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Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Camino del Norte, Camino primitivo, Via de la Plata

Von Darkone (Diskussion · Beiträge) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=312833

Unterscheidung zwischen Edelkastanie und Rosskastanie

Am Anfang muss eine wichtige Unterscheidung  zwischen den Edelkastanien und den Rosskastanien stehen:

Die Edelkastanie/Esskastanie (castanea sativa) ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien (Castanea) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie oder Esskastanie  ist eine einheimische Pflanze. Einheimisch bedeutet, dass sie in verschiedenen Regionen vorkommt, sie hat sich aber ohne direkte menschliche Eingriffe entwickelt und im gesamten Gebiet verbreitet. Einheimische Arten sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts jedes Ökosystems und entwickeln Beziehungen zur lokalen Fauna, zum Boden und zum Klima. In Spanien kommt die Edelkastanie vorwiegend im Norden der Halbinsel vor. Die Provinz Ourense zum Beispiel gehört zu den größten Maronenproduktionsgebieten Spaniens, da die galicische Marone, einen guten Geschmack hat, nicht mehlig und leicht zu schalen ist.

Demgegenüber gehört die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) – oft auch nur Kastanie genannt – zur Familie der Seifenbaumgewächsen. In Europa ist die Rosskastanie als Park- und Alleebaum verbreitet. In Deutschland, besonders in Bayern, sind sie auch charakteristisch für die berühmten Biergärten. In Spanien kommt sie weniger häufig vor wie die Edelkastanie. Sie ist keine einheimische Pflanze, sondern sie wurde im 16. Jh. aus dem Balkan importiert.
Die teilweise Namensübereinstimmung beruht auf der oberflächlichen Ähnlichkeit der Früchte mit dem Fruchtstand der Kastanien (brauner Kern in stacheliger Hülle) und nicht auf botanischer Verwandtschaft

Edelkastanie Von Dominicus Johannes Bergsma - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111761349
Edelkastanie (Castanea sativa), Illustration

Unterscheidungsmerkmale:
Kastanie (Rosskastanie)
Nicht essbar (sogar leicht giftig)
• Wächst oft in Parks und Alleen und Biergärten
• Die Frucht hat eine grüne Schale mit wenigen, dicken Stacheln
• Meist eine große, runde Nuss
• Blätter: handförmig, wie gespreizte Finger
• Nutzung: Deko, Basteln, früher auch Waschmittel-Ersatz

Esskastanie (Marone / Edelkastanie)
Essbar und sehr lecker
• Wächst vor allem in warmen Regionen (z. B. Süddeutschland, Frankreich, Italien, Spanien)
• Schale mit sehr vielen feinen, spitzen Stacheln
2–3 eher flache Nüsse pro Hülle
• Blätter: lang, schmal, gezackt
• Nutzung: Küche (Maroni, Kastanienpüree, Suppe)

Natürliches (grau) und künstliches (schraffiert) Verbreitungsgebiet von Castanea sativa. Einzelvorkommen sind als Punkte dargestellt. https://www.uni-goettingen.de/de/vorkommen+und+geschichte/546313.html (Abbildung: A. Bottacci 1998)

Bedeutung der Edelkastanie

Lange glaubte man, dass die Römer dafür verantwortlich waren, diese Bäume nach Spanien gebracht zu haben. Aber neuere Forschungen zeigen, dass sie sich vor über 20.000 Jahren im Nordosten der Iberischen Halbinsel verbreiteten, also eine einheimische Pflanze sind. Aber die Römer waren es, die ihr Wachstum förderten und sie sich so in Spanien verbreitete. Mit der Anpflanzung von Kastanienbäumen in ganz Europa legte das römische Reich die Grundlage für die mittelalterliche Kastanienkultur. In den Wäldern gibt es einige wilde Kastanienbäume, aber die größten Kastanienhaine sind Plantagen, meist direkt außerhalb der Dörfer, wo sie u.a. wegen ihrer Früchte gefragt waren. Jahrhundertelang waren Kastanien ein wichtiger Bestandteil der Ernährung in den ländlichen (Berg-)Regionen, da sie anspruchsloser ist als Weizen. Sie wurde auch als Brotbaum bezeichnet. Tatsächlich wurde die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa gebracht wurde, in Galizien mit Spitznamen Erdkastanie genannt. Außerdem sind Esskastanienbäume langlebig und können mehrere hundert Jahre alt werden. Wegen ihres widerstandsfähigen Holzes waren sie auch für die Holzwirtschaft interessant. Bei der Edelkastanie hielten sich von Anfang an Holz- und Nahrungsmittelgewinnung die Waage.

https://www.marcelpaa.com/rezepte/kastanien-brot/

Warum wird die Edelkastanie auch als Brotbaum bezeichnet?

Sie diente über Jahrhunderte hinweg für viele Menschen als wichtiges Grundnahrungsmittel. Kastanien wurden das Brot der Armen.
Sie war ein Mehlersatz, denn aus getrockneten Kastanien wurde Kastanienmehl hergestellt, das man zum Backen von Brot, Fladen oder Brei nutzte – besonders auch in Bergregionen, wo Getreideanbau schwierig war. Außerdem wiesen sie eine gute Lagerfähigkeit auf, getrocknete Kastanien hielten sich lange und sicherten die Ernährung über den Winter. Hinzu kommt, dass die Edelkastanie einen hoher Nährwert hat. Esskastanien enthalten viele Kohlenhydrate, dazu Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Sie liefern ähnlich viel Energie wie Getreide.So waren sie in früheren Zeiten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Regionen. Sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft. Sie ist in Spanien stark in der Küche, Tradition und regionalen Wirtschaft verankert.

Die Esskastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als ein Baum der Zukunft.

Entwicklung der Kastanienbäume in Spanien

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ging die mit Kastanienbäumen bewachsene Fläche drastisch zurück. Mehrere Gründe waren dafür verantwortlich:
Erstens die Schädlinge und Krankheiten des Baums, wie der Kastanienrindenkrebs oder die Tintenkrankheit; zweitens die Tatsache, dass die Edelkastanien verdrängt wurden von leicht anzubauenden Gewächsen aus Amerika, die ab ihrer Einführung im 16. Jahrhundert sehr beliebt wurden, wie beispielsweise Kartoffeln; drittens die Anpflanzung von schnell wachsenden Bäumen wie dem aus Australien stammenden Eukalyptus; viertens die Waldbrände, und schließlich die Bevölkerungsabwanderung aus dem ländlichen Raum. Das sind Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Esskastanien allmählich aus der Alltagskost verschwunden sind.
In der Gegenwart wird der Anbau von Kastanien in Spanien gefördert, und es gibt zahlreiche Initiativen, die diese Entwicklung unterstützen. Die Gebiete, in denen der Anbau wieder zunimmt, sind im Wesentlichen Galicien, El Bierzo in León, die Sierra de Aracena in Huelva, die Serrania de Ronda in Malaga und einige Gegenden in La Rioja und Asturien.
Hilfreich für diese Entwicklung ist, dass es heute eine größere Nachfrage nach Bioprodukten gibt. Allein der natürliche Anbau, das Sammeln von Hand und die fast handwerkliche Weiterverarbeitung sind hier gute Indikatoren. Außerdem wird auch in der modernen Küche verstärkt auf solche Produkte zurückgegriffen. So sind in den letzten Jahren viele neue Rezepte rund um die Marone entstanden. So erfreut sie sich wieder einer weltweiten Beliebtheit. Neben dem Hauptimportland Frankreich werden die Kastanien nach Japan, USA und viele europäische Länder exportiert.

In welcher Form wird die Kastanie heute in Spanien genutzt?

Erntemengen Kastanien 2022
Land                                                                              Tonnen
Volksrepublik China (Castanea mollissima       1.703.653
Spanien (Edelkastanie)                                               187.680
Bolivien * (Edelkastanie)                                             81.327
Türkei (Castanea crenata)                                           77.792
Südkorea (Edelkastanie)                                             54.973
Italien (Castanea crenata)                                           43.000
Portugal (Edelkastanie)                                               37.150
Griechenland (Castanea crenata)                             32.900
Japan (Castanea crenata)                                             15.700
Nordkorea                                                                       12.469

Neben der Nutzung als Tierfutter und als Holz in der Landwirtschaft wird die Esskastanie als Lebensmittel genutzt. In Spanien spielen Esskastanien (castañas) vor allem in Herbst- und Wintergerichten eine Rolle, besonders im Norden und Westen (Galicien, Asturien, Extremadura, Kastilien).

Wir finden sie als
• Geröstete Maronen (klassisch auf Weihnachtsmärkten)
• Gekocht oder gebacken als Beilage
• Kastanienmehl
→ für Brot, Kuchen, Pfannkuchen, Pasta (z. B. Castagnaccio)
• Püree & Creme
→ Desserts, Füllungen, Eis
• Marrons glacés (kandierte Edelkastanien)
• Suppen & Eintöpfe, oft mit Wild oder Pilzen

Typische Gerichte sind:

Caldo de castañas (Galicien), eine Kastaniensuppe mit Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, oft mit Chorizo oder Speck
Castañas guisadas, geschmorte Kastanien mit Fleisch (Schwein, Wild, Lamm) oder Gemüse
Rellenos con castañas, ein Geflügel oder Schweinebraten mit Kastanienfüllung
Setas con castañas, ein Pilzgericht mit Kastanien

Typische Süßspeisen sind:

Castañas asadas – Geröstete Kastanien
Dulce de castañas – Kastanienpüree mit Zucker und Zimt als Füllung für Kuchen
Tarta de castañas – Kastanienkuchen, häufig mit Schokolade oder Mandeln kombiniert
Buñuelos de castaña – Frittierte Kastanienbällchen

https://costadelsol-online.es/kastanienfeste-in-andalusien/

„Castañadas“ – Kastanienfeste in Spanien

Rund um den 31. Oktober und den 1. November werden in einigen Teilen Spaniens „Castañadas“ veranstaltet. Der spanische Name für das Kastanienfest ist „castañada“, aber in Katalonien und Aragonien heißt es „castanyada“, in Kantabrien „magosto“, in Kastilien und León „sanabria“ oder „calbotada“, im Baskenland „gaztainerre“ und in anderen Regionen noch anders. Bei den „Castañadas“ geht es um das Rösten und Essen von auf dem Feuer erwärmten Kastanien, das Trinken von typischem Wein, das Essen von Süßkartoffeln und von kandierten Früchten.
Es ist schwierig, den Ursprung der Castañada-Tradition zurückzuverfolgen. Es wird jedoch behauptet, dass früher am Día de Todos los Santos oder Allerheiligen die Kirchenglocken die ganze Nacht hindurch läuteten, damit die Nachbarn wussten, dass sie für die Toten beten mussten. Allerdings war es oft so kalt oder die Menschen waren so müde, dass es schwierig war, wach zu bleiben.
Deshalb beschloss man, ein Feuer zu machen und die Kastanien, die es zu dieser Jahreszeit reichlich gab, auf dem Feuer zu wärmen und sie dann in geselliger Runde bei einem guten Wein oder einem anderen Getränk zu essen. Langsam ist dies in Teilen Spaniens zu einer Tradition geworden.

CASTIÑEIRO DA CAPELA

Geschichten zu Kastanienbäumen in Spanien

Der Kastanienbaum wurden zwar auch zur Holzgewinnung genutzt, doch einige alte Exemplare sind noch heute erhalten. Es gibt in Galicien Bäume, die mehr als 500 Jahre alt sind. Pilger finden in der Umgebung des Camino Primitivo, des Camino del Norte oder des Camino Inglés viele historische oder monumentale Kastanienbestände – meist in Galicien oder im angrenzenden Nordwesten.
Am Camino Francés finden die Pilger den Castiñeiro von Ramil (Triacastela, Galicien).
Das berühmte Exemplare ist ein mehr als 800 Jahre alter eindrucksvollen Kastanienbaum bei Ramil (kurz vor Triacastela) mit einem riesigen Stammumfang.
Auf dem weniger bekannten Camino Lebaniego – einem historischen Pilgerweg, der zum Kloster Santo Toribio führt – liegt ein malerischer Kastanienhain zwischen den Dörfern Cabañes und Pendes mit alten Bäumen und einem friedlichen Waldabschnitt.

In Baamonde (in der Gemeinde Begonte) am Camino del Norte steht ein Kastanienbaum, der „Castiñeiro da Capela“ mit einer einzigartigen Geschichte.
Es handelt sich um eine uralte Edelkastanie (Castanea sativa) mit einem hohlen Stamm. Vor etwa 50 Jahren sollte der Baum für eine Straßenverbreiterung gefällt werden. Der Bildhauer Víctor Corral versteckte sich im Inneren des Stammes, um die Fällung zu verhindern – ein spektakulärer Akt des zivilen Widerstands.
Corral schnitzte im Inneren eine kleine Kapelle mit einer Darstellung der Virgen del Rosario. Daher der Name „Castiñeiro da Capela“ („Kapellen-Kastanie“). Später fügte er weitere Holzschnitzereien hinzu. Heute ist der Baum ein echtes Wahrzeichen des Camino del Norte.
Viele Pilger ist es ein Ort der Ruhe, ein spiritueller Zwischenstopp und ein Symbol für den Schutz alter Kulturlandschaften geworden. Er verbindet Natur, Kunst, Glauben und Widerstand!

Wie schön wäre es, wenn diese Bäume uns ihre Geschichte erzählen könnten!

Einige Gedanken zu Bäumen

In literarischen Texten steht der Baum oft für:
Zeit (Wachsen, Altern, Sterben)
Leben spendend (Nahrung, Schatten)
Verwurzelung und Heimat
Orientierung in der Landschaft
Beständigkeit (Jahrhunderte überdauernd)
Spiegel des Menschen
Schutz und Trost
Verbindung von Himmel und Erde

Viele Dichter haben sich mit der Bedeutung von Bäumen auseinandergesetzt. Ich nenne hier als Beispiel Rainer Maria Rilke. Für ihn hat der Baum Berührung nicht nur mit dem Erdreich, sondern auch mit dem Wind bis hin zum Sturm, und er „kämpft“ sich durch das Leben und wächst in Ringen an den Hindernissen, die das Leben ihm entgegensetzt. In seinen „warmen Wurzeln“ vermittelt er dem Menschen Geborgenheit und Tiefe. Bei Rilke wird der Baum auch zum Symbol für das eigene Leben „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“.

Heute verstehen wir vor allem, dass Bäume „soziale Wesen“ sind, die in vielfältigen Beziehungen zu anderen Lebewesen stehen.
Sie „kommunizieren“ untereinander und mit einem Pilznetzwerk tauschen sie Nährstoffe, Signale und Warnungen aus.
Sie unterstützen sich gegenseitig. Starke Bäume versorgen schwächere, alte oder kranke Exemplare mit Zucker und Nährstoffen.
• Sie stehen aber auch teilweise in einem Konkurrenzkampf mit anderen Bäumen z.B. um Licht und Nährstoffe.
• Sie entwickeln sich evolutionär. Bäume können z.B. Erfahrungen speichern (z.B. Trockenstress) und ihr Verhalten daran anpassen und weitergeben.
• Bäume haben „Gefühle“ im biologischen Sinn. Das bedeutet, dass sie auf Stress, Verletzungen und Umweltveränderungen messbare biologische Reaktionen zeigen.

Und der Mensch ist ein Teil dieses größeren Netzwerkes, in dass wir allzu häufig störend oder auch vernichtend eingreifen. Die Problematik der Abholzung von Wäldern vor allem im Amazonasgebiet oder die Problematik der Monokulturen in der Landwirtschaft werden ja hinlänglich thematisiert.

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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Camino Aragonés

Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Aragonés

Der Olivenbaum (Olea europaea), von lateinisch oliva, auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. An ihm wächst als Frucht die einsamige Steinfrucht, die Olive. Olivenbäume wachsen sehr schnell und tragen nach 5 -10 Jahren die ersten Früchte. Bei sorgfältiger Pflege werden Olivenbäume einige hundert Jahre alt und in Einzelfällen bis zu 20 Meter hoch. Im Schnitt bringt ein Olivenbaum pro Jahr etwa 20 Kilogramm Oliven ein. Das entspricht ungefähr drei bis vier Litern Olivenöl.

Die Olive ist somit eine mediterrane Steinfrucht, die allerdings wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar ist, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Obwohl schon mehrmals versucht wurde, mechanisierte Erntemethoden zu entwickeln, werden die Oliven für die besten Öle immer noch von Hand gepflückt. Meistens werden sie mit einem Stock vom Baum abgeschlagen und fallen auf ein Netz, das auf dem Boden liegt

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seiner engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. 

Das Olivenöl wird im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen also nicht aus Samen sondern aus der Frucht, der Olive, gewonnen. Das deutsche Wort Öl stammt von dem Lateinischen Oleus. Olivenöl ist auch als „flüssiges Gold» bekannt, seit Homer es vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal so nannte.

Das Öl verändert sich je nach Reifegrad der Oliven. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember geerntete Oliven ergeben ein kräftigeres, fruchtigeres, leicht grünliches Öl. Später geerntete Oliven ergeben mildere Öle. Im Allgemeinen werden die besten Öle aus Oliven hergestellt, die zwischen ein und zwei Dritteln schwarz sind, also früh geerntet wurden, zwischen Mitte November und Anfang Dezember.

Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa 1,36 Mio. Tonnen (2020) jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit. Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Kastilien-La Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

Von Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.di

Geschichte des Olivenöls

Man geht auf Grund von Funden davon aus, das Olivenöl seit mindestens 8000 Jahren, ausgehend vom östlichen Mittelmeerraum, hergestellt wird. Im Alten Griechenland erlangten dann die Olive und das Olivenöl die Bedeutung, die sie heute haben. 

Seine damalige Bedeutung zeigt sich schon darin, dass bei den Olympischen Spielen den Athleten Kronen aus Olivenzweigen überreicht wurden. Auch auf religiöser Ebene sind der Olivenbaum und das Öl in die Volkskultur integriert worden. Nach der griechischen Mythologie ist Aristaios, der Sohn des Gottes Apoll und der Nymphe Kyrene, ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Angeblich wurde er damit beauftragt, die Olive auf dem Balkan, in der Ägäis und anschließend auf Sardinien und Sizilien zu verbreiten.

 Es waren wohl die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten. Die Römer spielten dann eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von dem, was wir heute als Olivenöl verstehen, denn sie verbesserten sowohl die Anbautechniken als auch die Lagerung des Olivenöls. Die Römer gehörten zu den größten Konsumenten von Oliven und Olivenölen aus Hispania, insbesondere aus Baetica (dem heutigen Andalusien). Das Öl aus Hispania war aufgrund seiner hervorragenden Qualität das am höchsten geschätzte Öl im gesamten Römischen Reich. Schätzungen zufolge exportierte Hispania während dieser Epoche über 30 Millionen Amphoren mit Olivenöl, und in regelmäßigen Abständen wurden Tausende von ihnen in die Hauptstadt des Römischen Reichs transportiert.

Nachdem das Römische Reich seinen Fußabdruck in der spanischen Olivenöl- Produktion hinterlassen hatte und für einen hervorragenden Ruf des grünen Goldes gesorgt hatte, wurde der Anbau und die Produktion durch die Araber noch einmal verfeinert. Der arabische Einfluss in der spanischen Olivenöl-Welt kann man auch aus dem Namen ablesen. Nicht der lateinische Name wurde übernommen, sondern das spanische Wort „aceite“ (Öl) wurde aus dem arabischen „az-zait“ abgeleitet und das Wort „aceituna“ (Olive) kommt vom arabischen „zei´tuna“.

Wir wissen, dass das Olivenöl schon im Mittelalter nicht nur als Nahrungsmittel genutzt wurde, sondern für verschiedene andere Zwecke, so zum Beispiel für die Herstellung von Seifen, für bestimmte Schönheitsbehandlungen oder auch für die Beleuchtung von Häusern. Aber immer stand seine Nutzung als Nahrungsmittel im Vordergrund. 

Später, im 19. Jahrhundert erlebte der Anbau von Oliven in Spanien, dank des Baus des Schienennetzes, einen großen Aufschwung. So wurde Spanien zum weltweit größten Olivenanbaugebiet. Im 20. Jahrhundert kam es in Spanien zu einer technologischen Revolution, die es ermöglichte, exzellente Öle herzustellen, die jedes Jahr mit den weltweit bedeutendsten Preisen ausgezeichnet werden. Spanien steht heutzutage an der internationalen Spitze der größten Produktion und besten Qualität von Olivenölen.

Ökonomische Bedeutung und Probleme

 Größte Olivenölproduzenten (2020)

Rang     Land                         Menge (in t)

  1. Spanien                       1.356.411
  2. Tunesien                        373.100
  3. Italien                             330.879
  4. Griechenland               308.000 
  5. Türkei                             240.100 
  6. Marokko                        164.600 
  7. Syrien                             138.217 
  8. Algerien                         113.600 
  9. Portugal                         107.000 
  10. Ägypten                          36.000

Summe Top Ten                    3.167.907

 Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 führte Spanien innerhalb der EU über 640.000 t aus, davon ging mehr als die Hälfte nach Italien, 21,3 % nach Portugal, 14,7 % nach Frankreich und 3,7 % nach Deutschland. Italien führte hingegen 124.500 t aus, davon aber 35,4 % nach Deutschland (!), 27,5 % nach Frankreich, 8,9 % nach Spanien. 

Allerdings ist zu beachten, italienische Firmen kaufen nach Pressemitteilungen in der Mittelmeerregion Olivenöl auf, füllen es ab, und vertreiben es weltweit. So wird griechisches Olivenöl aufgekauft, um es in Deutschland als „italienisches“ zu verkaufen, da die Konsumenten bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Bei der Abfüllung in Italien wird häufig griechisches Olivenöl guter Qualität nicht mit weniger gutem Olivenöl gemischt und in Deutschland verkauft.

Leider gehört der Lebensmittelbetrug bei Olivenöl in der EU zur gängigen Praxis, dem man versucht mit Stichprobenkontrollen zu begegnen. Der Betrug besteht in der Regel darin, dass minderwertiges Olivenöl als hochwertiges verkauft wird. Wichtig ist zu kontrollieren, ob eine Regionsbezeichnung angeben ist. Die genaue Ursprungsbezeichnung ist oft nur im Kleingedruckten des Etiketts zu lesen. Es sollte die geschützte geografische Angabe darauf stehen. Das heißt, eine der drei Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss in dem bezeichneten Gebiet erfolgen und im Ruf besonderer Qualität stehen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung bedeutet: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt sein.

Und natürlich spielt der Preis eine Rolle. Gutes Olivenöl und preiswert das geht nicht zusammen!

Sorten und Qualität von Olivenöl

 Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch MarteñaLopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus.    Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Malaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extrematura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Qualität

 Qualitätsbeeinflussende Faktoren:

 Die geschmackliche Qualität ergibt sich aus

  • der Olivensorte
  • dem Zustand der Oliven wie Reife oder Wasserversorgung beim Wuchs
  • dem Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchten
  • der Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespänen
  • der Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
  • der Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere bei Rückständen von älteren Chargen
  • der Sauerstoff-Exposition während der Verarbeitung
  • der Weiterbehandlung nach der Pressung
Von Klejdi Shtrepi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73107730

Folgende Güteklassen für Olivenöl gibt es:

 Auf den Tisch kommen normalerweise nur Öle der Kategorien (s. unten) eins, zwei und fünf (dieses in Deutschland nicht erhältlich). Dieses Öl wird entweder durch mechanisches Pressen oder nach dem Zentrifugier-Verfahren gewonnen. Diese drei Öltypen sind immer kaltgepresst und ohne übermäßige Temperatureinwirkung hergestellt.

Kategorie

Produktbezeichnungen

Herstellungsverfahren

Eigenschaften, Qualität und Verwendung

1

natives Olivenöl Extra

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 0,8 %, ohne sensorische Fehler, für den Verzehr geeignet.

2

natives Olivenöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 2 %, leichte Fehler, für den Verzehr geeignet

3

Lampantöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt > 2 %, deutlich fehlerhaft
darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss raffiniert werden

4

raffiniertes Olivenöl

 

Säuregehalt ≤ 0,3 %, typische Geschmacks- und Geruchsanteile des Olivenöls fehlen; darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Olivenöl“ (Kategorie 5) verarbeitet werden.

5

Olivenöl

Mischungen aus raffiniertem Olivenöl (Kategorie 4) mit nativem Olivenöl der Kategorien 1 oder 2

Säuregehalt ≤ 1 %, Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

6

rohes Oliventresteröl

Aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung/Extraktion der Oliven übrig bleibt, wird mit Hilfe von Lösungsmitteln (Hexan) das nach der ersten Pressung noch verbleibende Öl extrahiert.

Das Öl ist zum Verzehr nicht geeignet und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Raffiniertem Oliventresteröl“ (Kategorie 7) verarbeitet werden.

7

raffiniertes Oliventresteröl

aus rohem Oliventresteröl durch Raffination hergestellt

Säuregehalt ≤ 0,3 %, das Öl ist ohne Geschmack und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Oliventresteröl “ (Kategorie 8) verarbeitet werden.

8

Oliventresteröl

raffiniertes Oliventresteröl (Kategorie 7), das mit nativem Öl (Kategorie 1 oder 2) gemischt wird

Säuregehalt ≤ 1 %, zum Verzehr geeignet. Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

Ökologische Bedeutung der Olivenproduktion

Die Art der Olivenölproduktion wirkt sich auf den ökologischen Wert und den Landschaftsschutz in einer so hoch entwickelten Kulturlandschaft, wie sie der Mittelmeerraum darstellt, überaus stark aus. Die Bäume wachsen oftmals auf steinigen, steilen und im Sommer heißen und trockenen Hängen bis ca. 500 m über dem Meeresspiegel. Sie benötigen wenig Wasser und Düngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorität, Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Diese sind allerdings viel stärker brandgefährdet.

Allerdings hat die ökologische Bedeutung bei der Produktion der Oliven in Spanien keinen so großen Stellenwert, da sie meist in großen Plantagen angebaut werden. Das liegt leider auch an einer falschen EU Politik. Die EU-Subventionen erfolgen kontraproduktiv nur durch Zahlungen pro Hektar Land oder pro Liter produzierten Öls statt pro Olivenbaum. Damit werden große Produktionsmengen und hohe Gewinne auf Großplantagen und intensive Monokulturen gefördert und zahlreiche kleinbäuerliche und umweltgerechte Produktionsstätten ruiniert. Darüber hinaus werden dadurch großflächige Bewässerungsprojekte notwendig, was in Gebieten mit geringen Wasserreservoirs Engpässe auslöst und den Grundwasserspiegel absenkt. Auch droht die Ausrichtung auf Mengenproduktion weniger ergiebige Sorten zu verdrängen, was sich wiederum zu Lasten der Vielfalt, aber auch der Resistenz gegen Krankheiten und klimatische Veränderungen auswirkt.

So gab es in Spanien 2023 wegen der großen Dürre auch bei den Olivenproduktion Probleme. Die anhaltende Trockenheit ist das Hauptproblem. Nur etwa ein Viertel der spanischen Olivenhaine werden bewässert. Der Rest ist auf Regen angewiesen. Wenn es nicht regnet, sterben die Bäume nicht ab, aber sie passen sich an und tragen weniger Früchte. Eine einfache stärkere Bewässerung ist aber aus ökologischen aber auch aus Kostengründen nicht sinnvoll. Aber es gibt erste Alternativen.

So versuchen es einige Bauern über die Tröpfchenbewässerung. Es entsteht dabei ein runder, feuchter Fleck um den Baum herum. Aber durch Hitze und Wind verdunstet davon auch wieder ein Teil. Der neue Weg besteht darin, die Tröpfchenbewässerung unter die Erde zu legen, um so noch sparsamer mit dem Wasser umzugehen. Diese Form der Bewässerung ist aber nur bei Olivenplantagen sinnvoll. Die Bauern aber, die noch alte Olivenhaine besitzen, sind dann wieder wie oben gesehen benachteiligt.  Vielleicht ändert sich dies noch, denn Trockenheit und Dürre sind ein Problem, das nach Aussagen der Wissenschaften im Rahmen der Klimakrise in den nächsten Jahren noch zunimmt.

Momentan ist es aber auf jeden Fall so, dass auf Grund der oben genannten Problematik, wie bereits auch für Italien angekündigt, der Preis für hochwertiges Olivenöl 2024 stark steigen wird. In den spanischen Supermärkten ist 2023 ein Liter gutes Olivenöl kaumunter 10 Euro zu bekommen. So hat sich das Öl seit März 2012 um 136,6% verteuert! Zwei schlechte Ernten hintereinander haben das bewirkt. Aber seien wir ehrlich, ein Hauptgrund für die Preissteigerung ist sicher die Problematik von Wassermangel, Dürre und Hitze, aber Spekulation und Profitdenken spielen bestimmt auch eine Rolle. In der Produktions- und Vertriebskette versuchen offenbar viele Beteiligte, Profit aus der Situation zu schlagen

Von G.steph.rocket - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46572374

Die mediterrane Küche und der Gesundheitsaspekt

Die Beobachtungsstudie SUN ‘Seguimiento Universidad de Navarra’, die die mediterrane Ernährung analysiert, bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der mediterranen Küche und einer guten mentalen und emotionalen Gesundheit gibt. Die Mittelmeer-Diät, die auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländeer wie Spanien basiert, ist reich an Gemüse, Wein, Früchten, Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze bilden zusätzlich die Grundlage der Ernährung. Olivenöl spielt in der Ernährung eine ganz besondere Rolle. Denn es ist die Hauptfettquelle, im Gegensatz zu anderen Ernährungsformen, bei denen gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs überwiegen.

Warum ist Olivenöl so wichtig für die mediterrane Ernährung?

Olivenöl hat zahlreiche gesundheitliche Eigenschaften. Dank seiner Lipidzusammensetzung und seines Gehalts an Antioxidantien wirkt es sich unter anderem positiv auf die Vorbeugung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen aus und ist dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hilfreich für die Gesundheit des Darms und des Immunsystems. 

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Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vielleicht ist Euch auch schon aufgefallen, dass zahlreiche Dörfer an der Nordküste in ihrem Wappen einen Wal dargestellt haben. Die Frage ist allerdings warum? Nein, sie waren nicht ein Symbol für Größe oder Stärke (wie der Löwe z.B. in Deutschland), sondern sie waren über Jahrhunderte eines der wichtigsten Alltagsgüter!

Walfang an der Nordküste Spaniens

Nur wenige Seemeilen vor der Nordküste, von den Häfen und Stränden entfernt, bewegen sich bis heute Wale, die größten Säugetiere der Welt. Allerdings direkt vor der Küste – wie bis vor 120 Jahren – sind die Wale nicht mehr zu finden.

Nordspanische Fischer hatten als erste das riesige Potential der vor den Küsten schwimmenden Fett- und Proteinquellen erkannt und schon im 11. Jahrhundert mit dem Walfang begonnen. Vor allem die langsam schwimmenden Bartenwale wie Nordkaper, Buckelwale und Grauwale des Ostatlantiks waren leicht erreichbar. Die Jagd dieser Meeresriesen war Jahrhunderte lang eine wesentliche Grundlage für die Volkswirtschaft der spanischen Regionen entlang der Biskaya und maßgebend für die Entwicklung der Fischerorte an der Nordküste. Viele der repräsentativen Häuser in den Fischer- und Touristendörfern an der Küste sind auf den Reichtum aus dem Walfang zurückzuführen.

Von Archival Photograph by Mr. Sean Linehan -

Die bloße Erscheinung der Wale ruft heute große Begeisterung und Faszination hervor. Wir bewundern diese großen Meeressäuger und versuchen, sie zu schützen und zu erhalten. Zwischen dem 11. und dem 18. Jahrhundert allerdings waren sie ein hochgeschätztes und teures Alltagsgut.

Wenn Wale von verschiedenen Wehrtürmen gleichzeitig gesichtet wurden, setzten sich aus den entsprechenden Küstenorten die Ruderer zu gleicher Zeit in Bewegung, es entstand eine heftige Konkurrenz. Dutzende von Fischern warfen sich in ihre Txalupa-Boote und ruderten gegen die Wellen und gegen die Zeit. Denn nur wer zuerst ankam, und dessen Harpune getroffen hatte, dem gehörte die wichtige Beute. Wenn sich also verschiedene Txalupa-Boote dem Wal näherten, ruderten sie so schnell es auch nur ging. Konsequenz waren häufige Streitereien zwischen den Nachbardörfern. Denn genaue Grenzen im Meer gab es nicht.

Der relativ große Gewinn, der beim Walfang zu machen war, war für die Seeleute der Ansporn, sich zur Jagd in die Boote zu werfen. Ein Teil der Gewinne mussten den Landherren entrichtet werden und auch die katholische Kirche bekam ihren Teil ab.Abgesehen vom hohen Verdienst war der Walfang alles andere als ein Zuckerschlecken. Im Gegenteil, es bedeutete akute Lebensgefahr,

Es wurden vor allem die Franca-Wale gejagt, die Eubalaena Glacialis oder Glattwale. Diese Glattwale waren vor der gesamten „kantabrischen Küste“ heimisch. Diese „Cornisa Cantabrica“ erstreckt sich von der Grenze zu Frankreich über die baskischen Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia und die beiden Regionen Kantabrien und Asturien bis nach Galicien. Irgendwann wurden die Tiere seltener, weil zu viele erlegt wurden. Lange, wenn auch in beschränktem Umfang ging der Walfang auch an der Küste weiter, bis 1901 vor der Hafenstadt Orio in Gipuzkoa das letzte Exemplar eines heimischen Wals gefangen wurde.

Von Hines, Bob - WO-ART-81-CDHines1Derived from the following image: United States Fish & Wildlife Service, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=422334

Wale im Stadtwappen

Über die Jahrhunderte lange Tradition ist der Walfang für viele Orte der Nordküste zu einem Symbol geworden, das bis heute präsent ist. Die Bevölkerung vieler Küstenorte lebte vom Walfang und der daraus resultierenden Verarbeitung. Aus diesem Grund wurden die Walfische in einigen dieser Anliegerorte ins Stadtwappen aufgenommen, um ihre Bedeutung in den mittelalterlichen Gesellschaften zu würdigen.

In Bizkaia (mit Bilbao als Hauptstadt) haben Bermeo, Lekeitio und Ondarroa den Walfisch in ihren Wappen. In Kantabrien erscheint er im Symbol von Castro Urdiales. In Gipuzkoa (mit San Sebastian als Hauptstadt) ist der Meeressäuger in den Wappen von Hondarribia, Zarautz, Getaria und Mutriku zu finden.

Von Heralder - and [1] and Image, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32699544 Wappen von Hondarribia
Von Heralder - [1][2], CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40370168 Wappen von Zarautz

Nutzung der Tiere

 Wie kaum ein anderes Beutetier konnten Wale komplett verwertet werden, kein Teil des wertvollen Fangs blieb ohne Nutzung.

Das Walfett war eine wertvolle Beute, die in Öl umgewandelt wurde, das legendäre Saín-Fischfett. Dieses Saín war eine ideale Flüssigkeit, um Uhren zu ölen. Vor allem aber diente es dazu, die Straßenlampen in halb Europa am Leuchten zu halten. Das Besondere an jenem Öl war, dass es keinen Geruch hinterließ und keinen Rauch produzierte. „Ein Fass mit 200 Litern wurde für umgerechnet 5.000 Euro verkauft.

Das Fett wurde zudem zur Herstellung von Kosmetik und Medikamenten verwendet. Die großen Knochen kamen als Balken bei Baugerüsten zum Einsatz, außerdem wurden sie zur Herstellung von Möbeln benutzt. Die Barten aus dem Walmaul waren elastisch, deshalb wurden aus ihnen Sonnenschirme und Kämme gemacht, auch Korsette in Form von Fächerstäben. Letztere werden heute aus anderen Materialien produziert, dennoch werden sie nach wie vor „Walbein“ genannt.

Doch war aus dem Walkörper noch anderes nutzbar. Das Sperma war ein teurer Rohstoff, um Salben und Balsam herzustellen. Auch das Fleisch selbst wurde verzehrt, zwar nicht im Baskenland, hier wurde es nicht konsumiert. Zu seiner Konservierung wurde es gesalzen und exportiert, vor allem nach Frankreich. Kostbarster Teil des Walkörpers überhaupt war die Zunge. Hochgestellte Persönlichkeiten pflegten sie zu verspeisen, sie ließen sich direkt beliefern.

Von HgrobeVektorisierung: Mrmw - Eigenes Werk, basierend auf: Whale products-d hg.png:, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101193521

Ausdehnung der Fanggebiete

Nachdem die Populationen vor der eigenen Küste dezimiert war, weitete man die Jagd auf die arktische Region aus. Es kamen Nachrichten aus Kanada, aus dem Gebiet von Terranova (Neufundland). Dort sollte es Mengen von Kabeljau geben (bask: makailaoa, span: bacalao). Viele Fischer beschlossen, dorthin zu fahren, nicht zuletzt, weil sie keine andere Wahl hatten. Eher zufällig wurde entdeckt, dass es dort oben im Nordwesten auch Wale gab. Mit schnelleren Schiffen und besseren Fangmethoden wurden ab dem 19 Jh. die großen und schnellen Blau-, Finn- und Seiwale gejagt und proportional zu ihrer Größe dezimiert. In zwei Jahrhunderten wurden rund 20.000 dieser Säuger erlegt. Die Fischer zogen im Frühjahr los und kamen vor dem Winter wieder zurück. Sie fischten in Neufundland aber auch in den Meeren Richtung Island. Man muss ehrlicherweise anmerken, dass es also die Europäer waren, die zum großen Teil an der massiven Dezimierung der Wale beteiligt waren!

Heutige Situation des Walfangs und die Probleme des Klimawandels

Seit 1948 wurde der Walfang mit der Einrichtung der internationalen Walfangkommission stark eingeschränkt und 1986 auf Null gesetzt. Heute fangen drei Nationen weiter Großwale (über 10 m Länge), die sich der Kommission nicht angeschlossen haben bzw. wieder ausgetreten sind: Island und Norwegen und seit Ende 2018 auch Japan. Extra geregelt und meist gar nicht erwähnt wird dabei der Fang der kleineren Arten.

Eine Bedrohung der Walpopulation stellen heute vor allem der Klimawandel und die Meeresverschmutzung dar. Durch den Klimawandel wird es zu Veränderungen der Wassertemperatur, des Meeresspiegels, der Meereisbedeckung, des Salz- und Säuregehaltes des Meerwassers, der Niederschlagsverteilung, der Windgeschwindigkeiten und des Wellengangs kommen. Die exakten Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben der Wale sind nur schwer vorauszusagen.

Auf einige Klimaveränderungen, wie zum Beispiel den Temperaturanstieg reagieren die Meeressäuger direkt mit Veränderungen in ihrem Verbreitungsgebiet. Einige Arten verlassen ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet und weichen in andere Gebiete aus. Aber nicht alle Walarten können sich so den veränderten Bedingungen in ihrem Lebensraum entziehen.

Der Klimawandel wird aber auch indirekte Auswirkungen auf die Wale haben; wie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Umweltverschmutzungen. Auch Veränderungen in der Häufigkeit und Verteilung der Nahrungsressourcen, werden vor allem Walarten beeinträchtigen, die auf bestimmte Nahrung spezialisiert sind.

Wale sind neben dem Klimawandel jetzt schon zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt durch die Verschmutzung der Meere, chemische Abfälle und Lärm, industrielle Fischerei, Zusammenstöße mit Schiffen, militärische Aktivitäten, Veränderungen ihrer Nahrungssituation durch die Einführung fremder Arten und durch die Netze der Fischereiflotten, in denen sie oft ungewollt als Beifang verenden.

Warum sind Wale wichtig für Klima und Umwelt?

Der Schutz der Wale ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn Wale spielen eine wichtige Rolle in den marinen Ökosystemen. Ihre Ausscheidungen an der Meeresoberfläche dienen als Nährstoffe für Phytoplankton und Fische, bei ihren Tauchgängen befördern sie weitere Nährstoffe aus der Tiefe nach oben und wenn Wale sterben, ernährt ihr Körper zahlreiche Meeresbewohner. Die Wale speichern aufgrund ihrer Größe hohe Mengen Kohlenstoff. Außerdem entzieht das durch sie produzierte Phytoplankton der Atmosphäre CO2 und bindet es ebenfalls als Kohlenstoff.

Wie eine Studie hervorhebt, verbessern die riesigen Meeressäuger aufgrund ihrer langen Lebenserwartung langfristig die Stabilität der marinen Ökosysteme. Denn einige Walarten erreichen vermutlich ein Alter von etwa 100 Jahren und mehr. Allerdings schrumpfen die Bestände der großen Walarten wie Blau-, Grau- oder Buckelwal drastisch. Dies hat wahrscheinlich schon jetzt die Struktur der Ozeane verändert. Die Hoffnung besteht darin, dass weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet die unverzichtbaren Vorteile der Wale hervorheben und so auch den Walschutz und das Ansteigen der Walpopulationen fördern.

Von Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

Blauwale in Galicien heute

Wie der Guardian berichtet, werden in Galicien jedoch seit 2017 wieder jährlich einzelne Blauwale gesichtet. Wissenschaft ist sich uneinig, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.

Der Meeresbiologe Bruno Díaz vermutet, die Wale könnten zurückgekehrt sein, da sie sich immer noch an die Heimat ihrer Vorfahren erinnern. Neueren Erkenntnissen zufolge sind für Migrationsbewegungen von Walen offenbar weniger Umweltfaktoren als Erinnerungen ausschlaggebend. Der Meeresbiologe Alfredo López nimmt dagegen an, dass der Klimawandel die Wale nordwärts treibt. Das wäre ein schlechtes Zeichen, da es zeigen würde, dass die Erwärmung der Meere den Lebensraum der Blauwale zunehmend einschränkt.

Blauwale sind wieder in Galicien, da sie in spanischen Gewässern viel Krill finden.

Von Juli bis Ende Oktober ernähren sich die Blauwale vor der galicischen Küste von Plankton. Davon gibt es sehr viel in der Gegend der Rías Baixas. Rías Baixas (galizisch: Untere Rías, spanisch Rías Bajas) ist die Sammelbezeichnung für vier schmale, tief ins Land reichende Meeresbuchten im Südwesten von Galizien, die aus überfluteten Flusstälern hervorgegangen sind. Das Gebiet reicht vom Cap Finistere bis zur portugiesischen Grenze. Das aus den Tiefen des Atlantiks aufsteigende Wasser ist sehr kalt, was das Planktonwachstum fördert.

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Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Als ich über die Bäume Galicien erzählen wollte, hatte ich eigentlich nur positive Bilder und Erinnerungen im Kopf. Doch als ich tiefer in Materie eingestiegen bin, wurde mir klar, dass es auch einige zumindest problematische Entwicklungen gab und gibt. Eine davon auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte, ist die Problematik der Eukalyptusplantagen.

Was ist Eukalyptus?

Eukalypten gehören zu den Myrtengewächsen und zählen über 800 verschiedene Arten. Eukalyptusbäume sind schnellwüchsige immergrüne Laubbäume und können bis zu sechzig Meter hoch werden. 

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolorEucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Eukalyptus in Galicien

 Die zu Recht auf ihre grüne Vegetation stolze nordwestspanische Region Galicien verzeichnet allerdings einen hohen Zuwachs an Eukalyptusbäume. Es ist das Ergebnis einer politisch gewollten Aufforstung. Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel, weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben. Der Baumbestand des Eukalyptus in Galicien hat sich seit den 1990er Jahren fast verdoppelt. Leider habe ich keinen aktuellen Zahlen bezüglich der Größe der Anbauflächen gefunden.

Ursprünglich kommt der Eukalyptusbaum aus Australien. Der Missionar Missionar Fray Rosendo Salvado schickte Mitte des 19. Jahrhunderts einige Samen aus Australien an seine Familie. Die lebten ausgerechnet in Galicien, im charmanten Tuy. Von dort breitete sich die Pflanze über viele Regionen der Iberischen Halbinsel aus (z.B. in Asturien und in der Extremadura). 

Eukalyptusbäume auf der iberischen Halbinsel wachsen förmlich in den Himmel. Schon nach kürzester Zeit entwickeln sie mächtige Baumstämme, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Auf den Wanderungen sind sie für uns Pilger besonders schön, da sie nach ätherischen Ölen duften und sich ihre silbrig glänzenden, blaugrünen Blätter schön im Wind bewegen. Bei jedem Schritt knacken die Samenkapseln unter den Füßen und verströmen Eukalyptus-Aroma. Also vermeintlich ein reines Vergnügen!?

https://www.monumentaltrees.com/de/fotos-eucalyptusglobulus/esp/

Pro und Contra des Anbaus von Eukalytusbäumen

Der Nutzen des Eukalyptus ist nicht unumstritten. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat der Eukalyptusbaum einen negativen Einfluss auf die Biodiversität der Bodenpflanzen. Außerdem entzieht er anderen Bäumen das Wasser. Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab. Zudem brennt er aufgrund  seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Ölen, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Und das ist ja gerade nicht angebracht ist, da Galicien eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens ist. Und nicht immer scheinen die Brände reine Naturereignisse zu sein!  Das Problem mit den Eukalyptus ist, dass erstens die brennenden Blätter hunderte Meter weit fliegen und immer neue Brände entfachen. Zweitens „explodiert“ ein brennender Eukalyptus-Baum quasi und schleudere seine Samen weithin in Umkreis von sich. Zu dem Überleben das Temperaturinferno nur wenige Samen, vor allem die Eukalyptussamen als wahre Überlebenskünstler, aber leider kaum die Samen der ursprünglichen Vegetation.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das man zunächst gar nicht negativ bemerkt. Die Eukalyptuswälder sind still. Falls jemand darin tatsächlich einen einzelnen Vogel sieht oder hört, hat der sich verirrt und noch nicht bemerkt, dass es für ihn darin nichts zu futtern gibt, weder Sämereien noch Insekten, die auch für Kleintiere zur Nahrung taugen würden. Das einzige Tier, das sich von Eukalyptus ernährt, ist der Koala! Für andere Tiere ist er z.T. sogar giftig.

Es gab zahlreiche Proteste von Bauern, da zum einen der Grundwasserspiegel im Umfeld der Eukalyptuswälder deutlich sinkt. Ihr Hauptargument aber sind die schweren Bodenerosionen als Folge des Anbaus. Nicht zu Unrecht: Bevor die Setzlinge gepflanzt werden, muss der Boden samt Gräsern und Büschen tief umgepflügt, dann jahrelang der Witterung ausgesetzt werden, bis die Jungpflanzen endlich treiben. Regenfälle schwemmen in dieser Zeit bis zu 25 Tonnen Humus pro Hektar weg – ein kaum zu ersetzender Verlust bei nur 20 Zentimeter Boden. Nach zehn Jahren werden die Bäume mit Traktoren aus dem Boden gerissen – ein beispielloser Kahlschlag. Oft werden Laub und Äste in die Flüsse gespült, so die Gegner, und das Wasser wird durch das Eukalyptusöl verschmutzt.

Auf der anderen Seite bietet der Eukalyptus durch sein schnelles Wachstum und seine Widerstandsfähigkeit gegen Kornkäfer in kürzester Zeit viel Rohstoff für die unzähligen Papier- und vor allem Zellulosefabriken. Denn trotz seines schnellen Wachstums verfügt der Eukalyptus über eine hervorragende Holzqualität. Nach 7 bis 8 Jahren kann der Baum geschlagen werden und wächst dann genauso schnell wieder nach. Und die Nachfrage ist groß, auch wenn durch die Digitalisierung und Recycling an manchen Stellen schon am Naturprodukt gespart wurde. Aber wenn wir jetzt vom Plastik wegwollen und mehr auf Papier und Pappe setzen, dann wird vermutlich der Hunger danach doch steigen! Die Eukalyptusplantagen weiten sich weiter aus. Es ist eine wichtige Industrie geworden. Denn sie bietet den Menschen in der landschaftlich schönen, aber wirtschaftlich schwachen Berg-Region abseits der von Touristen massenhaft bevölkerten Küste ein Einkommen. Außerdem wird argumentiert, dass durch den hohen Wasserbedarf der Bäume die Gefahr von Überschwemmungen in den Bergregionen gebannt wird, was ja in Galicien eine gewisse Bedeutung hat.

Leider ist das ökologische System sehr komplex und einfache Maßnahmen (z.B. mehr Eukalyptusplantagen = Aufforstung brachliegender Flächen = mehr Rohstoff für Zellulose = hoher ökonomischer Ertrag) führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit!  Ökonomie vor Ökologie wie so oft?

Insgesamt ist der Anbau von Eukalyptusbäumen in Spanien ein kontrovers diskutiertes Thema. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion und die Maßnahmen in Zukunft entwickeln werden.

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Und was hat das mit Deutschland zu tun?

Ich würde das gerne an einem Beispiel aufzeigen. Ich habe einen interessanten Artikel des Umweltbundesamtes gefunden, auf den ich mich im Folgenden beziehe. Es geht in dem Artikel darum, die Vorteile von Recyclingpapier darzustellen, aber er enthält aber auch wichtige Informationen über den Eukalyptusanbau. Das Thema Recyclingpapier ist nur ein Aspekt, an dem kurz dargestellt werden soll, wie auch unser Verhalten Auswirkungen auf die Entwicklung der Waldressourcen hat, aber auch was jeder Einzelne tun kann.

In dem Artikel wird dargestellt, dass Deutschland Europas größter Papierproduzent ist und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 75 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der Umwelt belastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert!

Herkunft des Holzes

„Es wird Holz aus der ganzen Welt importiert. Größte Zellstofflieferländer für die deutsche Papierindustrie sind derzeit Brasilien (1 Mio. t Eukalyptus-Kurzfaser), Finnland (0,5 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Schweden (0,45 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Portugal (2,5 Mio. t überwiegend Eukalyptus-Kurzfaser !!), Spanien( 0,27 Mio.t überwiegend Eukalyptus Kurzfaser) und Uruguay (80,23 Mio t. Eukalyptus Kurzfaser). Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland (4,9 Mio. t), wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen.“

„Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Auf diesen werden schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus angepflanzt, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Auch die aktualisierte Ökobilanz kommt bei der Betrachtung der Holzherkünfte zu dem Schluss, dass, die Verwendung von Eukalyptusholz zu einem potenziell höheren Biodiversitätsverlust als die Verwendung von Laub- und Nadelholz aus Mittel- oder Nordeuropa führt. Insbesondere führt die Gewinnung von europäischem Eukalyptusholz zu einem höheren Biodiversitätsverlustpotential als die Verwendung von Eukalyptusholz aus Südamerika. In Südamerika besteht ein realistisches Risiko, dass der Primärwald für brasilianische Holzplantagen umgewandelt wird.“

Bedeutung des recycelten Papiers

 2020 wurden 79,3 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier laut Aussage der Papierindustrie einen Anteil von 79 Prozent aus. Wie sieht nun die Bewertung zwischen Recycling und Frischfaserverwendung aus.

„Betrachtet wird der gesamte Produktionsprozess inklusive Vorketten: die Holzentnahme aus dem Wald, die Zellstoffproduktion und die Frischfaserpapierproduktion inklusive aller Transporte; sowie die Altpapiersammlung und -sortierung, das Altpapierrecycling und die Recyclingpapierproduktion inklusive aller Transporte.

Bei allen untersuchten Indikatoren schneidet Recyclingpapier besser ab als Frischfaserpapier. In der gesamten Produktion spart es durchschnittlich:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO2-Emissionen

Neben den quantifizierbaren Umweltwirkungen berücksichtigt die Ökobilanz erstmals auch qualitative Aspekte wie ⁠Biodiversität, ⁠Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Denn der Druck auf die Wälder in Europa und weltweit nimmt zu.“

„Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Regionen mit Landnutzungsänderungen und Urwaldzerstörung enthält.“ 

Und was können wir Konsumenten tun?

Der Rückgriff auf recyceltem Papier wäre hier schon ein wichtiger Schritt, den jeder von uns tun kann. Denn im Segment der in Deutschland verbrauchten Büropapiere und auch der Hygienepapiere sind noch erhebliche Steigerungspotentiale für den Altpapiereinsatz vorhanden. Der Recyclingpapieranteil der in Deutschland verbrauchten Büropapiere liegt bei gerade einmal 18 Prozent! Während in nahezu allen anderen Papierprodukten der Einsatz an Recyclingfasern steigt, sinkt er bei den Hygieneprodukten Jahr für Jahr! 2000 lag er bei ungefähr 75 %, 2022 bei ca. 43 %.Es liegt also auch an jedem einzelnen von uns, hier eine Veränderung zu bewirken. Es sind ja oft nicht die großen, sondern die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind und da ist jeder Einzelne gefragt! Die Zertifizierung mit dem Blauen Engel gibt eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der Produkte. Als Orientierung: das Umweltsiegel „Blauer Engel“ (100 % Altpapier bei Hygienepapier) hat bei Privathaushalten in früheren Jahren deutlich geringere Marktanteile (im Diagramm/Trend bis 2020 bei knapp über 10 % Marktanteil). Das zeigt, dass reines Recycling-Toilettenpapier (mit diesem starken Label) nur einen  sehr kleinen Teil des Marktes ausmacht.

Ein Marktcheck von Greenpeace (September 2025) hat für Östererich ergeben: etwa 40 % des Toilettenpapiers in österreichischen Supermärkten & Drogerien stammen aus Recyclingpapier. Greenpeace (Österreich+2OTS.at+2)
Allerdings geben nur rund 8 % der Produkte diese Information tatsächlich auf ihrer Verpackung an! (Greenpeace Österreich+1)
Was sagt uns das? Das bedeutet doch, dass wir Konsumenten anscheinend nicht zu recyceltem Papier greifen – was immer auch die Vorurteile sein mögen, die dahinter stehen, so dass die Firmen aus Marketingaspekten sogar darauf verzichten, ihr doch positives Handeln darzustellen. Was für eine verkehrte Welt!

Auch Holzprodukte aus Eukalyptus wie Parkett, hochwertige Möbel, Sportgeräte könnte man vermeiden, ebenso wie Gartenmöbel, die weder nachhaltig sind noch wetter- und sonnenbeständig.(

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Bäume in Galicien – Espana Verde

Bäume in Galicien – Espana Verde

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Auf den letzten Kilometern des Jakobsweges in Richtung Compostela dominiert in der Landschaft die Farbe Grün. Und das egal, auf welchen Weg man sich dem Wallfahrtsort nähert – Camino frances, Camino Primitivo, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Portugues.

Galicien ist bekannt für die grünen Farbnuancen seiner Landschaften, die insbesondere auf die herrlichen dichten Wälder zurückzuführen sind. Galiciens Waldfläche umfasst ca. 2 Mio Hektar und beherbergt mehr als 1.620 Milliarden Bäume. Nicht umsonst wird es auch „Espana Verde“ genannt. In der Vegetation Galiciens finden sich typische Arten der gemäßigten Regionen und des Mittelmeerraumes, aber als Wald schlechthin gilt der atlantische Wald, der aus Laubbäumen besteht, wobei Eichen überwiegen. An den Flussufern gibt es reichlich Eschen, Erlen und Weidenbäume. An bestimmten Stellen finden wir Unmengen an Eiben, Birken, Lorbeer, Buchen, Stechpalmen, Korkeichen…

Obwohl Wälder immer noch eine wichtige Rolle spielen, nehmen Kiefern- und Eukalyptusplantagen heute einen großen Teil des Territoriums ein. Die Verbindung zwischen natürlichen Wäldern und menschlichen Pflanzungen war schon immer eng, und es gibt viele Arten, die historisch mit der traditionellen Lebensweise der Dörfer verbunden sind, um ihr Holz zu nutzen, ihre Früchte zu essen (Menschen und Vieh) und ihren Schatten zu genießen. Allerdings weisen die Eukalyptusplantagen einige gravierende Probleme auf, auf die unten noch genauer eingegangen wird.

Eiche und Kastanie sind die beiden Baumarten, die am besten die zentrale Rolle der Bäume in der galicischen Gesellschaft repräsentieren. Außerdem haben sie eine starke symbolische Bedeutung, die auch bei Zypressen, Eiben und anderen zu finden ist.

Von Tschubby - Eigenes Werk, Topographischer Hintergrund: NASA Shuttle Radar Topography Mission (public domain). SRTM3 v.2., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745684

Eiche (carballo)

Auf Galicisch als carballo bekannt, hat die Stieleiche das Leben der Bewohner Galiciens über Jahrhunderte begleitet. Sie kann mehrere hundert Jahre alt werden und eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen. Sie ist fast im ganzen Gebiet verbreitet, obwohl sie im Südosten durch die Eiche (Quercus pyrenaica, auf Galizisch cerquiño oder rebolo) und im Hochland durch die Traubeneiche (Quercus petraea, auf Galizisch carballo albar) ersetzt wird.

Hunderte von Dörfern in Galicien beziehen sich in ihrem Namen auf den carballo. Als Metapher für Stärke besitzt sie eine wichtige Symbolkraft. Vor allem aber war sie in der ländlichen Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Baum lieferte nicht nur Holz, seine Frucht (die Eichel) diente auch als Schweinefutter und unter seinen Ästen fanden Vieh und Bauern einen guten Platz im Schatten.

Die carballeiras standen ursprünglich im Zentrum des dörflichen Lebens und waren Schauplatz von Wallfahrten und Viehmärkten. In Santiago de Compostela gibt es zwei bemerkenswerte Exemplare: Santa Susana und San Lourenzo de Trasouto.

Entlang der Straßen können wir viele andere finden: die Carballeiras von Francos und Caldas de Reis auf dem Portugiesischen Weg, die von Santa Irene auf dem Französischen Weg, die von A Barcia und Trasfontao auf der Via de la Plata oder die von A Casa do Gado auf dem Camino del Norte.

 

Kastanie  (Castiñeiro)

Castiñeiro ist der galicische Name für den Kastanienbaum. Man ging davon aus, dass sie von den Römern in diese Gebiete gebracht wurde, aber die neuesten Forschungen legen nahe, dass sie sich schon vor mehr als 20.000 Jahren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ausbreitete. Auf jeden Fall förderten die Römer den Anbau und sorgten für die Verbreitung im gesamten Gebiet. Es ist bekannt, dass die römischen Legionäre den Befehl hatten, Baumfrüchte wie Kastanien und Eicheln auf den Bergen der eroberten Länder zu verteilen, falls in zukünftigen Feldzügen zusätzliche Nahrung für ihre Armeen benötigt wurden.

Es gibt wilde Exemplare in den Wäldern, aber die großflächigen Kastanienbaumgruppen sind Plantagen, die sich meist am Rande der Dörfer befinden, um die Vorteile ihrer Frucht, der Kastanie, zu nutzen. Seit Jahrhunderten spielt sie eine wichtige Rolle in der Ernährung. Die Kastanie wird deshalb oft auch als „Brotbaum“ bezeichnet. Es überrascht nicht, dass die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa kam, in Galicien castaña da terra genannt wurde.

Die Kastanie ist immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung und wird naturbelassen, getrocknet, als Mehl, Sahne oder kandiert (bekannt als “marron glacé”) vermarktet. Baum und Frucht spielen die Hauptrolle in Sprichwörtern, Legenden und Festen, wie dem magosto, bei dem sich im Herbst die Nachbarn aller Dörfer und Ortsteile versammeln, um geröstete Kastanien zu essen.

Auch für die Qualität seines Holzes, das traditionell im Bauwesen verwendet wird, wird dieser Baum sehr geschätzt. Die Kastanie ist einer der am längsten lebenden Bäume Europas. In Galicien gibt es Exemplare, die über 500 Jahre alt sein können. Der größte ist der Pumbariños, in der Gemeinde Manzaneda, mit über 12 Metern Stammumfang. Ganz in der Nähe der Vía de la Plata finden wir in Baños de Molgas den außergewöhnlichen Kastanienbaum von Santa Eufemia mit einem Stammumfang von 10 Metern.

Die Pilger können mit ihren Händen die raue Haut der prächtigen Exemplare berühren, die auf dem Camino wachsen und denen der Lauf der Zeit das Aussehen ehrwürdiger Ältester verliehen hat. Dies ist der Fall bei den Kastanienbäumen von Soutomerille auf dem Camino Primitivo oder dem Kastanienbaum von Ramil (Triacastela) auf dem Französischen Weg, voller Hohlräume und dicker Äste, die den Baum zu umarmen scheinen. Wenn man an diesen mächtigen Bäumen vorbei wandert, wünscht man sich, er könnte einem etwas aus seinem langen Leben erzählen.

In Baamonde (Gemeinde Begonte) steht ein Kastanienbaum mit einer einzigartigen Geschichte: Vor 50 Jahren schloss sich der örtliche Bildhauer Víctor Corral in seinem Stamm ein, um die Fällung des Baumes zur Verbreiterung einer Straße zu verhindern. Er schuf einen kleinen Schrein für die Virgen del Rosario, woraus er den Namen “Castiñeiro da Capela” ableitete. Der Künstler hat weitere Schnitzereien hinzugefügt, wodurch dieser Baum zu einer Referenz auf dem Camino del Norte wurde.

Von tree-species - Flickr [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6502036

Korkeiche (Sobreira)

Die Korkeiche, auf Galizisch sobreira, ist ebenfalls ein Baum, der aufgrund seines Nutzens in der Gesellschaft verwurzelt ist. Aus seiner Rinde wird der Kork gewonnen, der heutzutage zur Herstellung von Weinflaschenverschlüssen und als Isoliermaterial verwendet wird, und früher auch zum Bau von Bienenstöcken, den sogenannten cortizos. (s. Kapitel Korkeiche)

Obwohl sie in anderen Regionen der Iberischen Halbinsel häufiger vorkommt, kann man in der südlichen Hälfte Galiciens kleine Wälder finden, wie z.B. in O Faro (Oia), in der Nähe des Portugiesischen Weges  entlang der Küste, und solche, die an den Ufern der Flüsse Ulla und Arnego stehen.
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Interessant ist, dass es in Galicien große vereinzelte Exemplare gibt. Mehrere von ihnen befinden sich in der Nähe der Vía de la Plata, in einem Gebiet, in dem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Weinkorkenfabrik gab. Möglicherweise haben monumentale Exemplare wie die Korkeiche von Siador jahrelang ihre Rinde zu dieser Industrie beigetragen. Mit einem Baumwipfel von mehr als 23 m Durchmesser wurde der Baum schätzungsweise mehr als 100 Mal entkorkt.

 

 

Buche  (faia)

Dank ihrer robusten Größe, ihrer vertikalen Ausrichtung auf bis zu 40 Meter Höhe und der Schönheit der wechselnden Farben ihrer Blätter im Laufe der Jahreszeiten, ist es leicht, sich in die Buche zu verlieben. Auf Galicisch heißt sie faia, und ist ein seltener Baum, der sich auf die Berge von Os Ancares und O Courel beschränkt.

Auf dem Französischen Weg, zwischen O Cebreiro und Alto do Poio, liegt der Faial de Liñares. Es handelt sich um einen der wenigen galicischen Buchenwälder und den einzigen, der von einem Pilgerweg durchquert wird.

Von Alpsdake - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11832595

Esche  (freixo)

Im Galicischen ist dieser Baum als freixo bekannt, der an den Ufern von Flüssen vorkommt, wo er zusammen mit Weiden (salgueiros), Erlen (amieiros) und anderen Bäumen und Sträuchern einen wesentlichen Bestandteil des Auwaldes ausmacht. Im Norden Galiciens gibt es den gewöhnlichen (Fraxinus excelsior) und im Süden den schmalblättrigen Baum (Fraxinus angustifolia).

In den ländlichen Gegenden Galiciens wurde sein hartes Holz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie von Musikinstrumenten verwendet. In Porta, in Sobrado (Camino del Norte) gibt es vier außergewöhnliche Eschen. Die größte von ihnen ist 31 Meter hoch.

 

https://www.monumentaltrees.com/de/esp-fraxinusexcelsior/

Eibe (teixo))

Der typische Wald Galiciens besteht hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gibt auch einige einheimische immergrüne Arten. Keine ist so legendär wie die Eibe (auf Galicisch teixo). Sie wurde an der Tür von Häusern als Symbol des Lebens und in Kirchen und auf Friedhöfen als Symbol des Todes gepflanzt. (s. Kapitel über Eiben)

Alle Teile der Eibe sind giftig, außer der Samenhülle. Römische Historiker weisen darauf hin, dass im Jahr 22 v. Chr. eine Schlacht zwischen den Bewohnern des Nordwestens der Iberischen Halbinsel und den römischen Legionen auf dem Berg Medulio stattfand, wobei der Ort unpräzise ist. Die letzten galicischen Krieger sollen mit einem aus der Eibe gewonnenen Gift Selbstmord begangen haben.

In den Ausläufern der Pena Trevinca, dem höchsten Punkt Galiciens, versteckt sich das Teixedal de Casaio, einer der herausragendsten Eibenwälder Europas. Und in der Nähe der Jakobswege gibt es hundertjährige Exemplare, wie zum Beispiel das in A Fontaneira (in Baleira, am Camino Primitivo), mit einem geschätzten Alter von 500 Jahren oder die beiden Eiben an der Kirche „Iglesia de San Martin“ in Salas  (camino primitivo) mit einem geschätzten Alter von 300 bzw. 500 Jahren (s. Kapitel Das Kloster San Salvador in Canellana und das hübsche Städtchen Salas).

Von Elfo del bosque - Foto propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2570165

Stechpalme  (Ilex aquifolium)

Dieser immergrüne Strauch, flach, starr und glänzend, ist im Galicischen als acivro bekannt. In vielen europäischen Kulturen wird er mit verschiedenen Winterriten in Verbindung gebracht, was zu seiner Assoziation mit Weihnachten geführt hat. Sie wachsen inmitten von Wäldern und carballeiras überall in Galicien und sind in den östlichen Bergen häufiger anzutreffen, wo sie kleine Wälder wie Cabana Vella, in Os Ancares, bilden können.

Ihre Blätter haben an den Rändern Dornen, diese verschwinden aber meist an den höheren Stellen, die von den pflanzenfressenden Tieren nicht erreicht werden. Normalerweise erreicht sie eine Höhe von 2 bis 5 Metern, obwohl wir im Pazo von Casanova, in O Pino, in der Nähe des Französischen Weges, auf ein 16 Meter hohes Exemplar treffen.

 

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9360

Der Eukalyptusbaum

Eigentlich wollte ich hier nur kurz auf den Eukalyptusbaum und seine wachsende Bedeutung  in Galicien eingehen, obwohl der Eukalyptus nicht zu den einheimischen Bäumen zählt. Aber bei meinen Recherchen kamen so viele Informationen und Probleme zusammen, so dass ich entschloss, die Problematik der Eukalyptusplantagen in einem eigenen Kapitel darzustellen

Das Image vom „immergrünen Paradies“

Wenn man sich an den herrlichen Wäldern Galiciens erfreut, denkt man vielleicht, Nordspanien war und ist ein immergrünes Paradies. Aber die Vergangenheit erzählt uns eine andere Geschichte. Man vergisst manchmal, dass seit dem Mittelalter der größte Teil der Bergflächen und Küstenregionen baumlos war. Schon die iberischen Könige des Mittelalters nutzten die Wälder rücksichtslos für die Erbauung ihrer Armada, mit der sie die Welt zu erobern gedachten. Für den Schiffsbau wurde aus dem ganzen Land das beste Holz an die Küste transportiert. Die Küstengebirge sind damals schon bald fast alle kahl. Zwar versuchte man zwischenzeitlich den Raubbau am Wald einzudämmen, aber im 18. Jahrhundert wurde zur Staatsfinanzierung fast der gesamte verbliebene staatliche Waldbesitz an Privatbesitzer verkauft. Das erwies sich als großer Fehler. Denn die Privatbesitzer konnten nun ungehindert abholzen, um am Verkauf des Holzes zu verdienen.

So kam es bis ins 20. Jh. zu massiven Eingriffen in die Natur, den man auch jetzt noch erkennen kann. Heute sind in Galicien viele Berggegenden immer noch nur von einer dürren Macchia aus Erika, Ginster und anderen Heidesträuchern begrünt trotz zahlreicher Maßnahmen zur Wiederanpflanzung von vielen Nadel- und Laubbäumen. Denn im 20. Jahrhundert werden in Spanien Forstämter eingerichtet und Gesetze zum Schutz des Waldes erlassen. Denn man hatte festgestellt, dass etwa die Hälfte der Fläche Spaniens stark von Erosion betroffen ist. Ist der Boden abgespült, sind Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Folge. Einen wirksamen Schutz gegen die Erosionsgefahr kann nur eine dichte Pflanzendecke bieten, am besten durch Wälder. Die teilweise Aufforstung mit schnellwachsenden Bäumen ua. Pappeln, Kiefern und Eukalyptus, die auch ökonomisch besser verwertbar sind, stößt dabei auf ein sehr geteiltes Echo. Die Befürworter argumentieren, dass, hätte man an vielen dieser brachliegenden Landschaften nicht Eukalyptus oder Kiefern angebaut, würden sie noch immer brachliegen mit der Gefahr von Bodenerosion. Einige der Gegenargumente findet ihr im Kapitel „Die Problematik der Eukalyptusplangen“.

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Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

Camino Primitivo, Camino del Norte

Oviedo oder asturisch Uviéu ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Fürstentum Asturien. Die Bewohner werden Ovetenser genannt. Oviedo ist meist der Ausgangspunkt für den Camino Primitivo. Die Stadt liegt sehr verkehrsgünstig, da sie gut per Flugzeug über den Flughafen Oviedo erreichbar ist. Außerdem verfügt Oviedo über einen Bahnhof der Breitspur der RENFE von Leon nach Gijon. Zudem gibt es zahlreiche Busverbindungen entlang der Küste.

Von Vicenmiranda - Imported from 500px (archived version) by the Archive Team. (detail page), CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71441868

Geschichte

 Gründung und Entwicklung im Mittelalter

Oviedo wurde 761 unweit der alten Römersiedlung Lucus Asturum von zwei Mönchen auf einem Hügel namens Oveto gegründet, wo sie eine Kirche zu Ehren des hl. Vinzenz erbauten. Im gleichen Jahrhundert war Asturien zum einzigen Hort des Widerstands gegen die maurische Invasion der Iberischen Halbinsel (711) geworden, was nach der Schlacht von Cavadonga (722) zur Gründung des Königreichs Asturien durch Pelayo führte, der von den Asturen zum Anführer gewählt worden war (718) (s. dazu auch das Kapitel „Die Reconquista in Spanien“).

Alfons II.war von 791 bis zu seinem Tod 842 König von Asturien. Wegen seines mönchischen Lebensstils erhielt er den Beinamen „Der Keuche“ (El Casto). Nachdem vorher Cangas de Onís und Pavia davor die Hauptstadt Asturiens waren, machte er Oviedo zu seiner Residenz und somit zur ersten christlichen Hauptstadt auf der Iberischen Halbinsel. Der Ort lag ideal mitten in dem nach Westen gewachsenen Reich.

Alfons befestigte die junge Hauptstadt und leitete eine bemerkenswerte Bautätigkeit zur Vergrößerung und Verschönerung des Hofes ein. Außerdem beauftragte er den Bau einige Infrastruktureinrichtungen u.a. eines Aquädukts, von dem heute noch drei Bögen zu sehen sind. Diese Arbeit wurde später von seinen Nachfahren fortgeführt und schenkte der Stadt mehrere religiöse und zivile Bauten der asturianischen Präromanik (s. das Kapitel Austurische vorromanische Architektur).

Während seiner Regierungszeit wurde 812 in Santiago de Compostela ein Grab entdeckt, das man Jakobus dem Älteren zuschrieb. Der König selbst wanderte als Pilger von Oviedo nach Santiago und begründete somit den Ruhm Santiago de Compostela als Wallfahrtsort. So wurde Oviedo somit der Ausgangsort des ursprünglichen Pilgerweges. Dieser Jakobsweg war zwar später eher ein „Nebenweg“, sorgte aber für eine wirtschaftliche Belebung der Stadt während des gesamten Mittelalters.

Kirche San Isodore del Real Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963050

Zweimal in seiner Geschichte wurde Oviedo schwer zerstört: im Jahr 1521 durch eine Brandkatastrophe sowie 1934 bei Bergarbeiteraufständen und während des Spanischen Bürgerkrieges.

Bergbauernaufstände 1934

Nach den Parlamentswahlen von 1933 hatten die rechten Parteien an Gewicht gewonnen und wurden 1934 in die Regierung mit aufgenommen. Der Führer der Rechtsaußenpartei CEDA bekannte sich offen zu den Ideen Hitlers und Musolinis. Mit dem Argument (bzw. Vorwand), dem aufkommenden Faschismus Einhalt zu gebieten, riefen im Oktober 1934 die an der Einheitsfront (span.: Alianza Obrera) beteiligten sozialistischen Organisationen zu einem landesweiten revolutionären Generalstreik auf. Der Generalstreik scheiterte in fast allen Provinzen in kürzester Zeit. Allein in Asturien war der Streik zunächst erfolgreich. Der Aufstand begann am 4. Oktober. Am 5.Oktober zogen die bewaffneten Bergbauern nach Oviedo. So wurde die Stadt zum Mittelpunkt des Aufstandes. Die sprengten am 11. Oktober die Cámara Santa. Die Cámara Santa (Heilige Kammer) gehört zu einem Gebäudekomplex, der die Kathedrale San Savador umgibt. Monatelange Kämpfe, Belagerungen und Beschießung zeichneten das Bild der Stadt. Der Aufstand wurde von dem damals noch republiktreue Franco mit Härte und Brutalität durchgeführt unterstützt durch die spanische Fremdenlegion aus Marokko. Für ihn war der Aufstand von Agenten Moskaus vorbereitet worden. Hugh Thomas, einem britischen Historiker, zufolge starben etwa 2.000 Menschen während des Aufstands: 230–260 Soldaten, 33 Priester, 1.500 Bergleute fielen im Kampf und 200 starben während der folgenden Repression. Spanienweit wurden etwa 30.000 Menschen inhaftiert. Die Grausamkeiten, die während und nach dem Aufstand stattfanden, warfen einen Schatten der Brutalität voraus, die zwei Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg zum Vorschein kam.

Spanischer Bürgerkrieg

Die Belagerung von Oviedo fand vom 19. Juli 1936 bis 16. Oktober 1936 statt. Die Stadtgarnison unter dem Befehl von Oberst Antonia Aranda Mata erhob sich gegen die Zweite Spanische Republik und hielt der Belagerung der Regierungstruppen bis zum Eintreffen der nationalistischen Truppen stand. Durch einen geschickten Schachzug hatte General Aranda die republikanische Regierung davon überzeugt, dass er loyal zur Regierung stünde. Das überzeugte die Regierung, am 17. Juni 1936, 4.000 Minenarbeiter aus Oviedo abzuziehen, um sie im aufkommenden Konflikt in anderen Teilen Asturiens und Spaniens einzusetzen. So konnte Aranda, nachdem sich Truppen der Falange, Guardia Civil und Guardia de Asalto ihm anschlossen, die Kontrolle über die Stadt übernehmen.

Die Belagerer bestanden aus Miliztruppen der Fuente Popular (Volksfront) und verbündeten Anarchisten.

Bis zum 3. September kam es zu wenig Kämpfen. Am 4. September kam die Stadt jedoch unter schweres Artilleriefeuer sowie ein Bombardement von 1.500 Fliegerbomben, so dass die Gas-, Strom- und Telefonversorgung unterbrochen wurden. Vier Tage später versuchten die Angreifer mit Hilfe einer gepanzerten Dampfwalze, einen Außenposten der Verteidiger einzunehmen. Die Verteidiger setzten auf Sandsäcke gehobene Artilleriegeschütze als Fliegerabwehrgeschütze ein und wehrten in einem 12-stündigen Gefecht den Angriff ab. Der schwere Artilleriebeschuss tötete viele Zivilisten und viele starben auf Grund des Wassermangels und der dadurch entstehenden sanitären Missstände. Im Laufe des Septembers brach in der Stadt Typhus aus. Der Beschuss hatte jedoch den gegenteiligen Effekt, so dass sich etliche Einwohner den Verteidigern anschlossen.

Am 4. Oktober begann die Volksfront mit einem Generalangriff auf die Stadt. Aranda blieben noch 500 Männer und er zog sich mit diesen ins Stadtzentrum zurück, um einen letzten Kampf zu liefern. Die Milizen der Volksfront hatten bis dahin ca. 5.000 Männer verloren und auch ihnen ging die Munition aus. Das weitere Vordringen in der Stadt gestaltete sich immer schwieriger, da jedes Haus bis aufs letzte verteidigt wurde. Am 16. Oktober trafen die nationalistischen Truppen aus Galicien ein. Die Milizen der Volksfront sahen sich gezwungen, die Belagerung aufzugeben und sich auf ihre Positionen, die sie zu Beginn der Belagerung hatten, zurückzuziehen. Im Jahr 1937 war dann der krieg im Norden Spaniens mit dem Sieg Francos beendet.

 

Kathedrale San Salvador Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963047
Kreuzgang Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963049

Diese beiden Kriege führten natürlich zu einer verheerenden Zerstörung von Oviedo. Die Restaurierung und der Wiederaufbau der erhaltenen Baudenkmäler, darunter einer der großen Stadterweiterungszonen der späten Gründerzeit, des Jugendstils und der Art-Deco-Periode wurden mit neo-historischen Bauten der Franco-Zeit und funktionalistischen wie postmodernen Gebäuden der Zeit nach 1975 zu einem sehenswerten Ganzen vereint.

Sehenswürdigkeiten

Der gesamte Altstadtkern Oviedos ist Fußgängerzone, die wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Universität, die Kathedrale San Salvador, den Palast des Markgrafen von San Félix und den Camposagrado-Palast, aber auch zahlreiche Statuen an historischen Standorten oder die unzähligen „sidrerías“ (Apfelweinschenken) einschließt. Die Innenstadt besteht aus einem einzigartigen Guss stilvoller Fassaden, die zwar aus mehreren Jahrhunderten stammen, sich aber immer ins große Ganze einfügen. Die Wohnhäuser strahlen eine bürgerliche Noblesse aus, die ihnen vor allem die verglasten Veranden aus Schmiedeeisen oder gedrechseltem Holz verleihen. 

  • Campo de San Francisco  Er bildet mit seiner mehr als 1qkm großen Fläche die Klammer zwischen Alt- und Neustadt.
  • Teatro Compoamor ein spätgründerzeitlicher Bau
  • Universität mit ihrem Portal im Platereskenstil (1534-1608)
  • Palacios de Campoosagrado (1719-52) und Valdecarzana (17. Jh.) mit manieristischen-barockem Dekor
  • Kathedrale San Salvador spätgotischer Bau aus dem 15./16. Jahrhundert mit einem 80 Meter hohen gotischenTurm, Säulengang am Eingang und großem Rosettenfenster, 
  • Camara Santa(Heilige Kammer) in der Kathedrale (eigentlich Kapelle San Miguel) – beherbergt eine der wichtigsten spanischen Reliquiensammlungen. Gezeigt werden die Heilige Truhe, das Engelskreuz sowie das Siegeskreuz. Diese Reliquien waren früher für viele Pilger Grund für einen langen Umweg auf ihrer Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. 
  • Barockkirche San Isodor 16. Jh.
  • Kloster San Pelayo mächtiger Barockbau
  • Museo de Bellas Artes im spätgotischen Palacio de Velarde (1776) untergebracht. Die Sammlung erstreckt sich über drei Gebäude. Die verschiedenen Abteilungen zeigen Tausende klassischer und zeitgenössischer Werke, teilweise sogar von Größen wie Dalí und Picasso.
  • Museum für Archäologie im Kloster San Vicente mit Beispielen für die gesamte asturische Kunstgeschichte ab der Bronzezeit

Daneben ist nochmals auf die präromanischen asturischen Kirchen am Rand von Oviedo hingewiesen (vgl. dazu das Kapitel „Asturische präromanische Architektur“). Die beiden Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo (s. Bild unten) im grünen Naranco-Tal bei Oviedo sind absolut sehenswert und liegen am Camino Primitivo. Ein weiteres Bauwerk der Zeit ist San Julián de los Prados, das in nur 15 Minuten zu Fuß vom Altstadtzentrum aus erreicht werden kann. Die Vielzahl an Gebäuden und Schätzen der präromanischen Zeit ist dadurch zu erklären, dass Oviedo zu Zeiten des asturischen Königreichs dessen wichtigste Hauptstadt war.

Von Rodelar - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7251498

 

Oviedo – die Hauptstadt des Sidra

Oviedo ist nicht nur für seine Kirchen und historischen Gebäude bekannt – es ist auch Spaniens Apfelwein-Hauptstadt. Hier wird Apfelwein Sidra genannt und wird am besten in einem der Lokale in den Seitenstraßen der Altstadt probiert. Vor allem die Calle Gascona, Calle Carpio und Calle Llaviada haben einige traditionell asturische Siderías in petto. Das Einschenken gleicht einer Show: Kunstvoll wird der Sidra aus einer bestimmten Höhe in das Glas geschüttet, damit die gewünschte Schaumkrone entsteht.

De ECR - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=898586
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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens

Camino Primitivo, Camino del Norte, Via Tolosana, Via de la Plata

Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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