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Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Camino del Norte, Camino primitivo, Via de la Plata

Von Darkone (Diskussion · Beiträge) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=312833

Unterscheidung zwischen Edelkastanie und Rosskastanie

Am Anfang muss eine wichtige Unterscheidung  zwischen den Edelkastanien und den Rosskastanien stehen:

Die Edelkastanie/Esskastanie (castanea sativa) ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien (Castanea) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie oder Esskastanie  ist eine einheimische Pflanze. Einheimisch bedeutet, dass sie in verschiedenen Regionen vorkommt, sie hat sich aber ohne direkte menschliche Eingriffe entwickelt und im gesamten Gebiet verbreitet. Einheimische Arten sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts jedes Ökosystems und entwickeln Beziehungen zur lokalen Fauna, zum Boden und zum Klima. In Spanien kommt die Edelkastanie vorwiegend im Norden der Halbinsel vor. Die Provinz Ourense zum Beispiel gehört zu den größten Maronenproduktionsgebieten Spaniens, da die galicische Marone, einen guten Geschmack hat, nicht mehlig und leicht zu schalen ist.

Demgegenüber gehört die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) – oft auch nur Kastanie genannt – zur Familie der Seifenbaumgewächsen. In Europa ist die Rosskastanie als Park- und Alleebaum verbreitet. In Deutschland, besonders in Bayern, sind sie auch charakteristisch für die berühmten Biergärten. In Spanien kommt sie weniger häufig vor wie die Edelkastanie. Sie ist keine einheimische Pflanze, sondern sie wurde im 16. Jh. aus dem Balkan importiert.
Die teilweise Namensübereinstimmung beruht auf der oberflächlichen Ähnlichkeit der Früchte mit dem Fruchtstand der Kastanien (brauner Kern in stacheliger Hülle) und nicht auf botanischer Verwandtschaft

Edelkastanie Von Dominicus Johannes Bergsma - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111761349
Edelkastanie (Castanea sativa), Illustration

Unterscheidungsmerkmale:
Kastanie (Rosskastanie)
Nicht essbar (sogar leicht giftig)
• Wächst oft in Parks und Alleen und Biergärten
• Die Frucht hat eine grüne Schale mit wenigen, dicken Stacheln
• Meist eine große, runde Nuss
• Blätter: handförmig, wie gespreizte Finger
• Nutzung: Deko, Basteln, früher auch Waschmittel-Ersatz

Esskastanie (Marone / Edelkastanie)
Essbar und sehr lecker
• Wächst vor allem in warmen Regionen (z. B. Süddeutschland, Frankreich, Italien, Spanien)
• Schale mit sehr vielen feinen, spitzen Stacheln
2–3 eher flache Nüsse pro Hülle
• Blätter: lang, schmal, gezackt
• Nutzung: Küche (Maroni, Kastanienpüree, Suppe)

Natürliches (grau) und künstliches (schraffiert) Verbreitungsgebiet von Castanea sativa. Einzelvorkommen sind als Punkte dargestellt. https://www.uni-goettingen.de/de/vorkommen+und+geschichte/546313.html (Abbildung: A. Bottacci 1998)

Bedeutung der Edelkastanie

Lange glaubte man, dass die Römer dafür verantwortlich waren, diese Bäume nach Spanien gebracht zu haben. Aber neuere Forschungen zeigen, dass sie sich vor über 20.000 Jahren im Nordosten der Iberischen Halbinsel verbreiteten, also eine einheimische Pflanze sind. Aber die Römer waren es, die ihr Wachstum förderten und sie sich so in Spanien verbreitete. Mit der Anpflanzung von Kastanienbäumen in ganz Europa legte das römische Reich die Grundlage für die mittelalterliche Kastanienkultur. In den Wäldern gibt es einige wilde Kastanienbäume, aber die größten Kastanienhaine sind Plantagen, meist direkt außerhalb der Dörfer, wo sie u.a. wegen ihrer Früchte gefragt waren. Jahrhundertelang waren Kastanien ein wichtiger Bestandteil der Ernährung in den ländlichen (Berg-)Regionen, da sie anspruchsloser ist als Weizen. Sie wurde auch als Brotbaum bezeichnet. Tatsächlich wurde die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa gebracht wurde, in Galizien mit Spitznamen Erdkastanie genannt. Außerdem sind Esskastanienbäume langlebig und können mehrere hundert Jahre alt werden. Wegen ihres widerstandsfähigen Holzes waren sie auch für die Holzwirtschaft interessant. Bei der Edelkastanie hielten sich von Anfang an Holz- und Nahrungsmittelgewinnung die Waage.

https://www.marcelpaa.com/rezepte/kastanien-brot/

Warum wird die Edelkastanie auch als Brotbaum bezeichnet?

Sie diente über Jahrhunderte hinweg für viele Menschen als wichtiges Grundnahrungsmittel. Kastanien wurden das Brot der Armen.
Sie war ein Mehlersatz, denn aus getrockneten Kastanien wurde Kastanienmehl hergestellt, das man zum Backen von Brot, Fladen oder Brei nutzte – besonders auch in Bergregionen, wo Getreideanbau schwierig war. Außerdem wiesen sie eine gute Lagerfähigkeit auf, getrocknete Kastanien hielten sich lange und sicherten die Ernährung über den Winter. Hinzu kommt, dass die Edelkastanie einen hoher Nährwert hat. Esskastanien enthalten viele Kohlenhydrate, dazu Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Sie liefern ähnlich viel Energie wie Getreide.So waren sie in früheren Zeiten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Regionen. Sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft. Sie ist in Spanien stark in der Küche, Tradition und regionalen Wirtschaft verankert.

Die Esskastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als ein Baum der Zukunft.

Entwicklung der Kastanienbäume in Spanien

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ging die mit Kastanienbäumen bewachsene Fläche drastisch zurück. Mehrere Gründe waren dafür verantwortlich:
Erstens die Schädlinge und Krankheiten des Baums, wie der Kastanienrindenkrebs oder die Tintenkrankheit; zweitens die Tatsache, dass die Edelkastanien verdrängt wurden von leicht anzubauenden Gewächsen aus Amerika, die ab ihrer Einführung im 16. Jahrhundert sehr beliebt wurden, wie beispielsweise Kartoffeln; drittens die Anpflanzung von schnell wachsenden Bäumen wie dem aus Australien stammenden Eukalyptus; viertens die Waldbrände, und schließlich die Bevölkerungsabwanderung aus dem ländlichen Raum. Das sind Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Esskastanien allmählich aus der Alltagskost verschwunden sind.
In der Gegenwart wird der Anbau von Kastanien in Spanien gefördert, und es gibt zahlreiche Initiativen, die diese Entwicklung unterstützen. Die Gebiete, in denen der Anbau wieder zunimmt, sind im Wesentlichen Galicien, El Bierzo in León, die Sierra de Aracena in Huelva, die Serrania de Ronda in Malaga und einige Gegenden in La Rioja und Asturien.
Hilfreich für diese Entwicklung ist, dass es heute eine größere Nachfrage nach Bioprodukten gibt. Allein der natürliche Anbau, das Sammeln von Hand und die fast handwerkliche Weiterverarbeitung sind hier gute Indikatoren. Außerdem wird auch in der modernen Küche verstärkt auf solche Produkte zurückgegriffen. So sind in den letzten Jahren viele neue Rezepte rund um die Marone entstanden. So erfreut sie sich wieder einer weltweiten Beliebtheit. Neben dem Hauptimportland Frankreich werden die Kastanien nach Japan, USA und viele europäische Länder exportiert.

In welcher Form wird die Kastanie heute in Spanien genutzt?

Erntemengen Kastanien 2022
Land                                                                              Tonnen
Volksrepublik China (Castanea mollissima       1.703.653
Spanien (Edelkastanie)                                               187.680
Bolivien * (Edelkastanie)                                             81.327
Türkei (Castanea crenata)                                           77.792
Südkorea (Edelkastanie)                                             54.973
Italien (Castanea crenata)                                           43.000
Portugal (Edelkastanie)                                               37.150
Griechenland (Castanea crenata)                             32.900
Japan (Castanea crenata)                                             15.700
Nordkorea                                                                       12.469

Neben der Nutzung als Tierfutter und als Holz in der Landwirtschaft wird die Esskastanie als Lebensmittel genutzt. In Spanien spielen Esskastanien (castañas) vor allem in Herbst- und Wintergerichten eine Rolle, besonders im Norden und Westen (Galicien, Asturien, Extremadura, Kastilien).

Wir finden sie als
• Geröstete Maronen (klassisch auf Weihnachtsmärkten)
• Gekocht oder gebacken als Beilage
• Kastanienmehl
→ für Brot, Kuchen, Pfannkuchen, Pasta (z. B. Castagnaccio)
• Püree & Creme
→ Desserts, Füllungen, Eis
• Marrons glacés (kandierte Edelkastanien)
• Suppen & Eintöpfe, oft mit Wild oder Pilzen

Typische Gerichte sind:

Caldo de castañas (Galicien), eine Kastaniensuppe mit Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, oft mit Chorizo oder Speck
Castañas guisadas, geschmorte Kastanien mit Fleisch (Schwein, Wild, Lamm) oder Gemüse
Rellenos con castañas, ein Geflügel oder Schweinebraten mit Kastanienfüllung
Setas con castañas, ein Pilzgericht mit Kastanien

Typische Süßspeisen sind:

Castañas asadas – Geröstete Kastanien
Dulce de castañas – Kastanienpüree mit Zucker und Zimt als Füllung für Kuchen
Tarta de castañas – Kastanienkuchen, häufig mit Schokolade oder Mandeln kombiniert
Buñuelos de castaña – Frittierte Kastanienbällchen

https://costadelsol-online.es/kastanienfeste-in-andalusien/

„Castañadas“ – Kastanienfeste in Spanien

Rund um den 31. Oktober und den 1. November werden in einigen Teilen Spaniens „Castañadas“ veranstaltet. Der spanische Name für das Kastanienfest ist „castañada“, aber in Katalonien und Aragonien heißt es „castanyada“, in Kantabrien „magosto“, in Kastilien und León „sanabria“ oder „calbotada“, im Baskenland „gaztainerre“ und in anderen Regionen noch anders. Bei den „Castañadas“ geht es um das Rösten und Essen von auf dem Feuer erwärmten Kastanien, das Trinken von typischem Wein, das Essen von Süßkartoffeln und von kandierten Früchten.
Es ist schwierig, den Ursprung der Castañada-Tradition zurückzuverfolgen. Es wird jedoch behauptet, dass früher am Día de Todos los Santos oder Allerheiligen die Kirchenglocken die ganze Nacht hindurch läuteten, damit die Nachbarn wussten, dass sie für die Toten beten mussten. Allerdings war es oft so kalt oder die Menschen waren so müde, dass es schwierig war, wach zu bleiben.
Deshalb beschloss man, ein Feuer zu machen und die Kastanien, die es zu dieser Jahreszeit reichlich gab, auf dem Feuer zu wärmen und sie dann in geselliger Runde bei einem guten Wein oder einem anderen Getränk zu essen. Langsam ist dies in Teilen Spaniens zu einer Tradition geworden.

CASTIÑEIRO DA CAPELA

Geschichten zu Kastanienbäumen in Spanien

Der Kastanienbaum wurden zwar auch zur Holzgewinnung genutzt, doch einige alte Exemplare sind noch heute erhalten. Es gibt in Galicien Bäume, die mehr als 500 Jahre alt sind. Pilger finden in der Umgebung des Camino Primitivo, des Camino del Norte oder des Camino Inglés viele historische oder monumentale Kastanienbestände – meist in Galicien oder im angrenzenden Nordwesten.
Am Camino Francés finden die Pilger den Castiñeiro von Ramil (Triacastela, Galicien).
Das berühmte Exemplare ist ein mehr als 800 Jahre alter eindrucksvollen Kastanienbaum bei Ramil (kurz vor Triacastela) mit einem riesigen Stammumfang.
Auf dem weniger bekannten Camino Lebaniego – einem historischen Pilgerweg, der zum Kloster Santo Toribio führt – liegt ein malerischer Kastanienhain zwischen den Dörfern Cabañes und Pendes mit alten Bäumen und einem friedlichen Waldabschnitt.

In Baamonde (in der Gemeinde Begonte) am Camino del Norte steht ein Kastanienbaum, der „Castiñeiro da Capela“ mit einer einzigartigen Geschichte.
Es handelt sich um eine uralte Edelkastanie (Castanea sativa) mit einem hohlen Stamm. Vor etwa 50 Jahren sollte der Baum für eine Straßenverbreiterung gefällt werden. Der Bildhauer Víctor Corral versteckte sich im Inneren des Stammes, um die Fällung zu verhindern – ein spektakulärer Akt des zivilen Widerstands.
Corral schnitzte im Inneren eine kleine Kapelle mit einer Darstellung der Virgen del Rosario. Daher der Name „Castiñeiro da Capela“ („Kapellen-Kastanie“). Später fügte er weitere Holzschnitzereien hinzu. Heute ist der Baum ein echtes Wahrzeichen des Camino del Norte.
Viele Pilger ist es ein Ort der Ruhe, ein spiritueller Zwischenstopp und ein Symbol für den Schutz alter Kulturlandschaften geworden. Er verbindet Natur, Kunst, Glauben und Widerstand!

Wie schön wäre es, wenn diese Bäume uns ihre Geschichte erzählen könnten!

Einige Gedanken zu Bäumen

In literarischen Texten steht der Baum oft für:
Zeit (Wachsen, Altern, Sterben)
Leben spendend (Nahrung, Schatten)
Verwurzelung und Heimat
Orientierung in der Landschaft
Beständigkeit (Jahrhunderte überdauernd)
Spiegel des Menschen
Schutz und Trost
Verbindung von Himmel und Erde

Viele Dichter haben sich mit der Bedeutung von Bäumen auseinandergesetzt. Ich nenne hier als Beispiel Rainer Maria Rilke. Für ihn hat der Baum Berührung nicht nur mit dem Erdreich, sondern auch mit dem Wind bis hin zum Sturm, und er „kämpft“ sich durch das Leben und wächst in Ringen an den Hindernissen, die das Leben ihm entgegensetzt. In seinen „warmen Wurzeln“ vermittelt er dem Menschen Geborgenheit und Tiefe. Bei Rilke wird der Baum auch zum Symbol für das eigene Leben „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“.

Heute verstehen wir vor allem, dass Bäume „soziale Wesen“ sind, die in vielfältigen Beziehungen zu anderen Lebewesen stehen.
Sie „kommunizieren“ untereinander und mit einem Pilznetzwerk tauschen sie Nährstoffe, Signale und Warnungen aus.
Sie unterstützen sich gegenseitig. Starke Bäume versorgen schwächere, alte oder kranke Exemplare mit Zucker und Nährstoffen.
• Sie stehen aber auch teilweise in einem Konkurrenzkampf mit anderen Bäumen z.B. um Licht und Nährstoffe.
• Sie entwickeln sich evolutionär. Bäume können z.B. Erfahrungen speichern (z.B. Trockenstress) und ihr Verhalten daran anpassen und weitergeben.
• Bäume haben „Gefühle“ im biologischen Sinn. Das bedeutet, dass sie auf Stress, Verletzungen und Umweltveränderungen messbare biologische Reaktionen zeigen.

Und der Mensch ist ein Teil dieses größeren Netzwerkes, in dass wir allzu häufig störend oder auch vernichtend eingreifen. Die Problematik der Abholzung von Wäldern vor allem im Amazonasgebiet oder die Problematik der Monokulturen in der Landwirtschaft werden ja hinlänglich thematisiert.

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die besonderen Schönheiten von Ribadeo

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Camino del Norte

Geologischer Reichtum

Die Strände von Ribadeo
Die Strände von Ribadeo sind zusammen mit der beeindruckenden Küste einer der größten Schätze der Gemeinde. Obwohl As Catedrais der berühmteste ist, gibt es noch viel mehr zu entdecken. Die Küste vereint offene Sandstrände, geschützte Buchten, Klippen und Felsvorsprünge. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Landschaft mit großem natürlichem und geologischem Reichtum. Viele Strände und Buchten liegen eingebettet zwischen den Falten der Küste und werden von Felsformationen geschützt, die ihren Charakter unterstreichen. Jeder hat seinen eigenen einzigartigen Charakter: As Catedrais ist der ikonischste; Esteiro und As Illas sind die familienfreundlichsten; Os Castros ist der breiteste und surffreundlichste und Rochas Brancas ist am windgeschütztesten. Alle sind gut zugänglich.
Naturdenkmal Praia das Catedrais
Dieses Gebiet wurde 2005 ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 28,94 ha und liegt im äußersten Nordosten der Provinz Lugo, an der Küste zwischen den Städten Ribadeo und Foz.
Trotz des Namens Praia das Catedrais existiert der Strand nur bei Ebbe, da er bei Flut fast vollständig verschwindet. Die Küstenfront des Naturdenkmals Praia das Catedrais verläuft in Ost-West-Richtung entlang der Kantabrischen Tiefebene, hat eine Länge von 2,2 km und eine Höhe von 10 bis 20 m. Sie ist gekennzeichnet durch kleine Klippen und Sandstrände, die zwischen kleinen Landzungen und Inselchen von großem geomorphologischen und landschaftlichen Interesse verstreut sind. Innerhalb der Grenzen des Naturdenkmals Praia das Catedrais verlaufen zwei kleine Flussläufe: der Bach Perdón und der Rego de Esteiro.
Diese geomorphologische Enklave entstand durch die Meereserosion des Paläozoikums, die die Schiefer- und Quarzitschichten beeinflusste. Bögen und Tunnel sind die häufigsten geomorphologischen Formen und erreichen eine Höhe von bis zu 30 m. Es sind jedoch auch Höhlen (oder „Furnas“) und kleine Inseln („Stacks“) erhalten, die Überreste antiker Bögen darstellen, die durch die Erosion der Wellen entstanden sind. Die charakteristischen Höhlen und Furnas des Strandes Augasantas (der ihm seinen volkstümlichen Namen „As Catedrais“ gab) entstanden aus Kieselgestein. In den Kathedralen sind kleine Dünenformationen zu sehen, die sich bis zum Festland erstrecken, und der unterste Teil der Klippen ist mit Algen, Muscheln, Seepocken, Napfschnecken und Seeeicheln bedeckt. Die steinernen Bögen und Höhlen erstrecken sich über 30 Meter Höhe . Die natürlichen Bögen sind nur bei Ebbe sichtbar, wenn der Atlantische Ozean zurückweicht und Durchgänge zwischen Sandflächen freilegt. Das Kantabrische Meer formte diese geologischen Strukturen über Millionen von Jahren durch die Erosion der Schiefer- und Schieferfelsen.
Der Strand trägt zwei Namen: Praia de Augas Santas auf Galicisch, was Strand der Heiligen Wasser bedeutet, und Playa de las Catedrales auf Spanisch. Besucher benötigen im Sommer Vorabreservierungen über die Website der Xunta de Galicia und müssen die Gezeitenzeiten überprüfen.

https://julia-pracht.com/galicien-praia-catedrais/

Kultureller Reichtum

1. Das indianische Erbe
Zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts wanderten viele Menschen aus Ribadeo auf der Suche nach einem besseren Leben nach Amerika aus. Einige kehrten nie zurück, andere blieben erfolglos, doch einige kehrten erfolgreich zurück und beschlossen, in ihrer Heimat Spuren zu hinterlassen. Um die Jahrhundertwende erlebte Ribadeo so dank der Rückkehr der Indianos, Auswanderer, die mit Reichtum und neuen Ideen aus Amerika zurückkehrten, eine glanzvolle Zeit. Diese illustren Bewohner investierten nicht nur in Unternehmen und Bauvorhaben, sondern förderten auch kulturelle und soziale Projekte. Sie trugen zur Umgestaltung der Stadt und zur Modernisierung bei.
Eine der sichtbarsten Formen war der Bau großer, eklektischer und markanter Häuser, die als „ Indianerhäuser “ bekannt waren. Viele Indianer demonstrierten damit nicht nur ihren neuen sozialen Status, sondern trugen auch zur Entwicklung der Gemeinde bei, indem sie Schulen, Brunnen, Friedhöfe, Straßen, Beleuchtung und Wasserversorgung finanzierten.
Ribadeo bewahrt ein bemerkenswertes indianisches Erbe mit zahlreichen Häusern und Einrichtungen. Diese Gebäude bereicherten nicht nur das Stadtbild, sondern legten auch den Grundstein für das moderne Ribadeo. Mehr als fünfzig Herrenhäuser mit kunstvollen Fassaden, tropischen Gärten und einzigartigen architektonischen Details stehen neben symbolträchtigen Gebäuden wie Schulen, einem Marktplatz, einem Wasserversorgungssystem und der Landwirtschaftsschule Pedro Murias.
Der Stadtteil San Roque ein typisches Indiano-Viertel
Viele der ersten Auswanderer, die in den 1870er Jahren nach Ribadeo zurückkehrten, bauten hier ihre Häuser. Damals galt es als Randbezirk der Stadt. Die Häuser waren viel größer als damals üblich. Sie hatten große Fenster und Formen, die mit der Schlichtheit der galizischen Architektur des 19. Jahrhunderts brachen. Die neuen Besitzer verzierten die Fassaden, umgaben die Häuser mit Gärten – keine Obstgärten – und installierten schmiedeeiserne Zäune und Tore. Auch in die Holztüren schnitzten sie ornamentale Details. Obwohl die Projekte von einheimischen Technikern geleitet wurden, brachten die Indianos ihren eigenen Geschmack ein. Sie kamen mit Einflüssen aus Buenos Aires, Havanna und sogar dem idealisierten Paris der damaligen Zeit. Auf beiden Seiten der San Roque Street stehen Häuser im indischen Stil in verschiedenen Stilen. Einige sind üppig. Andere sind schlichter. Alle spiegeln jedoch architektonische Modelle wider, die in Amerika erfolgreich waren.

https://www.mundiplus.com/de/blog/was-es-in-ribadeo-zu-sehen-gibt/

Der Moreno-Turm
Diese Residenz wurde zwischen 1914 und 1915 auf Initiative der Brüder Juan und Pedro Moreno Ulloa erbaut. Sie wurden beauftragt, dem Entwurf des argentinischen Architekten Julián García Núñez und des Ingenieurs Ángel Ardex zu folgen, einem Anhänger des katalanischen Modernismus und Mitglied des Kreises von Antoni Gaudí. Das Werk sorgte während seiner Bauzeit für große Aufregung. Nach seiner Fertigstellung erregte es Bewunderung für seinen innovativen Charakter. Es wurden für die damalige Zeit ungewöhnliche Materialien verwendet: Beton, Glas und Schmiedeeisen. Bemerkenswert ist auch die modernistische Ornamentik. Die Kuppel, die das Gebäude krönt, wird von vier Karyatiden getragen. Sie ist von verschiedenen Punkten der Stadt aus zu sehen, da sie sich auf dem höchsten Punkt von Ribadeo befindet, wo einst die Festung stand.
Im Laufe der Zeit ist der Torre dos Moreno zu einem wahren Wahrzeichen der Stadt geworden.

https://www.galiciacantabrica.com/ribadeo

2. Die Handelshäuser
Der Aufschwung des Leinenhandels ab dem 17. Jahrhundert machte Ribadeo zu einem der geschäftigsten Häfen im Kantabrischen Meer. Dieser Wohlstand zog einheimische und ausländische Kaufleute an, die nicht nur die Wirtschaft ankurbelten, sondern durch den Bau großer Herrenhäuser auch einen städtischen Wandel vorantrieben. Viele dieser Häuser sind in der Altstadt noch erhalten. Sie zeichnen sich durch ihre großzügigen Baukörper und die charakteristischen Gurugus aus, verglaste Aussichtsplattformen auf den Dächern, von denen aus man die im Hafen ankommenden Schiffe beobachten konnte.
Zwei der repräsentativsten Beispiele sind die Casa de Arriba und die Casa de Abajo , die mit zwei Schlüsselfiguren des Handels von Ribadeo in Verbindung stehen. Erstere gehörte Antonio Casas, einem galicischen Geschäftsmann, der mit dem Ostseehandel verbunden war und hier bis zu seinem Bankrott im Jahr 1933 seine Schifffahrtsgesellschaft und Bank betrieb. Letztere gehörte Francisco Antonio de Bengoechea, einem Reeder baskischer Herkunft und politischen Rivalen, der ebenfalls seine eigene Schifffahrtsgesellschaft gründete und nach seinem Tod im Jahr 1900 ein beträchtliches finanzielles Erbe hinterließ.

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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Camino del Norte

Die Küste Nordspaniens (die sogenannte „Costa Verde“, also die „Grüne Küste“) verläuft entlang des Kantabrischen Meeres und ist geprägt von sehr abwechslungsreichen Küstenformen. Diese sind das Ergebnis einer langen geologischen Entwicklung, in der tektonische Hebungen und Senkungen, Erosion durch das Meer und durch Flüsse sowie Klimafaktoren eine große Rolle spielen.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Küstenformen Nordspaniens und ihrer Entstehung.
Weiter unten sind dann konkrete Beispiele aus den vier Regionen aufgeführt, wobei auch die vermerkt sind, die unmittelbar am Camino del Norte liegen.

1. Kliffküsten (Steilküsten) steil aufragende Küsten, man nennt sie auch zerstörte Küsten

Vorkommen: Besonders häufig in Asturien, Kantabrien und im Baskenland.

Beschreibung: Hohe, steile Felsküsten mit senkrecht abfallenden Wänden ins Meer.
Entstehung:
• Durch Brandungserosion an harten Gesteinen (z. B. Kalkstein, Schiefer).
• Das Meer trägt den unteren Teil des Felsens ab → Brandungshöhlen, Brandungspfeiler und Abrisskanten entstehen.
• Durch ständige Erosion rückt die Küstenlinie landwärts zurück.
Beispiel: Die Klippen bei Llanes (Asturien) oder bei Zumaia (Baskenland) mit spektakulären „Flysch“-Formationen      (s. auch den Artikel: Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia)

Diercke Weltatlas - Kartenansicht - Küstenformen - - 978-3-14-100700-8 ...
Die Flysch-Klippen von Zumaia

2. Rías (Tief eingeschnittene Meeresbuchten)
Eine Ría ist ein vom Meer überflutetes Flusstal – also ein geomorphologisches Relikt des Eiszeit-Tiefstands. Man nennt sie auch versunkene Küsten.
Vorkommen: Vor allem an der galicischen Küste (z. B. Rías Altas und Rías Baixas).
Beschreibung: Längliche, fjordähnliche Buchten, die tief ins Land hineinreichen.
Entstehung:
• Entstanden durch das Überfluten ehemaliger Flusstäler infolge des Meeresspiegelanstiegs nach der letzten Eiszeit (transgressive Küstenform).
• Die Flüsse hatten zuvor Täler in das Festland eingeschnitten, die dann vom Meer geflutet wurden.
Beispiel: In Galicien findet man die berühmtesten Rías Europas, die typisch „ertrunkene Flusstäler“ sind – Rias Baixas und Rias Altas. Diese Rais öffnen sich zum Atlantik hin.

By Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

3. Ästuare
• Ästuare sind fluvial geprägt Küsten, an denen sich durch Gezeiten (Ebene und Flut) ein starker Tidenhub ergibt. Es kommt es zu trichterförmigen Flussmündungen. Ein Ästuar ist eine dynamische Mischungszone von Süß- und Salzwasser – also ein hydrodynamisch aktives System. In der Alltagssprache werden sie auch als Rias bezeichnet. Man nennt sie auch aufgebaute Küsten.

Viele Rías (z. B. in Galicien) verhalten sich heute wie Ästuare, da sie Gezeiten und Süßwasserzufluss haben – aber ihre geologische Entstehung unterscheidet sie weiterhin.

Von user:Jbo166 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10063706

Unterschied zwischen Ria und Ästuar:

Merkmal

Ría

Ästuar

Definition

Überflutetes Flusstal – ein ehemals von einem Fluss eingeschnittenes Tal, das durch den Meeresspiegelanstieg ertrunken ist.

Mischzone zwischen Süßwasser aus einem Fluss und Salzwasser aus dem Meer – stark durch Gezeiten geprägt.

Entstehung

Durch Meeresspiegelanstieg nach   der letzten Eiszeit: das Meer dringt in ein ehemaliges Flusstal ein (Erosionstal wird „ertränkt“).

Durch hydrodynamische Prozesse an einer Flussmündung: Fließendes Süßwasser trifft auf eindringendes Salzwasser → Vermischung und Sedimentablagerung.

Form

Oft langgestreckt, verzweigt, tief eingeschnitten (folgt dem alten Flusslauf).

Meist trichterförmig, mit breiter Mündung, durch Gezeiten verbreitert.

Sedimente

Relativ wenig Sediment, oft klares Wasser, tiefe Becken.

Starke Sedimentumlagerung, Schlick

und Sand; Bildung von Watten und Deltas möglich.

Salzgehalt

Deutlich mariner Charakter, aber schwach geschichtet.

Starke Salzgradienten und vertikale Schichtung (je nach Gezeiten und Flusszufluss).

Beispiele

Ría de Vigo (Galicien, Spanien), Ría de Arousa

Ria de Ribadesella (Asturien), Ria de Villaviciosa, Ria de San Vicente de la Barquera

kevmrc.com Ria de Ribadesella

4. Buchten und Sandstrände (Küstensenken)
Vorkommen: Zwischen Felskaps und Klippen, z. B. bei Santander, Gijón oder San Sebastian
Beschreibung: Kleine Buchten mit sandigen Stränden.
Entstehung:
• Entstehen, wenn Brandung Material aus Felsen löst und es in windgeschützten Buchten ablagert.
• Auch Flüsse transportieren Sedimente, die sich an Mündungen ansammeln.
Beispiel: Playa de Rodiles (bei Villaviciosa, Asturien), Playa del Sardinero (Santander) oder La Concha (San Sebastian) und viele andere kleine Buchten entlang der Küste

Strand vor Laredo

5. Felskaps und Halbinseln
Vorkommen: Entlang der gesamten Nordküste.
Beschreibung: Vorspringende Landspitzen aus widerstandsfähigem Gestein.
Entstehung:
• Unterschiedliche Erosionsresistenz der Gesteine führt dazu, dass harte Gesteine stehen bleiben, während weichere Gesteine abgetragen werden.
• Diese Formen ragen als Kaps oder Landzungen ins Meer hinaus.
Beispiel: Cabo de Peñas (Asturien) – der nördlichste Punkt Asturiens bei Gijon, Leuchtturm von Ribadeo (Galicien), Halbinsel Castro Urdiales

Castro Urdiales

6. Abrasionsplattformen (Brandungsplattformen)      s. Bild oben bei Kliffküste
Vorkommen: Oft unterhalb der Kliffe sichtbar.
Beschreibung: Flache Felsflächen, die bei Ebbe freiliegen.
Entstehung:
• Durch ständige Brandungserosion wird der Fels am Fuß der Klippe abgetragen, wodurch eine ebene Fläche entsteht.
• Diese verlagert sich mit der rückschreitenden Kliffkante langsam landwärts.
Beispiel: Küste bei Castro Urdiales

Beispiele für die  Küstenformen in den verschiednen Regionen der spanischen Nordküste

Beispiele für Kliffküsten:

Galicien (Galicia)
1. Acantilados de Loiba (Ortigueira, A Coruña)
o Beeindruckende, wilde Klippen mit dem berühmten „Banco más bonito del mundo“ (die schönste Bank der Welt).
o Grandioser Ausblick auf den Atlantik.
2. Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
o Einer der nördlichsten Punkte Spaniens.
o Die Felsen bestehen aus einigen der ältesten Gesteine Europas.
3. Acantilados de Vixía Herbeira (bei San Andrés de Teixido, A Coruña)
o Mit über 600 Metern Höhe die höchsten Klippen des europäischen Festlands.
o Absolut spektakulär
4. Praia das Catedrais („Strand der Kathedralen“) (Ribadeo, am Camino del Norte)
• eine stark erodierte Fels- bzw. Abrasionsküste
• Das Meer erodiert den Fels durch mechanische Kräfte (Wellen, Sand, Kies).
• Es entstehen steile Kliffs, Brandungshohlkehlen und Meeresgrotten,
Felsbögen („Kathedralenbögen“), Felsnadeln, Felsplattformen, die bei Ebbe sichtbar werde
Asturien (Asturias)
5. Cabo Vidio (Cudillero, nördlich von El Pito, hinter Avilés)
o Atemberaubende Aussichten, besonders bei Sonnenuntergang.
o Steile Felsen und eine kleine Kapelle auf der Spitze.
6. Cabo Peñas (zwischen Avilés und Gijón)
o Der nördlichste Punkt Asturiens.
o Eindrucksvolle, gut zugängliche Klippen mit Leuchtturm und Besucherzentrum.
7. Llanes (am Camino del Norte)
• Hohe scharfkantige Klippen sowie Einbuchtungen, Höhlen und Felsnadeln
• Die Bufones de Pría bei Llanes sind geologische Highlights: durch den Druck der Wellen wird Luft und Wasser durch Spalten im Fels nach oben gepresst – ähnlich wie Geysire.

Kantabrien (Cantabria)
8. Acantilados de Costa Quebrada (bei Liencres / Santander)
o Eine der schönsten Küstenlandschaften Spaniens.
o Felsformationen, Bögen und Klippen – perfekt zum Fotografieren.
9. Cabo Mayor (Santander am Camino del Norte)
o Nahe der Stadt, mit Leuchtturm und Spazierwegen über die Klippen.
o Blick auf das offene Meer und die Stadtbucht.

Baskenland (País Vasco)
10. Flysch-Klippen von Zumaia (Gipuzkoa) am Camino del Norte
o Geologisch spektakulär: die Flysch-Formationen zeigen Millionen Jahre Erdgeschichte.
o Teil des UNESCO-Geoparks Basque Coast.
11. San Juan de Gaztelugatxe (Bermeo, Bizkaia nördlich von Bilbao)
o Dramatische Klippeninsel mit einer kleinen Kapelle auf der Spitze.
o Bekannt aus Game of Thrones als „Drachenstein“.
12. Cabo Matxitxako (bei Bermeo nördlich von Bilbao)
• Höchster Punkt an der baskischen Küste mit einem Leuchtturm.
• Häufig Sichtungen von Delfinen und Walen.

Beispiele für Rias:

Westgalicien (Rías Baixas – „untere Rías“)
Diese Rías öffnen sich weit zum Atlantik hin und sind besonders tief.
• Ría de Vigo
• Ría de Pontevedra
• Ría de Arousa (größte und produktivste)
• Ría de Muros e Noia
Nordgalicien (Rías Altas – „obere Rías“)
Diese sind schmaler und kürzer, da die Küste hier steiler ist.
• Ría de Ferrol
• Ría de A Coruña
• Ría de Cedeira
• Ría de Ortigueira
• Ría de Viveiro
• Ría de Ribadeo (Grenze zu Asturien)
Baskenland
• Rai de Pasaia am Camino del Norte
Eine typische Talfordküste. Schmal und eng, der Zugang vom Meer ist eng, während sich die Bucht nach innen weit öffnet

Beispiele für Ästuare:

Asturien – kleinere Ästuare
Die Küste Asturiens ist steil und felsig, daher gibt es wenige, aber markante Flussmündungen mit Ästuar-Charakter.
• Ría de Ribadesella (Mündung des Río Sella) am Camino del Norte
• Ría de Villaviciosa (Río Valdediós) am Camino del Norte
• Ría de Avilés (stark industrialisiert)
• Ría del Nalón / San Esteban de Pravia am Camino del Norte
Charakter: Kleine, gezeitengeprägte Ästuare, oft verlandet oder durch Häfen verändert.

Kantabrien – trichterförmige Ästuare und Buchten
Hier dominieren klassische Ästuare, die durch Gezeiten geprägt sind.
• Ría de San Vicente de la Barquera am Camino del Norte
• Ría de Tina Menor und Tina Mayor am Camino del Norte
• Ría de Suances (zwischen Santander und Santillana)
• Ría de Santander (große Hafenbucht) am Camino del Norte
• Ría de Cubas (Miera-Fluss) bei Somo vor Santander
Charakter: Dynamische Ästuare mit Salz- und Süßwassermischung, oft Sandbänke, Wattflächen und Marschgebiete.

Baskenland – wenige, aber markante Ästuare
Die Küste ist schmal und steil, doch an einigen Flüssen bilden sich bedeutende Ästuare.
• Ría de Bilbao (Ría del Nervión), am Camino del Norte
stark urbanisiert, heute renaturiert
• Ría de Mundaka / Urdaibai nördlich von Bilbao
(UNESCO-Biosphärenreservat, Mündung des Oka-Flusses)
• Ría de Plentzia nördlich Von Bilbao
Charakter: Gezeiten-Ästuare, stark anthropogen verändert, aber ökologisch wertvoll

Beispiele für Felskaps und Halbinseln

Beispiele für Felsenkaps (Cabos / Capes)
In Galicien (Galicia)
• Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
Mächtiges Felsenkap aus sehr altem Gestein, markiert den Übergang zwischen Atlantik und Kantabrischem Meer.
• Cabo Prior (bei Ferrol, A Coruña)
Klippen mit Leuchtturm, typische Abrasionsformen und Meereshöhlen.
• Cabo Estaca de Bares (nahe Ortigueira, A Coruna)
Nördlichster Punkt Spaniens; steile Felsen, wo Atlantik und Kantabrisches Meer aufeinandertreffen.

In Asturien (Asturias)
• Cabo Vidio (Cudillero, , nördlich von El Pito, hinter Avilés) )
Eindrucksvolles Felsenkap mit senkrechten Klippen, Aussichtspunkt und kleiner Kapelle.
• Cabo Peñas (bei Gozón, nördlich von Avilés)
Nördlichster Punkt Asturiens, 100 m hohe Kliffs, markanter Leuchtturm.
• Cabo de San Lorenzo (bei Gijón)
Geringere Höhe, aber typisches Beispiel einer erosiven Felsplattform mit Steilkante.
• Isla Pancha (Ribadeo, am Camino del Norte)
Ähnlich den Kaps, Insel vor Ribadeo über eine Brücke mit dem Ort verbunden, Leuchtturm

In Kantabrien (Cantabria)
• Cabo Mayor (Santander, am Camino de Norte)
Felsküste mit Leuchtturm, Brandungshöhlen, Spazierwege auf der Kliffkante.
• Cabo Menor (neben Cabo Mayor, Santander, am Camino del Norte)
Kleineres Kap, getrennt durch Buchten; klassische Doppelkapsituation.

Im Baskenland (País Vasco)
• Cabo Matxitxako (bei Bermeo, nördlich von Bilbao)
Höchster Punkt der baskischen Küste; felsiges Kap mit Leuchtturm und Aussicht auf Gaztelugatxe.
• Cabo Higuer (bei Hondarribia, Gipuzkoa, am Camino del Norte)
Östlichster Punkt der Nordküste Spaniens, Übergang nach Frankreich; Leuchtturm auf Felsen.

Beispiele für Halbinseln (Penínsulas)
• San Andrés de Teixido (Galicien)
Auf einer schmalen, felsigen Halbinsel oberhalb der höchsten Klippen Europas (Vixía Herbeira).
• Castro Urdiales (Kantabrien, am Camino del Norte)
Die Altstadt liegt auf einer kleinen Fels-Halbinsel mit Burg und Kirche (Castillo-Faro).
• San Juan de Gaztelugatxe (Baskenland, nördlich von Bilbao)
Eine Felsinsel mit Damm, wirkt wie eine Mini-Halbinsel; ikonisch durch die Kapelle auf dem Gipfel.
• Getaria (Baskenland zwischen Zarautz und Zumaia, am Camino del Norte)
Halbinsel mit Kegelberg „Monte de San Antón“, bekannt als „Raton de Getaria“ – über Landbrücke mit dem Festland verbunden (Tombolo).
• Isla de Mouro (vor Santander, am Camino del Norte)
Kleine vorgelagerte Felseninsel mit Leuchtturm – eigentlich Insel, aber geomorphologisch ähnlich einem isolierten Felsenkap.

Quellen

Juan A. Morales (Hrsg.), The Spanish Coastal Systems: Dynamic Processes, Sediments and Management, Springer 2018
Francisco Gutiérrez & Mateo Gutiérrez (Hrsg.), Landscapes and Landforms of Spain, Springer 2014

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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Camino Aragonés

Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Avilés – ein Stadt auf der Suche nach einem neuen Image

Avilés - ein Stadt auf der Suche nach einem neuen Image

Camino del Norte

Avilés ist nach Gijon und Oviedo mit knapp 76.000 Einwohner die drittgrößte Stadt Asturiens. Die Stadt, bis heute ein wichtiger Fischereihafen, verfügt zwar über eine beschauliche Altstadt, aber sie verlor infolge des Booms der Metallindustrie in den 50er Jahren viel von ihren Reizen. Stahlfabriken, Aluminium- und Zinkwerke brachten Avilés zeitweise den Ruf ein, eine der am stärksten verschmutzten Städte in Spanien zu sein.

https://pensionlospinos.wordpress.com/tag/aviles/

Geschichte

Das älteste bekannteste Schriftstück ist eine Urkunde aus dem Jahre 905, in der der asturische König Alfons III. bestätigt, dass er die Stadt Abilies (= Avilés) samt zweier Kirchen dem Dom zu Oviedo schenkt. Oviedo war im 9. Und 10. Jh. die Residenz der asturischen Könige.

Im Mittelalter befand sich in Avilés einer der wichtigsten Häfen im Golf von Biscaya, der hauptsächlich dem Handel mit Frankreich diente. Während dieser Zeit gab es hier zwei Stadtteile: Ein Fischerviertel mit dem Namen Sabugo sowie ein aristokratisches Zentrum mit dem Namen La Villa. Die Stadtteile waren durch den Fluss  Alvares voneinander getrennt.

Ein Teil der Flussmündung wurde im 19. Jahrhundert begradigt, um die Verbindung beider Stadtteile zu ermöglichen. Danach expandierte die Stadt auch außerhalb der Stadtmauer, die mittlerweile abgerissen worden war. Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich in Avilés alles, denn hier begann ebenso wie im Baskenland und in Katalonien die Industrialisierung Spaniens. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann die Stadt immer mehr an Bedeutung, was auch an der Förderung der autarken industriellen Produktion des faschistischen Franco-Regimes lag, welches die große Stahlfabrik aufbaute und so für eine Verdopplung der Bevölkerungszahl im Zeitraum von 1950 bis 1970 auf 80.000 Einwohner sorgte.

(In der ersten Phase nach dem Bürgerkrieg strebte das Franco-Regime einerseits die Industrialisierung Spaniens an und versuchte andererseits, eine möglichst weitgehende Autarkie herbeizuführen. Neben der ideologischen Ansicht, dass die Wirtschaft sich in den Dienst am Vaterland zu stellen habe, war die Autarkiepolitik angesichts der politischen und wirtschaftlichen Isolation des Landes (Spanien wurde vom Marshall-Plan ausgeschlossen) in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus der Not geboren.)

Das rasche Bevölkerungswachstum lässt sich auch am Stadtbild erkennen, denn das Franco-Regime ließ die Immobilien nach Ranghöhe der Fabrikarbeiter errichten; so waren für einfache Arbeiter Wohnungen, für Ingenieure oder höhere Mitarbeiter große Appartements oder kleine Einfamilienhäuser und für die Firmenbosse Villen errichtet worden. Doch verbrachten die Fabrikarbeiter angeblich kaum Zeit zuhause, da die Fabrik von Schulungs- bis hin zu Sportangeboten alles bereitstellte.

Diese Idylle währte jedoch nicht lange, denn die 70er-Jahre brachten zwei große Schocks mit sich: zum einen zog die Industriekrise in Spanien ein und sorgte für einen Einbruch der Stahlproduktion, zum anderen starb auch der Avilés-Förderer Francisco Franco im Jahre 1975. Die neue demokratische Regierung Spaniens war aufgrund der Krise dazu gezwungen, die Stahlfabrik an den indischen Konzern Tata Steel zu verkaufen. Wenige Jahre später war die Industrieperle Avilés Geschichte und man begann sich Gedanken zu machen, wie man dieser Stadt aus der Krise helfen und ein neues Gesicht verleihen könnte.

Der erste Schritt lag darin, neue Industrie anzusiedeln. Hierfür wurde durch Bundes-, Landes- und Stadtmittel (ab 1986 auch EU-Mittel) der neue P.E.P.A.-Industriepark auf den Ruinen der ehemaligen glorreichen Stahlfabrik gebaut. Hier sollten sich auch kleine Industriebetriebe ansiedeln. Doch bis heute sind die meisten Flächen des riesigen Areals allerdings ungenutzt und P.E.P.A erweist sich mehr und mehr als Millionengrab und Schaden für das Stadtbild.

Durch den geringen Erfolg dieser ersten Maßnahme entschied man sich in einem zweiten Schritt auf Service- Dienstleistungen zu setzen. Hohe Investitionen flossen ab den 1980ern in das Stadtzentrum, dessen Fassaden aufwändig restauriert wurden. Neue kleinen Parkanlagen entstanden.

Von Xareu bs - foto tomada por Jose Luis Blanco, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3423181

Sehenwürdigkeiten in der Altstadt

Neben dem schönen Hauptplatz Plaza de España gibt es gleich mehrere echte Hingucker in Avilés: Die Franziskanerkirche Iglesia de los Padres Franciscanos (13. Jh.) mit der Kapelle der los Alas genauso wie die Grünanlage Parque del Muelle mit einer Statue von Pedro Menéndez de Avilés (1519-1575), dem ersten Gouverneur von Florida in den USA.

Neben der Kirche San Nicolás de Bari aus dem 14. Jahrhundert, eine der ältesten Kirchen der Stadt mit einem schönen Kreuzgang, kann man schöne Brunnen, eine Keramikschule erster Güte, das angesehene Theater Palacio Valdés im neobaroocken Stil, alte Herrenhäuser zurückgekommener Cuba-Emigranten sowie ein schönes Beispiel für die alten Stadtpaläste in Avilés, der Palacio de Camposagrado (17. Jh.) im Stil der Renaissance besichtigen. Zudem gibt es zahlreiche schöne kleine Altstadtgassen. Hier ist u.a. die Calle Galiana zu nennen, in der sich unter den vor Sonne und Regen Schutz bietenden Arkaden Bars und Restaurants aneinanderreihen. Hier liegt eines der beliebtesten Ausgehviertel der Altstadt, dekoriert mit einigen schönen Jugendstilhäusern.

Nach dem Vorbild des rund 300 km östlich gelegenen Bilbaos bekam Avilés auch ein neues, spektakuläres Wahrzeichen: für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag wurde 2011 an der Ría de Avilés ein vom brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer entworfenes Kunstzentrum eingeweiht. Auf die Ambitionen und Hoffnungen, die mit dem Projekt verbunden waren, gehe ich unten genauer ein.

Von HombreDHojalata - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20481361 Palacio de Camposagra
Galiana Straße

Niemeyer Zentrum

Eine monumentale Vision für die Zukunft und ein beschwingtes Signal zum Aufbruch hat ein lateinamerikanischer Baukünstler in der erschöpften Industriestadt Avilés hinterlassen. Abgewrackte Lagerhallen und ärmliche Wohnblocks bilden die Kulisse, Hafenkräne stehen arbeitslos herum, am Kai machen rostige Frachter fest – und ausgerechnet in einem solchen Milieu hat Oscar Niemeyer seinen avantgardistischen Entwurf für ein Kulturzentrum verwirklicht. Es war eines der letzten Werke des greisen Architekten und sein größtes Projekt in Europa überhaupt. So genial und mutig wie der brasilianische Altmeister der modernen Baukunst muss man schon sein, um einem derart abweisenden Umfeld Paroli zu bieten. Auf einer Art Insel im Fluss gegenüber der Altstadt hat er seine Gebäude errichtet.

Dabei ist seine Handschrift unverkennbar: Bögen und Kurven, Spiralen, Wellen und kühne Schwünge bestimmen das Ensemble, das vier Gebäude umfasst: eine kuppelförmige Ausstellungshalle, einen gläsernen Turm mit Restaurant, eine langgestreckte Mehrzweckhalle und als Krönung ein Auditorium mit schwungvoll skizzierten Konturen. Fast alle Fassaden hat der Architekt in Weiß gehalten, nur das Auditorium hebt sich mit optimistischen gelben und roten Tupfern ab. (bei so viel Weiß bei Sonnenschein eine Sonnenbrille anziehen!) Zum Glück hat Oscar Niemeyer sein Projekt nicht als isolierte kulturelle Insel installiert, sondern zugleich eine Brücke geschlagen ins Zentrum der Stadt auf der anderen Seite des Flusses – mit einer Fußgängerbrücke, die sein Bauwerk mit der historischen Altstadt von Avilés verbindet.

Mit dem Niemeyers Projekt sollte nach dem erfolgreichen Modell des Guggenheim Museums in Bilbao auch in der sterbenden Industriestadt Avilés ein architektonischer Blickfang und kultureller Magnet geschaffen werden, mit dem man Hunderttausende von Besuchern anlocken wollte. Bei seiner Eröffnung im Frühjahr 2011 erhielt das Centro Niemeyer dann auch überschwängliches Lob von allen Seiten. König Juan Carlos wohnte der Zeremonie bei, Woody Allen spielte mit seiner New Orleans Jazz Band und versprach, sich in Zukunft um das Filmzentrum zu kümmern. Brad Pitt und Kevin Spacey sagten ihre Zusammenarbeit zu, Paulo Coelho und Mario Vargas Llosa kündigten Lesungen an, Kooperationen mit dem Pariser Centre Pompidou, der New Yorker Carnegie Hall und der Oper von Sydney waren im Gespräch.

Doch dann kam alles ganz anders: Streitereien zwischen den Betreibern des Zentrums, der Stadtverwaltung und der Regionalregierung von Asturien führten schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung zum Chaos: Die Aktivitäten wurden zunächst teilweise eingestellt, der Komplex dann ganz geschlossen, anschließend vorübergehend unter anderem Namen neu eröffnet. Inzwischen funktioniert er wieder als Centro Niemeyer, allerdings auf Sparflamme. Die Ausstellungen haben kein internationales Niveau, Konzerte und Filme stehen nur unregelmäßig auf dem Programm, die Besichtigung der Innenräume ist beschränkt. Niemand wundert sich deswegen, dass die erwarteten Besuchermassen ausbleiben; vom „Guggenheim-Effekt“ jedenfalls ist nicht viel zu erkennen. Wenn nicht schnell gehandelt wird, könnte Oscar Niemeyers Bauwerk zu einem traurigen Monument kommunalen Größenwahns werden. Und das hat Asturien nun wirklich nicht verdient. (s. das Kapitel „Jakobsweg meets avantgardistische Architektur“)

Von SurfAst - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14935056

Resumee

Alles in allem aber muss man in Avilés im Gegensatz zu den hohen Erwartungen leider von einem Negativ- statt einem Positivbeispiel sprechen. Man hat versucht, einige sicher gute Ideen umzusetzen, diese hatten oder haben aber in der Praxis offensichtlich keine Chance, die gewünschten oder beabsichtigten Wirkungen zu erzielen. Avilés hat, trotz seiner angedeuteten Potenziale, die Industriekrise somit nie richtig verkraftet und muss sich noch immer mühen einen angestrebten Strukturwandel erfolgreich umzusetzen.

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Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Spanisches Olivenöl – das flüssige Gold Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Aragonés

Der Olivenbaum (Olea europaea), von lateinisch oliva, auch Echter Ölbaum genannt, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. An ihm wächst als Frucht die einsamige Steinfrucht, die Olive. Olivenbäume wachsen sehr schnell und tragen nach 5 -10 Jahren die ersten Früchte. Bei sorgfältiger Pflege werden Olivenbäume einige hundert Jahre alt und in Einzelfällen bis zu 20 Meter hoch. Im Schnitt bringt ein Olivenbaum pro Jahr etwa 20 Kilogramm Oliven ein. Das entspricht ungefähr drei bis vier Litern Olivenöl.

Die Olive ist somit eine mediterrane Steinfrucht, die allerdings wegen ihrer Bitterkeit roh nicht genießbar ist, aber nach mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Obwohl schon mehrmals versucht wurde, mechanisierte Erntemethoden zu entwickeln, werden die Oliven für die besten Öle immer noch von Hand gepflückt. Meistens werden sie mit einem Stock vom Baum abgeschlagen und fallen auf ein Netz, das auf dem Boden liegt

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seiner engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. 

Das Olivenöl wird im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Ölen also nicht aus Samen sondern aus der Frucht, der Olive, gewonnen. Das deutsche Wort Öl stammt von dem Lateinischen Oleus. Olivenöl ist auch als „flüssiges Gold» bekannt, seit Homer es vor Tausenden von Jahren zum ersten Mal so nannte.

Das Öl verändert sich je nach Reifegrad der Oliven. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember geerntete Oliven ergeben ein kräftigeres, fruchtigeres, leicht grünliches Öl. Später geerntete Oliven ergeben mildere Öle. Im Allgemeinen werden die besten Öle aus Oliven hergestellt, die zwischen ein und zwei Dritteln schwarz sind, also früh geerntet wurden, zwischen Mitte November und Anfang Dezember.

Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa 1,36 Mio. Tonnen (2020) jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit. Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Kastilien-La Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

Von Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.di

Geschichte des Olivenöls

Man geht auf Grund von Funden davon aus, das Olivenöl seit mindestens 8000 Jahren, ausgehend vom östlichen Mittelmeerraum, hergestellt wird. Im Alten Griechenland erlangten dann die Olive und das Olivenöl die Bedeutung, die sie heute haben. 

Seine damalige Bedeutung zeigt sich schon darin, dass bei den Olympischen Spielen den Athleten Kronen aus Olivenzweigen überreicht wurden. Auch auf religiöser Ebene sind der Olivenbaum und das Öl in die Volkskultur integriert worden. Nach der griechischen Mythologie ist Aristaios, der Sohn des Gottes Apoll und der Nymphe Kyrene, ein ländlicher Gott der Imkerei, des Olivenanbaus, der Schafzucht und der Jagd. Angeblich wurde er damit beauftragt, die Olive auf dem Balkan, in der Ägäis und anschließend auf Sardinien und Sizilien zu verbreiten.

 Es waren wohl die Phönizier und die Griechen, die den Olivenbaum auf die Iberische Halbinsel brachten. Die Römer spielten dann eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von dem, was wir heute als Olivenöl verstehen, denn sie verbesserten sowohl die Anbautechniken als auch die Lagerung des Olivenöls. Die Römer gehörten zu den größten Konsumenten von Oliven und Olivenölen aus Hispania, insbesondere aus Baetica (dem heutigen Andalusien). Das Öl aus Hispania war aufgrund seiner hervorragenden Qualität das am höchsten geschätzte Öl im gesamten Römischen Reich. Schätzungen zufolge exportierte Hispania während dieser Epoche über 30 Millionen Amphoren mit Olivenöl, und in regelmäßigen Abständen wurden Tausende von ihnen in die Hauptstadt des Römischen Reichs transportiert.

Nachdem das Römische Reich seinen Fußabdruck in der spanischen Olivenöl- Produktion hinterlassen hatte und für einen hervorragenden Ruf des grünen Goldes gesorgt hatte, wurde der Anbau und die Produktion durch die Araber noch einmal verfeinert. Der arabische Einfluss in der spanischen Olivenöl-Welt kann man auch aus dem Namen ablesen. Nicht der lateinische Name wurde übernommen, sondern das spanische Wort „aceite“ (Öl) wurde aus dem arabischen „az-zait“ abgeleitet und das Wort „aceituna“ (Olive) kommt vom arabischen „zei´tuna“.

Wir wissen, dass das Olivenöl schon im Mittelalter nicht nur als Nahrungsmittel genutzt wurde, sondern für verschiedene andere Zwecke, so zum Beispiel für die Herstellung von Seifen, für bestimmte Schönheitsbehandlungen oder auch für die Beleuchtung von Häusern. Aber immer stand seine Nutzung als Nahrungsmittel im Vordergrund. 

Später, im 19. Jahrhundert erlebte der Anbau von Oliven in Spanien, dank des Baus des Schienennetzes, einen großen Aufschwung. So wurde Spanien zum weltweit größten Olivenanbaugebiet. Im 20. Jahrhundert kam es in Spanien zu einer technologischen Revolution, die es ermöglichte, exzellente Öle herzustellen, die jedes Jahr mit den weltweit bedeutendsten Preisen ausgezeichnet werden. Spanien steht heutzutage an der internationalen Spitze der größten Produktion und besten Qualität von Olivenölen.

Ökonomische Bedeutung und Probleme

 Größte Olivenölproduzenten (2020)

Rang     Land                         Menge (in t)

  1. Spanien                       1.356.411
  2. Tunesien                        373.100
  3. Italien                             330.879
  4. Griechenland               308.000 
  5. Türkei                             240.100 
  6. Marokko                        164.600 
  7. Syrien                             138.217 
  8. Algerien                         113.600 
  9. Portugal                         107.000 
  10. Ägypten                          36.000

Summe Top Ten                    3.167.907

 Zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 30. September 2020 führte Spanien innerhalb der EU über 640.000 t aus, davon ging mehr als die Hälfte nach Italien, 21,3 % nach Portugal, 14,7 % nach Frankreich und 3,7 % nach Deutschland. Italien führte hingegen 124.500 t aus, davon aber 35,4 % nach Deutschland (!), 27,5 % nach Frankreich, 8,9 % nach Spanien. 

Allerdings ist zu beachten, italienische Firmen kaufen nach Pressemitteilungen in der Mittelmeerregion Olivenöl auf, füllen es ab, und vertreiben es weltweit. So wird griechisches Olivenöl aufgekauft, um es in Deutschland als „italienisches“ zu verkaufen, da die Konsumenten bereit sind, dafür mehr zu zahlen. Bei der Abfüllung in Italien wird häufig griechisches Olivenöl guter Qualität nicht mit weniger gutem Olivenöl gemischt und in Deutschland verkauft.

Leider gehört der Lebensmittelbetrug bei Olivenöl in der EU zur gängigen Praxis, dem man versucht mit Stichprobenkontrollen zu begegnen. Der Betrug besteht in der Regel darin, dass minderwertiges Olivenöl als hochwertiges verkauft wird. Wichtig ist zu kontrollieren, ob eine Regionsbezeichnung angeben ist. Die genaue Ursprungsbezeichnung ist oft nur im Kleingedruckten des Etiketts zu lesen. Es sollte die geschützte geografische Angabe darauf stehen. Das heißt, eine der drei Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – muss in dem bezeichneten Gebiet erfolgen und im Ruf besonderer Qualität stehen. Die geschützte Ursprungsbezeichnung bedeutet: Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt sein.

Und natürlich spielt der Preis eine Rolle. Gutes Olivenöl und preiswert das geht nicht zusammen!

Sorten und Qualität von Olivenöl

 Die heute angebauten Sorten gehen noch immer auf den Beginn der Kultivierung zurück. Das spanische Sortenspektrum entspricht dem im 15. Jahrhundert. In Spanien werden etwa 200 Olivensorten kultiviert; nachfolgend eine Auswahl:

Sorten für die Ölproduktion:

  • Picual (auch MarteñaLopereña oder Nevadillo Blanco genannt): Bedeutendste Sorte, macht etwa 50 % der spanischen und 20 % der Weltproduktion aus.    Das Heimat- und Hauptanbaugebiet ist die Provinz Jaén in Andalusien (dort 91 % des Anbaus), außerdem die Provinzen Badajoz, Granada und Córdoba. Sie liefert ein hochqualitatives Öl von sehr großer Stabilität und hohem Säuregehalt. Picual besitzt einen kräftigen, fruchtigen Geschmack nach Oliven und enthält besonders viel Vitamin E. Der kräftige Geschmack unterscheidet sie von anderen Sorten.
  • Picudo: Stammt aus der Provinz Córdoba, im Besonderen aus Priego de Córdoba und wird außerdem auch in Granada und Málaga angebaut.
  • Hojiblanca: Ursprungsgebiet ist Lucena (Provinz Córdoba). Hauptanbaugebiet sind die Provinzen Córdoba, Málaga und Sevilla. Sie wird sowohl für die Ölproduktion als auch als Tischolive verwendet. Das Öl zeichnet sich durch einen vollen, aber milden Geschmack ohne Schärfe aus.
  • Verdial: Heimatregion ist Vélez-Malaga, die Sorte wird aber auch im übrigen Andalusien und in der Extrematura angebaut.
  • Arbequina: Wird in Lleida, Tarragona und Córdoba angebaut. Die Oliven sind klein und fallen nicht leicht vom Baum ab, so dass sie meist in Handarbeit abgeerntet werden.
  • Empeltre: Stammt aus der Provinz Saragossa und wird im gesamten Ebrotal angebaut. Sie gibt ein mildes Öl von klarer, gelber Farbe mit süßlicher, aromatischer Geschmacksrichtung.
  • Cornicabra: Stammt aus Mora in der Provinz Toledo und macht ca. 12 % der spanischen Produktion aus.
  • Lechín: Wird in den Provinzen Córdoba, Cádiz, Sevilla und Granada kultiviert.
  • Royal de Cazorla: autochthone Sorte der Region Sierra de Cazorla.

Qualität

 Qualitätsbeeinflussende Faktoren:

 Die geschmackliche Qualität ergibt sich aus

  • der Olivensorte
  • dem Zustand der Oliven wie Reife oder Wasserversorgung beim Wuchs
  • dem Anteil von angefaulten und von Schädlingen befallenen Früchten
  • der Reinheit von Fremdkörpern wie Laub, Aststückchen und Sägespänen
  • der Art und Dauer der Lagerung nach der Ernte bis zur Verarbeitung
  • der Reinheit der Anlagen bei der Verarbeitung, insbesondere bei Rückständen von älteren Chargen
  • der Sauerstoff-Exposition während der Verarbeitung
  • der Weiterbehandlung nach der Pressung
Von Klejdi Shtrepi - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73107730

Folgende Güteklassen für Olivenöl gibt es:

 Auf den Tisch kommen normalerweise nur Öle der Kategorien (s. unten) eins, zwei und fünf (dieses in Deutschland nicht erhältlich). Dieses Öl wird entweder durch mechanisches Pressen oder nach dem Zentrifugier-Verfahren gewonnen. Diese drei Öltypen sind immer kaltgepresst und ohne übermäßige Temperatureinwirkung hergestellt.

Kategorie

Produktbezeichnungen

Herstellungsverfahren

Eigenschaften, Qualität und Verwendung

1

natives Olivenöl Extra

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 0,8 %, ohne sensorische Fehler, für den Verzehr geeignet.

2

natives Olivenöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt ≤ 2 %, leichte Fehler, für den Verzehr geeignet

3

Lampantöl

direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren und ohne andere Behandlung

Säuregehalt > 2 %, deutlich fehlerhaft
darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss raffiniert werden

4

raffiniertes Olivenöl

 

Säuregehalt ≤ 0,3 %, typische Geschmacks- und Geruchsanteile des Olivenöls fehlen; darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Olivenöl“ (Kategorie 5) verarbeitet werden.

5

Olivenöl

Mischungen aus raffiniertem Olivenöl (Kategorie 4) mit nativem Olivenöl der Kategorien 1 oder 2

Säuregehalt ≤ 1 %, Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

6

rohes Oliventresteröl

Aus dem Trester (fester Rückstand aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten), der nach der Pressung/Extraktion der Oliven übrig bleibt, wird mit Hilfe von Lösungsmitteln (Hexan) das nach der ersten Pressung noch verbleibende Öl extrahiert.

Das Öl ist zum Verzehr nicht geeignet und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Raffiniertem Oliventresteröl“ (Kategorie 7) verarbeitet werden.

7

raffiniertes Oliventresteröl

aus rohem Oliventresteröl durch Raffination hergestellt

Säuregehalt ≤ 0,3 %, das Öl ist ohne Geschmack und darf nicht an Verbraucher abgegeben, sondern muss zu „Oliventresteröl “ (Kategorie 8) verarbeitet werden.

8

Oliventresteröl

raffiniertes Oliventresteröl (Kategorie 7), das mit nativem Öl (Kategorie 1 oder 2) gemischt wird

Säuregehalt ≤ 1 %, zum Verzehr geeignet. Das Mischungsverhältnis ist nicht vorgeschrieben, so dass der Anteil an nativem Olivenöl 1–99 % betragen kann. Je höher der Anteil an nativem Olivenöl, desto intensiver ist der Geschmack.

Ökologische Bedeutung der Olivenproduktion

Die Art der Olivenölproduktion wirkt sich auf den ökologischen Wert und den Landschaftsschutz in einer so hoch entwickelten Kulturlandschaft, wie sie der Mittelmeerraum darstellt, überaus stark aus. Die Bäume wachsen oftmals auf steinigen, steilen und im Sommer heißen und trockenen Hängen bis ca. 500 m über dem Meeresspiegel. Sie benötigen wenig Wasser und Düngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorität, Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Diese sind allerdings viel stärker brandgefährdet.

Allerdings hat die ökologische Bedeutung bei der Produktion der Oliven in Spanien keinen so großen Stellenwert, da sie meist in großen Plantagen angebaut werden. Das liegt leider auch an einer falschen EU Politik. Die EU-Subventionen erfolgen kontraproduktiv nur durch Zahlungen pro Hektar Land oder pro Liter produzierten Öls statt pro Olivenbaum. Damit werden große Produktionsmengen und hohe Gewinne auf Großplantagen und intensive Monokulturen gefördert und zahlreiche kleinbäuerliche und umweltgerechte Produktionsstätten ruiniert. Darüber hinaus werden dadurch großflächige Bewässerungsprojekte notwendig, was in Gebieten mit geringen Wasserreservoirs Engpässe auslöst und den Grundwasserspiegel absenkt. Auch droht die Ausrichtung auf Mengenproduktion weniger ergiebige Sorten zu verdrängen, was sich wiederum zu Lasten der Vielfalt, aber auch der Resistenz gegen Krankheiten und klimatische Veränderungen auswirkt.

So gab es in Spanien 2023 wegen der großen Dürre auch bei den Olivenproduktion Probleme. Die anhaltende Trockenheit ist das Hauptproblem. Nur etwa ein Viertel der spanischen Olivenhaine werden bewässert. Der Rest ist auf Regen angewiesen. Wenn es nicht regnet, sterben die Bäume nicht ab, aber sie passen sich an und tragen weniger Früchte. Eine einfache stärkere Bewässerung ist aber aus ökologischen aber auch aus Kostengründen nicht sinnvoll. Aber es gibt erste Alternativen.

So versuchen es einige Bauern über die Tröpfchenbewässerung. Es entsteht dabei ein runder, feuchter Fleck um den Baum herum. Aber durch Hitze und Wind verdunstet davon auch wieder ein Teil. Der neue Weg besteht darin, die Tröpfchenbewässerung unter die Erde zu legen, um so noch sparsamer mit dem Wasser umzugehen. Diese Form der Bewässerung ist aber nur bei Olivenplantagen sinnvoll. Die Bauern aber, die noch alte Olivenhaine besitzen, sind dann wieder wie oben gesehen benachteiligt.  Vielleicht ändert sich dies noch, denn Trockenheit und Dürre sind ein Problem, das nach Aussagen der Wissenschaften im Rahmen der Klimakrise in den nächsten Jahren noch zunimmt.

Momentan ist es aber auf jeden Fall so, dass auf Grund der oben genannten Problematik, wie bereits auch für Italien angekündigt, der Preis für hochwertiges Olivenöl 2024 stark steigen wird. In den spanischen Supermärkten ist 2023 ein Liter gutes Olivenöl kaumunter 10 Euro zu bekommen. So hat sich das Öl seit März 2012 um 136,6% verteuert! Zwei schlechte Ernten hintereinander haben das bewirkt. Aber seien wir ehrlich, ein Hauptgrund für die Preissteigerung ist sicher die Problematik von Wassermangel, Dürre und Hitze, aber Spekulation und Profitdenken spielen bestimmt auch eine Rolle. In der Produktions- und Vertriebskette versuchen offenbar viele Beteiligte, Profit aus der Situation zu schlagen

Von G.steph.rocket - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46572374

Die mediterrane Küche und der Gesundheitsaspekt

Die Beobachtungsstudie SUN ‘Seguimiento Universidad de Navarra’, die die mediterrane Ernährung analysiert, bestätigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der mediterranen Küche und einer guten mentalen und emotionalen Gesundheit gibt. Die Mittelmeer-Diät, die auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländeer wie Spanien basiert, ist reich an Gemüse, Wein, Früchten, Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Nüsse, Samen, Kräuter und Gewürze bilden zusätzlich die Grundlage der Ernährung. Olivenöl spielt in der Ernährung eine ganz besondere Rolle. Denn es ist die Hauptfettquelle, im Gegensatz zu anderen Ernährungsformen, bei denen gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs überwiegen.

Warum ist Olivenöl so wichtig für die mediterrane Ernährung?

Olivenöl hat zahlreiche gesundheitliche Eigenschaften. Dank seiner Lipidzusammensetzung und seines Gehalts an Antioxidantien wirkt es sich unter anderem positiv auf die Vorbeugung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Erkrankungen aus und ist dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften hilfreich für die Gesundheit des Darms und des Immunsystems. 

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Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Eine kleine Geschichte des Walfangs an der Nordküste Spaniens

Camino del Norte, Camino Primitivo

Vielleicht ist Euch auch schon aufgefallen, dass zahlreiche Dörfer an der Nordküste in ihrem Wappen einen Wal dargestellt haben. Die Frage ist allerdings warum? Nein, sie waren nicht ein Symbol für Größe oder Stärke (wie der Löwe z.B. in Deutschland), sondern sie waren über Jahrhunderte eines der wichtigsten Alltagsgüter!

Walfang an der Nordküste Spaniens

Nur wenige Seemeilen vor der Nordküste, von den Häfen und Stränden entfernt, bewegen sich bis heute Wale, die größten Säugetiere der Welt. Allerdings direkt vor der Küste – wie bis vor 120 Jahren – sind die Wale nicht mehr zu finden.

Nordspanische Fischer hatten als erste das riesige Potential der vor den Küsten schwimmenden Fett- und Proteinquellen erkannt und schon im 11. Jahrhundert mit dem Walfang begonnen. Vor allem die langsam schwimmenden Bartenwale wie Nordkaper, Buckelwale und Grauwale des Ostatlantiks waren leicht erreichbar. Die Jagd dieser Meeresriesen war Jahrhunderte lang eine wesentliche Grundlage für die Volkswirtschaft der spanischen Regionen entlang der Biskaya und maßgebend für die Entwicklung der Fischerorte an der Nordküste. Viele der repräsentativen Häuser in den Fischer- und Touristendörfern an der Küste sind auf den Reichtum aus dem Walfang zurückzuführen.

Von Archival Photograph by Mr. Sean Linehan -

Die bloße Erscheinung der Wale ruft heute große Begeisterung und Faszination hervor. Wir bewundern diese großen Meeressäuger und versuchen, sie zu schützen und zu erhalten. Zwischen dem 11. und dem 18. Jahrhundert allerdings waren sie ein hochgeschätztes und teures Alltagsgut.

Wenn Wale von verschiedenen Wehrtürmen gleichzeitig gesichtet wurden, setzten sich aus den entsprechenden Küstenorten die Ruderer zu gleicher Zeit in Bewegung, es entstand eine heftige Konkurrenz. Dutzende von Fischern warfen sich in ihre Txalupa-Boote und ruderten gegen die Wellen und gegen die Zeit. Denn nur wer zuerst ankam, und dessen Harpune getroffen hatte, dem gehörte die wichtige Beute. Wenn sich also verschiedene Txalupa-Boote dem Wal näherten, ruderten sie so schnell es auch nur ging. Konsequenz waren häufige Streitereien zwischen den Nachbardörfern. Denn genaue Grenzen im Meer gab es nicht.

Der relativ große Gewinn, der beim Walfang zu machen war, war für die Seeleute der Ansporn, sich zur Jagd in die Boote zu werfen. Ein Teil der Gewinne mussten den Landherren entrichtet werden und auch die katholische Kirche bekam ihren Teil ab.Abgesehen vom hohen Verdienst war der Walfang alles andere als ein Zuckerschlecken. Im Gegenteil, es bedeutete akute Lebensgefahr,

Es wurden vor allem die Franca-Wale gejagt, die Eubalaena Glacialis oder Glattwale. Diese Glattwale waren vor der gesamten „kantabrischen Küste“ heimisch. Diese „Cornisa Cantabrica“ erstreckt sich von der Grenze zu Frankreich über die baskischen Provinzen Gipuzkoa und Bizkaia und die beiden Regionen Kantabrien und Asturien bis nach Galicien. Irgendwann wurden die Tiere seltener, weil zu viele erlegt wurden. Lange, wenn auch in beschränktem Umfang ging der Walfang auch an der Küste weiter, bis 1901 vor der Hafenstadt Orio in Gipuzkoa das letzte Exemplar eines heimischen Wals gefangen wurde.

Von Hines, Bob - WO-ART-81-CDHines1Derived from the following image: United States Fish & Wildlife Service, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=422334

Wale im Stadtwappen

Über die Jahrhunderte lange Tradition ist der Walfang für viele Orte der Nordküste zu einem Symbol geworden, das bis heute präsent ist. Die Bevölkerung vieler Küstenorte lebte vom Walfang und der daraus resultierenden Verarbeitung. Aus diesem Grund wurden die Walfische in einigen dieser Anliegerorte ins Stadtwappen aufgenommen, um ihre Bedeutung in den mittelalterlichen Gesellschaften zu würdigen.

In Bizkaia (mit Bilbao als Hauptstadt) haben Bermeo, Lekeitio und Ondarroa den Walfisch in ihren Wappen. In Kantabrien erscheint er im Symbol von Castro Urdiales. In Gipuzkoa (mit San Sebastian als Hauptstadt) ist der Meeressäuger in den Wappen von Hondarribia, Zarautz, Getaria und Mutriku zu finden.

Von Heralder - and [1] and Image, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32699544 Wappen von Hondarribia
Von Heralder - [1][2], CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40370168 Wappen von Zarautz

Nutzung der Tiere

 Wie kaum ein anderes Beutetier konnten Wale komplett verwertet werden, kein Teil des wertvollen Fangs blieb ohne Nutzung.

Das Walfett war eine wertvolle Beute, die in Öl umgewandelt wurde, das legendäre Saín-Fischfett. Dieses Saín war eine ideale Flüssigkeit, um Uhren zu ölen. Vor allem aber diente es dazu, die Straßenlampen in halb Europa am Leuchten zu halten. Das Besondere an jenem Öl war, dass es keinen Geruch hinterließ und keinen Rauch produzierte. „Ein Fass mit 200 Litern wurde für umgerechnet 5.000 Euro verkauft.

Das Fett wurde zudem zur Herstellung von Kosmetik und Medikamenten verwendet. Die großen Knochen kamen als Balken bei Baugerüsten zum Einsatz, außerdem wurden sie zur Herstellung von Möbeln benutzt. Die Barten aus dem Walmaul waren elastisch, deshalb wurden aus ihnen Sonnenschirme und Kämme gemacht, auch Korsette in Form von Fächerstäben. Letztere werden heute aus anderen Materialien produziert, dennoch werden sie nach wie vor „Walbein“ genannt.

Doch war aus dem Walkörper noch anderes nutzbar. Das Sperma war ein teurer Rohstoff, um Salben und Balsam herzustellen. Auch das Fleisch selbst wurde verzehrt, zwar nicht im Baskenland, hier wurde es nicht konsumiert. Zu seiner Konservierung wurde es gesalzen und exportiert, vor allem nach Frankreich. Kostbarster Teil des Walkörpers überhaupt war die Zunge. Hochgestellte Persönlichkeiten pflegten sie zu verspeisen, sie ließen sich direkt beliefern.

Von HgrobeVektorisierung: Mrmw - Eigenes Werk, basierend auf: Whale products-d hg.png:, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101193521

Ausdehnung der Fanggebiete

Nachdem die Populationen vor der eigenen Küste dezimiert war, weitete man die Jagd auf die arktische Region aus. Es kamen Nachrichten aus Kanada, aus dem Gebiet von Terranova (Neufundland). Dort sollte es Mengen von Kabeljau geben (bask: makailaoa, span: bacalao). Viele Fischer beschlossen, dorthin zu fahren, nicht zuletzt, weil sie keine andere Wahl hatten. Eher zufällig wurde entdeckt, dass es dort oben im Nordwesten auch Wale gab. Mit schnelleren Schiffen und besseren Fangmethoden wurden ab dem 19 Jh. die großen und schnellen Blau-, Finn- und Seiwale gejagt und proportional zu ihrer Größe dezimiert. In zwei Jahrhunderten wurden rund 20.000 dieser Säuger erlegt. Die Fischer zogen im Frühjahr los und kamen vor dem Winter wieder zurück. Sie fischten in Neufundland aber auch in den Meeren Richtung Island. Man muss ehrlicherweise anmerken, dass es also die Europäer waren, die zum großen Teil an der massiven Dezimierung der Wale beteiligt waren!

Heutige Situation des Walfangs und die Probleme des Klimawandels

Seit 1948 wurde der Walfang mit der Einrichtung der internationalen Walfangkommission stark eingeschränkt und 1986 auf Null gesetzt. Heute fangen drei Nationen weiter Großwale (über 10 m Länge), die sich der Kommission nicht angeschlossen haben bzw. wieder ausgetreten sind: Island und Norwegen und seit Ende 2018 auch Japan. Extra geregelt und meist gar nicht erwähnt wird dabei der Fang der kleineren Arten.

Eine Bedrohung der Walpopulation stellen heute vor allem der Klimawandel und die Meeresverschmutzung dar. Durch den Klimawandel wird es zu Veränderungen der Wassertemperatur, des Meeresspiegels, der Meereisbedeckung, des Salz- und Säuregehaltes des Meerwassers, der Niederschlagsverteilung, der Windgeschwindigkeiten und des Wellengangs kommen. Die exakten Auswirkungen dieser Veränderungen auf das Leben der Wale sind nur schwer vorauszusagen.

Auf einige Klimaveränderungen, wie zum Beispiel den Temperaturanstieg reagieren die Meeressäuger direkt mit Veränderungen in ihrem Verbreitungsgebiet. Einige Arten verlassen ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet und weichen in andere Gebiete aus. Aber nicht alle Walarten können sich so den veränderten Bedingungen in ihrem Lebensraum entziehen.

Der Klimawandel wird aber auch indirekte Auswirkungen auf die Wale haben; wie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Umweltverschmutzungen. Auch Veränderungen in der Häufigkeit und Verteilung der Nahrungsressourcen, werden vor allem Walarten beeinträchtigen, die auf bestimmte Nahrung spezialisiert sind.

Wale sind neben dem Klimawandel jetzt schon zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt durch die Verschmutzung der Meere, chemische Abfälle und Lärm, industrielle Fischerei, Zusammenstöße mit Schiffen, militärische Aktivitäten, Veränderungen ihrer Nahrungssituation durch die Einführung fremder Arten und durch die Netze der Fischereiflotten, in denen sie oft ungewollt als Beifang verenden.

Warum sind Wale wichtig für Klima und Umwelt?

Der Schutz der Wale ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn Wale spielen eine wichtige Rolle in den marinen Ökosystemen. Ihre Ausscheidungen an der Meeresoberfläche dienen als Nährstoffe für Phytoplankton und Fische, bei ihren Tauchgängen befördern sie weitere Nährstoffe aus der Tiefe nach oben und wenn Wale sterben, ernährt ihr Körper zahlreiche Meeresbewohner. Die Wale speichern aufgrund ihrer Größe hohe Mengen Kohlenstoff. Außerdem entzieht das durch sie produzierte Phytoplankton der Atmosphäre CO2 und bindet es ebenfalls als Kohlenstoff.

Wie eine Studie hervorhebt, verbessern die riesigen Meeressäuger aufgrund ihrer langen Lebenserwartung langfristig die Stabilität der marinen Ökosysteme. Denn einige Walarten erreichen vermutlich ein Alter von etwa 100 Jahren und mehr. Allerdings schrumpfen die Bestände der großen Walarten wie Blau-, Grau- oder Buckelwal drastisch. Dies hat wahrscheinlich schon jetzt die Struktur der Ozeane verändert. Die Hoffnung besteht darin, dass weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet die unverzichtbaren Vorteile der Wale hervorheben und so auch den Walschutz und das Ansteigen der Walpopulationen fördern.

Von Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

Blauwale in Galicien heute

Wie der Guardian berichtet, werden in Galicien jedoch seit 2017 wieder jährlich einzelne Blauwale gesichtet. Wissenschaft ist sich uneinig, ob dies ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.

Der Meeresbiologe Bruno Díaz vermutet, die Wale könnten zurückgekehrt sein, da sie sich immer noch an die Heimat ihrer Vorfahren erinnern. Neueren Erkenntnissen zufolge sind für Migrationsbewegungen von Walen offenbar weniger Umweltfaktoren als Erinnerungen ausschlaggebend. Der Meeresbiologe Alfredo López nimmt dagegen an, dass der Klimawandel die Wale nordwärts treibt. Das wäre ein schlechtes Zeichen, da es zeigen würde, dass die Erwärmung der Meere den Lebensraum der Blauwale zunehmend einschränkt.

Blauwale sind wieder in Galicien, da sie in spanischen Gewässern viel Krill finden.

Von Juli bis Ende Oktober ernähren sich die Blauwale vor der galicischen Küste von Plankton. Davon gibt es sehr viel in der Gegend der Rías Baixas. Rías Baixas (galizisch: Untere Rías, spanisch Rías Bajas) ist die Sammelbezeichnung für vier schmale, tief ins Land reichende Meeresbuchten im Südwesten von Galizien, die aus überfluteten Flusstälern hervorgegangen sind. Das Gebiet reicht vom Cap Finistere bis zur portugiesischen Grenze. Das aus den Tiefen des Atlantiks aufsteigende Wasser ist sehr kalt, was das Planktonwachstum fördert.

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Llanes – ein reizvolles Fischerdorf, Colombres – Auswanderermuseum, San Antolin de Bedón

Llanes - ein reizvolles Fischerdorf

Camino del Norte

Das Küstenstädtchen liegt in einer grünen Landschaft malerisch zu Füßen des Gebirgszugs der Sierra de Cuera. Der Ort wurde gern als Kulisse für Filme und Serien genutzt. Vielleicht ist es ein Glück für den Küstenort, dass die Altstadt und die moderne Feriensiedlung jeweils einen eigenen Bereich bilden. Außerdem besitzt die Gemeinde, die sich über 30 km entlang der Küste erstreckt, über 30 kleiner und größere Strände.

Der Hafen

Seine besondere Atmosphäre hat es dem alten Hafen zu verdanken, der inmitten des Stadtkerns liegt und über einen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Von hier aus starteten früher die Walfänger hinaus auf den Atlantik. Llanes war einer der ersten Walfanghäfen außerhalb des Baskenlandes und Skandinaviens (s. auch das Kapitel über die Walfänger). Der traditionelle Fischereihafen ist bis heute in Betrieb. Schön sind die vielen kleinen Fischerboote.

Am Hafen findet man auch das Werk des baskischen Malers Augustin Ibarolla, Los Cubos de la Memoria. Er hat die Betonquader, die den Hafen als Wellenbrecher vor der Brandung schützen, mit kräftigen Farben bemalt. Sie sollen als Gedächtniswürfel dienen und setzen sich mit der Geschichte und Kultur in der Region von prähistorischer Zeit bis ins 19. Jh. auseinander. Das Werk besteht aus Gemälden auf Würfeln, die harmonisch ineinander übergehen, Kanten auflösen und durch die Verbindung der Würfel mit Farben neue Formenspiele erzeugen. So entstehen durch eine nicht-figurative Bildsprache neue Volumen und Oberflächen.

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52146781
Von GoaSkin - eigenes Foto, Bild-frei, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1955611

Sehenswürdigkeiten

Teile der erhaltenen Stadtmauer stammen noch aus dem Jahr 1206, dem Jahr, in dem der Ort von König Alfons IX. die Stadtprivilegien erhielt. Sehenswert sind Reste der mittelalterlichen Burg mit der Burgturm Torre del Castillo. Es handelt sich um einen Wehrturm in der mittelalterlichen Stadtmauer, dessen Fundament bis ins  13. Jahrhundert zurückreicht. Dieser Turm diente als Wehrturm und später als Gefängnis. Der Turm besteht aus Kalkstein und hat einen kreisförmigen Grundriss. 

Der Palacio de los Duques de Estrada wurde im Mittelalter erbaut und bewahrt den Aguilar de San Jorge-Turm aus dem 11. Jahrhundert. Das Gebäude wurde im 14. Jahrhundert umgebaut und erhielt sein heutiges Aussehen mit der Errichtung seiner heutigen Fassade im 18. Jahrhundert. Das heutige Gebäude ist also im Barockstil gehalten, wobei die Fassade von zwei Türmen mit viereckigem Querschnitt flankiert wird. Seit dem Brand im Jahr 1809 ist es allerdings eine Ruine. 

Der Palacio de Gastañaga oder San Nicolás-Palast, das ehemalige Herrenhaus von Rivero, ist eines der wenigen Beispiele ziviler Architektur aus dem 14. und 15. Jahrhundert in Asturien. Es befindet sich in der Calle Mayor, neben dem fehlenden Tor San Nicolás, das den Durchgang von der Mauer zum Fischerviertel verschloss. Der Palast ist in zwei unabhängige Körper gegliedert, die durch zwei Luftdurchgänge verbunden sind, die die noblen Stockwerke beider Gebäude verbinden. An der Hauptfassade sind die ursprünglichen, unregelmäßig verteilten Rundbogenöffnungen, Zwillingsbögen usw. erhalten. 

De Zarateman - Trabajo propio, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52146560
De Caguat - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16610274

Beeindruckend sind auch weitere überraschend repräsentative Bauten, da in früheren Zeiten mit Walfang viel Geld verdient wurde. Außerdem siedelten sich auch „Indianos“ an, reichgewordene Emigraten, die aus Südamerika in ihre Heimat zurückkehrten. Zu nennen ist hier u.a. das Rathaus. Es handelt sich hierbei um ein Gebäude im neoklassizistischen Stil, das Ende des 19. Jh. errichtet wurde. Es wurde allerdings in den 2oer Jahren umgestaltet.

Auch der kleine Palast von 1910, der früher der Sitz des Kasino-Theaters war, ist bemerkenswert.

Die frühgotische Kirche Santa Maria ist eine weitere Sehenswürdigkeit des Ortes. Die Basilica minor Santa María del Conceyu ist ein gotisches Bauwerk aus dem 14. und 15. Jahrhundert, weist aber im Inneren noch spätromanische Elemente wie das Westportal und mehrere Kapitelle auf.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=130600 Casino
https://www.the-vegan-travelers.com/de/europa/spanien/llanes-paradiesbucht.html Rathaus

Die Bufones de Arenillas

In der Nähe von Llanes befinden sich die Bufones de Arenillas (Narren von Arenillas), sogenannte Meerwassergeysire. Sie erzeugen bei starkem Wellengang bis zu 40 m (Bufón de Santiuste) hohe Wasserfontänen.

Ein Narr besteht aus Bergkalkfelsen, der auf einer Klippe liegt und vom Meer unten und dem Regen- oder Flusswasser oben erodiert wird. Durch diese Erosion entstehen Karsthöhlen . Wenn die Flut steigt, füllt er die Lücke, die durch das Heraustauchen über die Klippe entsteht, wodurch ein Meerwasserspritzer entsteht, der von einem charakteristischen Geräusch begleitet wird, was ihm den Namen Narr gibt.

Ein Bufón entsteht also dadurch, dass durch den Druck der Meeresbrandung Wasser durch natürliche Röhren im porösen Kalkstein gepresst wird. Bufones können überall dort entstehen, wo Karstlandschaften ans Meer grenzen, hier die Picos de Europa.

De sitomon - Trabajo propio, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1908556
De sitomon - Trabajo propio, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1908556

Aeródromo de Llanes

Südöstlich von Llanes, am Südrand des Ortsteils Cués, befand sich während des Bürgerkrieges ein Feldflughafen. Dieser wurde zunächst durch die Luftstreitkräfte der Republik Spanien benutzt. Nach Eroberung der von Osten vorrückenden nationalistischen Truppen des Generals Franco im September 1937 lag Llanes im von Franco kontrolliertem Gebiet des Landes. Der Platz wurde umgehend durch die Truppen Francos und die deutsche Legion Condor beim weiteren Vormarsch während des Krieges im Norden benutzt. Hier lagen Jagdflieger der nationalsozialistischen Jagdflieger 88 (J/88) (s. auch das Kapitel über Guernika). Heute sieht man von dem Flughafen nichts mehr. Hier befindet sich nun ein Golfplatz.

Das Migrationsmuseum in Colombres

Auf unserer Wanderung auf dem Camino del Norte sollte man vor Llanes in Colombres anhalten, gleich hinter der kantabrisch-asturischen Grenze, um das beeindruckende Migrations-Museum zu sehen. Sowohl das Museumsgebäude selbst, als auch die historische Ausstellung sind sehenwert. Die dargestellte Geschichte schildert praktisch und einleuchtend die Realität der früheren Bewohnerinnen der Regionen an der Nordküste der Iberischen Halbinsel. Diese Geschichte gilt nicht nur für Asturien, das Museum könnte genau so gut auch im Baskenland oder in Galicien stehen, denn in den vergangenen Jahrhunderten waren Leute aus allen Regionen aufgrund ihrer Existenzbedingungen dazu gezwungen, in Übersee, vor allem in Südamerika ihr Glück zu suchen. Manchmal war es auch pure Abenteuerlust.

San Antolin de Bedón

San Antolín de Bedón war ein aufgelassenes Benediktinerkloster in der Gemeinde Llanes, am westlichen Ende der Gemeinde, in einem grünen Tal, nur wenige hundert Meter vom gleichnamigen Strand von San Antolín entfernt. Das Kloster San Antolín de Bedón wurde an der Mündung des Flusses Bedón errichtet.

Rund um die Kirche stehen noch einige zerstörte Häuser. Die Kirche selber aber wurde in den letzten Jahren renoviert. Das Baujahr ist unbekannt, aber dem Stil nach stammt sie aus der Spätromanik im Übergang zur Gotik, was man an der Verwendung der Spitzbögen erkennen kann.

Seine gesamte Architektur ist sehr ausgewogen und harmonisch. Die Dekoration außen ist  sehr schlicht und beschränkt sich auf einige wunderschöne Konsolen (einige restauriert), wo viele figurative Motive in unterschiedlichem Erhaltungszustand vorkommen.

Der Grundriss entspricht der Form einer Basilika mit drei unterschiedlich hohen Schiffen, die durch Spitzbögen getrennt sind, die von einfachen Pfeilern gestützt werden. Der Kirchenraum endet in drei halbkreisförmigen Apsiden, die an der Außenseite hervorgehoben und mit einem Viertelkugelgewölbe bedeckt sind. Das Dachsystem ist hierarchisch aufgebaut, da die Kirchenschiffe ein Holzgerüst haben, während das Querschiff mit einem Kreuzrippen- und Spitztonnengewölbe bedeckt ist.

Die Kirche hat zwei Portale; das westliche Portal hat fünf spitze Archivolten und ein Gesims, das mit schönen anthropomorphen (Jäger), tierischen (Vögel) und pflanzlichen Kragsteinen verziert ist. Das südliche Portal hat eine sehr ähnliche Struktur und Verzierung. Eines von ihnen diente dazu, die Kirche mit dem Kloster zu verbinden.

By Ramón - originally posted to Flickr as San Antolín de Bedón - 39, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4690322

Quellen

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Hondaribbia (baskisch, spanisch Fuenterrabía, französisch Fontarabie)

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Camino del Norte

Hondarribia gehört zum historischen Territorium Gipuzkoas, einer der spanischen baskischen Provinzen. Die Hafenstadt liegt nordwestlich von Irun an der Mündung des Flusses Bidasoa, der hier die Grenze zu Frankreich bildet. Auf der anderen Seite der Flussmündung liegt die französische Stadt Hendaye. Vom Meeresbucht Txingudi aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf das Meer und auf die Nachbarortschaft Hendaia im Hintergrund. Spektakulär ist auch der kleine Flughafen, dessen Start- und Landebahnen direkt am Meer liegen, so dass der Anflug/Abflug über das Meer erfolgt!

Von Dr. med. Mabuse - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7876524

Die Burganlage, in der Altstadt mit Blick zur Mündung des Flusses Bidasoa liegend, wurde im 10. Jahrhundert von Sancho II., König von Navarra, in den frühen Tagen der christlichen Rückeroberung erbaut. Der mächtige Kalif Al-Mansur stellte damals eine ständige Bedrohung für die Gegend dar, aber König Sancho Abarca und die Burg von Hondarribia blieben verschont, weil der König dem Kalifen eine seiner Töchter zur Frau gegeben hatte – das gab es schon immer Vorteile, wenn man „alles in der Familie behält!“ Eigentlich ist ja die Heirat zwischen einem Muslim und einer Christin verboten, aber die Realität sah oft anders aus. Außerdem war es durchaus typisch für die damalige Zeit, dass es trotz der Auseinandersetzungen auch zahlreiche Kooperationen zwischen Christen und Mauren gab. (s. auch die Kapitel Islamisierung Spaniens und Reconquista)

Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert von Kaiser Karl V. umgebaut. Die fensterlose Fassade zum Platz (Plaza de Armas) vor der Burg entstand in dieser Zeit. Nach umfangreichen Renovierungsmaßnahmen wurde 1968 von General Franco in der Burg der Parador „El Emperador“, ein Vier-Sterne-Hotel, eingeweiht. Die Mauern der Säle und die Gänge sind mit Hellebarden, Schwertern und Wandteppichen geschmückt

Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16779008

Bemerkenswert ist der historische, von einer komplett erhaltenen Stadtmauer umgebene Altstadtkern mit seinen im baskischen Stil errichteten Herrenhäuser aus der Zeit der Renaissance und des Barocks, der zum historischen Ensemble erklärt wurde. Die Calle mayor mit der großen Barockfassade des Rathauses (18. Jahrhundert) und die Plaza de Guipuzcoa sind hier besonders merkenswert ebenso wie die Burganlage am Rande der zentralen Arma Plaza. In der Umgebung liegt die Pfarrkirche Santa María de la Asunción. Sie wurde im 15. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet und hat einen barocken Turm aus dem 18. Jahrhundert. 

Außerhalb der Stadtmauern liegt der vermutlich älteste Stadtteil, La Marina, ein pittoreskes Fischerviertel mit seinen alten, farbenfrohen und blumengeschmückten Fischerhäusern. Besonders beliebt ist das Sträßchen San Pedro Kalea mit zahlreichen Restaurants und Tapas-Bars. 

Von Tomada por JMSE el 6 de Julio de 2003 y cedida a Wikipedia. - From Spanish Wikipedia [1], CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=905003
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