benediktinerordens im französischen Cluny im 11. Jh. zum Schlüssel der erneuerten klösterlichen Entwicklung in ganz Europa. Von seinem ersten Gründungsmoment an erlangte der Orden von Cluny absolute Unabhängigkeit von jeglicher weltlichen oder kirchlichen Macht und war nur noch gegenüber dem Papst verantwortlich. Dies galt für Cluny und alle seine am Ende des 13. Jhs. etwa 1200 in ganz Europa mit ihm verbundenen Klöster. Dabei handelt es sich sowohl um Männer- als auch Frauenklöster.

Der andere Faktor, der die Vergrößerung des Ordens von Cluny ermöglichte, war die erfolgreiche Schaffung einer zentralisierenden organischen Struktur im Vergleich zu der üblichen Zerstreuung und Auflösung, die die Benediktinerklöster bis dahin erlebt hatten. Dies war nur möglich dank der internationalen Immunität gegenüber Königen und Adligen, die ihm die päpstliche Abhängigkeit ermöglicht hatte.

Die wesentlichen organisatorischen, politischen und religiösen Aspekte der „Schwarzen Mönche“ lassen sich in folgenden Punkten kurz zusammenfassen:

  • Exklusives Vasallentum an Rom und Verteidigung seines moralischen Vorrangs
  • Das Vorherrschen einer pyramidenförmigen hierarchischen Struktur zwischen Prioraten, untergeordneten Abteien und angeschlossenen Abteien.
  • Mönche aus der Aristrokratie und Unterstützung der feudalen Gesellschaft der Zeit, Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Adligen und Bischöfen (trotz seiner Immunität gegenüber ihnen)
  • Entscheidende Verschärfung der Klerikalisierung(d.h. mehr Einflussnahme der Kirche auf das öffentliche Leben in Staat und Region). Cluny vervielfachte die Zahl der Priester unter seinen Mitgliedern.
  • Verbreitung des liturgischen Gebets und der Chorfeier der Eucharistie im klösterlichen Leben im Vergleich zu manueller Arbeit, die irrelevant wurde und von untergeordnetem Personal (u.a. Laienbrüdern und – schwestern) ausgeführt wurde.
  • Erhaltung und Verbreitung der Kultur dank der Arbeit ihrer Skriptorien, in denen ständig Manuskripte kopiert wurden.
  • Die Ländereien und die darauf erhobenen Abgaben sicherten der von der weltlichen Steuer befreiten Kirche eine wirtschaftliche Unabhängigkeit und eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben
https://www.rdklabor.de/w/index.php?curid=10098 Das idealisierte Benediktinerkloster hier St. Gallen

Kunst und Architektur

Ohne Clunys Beitrag ist die romanische Kunst nicht zu verstehen. Das von Cluniazensermönchen in ganz Europa betriebene Netzwerk von Klöstern und die Kommunikation zwischen den europäischen Königreichen internationalisierten eine künstlerische, kulturelle und religiöse Manifestation, die sich mit großer Einheit im gesamten Westen verbreitete. Gefördert wurde dies noch durch die Unterstützung der Pilgerfahrten durch die Benediktiner.

Die entstehenden Klöster wurden nach einem bestimmten System gestaltet. Der im Äußeren des Klosters am stärksten hervortretende Teil ist auch der Idee nach der erhabenste: die Kirche. Ihr geistiger Mittelpunkt ist der Hauptaltar, von dem aus sich die übrige Anlage entwickelt. Die weitaus vorherrschende, aus der altchristlichen Kunst übernommene Basilika weist vom 8. Jh. an in Bezug auf Grundriss und Aufbau große Mannigfaltigkeit auf.

Wie die mittelalterliche Klosterkirche, so ist auch das zugehörige Klaustrum, der Klosterhof, eine Neuschöpfung der Benediktiner im Anschluss an antike Vorbilder. Die Übernahme des antiken Säulenhof im Klosterbau erwuchs aus der Notwendigkeit, die regulären Räume untereinander und mit der Kirche zusammenzuschließen, um das gemeinsame Leben für eine große Zahl von Mönchen zu ermöglichen. 

An den um die Kirche gruppierten rechteckigen Wohnbezirk des Baus sind die Wirtschaftsgebäude so angeschlossen, dass aus dem Ganzen ein zweites Rechteck entsteht. Für Schuster, Sattler, Gerber, Walker, Schwertfeger, Schildmacher, Bildhauer und Goldschmiede sind besondere Gebäude vorgesehen.

Den ganzen Klosterbezirk umgab die äußere Ringmauer und bildete somit einen Komplex an Einheit und Geschlossenheit. 

Neben dem Klosterbau ist auf die besondere Bedeutung der Benediktiner für die Bilderhauerkunst hinzuweisen. Die Skulpturendarstellung entwickelte sich zu einem beeindruckenden Bauelemente der Romanik. Auch auf die Gemälde an den Wänden der Kirchen, die leider heute nur noch fragmentarisch zu finden sind, sind zu beachten. Es gibt Autoren, die argumentieren, dass die Explosion historischer Skulpturen und Gemälde das Ergebnis eines vorsätzlichen Projekts der Cluniazenser sei, die sich bewusst waren, dass Menschen, meist Analphabeten, aus Bildern lernen mussten, was sie in der Heiligen Schrift nicht lesen konnten.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santo Domingo de Silos, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71843978
Abtei Santo Domingo de Silos Von Ugliku - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35447200 Kapitell mit Fabelwesen in

Die Krise des Ordens von Cluny kam in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts. Die Gründe für den Niedergang des Ordens in diesen Jahren lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:

  • Übermäßige Starrheit der eigenen Struktur, die die Flexibilität zwischen den verschiedenen Häusern erschwerte und so die gesamte Ordnung lähmte.
  • Dank Steuererleichterungen und Schenkungen wuchsen die Klöster und ihr Reichtum, so dass die Mönche im Laufe des Mittelalters immer weniger körperliche Arbeit verrichten mussten, da sie sich nun auf die Arbeit von Laienbrüdern, Lohnarbeitern oder Leibeigenen (unfreien Arbeitern) verlassen konnten.
  • Die sich daraus teilweise ergebenden Ausschweifungen in Cluny bezüglich Lebensweise und Hybris im Kirchen- und Klosterbau
  • Massive Eingliederung aufstrebender Adliger ohne Berufung, die von den Privilegien des klösterlichen Lebens profitieren wollten und ihre Klöster als Versorgungsanstalten aufsuchten. Wir müssen bedenken, dass die Rekrutierung von Mönchen in Klöstern in den meisten Fällen adeligen Ursprungs war. Die zweiten Söhne dieser Adligen, die den Familientitel nicht erbten, wurden Mönche und nahmen einen Teil des Erbes mit, das sie dem Kloster schenkten.
  • Daraus ergab die Erschlaffung des Eifers für das klösterliche Leben und für wissenschaftliche und künstlerische Tätigkeit, den Grundlagen des benediktinischen Mönchtums.
  • Eine neue fortschreitende Orientierung des westlichen Mönchtums im 12. Jahrhundert hin zu eremitischen und asketischen Aspekten, die die Entstehung neuer Orden wie den der Zisterzienser beeinflusste, und den Benediktiner immer stärker den besten Nachwuchs entzogen.
  • Die Ausbreitung dieser neuen Ordenszweigen, vornehmlich der Zisterzienser, und die Entstehung der Bettelorden im 13. Jhd. taten dem Einfluss des Ordens großen Abbruch, während er bei wachsendem Reichtum immer mehr verweltlichte. 
  • Zudem litt der Orden gerade im Bereich der Wissenschaft sehr durch die Rivalität der beinahe allmächtig gewordenen Jesuiten.
  • Die Reformationszeit hinterließen dann tiefe Spuren im Benediktinerorden.

Von den insgesamt 15.107 Klöstern des 15. Jhs. lässt die Reformation nur etwa 5000 übrig. Im 14. Jahrhundert gehörten dem Orden 37.000 Mitglieder an, im 15. Jahrhundert nur noch knapp halb so viele, zur Reformationszeit zählte die Ordensfamilie gerade noch 5000 Mitglieder.

 

Zunächst aber wurde Cluny zum geistigen Oberhaupt eines europäischen Netzwerks von Klöstern und Prioraten. Cluny muss als wichtiger Einflussfaktor in religiöser, sozialer, wirtschaftlicher und künstlerischer Hinsicht für das Europa des 10. und 11. Jahrhunderts anerkannt werden:

die endgültige Einführung eines strukturierten Benediktinerordens, der viel für die am stärksten benachteiligten Schichten der Gesellschaft tat,

die Förderung von Pilgerfahrten – insbesondere auch nach Santiago de Compostela–, der fruchtbare Austausch von Ideen, Wissen und Techniken zwischen den europäischen Gebieten,

die Vereinheitlichung der Liturgie und

die Förderung jener großen gesamteuropäischen Kunst führte, die wir heute Romanik nennen

Einige wichtige Benediktinerklöster entlang der Caminos (Angaben aus wikipedia plus Ergänzungen):

  • Kloster San Juan de la Pena (920-1798)   Camino Aragonés
  • Kloster San Salvador de Leyre (848 bis 1273, dann bis 1836 Zisterzienser, ab 1945 wieder Benediktiner       Camino Aragonés
  • Kloster Santa Maria la Real de Irache bei Estella (914-1824, aufgehoben)      Camino francés
  • Kloster Santa Domingo de Silos (929, bestehend) gilt wegen ihres romanischen Kreuzgangs als „eines der berühmtesten und kunsthistorisch bedeutendsten Klöster Spaniens“            Camino del Cid, Ruta de la Lana
  • Kloster Santo Toribio de Liebana (1125? – 1835, seit 1961 Franziskaner)      Camino Lebaniego nahe Camino del Norte
  • Kloster Sobrados dos Moxes (10.-12.Jh., 1142-1835 Zisterzienser, seit 1966 Trappisten      Camino Francés, Camino Primitivo
  • Santa Maria de Real de Nájera (1052, 1079-1486 Benediktiner, ab 1895 Franziskaner)       Camino Francés
  • Kloster von Samos, Kloster de San Julián y Sante Basilisa (5./6.Jh. eines der ältesten Klöster der Welt, 10./11. Jh. -1835 Benediktiner ab 1880 wieder)        Camino Francés

 

Der Zisterzienserorden

 Geschichte

Bevor Robert von Molesme, ein Mönch und Förderer des Zisterzienserordens, im Jahr 1075 das Kloster Molestes gründete, war Cluny der einflussreichste Orden in Europa. Aber die oben genannten Gründe führten wieder zu neuen Reformbewegungen, unter denen die Zisterzienser die bedeutendste war. 1098 legte Robert von Molesme den Grundstein für diesen Orden mit der Gründung des Klosters von Citeaux in einer Einöde in der Nähe von Dijon. Alberich und Stephan Harding, zwei Äbte, die ihm folgten, gaben dem Orden wenig später seine Verfassung. Doch ohne den hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153) hätte diese Neugründung (erkennbar an ihrem weißen Untergewand mit dem schwarzen Skapulier darüber) höchstwahrscheinlich allein personell die Anfangsjahre nicht überstanden. Zunächst entstanden in waldigen Einöden La Ferté (Firmitas), Pontigny (Pontis nidus), Clairveaux (Clara vallis) und Morimond (Mors mundi). Von diesen fünf Klöstern leiteten sich später alle weiteren ab. Mit seiner fesselnden, charismatischen Art brachte Bernhard, Abt von Clairveaux, nicht nur bereits bei seinem Eintritt knapp 30 Verwandte und Freunde mit in den Orden, sondern gründete im Laufe seines Lebens 165 Filiationen (Töchterklöster, die ihrem Mutterkloster verbunden blieben), was die Hälfte aller damals bestehenden Zisterzen ausmachte. Dabei sollten neue Zisterzen für Mönche zunächst nur in unbewohnten und wasserreichen Gegenden erbaut werden und die Möglichkeit für eine ausgedehnte Landwirtschaft im Eigenbau bieten.

Von Chabacano - Own work based on Image:BlankMap-Europe no boundaries.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1647214

Die Ausbreitung der Zisterzienser im 12. Und 13. Jh.

Die Ausbreitung der Zisterzienser auf ganz Europa erfolgte schrittweise durch die Tochterabteien, die im 12. und 13. Jahrhundert errichtet wurden. Die vier Gründerhäuser aller anderen Zisterzienserklöster waren somit Citeaux, La Ferté, Pontigny, Morimond und Clairvaux. Die übrigen Abteien sind Töchter oder Tochtergesellschaften ersten, zweiten oder dritten Grades. Dabei konnte die Gründung der Klöster auf drei verschiedenen Arten geschehen, erstens durch Neugründungen meist in entlegenen Gebieten, zweitens durch die Übernahme von bestehenden Einsiedlergemeinschaften und drittens durch die Übernahme bereits bestehender Klöster durch den Zisterzienserorden. So lässt sich erklären, warum einige der oben genannten Benediktinerklöster später von Zisterziensern geleitet wurden.

Wir können davon ausgehen, dass das Ende des 13. Jahrhunderts mit der größten Verbreitung des Ordens zusammenfiel und 700 Abteien erreichte. Der Orden hatte Niederlassungen in allen Ländern Westeuropas. Frankreich, das Mutterhaus der Zisterzienser, hatte mit 244 Abteien die größte Zahl. Es folgten Italien mit 98, das Heilige Römische Reich mit 71, England mit 65 und Spanien mit 57. Der Rest verteilte sich auf die Niederlande, Polen, Schweden, Österreich, Böhmen, Ungarn, Portugal und Irland. Es ist anerkannt, dass interessanter Weise dem galicischen Kloster Sobrado im Westen Spaniens der Anspruch zusteht, das älteste Zisterzienserkloster der Iberischen Halbinsel zu sein.

Die regulative Strenge der Zisterzienser hielt allerdings nicht lange an, und gegen Ende des 13. Jhds. wurde allgemein über die Verweltlichung auch dieses Ordens geklagt. Reichtum und Laxheit wurden schon im 15. Jhd. so arg, dass auch hier viele Mönche für die ursprüngliche Strenge auftraten, neue unabhängige Orden gründeten und dadurch das Ansehen immer mehr schwächten. Die Reformation schwächte den Orden zusätzlich. Letztendlich brachte die Säkularisierung nahezu den Untergang des Ordens.

Der Hauptgrund für den schlechten Zustand, in dem sich viele Zisterzienserklosterkomplexe befinden – bis hin zu den fortgeschrittenen Ruinen –, ist genau ihre abgelegene Lage von städtischen Zentren. Nach der Beschlagnahmung von Mendizábal im 19. Jahrhundert wurden diese Klöster aufgegeben oder gelangten in private Hände, die kaum in der Lage oder willens waren, sie zu unterhalten.

Während wir den Cluniazensern zahlreiche Beiträge zum Aufbau Europas verdanken, werden die Zisterzienser durch eine stärker auf Armut und Arbeit ausgerichtete Religiosität gekennzeichnet, die sich – neben vielen anderen Errungenschaften – in der Rodung und Erschließung von für die Landwirtschaft unwirtlichem Land niederschlug. Die Zisterzienserorden brachten viele Anregungen und Fortschritte auf dem wirtschaftlich-technischen Gebiet des Acker – und Gartenbau ein. Damit beeinflusste er maßgeblich das Siedlungswesen im Hochmittelalter und war als Kultivator des Bodens von entscheidendem Einfluss für die Landwirtschaft.

s. Jaspert Zisterzienserklöster in Spanien und Portugal (nach LEKAl)

Besonderheiten in Spanien

Insbesondere in den hispanisch-christlichen Gebieten spendeten die Könige Land für die Gründung von Zisterzienserklöstern in unbesiedelten und zerklüfteten Gebieten nahe der Grenze zu den Muslimen, da sie wussten, dass sie in der Lage waren, karge Gebiete zum Leben zu erwecken. Darüber hinaus weigerten sie sich nicht, sich zu opfern, wenn die gegnerischen Armeen sie angriffen.

Für die Klöster in Spanien gab es noch zwei weitere Besonderheiten gegenüber denen in anderen Ländern. Hier ist zum einen die Königsnähe der Zisterzienser zu nennen. Viele Gründungen gingen auf Initiative der verschiedenen Königshäuser zurück, zum Teil erkennbar auch an den Grablegungen der Königsdynastien in den Zisterzienserklöstern.

Zum anderen ist seine institutionelle Verknüpfung mit den spanischen Ritterorden zu nennen. Diese lässt sich bereits beim ältesten iberischen Ritterorden, dem Calatravaorden, beobachten. Die zunehmende Monastisierung der Ordensritter, ihre Integration in bestehende Formen und Strukturen religiösen Lebens zeigt sich bei dem Calatravaorden in einem komplexen Prozess von der Aufnahme der Ritter im Jahre 1164 — also als Konversen — bis  zur förmlichen Affiliation des Jahres 1187 und der Unterstellung unter Morimond. Dies war zunächst einer besonderen Situation geschuldet:

Als im Herbst des Jahres 1157 die Templerbesatzung der Burg Calatrava in der Mancha, also im südlichen Kastilien, vom vermeintlichen Anrücken eines bedeutenden muslimischen Kontingents erfuhr, beschloss sie, diesen militärischen Vorposten in die Hände des kastilischen Königs zurückzugeben. In dieser Ausnahmesituation formierte sich auf Initiative des zusammen mit dem kastilischen König Sancho III. erzogenen, ehemaligen Ritters und nunmehrigen Zisterzienserbruders Diego Veläzquez unter der Führung des Abtes Raimund aus dem Kloster Fitero eine Bruderschaft christlicher Ritter, um die Feste zu halten. Im Januar 1158 übertrug König Sancho Burg und Ortschaft von Calatrava den Zisterziensern mit dem Auftrag, sie zu verteidigen und das Christentum gegenüber den Muslimen auszubreiten.

Die Tradition, neu gegründete Ritterorden den Zisterziensern zu unterstellen, endete keineswegs mit dem 13. Jahrhundert, denn die beiden bedeutendsten Neuschöpfungen des 14. Jahrhunderts waren ebenfalls zisterziensischer Observanz: Nach der Auflösung des Templerordens riefen die Könige von Portugal und Aragon mit dem Christusorden und dem Orden von Montesa (1317) zwei neue Ritterorden ins Leben, welche die Besitzungen der Templer übernahmen. Insgesamt lassen sich auf der Iberischen Halbinsel nicht weniger als acht Ritterorden zisterziensischer Ausrichtung — die Orden von Calatrava, San Julian de Pereiro-Alcäntara, Evora-Avis, Montjoie, Trujillo, Santa Maria de Espana, Montesa und Christus — identifizieren, eine wahrhaft beeindruckende Zahl.

Dabei ging die Initiative nicht vom Zisterzienserorden aus, sondern die Ritter wandten sich an die Mönche, bzw. einzelne Zisterziensermönche übernahmen die geistliche Betreuung der Kämpfer. Den Mönchen fiel also die Betreuung und Juridiktion der Ritterorden und ihrer Mitglieder zu.

Zur Ergänzung damit kein falscher Eindruck entsteht, der Zisterzienserorden besaß neben den Männerklöstern auch eine große Zahl von Nonnenklöstern in Spanien.

https://www.rdklabor.de/w/index.php?curid=28031 typischer Grundriss eines Zisterzienserklosters

Architektur

Die meisten Zisterzienserbauten sind im Wesentlichen romanisch, weisen jedoch in vielen Fällen als Neuheit das einfache Kreuzrippengewölbe und häufig auch den Spitzbogen auf.

Bis vor wenigen Jahren galt die Zisterzienserarchitektur als eigenständiger Stil, der als Übergangsglied zwischen der Romanik und der Gotik diente. In diesem Sinne wurde sie manchmal als protogotische Architektur bezeichnet. Heutzutage wird allerdings nicht mehr angenommen, dass die Gotik als bloße Evolution oder Weiterentwicklung der Romanik zu sehen ist, sondern vielmehr, dass die gotische Architektur als ein Sprung in der Mentalität und im architektonischen Verständnis entstand. Zisterzienserbauten können daher nicht als Glied dieser Kette betrachtet werden.

Die Zisterzienserarchitektur ist für ihre ornamentale Nüchternheit bekannt. Aufgrund der vom Heiligen Bernhard geforderten „Trunkenheit der Nüchternheit“ sind die Kapitelle, Konsolen und anderen Räume der Zisterzienserkirchen und Klostergebäude überwiegend durch pflanzliche oder geometrische Motive belebt. Diese absichtliche ornamentale Strenge war als Maßnahme gedacht, um den Mönch in seiner Meditation und seinem Gebet zu isolieren, damit er nicht durch Gemälde, Skulpturen oder bunte Glasmalereien abgelenkt werden konnte. Sie sollte aber nicht auf einfache Dorfkirchen übertragen werden.

Die Sparsamkeit der Gestaltung sollte aber nicht mit Armut verwechselt werden, denn wenn diese geometrischen und pflanzlichen Motive auftauchen, sind sie von großer plastischer Qualität und hinter ihnen sind große Künstler zu sehen. Die schmucklose Strenge der Zisterzienserbauten ging in der Regel nicht mit baulichen Einschränkungen einher. Häufig kam es vor, dass, nachdem sich die Mönchsgemeinschaften etabliert hatten, monumentale Bauprojekte initiiert wurden, bei denen perfektes Quadermauerwerk zum Einsatz kam. Im christlichen Spanien beispielsweise waren im 12. Jahrhundert, abgesehen von einigen Kathedralen, zweifellos die Zisterzienserklosteranlagen die größten Gebäude.

Die Zisterzienser entwickelten ein eigenes Bauprogramm. Das Herz der Anlage war der Kreuzgang, der nur der klösterlichen Gemeinschaft vorbehalten war. Um diesen gruppierten sich die wichtigen Räume der Mönche wie Kapitelsaal, Bibliothek, Skriptorium, das Refektorium und die Schlafsäle.

Außerhalb des Kreuzgangs befanden sich je nach Größe des Klosters Nebengebäude. 

Das waren so unterschiedliche Einrichtungen wie das Gasthaus, die Krankenstation, die Mühle, die Schmiede, den Taubenschlag, den Bauernhof, die Werkstätten und alles, was einer autarken Gemeinschaft diente, umfasste. Darüber hinaus wurden die notwendigen Einrichtungen reserviert, um die Armen und Pilger mit Großzügigkeit zu empfangen, wie es die Regel des Heiligen Benedikt vorsieht.

Ornamentale Strukturen arteguias.com Kloster Valdedios

Einige wichtige Zisterzienserklöster an den Caminos:

Kloster Valdedíos in Villaviciosa (1200-1836, 1992-2008)          Camino del Norte

Kloster Zenarruza 1379-19.Jh. Kollegiatstift (d.h. keine Ordensgemeinschaft) seit 1988 Trappisten

                                                                                                                      Camino del Norte

Kloster Oseira 1141-1835, seit 1923 Trappisten                                Via de la Plata

Kloster Sobrado in Sobrado (1142-1835, ab 1966 Trappisten)     Camino Fransés/Camino Primitivo

Kloster Mareruela in Granja de Mareruela (1131/33 – ?)               Via de la Plata

Kloster Santa María de Jesús in Salamanca (1552-1958)               Via de la Plata

Kloster San Isidoro del Campo nahe Sevilla

(1301-15. Jh.,Hieronymus-Orden Auflösung 1836, restauriert)    Via de la Plata

Kurze Erläuterung: Zisterzienser der strengen Observanz, kurz Trappisten genannt, gehören zu den strengsten Orden der katholischen Kirche.

Von P.Lameiro - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31253163 Sobrado dos Monxes

Bedeutung der Nonnenklöster im Mittelalter

Kurz eine Bemerkung zu den Nonnenklöstern. Sie haben eine lange Tradition. Schon im 5. Jh. bildeten Frauen erste religiöse Gemeinschaften. Die Gründe für den Eintritt in ein Kloster waren vielfältig:
– religiöse Überzeugung
– Spiritualität
– Flucht vor einer Zwangsehe
– Abschiebung durch die Familie
– Zugang zu höherer Bildung
– soziale Absicherung oder
– die Chance, sich familiären Normen zu entziehen.

Sie führten hinter hohen Klostermauern nicht nur ein zurückgezogenes Leben, sondern beschäftigten sich auch mit weltlichen Angelegenheiten und sie hatten oft auch große politische Macht (z.B. Elisabeth von Wetzikon). Zum Ende des Mittelalters kam es allerdings zu einem rapiden Abfall der Sitten. Generell kann man sagen, dass die Frauen oder zumindest die Nonnen im Mittelalter literarisch entwickelter und akzeptierter waren als in der Aufklärung. Es gibt heute noch zahlreiche Zisterzienserinnenklöster in Spanien.

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Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Camino Aragonés

https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Die Geschichte des Camino Aragonés ist nicht nur eine Geschichte des Pilgerns sondern auch eine Geschichte von Wirtschaft und des Militärs.

Die ersten Pilger, die aus Gegenden nördlich der Pyrenäen kamen, sind seit dem 10.Jh. belegt. Es waren vor allem Pilger aus Frankreich, aber auch aus Deutschland und Italien. Wenn sie die Pyrenäen überschritten, dann meist über den Somport-Pass bei Jaca.

Sie folgten dann durch Nordspanien eine alte Römerstraße. Dieser Weg durch Nordspanien war bis in die Spätantike wichtig gewesen, weil die Bodenschätze aus Ponferrada (Las Medulas, s. auch das Kapitel Las Medulas) in römischer Zeit in Richtung Gallien und Italien transportiert wurden. Danach, als sie nicht mehr intensiv genutzt wurden, verfielen die Straßen, bis Sancho der Große von Navarra (1004-1035) sie zu Beginn des 11. Jhs. wieder ausbessern ließ. Ziel war es, die militiärischen Züge gegen die Muslime besser durchführen zu können. Die dritte wichtige Funktion des Weges durch Nordspanien war der Handel, der über den Somport-Pass führte und durch Dokumente belegt, wie in Jaca Produkte mit Zoll belegt wurden. Interessant ist, was alles mit Zoll belegt wurde, zeigt es doch die Breite des Handelns zum Ende des 11. Jhs. Belegt sind Zölle auf Stoffe aus Brügge, Seide aus Konstantinopel, Purpur, Farben, Schwerter, Metalle, Gewürze und Goldmünzen, wohl muslimischer Herkunft oder gefangene Mauren. Pilger mussten keinen Zoll zahlen.

Juan de la Pena https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Neben der römischen Traditon, der militärischen Funktion und der wirtschaftlichen Nutzung war den Pilger die vierte wichtige Größe, die diese Achse, den Camino Aragónes benutzte.

Der Camino Aragonés war im Mittelalter der am stärksten frequentierte Pilgerweg durch die Pyrenäen. Er wird im Jakobsbuch (lateinisch Liber Santi Jokobi) als Via Tolosana, einer der vier Jakobsweg-Zubringerwege von Frankreich kommend, beschrieben, bevor er in Somport in den spanischen Camino Aragonés übergeht. Im Mittelalter war der Weg, vom französischen Arles kommend als Via Tolosana, eines der Hauptrouten nach Santiago de Compostela. Viele Pilger aus Mitteleuropa wählten diese Route. Auch Französische Pilger nutzten diesen Pass um nach Navarra und Arragon zu gelangen. Dies auch, weil zwischen dem 11.Jh. bis zur Hälfte des 15.Jh. das Herzogtum Aquitanien und später das Territorium Guyenne unter englischer Herrschaft stand. Unter englischer Herrschaft stand auch St.Jean Pied de Port, dem heute am stärksten frequentierten Startort in Frankreich. Ab dem Ende des 12. Jhs. gewann aber der Übergang zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles immer mehr an Bedeutung.

Von Txo (discusión) Mi discusión en castellano 18:27, 29 October 2007 (UTC) - fotografia propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2992279 Monasterio de Leyre

Seinen Namen verdankt der Camino Aragonés der alten fränkischen Grafschaft Aragón, die seit dem frühen 9. Jahrhundert als Amtsbezirke der spanischen Marken des fränkischen Reichs bestand. Die Grafschaft umfasste das Gebiet um den Hauptort Jaca und wurde nach dem sie durchfließenden Rio Aragón benannt.

Die Wegstrecke beträgt knapp 170 km und führt in ca. 6 Etappen von der Passhöhe Somport über die Orte Jaca, Arrés, Ruesta, Sanguesa, Monreal nach Puenta de la Reine. Er wird vor allem wegen seiner Einsamkeit und der eindrucksvollen Natur geschätzt. Immer wieder verläuft der Pilgerweg entlang des wunderschönen Rio Aragones, vorbei an mittelalterlichen Dörfern und mit Abstechern zu zwei der bedeutendsten Klöstern Spaniens, dem Kloster San Juan de la Pena und dem Kloster San Salvador de Leyre. Vom Somport-Pass aus sind es bis Santigao de Compostela etwa 858 Kilometer.

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Foz de Lumbier/ Schlucht von Lumbier

Foz de Lumbier/ Schlucht von Lumbier

Camino Aragonés

Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Jsanchezes in der Wikipedia auf Spanisch - Übertragen aus es.wikipedia nach Commons., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1644704

Diese wunderbare und beeindruckende Schlucht, die durch Jahrhunderte der Erosion des Irati-Flusses entstanden ist, ist ein Ort, den Sie nicht verpassen sollten. Die Foz de Lumbier-Route ist einer der verborgenen Schätze der Pyrenäen Navarras. 

Eine Variante des Jakobsweges Camino Aragonés von Sanguesa nach Izco führt über die Foz de Lumbier. Sie liegt im Westteil Navarras in den Vorpyrenäen an der Grenze zu Aragon und ist eine der spektakulärsten Schluchten der Region. Die enge Schlucht, in die sich der Fluss Irati eingegraben hat, ist 1300 m lang. Die senkrecht aufragenden Wände aus Kalkstein erreichen eine Höhe von bis zu 150 m. Es gibt keinen natürlichen Zugang. Im Innern der Schlucht in den Spalten, Abbrüchen und Überhängen nisten viele Sing- und vom Aussterben bedrohte Greifvögel, z. B. der Alimoche/Sai Zuria baskisch (Schmutzgeier), aber auch der Gänsegeier (Buitre Leonado) oder die Alpenkrähe (La Chova). Die schönen Wälder bestehen aus Pappeln, Weiden und Eschen.

Vielleicht noch einige Bemerkungen zu den Geiern. Die Schmutzgeier (Neophron percnopterus) ist der kleineste europäishe Gier mit weißem Gefieder (Adulte) und gelbem Gesicht, der sich hauptsächlich von Aas ernährt, z.T. nutzt er dabei sogar Werkzeug  wie z.B. Steine zum Eierknacken. Er ist weltweit stark gefährdet, unter anderem durch Vergiftungen und Lebensraumverlust. Dabei erfüllen sie als “Gesundheitspolizist” eine wichtige Rolle. im Ökosystem.

Geier sind unterschätzte, aber unverzichtbare Arbeiter der Natur. Die Assoziation mit dem Tod und federlosen Gesichtern, die nur wenige als schön bezeichnen würden, hat Geier zu einer der unbeliebtesten Tiere der Welt gemacht. Doch Wissenschaftsuntersuchungen haben gezeigt, dass sie aus gesundheitlicher, klimatischen und finanziellen Gründen zu den wertvollsten Tieren gehören. Jedes Mal, wenn ein Wildtier stirbt, wird es nicht nur eine Ressource für andere Tiere sondern auch zu einer Gefahr. Denn tote Tiere können Krankheiten verbreiten sowohl für den Menschen als auch für andere Tiere, die sich von dem Kadaver ernähren. Geier hingegen sind schnell und sauber. Sie können einen Kadaver in einigen Stunden bis auf die Knochen abnagen und ihre Mägen enthalten einige der stärksten Säuren, die Keime wie Anthrax und Botulismus abtöten, bevor sie sich ausbreiten können. Außerdem sparen sie Kosten, denn sie ersparen aufwendige  Tierkörperverwertungsanlagen gerade in Entwicklungsländern, wo diese Infrastruktur teilweise fehlt. Zudem sind sie nach Aussagen der Wissenschaftler auch Verbündete des Klimas, da sie jedes Jahr zig Millionen Tonnen Treibhausgase von der Atmosphäre fern halten.  Zudem verhindern sie die Wasserverschmutzung durch verwesende Körper. Also sollten wir versuchen, mit diesen Tieren, die leider weltweit stark bedroht sind, in Harmonie zu leben.

https://www.bahntrassenradwege.de/
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Anfang des 20. Jhs. wurde die Schlucht durch den Bau der Bahnlinie Pamplona – Sanguesa erschlossen. Die Schalspurstrecke, die in den Jahren von 1911 -1955 in Betrieb war, ist 59 km lang. Sie war die erste elektrifizierte Bahnlinie Spaniens. Heute ist die Bahn komplett stillgelegt, die Gleise wurden demontiert und nur ein paar alte Signale und Infotafeln erinnern an diese Zeit. Der Weg durchquert einige enge aus dem Felsen gehauene Tunnel, führt an einigen herrlichen Aussichtspunkten vorbei und dann z.T. eng am Flusslauf entlang.

Der engste Durchbruch durch die Felswände wurde von einer im Unabhängigkeitskrieg (1812) zerstörten Brücke überspannt, der Puente del Diablo (oder auch Puente de Jesús!). Das Bauwerk mit nur einem 30 m langen Bogen und 15 m über dem Fluss stammt wahr-scheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Das Betreten der Ruine ist allerdings gefährlich und daher verboten.

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Quellen

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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Camino Aragonés

Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Mazarbische vorromanische Architektur

Mazarbische (vorromanische) Architektur

Camino Aragonés, Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo

Neben der westgotischen und der asturischen zählt auch die mazarabische Architektur zu den Präromanischen Architekturstilen. Besonders interessant und bedeutsam ist dabei, dass die mozarabische Architektur ein positives Beispiel für die fruchtbare Symbiose von islamischer und christlicher Kultur ist und und uns dadurch wunderbare Bauwerke schenkte.

Geschichtlicher Hintergrund

Nach der maurischen Eroberung der iberischen Halbinsel im Jahr 711 und dem Zusammenbruch des Westgotenreiches wurde das Zusammenleben der Christen, die anfangs die Mehrzahl der Bewohner darstellten, mit den islamischen Herrschern durch Verträge geregelt. Diese sicherten den Christen die persönliche Freiheit und den Erhalt ihrer materiellen Güter zu. Sie konnten ihre Gotteshäuser bewahren und ihre Religion ausüben, wenn sie nicht den Islam beleidigten oder versuchten, Muslime zum Christentum zu bekehren. Wie die Juden unterlagen sie einer eigenen Rechtsprechung und waren von den wichtigsten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Ihnen waren höhere Steuern auferlegt als den Muslimen. Vor allem im Umfeld der Bischofsstädte Toledo, Córdoba, Sevilla und Merida blieb der Anteil der christlichen Bevölkerung hoch. Noch im 11. Jahrhundert gab es Dörfer mit fast ausschließlich christlichen Einwohnern.

Allerdings erhöhte sich ab Mitte des 9. Jh. der Druck auf die Christen kontinuierlich. Gleichzeitig erweiterten die christlichen Königreiche ihr Gebiet weiter nach Süden.

Das christliche Spanien bestand im 10./11. Jahrhundert aus dem Königreich Leon (910–1027), in dem unter Ramiro II. (931–951) das asturische Königreich aufgegangen war, dem Königreich Navarra (905–1035), der Grafschaft Kastilien (930–1022) und der Grafschaft Barcelona (898–1018).

Unter dem asturischen König Alfons III. (866–910), der seine Hauptstadt von Oviedo nach Léon verlegt hatte, wurden Gebiete entlang des Río Duero wiederbesiedelt. In diesem Niemandsland, das als Pufferzone zu den islamischen Gebieten dienen sollte, war zuvor die Bevölkerung vertrieben worden. Bereits 893 wurden in den Städten Simancas, Toro und Zamora Christen aus Toledo wieder angesiedelt. Anfang des 10. Jahrhunderts wurden Christen aus Córdoba in der Gegend um León ansässig.  Viele dieser Christen waren aus al Andalus geflohen, da sich das friedliche und tolerante Zusammenleben, deutlich verschlechterte. Infolgedessen begann ein Exodus christlicher Menschen aus al- Andalus nach Nordspanien. Darunter waren auch viele Mönche, die sich in den aufgegebenen westgotischen Klöstern niederließen oder neue Klöster bauten, in denen sie auch maurische Stilelemente einbrachten.

(s. Kapitel Arabisierung Spaniens und Reconquista),

gelb: Königreich León, orange: Königreich Navarra (Pamplona) mit der Grafschaft Kastilien, rosa: Grafschaft Barcelona, grün: al-Andalus; um 1030 Von Crates - File:Leon 1030.png that comes from this liberated to the public domain by the University of Texas at Austin., CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5736381

Der Begriff mozarabische Kunst

Die Bezeichnung Mozaraber wurde erst ab dem frühen 12. Jahrhundert verwendet. Er bezieht sich auf die christlichen Bewohner von al-Andalus, die sich die Kultur der Mauren angeeignet hatten, jedoch ihren christlichen Glauben bewahrten.

Der Begriff „ mozarabische Kunst “ ist relativ neu. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Historiker Manuel Gómez Moreno in der Überzeugung geprägt, dass die Kunst des 10. und frühen 11. Jahrhunderts in Kastilien und León, in Katalonien und in Aragon im Wesentlichen von den angesiedelten Mazarbern geprägt ist. Allerdings stören sich einige Forscher an dem Begriff aber anderen Begriffe wie z.B. Wiederbesiedlungskunst (Arte de Repoblación) haben sich nicht durchgesetzt. Der Begriff umfasst die Zeit zwischen dem Ende des 9. bis zum Anfang des 11. Jh., bezieht sich also auf den Zeitraum zwischen dem Ende der asturischen Architektur und dem Beginn der Romanik. Es entstand eine Architektur, die westgotische mit maurischen Elementen verband.

Von MiguelAlanCS, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64872043 San Miguel de Escalada
Von David Perez - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28297390

Typische Stilelemente

Diese von außen schlichten Kirchen haben meist einen sehr schönen Innenraum mit orientalischen Elementen, mit Hufeisenbögen, Säulen mit korinthischen Kapitellen der Cordoba-Tradition und in einigen Fällen skulpturalen Schnitzereien von großem fantasievollem Schematismus.

 Es gibt ein paar typische Stilelemente, die diesen Stil ausmachen. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, in jeder Kirche alle diese Elemente zu finden sind.

  • Sehr vielfältige Grundrisse, aber mit einer Tendenz zu einer stark unterteilten räumlichen Anordnung, wie in der hispano-westgotischen Architektur.
  • Kirchenschiffe meist mit flachen Holzdecken, kleinere Raumteile sind mit Kreuzgratgewölben oder Rippengewölben gedeckt. Die Apsiden besitzen Tonnengewölbe aus Stein oder Kuppeln. Teilweise Schirmkuppeln als Neuerung gegenüber den anderen Stilen.
  • Hufeisenbogen im islamischen Stil, sehr geschlossen, mit einer Überhöhung von zwei Dritteln des Radius. Der Hufeisenbogen wurde bereits in der westgotischen Architektur verwendet. Im Unterschied ist, dass der mozarabische Bogen enger geschlossen ist und er besitzt meist einen Schlussstein.
  • Alfiz (architektonisches Schmuckelement in Form eines rechteckigen oder quadratischen Rahmens um eine gewölbte Fenster-, Tür- oder Arkadenöffnung) rahmt die Bögen ein.
  • Verbundpfeiler (Viertel-, Halb- oder Dreiviertelsäule, die einem tragenden Element vorgebaut ist und sich in die Rippen des Gewölbes hinein fortsetzt) und Säulen.
  • Korinthisches Kapitell mit Seilkragen.
  • Skulpturen mit geometrischen Motiven (Kreuze, Schriftrollen, Blatt und Rankenornamente usw.)
Iglesia Santa Maria de Lebena Von Image detailsCasio EX ZR1000Orikrin1998CC-BY-3.0 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30866574a
Hufeisenbögen auf Pfeilern und Säulen, korinthische Kapitelle und Kämpfer CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176134

Einige Mozarabische Kirchen entlang der Jakobswege

 

San Juan de la Pena                (Camino Aragonés)

Santa Maria de Lebana          (Camino Lebaniego von San Vicente de la Barquera 

                                                      zum Kloster San Toribio)

Santa Maria in Tabara            (Via de la Plata)

San Millan de Suso                 (Camino Frances)

San Miguel de Escalada          (12 km vom Camino Frances entfernt)

Santa Maria de Wamba         (Camino de Madrid)

Santiago de Penalba               (Camino Frances bei Ponferrada))

San Tomás de la Olla              (Camino Frances bei Valladolid))

San Xes de Francelos              (Camino Portugues)

Von Julio Prieto - Original, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=761913 San Baudelio Pfeiler
San Xes de Francelos Fenster mit Transenna Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3207336
Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4097941 Santiago de Peñalba, mozarabischer Hufeisenbogen mit Alfiz

Eine Sonderform der mozarabischen Architektur – die Serrablo – Kirchen in der Provinz Huesca

Die Serrablo-Kirchen sind eine Gruppe von Kirchen mit sehr homogenen Merkmalen, die zwischen der Mitte des 10. und dem 11. Jahrhundert in einem sehr begrenzten geografischen Raum im Norden der Provinz Huesca erbaut wurden. Sie waren lange Zeit kaum bekannt, bis die Freunde der Serrablo-Vereinigung begannen die Kirchen und Ruinen zu restaurieren. Nicht alle Wissenschaftler rechnen sie dem mozarabischen Stil zu, sondern eher der Frühromanik oder von einem eigenen vorromanischen aragonesischen Stil zu.

Auf jeden Fall ist die Anwesenheit der mozarabischen Bevölkerung in der Gegend von Serrablo belegt, als nach dem Fall des Westgotenreichs muslimische Herrscher die Kontrolle über den damals als ländlicher Yilliq (Gállego) bekannten Bezirk übernahmen. Mit der Rückeroberung des Gebietes und der Wiederbesiedlung Mitte des 10. Jh. siedelten sich hauptsächlich Mozaraber dort an. 

Typische Merkmale

Die Serrablo-Kirchen zeichnen sich durch ihre große Homogenität in Bezug auf Konstruktion  und Dekoration aus. Die meisten Kirchen besitzen ein einziges Kirchenschiff mit einem Giebeldach aus Holz, und einer dazu entsprechenden halbkreisförmigen Apsis.  Die Wände bestehen praktisch ausnahmslos aus rechteckigen Quadersteinen.

Eines der Elemente, die diese Serrablo-Kirchen, sofern sie intakt erhalten sind, unverwechselbar machen, sind ihre Glockentürme. Sie weisen wegen ihrer Schlankheit im Verhältnis zum Rest des Gebäudes und durch ihre Höhe eine latente Ähnlichkeit zu einigen islamischen Minaretten auf. Diese Türme, die sich entweder auf der Nord- oder Südseite der Kirche befinden, weisen in der Regel Öffnungen mit einer leichten Hufeisenform auf. Das letzte Geschoss ist allen vier Seiten von Drillingsfenstern durchbrochen, die von einem Alfiz eingerahmt werden. Vermutlich wurde ein Teil der Türme gleichzeitig als Wachtürme genutzt.

Die Zugangstüren, die sich normalerweise an der Südseite der Gebäude befinden, haben im Allgemeinen hufeisenförmige Öffnungen, die von kleinen rechteckigen Kassetten eingerahmt sind. Die Fenster weisen hufeisenförmige Öffnungen – einfach oder zweiseitig – eingerahmt mit den bereits erwähnten rechteckigen Kassetten.

Die Kirchen der Ruta Serrablo sind:

San Pedro de Lárrede                         San Pedro de Lasieso                        

San Juan de Busa                                 San Miguel de Latre

Santa Eulalia de Susín                        San Martín de Ordovés

San Martín de Oliván                         San Miguel de Orna

San Martín de Arto                             Santa Eulalia de Orós Bajo
San Bartolomé de Gavín                   San Juan de Orús
Santa María de Isún de Basa            San Andrés de Satué
Iglesia de Javierrelatre

Von Willtron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=336574 Kirche San Pedro in Lárrede

Mozarabische Bauwerke in Spanien nach Wikipedia „Mozarabische Architektur“ plus eigenen Ergänzungen:

Die genaue Zuordnung zu den präromanischen Architekturstilen ist nicht immer einheitlich.

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Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

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Der Olivenbaum (Olea europaea), von lateinisch oliva, auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. An ihm wächst als Frucht die einsamige Steinfrucht, die Olive. Olivenbäume wachsen sehr schnell und tragen nach 5 -10 Jahren die ersten Früchte. Bei sorgfältiger Pflege werden Olivenbäume einige hundert Jahre alt und in Einzelfällen bis zu 20 Meter hoch. Im Schnitt bringt ein Olivenbaum pro Jahr etwa 20 Kilogramm Oliven ein. Das entspricht ungefähr drei bis vier Litern Olivenöl.

Die Olive ist somit eine mediterrane Steinfrucht, die allerdings wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar ist, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Obwohl schon mehrmals versucht wurde, mechanisierte Erntemethoden zu entwickeln, werden die Oliven für die besten Öle immer noch von Hand gepflückt. Meistens werden sie mit einem Stock vom Baum abgeschlagen und fallen auf ein Netz, das auf dem Boden liegt

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seiner engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. 

Das Olivenöl wird im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen also nicht aus Samen sondern aus der Frucht, der Olive, gewonnen. Das deutsche Wort Öl stammt von dem Lateinischen Oleus. Olivenöl ist auch als „flüssiges Gold» bekannt, seit Homer es vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal so nannte.

Das Öl verändert sich je nach Reifegrad der Oliven. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember geerntete Oliven ergeben ein kräftigeres, fruchtigeres, leicht grünliches Öl. Später geerntete Oliven ergeben mildere Öle. Im Allgemeinen werden die besten Öle aus Oliven hergestellt, die zwischen ein und zwei Dritteln schwarz sind, also früh geerntet wurden, zwischen Mitte November und Anfang Dezember.

Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa 1,36 Mio. Tonnen (2020) jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit. Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Kastilien-La Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

Von Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.di

Geschichte des Olivenöls

Man geht auf Grund von Funden davon aus, das Olivenöl seit mindestens 8000 Jahren, ausgehend vom östlichen Mittelmeerraum, hergestellt wird. Im Alten Griechenland erlangten dann die Olive und das Olivenöl die Bedeutung, die sie heute haben. 

Seine damalige Bedeutung zeigt sich schon darin, dass bei den Olympischen Spielen den Athleten Kronen aus Olivenzweigen überreicht wurden. Auch auf religiöser Ebene sind der Olivenbaum und das Öl in die Volkskultur integriert worden. Nach der griechischen Mythologie ist Aristaios, der Sohn des Gottes Apoll und der Nymphe Kyrene, ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Angeblich wurde er damit beauftragt, die Olive auf dem Balkan, in der Ägäis und anschließend auf Sardinien und Sizilien zu verbreiten.

 Es waren wohl die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten. Die Römer spielten dann eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von dem, was wir heute als Olivenöl verstehen, denn sie verbesserten sowohl die Anbautechniken als auch die Lagerung des Olivenöls. Die Römer gehörten zu den größten Konsumenten von Oliven und Olivenölen aus Hispania, insbesondere aus Baetica (dem heutigen Andalusien). Das Öl aus Hispania war aufgrund seiner hervorragenden Qualität das am höchsten geschätzte Öl im gesamten Römischen Reich. Schätzungen zufolge exportierte Hispania während dieser Epoche über 30 Millionen Amphoren mit Olivenöl, und in regelmäßigen Abständen wurden Tausende von ihnen in die Hauptstadt des Römischen Reichs transportiert.

Nachdem das Römische Reich seinen Fußabdruck in der spanischen Olivenöl- Produktion hinterlassen hatte und für einen hervorragenden Ruf des grünen Goldes gesorgt hatte, wurde der Anbau und die Produktion durch die Araber noch einmal verfeinert. Der arabische Einfluss in der spanischen Olivenöl-Welt kann man auch aus dem Namen ablesen. Nicht der lateinische Name wurde übernommen, sondern das spanische Wort „aceite“ (Öl) wurde aus dem arabischen „az-zait“ abgeleitet und das Wort „aceituna“ (Olive) kommt vom arabischen „zei´tuna“.

Wir wissen, dass das Olivenöl schon im Mittelalter nicht nur als Nahrungsmittel genutzt wurde, sondern für verschiedene andere Zwecke, so zum Beispiel für die Herstellung von Seifen, für bestimmte Schönheitsbehandlungen oder auch für die Beleuchtung von Häusern. Aber immer stand seine Nutzung als Nahrungsmittel im Vordergrund. 

Später, im 19. Jahrhundert erlebte der Anbau von Oliven in Spanien, dank des Baus des Schienennetzes, einen großen Aufschwung. So wurde Spanien zum weltweit größten Olivenanbaugebiet. Im 20. Jahrhundert kam es in Spanien zu einer technologischen Revolution, die es ermöglichte, exzellente Öle herzustellen, die jedes Jahr mit den weltweit bedeutendsten Preisen ausgezeichnet werden. Spanien steht heutzutage an der internationalen Spitze der größten Produktion und besten Qualität von Olivenölen.

Ökonomische Bedeutung und Probleme

 Größte Olivenölproduzenten (2020)

Rang     Land                         Menge (in t)

  1. Spanien                       1.356.411
  2. Tunesien                        373.100
  3. Italien                             330.879
  4. Griechenland               308.000 
  5. Türkei                             240.100 
  6. Marokko                        164.600 
  7. Syrien                             138.217 
  8. Algerien                         113.600 
  9. Portugal                         107.000 
  10. Ägypten                          36.000

Summe Top Ten                    3.167.907

 Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 führte Spanien innerhalb der EU über 640.000 t aus, davon ging mehr als die Hälfte nach Italien, 21,3 % nach Portugal, 14,7 % nach Frankreich und 3,7 % nach Deutschland. Italien führte hingegen 124.500 t aus, davon aber 35,4 % nach Deutschland (!), 27,5 % nach Frankreich, 8,9 % nach Spanien. 

Allerdings ist zu beachten, italienische Firmen kaufen nach Pressemitteilungen in der Mittelmeerregion Olivenöl auf, füllen es ab, und vertreiben es weltweit. So wird griechisches Olivenöl aufgekauft, um es in Deutschland als „italienisches“ zu verkaufen, da die Konsumenten bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Bei der Abfüllung in Italien wird häufig griechisches Olivenöl guter Qualität nicht mit weniger gutem Olivenöl gemischt und in Deutschland verkauft.

Leider gehört der Lebensmittelbetrug bei Olivenöl in der EU zur gängigen Praxis, dem man versucht mit Stichprobenkontrollen zu begegnen. Der Betrug besteht in der Regel darin, dass minderwertiges Olivenöl als hochwertiges verkauft wird. Wichtig ist zu kontrollieren, ob eine Regionsbezeichnung angeben ist. Die genaue Ursprungsbezeichnung ist oft nur im Kleingedruckten des Etiketts zu lesen. Es sollte die geschützte geografische Angabe darauf stehen. Das heißt, eine der drei Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss in dem bezeichneten Gebiet erfolgen und im Ruf besonderer Qualität stehen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung bedeutet: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt sein.

Und natürlich spielt der Preis eine Rolle. Gutes Olivenöl und preiswert das geht nicht zusammen!

Sorten und Qualität von Olivenöl

 Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch MarteñaLopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus.    Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Malaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extrematura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Qualität

 Qualitätsbeeinflussende Faktoren:

 Die geschmackliche Qualität ergibt sich aus

  • der Olivensorte
  • dem Zustand der Oliven wie Reife oder Wasserversorgung beim Wuchs
  • dem Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchten
  • der Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespänen
  • der Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
  • der Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere bei Rückständen von älteren Chargen
  • der Sauerstoff-Exposition während der Verarbeitung
  • der Weiterbehandlung nach der Pressung
Von Klejdi Shtrepi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73107730

Folgende Güteklassen für Olivenöl gibt es:

 Auf den Tisch kommen normalerweise nur Öle der Kategorien (s. unten) eins, zwei und fünf (dieses in Deutschland nicht erhältlich). Dieses Öl wird entweder durch mechanisches Pressen oder nach dem Zentrifugier-Verfahren gewonnen. Diese drei Öltypen sind immer kaltgepresst und ohne übermäßige Temperatureinwirkung hergestellt.

Kategorie

Produktbezeichnungen

Herstellungsverfahren

Eigenschaften, Qualität und Verwendung

1

natives Olivenöl Extra

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 0,8 %, ohne sensorische Fehler, für den Verzehr geeignet.

2

natives Olivenöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 2 %, leichte Fehler, für den Verzehr geeignet

3

Lampantöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt > 2 %, deutlich fehlerhaft
darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss raffiniert werden

4

raffiniertes Olivenöl

 

Säuregehalt ≤ 0,3 %, typische Geschmacks- und Geruchsanteile des Olivenöls fehlen; darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Olivenöl“ (Kategorie 5) verarbeitet werden.

5

Olivenöl

Mischungen aus raffiniertem Olivenöl (Kategorie 4) mit nativem Olivenöl der Kategorien 1 oder 2

Säuregehalt ≤ 1 %, Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

6

rohes Oliventresteröl

Aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung/Extraktion der Oliven übrig bleibt, wird mit Hilfe von Lösungsmitteln (Hexan) das nach der ersten Pressung noch verbleibende Öl extrahiert.

Das Öl ist zum Verzehr nicht geeignet und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Raffiniertem Oliventresteröl“ (Kategorie 7) verarbeitet werden.

7

raffiniertes Oliventresteröl

aus rohem Oliventresteröl durch Raffination hergestellt

Säuregehalt ≤ 0,3 %, das Öl ist ohne Geschmack und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Oliventresteröl “ (Kategorie 8) verarbeitet werden.

8

Oliventresteröl

raffiniertes Oliventresteröl (Kategorie 7), das mit nativem Öl (Kategorie 1 oder 2) gemischt wird

Säuregehalt ≤ 1 %, zum Verzehr geeignet. Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

Ökologische Bedeutung der Olivenproduktion

Die Art der Olivenölproduktion wirkt sich auf den ökologischen Wert und den Landschaftsschutz in einer so hoch entwickelten Kulturlandschaft, wie sie der Mittelmeerraum darstellt, überaus stark aus. Die Bäume wachsen oftmals auf steinigen, steilen und im Sommer heißen und trockenen Hängen bis ca. 500 m über dem Meeresspiegel. Sie benötigen wenig Wasser und Düngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorität, Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Diese sind allerdings viel stärker brandgefährdet.

Allerdings hat die ökologische Bedeutung bei der Produktion der Oliven in Spanien keinen so großen Stellenwert, da sie meist in großen Plantagen angebaut werden. Das liegt leider auch an einer falschen EU Politik. Die EU-Subventionen erfolgen kontraproduktiv nur durch Zahlungen pro Hektar Land oder pro Liter produzierten Öls statt pro Olivenbaum. Damit werden große Produktionsmengen und hohe Gewinne auf Großplantagen und intensive Monokulturen gefördert und zahlreiche kleinbäuerliche und umweltgerechte Produktionsstätten ruiniert. Darüber hinaus werden dadurch großflächige Bewässerungsprojekte notwendig, was in Gebieten mit geringen Wasserreservoirs Engpässe auslöst und den Grundwasserspiegel absenkt. Auch droht die Ausrichtung auf Mengenproduktion weniger ergiebige Sorten zu verdrängen, was sich wiederum zu Lasten der Vielfalt, aber auch der Resistenz gegen Krankheiten und klimatische Veränderungen auswirkt.

So gab es in Spanien 2023 wegen der großen Dürre auch bei den Olivenproduktion Probleme. Die anhaltende Trockenheit ist das Hauptproblem. Nur etwa ein Viertel der spanischen Olivenhaine werden bewässert. Der Rest ist auf Regen angewiesen. Wenn es nicht regnet, sterben die Bäume nicht ab, aber sie passen sich an und tragen weniger Früchte. Eine einfache stärkere Bewässerung ist aber aus ökologischen aber auch aus Kostengründen nicht sinnvoll. Aber es gibt erste Alternativen.

So versuchen es einige Bauern über die Tröpfchenbewässerung. Es entsteht dabei ein runder, feuchter Fleck um den Baum herum. Aber durch Hitze und Wind verdunstet davon auch wieder ein Teil. Der neue Weg besteht darin, die Tröpfchenbewässerung unter die Erde zu legen, um so noch sparsamer mit dem Wasser umzugehen. Diese Form der Bewässerung ist aber nur bei Olivenplantagen sinnvoll. Die Bauern aber, die noch alte Olivenhaine besitzen, sind dann wieder wie oben gesehen benachteiligt.  Vielleicht ändert sich dies noch, denn Trockenheit und Dürre sind ein Problem, das nach Aussagen der Wissenschaften im Rahmen der Klimakrise in den nächsten Jahren noch zunimmt.

Momentan ist es aber auf jeden Fall so, dass auf Grund der oben genannten Problematik, wie bereits auch für Italien angekündigt, der Preis für hochwertiges Olivenöl 2024 stark steigen wird. In den spanischen Supermärkten ist 2023 ein Liter gutes Olivenöl kaumunter 10 Euro zu bekommen. So hat sich das Öl seit März 2012 um 136,6% verteuert! Zwei schlechte Ernten hintereinander haben das bewirkt. Aber seien wir ehrlich, ein Hauptgrund für die Preissteigerung ist sicher die Problematik von Wassermangel, Dürre und Hitze, aber Spekulation und Profitdenken spielen bestimmt auch eine Rolle. In der Produktions- und Vertriebskette versuchen offenbar viele Beteiligte, Profit aus der Situation zu schlagen

Von G.steph.rocket - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46572374

Die mediterrane Küche und der Gesundheitsaspekt

Die Beobachtungsstudie SUN ‘Seguimiento Universidad de Navarra’, die die mediterrane Ernährung analysiert, bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der mediterranen Küche und einer guten mentalen und emotionalen Gesundheit gibt. Die Mittelmeer-Diät, die auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländeer wie Spanien basiert, ist reich an Gemüse, Wein, Früchten, Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze bilden zusätzlich die Grundlage der Ernährung. Olivenöl spielt in der Ernährung eine ganz besondere Rolle. Denn es ist die Hauptfettquelle, im Gegensatz zu anderen Ernährungsformen, bei denen gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs überwiegen.

Warum ist Olivenöl so wichtig für die mediterrane Ernährung?

Olivenöl hat zahlreiche gesundheitliche Eigenschaften. Dank seiner Lipidzusammensetzung und seines Gehalts an Antioxidantien wirkt es sich unter anderem positiv auf die Vorbeugung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen aus und ist dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hilfreich für die Gesundheit des Darms und des Immunsystems. 

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Geographisches Geographisches Via Tolosana

Der Stausee von Yesa und das Geisterdorf Ruesta

Der Stausee von Yesa und das Geisterdorf Ruesta

Via Tolosana

Die Yesa-Talsperre (Embalse de Yesa)

Die Yesa-Talsperre (spanisch: Embalse de Yesa) staut den Fluss Aragon in den spanischen Vorpyrenäen zu einem bei Vollstau 2089 Hektar großen See auf.

Der wegen seines immensen Speichervolumens von 450 Millionen Kubikmetern Wasser und einer Länge von 18 Kilometern mit dem Spitznamen „Meer der Pyrenäen“ bedachte Stausee wurde 1959 fertiggestellt. Die 74 m hohe Staumauer befindet sich zwei Kilometer östlich des Ortes Yesa an der Grenze der autonomen Gemeinschaften Navarra und Aragon.

Die Talsperre wird vom Aragón und mehreren Nebenflüssen, darunter dem aus Richtung Norden zufließenden Esca, gespeist. Aufgefüllt wird der Speicherraum hauptsächlich in den Monaten Oktober bis Mai, wobei die Talsperre dem Hochwasserschutz dient, während in den trockenen Monaten Juni bis September Wasser zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen abgegeben werden kann. 

Allerdings forderte das ambitionierte und bis heute umstrittene Bauprojekt seinen Tribut. Die Weiler Ruesta, Tiermas und Escó fielen dem Stausee zum Opfer. Alle drei Ortschaften wurden mitsamt ihren fruchtbaren Talflächen und ihrem kulturellen Erbe in den 1960 Jahren geflutet. Die insgesamt 1500 Einwohner siedelte man um.

Im August 2006 kam es zu einem Erdrutsch auf der linken Talseite. Die Erdmassen ergossen sich nicht in den See, sondern auf ein noch ungefülltes, zur Erweiterung des Sees geplantes Territorium. Dadurch blieben eine Flutwelle und eine Katastrophe für die Anwohner der Umgebung aus. Das Unglück wurde acht Monate lang geheim gehalten. Das lag vielleicht auch daran, dass es bei dem Staudamms Itoiz in der Nähe immer wieder zu Problemen und Widerständen kam. Denn erst als am benachbarten Staudamm Yesa an der linken Talseite 3,5 Millionen Kubikmetern Erde abgerutscht sind, wird die Gefahr ernster genommen, dass eine Flutwelle unterhalb des Staudamms von Itoiz vielen Menschen das Leben kosten könnte. Das Problem wird verstärkt, da der Staudamm anscheinend seit dem Beginn der Befüllung ständig Erdbeben induziert. Namhafte Gutachter haben die “nicht zu korrigierenden Mängel” schon beschrieben.

Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4671098

Das Geisterdorf Ruesta

Das Dorf Ruesta, an dem der Jakobsweg vorbeiführt, ist nur noch eine Ruinendorf. Da sie ihre Existenzgrundlage verloren hatten, verließen die Einwohner den Ort. Die Häuser sind verfallen und die Natur holt sich so langsam das Terrain zurück. Allein zwei ganzjährig geöffnete Herbergen und ein Kulturzentrum mit Ausstellungsraum und Bibliothek wurden renoviert und ragen aus den Ruinen heraus.

Dabei war Ruesta einmal eine wichtige Station auf dem Jakobsweg. Ruesta war, nachdem die Mauren zu Beginn des 10. Jahrhundert aus diesem Landstrich zurückgedrängt wurden, lange Zeit eine strategisch bedeutende Grenzfestung zwischen den Königreichen Aragón und Navarra. Zunächst sorgte der König von Navarra für den Wiederaufbau der von den maurischen Eroberern zurückgelassenen Burganlage, bevor sie 1050 an den aragonischen Herrscher abgetreten wurde. In diesem Zeitraum begann die Besiedlung des Weilers um die militärische Anlage herum. Selbstverständlich durften als Station auf dem Jakobsweg auch Kloster und Kirche nicht fehlen. Ruesta war zweifellos von großer strategischer Bedeutung, denn als die Grenzstreitigkeiten um das fruchtbare Land im ausgehenden 13. Jahrhundert wieder zunahmen, ließ der König sogar die Stadt selbst befestigen. Ab dem 15. Jahrhundert verlieren sich die Aufzeichnungen über das Kastell. Heute sind noch der 25 Meter hohe, monumentale Torre del Homenaje und der Wohnturm als Ruine erhalten. Sie sind die letzten Zeugen der Festungsanlage, die sich einst über das ganze Plateau von fast eintausend Quadratmetern erstreckte.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Stausees befand sich die Ortschaft Tiermas. Hier sind noch die Überreste eines Thermalbades zu finden, das bereits bei den Römer beliebt war. Das 35° Grad warme Schwefelwasser kann bei niedrigem Wasserstand in den Tümpeln genutzt werden. Außerdem treten dann auch die Ruinen des ansonsten vom Stausee komplett überspülten Dorfes langsam ans Tageslicht. Eine kleine Geisterstadt!

https://www.inreiselaune.de/ruesta-geisterstadt/
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Ermita de San Juan de Ruesta

 Etwa einen Kilometer außerhalb von Ruesta trifft man auf die Überreste einer romanischen Einsiedelei. Ihre Entstehung fällt vermutlich in das 12. Jahrhundert, doch vielleicht ist sie auch Bestandteil der gleichnamigen Klosteranlage, welche bereits 200 Jahre zuvor in Betrieb genommen wurde.

Wie oben erwähnt: die Gegend ist reich an Geschichte. Es handelt sich um eine Grenzregion. Iberer, Westgoten und Römer besetzten schon das Gebiet. Den Grundstein für das, was heute ist, legten aber die Auseinandersetzungen zwischen den katholischen und muslimischen Königreichen in der Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert. Deren Dörfer wachten über den Flusslauf und prägten das Gebiet durch ihre Architektur. In einem Ra­dius von wenigen Kilometern finden sich so islamische Festungen und katholische Klöster und Siedlungen auf den Bergeshöhen.

Die Kapelle befand sich in einem ruinösen Zustand. Schuld daran war der Bau des Yesa-Stausees und das Versagen der verantwortlichen Stellen. Eine historische Fotodokumentation zeigt, dass sich das Gebäude bis vor zwanzig Jahren noch fast in seinem ursprünglichen Zustand befand, obwohl es wegen der Vegetation unzugänglich war. 2001 stürzte jedoch ein großer Teil der Außenmauern ein, wodurch das Dach fast vollständig einbrach. Die Kapelle war einst berühmt für die Wandmalereien in ihrer Apsis, die zu den bedeutendsten ihrer Zeit gehörten. Beim Bau des Staubeckens wurden die wertvollen Fresken, die als eine der bedeutendsten Sammlungen romanischer Malerei des 12. Jahrhunderts in Spanien gelten, zur Konservierung entfernt und befinden sich heute im Diözesanmuseum von Jaca.

Eine Kette von Begebenheiten hat der Kapelle neues Leben eingehaucht, wodurch sie auch in Zukunft erhalten bleibt. Die Revitalisierung der einst ruinösen Pilgerkapelle San Juan de Ruesta war Bestandteil einer Ausgleichsmaßnahme zur Erhaltung des Kulturerbes der Region, die von dem Archtiekten Sebastián Arquitectos aus Saragossa durchgeführt wurde.

Der Bau ruht auf sieben Metallrahmen, die dieselbe Form aufweisen wie das ursprüngliche Bauwerk. Werksteinblöcke ergänzen das Jahrhundertealte Bruchsteinmauerwerk. Rund 60% der Bruchsteinmauer musste erneuert werden. Die Anspielungen auf die landestypische Architektur, wie beispielsweise das für die Gegend typische Steindach oder die Rekonstruktion der ursprünglichen Öffnung in der Hauptfassade werden verbunden mit der Neugestaltung des Gebäudes. San Juan de Ruesta ist ein Überbleibsel der Geschichte, Teil einer Pilgerroute und für die Pilgernden immer offen. 

 

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