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Genusswanderung auf alter Eisenbahntrasse bei Pobena

Genusswanderung auf alter Eisenbahntrasse bei Pobena

Camino del Norte

Kurz hinter Bilbao verläuft der Jakobsweg von Pobena nach Castro Uriales teilweise auf einer alten Eisenbahntrasse. Pobena liegt an der Mündung des Flusses Barbadun und am westlichen Ende des berühmten Strandes La Arena. Der Strand ist besonders bei Surfern beliebt.

Vom Strand in Pobena steigt man erst einmal 120 Stufen hinauf zum Panoramaweg, der von Pobena nach Onton führt. Belohnt wird der Besucher durch eine exponierte Route direkt am Hang mit atemberaubenden Blicken auf den Strand La Arena und über den Rand der Steilküste des Atlantiks.

Früher war die Strecke eine Eisenbahntrasse. Die Schwerindustrie und der Bergbau spielten in diesem Gebiet eine wichtige Rolle und so entstanden zahlreiche kürzere und längere Bahntrassen. Auf dieser Strecke wurde Eisenerz aus den Minen der Region zu den Cargaderos, den Laderampen, an der Küste transportiert. Es wurde dort auf Schiffe Richtung Holland und England verladen. Reste einiger Rampen kann man auf der Wanderung noch sehen. Bemerkenswert sind die Überreste der Küstenverladerampe Campomar, die erste in Biskaya, an der Mineralien auf offener See verladen wurden.

Der Weg überquert übrigens am Anfang der Strecke die Grenze zwischen dem Baskenland (Viskaya) und Kantabrien.

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Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Als ich über die Bäume Galicien erzählen wollte, hatte ich eigentlich nur positive Bilder und Erinnerungen im Kopf. Doch als ich tiefer in Materie eingestiegen bin, wurde mir klar, dass es auch einige zumindest problematische Entwicklungen gab und gibt. Eine davon auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte, ist die Problematik der Eukalyptusplantagen.

Was ist Eukalyptus?

Eukalypten gehören zu den Myrtengewächsen und zählen über 800 verschiedene Arten. Eukalyptusbäume sind schnellwüchsige immergrüne Laubbäume und können bis zu sechzig Meter hoch werden. 

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolorEucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Eukalyptus in Galicien

 Die zu Recht auf ihre grüne Vegetation stolze nordwestspanische Region Galicien verzeichnet allerdings einen hohen Zuwachs an Eukalyptusbäume. Es ist das Ergebnis einer politisch gewollten Aufforstung. Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel, weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben. Der Baumbestand des Eukalyptus in Galicien hat sich seit den 1990er Jahren fast verdoppelt. Leider habe ich keinen aktuellen Zahlen bezüglich der Größe der Anbauflächen gefunden.

Ursprünglich kommt der Eukalyptusbaum aus Australien. Der Missionar Missionar Fray Rosendo Salvado schickte Mitte des 19. Jahrhunderts einige Samen aus Australien an seine Familie. Die lebten ausgerechnet in Galicien, im charmanten Tuy. Von dort breitete sich die Pflanze über viele Regionen der Iberischen Halbinsel aus (z.B. in Asturien und in der Extremadura). 

Eukalyptusbäume auf der iberischen Halbinsel wachsen förmlich in den Himmel. Schon nach kürzester Zeit entwickeln sie mächtige Baumstämme, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Auf den Wanderungen sind sie für uns Pilger besonders schön, da sie nach ätherischen Ölen duften und sich ihre silbrig glänzenden, blaugrünen Blätter schön im Wind bewegen. Bei jedem Schritt knacken die Samenkapseln unter den Füßen und verströmen Eukalyptus-Aroma. Also vermeintlich ein reines Vergnügen!?

https://www.monumentaltrees.com/de/fotos-eucalyptusglobulus/esp/

Pro und Contra des Anbaus von Eukalytusbäumen

Der Nutzen des Eukalyptus ist nicht unumstritten. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat der Eukalyptusbaum einen negativen Einfluss auf die Biodiversität der Bodenpflanzen. Außerdem entzieht er anderen Bäumen das Wasser. Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab. Zudem brennt er aufgrund  seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Ölen, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Und das ist ja gerade nicht angebracht ist, da Galicien eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens ist. Und nicht immer scheinen die Brände reine Naturereignisse zu sein!  Das Problem mit den Eukalyptus ist, dass erstens die brennenden Blätter hunderte Meter weit fliegen und immer neue Brände entfachen. Zweitens „explodiert“ ein brennender Eukalyptus-Baum quasi und schleudere seine Samen weithin in Umkreis von sich. Zu dem Überleben das Temperaturinferno nur wenige Samen, vor allem die Eukalyptussamen als wahre Überlebenskünstler, aber leider kaum die Samen der ursprünglichen Vegetation.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das man zunächst gar nicht negativ bemerkt. Die Eukalyptuswälder sind still. Falls jemand darin tatsächlich einen einzelnen Vogel sieht oder hört, hat der sich verirrt und noch nicht bemerkt, dass es für ihn darin nichts zu futtern gibt, weder Sämereien noch Insekten, die auch für Kleintiere zur Nahrung taugen würden. Das einzige Tier, das sich von Eukalyptus ernährt, ist der Koala! Für andere Tiere ist er z.T. sogar giftig.

Es gab zahlreiche Proteste von Bauern, da zum einen der Grundwasserspiegel im Umfeld der Eukalyptuswälder deutlich sinkt. Ihr Hauptargument aber sind die schweren Bodenerosionen als Folge des Anbaus. Nicht zu Unrecht: Bevor die Setzlinge gepflanzt werden, muss der Boden samt Gräsern und Büschen tief umgepflügt, dann jahrelang der Witterung ausgesetzt werden, bis die Jungpflanzen endlich treiben. Regenfälle schwemmen in dieser Zeit bis zu 25 Tonnen Humus pro Hektar weg – ein kaum zu ersetzender Verlust bei nur 20 Zentimeter Boden. Nach zehn Jahren werden die Bäume mit Traktoren aus dem Boden gerissen – ein beispielloser Kahlschlag. Oft werden Laub und Äste in die Flüsse gespült, so die Gegner, und das Wasser wird durch das Eukalyptusöl verschmutzt.

Auf der anderen Seite bietet der Eukalyptus durch sein schnelles Wachstum und seine Widerstandsfähigkeit gegen Kornkäfer in kürzester Zeit viel Rohstoff für die unzähligen Papier- und vor allem Zellulosefabriken. Denn trotz seines schnellen Wachstums verfügt der Eukalyptus über eine hervorragende Holzqualität. Nach 7 bis 8 Jahren kann der Baum geschlagen werden und wächst dann genauso schnell wieder nach. Und die Nachfrage ist groß, auch wenn durch die Digitalisierung und Recycling an manchen Stellen schon am Naturprodukt gespart wurde. Aber wenn wir jetzt vom Plastik wegwollen und mehr auf Papier und Pappe setzen, dann wird vermutlich der Hunger danach doch steigen! Die Eukalyptusplantagen weiten sich weiter aus. Es ist eine wichtige Industrie geworden. Denn sie bietet den Menschen in der landschaftlich schönen, aber wirtschaftlich schwachen Berg-Region abseits der von Touristen massenhaft bevölkerten Küste ein Einkommen. Außerdem wird argumentiert, dass durch den hohen Wasserbedarf der Bäume die Gefahr von Überschwemmungen in den Bergregionen gebannt wird, was ja in Galicien eine gewisse Bedeutung hat.

Leider ist das ökologische System sehr komplex und einfache Maßnahmen (z.B. mehr Eukalyptusplantagen = Aufforstung brachliegender Flächen = mehr Rohstoff für Zellulose = hoher ökonomischer Ertrag) führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit!  Ökonomie vor Ökologie wie so oft?

Insgesamt ist der Anbau von Eukalyptusbäumen in Spanien ein kontrovers diskutiertes Thema. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion und die Maßnahmen in Zukunft entwickeln werden.

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Und was hat das mit Deutschland zu tun?

Ich würde das gerne an einem Beispiel aufzeigen. Ich habe einen interessanten Artikel des Umweltbundesamtes gefunden, auf den ich mich im Folgenden beziehe. Es geht in dem Artikel darum, die Vorteile von Recyclingpapier darzustellen, aber er enthält aber auch wichtige Informationen über den Eukalyptusanbau. Das Thema Recyclingpapier ist nur ein Aspekt, an dem kurz dargestellt werden soll, wie auch unser Verhalten Auswirkungen auf die Entwicklung der Waldressourcen hat, aber auch was jeder Einzelne tun kann.

In dem Artikel wird dargestellt, dass Deutschland Europas größter Papierproduzent ist und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 75 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der Umwelt belastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert!

Herkunft des Holzes

„Es wird Holz aus der ganzen Welt importiert. Größte Zellstofflieferländer für die deutsche Papierindustrie sind derzeit Brasilien (1 Mio. t Eukalyptus-Kurzfaser), Finnland (0,5 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Schweden (0,45 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Portugal (2,5 Mio. t überwiegend Eukalyptus-Kurzfaser !!), Spanien( 0,27 Mio.t überwiegend Eukalyptus Kurzfaser) und Uruguay (80,23 Mio t. Eukalyptus Kurzfaser). Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland (4,9 Mio. t), wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen.“

„Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Auf diesen werden schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus angepflanzt, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Auch die aktualisierte Ökobilanz kommt bei der Betrachtung der Holzherkünfte zu dem Schluss, dass, die Verwendung von Eukalyptusholz zu einem potenziell höheren Biodiversitätsverlust als die Verwendung von Laub- und Nadelholz aus Mittel- oder Nordeuropa führt. Insbesondere führt die Gewinnung von europäischem Eukalyptusholz zu einem höheren Biodiversitätsverlustpotential als die Verwendung von Eukalyptusholz aus Südamerika. In Südamerika besteht ein realistisches Risiko, dass der Primärwald für brasilianische Holzplantagen umgewandelt wird.“

Bedeutung des recycelten Papiers

 2020 wurden 79,3 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier laut Aussage der Papierindustrie einen Anteil von 79 Prozent aus. Wie sieht nun die Bewertung zwischen Recycling und Frischfaserverwendung aus.

„Betrachtet wird der gesamte Produktionsprozess inklusive Vorketten: die Holzentnahme aus dem Wald, die Zellstoffproduktion und die Frischfaserpapierproduktion inklusive aller Transporte; sowie die Altpapiersammlung und -sortierung, das Altpapierrecycling und die Recyclingpapierproduktion inklusive aller Transporte.

Bei allen untersuchten Indikatoren schneidet Recyclingpapier besser ab als Frischfaserpapier. In der gesamten Produktion spart es durchschnittlich:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO2-Emissionen

Neben den quantifizierbaren Umweltwirkungen berücksichtigt die Ökobilanz erstmals auch qualitative Aspekte wie ⁠Biodiversität, ⁠Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Denn der Druck auf die Wälder in Europa und weltweit nimmt zu.“

„Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Regionen mit Landnutzungsänderungen und Urwaldzerstörung enthält.“ 

Und was können wir Konsumenten tun?

Der Rückgriff auf recyceltem Papier wäre hier schon ein wichtiger Schritt, den jeder von uns tun kann. Denn im Segment der in Deutschland verbrauchten Büropapiere und auch der Hygienepapiere sind noch erhebliche Steigerungspotentiale für den Altpapiereinsatz vorhanden. Der Recyclingpapieranteil der in Deutschland verbrauchten Büropapiere liegt bei gerade einmal 18 Prozent! Während in nahezu allen anderen Papierprodukten der Einsatz an Recyclingfasern steigt, sinkt er bei den Hygieneprodukten Jahr für Jahr! 2000 lag er bei ungefähr 75 %, 2022 bei ca. 43 %.Es liegt also auch an jedem einzelnen von uns, hier eine Veränderung zu bewirken. Es sind ja oft nicht die großen, sondern die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind und da ist jeder Einzelne gefragt! Die Zertifizierung mit dem Blauen Engel gibt eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der Produkte. Als Orientierung: das Umweltsiegel „Blauer Engel“ (100 % Altpapier bei Hygienepapier) hat bei Privathaushalten in früheren Jahren deutlich geringere Marktanteile (im Diagramm/Trend bis 2020 bei knapp über 10 % Marktanteil). Das zeigt, dass reines Recycling-Toilettenpapier (mit diesem starken Label) nur einen  sehr kleinen Teil des Marktes ausmacht.

Ein Marktcheck von Greenpeace (September 2025) hat für Östererich ergeben: etwa 40 % des Toilettenpapiers in österreichischen Supermärkten & Drogerien stammen aus Recyclingpapier. Greenpeace (Österreich+2OTS.at+2)
Allerdings geben nur rund 8 % der Produkte diese Information tatsächlich auf ihrer Verpackung an! (Greenpeace Österreich+1)
Was sagt uns das? Das bedeutet doch, dass wir Konsumenten anscheinend nicht zu recyceltem Papier greifen – was immer auch die Vorurteile sein mögen, die dahinter stehen, so dass die Firmen aus Marketingaspekten sogar darauf verzichten, ihr doch positives Handeln darzustellen. Was für eine verkehrte Welt!

Auch Holzprodukte aus Eukalyptus wie Parkett, hochwertige Möbel, Sportgeräte könnte man vermeiden, ebenso wie Gartenmöbel, die weder nachhaltig sind noch wetter- und sonnenbeständig.(

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Bäume in Galicien – Espana Verde

Bäume in Galicien – Espana Verde

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Auf den letzten Kilometern des Jakobsweges in Richtung Compostela dominiert in der Landschaft die Farbe Grün. Und das egal, auf welchen Weg man sich dem Wallfahrtsort nähert – Camino frances, Camino Primitivo, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Portugues.

Galicien ist bekannt für die grünen Farbnuancen seiner Landschaften, die insbesondere auf die herrlichen dichten Wälder zurückzuführen sind. Galiciens Waldfläche umfasst ca. 2 Mio Hektar und beherbergt mehr als 1.620 Milliarden Bäume. Nicht umsonst wird es auch „Espana Verde“ genannt. In der Vegetation Galiciens finden sich typische Arten der gemäßigten Regionen und des Mittelmeerraumes, aber als Wald schlechthin gilt der atlantische Wald, der aus Laubbäumen besteht, wobei Eichen überwiegen. An den Flussufern gibt es reichlich Eschen, Erlen und Weidenbäume. An bestimmten Stellen finden wir Unmengen an Eiben, Birken, Lorbeer, Buchen, Stechpalmen, Korkeichen…

Obwohl Wälder immer noch eine wichtige Rolle spielen, nehmen Kiefern- und Eukalyptusplantagen heute einen großen Teil des Territoriums ein. Die Verbindung zwischen natürlichen Wäldern und menschlichen Pflanzungen war schon immer eng, und es gibt viele Arten, die historisch mit der traditionellen Lebensweise der Dörfer verbunden sind, um ihr Holz zu nutzen, ihre Früchte zu essen (Menschen und Vieh) und ihren Schatten zu genießen. Allerdings weisen die Eukalyptusplantagen einige gravierende Probleme auf, auf die unten noch genauer eingegangen wird.

Eiche und Kastanie sind die beiden Baumarten, die am besten die zentrale Rolle der Bäume in der galicischen Gesellschaft repräsentieren. Außerdem haben sie eine starke symbolische Bedeutung, die auch bei Zypressen, Eiben und anderen zu finden ist.

Von Tschubby - Eigenes Werk, Topographischer Hintergrund: NASA Shuttle Radar Topography Mission (public domain). SRTM3 v.2., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745684

Eiche (carballo)

Auf Galicisch als carballo bekannt, hat die Stieleiche das Leben der Bewohner Galiciens über Jahrhunderte begleitet. Sie kann mehrere hundert Jahre alt werden und eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen. Sie ist fast im ganzen Gebiet verbreitet, obwohl sie im Südosten durch die Eiche (Quercus pyrenaica, auf Galizisch cerquiño oder rebolo) und im Hochland durch die Traubeneiche (Quercus petraea, auf Galizisch carballo albar) ersetzt wird.

Hunderte von Dörfern in Galicien beziehen sich in ihrem Namen auf den carballo. Als Metapher für Stärke besitzt sie eine wichtige Symbolkraft. Vor allem aber war sie in der ländlichen Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Baum lieferte nicht nur Holz, seine Frucht (die Eichel) diente auch als Schweinefutter und unter seinen Ästen fanden Vieh und Bauern einen guten Platz im Schatten.

Die carballeiras standen ursprünglich im Zentrum des dörflichen Lebens und waren Schauplatz von Wallfahrten und Viehmärkten. In Santiago de Compostela gibt es zwei bemerkenswerte Exemplare: Santa Susana und San Lourenzo de Trasouto.

Entlang der Straßen können wir viele andere finden: die Carballeiras von Francos und Caldas de Reis auf dem Portugiesischen Weg, die von Santa Irene auf dem Französischen Weg, die von A Barcia und Trasfontao auf der Via de la Plata oder die von A Casa do Gado auf dem Camino del Norte.

 

Kastanie  (Castiñeiro)

Castiñeiro ist der galicische Name für den Kastanienbaum. Man ging davon aus, dass sie von den Römern in diese Gebiete gebracht wurde, aber die neuesten Forschungen legen nahe, dass sie sich schon vor mehr als 20.000 Jahren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ausbreitete. Auf jeden Fall förderten die Römer den Anbau und sorgten für die Verbreitung im gesamten Gebiet. Es ist bekannt, dass die römischen Legionäre den Befehl hatten, Baumfrüchte wie Kastanien und Eicheln auf den Bergen der eroberten Länder zu verteilen, falls in zukünftigen Feldzügen zusätzliche Nahrung für ihre Armeen benötigt wurden.

Es gibt wilde Exemplare in den Wäldern, aber die großflächigen Kastanienbaumgruppen sind Plantagen, die sich meist am Rande der Dörfer befinden, um die Vorteile ihrer Frucht, der Kastanie, zu nutzen. Seit Jahrhunderten spielt sie eine wichtige Rolle in der Ernährung. Die Kastanie wird deshalb oft auch als „Brotbaum“ bezeichnet. Es überrascht nicht, dass die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa kam, in Galicien castaña da terra genannt wurde.

Die Kastanie ist immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung und wird naturbelassen, getrocknet, als Mehl, Sahne oder kandiert (bekannt als “marron glacé”) vermarktet. Baum und Frucht spielen die Hauptrolle in Sprichwörtern, Legenden und Festen, wie dem magosto, bei dem sich im Herbst die Nachbarn aller Dörfer und Ortsteile versammeln, um geröstete Kastanien zu essen.

Auch für die Qualität seines Holzes, das traditionell im Bauwesen verwendet wird, wird dieser Baum sehr geschätzt. Die Kastanie ist einer der am längsten lebenden Bäume Europas. In Galicien gibt es Exemplare, die über 500 Jahre alt sein können. Der größte ist der Pumbariños, in der Gemeinde Manzaneda, mit über 12 Metern Stammumfang. Ganz in der Nähe der Vía de la Plata finden wir in Baños de Molgas den außergewöhnlichen Kastanienbaum von Santa Eufemia mit einem Stammumfang von 10 Metern.

Die Pilger können mit ihren Händen die raue Haut der prächtigen Exemplare berühren, die auf dem Camino wachsen und denen der Lauf der Zeit das Aussehen ehrwürdiger Ältester verliehen hat. Dies ist der Fall bei den Kastanienbäumen von Soutomerille auf dem Camino Primitivo oder dem Kastanienbaum von Ramil (Triacastela) auf dem Französischen Weg, voller Hohlräume und dicker Äste, die den Baum zu umarmen scheinen. Wenn man an diesen mächtigen Bäumen vorbei wandert, wünscht man sich, er könnte einem etwas aus seinem langen Leben erzählen.

In Baamonde (Gemeinde Begonte) steht ein Kastanienbaum mit einer einzigartigen Geschichte: Vor 50 Jahren schloss sich der örtliche Bildhauer Víctor Corral in seinem Stamm ein, um die Fällung des Baumes zur Verbreiterung einer Straße zu verhindern. Er schuf einen kleinen Schrein für die Virgen del Rosario, woraus er den Namen “Castiñeiro da Capela” ableitete. Der Künstler hat weitere Schnitzereien hinzugefügt, wodurch dieser Baum zu einer Referenz auf dem Camino del Norte wurde.

Von tree-species - Flickr [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6502036

Korkeiche (Sobreira)

Die Korkeiche, auf Galizisch sobreira, ist ebenfalls ein Baum, der aufgrund seines Nutzens in der Gesellschaft verwurzelt ist. Aus seiner Rinde wird der Kork gewonnen, der heutzutage zur Herstellung von Weinflaschenverschlüssen und als Isoliermaterial verwendet wird, und früher auch zum Bau von Bienenstöcken, den sogenannten cortizos. (s. Kapitel Korkeiche)

Obwohl sie in anderen Regionen der Iberischen Halbinsel häufiger vorkommt, kann man in der südlichen Hälfte Galiciens kleine Wälder finden, wie z.B. in O Faro (Oia), in der Nähe des Portugiesischen Weges  entlang der Küste, und solche, die an den Ufern der Flüsse Ulla und Arnego stehen.
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Interessant ist, dass es in Galicien große vereinzelte Exemplare gibt. Mehrere von ihnen befinden sich in der Nähe der Vía de la Plata, in einem Gebiet, in dem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Weinkorkenfabrik gab. Möglicherweise haben monumentale Exemplare wie die Korkeiche von Siador jahrelang ihre Rinde zu dieser Industrie beigetragen. Mit einem Baumwipfel von mehr als 23 m Durchmesser wurde der Baum schätzungsweise mehr als 100 Mal entkorkt.

 

 

Buche  (faia)

Dank ihrer robusten Größe, ihrer vertikalen Ausrichtung auf bis zu 40 Meter Höhe und der Schönheit der wechselnden Farben ihrer Blätter im Laufe der Jahreszeiten, ist es leicht, sich in die Buche zu verlieben. Auf Galicisch heißt sie faia, und ist ein seltener Baum, der sich auf die Berge von Os Ancares und O Courel beschränkt.

Auf dem Französischen Weg, zwischen O Cebreiro und Alto do Poio, liegt der Faial de Liñares. Es handelt sich um einen der wenigen galicischen Buchenwälder und den einzigen, der von einem Pilgerweg durchquert wird.

Von Alpsdake - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11832595

Esche  (freixo)

Im Galicischen ist dieser Baum als freixo bekannt, der an den Ufern von Flüssen vorkommt, wo er zusammen mit Weiden (salgueiros), Erlen (amieiros) und anderen Bäumen und Sträuchern einen wesentlichen Bestandteil des Auwaldes ausmacht. Im Norden Galiciens gibt es den gewöhnlichen (Fraxinus excelsior) und im Süden den schmalblättrigen Baum (Fraxinus angustifolia).

In den ländlichen Gegenden Galiciens wurde sein hartes Holz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie von Musikinstrumenten verwendet. In Porta, in Sobrado (Camino del Norte) gibt es vier außergewöhnliche Eschen. Die größte von ihnen ist 31 Meter hoch.

 

https://www.monumentaltrees.com/de/esp-fraxinusexcelsior/

Eibe (teixo))

Der typische Wald Galiciens besteht hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gibt auch einige einheimische immergrüne Arten. Keine ist so legendär wie die Eibe (auf Galicisch teixo). Sie wurde an der Tür von Häusern als Symbol des Lebens und in Kirchen und auf Friedhöfen als Symbol des Todes gepflanzt. (s. Kapitel über Eiben)

Alle Teile der Eibe sind giftig, außer der Samenhülle. Römische Historiker weisen darauf hin, dass im Jahr 22 v. Chr. eine Schlacht zwischen den Bewohnern des Nordwestens der Iberischen Halbinsel und den römischen Legionen auf dem Berg Medulio stattfand, wobei der Ort unpräzise ist. Die letzten galicischen Krieger sollen mit einem aus der Eibe gewonnenen Gift Selbstmord begangen haben.

In den Ausläufern der Pena Trevinca, dem höchsten Punkt Galiciens, versteckt sich das Teixedal de Casaio, einer der herausragendsten Eibenwälder Europas. Und in der Nähe der Jakobswege gibt es hundertjährige Exemplare, wie zum Beispiel das in A Fontaneira (in Baleira, am Camino Primitivo), mit einem geschätzten Alter von 500 Jahren oder die beiden Eiben an der Kirche „Iglesia de San Martin“ in Salas  (camino primitivo) mit einem geschätzten Alter von 300 bzw. 500 Jahren (s. Kapitel Das Kloster San Salvador in Canellana und das hübsche Städtchen Salas).

Von Elfo del bosque - Foto propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2570165

Stechpalme  (Ilex aquifolium)

Dieser immergrüne Strauch, flach, starr und glänzend, ist im Galicischen als acivro bekannt. In vielen europäischen Kulturen wird er mit verschiedenen Winterriten in Verbindung gebracht, was zu seiner Assoziation mit Weihnachten geführt hat. Sie wachsen inmitten von Wäldern und carballeiras überall in Galicien und sind in den östlichen Bergen häufiger anzutreffen, wo sie kleine Wälder wie Cabana Vella, in Os Ancares, bilden können.

Ihre Blätter haben an den Rändern Dornen, diese verschwinden aber meist an den höheren Stellen, die von den pflanzenfressenden Tieren nicht erreicht werden. Normalerweise erreicht sie eine Höhe von 2 bis 5 Metern, obwohl wir im Pazo von Casanova, in O Pino, in der Nähe des Französischen Weges, auf ein 16 Meter hohes Exemplar treffen.

 

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9360

Der Eukalyptusbaum

Eigentlich wollte ich hier nur kurz auf den Eukalyptusbaum und seine wachsende Bedeutung  in Galicien eingehen, obwohl der Eukalyptus nicht zu den einheimischen Bäumen zählt. Aber bei meinen Recherchen kamen so viele Informationen und Probleme zusammen, so dass ich entschloss, die Problematik der Eukalyptusplantagen in einem eigenen Kapitel darzustellen

Das Image vom „immergrünen Paradies“

Wenn man sich an den herrlichen Wäldern Galiciens erfreut, denkt man vielleicht, Nordspanien war und ist ein immergrünes Paradies. Aber die Vergangenheit erzählt uns eine andere Geschichte. Man vergisst manchmal, dass seit dem Mittelalter der größte Teil der Bergflächen und Küstenregionen baumlos war. Schon die iberischen Könige des Mittelalters nutzten die Wälder rücksichtslos für die Erbauung ihrer Armada, mit der sie die Welt zu erobern gedachten. Für den Schiffsbau wurde aus dem ganzen Land das beste Holz an die Küste transportiert. Die Küstengebirge sind damals schon bald fast alle kahl. Zwar versuchte man zwischenzeitlich den Raubbau am Wald einzudämmen, aber im 18. Jahrhundert wurde zur Staatsfinanzierung fast der gesamte verbliebene staatliche Waldbesitz an Privatbesitzer verkauft. Das erwies sich als großer Fehler. Denn die Privatbesitzer konnten nun ungehindert abholzen, um am Verkauf des Holzes zu verdienen.

So kam es bis ins 20. Jh. zu massiven Eingriffen in die Natur, den man auch jetzt noch erkennen kann. Heute sind in Galicien viele Berggegenden immer noch nur von einer dürren Macchia aus Erika, Ginster und anderen Heidesträuchern begrünt trotz zahlreicher Maßnahmen zur Wiederanpflanzung von vielen Nadel- und Laubbäumen. Denn im 20. Jahrhundert werden in Spanien Forstämter eingerichtet und Gesetze zum Schutz des Waldes erlassen. Denn man hatte festgestellt, dass etwa die Hälfte der Fläche Spaniens stark von Erosion betroffen ist. Ist der Boden abgespült, sind Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Folge. Einen wirksamen Schutz gegen die Erosionsgefahr kann nur eine dichte Pflanzendecke bieten, am besten durch Wälder. Die teilweise Aufforstung mit schnellwachsenden Bäumen ua. Pappeln, Kiefern und Eukalyptus, die auch ökonomisch besser verwertbar sind, stößt dabei auf ein sehr geteiltes Echo. Die Befürworter argumentieren, dass, hätte man an vielen dieser brachliegenden Landschaften nicht Eukalyptus oder Kiefern angebaut, würden sie noch immer brachliegen mit der Gefahr von Bodenerosion. Einige der Gegenargumente findet ihr im Kapitel „Die Problematik der Eukalyptusplangen“.

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Kloster San Salvador in Cornellana und das schöne Städtchen Salas

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Camino Primitivo

Das Kloster San Salvador in Cornellana

Das Kloster San Salvador wurde 1024 von der Infantin Cristina, Tochter von König Bermudo II. und Königin Velasquita, gegründet, die sich nach dem Tod ihres Mannes Ordoño in dieses Kloster zurückzog. Über dem Tor des Obstgartens befindet sich das Relief eines Bären, der ein Mädchen säugt, mit zwei Löwenköpfen auf beiden Seiten. Dieses Relief erzählt die volkstümliche Legende, nach der ein Mädchen, die Infantin Cristina, in sehr jungem Alter in den asturischen Wäldern verloren ging und überlebte, weil sie von einem Bären gesäugt und beschützt wurde.

Nach dem Tod der Infantin traten ihre Nachkommen das Kloster 1122 an die Mönche von Cluny ab, die hier dann ein Benediktinerkloster gründeten.

Das architektonische Ensemble des Klosters San Salvador de Cornellana besteht aus der Kirche und dem angrenzenden Kloster. Die in der der zweiten Hälfte des 17. Jhs. renovierte Kirche hat den Grundriss einer Basilika mit drei Schiffen. Der Innenraum bewahrt noch stilistische Merkmale des romanischen Stils mit drei halbrunden und gestuften Apsiden, denen ein gerader Abschnitt vorangestellt ist. An der Außenseite sind die Apsiden mit aufgesetzten Säulen, Rundbogenfenstern, horizontalen Gesimsen und verzierten Kragsteinen geschmückt. In der Nähe erhebt sich der Glockenturm, dessen quadratische Form in der Höhe hervorsticht und im Kontrast zu den geschwungenen Wänden der Apsiden steht. Der Innenraum ist mit hervorragenden Altarbildern aus dem 17. Jh. geschmückt.

Der barocke Kreuzgang, ein Ersatz für den mittelalterlichen Kreuzgang, hat einen quadratischen Grundriss und zwei Stockwerke, in denen Arkaden im unteren Stockwerk mit profilierten Balkonen im ersten Stockwerk kombiniert sind. Außerdem sind zwei romanische Türen aus dem Vorgängerbau erhalten geblieben.

Zu Beginn des 18. Jhs. wurde das Kloster renoviert. Es erhielt eine elegante zweistöckige Fassade mit profilierten Fenstern im ersten Stock und Eisenbalkonen im zweiten Stock. Der Mittelteil ist mit typischen Barockmotiven verziert: Säulen, Balkone, ein geteilter Giebel und ein riesiges Wappen.

Der gesamte Gebäudekomplex wurde in den letzten Jahren wieder renoviert. Dort befindet sich auch eine Pilgerherberge.

Salas

Zahlreiche Funde aus der Altsteinzeit belegen die frühe Besiedelung des Gemeindegebietes, darunter zahlreiche Dolmen. Reste von Wallburgen. Äxte und Fibeln aus der Bronzezeit bestätigen die anhaltende Besiedlung und den regen Handel mit anderen Orten.

Aus der Zeit der römischen Besetzung existieren noch teilweise genutzte Wasserversorgungskanäle sowie Spuren des Bergbaus an den Kupfer- und Goldbergwerkminen von Godán, Ablaneda und Carlés. Eine Stele mit der Inschrift: „Hier liegt Flavio Cabarco, Sohn von Auledo und von Caya“ wurde ebenfalls gefunden.

Die erste urkundliche Erwähnung von Salas stammt aus dem Jahr 896, in einer Abtretungsurkunde aus dem benachbarten Erzbistum Oviedo, die die Kirche San Martin de Salas betrifft. Aus dem Jahr 1024 stammt die Gründung des Klosters Monasterio de San Salvador im Auftrag der Infantin Christina.

Eine Vielzahl von Baudenkmälern aus teilweise vorromanischer Zeit sowie Nekropole und Wallburgen finden sich heute noch im gesamten Gemeindegebiet.

Die Stadt Salas verfügt über einen der bedeutendsten historischen Monumentalkomplexe in ganz Asturien und beherbergt vier Nationaldenkmäler: den Turm des Valdés-Salas-Palastes aus dem 14. Jahrhundert. Die Mauern sind sechzehn Meter hoch und enden in vier Stockwerken, die durch Wendeltreppen miteinander verbunden sind. Es gibt nur wenige Fenster, die übrigen Öffnungen sind Schießscharten. An den Turm angeschlossen sieht man durch einen Halbkreisbogen aus dem 16. Jh. den Palast von Valdés Salas, der Familie, die der Stadt und dem Turm ihren Namen gab. Die Stiftskirche Santa María La Mayor ist ein elegantes gotisches Gebäude, in dem sich das Mausoleum des Inquisitors D. Fernando Valdés Salas befindet, ein Werk des italienischen Künstlers Pompeo Leoni, eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissance-Skulptur in Asturien.

In der Stadt befindet sich auch das Museum für präromanische Kultur. Dieses im historisch bedeutenden Turm des Palasts der Familie Valdés Salas untergebrachte Museum beherbergt die wertvolle Sammlung von Gegenständen und Steintafeln mit Inschriften aus der nur einen Kilometer von Salas entfernten Kirche San Martín. 

De Juanjeitor / Juan José Hernández Rodríguez de Redondela, Spain - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2316133 Turm von Valdés in Salas
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178

Die primitive Kirche „Iglesia de San Martin“ liegt 800 m von der Stadt entfernt und wurde zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erbaut. Der fortschreitende Verfall dieses primitiven Gebäudes machte im Jahr 951 einen Wiederaufbau erforderlich. Die vorromanische Kirche San Martín wurde im  15. Jahrhundert vollständig umgebaut und in den darauffolgenden Jahrhunderten teilweise umgestaltet, wobei einundzwanzig Teile der alten frühmittelalterlichen Kirche erhalten blieben.

An den Außenwänden des Mauerwerks waren ursprünglich epigraphische Grabsteine eingelassen, die heute im Museum „Asturische Vorromanik“ aufbewahrt werden. Denn diese in den Mauern der Kirche San Martín eingelassenen Stücke stellen insgesamt ein hervorragendes repräsentatives Beispiel für die Perfektion und den dekorativen Reichtum der asturischen Werkstätten des 10. Jahrhunderts dar. Sie sind somit ein Beleg für die hohe Qualität der vorromanischen asturischen Kunst, die gelegentlich in Vergessenheit geriet. In der Kirche sind auf Leinwänden originalgetreue Reproduktionen im Originalmaßstab zu sehen.

Die heutige Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und besteht aus einem einzigen Kirchenschiff, das mit Giebelholz gedeckt ist. Der Zugang erfolgt durch eine gotische Tür mit Spitzbogen und drei profilierten Archivolten ohne Verzierung. Das Presbyterium besitzt einen quadratischen Grundriss und ein Kreuzgewölbe.

 

By Xuliu Pombar - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052597

Neben der Kirche stehen zwei weibliche Eiben am Eingang und auf der Rückseite des ummauerten Bereichs, der die Kirche und den Friedhof umgibt. Sie wurden zum Naturdenkmal erklärt. Der erste hat einen Stammumfang von zweihundertneunzig Zentimetern und der zweite von sechshundertzehn Zentimetern. Ihr geschätztes Alter würde bei etwa dreihundert bzw. fünfhundert Jahren liegen. Es ist möglich, dass die Älteste zur Erinnerung an die Reform der Kirche im 15. Jh. gepflanzt wurde und die jüngste mit der im 18. Jahrhundert durchgeführten Reform.

Die Eibe ist ein Baum von großer kultureller Bedeutung in der Region, wo sie im Laufe der Geschichte eine symbolische Rolle gespielt hat. Als Protagonist des alten vorchristlichen Glaubens wurde es im Laufe der Zeit zu einem Identitätssymbol der Pfarrgemeinde und gilt heute als Repräsentation einer mythischen Vergangenheit, einer asturischen Identität, die auf Tradition und einer Reihe ökologischer  Werte basiert. (s. auch Kapitel über Eiben)

 

 

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Zwischen Bäumen und Blumen – zwei Pazos und ihre Gärten auf der Via de la Plata

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Via de la Plata

Pazos sind die großen Herrenhäuser des galicischen Adels, in denen sich die Noblesse und Raffinesse des Adels mit der Kargheit der ländlichen Welt verbindet. Sie wurden hauptsächlich zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erbaut und viele verfügen über herrliche Gärten. Allein neun dieser herrlichen Gärten liegen zwischen Vigo, Ourense und A Coruna. Hier unten sind zwei Gärten beschrieben, die in der Nähe oder direkt an der Via de la Plata liegen und sicher einen Besuch wert sind, vor allem natürlich für alle Freunde der Gärten in Europa.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Santa Cruz de Ribadulla

 Ganz in der Nähe von Oca finden wir den Pazo de Ortigueira , auch bekannt als Granja de Ortigueira oder Pazo de Santa Cruz de Ribadulla,  ein Herrenhaus mit herausragenden Gärten. Wir befinden uns in einer Gegend, in der jahrhundertelang die mächtigen Familien Santiagos Häuser und Pazos für ihre Sommerfrische gebaut haben. Vielleicht ist dieser hier in Santa Cruz de Ribadulla, in Vedra, der bedeutendste Pazo. Seine Ländereien verbinden weiterhin den ornamentalen Charakter der Gärten und Spazierwege mit dem produktiven Charakter der Obst- und Kamelienplantagen und der Viehzucht.

Das Gebäude und die Anlage stammt ursprünglich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und gehörte einem Adeligen namens Ortigueira.  Einige seiner Nachfolger erweiterten das Gebäude und die Gärten. Es war Ivan Armada, bekannt als “Onkel Ivan”, sein Besitzer am Ende des 19. Jahrhunderts, der den Gärten einen bleibenden Stempel aufgedrückte.  Ivan Armada y Fernandez de Cordoba (1845-1899), vergrößerte die Pflanzensammlung, insbesondere um Kamelien, erheblich. 

Der Garten verfügt heute über mehr als eine halbe Million Planzen von 400 verschiedenen Pflanzenarten, jahrhundertealte Bäume, Teiche und einen Weg, der als Camiño oder Paseo das Oliveiras (Pfad der Olivenhaine) bekannt ist. Dieser botanische Raum zeichnet sich durch seine Vielfalt und seinen Reichtum aus und gilt als „einer der faszinierendsten in Galizien“. Zu den bemerkenswertesten Arten gehören: Olivenbäume, Buchsbaum, Magnolien, Australischer Farn, Kryptomerie, Virginia-Tulpenbäume, Ombu (Elefantenbaum), Pyramideneiche und Washingtonia-Palme.  Es ist ein Kamelienexemplar erhalten, das mehr als zweihundert Jahre alt und neun Meter hoch ist. 

Dieser Pazo steuert die meisten Einträge zum galicischen Katalog der historischen Bäume bei und wird von vielen Fachleuten als wichtigster ornamentaler botanischer Komplex in Galicien angesehen. Hier befinden sich die ältesten Kamelien in Galicien, gepflanzt zwischen 1780 und 1820. Sein Olivenbaumweg besticht nicht nur mit seiner fotogenen Schönheit, sondern auch mit seiner Einzigartigkeit: etwa 500 Bäume, über 500 Jahre alt.

https://www.europeanhistoricgardens.eu/en/pazo-santa-cruz-rivadulla

Pazo de Oca

 

Der Pazo de Oca befindet sich in A Estrada, in der Nähe der Vía de la Plata. Die Harmonie, mit der hier Stein, Wasser und Vegetation verschmelzen, hat ihm den Spitznamen “Galicisches Versailles” eingebracht. In seinen herrlichen Gärten koexistieren die verschiedensten Stile, unter denen Renaissance, Barock und Romantik hervorstechen.

 

Das Oca-Herrenhaus liegt in der Terras do Ulla, nahe dem Zusammenfluss der Flüsse Boo und Mao. Es handelt sich um ein Anwesen, das in drei Bereiche gegliedert ist: Im ersten, innerhalb der Mauern, befinden sich das Herrenhaus, der Garten und der Obstgarten; Auf dem angrenzenden Grundstück befindet sich die Kirche San Antonio de Padua sowie mehrere Tagelöhnerhäuser; Dahinter liegt die agroforstwirtschaftliche Umgebung von Traga de la Cerrada, Caballeira de Ouriles und die Wiesen von Su Batan und Bardoucos. Die Kirche wurde zwischen 1731 und 1752 erbaut, möglicherweise das Werk des dominikanischen Architekten Fray Manuel de los Mártires.Die Gärten des Herrenhauses sind eines der besten Beispiele für Gartenkunst in Galizien.

Im Haupthof gibt es einen Brunnen mit Blumenbeeten, die von Buchsbaumhecken umgeben sind, sowie Plantagen mit Kamelien, Azaleen, Palmen und Rhododendren.

Um seine zwei Teiche herum stehen mehr als hundert Buchsbäume, die über 300 Jahre alt sind. Zwischen den Brunnen und Statuen, die der Anlage einen großen landschaftlichen Wert verleihen, befinden sich zahlreiche Kamelien, von denen einige mehr als acht Meter hoch sind. Und eine von prächtigen Linden gesäumte Allee teilt den Nutzgarten des Pazo in zwei Hälften.

 

https://www.greatgardensoftheworld.com/gardens/pazo-de-oca/
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Puebla de Sanabria – ein zauberhafter mittelalterlicher Ort

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Via de la Plata

Puebla de Sanabria liegt auf einer Anhöhe über dem Zusammenfluss der Flüsse Tera und Castro. Diese strategisch günstige Lage machte den Ort im Laufe der Jahrhunderte zum Schauplatz vieler Schlachten.

Geschichte

Eine Pfarrkirche in Senapría wird erstmals im 7. Jahrhundert, also in westgotischer Zeit, erwähnt. Auf die islamische Eroberung (conquista) im 8. erfolgte die christliche Rückeroberung (reconquista) der Gebiete nördlich des Rio Duero im 9. und 10. Jahrhundert. Hier lag dann zunächst die Grenze zwischen der christlichen und muslimischen Einflusssphäre. (s. dazu auch die Kapitel über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista)

Eine Urkunde des späten 10. Jahrhunderts erwähnt bereits eine Stadt mit Namen Urbs Senabrie, doch eine Burg (castillo) ist erst für das Jahr 1132 belegt. Alfons IX. stattete den Ort im Jahr 1220 mit städtischen Privilegien (fueros) aus.

Im 15. Jahrhundert lag die Herrschaftsgewalt über Puebla in den Händen verschiedener Grafen, darunter auch denen von Benavente, den Erbauern der mächtigen Burg.

Die Burg 

Die Burganlage ist eine der besterhaltenen in Spanien. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist der Archetyp der mittelalterlichen Verteidigungsbauten. Das vom Grafen von Benavente errichtete Castillo de los Condes de Benavente steht in 960 m Höhe auf einer großen Fläche auf dem Gipfel des Hügels, an dem auch der Ort liegt und dominiert die Silhouette von Puebla. Die Burganlage ist komplett quadratisch angelegt und wurde fast vollständig restauriert. Sie ist durch eine Zugbrücke geschützt und in ihrem Zentrum steht ein großer Bergfried, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Umland hat. Das Innere der Burg kann besichtigt werden und es werden viele interessante Details über das Burgleben erläutert.

 

Die Kirche Nuestra Senora del Azogue

 In der Nähe der Burg befindet sich die Pfarrkirche Nuestra Señora del Azogue vom Ende des 12. Jahrhunderts. Der gesamte Kirchenbau mitsamt dem Figurenschmuck des Portals besteht aus behauenem Granitstein.

Bedeutendster Bauteil ist das erhöht liegende und nur über einen Treppenaufgang erreichbare spätromanische Westportal mit seinen vier erhaltenen Gewändefiguren, den Kapitellen und den Archivoltenbögen. Bei der Ausführung auf den ersten Blick eher klobig und ‚primitiv‘ wirkenden Figuren wurde sehr viel Wert auf Details (Haare, Gewänder etc.) gelegt. Die beiden Figuren im rechten Portalgewände sind durch ihre kronen-artige Kopfbedeckungen als König bzw. Königin charakterisiert; die Figuren auf der linken Seite sind dagegen barhäuptig. Drei der vier Figuren tragen Gefäße oder ähnliches in den Händen, die als Gaben oder Geschenke gedeutet werden können. Die sechs Kapitelle zeigen unterschiedliche Motive – darunter kleine Figuren sowie vegetabilische Formen oder beinahe geometrisch aussehende Flechtbänder. 

Zur Ausstattung gehören ein teilweise figürlich gestaltetes romanisches Taufbecken und eine ungewöhnliche schmiedeeiserne Kanzel mit einem geschnitzten Baldachin aus dem 18. Jahrhundert.

Von AdriPozuelo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21836061
Von User:Dantadd - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1910911

Das Stadtensemble

 Der Ort wurde zum Historischen Ensemble erklärt. Ein Großteil der Stadtmauer ist noch erhalten. Der Ort verfügt in seinen steilen Gassen über zahlreiche Herrenhäuser und -sitze, die mit Steinwappen geschmückt sind, etwa das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das an der Plaza Mayor steht. Das Zentrum besticht mit seinen traditionellen, mit Schiefer bedeckten massiven Steinhäusern und den hölzernen Balkonvorbauten. Der mittelalterliche Stil ist im ganzen Ort erhalten. Beim Spaziergang durch das Ortszentrum fühlt man sich in eine andere Epoche versetzt.

Außer seinem schönen Kern genießt der Ort auch eine privilegierte Umgebung, denn sein Gemeindegebiet liegt in der Nähe des Naturparks Sanabria-See. Dieser 368 Hektar große und 55 m tiefe See ist Spaniens größter eiszeitliche Gletschersee.

Von Guillermo Muñiz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16482855
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Camino del Norte Camino Primitivo Geographisches Geographisches Geographisches

Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Camino Primitivo, Camino del Norte

Oviedo oder asturisch Uviéu ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Fürstentum Asturien. Die Bewohner werden Ovetenser genannt. Oviedo ist meist der Ausgangspunkt für den Camino Primitivo. Die Stadt liegt sehr verkehrsgünstig, da sie gut per Flugzeug über den Flughafen Oviedo erreichbar ist. Außerdem verfügt Oviedo über einen Bahnhof der Breitspur der RENFE von Leon nach Gijon. Zudem gibt es zahlreiche Busverbindungen entlang der Küste.

Von Vicenmiranda - Imported from 500px (archived version) by the Archive Team. (detail page), CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71441868

Geschichte

 Gründung und Entwicklung im Mittelalter

Oviedo wurde 761 unweit der alten Römersiedlung Lucus Asturum von zwei Mönchen auf einem Hügel namens Oveto gegründet, wo sie eine Kirche zu Ehren des hl. Vinzenz erbauten. Im gleichen Jahrhundert war Asturien zum einzigen Hort des Widerstands gegen die maurische Invasion der Iberischen Halbinsel (711) geworden, was nach der Schlacht von Cavadonga (722) zur Gründung des Königreichs Asturien durch Pelayo führte, der von den Asturen zum Anführer gewählt worden war (718) (s. dazu auch das Kapitel „Die Reconquista in Spanien“).

Alfons II.war von 791 bis zu seinem Tod 842 König von Asturien. Wegen seines mönchischen Lebensstils erhielt er den Beinamen „Der Keuche“ (El Casto). Nachdem vorher Cangas de Onís und Pavia davor die Hauptstadt Asturiens waren, machte er Oviedo zu seiner Residenz und somit zur ersten christlichen Hauptstadt auf der Iberischen Halbinsel. Der Ort lag ideal mitten in dem nach Westen gewachsenen Reich.

Alfons befestigte die junge Hauptstadt und leitete eine bemerkenswerte Bautätigkeit zur Vergrößerung und Verschönerung des Hofes ein. Außerdem beauftragte er den Bau einige Infrastruktureinrichtungen u.a. eines Aquädukts, von dem heute noch drei Bögen zu sehen sind. Diese Arbeit wurde später von seinen Nachfahren fortgeführt und schenkte der Stadt mehrere religiöse und zivile Bauten der asturianischen Präromanik (s. das Kapitel Austurische vorromanische Architektur).

Während seiner Regierungszeit wurde 812 in Santiago de Compostela ein Grab entdeckt, das man Jakobus dem Älteren zuschrieb. Der König selbst wanderte als Pilger von Oviedo nach Santiago und begründete somit den Ruhm Santiago de Compostela als Wallfahrtsort. So wurde Oviedo somit der Ausgangsort des ursprünglichen Pilgerweges. Dieser Jakobsweg war zwar später eher ein „Nebenweg“, sorgte aber für eine wirtschaftliche Belebung der Stadt während des gesamten Mittelalters.

Kirche San Isodore del Real Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963050

Zweimal in seiner Geschichte wurde Oviedo schwer zerstört: im Jahr 1521 durch eine Brandkatastrophe sowie 1934 bei Bergarbeiteraufständen und während des Spanischen Bürgerkrieges.

Bergbauernaufstände 1934

Nach den Parlamentswahlen von 1933 hatten die rechten Parteien an Gewicht gewonnen und wurden 1934 in die Regierung mit aufgenommen. Der Führer der Rechtsaußenpartei CEDA bekannte sich offen zu den Ideen Hitlers und Musolinis. Mit dem Argument (bzw. Vorwand), dem aufkommenden Faschismus Einhalt zu gebieten, riefen im Oktober 1934 die an der Einheitsfront (span.: Alianza Obrera) beteiligten sozialistischen Organisationen zu einem landesweiten revolutionären Generalstreik auf. Der Generalstreik scheiterte in fast allen Provinzen in kürzester Zeit. Allein in Asturien war der Streik zunächst erfolgreich. Der Aufstand begann am 4. Oktober. Am 5.Oktober zogen die bewaffneten Bergbauern nach Oviedo. So wurde die Stadt zum Mittelpunkt des Aufstandes. Die sprengten am 11. Oktober die Cámara Santa. Die Cámara Santa (Heilige Kammer) gehört zu einem Gebäudekomplex, der die Kathedrale San Savador umgibt. Monatelange Kämpfe, Belagerungen und Beschießung zeichneten das Bild der Stadt. Der Aufstand wurde von dem damals noch republiktreue Franco mit Härte und Brutalität durchgeführt unterstützt durch die spanische Fremdenlegion aus Marokko. Für ihn war der Aufstand von Agenten Moskaus vorbereitet worden. Hugh Thomas, einem britischen Historiker, zufolge starben etwa 2.000 Menschen während des Aufstands: 230–260 Soldaten, 33 Priester, 1.500 Bergleute fielen im Kampf und 200 starben während der folgenden Repression. Spanienweit wurden etwa 30.000 Menschen inhaftiert. Die Grausamkeiten, die während und nach dem Aufstand stattfanden, warfen einen Schatten der Brutalität voraus, die zwei Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg zum Vorschein kam.

Spanischer Bürgerkrieg

Die Belagerung von Oviedo fand vom 19. Juli 1936 bis 16. Oktober 1936 statt. Die Stadtgarnison unter dem Befehl von Oberst Antonia Aranda Mata erhob sich gegen die Zweite Spanische Republik und hielt der Belagerung der Regierungstruppen bis zum Eintreffen der nationalistischen Truppen stand. Durch einen geschickten Schachzug hatte General Aranda die republikanische Regierung davon überzeugt, dass er loyal zur Regierung stünde. Das überzeugte die Regierung, am 17. Juni 1936, 4.000 Minenarbeiter aus Oviedo abzuziehen, um sie im aufkommenden Konflikt in anderen Teilen Asturiens und Spaniens einzusetzen. So konnte Aranda, nachdem sich Truppen der Falange, Guardia Civil und Guardia de Asalto ihm anschlossen, die Kontrolle über die Stadt übernehmen.

Die Belagerer bestanden aus Miliztruppen der Fuente Popular (Volksfront) und verbündeten Anarchisten.

Bis zum 3. September kam es zu wenig Kämpfen. Am 4. September kam die Stadt jedoch unter schweres Artilleriefeuer sowie ein Bombardement von 1.500 Fliegerbomben, so dass die Gas-, Strom- und Telefonversorgung unterbrochen wurden. Vier Tage später versuchten die Angreifer mit Hilfe einer gepanzerten Dampfwalze, einen Außenposten der Verteidiger einzunehmen. Die Verteidiger setzten auf Sandsäcke gehobene Artilleriegeschütze als Fliegerabwehrgeschütze ein und wehrten in einem 12-stündigen Gefecht den Angriff ab. Der schwere Artilleriebeschuss tötete viele Zivilisten und viele starben auf Grund des Wassermangels und der dadurch entstehenden sanitären Missstände. Im Laufe des Septembers brach in der Stadt Typhus aus. Der Beschuss hatte jedoch den gegenteiligen Effekt, so dass sich etliche Einwohner den Verteidigern anschlossen.

Am 4. Oktober begann die Volksfront mit einem Generalangriff auf die Stadt. Aranda blieben noch 500 Männer und er zog sich mit diesen ins Stadtzentrum zurück, um einen letzten Kampf zu liefern. Die Milizen der Volksfront hatten bis dahin ca. 5.000 Männer verloren und auch ihnen ging die Munition aus. Das weitere Vordringen in der Stadt gestaltete sich immer schwieriger, da jedes Haus bis aufs letzte verteidigt wurde. Am 16. Oktober trafen die nationalistischen Truppen aus Galicien ein. Die Milizen der Volksfront sahen sich gezwungen, die Belagerung aufzugeben und sich auf ihre Positionen, die sie zu Beginn der Belagerung hatten, zurückzuziehen. Im Jahr 1937 war dann der krieg im Norden Spaniens mit dem Sieg Francos beendet.

 

Kathedrale San Salvador Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963047
Kreuzgang Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963049

Diese beiden Kriege führten natürlich zu einer verheerenden Zerstörung von Oviedo. Die Restaurierung und der Wiederaufbau der erhaltenen Baudenkmäler, darunter einer der großen Stadterweiterungszonen der späten Gründerzeit, des Jugendstils und der Art-Deco-Periode wurden mit neo-historischen Bauten der Franco-Zeit und funktionalistischen wie postmodernen Gebäuden der Zeit nach 1975 zu einem sehenswerten Ganzen vereint.

Sehenswürdigkeiten

Der gesamte Altstadtkern Oviedos ist Fußgängerzone, die wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Universität, die Kathedrale San Salvador, den Palast des Markgrafen von San Félix und den Camposagrado-Palast, aber auch zahlreiche Statuen an historischen Standorten oder die unzähligen „sidrerías“ (Apfelweinschenken) einschließt. Die Innenstadt besteht aus einem einzigartigen Guss stilvoller Fassaden, die zwar aus mehreren Jahrhunderten stammen, sich aber immer ins große Ganze einfügen. Die Wohnhäuser strahlen eine bürgerliche Noblesse aus, die ihnen vor allem die verglasten Veranden aus Schmiedeeisen oder gedrechseltem Holz verleihen. 

  • Campo de San Francisco  Er bildet mit seiner mehr als 1qkm großen Fläche die Klammer zwischen Alt- und Neustadt.
  • Teatro Compoamor ein spätgründerzeitlicher Bau
  • Universität mit ihrem Portal im Platereskenstil (1534-1608)
  • Palacios de Campoosagrado (1719-52) und Valdecarzana (17. Jh.) mit manieristischen-barockem Dekor
  • Kathedrale San Salvador spätgotischer Bau aus dem 15./16. Jahrhundert mit einem 80 Meter hohen gotischenTurm, Säulengang am Eingang und großem Rosettenfenster, 
  • Camara Santa(Heilige Kammer) in der Kathedrale (eigentlich Kapelle San Miguel) – beherbergt eine der wichtigsten spanischen Reliquiensammlungen. Gezeigt werden die Heilige Truhe, das Engelskreuz sowie das Siegeskreuz. Diese Reliquien waren früher für viele Pilger Grund für einen langen Umweg auf ihrer Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. 
  • Barockkirche San Isodor 16. Jh.
  • Kloster San Pelayo mächtiger Barockbau
  • Museo de Bellas Artes im spätgotischen Palacio de Velarde (1776) untergebracht. Die Sammlung erstreckt sich über drei Gebäude. Die verschiedenen Abteilungen zeigen Tausende klassischer und zeitgenössischer Werke, teilweise sogar von Größen wie Dalí und Picasso.
  • Museum für Archäologie im Kloster San Vicente mit Beispielen für die gesamte asturische Kunstgeschichte ab der Bronzezeit

Daneben ist nochmals auf die präromanischen asturischen Kirchen am Rand von Oviedo hingewiesen (vgl. dazu das Kapitel „Asturische präromanische Architektur“). Die beiden Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo (s. Bild unten) im grünen Naranco-Tal bei Oviedo sind absolut sehenswert und liegen am Camino Primitivo. Ein weiteres Bauwerk der Zeit ist San Julián de los Prados, das in nur 15 Minuten zu Fuß vom Altstadtzentrum aus erreicht werden kann. Die Vielzahl an Gebäuden und Schätzen der präromanischen Zeit ist dadurch zu erklären, dass Oviedo zu Zeiten des asturischen Königreichs dessen wichtigste Hauptstadt war.

Von Rodelar - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7251498

 

Oviedo – die Hauptstadt des Sidra

Oviedo ist nicht nur für seine Kirchen und historischen Gebäude bekannt – es ist auch Spaniens Apfelwein-Hauptstadt. Hier wird Apfelwein Sidra genannt und wird am besten in einem der Lokale in den Seitenstraßen der Altstadt probiert. Vor allem die Calle Gascona, Calle Carpio und Calle Llaviada haben einige traditionell asturische Siderías in petto. Das Einschenken gleicht einer Show: Kunstvoll wird der Sidra aus einer bestimmten Höhe in das Glas geschüttet, damit die gewünschte Schaumkrone entsteht.

De ECR - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=898586
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Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

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Begriff

Die Baskenmütze ist eine traditionell aus Wolle gewalkte Mütze in der Art eines Baretts. Sie hat keinen Schirm und keine Krempe. Ihre Besonderheit ist die flache Form, die nach innen gebogene Kopföffnung und der ca. ein bis zwei Zentimeter lange Zipfel in der Mitte (baskisch txertena, ‚Schwänzchen‘), der beim Filzvorgang entsteht, und auch als Schlinge gearbeitet sein kann. In Frankreich nennt man sie bérets und in Spanien boinas, auf baskisch txapela (was eigentlich Hut heißt). Die Hirten waschen ihre Mütze nicht, sondern es heißt ausschütteln, abklopfen, aufsetzen nach dem Motto “la vie continue”!

Während die ursprüngliche Baskenmütze entweder marineblau oder rot war, ist sie heute in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Man findet es beim Militär, bei Schülern und in den Kollektionen namhafter Designer. Schon früh drückte es aber auch eine Geisteshaltung seiner Träger aus.

Geschichte

Eine Art Baskenmütze wurde schon um das Jahr 1000 herum zuerst von Geistlichen als Schutz gegen Sonnen- und Mückenstiche getragen. Erst waren wie aus der Wolle der Schafe gestrickt. Seit dem Hochmittelalter gab es in Europa Walkmühlen, einfache Mühlen aus Holz, die die Wolle durch Druck zu Filz pressten. So wurde damals auch der Rohstoff für die Mützen hergestellt. 

So entwickelte sich wahrscheinlich um 1570/1580 aus dem in Euroüa verbreiteten Barett die Baskenmütze zur Kopfbedeckung der Bauern und Hirten in den Pyrenäen, insbesondere im Béarn. Von dort gelangte sie ins benachbarte Baskenland, wo vor allem blaue und schwarze Baskenmützen insbesondere von Fischern und Seeleuten getragen wurden. Quellen legen nahe, dass die Baskenmütze auf diese Weise seit dem 16. Jahrhundert im Baskenland weit verbreitet war. Deshalb schwelt im Südwesten seit Jahrhunderten die ewige Streitfrage, ob die wirklich bérets basques waren − oder etwa doch bérets béarnais.

Der Legende nach sprach Napoleon III. eher versehentlich das entscheidende Machtwort: Als er um 1855 nach den Baufortschritten an seinem Sommerpalast in Biarritz sah, staunte er laut über die „baskischen Hauben“ der arbeitenden Männer. Niemand wagte es, den Kaiser zu berichtigen und so war die ‚Baskenmütze‘ geboren.

Künstler und Kämpfer trugen Baskenmütze

Fest steht, dass die Baskenmütze im Frankreich des 19. und vor allem des frühen 20. Jahrhundert viel von Intellektuellen und Künstlern getragen wurde, darunter Rodin, Pablo Picasso, Monet, Cezanne, Ernest Hemingway, Richard Wagner und Heinrich Böll. Bevor dieser Hype unter Künstlern begann, fand man sie bereits auf Selbstporträts der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt. Seit etwa 1927 ist sie immer wieder als modisch-sportliche Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht in Gebrauch. So ließ sich etwa Marlene Dietrich in den 1930er Jahren häufig mit Baskenmütze ablichten,  Greta Gabor trug sie privat,  Lisa Fonssagrives war 1950 auf dem Cover der amerikanischen Vogue mit roter Baskenmütze und Baguette im Arm zu sehen. 1967 trug  Faye Dunaway als Bonnie im Film Bonnie und Clyde Baskenmütze. In der Mode wurde die Baskenmütze unter anderem von Louis Viutton und Sonia Rykiel neu interpretiert. Erst im 20. Jh. wurde die Baskenmütze in den angelsächsischen Ländern zu einem Symbol, das mit dem Image der Franzosen in Verbindung gebracht wird, obwohl sie eigentlich ein typisches Attribut des ganzen Baskenlandes ist.

Im Zweiten Weltkrieg war das Barett dann die Kopfbedeckung des französischen Widerstandes. Die Baskenmütze war eines der Symbole der Résistance. Aber auch die Gegner der Résistance, insbesondere die Miliz, trugen die Baskenmütze, allerdings auf eine andere, steifere Art und Weise. Später wurde die Baskenmütze zum Symbol verschiedener Widerstandsbewegungen und der Volksbefreiung. “Che” Guevara machte sie in den 60iger Jahren zu einem der Symbole der Revolution.

1975 bestellte aber auch die irakische Armee eine Million Baskenmützen. Die Mitglieder der ETA zeigten sich ebenfalls häufig mit Baskenmütze. Zudem bekommen im Baskenland traditionell die Sieger oder Siegerinnen von Wettbewerben eine Baskenmütze aufgesetzt und werden txapeldun genannt. Die Fans von Athletic Bilbao tragen häufig Baskenmützen als Teil ihrer Fankleidung. Man sieht, die Baskenmütze hat im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen.

 

Das „béret basque“ hat damit das geschafft, was weltweit nur wenigen Kleidungsstücken gelingt:

Gleichzeitig ein Symbol für Widerstand und Revolution, Teil einer Uniform, ein modisches Statement und ein nationales Symbol zu sein!

Herstellung

Die Herstellung von Baskenmützen, die in Frankreich einst blühte, wurde von der Krise der Textilindustrie und der Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Baskenmütze zudem heute an Bedeutung verloren hat, gibt es nur noch wenige Fabriken, die die echten Baskenmützen herstellen. In dem kleinen Ort Oloron-Sainte-Marie sitzt die 1830 gegründete Firma Laulhère, der letzte große Baskenmützenproduzent Frankreichs. Laulhère ist übrigens eine Ableitung von ouélhé oder aoulhé, was im Béarnais „Hirte“ bedeutet. Es gibt auch kleine Manufakturen, wie Après La Pluie im Badeort Saint-Jean-de-Luz, die neben Laulhère die Mütze herstellen. Die einzige Fabrik, die im spanischen Baskenland noch existiert, ist die Firma Elosegui, die Boinas in Tolosa produziert.

Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär. Das Militär verzichtet aber auf typische “Schwänzchen”, in Frankreich cabillou genannt. Die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes.

Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt für einige Sekunden.

Und wie trägt man nun die Baskenmütze?

Man kann sie tragen, wie es einem gefällt. Es gibt keine festen Vorgaben. Je nach Anlass, persönlicher  Stimmung, eigener Kopfform oder Modetrend kann man den Sitz der Mütze auf dem Kopf variieren. Viel Spaß beim Probieren!

Übrigens: die Baskenmützen sind der angesagteste Modetrend für 2022 – laut Influencer:innen und der Zeitschrift „Elle“ . Allerdings entsprechen diese Modeaccesscoirs nur noch in der Form ihren Wurzeln. Ansonsten kommen sie jetzt in ausgefallenen Ausführungen u.a. in Webpelz- oder Häkel-Optik und in leuchtenden Farben wie rosa und grün.

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Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Via Tolosana

Auch wenn der Weg nach San Juan de la Pena und Santa Cruz de la Seros ein „Umweg“ ist, so sollte man sich doch als Pilger – wenn möglich – für diese Variante entscheiden, um diese Kleinode auf dem Jakobsweg aufzusuchen.

Das mittelalterliche Kloster befindet sich südwestlich der Stadt Jaca in der sogenannten Sierra San Juan de la Peña. Das Berggebiet wurde 1920 zum Landschaftsschutzgebiet ernannt. Hier in einer engen Schlucht unter einem weit herausragenden Bergüberhang liegt versteckt das Kloster. Die Anlage öffnet sich in etwa nach Norden, so dass sie kaum direktes Sonnenlicht erhält. Diese Lage unter einem Felsüberhang ist einzigartig. Das anstehende Gestein ist ein sehr weiches rötlichen Konglomerat, das das Ausschwemmen von Höhlen und die Bildung der Überhänge begünstigte und das somit auch gut bearbeitbar war.

Von Juan Carlos Gil - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21646482

Geschichtliche Entwicklung

 Unter einem großen Felsüberhang liegt versteckt und vor der Witterung geschützt das ehemalige Kloster des hl. Johannes vom Felsen. Westgotische Flüchtlinge verschanzten sich hier nach der Zerstörung ihres Reiches (711) und errichteten eine bescheidene Festung, die aber von den Mauren wieder zerstört wurde. Im 8. Jh. soll sich hier der Eremit Juan de Atares zurückgezogen haben. Wie so häufig schlossen sich solchen Eremiten andere Gläubige an. Und so soll es seit der Mitte des 9. Jh. hier ein Benediktinerkloster gegeben haben. Sancho Garces III. (1030 – 1050) förderte das Kloster und ein großer Teil der heute noch erhaltenen Gebäude wurden in dieser Zeit errichtet. Seit dem 10. Jh. wurden hier auch zunächst die Herrscher Navarras beigesetzt.

Im 11. Jh.  erstarkte die Abtei und wurde u.a. auch durch Schenkungen der Könige von Navarra zu einem mächtigen Kloster. San Juan de la Peña war damals ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Aragonien. Besonders bedeutend war das Skriptorium des Klosters. Hier entstand in dieser Zeit unter anderem eine 194 Blatt umfassende Abschrift der Bibel auf Pergament, das älteste erhaltene Bibelmanuskripts aus Aragon. Am Ende des 11. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte Bedeutung. Nun wurde es auch zur Begräbnisstätte der Könige von Aragon, während seit dem 10. Jh. hier bereits die Herrscher Navarras beigesetzt wurden.

 

https://anthrowiki.at/index.php?curid=206811

Gestaltung

 Die alte Höhlenkirche des Klosters ist zweistöckig. Die beiden Ebenen sind aber nicht miteinander verbunden. Jede der Ebenen bildet einen eigenen Kirchenraum. Die untere mozarabische Kirche wurde um ca. 920 erbaut und ist zweischiffig mit zwei Apsiden. Die mozarabische Architektur bezeichnet den Baustil präromanischer Gebäude, die von Mozarabern errichtet werden. Mozaraber sind Christen, die von der Kultur des Islams geprägt waren. In der Kirche finden sich auch noch Reste romanischer Wandmalereien aus dem 11. Jh. Vor der Unterkirche liegt das Dormitorium, der Schlaftrakt der Mönche, der im 11. Jh. dazukam.

 

Von Jl FilpoC - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75806442

Die über der alten Kirche liegende Oberkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jhs. Es wird angenommen, dass die Zahl der Pilger, die hier am Jakobsweg Halt machten, so groß war, dass man eine weitere Kirche errichtete. Der Ostteil dieser hohen einschiffigen Kirche mit drei Apsiden ist in den gewachsenen Felsen gehauen. Die Decke wird ebenfalls teilweise aus dem gewachsenen Stein gehauen. So ist hier eine Kirche entstanden, in der von der Natur geformter Stein mit von Menschen aufgebauten Teilen zusammenfließt. Licht fällt nur durch ein großes Fenster an der Westseite in die Kirche. Die leichte Bogenkonstruktion, die die Apsiden umläuft und sie miteinander verbindet, lässt einen fast vergessen, dass man sich unterhalb einer überhängenden Felswand befindet.

 

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. Der Kreuzgang, der aus dem 12. Jh.  stammt, liegt ganz wettergeschützt unter dem Felsüberhang, der ihm als Gewölbe dient und besteht nur aus Bogengalerien. Die Kapitelle des Kreuzgangs sind bedeutende Kunstwerke der Romanik. Die ältesten stammen vom Ende des 11. Jh. und zeigen fantastische Tiere sowie geometrische und pflanzliche Motive. Die zweite Gruppe von Kapitellen stammt vom „Meister von San Juan de la Pena“. Sein Name ist uns nicht bekannt. Die Kapitelle wurden Ende des 12. Jhs geschaffen und zeigen verschiedene Szenen aus der Bibel. Sie sind voll ausgestaltet, die Figuren sind sehr kompakt mit zum Teil stark betonten Augen und Mündern. Der Eindruck wurde ehemals durch kräftige farbliche Fassungen noch verstärkt.

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. An den Kreuzgang sind zwei Kapellen angeschlossen, eine im Stil der Spätgotik, die andere im klassizistischen Stil. Die Königsgruft ist ebenfalls eine zweigeschossige Anlage. Zahlreiche Könige von Aragon und von Navarra wurden dort über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten bestattet. Später blieben nur die Grablege der aragonesischen Könige an diesem Ort.

 

Es handelt sich bei dem alten Kloster um einen einzigartigen mystischen Ort, an dem Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenspielen und sich vereinen. „Genie de lieu“ nennen die Franzosen so einen Ort, der etwas ganz eigenes und Besonderes atmet. Mir gefällt dieser Ausdruck! Für Nooteboom ist es einer der Ort, die er noch einmal sehen wollte, bevor er sterbe.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39406213

Die Kapitelle erzählen den Mönchen, die hier im Kreuzgang meditierten, religiöse Geschichten. Romanische Kapitelle und Tympana sowie andere Schnitzereien erzählen Geschichten, aber eigentlich rufen sie Geschichten hervor, die der Betrachter bereits kennen sollte. Der Steinmetze, der das Kapitell schnitzt oft unter Anleitung des ranghöchsten geistlichen Beamten, der die Arbeit in Auftrag gibt, vermittelt wichtige visuelle Elemente einer Geschichte. Die Erzählung ist in einer Szene oder einem Tableau zusammengefasst und erinnert den Betrachter an eine bestimmte Botschaft, die für seinen Glauben wichtig ist.

Hier eine kurze Beschreibung der drei Kapitelle, die auf dem ersten Bild zu sehen sind:

Auferstehung des Lazarus
Hier ist eine Darstellung der Auferweckung des Lazarus durch Christus. An der kreuzförmigen Heiligenscheinfigur in der rechten Ecke erkennen Sie, dass es sich um Christus handelt. In seiner linken Hand trägt er einen Stab mit einem Kreuz darauf und gestikuliert mit seiner rechten Hand segnend. Die beiden Figuren hinter dem Leichnam sind Maria und Martha. Ihre Hände gestikulieren zum Gebet. Der Leichnam des Lazarus ruht auf einem Sarkophag und ist in ein Leichentuch gehüllt.

Einzug in Jerusalem
Dieses Kapitell zeigt den Einzug in Jerusalem (von den Christen als Palmsonntag gefeiert), bei dem Christus auf einem Esel in die Stadt reitet und von seinen Anhängern wie ein zurückkehrender König behandelt wird. In der Mitte des Kapitells legt ein Anhänger seinen Mantel vor dem Weg des Esels nieder. Es ist eine Geste der Demut, des Dienstes, des „Wegesbereitens“, die bei den Mönchen Anklang gefunden haben dürfte.

Das letzte Abendmahl
Beim letzten Abendmahl sehen wir, wie Jesus einen Apostel füttert, während er versucht, den Fisch auf dem Tisch zu fangen. Der heilige Johannes erscheint auf Christus liegend.

Neben weiteren Szenen aus dem neuen Testament, u.a. noch die Fußwaschung eines Leprakranken oder die Verkündigung, gibt es auch Szenen aus dem alten Testament wie der gefallene Adam oder Adam und Eva., die arbeiten. Eine genaue Beschreibung des Klosters und der Kapitelle im Kreuzgang findet man bei diezarnal.com.

 

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3940621
https://anthrowiki.at/index.php?curid=97228

Sagen und Legenden

 Das ist sicher auch ein Grund, warum im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Legenden um dieses Kloster entstanden sind. Unter anderem versuchen einige Historiker mit eher pseudowissenschaftlichen Erläuterungen zu belegen, dass sich im Kloster San Juan de la Pena im Mittelalter der heilige Gral befunden haben soll. Laut den Klosterurkunden, deren älteste aus dem Jahre 1134 stammt, verehrten die Pilger an diesem Ort die Reliquie des Santo Caliz als den Heiligen Gral, hier in Form eines Kelches, der heute in Valencia aufbewahrt wird. Angeblich gibt es zwischen dem Ort und Kloster San Juan de la Pena und der Gralsburg, an dem sich der Heilige Gral befinden soll, zahlreiche Parallelen. Hierbei wird von einigen Historikern auf die Beschreibung von Wolfram von Eschenbach in seinem Parsifal zurückgegriffen. Allerdings beanspruchen auch andere Orte in England und Frankreich das Recht, der Ort zu sein, an dem sich der Gral befindet. Zudem ist weiterhin umstritten, um was für einen Gegenstand es sich bei dem Gral überhaupt handelt – ist es ein Kelch, ein einfaches Trinkgefäß oder ein Stein?

 

Das neue Kloster

 Wegen der ungünstigen Lage des alten Klosters (Düsteres Licht, Feuchtigkeit, schadhafte Stellen) wurde es nach einem verheerenden zweiten Brand im Jahre 1675 nicht mehr am historischen Ort aufgebaut, sondern etwa 100 m höher, auf der über dem Überhang gelegenen Hochfläche von San Indalecio, die klimatisch günstiger war und auch sehr viel mehr Platz bot. Das neue 1714 fertig gestellte Kloster wurde auf dem Hochplateau über dem alten Kloster in barocken Stil erbaut, reich ausgestattet und mit zahlreichen Nebengebäuden versehen. Es besaß neben den üblichen Einrichtungen für die Mönche einige Schreibzimmer, umfangreichen Gästezimmern, eine Krankenstation, eine Apotheke sowie Kornkammern und Weinkeller. Durch den spanischen Unabhängigkeitskrieg und die Säkularisation der Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts ist heute davon nicht mehr viel übrig. Von 1999 bis 2007 wurde die übrig gebliebenen Gebäude grundlegend saniert: Ein Luxushotel, ein Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon und eines zur Geschichte des Klosters entstanden in den alten Mauern.

 

Besonders schön ist der alte markierte Pilgerweg, der hinter Santa Cruz beginnt und durch den Wald und unter Felsen dorthin führt. Die Wahrscheinlichkeit, hier Bartgeier, Steinadler und Alpenkrähen zu sehen, ist ziemlich groß, die Aussicht auf die Pyrenäenkette wunderschön. Allerdings müssen hierbei ca. 600 hm überwunden werden.

Ebenso anstrengend und lohnend ist auch der Anstieg von Jaca über Arres aus. Auf jeden Fall muss man, wenn man San Juan de la Pena besuchen will, einen zusätzlichen – aber lohnenden – Tag auf diesem Pilgerweg einplanen.

Von FRANCIS RAHER - CS 22082009 #123630 #45624.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44280806
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