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Der Pombalinik – eine bemerkenswerte städtebauliche und architektonische Planungsleistung

Der Pombalinik - eine bemerkenswerte städtebaulichen und architektonischen Planungsleistung

vor allem in Lissabon

Ausgangspunkt

Am 1. November 1755 wurde die Unterstadt Lissabons, eine Stadt mittelalterlichen Charakters, durch ein heftiges Erdbeben, gefolgt von einem Tsunami und verheerenden Bränden, schwer zerstört. Nach dem Erdbeben waren 85 Prozent der Hauptstadt mit seinen manuelinischen Bauten zerstört und der König fortan klaustrophobisch. Während er dem Marquês de Pombal, ab 1756 Erster Minister Portugals, den Wiederaufbau der Innenstadt im Schachbrettmuster befahl, wohnte er zeitlebens in einer Zeltstadt vor der Stadtgrenze Lissabons. Im Gegensatz zu den 30.000 bis 100.000 Todesopfern hatte er überlebt. Aus der Katastrophe ging eine der bemerkenswertesten städtebaulichen Unternehmungen des modernen Europas hervor — und ein Stil, der den Namen des Ministers trägt, der sie leitete, Sebastião José de Carvalho e Melo, des Marquis von Pombal.

Por Barao78, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1475249

Konzeption

Wiederaufbauen, nicht restaurieren – diese politische Entscheidung war radikal:
Statt die mittelalterliche Stadt in ihrem Gassengeflecht wiederaufzubauen, schleifte man, was von der Unterstadt (Baixa) übrig war, und entwarf einen völlig neuen Plan. Unter der Leitung von Manuel da Maia und der Militäringenieure Eugénio dos Santos und Carlos Mardel wurde ein orthogonales Netz aus breiten Straßen und regelmäßigen Häuserblocks entworfen, das zwei Plätze verband — den Rossio und den wiederaufgebauten Terreiro do Paço (Praça do Comércio). Das weitläufige Areal zeichnet sich durch einen stimmigen Stil aus und ist von immensem kulturellem Wert. Die Baixa Pombalina ist vielleicht das erste europäische Beispiel einer Stadt, die im Maßstab des Stadtviertels als integriertes System geplant wurde — Struktur, Fassade, Straße und Platz gemeinsam ersonnen.

Hauptplatz Por Deensel - Lisbon main square, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62192653

Was ist der Pombalino-Plan?

Der Pombalino-Plan von Lissabon ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Bauleistung, geprägt vom Gedankengut der Aufklärung. Aber Pombalino“ ist mehr als nur ein Baustil: Es bezeichnet ein ganzes System aus Stadtplanung, Gebäudetypologie, Normierung, Konstruktion und staatlicher Regulierung.
Mit der Umsetzung des wegweisenden Plans, der Einheitlichkeit, Ordnung, Zurückhaltung und Standardisierung förderte, wurde das Zentrum Lissabons nach einem rationalen und innovativen Modell umgestaltet. Trotz ihres rationalen und regelmäßigen Grundrisses bewahrt und integriert das Viertel bestehende Merkmale in baulicher Hinsicht, etwa durch seine Hauptplätze, die Wiederherstellung der Straßen aus dem 16. Jahrhundert und die Einbindung architektonischer Elemente von besonderem baulichem oder künstlerischem Wert, wie insbesondere beim Bau neuer Kirchen.
Der bemerkenswert zurückhaltende neoklassizistische Stil war teils den begrenzten Mitteln und der Dringlichkeit des Bauvorhabens geschuldet, teils aber auch dem von Pombal vertretenen Aufklärungsgedanken architektonischer Rationalität. Sowohl innen als auch außen wurde ein standardisiertes Dekorationssystem angewendet, wobei Azulejo- Fliesen nur sparsam eingesetzt wurden.

Typische Gebäude im Baixa Lissabon By xiquinhosilva from Cacau - 33852-Lisbon, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81357679

Typisch Merkmale des Pombalino-Stils sind:

• ein regelmäßiges, geometrisches Straßennetz– besonders in der Baixa von Lissabon
• schlichte, klassizistische Fassaden
• Gebäude mit meist 3–4 Geschossen und einheitlicher Gestaltung.
Im Erdgeschoss häufig Arkaden, die Platz für Geschäfte boten und darüber Wohnungen mit Balkonen im ersten und obersten Stockwerk
• Das Fertigbausystem war völlig neu. Das Gebäude wurde vollständig außerhalb der Stadt gefertigt, in Einzelteilen    transportiert und dann vor Ort montiert.
• erdbebensichere Holztragkonstruktion, den sogenannten Pombalinischen Käfig („Gaiola Pombalina“). Ziel war es, die seismische Energie durch das geringere Gewicht und die Elastizität des Holzes, die Flexibilität der Verbindungen zwischen den Elementen und sogar durch die Reduzierung des Gewichts der massiven Bauteile zu verteilen. So konnte die vollständige Zerstörung der Gebäude im Falle eines Erdbebens verhindert und ein intakter Innenraum geschaffen werden, der den Bewohnern als Zufluchtsort dienen konnte.
Der Pombalinische Käfig erwies sich in vergleichenden Studien als das fortschrittlichste Erdbebenschutzsystem des 18. Jahrhunderts, spielte eine bedeutende Rolle in der Ingenieurgeschichte und gilt als einer der Ausgangspunkte des Erdbebeningenieurwesens in Europa.
• Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Bränden, etwa größere Abstände und bestimmte Bauweisen, in dem z.B. die Gebäude durch Mauern voneinander abgetrennt sind
• Pfahlgründungen und der Bau neuer Uferbefestigungen entlang des Flusses
• Abwasseranlagen und Maßnahmen zur öffentlichen Hygiene

Die Pombalinik blieb nicht in Lissabon, sondern beeinflusste den Wiederaufbau von Kleinstädten im ganzen Königreich, insbesondere von Vila Real de Santo António. Außerdem beeinflusste diese neugestaltete Stadtstruktur den Bau vieler neuer Städte in Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika.

Terreiro do Paço Por Berthold Werner - Obra do próprio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81847399
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Camino Portugues Geographisches Geographisches

Der Camino Portugués und seine Varianten

Der Camino Portugués und seine Varianten

von Porto nach Santiago de Compostela

Sehr häufig spricht man vom portugiesischen Weg, dem Caminho Portugués. Aber DEN portugiesischen Weg gibt es eigentlich nicht.
Zum einen ist es so, dass der sogenannte portugiesische Weg im ersten Abschnitt mit ca. 130 km durch den Norden Portugals führt, der zweite Teil mit ca. 116 km aber bereits durch Galicien in Spanien verläuft (Route Central). Zum anderen gibt es sowohl im portugiesischen als auch im spanischen Teil verschiedene Routenvarianten, zwischen denen man sich entscheiden muss.

Der Camino Portugués hat also mehrere Varianten. Die wichtigsten unterscheiden sich vor allem durch die Landschaft, die Länge und die kulturellen Sehenswürdigkeiten. Auf der Karte sind verschiedenen Varianten aufgezeichnet.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Varianten. Wie aus der Karte ersichtlich ist, gibt es weitere Varianten und auch an verschiedenen Orten die Möglichkeit von einer Variante zur anderen zu wechseln. Auf diese Möglichkeiten gehe ich hier nicht ein, sie ermöglichen aber eine sehr individuelle, den eigenen Bedürfnissen angepasste Routenwahl.

Route

Typischer Start

Charakter & wichtigste Sehenswürdigkeiten

 Central

Von Lissabon

Ca. 855

Von Porto 240 km

Die klassische Variante. Von Lissabon über Santarém, Tomar, Coimbra, Porto, Barcelos, Ponte de Lima, Valença, Redondela, Pontevedra und Padron nach Santiago. Alternativ nur ab Porto –

die (noch) meist gegangene Route

Highlights: Kloster von Tomar (Templer), Coimbra, historische Altstadt von Porto, Barcelos, die Römerbrücke von Ponte de Lima, die Festung von Valença, Pontevedra.

Caminho da Costa / Küstenweg

Porto

Ca.270 km

Deutlich mehr Atlantik, wird immer stärker nachgefragt: Porto – Vila do Conde – Póvoa de Varzim – Esposende – Viana do Castelo – Caminha – Valença -Tui (Spanien) – Redondela – Pontevedra – Santiago.

Besonders schön sind die Küstenlandschaften, Strände, Viana do Castelo, die Mündung des Minho und später Pontevedra sowie die zahlreichen Klöster auf diesem Weg.

Eine zusätzliche Variante verläuft unmittelbar an der Küste entlang – Senda da Orla Litoral-  der Küstenpfad.  Der Küstenpfad ersetzt nicht den Küstenweg, sondern er ist eine alternative Route noch näher am Meer.

Küstenweg

über A Guarda

Porto

Ca.285 km

Alternative Küstenroute: Nach Caminha mit der Fähre über den Minho nach Spanien, dann A Guarda – Oia – Baiona – Vigo – Redondela.

Sehr reizvoll Variante wegen der galicischen Atlantikküste und des Klosters von Oia sowie Baiona,

Spiritueller Küstenweg

über

Pontevedra nach Padron

Porto

Ca.318 km

Ca.257 km

Küstenweg von Pontevedra an der Küste entlang Poio über nach Padron

Weniger frequentiert, landschaftlich sehr schön mit Bootsfahrt

318 km Porto – A Guarda – Pontevedra – Poio – Armenteira – Vilanova de Arousa – Padron -Sanitago 

257 km Porto – Barcelos – Ponte de Lima – Redondela – Poio -Armenteira – Vilanova de Arousa – Padron

Sehr beeindruckend: die Fahrt mit dem Pilgerboot über die Ría de Arousa und den Río Ulla (der Traslatio) und das Kloster in Armenteira sowie die Mischung aus Klöstern, Weinbergen, Flusstälern und Küste.

Via de Braga / Geira e Arrieiros

Porto über Braga

Ca. 270 km

Weniger frequentierte, historisch interessante Variante über Braga, teilweise alte römische Wege und Brücken, Agrar- und Waldgebiete, zahlreiche Kapellen und ländliche Zentren.

Mehr Natur und ursprünglicher Charakter; dafür anspruchsvoller und weniger „klassisch“ als Central/Costa, weniger Herbergen

Lissabon–Porto (Central)

Lissabon

Ca. 615 km

Wenn du viel Portugal erleben möchtest: Lissabon – Santarém – Tomar – Coimbra – Porto. Ab Porto über Central oder Costa weiter nach Santiago

Besonders interessant sind Lissabons Altstadt, Santarém, Tomars Burg und Kloster ,(Fatima) und Coimbra, Universitätsstadt.

www.caminador.es

 

Mögliche Etappen der beiden Hauptwege von Porto aus ohne Varianten

 Die traditionellen Variante – der Camino Portugues Central Etappen:

Diese traditionelle Route ist reich an kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten und bietet eine beeindruckende Mischung aus städtischem Flair und ländlicher Idylle.

Etappen Nr.

Start

Ziel

Kilometer

1

Porto

Matosinhos

10 km

2

Matosinhos

Vila do Conde

24 km

3

Vila do Conde

Barcelos

25 km

4

Barcelos

Ponte de Lima

34 km

5

Ponte de Lima

Rubiães

18 km

6

Rubiães

Tui

19 km

7

Tui

Porriño

16 km

8

Porriño

Redondela

16 km

9

Redondela

Pontevedra

20 km

10

Pontevedra

Caldas de Reis

21 km

11

Caldas de Reis

Padrón

18 km

12

Padrón

Santiago de Compostela

25 km

Der Küstenweg – der Camino Portugues de la Costa Etappen:

Der Küstenweg ist besonders beliebt bei denjenigen, die die Nähe zum Meer, nette Fischerdörfer und Spiritualität mit kulturellen Erlebnissen und atemberaubenden Landschaften schätzen.

Etappen Nr.

Start

Ziel

Kilometer

1

Porto

Matosinhos

10,5 km

2

Matosinhos

Vila do Conde

24 km

3

Vila do Conde

Esposende

23,8 km

4

Esposende

Viana do Castelo

22,3 km

5

Viana do Castelo

Vila Praia de Ancora

19,4 km

6

Vila Praia de Ancora

Caminha

14,4 km

7

Caminha

Guarda

11,5 km

8

Guarda

Mougas

17,9 km

9

Mougas

Ramallosa

20,9 km

10

Ramallosa

Vigo

19,7 km

11

Vigo

Redondela

15,5 km

12

Redondela

Pontevedra

18 km

13

Pontevedra

Caldas de Reis

23 km

14

Caldas de Reis

Padrón

19 km

15

Padrón

Santiago de Compostela

25 km

https://www.pilgrim.es/de/portugiesischer-weg/

Der Portugiesische Binnen- oder Inlandsweg

Der Portugiesische Binnenweg nach Santiago ist die Jakobsroute, die das nördliche Landesinnere Portugals durchquert und Viseu mit der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galicien verbindet. Er hebt sich von den Küstenrouten dadurch ab, dass er durch das Hochland der Beira Alta und von Trás-os-Montes ansteigt und das Dourotal überquert, auf einer gebirgigeren und weniger begangenen Strecke.
Streckenverlauf und Etappen
Die Route geht von Viseu aus und erstreckt sich über acht portugiesische Gemeinden bis sie die Grenze bei Vilarelho da Raia erreicht. Auf portugiesischer Seite legt der Weg etwa 205 bis 214 Kilometer zurück. Er ist üblicherweise auf neun Etappen verteilt sind und verbindet Viseu, Mões, Magueija, São Gonçalo de Lobrigos, Vila Real, Zimão, Oura und Chaves vor der Grenze. Nach der Grenzüberquerung führt die Route über Verín nach Galicien und geht hier auf der Vía de la Plata rund 180 Kilometer weiter bis Compostela. Insgesamt beläuft sich die Strecke zwischen Viseu und Santiago auf etwa 385 bis 390 Kilometer und durchquert Gebirgslandschaften, die Weinberge des Douro und alte Wege römischen Ursprungs.

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Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Als ich über die Bäume Galicien erzählen wollte, hatte ich eigentlich nur positive Bilder und Erinnerungen im Kopf. Doch als ich tiefer in Materie eingestiegen bin, wurde mir klar, dass es auch einige zumindest problematische Entwicklungen gab und gibt. Eine davon auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte, ist die Problematik der Eukalyptusplantagen.

Was ist Eukalyptus?

Eukalypten gehören zu den Myrtengewächsen und zählen über 800 verschiedene Arten. Eukalyptusbäume sind schnellwüchsige immergrüne Laubbäume und können bis zu sechzig Meter hoch werden. 

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolor, Eucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Eukalyptus in Galicien

 Die zu Recht auf ihre grüne Vegetation stolze nordwestspanische Region Galicien verzeichnet allerdings einen hohen Zuwachs an Eukalyptusbäume. Es ist das Ergebnis einer politisch gewollten Aufforstung. Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel, weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben. Der Baumbestand des Eukalyptus in Galicien hat sich seit den 1990er Jahren fast verdoppelt. Leider habe ich keinen aktuellen Zahlen bezüglich der Größe der Anbauflächen gefunden.

Ursprünglich kommt der Eukalyptusbaum aus Australien. Der Missionar Missionar Fray Rosendo Salvado schickte Mitte des 19. Jahrhunderts einige Samen aus Australien an seine Familie. Die lebten ausgerechnet in Galicien, im charmanten Tuy. Von dort breitete sich die Pflanze über viele Regionen der Iberischen Halbinsel aus (z.B. in Asturien und in der Extremadura). 

Eukalyptusbäume auf der iberischen Halbinsel wachsen förmlich in den Himmel. Schon nach kürzester Zeit entwickeln sie mächtige Baumstämme, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Auf den Wanderungen sind sie für uns Pilger besonders schön, da sie nach ätherischen Ölen duften und sich ihre silbrig glänzenden, blaugrünen Blätter schön im Wind bewegen. Bei jedem Schritt knacken die Samenkapseln unter den Füßen und verströmen Eukalyptus-Aroma. Also vermeintlich ein reines Vergnügen!?

https://www.monumentaltrees.com/de/fotos-eucalyptusglobulus/esp/

Pro und Contra des Anbaus von Eukalytusbäumen

Der Nutzen des Eukalyptus ist nicht unumstritten. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat der Eukalyptusbaum einen negativen Einfluss auf die Biodiversität der Bodenpflanzen. Außerdem entzieht er anderen Bäumen das Wasser. Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab. Zudem brennt er aufgrund  seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Ölen, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Und das ist ja gerade nicht angebracht ist, da Galicien eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens ist. Und nicht immer scheinen die Brände reine Naturereignisse zu sein!  Das Problem mit den Eukalyptus ist, dass erstens die brennenden Blätter hunderte Meter weit fliegen und immer neue Brände entfachen. Zweitens „explodiert“ ein brennender Eukalyptus-Baum quasi und schleudere seine Samen weithin in Umkreis von sich. Zu dem Überleben das Temperaturinferno nur wenige Samen, vor allem die Eukalyptussamen als wahre Überlebenskünstler, aber leider kaum die Samen der ursprünglichen Vegetation.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das man zunächst gar nicht negativ bemerkt. Die Eukalyptuswälder sind still. Falls jemand darin tatsächlich einen einzelnen Vogel sieht oder hört, hat der sich verirrt und noch nicht bemerkt, dass es für ihn darin nichts zu futtern gibt, weder Sämereien noch Insekten, die auch für Kleintiere zur Nahrung taugen würden. Das einzige Tier, das sich von Eukalyptus ernährt, ist der Koala! Für andere Tiere ist er z.T. sogar giftig.

Es gab zahlreiche Proteste von Bauern, da zum einen der Grundwasserspiegel im Umfeld der Eukalyptuswälder deutlich sinkt. Ihr Hauptargument aber sind die schweren Bodenerosionen als Folge des Anbaus. Nicht zu Unrecht: Bevor die Setzlinge gepflanzt werden, muss der Boden samt Gräsern und Büschen tief umgepflügt, dann jahrelang der Witterung ausgesetzt werden, bis die Jungpflanzen endlich treiben. Regenfälle schwemmen in dieser Zeit bis zu 25 Tonnen Humus pro Hektar weg – ein kaum zu ersetzender Verlust bei nur 20 Zentimeter Boden. Nach zehn Jahren werden die Bäume mit Traktoren aus dem Boden gerissen – ein beispielloser Kahlschlag. Oft werden Laub und Äste in die Flüsse gespült, so die Gegner, und das Wasser wird durch das Eukalyptusöl verschmutzt.

Auf der anderen Seite bietet der Eukalyptus durch sein schnelles Wachstum und seine Widerstandsfähigkeit gegen Kornkäfer in kürzester Zeit viel Rohstoff für die unzähligen Papier- und vor allem Zellulosefabriken. Denn trotz seines schnellen Wachstums verfügt der Eukalyptus über eine hervorragende Holzqualität. Nach 7 bis 8 Jahren kann der Baum geschlagen werden und wächst dann genauso schnell wieder nach. Und die Nachfrage ist groß, auch wenn durch die Digitalisierung und Recycling an manchen Stellen schon am Naturprodukt gespart wurde. Aber wenn wir jetzt vom Plastik wegwollen und mehr auf Papier und Pappe setzen, dann wird vermutlich der Hunger danach doch steigen! Die Eukalyptusplantagen weiten sich weiter aus. Es ist eine wichtige Industrie geworden. Denn sie bietet den Menschen in der landschaftlich schönen, aber wirtschaftlich schwachen Berg-Region abseits der von Touristen massenhaft bevölkerten Küste ein Einkommen. Außerdem wird argumentiert, dass durch den hohen Wasserbedarf der Bäume die Gefahr von Überschwemmungen in den Bergregionen gebannt wird, was ja in Galicien eine gewisse Bedeutung hat.

Leider ist das ökologische System sehr komplex und einfache Maßnahmen (z.B. mehr Eukalyptusplantagen = Aufforstung brachliegender Flächen = mehr Rohstoff für Zellulose = hoher ökonomischer Ertrag) führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit!  Ökonomie vor Ökologie wie so oft?

Insgesamt ist der Anbau von Eukalyptusbäumen in Spanien ein kontrovers diskutiertes Thema. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion und die Maßnahmen in Zukunft entwickeln werden.

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Und was hat das mit Deutschland zu tun?

Ich würde das gerne an einem Beispiel aufzeigen. Ich habe einen interessanten Artikel des Umweltbundesamtes gefunden, auf den ich mich im Folgenden beziehe. Es geht in dem Artikel darum, die Vorteile von Recyclingpapier darzustellen, aber er enthält aber auch wichtige Informationen über den Eukalyptusanbau. Das Thema Recyclingpapier ist nur ein Aspekt, an dem kurz dargestellt werden soll, wie auch unser Verhalten Auswirkungen auf die Entwicklung der Waldressourcen hat, aber auch was jeder Einzelne tun kann.

In dem Artikel wird dargestellt, dass Deutschland Europas größter Papierproduzent ist und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 75 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der Umwelt belastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert!

Herkunft des Holzes

„Es wird Holz aus der ganzen Welt importiert. Größte Zellstofflieferländer für die deutsche Papierindustrie sind derzeit Brasilien (1 Mio. t Eukalyptus-Kurzfaser), Finnland (0,5 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Schweden (0,45 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Portugal (2,5 Mio. t überwiegend Eukalyptus-Kurzfaser !!), Spanien( 0,27 Mio.t überwiegend Eukalyptus Kurzfaser) und Uruguay (80,23 Mio t. Eukalyptus Kurzfaser). Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland (4,9 Mio. t), wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen.“

„Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Auf diesen werden schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus angepflanzt, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Auch die aktualisierte Ökobilanz kommt bei der Betrachtung der Holzherkünfte zu dem Schluss, dass, die Verwendung von Eukalyptusholz zu einem potenziell höheren Biodiversitätsverlust als die Verwendung von Laub- und Nadelholz aus Mittel- oder Nordeuropa führt. Insbesondere führt die Gewinnung von europäischem Eukalyptusholz zu einem höheren Biodiversitätsverlustpotential als die Verwendung von Eukalyptusholz aus Südamerika. In Südamerika besteht ein realistisches Risiko, dass der Primärwald für brasilianische Holzplantagen umgewandelt wird.“

Bedeutung des recycelten Papiers

 2020 wurden 79,3 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier laut Aussage der Papierindustrie einen Anteil von 79 Prozent aus. Wie sieht nun die Bewertung zwischen Recycling und Frischfaserverwendung aus.

„Betrachtet wird der gesamte Produktionsprozess inklusive Vorketten: die Holzentnahme aus dem Wald, die Zellstoffproduktion und die Frischfaserpapierproduktion inklusive aller Transporte; sowie die Altpapiersammlung und -sortierung, das Altpapierrecycling und die Recyclingpapierproduktion inklusive aller Transporte.

Bei allen untersuchten Indikatoren schneidet Recyclingpapier besser ab als Frischfaserpapier. In der gesamten Produktion spart es durchschnittlich:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO2-Emissionen

Neben den quantifizierbaren Umweltwirkungen berücksichtigt die Ökobilanz erstmals auch qualitative Aspekte wie ⁠Biodiversität, ⁠Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Denn der Druck auf die Wälder in Europa und weltweit nimmt zu.“

„Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Regionen mit Landnutzungsänderungen und Urwaldzerstörung enthält.“ 

Und was können wir Konsumenten tun?

Der Rückgriff auf recyceltem Papier wäre hier schon ein wichtiger Schritt, den jeder von uns tun kann. Denn im Segment der in Deutschland verbrauchten Büropapiere und auch der Hygienepapiere sind noch erhebliche Steigerungspotentiale für den Altpapiereinsatz vorhanden. Der Recyclingpapieranteil der in Deutschland verbrauchten Büropapiere liegt bei gerade einmal 18 Prozent! Während in nahezu allen anderen Papierprodukten der Einsatz an Recyclingfasern steigt, sinkt er bei den Hygieneprodukten Jahr für Jahr! 2000 lag er bei ungefähr 75 %, 2022 bei ca. 43 %.Es liegt also auch an jedem einzelnen von uns, hier eine Veränderung zu bewirken. Es sind ja oft nicht die großen, sondern die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind und da ist jeder Einzelne gefragt! Die Zertifizierung mit dem Blauen Engel gibt eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der Produkte. Als Orientierung: das Umweltsiegel „Blauer Engel“ (100 % Altpapier bei Hygienepapier) hat bei Privathaushalten in früheren Jahren deutlich geringere Marktanteile (im Diagramm/Trend bis 2020 bei knapp über 10 % Marktanteil). Das zeigt, dass reines Recycling-Toilettenpapier (mit diesem starken Label) nur einen  sehr kleinen Teil des Marktes ausmacht.

Ein Marktcheck von Greenpeace (September 2025) hat für Östererich ergeben: etwa 40 % des Toilettenpapiers in österreichischen Supermärkten & Drogerien stammen aus Recyclingpapier. Greenpeace (Österreich+2OTS.at+2)
Allerdings geben nur rund 8 % der Produkte diese Information tatsächlich auf ihrer Verpackung an! (Greenpeace Österreich+1)
Was sagt uns das? Das bedeutet doch, dass wir Konsumenten anscheinend nicht zu recyceltem Papier greifen – was immer auch die Vorurteile sein mögen, die dahinter stehen, so dass die Firmen aus Marketingaspekten sogar darauf verzichten, ihr doch positives Handeln darzustellen. Was für eine verkehrte Welt!

Auch Holzprodukte aus Eukalyptus wie Parkett, hochwertige Möbel, Sportgeräte könnte man vermeiden, ebenso wie Gartenmöbel, die weder nachhaltig sind noch wetter- und sonnenbeständig.(

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Bäume in Galicien – Espana Verde

Bäume in Galicien – Espana Verde

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Auf den letzten Kilometern des Jakobsweges in Richtung Compostela dominiert in der Landschaft die Farbe Grün. Und das egal, auf welchen Weg man sich dem Wallfahrtsort nähert – Camino frances, Camino Primitivo, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Portugues.

Galicien ist bekannt für die grünen Farbnuancen seiner Landschaften, die insbesondere auf die herrlichen dichten Wälder zurückzuführen sind. Galiciens Waldfläche umfasst ca. 2 Mio Hektar und beherbergt mehr als 1.620 Milliarden Bäume. Nicht umsonst wird es auch „Espana Verde“ genannt. In der Vegetation Galiciens finden sich typische Arten der gemäßigten Regionen und des Mittelmeerraumes, aber als Wald schlechthin gilt der atlantische Wald, der aus Laubbäumen besteht, wobei Eichen überwiegen. An den Flussufern gibt es reichlich Eschen, Erlen und Weidenbäume. An bestimmten Stellen finden wir Unmengen an Eiben, Birken, Lorbeer, Buchen, Stechpalmen, Korkeichen…

Obwohl Wälder immer noch eine wichtige Rolle spielen, nehmen Kiefern- und Eukalyptusplantagen heute einen großen Teil des Territoriums ein. Die Verbindung zwischen natürlichen Wäldern und menschlichen Pflanzungen war schon immer eng, und es gibt viele Arten, die historisch mit der traditionellen Lebensweise der Dörfer verbunden sind, um ihr Holz zu nutzen, ihre Früchte zu essen (Menschen und Vieh) und ihren Schatten zu genießen. Allerdings weisen die Eukalyptusplantagen einige gravierende Probleme auf, auf die unten noch genauer eingegangen wird.

Eiche und Kastanie sind die beiden Baumarten, die am besten die zentrale Rolle der Bäume in der galicischen Gesellschaft repräsentieren. Außerdem haben sie eine starke symbolische Bedeutung, die auch bei Zypressen, Eiben und anderen zu finden ist.

Von Tschubby - Eigenes Werk, Topographischer Hintergrund: NASA Shuttle Radar Topography Mission (public domain). SRTM3 v.2., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745684

Eiche (carballo)

Auf Galicisch als carballo bekannt, hat die Stieleiche das Leben der Bewohner Galiciens über Jahrhunderte begleitet. Sie kann mehrere hundert Jahre alt werden und eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen. Sie ist fast im ganzen Gebiet verbreitet, obwohl sie im Südosten durch die Eiche (Quercus pyrenaica, auf Galizisch cerquiño oder rebolo) und im Hochland durch die Traubeneiche (Quercus petraea, auf Galizisch carballo albar) ersetzt wird.

Hunderte von Dörfern in Galicien beziehen sich in ihrem Namen auf den carballo. Als Metapher für Stärke besitzt sie eine wichtige Symbolkraft. Vor allem aber war sie in der ländlichen Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Baum lieferte nicht nur Holz, seine Frucht (die Eichel) diente auch als Schweinefutter und unter seinen Ästen fanden Vieh und Bauern einen guten Platz im Schatten.

Die carballeiras standen ursprünglich im Zentrum des dörflichen Lebens und waren Schauplatz von Wallfahrten und Viehmärkten. In Santiago de Compostela gibt es zwei bemerkenswerte Exemplare: Santa Susana und San Lourenzo de Trasouto.

Entlang der Straßen können wir viele andere finden: die Carballeiras von Francos und Caldas de Reis auf dem Portugiesischen Weg, die von Santa Irene auf dem Französischen Weg, die von A Barcia und Trasfontao auf der Via de la Plata oder die von A Casa do Gado auf dem Camino del Norte.

 

Kastanie  (Castiñeiro)

Castiñeiro ist der galicische Name für den Kastanienbaum. Man ging davon aus, dass sie von den Römern in diese Gebiete gebracht wurde, aber die neuesten Forschungen legen nahe, dass sie sich schon vor mehr als 20.000 Jahren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ausbreitete. Auf jeden Fall förderten die Römer den Anbau und sorgten für die Verbreitung im gesamten Gebiet. Es ist bekannt, dass die römischen Legionäre den Befehl hatten, Baumfrüchte wie Kastanien und Eicheln auf den Bergen der eroberten Länder zu verteilen, falls in zukünftigen Feldzügen zusätzliche Nahrung für ihre Armeen benötigt wurden.

Es gibt wilde Exemplare in den Wäldern, aber die großflächigen Kastanienbaumgruppen sind Plantagen, die sich meist am Rande der Dörfer befinden, um die Vorteile ihrer Frucht, der Kastanie, zu nutzen. Seit Jahrhunderten spielt sie eine wichtige Rolle in der Ernährung. Die Kastanie wird deshalb oft auch als „Brotbaum“ bezeichnet. Es überrascht nicht, dass die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa kam, in Galicien castaña da terra genannt wurde.

Die Kastanie ist immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung und wird naturbelassen, getrocknet, als Mehl, Sahne oder kandiert (bekannt als “marron glacé”) vermarktet. Baum und Frucht spielen die Hauptrolle in Sprichwörtern, Legenden und Festen, wie dem magosto, bei dem sich im Herbst die Nachbarn aller Dörfer und Ortsteile versammeln, um geröstete Kastanien zu essen.

Auch für die Qualität seines Holzes, das traditionell im Bauwesen verwendet wird, wird dieser Baum sehr geschätzt. Die Kastanie ist einer der am längsten lebenden Bäume Europas. In Galicien gibt es Exemplare, die über 500 Jahre alt sein können. Der größte ist der Pumbariños, in der Gemeinde Manzaneda, mit über 12 Metern Stammumfang. Ganz in der Nähe der Vía de la Plata finden wir in Baños de Molgas den außergewöhnlichen Kastanienbaum von Santa Eufemia mit einem Stammumfang von 10 Metern.

Die Pilger können mit ihren Händen die raue Haut der prächtigen Exemplare berühren, die auf dem Camino wachsen und denen der Lauf der Zeit das Aussehen ehrwürdiger Ältester verliehen hat. Dies ist der Fall bei den Kastanienbäumen von Soutomerille auf dem Camino Primitivo oder dem Kastanienbaum von Ramil (Triacastela) auf dem Französischen Weg, voller Hohlräume und dicker Äste, die den Baum zu umarmen scheinen. Wenn man an diesen mächtigen Bäumen vorbei wandert, wünscht man sich, er könnte einem etwas aus seinem langen Leben erzählen.

In Baamonde (Gemeinde Begonte) steht ein Kastanienbaum mit einer einzigartigen Geschichte: Vor 50 Jahren schloss sich der örtliche Bildhauer Víctor Corral in seinem Stamm ein, um die Fällung des Baumes zur Verbreiterung einer Straße zu verhindern. Er schuf einen kleinen Schrein für die Virgen del Rosario, woraus er den Namen “Castiñeiro da Capela” ableitete. Der Künstler hat weitere Schnitzereien hinzugefügt, wodurch dieser Baum zu einer Referenz auf dem Camino del Norte wurde.

Von tree-species - Flickr [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6502036

Korkeiche (Sobreira)

Die Korkeiche, auf Galizisch sobreira, ist ebenfalls ein Baum, der aufgrund seines Nutzens in der Gesellschaft verwurzelt ist. Aus seiner Rinde wird der Kork gewonnen, der heutzutage zur Herstellung von Weinflaschenverschlüssen und als Isoliermaterial verwendet wird, und früher auch zum Bau von Bienenstöcken, den sogenannten cortizos. (s. Kapitel Korkeiche)

Obwohl sie in anderen Regionen der Iberischen Halbinsel häufiger vorkommt, kann man in der südlichen Hälfte Galiciens kleine Wälder finden, wie z.B. in O Faro (Oia), in der Nähe des Portugiesischen Weges  entlang der Küste, und solche, die an den Ufern der Flüsse Ulla und Arnego stehen.
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Interessant ist, dass es in Galicien große vereinzelte Exemplare gibt. Mehrere von ihnen befinden sich in der Nähe der Vía de la Plata, in einem Gebiet, in dem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Weinkorkenfabrik gab. Möglicherweise haben monumentale Exemplare wie die Korkeiche von Siador jahrelang ihre Rinde zu dieser Industrie beigetragen. Mit einem Baumwipfel von mehr als 23 m Durchmesser wurde der Baum schätzungsweise mehr als 100 Mal entkorkt.

 

 

Buche  (faia)

Dank ihrer robusten Größe, ihrer vertikalen Ausrichtung auf bis zu 40 Meter Höhe und der Schönheit der wechselnden Farben ihrer Blätter im Laufe der Jahreszeiten, ist es leicht, sich in die Buche zu verlieben. Auf Galicisch heißt sie faia, und ist ein seltener Baum, der sich auf die Berge von Os Ancares und O Courel beschränkt.

Auf dem Französischen Weg, zwischen O Cebreiro und Alto do Poio, liegt der Faial de Liñares. Es handelt sich um einen der wenigen galicischen Buchenwälder und den einzigen, der von einem Pilgerweg durchquert wird.

Von Alpsdake - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11832595

Esche  (freixo)

Im Galicischen ist dieser Baum als freixo bekannt, der an den Ufern von Flüssen vorkommt, wo er zusammen mit Weiden (salgueiros), Erlen (amieiros) und anderen Bäumen und Sträuchern einen wesentlichen Bestandteil des Auwaldes ausmacht. Im Norden Galiciens gibt es den gewöhnlichen (Fraxinus excelsior) und im Süden den schmalblättrigen Baum (Fraxinus angustifolia).

In den ländlichen Gegenden Galiciens wurde sein hartes Holz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie von Musikinstrumenten verwendet. In Porta, in Sobrado (Camino del Norte) gibt es vier außergewöhnliche Eschen. Die größte von ihnen ist 31 Meter hoch.

 

https://www.monumentaltrees.com/de/esp-fraxinusexcelsior/

Eibe (teixo))

Der typische Wald Galiciens besteht hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gibt auch einige einheimische immergrüne Arten. Keine ist so legendär wie die Eibe (auf Galicisch teixo). Sie wurde an der Tür von Häusern als Symbol des Lebens und in Kirchen und auf Friedhöfen als Symbol des Todes gepflanzt. (s. Kapitel über Eiben)

Alle Teile der Eibe sind giftig, außer der Samenhülle. Römische Historiker weisen darauf hin, dass im Jahr 22 v. Chr. eine Schlacht zwischen den Bewohnern des Nordwestens der Iberischen Halbinsel und den römischen Legionen auf dem Berg Medulio stattfand, wobei der Ort unpräzise ist. Die letzten galicischen Krieger sollen mit einem aus der Eibe gewonnenen Gift Selbstmord begangen haben.

In den Ausläufern der Pena Trevinca, dem höchsten Punkt Galiciens, versteckt sich das Teixedal de Casaio, einer der herausragendsten Eibenwälder Europas. Und in der Nähe der Jakobswege gibt es hundertjährige Exemplare, wie zum Beispiel das in A Fontaneira (in Baleira, am Camino Primitivo), mit einem geschätzten Alter von 500 Jahren oder die beiden Eiben an der Kirche „Iglesia de San Martin“ in Salas  (camino primitivo) mit einem geschätzten Alter von 300 bzw. 500 Jahren (s. Kapitel Das Kloster San Salvador in Canellana und das hübsche Städtchen Salas).

Von Elfo del bosque - Foto propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2570165

Stechpalme  (Ilex aquifolium)

Dieser immergrüne Strauch, flach, starr und glänzend, ist im Galicischen als acivro bekannt. In vielen europäischen Kulturen wird er mit verschiedenen Winterriten in Verbindung gebracht, was zu seiner Assoziation mit Weihnachten geführt hat. Sie wachsen inmitten von Wäldern und carballeiras überall in Galicien und sind in den östlichen Bergen häufiger anzutreffen, wo sie kleine Wälder wie Cabana Vella, in Os Ancares, bilden können.

Ihre Blätter haben an den Rändern Dornen, diese verschwinden aber meist an den höheren Stellen, die von den pflanzenfressenden Tieren nicht erreicht werden. Normalerweise erreicht sie eine Höhe von 2 bis 5 Metern, obwohl wir im Pazo von Casanova, in O Pino, in der Nähe des Französischen Weges, auf ein 16 Meter hohes Exemplar treffen.

 

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9360

Der Eukalyptusbaum

Eigentlich wollte ich hier nur kurz auf den Eukalyptusbaum und seine wachsende Bedeutung  in Galicien eingehen, obwohl der Eukalyptus nicht zu den einheimischen Bäumen zählt. Aber bei meinen Recherchen kamen so viele Informationen und Probleme zusammen, so dass ich entschloss, die Problematik der Eukalyptusplantagen in einem eigenen Kapitel darzustellen

Das Image vom „immergrünen Paradies“

Wenn man sich an den herrlichen Wäldern Galiciens erfreut, denkt man vielleicht, Nordspanien war und ist ein immergrünes Paradies. Aber die Vergangenheit erzählt uns eine andere Geschichte. Man vergisst manchmal, dass seit dem Mittelalter der größte Teil der Bergflächen und Küstenregionen baumlos war. Schon die iberischen Könige des Mittelalters nutzten die Wälder rücksichtslos für die Erbauung ihrer Armada, mit der sie die Welt zu erobern gedachten. Für den Schiffsbau wurde aus dem ganzen Land das beste Holz an die Küste transportiert. Die Küstengebirge sind damals schon bald fast alle kahl. Zwar versuchte man zwischenzeitlich den Raubbau am Wald einzudämmen, aber im 18. Jahrhundert wurde zur Staatsfinanzierung fast der gesamte verbliebene staatliche Waldbesitz an Privatbesitzer verkauft. Das erwies sich als großer Fehler. Denn die Privatbesitzer konnten nun ungehindert abholzen, um am Verkauf des Holzes zu verdienen.

So kam es bis ins 20. Jh. zu massiven Eingriffen in die Natur, den man auch jetzt noch erkennen kann. Heute sind in Galicien viele Berggegenden immer noch nur von einer dürren Macchia aus Erika, Ginster und anderen Heidesträuchern begrünt trotz zahlreicher Maßnahmen zur Wiederanpflanzung von vielen Nadel- und Laubbäumen. Denn im 20. Jahrhundert werden in Spanien Forstämter eingerichtet und Gesetze zum Schutz des Waldes erlassen. Denn man hatte festgestellt, dass etwa die Hälfte der Fläche Spaniens stark von Erosion betroffen ist. Ist der Boden abgespült, sind Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Folge. Einen wirksamen Schutz gegen die Erosionsgefahr kann nur eine dichte Pflanzendecke bieten, am besten durch Wälder. Die teilweise Aufforstung mit schnellwachsenden Bäumen ua. Pappeln, Kiefern und Eukalyptus, die auch ökonomisch besser verwertbar sind, stößt dabei auf ein sehr geteiltes Echo. Die Befürworter argumentieren, dass, hätte man an vielen dieser brachliegenden Landschaften nicht Eukalyptus oder Kiefern angebaut, würden sie noch immer brachliegen mit der Gefahr von Bodenerosion. Einige der Gegenargumente findet ihr im Kapitel „Die Problematik der Eukalyptusplangen“.

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