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Kloster San Salvador in Cornellana und das schöne Städtchen Salas

Kloster San Salvador in Cornellana und das schöne Städtchen Salas

Camino Primitivo

Das Kloster San Salvador in Cornellana

Das Kloster San Salvador wurde 1024 von der Infantin Cristina, Tochter von König Bermudo II. und Königin Velasquita, gegründet, die sich nach dem Tod ihres Mannes Ordoño in dieses Kloster zurückzog. Über dem Tor des Obstgartens befindet sich das Relief eines Bären, der ein Mädchen säugt, mit zwei Löwenköpfen auf beiden Seiten. Dieses Relief erzählt die volkstümliche Legende, nach der ein Mädchen, die Infantin Cristina, in sehr jungem Alter in den asturischen Wäldern verloren ging und überlebte, weil sie von einem Bären gesäugt und beschützt wurde.

Nach dem Tod der Infantin traten ihre Nachkommen das Kloster 1122 an die Mönche von Cluny ab, die hier dann ein Benediktinerkloster gründeten.

Das architektonische Ensemble des Klosters San Salvador de Cornellana besteht aus der Kirche und dem angrenzenden Kloster. Die in der der zweiten Hälfte des 17. Jhs. renovierte Kirche hat den Grundriss einer Basilika mit drei Schiffen. Der Innenraum bewahrt noch stilistische Merkmale des romanischen Stils mit drei halbrunden und gestuften Apsiden, denen ein gerader Abschnitt vorangestellt ist. An der Außenseite sind die Apsiden mit aufgesetzten Säulen, Rundbogenfenstern, horizontalen Gesimsen und verzierten Kragsteinen geschmückt. In der Nähe erhebt sich der Glockenturm, dessen quadratische Form in der Höhe hervorsticht und im Kontrast zu den geschwungenen Wänden der Apsiden steht. Der Innenraum ist mit hervorragenden Altarbildern aus dem 17. Jh. geschmückt.

Der barocke Kreuzgang, ein Ersatz für den mittelalterlichen Kreuzgang, hat einen quadratischen Grundriss und zwei Stockwerke, in denen Arkaden im unteren Stockwerk mit profilierten Balkonen im ersten Stockwerk kombiniert sind. Außerdem sind zwei romanische Türen aus dem Vorgängerbau erhalten geblieben.

Zu Beginn des 18. Jhs. wurde das Kloster renoviert. Es erhielt eine elegante zweistöckige Fassade mit profilierten Fenstern im ersten Stock und Eisenbalkonen im zweiten Stock. Der Mittelteil ist mit typischen Barockmotiven verziert: Säulen, Balkone, ein geteilter Giebel und ein riesiges Wappen.

Der gesamte Gebäudekomplex wurde in den letzten Jahren wieder renoviert. Dort befindet sich auch eine Pilgerherberge.

Salas

Zahlreiche Funde aus der Altsteinzeit belegen die frühe Besiedelung des Gemeindegebietes, darunter zahlreiche Dolmen. Reste von Wallburgen. Äxte und Fibeln aus der Bronzezeit bestätigen die anhaltende Besiedlung und den regen Handel mit anderen Orten.

Aus der Zeit der römischen Besetzung existieren noch teilweise genutzte Wasserversorgungskanäle sowie Spuren des Bergbaus an den Kupfer- und Goldbergwerkminen von Godán, Ablaneda und Carlés. Eine Stele mit der Inschrift: „Hier liegt Flavio Cabarco, Sohn von Auledo und von Caya“ wurde ebenfalls gefunden.

Die erste urkundliche Erwähnung von Salas stammt aus dem Jahr 896, in einer Abtretungsurkunde aus dem benachbarten Erzbistum Oviedo, die die Kirche San Martin de Salas betrifft. Aus dem Jahr 1024 stammt die Gründung des Klosters Monasterio de San Salvador im Auftrag der Infantin Christina.

Eine Vielzahl von Baudenkmälern aus teilweise vorromanischer Zeit sowie Nekropole und Wallburgen finden sich heute noch im gesamten Gemeindegebiet.

Die Stadt Salas verfügt über einen der bedeutendsten historischen Monumentalkomplexe in ganz Asturien und beherbergt vier Nationaldenkmäler: den Turm des Valdés-Salas-Palastes aus dem 14. Jahrhundert. Die Mauern sind sechzehn Meter hoch und enden in vier Stockwerken, die durch Wendeltreppen miteinander verbunden sind. Es gibt nur wenige Fenster, die übrigen Öffnungen sind Schießscharten. An den Turm angeschlossen sieht man durch einen Halbkreisbogen aus dem 16. Jh. den Palast von Valdés Salas, der Familie, die der Stadt und dem Turm ihren Namen gab. Die Stiftskirche Santa María La Mayor ist ein elegantes gotisches Gebäude, in dem sich das Mausoleum des Inquisitors D. Fernando Valdés Salas befindet, ein Werk des italienischen Künstlers Pompeo Leoni, eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissance-Skulptur in Asturien.

In der Stadt befindet sich auch das Museum für präromanische Kultur. Dieses im historisch bedeutenden Turm des Palasts der Familie Valdés Salas untergebrachte Museum beherbergt die wertvolle Sammlung von Gegenständen und Steintafeln mit Inschriften aus der nur einen Kilometer von Salas entfernten Kirche San Martín. 

De Juanjeitor / Juan José Hernández Rodríguez de Redondela, Spain - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2316133 Turm von Valdés in Salas
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178
De Xuliu Pombar - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052178

Die primitive Kirche „Iglesia de San Martin“ liegt 800 m von der Stadt entfernt und wurde zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erbaut. Der fortschreitende Verfall dieses primitiven Gebäudes machte im Jahr 951 einen Wiederaufbau erforderlich. Die vorromanische Kirche San Martín wurde im  15. Jahrhundert vollständig umgebaut und in den darauffolgenden Jahrhunderten teilweise umgestaltet, wobei einundzwanzig Teile der alten frühmittelalterlichen Kirche erhalten blieben.

An den Außenwänden des Mauerwerks waren ursprünglich epigraphische Grabsteine eingelassen, die heute im Museum „Asturische Vorromanik“ aufbewahrt werden. Denn diese in den Mauern der Kirche San Martín eingelassenen Stücke stellen insgesamt ein hervorragendes repräsentatives Beispiel für die Perfektion und den dekorativen Reichtum der asturischen Werkstätten des 10. Jahrhunderts dar. Sie sind somit ein Beleg für die hohe Qualität der vorromanischen asturischen Kunst, die gelegentlich in Vergessenheit geriet. In der Kirche sind auf Leinwänden originalgetreue Reproduktionen im Originalmaßstab zu sehen.

Die heutige Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und besteht aus einem einzigen Kirchenschiff, das mit Giebelholz gedeckt ist. Der Zugang erfolgt durch eine gotische Tür mit Spitzbogen und drei profilierten Archivolten ohne Verzierung. Das Presbyterium besitzt einen quadratischen Grundriss und ein Kreuzgewölbe.

 

By Xuliu Pombar - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110052597

Neben der Kirche stehen zwei weibliche Eiben am Eingang und auf der Rückseite des ummauerten Bereichs, der die Kirche und den Friedhof umgibt. Sie wurden zum Naturdenkmal erklärt. Der erste hat einen Stammumfang von zweihundertneunzig Zentimetern und der zweite von sechshundertzehn Zentimetern. Ihr geschätztes Alter würde bei etwa dreihundert bzw. fünfhundert Jahren liegen. Es ist möglich, dass die Älteste zur Erinnerung an die Reform der Kirche im 15. Jh. gepflanzt wurde und die jüngste mit der im 18. Jahrhundert durchgeführten Reform.

Die Eibe ist ein Baum von großer kultureller Bedeutung in der Region, wo sie im Laufe der Geschichte eine symbolische Rolle gespielt hat. Als Protagonist des alten vorchristlichen Glaubens wurde es im Laufe der Zeit zu einem Identitätssymbol der Pfarrgemeinde und gilt heute als Repräsentation einer mythischen Vergangenheit, einer asturischen Identität, die auf Tradition und einer Reihe ökologischer  Werte basiert. (s. auch Kapitel über Eiben)

 

 

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Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Die Baskenmütze – vielmehr als nur eine Kopfbedeckung

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Via Tolosana

Begriff

Die Baskenmütze ist eine traditionell aus Wolle gewalkte Mütze in der Art eines Baretts. Sie hat keinen Schirm und keine Krempe. Ihre Besonderheit ist die flache Form, die nach innen gebogene Kopföffnung und der ca. ein bis zwei Zentimeter lange Zipfel in der Mitte (baskisch txertena, ‚Schwänzchen‘), der beim Filzvorgang entsteht, und auch als Schlinge gearbeitet sein kann. In Frankreich nennt man sie bérets und in Spanien boinas, auf baskisch txapela (was eigentlich Hut heißt). Die Hirten waschen ihre Mütze nicht, sondern es heißt ausschütteln, abklopfen, aufsetzen nach dem Motto “la vie continue”!

Während die ursprüngliche Baskenmütze entweder marineblau oder rot war, ist sie heute in einer Vielzahl von Farben erhältlich. Man findet es beim Militär, bei Schülern und in den Kollektionen namhafter Designer. Schon früh drückte es aber auch eine Geisteshaltung seiner Träger aus.

Geschichte

Eine Art Baskenmütze wurde schon um das Jahr 1000 herum zuerst von Geistlichen als Schutz gegen Sonnen- und Mückenstiche getragen. Erst waren wie aus der Wolle der Schafe gestrickt. Seit dem Hochmittelalter gab es in Europa Walkmühlen, einfache Mühlen aus Holz, die die Wolle durch Druck zu Filz pressten. So wurde damals auch der Rohstoff für die Mützen hergestellt. 

So entwickelte sich wahrscheinlich um 1570/1580 aus dem in Euroüa verbreiteten Barett die Baskenmütze zur Kopfbedeckung der Bauern und Hirten in den Pyrenäen, insbesondere im Béarn. Von dort gelangte sie ins benachbarte Baskenland, wo vor allem blaue und schwarze Baskenmützen insbesondere von Fischern und Seeleuten getragen wurden. Quellen legen nahe, dass die Baskenmütze auf diese Weise seit dem 16. Jahrhundert im Baskenland weit verbreitet war. Deshalb schwelt im Südwesten seit Jahrhunderten die ewige Streitfrage, ob die wirklich bérets basques waren − oder etwa doch bérets béarnais.

Der Legende nach sprach Napoleon III. eher versehentlich das entscheidende Machtwort: Als er um 1855 nach den Baufortschritten an seinem Sommerpalast in Biarritz sah, staunte er laut über die „baskischen Hauben“ der arbeitenden Männer. Niemand wagte es, den Kaiser zu berichtigen und so war die ‚Baskenmütze‘ geboren.

Künstler und Kämpfer trugen Baskenmütze

Fest steht, dass die Baskenmütze im Frankreich des 19. und vor allem des frühen 20. Jahrhundert viel von Intellektuellen und Künstlern getragen wurde, darunter Rodin, Pablo Picasso, Monet, Cezanne, Ernest Hemingway, Richard Wagner und Heinrich Böll. Bevor dieser Hype unter Künstlern begann, fand man sie bereits auf Selbstporträts der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt. Seit etwa 1927 ist sie immer wieder als modisch-sportliche Kopfbedeckung unabhängig vom Geschlecht in Gebrauch. So ließ sich etwa Marlene Dietrich in den 1930er Jahren häufig mit Baskenmütze ablichten,  Greta Gabor trug sie privat,  Lisa Fonssagrives war 1950 auf dem Cover der amerikanischen Vogue mit roter Baskenmütze und Baguette im Arm zu sehen. 1967 trug  Faye Dunaway als Bonnie im Film Bonnie und Clyde Baskenmütze. In der Mode wurde die Baskenmütze unter anderem von Louis Viutton und Sonia Rykiel neu interpretiert. Erst im 20. Jh. wurde die Baskenmütze in den angelsächsischen Ländern zu einem Symbol, das mit dem Image der Franzosen in Verbindung gebracht wird, obwohl sie eigentlich ein typisches Attribut des ganzen Baskenlandes ist.

Im Zweiten Weltkrieg war das Barett dann die Kopfbedeckung des französischen Widerstandes. Die Baskenmütze war eines der Symbole der Résistance. Aber auch die Gegner der Résistance, insbesondere die Miliz, trugen die Baskenmütze, allerdings auf eine andere, steifere Art und Weise. Später wurde die Baskenmütze zum Symbol verschiedener Widerstandsbewegungen und der Volksbefreiung. “Che” Guevara machte sie in den 60iger Jahren zu einem der Symbole der Revolution.

1975 bestellte aber auch die irakische Armee eine Million Baskenmützen. Die Mitglieder der ETA zeigten sich ebenfalls häufig mit Baskenmütze. Zudem bekommen im Baskenland traditionell die Sieger oder Siegerinnen von Wettbewerben eine Baskenmütze aufgesetzt und werden txapeldun genannt. Die Fans von Athletic Bilbao tragen häufig Baskenmützen als Teil ihrer Fankleidung. Man sieht, die Baskenmütze hat im Laufe der Geschichte die unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen.

 

Das „béret basque“ hat damit das geschafft, was weltweit nur wenigen Kleidungsstücken gelingt:

Gleichzeitig ein Symbol für Widerstand und Revolution, Teil einer Uniform, ein modisches Statement und ein nationales Symbol zu sein!

Herstellung

Die Herstellung von Baskenmützen, die in Frankreich einst blühte, wurde von der Krise der Textilindustrie und der Konkurrenz aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Baskenmütze zudem heute an Bedeutung verloren hat, gibt es nur noch wenige Fabriken, die die echten Baskenmützen herstellen. In dem kleinen Ort Oloron-Sainte-Marie sitzt die 1830 gegründete Firma Laulhère, der letzte große Baskenmützenproduzent Frankreichs. Laulhère ist übrigens eine Ableitung von ouélhé oder aoulhé, was im Béarnais „Hirte“ bedeutet. Es gibt auch kleine Manufakturen, wie Après La Pluie im Badeort Saint-Jean-de-Luz, die neben Laulhère die Mütze herstellen. Die einzige Fabrik, die im spanischen Baskenland noch existiert, ist die Firma Elosegui, die Boinas in Tolosa produziert.

Gut die Hälfte der gesamten Produktion geht in Frankreich an das Militär. Das Militär verzichtet aber auf typische “Schwänzchen”, in Frankreich cabillou genannt. Die 40 Mitarbeiter im spanischen Tolosa produzieren zur Hälfte für die autonome Polizei des Baskenlandes.

Die dortige ertzaintza wird nicht etwa mit eintönig schwarzen Filzmützen, sondern mit leuchtend roten boinas ausgestattet. Und weil das so gut aussieht, bekam sie im James Bond-Film »Die Welt ist nicht genug« (1999) einen dramatisch-farbenfrohen Auftritt für einige Sekunden.

Und wie trägt man nun die Baskenmütze?

Man kann sie tragen, wie es einem gefällt. Es gibt keine festen Vorgaben. Je nach Anlass, persönlicher  Stimmung, eigener Kopfform oder Modetrend kann man den Sitz der Mütze auf dem Kopf variieren. Viel Spaß beim Probieren!

Übrigens: die Baskenmützen sind der angesagteste Modetrend für 2022 – laut Influencer:innen und der Zeitschrift „Elle“ . Allerdings entsprechen diese Modeaccesscoirs nur noch in der Form ihren Wurzeln. Ansonsten kommen sie jetzt in ausgefallenen Ausführungen u.a. in Webpelz- oder Häkel-Optik und in leuchtenden Farben wie rosa und grün.

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Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Das sagenumwobene Kloster San Juan de la Pena – ein einmaliges Zusammenspiel von Geschichte, Kultur und Natur

Via Tolosana

Auch wenn der Weg nach San Juan de la Pena und Santa Cruz de la Seros ein „Umweg“ ist, so sollte man sich doch als Pilger – wenn möglich – für diese Variante entscheiden, um diese Kleinode auf dem Jakobsweg aufzusuchen.

Das mittelalterliche Kloster befindet sich südwestlich der Stadt Jaca in der sogenannten Sierra San Juan de la Peña. Das Berggebiet wurde 1920 zum Landschaftsschutzgebiet ernannt. Hier in einer engen Schlucht unter einem weit herausragenden Bergüberhang liegt versteckt das Kloster. Die Anlage öffnet sich in etwa nach Norden, so dass sie kaum direktes Sonnenlicht erhält. Diese Lage unter einem Felsüberhang ist einzigartig. Das anstehende Gestein ist ein sehr weiches rötlichen Konglomerat, das das Ausschwemmen von Höhlen und die Bildung der Überhänge begünstigte und das somit auch gut bearbeitbar war.

Von Juan Carlos Gil - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21646482

Geschichtliche Entwicklung

 Unter einem großen Felsüberhang liegt versteckt und vor der Witterung geschützt das ehemalige Kloster des hl. Johannes vom Felsen. Westgotische Flüchtlinge verschanzten sich hier nach der Zerstörung ihres Reiches (711) und errichteten eine bescheidene Festung, die aber von den Mauren wieder zerstört wurde. Im 8. Jh. soll sich hier der Eremit Juan de Atares zurückgezogen haben. Wie so häufig schlossen sich solchen Eremiten andere Gläubige an. Und so soll es seit der Mitte des 9. Jh. hier ein Benediktinerkloster gegeben haben. Sancho Garces III. (1030 – 1050) förderte das Kloster und ein großer Teil der heute noch erhaltenen Gebäude wurden in dieser Zeit errichtet. Seit dem 10. Jh. wurden hier auch zunächst die Herrscher Navarras beigesetzt.

Im 11. Jh.  erstarkte die Abtei und wurde u.a. auch durch Schenkungen der Könige von Navarra zu einem mächtigen Kloster. San Juan de la Peña war damals ein Zentrum von Wissenschaft und Kultur in Aragonien. Besonders bedeutend war das Skriptorium des Klosters. Hier entstand in dieser Zeit unter anderem eine 194 Blatt umfassende Abschrift der Bibel auf Pergament, das älteste erhaltene Bibelmanuskripts aus Aragon. Am Ende des 11. Jahrhunderts erlangte das Kloster seine größte Bedeutung. Nun wurde es auch zur Begräbnisstätte der Könige von Aragon, während seit dem 10. Jh. hier bereits die Herrscher Navarras beigesetzt wurden.

 

https://anthrowiki.at/index.php?curid=206811

Gestaltung

 Die alte Höhlenkirche des Klosters ist zweistöckig. Die beiden Ebenen sind aber nicht miteinander verbunden. Jede der Ebenen bildet einen eigenen Kirchenraum. Die untere mozarabische Kirche wurde um ca. 920 erbaut und ist zweischiffig mit zwei Apsiden. Die mozarabische Architektur bezeichnet den Baustil präromanischer Gebäude, die von Mozarabern errichtet werden. Mozaraber sind Christen, die von der Kultur des Islams geprägt waren. In der Kirche finden sich auch noch Reste romanischer Wandmalereien aus dem 11. Jh. Vor der Unterkirche liegt das Dormitorium, der Schlaftrakt der Mönche, der im 11. Jh. dazukam.

 

Von Jl FilpoC - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75806442

Die über der alten Kirche liegende Oberkirche stammt aus der zweiten Hälfte des 11. Jhs. Es wird angenommen, dass die Zahl der Pilger, die hier am Jakobsweg Halt machten, so groß war, dass man eine weitere Kirche errichtete. Der Ostteil dieser hohen einschiffigen Kirche mit drei Apsiden ist in den gewachsenen Felsen gehauen. Die Decke wird ebenfalls teilweise aus dem gewachsenen Stein gehauen. So ist hier eine Kirche entstanden, in der von der Natur geformter Stein mit von Menschen aufgebauten Teilen zusammenfließt. Licht fällt nur durch ein großes Fenster an der Westseite in die Kirche. Die leichte Bogenkonstruktion, die die Apsiden umläuft und sie miteinander verbindet, lässt einen fast vergessen, dass man sich unterhalb einer überhängenden Felswand befindet.

 

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. Der Kreuzgang, der aus dem 12. Jh.  stammt, liegt ganz wettergeschützt unter dem Felsüberhang, der ihm als Gewölbe dient und besteht nur aus Bogengalerien. Die Kapitelle des Kreuzgangs sind bedeutende Kunstwerke der Romanik. Die ältesten stammen vom Ende des 11. Jh. und zeigen fantastische Tiere sowie geometrische und pflanzliche Motive. Die zweite Gruppe von Kapitellen stammt vom „Meister von San Juan de la Pena“. Sein Name ist uns nicht bekannt. Die Kapitelle wurden Ende des 12. Jhs geschaffen und zeigen verschiedene Szenen aus der Bibel. Sie sind voll ausgestaltet, die Figuren sind sehr kompakt mit zum Teil stark betonten Augen und Mündern. Der Eindruck wurde ehemals durch kräftige farbliche Fassungen noch verstärkt.

Aus der Oberkirche führt ein Portal des 10. Jh. mit Hufeisenbogen zum Kreuzgang. An den Kreuzgang sind zwei Kapellen angeschlossen, eine im Stil der Spätgotik, die andere im klassizistischen Stil. Die Königsgruft ist ebenfalls eine zweigeschossige Anlage. Zahlreiche Könige von Aragon und von Navarra wurden dort über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten bestattet. Später blieben nur die Grablege der aragonesischen Könige an diesem Ort.

 

Es handelt sich bei dem alten Kloster um einen einzigartigen mystischen Ort, an dem Geschichte, Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenspielen und sich vereinen. „Genie de lieu“ nennen die Franzosen so einen Ort, der etwas ganz eigenes und Besonderes atmet. Mir gefällt dieser Ausdruck! Für Nooteboom ist es einer der Ort, die er noch einmal sehen wollte, bevor er sterbe.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39406213

Die Kapitelle erzählen den Mönchen, die hier im Kreuzgang meditierten, religiöse Geschichten. Romanische Kapitelle und Tympana sowie andere Schnitzereien erzählen Geschichten, aber eigentlich rufen sie Geschichten hervor, die der Betrachter bereits kennen sollte. Der Steinmetze, der das Kapitell schnitzt oft unter Anleitung des ranghöchsten geistlichen Beamten, der die Arbeit in Auftrag gibt, vermittelt wichtige visuelle Elemente einer Geschichte. Die Erzählung ist in einer Szene oder einem Tableau zusammengefasst und erinnert den Betrachter an eine bestimmte Botschaft, die für seinen Glauben wichtig ist.

Hier eine kurze Beschreibung der drei Kapitelle, die auf dem ersten Bild zu sehen sind:

Auferstehung des Lazarus
Hier ist eine Darstellung der Auferweckung des Lazarus durch Christus. An der kreuzförmigen Heiligenscheinfigur in der rechten Ecke erkennen Sie, dass es sich um Christus handelt. In seiner linken Hand trägt er einen Stab mit einem Kreuz darauf und gestikuliert mit seiner rechten Hand segnend. Die beiden Figuren hinter dem Leichnam sind Maria und Martha. Ihre Hände gestikulieren zum Gebet. Der Leichnam des Lazarus ruht auf einem Sarkophag und ist in ein Leichentuch gehüllt.

Einzug in Jerusalem
Dieses Kapitell zeigt den Einzug in Jerusalem (von den Christen als Palmsonntag gefeiert), bei dem Christus auf einem Esel in die Stadt reitet und von seinen Anhängern wie ein zurückkehrender König behandelt wird. In der Mitte des Kapitells legt ein Anhänger seinen Mantel vor dem Weg des Esels nieder. Es ist eine Geste der Demut, des Dienstes, des „Wegesbereitens“, die bei den Mönchen Anklang gefunden haben dürfte.

Das letzte Abendmahl
Beim letzten Abendmahl sehen wir, wie Jesus einen Apostel füttert, während er versucht, den Fisch auf dem Tisch zu fangen. Der heilige Johannes erscheint auf Christus liegend.

Neben weiteren Szenen aus dem neuen Testament, u.a. noch die Fußwaschung eines Leprakranken oder die Verkündigung, gibt es auch Szenen aus dem alten Testament wie der gefallene Adam oder Adam und Eva., die arbeiten. Eine genaue Beschreibung des Klosters und der Kapitelle im Kreuzgang findet man bei diezarnal.com.

 

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3940621
https://anthrowiki.at/index.php?curid=97228

Sagen und Legenden

 Das ist sicher auch ein Grund, warum im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Legenden um dieses Kloster entstanden sind. Unter anderem versuchen einige Historiker mit eher pseudowissenschaftlichen Erläuterungen zu belegen, dass sich im Kloster San Juan de la Pena im Mittelalter der heilige Gral befunden haben soll. Laut den Klosterurkunden, deren älteste aus dem Jahre 1134 stammt, verehrten die Pilger an diesem Ort die Reliquie des Santo Caliz als den Heiligen Gral, hier in Form eines Kelches, der heute in Valencia aufbewahrt wird. Angeblich gibt es zwischen dem Ort und Kloster San Juan de la Pena und der Gralsburg, an dem sich der Heilige Gral befinden soll, zahlreiche Parallelen. Hierbei wird von einigen Historikern auf die Beschreibung von Wolfram von Eschenbach in seinem Parsifal zurückgegriffen. Allerdings beanspruchen auch andere Orte in England und Frankreich das Recht, der Ort zu sein, an dem sich der Gral befindet. Zudem ist weiterhin umstritten, um was für einen Gegenstand es sich bei dem Gral überhaupt handelt – ist es ein Kelch, ein einfaches Trinkgefäß oder ein Stein?

Kulturschätze und Naturkatastrophen – die Brandkatastrophe vom August 2026

Wie fragil aber das Zusammenspiel von Natur und Kultur zeigt sich leider Anfang August 2026 als ein großer Waldbrand in der Region auch das Kloster bedrohte. Angesichts des sich nähernden Waldbrandes rückte das Militär zur Sicherung aus. Es gelang nicht im ersten Anlauf. Die spanischen Einsatzkräfte haben die sterblichen Überreste der drei Könige  aus dem Mittelalter vor dem Waldbrand gerettet. die Flammen fraßen sich immer näher an das  fast 1000 Jahre alte Bergkloster heran. Für die Behördeb begann ein Wettlauf gegen die Zeit. eine Spezialeinheit des Militärs hat sich als erste in die Gefahrenzone gewagt. Es ist ihnen gelungen, wertvolle historische Gewänder zu bergen, bevor das Feuer sie zum Rückzug zwang. Gemeinsam mit Polizisten und Denkmalschützern gingen sie dann ein zweites Mal in das bedrohte Kloster und schafften es, die Särge der Könige sowie mehrere historische Gemälde aus dem Pantheon zu holen. Das Feuer, angefacht durch Hitze und starke Winde, hatte  rund 14.500 Hektar Land verwüstet und Tausende Menschen in die Flucht getrieben. Das Kloster stand noch relativ unversehrt inmitten der verkohlten Landschaft. Beim alten Kloster erreichte das Feuer sogar den oberen Bereich des Felsens. Einge Bereiche des Gesteins wurden durch die Hitze beeinträchtigt, das historische Bauwerk blieb aber – Gott sei Dank -weitgehend erhalten. Es ist aber bis auf Weiteres geschlossen ebenso wie die Zufahrtsstraßen.

Das neue Kloster

 Wegen der ungünstigen Lage des alten Klosters (Düsteres Licht, Feuchtigkeit, schadhafte Stellen) wurde es nach einem verheerenden zweiten Brand im Jahre 1675 nicht mehr am historischen Ort aufgebaut, sondern etwa 100 m höher, auf der über dem Überhang gelegenen Hochfläche von San Indalecio, die klimatisch günstiger war und auch sehr viel mehr Platz bot. Das neue 1714 fertig gestellte Kloster wurde auf dem Hochplateau über dem alten Kloster in barocken Stil erbaut, reich ausgestattet und mit zahlreichen Nebengebäuden versehen. Es besaß neben den üblichen Einrichtungen für die Mönche einige Schreibzimmer, umfangreichen Gästezimmern, eine Krankenstation, eine Apotheke sowie Kornkammern und Weinkeller. Durch den spanischen Unabhängigkeitskrieg und die Säkularisation der Klöster Anfang des 19. Jahrhunderts ist heute davon nicht mehr viel übrig. Von 1999 bis 2007 wurde die übrig gebliebenen Gebäude grundlegend saniert: Ein Luxushotel, ein Zentrum zur Geschichte des Königreichs Aragon und eines zur Geschichte des Klosters entstanden in den alten Mauern. Auch das Neue Kloster wurde nicht vom Brand beschädigt.

Besonders schön ist der alte markierte Pilgerweg, der hinter Santa Cruz beginnt und durch den Wald und unter Felsen dorthin führt. Die Wahrscheinlichkeit, hier Bartgeier, Steinadler und Alpenkrähen zu sehen, ist ziemlich groß, die Aussicht auf die Pyrenäenkette wunderschön. Allerdings müssen hierbei ca. 600 hm überwunden werden.

Ebenso anstrengend und lohnend ist auch der Anstieg von Jaca über Arres aus. Auf jeden Fall muss man, wenn man San Juan de la Pena besuchen will, einen zusätzlichen – aber lohnenden – Tag auf diesem Pilgerweg einplanen.

Hoffen wir, dass der Zugang bald wieder möglich ist, denn San Juan de la Pena ist eines der schönsten Kulturgüter auf den Jakobswegen – ein  “Genie de Lieu”!

Von FRANCIS RAHER - CS 22082009 #123630 #45624.jpg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44280806
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Parador – die ungewöhnlichste Hotelkette der Welt

Parador – die ungewöhnlichste Hotelkette der Welt

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

Parador ist die Kurzform für “Parador nacional”. Es handelt sich um von der spanischen Regierung in (Luxus-)Hotels umgebaute Burgen und historische Gebäude sowie einige neue Luxus-Resorts, die alle in atemberaubender Lage oder an historisch bedeutsamen Orten liegen. 2022 betrug die Gesamtzahl der Einrichtungen 97 in Spanien und eine in Portugal mit insgesamt ca. 10.000 Betten. Die einzelnen Hotels liegen in der Regel nur bequeme Tagesetappen (mit dem Auto) voneinander entfernt.

Die Paradors hatten schon immer drei Ziele:

– das nationale historische und künstlerische Erbe, inklusive der wichtigsten Naturgebiete zu erhalten

– ein besonderes Image des spanischen Tourismus im Ausland zu schaffen

– Bewegung in Gebiete mit wenig Tourismus und geringerer Wirtschaftskraft zu bringen.

Um sich nur eine die Dimension der in Spanien existierenden Burgen und Schlösser zu machen, hier nur zwei Zahlen. Früher gab es über 10 000 Schlösser in Spanien. Auch wenn sich die Zahl auf heute 2500 reduziert hat gibt es immer noch endlos viele Möglichkeiten in den mysteriösen, historischen und romantischen Flair, von dem die spanischen Schlösser umgeben sind, einzutauchen. Dagegen macht sich die Zahl der Paradors klein aus, aber sie bieten doch die Chance, ein Gefühl für das Leben in diesen Gemäuern zu bekommen. Natürlich es bleibt wenn ein Gefühl für das Leben der Reichen und Mächtigen in diesem doch so bewegten Mittelalter in Spanien.

spainparador.com/map.htm
Parador de Cardona

Geschichte der Paradors

“Calidad, amabilidad, leyenda – desde 1928” steht auf den schweren Messingtafeln am Eingang zu jedem Parador. Qualität, Herzlichkeit, Legende – seit 1928. Die Idee zu den stilvollen Unterkünften geht auf das Jahr 1926 zurück, als man in Spanien einen “königlichen Kommissar für Tourismus” ernannte, den Marqués de Vega Inclán.

Der Marqués schlug Alfons XIII., dem König von Spanien, vor, in armen, aber landschaftlich durchaus interessanten Gebieten Spaniens Hotels zu errichten. Hiermit sollte sowohl der Bekanntheitsgrad dieser Regionen gefördert als auch die leeren Kassen der Gemeinden gefüllt werden. Im ersten Schritt sollten keine neuen Hotels gebaut sondern historisch und architektonisch bedeutsame Bauwerke zu Hotels umfunktioniert werden. Positiver Nebeneffekt dieser Idee war die Rettung einiger dieser Bauwerke vor dem drohenden Verfall.
Der König fand diesen Vorschlag bemerkenswert und wählte daraufhin das Gelände in der Sierra de Gredos selbst aus, auf dem man 1928 das erste – in Abwandlung der ursprünglichen Idee – neu errichtete staatliche Hotel mit 30 Betten eröffnete. Warum in dieser zwei Stunden von Madrid entfernten rückständigen Gegend? Die Sierra de Gredos war von je her das Jagdgebiet der spanischen Könige. Der Marqués war zunächst enttäuscht, weil hier ein neues Gebäude errichtet wurde. So ließ er zumindest als Eingang ein prächtiges Tor aus einem Herrschaftshaus einbauen.

Parador de Santiago de Compostela 15.Jh.

Nachdem der Parador – was auf kastilisch schlicht und einfach „Unterkunft“ bedeutet -, ein Erfolg wurde, folgten kurz darauf weitere Hotels, diesmal der Idee des Marqués de la Vega Inclán folgend in geschichtlich bedeutenden Gebäuden. So wurden beispielsweise Hotels in Oropesa (1930), Úbeda (1930), Cuidad Rodrigo (1931) und Merida (1933) eröffnet. Damit wurde der Beginn einer neuen Art des Reisens auf der iberischen Halbinsel eingeleitet. Es folgten 26 weitere Paradors. Durch diese Aktivitäten wurden wichtige historische Bauwerke Spaniens gerettet, die zum Teil schon dem Verfall preisgegeben waren.

Der spanische Bürgerkrieg stoppte dann zunächst die Entwicklung. Weil aber der Diktator Franco Interesse an den Paradors zeigte, wurden die Idee unter dem Tourismusminister Manuel Fraga weiterentwickelt. In diese Zeit fällt auch eine gewisse Europäisierung Spaniens, die besonders im einsetzenden Tourismusboom vor allem an der Südküste Spaniens ihren Ausdruck fand. 

Zwischen 1965 und 1976 entstanden 25 neue Paradors und einige andere wurden modernisiert. Bis 2012 stieg die Zahl der Paradors auf 93. Heute gibt es in Spanien insgesamt 97. Sie gehören einer im Staatseigentum befindliche Aktiengesellschaft. Interessanterweise sind immer noch 65% der Gäste Spanier und „nur“ 35% Ausländer. –

Parador de Zamora Historischer Palast 15. Jh.
Parador de Caceres Historischer Palast 14. Jh.
Parador de merida Kloster 18. Jh.

Gestaltung der Paradors

Die meisten der rund 100 Paradors befinden sich in Schlössern, Burgen, Klöstern oder Festungen, alle in atemberaubender Lage am Meer, in Naturschutzgebieten oder in bekannten Städten. Die historisch und architektonisch bedeutsamen Bauwerke erinnern einen auf Grund der Größe und Strenge an die Geschichte der einstigen Weltmacht Spanien. In dieser Hinsicht sind sie auch gerade für die spanischen Gäste von besonderer Bedeutung. Zudem ist jeder Parador anders und hat seinen eigenen Charakter abhängig von seiner Geschichte, seiner Lage, seiner ehemaligen architektonischen Gestaltung und seiner Anpassung an heutige Komfortansprüche.

Stilvolles Mobiliar, wertvolle Kunstgegenstände, Fresken oder Holzkassettendecken sind meist wichtige Details der gehobenen Ausstattung. Alle Paradors garantieren ein hohes Niveau, gleich mit wieviel Sternen sie ausgezeichnet sind.

Gleichzeitig bilden die Paradors ein Gegenstück zu den touristischen Betonburgen entlang der Küsten Spaniens. Sie zeigen die andere historisch und kulturell bedeutende Seite Spaniens.

Parador de Santiago de Compostela
Parador des Hondarribia

Auch wenn wir beim Pilgern das Leben bewusst auf das Wesentliche reduziert, so darf sich ein historisch und kulturell interessierter Pilger schon einmal das Vergnügen leisten, in einem Parador zu übernachten und tiefer in die Geschichte Spaniens einzutauchen. Die Kosten liegen allerdings zwischen ca. 90 – 300 € pro Nacht je nach Ort und Jahreszeit. Besucher über 55 Jahre sollten nach der 35% Ermäßigung fragen, die möglicherweise angeboten wird. Außerdem sollte man sich vorher über die Öffnungszeiten der Paradors erkundigen, da nicht alle das ganze Jahr über geöffnet sind.

Eine Liste der Paradors und Bilder zu den einzelnen Hotels finden man u.a. hier https://www.abanico-reisen.de/paradores-verzeichnis.html

Parador de Zamora
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Die Kathedrale von Jaca und der Sarkophag der Dona Sancha – erste wichtige Zeugnisse der Romanik in Spanien

Die Kathedrale von Jaca und der Sarkophag der Dona Sancha – erste wichtige Zeugnisse der Romanik in Spanien

Via Tolosana

Wenn wir auf der Via Tolosana von Frankreich aus die Pyrenäen über den Somport-Pass überqueren, erreichen wir auf der Südseite Jaca, die erste größere Stadt auf der iberischen Halbinsel. Jaca war der Legende zu Folge die einzige Stadt der iberischen Halbinsel, welche die Mauren nie besetzten. Nach der römischen, westgotischen und fränkischen Herrschaft erhob Ramiro I.  Aragon 1035 – nach der Trennung von Navarra – zum selbständigen Königreich. 1054 stieg Jaca zur Hauptstadt des jungen christlichen Königreiches auf und war eine wichtige Pilgerstation am Jakobsweg. Dieser Position verdankt Jaca auch zahlreiche repräsentative Bauten. Zwar verlor Jaca seine Hauptstadtposition relativ bald an Huesca, aber es hatte als grenznaher Stützpunkt lange eine große Bedeutung. 1571 ließ Philipp II. am Rande der Stadt eine bedeutende Zitadelle errichten, die noch heute zu bewundern ist.

Die Kathedrale von Jaca

Die Kathedrale San Pedro (ca. 1040-1080) gilt als erste romanische Kathedrale und eine der wichtigsten romanischen Sakralbauten in Nordspanien. Der Grundriss wurde Vorbild für zahlreiche romanische Kirchen Aragons und beeinflusste noch die Baukunst Altkastiliens im 12. Jh..Welche Wirkung die Kathedrale auf Besucher machen kann, zeigt vielleicht am besten die Aussage von Nooteboom. Für ihn ist es eine der Gebäude, die er als letztes noch einmal sehen wollte, wenn er nicht mehr reisen dürfte!

Es handelt sich um einen dreischiffigen Quaderbau, dessen Querschiff nicht über die Flucht der Seitenschiffe hinausragte, und eine Dreiapsidenanlage im Osten. Der zunächst offene hölzerne Dachstuhl erhielt in der Spätgotik seine Einwölbung. Im 15. bis 18. Jahrhundert erfolgten starke Umbauten und Erweiterungen. Von einer der ersten bedeutenden romanischen Kirchen Spaniens stammen aus der Zeit bis 1130 der Glockenturm, die Außenmauern, die Pfeiler und Säulen der Schiffe und die südliche Chorkapelle sowie das Haupt- und Südportal.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361

Das Tympanon

Das Tympanon des Westportals zeigt ein achtstrahliges, mit Blüten verziertes Christusmonogramm, ein seit der Spätantike auf Kapitellen, Grabstelen und Sarkophagen verbreitetes Symbol für Christus, bestehend aus den griechischen Buchstaben X (Ch), P (R) und S(S). An den waagerechten Enden des Kreuzes befinden sich die Buchstaben Alpha und Omega – Symbole für den Anfang und das Ende. Zwei Löwen flankieren das Christusmonogramm. Wir betrachten diese Darstellungen als wunderbare Kunst der Romanik. Wir sollten uns aber auch vergegenwärtigen, dass die Darstellungen zur damaligen Zeit Lehrstücke waren, um den Menschen die Lehren des Christentums nahe zu bringen und sie zu einem gottesfürchtigen Leben aufzufordern. Daher hier ein paar Ausführungen zu der dargestellten Symbolik. 

In der Romanik ist die Bedeutung des Löwen stets ambivalent sowohl als Symbol des Guten als auch als Zeichen der negativen Gewalt. Der linke stellt sich schützend über einen Menschen, der eine Schlange hält. Die Inschrift lautet: „Der Löwe weiß den Flehenden zu verschonen, wie Christus den Bittenden“ – der Mensch als Sünder überwindet mit Hilfe Christi seine Laster. Rechts hält der Löwe einen Bären und einen Basilisken, ein Fabelwesen, halb Drache, halb Hahn. Die Inschrift besagt: „Der starke Löwe zertritt das Reich des Todes“ – Christus überwindet hier das Böse in Form eines Bären und Basilisken. Die kreisförmige Inschrift verweist auf die Dreieinigkeit und jene am unteren Rand lautet: „Wenn Du leben willst, der du den Gesetzen des Todes unterliegst, komme hierher und flehe, verweigere die vergiftete Nahrung der Welt, reinige dein Herz von den Lastern, damit du nicht eines zweiten Todes stirbst.“ Wären diese Schriften nicht mit eingraviert, würden wir uns heute wohl schwertun, die Bildplastik richtig zu verstehen. Im Mittelalter gab es aber typische Bilder, die zum Teil eine wörtliche Übertragung von Versen aus bestimmten Psalmen sind. Hier ist es der 13. Vers aus dem 91. Psalm in dem es heißt: über Löwen und Otter wirst du gehen, junge Löwen und Drachen niedertreten – eine in der Romanik so wie in der Gotik oft zitierte Sequenz. Das im Portal von Jaca statt eines jungen Löwen ein Bär dargestellt ist, ist damit zu erklären, dass sich die Menschen in den Pyrenäen zur damaligen Zeit sehr vor den dort lebenden Bären fürchteten

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36944320

Die Steinmetzarbeiten des Meisters von Jaca

Einige Kapitelle des Südportals werden dem Meister von Jaca zugeschrieben. Die Steinmetze signierten ihre Werke im Mittelalter selten, weshalb man sie nach dem Ort ihres Hauptwerks benennt. Der Meister von Jaca arbeitete am Bau der Kathedrale und an der Bauplastik bis 1096. Diese ist besonders zu beachten, da die sichere Erfassung der menschlichen Anatomie und die Gestaltung der Gewänder ein für das 11. Jh. bemerkenswert hohes Niveau erreichen. Bemerkenswert sind der starke Realismus und die genaue Wiedergabe der Details und Gestaltungsmerkmale. Er orientierte sich hier wohl an der körperlichen und gestenreichen spätantiken Sarkophagplastik, typisch hierfür ist auch die Darstellung der „Opferung des Isaak“ im Inneren der Kathedrale. Die Opferung des nackten Isaak gilt als erste nachantike Aktdarstellung – und das im 11. Jh. in Spanien! Auch bemerkenswert  ist die Darstellung des musizierenden David (Original im Dommuseum): Der König spielt auf einer Handgeige, umgeben von Tempelmusikern.

Von Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg: Ecelanderivative work: Escarlati (talk) - Jaca_-_Catedral_-_Portada_Meridional_-_Capitel04.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7561355

Der Sarkophag der Dona Sancha

Von besonderer Bedeutung ist auch der Sarkophag der Dona Sancha aus dem 12. Jh., ein Werk der hohen Romanik, der sich in der Klosterkapelle San Salvador y San Ginésy des Benediktinerinnenklosters befindet. Hier wurden drei Töchter Ramiros I., die in das Kloster von Santa Cruz de la Seros eingetreten waren, beigesetzt. Dona Sancha war die Gründerin eines Klosters im nahen Santa Cruz de la Seros. Er lässt sich auf das Jahr 1097 datieren.

Der Sarkophag der Dona Sancha zählt zu den bedeutendsten nicht architekturgebundenen romanischen Skulpturen Spaniens. Er ist an allen vier Seiten mit Reliefs verziert u.a. mit Christus als Weltenrichter, der Sterbeszene der im Kindsbett verstorbenen Königin, bei der die Engel die Seele der Königin nach byzantinischem Vorbild als Kind in Empfang nehmen, trauernd von zwei Begleitern gestützt steht der König daneben. Außerdem findet man die Anbetung der Heiligen Drei Könige und den Kindermord in Bethlehem ebenso wie das Gleichnis der fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen, das im Mittelalter immer wieder als mahnendes Beispiel betont wird.

Das Gleichnis der 10 Jungfrauen war im Mittelalter eines der populärsten Gleichnisse (Matthäus 25,1-13). Nach der Deutung der glossa ordinaria (mittelalterliche Standarderklärungen zu Bibeltexten) symbolisieren die klugen Jungfrauen, die sich rechtzeitig mit Öl für ihre Öllampen versorgt haben, die christlichen Seelen, die sich in fünffacher Weise tugendhaft Gott zuwenden, die törichten Jungfrauen, die zwar Öllampen haben, aber kein Öl, symbolisieren fünf Arten der fleischlichen Lust und Verdammnis.

https://www.jaca.com/sarcofagodonasancha.php

Quellen

Thorsten Droste, Joseph S. Martin, Der Jakobsweg, München 2004

Dietrich, Höllhuber, Werner Schäftke, Der spanische Jakobsweg, Landschaft, Geschichte und Kunst, Köln 2008

Cees Nooteboom, Umweg nach Santiago, 5. Aufl. 2020

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Picasso Jahr 2023

Picasso Jahr 2023

Camino del Norte

2023 ist der 50. Todestag eines der bedeutendsten spanischen und internationalen Künstler aller Zeiten, Pablo Ruiz Picasso. Ausstellungen in Museen weltweit erinnern an den großen Künstler.

Kurze Biografie Picassos

1881                am 25. Oktober als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malaga, Spanien geboren

1891               Umzug der Familie nach A Coruna ins spanische Galicien, am Instituto da Guarda bereits als Zehnjähriger an der Schule für bildende Künste aufgenommen

1895               nach dem Tod der Schwester Umzug der Familie nach Barcelona in Katalonien. Mit vierzehn Jahren schaffte Picasso die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie La Lonja, Einstieg sofort ins 3. Studienjahr

1896               sein erstes großes Bild im akademischen Stil „Die Erstkommunion“

1897               begann er ein Malereistudium an der Akademie San Fernando in Madrid, Ausbildung nach wenigen Monaten abgebrochen

1901               Rückkehr nach Barcelona. Er wurde Mitglied der Malergruppe „El Quatre Gats“ („Die vier Katzen“)

1901 – 1904   entwickelte Picasso seine „blaue Periode“. In dieser Phase wählte er hauptsächlich Bettler und Mütter mit Kindern als Motive seiner Bilder. Er entwickelte seinen ersten eigenen Stil mit schwermütigen Figurenbildern, die in verschiedenen Blautönen gehalten wurden. Ein Jahr später erfolgte die erste Ausstellung seiner blauen Periode. Abwechselnde Aufenthalte in Barcelona, Madrid und Paris       

Von Argentina. Revista Vea y Lea - http://www.magicasruinas.com.ar/revistero/internacional/pintura-pablo-picasso.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3257370

1904 – 1907 verändert Picasso seinen Stil und erarbeitete mithilfe von Mutterschaftsbildern, Gauklern und Harlekinen seine „rosa Periode“. Ein Jahr später stellte er in einer Pariser Galerie erste Bilder seiner neuen Phase aus.

1904                 nach einer späteren Paris-Reise zog Picasso endgültig in die Französische Hauptstadt. Er lernte Fernande Olivier kennen, die seine Geliebte und sein Modell wurde.

1905            Picasso lernt Matisse im Haus der Schriftstellerin Getrude Stein kennen. Matisse war der einzige zeitgenössische Künstler, den Picasso als ebenbürtig ansah

1908                änderte Picasso erneut seinen Stil. Ausschlaggebend für den erneuten Stilwechsel waren vor allem afrikanische Masken wegen ihrer außergewöhnlichen Gestaltung. Zusammen mit Geogres Braque wurde Pablo Picasso damit zum Begründer des Kubismus. Er zeichnete Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig. In dieser Phase des analytischen Kubismus zeichnen sie eckige Flächen und quaderförmige Strukturen.

1912                folgte dann die Phase des synthetischen Kubismus. Sie beziehen sich auf die Methode des Collagierens, indem sie verschiedene Materialien zusammenfügen. So verwendeten sie Sand, Holz und Blech in ihren Arbeiten.

Ab 1915          zeichnete er neben kubistischen Bildern auch wieder realistische Porträts

1917                18.Mai: Uraufführung des Balletts „Parade“ in Paris. Picasso fertigte für die Inszenierung das Bühnenbild und die Kostüme. Anlässlich der Aufführung lernte er die Tänzerin Olga Chochlowa kennen.

1918                Heirat mit Olga Chochlowa

Ab 1919          wurde Picassos Malerei zunehmend „klassizistische“. Er greift auf antike mythologische Vorbilder zurück.

1921                Geburt des Sohnes Paulo Picasso mit Olga

1924 – 1926    arbeitete er bevorzugt an einem großen abstrahierenden Stillleben.

1925                beteiligt sich Picasso mit dem Werk „Drei Tänzer“ an der ersten Ausstellung der Surrealisten in Paris. Der Surrealismus bot ihm die Möglichkeit zur Verschlüsselung und zur mythologischen Überhöhung psychischer Erfahrungen.

1927               Bekanntschaft mit Marie-Térése Walter, die seine Geliebte und sein Modell wurde. Sein Werk ist nun von vorwiegend frei figuralen Kompositionen geprägt.

1928/29          entstehen Drahtplastiken und die erste Eisenskulptur

1934                angeregt durch eine Reise nach Spanien nimmt er die Thematik des Stierkampfes in seinem Werk auf

1935                Die Geburt seiner Tochter Maya Widmaier Picasso aus der Beziehung zu Maie-Thérèse Widmaier führt zur Trennung von seiner Ehefrau

1936                Picasso nahm den Direktorenposten des Prado-Museums in Madrid an

1937                Für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung schuf Picasso das großformatige Anti-Kriegs-Bild „Guernika“, auf dem er die Zerstörung der Stadt durch deutsche Flugzeuge im Spanischen Bürgerkrieg anprangert

Nach dem Sieg Francos betrat Picasso Spanien nicht mehr.

Freundschaft mit Dora Maar, die neben Marie-Thérèse seine Geliebte und sein Modell wurde

1939 – 1945    Auffallend an seinen Gemälden und Plastiken dieser Zeit ist, dass sie keine Opfer, Waffen oder Kämpfe zeigen. Stattdessen beschäftigte sich Picasso tagtäglich mit Stillleben, Porträts, Landschaftsbildern und Akten. Aber seine dunklen Motiven der Stillleben erzählen auf ihre eigene Weise von Tod und Tragödien.

1940                wurden Piocassos Werke unter der Besetzung durch die Nazis als „entartet“ abgewertet. Sie durften nicht mehr ausgestellt werden. Trotzdem arbeitete der Maler weiter wie besessen an Ölgemälden und Plastiken

Ab 1943          Freundschaft mit der Malerin Francoise Gilot. Aus dieser Beziehung gehen zwei Kinder hervor. Gilot gilt als die einzige Frau, die Picasso verlassen hat und nicht von ihm verlassen wurde. Sie starb am 6. Juni 2023 im Alter von 102 Jahren.

1945                Picasso wurde Vorsitzender des französisch-spanischen Hilfskomitees für republikanische Spanier

1945 – 1949    Neben der Malerei wurde die Lithographie zu einem weiteren Ausdrucksmittel, das seiner spontanen Zeichenweise entgegenkam

1947                Geburt seines Sohnes Claude Picasso mit Francoise Gilot

Ab 1947          Anfertigungen von Keramiken

1948                 Verleihung der „Médaille de Reconnaissance Francaise“ durch die französische Regierung

1949                Geburt seiner Tochter Paloma Picasso mit Francoise Gilot

1955                kauft Picasso die Villa „La Calfornie“ in Cannes, wird aber von Touristen überlaufen

1958                er erwarb das Schloss Vauvernargues in der Nähe von Aix-en-Provence

Picassos Stil reduzierte sich zunehmende auf das linienbetonte Skizzenhafte. Mit hoher Produktivität setzte er sich nicht nur mit der malerei und Grafik wie Lithografie und Linolschnitt auseinander, sondern ab 1947 auch mit Bildhauerei und Keramik. Er variierte und zitierte seine Themen wiederholt.

1961                Heirat mit Jaqueline Roque

1962                Betonskulpturen

1963                Eröffnung des Museo Picasso in Barcelona, das später einen Großteil seines Nachlasses erhält

1973                8. April Pablo Picasso stirbt in Mougins (bei Cannes) im Alter von 92 Jahren. Er wird im Garten seines Schlosses beigesetzt.

Picasso hinterließ neben Immobilien ca. 1900 Gemälde, 12 000 Zeichnungen, 1300 Skulpturen, 3000 Keramiken und acht Teppiche

1985                Einweihung des Musée Picasso in Paris

By Pablo Picasso - wikipaintings, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528028

Zum Gedenken an sein Leben und Werk wird weltweit ein umfangreiches Programm aus Ausstellungen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen organisiert. Das gilt insbesondere für die Länder, in denen er gelebt hat: Spanien und Frankreich. In Spanien stehen die Städte im Mittelpunkt, zu denen er die stärksten Beziehungen pflegte, die ihn inspirierten und seine Persönlichkeit und Kunst prägten. So finden zu seinen Ehren in Malaga (3), in Madrid (7), in Bilbao (1), in Barcelona (3) und in A Coruna (1)  Ausstellungen statt.

 

Guggenheim Museum in Bilbao    PICASSO SCULPTOR. MATTER AND BODY

29.09.2023 – 14.01.2024

 

Der Körper, sowohl Instrument des Künstlers als auch ultimatives Ziel der Darstellung, ist die tragende Säule dieser Ausstellung. Die Auswahl der Skulpturen deckt die schier unendliche Stilvielfalt ab, mit der Picasso die Formen des menschlichen Körpers vergrößerte und ihn in alle Formate und Genres sowie in alle möglichen Materialien zerlegte: Holz, Bronze, Eisen, Zement, Stahl, Gips, alles fließt in sein bildhauerisches Werk ein. Für Picasso war diese Disziplin in seinem Schaffen keineswegs zweitrangig; Stattdessen betrachtete er es als eine Ausdrucksform, die mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik oder Keramik vergleichbar ist, da, wie er sagte, keine Kunst größer oder weniger wichtig ist als andere, aber diese Sprachen und Materialien ermöglichten es ihm, verschiedene Aspekte seiner Schöpfung auszudrücken.

Auch wenn dieser Bereich seines Schaffens während seiner kubistischen Periode deutlicher hervortrat und sich vertiefte, schuf Pablo Picasso fast von Beginn seiner umfangreichen künstlerischen Laufbahn an Skulpturen und arbeitete sein Leben lang weiter an ihnen.

Kuratorin: Carmen Giménez

 

 

 

Museo de Belas Artes da Coruna      PICASSO WHITE IN THE BLUE MEMORY

23.03.2023- 23.06.2023

 

Picasso begann seine akademische Ausbildung in A Coruña (Galizien), wo er zwischen 1891 und 1895 lebte. Dies war ein grundlegender Schritt auf seinem künstlerischen Weg als spanischer Maler. Dieser Zeitraum wurde in der Ausstellung El Primer Picasso eingehend untersucht. A Coruña 2015 (Der erste Picasso. Coruña 2015), organisiert im Museo de Belas Artes da Coruña. Diese neue Ausstellung, die von der Xunta de Galicia gefördert wird, ist in elf Perioden unterteilt, die alle Phasen von Picassos Schaffen betrachten. Für jedes von ihnen wird mindestens ein Werk ausgewählt und im narrativen Diskurs der Ausstellung mit der Ausbildungszeit des Künstlers während seiner in A Coruña lebenden Jahre in Beziehung gesetzt.

Kuratoren: Antón Castro, Malén Gual und Rubén Ventureira. Generalkoordinator: Mª Ángeles Penas Truque (Direktorin des Museo de Belas Artes de Coruña)

 

By Pablo Picasso - http://artinvestment.ru/en/news/auctnews/20080930_rare_work_of_pablo_picasso.html, PD-US, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=40528110
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Kultur Kultur Via Podiensis

Pastel – das blaue Gold von Okzitanien

Pastel – das blaue Gold von Okzitanien

Via Podiensis

Pays de Cocagne – Land des Pastel

Die Via Podiensis läuft von Figeac über Cahors, Moissac, Lectoure bis Condom entlang der Nordwestgrenze der Region Okzitanien.  In Frankreich ist das fruchtbare Dreieck zwischen Toulouse, Albi und Carcassonne auch unter dem Namen „Pays de Cocagne” bekannt.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden jährlich aus den Blättern dem rund einen Meter hohen Pastel oder auch Färberwaids, der im Frühling die Landschaft in ein gelbes Blütenmeer verwandelte, die begehrteste Farbe des Mittelalters gewonnen: Blau. Und damit war der Reichtum der Region begründet.

Wissen Sie, woher der Ausdruck “Pays de Cocagne” stammt? Er bedeutet in etwa “Land des Überflusses” oder „Schlaraffenland“. Als “cocagnes” bezeichnete man die Bündel aus getrockneten Blättern des Pastels, die aus Okzitanien über den Fluss Garonne nach ganz Europa exportiert wurden und so den Reichtum Okzitaniens im Mittelalter ausmachten. In Toulouse sowie in Albi zeugen die Stadtpalais der Pastelhändler von der Opulenz dieses goldenen Zeitalters. In Toulouse bestehen heute noch etwa 20 solcher herrschaftlichen Bauten im opulenten Renaissancestil. Aber nicht nur die Waidbauern und –händler profitierten von der starken Nachfrage nach diesem Farbstoff, sondern auch für Müller, Färber, Mauleseltreiber, Schiffer u.a. florierten deshalb damals die Geschäfte.

Prachtvolles Pastell-Palais: das Hôtel de Bernuy. Foto: Hilke Maunder

Pastel, jene Pflanze, die man auch unter der Bezeichnung “Färberwaid” oder “Deutscher Indigo” kennt, hat zwar gelbe Blüten, aber schon in der Renaissance färbte sie die Kleidung der Könige royalblau! Blau war die edelste Farbe des Mittelalters. Nur Könige, reiche Adeligen und der hohe Klerus konnten sie sich leisten. Denn bis zur Entdeckung des Indigos aus Asien im Jahr 1560 gab es nur ein einziges Verfahren – und eine einzige Pflanze – um den Rohstoff zum Färben zu erhalten. Das ist jener zweijähriger Kreuzblüter, der bis zu einem Meter hoch auf den Feldern des Pays de Cocagne  blühte: Isatis tinctoria, zu Deutsch Färberwaid oder Pastell.

Gewinnung aus heimischem Färberwurz

War die Pflanze ein Jahr alt, stießen die Pastelbauern einst mit dem Waideisen die langen, dicken Blätter ab. Nur sie enthalten das farblose Pigment Glycosid Indican, dass sich beim stundenlangen Färben ins Blau verwandelt.

In den Indigopflanzen findet sich nirgends ein blauer Farbstoff. Alle Teile der Pflanze und vor allem die Blätter enthalten eine Vorstufe des Indigos, die Zuckerverbindung Indican. Zur Gewinnung von Indigo aus Färberwaid zerstampften die Bauern früher die Waidblätter in einer Waidmühle. Das zerquetschte Material schichteten sie auf einen Haufen und ließen es zwei Wochen lang gären. Aus dem vergorenen Brei formten sie kleine Bällchen, sogenannte Waidkugeln. Diese wurden von den Waidhändlern auf den Märkten gekauft. Eine sehr übelriechende Tätigkeit übernahmen die Angestellten der Waidhändler, die Waidknechte: Sie feuchteten die Waidkugeln mit Urin an und setzten sie erneut einer Gärung aus. Nach einer Lagerzeit von etwa zwei Jahren kam der vergorene Waid in die Färbehäuser. Dort wurde er nochmals mit Urin und Pottasche bei 60°C verrührt. Erst nach drei Tagen entstand eine Brühe, die Küpe, welche zum Färben geeignet war. Die Textilien wurden für eine Stunde in die Küpe getaucht. Beim Herausziehen der gefärbten Stoffe waren diese zunächst gelb eingefärbt. Erst an der Luft entwickelte sich durch eine Oxidation der blaue Farbton des Indigos.

Pastel wurde ursprünglich als Färbemittel für Kleider genutzt, kaum für die Malerei. Die Reste aus den Bottichen der Färber nutzte man allerdings, um Karren und Fensterläden damit zu bemalen als Schutz gegen Pilze und selbst die Hörner der Rinder wurden blau gefärbt, was Mücken fernhalten sollte. Heute verdanken wir Künstlern mit einer Leidenschaft für Pastel eine ganze Bandbreite von Kunstwerken und Textilien in den 13 Nuancen des okzitanischen Blautons (Künstlern wie Delcroix, Boudin, Millet, Szafrans, Picasso) Die Farbnuancen wurden im 17. Jahrhundert festgelegt und variieren vom sehr hellen “Blauweiß” (bleu blanc) über “Höllenblau” (bleu d’enfer), das schon beinahe ins Grau/Schwarz geht, bis hin zu “Königsblau” (bleu de roi) und “Königinblau” (bleu de reine).

Die Pflanze wird seit der Antike auch als Heilpflanze eingesetzt. Schon Hippokrates verwendete die Blätter des Färberwaids zur Wundbehandlung. Da die Pflanze reich an Omega 3, 6 und 9 ist, werden die dermatologischen Eigenschaften der Färberpflanze auch heute genutzt, um Naturkosmetik herzustellen.

Gewinnung aus dem indischen Indigo

Die Pastelpflanze wurde dann aber Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Indigopflanze ersetzt. Der portugiesische Forschungsreisende Vasco da Gama entdeckte im 15. Jahrhundert in Asien eine Pflanze, die 30x mehr Blau enthielt als die Färberwaide. Diese Pflanze erhielt den Namen Indigofera Tinctoria und das daraus gewonnene Blau den Namen Indigo.

Die Indigopflanze ist ein Schmetterlingsblütler; sie wächst in Indien, Afrika und China. Mit der Gründung der ostindischen Handelsgesellschaft im Jahr 1602 durch die Holländer war der Untergang des europäischen Indigos besiegelt: Die holländischen Seefahrer begannen, Indigo aus Indien zu importieren. 

Die Pflanzenteile wurden nicht per Schiff eingeführt, sondern in Indien vor Ort verarbeitet. Zur Gärung legte man sie in große, in den Boden eingelassene Becken. Hierbei wandelte sich das Indican in Indoxyl und Traubenzucker um. Nach etwa 15 Stunden wurde die gelbe Flüssigkeit in ein tiefergelegenes Becken gelassen, in das durch einfaches Schlagen oder mit Hilfe von Schaufelrädern Luft hinzugefügt wurde. Der durch das Schlagen in die Becken eingebrachte Sauerstoff oxidierte das wasserlösliche, gelbe Indoxyl zu blauem Indigo. Der so gewonnene Farbstoff war nicht mehr wasserlöslich und setzte sich am Boden ab. Er wurde getrocknet und danach zu Blöcken verarbeitet.

Mit der Entwicklung von industriellen Syntheseverfahren zur Herstellung der blauen Farbe gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die großtechnische und kostengünstige Produktion von Indigo, worauf der Markt für natürliches Indigo zusammenbrach., Picassozu

Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10507607
Von Frédéric Neupont au Muséum du Pastel de Toulouse-Labège - Eigenes Werk avec l'aimable collaboration du Muséum du Pastel de Toulouse-Labège, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=122796740Von H. Zell - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10507607

Renaissance des Pastel in Ozitanien

Beinahe in Vergessenheit geraten, erlebt das “blaue Gold” von Okzitanien nun eine wahre Renaissance! Diese ausgesprochen dauerhafte Naturfarbe, die sehr wasch- und lichtbeständig ist, ist erneut gefragt und kann nun dank moderner Verfahren einfacher hergestellt werden kann.

Die Renaissance des Pastels im Gers im Nordwesten von Toulouse begann mit dem Belgier Henri Lambert und seiner US-amerikanischen Frau Denise, die 1994 in der alten Gerberei von Pont de Pile die Firma Bleu de Lectoure gründeten und gemeinsam mit der École Nationale de Chimie de Toulouse neue Verfahren der Verarbeitung und des Färbens entwickelten.

Zu den Pionieren der Pastel-Revolution gehören auch die Deutsch-Französin Annette Hardouin und ihr Mann Yves. Das Duo kreiert bereits seit 2005 in der Atelier-Boutique im Toulouser Minimes-Viertel Kleidung und Accessoires aus Naturstoffen.

Am 16. September 2022 eröffnete Terre de Pastel seine Maison du Pastel in einem der schönsten Herrenhäuser aus der Renaissance an der Place d’Assézat 9 in Toulouse. Drinnen findet man eine breite Palette an Pastell-Produkten sowie einen Museumsbereich, in dem man die Geschichte des Färberwaids und seine Verbindungen zu Toulouse kennenlernen kann.

Das Chateau de Magrin, der einstige Stammsitz eines Pastelhändlers aus dem Tarn, liegt zwischen Lavaur und Puylaurens. Auf 400 qm wird in diesem Pastelmuseum die Geschichte der Pflanze von der Herstellung bis zum Handel erzählt und dokumentiert.

Annette-Hardouin. Foto: Marie Lise Gauthier (Pressefoto Ducasse-Schetter PR)

Ursprung der Redewendung “blau machen”

Dazu erzählt man sich folgende Geschichte: Die Redewendung “blau machen” kommt ursprünglich vom “Blauen Montag”. Der blaue Montag war nämlich ein freier Tag, ganz ohne Arbeit. Das ist allerdings schon lange her und war damals bei Färbern gebräuchlich. Die legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Färbebad, in dem die Farbe in das Gewebe einwirken sollte.

Montags wurde die gefärbte Wolle dann aus dem Bad genommen und an der Luft getrocknet. Die zunächst gelbe Farbe zeigte dann eine chemische Reaktion mit der Luft – und wurde blau.

Während die Wolle an der Luft trocknete und blau wurde, hatten die Färbergesellen nichts zu tun – schließlich mussten sie warten, bis die Wolle fertig  gefärbt war. Also konnten sie ganz in Ruhe “blau machen” – und zwar die Wolle.

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Die Romanik in Nordwestspanien

Die Romanik in Nordwestspanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana

  1. Historische Gegebenheiten

 Die Entstehung und Ausprägung der romanischen Architektur ist in Spanien anders verlaufen als in den meisten west- und mitteleuropäischen Ländern, weil die historischen Voraussetzungen anders waren. Denn seit 711 herrschten die Araber über fast die gesamte iberische Halbinsel. Allein das asturische Königreich, das später im Königreich Kastilien und Leon aufging, war nicht besetzt. Es war das Zeitalter der Romanik, in dem die Reconquista – die Rückeroberung unter christlichen Vorzeichen – ihre ersten Erfolge verbuchte. Neben Asturien waren es die fränkische Mark Katalonien und die Königreiche Navarra und Aragon, die die Reconquista vorantrieben und die Rückeroberung Spaniens von den Arabern im Laufe der Zeit zu einem Anliegen der gesamten Christenheit machten. Die Reconquista erreichte Mitte des 11. Jhs. die Linie Ebro-Duero, zu Beginn des 12. Jhs. den Tajo und Anfang des 13. Jhs. den Guadiana (vgl hierzu auch die Texte über die Arabisierung Spaniens und die Reconquista).

In der Folge dieser politischen Veränderungen kam es auch zunehmend zu kulturellen Entwicklungen. So wurde die Wallfahrt nach Santiago de Compostela sehr stark forciert und in diesem Zusammenhang entstanden auf den Pilgerwegen dorthin zahlreiche Kirchen und Klöster. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand weitete sich der Kirchenbau dann auch nach Süden aus. Der Widerstreit zwischen den arabischen Herrschern im Süden und den christlichen Herrschern im Norden hatte eine kulturelle Zweiteilung der iberischen Halbinsel zur Folge. So ist die romanische Baukunst eigentlich nur im nördlichen Bereich zu finden, während im Süden teilweise noch bis ins 15. Jh. die arabische geprägte Architektur gepflegte wurde. Deshalb findet man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bauwerk_der_Romanik_in_Spanien  auch nur eine Aufstellung von Bauwerken der Romanik in den Regionen Aragon, Navarra, Kastilien-Leon, Galicien und Katalonien.

Marcel Durliat Romanisches Spanien
Kastilien/Leon Von GFreihalter - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25411646 Zamora
  1. Der vorwiegend französische Einfluss auf die romanische Baukunst in Nordwestspanien

 Die romanische Baukunst in Nordwestspanien weist anfänglich noch eine gewisse Eigenständigkeit auf. So ist der Übergang von der asturisch/mozarabischen Kunst zur Romanik fließend. Aber mit der zunehmenden Intensität der Pilgertätigkeit verstärkt sich zunehmend der Einfluss einer europäischen, besonders französisch geprägten Architektur. Für diese starke Anpassung an die französische Baukunst gibt es mehrere Gründe.

  1. Die Pilgerwege, entlang derer sich im Laufe der Zeit ein richtiges Baufieber entwickelte, bedingten eine stärkere kulturelle Offenheit. Zunächst entstanden nur wenige Hospize entlang der Wege. Dann bildeten sich größere Siedlungen heraus und Klostergemeinschaften kümmerten sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Die in diesem Zusammenhang neu errichteten Kirchenbauten orientierten sich an ausländischen Vorbildern. Hier ist auch der Einfluss des Benediktinerklosters in Cluny wichtig, wurden von dort aus doch zahlreiche Konvente in Spanien errichtet.
  2. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung des Zisterzienserordens. Denn die Gläubigen trauten den Zisterziensern im Laufe des 11. Jh. stärker als anderen zu, effizient für das Seelenheil der Verstorbenen zu sorgen. Deshalb förderten und unterstützten die verschiedenen Machthaber die Ansiedlung der Zisterziensermönche. Da der Orden aber in seiner ganzen Struktur sehr straff organisiert war, gab es intensive Wechselbeziehungen zu zahlreichen Klöstern in Europa und vor allem zur französischen Zentrale. Die Abtei Citeaux war das Mutterkloster aller Zisterzienserabteien.
  3. Die stark an der französischen Kultur orientierten Ritterorden, die ja auch im Rahmen der Pilgerbewegung und der Reconquista aktiv waren, förderten ebenfalls diese Entwicklung.
  4. Eine aktive Bevölkerungspolitik der Lokalherren mit der Vergabe von Privilegien an Fremde führte zu einer deutlichen Ansiedlung von neuen Bürgern in den Städten. So entstanden zahlreiche Frankenviertel, d.h. Viertel, in denen vorwiegend aus Frankreich kommende freie Bürger lebten.
  5. Auch ästhetische Gründe spielten eine Rolle. So wurde Ende des 12. Jhs. die französische Baukunst als vorbildlich empfunden, so dass sich Bauherren, die eine anspruchsvolle Kirche errichten wollten, an französischen Vorbildern orientierten.

Aber es wäre zu einseitig, den Einfluss nur in eine Richtung zu sehen. So ist die Romanik auf der Iberischen Halbinsel ohne den Einfluss der französischen Baukunst nicht denkbar, aber die spanische Romanik ist nicht nur ein Ableger der französischen sondern sie hat auch eigene Leistungen hervorgebracht und somit haben auch umgekehrt Anregungen aus Spanien Eingang in die französische Baukunst gefunden. Das intensive künstlerische Schaffen entlang der Pilgerwege war stets auch mit wechselseitigen Beeinflussungen verbunden.

Von PMRMaeyaert - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17443361 Jaca Aragon
  1. Gestaltung der romanischen Baukunst in Spanien

 Geografische Einflüsse

Auf Grund der politischen Situation findet man vorwiegend im Norden und Westen Spaniens eine größere Zahl von romanischen Kirchen (s.oben). Dabei kann man die Romanik regional in zwei Bereiche aufteilen.

Der Osten mit der Landschaft Katalonien steht in 11. Jh. in starkem Austausch mit Oberitalien, konkret der Lombardei. Charakteristische Elemente der lombardisch ostromanischen Baukunst sind:

Wände aus einem nur grob zugehauenen Bruchstein geschichtet, aus dem Tür- und Fensteröffnungen wie ausgeschnitten erscheinen. Einziges Gliederungselement sind flach an die Wand aufgelegte Lisenen.

In den westlich von Katalonien gelegenen Landesteilen hat sich die westromanische Baukunst herausgebildet, die sich stärker an der französischen Kultur orientierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela und die damit verbunden Einflüsse. Charakteristische Elemente der westromanischen Baukunst seit dem 11. Jh. sind:

Glatt bearbeitete und sauber gefugte Quader und plastisch geformte Gliederungsteile wie man sie auch jenseits der Pyrenäen findet.

Allein in Aragon treffen der ost- und westromanische Baustil zusammen. Allerdings findet keine Vermischung statt, sondern es entstehen stilreine Bauten beider Richtungen. Zu nennen ist hier in Santa Cruz de la Seros die Kirche San Caprasio im lombardischen Stil und die Klosterkirche San Maria im westromanischen Stil.

Das Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der westromanischen Kirchen ist in vielen Orthaften häufig eher schlicht und angebunden an die lokalen Traditionen.

Viele der eher regionalen Hallenkirchen zeigen typische Merkmale:

  • mit halbrunden Apsiden und Querschiff,
  • längsmassive, wuchtige und geduckte Bauform, die außen wenig gegliedert ist,
  • kleine Fenster, dicke Mauern, Tonnengewölbe mit und ohne Gurtbögen,
  • Fenster und Eingänge mit Rundbögen überwölbt, Fenster häufig durch Zwischensäulen in mehrere Fensterbögen unterteilt,
  • oft wenig belichtete, höhlenartige Innenräume, runde, quadratische oder gegliederte Pfeiler,
  • Ornamentik dezent eingesetzt
  • häufig runde, quadratische oder rechteckige Türme, die an verschiedenen Teilen der Kirche – meist an den Seiten oder über dem Querschiff angebracht sind. Diese Platzierung war darauf zurückzuführen, dass die Bauherren die Türme, da sie aus Ziegeln gebaut waren (ein Material, das weniger beständig ist als Stein), im stärksten, widerstandsfähigeren Abschnitt (normalerweise an den Apsiden) aufstellen mussten. 

In die folgende Zeit bis Mitte des 13. Jhs. (Spätromanik) fällt der Bau vieler Klöster und Kirchen der Zisterzienser. Auf Grund des Glaubensverständnisses der Zisterzienser waren Einfachheit und Funktionalität Kriterien, die die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso kennzeichnen wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.  Die Verbote, die den Luxus betrafen, sahen außerdem für die Klosterkirche einen Bau ohne Krypta und Turm mit flachabschließendem Chor (keine Apsis) vor. Teilweise wurde im Inneren auf Ornamentik und Bauschmuck verzichtet.

Übergang zur Gotik als Baustil

In Spanien ist kein schrittweiser Übergang von der Romanik in die Gotik zu verzeichnen, sondern der neue Stil entstand „fast schlagartig“ in den 20iger Jahren des 12. Jhs. mit den Kathedralen von Toledo und Burgos. Diese sind im Prinzip Kopien von gotischen Kirchen in Frankreich. Die schnelle und vor allem einheitliche Entwicklung der Gotik im Land lässt sich dadurch erklären, dass von den zentralistischen Regierungen der Königreiche von Katalonien-Aragon und Kastilien-Leon ein gleichartiger Stil der Kirchen proklamiert wurde. Diese Entwicklung, wie wir sie ja auch aus dem zentralistischen Frankreich kennen, diente auch zur Demonstration der königlichen Macht im Lande und den veränderten Machtverhältnissen.

 

Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3370116 Ourense Galizien
  1. Baumeister, Steinmetze und Erbauer und Sponsoren

Im Mittelalter hat es den “Architekt“ – wie er von den Römern verstanden wurde – in dieser Form nicht gegeben. Die Aufgaben des ehemaligen Architekten werden von den Baumeistern durchgeführt. Der Baumeister war ein Künstler, der in den meisten Fällen mit einem Team von Arbeitern, die er unter seinem Kommando hatte, zusammen an den   Bauten arbeitete. Der Baumeister war derjenige, der die Arbeiten an den Gebäuden beaufsichtigte, aber gleichzeitig war er auch Handwerker, Bildhauer, Tischler oder Steinmetz. Diese Personen wurden normalerweise in Klöstern oder in Gruppen von gewerkschaftlich organisierten Freimaurerlogen ausgebildet.

Neben dem Baumeister gab es eine große Gruppe von Steinmetzen, Maurern, Bildhauern, Glasmachern, Tischlern und Malern und anderen Berufen. Diese Mannschaften bildeten Werkstätten, aus denen oft lokale Meister hervorgingen, die in der Lage waren, zahlreiche ländliche Kirchen zu bauen. Sie zogen in einem gewissen Umkreis (ca. 150 qkm) gemeinsam von einer Baustelle zur anderen. So erklärt sich auch die typische regionale Gestaltung von Kirchen.

Steinmetze bildeten den Großteil der Arbeiter bei der Errichtung der Gebäude. Die Anzahl der Steinmetze war abhängig von der Größe der sakralen Gebäude. Einige Zahlen sind bekannt, so waren beim Bau der Alten Kathedrale von Salamanca zwischen 25 und 30 Steinmetze angestellt. Diese Steinmetze und andere Arbeiter waren von Steuern befreit. Sie wurden entsprechend ihrer Spezialisierung in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe waren diejenigen, die Gebäudeteile von hochwertiger Qualität oder die geschnitzten Reliefs erstellten (echte Bildhauer) und die in ihrem eigenen Tempo arbeiteten. Sie hinterließen ihre fertige Arbeit auf dem Gelände. Diese Teile wurden dann erst später am oder im Gebäude platziert. Die zweite Gruppe bestand aus fest angestellten Mitarbeitern, die das Gesamtgebäude errichteten. Daneben gab es auch eine Gruppe ungelernter Arbeiter. In vielen Fällen boten diese Leute ihre Arbeit oder ihr Können an, weil sie als Christen stolz waren, an einem großartigen Projekt mitzuarbeiten, das ihrem Gott gewidmet war. Aber auch sie erhielten eine Vergütung entweder pro Tag oder pro Stück. 

Von besonderer Bedeutung für die Gestaltung der Kirchen waren natürlich die Bauherren, bestimmten sie doch neben der Größe der Kirche z.B. welche Themen und Heilige in den Skulpturen und Reliefs dargestellt werden sollten. Außerdem beriefen sie entsprechend den finanziellen Möglichkeiten die jeweiligen Baumeister und Künstler. Neben den Klöstern waren es in Nordwestspanien vor allem die Könige und ein Teil des Adels, die als Förderer des neuen romanischen Stils auftraten. Ein Teil der Kirchen am Pilgerweg waren königliche Stiftungen, woran sich das Interesse der Herrscher am Pilgerweg zeigt. Denn sie erhofften sich von den großen Pilgerströmen einerseits wirtschaftliche Prosperität, verbanden damit aber auch religiöse und spirituelle Hoffnungen.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - Santa María la Real, Sangüesa, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51254324 Navarra

Exkurs: Die spirituelle Bedeutung der Kirchen für die Pilger

Vielleicht noch ein paar Worte zur Wirkung der Kirchen auch heute auf den Jakobswegen.

Kirchen sind nicht funktionale Zweckbauten, sondern prägen als symbolische Bauten eine Geschichte des Verhältnisses Gott-Mensch. Gläubige machen hier eine besondere Erfahrung, das Gefühl einer besonderen Nähe zu Gott. Kirchen sind Metaphern für ein Welt- und Gottesverständnis, das sich immer wieder kulturell gewandelt hat. Diese kulturellen Veränderungen aber auch ihre unterschiedlichen regionalen Ausprägungen finden dann ihren sichtbaren Ausdruck in der baulichen Gestaltung der Kirchen.

Neben dieser religiösen Betrachtung gibt es noch weitere Bedeutungen. So schreibt Pascal Mercier einmal: „Dafür sind Kathedralen gebaut worden als Orte, an die man gehen kann, wenn die Dinge des Lebens einen überwältigen: Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit, Tod. Man braucht an nichts zu glauben. Der Raum allein genügt.“

Es sind auch Rückzugsorte, wenn man keine großen Probleme hat. Allein die Ruhe und das Stille berühren einen im Inneren. Sie regen zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Meditieren an. Es findet gerade hier noch einmal eine Entschleunigung statt, ein so wichtiges Gefühl beim Pilgern. Man genießt auch die Kühle der Kirche im Vergleich zur Hitze der Landschaft. Ja und gelegentlich wird man auch einfach eingefangen von der mystischen Atmosphäre einer Kirche.

Nooteboom spricht noch einen anderen Aspekt an. Er sagt, dass wir uns ja immer in der Geschichte befinden der gegenwärtigen und der von einst. Und Kirchen regen uns  dazu an, uns mit der Vergangenheit  auseinanderzusetzen. So können wir uns z.B.  in die Zeit des längst für immer verschwundenen Mittelalters versetzten und vielleicht auch die Mühen und Schwierigkeiten der damaligen Pilger reflektieren.

 

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Die Kirche San Miguel de Arretxinaga – ein höchst eigenartiger Raum

Die Kirche San Miguel de Arretxinaga – ein höchst eigenartiger Raum

Camino del Norte

Die Wallfahrtskriche San Miguel de Arretxinaga bei Markina-Xemain wurde im 18. Jh.  neu erbaut, da die frühere Kapelle zerfallen war. Sie weist einen sechseckigen Grundriss mit einem pyramidenförmigen Dach auf, das aus sechs gegeneinander geneigten Flächen konstruiert ist und besteht aus unbearbeitetem Stein. Der Eingang zur Kirche ist schlicht gehalten.

Aber das Bemerkenswerte eröffnet sich einem erst, wenn man die Kirche betritt. Denn in ihrem Innern befinden sich ein Megalith aus drei große Quarzsteinblöcke. Sie stützen sich gegenseitig, wobei sie selbst eine Art kleine Kapelle formen. Sie bedecken eine Fläche von 30 Metern und reichen 8 Meter in die Höhe. Die Felsen sind über 40.000 Millionen Jahre alt. Eine menge Spekulationen ranken sich um die Steine. Man könnte meinen, dass ihre Gestaltung vielleicht Relikte einer vergangenen Kultur ist. Aber diese drei riesigen Steinblöcke weisen weder eine bestimmte Form noch Anzeichen einer Bearbeitung durch Menschen auf. Für Geologen sind sie einfach eine Laune der Natur.

Aber die Menschen schreiben diesen Dingen trotzdem gerne eine besondere Bedeutung zu.  So wird vermutet, dass der Ort schon vor der Christianisierung ein heiliger Ort war. Zu Beginn des 19. Jhs. wurden den Steinen wundersame Kräfte zugeschrieben, sogar die Heilung von Krankheiten. Außerdem mussten nach einer volkstümlichen Legende junge Männer, die beabsichtigten binnen eines Jahres zu heiraten, drei Mal unter den Felsen hindurch kriechen. Über junge Frauen ist nichts ausgesagt?!

Auf jeden Fall ist es eine befremdliche und gleichzeitig berührende Atmosphäre, die einen umfängt, wenn man die Kapelle betritt. Vielleicht ist es die nahe Verbindung von Natur und Religion an diesem Ort, die einen nicht unberührt lässt?

https://www.gronze.com/file/72206
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Santa Maria de Eunate – ein mystischer Ort

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Die Kirche liegt im freien Feld ohne direkten Bezug zu einer Siedlung, einige Kilometer von dem Marktflecken Muruzábal entfernt und östlich von Puente la Reina, wo die beiden Jakobswege über die Pyrenäenpässe von Somport (Aragon) und von Roncesvalles zusammentreffen. Die kleine Kapelle ist irgendwie anders als andere Kirchen.

Die Kirche wurde Ende des 12. Jhs. im romanischen Stil mit mozarabischen Einflüssen erbaut. Es handelt sich um einen oktogonalen (achteckigen) Kirchenbau, wie er auch bei den Templern sehr beliebt war. Deren Vorliebe orientierte sich dabei an der Grabeskirche in Jerusalem. In den alten Archiven des Ordens taucht die romanische Kapelle leider nicht auf, so dass keine gesicherten Aussagen gemacht werden können Nicht geklärt ist die ursprüngliche Funktion als Taufkirche, Wallfahrtskirche oder Pilgerhospiz. Die offizielle Erläuterung findet man in der Broschüre der Tourismusbehörde. Für sie besagt eine weitaus glaubwürdigere These, auch unterstützt aus mittelalterlichen Dokumenten, ihre Entstehung verdanke Santa Maria de Eunate einer alten Bruderschaft von Einwohner aus den umliegenden Dörfern. Die Bruderschaft wird durchgängig als Eigentümer der Kapelle, dem dazugehörigen Gebäude sowie der darunter liegenden Grundstücke erwähnt, seit 1219 auch schriftlich dokumentiert. Sie blieb bis ins Jahr 1816 aktiv, als der letzte Bruder verstarb. Die Bruderschaft wurde 1997 wieder erneuert und zählt heute ca. 600 Mitglieder, die sich jedes Jahr ende Mai auf eine Wallfahrt nach Santa Maria de Eunate machen.

Die freistehende Kirche ist ein kompaktes Steingebäude mit einem harmonischen, zentralen oktogonalen Grundriss, der sich an der Ostseite zu einer halbrunden Apsis öffnet. Sie wird von einem oben offenen Arkadengang umsäumt, der zumindest jetzt nicht mehr mit der Kirche verbunden ist. Die Kapitelle sind stark beschädigt. es gibt Pflanzendekoration, kämpfende Löwen und das Bild bärtiger Männer, welches, wenn man es umdreht,  Dämonen  in Form von Ziegen mit langen Hörnern zeigt.

Der Arkadengang hat dem Bauwerk möglicherweise seinem Namen gegeben (baskisch: Eunate – hundert Tore, hunderttorig), andere behaupten, es heiße „das gute Tor“ – je nachdem, wie man den Namen aus dem Baskischen herleitet.

Wie könnte es zu dem Namen gekommen sein? Natürlich hat diese winzige Kapelle keine hundert Türen. Zählt man die Bögen des Kreuzgangs als Pforten, so kommt man auf dreiunddreißig. Es heißt, die gläubigen Pilger sollen die Kirche barfuß dreimal umrunden, bevor sie durch die Hauptpforte eintreten und sich in die Mitte der Kapelle hinstellen, also 3 x 33 + 1=100. Dann sollen sie die Kapelle auf sich wirken lassen. Eine besondere Energie soll von hier ausgehen – einfach ein mystischer Ort.

Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Eunate, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4671186

Der Innenraum ist durch ein hohe Gewölbe charakterisiert, das von mächtigen Säulen gebildet wird, die aus den Ecken des Achtecks entstehen. In das Innere fällt ein mildes Licht durch die schmalen Alabasterfenster. Der Grundriss ist leicht asymmetrisch. Die Säulen und Bögen sind alle doppelt. Das Oktogon besitzt zudem zwei reich verzierte Portale. Außerdem befindet sich hier die Reproduktion der Jungfrau Maria von Eunate, die seit Baubeginn der Kirche als Beschützerin des Ortes gilt, zu deren Ehren die Bruderschaft gegründet wurde.

Dieses Kleinod lädt zum Verweilen ein, die äußere Form und der schlichte Innenraum stahlen eine tiefe Ruhe aus. Es ist einer jener Stätten, die den Pilger wieder einmal innehalten lässt und ihm einen tiefen Frieden geben kann. Genie de lieu nennen die Franzosen einen Ort, der etwas ganz Eigenes und Besonderes atmet.

Eine Anregung am Eingang der Kapelle:

Diese Mauern umfangen die Stille,
Dies ist Dein Ort zum Nachdenken,
Und hier kannst Du beten.
Öffne Deine Augen nicht nur wie ein Tourist,
Oder all Deine Sinne wie ein Pilger,
Öffne Dein Herz als ein Mensch auf der Suche.
Trete ein mit Bedacht und Respekt,
Zwischen diesen Steinen stecken unzählige Jahrhunderte ,
Jahrhunderte anhaltender Stille,
Und Jahrhunderte voller Gebete.

(frei übersetzt von Petra aus inreiselaune)

Von I, Vicky petereit, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2310209
Von I, Vicky petereit, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2310209

Wer Legenden mag, hier eine zur Kapelle Eunate, gefunden bei Petra in ihrem Blog „inreiselaune“, indem die Kapelle auch ausführlich beschrieben wird:

Die Legende um das fliegende Portal

Santa María de Eunate befand sich bereits kurz vor der Einweihung, als der Baumeister eine ominöse Mitteilung erhielt, die ihn umgehend zum Aufbruch zwang. Er bat seine Auftraggeber um Nachsicht und versprach eine baldige Rückkehr. Doch Tage und Wochen zogen ins Land, ohne eine Nachricht oder ein Lebenszeichen des Baumeisters. Der Abt wurde ungeduldig. Ihm lag sehr daran, das Gotteshaus endlich mit liturgischem Leben zu füllen. Da einzig das Portal auf seine Fertigstellung wartete, beschloss er diesen Auftrag in die Hände eines alteingesessenen Steinmetzes aus der Nachbarschaft zu vergeben. Der Jentilak, man nannte ihn so, weil er mit seiner Größe und seinen außerordentlichen Kräften dem Riesen aus der baskischen Mythologie ähnelte, erschuf innerhalb von nur drei Tagen ein künstlerisch einzigartiges Portal. Die Mönche waren begeistert und verschwendeten keinen Gedanken mehr an den abtrünnigen Baumeister.


Doch siehe da, nur kurze Zeit später kehrte dieser überraschend zurück, um sein angefangenes Werk zu vollenden. Beim Anblick des fertig gestellten Portals, stellte er den Abt zur Rede und verlangte die Einhaltung des abgeschlossenen Vertrags. Die Mönche berieten sich eingehend, waren sie doch mit dem jetzigen Portal überaus zufrieden. Andererseits fühlten sie sich verpflichtet, zu ihrem einst gegebenen Wort zu stehen. Sie boten dem Steinmetz deshalb folgenden Kompromiss an: Sollte er in der Lage sein, in derselben Zeit wie der Jentilak, ein neues Portal anzufertigen, wären sie bereit, es gegen das alte auszuwechseln. Nolens volens nahm der Baumeister den Vorschlag an.

Nach eingehender Begutachtung des mit Ornamenten und Figuren reich geschmückten Werkes seines Kontrahenten, verlor der Steinmetz jegliche Hoffnung den Auftrag der Mönche erfüllen zu können. Nur ein Zauber konnte ihm aus der ausweglosen Situation helfen.

Also wandte sich der Baumeister an eine Hexe, die ihm verriet, wie er den Mönchen fristgerecht sein Werk abliefern konnte. Sie hieß ihn, sich in der Johannisnacht an die Ufer des Río Robo zu begeben. Dort träfe er auf eine Schlange, die jedes Jahr die besonderen Mächte dieser Nacht für eine rituelle Waschung nutze. Diese Schlange, so erklärte die Hexe, würde einen Mondstein aus ihrem Schlund heraufwürgen und in Ufernähe ablegen. Diesen magischen Mondstein gelte es vorsichtig in einen goldenen, mit Wasser gefüllten Kelch zu legen. Das Wasser dürfe sich dabei auf keinen Fall bewegen. Danach müsse der Baumeister nur den nächsten Tag abwarten. Mit diesen Worten entließ die Hexe den verdutzten Mann.

Gesagt, getan. Alles spielte sich exakt so ab, wie die Hexe prophezeit hatte. Die Schlange erschien, spie den verführerisch weiß-bläulich schimmernden Mondstein aus, den der Baumeister aufsammelte und vor Ehrfurcht zitternd in dem mit Wasser gefüllten goldenen Kelch platzierte. Der Baumeister konnte noch beobachten, wie unter der Oberfläche des bewegten Wassers das Portal Formen annahm, als ihn eine plötzliche Müdigkeit überkam. Kaum hatte er sich niedergelegt, war er auch schon eingeschlafen.

Am nächsten Morgen weckten ihn lautstarkes Gemurmel und emsiges Treiben. Die gesamte Mönchsgemeinschaft hatte sich um ihn versammelt und bewunderte sein meisterlich gefertigtes Portal. Doch als alle genauer hinsahen, erkannten sie, dass es sich um eine exakte Kopie des bereits an der Kirche befindlichen Portals handelte. Mit einer Ausnahme, es war spiegelverkehrt. Als der Abt die Frage stellte, ob der Baumeister tatsächlich wünsche, dass man das Portal des Jentilak gegen sein Spiegelbild austauschen soll, geriet der Steinmetz außer sich vor Wut. Er versetzte seinem Werk einen kräftigen Tritt, sodass das Portal bis in den Nachbarort Olcoz flog, wo es noch heute die Kirche schmückt.

 

 

Von Josep Renalias - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3163691
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